Latest / ROCKET SCIENCE | Gesundheit und Leistung – mit Doc Golo / Perfektionismus und Stagnation - Das sabotiert deine athletische Performance
Transcript
- 0:00SPEAKER_00: Moin Leute und willkommen zu Rocket Science.
- 0:02SPEAKER_00: Heute sprechen wir über das Thema Perfektionismus für Athleten.
- 0:08SPEAKER_00: Es ist ein Thema, was ich sehr kritisch sehe, was gerade auch so in der Welt von Medien, Fitnesswelt, Social Media stark geprägt ist, was aber auch ehrlich gesagt einen großen persönlichen Einfluss immer auch bei mir hatte.
- 0:28SPEAKER_00: Und ich auch definitiv da so ein bisschen meine Sichtweise der Dinge schildern.
- 0:34SPEAKER_00: Ich glaube, wenn man sich halt so ein bisschen rausguckt, hat man halt sehr oft das Gefühl, als müsste man als Athlet so die perfekte Routine haben.
- 0:42SPEAKER_00: Das perfekte Training, als müsste man eine unerschütterliche Hingabe auch haben zum Sport.
- 0:49SPEAKER_00: Jede Trainingsession müsste irgendwie hart sein und man müsste halt die perfekte Ernährung haben und alles müsste ausgerichtet sein auf den Sport.
- 0:59SPEAKER_00: Die Realität sieht aber häufig ganz anders aus.
- 1:04SPEAKER_00: Und dieser Perfektionismus oder diese Art von Erfolgsgeschichten, die man immer wieder sieht, führt eher dazu, dass man wegläuft, dass man unzufrieden wird mit sich, dass man unzufrieden wird auch mit seinem Training und dass man sogar auch dann im Wettkampf oder in harten Situationen nicht das abrufen kann, was man eigentlich so abrufen möchte.
- 1:32SPEAKER_00: In dem Podcast möchte ich so ein bisschen Hintergrund geben in das Ganze.
- 1:36SPEAKER_00: Ich möchte auch meine Geschichte erzählen zu dem und gerade so zum Thema Perfektionismus, weil ich jemand bin, der sehr hohe Erwartungen an sich hat und ich habe sehr, sehr hohe Erwartungen an mich.
- 1:49SPEAKER_00: Ich habe aber dann auch immer wieder damit zu kämpfen gehabt, dass ich diese Erwartung, dass diese Erwartungen aus mir selber herauskommt und dass es nicht damit zu tun hat, dass jemand anderes das letztendlich von mir erwartet oder ich eine externe Bestätigung einfach auch haben will.
- 2:06SPEAKER_00: Und das ist egal, ob es jetzt für mich war, damals ins Medizinstudium zu kommen, Arzt zu sein, Arzt zu werden, Doktortitel oder eben auch Iron Man parallel dazu zu machen und dann auch Sport zu studieren und irgendwann dann auch in gewisser Weise das Coaching-Business mit aufzubauen.
- 2:25SPEAKER_00: Und ich möchte in das ganze Thema so eingehen, dass ich so ein bisschen erzähle, wie sich das bei mir auch entwickelt hat, wie ich auch so in den Sport gekommen bin, wie auch so meine Reise angefangen hat.
- 2:41SPEAKER_00: Ich habe mir mit 20 meinen ersten Ironman gemacht, habe dann auch direkt angefangen, Medizin zu studieren und habe es eigentlich relativ stark immer parallel aufgebaut.
- 2:50SPEAKER_00: Und dabei hatte ich sehr große Erfolge einerseits, weil ich irgendwie 2018 ein gesponsertes Team hatte mit Swift und sehr stark über mich hinausgewachsen bin.
- 3:03SPEAKER_00: Ich aber auch Zeiten hatte, wo fast gar nichts funktioniert hat, sportlich betrachtet, aber dass ich auch sehr stark dann auf mein Privatleben einfach auch so in gewisser Weise übertragen hat.
- 3:14SPEAKER_00: Ich glaube, das ist eine Folge, wo man auch so ein bisschen eben die Hintergründe so erfährt.
- 3:21SPEAKER_00: Danach sprechen wir auch übertraining, über Burnout, über fatale Fehler und auch über das Thema Selbstwert, was das auch, sag ich mal, so mit mir gemacht hat, aber was ich auch sehr häufig sehe bei sehr vielen Athleten und Athletinnen, wenn man eben einen sehr starken Perfektionismus an den Tag legt.
- 3:41SPEAKER_00: Und anschließend sprechen wir noch so ein bisschen darüber, wie man das ganze Thema auch durchbrechen kann und was das auch damit zu tun hat, eher auch Schwächen einzugestehen, Schwächen zuzugeben und auch so an seinen Schwächen zu arbeiten.
- 3:56SPEAKER_00: Und wie man das auch so in sein Training und seinen Ansatz auch integrieren kann.
- 4:05SPEAKER_00: Okay, ich muss einmal kurz einen Schluss und Wasser trinken.
- 4:11SPEAKER_00: Wenn wir uns so ein bisschen die Fitnesswelt anguckt, dann erlebt man da eine sehr, sehr starke Perfektion.
- 4:16SPEAKER_00: Und diese Perfektion hat sehr viel damit zu tun, dass in unserer Gesellschaft nicht unbedingt das beste Bild von Sport herrscht.
- 4:24SPEAKER_00: Sport ist was, wo man sich für aufopfern muss, wo man eine perfekte Struktur an den Tag legen muss.
- 4:31SPEAKER_00: Oder zumindest hat man häufig das Bild, wenn man sich Medien anguckt, wenn man sich Social Media anguckt, wenn man sich andere Dinge anguckt, wo man eben direkt so das Gefühl hat, dass man als Athlet sehr stark aufs Podest gehoben wird.
- 4:44SPEAKER_00: Was aber auch damit zu tun hat, dass man gut und gerne sagen kann, dass 50 Prozent der Menschen in westlichen Industrienationen ungefähr keinen Sport machen und nur 50 Prozent, die anderen 50% Sport machen.
- 4:56SPEAKER_00: Und von diesen 50% vielleicht so 10 bis 20 Prozent dann auch an Wettkämpfen teilnehmen.
- 5:02SPEAKER_00: Das heißt, wenn man schon vielleicht einen 5-10K-Lauf irgendwie absolviert, dann ist man schon eine sehr, sehr kleine Minderheit und man ist schon jemand anderes als jemand, der eben keinen Sport macht und auch jemand, der keine Wettkämpfe bestreitet.
- 5:18SPEAKER_00: Dabei sieht man, sage ich mal, auch so in der Influencer-Szene oder auch in vielen Medien, dass es so alles als perfekt dargestellt wird.
- 5:28SPEAKER_00: Es gibt den perfekten Körper, es gibt die perfekten Trainingspläne, es gibt irgendwie auch in gewisser Weise perfekte Mahlzeiten und nichts darf davon abweisen von dieser Perfektion.
- 5:41SPEAKER_00: Und dabei sieht man eben sehr, sehr häufig auch diese schmerzverzerrten Gesichter, dass man eben sich konstant aufopfern muss, um diese Struktur und diese Routine einzubauen und das Ganze auch durchzuziehen.
- 5:57SPEAKER_00: Das Problem ist aber, dass das dazu führt, dass man diese Athleten sehr stark auf einen Possess hebt und für viele Menschen es unnahbar wird, dahin einfach auch zu kommen.
- 6:09SPEAKER_00: Und dass aber auch die Menschen, die, sag ich mal, dieses Bild vertreten, dass da einfach dann auch ein sehr, sehr hoher Druck dahinter steht.
- 6:20SPEAKER_00: Und man häufig auch gerade so mit dem Thema Selbstzweifeln oder auch psychologischen Problemen auch damit zu tun hat.
- 6:28SPEAKER_00: Das ist definitiv etwas, was ich aus meiner Erfahrung auch sagen kann, weil ich war nicht immer sportlich.
- 6:35SPEAKER_00: Ich war als Teenager, ehrlich gesagt, eher unsportlich.
- 6:40SPEAKER_00: Ich habe eher eine musikalische Ausbildung genossen.
- 6:45SPEAKER_00: Ich habe bis zu meinem 16.
- 6:48SPEAKER_00: Lebensjahr oder bis zu meinem 16.
- 6:50SPEAKER_00: Lebensjahr war ich in der Jazzhausschule in Köln und habe Saxophon gespielt in der Jazzband, was eine sehr, sehr, sehr coole Zeit war, auch für mich.
- 6:58SPEAKER_00: Ich habe dann aber gemerkt, dass ich was anderes noch machen möchte.
- 7:02SPEAKER_00: Und dass ich sportlich gesehen einigermaßen talentiert war, immer schon.
- 7:08SPEAKER_00: Ich habe in meiner Kindheit Leichtathletik gemacht, aber und habe relativ früh geschwommen.
- 7:16SPEAKER_00: Also ich konnte schon mit viereinhalb oder fünf konnte ich schon schwimmen, was sicherlich gut war und ich habe sehr, sehr große Hände und ich habe eine, sehr hohe Spannweite mit meinen Armen, sodass ich einen gewissen, einen gewissen anatomischen Vorteil hatte, irgendwie auch in den Sport so zu gehen.
- 7:33SPEAKER_00: Ich habe dann in dem Zuge meine Nachbarn kennengelernt, die beide Triathleten sind oder waren und die beide Akademiker waren und sind.
- 7:44SPEAKER_00: Und das hat mich sehr, sehr stark inspiriert, mehr aus mir zu machen und irgendwie auch so aus meiner Situation so ein bisschen das Ganze zu verändern.
- 7:56SPEAKER_00: Und ich fand es sehr inspirierend.
- 7:58SPEAKER_00: Ich bin so in den Trietlan gekommen und bin auch so dann ins Medizinstudium eigentlich gekommen, weil das mir so mein Horizont einmal komplett erweitert hat.
- 8:08SPEAKER_00: Und das war eine sehr, sehr gute Sache.
- 8:10SPEAKER_00: Also das hat mich sehr geprägt und hat mich auch sehr verändert.
- 8:14SPEAKER_00: Und so habe ich dann mit 20 irgendwie meinen ersten Ironman gemacht.
- 8:18SPEAKER_00: Aber zu der Zeit, sag ich mal, gerade so auch vielleicht von meiner Familie her, war es eher so zu sagen, so, ich weiß nicht, ob du das wirklich schaffst.
- 8:26SPEAKER_00: Mein Onkel hat damals zu mir gesagt: so, ich glaube nicht, dass du es schaffst, den Iron Man zu machen.
- 8:31SPEAKER_00: Und dann habe ich halt im Rennen natürlich irgendwie so gesagt, okay, wenn du das sagst, dass ich es nicht schaffe, werde ich es dir definitiv beweisen, dass ich es schaffe.
- 8:38SPEAKER_00: Das war mein Mindset so ein bisschen dahinter.
- 8:42SPEAKER_00: Und das war auch in gewisser Weise okay und in Ordnung, das so vielleicht auch zuerst aufzubauen.
- 8:51SPEAKER_00: Danach aber ins Medizinstudium so zu gehen und immer den Anspruch zu haben, alles perfekt zu machen, sei es eben so, das Studium einigermaßen gut zu machen und parallel dazu immer mehr Iron Man und Iron Man, Iron Man zu machen, war okay, hat aber auch dann zu Problemen geführt, weil ich, sag ich mal, immer so ein sehr, sehr starkes Schwarz-Weiß-Denken entwickelt habe.
- 9:18SPEAKER_00: Und ich immer gedacht habe, okay, ich muss perfekt sein, also ich muss mein Training perfekt durchziehen.
- 9:23SPEAKER_00: Nur wenn ich irgendwie um 5.30 Uhr morgens aufstehe und meine Trainingssession mache und dann den ganzen Tag irgendwie am Studieren bin und dann abends noch eine Training-Session mache, klappt dieses Vorhaben.
- 9:37SPEAKER_00: Und deswegen habe ich mir letztendlich auch Iron Man damals ausgesucht, weil es eben diese krasseste Challenge war, die man sich eigentlich so aussuchen konnte.
- 9:44SPEAKER_00: Ich habe mir die Bilder angeguckt vom Ironman Hawaii, habe diese schmerzverzerrten Gesichter gesehen und habe halt gemerkt, so, boah, das ist halt das, was ich will und was mich einfach auch packt.
- 9:55SPEAKER_00: Und es hat auch funktioniert.
- 9:57SPEAKER_00: Also ich habe dann mit 2021 meinen zweiten Iron Man gemacht.
- 10:00SPEAKER_00: Das war dann so ganz, ganz am Anfang vom Medizinstudium.
- 10:02SPEAKER_00: Dann habe ich extra zwei Jahre Pause gemacht, weil im Medizinstudium es schon so war, mit Physikum, sonst was es sehr, sehr, sehr viel zu tun war und ich es nicht so wirklich umgesetzt bekommen habe und andere Dinge irgendwie für mich auch wichtiger waren.
- 10:14SPEAKER_00: Also auch Connection mit Menschen kennenzulernen.
- 10:17SPEAKER_00: Ich habe damals auch meine erste Freundin kennengelernt.
- 10:20SPEAKER_00: Und das war für mich wichtig, dass, oder es gab dann andere Themen, die wichtiger waren.
- 10:30SPEAKER_00: Dann habe ich aber schon gemerkt, dass mich auch Triathlon noch reizt und ich auch Lust habe, da auch wieder Gas zu geben und nach vorne zu kommen.
- 10:37SPEAKER_00: Ich bin dann nur in diese Falle getappt, es dann auch wieder sehr perfektionistisch zu sehen und auch sehr schnell alles zu sehen.
- 10:44SPEAKER_00: Also auch zu sagen, ich will innerhalb von einem Jahr, anderthalb Jahren sofort zum Iron Man Hawaii, ich will sofort zu den Weltmeisterschaften.
- 10:51SPEAKER_00: Und habe da halt irgendwie auch Angst gehabt, nicht so genug zu sein, wenn ich das halt nicht erreiche.
- 11:00SPEAKER_00: Also ich hatte eben so diese Vorstellung von mir, dass ich, wenn ich die Dinge angehe, ich sie halt mit vollem Herz und richtig perfekt und einfach richtig, richtig gut aufziehen sollte.
- 11:14SPEAKER_00: Das Problem dabei ist aber, dass man eben dadurch sich so ein Leben schafft, was auch in gewisser Weise keine Balance wirklich gibt und vor allen Dingen dem Körper auch nicht die Ruhezeiten gibt, die er einfach auch braucht.
- 11:28SPEAKER_00: Und dann drückt man seinen Körper gerne eben auch in problematische Situationen.
- 11:34SPEAKER_00: Weil es ist eben so, dass man definitiv auch immer einerseits den Workload braucht, also die Belastungen, und auf der anderen Seite eben auch die Erholung.
- 11:44SPEAKER_00: Und diese Erholung braucht man sowohl für seinen Körper, für physiologische Prozesse, als auch für mentale Prozesse.
- 11:52SPEAKER_00: Ich glaube, es gibt nichts so ein bisschen Dramatischeres, als wenn man auf seinem Körper nie die Möglichkeit gibt, auch mental wieder Abstand zu gewinnen.
- 12:00SPEAKER_00: Das heißt nicht, dass man jetzt dann nicht mehr trainieren sollte.
- 12:03SPEAKER_00: Ich glaube, wer mich kennt, der weiß, dass Training und Sport und auch Wettkämpfe in gewisser Weise zu mir und meinem Leben dazugehören.
- 12:11SPEAKER_00: Und ich merke das auch immer wieder, dass das sehr wichtig ist, darauf komme ich gleich auch nochmal so zu sprechen.
- 12:16SPEAKER_00: Aber eben auch eine gewisse Balance auch so zu wahren.
- 12:20SPEAKER_00: Weil man bekommt eben so in Medien und wenn man sich mit dem Thema beschäftigt, sehr schnell das Gefühl, man sei kein echter Sportler, wenn man nicht sein gesamtes Leben darauf ausrichtet und wenn man nicht alles irgendwie optimiert und wenn man nicht konstant dabei ist, letztendlich jegliche Art von seinem Leben einfach perfekt zu gestalten.
- 12:43SPEAKER_00: Gerade jetzt auch so solche Sachen, wie man viel auch sieht, vielleicht von Brian Johnson oder auch von anderen Menschen, die das vielleicht auch so aus einer Performance, aber auch so aus einer Longevity-Sicht sehen.
- 12:56SPEAKER_00: Es wirkt halt so, dass niemand wirklich mehr Spaß hat bei der ganzen Sache.
- 13:00SPEAKER_00: Und niemand auch Schwächen darstellen möchte, weil es nur gilt, wenn man sich komplett aufopfert.
- 13:07SPEAKER_00: Und das ist entgegen dem, was ich erlebt habe und auch entgegen dem, was ich auch in gewisser Weise unseren Athleten auch beibringen möchte.
- 14:03SPEAKER_00: Das heißt, bei mir war es dann auch so, dass als ich da meine ersten Ironments gemacht habe und eine Medizinstudie meine ich war und so, ich würde sagen, gerade so in den Zeiten von 2013, 2014 und vor allen Dingen dann 2015, war eben sehr stark davon geprägt, diese Routine und diesen Perfektionismus aufrechtzuerhalten.
- 14:22SPEAKER_00: Perfektionismus ist aber auch etwas, wo man sagen muss, es hat sehr viel damit zu tun, externe Bestätigung zu bekommen und auch so diesen Schulterschlag zu kriegen von jemandem, der halt sagt, so wie du es machst, ist es halt in Ordnung.
- 14:37SPEAKER_00: Und das birgt halt die Gefahren mit sich, dass man sehr abhängig wird von dieser externen Validierung und von diesem Prozess, zu sagen, so du bist wert, weil du Iron Man machst, weil du Medizin studierst in meinem Fall, weil du dir den Status irgendwie auch aufbaust.
- 14:59SPEAKER_00: Es führt dann aber auch dazu, dass du unzufrieden wirst, wenn du gerade nichts erreichst.
- 15:05SPEAKER_00: Das heißt, bei mir war es dann auch sehr stark davon geprägt, dass ich einen Wettkampf gemacht habe, den Wettkampf vielleicht sogar ganz gut gemacht habe, kurz darauf aber schon wieder irgendwie eine gewisse Unzufriedenheit mit mir hatte, weil ich halt nicht ein neues Ziel mir einfach auch gesteckt habe.
- 15:22SPEAKER_00: Und 2014 war für mich zum Beispiel ein sehr schwieriges Jahr, weil ich hatte damals meine Doktorarbeit geschrieben hatte.
- 15:31SPEAKER_00: Und ich habe meine Doktorarbeit geschrieben zu Multiple Sklerose bei Ausdauersportlern.
- 15:38SPEAKER_00: Und wir hatten ein Team von Sportwissenschaftlern und auch von meinem Professor eigentlich, was mich nicht so unterstützt hat und ich in gewisser Weise auch in so einem Nirvana war, so, okay, jetzt mach doch einfach mal.
- 15:55SPEAKER_00: Und ich habe mit dem Institut noch gearbeitet, habe sehr, sehr viele Spiroergometrien durchgeführt, Leistungsdiagnostik bei Patienten durchgeführt, was eigentlich cool war, was Spaß gemacht hat.
- 16:04SPEAKER_00: Nur jedes Mal, wenn ich halt irgendwie Dinge aufgeschrieben habe und eigentlich meine Doktorarbeit so ungefähr fertig geschrieben habe und sie meinem Prof vorgelegt habe, hat er gesagt, so, nee, da fehlt noch was und du kannst es eigentlich nochmal komplett von neu machen.
- 16:20SPEAKER_00: Und das Ganze habe ich dreimal gemacht.
- 16:22SPEAKER_00: Also ich habe dreimal meine Doktorarbeit geschrieben mit jemals irgendwie 60, 70 Seiten.
- 16:27SPEAKER_00: Und das hat mich sehr stark belastet.
- 16:31SPEAKER_00: Und ich habe halt weiterhin auch im Institut gearbeitet, was auch relativ viel Zeit war.
- 16:34SPEAKER_00: Daneben habe ich Medizin studiert und ich wollte eben auch Triathlon noch echt sehr, sehr gut machen.
- 16:41SPEAKER_00: Und hatte da auch in gewisser Weise eine Peergroup von Athleten, die mich auch unterstützt haben.
- 16:48SPEAKER_00: Wir hatten eine coole Gruppe, aber es war auch immer sehr, sehr stumpf.
- 16:51SPEAKER_00: Also es war in gewisser Weise auch immer so sehr machen, machen, machen, machen, machen und nicht so nach links und rechts schauen und nicht auch wirklich vielleicht so ein bisschen smarter zu trainieren, ganzheitlich mit dem Körper zu trainieren, sondern einfach nur stumpf Trainingsprogramme durchzuziehen und zu machen.
- 17:07SPEAKER_00: Also nicht smart zu trainieren, sondern einfach nur stumpf seine Programme durchzuziehen.
- 17:14SPEAKER_00: Und das hat dazu geführt, dass ich sehr stark meinen Selbstwert an das Erreichen von Zielen gekoppelt habe.
- 17:25SPEAKER_00: Und da ich 2014 irgendwie nicht wirklich das Gefühl hatte, voranzukommen, war ich sehr unzufrieden, weil ich hatte mich nicht qualifiziert Hawaii, meine Doktorarbeit war irgendwo um Nirvana und medizinmäßig lief es zu der Zeit auch nicht wirklich so richtig gut.
- 17:41SPEAKER_00: Ich habe dann aber auch, so muss ich sagen, auch Symptome entwickelt, die ersten von Übertraining.
- 17:49SPEAKER_00: Das heißt, Übertraining ist was, was nicht so sehr witzig ist, weil man vernachlässigt eben seine Regeneration und baut einen sehr starken internen Druck auf, immer auch diesen Standard zu erhalten und immer auch diesen Perfektionismus aufrechtzuerhalten.
- 18:12SPEAKER_00: Und das war bei mir so, dass es einerseits war so, okay, ich habe mich nicht wirklich so rausgenommen, ich habe nicht wirklich regeneriert.
- 18:21SPEAKER_00: Das ist aber nur ein Aspekt von Übertraining, sondern das ist vor allen Dingen auch so dieser konstante Druck, den man sich mental macht.
- 18:28SPEAKER_00: Also dieses konstante Vergleichen mit anderen Sportlern, dieser konstante Druck, den man sich macht und eben auch so das Gefühl hat, dass man nie rausnehmen kann.
- 18:43SPEAKER_00: Ich weiß, ich bin damals, wenn ich in Urlaube gefahren bin, stand Training halt für mich immer noch auch an aller allererster Stelle.
- 18:49SPEAKER_00: Und ich konnte halt zu der Zeit zum Beispiel mit meiner Freundin echt schwierig relaxen oder einfach generell auch mal rausnehmen in meinem Leben, weil das stark mit deinen Selbstzweifeln einhergegangen bin, ist, ob ich auch dann wirklich noch gut bin, wenn ich jetzt nicht auch weiter trainiere.
- 19:04SPEAKER_00: Zudem habe ich eben auch zum Beispiel meine sozialen Kontakte sehr stark vernachlässigt, habe mich sehr isoliert, habe eigentlich immer nur mein eigenes Ding gemacht und habe vor allen Dingen auch nicht darüber gesprochen, was einfach gerade so mit mir los ist.
- 19:18SPEAKER_00: Also für mich hatte das sehr viel dann auch damit zu tun, dass ich auch weggelaufen bin vor negativen Dingen in meinem Leben und alles, was nicht so gut gelaufen ist, habe ich eigentlich mit niemandem darüber gesprochen.
- 19:30SPEAKER_00: Auch so das Thema damals mit der Doktorarbeit, ich würde sagen, es wusste halt irgendwie meine Freundin, dass es mir damit nicht so gut ging.
- 19:39SPEAKER_00: Aber son, und das habe ich auch nicht so doll geteilt, und sonst war, habe ich eigentlich nie darüber gesprochen.
- 19:46SPEAKER_00: Für mich war das auch, ehrlich gesagt, eine sehr große Herausforderung, weil wir so ein Team hatten von Sportwissenschaftlern, die halt so ihr Kind sehr, sehr hoch getragen haben.
- 19:59SPEAKER_00: Und ich war in gewisser Weise nur der kleine Medizinstudent, der noch keine Ahnung von nichts hatte.
- 20:06SPEAKER_00: Und so wurde ich eben auch behandelt.
- 20:08SPEAKER_00: Das Ding war aber, dass ich mich schon sechs Jahre lang ganz, ganz, ganz intensiv mit dem Thema Leistungsphysiologie beschäftigt habe.
- 20:17SPEAKER_00: Also seitdem ich letztendlich 19 bin, 20 bin, mache ich halt irgendwie Iron Man.
- 20:22SPEAKER_00: Und das war jetzt irgendwie sechs Jahre später.
- 20:24SPEAKER_00: Also ich war halt irgendwie, hatte schon sechs Jahre mich sehr stark mit dem ganzen Thema auseinandergesetzt und beschäftigt.
- 20:30SPEAKER_00: Und ich wusste schon eine ganze Menge, was so Training einfach auch angeht.
- 20:33SPEAKER_00: Und ich fand die Trainingsprogramme, die strukturiert worden sind von dem Team, nicht wirklich gut, die wir für die Patienten auch eingesetzt haben.
- 20:40SPEAKER_00: Und ich konnte mir auch vorstellen, warum die Trainingsprogramme auch teilweise nicht ganz so gut funktioniert haben.
- 20:45SPEAKER_00: Und das war eben so ein gewisses Dilemma, was da war, weil ich habe es dann probiert zu sagen, aber es wurde halt irgendwie immer wieder überstimmt und nicht wirklich darauf eingegangen.
- 20:54SPEAKER_00: Und es hat dazu geführt, dass ich auch, dass es schwierig für mich war, da auch meinen Wert in gewisser Weise so darzustellen und zu behaupten.
- 21:05SPEAKER_00: Und dann habe ich eben auch probiert, noch mehr meinen Selbstwert, auch so an diesen sportlichen Erfolg, mehr, mehr daran auch zu knüpfen und zu das auch durchzuziehen.
- 21:17SPEAKER_00: Und dann habe ich 2015 zwar qualifiziert für den Ironman auf Hawaii, habe aber davor auch schon gemerkt, dass es mir nicht ganz so wirklich gut geht.
- 21:29SPEAKER_00: Ich habe damals auch so, ich sag mal, damals war es auf jeden Fall auch so ein bisschen das Ding, dass ich gemerkt habe zum Beispiel, dass ich nicht mehr so viel Lust habe auf soziale Kontakte, ich nicht mehr so viel Lust habe auf intime Momente, mein Libido so echt runtergegangen ist und auch meine ganze Motivation irgendwie so echt weniger war wie die Jahre zuvor.
- 21:51SPEAKER_00: Und ich dann nachherst auch herausgefunden habe, sodass meine Testosteronwerte eben dramatisch in den Keller gegangen sind, weil ich halt viel zu wenig geschlafen habe, weil ich halt irgendwie echt zu wenig regeneriert habe und weil ich eben auch stark immer diesen perfektionistischen Ansatz hatte.
- 22:09SPEAKER_00: Also alles muss perfekt sein, meine Ernährung muss perfekt sein, mein Schlaf muss perfekt sein, mein Training muss perfekt sein.
- 22:14SPEAKER_00: Das hat aber immer dazu geführt, dass ich eher so ein gewisses Kopfkino hatte, wenn Dinge halt nicht so gelaufen sind, ich einfach mir einen unglaublichen Druck gemacht habe und ich nicht relaxen konnte.
- 22:23SPEAKER_00: Ich habe mich isoliert, ich hatte nur meine sportlichen Freunde.
- 22:26SPEAKER_00: All diese ganzen Dinge waren halt nicht wirklich gut oder waren nicht wirklich gut auf eine langfristige Sicht des Ding.
- 22:37SPEAKER_00: Und dann bin ich zum Iron Man Hawaii gefahren und hatte da das furchtbarste Rennen, was ich besondere.
- 22:44SPEAKER_00: In meiner Laufbahn hatte, weil ich auch im Rennen schon vorher gedacht habe: Du wirst über dich hinaus wachsen, du wirst ein sehr, sehr gutes Rennen haben.
- 22:52SPEAKER_00: Und ich hatte einen sehr hohen Erwartungsdruck auch schon an mich bei dem Rennen.
- 22:58SPEAKER_00: Fakt ist, Hawaii ist ein Rennen, was ultimativ hart ist.
- 23:03SPEAKER_00: Was jetzt nicht so ist wie irgendwie so ein 0815 Iron Man, sondern man hat brutale Bedingungen.
- 23:13SPEAKER_00: Und ich habe natürlich gedacht, wenn du es nicht schaffst, dann schafft es halt kein anderer.
- 23:18SPEAKER_00: Und du bist sowieso der härteste.
- 23:21SPEAKER_00: Innerlich habe ich das gedacht, das habe ich natürlich nicht so gesagt oder ausgestrahlt, aber ich habe an mich halt sehr, sehr hohe Erwartungen geknüpft in dem Rennen.
- 23:29SPEAKER_00: Nicht arroganz, sondern eher so, dass war mein eigener Erwartungsdruck an mich, den ich halt machen wollte.
- 23:36SPEAKER_00: Und deswegen wollte ich natürlich irgendwie auch, weil ich noch in dieser Zielgruppe in dieser Gruppe war, 25 bis 30, die halt noch relativ, oder war ich sogar noch?
- 23:46SPEAKER_00: Nee, genau.
- 23:47SPEAKER_00: In der Gruppe war ich, ja.
- 23:49SPEAKER_00: Und deswegen, in der Gruppe hat man meistens noch ganz gute Chancen, auch mit einer vielleicht nicht super, super schnellen Zeit aufs Podium zu kommen.
- 23:57SPEAKER_00: Und das war mein Ziel.
- 23:58SPEAKER_00: Und das war auf jeden Fall falsch, weil Hawaii ist halt ein besonderes Rennen und es wäre halt viel sinnvoller gewesen, halt zum Beispiel zu sagen, nee, nimm das einfach nur mit und nimm das wahr und hab Spaß, habt ein geiles Rennen.
- 24:12SPEAKER_00: Genießt das und so mach dir nicht diesen krassen Druck, mach dir nicht diesen krassen Druck, jetzt noch in den Weltmeisterschaften direkt sehr weit nach vorne zu kommen.
- 24:22SPEAKER_00: Und auf Hawaii, muss man sagen, lehrt einen das, diese Insel, dann doch sehr schnell und auch sehr dramatisch.
- 24:29SPEAKER_00: Ich hatte noch einigermaßen gutes Schwimmen, bin irgendwie nach relativ weit vorne mit den Amateur-Jungs rausgekommen.
- 24:36SPEAKER_00: Hab dann aber auf dem Fahrrad schon gemerkt, ich kriege es halt einfach mental nicht umgesetzt.
- 24:41SPEAKER_00: Und ich habe enorme Probleme, auch so das Pacing aufrecht zu erhalten.
- 24:49SPEAKER_00: Das war dann der Moment, wo ich 20 Kilometer vor dem Wechsel auf die Laufstrecke angehalten habe und erstmal mein gesamtes Leben hinterfragt habe.
- 25:02SPEAKER_00: Da ist auf jeden Fall auch die eine oder andere Krokodilsträne dann geflossen.
- 25:06SPEAKER_00: Und ich eigentlich nicht mehr weitermachen wollte beim Iron Man.
- 25:11SPEAKER_00: Und ihr müsst euch vorstellen, das war halt so mein Traum.
- 25:15SPEAKER_00: Also ich habe mich da sieben Jahre lang vehement drauf vorbereitet.
- 25:20SPEAKER_00: Das war halt so das, was ich ultimativ erreichen wollte.
- 25:24SPEAKER_00: Und ich saß dann da und hab gedacht, okay, das ist es jetzt.
- 25:27SPEAKER_00: Das ist jetzt der Iron Man Hawaii und ich schneide die halt nicht gut up.
- 25:31SPEAKER_00: Dann kam das medizinische Team andsucht und alles ist alles in Ordnung mit dir.
- 25:38SPEAKER_00: Also there fehlt jetzt nicht wirklich was.
- 25:42SPEAKER_00: Und sie haben dann irgendwie gesagt, okay, people who do not finish this race are like injured or like very, very old and they do not reach the cut of time.
- 25:53SPEAKER_00: And with anderen World, so okay, warum hörst du jetzt eigentlich auf?
- 25:59SPEAKER_00: And they have this halt then so hinterfragt and bist du dir sicher, dass du es willst und aufhören möchtest.
- 26:06SPEAKER_00: And then konnte ich das verstehen und bin dann noch in die Wechselzone gerollt und dann 30 Kilometer vom Marathon gegangen und noch zwölf irgendwie gelaufen.
- 26:21SPEAKER_00: Und wahrscheinlich werden jetzt viele denken, okay, krass, du hast immer noch den Iron Man gemacht.
- 26:26SPEAKER_00: Aber für mich war das ein ganz katastrophaler Walk of Shame.
- 26:30SPEAKER_00: Das war für mich so hart, einfach nur über diese Strecke zu gehen.
- 26:37SPEAKER_00: Die Leute fahren dich an.
- 26:38SPEAKER_00: Good job, good job.
- 26:39SPEAKER_00: Und ich habe einfach nur gedacht, boah, Leute, haltet einfach die Klappe.
- 26:42SPEAKER_00: Ich will einfach nur, ich will heulen und will einfach nur hier lang gehen und mein Rennen irgendwie so zu Ende machen und gestalten.
- 26:51SPEAKER_00: Ich will es einfach nur über die Ziellinie bringen und mich danach schämen für meine Leistungsfähigkeit, für meine Leistung, was ich irgendwie hier so gemacht habe.
- 26:59SPEAKER_00: Und dieses Gefühl, Scham und dieses Gefühl so von Schuld ist was, was viel in meinem Leben immer, immer wieder vorkommt, nicht genug zu sein, eben.
- 27:11SPEAKER_00: Und dann auch meinen Selbstwert daran zu koppeln, an externe Dinge, sei es akademische Erfolge, sei es sportliche Erfolge.
- 27:22SPEAKER_00: Und das ist was, was ich auch im Coaching bei sehr vielen Athleten immer wieder sehe.
- 27:26SPEAKER_00: Und ich glaube auch, dass es natürlich so was ist, weswegen auch viele Leute im Coaching dann auch kommen, weil sie natürlich irgendwie auch sagen, sie wollen wissenschaftlich fundiert auch arbeiten, aber auch sicherlich um die externe Bestätigung auch zu bekommen.
- 27:44SPEAKER_00: Das führt aber eben gerne dann dazu, dass man sich isoliert und dass man gerne so das Problem eben von Burnout, von irgend von Übertraining, von fehlender Freude, von keinen sozialen Kontakten, dass man sich es so halt einfach auch aufbaut, das Ganze.
- 28:06SPEAKER_00: Und das führt dann zu eben diesem Perfektionismus, das heißt, alles perfekt machen zu wollen, der auch dann die Leistungsfähigkeit eben beeinschränkt, sehr stark behindert.
- 28:21SPEAKER_00: Danach, nach dem Jahr, bin ich dann, habe ich gesagt, ich höre auf mit Triathlon.
- 28:26SPEAKER_00: Ich wollte es nicht mehr eigentlich machen, 2015, und bin dann 2016 nach Australien gegangen und hatte da ehrlich gesagt eine sehr coole Zeit.
- 28:35SPEAKER_00: Ich habe mich dann erstmal vom Sport so komplett rausgenommen und habe aber ganz stark angefangen, Programme aufzusetzen und zu schreiben mit meiner wissenschaftlichen Erkenntnis.
- 28:44SPEAKER_00: Ich habe sehr viele Studien zu der Zeit gelesen, gerade so die Sachen von Ronestadt und norwegischen Modelle.
- 28:49SPEAKER_00: Das hat mich super krass, super stark gepackt, weil es so neue Erkenntnisse waren, wie man die Leistungsfähigkeit halt verbessern kann.
- 28:58SPEAKER_00: Und damals hat auch so die norwegischen und die norwegischen Wissenschaftler halt sehr starke Verbesserungen halt gezeigt haben bei ihren Athleten.
- 29:06SPEAKER_00: Und ich auch bei meinen Athleten zu der Zeit, ich habe dann angefangen zu coachen, gerade so 2014, 2015 ist es losgegangen, so mit damals noch Philipp und Leonie, das waren so meine ersten Athleten.
- 29:16SPEAKER_00: Und das hat auch gut funktioniert.
- 29:18SPEAKER_00: Philipp sagt immer, es war noch sehr viel Trial and Error.
- 29:21SPEAKER_00: Aber wir haben auf jeden Fall dann so Dinge ausprobiert, das einzubauen und daran auch irgendwie so zu arbeiten.
- 29:30SPEAKER_00: Und diese Sichtweise von Australien, muss ich sagen, hat auch meine Sichtweise aufs Training verändert.
- 29:37SPEAKER_00: Weil in Australien ist natürlich so ein bisschen mehr so dieser Aspekt drin, Hang Loose und eine sehr große Surferkultur.
- 29:44SPEAKER_00: Und Training ist auch oft sehr hart da, muss man sagen.
- 29:48SPEAKER_00: Also die klatschen auch sehr oft drauf und ich glaube, dass das auch nicht so eine gute Sache ist.
- 29:52SPEAKER_00: Aber es ist nicht so dieses gerade Deutsche, würde ich sagen, dieser deutsche, sehr perfektionistische Gedanke und es ist auch vielleicht nicht immer so ganz dieser leidende Athlet, den man immer wieder hier vor allen Dingen auch sieht in sozialen Medien, in Social Media, aber auch sonst wie, dass es immer darum geht zu leiden und damit eben auch so seine Erfolge zu erreichen.
- 30:16SPEAKER_00: Sondern es hat in Australien, würde ich sagen, einen höheren Aspekt, auch, dass es Freude machen darf und dass es cool sein darf und dass man Spaß daran haben sollte, an der ganzen Sache.
- 30:25SPEAKER_00: Und so bin ich dann irgendwie, sag ich mal, weitergekommen in der ganzen Sache und habe das auch in gewisser Weise auch überwunden, teilweise.
- 30:36SPEAKER_00: So was überwindet man nicht einfach so und dann ist es halt irgendwie weg.
- 30:38SPEAKER_00: Ich muss daran immer noch arbeiten und immer noch mich daran auch unterstützen und bestätigen, dass ich nicht wieder in diesen perfektionistischen Modus einfach falle.
- 30:51SPEAKER_00: Was dabei ein häufiges Ding ist und ein Problem ist und auch für mich ein großes Problem ist, ist, dass Schwäche eben als etwas Schwaches dargestellt wird.
- 31:03SPEAKER_00: Also mal nicht zur Trainingssession zu gehen, mal nicht eine Session durchzuziehen, nicht immer wieder an seine Grenze zu gehen, ist etwas, was als sehr schwach dargestellt wird.
- 31:14SPEAKER_00: Ich würde sagen, genau dieses Vorgehen und zu sagen, so, boah, ich fühle mich einfach heute nicht so ganz danach und ich brauche halt ein bisschen mehr Regeneration, ist das, was dich langfristig davor bewahrt, dass du übertrainierst.
- 31:26SPEAKER_00: Du kannst als Coach deinen Athleten sicherlich daran unterstützen, dass er diese Signale erkennt, aber das muss der Athlet letztendlich selber erkennen.
- 31:35SPEAKER_00: Und du kannst als Coach sicherlich noch jemanden noch mehr dahin drücken, dass er ins Übertraining gerät und dass er sich nicht verbessert.
- 31:43SPEAKER_00: Gerade auch, wenn ein Coach vielleicht auch einen sehr perfektionistischen Anspruch hat und vielleicht auch selber Profi-Athlet war und dann sich halt immer wieder über diese Schwelle drüber drückt, dann ist es nicht ganz ungefährlich auch.
- 31:54SPEAKER_00: Es gibt da so ein schönes Schaubild, wo jemand irgendwie am Ertrinken ist und sagt, Help, help, help und seinen Arm irgendwie raussteckt, streckt und der Coach irgendwie sagt so, oh ja, geil, ich helfe dir und gib ihm nochmal so ein High-Five und dann geht er halt irgendwie unter.
- 32:08SPEAKER_00: Und ich fand das Sinnbild relativ gut.
- 32:10SPEAKER_00: So schlechter Trainer drückt dich halt einfach noch mehr ins Übertraining.
- 32:14SPEAKER_00: Und da geht es eben auch so darum, hinzusehen und Schwächen wahrzunehmen und darüber zu sprechen, wo gerade einfach auch Herausforderungen liegen und wo auch mentale Herausforderungen liegen.
- 32:28SPEAKER_00: Und wo man auch gerade eben auch dran hadert.
- 32:35SPEAKER_00: Ich sag mal, bei vielen Athleten geht es halt schon los mit dem Selbstbild von sich und dem Selbstbild auch von seinem Körper.
- 32:44SPEAKER_00: Das ist gerade auch so ein sehr typisches Ding auch bei weiblichen Athletinnen, dass weibliche Athletinnen vielleicht auch ein sehr idealistisches Bild haben, auch welchen Körper man irgendwie haben muss oder präsentieren sollte.
- 33:03SPEAKER_00: Und es geht aber auch bei Männern genauso, dass man einem Ideal hinterherhängt, was nicht wirklich der Realität entspricht und was auch niemals vielleicht der Realität entsprechen wird.
- 33:16SPEAKER_00: Man aber seinen Selbstwert sehr, sehr stark daran koppelt und sagt, ich bin halt erst was wert, wenn ich halt irgendwie das so in gewisser Weise erreiche.
- 33:26SPEAKER_00: Einerseits natürlich irgendwie das Sixpack im Spiegel.
- 33:32SPEAKER_00: Ich muss sagen, diesbezüglich hatte ich schon immer sehr viel Glück, da ich irgendwie genetisch betrachtet eher dazu tendiere, eher ein bisschen weniger drauf zu haben und eher darauf achten muss, mehr Gewicht.
- 33:44SPEAKER_00: Gerade jetzt irgendwie für Hyrux, ich eher darauf achten muss, mehr aufzunehmen, mehr zu essen, um Gewicht zuzunehmen.
- 33:54SPEAKER_00: Ich mich aber auch nicht ganz lange dazu konditioniert habe, sehr, sehr wenig zu essen.
- 34:01SPEAKER_00: Und ich würde dann nicht mal sagen, dass es Glück ist, dass es so ist.
- 34:04SPEAKER_00: Aber ich habe über Jahre lang meinen Körper dazu trainiert, sehr, sehr viel nüchtern zu trainieren.
- 34:10SPEAKER_00: Sehr viele Training-Sessions gemacht, obwohl ich komplett leer war und immer wieder gegen die Mauer gefahren bin energetisch.
- 34:19SPEAKER_00: Und das hat immer wieder auch zu Problemen geführt mit meinen Hormonen.
- 34:24SPEAKER_00: Das ist definitiv der Fall.
- 34:25SPEAKER_00: Und dadurch ist dann immer wieder auch so ein bisschen Motivation geschwindet.
- 34:28SPEAKER_00: Aber ich bleibe meistens relativ motiviert, weil ich diese Disziplin einfach habe.
- 34:35SPEAKER_00: Und wenn ich diese Disziplin nicht habe, dann fühle ich mich schlecht.
- 34:40SPEAKER_00: Und das führt aber auch dazu, das hat bei mir dazu geführt, zumindest, dass ich dann noch mehr abnehmen wollte und dann auch gesagt habe, ich muss irgendwie ein BMI von 18 haben, um erfolgreich zu sein, so im Triathlon.
- 34:56SPEAKER_00: Ich hatte aber so ein Wohlfühlgewicht, immer so im Bereich von 78 Kilo.
- 35:00SPEAKER_00: Und wenn ich ein BMI von 18 haben, hätte, wenn ich dahin hätte kommen wollen, hätte ich irgendwie ein BMI oder hätte ich nochmal Minimum nochmal so 6 Kilo abnehmen müssen.
- 35:13SPEAKER_00: Ich bin 1,85 ungefähr.
- 35:16SPEAKER_00: Bin, wie gesagt, so klassischerweise habe ich im Drittel immer so meine 77, 78 Kilo gehabt.
- 35:23SPEAKER_00: Nachher, als ich erfolgreicher war, hatte ich 80 Kilo.
- 35:25SPEAKER_00: Jetzt habe ich eher so 82, 83 Kilo, wenn ich gut trainiere und wenn ich genug esse, aufnehme.
- 35:33SPEAKER_00: Und da wird eben auch dann, sag ich mal, für vielen daran geknüpft, auch so zum Beispiel Ernährung perfekt zu machen und immer sich nur gesund zu ernähren.
- 35:42SPEAKER_00: Was auch problematisch sein kann, weil du als Athlet natürlich auch einen sehr hohen Turnover hast von Energie hast.
- 35:49SPEAKER_00: Und du auch vielleicht mehr Kohlenhydrate, auch teilweise Zucker aufnehmen solltest, einfach nur um genug Energie dir mit an Bord zu geben.
- 36:00SPEAKER_00: Ich würde sagen, bei vielen Athleten wird nämlich sonst auch ein relatives Energiedefizit-Syndrom relativ schnell und wahrscheinlich, dass wenn man vielleicht auch eine ganz gute Körperkomposition schon hat und dann einen sehr perfektionistischen Ansatz zu wählen bei der Ernährung, führt dann eben gerne auch dazu, dass man quantitativ, also wirklich von der Menge her, nicht genug aufnimmt und dann auch nicht genug Kohlenhydrate einfach mit an Bord hat.
- 36:23SPEAKER_00: Und das führt dann gerne dazu, dass man in so relativ Energiedefizit-Syndrom rutscht.
- 36:27SPEAKER_00: Red S ist eine Triade so aus Hormon schwierig, Problemen, Übertraining, Verletzungen, Ermüdungsbrüchen.
- 36:34SPEAKER_00: Und das entsteht relativ schnell Zyklusproblemen bei Frauen, Liebideproblemen bei Männern.
- 36:40SPEAKER_00: Und das ist nicht was, was lange Zeit braucht, sondern so ein Red S kann man gerne auch schon so innerhalb von zwei bis drei, vier Wochen einfach auch rutschen.
- 36:48SPEAKER_00: Und dann, wenn man das weitertreibt, dann ist man in drei Monaten gerne noch im Ermüdungsbruch oder eben im anderen Verletzungsbereichen.
- 36:59SPEAKER_00: Und hier ist es eben so, dass dann viele Athleten so ein gewisses Paradox haben.
- 37:04SPEAKER_00: Das heißt, von außen wirken sie sehr stark, sie wirken sehr diszipliniert, sie wirken auch sehr erfolgreich.
- 37:10SPEAKER_00: Und ich würde sagen, meine Mom sagt dazu immer so zu mir: dein Leben war sehr geradlinig, bis vor zwei Jahren.
- 37:18SPEAKER_00: Es ging irgendwie immer alles geradeaus nach vorne.
- 37:21SPEAKER_00: Und du hast nie irgendwelche Probleme gemacht.
- 37:25SPEAKER_00: Ja, das ist so.
- 37:27SPEAKER_00: Hab ich auch nie.
- 37:28SPEAKER_00: Ich bin auch Einzelkind.
- 37:29SPEAKER_00: Ich war halt immer irgendwie so, hab's immer einfach dargestellt und hab nie irgendwie gemeckert, hab auch nie darüber gesprochen, was wirklich mit mir los ist.
- 37:37SPEAKER_00: Also man hat auch nie was von mir gehört.
- 37:38SPEAKER_00: So auch meine Freunde, würde ich sagen, zu der Zeit haben nie wirklich gehört, so wenn es mir halt einfach schlecht ging.
- 37:43SPEAKER_00: Weil ich anderen Menschen immer sehr viel geholfen habe, aber nie wirklich vielleicht auch gesagt habe, so wenn es mir einfach auch schlecht geht.
- 37:51SPEAKER_00: Und das fällt mir immer noch schwer.
- 37:52SPEAKER_00: Also es ist immer noch nicht ganz so einfach.
- 37:54SPEAKER_00: Auch jetzt zum Beispiel der Podcast, muss ich sagen, wirft mich sehr, sehr stark aus meiner Komfortzone, weil ich halt in mir dann denke, so, boah, ich stelle mich halt einfach als schwach dar, weil mein Leben halt nicht perfekt ist.
- 38:09SPEAKER_00: Ich weiß aber mittlerweile, dass es so rein nicht arbeiten sollte.
- 38:14SPEAKER_00: Und hell, deswegen dieser Podcast.
- 38:17SPEAKER_00: Und dann ist es eben auch so, dass wenn diese konstante Bestätigung irgendwie auch rausbleibt, also man braucht dann auch relativ viel Affirmation, und das heißt, man braucht dann irgendwie auch Leute in seinem Umfeld, die sagen: so, was du machst, ist gut und krass und bla und du opferst dich so auf.
- 38:32SPEAKER_00: Und das sieht man eben auch auf Social Media.
- 38:33SPEAKER_00: Die Tendenzen zum Beispiel erkenne ich auch sehr dramatisch, muss ich sagen, immer wieder, auch bei anderen Athleten.
- 38:39SPEAKER_00: So, ich stelle mich halt so einfach als das Opfer dar in der ganzen Sache.
- 38:43SPEAKER_00: Sei es irgendwie, wie hart ich trainiere, sei es auch bei manchen Profi-Athleten, wie wenig ich verdiene.
- 38:49SPEAKER_00: Es wird eben so eine gewisse Opferrolle eingeholt, um einfach auch eine Bestätigung konstant zu bekommen und zu sagen: so, oh ja, du tust mir leid, was auch eine Art von Affirmation ist, so in gewisser Weise.
- 39:04SPEAKER_00: Und dabei ist es eben auch so, gerade so in dieser Extremsportwelt wird man eben sehr, sehr, sehr für bewundert, wenn man immer weiter und weiter, weiter pusht.
- 39:14SPEAKER_00: Und dieser Mechanismus wird jetzt nochmal deutlich verstärkt durch Social Media und durch Instagram vor allen Dingen, dass man so die Athleten halt lernen, okay, ich werde vor allen Dingen dadurch bestätigt, wenn ich einerseits vielleicht die Erfolge habe, andererseits aber auch, wenn ich mich so darstelle, mich irgendwie eben konstant hart zu trainieren.
- 39:38SPEAKER_00: Und das Ding ist aber, dass man dadurch, sag ich mal so, seinen Selbstwert sehr stark daran koppelt.
- 39:46SPEAKER_00: Ein typisches Beispiel dafür ist, wenn man jetzt jemanden dabei rausnimmt, ist halt so David Gorgons.
- 39:52SPEAKER_00: Das ist sicherlich jemand, den ihr kennt.
- 39:55SPEAKER_00: Das ist ein Extremsportler, es ist jemand, der ja ex-Navy SEAL ist und der bekannt ist so für seine extreme Härte und auch so seine Disziplin.
- 40:05SPEAKER_00: Dabei ist es auch immer so, okay, immer weiter keine Ausreden, immer weiter durchziehen, teilweise irgendwie 100 Kilometerläufe, noch einen und danach noch irgendwie ein Iron Man oder so in der Art machen.
- 40:20SPEAKER_00: Ich würde sagen, das ist halt so diese typische Hustle-Kultur, ohne Pause, immer einfach durchziehen und seinem Körper nie auch wirklich die Ruhe geben und sich vielleicht auch mal anderen Themen zu widmen, als nur, sag ich mal, da reinzugehen.
- 40:33SPEAKER_00: Und das hat auch meines Erachtens nach nichts wirklich mit smart im Training zu tun, sondern halt einfach nur konstant diesen Schmerz irgendwie auszuhalten.
- 40:42SPEAKER_00: Das ist sicherlich so, wie viele Menschen dann auch Athleten sehen.
- 40:47SPEAKER_00: Das führt eben aber auch mehr noch dazu, dass man Athleten auch immer mehr und mehr und auf dieses Podest einfach hebt.
- 40:53SPEAKER_00: Und das führt eben dazu, dass es für viele Menschen, sag ich mal, nicht vorstellbar ist, auch nur in gewingster Weise Sport zu machen.
- 41:01SPEAKER_00: Ich würde sagen, diese ganze Hustle-Kultur führt halt einfach dazu, dass wir ein roboterartiges Bild entwickeln von Athleten und auch von Menschen generell, und man halt auch nicht wirklich zu seinen Schwächen steht und auch nicht daran arbeiten kann, auch zu erkennen, wenn der Körper Pausen braucht.
- 41:20SPEAKER_00: Zu erkennen, auch wenn man andere Baustellen hat in seinem Leben, an denen man jetzt vielleicht eher gerade den Fokus einfach richten sollte.
- 41:28SPEAKER_00: Weil das ist eben auch dann wichtig, so herauszufinden.
- 41:31SPEAKER_00: Einerseits, der Körper braucht Pausen, der Körper braucht Erholung.
- 41:36SPEAKER_00: Du brauchst Abstand auch mal zu deinen sportlichen Zielen.
- 41:41SPEAKER_00: Wenn man sich jetzt zum Beispiel so ein Wettkampfjahr anguckt, dann, und jetzt ist halt irgendwie noch früher, dann macht es halt nicht so viel Sinn, jetzt schon den immensen Fokus auf den Wettkampf zu legen.
- 41:53SPEAKER_00: Also zu sagen, so, ich mache in vier Monaten meinen Ironman und ich richte jetzt schon mein gesamtes Leben darauf aus, dass ich eben diesen Ironman jetzt gut mache, sondern jetzt macht es halt eher Sinn, ein Training einzubauen, was sich halt gut, locker, einfach, mit Spaß für dich einfach integrieren lässt.
- 42:10SPEAKER_00: Das ist bei mir so klassischerweise jetzt mittlerweile würde ich sagen, sind das irgendwie so meine acht, neun Stunden die Woche, die ich gut einbauen kann.
- 42:19SPEAKER_00: Dreimal die Woche trainiere ich irgendwie doppelt.
- 42:22SPEAKER_00: Aber es ist alles so, dass ich eigentlich nichts wirklich opfern muss mit diesem Lebensstil.
- 42:26SPEAKER_00: Ich finde so, wenn ich ehrlich bin, so mit sechs bis acht Stunden die Woche kann ich mein Leben genauso leben, wie ich es halt irgendwie leben möchte.
- 42:33SPEAKER_00: Ich kann alle meine sozialen Kontakte pflegen.
- 42:35SPEAKER_00: Ich kann eine gute, smarte Trainingsstruktur aufbauen, in der ich mich verbessere.
- 42:38SPEAKER_00: Ich kann, habe genug Zeit zum Kochen, habe genug Zeit, irgendwie alles vorzubereiten, hab genug Zeit, aber auch für berufliche Themen und finde halt einfach so eine Struktur für mich, die einfach passt.
- 42:50SPEAKER_00: Und dann gibt es natürlich irgendwie Phasen, wo man dann sagt, so die letzten acht bis zwölf Wochen vor dem Wettkampf, dass man fokussierter die Themen angeht und sich vielleicht auch in gewisser Weise mehr Daumenschrauben anzieht.
- 43:05SPEAKER_00: Was dann aber auch gut ist, wo man dann auch sehr viel draus zieht.
- 43:09SPEAKER_00: Weil diese Phase von dieser Selbstaufopferung und wirklich sich zu kasteien, ist auch was, was cool ist und was einem auch sehr viel gibt und Spaß macht.
- 43:17SPEAKER_00: Man kann diese Phase halt nur nicht zu lange aufrechterhalten.
- 43:22SPEAKER_00: Ich weiß, damals einer meiner ersten Athleten, Philipp, Philipp Herber, war jemand, der auch immer sehr viele Baustellen parallel hatte, der aber auch einen großen Freundeskreis hatte und auch sehr gut gelebt hat und auch sehr gut leben konnte.
- 43:35SPEAKER_00: Also mit Philipp konnte man auch mal eine Party-Nacht haben oder andere Dinge haben und auch mal ein Junggesal in Abschied und zum Beispiel Alkohol, ich sehe Alkohol nicht positiv, keinen Fall, und ich glaube, viel, viel, viel zu viele Menschen trinken halt viel zu viel Alkohol.
- 43:51SPEAKER_00: Nur alles zu verteufeln und sich vor jeglicher Art von Genuss oder sonst was halt zu verschließen, führt nur dazu, dass man das dann irgendwann kompensatorisch in seinem Leben denkt, ich habe das halt nie erlebt und ich möchte das halt wieder haben.
- 44:06SPEAKER_00: Entweder hast du es erlebt vor deiner sportlichen Karriere oder du hast es halt noch nie erlebt, dann willst du es halt irgendwann später sicherlich zurückhaben.
- 44:12SPEAKER_00: Es ist so ein bisschen wie so ein Candyshop.
- 44:14SPEAKER_00: Wenn man halt seinen Kindern konstant verbietet, keine Süßigkeiten zu essen, dann werden die sich das halt irgendwann trotzdem holen und zurückholen.
- 44:22SPEAKER_00: Es ist immer einfach so diese Balance und immer so dieses in Maßen.
- 44:25SPEAKER_00: Und ich glaube, das ist eben auch was, was vielen, gerade auch Athleten, einfach komplett verloren geht und was halt bei anderen Menschen dazu führt, dass sie Athleten so stark auf das Podest heben.
- 44:35SPEAKER_00: Bei Philipp war es dann einfach auch so, dass wir eher in gewisser Weise, gerade so um Zeit bis Weihnachten herum, immer noch so eigentlich sehr wenig drin.
- 44:44SPEAKER_00: Und wir dann angefangen haben, auch mehr Struktur bei ihm einfach einzubauen.
- 44:48SPEAKER_00: Und er sich auch dadurch sehr stark verbessert hat, dass wir eine ganz Jahresstruktur eingebaut haben bei ihm, die ihm aber auch gewisse Freiheiten immer noch gelassen hat.
- 44:56SPEAKER_00: Gerade so Januar, Februar, März, wenn halt noch keine große Ironman-Vorbereitung war, war es halt eher sozusagen: wir machen eine lockere Vorbereitung, du trainierst jetzt noch nicht so viel, aber du kannst es halt gut mit deinem Leben vereinbaren.
- 45:13SPEAKER_00: Du kannst halt irgendwie alle Dinge machen, die sich halt gut für dich einfach anfühlen und dann eben die letzten zwölf Wochen wirklich sehr, sehr fokussiert auf den Wettkampf zu arbeiten.
- 45:23SPEAKER_00: Philipp ist aber trotzdem jemand, der auch sehr fokussiert daran auch gearbeitet hat und dass er deswegen sicherlich auch durch seine Struktur irgendwie jeden Morgen um 5 Uhr, 5.30 Uhr aufstehen konnte und sein Training durchgezogen hat.
- 45:34SPEAKER_00: Aber er meinte, das gibt ihm auch so ein bisschen den mentalen Abstand.
- 45:36SPEAKER_00: Und den Rest des Tages hat er dann letztendlich frei, weil er mal sein Training einfach auch schon morgens macht.
- 45:42SPEAKER_00: Und das gibt ihm einfach auch so einen gewissen Rahmen für seinen Tag.
- 45:47SPEAKER_00: Und den Rest des Tages kann er dann letztendlich sich um die anderen Themen kümmern, die einfach auch irgendwie so wichtig ist.
- 45:54SPEAKER_00: Ich glaube, dabei, wenn man es sich so ein bisschen anguckt, ist es halt wirklich wichtig, auf seine persönliche Entwicklung den Fokus zu legen.
- 46:03SPEAKER_00: Es ist egal, ob jemand dir Externes sagt, was du erreichen musst.
- 46:09SPEAKER_00: Du musst es irgendwie aus dir heraus, selber heraus, gucken, was du irgendwie machen möchtest.
- 46:14SPEAKER_00: Und das war dann schon auch so ein bisschen wiederum meine Geschichte, weil ich dann 2017, 2018 einfach auch gemerkt habe: ich habe wirklich auch Spaß am Triathlon, ich habe Spaß am Training, ich habe auch Spaß an den Wettkämpfen und ich habe auch Spaß an dieser Hingabe und gar nicht mal wirklich deswegen, weil ich mich unbedingt für Hawaii qualifizieren will, sondern weil es mir einfach Spaß macht, der Sport an sich.
- 46:40SPEAKER_00: Und so bin ich dann irgendwie auch erst richtig, richtig gut geworden, muss ich sagen, im Triathlon, weil ich so 2017 beim Iron Man Hamburg damals erster Amateur werden konnte, weil ich auch in den Wettkampf deutlich entspannter gegangen bin.
- 46:57SPEAKER_00: Mein Training war relativ ähnlich.
- 46:58SPEAKER_00: Ich habe natürlich mehr auch wissenschaftliche Strukturen eingebaut.
- 47:01SPEAKER_00: Ich wusste irgendwie noch mehr, wie es funktioniert, und habe auch viele Dinge, die ich bei meinen Coaches eingesetzt habe, dann auch bei mir eingesetzt.
- 47:08SPEAKER_00: Und davon hat sehr vieles funktioniert.
- 47:10SPEAKER_00: Gerade so polarisiertes Training, VZ-Max-Optimierung hat mich auf jeden Fall physiologisch auch nochmal nach vorne gebracht.
- 47:18SPEAKER_00: Aber in dem Wettkampf hat es mich vor allen Dingen nach vorne gebracht, dass ich mental entspannter war und nicht mehr so diesen Ansatz hatte: so, boah, du musst, du musst, du musst, du musst dich kontrollieren, du musst immer die ganze Zeit auf die Uhr gucken, welche Pace du jetzt gerade einfach läufst und musst andere Athleten, sag ich mal, schlagen.
- 47:39SPEAKER_00: Es war eher so eine relaxte Atmosphäre für mich.
- 47:41SPEAKER_00: Natürlich ist es ein Wettkampfrat, aber es war so, es läuft gut, gutes Rennen irgendwie, ich kann mein Pacing gut durchziehen, ich nehme eine Ernährung auf und gucke, dass ich mich einfach nicht so durchstresse.
- 47:52SPEAKER_00: Und dann bin ich vom Rad gestiegen und war irgendwie schon zweiter oder dritter Amateur und bin dann in den ersten 14 Kilometern in Position 1 gelaufen.
- 48:01SPEAKER_00: Und dann kam sogar noch ein Athlet von hinten, damals, Benny Dicke, und war dann für mich so eine Situation, wo ich früher sicherlich viel zu sehr verkrampft hätte und einfach probiert hätte, ihn sehr schnell dann auch schlagen zu wollen.
- 48:17SPEAKER_00: Aber ich habe dann einfach relaxed in der Situation, weil ich hatte trotzdem Schiss, weil ich eigentlich wusste, dass Benny Dick ein besserer Läufer ist wie ich, als ich.
- 48:26SPEAKER_00: Aber das hat dann dazu geführt, dass ich irgendwie in der Situation mich mehr relaxen konnte und es einfach aus mich annehmen konnte.
- 48:34SPEAKER_00: Und dann auch die taktisch richtige Entscheidung zu treffen, so einfach erstmal hinter ihm zu bleiben und zu gucken, erst ihm die Führung zu übergeben und dann zehn Kilometer vom Ziel dann halt nochmal zu attackieren und dann halt nach vorne zu gehen.
- 48:47SPEAKER_00: Und dann habe ich mich noch einmal umgedreht und dann war er nicht mehr da.
- 48:51SPEAKER_00: Und das waren halt, das war für mich ein sehr großer Erfolg und es hat auch sehr viel Spaß gemacht.
- 48:56SPEAKER_00: Und danach, das Jahr, wo ich dann irgendwie bei der Swift Academy mit dabei war, komplett gesponsert war, war auch so ein Jahr, was sehr viel mit Freude zu tun hatte.
- 49:07SPEAKER_00: Und da muss ich auch sagen, hat mir einfach auch diese amerikanische Sichtweise der Dinge damals von Zwift, von Tim Don, von diesem ganzen Team, was irgendwie so da rumgebaut wurde, was irgendwie so diesen kalifornischen Startup-Vibe in gewisser Weise vertreten hat.
- 49:22SPEAKER_00: Das war cool.
- 49:23SPEAKER_00: Das hat mich irgendwie sehr viel Spaß gemacht.
- 49:28SPEAKER_00: Und hat mich auch dahingehend irgendwie auch bereichert, weil es mir geholfen hat, diese starre, ich sag auch mal, deutsche, disziplinierte Hustle-Kultur zu durchbrechen.
- 49:41SPEAKER_00: Und so dann auch beim Iron Man 2018 auch wiederum ein sehr, sehr gutes Rennen für mich zu haben und irgendwie auch unter neun Stunden das Ding, sag ich mal, durchzuziehen und danach auch wirklich eins der ersten Male, total zufrieden mit dem Rennen gewesen zu sein.
- 50:02SPEAKER_00: Oder sehr zufrieden, nicht total.
- 50:03SPEAKER_00: Ich hatte immer noch, ich gucke mir auch manchmal jetzt noch so meiner, es gibt ein Video davon, könnt ihr euch auch angucken, auf YouTube, Swift Academy 2018, wo Swift Triathlon Academy 2018, Iron Man Hawaii, könnt ihr eingeben, findet ihr.
- 50:18SPEAKER_00: Ich verlinke es auch vielleicht einfach nochmal unten.
- 50:20SPEAKER_00: Aber da seht ihr, sag ich mal, so, wenn ich ins Ziel komme, schon auch, dass ich happy bin, aber ich sage danach auch sofort, okay, ich wäre noch happier, wenn ich auf Desk gekommen wäre.
- 50:33SPEAKER_00: Was natürlich irgendwie auch ich bin und mein Mindset ist, weil ich will mich halt verbessern, ich will auch aus mir herauskommen, aber es ist wichtig, trotzdem dann auch glücklich zu sein in dem ganzen Moment.
- 50:43SPEAKER_00: Und da war ich sehr glücklich.
- 50:45SPEAKER_00: Es war für mich, ein, zwei Tage danach war für mich echt ein sehr, sehr, sehr, sehr guter, sag ich mal, Moment.
- 50:53SPEAKER_00: Was sind so Anzeichen?
- 50:54SPEAKER_00: Was sind so Anzeichen für einen ungesunden Perfektionismus?
- 50:57SPEAKER_00: Ich glaube, sehr ungesund wird es eben so, wenn Training, Leistung, Leistungserbringung, monetäre Gründe, dein Gehalt, wenn das einfach so dein einziger Lebens- oder das ist, was du darstellen möchtest.
- 51:12SPEAKER_00: Es ist auch relativ egal, muss ich sagen, ob es jetzt athletische Leistungen sind, ob es akademische Leistungen sind, ob es finanzielle Dinge sind.
- 51:21SPEAKER_00: Also unsere ganze Kultur ist sehr stark davon geprägt, von diesem konstanten Status zeigen.
- 51:29SPEAKER_00: Und ich bin ein relativ großer Freund immer so von sagen, so, okay, Constant Display of Performance is neediness.
- 51:37SPEAKER_00: Das heißt, wenn du konstant Leuten zeigen musst, wie toll du bist, ist es immer ein sehr needy-haftes Verhalten.
- 51:46SPEAKER_00: Du möchtest Aufmerksamkeit, du möchtest Affirmation haben, du möchtest halt Bestätigung haben für das, was du machst.
- 51:54SPEAKER_00: Weil du selber denkst halt, dass du einfach nicht genug bist.
- 51:58SPEAKER_00: Und du bist genug.
- 52:00SPEAKER_00: Du bist alleine dadurch genug, dass du hier bist und dass du irgendwie die Wahrscheinlichkeit, dass du hier bist, irgendwie schon eins zu ein paar Millionen, weil einfach letztendlich dein Spermium ungefähr ausgewählt wurde oder dein Spermium lange genug überlebt hat.
- 52:16SPEAKER_00: Und von dem her, du bist erstmal genug, so wie du bist.
- 52:20SPEAKER_00: Und es muss dir niemand und gerade auch nicht die Fitnessindustrie darstellen, dass du nicht genug bist, wenn du nicht einen Sixpack hast, wenn du nicht das Body-Image erreichst, wenn du nicht einen Ironman gefinished hast.
- 52:31SPEAKER_00: Und das sage ich dir als Coach, weil ich einfach die Gefahren dahinter sehe und es selber natürlich auch immer wieder auch erlebt habe, wenn du deinen Selbstwert irgendwie auch daran koppelst.
- 52:48SPEAKER_00: Ich würde sagen, für mich war es definitiv ein großer Vorteil, dass ich in gewisser Weise auch ein Träumer war und sehr undiszipliniert war, sehr schlecht war in der Schule, Saxo gespielt habe in der Jazzband.
- 53:01SPEAKER_00: Das war ein irgendwie, das war ein anderes Leben.
- 53:03SPEAKER_00: Das war auch, glaube ich, das, was so sich meine Mom und meine Familie hätte für mich vorgestellt.
- 53:08SPEAKER_00: Aber ich kenne die andere Sichtweise auf Dinge und ich habe immer wieder auch so ein bisschen Angst, dahin zurückzufallen.
- 53:15SPEAKER_00: Und ich bin auch nicht immer der aller aller Disziplinierteste, zumindest sage ich das so ein bisschen so.
- 53:21SPEAKER_00: Ich bin schon relativ diszipliniert.
- 53:24SPEAKER_00: Aber es ist okay, auch mal diese Disziplin fallen zu lassen und dann auch wieder zu erleben, wie viel zum Beispiel Spaß dir einfach auch ein gesunder Lebensstil bringt.
- 53:36SPEAKER_00: Das ist einfach so.
- 53:37SPEAKER_00: Wenn du niemand kann mir erzählen, dass wenn man nur Party macht, dass das super, super healthy ist.
- 53:43SPEAKER_00: Und super viele Leute, die in dieser Partyszene unterwegs sind, sind auch nicht wirklich healthy und sind auch nicht wirklich gesund mental betrachtet, weil sie dann wiederum auch da Bestätigung brauchen von ihrer Peergroup, was sie halt irgendwie alles krasses, krasses machen.
- 53:58SPEAKER_00: Und ich glaube, da ist es halt wichtig, auch so diesen Weg zu wählen, von sich selber mehr zu reflektieren und ein gewisses Bewusstsein halt einfach zu schaffen.
- 54:07SPEAKER_00: Wer bin ich, was ist mir wichtig in meinem Leben und welche Routinen, was tut mir gut.
- 54:14SPEAKER_00: Sich selber mehr lieb zu haben, ist auf jeden Fall eine der wichtigsten Dinge, um aus diesem Perfektionismus rauszukommen.
- 54:22SPEAKER_00: Ich kann aber auch sagen, gerade wenn man so eine Typ A-Personality ist und viel erreichen will, dann ist es auch eine konstante Aufgabe und es ist schwierig, das zu machen.
- 54:31SPEAKER_00: Es ist nicht so der Schall das umgelegt, sondern es ist etwas, wo man erstmal ein Bewusstsein für schaffen muss und danach auch es hinbekommen muss, selber entspannter mit sich selber zu werden.
- 54:43SPEAKER_00: Dann eben auch so das Thema so Selbstzweifel, so was denken andere, wenn ich mal schlecht abschneide zum Beispiel, wenn mein Wettkampf nicht so gut gelaufen ist.
- 54:51SPEAKER_00: In den Race-Videos, wenn wir morgens irgendwie am Start sind, erlebe ich relativ häufig, dass Athleten so sagen, oh, ich habe nicht so wirklich gut trainiert und das wird sicherlich heute nichts.
- 55:00SPEAKER_00: Und sie schaffen schon ein ganz schlechtes Mindset von ihrer Erwartungshaltung her.
- 55:04SPEAKER_00: Und meistens läuft dann auch der Wettkampf nicht wirklich so gut.
- 55:07SPEAKER_00: Weil man halt nicht relaxed da rangehen kann, sondern eben mit dieser Erwartungshaltung, die einfach da ist und sie dann halt probieren, diese Erwartungshaltung runterzuziehen, dass sie sich selber schlecht reden.
- 55:16SPEAKER_00: Es klappt auch nicht wirklich so gut, dieser Ansatz.
- 55:19SPEAKER_00: Sondern es ist eher so probieren, Spaß zu haben, zu relaxen, andere Dinge wahrzunehmen.
- 55:26SPEAKER_00: Auch gerade so im Wettkampf.
- 55:28SPEAKER_00: Im Wettkampf underperformt man sehr, sehr schnell, wenn man sich zu viel Druck macht.
- 55:33SPEAKER_00: Und das ist egal, ob man Amateur ist oder auch Profiathlet.
- 55:38SPEAKER_00: Ich würde sagen, das erlebt man vor allen Dingen auch sehr häufig bei Profiathleten, die nicht gut performen, wenn sie mental zu sehr unter Druck kommen.
- 55:46SPEAKER_00: Weil Profis natürlich noch viel mehr auch dazu tendieren, auch jegliche Art von Selbstwert an ihr Training, an das Reichen von Wettkämpfen einfach zu koppeln.
- 55:56SPEAKER_00: Gerade auch wenn man so in Athletencamps ist und dann immer wieder hört, oh, der hat so viel trainiert jetzt schon, dann ist da einfach eine sehr, sehr große Unsicherheit, die immer wieder mitschwingt in der ganzen Sache.
- 56:08SPEAKER_00: Da auch irgendwie so, ich sag mal, eine sehr starke Orientierung irgendwie an dem Bild, was man darstellt und dabei vielleicht auch eher eine Maske aufzusetzen, auch zu sagen, so, okay, Training kann keinen Spaß machen.
- 56:21SPEAKER_00: Ich kann nicht irgendwie eine gute Zeit haben dabei, ich kann nicht ein normales Leben führen und bin Athlet, was prinzipiell immer auch problematisch wird, dass man nicht auch normal leben kann, ein cooles Leben haben kann, Genuss, sonst was, Dinge erreichen kann oder haben kann oder das genießen kann und parallel dazu auch einen athletischen, gesunden Lebensstil und von mir aus auch einen Performance-Lebensstil zu haben.
- 56:53SPEAKER_00: Das ist zumindest das, was ich auch mehr und mehr auch erreichen möchte für mich, damit ich damit entspannter werde und zufriedener werde.
- 57:03SPEAKER_00: Das aber auch vielleicht sogar auch mehr darzustellen, irgendwie auf meinen Kanälen, weil ich so ein bisschen leid bin, eben von diesem perfekten Bild, was halt irgendwie da ist.
- 57:13SPEAKER_00: Ich glaube, was man halt machen kann, wenn man daran arbeiten möchte, ist halt so eine Selbstreflexion zu machen, also auch gerne ein Tagebuch zu führen.
- 57:22SPEAKER_00: Ich journal zum Beispiel auch relativ viel, wo du einfach auch so darüber schreibst, wie sich die Session für dich angefühlt hat, wie du dich entwickelt hast vom Gefühl her, zum Beispiel in einem 10K-Lauf vor einem Monat im Vergleich zu jetzt, sodass du auch eine gewisse Progression einfach auch hast.
- 57:38SPEAKER_00: Dann aber auch darin auch bewusst über deine Erholung zu schreiben und Grenzen auch für dich so zu akzeptieren, auch zu sagen, okay, ich habe einen Ruhetag eingelegt, weil ich mich so und so gefühlt habe.
- 57:49SPEAKER_00: Und dass du vielleicht auch, ich sag mal, in Training Peaks oder auch im Coach oder anderen Dingen halt zusammenarbeitest, wo es auch okay ist, wenn du diese Erholung für dich priorisierst und sagst, du, ich bin noch nicht ganz so weit und ich brauche da einfach nochmal ein Sparring oder kannst du mir da einfach mal einen Hip-Tipp geben, wann ich auch wieder einsteigen soll.
- 58:08SPEAKER_00: Zum Beispiel auch so nach Erkrankungen, nach Infekten, nach Verletzungen, wie kann ich denn dann wieder einsteigen und was ist auch sinnvoll so ein bisschen für mich, damit ich auch weiterhin erholt bleibe.
- 58:20SPEAKER_00: Wie gesagt, mentale Unterstützung dabei ist auf jeden Fall auch wichtig, so als Sparring-Partner einfach darüber auch mit jemandem zu reden und auch probieren daran zu arbeiten, mehr zu relaxen.
- 58:33SPEAKER_00: Sei es über progressive Muskelentspannung, sei es über Breath Work, also Atemtechniken, um einfach auch runterzukommen wieder und nicht die ganze Zeit diesen Druckmodus so zu verfallen.
- 58:47SPEAKER_00: Und dann hinterfrag dich auch mal selber, wofür machst du eigentlich den Sport?
- 58:51SPEAKER_00: Machst du den für Anerkennung?
- 58:53SPEAKER_00: Und was ist auch so die Long-Term-Thinking-Prognose hier für dich?
- 58:58SPEAKER_00: Warum machst du das Ganze alles?
- 58:59SPEAKER_00: Ich glaube, das ist auch ein typisches Thema, was man sich auch fragen sollte für jüngere Profi-Athleten.
- 59:04SPEAKER_00: So, warum machst du das?
- 59:07SPEAKER_00: Und was willst du damit auch langfristig erreichen?
- 59:09SPEAKER_00: Und was sind auch die Opportunitätskosten, die du gerade halt hast, weil du dich vielleicht auch nicht anderen Themen widmest, weil du auch vielleicht nicht dir ein soziales Umfeld baust, weil du auch vielleicht nicht so wirklich an deiner Gesundheit arbeitest, sondern nur deine Performance nach vorne bringen möchtest.
- 59:25SPEAKER_00: Was sind so ein bisschen die langfristigen Dinge?
- 59:28SPEAKER_00: Und dann ist es schon so, dass man auch immer wieder ein gewisses sabotierendes Verhalten auch findet bei vielen Athleten, wenn sie halt konstant daran nur arbeiten, ihre Performance nach vorne zu bringen.
- 59:37SPEAKER_00: Weil meistens klappt das dann Richtung Wettkämpfe halt nicht mehr wirklich so gut, weil man dann sich doch irgendwie einen Infekt anfängt, eine Verletzung einfängt, sein Material plötzlich kaputt geht, alles schon in Hauf erlebt.
- 59:53SPEAKER_00: Dabei geht es auch wirklich darum, körperliche Warnsignale wahrzunehmen und anzunehmen.
- 1:00:00SPEAKER_00: Bei mir war es dann schon so, dass ich auch eben erstmal da lernen musste, so, okay, ich habe nicht mehr die Motivation wie früher.
- 1:00:08SPEAKER_00: Es fällt mir gerade ganz schön schwer, um 5.30 Uhr irgendwie aufzustehen und eigentlich bin ich so ein HB-Männchen morgens, was zack, aus dem Bett irgendwie aufsteht.
- 1:00:15SPEAKER_00: Und das war schwierig, dann auch so Erschöpfungen, richtige Erschöpfungsyndrome halt auch so zu erleben, die ich auch immer wieder, wenn ich sehr, sehr krassen, so privaten Stress auch hatte, zum Beispiel 2024, war bei mir sehr, sehr herausfordernd, privat, dann nehme ich das erstmal nicht wahr.
- 1:00:33SPEAKER_00: Und meistens war ich dann so, ich war meistens im Wettkampf, wo ich dann wieder so in meinen Beast-Modus falle.
- 1:00:43SPEAKER_00: Ich mag das auch.
- 1:00:44SPEAKER_00: Ich muss schon sagen, ich mag auch diese Aufopferungen, ich mag auch dieses ganz routinierte, das ist auch schon Selbstliebe.
- 1:00:51SPEAKER_00: Also ich kann nicht nur sagen, das ist nur schlechtes, Wettkämpfe zu machen.
- 1:00:54SPEAKER_00: Das ist es auch nicht.
- 1:00:56SPEAKER_00: Es ist einfach eine Balance aus beidem.
- 1:00:59SPEAKER_00: Und ich habe danach zum Beispiel 2024 wusste ich, dass ich einen Wettkampf machen will.
- 1:01:04SPEAKER_00: Einfach auch, um eine gute Routine und Struktur wieder in meinem Leben zu haben, weil ich im Vorhinein nicht diese klare athletische Struktur hatte für mich.
- 1:01:12SPEAKER_00: Und das hat mir gefehlt.
- 1:01:13SPEAKER_00: Mir haben auch Wettkämpfe gefehlt.
- 1:01:14SPEAKER_00: Auf jeden Fall.
- 1:01:15SPEAKER_00: Und auch über mich hinauszuwachsen.
- 1:01:18SPEAKER_00: Aber nicht aus dem Grund, so dass ich dann nachher das Ergebnis erreicht habe, sondern es war eher der Weg.
- 1:01:26SPEAKER_00: Es war eher so dieses, mich selber zu überwinden und auch zu wissen, dass ich unter Druck zum Beispiel auch gut funktionieren kann.
- 1:01:34SPEAKER_00: Heute, toll, toi, euch kann.
- 1:01:38SPEAKER_00: Dann nicht davor, in gewisser Weise zu wegzulaufen, sondern den Wettkampf halt zu benutzen, um gute Routinen zu haben, vielleicht ein bisschen dann in diesem Wettkampf wegzulaufen.
- 1:01:47SPEAKER_00: Aber nicht so extrem.
- 1:01:48SPEAKER_00: Und danach aber auch dann mir Zeit zu geben, auch rauszunehmen, auch Pause dann zu machen.
- 1:01:54SPEAKER_00: Aber ich brauchte den Wettkampf vorher.
- 1:01:56SPEAKER_00: Und das habe ich dann auch gemacht.
- 1:01:57SPEAKER_00: Ich habe dann, sag ich mal, vier, fünf Wochen fast gar nicht trainiert oder weniger trainiert.
- 1:02:02SPEAKER_00: Weniger trainiert heißt so bei mir fünf Stunden, einfach eine normale Struktur zu haben, bei der ich meine Gesundheit und Performance unterstütze.
- 1:02:08SPEAKER_00: Also fünf Stunden die Woche ist Minimum, ist einfach Hygienestandard.
- 1:02:13SPEAKER_00: Darüber denke ich nicht nach, das mache ich halt.
- 1:02:14SPEAKER_00: Also wenn ich weniger für fünf Stunden trainiere, dann bin ich unzufrieden.
- 1:02:17SPEAKER_00: Aber nicht, weil es irgendwie schlecht für mich sonst was wäre, sondern dann bin ich einfach unzufrieden, weil mir Sport so viel gibt.
- 1:02:25SPEAKER_00: Und dann bin ich unzufrieden, weil ich nicht meine Gesundheit auch und mich selber auch priorisiere.
- 1:02:29SPEAKER_00: Also wenn ich weniger wie fünf, sechs Stunden die Woche Sport mache, werde ich automatisch unzufrieden mit mir, weil ich halt sage, dass ich nicht genug mir einfach selbst liebe, in gewisser Weise gebe.
- 1:02:40SPEAKER_00: Und dabei ist es, glaube ich, dann auch wichtig.
- 1:02:42SPEAKER_00: Und das hat mir dann einfach auch so geholfen, so alle Lebensbereiche auch in gewisser Weise zu integrieren und eine gewisse Balance zu finden.
- 1:02:50SPEAKER_00: So zwischen Studium, Arbeit, Freizeit, Beziehungen, Wettkämpfen, Performance.
- 1:02:58SPEAKER_00: So das halt so aufzubauen und sich selber auch so seine Schwächen auch einzugestehen und eben nicht so wirklich dieses Thema zu haben, schwarz oder weiß alles zu sehen und man muss halt als Athlet immer perfekt sein, sondern sich selber als Menschen sehr mehr zu fokussieren und zu sagen, okay, du bist Athlet, ja, aber das ist nur eine Identität, du hast.
- 1:03:19SPEAKER_00: Die andere Identität, die du hast, ist halt, du bist ein guter Freund, du bist eine gute Freundin.
- 1:03:23SPEAKER_00: Du bist jemand, der für andere da ist.
- 1:03:26SPEAKER_00: Du hast eine Familie, du hast berufliche Ziele, Visionen, Ambitionen.
- 1:03:34SPEAKER_00: Du bist jemand, der aber auch Rücksicht auf seinen Körper nimmt, der sich selber auch lieb hat und der, für den es auch okay ist, auch Erholung zu haben.
- 1:03:45SPEAKER_00: Das waren so Dinge, die, wo ich mich immer auch wieder mal dran erinnern muss.
- 1:03:51SPEAKER_00: Und was mir vor allen Dingen so auch im Urlaub schwerfällt, wenn ich mal wirklich mal so zwei Tage gar kein Training mache und auch wirklich mal mich sehr stark entspanne, ist es immer wieder schwierig, so mich komplett so rauszunehmen.
- 1:04:04SPEAKER_00: Das heißt, so ein bisschen Recap des Ganzen ist, Perfektionismus ist kein Weg, der dich langfristig nach vorne führt.
- 1:04:11SPEAKER_00: Und dieses Image, was dabei erzeugt wird, wenn jemand alles nur perfektionistisch macht und sich es immer nur konstant aufopfert, ist es meistens eine relativ traurige Gegebenheit, die meistens damit zusammenhängt, dass man seinen Selbstwert sehr stark an das Erreichen von sportlichen Zielen koppelt und auch sich selber so sagt, du bist nur was wert, wenn ich das halt irgendwie, wenn du das erreichst.
- 1:04:37SPEAKER_00: Und Perfektionismus ist etwas, was sehr viel damit zu tun hat, externe Affirmationen, Validierung zu bekommen, also von außen immer die Bestätigung zu bekommen, dass was du machst, ist gut und so ein bisschen den Schulterschluss zu haben, gesehen zu werden für das, was man macht, einerseits für seine Erfolge, aber eben auch so für die Aufopferung, die man halt erzeugt.
- 1:05:00SPEAKER_00: Und diese Aufopferung ist bei Athleten, würde ich sagen, deutlich, deutlich häufiger, als so das einfach das Darstellen von Erfolgen.
- 1:05:06SPEAKER_00: Das heißt, nutze Sport irgendwie für dich eher auch so als Wachstums, als Awareness, etwas, wo du merkst, es tut dir einfach gut.
- 1:05:16SPEAKER_00: Ich baue eine Struktur ein.
- 1:05:18SPEAKER_00: Starte dann irgendwie, wenn du Anfänger bist, mit diesen irgendwie fünf, sechs Stunden jede Woche.
- 1:05:23SPEAKER_00: Bau irgendwie für Zone 2 athletisches Training ein und guck, was das mit dir macht, wie du dich dadurch fühlst.
- 1:05:30SPEAKER_00: Also wirklich darauf zu achten und nicht einfach nur alles an Performance einfach auch zu knüpfen.
- 1:05:36SPEAKER_00: Das ist dann auch so ein bisschen die Verbindung aus Gesundheit und Performance, dass du gesunde Strukturen einbauen solltest, die sich für dich einfach gut anfühlen.
- 1:05:44SPEAKER_00: Und dann kann es aber auch geil sein, auch mal ein Performance-Ziel zu erreichen.
- 1:05:48SPEAKER_00: Wie gesagt, es kann dir auch eine Menge geben.
- 1:05:50SPEAKER_00: Es kann dir auch eine Menge geben für dein persönliches Wachstum.
- 1:05:55SPEAKER_00: Bin ich definitiv absolut der Meinung dafür, dass dir auch eben Wettkämpfe helfen können.
- 1:06:01SPEAKER_00: Auch bin ich selber auch ein gutes Beispiel dafür, dass mir natürlich auch so ein Iron Man Hawaii die Erfolge, aber auch die Misserfolge, die Misserfolge bringen einem meistens mehr, wenn man ehrlich ist, so ein persönlichen Wachstum.
- 1:06:14SPEAKER_00: Hinterfragt man sich einfach mehr.
- 1:06:16SPEAKER_00: Es ist so.
- 1:06:16SPEAKER_00: Man merkt aber auch, dass man mehr lebt.
- 1:06:18SPEAKER_00: Also es ist schon so, dass Wettkämpfe einfach einem helfen, im Moment zu bleiben und nicht so wirklich nach vorne oder nach hinten zu kommen.
- 1:06:27SPEAKER_00: Wenn man Podcast übrigens aufnimmt, auch.
- 1:06:29SPEAKER_00: Es ist auch eher so, im Moment meistens zu bleiben.
- 1:06:34SPEAKER_00: Aber es gibt wenig Momente eigentlich, wo man wirklich auch probiert, Gegenwart zu erleben.
- 1:06:40SPEAKER_00: Und Sport ist definitiv sowas.
- 1:06:42SPEAKER_00: Es gibt noch ein paar andere Momente, intimere Momente.
- 1:06:45SPEAKER_00: Aber Sport ist jedenfalls definitiv auch so etwas, wo man halt merkt, okay, ich kann im Moment einfach auch bleiben.
- 1:06:52SPEAKER_00: Und dabei ist es, glaube ich, auch wichtig, so zu sehen, du machst Sport nicht für die Likes, du machst Sport nicht für andere, du machst Sport nicht, weil du es deinem Vater beweisen möchtest, du machst Sport nicht, weil du es deinem Onkel beweisen möchtest, sondern du machst es halt, oder weil du Rache üben möchtest, auch so ein ganz typisches Ding, dass du Leuten zeigen möchtest, dass du halt mehr bist.
- 1:07:12SPEAKER_00: Und ja, Herzschmerz, Liebeskummer ist ein sehr, sehr starkes Signal, um Sport mehr in sein Leben zu integrieren.
- 1:07:20SPEAKER_00: Das ist vollkommen okay, das auch so zu machen.
- 1:07:23SPEAKER_00: Aber nur bis zu einem gewissen Grad, weil irgendwann sollte es auch aus dir herauskommen.
- 1:07:27SPEAKER_00: Und es sollte einfach zu deiner primären Identität gehören.
- 1:07:31SPEAKER_00: Und du solltest es nicht daran knöpfen, dass du dich halt irgendwie selber aufwerten möchtest.
- 1:07:36SPEAKER_00: Ja, ich bin da aber, wie gesagt, auch in meiner Phase so.
- 1:07:41SPEAKER_00: Also es ist jetzt nicht so, dass das irgendwie bei mir immer alles so easy wäre und ich jetzt irgendwie der Guru bin, der das einfach dir so erzählen kann, sondern ich arbeite da auch dran und ich arbeite da auch schon mehrere Jahre dran, entspannter mit mir zu werden, mich ein bisschen mehr lieb zu haben und auch entspannter damit zu werden.
- 1:08:00SPEAKER_00: Und das Witzige an der ganzen Sache ist, dass ich dadurch sportlich eher das Gefühl habe, besser zu werden.
- 1:08:06SPEAKER_00: Dass ich so auch gerade so mental unter Druck deutlich besser funktionieren kann.
- 1:08:11SPEAKER_00: Und das habe ich früher schon im Ironman schon gemerkt, dass wenn ich mental entspannter bin, wenn ich eine gute Balance habe, wenn ich einen guten Freundeskreis habe, wenn ich mich einfach auch gesund fühle, dass ich dann deutlich besser abliefern kann im Wettkampf, weil ich nicht das Gefühl habe, dass mir irgendwas mangelt, sondern ich eher das Gefühl habe, dass mir der Wettkampf jetzt noch mehr gibt.
- 1:08:36SPEAKER_00: Okay, ich hoffe, euch hat die Episode gefallen.
- 1:08:42SPEAKER_00: Ich hoffe auch meine Erfahrungen und Gedanken helfen dir so ein bisschen dabei, auch deinen eigenen Weg zu finden, weil das ist eigentlich das Allerwichtigste in der ganzen Sache, dass du dich so ein bisschen unabhängiger machst von dem externen Druck und nicht probierst, deinen Selbstwert nur an das Erreichen von sportlichen Zielen zu koppelst.
- 1:08:58SPEAKER_00: Und dass du es definitiv nicht perfekt machen musst.
- 1:09:01SPEAKER_00: Dass du eher zu deinen Schwächen stehst, weil nur, wenn du auch irgendwie dir dessen bewusst machst, welche Schwächen du hast, kannst du auch irgendwie mit Mut, mit Courage, mit wie du bist, einfach dein Leben bestreiten und so auch zu dem Athleten werden, der du halt sein möchtest.
- 1:09:23SPEAKER_00: Oder der du vielleicht auch so schon bist.
- 1:09:26SPEAKER_00: Okay, ich würde sagen, wir sehen uns in der nächsten Folge.
- 1:09:30SPEAKER_00: Und ich würde mich sehr, sehr freuen, wenn euch der Podcast gefallen hat.
- 1:09:33SPEAKER_00: Lasst mir sehr, sehr gerne einen Daumen oben da.
- 1:09:35SPEAKER_00: Wenn euch das Ganze bewegt hat, sonst was, schreibt mir auch gerne in die Kommentare.
- 1:09:38SPEAKER_00: Ich lese mir das durch.
- 1:09:39SPEAKER_00: Ich freue mich darüber auch immer sehr.
- 1:09:41SPEAKER_00: Und ich wünsche euch einen schönen Tag.
- 1:09:44SPEAKER_00: Macht's gut, bis dann.
- 1:09:44SPEAKER_00: Auto.
- 1:09:45SPEAKER_00: Ciao, ciao.