Latest / Gute Nacht mit Fridolin / Einschlafgeschichte: Was eine Insel zur Insel macht
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- Stell dir einen See vor … in Brandenburg, im Barnim. Der See heißt Liepnitzsee. In diesem See liegt eine Insel. Ein Stück Land … und rundherum Wasser. Es ist Abend geworden. Der Tag ist vorbei … und das Licht über dem Wasser wird weniger. Du stehst in deiner Vorstellung am Ufer. Du musst nirgendwohin. Du schaust nur hinüber … zu dem Stück Land im See. Zwischen dir und der Insel liegt das Wasser. Und auch hinter der Insel liegt Wasser … und links von ihr … und rechts von ihr. Rundherum das Wasser … und in der Mitte die Insel. Mehr muss man über diesen Ort heute nicht wissen. Ein See … und darin eine Insel. Das reicht für den Anfang. Denn an so einem Bild kann man gut sehen, was eine Insel eigentlich ist. Man muss dafür nicht ans Meer fahren … und man muss nicht über einen Ozean schauen. Ein See genügt. Und ein Stück Land darin genügt auch. Wir bleiben noch einen Moment bei diesem Bild. Das Ufer, auf dem du stehst … das Wasser vor dir … und drüben die Insel. Drei Dinge … mehr braucht es nicht. Und von diesen drei Dingen kommt es vor allem auf das Wasser an. Denn erst das Wasser macht aus dem Land eine Insel. Die Fachleute haben für die Insel eine genaue Beschreibung. Sie klingt zuerst etwas lang … aber man kann sie in kleine Stücke teilen. Eine Insel ist eine Landmasse, die vollständig von Wasser umgeben ist. Dieses Wasser kann ein Meer sein … oder ein Binnengewässer. Die Landmasse ragt auch bei Flut über den Wasserspiegel hinaus. Und sie ist kein Kontinent. Das sind vier Stücke. Vollständig umgeben. Meer oder Binnengewässer. Auch bei Flut über dem Wasser. Und kein Kontinent. Dazu kommt noch ein Gedanke. Er steht nicht in diesem Satz … sondern dort, wo die Fachleute die Insel von anderen Dingen im Wasser abgrenzen. Dort heißt es: Natürliche Gebilde, die nicht dauerhaft mit dem Grund des Gewässers verbunden sind, gelten nicht als Inseln. Dieser Gedanke gehört nicht zu den vier Stücken. Er kommt zu ihnen hinzu … und wir hören später noch einmal davon. Wir nehmen uns diese vier Stücke eines nach dem anderen vor. Langsam … ohne Eile. So, wie man an einem Ufer entlanggeht … Schritt für Schritt. Das erste Stück heißt: vollständig umgeben. Das bedeutet … das Wasser schließt das Land von allen Seiten ein. Vorne und hinten … links und rechts. Es gibt keine Stelle, an der das Land trocken weitergeht … hinüber zu einem anderen Ufer. Wenn du in Gedanken einmal um eine Insel herumgehst, dann gehst du immer am Wasser entlang. Und am Ende kommst du wieder an dem Punkt an, an dem du losgegangen bist. Auf dem gesamten Weg liegt das Wasser neben dir. Auf der einen Seite das Land … auf der anderen Seite das Wasser. Das ist die erste Bedingung. Und ohne sie gibt es keine Insel. Rundherum das Wasser … und in der Mitte die Insel. Das zweite Stück betrifft das Wasser selbst. Es kann ein Meer sein. Dann denkt man an Wellen … an Salz … an eine weite Fläche bis zum Horizont. Es kann aber auch ein Binnengewässer sein. So nennt man Gewässer, die im Inneren eines Landes liegen … also Seen und Flüsse. Für die Insel macht das keinen Unterschied. Ein Stück Land im Meer kann eine Insel sein. Und ein Stück Land in einem See kann ebenso eine Insel sein. Die Insel im Liepnitzsee gehört zu dieser zweiten Art. Sie liegt nicht im Meer … sie liegt in einem Binnengewässer. Für dieses zweite Stück macht es keinen Unterschied, ob rundherum ein See liegt … oder ein Ozean. Die Fachleute unterscheiden Inseln auch danach, in welchem Gewässer sie liegen. Inseln, die von Meer umgeben sind, heißen Meeresinseln. Helgoland ist so eine Meeresinsel. Inseln in Binnengewässern heißen Binneninseln. Bei ihnen unterscheidet man zum Beispiel Flussinseln und Seeinseln. Liegt eine Insel in einem Fluss, dann ist sie eine Flussinsel. Harriersand in der Weser ist ein Beispiel dafür. Liegt eine Insel in einem See, dann ist sie eine Seeinsel. Die Mainau im Bodensee ist eine Seeinsel … und auch die Herreninsel und die Fraueninsel im Chiemsee. Meeresinsel … Flussinsel … Seeinsel. Jedes dieser Wörter sagt, welches Wasser rundherum liegt. Das dritte Stück ist das Wort Flut. An vielen Küsten steigt und fällt das Wasser des Meeres. Wenn es hoch steht, nennt man das Flut. Wenn es tief steht, nennt man das Ebbe. Eine Insel muss auch bei Flut noch über den Wasserspiegel hinausragen. Das Wasser darf kommen … es darf steigen … aber ein Teil des Landes bleibt darüber. Die Insel braucht also einen Teil, der auch bei hohem Wasser trocken bleibt. Einen Teil, über den das Wasser nicht hinweggeht. Das Wasser kommt. Und es geht wieder. Und die Insel bleibt, wo sie ist … mit ihrem Land über dem Wasser. Die Beschreibung spricht bei diesem Stück von der Flut … also vom Wasser des Meeres. Wie das bei einem See gemeint ist, führt sie nicht weiter aus. Wir lassen es heute dabei. Und das vierte Stück … eine Insel ist kein Kontinent. Kontinente, das sind die großen Landmassen der Erde. Die Beschreibung nimmt sie ausdrücklich aus. Eine Insel kann also groß sein … oder klein … aber sie ist immer etwas anderes als ein Kontinent. Jetzt haben wir alle vier Stücke beisammen. Und man kann sie wieder zusammensetzen … zu einem einzigen Satz. Eine Insel ist eine Landmasse, die vollständig von einem Meer oder einem Binnengewässer umgeben ist … die auch bei Flut über den Wasserspiegel hinausragt … und die kein Kontinent ist. Das ist der ganze Satz der Fachleute. Und wenn du an den See im Barnim denkst, dann hast du ein Stück von diesem Satz schon vor Augen. Das Land in der Mitte … und das Wasser rundherum. Bleibt noch die Größe. Wie groß muss eine Insel sein. Die Antwort darauf ist kurz. Die Größe ist unerheblich. So steht es in der Beschreibung der Fachleute. Für die Einordnung als Insel spielt es keine Rolle, wie groß eine vollständig umspülte Landmasse ist. Ein großes Stück Land kann eine Insel sein. Ein kleines Stück Land kann eine Insel sein. Und auch ein sehr kleines … solange das Wasser es von allen Seiten umgibt … und solange es bei Flut über den Wasserspiegel ragt. Das ist ein freundlicher Gedanke. Keine Insel ist zu klein, um eine Insel zu sein. Es gibt keine Grenze nach unten, die man unterschreiten könnte. Und es gibt keine Prüfung, die eine Insel bestehen muss. Gerade die kleinen Inseln haben ein eigenes Wort bekommen. Man nennt sie oft Eilande. Eiland … das klingt wie aus einem alten Buch. Und tatsächlich ist es ein veralteter Begriff. Das Wort Eiland sagt aber nichts über eine bestimmte Form aus. Und es sagt auch nichts über eine bestimmte Größe. Man kann an diesem Wort keine klare Grenze ablesen. Ein Eiland ist also eine kleine Insel … ohne dass genau festgelegt wäre, wie klein. Man darf das Wort benutzen, wenn es einem gefällt. Und man darf es auch weglassen. Die Insel bleibt dieselbe … ganz gleich, wie man sie nennt. Stell dir ein Stück Land vor, auf dem kaum ein Mensch stehen könnte. Und dann ein Stück Land, über das man tagelang wandern müsste. Beide sind von Wasser umgeben. Beide ragen über den Wasserspiegel. Und beide sind Inseln. Die Beschreibung macht hier keinen Unterschied. Groß oder klein … das ist eine Frage des Maßstabs. Für das Wort Insel ist es keine Frage. So kann man an einem See stehen und eine kleine Insel betrachten … und dabei wissen, dass sie genauso eine Insel ist wie jede andere. Rundherum das Wasser … und in der Mitte die Insel. Es gibt noch eine zweite Sache, die keine Rolle spielt. Sie hat mit Menschen zu tun. Manche Inseln sind bewohnt. Auf ihnen leben Menschen. Andere Inseln sind unbewohnt. Auf ihnen lebt kein Mensch. Für die Beschreibung einer Insel ist das ohne Bedeutung. Es ist gleich, ob auf einer Insel Menschen leben. Es ist gleich, ob dort früher einmal Menschen gelebt haben. Und es ist auch gleich, ob man dort überhaupt wohnen könnte. Eine Insel ist eine Insel … ob sie bewohnt ist … ob sie einmal bewohnt war … oder ob sie zumindest bewohnbar wäre. Das Wasser liegt rundherum … und das genügt. Man kann sich das gut vorstellen. Eine Insel, auf der niemals ein Mensch gewohnt hat. Und eine andere Insel, auf der früher einmal Menschen gelebt haben … und auf der heute niemand mehr lebt. Und eine dritte, auf der ein Mensch wohnen könnte … auf der aber niemand wohnt. Alle drei sind Inseln. Keine von ihnen ist mehr Insel als die anderen. Das Wort hängt nicht davon ab, was Menschen mit einem Ort machen. Es hängt nur davon ab, wie Land und Wasser zueinander liegen. Das Land in der Mitte … und das Wasser rundherum. Manchmal liegt eine Insel nicht allein. Dann liegen mehrere Inseln nahe beieinander. Zwischen ihnen ist Wasser … aber nicht sehr viel. Solche Inseln können eine Inselgruppe bilden. Das Wort sagt schon, was gemeint ist … eine Gruppe von Inseln, die zusammengehören. Für eine Inselgruppe gibt es noch ein zweites Wort. Es klingt etwas fremd. Das Wort heißt Archipel. Ein Archipel … das ist eine Inselgruppe zusammen mit den Gewässern, die sie umgeben. Das Wasser gehört bei diesem Wort also mit dazu. Nicht nur die Inseln … sondern auch das Wasser zwischen ihnen und um sie herum. Das ist ein schönes Bild, wenn man es sich langsam ausmalt. Eine Insel … und daneben noch eine … und etwas weiter noch eine. Jede für sich ist vollständig von Wasser umgeben. Jede für sich ist eine Insel. Und doch gehören sie zusammen, weil sie nahe beieinanderliegen. Das Wasser trennt diese Inseln voneinander. Und im Wort Archipel gehört dasselbe Wasser mit zu ihnen. So hat das Wasser in diesem Bild zwei Seiten. Es hält die Inseln auseinander … und es hält sie beisammen. Rundherum das Wasser … und in der Mitte die Insel. Es gibt Orte, die einer Insel sehr ähnlich sind … und trotzdem keine Inseln sind. Einer dieser Orte heißt Halbinsel. Eine Halbinsel ist eine Landmasse, die nur an drei Seiten von Wasser umschlossen ist. An der vierten Seite gibt es eine Verbindung zu einer größeren Landmasse. Diese Verbindung hat die Natur geschaffen … und sie steht nicht ständig unter Wasser. Man kann also über Land von der Halbinsel hinübergehen … ohne nasse Füße zu bekommen. Das ist der Unterschied. Bei der Insel gibt es diesen Weg über Land nicht. Bei der Halbinsel gibt es ihn. Drei Seiten Wasser … und eine Seite Land. So sieht eine Halbinsel aus. Und was ist mit Brücken. Auch dazu gibt es eine klare Antwort. Bauwerke, die Menschen errichtet haben, zählen hier nicht. Eine Brücke, ein Damm oder ein Kanal ändern nichts daran, ob ein Stück Land eine Insel ist. Eine Insel mit einer Brücke zum Festland bleibt eine Insel. Und ein Stück Land, das nur durch einen gegrabenen Kanal vom Festland getrennt ist, wird dadurch nicht zur Insel. Es kommt darauf an, wie Land und Wasser von Natur aus zueinander liegen. Was der Mensch dazubaut … das zählt für das Wort Insel nicht. Ein anderer Ort, der einer Insel ähnlich ist, heißt Atoll. Ein Atoll ist keine Insel im engeren Sinn. Es ist etwas anderes … nämlich eine Gruppe aus kleinen Inseln. Diese kleinen Inseln bestehen aus Sand oder aus Korallen. Und sie liegen so, dass sie gemeinsam eine Lagune umschließen. Mit Lagune ist hier das Wasser in der Mitte gemeint … das Wasser, um das die kleinen Inseln herum liegen. Ein Atoll ist also ein Archipel. Das Wort von vorhin kommt hier zurück. Viele kleine Inseln … rund um ein Wasser herum. Die kleinen Inseln eines Atolls haben einen eigenen Namen. Man nennt sie Motu. Motu … ein kurzes, weiches Wort. Man kann es sich gut merken. Und wenn man an ein Atoll denkt, dann ist das fast eine Umkehrung des Bildes vom Anfang. Am See im Barnim liegt das Wasser rund um die Insel. Beim Atoll liegen die kleinen Inseln rund um das Wasser. Einmal ist das Land in der Mitte. Einmal ist das Wasser in der Mitte. Und beide Male gehören Land und Wasser eng zusammen. Es gibt auch Dinge im Wasser, die nicht als Inseln gelten … obwohl rundherum Wasser liegt. Hier kommt der Gedanke zurück, den wir bei den vier Stücken schon gehört haben. Natürliche Gebilde, die nicht dauerhaft mit dem Grund des Gewässers verbunden sind, gelten nicht als Inseln. Eisberge und Eisschollen gehören dazu. Sie sind nicht dauerhaft mit dem Grund des Gewässers verbunden. Und auch Findlinge und andere große Steine zählen nicht, selbst wenn sie vollständig vom Wasser umgeben sind. Sie sind nicht fest mit dem Untergrund verbunden. Ein Leuchtturm im Wasser ist ebenfalls keine Insel. Genauso wenig eine Bohrplattform oder ein Pfahlbau. Solche Bauwerke sind fest mit dem Untergrund verbunden … aber sie sind keine Landmasse. Und eine Insel ist eine Landmasse … so beginnt der Satz der Fachleute. Auch Schilf, das von offenem Wasser umgeben ist, gilt nicht als Insel. Schotterbänke zählen ebenfalls nicht … auch wenn man sie oft Kiesinseln nennt. Bei vielen dieser Dinge fehlt also etwas. Entweder sind sie keine Landmasse … oder ihnen fehlt die dauerhafte, feste Verbindung mit dem Grund des Gewässers. Und dann gibt es noch eine Sonderform. Sie hat wieder mit dem Wasser zu tun, das steigt und fällt. Man nennt diese Sonderform Gezeiteninseln. Gezeiten … so heißt das Kommen und Gehen des Meeres. Die Flut … und die Ebbe. Wie die Fachleute die Gezeiteninseln genau einordnen, lassen wir heute beiseite. Wir behalten nur das Wort. Das Wasser kommt. Und es geht wieder. Jetzt verlassen wir die Frage, was eine Insel ist. Wir schauen auf etwas anderes … auf das, was auf Inseln lebt. Auf Inseln wachsen Pflanzen. Und auf Inseln leben Tiere. Die Fachleute haben dafür zwei Wörter. Die Pflanzenwelt nennen sie Flora. Die Tierwelt nennen sie Fauna. Flora für die Pflanzen … Fauna für die Tiere. Diese beiden Wörter werden uns jetzt eine Weile begleiten. Sie sind nicht schwer. Man kann sie gut im Ohr behalten … wie zwei Namen, die man schon lange kennt. Viele Inseln haben ihre eigenständige Fauna und Flora hervorgebracht. Das heißt … auf diesen Inseln hat sich eine Pflanzenwelt und eine Tierwelt gebildet, die eigenständig ist. Sie unterscheidet sich in ihrer Zusammensetzung von den benachbarten Inseln. Oder sie unterscheidet sich vom Kontinent. Manchmal ist dieser Unterschied stark ausgeprägt. Manchmal ist er schwächer. Die Fachleute sagen dazu: mehr oder weniger ausgeprägt. Aber der Unterschied ist da. Auf vielen Inseln wächst und lebt eine Gemeinschaft, die anders zusammengesetzt ist als anderswo. Das Wort Zusammensetzung ist hier wichtig. Es meint, welche Pflanzen und welche Tiere gemeinsam an einem Ort vorkommen. Auf einer Insel ist diese Mischung eine bestimmte. Auf der Nachbarinsel kann sie schon anders sein. Und auf dem Kontinent kann sie wieder anders sein. Stell dir vor, du fährst von einer Insel zur nächsten … mit einem Boot, langsam über das Wasser. Auf jeder Insel findest du eine Pflanzenwelt … und eine Tierwelt. Und auf vielen dieser Inseln ist die Mischung eine andere als auf der Insel davor. Rundherum das Wasser … und in der Mitte die Insel. Es gibt Inseln, die weit draußen im offenen Ozean liegen. Sie ragen abseits der Kontinente aus dem Meer auf. Man nennt sie ozeanische Inseln. Daneben gibt es kontinentale Inseln. Sie liegen in relativer Nähe zu einer großen kontinentalen Landmasse. Oft liegen sie in einem Schelfmeer … so nennt man ein flaches Meer. Für die ozeanischen Inseln gilt eine Regel. Sie ist leicht zu merken. Je kleiner eine ozeanische Insel ist … je jünger sie ist … und je isolierter sie liegt … desto artenärmer ist in der Regel ihre Flora und Fauna. Artenärmer … das bedeutet, es gibt dort weniger verschiedene Arten von Pflanzen und von Tieren. Wir gehen die drei Teile dieser Regel langsam durch. Klein … das ist die Größe der Insel. Eine kleine Insel hat weniger Fläche. Jung … das ist das Alter der Insel. Eine junge Insel gibt es noch nicht so lange. Isoliert … das bedeutet abgeschieden. Eine isolierte Insel liegt weit weg von anderem Land. Wenn eine Insel klein ist, und jung, und abgeschieden … dann findet man dort in der Regel weniger Arten. In der Regel … diese drei Wörter gehören dazu. Es ist das, was meistens so ist. Nicht das, was immer so sein muss. Stell dir eine kleine Insel vor, weit draußen im Ozean. Sie ist noch nicht alt. Und rundherum liegt sehr viel Wasser … bis zum nächsten Land. Auf so einer Insel ist die Pflanzenwelt in der Regel nicht so reich an Arten. Und die Tierwelt auch nicht. Das ist kein Mangel. Es ist nur so, wie es ist. Eine kleine Gemeinschaft … auf einem kleinen Stück Land … mitten im Wasser. Rundherum das Wasser … und in der Mitte die Insel. Es gibt ein Fachgebiet, das sich genau mit solchen Fragen beschäftigt. Es hat einen langen Namen. Es heißt Inselbiogeographie. Das Wort ist lang … aber man kann es auseinandernehmen. Insel … das kennen wir schon. Bio … das steht für das Leben. Und Geographie … das ist die Beschreibung der Erde. Die Inselbiogeographie ist ein Teilgebiet der Biogeographie. Sie ist also ein kleinerer Teil eines größeren Fachgebiets … so wie eine Insel ein Teil eines größeren Archipels sein kann. Die Inselbiogeographie stützt sich auf zwei andere Fachgebiete. Man sagt, sie fußt stark auf ihnen. Das eine Fachgebiet ist die Ökologie. Die Ökologie betrachtet, wie Lebewesen und ihre Umwelt zusammenhängen. Das andere ist die Evolutionsbiologie. Sie betrachtet, wie sich Lebewesen über sehr lange Zeiträume verändern. Fußen … das ist ein schönes Wort. Es bedeutet: auf etwas stehen … so wie ein Haus auf seinem Fundament steht. Die Inselbiogeographie steht also auf zwei Füßen. Auf der Ökologie … und auf der Evolutionsbiologie. Was beschreibt dieses Fachgebiet nun. Es beschreibt ein Gleichgewicht. Die Fachleute nennen es das Artengleichgewicht. Auf einer Insel kommen neue Arten an. Sie wandern zu … von anderswo her. Und auf einer Insel verschwinden auch Arten wieder. Sie sterben dort aus. Zuwandern auf der einen Seite … Aussterben auf der anderen Seite. Zwischen diesen beiden stellt sich ein Gleichgewicht ein. Die Inselbiogeographie beschreibt dieses Gleichgewicht … und sie analysiert es. Das ist der Kern dieses Fachgebiets. Man kann sich das wie eine Waage vorstellen. Auf der einen Schale liegt das Zuwandern … also die Arten, die neu auf die Insel kommen. Auf der anderen Schale liegt das Aussterben … also die Arten, die dort verschwinden. Wenn beide Schalen sich die Waage halten, dann ist das Gleichgewicht erreicht. Gleichgewicht heißt hier aber nicht, dass nichts mehr geschieht. Es kommen weiter Arten an. Und es gehen weiter Arten verloren. Ausgeglichen sind nur die beiden Schalen. Was an Arten hinzukommt, geht auf der anderen Seite ungefähr wieder verloren. Darum spricht man von einem Gleichgewicht … obwohl die Arten weiter kommen und gehen. So, wie das Wasser an manchen Küsten kommt und geht … so kommen und gehen auch die Arten. Das Schöne an diesem Gedanken ist … er gilt nicht nur für Inseln im Wasser. Die Inselbiogeographie betrachtet auch andere Ökosysteme, die inselhaft verbreitet sind. Ein Ökosystem … das ist eine Gemeinschaft von Lebewesen zusammen mit ihrem Lebensraum. Und inselhaft verbreitet … das bedeutet, diese Lebensräume liegen verteilt wie Inseln. Einzelne Flecken … und dazwischen etwas anderes. Auch dort gibt es das Zuwandern. Und auch dort gibt es das Aussterben. Und auch dort stellt sich zwischen beidem ein Gleichgewicht ein. So kann man sich auch an Land Inseln vorstellen. Keine Inseln aus Land im Wasser … sondern Inseln aus Lebensraum in einer anderen Umgebung. Das Wasser ist dann nur ein Bild. An seiner Stelle liegt etwas anderes, das die einzelnen Flecken voneinander trennt. Aber der Gedanke bleibt derselbe. Arten kommen hinzu. Arten verschwinden. Und dazwischen stellt sich ein Gleichgewicht ein. Rundherum das Wasser … und in der Mitte die Insel. Auch wenn das Wasser in diesem Fall nur ein Bild ist. Die Kernaussage der Inselbiogeographie hat mit der Entfernung zu tun. In vereinfachter Form lautet sie so. Inseln, die nahe am Herkunftsgebiet der besiedelnden Arten liegen, neigen zu höheren Artenzahlen als Inseln, die weiter entfernt davon liegen. Das Herkunftsgebiet … das ist das Gebiet, aus dem die Arten kommen, die eine Insel besiedeln. Nah am Herkunftsgebiet … eher mehr Arten. Weit weg davon … eher weniger Arten. Das erinnert an die Regel von vorhin. Auch dort war eine isolierte Insel in der Regel artenärmer. Es gibt noch eine weitere Erkenntnis der Inselbiogeographie. Sie hat wieder mit der Größe zu tun. Größere Inseln beherbergen im Gleichgewichtszustand eine größere Zahl an Arten als kleinere Inseln. Im Gleichgewichtszustand … das ist der Zustand, in dem sich Zuwandern und Aussterben die Waage halten. Wenn eine große Insel und eine kleine Insel beide dieses Gleichgewicht erreicht haben, dann leben auf der großen Insel mehr Arten. Die Fachleute haben dafür einen Namen. Sie nennen es die Arten-Areal-Beziehung. Areal … das ist ein anderes Wort für Fläche. Arten-Areal-Beziehung … das heißt also: Es gibt eine Beziehung zwischen der Zahl der Arten und der Größe der Fläche. Mehr Fläche … mehr Arten. Das passt gut zu dem, was wir vorhin über die ozeanischen Inseln gehört haben. Je kleiner eine Insel ist, desto artenärmer ist sie in der Regel. Hier kommt derselbe Gedanke noch einmal … nur von der anderen Seite her. Kleine Insel … weniger Arten. Große Insel … mehr Arten. Stell dir zwei Inseln vor, die nebeneinander im Wasser liegen. Die eine ist groß … die andere ist klein. Auf beiden kommen Arten an. Auf beiden verschwinden Arten wieder. Und mit der Zeit hat sich auf beiden Inseln ein Gleichgewicht eingestellt. Dann leben auf der großen Insel mehr Arten als auf der kleinen. So beschreibt es die Arten-Areal-Beziehung. Mehr Platz … mehr Arten. Weniger Platz … weniger Arten. Das ist ein Gedanke, den man gut mit in den Schlaf nehmen kann. Er ist leicht zu verstehen … und er braucht keine Anstrengung. Im Modell der Inselbiogeographie spielt noch etwas eine Rolle. Es geht um Verbindungen zwischen einzelnen Lebensräumen. Solche Verbindungen nennen die Fachleute Korridore. Ein Korridor … das kennt man sonst aus einem Haus. Ein Gang, der von einem Raum zum anderen führt. In der Inselbiogeographie ist ein Korridor eine Verbindung zwischen einzelnen Flecken von Lebensraum. Über solche Korridore bleiben die einzelnen Lebensräume miteinander in Verbindung. Und auch hier gibt es eine Feinheit, die man gut verstehen kann. Reale Korridore hängen in ihrer Ausprägung und in ihrer Funktion stark davon ab, welchen Organismus man betrachtet. Ausprägung … das ist, wie ein Korridor beschaffen ist. Funktion … das ist, was er leistet. Ein Organismus … das ist ein einzelnes Lebewesen. Eine Pflanze zum Beispiel … oder ein Tier. Was für das eine Lebewesen eine Verbindung ist, muss für ein anderes keine sein. Ein Korridor ist also nicht für alle gleich. Er kann je nach Lebewesen anders aussehen … und anderes leisten. Man muss immer dazusagen, für wen ein Weg ein Weg ist. Wenn wir jetzt noch einmal an den See im Barnim denken … an den Liepnitzsee und an die Insel darin … dann sehen wir dieses Bild vielleicht ein wenig anders. Die Insel ist ein Stück Land, rundherum von Wasser umgeben. Sie liegt in einem Binnengewässer. Und so, wie wir es eben gehört haben, kann man jede Insel auch als Lebensraum betrachten. Mehr wissen wir über diese Insel nicht. Und mehr müssen wir heute auch nicht wissen. Rundherum das Wasser … und in der Mitte die Insel. Man kann Inseln auf viele Weisen unterscheiden. Eine dieser Unterscheidungen ist leicht zu verstehen. Es gibt Inseln, die noch bestehen. Und es gibt Inseln, die versunken sind. Eine versunkene Insel ist eine Insel, die es früher gab … und die heute nicht mehr über das Wasser ragt. Ein Beispiel dafür hat einen Namen. Die Insel heißt Bant. Bant ist also kein Wort für alle versunkenen Inseln … sondern der Name einer bestimmten Insel. Sie lag vor der niedersächsischen Küste. Bant … ein kurzer Name. Man kann ihn leicht behalten. Mehr wissen wir hier über Bant nicht. Nur den Namen … den Ort vor der Küste … und dass die Insel versunken ist. Aber schon das ist ein Gedanke, bei dem man gut verweilen kann. Nicht jede Insel bleibt. Manche Inseln bestehen … und manche sind versunken. Eine Insel ist ein Stück Land, das über das Wasser ragt. Und eine versunkene Insel ragt nicht mehr darüber. Wo Bant einmal lag, ist heute Wasser. So ist eine Insel ein Ort, an dem man über Wandel nachdenken kann … wenn man das möchte. Bei den Gezeiteninseln kommt das Wasser und geht wieder. Auf den Inseln der Inselbiogeographie wandern Arten zu und sterben aus. Und manche Inseln sind versunken … so wie Bant. Und doch gibt es auch das andere. Das, was verbindet. Die Inseln eines Archipels gehören zusammen, mit dem Wasser zwischen ihnen. Und Lebensräume können über Korridore miteinander verbunden sein. So liegen Trennen und Verbinden nahe beieinander … wie Inseln in einer Gruppe. Und jetzt gehen wir noch einmal zurück an den Anfang. Zurück an den See im Barnim. Zurück an den Liepnitzsee. Es ist Abend. Das Licht ist fast verschwunden. Drüben liegt die Insel. Du siehst sie kaum noch … aber du weißt, dass sie da ist. Und um sie herum liegt das Wasser. Rundherum das Wasser … und in der Mitte die Insel. Du musst jetzt nichts mehr behalten. Nicht die Flut. Nicht den Archipel. Nicht das Gleichgewicht. Das alles darf jetzt draußen bleiben … auf dem Wasser. Nur das eine Bild bleibt noch. Ein Stück Land. Und Wasser. Das Wasser liegt um die Insel herum. Auf allen Seiten. Rundherum das Wasser … und in der Mitte die Insel. Das Wasser bleibt. Die Insel bleibt. Und du darfst jetzt schlafen. Gute Nacht. Schlaf gut. Bis morgen Abend.