Latest / Gute Nacht mit Fridolin / Einschlafgeschichte: Die Sonne – unser ruhiger, warmer Stern
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- Denk einmal an einen warmen Tag. An einen Nachmittag … an dem die Sonne schien … und alles in ein weiches, helles Licht getaucht war. Vielleicht lagst du irgendwo im Gras … oder saßt auf einer Bank … und hast die Augen geschlossen. Und da war diese Wärme … auf deiner Haut … auf deinem Gesicht. Ganz ruhig … ganz gleichmäßig … einfach da. Du musstest nichts dafür tun. Die Wärme kam von ganz allein … von weit oben herab … und legte sich sanft über dich. Und am Abend … ganz langsam … wurde dieses Licht weicher. Die Sonne sank tiefer … und tiefer … und färbte den Himmel in warme Töne … bis sie schließlich unterging. Dann wurde es still … und kühl … und dunkel. So wie jetzt. Die Sonne ist fort … für diese Nacht. Sie scheint gerade auf der anderen Seite der Erde … auf Menschen, bei denen jetzt Tag ist. Und während du hier liegst … in der Dunkelheit … ist sie schon wieder unterwegs zu dir … für morgen. Diese Sonne … die dich am Tag wärmt … ist in Wahrheit ein Stern. Ein Stern … so wie die vielen kleinen Lichter … die du nachts am Himmel siehst. Nur ist dieser eine … unser Stern. Er steht uns viel näher als alle anderen … und darum ist er so groß und so hell. Am Tag strahlt er so kräftig … dass wir ganz vergessen … dass es ein Stern ist. Wir sagen einfach … die Sonne. Und doch ist sie nichts anderes … als ein Stern … ganz nah bei uns. Unter den vielen Sternen … ist die Sonne gar nichts Besonderes. Kein Riese … kein seltenes Licht … sondern ein ganz gewöhnlicher Stern. Die Sternforscher nennen sie einen gelben Zwerg. Ein mittelgroßer, ruhiger Stern … von denen es unzählige gibt. Sie steht am Rand … im äußeren Drittel … eines großen Sternsystems … das man die Milchstraße nennt. Dort ist sie eine unter vielen, vielen anderen. Für das ganze Weltall … ein kleiner, durchschnittlicher Stern. Aber für uns … ist sie alles. Und all die anderen Sterne … die du nachts am Himmel siehst … sind in Wahrheit auch Sonnen. Jedes dieser kleinen, fernen Lichter … ist ein Stern … so wie unsere Sonne … oder noch viel größer. Sie erscheinen uns nur so winzig … weil sie so unfassbar weit weg sind. So weit … dass ihre Wärme uns niemals erreicht. Nur ein kleiner, kühler Funke … kommt von ihnen bei uns an. Unsere Sonne aber … steht ganz nah. Und darum … wärmt sie uns … während die anderen nur leise funkeln. Und für uns … ist sie das Hellste, was es gibt. Nichts am ganzen Himmel … strahlt heller als sie. Kein Stern … kein Mond … nichts. Ihr Licht ist so kräftig … dass man nicht hineinsehen kann. Man darf nie … geradewegs in die Sonne blicken. Wer sie beobachten will … braucht besondere, dunkle Gläser … oder muss ihr Bild an eine Wand werfen. So hell … so mächtig … ist dieser eine Stern … über uns. So gewöhnlich sie auch ist … für uns ist sie unvorstellbar groß. Stell dir die Erde vor … die ganze weite Erde … mit allen Ländern … allen Meeren … allen Bergen. Und nun stell dir vor … die Sonne wäre eine hohle Kugel. Dann würden mehr als eine Million Erden … in sie hineinpassen. Quer über die Sonne … von einer Seite zur anderen … liegen mehr als hundert Erden nebeneinander. Sie ist so groß … dass fast alles … was im ganzen Sonnensystem an Masse steckt … in ihr allein zu finden ist. Die Sonne … und daneben … ein winziger Rest … das sind die Planeten. Und diese gewaltige Kugel … ist beinahe vollkommen rund. Kein Berg … kein Tal … keine Kante … stört ihre Form. Nur eine glatte, glühende Kugel … so gleichmäßig … wie man sie kaum irgendwo sonst findet. Ganz sanft gerundet … von allen Seiten gleich. Und ruhig … dreht sie sich um sich selbst … diese vollkommene, runde Scheibe aus Licht. Ein stilles, gleichmäßiges Bild … hoch über allem. Und diese riesige Kugel … steht sehr weit von uns entfernt. Rund hundertfünfzig Millionen Kilometer … liegen zwischen ihr und uns. Eine Weite … die man sich kaum vorstellen kann. Und doch … über diese ganze, weite Strecke … kommt ihre Wärme bei uns an. Ihr Licht reist durch den dunklen, leeren Raum … ganz still … ohne Laut … und trifft am Ende ganz sanft auf deine Haut. Die Wärme eines Tages … kommt von einem Stern … der so unendlich weit weg ist. Und diese Weite … bleibt nicht immer ganz gleich. Denn die Erde … zieht ihre Bahn um die Sonne … nicht als ganz runder Kreis … sondern ein wenig länglich. Mal sind wir der Sonne etwas näher … mal ein kleines Stück weiter weg. Im einen Teil des Jahres … rücken wir ihr etwas näher. Im anderen … entfernen wir uns ein wenig. Dann sieht die Sonne … ein winziges bisschen größer … oder kleiner aus. So wenig … dass man es mit bloßem Auge gar nicht bemerkt. Ganz sacht … pendelt die Erde … um ihren warmen Stern. Und was da zu uns kommt … ist mehr als nur Wärme. Es ist das, wovon alles lebt. Ohne das Licht der Sonne … gäbe es keine Pflanzen … kein Grün … keine Wälder … keine Wiesen. Es gäbe keinen Tag … keine Jahreszeiten … kein Leben, wie wir es kennen. Alles, was wächst … wächst dem Licht entgegen. Jeder Halm … jedes Blatt … dreht sich zur Sonne. Sie ist der stille Ursprung … von fast allem … was auf der Erde lebt. Die Pflanzen … trinken das Licht. Sie fangen die Sonnenstrahlen ein … mit ihren grünen Blättern … und machen daraus … ihr Wachstum. Aus Licht … wird ein Blatt … wird ein Halm … wird eine Frucht. Und alles, was wir essen … geht am Ende darauf zurück. Auf ein wenig Sonnenlicht … das eine Pflanze eingefangen hat … vor nicht allzu langer Zeit. So trägt uns die Sonne … Tag für Tag … ganz unbemerkt. Und sie schenkt uns davon … unglaublich viel. Mehr Licht und Wärme … als wir Menschen je gebrauchen könnten. Zehntausendmal so viel Energie … wie alle Menschen zusammen verbrauchen … kommt jedes Jahr von der Sonne zur Erde. Zehntausendmal so viel. Und sie schickt es einfach … Tag für Tag … ohne dass wir darum bitten müssten. Ganz selbstverständlich … fällt dieses Licht auf die Welt … und wärmt sie. Und dabei … strahlt sie in jedem Augenblick … so unvorstellbar viel aus. In einer einzigen Sekunde … gibt die Sonne so viel Kraft ab … wie die Menschen … seit dem Beginn der großen Maschinen … viele tausend Male … verbrauchen könnten. In einer einzigen Sekunde. Und davon … fällt nur ein winziger Teil … auf die Erde. Auf jedes kleine Stück Boden … auf jede Handfläche voll Erde … legt sich still ein wenig von dieser Kraft. Und schon das … genügt … um eine ganze Welt zu wärmen … und alles darauf am Leben zu halten. Der Rest … strahlt einfach hinaus … in den weiten, dunklen Raum. Aber woraus besteht dieser Stern eigentlich. Nicht aus festem Boden … nicht aus Stein oder Erde. Man könnte auf der Sonne nicht stehen … es gibt dort nichts Festes. Sie ist eine riesige Kugel … aus glühendem Gas. Und dieses Gas … ist vor allem eines … Wasserstoff. Der leichteste … der einfachste Stoff, den es gibt. Dazu ein wenig Helium … und nur ganz wenig von allem anderen. Ein gewaltiger, glühender Ball … aus dem leichtesten Gas des Weltalls. Und dieser Ball … ist heiß. An seiner Oberfläche … dort, wo das Licht herkommt, das wir sehen … sind es etwa fünftausendfünfhundert Grad. Eine Hitze … die wir uns kaum vorstellen können. Alles, was wir kennen … würde dort längst verglühen. Und doch ist diese Oberfläche … noch der kühlste Teil … des Inneren. Denn je tiefer man käme … desto heißer würde es. Bis hinein … in das ferne, verborgene Herz der Sonne. Und diese Oberfläche … steht niemals ganz still. Sie ist bedeckt … mit unzähligen kleinen Zellen. Überall … steigt heißes Gas nach oben … kühlt ein wenig ab … und sinkt wieder hinab. Wie in einem Topf … in dem etwas ganz sacht köchelt. Jede dieser kleinen Zellen … lebt nur wenige Minuten … dann ist sie vergangen … und eine neue tritt an ihre Stelle. Ein leises, beständiges Wallen … über die ganze glühende Fläche. Nie ganz ruhig … und doch … immer gleich. Tief drinnen … ganz in der Mitte … liegt der Kern. Und dort … ist es unvorstellbar heiß. Viele Millionen Grad … in diesem winzigen, verborgenen Zentrum. Mehr als fünfzehn Millionen Grad … ganz im Innersten. Dort ist das Gas so dicht zusammengepresst … so schwer … so eng … dass etwas Wunderbares geschieht. Dort … tief im Herzen der Sonne … entsteht ihre ganze Kraft. Und das geht so vor sich. Im Kern … werden die kleinsten Teilchen des Wasserstoffs … langsam zu Helium … zusammengefügt. Aus dem leichten Stoff … wird ein etwas schwererer. Und bei dieser Verwandlung … wird Wärme frei … und Licht. So macht die Sonne … ihre Energie. Ganz tief in ihrem Inneren … verwandelt sie … seit Milliarden von Jahren … den einen Stoff in den anderen … und leuchtet dabei. Und das Schönste daran … ist, wie langsam das geschieht. Man könnte meinen … in der Sonne ginge es wild und stürmisch zu. Aber im Kern … geschieht alles … mit unendlicher Geduld. Ein einzelnes Teilchen … wartet im Mittel … viele Milliarden Jahre … bis es endlich mit einem anderen zusammenfindet. Milliarden Jahre … für einen einzigen kleinen Schritt. Nichts wird gedrängt … nichts wird beschleunigt. Die Sonne hat alle Zeit der Welt. Auch die Wärme selbst … hat es nicht eilig. Ist im Kern erst einmal Licht entstanden … dann beginnt für dieses Licht … eine lange, lange Reise. Es muss von ganz innen … bis nach außen … an die Oberfläche. Und dieser Weg … dauert unfassbar lange. Nicht Sekunden … nicht Jahre … sondern viele tausend Jahre. Zehntausend … und noch weit mehr … ist die Wärme unterwegs … von innen nach außen. Das Licht, das dich heute wärmt … ist tief in der Sonne entstanden … vor sehr, sehr langer Zeit. Und trotz all dieser Hitze und Kraft … geht es im Inneren erstaunlich ruhig zu. Man stellt sich die Sonne oft vor … wie ein loderndes Feuer. Aber in jedem einzelnen kleinen Fleck ihres Kerns … wird gar nicht so viel Wärme frei. Nicht mehr … als in einem Haufen Laub … der langsam vor sich hin wärmt. Es ist nur … dass die Sonne so unglaublich groß ist. Diese vielen kleinen, ruhigen Wärmen … zusammengenommen … über die ganze riesige Kugel … ergeben das gewaltige Licht … das wir kennen. Man kann sich die Sonne … in Schichten vorstellen. Wie eine Zwiebel … aus vielen Lagen … eine um die andere. Ganz innen … der heiße Kern … wo alle Kraft entsteht. Darum herum … eine dicke Schicht … durch die die Wärme … ganz langsam nach außen sickert. Und weiter draußen … noch eine Schicht … in der das heiße Gas … in großen, langsamen Strömen aufsteigt und wieder sinkt. Schicht um Schicht … von innen … bis ganz nach außen. Ein ruhiger Aufbau … um das verborgene Herz herum. Und ganz außen … liegt die Schicht, die wir sehen. Man nennt sie … die leuchtende Oberfläche. Von dort … löst sich das Licht … und macht sich auf den Weg zu uns. Alles Sonnenlicht, das du je gesehen hast … kommt aus dieser einen Schicht. Sie ist die Grenze … zwischen dem Inneren … das wir nie sehen … und dem Licht … das hinaus in den Raum strahlt. Ein weiches, gleichmäßiges Leuchten … über die ganze runde Scheibe. Über dieser leuchtenden Schicht … liegt noch eine dünne Hülle. Man kann sie fast nie sehen … denn das helle Licht darunter … überstrahlt sie. Nur in ganz seltenen Augenblicken … wird sie sichtbar. Dann nämlich … wenn der Mond sich genau vor die Sonne schiebt … und ihr helles Licht für kurze Zeit verdeckt. In diesem Moment … erscheint rund um die dunkle Sonne … ein zartes, rötliches Leuchten. Ganz still … ganz fein … für ein paar Augenblicke. Und noch weiter draußen … ganz zuäußerst … liegt der Kranz der Sonne. Auch ihn sieht man nur … wenn der Mond die Sonne verdeckt. Dann zeigt sich … rund um die verdunkelte Scheibe … ein weiter, silbriger Strahlenkranz. Ganz sacht … in alle Richtungen … hinaus in den dunklen Himmel. Er reicht weit hinaus … über die Sonne selbst hinaus … und leuchtet dabei ganz zart. Ein stiller Schein … wie ein Kranz aus Licht … um den dunklen Kreis. Und dieser äußere Kranz … birgt ein leises Rätsel. Denn er ist heißer … viel heißer … als die Oberfläche darunter. Mehr als eine Million Grad … ist er heiß. Während die Oberfläche … nur wenige tausend Grad hat. Wie das sein kann … dass es weiter außen heißer ist als weiter innen … darüber wundern sich die Sternforscher bis heute. Ein stilles Geheimnis … das die Sonne noch für sich behält. Nicht alles … muss man verstehen. Auf der leuchtenden Oberfläche … gibt es dunkle Flecken. Sonnenflecken … nennt man sie. Sie sehen dunkel aus … weil sie ein wenig kühler sind … als alles rundherum. Kühler … und darum … ein wenig weniger hell. Die Menschen kennen diese Flecken … schon seit uralter Zeit. Schon vor vielen hundert Jahren … haben sie sie bemerkt … und sich darüber gewundert. Kleine dunkle Male … auf dem hellen Gesicht der Sonne. Und diese Flecken … haben den Menschen etwas verraten. Denn wenn man sie über die Tage beobachtet … dann wandern sie langsam … über die Sonne hinweg. Von einer Seite … zur anderen. Und daraus haben die Menschen erkannt … dass die Sonne sich dreht. Ganz langsam … dreht sie sich um sich selbst … wie ein großer Ball. Ein Fleck verschwindet am einen Rand … und taucht … nach etwa zwei Wochen … am anderen Rand wieder auf. So still … so gleichmäßig … dreht sich die Sonne. Für eine ganze Umdrehung … braucht sie ungefähr … vier Wochen. Fast einen Monat lang … dreht sie sich einmal ganz herum. Und das Merkwürdige ist … sie dreht sich nicht überall gleich schnell. In der Mitte … am Bauch der Sonne … geht es etwas schneller. Weiter oben und unten … zu den Polen hin … dreht sie sich ein wenig langsamer. Weil die Sonne kein fester Ball ist … sondern aus Gas … darf sie sich so bewegen. Jeder Teil … in seinem eigenen ruhigen Takt. Und auch die Flecken selbst … kommen und gehen … in einem langsamen Takt. Eine Zeit lang … trägt die Sonne viele Flecken. Dann … über die Jahre … werden es wieder weniger … bis kaum noch welche zu sehen sind. Und dann … ganz allmählich … werden es wieder mehr. Etwa alle elf Jahre … wiederholt sich dieses ruhige Auf und Ab. Ein langsames Atmen … über die Jahre hinweg. Mehr Flecken … weniger Flecken … und wieder mehr … ganz ohne Eile. Und diese Flecken … haben mit etwas Verborgenem zu tun. Die Sonne trägt … so wie die Erde … eine stille Kraft in sich … eine Art Magnetismus. Bei der Sonne aber … ist er noch weit stärker … als bei der Erde. Und dort, wo diese Kraft besonders dicht zusammenkommt … entstehen die dunklen Flecken. Auch diese verborgene Kraft … kehrt sich langsam um … über die Jahre. Ganz allmählich … dreht sie sich … von der einen Seite zur anderen. Ein stilles, langsames Wenden … tief im Inneren der Sonne. Und noch etwas geschieht … ganz leise … in ihrem Inneren. Die Sonne … schwingt. Ganz sacht … hebt und senkt sich ihre Oberfläche … immer und immer wieder … in einem feinen Takt. Durch ihr Inneres … laufen leise Wellen … hin und her. Man könnte sagen … die Sonne klingt … wie eine große Glocke … die man nicht hören kann. Ein tiefes, stilles Schwingen … das nie aufhört. Und aus diesem leisen Klingen … haben die Sternforscher gelernt … wie es tief in ihrem Inneren aussieht. Vielleicht fragst du dich … welche Farbe die Sonne eigentlich hat. Wir sagen oft … die Sonne sei gelb. Doch das stimmt nicht ganz. Draußen im Weltall … von oben gesehen … ist die Sonne eigentlich weiß. Gelb wird sie erst … für uns hier unten … auf der Erde. Denn ihr Licht … muss durch die Luft … durch unsere ganze Lufthülle. Und dabei … verändert sich seine Farbe. Das kommt so. Im weißen Sonnenlicht … stecken alle Farben zugleich. Wenn dieses Licht durch die Luft dringt … wird ein Teil davon zur Seite gestreut. Vor allem das blaue Licht … wird überallhin verteilt. Darum ist der ganze Himmel … am Tag … blau. Und weil das Blau sich so über den Himmel verteilt … bleibt für die Sonne selbst … ein warmer, gelblicher Ton. Ein einfaches Spiel … zwischen dem Licht … und der Luft. Und am schönsten … zeigt sich das … am Abend. Wenn die Sonne tief steht … kurz vor dem Untergang … muss ihr Licht einen besonders langen Weg durch die Luft nehmen. Dann wird noch mehr Blau … zur Seite gestreut. Und übrig bleibt … das warme Rot … das tiefe Orange. Darum färbt sich der Himmel am Abend … so warm. Die ganze rote, ruhige Farbe des Sonnenuntergangs … ist nichts anderes … als Licht … das einen langen Weg durch die Luft gegangen ist. Ein leises Abschiednehmen … am Ende des Tages. Und aus demselben Licht … entstehen noch andere zarte Erscheinungen. Manchmal … steht ein blasser Ring rund um die Sonne … oder ein feiner Lichtschein neben ihr. Manchmal … wenn Regen fällt … und die Sonne zugleich scheint … spannt sich ein Regenbogen über den Himmel. All das … ist nichts als Sonnenlicht … das durch feine Tröpfchen … oder durch die Luft … gebrochen wird. Aus dem einen weißen Licht … werden viele Farben. Ein stilles Geschenk … das die Sonne … immer wieder … an den Himmel malt. Seit es Menschen gibt … richten sie sich nach der Sonne. Sie geht am Morgen auf … und ordnet den Tag. Sie steht am Mittag hoch … und sinkt am Abend wieder. Und über das ganze Jahr hinweg … steht sie mal höher … mal tiefer … und schenkt uns die Jahreszeiten. Der Morgen … der Mittag … der Abend … alles bekommt seinen Platz … durch ihren ruhigen Lauf. Die Sonne … ist die große Uhr … über allem. Nach ihr … richtet sich die ganze Welt. Und über das Jahr hinweg … verändert sich ihr Lauf. Im Sommer … steigt die Sonne hoch hinauf … und bleibt lange am Himmel. Die Tage sind lang … und warm … und hell. Im Winter … bleibt sie tief … und zieht nur einen kurzen Bogen. Dann sind die Tage kurz … und die Nächte lang … und kühl. Und dazwischen … im Frühling und im Herbst … hält sie sanft die Mitte. So schenkt uns die Sonne … die Jahreszeiten … ein ruhiges Kommen und Gehen … immer im selben Kreis. Und dabei … ist es in Wahrheit die Erde … die sich bewegt. Sie dreht sich einmal am Tag um sich selbst … darum geht die Sonne auf … und wieder unter. Und sie zieht in einem großen, ruhigen Bogen … einmal im Jahr … rund um die Sonne. Ein ganzer Umlauf … das ist ein Jahr. Die ganze schwere Erde … mit allem, was auf ihr ist … kreist ganz still … um diesen einen warmen Stern. Und wir merken nichts davon … so sanft geschieht es. Und die Erde … ist dabei nicht allein. Rund um die Sonne … ziehen noch andere Welten ihre Bahnen. Acht Planeten … kreisen um sie herum … jeder auf seinem eigenen Weg … in seinem eigenen Abstand. Und in der Mitte … von allem … steht die Sonne. Sie hält sie alle … mit ihrer stillen Kraft … und lässt sie um sich kreisen. Die Erde … ist nur eine davon … eine kleine Welt … unter mehreren. Und was sie alle zusammenhält … ist eine unsichtbare Kraft. Die Sonne zieht … mit ihrer ganzen Schwere … an allem um sie herum. Diese Anziehung … reicht über die riesigen Weiten hinweg … und hält jeden Planeten sanft auf seiner Bahn. Auch die Erde … wird von ihr gehalten. Ohne dieses stille Band … würde die Erde einfach fortdriften … hinaus in den dunklen Raum. Doch die Sonne hält sie … Jahr um Jahr … ganz ruhig bei sich. Eine unsichtbare Hand … die uns … immer wieder … um sie herumführt. Und darum … haben die Menschen die Sonne immer verehrt. Seit den ältesten Zeiten … in vielen Ländern … bei vielen Völkern … war die Sonne heilig. Sie wurde besungen … und gefeiert … und mit Freude begrüßt. Denn jeder wusste … von ihr kommt die Wärme … von ihr kommt das Leben. Wenn sie am Morgen aufging … wurde es hell und warm. Wenn sie am Abend versank … kamen Kühle und Ruhe. So lange schon … schaut der Mensch zu ihr auf … voller Dankbarkeit. Und es ist immer dieselbe Sonne … die über allen scheint. Dieselbe Sonne … die dich heute gewärmt hat … hat auch deine Eltern gewärmt … und deren Eltern. Dieselbe Sonne … die vor tausend Jahren … über die Felder schien … scheint heute … über dich. Sie ist über allen Menschen aufgegangen … die je gelebt haben. Über jedem Kind … über jedem alten Menschen … über jedem Land … zu jeder Zeit. Ein einziger, warmer Stern … für alle … seit unvorstellbar langer Zeit. Und morgen früh … geht er wieder auf … so wie immer. Doch lange Zeit … wusste niemand … was sie eigentlich zum Leuchten bringt. Die Menschen sahen ihr Licht … spürten ihre Wärme … aber woher das alles kam … blieb ein Rätsel. Erst vor etwa hundert Jahren … hat man es verstanden. Erst da … begriff man … dass tief in ihrem Inneren … die kleinsten Teilchen zusammenfinden … und dabei leuchten. Ein Rätsel … so alt wie die Menschheit … das erst vor kurzem … seine stille Antwort fand. Und weil man nie geradewegs hineinsehen darf … mussten die Menschen sich etwas einfallen lassen. Sie fingen das Sonnenlicht ein … und warfen sein Bild … ganz sacht … auf eine helle Wand. Dort … als runde, ruhige Scheibe … konnten sie es betrachten. Und die dunklen Flecken darauf … Tag für Tag … aufzeichnen. Mit besonderen, dunklen Gläsern … schauen manche zur Sonne hinauf … und beobachten sie … voller Geduld. So sorgsam … so behutsam … nähern sich die Menschen … diesem hellen, fernen Stern. Und wie alt ist dieser Stern nun selbst. Die Sonne … ist sehr, sehr alt. Viele Milliarden Jahre … leuchtet sie schon. Länger, als es die Erde gibt … länger, als man sich denken kann. Und doch … ist sie erst in der Mitte ihres Lebens. Sie ist kein junger, wilder Stern … und kein alter, müder. Sie ist ruhig … und gleichmäßig … in ihren besten Jahren. Und geboren wurde sie … aus einer großen Wolke. Vor sehr langer Zeit … schwebte an ihrer Stelle … nichts als eine weite Wolke … aus Gas und feinem Staub. Ganz langsam … zog diese Wolke sich zusammen. Sie wurde dichter … und dichter … und in ihrer Mitte … immer wärmer. Bis es schließlich … in ihrem Herzen … zu leuchten begann. Das war die Geburt der Sonne … vor etwa viereinhalb Milliarden Jahren. Aus einer stillen Wolke … wurde ein Stern. Und sie wurde nicht allein geboren. Aus derselben großen Wolke … entstanden noch andere Sterne … eine ganze Schar … zur gleichen Zeit. Geschwister … könnte man sagen … aus demselben Ursprung. Über die langen Zeiten … sind sie auseinandergedriftet … weit fort … in alle Richtungen. Irgendwo dort draußen … am Himmel … steht noch heute ein Stern … der wie ein Bruder unserer Sonne ist. Aus derselben Wolke geboren … vor unvorstellbar langer Zeit. Und mit ihren vielen Geschwistern … und unzähligen anderen Sternen … gehört die Sonne zu einem großen, langsamen Rad. Die Milchstraße … nennt man dieses Rad. Ein weites Band aus Sternen … so viele … dass man sie nicht zählen kann. Unsere Sonne … steht weit draußen … am ruhigen Rand. Nicht in der Mitte … nicht im Gewühl … sondern still … in einer ruhigen Ecke dieses großen Rades. Eine kleine, warme Sonne … unter Milliarden … und für uns … die einzige, die zählt. Und unsere Sonne … wird noch sehr, sehr lange scheinen. Länger, als ein Mensch es sich vorstellen kann. Milliarden Jahre … wird sie noch aufgehen und untergehen … Morgen für Morgen … Abend für Abend. Für dich … in deinem Leben … verändert sie sich nicht. Sie ist da … so wie sie gestern da war … und so wie sie morgen da sein wird. Ein ruhiger, verlässlicher Stern … auf den man sich verlassen kann. Und sie verlangt nichts von dir. Sie will nicht … dass du etwas tust … oder etwas leistest. Sie scheint einfach … über alle … über die Guten und über die Müden … über die Wachen und über die Schlafenden. Ganz gleichmäßig … fällt ihr Licht … auf jeden … der sich ihm zuwendet. Und du … musst dafür … gar nichts tun. Nur da sein … und dich wärmen lassen. Und während sie so ruhig am Himmel steht … strömt beständig etwas von ihr aus. Ganz leise … sendet die Sonne einen feinen Strom hinaus in den Raum. In alle Richtungen … strömt es von ihr fort … ganz sanft … die ganze Zeit. Ein stiller Wind … der von der Sonne weht … durch das ganze Sonnensystem. Auch das … geschieht ganz ohne Lärm. Ein ruhiges, gleichmäßiges Ausströmen … seit Milliarden von Jahren … Tag und Nacht. Und all das … geschieht in völliger Stille. Die Sonne glüht … und strahlt … und schwingt … und doch … macht sie keinen einzigen Laut. Denn zwischen ihr und uns … ist leerer Raum … und durch den leeren Raum … dringt kein Ton. Kein Rauschen … kein Knistern … kein Brausen. Dieser gewaltige, glühende Stern … arbeitet ganz ohne Geräusch. So mächtig … und doch … so still. Wie ein großes, warmes Licht … das einfach nur … leuchtet. Du weißt nun so vieles … über diesen einen Stern. Dass er in Wahrheit ein Stern ist … ganz nah bei uns. Dass er so groß ist … dass eine Million Erden in ihn passen würden. Dass er aus glühendem Gas besteht … und tief in seinem Herzen … Wärme macht. Dass sein Licht … viele tausend Jahre unterwegs ist … von innen nach außen. Dass er sich langsam dreht … und dunkle Flecken trägt … und am Abend den Himmel rot färbt. Dass er aus einer stillen Wolke geboren wurde … vor unvorstellbar langer Zeit. Aber du musst dir nichts davon merken. Du darfst alles wieder loslassen … und einfach nur … an die ruhige Wärme denken. Denn jetzt ist Nacht. Und weißt du … was die Nacht eigentlich ist. Die Erde dreht sich … ganz langsam … einmal am Tag um sich selbst. Und gerade jetzt … hat sich deine Seite der Erde … von der Sonne abgewandt. Du bist im Schatten der Erde … im weichen, dunklen Schatten. Dort ist es kühl … und ruhig … und still. Das ist die Nacht … nichts weiter … als die abgewandte Seite. Und ganz langsam … dreht sich die Erde weiter … und trägt dich … Stunde um Stunde … dem Morgen entgegen. Und die Sonne … ist auf der anderen Seite der Erde. Sie ruht für dich … dort drüben … hinter dem Rand der Welt. Und ganz langsam … wandert sie … wieder auf dich zu. Du musst nicht auf sie warten. Du musst dem Morgen nicht entgegensehen. Sie kommt … ganz von allein … wie an jedem Tag zuvor. Am Morgen … wird sie wieder da sein … am Rand des Himmels … und es hell machen. Und dann … ganz sacht … kehrt auch die Wärme zurück. Das erste Licht … wird über den Rand der Erde steigen … und alles … langsam wieder erwärmen. Die kühle Nacht … wird weichen … und ein neuer, heller Tag … wird beginnen. So wie an jedem Morgen … seit unvorstellbar langer Zeit. Aber all das … ist noch weit weg. Das ist die Sorge des Morgens … nicht die der Nacht. Jetzt … darfst du einfach nur … in der Dunkelheit ruhen. Aber bis dahin … ist Nacht. Die Sonne ist untergegangen … und alles darf ruhen. Die Wärme des Tages … ist verklungen … ganz sacht. Und über dir … ist es dunkel … und still. Du musst nichts mehr tun. Du musst nichts mehr wissen. Die Sonne kommt morgen wieder … ganz gewiss. Und du darfst jetzt schlafen. Schlaf gut. Gute Nacht. Bis morgen Abend.