Latest / Gute Nacht mit Fridolin / Einschlafgeschichte: Von der Laufmaschine zum heutigen Fahrrad
Transcript
- Stell dir einen Weg vor … draußen, weit weg von den Häusern. Der Boden ist fest … ein schmaler Streifen aus Kies und Erde, der zwischen zwei Wiesen hindurchläuft. Es ist Abend geworden. Das Gras rechts und links steht hoch … und am Rand des Weges wachsen ein paar Sträucher. Auf diesem Weg steht ein Fahrrad. Es lehnt an einem hölzernen Zaunpfosten … und es wartet. Niemand hat es eilig hier. Das Fahrrad nicht … und du auch nicht. Die Luft ist mild. Ein wenig Wind geht über das Gras … und dann ist er wieder fort. Du stehst eine Weile da und schaust. Du schaust dir das Fahrrad an … in aller Ruhe. Da sind zwei Räder … ein vorderes und ein hinteres. Beide sind gleich groß. Zwischen den Rädern sitzen die Pedale … dort, wo später die Füße ihren Platz finden. Und von dort läuft eine Kette nach hinten … bis zum Hinterrad. Das ist alles, was es braucht. Zwei Räder … zwei Pedale … eine Kette. Und einen Rahmen, der alles zusammenhält. Du legst die Hand auf den Sattel. Dann schiebst du das Fahrrad ein paar Schritte vom Zaun weg … und die Räder beginnen sich zu drehen. Langsam. Ohne ein Geräusch, das stört. … Das Rad dreht sich … und dreht sich weiter … Schau dir die Kette noch einen Moment an. Sie ist aus vielen kleinen Gliedern gemacht. Glied an Glied … eines hinter dem anderen. Wenn das Fahrrad steht, liegt die Kette da … ohne sich zu bewegen. Sie hängt in einem langen Bogen zwischen den Pedalen und dem Hinterrad. Und wenn das Fahrrad fährt, wandert die Kette. Glied für Glied läuft sie ihre Runde … und kommt wieder an den Anfang zurück. Immer dieselbe Runde. Immer derselbe Weg. Das hat etwas Tröstliches. Etwas, das man nicht verstehen muss, um es zu mögen. Du schiebst das Fahrrad zurück an den Zaunpfosten. Dort darf es noch eine Weile stehen. Heute Abend gehen wir diesen Weg sehr langsam. Wir schauen zurück … an den Anfang der Geschichte des Fahrrads. Dann schauen wir uns an, wie das Fahrrad zu seiner heutigen Form gefunden hat. Wir sehen uns die Schaltung an … das Licht … und den Rahmen. Und am Ende kommen wir wieder hierher zurück … auf einen Weg zwischen Wiesen, weit weg von den großen Straßen. Du musst dir nichts merken. Du darfst mitfahren, so weit du magst. Und wenn du vorher absteigen möchtest … um zu schlafen … dann ist das gut so. Die Geschichte des Fahrrads hat einen Anfang … und man kann ihn auf ein Jahr legen. Das Jahr heißt achtzehnhundertsiebzehn. In diesem Jahr stellte ein Mann aus Baden etwas Neues vor. Er war Forstbeamter … also ein Beamter, der für den Wald zuständig war. Sein Name war Karl von Drais. Und das, was er vorstellte, war seine Laufmaschine. Mit diesem Jahr … und mit dieser Laufmaschine … kann man die Geschichte des Fahrrads beginnen lassen. Das ist ein schöner Gedanke. Ein Mann, der für den Wald zuständig war … und eine Maschine, die er den anderen zeigt. Achtzehnhundertsiebzehn. Ein Jahr, das man sich leicht merken kann. Aber du musst es nicht. Stell dir vor, wie jemand etwas Neues zum ersten Mal anderen Menschen zeigt. Er hat lange darüber nachgedacht. Er hat es gebaut. Und jetzt steht es da … vor den Augen der anderen. Manche schauen neugierig. Manche schauen zweifelnd. Manche lächeln. So ist das oft, wenn etwas Neues in die Welt kommt. Wir wissen nicht, wie die Menschen damals geschaut haben. Das müssen wir auch nicht wissen. Es genügt, sich den Moment vorzustellen. Ein Mann … eine Maschine … und ein Jahr, mit dem eine lange Geschichte beginnt. … Das Rad dreht sich … und dreht sich weiter … Wie sah diese Laufmaschine aus? Drais hatte sie aus Holz gefertigt. Sie hatte zwei gleich große Räder aus Holz … mit Reifen aus Eisen. Das vordere Rad ließ sich lenken. Pedale gab es noch keine. Und auch keine Kette. Der Fahrer saß zwischen den beiden Rädern. Mit den Füßen stieß er sich am Boden ab. Und zwischen den Schritten rollte die Laufmaschine ein Stück weiter. Stell dir vor, wie das ausgesehen haben mag. Ein Mann auf einem hölzernen Gefährt … halb laufend … halb rollend. Ein Schritt … und rollen. Ein Schritt … und rollen. Laufmaschine. Das ist ein Wort, das man sich in Ruhe anhören kann. Es besteht aus zwei Teilen. Vorne steht das Laufen … hinten steht die Maschine. Das Laufen kennt jeder Mensch. Einen Fuß vor den anderen … Schritt für Schritt. Und eine Maschine ist etwas, das gebaut wird … aus Teilen, die zusammenpassen. In diesem einen Wort treffen sich also zwei Dinge. Die alte Bewegung der Beine … und etwas Neues, das jemand gebaut hat. Und genau so war es auch. Der Fahrer lief mit den Beinen … und saß dabei auf einer gebauten Maschine. Ein neues Wort für eine neue Sache. Laufmaschine. Auch das Wort Fahrrad kann man auseinandernehmen. Es besteht ebenfalls aus zwei Teilen. Vorne steht das Fahren. Hinten steht das Rad. Ein Rad, mit dem man fährt. So schlicht kann ein Wort sein. Laufmaschine und Fahrrad. Das eine Wort steht ganz am Anfang der Geschichte. Das andere Wort steht draußen am Zaunpfosten … am Weg zwischen den Wiesen. Dazwischen liegt eine lange Strecke. Und auf dieser Strecke gehen wir jetzt ein paar Schritte weiter. Von diesem Anfang aus führt ein langer Weg bis zu dem Fahrrad, das am Zaunpfosten lehnt. Viele Jahre liegen dazwischen. Und mehr als eine Form. Nicht jede Form ist geblieben. Manche kamen … und manche gingen wieder. So ist das mit Dingen, die Menschen bauen. Sie probieren etwas aus. Sie behalten, was sich bewährt. Und das andere lassen sie langsam hinter sich. Eine dieser Formen schauen wir uns jetzt an. Sie hat einen eigenen Namen. Man nennt sie das Hochrad. … Das Rad dreht sich … und dreht sich weiter … Wie kam es zum Hochrad? Der Grund war ein neuer Antrieb. Dieser Antrieb heißt Tretkurbelantrieb. Auch dieses Wort kann man auseinandernehmen. Da ist das Treten … mit den Füßen. Und da ist die Kurbel. Eine Kurbel ist ein Hebel, den man im Kreis dreht. Wer auf eine Tretkurbel tritt, bringt sie zum Drehen … Runde um Runde. Am Anfang saßen die Tretkurbeln am Vorderrad … fest an seiner Achse. Bei einer Umdrehung der Pedale kam man darum genau so weit, wie der Umfang des Vorderrads reichte. Einmal rundherum … und nicht weiter. Um schneller fahren zu können, vergrößerte man deshalb das Vorderrad. So ist das Hochrad entstanden. Der Tretkurbelantrieb hat diese Entwicklung angeregt. Aus einer neuen Art, ein Rad anzutreiben, ist eine neue Form gewachsen. Stell dir eine Kurbel vor, die sich dreht. Oben … nach vorne … unten … nach hinten … und wieder oben. Ein Kreis, der nicht aufhört, solange jemand tritt. Vielleicht kannst du diese Bewegung in Gedanken mitmachen. Langsam. Ohne die Beine zu bewegen. Oben … vorne … unten … hinten. Und wieder oben. Wie ein Atemzug, der kommt und geht. Einatmen … und ausatmen. Oben … vorne … unten … hinten. Du musst nichts tun. Der Kreis dreht sich auch ohne dich. Das Hochrad hatte eine besondere Rolle. Zwei Jahrzehnte lang wurde es mehrheitlich als Sportgerät benutzt. Zwei Jahrzehnte … das sind zwanzig Jahre. Zwanzig Frühlinge … zwanzig Sommer … zwanzig Herbste … und zwanzig Winter. In all dieser Zeit war das Hochrad vor allem ein Gerät für den Sport. Nicht für jeden Weg … nicht für jeden Tag. Sondern meistens für den Sport. Wie sah so ein Hochrad aus? Ganz anders als das Fahrrad am Zaun. Sein Vorderrad war sehr groß. Sein Hinterrad war deutlich kleiner. Die Pedale saßen nicht zwischen den Rädern, sondern direkt am großen Vorderrad. Und der Sattel saß hoch oben … rund anderthalb Meter über dem Boden … nur wenig hinter der Achse des Vorderrads. Vom Sattel aus erreichte man den Boden nicht einmal mit den Zehenspitzen. Zum Auf- und Absteigen gab es hinten am Rahmen eine Fußraste. Stell dir einen weiten Platz vor, draußen unter einem hellen Himmel. Dort stehen ein paar dieser Hochräder nebeneinander. Vorne ein großes Rad … hinten ein kleines. Und ganz oben der Sattel. Ihr Name passt gut zu ihnen. Sie sind hoch. … Das Rad dreht sich … und dreht sich weiter … Im Frühling werden die Tage länger. Im Sommer bleibt es lange hell. Im Herbst fallen die Blätter von den Bäumen. Und im Winter wird es früh dunkel. Zwanzig Mal kommt diese Reihe … und zwanzig Mal geht sie vorbei. So lange wurde das Hochrad mehrheitlich für den Sport benutzt. Eine lange Zeit. Lang genug, dass aus Kindern Erwachsene werden. Frühling … Sommer … Herbst … Winter. Und wieder Frühling. Und dann kam die Zeit, in der das Hochrad abgelöst wurde. Abgelöst … das ist ein freundliches Wort. Es klingt nach einem Wechsel, nicht nach einem Ende. So wie bei einer Wache, die nach langer Zeit nach Hause gehen darf, weil eine andere Wache kommt. Was nach dem Hochrad kam, hat einen langen Namen. Es heißt Sicherheitsniederrad. Sicherheitsniederrad … das ist ein Wort mit drei Teilen. Sicherheit. Nieder. Rad. Das Niedere steht dem Hohen gegenüber. Auf das Hochrad folgt das Niederrad. Und davor steht die Sicherheit … wie ein Versprechen, das man gleich mit in den Namen geschrieben hat. Dieses Sicherheitsniederrad hatte einen großen Vorzug. Es war für allgemeine Zwecke verwendbar. Das bedeutet: Das Sicherheitsniederrad war nicht nur für den Sport gedacht. Allgemeine Zwecke … das sind die vielen gewöhnlichen Wege, die ein Tag so mit sich bringt. Stell dir vor, wie jemand damit zum Markt fährt … oder zu einem Freund … oder hinaus ins Grüne. Das Hochrad gehörte meistens dem Sport. Das Sicherheitsniederrad gehörte dem Alltag. Und genau diese Form ist geblieben. … Das Rad dreht sich … und dreht sich weiter … Das Sicherheitsniederrad wurde zum Standard-Fahrrad … zu dem Fahrrad, das wir heute gebrauchen. Das ist ein beruhigender Gedanke. Das Fahrrad am Zaunpfosten … draußen am Weg zwischen den Wiesen … hat genau diese Form. Wenn du heute ein Fahrrad siehst, dann siehst du die Form des Sicherheitsniederrads. Sie hat sich durchgesetzt. Sie ist geblieben … und sie wird bis heute gebraucht. Man könnte sagen, das Fahrrad am Zaun ist ein Nachfahre. Ein Nachfahre einer Form, die schon lange vor uns gefunden wurde. Und es lehnt da, als wüsste es nichts davon. Schauen wir uns diese Form noch einmal genauer an. Langsam … Teil für Teil. Zuerst der Rahmen. Er ist rautenförmig. Eine Raute ist eine Form mit vier gleich langen Seiten … wie ein Viereck, das man ein wenig schräg gestellt hat. Man nennt diesen Rahmen auch Diamantrahmen. Diamant … das ist ein schönes Wort für einen Rahmen. Es klingt nach etwas Wertvollem. Und doch meint es hier vor allem die Form. Die Raute. Rautenförmig. Diamantrahmen. Zwei Namen für dieselbe Form. Stell dir eine Raute vor, die jemand mit einem Stift auf ein Blatt Papier zeichnet. Ein Strich nach oben … ein Strich zur Seite … ein Strich nach unten … und ein Strich zurück zum Anfang. Vier Seiten. Vier Ecken. Eine geschlossene Form. Und wenn du jetzt an das Fahrrad denkst, dann findest du diese Form in seiner Mitte. Der Rahmen ist rautenförmig. Ein Diamantrahmen. Du kannst die Raute in Gedanken noch einmal nachzeichnen. Oben … zur Seite … unten … zurück. Und dann darfst du den Stift wieder hinlegen. … Das Rad dreht sich … und dreht sich weiter … Dann die Räder. Es sind zwei … und sie sind gleich groß. Zwei gleich große Räder … das klingt so selbstverständlich, dass man kaum darüber nachdenkt. Das vordere Rad und das hintere Rad … eines wie das andere. Sie stehen hintereinander auf dem Weg. Und wenn das Fahrrad rollt, laufen sie hintereinander her. Gleich groß … gleich rund … und beide drehen sich, sobald das Fahrrad fährt. Zwei Kreise auf einem Weg aus Kies. Einer vorne … einer hinten. Und zwischen den beiden Kreisen … die Raute des Rahmens. Und dann die Pedale. Sie sind zwischen den Rädern angeordnet … zwischen vorne und hinten. Von den Pedalen aus wird das Fahrrad angetrieben. Die Kraft geht über eine Kette … und diese Kette treibt das Hinterrad an. Das Hinterrad ist also das Rad, das über die Kette angetrieben wird. Stell dir vor, wie die Füße auf die Pedale treten … wie die Kette sich in Bewegung setzt … und wie das Hinterrad sich zu drehen beginnt. Pedale … Kette … Hinterrad. Eine kleine Reihe, die immer gleich bleibt. Pedale … Kette … Hinterrad. Rautenförmiger Rahmen. Zwei gleich große Räder. Pedale zwischen den Rädern. Eine Kette zum Hinterrad. Das ist das Fahrrad, wie wir es heute kennen. Du kannst diese vier Dinge vor dich hinsagen, wenn du magst. Oder du lässt sie vorbeiziehen … wie Bäume am Wegrand. Sie kommen. Und sie gehen. Der Abend ist inzwischen ein wenig dunkler geworden. Über den Wiesen liegt ein graues Licht. Das Fahrrad lehnt noch immer am Zaunpfosten. Es hat Zeit. … Das Rad dreht sich … und dreht sich weiter … Nicht jedes Fahrrad ist gleich ausgestattet. Viele Fahrräder haben noch etwas mehr. Sie haben eine Gangschaltung. Eine Gangschaltung dient dazu, die Antriebsübersetzung zu verändern. Antriebsübersetzung … das ist ein langes Wort. Wir nehmen es langsam auseinander. Der Antrieb ist das, was das Fahrrad in Bewegung bringt … die Pedale und die Kette. Und die Übersetzung beschreibt, wie die Drehung der Pedale an das Rad weitergegeben wird. Antrieb … und Übersetzung. Zusammen ergibt das die Antriebsübersetzung. Und die Gangschaltung ist das Teil, mit dem man diese Antriebsübersetzung verändert. Mit einer Gangschaltung kann man die Übersetzung also ändern. Man tritt in die Pedale wie vorher … und doch wird die Drehung anders an das Rad weitergegeben. Vorne an der Kurbel und hinten an der Achse des Rades sitzen Zahnkränze. Wenn sie verschieden groß sind, kann sich das Rad bei einer einzigen Umdrehung der Pedale gleich mehrmals drehen. Wie oft genau … das hängt von der Übersetzung ab. So gibt es verschiedene Übersetzungen für unterschiedliche Strecken. Die flache Topographie der Niederlande macht niedrige Übersetzungen dort entbehrlich. Man muss das nicht genau berechnen. Es genügt zu wissen, dass es diese Möglichkeit gibt. Ein Hebel, ein kleiner Wechsel … und das Fahrrad fährt in einem anderen Gang weiter. … Das Rad dreht sich … und dreht sich weiter … Stell dir vor, du fährst auf dem Weg zwischen den Wiesen. Der Weg ist flach. Die Pedale drehen sich gleichmäßig. Die Kette läuft. Das Hinterrad dreht sich. Dann steigt der Weg ein wenig an. Ein kleiner Hügel liegt vor dir. Du wechselst den Gang … zu einer niedrigeren Übersetzung. Für solche Steigungen sind die niedrigen Übersetzungen da. Die flache Topographie der Niederlande macht sie dort entbehrlich. Jetzt dreht sich das Hinterrad bei jeder Runde der Pedale weniger oft als vorher. Das spürst du an deinen Füßen. Die Arbeit am Hügel verteilt sich im niedrigeren Gang auf mehr Pedalrunden. Dafür drehen sich die Pedale häufiger … und bei jeder Pedalrunde rollt das Hinterrad weniger weit. Du trittst weiter … Runde um Runde … und kommst langsam oben an. Oben auf dem Hügel wechselst du wieder zurück. Jetzt bringt dich jede Runde der Pedale wieder ein größeres Stück voran. Und der Weg geht flach weiter. Es gibt keinen Grund zur Eile. Nur das Treten … und den Weg. Es gibt verschiedene Arten von Gangschaltungen. Die wichtigsten sind zwei. Die eine heißt Kettenschaltung. Die andere heißt Nabenschaltung. Im Wort Kettenschaltung steckt die Kette, die wir schon kennen. Die Kette, die zum Hinterrad läuft. Im Wort Nabenschaltung steckt die Nabe. Die Nabe ist das Mittelstück eines Rades … der Teil, um den sich das Rad dreht. Zwei Wörter. Zwei Arten. Und beide verändern die Antriebsübersetzung. Kettenschaltung … und Nabenschaltung. Die Kette … und die Nabe. Zwei Orte am Fahrrad, an denen eine Schaltung ihren Platz haben kann. Und dann gibt es noch etwas, das selten vorkommt. Manchmal werden beide Arten miteinander kombiniert. Eine Kettenschaltung und eine Nabenschaltung … an einem einzigen Fahrrad. Das ist selten. Aber es gibt diese Kombinationen. Man kann sich das vorstellen wie zwei Wege, die an einer Stelle zusammenlaufen … und von da an gemeinsam weitergehen. Meistens bleiben die beiden Arten aber für sich. Ein Fahrrad mit Kettenschaltung … ein anderes Fahrrad mit Nabenschaltung. Jede Art hat ihren eigenen Ort. Und beide tun dasselbe … sie verändern, wie die Drehung der Pedale an das Rad weitergegeben wird. … Das Rad dreht sich … und dreht sich weiter … Draußen am Weg ist es jetzt beinahe dunkel. Die Wiesen sind nur noch als graue Flächen zu sehen. Die Sträucher am Rand werden zu Schatten. Wer jetzt noch mit dem Fahrrad unterwegs ist, braucht etwas, das den Weg zeigt. Er braucht Licht. Am Fahrrad am Zaunpfosten sitzt vorne eine kleine Lampe. Sie ist noch aus … aber sie ist da. Sie wartet, wie das Fahrrad wartet. Und über den Wiesen erscheinen die ersten Sterne. Einer … und dann noch einer. Das Licht am Fahrrad hat einen Namen. Es heißt Fahrradbeleuchtung. Die Fahrradbeleuchtung ist die Fahrzeugbeleuchtung am Fahrrad. So wie andere Fahrzeuge ihre Beleuchtung haben, so hat auch das Fahrrad seine Beleuchtung. Fahrzeugbeleuchtung … am Fahrrad. Das ist eine klare Erklärung. Sie braucht nicht viele Worte. Und doch kann man ein wenig bei ihr verweilen. Denn die Fahrradbeleuchtung hat eine Aufgabe. Genauer gesagt … sie hat zwei Aufgaben. Die erste Aufgabe ist für den, der fährt. Die Fahrradbeleuchtung verschafft dem Fahrer während der Fahrt Sicht auf den Fahrweg. Stell dir vor, die Lampe geht an. Ein Lichtkegel fällt nach vorne auf den Weg. Im Licht siehst du den Kies … die Erde … und den Rand, wo das Gras beginnt. Ein Stück Weg nach dem anderen taucht aus dem Dunkel auf. Und wenn du daran vorbeigefahren bist, liegt es wieder im Dunkeln hinter dir. Das ist die erste Aufgabe. Sicht auf den Fahrweg … während der Fahrt. Du siehst, wohin du fährst. Die zweite Aufgabe ist für die anderen. Die Fahrradbeleuchtung erleichtert es anderen Verkehrsteilnehmern, das Fahrrad schnell wahrzunehmen. Wer dir entgegenkommt, sieht dein Licht. Das Licht sagt dann: Hier ist ein Fahrrad. Ein kleiner Punkt in der Dunkelheit … und doch wird er schnell bemerkt. Sehen … und gesehen werden. Das sind die beiden Aufgaben der Fahrradbeleuchtung. Sehen … und gesehen werden. … Das Rad dreht sich … und dreht sich weiter … Wenn du magst, bleib noch einen Moment bei diesem Bild. Ein Fahrrad auf einem Weg am Abend. Vorne ein Licht, das den Weg zeigt. Das Licht fährt mit. Es ist immer ein Stück voraus … nie weit, aber weit genug. Du musst nicht wissen, wohin der Weg führt. Das Licht zeigt dir das nächste Stück. Und dann wieder das nächste. Es gibt nichts zu tun. Nur das Licht … den Weg … und die Räder, die sich drehen. Ein Stück Weg … und noch ein Stück. Jetzt schauen wir noch einmal auf das Fahrrad selbst. Auf das Teil, das alles trägt. Es heißt Fahrradrahmen. Der Fahrradrahmen ist das Gestell eines Fahrrads. Ein Gestell … das ist etwas, das andere Dinge hält. So wie ein Regal die Bücher hält … oder ein Tisch die Tassen. Beim Fahrrad ist der Rahmen dieses Gestell. Und wir wissen schon, welche Form der Rahmen bei unserem Fahrrad hat. Er ist rautenförmig. Ein Diamantrahmen. Die Raute, die wir vorhin in Gedanken gezeichnet haben … das ist das Gestell des Fahrrads. Der Rahmen hat eine Aufgabe, die man leicht übersieht. Er trägt das Gewicht des Fahrers. Und er überträgt dieses Gewicht auf die Laufräder. Laufräder … so heißen die beiden Räder, auf denen das Fahrrad rollt. Stell dir vor, wie sich jemand auf das Fahrrad setzt. Das Gewicht geht in den Rahmen. Und vom Rahmen geht es weiter … hinunter in die Laufräder. Der Rahmen nimmt das Gewicht auf. Und er gibt es weiter. Aufnehmen … und weitergeben. … Das Rad dreht sich … und dreht sich weiter … Es ist ein schönes Bild, wenn man es eine Weile betrachtet. Da ist ein Gestell, das dich trägt. Es fragt nicht, wie müde du bist. Es trägt dich. Und das Gewicht verschwindet nicht. Es wird weitergereicht … vom Rahmen an die Laufräder. So wie wenn man etwas Schweres in andere Hände gibt … und die eigenen Arme leicht werden. Vielleicht spürst du gerade, wie dein eigenes Gewicht in die Matratze sinkt. Wie das Kissen deinen Kopf trägt. Auch das ist ein Tragen … und ein Weitergeben. Du darfst dich tragen lassen. Heute Abend … und die ganze Nacht. Wir haben jetzt viel über das Fahrrad selbst gehört. Über seinen Anfang … seine Form … seine Schaltung … sein Licht … und seinen Rahmen. Aber ein Fahrrad steht nicht nur am Zaunpfosten. Es wird gefahren. Für dieses Fahren gibt es ein eigenes Wort. Es heißt Radverkehr. Man sagt auch Fahrradverkehr. Und in der Schweiz sagt man Veloverkehr. Im Wort Veloverkehr steckt das Velo … so nennt man in der Schweiz das Fahrrad. Ein kurzes Wort mit nur zwei Silben. Radverkehr. Fahrradverkehr. Veloverkehr. Drei Wörter … und sie meinen dasselbe. Radverkehr bezeichnet die Fortbewegung durch Fahrradfahren. Fortbewegung … das bedeutet, dass man von einem Ort an einen anderen kommt. Und beim Radverkehr geschieht das durch Fahrradfahren. Durch das Treten in die Pedale … durch die Kette … durch die Räder. Jeder Mensch, der heute Abend mit dem Fahrrad nach Hause fährt, gehört in diesem Moment zum Radverkehr. Er ist ein kleiner Teil davon. Und wenn er zu Hause ankommt und absteigt, ist er es nicht mehr. … Das Rad dreht sich … und dreht sich weiter … Stell dir drei Wege vor. Einen in Deutschland … einen in Österreich … und einen in der Schweiz. Auf jedem dieser Wege fährt jemand mit dem Fahrrad nach Hause. Drei Menschen. Drei Fahrräder. Drei kleine Lichter in der Dunkelheit. In Deutschland nennt man das Radverkehr oder Fahrradverkehr. In der Schweiz nennt man es Veloverkehr. Und gemeint ist überall dasselbe. Die Fortbewegung durch Fahrradfahren. Drei Lichter, weit voneinander entfernt. Und jedes zeigt seinem Fahrer das nächste Stück Weg. Es gibt verschiedene Arten, mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Eine davon ist der touristische Radverkehr. Das ist das Radfahren auf Ausflügen und auf Reisen. Für den touristischen Radverkehr werden bestimmte Strecken bevorzugt. Es sind naturnahe Strecken. Strecken mit Erholungswert. Und diese Strecken liegen abseits stark befahrener Straßen. Naturnah. Mit Erholungswert. Abseits stark befahrener Straßen. Drei Merkmale … und wir schauen sie uns eines nach dem anderen an. Naturnah … das heißt, die Natur ist nah. Wiesen rechts und links. Ein paar Sträucher am Rand. Vielleicht ein Bach … oder ein Waldstück in der Ferne. Erholungswert … das heißt, die Strecke tut einem gut. Man kann sich auf ihr erholen, während man fährt. Und abseits stark befahrener Straßen … das heißt, die großen Straßen bleiben weit weg. Kein Brummen von Motoren. Nur der Wind im Gras … und das Geräusch der Räder auf dem Kies. … Das Rad dreht sich … und dreht sich weiter … Stell dir vor, du fährst auf so einer Strecke … an einem freundlichen Tag. Der Weg folgt den Wiesen. Er biegt sanft nach links … und später wieder nach rechts. Du hast keine Eile. Es gibt kein Ziel, das auf dich wartet. Du fährst, weil das Fahren gut tut. Weil die Strecke schön ist. Und weil die großen Straßen weit weg sind. Das ist der Erholungswert. Er liegt nicht am Ende des Weges. Er liegt im Weg selbst. In jeder Kurve … und in jedem geraden Stück. Vielleicht hast du es schon gemerkt. Der Weg, auf dem unser Fahrrad steht, ist genau so ein Weg. Er liegt zwischen Wiesen. Er ist weit weg von den großen Straßen. Es ist ein naturnaher Weg … mit Erholungswert. Man könnte sagen, wir sind die ganze Zeit schon dort gewesen, wo man gern mit dem Fahrrad hinfährt. Ohne es zu merken. Nebenbei. Das Fahrrad lehnt am Zaunpfosten. Die Lampe ist aus. Und über den Wiesen stehen jetzt viele Sterne. Es gibt Organisationen, die sich für das Fahrrad als Verkehrsmittel engagieren. Drei von ihnen wollen wir heute Abend kurz nennen. Eine aus Deutschland … eine aus Österreich … und eine aus der Schweiz. Wir nennen nur ihre Namen. Mehr brauchen wir heute nicht. In Deutschland gibt es eine Organisation mit einem langen Namen. Sie heißt Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club (ADFC). Ein Club für das Fahrrad … und das Wort allgemein steht gleich am Anfang. In Österreich gibt es eine Organisation, die Radlobby Österreich heißt. Seit dem Jahr zweitausenddreizehn trägt sie diesen Namen. Und in der Schweiz gibt es eine Organisation mit dem Namen Pro Velo Schweiz. Da ist es wieder … das kurze Wort Velo. Pro Velo … das heißt für das Velo … also für das Fahrrad. Drei Länder. Drei Organisationen. Und alle drei engagieren sich für das Fahrrad als Verkehrsmittel. Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club (ADFC) in Deutschland. Radlobby Österreich in Österreich. Pro Velo Schweiz in der Schweiz. Du musst dir diese Namen nicht merken. Sie dürfen kommen … und wieder gehen. … Das Rad dreht sich … und dreht sich weiter … Wir kehren jetzt zurück. Zurück zu dem Weg zwischen den Wiesen. Es ist Nacht geworden. Über dem Gras liegt die Dunkelheit … und die Luft ist kühl. Das Fahrrad lehnt noch immer am Zaunpfosten. Es hat gewartet … die ganze Zeit. Zwei gleich große Räder. Ein rautenförmiger Rahmen. Pedale zwischen den Rädern. Eine Kette zum Hinterrad. Du siehst es kaum noch. Aber du weißt, dass es da ist. Ganz am Anfang stand eine Laufmaschine. Achtzehnhundertsiebzehn. Dann kam das Hochrad … zwei Jahrzehnte lang vor allem ein Gerät für den Sport. Und dann kam das Sicherheitsniederrad … und es ist geblieben. Es ist das Fahrrad, das dort am Zaun steht. … Das Rad dreht sich … und dreht sich weiter … Die Schaltung … sie verändert die Übersetzung. Das Licht … es zeigt den Weg. Und es lässt dich gesehen werden. Der Rahmen … er trägt dich. Und er gibt dein Gewicht an die Räder weiter. Du musst nichts davon behalten. Es darf alles vorbeiziehen … wie die Wiesen am Wegrand. Stell dir zum Schluss noch einmal eine kleine Fahrt vor. Nur in Gedanken. Das Fahrrad am Zaun bleibt dabei, wo es ist. In Gedanken rollst du langsam den Weg entlang. Die Wiesen ziehen vorbei. Die Sträucher ziehen vorbei. Und der Weg wird dunkel. Die Räder drehen sich langsamer. Und noch langsamer. Die Kette läuft ihre Runde … Glied für Glied. Oben … vorne … unten … hinten. … Das Rad dreht sich … und dreht sich weiter … Langsam. Dann hält das gedachte Fahrrad an. Die Fahrt in Gedanken ist zu Ende. Und draußen am Weg lehnt das Fahrrad noch immer am Zaun. Es ruht. Und du darfst jetzt schlafen. Gute Nacht. Schlaf gut. Bis morgen Abend.