Latest / SOMMELIER / Vincent Moissonnier – Demut auf der Weinkarte
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- 0:00Mein Name ist Vera Latzel. Ich arbeite seit 2011 mit Vasson, zuerst bei ihm im Restaurant
- 0:18und seit 2019 im Weinhandel. Ich habe Vasson kennengelernt, als ich vor gut 14 Jahren als
- 0:25kleines Licht bei ihm im Serviceteam angefangen habe. Ich kann mit Fugge und Recht behaupten,
- 0:31dass ich damals wirklich gar keine Ahnung hatte von Wein. Ich kam aus der Hotellerie, wo aktiver
- 0:37Weinverkauf eigentlich gar nicht stattfand. Wir haben am Tisch serviert, was die Gäste in der
- 0:41Karte angetippt haben, ohne genau zu wissen, was wir da eigentlich ins Glas einschenken.
- 0:45Es wurde auch wieder geschult, noch irgendwie motiviert, sich da weiter mit zu beschäftigen.
- 0:51Das änderte sich bei mir dann schlagartig, als ich im Lemosonie anfing. Auf einmal war da diese
- 0:59riesengroße französische Weinwelt mit 1000 Namen, die mir nicht sagten und Rebsorten,
- 1:05die ich nicht kannte. Da bin ich immer noch sehr dankbar, dass Vasson mich damals an die
- 1:09Hand genommen hat und wirklich Schritt für Schritt erklärt hat, sich Zeit genommen hat,
- 1:15egal welche blöde Frage von mir kam, er hat immer alles beantwortet und uns vor allen Dingen auch
- 1:23immer angehalten, sehr viel zu probieren, um zu erkennen, wie Weine sich verändern,
- 1:29wie das ein Pinot noir aus dem Elsass anders schmeckt als einer aus dem Burgund.
- 1:35Ich habe alles, was ich über Weine heute weiß, von Vasson gelernt und bin ihm sehr, sehr dankbar dafür.
- 1:45Wow, was für ein Mensch, was für ein Gastronom, was für ein Gast. Erst einmal herzlich willkommen
- 2:11zu einer neuen Ausgabe von Sommé, die interessantesten Weinkeller unserer Zeit und heute begrüße
- 2:17mir Vasson Moussigné aus dem Kölner Limoussigné, ehemals zwei Sternerestaurant, jetzt Tagespistro
- 2:23und einer der absoluten, man kann schon sagen, Kultgastronomen, nicht nur in Köln, nicht nur in
- 2:28Deutschland, weiter über ihn aus. Und das kann ich dir sagen, ich war richtig gespannt auf dieses
- 2:34Gespräch, denn im Vorgespräch hat Vasson gemeint, er sieht Sommés, zumindest in Deutschland, komplett
- 2:40kritisch und was er dazu sagt, was seine Meinung ist, wie er Sommés in Deutschland sieht, auf seine
- 2:47Meinung, auf seine Gedanken, auf seine kritische Betrachtung, war und bin ich sowas von gespannt.
- 2:53Und wenn sich jemand ein Bild machen kann, wenn jemand eine Meinung haben kann, dann er. Denn
- 2:59was er erreicht hat, nicht nur in der Gästebetreuung als Kölner, als Gastronom, sondern auch von
- 3:05Weinseite, ist einzigartig. Auch wenn er es selber nicht gerne hört, es gibt kaum einen Gastronom
- 3:10in Deutschland, der so viel Wein liebe, so viel Authentizität, auch so viel Eigensinn ausstrahlt,
- 3:15wie Vasson. Und bevor wir gleich ins Gespräch einsteigen, möchte ich mich aufs allerherzlichste
- 3:20bei der Schlumberger Gruppe, mit den Handelshäusern Segnetz, Schlumberger, Konservini und natürlich
- 3:27dem Privatkundenbrotthal, Bremer Weincolleg für die händische und auch für die wirtschaftliche
- 3:31Unterstützung ganz, ganz herzlich bedanken. Denn dank Ihnen, ist er heute hier. Herzlich
- 3:36willkommen, lieber Vosson Moussiree! Ich bewundere dich ungemein, weil du unglaublich
- 3:43meinungsfest bist. Du hast eine Meinung, du hast eine Autorität und ich frage mich so oft,
- 3:48hattest du ein Vorbild? Nein, Vorbild ist übertrieben. Ich denke, jeder
- 3:56wäre gut beraten, wenn er authentisch bleibt und nicht so oft lügen würde.
- 4:01Da was gibt es so viele auch schlaue Sätze, die du sagst. Also wenn man sich ein bisschen
- 4:09mit dir beschäftigt, wenn man das ein oder andere Interview liest oder vielleicht auch
- 4:12hört, du scheinst so, das kann ja nicht alles intuitiv sein. Es sind ja so viele Sachen,
- 4:18die man nachvollziehen kann und die extrem interessant sind und ja eben sehr meinungsfest.
- 4:25Woher kommt das? Bist das alles du? Ja, auf alle Fälle. Ja, aber Silvio Mann sollte
- 4:32wirklich die Sache da lassen, wo sie ist. Also ich bin keiner, der durch die Straße
- 4:38läuft mit breiter Brust und sagt, einfach habt ihr gesehen, alles was wir geleistet haben
- 4:42und was wir sind und wir haben gar nichts geleistet, wir sind nur wir und wir nehmen
- 4:47mit Lilian den täglichen Kampf an, weiter existieren zu dürfen in diese ganz, ganz
- 4:53schwierige wirtschaftliche Lage, den wir alle im Moment durchmachen. Und mein Lebensmotor
- 4:59war immer der gleiche, das Glück gehört keiner. Du stehst morgen auf, dir bei dir ist alles
- 5:04gut und es ist alles perfekt und dann kriegst du in einen anderen Tag drei, vier, fünf Schläge
- 5:09auf die Rübe und du weißt gar nicht warum, was denn passiert. Nichts ist passiert, das
- 5:14tägliche Leben ist so und du musst einfach versuchen das Beste draus zu machen und es
- 5:20gibt viele Sachen, die mich ärgern, die mich tierisch ärgern und wie unseren Beruf sich
- 5:24entwickelt hat. Aber ich kann es nicht ändern, ich kann mich nur dagegen wehren und ich kann
- 5:30einfach nur sagen, macht wir das gut hält, aber lasst mich bitte meine Sphäre so wie
- 5:37sie ist und ich will so weiter leben, wie ich bis jetzt weiter gelebt habe, mit meiner
- 5:41Werte. War der Beruf einmal anders, also zurückgedacht in die Anfangszeit, als du in Köln begonnen
- 5:48hast vor 36 Jahren. 38. 38, Entschuldigung. Alles kein Problem. War es da anders, waren
- 5:56die Gäste anders, waren die Leute, waren die Mitarbeiter, waren die Köche, waren die,
- 6:00war das Finanzamt anders, war es anders? Also man darf eins nicht vergessen Silvio. Du
- 6:07hast einen Punkt, der ist null und du hast einen anderen Punkt, auf der anderen Seite
- 6:10da ist hundert. Das ist mein Alter und wenn du älter wirst und dann, wenn du älter wirst,
- 6:17ist wie eine Nussschale, das reibt sich von innen. Das heißt, du empfindest die Sachen
- 6:22nicht mehr so, wie du die empfunden hast mit 30, 40, sogar 50, sondern du siehst die
- 6:28Sache anders. Was natürlich war das anders, wir waren wesentlich lockerer, entspannter,
- 6:35es gab nicht so viel Druck, es gab nicht so viel Konkurrenz. Wir waren vielleicht in
- 6:405 Restaurants, die eine gewisse Bedeutung hatten und dann hat es angefangen, dass jeder,
- 6:47der ein Fuß von der anderen setzen könnte, gedacht hat, wenn ich mich jetzt selbstständig
- 6:52mache, da muss ich in dieser Reihenfolge meinen ersten Stern bekommen, dann 18.ingoemio
- 6:57und dann 3f oder 4f ein Feinschmecker und dann möchte ich sofort mein zweiten Stern
- 7:02haben und diese Wettbewerberei gab es nicht so intensiv, wenn du überlegst und da weißt
- 7:10du besser, als ich, wie Hart Dieter Müller gekämpft hat, um seinen 3. Stern zu bekommen,
- 7:16den er schon 5, 6 Jahren vorher hoch verdient hätte und heutzutage scheint mir das Ganze
- 7:22wesentlich einfacher zu sein. Ist die Qualität nicht besser geworden im Allgemeinen, also
- 7:26dass durch dieses vielleicht auch Transparenz sich allgemein die Qualität entwickelt hat
- 7:32und deswegen mehrere Restaurants auf gleichen Niveau sind als früher, wo man sich vielleicht
- 7:38selber entwickeln musste und vielleicht auch nicht so gut abgucken konnte oder ein Stil
- 7:45irgendwie, ja ich will nicht sagen kopieren konnte, aber...
- 7:49Aber du hast jetzt gerade 2 wahre Worte in deinem Satz gesagt, du hast erst mal, konnte
- 7:56man nicht kopieren, in der Tat gab es kein Internet, es gab sehr, sehr wenige Fachzeitschriften
- 8:01und es ist heutzutage so, dass viele, viele, viele Kollegen gar keinen eigenen Stil haben,
- 8:09sondern die kommen perfekt nach. Es ist einfach so, da braucht nur ein gigantischer, genialer
- 8:16Mensch wie Ferran Adria zu sein, der sein Espuma und unmolekularküche entwickelt hat
- 8:22und dann müssen alle das Gleiche machen, egal ob die große oder klein sind und dann bist
- 8:27du im Schwarzwald und ist auf einmal eine gebratene und danach pochierte und danach fermentierte
- 8:33Forellenfilet mit einem tannensprossen Schaum oben drüber. Das ist irrsinnig, das ist irre,
- 8:40das ist wahnsinnig. Ich habe vor kurzem mit meiner Frau in ein Restaurant mit 2 Sternen
- 8:45im Elsass gesessen und dann hat uns der Küchenchef ein Bachseibling in Bienenwachs begossen,
- 8:54oben drüber serviert und hat das als ein Signature Gericht. Ich habe ein Gefahr, ob er uns veräppelt
- 9:00wird, ich habe gesagt, das ist ja von Steuereck, warum sagst du, das ist dein Gericht, aber
- 9:05so ist unsere Welt heute, das wird unglaublich viel kopiert, unglaublich viel angepasst
- 9:10und ich denke nicht, dass es die Qualität der Küche steigen lässt, sondern du isst
- 9:17in Berlin, London, Paris, Köln und Dresden ähnliche Küche, wenn du die Augen zu machst,
- 9:25weißt du nicht, wo du bist, das ist das Problem, was wir heute haben. Wo siehst du dich selber
- 9:29innerhalb der Gastronomie? Bist du Unternehmer, Gastronom, Matre, Sonnyi, was bist du? Du hast
- 9:37vielleicht noch jede Menge vergessen, der beste Lover, Silvio, ich bin Gastgeber, ich habe
- 9:44diesen Beruf ganz hart gelernt wie du und ich bin zu Dienst, meine Gäste und ich muss
- 9:49gucken, dass alles so gut es geht, reibungslos läuft und ich bin, also manchmal, wie ich
- 9:55sage es ja nochmal, diese Eigenwerbung, die viele Kollegen vorne wie hinten für sich
- 10:02machen, fasziniert mich manchmal, das ist ein, wir leben in eine Welt voller Ego und das
- 10:10sind Narzisten überall und das ist, es ist phänomenal, wir sind Gastgeber, der Gast
- 10:15füttert unsere Gasse, wenn er nicht mehr kommt, kannst du so gut in deine Kochjacke
- 10:19oder mit deinem Anzug oder Smoking aussehen, da crepierst du, das war's, das sollten alle
- 10:25wissen, es ist nicht, weil du tatuiert mit ein bisschen Bartansatz und den tollsten Ringe
- 10:31an den Finger zeig oder am Arm, dass du etwas Besseres bist, wir sind Gastgeber, nicht mehr,
- 10:38nicht weniger.
- 10:39Was ist Wein in dem ganzen Prozedere für dich, ist es ein Tool, ist es eine Leidenschaft,
- 10:47ist es eine Grundlage oder ist es manchmal überbewertet, wie siehst du selber Wein?
- 10:52Wein wird nie überbewertet sein, Wein wird nie ein Tool sein, Wein ist für mich, bitte
- 10:59an alle, die uns jetzt zuhören, ich spreche jetzt nur für mich, also es ist keine Lektion,
- 11:06den ich geben möchte, ich darf die sowieso nicht geben, ich bin gar kein Pädagog, sondern
- 11:10Wein ist Leidenschaft, Wein ist lebendig, Wein ist launig und Wein ist eine reine Geschmackssache,
- 11:18was du magst, muss ich nicht unbedingt mögen und deine Überzeugung von Weingüter sind
- 11:24nicht unbedingt meine Überzeugung, aber jeder sollte seine Meinung darüber haben, aber
- 11:29es sollte einfach wissen, dass der Wein von den Winzer gemacht wird, von der Natur und
- 11:34nicht von den Sommelier und nicht von den Kellner und nicht von den Kösche, sondern wir
- 11:37sind nur ganz bescheidene Vermittler dazwischen.
- 11:40Wie kann man das bestmöglich transportieren, also indem man die Geschichte von den Winzer
- 11:44erzählt oder indem man selber irgendwie versucht, kreativ zu sein, wie findest du für dich selber
- 11:50in einer Bistro-Atmosphäre Wein perfekt präsentiert oder braucht man die gar nicht präsentieren,
- 11:56weil das ja alles ohnehin übertrieben ist und der Wein für sich selber sprechen sollte?
- 12:01Also ich würde erstmal sagen, dass wir bei uns versuchen, immer den Gast nicht zu überfordern,
- 12:09bitte denk dran, du hast immer dir gegenüber vielleicht 1% von den Leuten, die davon in
- 12:15die Tiefe verstehen und die 99% möchten einfach Spaß an etwas Schönes trinken, etwas entdecken
- 12:21und wir sprechen die Versuren, die wir zu sprechen, die gleiche Sprache wie unsere Gäste, also
- 12:26wir versuchen die nicht zu überfordern und ich finde einfach Wein ist gut, Essen ist
- 12:31gut, aber man sollte es da lassen, wo ihr siehst, das heißt man sollte das nicht sakralisieren
- 12:35und einfach den Gast sagen, nehmen Sie Ihren Glas, gehen Sie erstmal in Kölner Dom und
- 12:39kommen Sie zurück, also irgendwo hört der Spaß auf, das ist in Ordnung so.
- 12:44Aber die Mehrwertigkeit vom Wein kann man die irgendwie darstellen, bei der Küche ist
- 12:47es ja relativ einfach, weil ich versuche mit verschiedenen Garmethoden oder sonstigen
- 12:52die Wertigkeit eines Gerichtes entweder darzustellen oder eben zu verändern, geht sowas beim Wein
- 12:58auch, also gibt es verschiedene Gläser, Tools, sonstiges um den Wein besonders elegant zu
- 13:03präsentieren oder mehrwertig in einem Restaurant ein Bistrot darzustellen?
- 13:07Natürlich spielt die ganze Accessoire drum herum, spielt eine Rolle, das fängt von den Gläser
- 13:16an und geht weiter zu, was wir sehr gerne machen, wir dekantieren unglaublich gerne
- 13:21Weisweine, weil die auch Luft brauchen, wir scheuen uns nicht im Sommer den Gast zu sein,
- 13:26seine Flasche Rotwein, tun wir in einem Kübeln mit kalten Wasser, nicht mit Eis, mit kalten
- 13:31Wasser, damit er bei dem 16 Grad bleibt, damit er mehr Spaß hat, aber es ist Wein braucht
- 13:36Zuneigung, Wein braucht Pflege, aber ich bleibe dabei, man muss nicht alles sakralisieren,
- 13:42also ich sehe teilweise ihre geworden, was alles da passiert, da verstehe ich so nichts
- 13:47mehr, wenn die sprechen von ihren vertikale Horizontale, von ihren Jahrgangtiefen, das
- 13:53möchte der Gast nicht schon wenig hören, der Gast will entspannen, der Gast möchte
- 13:57verstehen, was er trinkt, aber will nicht überfordert werden.
- 14:01Was ist dir persönlich besonders wichtig, also sind es die Gläser, ist es der Service
- 14:06als solches, ist es das Nachschenken oder findest du manche Sachen übertrieben und manche Sachen
- 14:11notwendig?
- 14:12Also für mich ist wichtig und loben, wenn wir Gäste den passenden Wein bringen, was wir
- 14:20für sein Gericht am besten passen, der vertraut uns und wenn er uns beim Vorbeilaufen einfach
- 14:27mal ganz kurz winkt, sagen kann, tolle Wein, vielen Dank dafür und für mich ist es wichtig,
- 14:32dass auch ein Gast, der bereit ist für ein Menü 150 Euro zu bezahlen, für einen Hauptgang
- 14:3858 Euro, dass man immer ein Glas Wein für 8 Euro hinstellen, der kann sagen, mein lieber
- 14:43Mann, da sette ich nicht dazu erwartet und der schmeckt ganz toll, das ist auch eine
- 14:48Leistung, die wir bringen müssen, der Wein muss nicht immer teuer sein, Wein ist etwas
- 14:55großartiges, emotionsvoll, aber es muss nicht immer als Mehrwert gesehen werden und dann
- 15:00die Rechnung wird knallen und dann werden die Kasse wieder voll und nein, überhaupt
- 15:05nicht, man kann viel Spaß mit ganz normaler Weine haben.
- 15:08Und sind diese Weine für 8 Euro dann immer deine Lieblingsweine, sind das Weine, die
- 15:13ich irgendwo fasziniert habe, sind das Weine über die du gelesen hast oder wie wählst
- 15:17du diese Weine aus?
- 15:19Also ist es so, Silvio, dass wir seit 20 Jahren neben unseren kleinen Unternehmen ein Weinhandel
- 15:27gegründet haben, weil ich mich einfach von dieser großen Importeur und Wiederverkäufe
- 15:32distanzieren wollte, da hast du überall die gleiche Weinkarte, die gleichen Namen, es
- 15:37endet sich nur an den Preis was und da ist einfach für mich kein Arbeit getan, sondern
- 15:41ich importiere meine Weine komplett allein und wir pflegen es mit kleinen Winzerfamilien
- 15:47zu arbeiten, die überwiegend biodynamisch arbeiten und die in komplett verkanten Ecken
- 15:55Frankreich sind, das heißt wo wir die Möglichkeit haben den Kunden einen kleinen Reisetraum
- 16:01damit zu geben und ihm zu sagen, wo er ist, wo was gerade dafür ein Klima ist und was
- 16:07der Wein an Mehrwert mit sich bringt und dann hast du ein Fundus an solche Weine, die
- 16:13groterartig sind, die sauber sind, die emotionsvoll sind, aber die 45 bis 50 Euro kosten können,
- 16:20pro Flasche und dann hast du viel Spaß damit.
- 16:23Wenn du sagst, kleine Regionen, welche Regionen es unterbewertet, gibt es eine Region, die
- 16:27man noch entdecken sollte, die vielleicht der ein oder anderen, die auf dem Schirm hat?
- 16:31Also entdecken kann man heute nicht mehr, aber du kannst Betriebe entdecken, die eben
- 16:36anders arbeiten, alleine Mitte in ein Meer von industrielle, ergestellte Weine, ja zum
- 16:45Beispiel das, das gesamte Gebiet von Oxerois, gegenüber von Chablis, diese ganze Sainte-Brie
- 16:52ist ein großartiger Gegner, ich bin sehr viel präsent in Südwestrankreich, Bershorakkaor,
- 16:59wir sind an der Militeraniküste, in der gesamte Russion wirklich sehr, sehr gut bestückt
- 17:06und zum Beispiel ein Gegner wie Jurentson kann unfassbar viel Spaß, sondern ist sehr
- 17:12vielfaltig auch, du hast von Trocken bis Süß und du kannst damit unglaublich viel erreichen,
- 17:19arbeiten.
- 17:20Wir haben hier ein große Hype mit Jura, das ist einfach so, sobald das bei uns im Restaurant
- 17:26jemand eine Flasche Labé bestellte, wissen wir schon, das ist ein Sommelier und geht
- 17:29davon aus, 99,9%, ja er ist Sommelier, alle schwören im Moment nur durch dem Jura, es
- 17:36ist so, in ein, zwei Jahren wird es wieder vorbei sein, dann sind wir vielleicht mal in Südfrankreich
- 17:42wieder, oder an der Rhône, also ich lasse mich von keine Mode beeinflusst, ich lasse mich
- 17:49von der Arbeit von den Winzer und ich bin immer dankbar, wenn die mir ihre Weine anvertrauen,
- 17:54den wir dann in ganz Deutschland vertreiben und wir sind damit sehr, sehr glücklich.
- 17:59Siehst du den Wein eher singulär als singuläres Erlebnis oder denkst du dann eher, ich möchte
- 18:04fast sagen, französisch und siehst die Kombination zu deinen Speisen, also lebt ein Wein für
- 18:09sich selber oder braucht er manchmal, die Würze, die Ergänzung der Speise, um sich komplett
- 18:14zu fühlen?
- 18:15Nein, dafür fehlt mir wirklich die Intelligenz um sowas zu beantworten.
- 18:18Ich kann dir nur sagen, Silvio, dass ich, du hast ein Teller, ein Hauptgang, ein Steinbutt,
- 18:24mit einer wunderbaren Beurblanzauce und eine Beilage, gib dir mal 10 Minuten das zu essen,
- 18:30aber gegenüber hast du ein Glas, 0,2, von einem wunderbaren Burgunder oder von mir aus, von
- 18:36einem Juranson oder ein weißer Bergerak, du wirst aber eine Viertelstunde, 20 Minuten
- 18:40brauchen, den zu trinken, wenn du vernünftig bist, dann ist dein Gang schon längst fertig,
- 18:45der Wein ist immer noch da, der Wein ist für sich selbst sehr, sehr wichtig, er muss
- 18:49nicht unbedingt immer wieder begleiten sein, sondern ich liebe den Wein und trinke ihn
- 18:54für sich selbst und nicht für den Gang.
- 18:57Siehst du aber die Speise, durch den Wein bereichert oder ist jedes für sich selber
- 19:04komplett in der Tat eigenständig?
- 19:06Nein, es gibt auch Sachen, die komplett kollidieren und gar nicht gehen, das ist richtig, also
- 19:11natürlich wird der Wein aufgewertet mit einem Speisen, der genau dazu passt, wenn du
- 19:19ein Rotwein mit Tannin, mit einem pochierten Fisch ist, dann wird es schon problematisch,
- 19:24dann musst du der eine erst erledigen und der andere dann angehen oder umgekehrt, aber
- 19:28ja natürlich, aber ich komme nochmal zu was ich gesagt habe, man dürfte es nicht alles
- 19:34sakralisieren, der Kunde wird überfordert und dann irgendwann, die Welt besteht nicht
- 19:37nur aus Somelier oder wie nennt ihr euch immer Soms, Entschuldigung, Soms, sondern die Welt
- 19:43ist Bestück von Leuten, die sparsam und wenn wir das Ganze ein bisschen mehr lockern würde,
- 19:48vielleicht würden wir weniger Schwund an Wein trinken haben.
- 19:50Soms siehst du eher kritisch, oder?
- 19:53Oh, das macht mich, ich hab jetzt schon Pickel, das macht mich wahnsinnig, Somelier, das ist
- 19:59ein Satz, den ich beim Sternefresser gelesen habe, liebe Grüße von ihr aus, ich finde
- 20:04die einfach großartig, das ist so die Synthese von dieser Beruf, Somelier ist nicht anders
- 20:12als ein Kellner der ein Porzellanalogie entwickelt hat, ich finde es großartig, das passt so
- 20:17sehr gut, ich liebe Somelier, aber die sollten bescheiden bleiben, die sollten aufhören
- 20:21zu glauben, dass die die Welt vom Weinmachen entwickelt haben, im Moment sind wir voll
- 20:27in der Phase von Sponti, wenn kein Kunde versteht was Sponti ist, ist es sein Problem, da soll
- 20:32wir mal ein Verlesen lernen, Sponti ist diese spontane Gehrung, das ist so lächerlich,
- 20:36da bleibt doch alle normal und hört auf zu glauben, nur ihr wird den Wein retten, ihr
- 20:42wird gar nicht retten, ihr wird den Wein vielleicht weiter vorantreiben können, aber
- 20:47der Wein macht ihr nicht, sondern der Wein machen die Winzer, bin ich radiert bei dir
- 20:52jetzt?
- 20:53Nein, ganz wunderbar, also ich mag Menschen mit Meinung und diese Meinung irgendwo transportieren,
- 20:58wenn ich frag mich aber dabei, sind es in der Tat die Somelys, sind es die Menschen, die
- 21:03sich dazu gemacht haben und sich selber mehr oder weniger auf ein Podest stellen oder werden
- 21:07sie von anderen auf ein Podest gehoben und müssen damit irgendwo umgehen, also sei es
- 21:13von der Presse oder sei es von Gästen, weil wenn du Somelys bist, irgendwo erfolgreich
- 21:18bist, du wirst dir Hufier, du wirst dir präsentiert und du musst ja irgendwo manchmal auch genau
- 21:24diesen dann entsprechen, also ist das dann nicht irgendwo eine Spirale, die sich entwickelt?
- 21:28Das mag sein, ich war noch nicht Somelier in meinem Leben, geschweifelt von einem großen
- 21:33Restaurant, sondern ganz normal, ich weiß jetzt, wie ich kann dir nur sagen, dass die Attraktivität
- 21:39unseren Beruf, ich spreche jetzt zum Service, Somelier, auch wenn die nicht gerne hören,
- 21:43gehören zum Service, Leute, ist recht unattraktiv, das ist Teller tragen, Teller abräumen, eindecken,
- 21:50annonsieren, früher konnte man noch transchieren, flambieren, das gibt es nicht mehr, also
- 21:58derjenige, der dieses Darrolle im Service übernimmt, das war früher der Oberkannter, das ist ja
- 22:02der Somelier, er entscheidet über Leben und Tod, was seine Weinkarte angeht und ich glaube
- 22:12nicht, dass dein Podcast mich sehr viel Freude da bringen wird, aber es ist wirklich meine
- 22:17feste Überzeugung, die Bescheidenheit ist das Unterschrift von ein guter Sommelier und
- 22:23wir haben vielleicht, ich kenne nicht alle, lass mich mal fünf Stück in Deutschland kennen,
- 22:28die großartig sind und dann müssen wir wirklich heftig nachdenken.
- 22:32Findest du es besser, wenn es mehr Teller mit Weinverantwortung gibt, also wenn jeder
- 22:37im Service diese Aufgabe eines Sommles übernehmen würde und gleichermaßen?
- 22:42Das ist ganz wichtig Silvio, ich finde einfach, nimm mal unseren kleinen Bistro, mein wichtigster
- 22:49Aufgabe ist, wenn neue Mitarbeiter kommen, ist einfach, dass die jede Frage von jeder
- 22:54Gastbeantwortung können, das heißt, die müssen einfach wissen, ein Gast ist gerade am Essen,
- 22:59der Moissonier ist in einer Ecke, Frau Moissonier ist links rechts und mein Restaurantleit drin
- 23:03ist gerade in der Küche, er möchte aber verdammt nochmal jetzt sein Wein haben, dann muss jeder
- 23:07in der Lage sein, wenn sie mich fragen, ich würde ihnen dazu das und das empfehlen aus
- 23:11dieser Gegend, weil der Wein so dazu schmeckt, passt da, wenn das nicht der Fall ist und der
- 23:16arme Kellner, Kellnerin, ich muss erst mal unseren Sommelier fragen, mein Lieber, man
- 23:21lass uns da damit hinruhig, will jetzt ein Wein haben, also entscheide, was kann ich denn trinken?
- 23:25Das ist eben die Rolle von den Servicemitarbeiterinnen oder Mitarbeiter, er muss in der Lage sein,
- 23:30alles zu beantworten, ich brauche kein Sommelier, der Sommelier wird meistens, wenn er nicht gut
- 23:35arbeitet, versuchen mir den Wein auszudrücken, den er sowieso aus seinem Keller loswerden möchte,
- 23:40ich habe selten, Silvio, ganz selten eine perfekte Empfehlung von einem Sommelier in
- 23:46ein Restaurant bekommen, das ist immer, was er möchte und nicht was ich möchte.
- 23:50Was war einmal so eine Weinspeisenkombination, die dich absolut nachhaltig beeindruckt hat,
- 23:56also hast du da ein konkretes Beispiel, wo du sagst wow und daran denke ich nachts, wenn ich nicht
- 24:02alt schlafen kann? Also ich werde Ihnen diese Sendung, Silvio, keine Name nennen, aber derjenige wird
- 24:11dich erkennen und die Guten werden ihm erkennen. Es gab beim Joarim Wissler ein phänomenal Sommelier,
- 24:18der jetzt an der Mosel in einem drei-Stern-Restaurant arbeitet, der mir ein Weißenermitage zu ein
- 24:27Rotbarben Gericht von Wissler empfohlen hat und der Wein natürlich kostete er was, aber ich wollte
- 24:32auch, dass er was kostet. Der Wein war phänomenal dazu. Das vergiss du einfach nicht. Und dieser
- 24:39Mensch gehört für mich vielleicht zu den besten, wenn es nicht der Beste ist in Deutschland,
- 24:45dass sie die Bescheiden hat in sich selbst, dass sich jemand, der sich hinter den Wein stellt,
- 24:50dass sich jemand, der sich hinter dem Gas stellt, sagt einfach, ich tue mein Bestes,
- 24:54damit sie glücklich werden. Das ist für mich ein Supersommelier, dass sich jemand,
- 24:57dass er dieser Name verdient. Gehe ich völlig d'accord. Ich glaube, es gibt auch wenige Sommeliers,
- 25:03die so offen ausgesprochen, ständig hochgelobt werden und das zu Recht. Den kennst du doch,
- 25:10oder? Und außerhalb der Branche, die ihn nicht kennen oder die ihn nicht von ihm begeistert sind.
- 25:18Ich liebe ihn, weil das sich jemand, der unglaublich an sich gearbeitet hat. Der hat nicht für, der
- 25:26hat an sich gearbeitet und er ist erwachsen geworden und das sind ganz, ganz toller Fachmann.
- 25:30Nicht nur Fachmann, sondern auch ein intuitives Talent, denn wenn man Sachen mit ihm blind probiert,
- 25:35es gibt wenige Menschen, die ich erlebt habe, die Weine so präzise blind erkennen können,
- 25:42damit aber nicht angeben, sondern es einfach umschreiben und es mit einer Eleganz umschreiben.
- 25:47Was ich aber, was du erwähnt hast, total spannend finde, ist, was ich nicht verstehe, warum
- 25:53Weisweine aus der nördlichen Rhon, also losgelöst vom Contriö, so unglaublich unterschätzt
- 26:00sind oder auch von der südlichen Rhon, also teilweise Weisweine, die unglaublich reifen
- 26:05können, die eine ganz eigene Komplexität haben, aber kaum jemand hat gereifte, ermitage gereifte
- 26:11Schatten auf die Park, gereifte Saint-Joseph-Blanc auf dem Schirm. Warum ist das so? Also warum
- 26:18kommen manche Weine so stark aufs Tablet und werden hochgelobt und werden überall präsentiert
- 26:24und andere sind überhaupt keine Anerkennung? Ja, aber man muss auch dazu sagen, dass jahrzehntelang
- 26:33südliche wie nördliche Rhon von den Rotweinen geprägt waren, ob es Begrossermittage, Kornas,
- 26:39Schatten auf die Park, Gigondas, nur die Rotweine, die daraus gekommen sind, die Weisweine waren
- 26:46im Grunde genommen Nischengeschäfte und zunehmend kommt es raus, weil der Weiswein-Konsum weltweit
- 26:53steigt, die Leute lieben Weisweine, die taninhaltigen Rotweine haben weniger Chancen und die Winzer
- 27:00zunehmen Pflanzen, Marsan, Russan, Vionier. Ich habe vor kurzem ein ganz toller Artikel über
- 27:08den Weißen Saint-Pérez gelesen, das sind Weine, die unglaublich subtil sind und sehr gut und das
- 27:15kommt, es wird zunehmend kommen, aber die Menge ist immer noch nicht ausreichend und das ist immer
- 27:22noch ein klein Nischengeschäft, aber das wird kommen, ich bin überzeugt davon, das wird noch kommen.
- 27:26Wie bildest du dich weiter? Also ist es Literatur, ist es Internet, sind es Winzerreisen, dass du
- 27:33neue Inspirationen bekommst, neue Weinküter entdeckst, dich von Weinen überzeugen lässt? Also ist
- 27:40es so, dass wir nützen mit meiner Frau Liliane jeden knappen Urlaub, die wir haben, jede Wochenende,
- 27:47den wir für uns nehmen können. Es ist immer Wein in den Gegend, wo wir hingehen, weil überall,
- 27:53wo es Wein gibt, gibt es Kultur. Es ist einfach nicht zu ändern, gutes Essen, gute Weine, nette
- 27:58Menschen. Anders habe ich nie erlebt und wir reisen sehr viel, wir gehen, wir machen Termine,
- 28:04wir gehen zu den Winzer und ich, wenn wir dürfen, lassen wir uns Zeit mit dem Winzer und nicht
- 28:09sauge die Information. Jeder Winzer spricht mit Leidenschaft über sein Terroir, seine Ängste,
- 28:16seine Vindifizierungsverfahren, seine Unterschiede zwischen Terracotta und Holzfässer und er lässt
- 28:25ich probieren, erklär dir, warum es so ist und geht mit dir in den Reben und erklär dir, wie die
- 28:31Natur im Moment arbeitet und warum ist Biodiversität so wichtig, das bildet mich aus. Ich sauge die
- 28:37Informationen von Fachleute und versuche das in meinen Fachjaggen umzuschreiben und gebe
- 28:44diese Informationen an meine Kunden weiter, wenn die es hören möchten. Darf ich bei dir selber mal
- 28:49den Wunsch, ein Weingut zu führen, zu leiten, zu eröffnen, Wein selber zu produzieren? Ich bin so was
- 28:54von faul und und ich würde das zum dreimal bücken, da muss ich schon mal, da habe ich drei
- 29:01Frauen im Kranken geschrieben. Nein, das ist, es ist ein harter Beruf, das ist wirklich, wenn ich höre
- 29:08von den Leuten, die bei uns im Weingeschäft kommen, mein Sohn führt einen Weinandel mit mir und er hat
- 29:13gleichzeitig ein Weinladen. Das Leute maulen bei deinem Flasche Wein 25 Euro kostet. Ich sage,
- 29:20wer verdammt noch mal, was soll der Winzer denn verdienen? Wie soll das gehen? Meine Mutter lebt
- 29:26in Südfrankreich, die ist zarte 87, lebt bei meinem Bruder, der ein großes Winzer rausgekauft hat,
- 29:31hat ja so ein kleinen Apartment da drin und die erzählen mir voll stolz, dass sie aus den Kubitäne,
- 29:37also aus der Tetrapak von den Nachbarn ein Rosé für einen Euro den Liter trinken. Das gibt es doch,
- 29:43wie soll man da überhaupt Wein erzielen? Das ist doch nicht normal. Diese Menschen müssen und dürfen
- 29:51leben, das heißt, Qualität hat seinen Preis und das müsste der Kunde einfach verinnerlichen, das ist
- 29:57wichtig. Ich bin sicher, wenn du an das Weinviertel denkst, denkst du sofort an Weißwein. Vielleicht
- 30:19zum Einstücken wenig wissen. Das Weinviertel erstreckt sich über knapp 14.000 Hektar und ist
- 30:25damit die größte zusammenhängende Weinbauregion in Österreich. Die Grenzen reichen vom südlichen
- 30:32Donauufer zur tschechischen und slovakischen Grenze, sodass sich das Gebiet als Nordostwinkel
- 30:38nieder Österreichs offenbart. Kannst du dir das ungefähr so bildlich vorstellen? Total spannend,
- 30:44finde ich, sind beim Weinviertel die klimatischen Daten. Wir haben 500 bis 600 Milliliter Jahres in
- 30:50der Schlag. Damit gilt das Weinviertel als eine trockensten Weinregion Mitteleuropas. Und die
- 30:55Jahresmitteltemperatur beträgt zum Beispiel ein Retz 10 Grad. Und genau das finde ich spannend,
- 31:01weil trotzdem zwischen 1900 und 2000 Sonnenstunden registriert werden. Ein der höchsten Sonnenschein
- 31:08dauern Österreichs. Also, klimatisch gehört das Weinviertel zum panonischen Kontinentalenraum.
- 31:13Wir haben hier 87 Frosttage. Hast du das gehört? Drei Monate Frost. Noch kurz an Top, weil das
- 31:21nicht unwichtig. Über allem, wie der charakteristische Weinvierteler Wind. Ein trockner Nordföhn,
- 31:27der den Pilzdruck minimiert und die Reben zu erstaunlicher Widerstandskraft zwingt. Die Landschaft
- 31:33wurde auf einer bis zu 10 Meter mächtigen Lüsticke, die sich über Molasse und Schotterlagen
- 31:38legt. Darunter breiten sich varistische Granit, Gneis und glimmerschiefer Gesteine aus. Die
- 31:46zusammen mit kahlreichen Schottern den Wein eine kühle Mineralität verleihen. Kleiner Fanfekt,
- 31:52denn Wein ist auch Geschichte. Unterhalb der Weinstraßen statt Retz. Er streckt sich auf 25
- 31:57Kilometer Europas größtes Kellerlabyrinth mit konstanten Reife Temperaturen zwischen 8 und 12
- 32:03Grad. 25 Kilometer. Wahnsinn. Und wieder zurück zum Ursprung. Also, wenn du an 2 Viertel denkst,
- 32:11denkst du an Weißwein. Dann passt mal auf. Es gibt in Retz den Parabluiberg. Und dieser wird
- 32:18von der Familie Fiedesser gepflegt. Und die Familie Fiedesser hat darauf Zürer gepflanzt. Und wenn man
- 32:24so ein Zürer hat, dann ist immer die Frage, macht das wirklich Sinn? Also es gibt so großartige
- 32:30Zürers im nördlichen Rhonedal im Ermentage, in Australien, in Kalifornien. Aber wenn man es schafft,
- 32:36einen so eigenen Zürer, eine so eigene Rebsorten der Predation in die Flasche zu füllen, dann ist
- 32:42das mehr als spannend. Dann ist das Faszination. Also, der Fiedesser Parablui Riedenwein Zürer 2019
- 32:48ist für mich absolut kein gewöhnlicher Wein, sondern ich würde mal sagen ein Schelm im Glas.
- 32:54Der Zwischenmineralität, ein samtiger Wurzeltanz. Wann genau die ersten Zürer reben? In den
- 33:00Granitschollen, der riehde Sonnenleitengepflanzt wurden, bleibt absolut ein Geheimnis der Familie.
- 33:05Keine gesicherten Informationen sind vorhanden. Und umstößlich ist aber, dass im Dezember 2021
- 33:12die erste, reinsortige Parabluis-Zürer-Edition der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Der beste
- 33:19Rotwein, den ich je im Keller hatte, rief Norbert Fiedesser aus. Als die Flasche sanft knisternd den
- 33:25Korkenpreis gab, bin kürzester Zeitzeichnete der Pfeilstaff den 2019er mit 91 Punkten aus.
- 33:32Ein Ritterschlag für das mutige Unterfangen in Österreich. Die Trauben stammen aus der
- 33:37Einzellage Sonnenleiten am Fuße des Parablui Berges. Der, von Windmühlen und Morschen
- 33:44Trockensteinenmauern bewacht, mit seinem Gemisch aus verwitterten Granite und Kneis den unverwechselbaren
- 33:50Stempel aufdrückt. Diese Urgesteins-Verwitterungsböden sind so durchlüftet und kark, dass sie den Wurzeln
- 33:56nur das nötigste zuflüstern. Ein Umstand, der dem Wein seine Kühle steinigem naturalitiert
- 34:01verleiht. Handlese, Meischezut, spontane Gierung. Bis Januar 2023 gebrauchten 600 Liter Fässern,
- 34:09damit die Filigranität der Rebsort erhalten bleibt. Und im Gegensatz zu manchen opulenten
- 34:14Roten aus Österreich behält der Parablui Syrah eine knackige Frische, während er zugleich
- 34:20mit seiner kräftig dunklen Frucht seiner Pfeffrigenwürze kokettiert. Im Prinzip ist
- 34:25er ein wilder Gentleman, der es versteht, mit seinem schelmischen Augenzwinkern zu verführen.
- 34:30Was für ein Geschmackserlebnis und ein Riesentageschön der Familie Fidesse. In den frühen Nullerjahren
- 34:35erklärt es sich Sophie Fidesse, ursprünglich auf Marketing spezialisiert dazu bereit,
- 34:39das Faminierebe in die Zukunft zu führen. 2007 stellte man den gesamten Betrieb auf
- 34:45biologische, wenige Jahre später auf biodynamische Bewirtschaftung um, um jenen leisen Dialog
- 34:52zwischen Kosmos und Rebstock zu fördern. Während anderen Ortsgründer Ferdlina und
- 34:56Riesling das Sagen hatten, keimte bei den Fidesers die Idee ausgerechnet Syrah jene
- 35:02Kühne Diva der Rhon in den steinigen Böden des Weinviertels zu zähmen.
- 35:07Vielen Dank für den Mut, der Familie Fidesse und dem deutschen Importeur, dem Handelshaus
- 35:12Schlumberger.
- 35:13Was ist für dich ein vernünftiger Preis, also sowohl im unteren als auch im oberen Bereich,
- 35:27also sollte man einen Wein unter 5 oder 10 Euro anbieten oder über, es gibt es Preise,
- 35:34die völlig übertrieben sind, wo du sagst, sowas möchte ich auf keinen Fall für Wein
- 35:38ausgeben.
- 35:39Sprichst du jetzt für der Kunde oder sprichst du jetzt für der Kollege?
- 35:43Ich spreche für dich entweder also im Kundenpreis.
- 35:48Im Kundenpreis, das da bei uns sind auf der Karte, sind die Anfangsweine, die Preise hatte
- 35:55Weine ab 35 Euro, die Flasche.
- 35:58Und nach oben gibt es dafür dich Grenzen, wo du sagst, das würde ich auf keinen Fall,
- 36:04also zum Beispiel bei mir in der Weinbar, habe ich ganz klar gesagt, ich möchte Weine
- 36:08in dem und dem Preisrahmen nicht anbieten, zum einen welle ich nicht die Atmosphäre
- 36:12dafür habe in der Weinbar, um diesen Wein in der Besonderheit zu zelebrieren, ich habe
- 36:16auch nicht die Möglichkeit, das irgendwie vorzubereiten und daher hatte ich damals ganz
- 36:20klar Grenzen nach oben, wo ich gesagt habe, das möchte ich nicht anbieten.
- 36:24Das ethische oder was auch immer spekulative einfach mal aus und vorgenommen, gibt es
- 36:30sowas für dich, wo du sagst, ich habe nach oben Grenzen oder sagst du, manche Weine kosten
- 36:35einfach das Geld und der Markt gibt das her und genau das möchte ich auch zelebrieren.
- 36:39Auch da lasse ich den Gast entscheiden, aber sagen wir so, bei uns hört der Spaß auf
- 36:48für den Kunden beim 120, 140 Euro die Flasche, alles was da oben geht, passiert vielleicht
- 36:55mal, einmal in Quartal, dass jemand kommt, sein Unternehmen verkauft hat und möchte
- 37:01eben eine Flasche für 800 Euro haben, ich habe vielleicht eine so, aber mehr nicht.
- 37:05Findest du die Weine geben das her, kann man das rechtfertigen, also ist es die Besonderheit,
- 37:09ist es der Wein als solches oder ist es doch dann manchmal der Name der da, das ganze
- 37:14branded?
- 37:15Also ich würde es nicht bezahlen, ich würde es auch nicht bestellen und ich würde nicht
- 37:21das, weil ich das dekadent finde oder einfach nur damit zu tun, das entspricht nicht meine
- 37:28Wünsche.
- 37:29Ich lasse die anderen leben so wie die wollen, das macht mir nicht aus, solange die nicht
- 37:33provozieren, dann ist es in Ordnung, aber natürlich macht die, die Marke und ich habe
- 37:41einen Kunde, der ab und zu zu uns kommt, der möchte nur Weine trinken, wenn da auf der
- 37:45Etikette steht, Premier Grand-Cruis-Classé, wenn das nicht drauf steht, wie der ist nicht
- 37:49scharm, das ist, es ist okay, der hat das Geld, der tut niemand weh, er will es trinken, ihm
- 37:56ist es egal, ich glaube ich würde ihm die Flasche umfüllen mit was anderes, er würde gar nichts
- 38:02merken, aber er ist glücklich damit, das ist sein Ding, dann ist es in Ordnung, aber
- 38:06die Marke spielt eine enorme Rolle, keine Rede, wenn ich teilweise sehe, was Kunden
- 38:13für Namen bei uns erwarten auf der Karte, die wir nicht haben, dann sage ich mir einfach
- 38:18du da Eiswürfel drin und dann hast du den gleichen Effekt, dann ist es okay, es ist so,
- 38:23die Marke spielt eine große Rolle, aber es wird immer so sein, es ist leider so.
- 38:29Was ist für dich ein Wohlfühlpreis, wenn du selber Wein kaufst, in welchem du, im Restaurant
- 38:35meinst du, allgemein auf dem Markt, im Restaurant kommt dir immer so diese kalkulative Faktor
- 38:40dazu, wo man nicht weiß, wie das Restaurant das ansitzt, aber so, wenn du in einen Laden
- 38:45gehst und sagst, ich kaufe mir eine Flasche Wein, wir sind im Urlaub mit meiner Frau zusammen,
- 38:49wo orientierst du dich selber und hast ein gutes Gefühl dabei?
- 38:52Also es ist ja unterschiedlich je nach Region, aber ich bin bereit von 15 bis 40 Euro auszugeben
- 39:01für eine Flasche Wein, wenn es zu tief drunter ist, werde ich schon Probleme haben, also
- 39:05unter 10 Euro fange ich einmal dazu grübeln, was ist da passiert, weil der Händler muss
- 39:11auch sein Geld verdienen und wenn man zusammenrechnet, die Flasche, die Etikette, der Kapsel
- 39:19oben drüber, die Steuern, die Arbeiter sag ich mir mal nochmal, wie hat er sein Wein
- 39:24gemacht?
- 39:25Trinkst du Wein um Wein zu trinken oder trinkst du Wein um Wein zu analysieren?
- 39:28Also wenn du ein Läschen vor dir hast, versuchst du den Wein zu verstehen oder lehnst du dich
- 39:34zurück und lässt dich inspirieren wie von Musik?
- 39:37Also weder noch, ich gebe mir ununbewusst 30 Sekunden um den Wein zu riechen, zu probieren,
- 39:47zu trinken und dann weiß ich, ob der Wein mir Spaß machen wird oder nicht und dann ist
- 39:51es gut.
- 39:52Und dann ist es gut, der Wein muss einfach ausgewogen sein, er muss mir Spaß machen
- 39:58und er muss die Gegend, wo er kommt, spiegeln, sonst habe ich ein Problem.
- 40:04Ist es für dich etwas Selbstverständliches oder ist es immer ein Highlight?
- 40:08Also trinkst du jeden Tag Wein, mittagsabend oder ist es dann immer ein Fest, wo du sagst,
- 40:13jetzt öffne ich die Flasche, weil Sonntag ist?
- 40:15Also ich habe vor kurzem diese Frage beantwortet und ich habe mir direkt einen Kohlenschlag
- 40:19bekommen.
- 40:20Deswegen bin ich sehr vorsichtig.
- 40:21Ich hatte aber die Geschichte ganz schnell, ich war in einer Reha-Klinik, nach einem Unfall,
- 40:26den ich hatte und der Chefart beim Aufnahme hat mich als letzte Frage gestellt, musst
- 40:31von ihr trinken sie Alkohol, da ist ja klar, was trinken sie denn Wein, wie oft, jeden
- 40:36Tag, wie viel, Habeflasche.
- 40:38Dann habe ich diese ganzen Übungen gemacht, Therapie, Fliegentherapie, Tanztherapie, Maltherapie,
- 40:45Liegentherapie, Kusttherapie, die sind total baller, alle so viel, die sind und die fühlen
- 40:50sich wohl dabei.
- 40:51Als ich raus war, gehe ich zu meinem Hausärztin und ich habe den Bericht bekommen von meiner
- 40:57Reha-Klinik und sie sagte mir, was von ihr, Sie haben das perfekt gemacht.
- 41:01Sie haben jeden Morgen pünktlich aufgestanden, Zahnseide gemacht, Bett bezogen, gefrühstückt,
- 41:05nicht randaliert, alle Therapie mitgemacht, es ist ja wunderbar, aber sagt sie, es gibt
- 41:10ein Problem.
- 41:11Da steht unten ein Satz, der Patient Morsonnier hat ein Alkoholproblem, da stand ich da mit
- 41:16meinen Zarten 64 Jahren, ich bin doch kein Alkoholiker, ha, Herr Morsonnier, wenn Sie
- 41:21zugeben, dass Sie jeden Tag Wein trinken, dann haben Sie ein Alkoholproblem und irgendwann
- 41:26Wochen später hat mir ein Arzt erklärt, Herr Morsonnier, ich werde deinen Trauma auflösen.
- 41:31Die Auflösung ist folgende, der Patient Morsonnier hat erst ein Alkoholproblem, wenn er mehr
- 41:38trinkt als der Arzt und dann sage ich, ja, ich trinke jeden Abend Wein, ich versuche,
- 41:47mich zu besänftigen, nicht zu viel zu trinken, aber ich genieße mein Feierabend, nahm eine
- 41:53Dusche, fang an mit Willilian zu kochen, mit einem Glas Weiß war nicht nennen, da ist
- 41:57sogar mein Küchendiesel, ohne das koche ich nicht.
- 42:00Wer hat dich vom Wein überzeugt, also gibt es jemanden, der dich inspiriert hat, geprägt
- 42:05hat und dir gesagt hat, was Wein ist, oder ist das deine französische Prägung, dass
- 42:09euch das mit ins Bett gelegt wird?
- 42:12Nein, als Orda Sidio, muss ich euch alle ein bisschen aufklären, was Franzose eingeht.
- 42:17Der Franzose ist vom Geburt her der beste Ässer, der beste Trinker, der beste Liebhaber,
- 42:21von den drei stimmt gar nichts, das ist schon mal so.
- 42:25Wir leben mit Wein, das ist richtig, aber das heißt nicht, dass wir da besser sind,
- 42:29auf gar keinen Fall.
- 42:30Frankreich ist begnadet durch unglaublich viele Mikroklima und das ist unsere Stärke,
- 42:35wir haben glaube ich nirgendwo weltweit so viele Rebsorten wie in Frankreich, aber das
- 42:40ist nicht, weil der Franzose intelligenter ist, es ist einfach gegeben und das nehmen
- 42:43wir mit, das ist wichtig und auf deine Frage zurückzukommen, ja, es gibt einen Mensch,
- 42:49der mir mein Wein Erziehung beigebracht hat, das ist gleichzeitig der Mensch, der den
- 43:00Wein gekeltert hat, erzeugt hat, der mich fürs Leben geprägt hat, das ist Marc Dampé,
- 43:07das ist ein Winzer aus dem Elsass, er ist 67, das ist ein der Pionier der Biodinamie im
- 43:14Elsass.
- 43:15Ich würde sagen, dass 95% von was ich über die Biodinamie weiß und verstehe, da verdanke
- 43:22ich ihnen.
- 43:23Das ist ein Korrifet, das ist ein hochintelligenter Mann und das ist jemand, der die Natur liebt
- 43:28und der bringt dir bei, warum man die Natur lieben sollte.
- 43:32Marc Dampé hat mein Leben geprägt und geändert.
- 43:35Und wie hat er dich inspiriert?
- 43:37Hat er dir bestimmte Weine gezeigt und die zusammen mit dir verkostet und dich darauf
- 43:41fokussiert oder war es in der Tat, dass er dir die Reben näher gebracht hat, die Vegetation
- 43:46im Weinberg?
- 43:47Wie hat er dich vom Wein überzeugt von dem, was dann letztlich im Glas ist?
- 43:53Also Marc hat mir erstmal beigebracht, wie man Wein richtig erzeugt.
- 44:01Marc hat mir beigebracht, dass die Rebsorte, nehmen wir Riesling, total zweitrangig ist.
- 44:10Im interessiert es nicht, ob es Riesling, Grauburgunder, Weisburgunder ist, sondern das Terror interessiert
- 44:17ihm.
- 44:18Und es passiert regelmäßig, wenn wir Weinproben machen bei uns mit Marc Dampé, wenn wir Kollegen
- 44:25Weine von Dampé verkaufen, dass sie einfach sind, das ist niemals im Leben ein Riesling,
- 44:29aber doch, der Riesling ist nur der Ehemann von diesem Terror, der ist da und der fügt
- 44:38sich an.
- 44:39Und das ist ganz toll, deswegen finde ich einfach nicht gut, wenn eine Kundin oder ein Kunde
- 44:46uns sagt, ich mag kein Souvignon, ich mag kein Chardonnay, ich mag kein Riesling und
- 44:49geschweige von Bino Noir.
- 44:52Ich finde es einfach, dass sie dumm, weil die Rebe ist nur ein Träger, das Terror ist
- 44:58das Allerwichtigste.
- 44:59Wenn du ein Riesling aus der Mosel probiert und ein Riesling aus dem Rheingau, die werden
- 45:03für dich anders schmecken, und deswegen ist es ein dummer Pauschal zu sagen, ich mag
- 45:09dieser Traubensorte nicht.
- 45:10Das ist nicht gut, man sollte da andere Werte auflegen, dafür sollte ein Summelier gut
- 45:15sein, ohne zu belehren zu sein, den Kunden zu erklären, ich lass ihnen was probieren
- 45:20und sie werden niemals darauf kommen, was es ist, wenn es ihnen nicht schmeckt, ist
- 45:24es mein Problem, ich nehme die Flasche zurück und das kann Marc, Marc hat mir auch der
- 45:32Gemichtersatz beigebracht, warum der Gemichtersatz so wichtig ist, weil das sieht nicht anders
- 45:37als Biodiversität.
- 45:38Ein Terroir, ein Parzelle mit einem Gemichtersatz wird viel weniger anfällig sein an Krankheiten
- 45:50als ein ektaren langen Riesling-Gepflankte Weinberg.
- 45:56Es macht alle Sinn, die Alten früher so klug gearbeitet, ohne Internet, ohne Fachliteratur,
- 46:05weil die einfach geguckt haben, die haben beobachtet, die haben sich hingesetzt und
- 46:10die haben entschieden.
- 46:12Wir waren mal vor Jahrzehnten bei einer Winzerin im Elsass und das Küchenfenster war offen
- 46:18und da ging ein Alter mit einem Stock an den Fenster vorbei, der ist Charles und dann fragte
- 46:23die Winzerin Charles, Charles, komm mal zurück, sag mal, da oben möchte ich gerne Muskatelöp
- 46:28pflanzen, dann sagt Charles, das geht nicht, aber Charles, warum geht das nicht, ich kann
- 46:32es dir nicht sagen, aber es geht nicht, das weiß ich schon, dann geht Charles weiter.
- 46:35Ein Jahr später habe ich die Winzerin nochmal getroffen und ich sag, hast du jetzt dein Muskatelöp
- 46:39pflanzt und direkt wieder abgerissen, es geht in der Tat nicht, es ist so, die Leute haben
- 46:44kein Fachwissen gehabt, die haben einfach analysiert, die haben geguckt, die haben beobachtet
- 46:49und die haben die Natur respektiert, die haben die Biodiversität gelassen, so wie sie war
- 46:55und alle haben miteinander gelebt und das war ein schöner Welt ohne Industrie, ohne Reichstum
- 47:02und ohne, es muss unbedingt rentabel sein, also pflanz, pflanz, pflanz, alles was es geht,
- 47:08das ist scheißegal.
- 47:09Gibt es ein anderes Getränk, was sich ähnlich fasziniert, sind es vielleicht spirituosen,
- 47:13sind es das Lade, sind es Sake, ist es Zitre, ist es Poiré, ist es ...
- 47:19Ich bin ein sehr einfachen strukturierter Mann, Silvio, ich bin Wein verliebt und ich
- 47:27werde es bleiben.
- 47:28Also wenn wir zum Beispiel unterwegs sind und man fragt mich, ob ich ein Glas Champagne
- 47:33und ein Glas Wein haben möchte, ich sag sofort, beides sind Weine, aber ich würde lieber ein
- 47:36Glas Wein trinken, das ist, für mich ist Wein einfach Entspannung, das Ende meiner
- 47:43Arbeitstag, das ist mein Urlaub, das ist mein Glücksmoment mit meiner Frau abends, das
- 47:49ist, also ich wäre tot unglücklich, wenn ich eine Partnerin hätte, die mir jeden Tag sagen
- 47:55würde, so warst du ein Glas und dann nicht Schluss jetzt, ja, da, ich würde es machen,
- 47:59das ist aber Wein ist gesellig, Wein ist Freude, Wein ist zum Teilen, Wein, man redet, wenn
- 48:07man Wein trinkt, Wein ist, Wein ist alles.
- 48:10Welcher Wein wärst du, wenn du ein Wein wärst?
- 48:15Ich werde, ich wäre gern ein wunderbaren Gammé aus Morgung, aber ein alter Gammé.
- 48:25Großartig.
- 48:26Alter Gammé, ja, also alter Gammé, weil das ist ein ganz schwierige Sache für den Gammé,
- 48:34der wächst auf ein Granitboden, der muss da durchkommen, es sind lange Wege für die
- 48:39Wurzeln, bis die an Mineralien kommen, er arbeitet unfassbar viel und wenn man einen guten Winzer
- 48:45hin oder einen guten Winzer erwischt, dann hat man einen phänomenalen guter Wein, der
- 48:50trinkbar ist, der nicht überfordert und der viel Freude hinterlässt.
- 48:54Magst du Weine lieber jung oder gereift?
- 48:58Beides.
- 48:59Ich liebe gereiften Beaujolais, also Morgon, Moulinvent, das sind subtile Weine bis geht
- 49:07nicht mehr und ich liebe Moselrißling und ich liebe Grauburgunder von Franz Keller.
- 49:17Ich bin ein großer deutscher Weinliebhaber, ich sammle die für mich privat.
- 49:22Welche Weine sammelst du da, sind das ausschließlich Rieslinge und Pinot Noir oder hast du da auch
- 49:28deinen Augenmerk links und rechts der üblichen Rebsorten geworfen oder üblichen Gebiete?
- 49:32Frankensylvane finde ich sehr gut, die Bergschlossberg von Breuer als normale und Magnumflasche, wenn
- 49:41man bereit ist, mit welche zu verkaufen, die habe ich aber eine ganze Sammlung davon
- 49:45und ich liebe diese Weine.
- 49:47Wenn wir zum Beispiel Bergschlossberg nehmen, hat der sein optimales Trinkfenster oder kann
- 49:52man das gar nicht sagen, der ist jederzeit präsent?
- 49:54Also ich bin immer wieder überrascht, wenn ich sehe, dass diese Weine mit 11% Alkohol
- 49:58aus der Magnumflasche, dass die Zwölfer im Moment noch so jung, juvenil und voll in der
- 50:05Pubertät sind, sage ich mir einfach, es ist großartig, hoffentlich verpasst ich ihm nicht.
- 50:09Sollte man sich auf den Wein konzentrieren oder soll ein der Wein inspirieren?
- 50:13Also für mich ist Wein lebensnotwendig, mir ist es eigentlich egal, ich will Freude
- 50:20haben.
- 50:21Das Risiko habe, dass ich mit mir an einem Tisch Wein freudige Menschen habe, dann kann
- 50:30es wirklich ganz böse ändern, dann wird die Freude immer größer und Wein ist zum Verschenken,
- 50:36Wein ist zum Aufmachen, zum Verschenken und zum Überraschen und zum Teilen.
- 50:41Also es gibt nichts Schlimmeres als allein vor dem Fernseher mit niemandem mit ein Glas
- 50:45Wein zu sitzen, das ist ja Öde, sondern Wein ist gesellig.
- 50:48Wenn du Wein verschenkst, verschenkst du deinen Geschmack oder versuchst du die Person, der
- 50:54du den Wein schenkst zu sehen und zu interpretieren?
- 50:57Nein, ich versuche zu überraschen, das ist wichtig, dass derjenige die Flasche entgegen
- 51:04nimmt, sagt einfach, das habe ich noch nie probiert oder würde ich unglaublich gerne
- 51:10probieren und wollen wir die jetzt schon aufmachen und es ist wie ein Kind, der seinen Weihnachtsgeschenk
- 51:18entgegen nimmt.
- 51:19Das finde ich das schönste, wenn man einen Wein geschenkt bekommt und den direkt öffnet.
- 51:23Also wenn man dem Wein dann zusammen zelebriert und nicht erst in einen Schambränenkühlschrank
- 51:27liegt oder in den Keller liegt und dann irgendwann Jahre später darüber nachsinniert, wer den
- 51:32Wein wohl mitgebracht hat, sondern wenn man den direkt aufmacht und die Geschichte damit
- 51:37erlebt und den Moment einfach und dann einfach auch erfährt, warum dieser Wein mitgebracht
- 51:43wurde und was den Wein so besonders macht.
- 51:46Kann man Wein mit etwas anderem kombinieren, sei es mit Kunst, mit Musik oder sonstigen?
- 51:51Also findest du sowas reizvoll, wenn du ein bestimmtes Musikstück zu Wein auflegst?
- 51:56Ja, also ich finde schon, dass Musik eine ganz große Rolle spielt mit Wein, dass es
- 52:02beide sind kleine Kunstwerke und beide können sich ergänzen auf alle Fälle.
- 52:08Machst du das gezielt?
- 52:10Also suchst du ein Wein aus und sagst dazu möchte ich Bach, Beethoven, Chopin oder wen auch
- 52:15immer hören oder ist das dann eher so zufällig, dass du sagst, zu diesem Wein begeistert
- 52:22mich die Musik und das Instrument?
- 52:25Nein, so künstlerisch bin ich gar nicht begabt und so sinnlich bin ich auch nicht begabt.
- 52:31Aber es ist so, dass für deine Zuhörer würde ich gerne mal ein Stück empfehlen, was die
- 52:37gar nicht erwarten und zwar ich bin ein großer durch mein Alter, ein großer großer Fan von
- 52:42David Gilmour, das ist ein Mitglied von Pink Floyd und ich habe ein Stück von David
- 52:49Gilmour gehört, den niemand erwarten würde und zwar das ist Le Pêcheur de Perle, also
- 52:56das ist von Bizet, das ist sehr klassisch und der dieser Stück mit einem trocken Gitarre
- 53:03sagt man auf Französisch, das auch so auf Deutsch, also kein Elektro-Gitarre, ein Akustik-Gitarre.
- 53:09Ja und im Rücken von ihm war seine Tochter mit einem Cello und beide haben dieser klassische
- 53:16Stück gespielt und er hat gesungen, ich verspreche dir du zitterst am ganzen Körper, wenn du das
- 53:24siehst, so schön dieser Stück ist, von David Gilmour, der wirklich diese komplette Generation
- 53:31geprägt hat mit sein Musik, die mit klassischer Musik nichts zu tun hat und das ist Phänomen,
- 53:36um dazu, dazu trinkst du einen wunderbaren Elsesser von Marc Dampé, ist sein gemichter
- 53:44Satz Rodelsberg, das passt perfekt. Und den dann Jahrgangsaktuell oder? Nein, nein, mit
- 53:51Reife, aber das ist ein Wein der jetzt da ist, aber wir haben 2008, 2010, 2015 mit Tim,
- 54:03mit meinem Sohn probiert und das ist so großartig. Also ich brauche nichts dazu, ich brauche
- 54:09gar nichts, ich brauche höchstens jemand, mir gegenüber, der mich bestätigt, dass dieser
- 54:13Wein phänomenal gut ist, weißt du? Marc hat ein Wein vor Jahren gehabt, ein Gewürztamin
- 54:22ergroßer gewächst und Parker hat ihm dafür 100 Punkte gegeben, das erste was Marc gemacht
- 54:29hat, der hat uns alle angeschrieben, alle Importeur und hat gesagt, ich will dieser
- 54:33Wein sofort wieder haben, bei mir, ich möchte nichts damit spekuliert wird, wer sich nicht
- 54:36dran hält, bekommt kein Wein mehr von mir und Jahr für Jahr verschenkt er an seine
- 54:41Freunde, ein oder zwei Flaschen von dieser Wein, das ist die Philosophie von Marc.
- 54:46Toll. Ja. Großartiger Gedanke, also eben auch das so dann durchzuführen und so. Das ist
- 54:52ein Gedanke. Er ist so, er ist so. Gibt es etwas, was du mit Wein niemals tun würdest?
- 54:59Oh, da bald da ich immer tue, was ich will, wenn ich den Wein trinke, fehlt mir, ja
- 55:08ich würde niemals Wein aus der Flasche trinken. Ich würde es sicherweise auch nicht, ich habe
- 55:11das noch nie gemacht. Ne, musst du nicht so. Einige haben das so, das ist so ein wenig,
- 55:15manchmal auch lustig und da interessante Bilder zu machen. Nein. Aber ich würde, ich
- 55:20habe da eine Hemmschwelle, da sprichst du mir in der Tat aus der Seele, ich könnte Wein
- 55:24nicht aus der Flasche trinken. Ja, das ist das gleiche, was mich auch sehr stört, sind
- 55:29Menschen am Tisch, die ihren Glas oben, wo die Lippen normalerweise kommen, anfassen
- 55:35und trinken, da habe ich auch große Schmerzen. Ich sage mir einfach, ein Stil ist da, um
- 55:39angefasst zu werden und pack eure Gläser am Stil, bitte. Und sonst Eiswürfel? Für dich
- 55:45ein Thema, kein Thema. Stört dich das, wenn ein Gast das erbittet, er wünscht und du
- 55:51sagst, das ist Gästeglück? Nein, ich habe so lange, dass der Gast mich nicht beschimpft,
- 55:56beleidigt oder meine Frau oder meine Kellnerin angreift, da habe ich keine Schmerzen, er
- 56:01muss diese Brühe trinken, ich nicht. Aber meistens sind es Leute, die aus bessere Verhältnisse
- 56:09kommen, die das machen. Leute, die daran gewöhnen sind, auf Mallorca vornein zu feiern
- 56:12und Golf zu spielen, das ist immer das Gleiche. Das sind immer die gleiche Sorte von Menschen.
- 56:18Wenn die meinen, das muss so sein, dann sollen die ihren Schwimmbad machen, wenn die damit
- 56:22glücklich sind, ist das okay. Ich kann es nicht ändern. Aber ich bin Gastgebäude und ich bin
- 56:26nicht darum, alles zu verbieten. Es gibt Sachen, die ich grundsätzlich nicht machen würde,
- 56:29aber da habe ich, ich habe da keine Schmerzen. Dass das gleiche, wenn ein Gast sagt, ich will
- 56:33meinen Entrückung durchschauen, dann ist es okay, der hat seine Gründe. Er wird dann
- 56:37verwiesen, warum er seinen Entrückung nicht Englisch oder Medium haben möchte. Er respektiert
- 56:41das, das ist in Ordnung. Ich fand diese 80er Bewegung von Kösche, die gesagt haben, der
- 56:50erste, der bei mir am Tisch Salz oder Pfeffer verlangt, fliegt raus oder ein Fleisch durchfliegt
- 56:56auch raus. Ich finde es einfach dumm, das, das, warum? Dass jeder, jeder so wie er das
- 57:03mag, so lange, dass er den anderen nicht stört und respektiert. Dann ist es in Ordnung. Aber
- 57:08was hat denn ein Koch damit zu tun, dass sein Stück Fleisch durchgebraten wird, weil
- 57:13der Kunde das so haben will? Wo ist das, er muss das doch nicht selber essen. Also das
- 57:17ist doch kein Problem.
- 57:18Siehst du da nicht den künstlerischen Aspekt, dass ein Koch sagt, ich inszeniere dieses Gericht
- 57:23und so wie ein, ein Gast nicht in ein, keine Ahnung, in ein Konzert geht und sagt singen,
- 57:29bitte so, möchte ich auch nicht, dass ein Gast zu mir ins Restaurant kommt und sagt,
- 57:35ich möchte mein, mein Gericht, meine Interpretation des Fleisches so genießen.
- 57:41Weißt du, Silvio, so ein Podcast kann nicht immer politisch korrekt laufen. Dann manchmal
- 57:48muss man Sachen sagen und die sage ich auch. Dann du wirst, du kannst das hinterher abschneiden
- 57:52wenn du weißt. Aber ich sage einfach, lech mich am Arsch. Wir sind weder Künstler noch
- 57:59irgendetwas, sondern macht euren Job, guck mal, dass er so gut es geht gemacht wird.
- 58:05Lass so ein Mensch mit Durchsalzpfeffer sein, was weiß ich, ein zwischen 500 sein. Lass
- 58:12ihm doch so, wie er ist, wenn er damit Spaß hat. Das ist okay. Es wird problematisch,
- 58:17wenn er anfängt bei der Bestellung zusammen zu sagen, die ihren Koch, er möchte mir die
- 58:19Soße dazumachen, die Beilage dazumachen und er soll das vielleicht von der Rückseite
- 58:23anfangen zu braten und dann die Vorseite hinterher. Dann würde ich ihn dann wissen,
- 58:27sie verstehen sie auch und gehen sie nach Hause. Hier arbeiten wir, wir, wir, das meinen.
- 58:30Aber den Moment, wo diese Divas in der Küche glauben, nur so, wie die wollen, wird es gemacht
- 58:39und der Rest soll verrecken, das ist ein Spiegelbild voll, was ich hier vor Kurzem im Internet
- 58:44gesehen habe. Da ist ein Koch abgebildet in weißen Montur, in seine Küche perfekt beleuchtet,
- 58:50clean, wie es jetzt geht, nicht mehr geht und dann gekreuzte Arme. Dann kommt ein Bahner
- 58:56unter sein Bauchgürtel und da steht drauf, Götter tragen weiß und dann anderen tragen
- 59:03Teller und nicht einfach, wir packen das ganze zusammen in ein Karton, wir schmeißen das
- 59:08im Reihen mit ein paar Steine drüber, lasst die alle verschwinden und fangen wir wieder
- 59:13von vornherein einfach, was unseren Beruf ist, Dienstleister. Ich werde gehasst.
- 59:19Überhaupt gar nicht, ich finde das in der Tat wirklich toll und letztlich Gastronomie
- 59:23ist ein Gemeinschaftsprojekt von denen, die servieren, die die Gäste inspirieren, ihnen
- 59:30schönen Momente verschaffen und diejenigen, die die Speisen bereiten und ich finde, nur
- 59:35miteinander kann man etwas Großartiges erschaffen. Gab es für dich mal einen anderen Beruf, den
- 59:42du gerne ergriffen hast, weil du ja seitdem du vier bist eigentlich Gastronomen werden
- 59:47wolltest, aber den Wunsch, dass du sagst, ich möchte Fotograf oder Lehrer oder was auch
- 59:53immer werden? Also dieser Beruf war in der Tat meine Rettung,
- 59:59meine Hoffnung und die Möglichkeit etwas anderes zu machen, ohne kontrolliert zu werden, das
- 1:00:05war wichtig. Aber wenn du mich jetzt fragst, ja, ich bin zwar viel zu alt dafür, aber
- 1:00:14ich wäre jetzt gerne Schauspieler, aber es ist zu spät Silvio, alte Säcke werden
- 1:00:20ich gefragt, die brauchen etwas frisches Fleisch, gut aussehen, es ist vorbei, ist egal, das
- 1:00:25wird einfach am Theater. Am Theater oder Film? Was würdest du da filmen?
- 1:00:31Weil Theater musst du lernen und lernen kann ich nicht, ich kann einfach einen Text
- 1:00:36nicht lernen, ich bin schlecht, ich bin intuitiv, ich bin aus dem Bauch heraus und das ist,
- 1:00:43das ist was, was ich kann. Das heißt einfach, wenn wir zum Beispiel Pressemarbeit haben wegen
- 1:00:52unseren Buch zum Beispiel, an der sehr sehr viel mit der Presse zu tun gab, die Journalisten
- 1:00:56wollen mir immer im Vorab die Fragen schicken, ich hab gesagt, bitte nicht, dann bin ich so
- 1:01:02fokussiert aus was ich nicht sagen dürfte, dass es einfach nicht gut wird. Ich lass mich
- 1:01:07immer roh überraschen. Hoch lebe der alkoholfreie Wein. Ja, ich mein es wirklich, hoch lebe
- 1:01:30der alkoholfreie Wein. Und ja, ich weiß, du fragst dich, ob ich vielleicht schon getrunken
- 1:01:34habe? Nein, habe ich nicht, aber es gibt eine Überproduktion in Deutschland, weil allgemein
- 1:01:39weniger Alkohol getrunken wird, dessen sind wir uns bewusst, das ist klar. Aber es heißt
- 1:01:43ja nicht, dass wir keinen Wein trinken, sondern dass viele einfach nur kein Alkohol
- 1:01:46trinken wollen. Und als alkoholfreie Wein eine ganz tolle Alternative, weil Wein nunmal
- 1:01:51das Grundprodukt ist, das dann entsprechend endalkolisiert wird. Durch das Interesse
- 1:01:56seitens des Konsumenten steigert sich das Interesse des Produzenten und egal ob bei
- 1:02:01alkoholfreiem Bier, bei E-Autos oder was auch immer, haben wir gesehen, dass durch einen
- 1:02:04zunehmenden Absatz die Entwicklungsfreude steigt. Die Motivation für die Produzenten. Neue
- 1:02:09Technik, neue Produkte, neue Philosophien zu entwickeln. Und letztlich, das musst du zugeben,
- 1:02:15hat auch der Trend der letzten Jahre gezeigt, dass in diesem Bereich nicht nur unglaublich
- 1:02:19viel passiert ist, sondern auch unglaublich viel möglich ist. Somit kann ich nur für
- 1:02:22allen Ebenen appellieren, gebt diesem Weinsegment, bitte immer wieder eine Chance. Auch wenn
- 1:02:28er zuletzt 1995 probierte alkoholfreie Wein, die er nicht geschmeckt hat, versuche es noch
- 1:02:32mal. Es ist wahnsinnig viel passiert und ich bin sicher, alkoholfreie Wein ist auch für
- 1:02:36dich ein Mysterium. Aber wenn man es versteht, wird mit einmal auch der alkoholfreie Wein
- 1:02:41nichts Künstliches, sondern einfach eine wunderbare genussvolle Alternative. Denn natürlich
- 1:02:47gibt es immer wieder Situationen, wo man einfach keinen Wein im traditionellen Sinne trinken
- 1:02:52kann, darf oder möchte. Also mein Tipp dabei ist, ihn als ganz eigene Genusssparte zu betrachten,
- 1:02:58ihn zu entdecken und ihn auch genauso zu genießen, also nicht wie Wasser, nicht wie Limo, sondern
- 1:03:03wie Wein zu trinken, dran zu riechen, die Entwicklung zu betrachten. Gerne ihn auch zelebrieren,
- 1:03:09mit einem entsprechenden Glas, mit verschiedenen Temperaturen und auf Wertigkeit zu setzen.
- 1:03:15Mit dem Bewusstsein alkoholfreier Wein darf auch etwas kosten, weil wie in der Küche
- 1:03:20kann der Wein nur so gut sein wie die schlechteste seiner Zutaten. Und man darf nicht vergessen,
- 1:03:26es gibt einige Arbeitsschritte mehr, nämlich das Entalkolisieren. Das klingt natürlich
- 1:03:31erstmal mystisch und viele fragen sich, wieso was passiert, wie man Wein entalkolisieren
- 1:03:35kann. Und das harmonischste Verfahren ist die Vakuum-Distillation. Und das ist ein Distillationsverfahren,
- 1:03:41das klingt erstmal schlimmer, als es eigentlich ist, bei dem der Druck in der Apparatur durch
- 1:03:46Vakuum so weit abgesenkt wird, dass die Siedetemperaturen der Komponenten deutlich unter jenen
- 1:03:51bei Normaldruck liegen. Dadurch verdampft insbesondere Alkohol oder andere niedrig siedende
- 1:03:57Stoffe bei bereits 30 bis 40 Grad, während hitzeempfindliche Aromamoleküle weitgehend
- 1:04:03erhalten bleiben. Im klassischen Aufbaustrümmt die Flüssigkeit als dünner Film über beheizte
- 1:04:08Flächen, was dem Wärmeeintrag minimiert und eine schonende Verdampfung fördert. Ist
- 1:04:14soweit logisch, oder? Ich könnte es jetzt noch technischer auflösen, aber ich glaube,
- 1:04:19das System ist soweit klar. Und einer dieser Weinen, die so produziert wurden, ist der
- 1:04:242023er Riesling Zero aus dem Haus Biberunge, aus dem Rheingau, mit dem eigentlich, finde
- 1:04:30ich, super Namen dieser Tür. Und das zeigte einfach auch, dass die Winzer sich richtig
- 1:04:35Gedanken machen, wie kann man dieses Geschmacksfeld neu definieren, wie kann man dem Riesling
- 1:04:40eine ganz eigene Identität geben, wie kann man diese Rebsorte trotzdem Leben durchblicken
- 1:04:45lassen, sowohl die Handschrift des Winzers, als auch des Gebietes, als eben noch dieser
- 1:04:49Rebsorte spiegeln. Ein Riesling, der nichts von der Fülle, von der Lebendigkeit, von
- 1:04:53der Klarheit vermissen lässt, der eine spürbare Struktur hat und sich keineswegs hinter klassischen
- 1:05:00vergorenen Vertretern verstecken muss, der mit 35 Gramm Restzucker durchaus eine spürbare
- 1:05:07Süße, aber auch eine perfekte Balance mit der Säure hat. Der Kühl über die Zunge läuft
- 1:05:11und sich auf großartige Weise im Glas verändert. Ja, hinter diesem Wein steht das Weingut
- 1:05:17Biberunge in Österreich-Winkel, ein Haus, das du schnell mit dem Begriff Naturnahenverbindung
- 1:05:22bringst. Gegründet wurde das Weingut vom Biberunge selbst und getragen von der Expertise seines
- 1:05:27Partners Markus Bonsels, hat sich das Weingut in den vergangenen Jahren als Vorreiter nachhaltiger
- 1:05:32Bewirtschaftung etabliert. Seit der Mitgliedschaft bei Farron Green bekräftigen sie ihr Bekenntnis
- 1:05:38zu reduzierter Bodenbearbeitung, gezierter Zwischenbegrünung und Verzicht auf synthetische
- 1:05:43Maßnahmen, die deinen Anspruch an einen Naturwein absolut entsprechen.
- 1:05:49Genau hier in den Heilgarten der Spitzenlagen erfolgt die für eine alkoholfreien Weinwand beachte
- 1:05:55Handlese für den Disserteur Riesling Zero 2023. Im Keller klassische temperaturkontrollierte
- 1:06:02Gehrung bei 16 bis 18 Grad. Und nach Abschluss der Gehrung folgt der entscheidende Schritt,
- 1:06:07die schonende Endalkolisierung und der Vakuum bei niedrigen Temperaturen. Und ich finde beim
- 1:06:15Zero Riesling Disserteur 2023 vom Weingut Biberunge, merkt man, das ist mehr als ein Trettprodukt ist.
- 1:06:22Das ist keine Phase, sondern das ist eine ganz eigene Zukunft des Weines bedeutet. Und dieser
- 1:06:28Wein finde ich ist ein absolut perfektes Beispiel dafür, dass man mit natürlicher Bewirtschaftung
- 1:06:33moderner Kellertechnik ein alkoholfreien Wein erschaffen kann, der nicht nur als vollwertiger
- 1:06:40Vertreter seiner Rebsorte wahrgenommen wird, sondern mit dem man auch seine Gäste verwöhnen,
- 1:06:45faszinieren, inspirieren kann und sich selber auch. Vielen lieben Dank für diesen großartigen
- 1:06:51alkoholfreien Wein dem Hause Biberunge und dem deutschen Vertreter dem Handelshaus Schlumberger.
- 1:07:03Jetzt hast du ja seit 38 Jahren dein Lokal. Hättest du gerne mal in einem anderen Lokal gearbeitet,
- 1:07:12also hatt ich irgendein Restaurant so inspiriert, dass du gerne dort als Mähtre, als was auch immer
- 1:07:20angefangen hättest? Nein, das hier ist in Gänsefüßchen gedacht. Das hier ist mein Werk,
- 1:07:28das ist mein Leben, das ist was ich haben wollte und das so, wo ich es haben wollte. Und
- 1:07:33wenn es mir nicht gefällt, weißt du, du hast manchmal, wenn du in dein Schlafzimmer reinkommst,
- 1:07:37ist dein Bett rot bezogen, das war jetzt nicht langsam, die Schnauze voll von rot. Ich würde
- 1:07:41das gerne rot-weiß in den FC-Farben haben. Und wenn es mir nicht mehr gefällt, dann machen wir
- 1:07:47das zweichterne Restaurant zunahmen, dafür ein Tagesbistrohr auf. Was du ja letztlich getan hast,
- 1:07:52also daher hast du es ja nach deinen Vorstellungen mit Hintergrund und Hintergedanken und das
- 1:07:58eben sehr wohl überlegt, genauso umgestaltet. Ja, aber dass da da auch andere Gründe sind. Das
- 1:08:05hat auch gesundheitliche Gründe und Erschöpfungsgründe. Das heißt einfach, du hast doch auch in
- 1:08:09diese Gastronomie gearbeitet. Es ist unglaublich anstrengend, das reibt und gemeint, du bist,
- 1:08:18irgendwann hast du die Kraft nicht mehr dafür, das musst du erkennen. Und dann habe ich gesagt,
- 1:08:23glaub mir, es ist nicht einfach nur ein Tagesbistrohr zu haben, es muss alles bezahlt werden. Wir
- 1:08:27müssen Umsatz generieren und die Abendumsätze fehlen, also müssen die irgendwo an das geholt
- 1:08:33werden. Das haben wir mit unserem Haus aus gut hinbekommen. Aber du musst einfach die
- 1:08:40Realität erkennen, dass du kannst diese Hochleistung, Sport nicht dein Leben lang machen, das geht
- 1:08:47nicht. Und irgendwann hast du auch keine Lust mehr. Immer wieder das gleiche Ritual. Jeden Tag
- 1:08:52das gleiche. Und weh, wenn du nicht lachst und weh, wenn du Augen rendert und weh, wenn du lustlos
- 1:09:00wird. Da kommen die Gäste und sagen, was ist denn los mit ihnen? Warum gucken sie denn so Böse? Was
- 1:09:04denn passiert da? Das tut mir leid, ich habe mich vergessen. Ich lache sofort wieder. Irgendwann
- 1:09:09bist du nicht mehr. Ich kann das mehr als nachvollziehen. Ich habe ja meine Weinbar vor 1,5, 2
- 1:09:14Jahren auch abgegeben oder beziehungsweise in andere Hände gegeben und mit genau den gleichen
- 1:09:19Hintergedanken, da ich gesagt habe, ich gehe jeden Tag total gerne in die Weinbar. Ich mag das,
- 1:09:24habe das fast 20 Jahre dort gelebt und ich wollte aber niemals den Tag erleben, wo ich nicht gerne
- 1:09:30hingehe und wo ich das nicht mit Liebe und mit voller Freude, also jeden Tag voller Freude
- 1:09:35das Geschäft aufsperre. Und ich habe auch gesagt, ich war damals 50, habe gesagt, ich möchte nicht
- 1:09:41mit 60 dort stehen und sagen, ich kann nicht mehr. Und dem genau dem gleichen Zeitpunkt habe ich für
- 1:09:47mich auch entschieden, mit den gleichen Gedanken, die du eben auch hattest. Es ist sinnvoller, es
- 1:09:53umzustrukturieren, also mein Leben umzustrukturieren. Daher kann ich das sehr nachvollziehen. Es ist
- 1:09:57natürlich etwas Einfacheres, wahrscheinlich eine Weinbar in andere Hände zu geben, als ein
- 1:10:022-Sterne-Restaurant ein Bistro umzumünzen und das mit einer ähnlichen Leidenschaft dann weiter
- 1:10:08zu leben und das dann wahrscheinlich auch verargumentieren zu müssen. Ich glaube, da wird
- 1:10:12man dann auch relativ schnell müde, immer wieder zu erklären, warum man das gemacht hat. Ja,
- 1:10:18das ist richtig. Aber wie gesagt, jeder sollte auf sein Körper hören und jeder sollte auf seine
- 1:10:23Seele hören und das ist ganz wichtig. Und das ist eine Herausforderung. Herausforderung ist ein
- 1:10:30bisschen die Würze auf den Fisch oder auf das Fleisch. Das heißt, du musst gucken, dass du die
- 1:10:34richtige Mischung erwischt. Wie kann man junge Gastronomen, junge Menschen am besten inspirieren?
- 1:10:40Also du hast ja einige Menschen geformt, geprägt, sehr stark inspiriert. Gibt es für dich so diese
- 1:10:51Herangehensweise, dass du sagst, wenn jemand diesen Beruf ergreifen möchte, darauf sollte er achten,
- 1:10:57das wäre wichtig. Was ist dir persönlich wichtig, wenn jemand komplett neu gerade nach der Ausbildung
- 1:11:03bei dir anfängt? Erstmal müsste er das, weil es wird immer schwieriger, Leute an der Ausbildung zu
- 1:11:09bekommen. Das ist unglaublich schwer. Aber er muss unsere Philosophie verstehen, akzeptieren und
- 1:11:17sich anpassen und er muss bereit sein, mit Lust und große Freude mit uns zu lernen. Das ist
- 1:11:26wichtig. Ich glaube nicht, dass es immer die jungen Leute, die nicht gut sind, sondern wir
- 1:11:31Gastronomen, Arbeitgeber, müssen dafür sorgen, dass die jungen Leute auch etwas lernen. Auf
- 1:11:37Verantwortung übernehmen und auch Perspektiven entwickeln können. Ich sage nochmal, das ist
- 1:11:42ein der langweiligste Job, denn es gibt Teile abräumen, Teile eindecken, polieren, Bodensauber
- 1:11:49machen. Das sieht da so was von überhaupt nicht mehr aktuell. Also müssen die irgendwie eine
- 1:11:53Perspektive haben und zu wissen, da werde ich da was lernen. Da kann ich ein Vervorwärtskorb. Oder
- 1:11:59ich vielleicht kann ich auch Verantwortung übernehmen. Es ist die Sache der Arbeitgeber,
- 1:12:03die jungen Leute das zu beizubringen. Aber ich würde jeder jungen Mensch, der bei uns,
- 1:12:08an welchen Sprechen normal ist, an welchen Sprechen nur für mich, ich würde jeder jungen
- 1:12:13Menschen bei mir arbeiten oder anfängt, die Werte unseren Unternehmen zu geben. Das erste ist
- 1:12:18der Respekt. Das ist extrem wichtig. Und das zweite ist die Bescheidenheit. Wenn das, das ist
- 1:12:24einfach zu hören, aber das ist schwer umzusetzen. Wenn das klappt, dann ist der Erfolg ohne Probleme
- 1:12:30da, ohne Probleme. Nicht umsonst bleiben die Leute bei uns ziemlich lang, weil die Perspektive haben
- 1:12:37und die können sich entwickeln, die können ihre, ihre Duftnote hinterlassen, die können ihren Stil.
- 1:12:42Jeder kann sich im Restaurant vom Stil her so entwickeln, wie er möchte. Er muss nur diese
- 1:12:49beide Worte nicht vergessen. Respekt und Bescheidenheit. Das ist ganz wichtig. Respekt wovor? Respekt vorm
- 1:12:56Gast, Respekt vor der Arbeit, Respekt vor der Aufgabe, vor euch? Respekt vor allem, Silvio,
- 1:13:03geh raus auf der Straße und guck mal, wo das Wort Respekt ist. Die Leute schmeißen alles auf
- 1:13:07der Boden. Die Leute brüllen sich an, wenn du auf den Fahrrad geht. Die Leute trinken aus der
- 1:13:15Flasche auf der Straße, die essen ihre verdammten Gyros beim Laufen und die sind mit ihren Handy
- 1:13:21permanent beschäftigt, weil man kommuniziert nur noch mit Handy und nicht mehr von Mensch zu Mensch.
- 1:13:25Und das ist Respektlosigkeit für mich. Respekt ist einfach, ein Gast anzupacken, so dass der Kunde
- 1:13:32das Gefühl hat, ich wird hier ernst genommen. Das ist wichtig. Und das Lernen und das Weiterentwickeln
- 1:13:39der jungen Menschen, sollten die das eigenverantwortlich machen oder ist das dann eure Aufgabe, die Aufgabe des
- 1:13:45Arbeitgebers, sich mit denen hinzusetzen, die zu Schulen, die zu trainieren? Das ist das ist
- 1:13:52unsere Aufgabe von den Arbeitgeber. Das ist ganz wichtig. Aber ich habe den Fall gerade gehabt. Ich
- 1:13:57habe eine junge Dame, die bei uns eine Lehre angefangen hat als Restaurantverfrau. Von der
- 1:14:02erste Stunde an habe ich schon gespürt, dass ich mich nicht wohlfühle, nicht sie, sondern ich fühlte
- 1:14:08mich nicht wohl, weil ich gesehen habe, dass diese Leidenschaft fehlte, diese Wille manchmal sich ein
- 1:14:17bisschen weh zu tun fehlte und die, auf Franzi, ich sage mal, der Jagd, die sich durchspeisen zu
- 1:14:27wollen. Und ich habe mich nicht vertan. Mein innerer Thermometer hat mir recht gegeben. Sie ist eine Woche
- 1:14:32geblieben und ist nicht mehr gekommen. Es ist so. Das ist ein Geschäft von nehmen und geben. Du
- 1:14:41musst das Gefühl haben, derjenige, der dir gegenüber steht, ist Informationshungrig, der will
- 1:14:46lernen. Dann bringen wir ihm was bei. Aber es muss auch gegenüber auch Wille da sein zu lernen. Das
- 1:14:54ist wichtig. Was glaubst du, wie lange braucht man, um ein guter Kellner, vielleicht ein guter
- 1:14:58Zommelier, ein guter Gastronom zu sein? Mit der Ausbildung ist das ja nicht abgeschlossen,
- 1:15:03sondern es ist ja ein langer Weg, die man muss die Gäste lesen können. Man muss sich selber
- 1:15:08entwickeln können. Man muss selber ein gewisses Dending auch haben. Ist das nach fünf Jahren,
- 1:15:12nach zehn Jahren, bist du fertig? Nein, fertig ist man sowieso nicht. Das ist der große Vorteil.
- 1:15:17Aber ich würde sagen, es sind da die Mitarbeiter bei uns sehr frei sind im Restaurant. Das heißt also,
- 1:15:25die wirklich die... Ab dem Moment, wo ich weiß, die können ein Gericht komplett alleine erklären.
- 1:15:31Die können alle Fragen beantworten, was der Gast haben möchte. Und die sind einigermaßen mit
- 1:15:36unserer 45 Position Weinkarte fit. Dann lasse ich die los. Aber ich würde sagen, einmal die Woche
- 1:15:47setzen wir uns zusammen und dann gehen wir die Punkte nahe, wo ich das Gefühl habe,
- 1:15:51da muss nachgearbeitet werden. Wer ist nur Silvio? Die Frage, das ist vielleicht mal die entscheidende
- 1:15:57Frage von einem Gast oder eine Kundin, die da sitzt und sagt, "Können Sie mir beim Wein helfen?
- 1:16:06Ich kenne mich da nicht so gut aus." Das ist Tür und Tor offen für eine Katastrophe,
- 1:16:12wenn derjenige nicht geschuld ist. Weil du darfst an seinen Portmone an seine Kreditkarte nicht
- 1:16:18rangehen. Das heißt, du musst eine gewisse Sprarahme entwickeln, wo du den Kunden klar machst. Gib mir bitte
- 1:16:25eine Richtung, ohne dass seine Kunden merken, der will aber sparen mit uns. Also gibt es gewisse
- 1:16:33Fragen, die wir entwickelt haben und wo ich das Gefühl habe, der Gast versteht, was ich meine.
- 1:16:38Möchten Sie lieber ein Weißweinarm, der etwas frisch und knackig ist? Oder wollen Sie lieber
- 1:16:44ein Wein mit ein bisschen mehr Bums? Frisch und knackig wird heißen 45 bis 65 Euro, bin ich
- 1:16:50glücklich. Mit Bums heißt, du kannst ruhig Gas geben, du wirst mir nicht weh tun. Und das ist diese
- 1:16:55Sprache müssen die jungen Leute lernen. Die müssen lernen, ihren Gast zu verstehen, wie du
- 1:17:00sagst, lesen. Aber wir müssen immer sehr diplomatisch und sehr fair bleiben. Und das lernt man
- 1:17:08im Laufe der Zeit. Das ist ganz wichtig. Wenn du ein Zweiertisch mit Wein begleitet und das
- 1:17:13Glas Rotwein kostet 15 bis 20 Euro, das tut ganz schnell weh. Und dafür musst du gerade
- 1:17:20stehen. Und es ist uns am Anfang sehr häufig passiert, dass die Leute danach geschrieben
- 1:17:25haben und haben gesagt, es war wunderbar. Aber bitte nächstes Mal würde ich mich freuen, wenn sie mir
- 1:17:29sagen, dass der Wein 20 Euro kostet. Und das ist legitim. Und das ist eine Sprache, die gelernt
- 1:17:34werden muss. Und das können leider Gottes meistens nur erwachsene, ältere, geschulte Menschen wissen,
- 1:17:43weil die genug Schläge bekommen haben. Ich mag den Gedanken mit Respekt. Wie findest du? Sollte
- 1:17:50ein, vielleicht auch ein junger Mensch oder auch jemand in unserem Alter ein Winzer gegenüber
- 1:17:55treten. Wie kann er dem Winzer hilfreich, vielleicht sogar inspirierend gegenüberstehen, ohne
- 1:18:03vielleicht bevormunden zu sein, aber manchmal auch mit seiner Erfahrung irgendwie dientig zu
- 1:18:06sein, welches oftmals schade findet, dass viele unserer Kollegen glauben, sie haben den Wein
- 1:18:13erfunden, glauben dem Winzer erzählen zu müssen, was er falsch gemacht hat. Auf der anderen Seite
- 1:18:18hat er natürlich auch sehr, sehr viel Erfahrung. Der Kellner, der Sommelier, der Gastronom hat
- 1:18:23viele Weine probiert, auch vielleicht viel mehr Weine als der Winzer und kann aber mit seinen
- 1:18:26Gedanken den Winzer auch wiederum bereichern. Ich weiß da immer nicht, was richtig oder was falsch
- 1:18:31ist, was deine Meinung dazu. Also ich würde sagen, das Wichtigste ist einfach an jeder sein Beruf.
- 1:18:36Der Wein wird vom Winzer gemacht und nicht vom Sommelier. Es gibt vieles Sommelier, die haben
- 1:18:41das Gefühl, die müssten den Winzer zeigen, dass sie sich mal auskennen. Ich sage es nochmal,
- 1:18:45also Spontiv war der Letzte und jetzt kommt der Übernächste. Das ist flüchtige Säure. Jetzt
- 1:18:51auf einmal, wir sprechen alle nur noch von flüchtige Säure. Die Dreiviertel davon weiß gar nicht,
- 1:18:55worum es geht, aber jeder Wein, der ausgewertet wird, sagt einfach, oh, der ist aber eine leichte
- 1:19:00flüchtige Säure. Einfach nur die Schnauze halten. Manchmal kommt es damit besser durch. Ich würde
- 1:19:05mich den Winzer gegenüber stellen und erklären sie mir doch bitte ihren Arbeit. Was soll ich meine
- 1:19:09Kunden erzählen? Wie ist die Philosophie von ihrem Arbeit, von ihrem Wein? Warum ist der Wein so?
- 1:19:14Und dann muss man auch den Menschen einmal klar sagen, dieser Wein ist einfach für meine Begriffe
- 1:19:21einfach nicht ausgewogen genug. Der ist entweder zu jung, er braucht mehr Luft oder er ist zu kühl
- 1:19:28gelagert von uns. Ein Wein, der mit 6 Grad serviert wird, kann sich überhaupt nicht entfalten. Aber
- 1:19:34man kann da fragend vorwärtskommen, aber belehren. Also nein, auf alle Weise. Jeder sollte seine Rolle
- 1:19:41behalten. Das ist ganz, ganz wichtig. Hör bitte den Winzer zu. Und wenn du bedenken sagst, aber auf
- 1:19:48eine Art und Weise, wie du mit deinen Partnerinnen oder mit deinen Eltern sprechen würdest, den du
- 1:19:54nicht beleidigen möchtest, sondern einfach sagen, liegt es an mir, dass ich das empfinde. Und der
- 1:20:00Winzer will dir das erklären, worum es geht. Ich wäre mal sehr gespannt zu wissen, wie viele
- 1:20:10Winzer was von unseren Sommelier halten. Das wird mich höchst interessieren. Ich weiß schon,
- 1:20:16was sie sagen würden. Ich weiß, dass es ungefähr aussehen würde, aber dass die Sommelier das
- 1:20:20manchmal auch hören, dass viele Winzer, sinnabhängig von diese Leute, die verkaufen. Aber
- 1:20:27letztendlich, was denken die denn überhaupt diese Menschen? Da wird mich schon sehr interessieren.
- 1:20:31Also bei uns in unserem Bistro oder Restaurant früher gab es nie die Position von einem Sommelier.
- 1:20:37Das gibt es nicht. Sondern jeder muss in der Lage sein, erwachsen, vernünftig Fragen zu
- 1:20:45beantworten und Wein zu verstehen. Und wenn ich bei einem Winzer bin oder wenn du bei einem Winzer
- 1:20:50bist, Entschuldigung, ist es da für dich der Weingarten, der dich am meisten interessiert oder
- 1:20:57ist es das Handwerk im Keller, was dich fasziniert, was dir die meisten Informationen über den Winzer
- 1:21:03vermittelt? Also da ich Gott sei Dank ein paar Kilometer Erfahrung hinter mir habe, was die
- 1:21:10Arbeit in den Reben angeht von zuhören und von gucken, ich möchte erstmal die Reben sehen. Ich
- 1:21:15möchte einfach verstehen, warum ist nur Gras drin? Warum laufen Hühner oder Ziegen im Winter
- 1:21:23dadurch? Warum wird es so geschnitten? Warum wird es, wie nennt man das auf Deutsch? Wenn eine Frau ihre
- 1:21:33Haare innen flechtet, sagt man da so? Ein Zopfmacht. Ein Zopfmacht. Es gibt zunehmend Winzer gerade
- 1:21:39im Beginn, die nicht mehr schneiden, sondern die zopfen. Die möchte die Reben nicht mehr verletzen
- 1:21:45und die haben festgestellt dadurch, dass die Anfälligkeit an Pilze viel weniger geworden ist. Und
- 1:21:51das will ich sehen. Ich möchte sehen, ist der Boden so, dass es biodynamisch verarbeitet wird? Oder
- 1:21:59ist der Boden schwarz und komplett tot, weil nur noch mit Pestizide gearbeitet wird und mit chemischem
- 1:22:06Mittel. Und erst danach interessiert mich der Wein im Keller, aber zuerst ist immer die Rebe. Und
- 1:22:12ich will das Terroir verstehen und ich will, was im Untergrund ist an Gestein oder an Kalk oder
- 1:22:22ein Granit oder ein Blauschiefer, das interessiert mich sehr. Danach erst den Weinkeller. Hast du
- 1:22:27da persönlich Vorlieben? Also Sachen, die dich besonders inspirieren? Also gibt es da bestimmte
- 1:22:31Regionen? Gibt es bestimmte Rebsorten, die dich ansprechen oder gewisse Weinstile?
- 1:22:39Allgemein alle, Silviöse. Ich habe keine große Vorliebe. Aber zum Beispiel, was ich faszinieren finde,
- 1:22:47ich komme nochmal zurück auf was ich am Anfang gesagt habe, aus der Gegend von Sambri. Dort,
- 1:22:53vielleicht wissen nicht alle, aber es gibt zum Beispiel fünf Sorten Sauvignon. Es gibt
- 1:22:57Sauvignon Blanc, Sauvignon Gris, Sauvignon Jaun, Sauvignon Rose und Sauvignon Noir. Und dass
- 1:23:02alle fünf völlig unterschiedlich sind und dass in diesem Oxeroir-Gebiet Sauvignon Gris und Sauvignon
- 1:23:09Rose geplant werden, das fasziniert mich zu tief, weil die sind völlig anders als die wenig Kilometer
- 1:23:16entfernten Sensären und Pujifummi weißer Sauvignon. Das ist faszinierend, ja. Und die Weine, die du dort
- 1:23:24erhältst, versuchst du mit denen zu spielen. Also versuchst du, wenn du die Weine selber trinkst,
- 1:23:31wenn du die servierst, immer in dem Schema zu servieren, wie man es urtüblicherweise kennt,
- 1:23:39also sprich kühl, vielleicht im kleinen Glas, oder versuchst du die Weine zu fordern oder einfach
- 1:23:44auch ein wenig extravaganter, mal bei Raumtemperatur zu servieren, vielleicht im großen Glas. Oder
- 1:23:51ist das zu verkopft? Also wie experimentell bist du beim Wein im Allgemeinen? Ich bin gar nicht
- 1:23:57experimentell, sondern ich lasse den Wein sprechen. Das ist viel wichtiger, aber der größte Kampf für
- 1:24:02uns ist einfach, Gäste klar zu machen, dass du ein normaler Lugana oder Soave oder Chablis beim
- 1:24:106 Grad trinken kannst, wenn es dir Spaß macht, ist es okay. Aber dass ein Weiswein, der Qualität hat,
- 1:24:18der viel zu erzählen hat, beim 10 bis 12 Grad viel besser schmecken wird, das ist unseren täglichen
- 1:24:25harter Kampf. Es ist unglaublich schwierig, den Kunden klar zu machen, dass ein Wein nicht
- 1:24:31eisgekühlt werden muss, sondern auch wenn wir mit meiner Frau unterwegs sind im Restaurant eine
- 1:24:35Flasche Weiswein trinken, ich muss betteln, damit die meine Flasche aus dem Eiskübel raus sind. Das
- 1:24:41Ding ist sowas von kalt, das tötet den Wein, das ist einfach so zugesetzt, dass der dir gar
- 1:24:48nichts mehr bringt und ich finde es einfach schade, sonst zelebriere ich den Wein. Ob er 45 Euro
- 1:24:56kostet oder 150 Euro, genau gleich. Für mich ist Wein etwas lebendiges, großartig und der
- 1:25:03Winzer, der es sauber gekältet hat und erzeugt hat, hat es verdient, dass man sein Kind, sein
- 1:25:10Produkt so gut behandelt, dass der Kunde damit Spaß haben wird. Wie stehst du Rosewein gegenüber,
- 1:25:16die ich persönlich relativ oft unterschätzt finde und sowohl gereift als auch jung, teilweise
- 1:25:22wahnsinnig komplex finde und es schade finde, wenn die einfach nur als Trinkwein genommen werden
- 1:25:27und das Potenzial gar nicht oft nicht erkannt wird. Wie ist deine Meinung dazu? Also ich hatte
- 1:25:32versprochen, keinen Name zu nennen, das werde ich jetzt tun. Vor 15 Jahren hat mir ein sehr geschätzter
- 1:25:40Kollege, jemanden, den ich wirklich in meinen Herzen trage, weil es ist ein großer, großer
- 1:25:45Professioneller, das ist Miguel Calero. Er war noch Gasgeber in Vendôme und hat mir gesagt,
- 1:25:51"Wann sind wir? Ich glaube, du bist der einzige Zwei-Stern-Restaurant, der Rosewein im Menü anbietet
- 1:25:57und ich finde das ganz toll und ich finde es auch ganz toll. Rose ist ein Wein, der einen Mehrwert
- 1:26:05verdient und Rose ist etwas anderes als Eis gekühlt mit Eiswürfel oder was weiß ich, serviert wird,
- 1:26:12sondern Rose hat sehr viel zu erzählen. Es gibt natürlich die Terrassen Rose, dann ist es okay,
- 1:26:16aber wir haben zum Beispiel, wir importieren ein großartiger Weingut aus Bandol und dieser Bandol
- 1:26:24Rose ist für mich vielleicht der größte Rose, den wir in Frankreich haben und das ist ein Gastronomie
- 1:26:30Rose. Er passt unglaublich gut in ein Menüfolge und die Leute freuen sich, deutsche Weine zu trinken,
- 1:26:36man muss dieser Wein sehr ernst nehmen. Wie gesagt, du kannst schneiden, wenn du nicht magst,
- 1:26:45wir sind nicht mit Miraval, wir sind mit richtigen Rose unterwegs, also es ist keine Sache,
- 1:26:52wo du Eiswürfel rein schmeißen soll, sondern das ist großartig, ich bin von solchen Weinen absolut
- 1:26:58fasziniert, die sind facettenreich. Du kannst also gerne mit Namen arbeiten, von dem her, ich bin
- 1:27:03da ganz offen und ich finde das manchmal ganz gut, wenn man mit Namen arbeitet, denn wenn man nicht
- 1:27:07diese Erfahrung beziehungsweise manchmal die Namen von dir erfahren kann, von wem sonst. Ja,
- 1:27:13ich möchte niemand beleidigen, ich will niemand beleidigen, das steht mir nicht zu und in jeder
- 1:27:19Flasche steckt so oder so Arbeit, also man muss das auch respektieren, das ist wichtig, aber das
- 1:27:25ist nicht mein Welt, ich bin weit entfernt von diesem Mainstream, sagt man das, leider kein
- 1:27:31deutscher Wort für mich, das ist nicht mein Welt, ich bin gegen einfache Sachen war ich immer,
- 1:27:37das ist einfach nicht mein Welt. Ich habe grundsätzlich auch eine gewisse Bewunderung für
- 1:27:42diese Weine, die Mainstream sind, weil da auch ein Konzept hinter steht, weil auch ein gewisses
- 1:27:46Marketing hinter steht, weil die teilweise eine Daseinsberechtigung haben, auch wenn sie nicht
- 1:27:51meine Welt sind, auch wenn sie manchmal ein Negativbeispiel darstellen, ist es für uns die
- 1:27:57Chance dagegen zu arbeiten und sich dann auf andere Sachen zu fokussieren, aber wie du sagst,
- 1:28:02auch da steckt Arbeit hinter und auch da hat sich jemand Gedanken drum gemacht und sie zeigen
- 1:28:07manchmal so die andere Seite, die Darkseid auf Weinen sozusagen. Aber ich habe die große
- 1:28:14Chance, dass ich im Quartal eine Weinprobe veranstalte bei uns im Unternehmen und da kommen so die
- 1:28:21130 Gäste und sind für zweieinhalb Stunden nur für uns da und ich erkläre den, ich lasse
- 1:28:29ihm Weine probieren, die gerade Rosé, die maschinell erzeugt worden sind und ich sage, probieren
- 1:28:36sie den Wein und sagen sie mir, ob sie den so perfekt finden. Die Antwort kommt meistens raus,
- 1:28:42ja so stellen wir uns Rosé vor. Probieren sie jetzt nochmal und wenn sie die Getrunken haben,
- 1:28:47alle die einen leichten Metallgeschmack spüren, sagen mir bitte Bescheid. Du kannst davon davon
- 1:28:55ausgehen, dass über 50 Prozent der Leute sagen stimmt, das ist ein bisschen was metallisch im
- 1:29:00Abgang, dann sage ich dir erklären warum und zwar, dass wird maschinell geerntet, das heißt,
- 1:29:04das Traubengut wird hinten im Belter geschmissen, irgendwann platzen die Trauben und irgendwann
- 1:29:10von deren zu oxidieren. Diese Oxidation kannst du mit Schwefel nicht mehr korrigieren, dieser
- 1:29:15Metallgeschmack wird immer da bleiben. Wenn aber ein Winzer manuell arbeitet, das dauert länger,
- 1:29:21aber der Traubengut ist perfekt, dadurch wird der Wein zwei, drei Euro teurer, aber dann weißt
- 1:29:28ihr warum ihr das bezahlt, weil der Wein einfach perfekter ist und er ist einfach sauber und das
- 1:29:32muss man einfach honorieren und ich glaube diese schrittweise bei den Kunden bringt immer ein
- 1:29:39Mehrwert und die Leute kapieren das und die vergessen es auch nicht. Manchmal muss man die
- 1:29:43Sachen einfach erklären und erklären was das besondere letztlich dabei ist und dass man,
- 1:29:49weil wir gerade bei dem Thema Rosé waren, so wenig aus, aus dem normalen Rahmen denken muss und
- 1:29:56dann großartige Erlebnisse hat. Gibt es andere Weinarten, Weinstile, wo du sagst, die finden
- 1:30:02viel zu wenig Beachtung, wenn so vor fünf oder zehn Jahren hat man dieses Bewusstsein bekommen,
- 1:30:07dass man Schaumwein, dass man Champagner, dass man Cremon nicht unbedingt nur am Anfang trinken
- 1:30:12kann, sondern den auch durchs Menü trinken kann, am Ende trinken kann, inmitten einer Weinbegleitung
- 1:30:17genießen kann. Welche Sachen hältst du für komplett unterschätzt? Sind es Süßweine, sind
- 1:30:22es Schaumweine, sind es neben Roséwein noch andere Weine? Wir haben im Moment einen absoluten
- 1:30:27Hype, also die letzten zehn Jahren, was Naturweine angeht. Es ist sehr zwischbaldig, weil ich habe
- 1:30:36meine Meinung stark revidiert. Und zwar, ganz am Anfang habe ich immer gesagt, ich kann so was
- 1:30:44nicht riechen und nicht trinken. Das kann ich immer noch nicht, weil ich würde sagen, dass der
- 1:30:49Großteil der Naturweine sind dermaßen voll zu gestoppt mit Bakterien, dass du die gar nicht
- 1:30:54trinken kannst. Aber was ich sehr, sehr gut finde bei der Naturweine ist einfach, dass es junge
- 1:31:00Leute motiviert, Wein zu trinken und allein dafür würde ich die Naturweine feiern. Ich werde die
- 1:31:07nicht trinken, ich werde die nicht verkaufen, aber ich werde die feiern. Sagen wir mal, wenn es die
- 1:31:12Lösung ist, um junge Leute wieder an Wein trinken zu bewegen ist, dann macht bitte weiter Naturweine.
- 1:31:18Aber ich fürchte, dass es bald eine krachende Ende haben wird, weil es ist selten einfach die Spuren
- 1:31:25nicht. Wir haben keine lange Zeit, was die Naturweine angeht, um zu wissen, wie halten die auf die
- 1:31:33Strecke. 10 Prozent davon sind gigantische Weine. Der Rest ist, wie gesagt, dermaßen zugemült mit
- 1:31:41Bakterien, dass du die nicht riechen und trinken kannst. Aber es ist schön, dass es die gibt,
- 1:31:46weil junge Leute damit animiert werden. Das finde ich eine ganz großartige Sache, aber ich finde es
- 1:31:53auch spannend zu betrachten, dass man dieses Thema Naturwein vielleicht gar nicht so stark separieren
- 1:31:59sollte, weil es ja sehr, sehr viele Weine gibt, die nicht als solches dargestellt werden, die aber
- 1:32:05durchaus als Naturweine bezeichnet werden könnten, wenn man es ganz streng nimmt. Es gibt ja auch
- 1:32:10keine gesetzliche Definition, egal wo auf der Welt dafür, wo man sagt, dann ist es ein Naturwein,
- 1:32:15dann ist es kein Naturwein. Und für mich hat mal jemand, etwas fand ich damals oder finde ich
- 1:32:21immer noch sehr schlaues gesagt, dann wenn man nicht merkt, es ist ein Naturwein, dann ist es ein
- 1:32:25guter Naturwein. Also wenn du nicht dieses Plakative hast, dass du sagst, der stinkt aber nach
- 1:32:31irgendwie dem letzten Keller, den der Winzer seit zehn Jahren nicht betreten hat und dann ist es
- 1:32:36faszinierend, weil es ist provokant, sondern wenn es diese Naturlichkeit, was ja der Name Naturwein
- 1:32:41schon sagt, wenn es diese Naturlichkeit lebt, dass ich mich natürlich wohl mit dem Wein fühle. Also
- 1:32:47wenn ich dem Wein trinke und ich merke, der Wein tut mir etwas Gutes und ist natürlich produziert,
- 1:32:54dann ist es ein guter Naturwein. Das ist richtig. So ist es. Sie ist zu altes Säcke, haben eine
- 1:33:01gleiche Meinung. Haben sich langsam davon überzeugen können, aber es ist natürlich auch ein langer,
- 1:33:06schräger Weg da gewesen und oftmals sind es die provokanten Sachen, die einen auf etwas
- 1:33:11aufmerksam machen, aber man verkennt dann dabei, dass es, weil wir ja gerade in Frankreich sind
- 1:33:16beziehungsweise viel darüber geredet haben, dass es in Frankreich so viele Gegner in Andalua,
- 1:33:19teilweise in Bourjollet, teilweise im Jura, in südwestlichen Frankreich so viele Gegnern gibt,
- 1:33:24diese Art von Wein schon seit Jahrzehnten, seit den teilweise 70er, 80er Jahren produzieren und nicht
- 1:33:30seitdem Instagram modern geworden ist und man das rauf und runter irgendwie postet oder manche
- 1:33:36Weine in vierstelligen Betrag dann irgendwo aufrufen, weil sie besonders selten sind oder
- 1:33:40jeder diese irgendwo mal probiert haben muss. Es gibt diese Natürlichkeit der Weine schon seit sehr
- 1:33:45langer Zeit und auch die Pflege darum. Das ist etwas großartiges und damit glaube ich ist auch jetzt
- 1:33:51red ich mehr als du. Das ist eigentlich schrecklich, weil du ja mal im Gas bist. Nein. Aber damit ist
- 1:33:55auch diese Frage außer Kraft gesetzt, ob diese Weine halten können. Natürlich können sie halten,
- 1:34:00wenn sie gut gemacht und natürlich gemacht sind. Nur diese künstlich irgendwie allein gelassen,
- 1:34:05so wie Kinder, die du irgendwo alleine lässt und sagst er zieht dich mal selber, die haben etwas
- 1:34:09extravagantes, etwas provokantes, sie sind irgendwo amüsant, aber irgendwann sind sie verloren und
- 1:34:15so sind diese Weine auch manchmal verloren. Aber sanft begleitete Kinder sind wie sanft begleitete
- 1:34:19Weine etwas großartiges mit viel Potential. Wir haben wirklich zu kämpfen gegen Klischees,
- 1:34:28gegen Vorurteile und von, es war immer so. Es ist einfach so, das war immer so und der Wein darf
- 1:34:35aus dieser Region nicht mehr als 450 Euro kosten. Es ist unglaublich schwierig, es ist ermüden und
- 1:34:43es ist unfair. Und zwar, es gibt ein gegen Frankreich, wo wir im Moment stark investieren, weil wir
- 1:34:50unglaublich überzeugt sind davon, dass sie die Gegend von Müskadee und das sind, es sind Winzer da,
- 1:35:00die parzellenweise vinifizieren, die nicht mehr nur im Glastank unterirdisch vinifizieren, sondern
- 1:35:09teilweise in Terracotta Gefäße, teilweise in Fässer vinifizieren und die machen Weine,
- 1:35:18die sind großartig. Wir haben vor 15 Jahren die Weine von Jerome Bretaudou importiert. Jerome ist
- 1:35:25dieses Jahr als Winzer des Jahres beim Larvue du Vende France, das ist unseren Wienum oder unseren
- 1:35:31Falsterwein oder egal was in Frankreich. Ich habe sogar Leute aus Frankreich auf unsere Website bestellt
- 1:35:37haben, weil die Weine innerhalb von einer Nacht nicht mehr gefunden haben und die Weine von Jerome
- 1:35:42sind so subtil, die sind so entwickelungsfähig. Ich habe vor kurzem ein 20er von ihm probiert,
- 1:35:48das war ein Offenbarung. Das sind Weine, die so viel zu erzählen haben, das sind teilweise Gabro
- 1:35:55unter Böden, das heißt also, das sind vulkanartige Gesteine, das sind Weine, die phänomenal gut
- 1:36:03sind. Und dann habe ich einen jungen Winzer neu im Programm auch, der mir gesagt hat, ich kann
- 1:36:08nicht mehr als dieser Preis nehmen, das wird sonst nicht verkauft. Und ich finde einfach,
- 1:36:12wenn du den Wein probierst, du hast mehr Spaß, also wenn du in Sancère geht oder in irgendeine
- 1:36:19Appellation, in Chablis, das sind Weine, die sind so emotionsvoll, aber die müssen begleitet werden,
- 1:36:26begleitet von uns, von Fachleuten, um den Leuten klarzumachen. Müskade war das Gesöff an der Theke
- 1:36:33mit einem Austern, das ist vorbei, das sind Weine, die unfassbar viel zu erzählen haben,
- 1:36:38sehr mineralisch mit nicht so viel Alkohol, aber unendlich elegant. Und das ist ein total
- 1:36:45Unterschätzenecke Frankreich, das wird kommen. Aber dann sind die alle wieder zu spät.
- 1:36:50Müskadesen teilweise ganz großartige Weine, die sich in den letzten Jahren wahnsinnig entwickelt
- 1:36:55haben, ganz eigene Identitäten, vor allen Dingen auch in dem Zeitgeist, sehr präsent sind. Aufgrund
- 1:37:00der Differenziertheit, der Feingliedrigkeit, der Frische auch der Weine und der Authentizität,
- 1:37:06der Unverkennbarkeit, dass man sagen kann, diese Art von Weine gibt es sonst nirgends auf der Welt,
- 1:37:11sondern eigentlich nur dort. Und da gibt es teilweise sowohl eigentlich fast in jedem Land,
- 1:37:17ganz spezielle kleine Entdeckungen, die ganz großartig sein können, die besonders sein können.
- 1:37:23Höre mir bitte kurz zu. Es geht um Poesie. Und das ist beim Wein nicht unerheblich. Also Poesie ist
- 1:37:49eine Form der Dichtung, die Sprache in verdichtete und oft gereimte oder rhythmische Strukturen
- 1:37:56übersetzt. So der Duden. Um Gedanken und Gefühle prägnant auszudrücken. Sie bedient sich dabei
- 1:38:03mit Haferenglangenmustern und Wortwahl, um im Leser Bilder und Emotionen zu wecken. Durch diese
- 1:38:09komprimierte Kraft schafft Poesie eine besondere Intensität, die im Alltag verborgene Bedeutung
- 1:38:14sichtbar macht. Natürlich ist Wein Poesie und der Gipfel von Wein und Poesie ist ein Rosé. Stimmst
- 1:38:22mir zu? Also lasst mich bitte so rangehen. Wein wird nicht selten als eine formkünstlerischen
- 1:38:28Ausdrucks gekennzeichnet. Stimmt oder stimmt nicht? Die, wie Poesie, mit Nuancen, Rhythmus und
- 1:38:34Sinnenseindrücken spielt, um im Mund Emotionen zu wecken. Ein Rosé gilt hier als der Gipfel dieser
- 1:38:41Verbindung. Weil seine zarte Lachsfarbe, die feinlitrige Aromatik von oftmals roten Bärenblüten,
- 1:38:47sowie seine lebendige elegante Struktur, die Leichtigkeit und Präzision eines wohlgesetzten
- 1:38:54Verses verkörpert. Ich brauche ja nicht um den heißen Brei herumreden, natürlich habe ich ein
- 1:38:59Rosé konkret im Sinn. Den 2024er Rosa del Rosa aus dem Hause Spirino. Ein Rosate aus dem Piedmont.
- 1:39:06Dieser Rosé steht symbolisch für jenes pointierte Zusammenspiel von Substanz und
- 1:39:12Grazia, das sowohl im Gedicht als auch im Glas höchste voller Endung findet. Lass
- 1:39:17mich das weiterführen. Im Herzen des Montferrato. Da, wo sich sanfte Morenen käme, an Kalkhalt
- 1:39:24die Geschichten schmiegen. Schönes Bild, oder? Liegt die Properietta Spirino, gegründet 1999
- 1:39:30vom Paolo und seinem Sohn Luca de Marchi. Gemeinsam haben sie ein altes Erbe aufleben lassen.
- 1:39:37Eins war das Castello di Lesona. Im 14. Jahrhundert sitzt der Spirino-Dynastie, der Ärzte dem Wein
- 1:39:45seine erste Legende schrieben. Nach Jahrzehnten des Schweigens, als die Rebfläche auf 2,5 Hektar
- 1:39:52schrumpften, führte Vater und Sohn die Ländereien in ein neues Licht, pflanzen alte Rebsorten wieder
- 1:39:58aus und erneuerten den Kanavese und Lesona-Doc mit einer Vision aus Nebiolo, hier Spanner genannt,
- 1:40:06und Vespolina den zarten Rosik zu kreieren, der die leuchtende Seite des Piemont zeigen soll.
- 1:40:12Wenn man den Boden brührt, spürt man den Feinsanz, der einst im Urmeer lag, und darunter das rauere
- 1:40:20Fragment von alpidenen Granit, das von dem Gletscher des Monte Rosaier getragen wurde.
- 1:40:26pH-Werte von 4,5 bis 5,5 so niedrig wie kaum anderswo, Zeugen von der Säure, der Stelle,
- 1:40:34die in jedem Wein jene salzige mineralische Spur hinterlassen, die man bei Spirino als
- 1:40:39unverkennbares Erkennungszeichen wahrnehmen kann. In dieser Symbiose aus Sand und Kalk reifen
- 1:40:46die Nebiolo- und Vespolina-Trauben deren Schalen beim kurzen Meisterstand ihre zarte
- 1:40:51rosa Farbe abgeben, bevor sie in die Stahltanks entweichen. Sechs Monate ruht der Wein zur
- 1:40:58Relie, also die Edelstahltanks auf der Feinhefe, ohne Schönung und doch klar wie ein Gebirgsbach.
- 1:41:04Das klingt wieder philosophisch, aber es ist in der Tat so, wenn man die bei dem Glas hat,
- 1:41:08man hat das Gefühl, die Frische eines Gebirgsbares zu riechen, natürlich auch auf der einen Seite
- 1:41:13diese ganz feinen Pfingstrosen, diese lebendige Zartflorale, aber die Klarheit. Zeichnet diesen
- 1:41:19Wein aus und macht ihn so unfassbar besonders, ungeschürt, ungefiltert, lebendig. Und ich weiß
- 1:41:26nicht, ob ich diesen Wein als Floral, als Fruchtig, als Kräutrich, als Würzig bezeichnen würde. Er ist
- 1:41:31so vieleblich, so formbar mit dem richtigen Glas, mit der richtigen Temperatur, mit der richtigen
- 1:41:36Speise, dass es ein Erlebnis wird, ein Erlebnis für die Sinne, eine neue Definition des Roses und
- 1:41:42Poesie. Ein großes Dankeschön für diesen Hauch Poesie, der Propeietta Sperino aus dem Clermont und
- 1:41:49dem deutschen Importeur, dem Handelshaus Konsio Vini.
- 1:41:53Weil du Bewertungen erwähnt hast, sind Bewertungen für dich in irgendeiner Form wichtig, hilfreich,
- 1:42:09sind sie eher der große Schmerz der Weinwelt oder der Gastronomiewelt, wie stehst du dazu, weil
- 1:42:16ihr ja natürlich auch viele Bewertungen erhalten habt, aber manchmal, dass natürlich dann auch zur
- 1:42:21Last wird oder eben auch beschwerlich wird, da jeden Tag mitzugt. Es ist so, wo bleiben wir bei
- 1:42:28unsere Weinwelt, unsere Weinimport. Es bestätigt uns, wenn so ein Vinservigerum brettet oder
- 1:42:37Julienauru im Bergerat gerade als Aufsteiger des Jahres gewählt wird. Was schmerzt denn einfach
- 1:42:44diese, ich kann es sagen, ich bin so frei, diese Rattenkollege, Importeur, die einfach sehen,
- 1:42:52der hat eine super Bewertung bekommen, dann schreiben wir den an, ob er eventuell mit uns
- 1:42:56arbeiten möchte und dann sind diese Winzer so fair und nehmen mit mir Kontakt auf und sagen,
- 1:43:02pass mal auf, ich habe von denen, von denen und von denen eine Anfrage, was soll ich machen,
- 1:43:06wenn es so, dann ich bin auch fair und sage den Winzer, das ist dein Geschäft, du musst
- 1:43:11wirtschaftlich überleben, also entscheidest du, was du machst, ich kann dir nur sagen, wenn du bei
- 1:43:15denen Wein platziert, dann bin ich raus, meistens bleiben die bei uns. Das ist der Fluch von den
- 1:43:21Bewertungen, du fühlst dich bestätigt, du bist die schönste Frau Deutschlands, Ura, das habe ich
- 1:43:26immer gewusst, aber dann auf einmal kommen zehn Typen und wollen diese Frau schamieren und das ist
- 1:43:32eben der Fluch von diese Bewertung, wie ich dazu stehe, ich brauche die nicht, um meine Arbeit
- 1:43:38zu tun. Meine Arbeit ist ein Beispiel, ich bin Schnüffler, ich muss die Winzer finden, die mich
- 1:43:43interessieren und ich mache das alleine. Hältst du sie aber trotzdem für die Winzer selber für
- 1:43:50wichtig? Einfach, also viele Weintester haben mir den großen Vorteil, dass sie global oder
- 1:43:57dass sie national verkosten und eben nicht nur in diesem einen Dorf, was vielleicht manchmal ein
- 1:44:02Winzer macht und haben dadurch einen anderen Überblick und können ein anderes Qualitätsniveau
- 1:44:06vielleicht in dem Wein erkennen und das dann entsprechend ausloben. Auf der anderen Seite ist
- 1:44:11sowas natürlich dann, es ist auch ein Geschäft in gewisser Weise, sowohl von einem als auch von
- 1:44:17der anderen Seite. Daher bin ich da so ein bisschen gespalten, ich finde Bewertung auf der einen Seite
- 1:44:21sehr hilfreich, weil sie vielen Winzern einfach auch zeigen, vielleicht wo sie stehen oder welche
- 1:44:27Wertigkeit sie mit ihren Wein einer globalen oder nationalen Betrachtung haben. Auf der anderen
- 1:44:33Seite können sie natürlich auch verunsichern und können eigentlich auch den intuitiven Stil verunsichern.
- 1:44:37Weißt du was ich damit meine oder? Nein, natürlich weiß ich was du damit meinst, aber die
- 1:44:42Leute, die Beurteilung bewerten, haben die schon in einem Weinkeller gearbeitet, haben die schon
- 1:44:47ein Wein gekältet, vinifiziert. Also ich nehme drei Leute, die ich sehr schätze, weil ich finde einfach
- 1:44:53ihre Beurteilung immer sehr gut. Das ist einmal Ulrich Sauter, dann habe ich Stefan Reinhardt
- 1:44:58und dann habe ich der Kollege, der für die FAZ ab und zu schreibt. Ich habe seinen Namen nicht
- 1:45:04in meinem Kopf und ich finde einfach diese Leute arbeiten sehr gut. Stefan Reinhardt schreibt regelmäßig
- 1:45:10damals für Parker. Das hat schon Hand und Fuß, was er sagt. Also das ist sich jemand, der wirklich
- 1:45:15extrem spitzt ist in seine Bewertung und ich mag den gerne, aber es gibt sehr viele, die bewerten
- 1:45:22und haben noch nie in ein Weinkeller gearbeitet, wissen gar nicht wie es ist. Also ich finde einfach
- 1:45:27für Bewerten musst du schon wissen, was da überhaupt für Schmerzen sind und wie der Wein
- 1:45:33gemacht ist und wo der gemeint gemacht ist. Also ich bin sehr züchspaltig für so was. Ganz ehrlich,
- 1:45:39das ist wichtig. Aber grundsätzlich findest du es schon interessant oder gut, dass es Menschen gibt,
- 1:45:45die sich intensiv damit beschäftigen und letztlich auch die Arbeit der Winzer publizieren, anerkennen
- 1:45:51in einer gewissen Art und Form und Weise. Auf alle Fälle, ich finde es schon sehr wichtig, dass man
- 1:45:56über Wein spricht. Das ist ganz entscheidend. Das ist wichtig, dass Journalisten über Weingebiete,
- 1:46:05Weinregionen sprechen, damit die Leute interessiert sind und diese Weine probieren wollen. Ich habe
- 1:46:10ein Problem mit negativen Kritik. Das ist immer mein Ding, das war immer so. Weil es ja oftmals nicht
- 1:46:15wertschätzend ist beziehungsweise man nicht versucht zu verstehen, sondern einfach nur eine Meinung
- 1:46:21laut Rausposition. Ich bin da auch gespalten und wahrscheinlich ist das unser beider Problem,
- 1:46:28da wir nicht mehr 20 sind mit sozialen Medien. Es ist ein Zeitzeugnis, das sozial medial wie
- 1:46:38Instagram oder sonstiges zu publizieren. Aber oftmals ist es eben nicht fundiert oder ernsthaft
- 1:46:43gemeint. Wie kann man damit umgehen? Also wie kann man mit Weinempfehlungen, Weinpräsentationen,
- 1:46:49Weinbewertungen im Social Media, was ja relativ schnell ist, teilweise unfundiert ist? Kann man
- 1:46:55das ernst nehmen? Nimmst du sowas ernst? Lässt du dich davon inspirieren oder magst du das gar nicht?
- 1:47:00Ich nehme alles ernst. Aber was ich nicht bewerten oder verstehen kann, lasse ich einfach anderen
- 1:47:07Leute machen, weil das ist einfach nicht mein Welt. Ich bin ein Mensch der Kommunikation und nicht
- 1:47:13Kommunikationsscheiben, sondern Kommunikationssprechen. Ich war immer ein Schwarzer und ich möchte es
- 1:47:18bleiben und ich spreche gern Augen im Augen mit allen, die es wissen möchten. Ich bin da so ein
- 1:47:23bisschen gespalten in diesem Instagram Rausch, den man dann letztlich irgendwo hat, wo man teilweise
- 1:47:29auch Ideen bekommt, die man selber vielleicht so nicht hatte, aber man zwischen schwarz und weiß
- 1:47:35relativ stark immer unterscheiden muss. Also jeder glaubt, eine Meinung zu haben. Manchmal fragt man
- 1:47:41sich, wer hat dich um deine Meinung gebeten, aber es ist, was ist gut, was ist nicht gut dabei?
- 1:47:46Also mich wird Social Media, Instagram, Facebook oder TikTok oder alle, wie die heißen, nie bewegen,
- 1:47:54ein Wein zu kaufen oder zu probieren, ganz ehrlich. Es gibt für mich Kriterien, die sehr wichtig sind,
- 1:48:01wenn ich einen Ecke nicht kenne, einen Wein nicht kenne und einen Wein probieren möchte. Das ist
- 1:48:06zuerst die Optik. Die Etikette ist für mich extrem wichtig und dann beschäftige ich mich mit
- 1:48:13dieses Produkt und versuche mal per Internet zu wissen, was andere darüber geschrieben haben
- 1:48:20oder denken und die Website von den Winzer, wie sie aufgebaut, wie erklärt er seine Arbeit, warum
- 1:48:26ist es so? Aber für mich ist diese optische Blick das erste, ganz wichtig, sehr, sehr wichtig. Wie
- 1:48:36oft haben wir Weine gehabt, die sehr gut waren und die Etikette war wirklich unter alles so und
- 1:48:42das verkaufst du eben nicht. Interessant, weil das Etikett missachten ja viele, also viele, die sowohl
- 1:48:49von der Weinprobierenden als auch von der Weinproduzierenden Seite sind und daher finde ich
- 1:48:53super interessant, dass du sagst, es auch getränkt mit, also dass man die Flasche vor sich stehen hat
- 1:48:59und das Etikett auch einordnet. Nicht nur das Silvio, ich glaube, es ist ganz wichtig, dass wenn du
- 1:49:07eine Flasche Wein bestellst, mich ärgert es immer im Restaurant, dass diese Flasche Wein 10 Meter
- 1:49:12von mir entfernt bleibt. Ich möchte die Flasche sehen, ich möchte die Flasche umdrehen, schauen,
- 1:49:18wie viel Prozent Alkohol hat er, hat der Winzer eine Information hinten geschrieben über den Boden,
- 1:49:23über die Klima, das Klima, über, es sind ethische Informationen auf eine Weinflasche, die der
- 1:49:30Konsument gerne lesen möchte. Also wenn der Wein dekantiert ist, bitte stell mal, wer es nur für
- 1:49:3510 Minuten die Flasche in meine Nähe, damit ich die sehen kann. Das ist wichtig, ich möchte einfach
- 1:49:41diese Information lesen. Die Flasche ist für der Kunde gemacht, er muss die anfassen können,
- 1:49:47schauen können, wer hat das gemacht, warum, wieso, weshalb. Und das ist wichtig, lasst die Flasche
- 1:49:53in der Nähe der Kunde. Das ist für mich ganz, ganz wichtig, viel wichtiger als ein Insta auftritt.
- 1:49:59Wie sieht für dich dann eine perfekte Präsentation der Flasche aus? Also was sollte der Mitarbeiter
- 1:50:05der Kellner über den Wein transportieren, seine eigenen Eindrücke, die das wissen, was er da
- 1:50:11darüber hat, über den Boden, über die Art, wie der Wein gemacht ist. Es kommt natürlich immer auf
- 1:50:16den individuellen Gast drauf an, aber grundsätzlich betrachtet, wie lange sollte so eine Weinpräsentation
- 1:50:21aussehen, damit der Gast unterhalten wird, der Mehrwert, den man im Restaurant letztlich aufbringt,
- 1:50:27auch damit gerechtfertigt ist und man einen, einen Intro für diesen Wein bekommt, dass man ihn
- 1:50:32genießen kann, verstehen kann. Ja, das hängt erst von der Konstellation an. Wenn ich mit jemanden
- 1:50:40in einem Restaurant sitze und möchte mich mit ihm unterhalten, dann möchte ich so wenig wie
- 1:50:44möglich unterbrechen werden. Wenn ich aber, wie es so oft in drei Sterne Restaurants passiert,
- 1:50:50ein alter Sack bin mit einer jüngeren Dame und wir haben uns sehr wenig zu erzählen,
- 1:50:55dann bin ich froh, wenn jemand überhaupt mit uns redet. Also an der Wein Kellner vielleicht
- 1:51:00mal ein bisschen mehr zu tun, um den Leuten zu unterhalten. Das ist wichtig. Aber letztendlich
- 1:51:06sollte er die Fragen beantworten, die ich ihm stelle oder der kann einfach einen Anstoß geben und
- 1:51:13sagen, der Wein kommt von der südliche Rhon. Dort sind die Böden übersät mit Geröllgestein, die den
- 1:51:22ganzen Tag Sonne speichern und abends wieder in den Boden geben. Daher ist der Wein etwas reifer,
- 1:51:28runder, alkoholreicher. Dann ist es gut und wenn der Kunde die nächste Frage stellt,
- 1:51:33dann sollen er die beantworten. Aber wie gesagt, ich war nie gut beim Zuhören in der Schule. Also
- 1:51:40ich möchte auch da irgendwann eine gewisse Ruhe haben. Aber ich denke von der Konstellation an und
- 1:51:45dann habe ich natürlich den Hang, dass ich, wenn ein Essen fünf Stunden dauert, dann trinke ich zwei
- 1:51:50Flaschen mit meiner Frau, dann sind wir beide dermaßen knülle. Das ist einfach kein Spaß mehr
- 1:51:54macht und nein, ich will einfach den Moment genießen, aber ich möchte auch entscheiden, wann
- 1:52:01stehe ich hier auf und wann gehe ich nach Hause und ich möchte nur drei Gänge essen, weil ich einfach
- 1:52:06diese acht Gänge mit meinem Alter nicht mehr verkraften kann und nein, ich bin so glücklich wie
- 1:52:12ich bin. Ich will authentisch essen, ich will irgendwo Produkte essen, die sehr gut sind und ich
- 1:52:20möchte ein Wein entdecken, aber nicht so, dass ich eine Stunde jemandem einen Tisch habe, der mir
- 1:52:27über den Wein baller wird. Wie groß ist eine optimale Weinkarte für dich? Eher 45 Position? Es gibt
- 1:52:33teilweise Weinkarten mit 3000 Position. In einem Restaurant, worüber freust du dich? Sind es 100,
- 1:52:38sind 200, sind es 10 Positionen, die gut ausgewählt sind? Ich liebe Weinkarten, ich liebe durch zu
- 1:52:45blättern, ich liebe Sachen gereif zu sehen, aber ich liebe es auch mit meiner Frau irgendwann
- 1:52:51widersprechen zu dürfen. Also das heißt, ich will damit zehn Minuten beschäftigt sein, dann ist es
- 1:52:57gut. Das ist mein Welt, deswegen kann ich verstehen, dass Gäste damit teilweise überfordert werden,
- 1:53:05das ist nicht, weil du 3000 Position hat, dass du ein Stern mehr bekommen wird, sondern es vielleicht
- 1:53:12überforderst du auch langsam alle, das ist das Problem. Aber unsere Welt der, es hat vielleicht
- 1:53:17mit einer Frage nicht zu tun, unsere Welt der Weinkeller hat dich auch unglaublich entickelt.
- 1:53:21Früher war das Gang und Gebe, dass man Jahrgänge gelagert hat und reifen gelassen hat. Heutzutage
- 1:53:28durch unsere steuerliche Belastung können wir uns das kaum noch erlauben, deswegen würde ich mal
- 1:53:35gern gespannt wissen, wie viele von den Flaschen da unten liegen und es passiert regelmäßig,
- 1:53:41wenn du ein Wein gefunden, der dir gefällt, der ist gerade nicht da. Klar sicher, das ist passiert
- 1:53:47überall, aber also mich, mich fasziniert es nicht mehr, eine dicke Weinkarte zu bekommen. Neben
- 1:53:53Weinkarte gibt es ja auch Wein-Leben, gab es mal ein Weinladen, der dich total begeistert und
- 1:53:58inspiriert hat auf deinen Reisen? Ja, weil ich, weil ich gelernt habe in dieser Weinladen,
- 1:54:05denn gibt es nicht mehr, weil die sich einfach übernommen haben, aber das war Boulevard de la Madeleine
- 1:54:11in Paris, das war La Vigne. La Vigne war für mich der Becken für Entdeckung und das war,
- 1:54:18das ist genau was mich fasziniert. Ich will, ich will kein Bordeaux, ich will kein großer Burgonda
- 1:54:24sehen, sondern ich will außergewöhnliche Winzer aus Ecken Frankreich, die darauf warten,
- 1:54:32entdeckt zu werden und geholfen zu werden, weil die Weine außerordentlich gut schmecken. Das,
- 1:54:39das ist was für mich fasziniert. Und La Vigne war so ein Laden, der, der war permanent voll,
- 1:54:45das war eine Fundgrube und ich war stundenlang da drin, das war so schön, das machte wirklich
- 1:54:51Spaß, schade. Wo hat es bei dir angefangen, deine gastronomische Laufbahn, bei der Hotelfachschule
- 1:54:56in Straßburg seinerzeit soweit? Ja, aber ich war ein Lümmel, mich interessierte Wein so gut wie
- 1:55:03gar nicht. Ich war dann im Restaurant Meld, in Berlin, mit zwei Michelin-Sternen. Ich war total
- 1:55:08überfordert mit diese gigantische tolle Weinkarte. Dann war ich beim Franz-Skeller in Köln als Obekannter,
- 1:55:16da hatte ich es angefangen zu kitzeln, weil ich war verantwortlich für die Weine. Ich sagte, wenn
- 1:55:19ich schon, dann muss ich was verstehen davon. Und das hat da angefangen und hat seinen Lauf genommen.
- 1:55:25Warum Deutschland? Also warum nach Straßburg Deutschland? Gab es da ein Angebot, was großartig
- 1:55:31war oder was die Liebe, die dich hierher gezogen hat oder was hat dich an Deutschland inspiriert?
- 1:55:36Es ist alles zusammengekommen. Was mich an Deutschland inspiriert hat, ist, was ihr alle
- 1:55:40Deutschen nicht versteht und nicht sieht. Deutschland ist ein großartiges Land, wo jeder,
- 1:55:49der morgen aufsteht, sein Aufgabe nachgeht, er vollgaben kann. Aber nein, der Deutsche sagt am
- 1:55:54liebsten, es ist eine Scheiße hier, es ist alles langweilig, es ist alles teuer, es ist alles,
- 1:56:00es ist gar nicht wahr. Deutschland ist ein Land, wo jeder, der tüchtig ist, immer noch großen Erfolg
- 1:56:06feiern kann. Und das habe ich sofort verstanden. Ich komme aus einem Land, wo es nur elitär geführt
- 1:56:13wird. In Deutschland kann derjenige, der auch in der Schule gescheitert ist, auch großen Erfolg
- 1:56:19feiern kann. Und das war mir von vornherein klar. Ich habe Deutschland immer gemacht und ich habe die
- 1:56:24deutsche Sprache immer geliebt und ich bin hier. Deutschland hat mir alles gegeben. Es hat mir meine
- 1:56:30Ehe gegeben, meine beiden Kinder, mein Erfolg, mein wirtschaftlichen Erfolg. Ich bin glücklich hier.
- 1:56:35Ein Journalist hat mich mal irgendwann gefragt, was ist der Unterschied zwischen Deutschland und
- 1:56:42Franzose? Dann habe ich gesagt, es ist ganz einfach. Der Deutsche, der steht morgen auf, mault und geht
- 1:56:48zur Arbeit. Und der Franzose, der steht morgen auf, mault und legt sich wieder hin. Es ist so. Deutschland
- 1:56:58ist nicht jeden Tag rosig, Deutschland ist nicht jeden Tag spaßig. Aber du kannst noch was bewegen
- 1:57:03in Deutschland, glaubt mir. Ihr geht nach Frankreich in Urlaub, Spanien, Italien, Österreich und sagt,
- 1:57:09meine Gott, ist das toll hier. Klar, ihr habt Geld in der Tasche, ihr habt keine Sorge, ihr habt nur
- 1:57:15Einzimsinn. Wo gehen wir heute essen? Wo gehen wir spazieren? Welchen Museen? Wenn ich so jeden
- 1:57:20Tag in Deutschland leben würde, würde es mir auch noch mehr gefallen. Aber wenn du in Frankreich
- 1:57:24lebst und die Tatsache des täglichen Leben erfährst, dass du teilweise sechs Monaten wartest, um ein
- 1:57:30Telefonanschluss zu bekommen, weil alle faule Säcke sind oder total besoffen in dein Ecke und keine
- 1:57:35Lust haben zum Arbeiten, dann sagst du nicht mehr, warst du ein tolles Land? Nein, es ist, du musst
- 1:57:41die Sachen nüchtern, betrachten. Deutschland macht schon Spaß und wir haben tolle Weine in
- 1:57:46Deutschland. Sag sofort ja, Silvio, sag sofort ja. Ich bin beeindruckt, ich bin beeindruckt sowohl von
- 1:57:52dieser Betrachtungsweise als eben auch von dir stetig gelebten Demut. Also was du, was ich am
- 1:57:58Anfang schon sagte, du hast eine Meinung, du stehst zu deiner Meinung, du gibst deine Meinung
- 1:58:03auch zum Besten, was vielen anderen auch hilft, auch wenn es streitbar ist. Also auch wenn man sagt,
- 1:58:07ich bin vielleicht nicht der Meinung, man kann ja einer anderen Meinung sein, aber zumindest hat
- 1:58:12man damit einen Diskussionspunkt, woran man sich entweder stoßen kann oder eben dem beiflichten
- 1:58:17kann, aber es regt zum Nachdenken an. Und deine Betrachtungsweise über Deutschland finde ich
- 1:58:21absolut großartig und total begeisternd und eben auch der deutsche Wein ist großartig, ist
- 1:58:26einzigartig. Ja, aber ich bin, weißt du, wir haben gerade ein Buch rausgebracht, Silvio, und das
- 1:58:33ist ein großer Erfolg, wir haben schon 20.000 Stück davon verkauft, wir sind bei der Spassviertel
- 1:58:37Sellerliste, das ist sehr viel, unsere Geschichte in Deutschland, ein Tisch am Fenster und überall,
- 1:58:44wo ich eine kleine Bühne bekomme, ob es drei nach neun ist oder das rote Sofa oder die
- 1:58:51ganzen Artikel, die ich schreibe, wo es über uns geschrieben wird, da habe ich immer versucht,
- 1:59:00die deutsche Position zu verteidigen. Ich finde zum Beispiel extrem schade, dass man die Götte
- 1:59:09Sprache nicht besser schützt, man hat uns das SZ weggenommen, es wird in jede zweite Satz ein
- 1:59:15englisches Wort reingeschnissen, es wird, wir haben eine Sprache in Deutschland verdockt nochmal,
- 1:59:20lass uns die doch nützen, unsere Kinder müssen das lernen, es ist eine Sprache, wo Menschen
- 1:59:26ihren Leben riskiert haben, damit sie fortlebt. Und eine zweite Sache regt mich tierisch auf,
- 1:59:33ich bin 1973 zum ersten Mal nach Deutschland gekommen als Austauschschüler in Sinsich am Rhein
- 1:59:42und bin bei der Schreiner Familie gelandet, das war eine furchtbare Familie, die waren so streng
- 1:59:50und so böse und so schlimm und ich habe abends um 17.30 Uhr müssen wir am Tisch Platz nehmen und
- 1:59:58dann habe ich ein Holzbrett bekommen mit ein Stück Wurst, ein Stück Käse, ein bisschen Butter,
- 2:00:04Graubrot und ein Glas Limonade. Ich habe geweint, ich habe geweint, meine Mutter angerufen und
- 2:00:11dann habe ich gesagt, Mama, die essen kalt und um 17.30 Uhr hier, dann hat meine Mutter gesagt,
- 2:00:15du musst dadurch, das ist eben so. Und heutzutage, zwischendurch sehe ich um 18 Uhr auf den Straßen
- 2:00:22von Köln, überall Fahrräder unterwegs, mit bestellten Pizza, Gyros, Salami, was weiß ich und
- 2:00:29das ist das deutsche Abendbrot geworden. Ich finde, wenn ich Politiker wäre, würde ich alles im
- 2:00:35Gang setzen, dass diese verdammte deutsche Abendbrot bei der UNESCO geschützt wird, damit unseren
- 2:00:41Ur-Einkel wissen, früher in Deutschland hat man so gegessen. Und das ist wichtig, das ist ein
- 2:00:47Stück Kultur, gut Deutschland und der musste einfach geschützt werden. Zwischendurch finde ich
- 2:00:52das deutsche Abendbrot eine großartige Sache. Wenn es zelebriert wird und wenn es, ich glaube,
- 2:00:56da gibt es aber Parallelen auch zu eurer Art, also in Frankreich, da schuldige ich dich jetzt noch
- 2:01:01nach Frankreich stecke, aber nach der französischen Tischkultur ist es Kommunikation, es ist
- 2:01:06beieinandersitzen und es ist sich austauschen, es ist reden und der große Nachteil eben bei diesem
- 2:01:11Lieferservice, der letztlich herrscht, dass jeder für sich alleine ist oder oftmals für sich
- 2:01:17alleine ist und man nicht an einem Tisch ist und sich vom Fernseher, vom Internet oder vom Spielen,
- 2:01:22was auch immer, aber man sitzt nicht mehr beieinander, man kommuniziert nicht mehr und das
- 2:01:28ist, glaube ich, eigentlich eher das, was noch trauriger ist, neben dessen, dass man nicht selber
- 2:01:33kocht oder nicht das Essen zelebriert, was ja es wird zum Stoff wechseln und es ist nicht mehr der
- 2:01:39Genuss, den man eigentlich damit auch mit Graubrot, auch mit guter Wurst oder mit gutem Käse letztens
- 2:01:44zelebrieren kann. Und das ist Tradition, das muss man einfach so sehen. Es ist deutsche Tradition.
- 2:01:49Nicht nur deutsche, also ihr macht das vielleicht anders als in Deutschland, aber am Tisch sitzen
- 2:01:55und Familie genießen, Menschen genießen, Interaktion, das ist erstrebenswert und vielleicht ein Ziel so was
- 2:02:04wieder aufzuleben. Also mir war das persönlich auch mal sehr, sehr wichtig, dass man am Tisch
- 2:02:08zusammenkommt und sich dort austauscht und ja, zusammenkocht, also so wie du es auch jeden
- 2:02:12Abend zelebrierst. Gibt es für dich noch Wünsche, Ziele, Aufgaben, die du vorhast, weil du ja so viel
- 2:02:19schon erreicht hast? Wir haben gar nicht erreicht Silvio, das ist totaler Quatsch. Du warst in der
- 2:02:27absoluten Spitze der deutschen Gastronomie, du bist einer der bekanntesten Gastronomen, die es in
- 2:02:32Deutschland gibt. Ihr habt eines der bekanntesten Bücher geschrieben, die es derzeit oder überhaupt
- 2:02:38in der Gastronomie-Landschaft gibt. Also wenn du nicht viel erreicht hast, wer dann? Also ich mag
- 2:02:45diese Demut, ich mag auch das, dass du tiefstapelst, aber es hat auch damit nichts zu tun. Es hat damit
- 2:02:52zu tun, dass wir Rückschläge haben, wir alle anderen und du stehst von heute auf morgen wieder
- 2:02:57da und musst einfach gucken, dass es vorwärts geht, dass es einfach erwirtschaftet wird, dass es
- 2:03:03einfach Geld verdient wird, dass alles bezahlt werden muss und wir müssen gucken, dass wir unsere
- 2:03:08Rente zusammen stemmen, dass es unsere Kinder auch, wenn die erwachsen sind, das sind und bleiben
- 2:03:13unsere Kinder auch eine vernünftige Zukunft aufgebaut bekommen, dass das alles ist eine tägliche
- 2:03:20Herausforderung. Ich glaube, was Liliane und der Moissonier bezeichnet, ist einfach, wir sind beide
- 2:03:28von zu Hause abgehauen. Liliane, es waren elf Kinder, da gab es gar nichts zu essen, sie musste
- 2:03:35weg und bei mir war das ein Vater, der ein absoluten Despot war und er wollte immer überleben und
- 2:03:41tot entscheiden und wir wollten partout nie da zurück, also es ist eine Flucht nach vorne und das ist in
- 2:03:48der Seele drin und das wird immer so bleiben und wir haben das nie gemacht, um Erfolg zu haben oder
- 2:03:54wir wollten einfach überleben und das wollen wir heute immer noch, es ist nun mal so, das darf
- 2:03:58man nicht vergessen, wir können auf gut Deutsch gesagt nicht unseren Arsch auf ein Stuhl setzen und
- 2:04:04sagen einfach so und jetzt, da kommt wieder die nächste Jodhbotschaft, glaubt mir und die Kollegen,
- 2:04:09die selbstständig sind, die jetzt zuhören werden, vollkommen verstehen, was ich jetzt sage. Es ist
- 2:04:15ein harter Kampf jeden Tag. Lieber Silvio, zum Schluss sage ich, was ich immer sage, weil ich es
- 2:04:23meine, das Leben ist doch schön, oder? Das Leben ist großartig, also das Leben ist großartig und ich
- 2:04:30finde auch, dass wir in unserem Beruf eine Situation, eine Position haben, die einfach großartig
- 2:04:36ist, weil wir mit schönen Dingen zu tun haben, weil wir mit schönen Momenten, auch neben dem Stress,
- 2:04:40auch neben den ganzen wirtschaftlichen Druck, den du erwähnt hast, etwas haben, was bereichernd ist
- 2:04:46und ich möchte mich nicht jeden Tag mit Zahlen beschäftigen und auch wenn ich raus gerade aus dem
- 2:04:51Beruf so aktiv bin, ist es schön, sich damit zu beschäftigen und mit schönen Dingen wie Wein,
- 2:04:56wie Gastronomie und mit Menschen zu beschäftigen. Mit Menschen vor allen Dingen ist richtig,
- 2:05:00genau, ja, es gibt unfassbare, tolle Menschen, die noch zu entdecken sind in unserer Nähe. Das ist
- 2:05:07wichtig. Ja, Silvio, alle, die mit meiner Denkweise nicht anverstanden sind, die können alle ihre
- 2:05:15Meinung auf info@lemoissonier.de. Das schneide ich sehr gerne rein. Beantwortest du jede Nachricht?
- 2:05:25Also jede Nachricht? Ja, die Ernst gemeint ist ja. Also wenn ich merke, da ist jemand, der
- 2:05:32redet nur einen Stüß und dann lasse ich den so mit links liegen, sonst ja klar, natürlich sicher. Und
- 2:05:39ich lasse mich auch gerne belehren. Wenn einer mit konstruktiven Argumenten kommt, dann bin ich
- 2:05:45gerne dabei. Es ist eben, diese Interaktion ist eben die Energie, die wir alle brauchen und das bringt
- 2:05:53mich so oder so weiter und das ist wichtig. Das ist ganz wichtig. Finde ich auch gut. Also dann
- 2:05:59darüber nachdenken. Man hat ja einen Stil, wenn man einen Stil hat, wenn man sich Gedanken
- 2:06:04meistens darum gemacht hat und manchmal verrent man sich auch. Und wenn jemand eine konstruktive
- 2:06:08Meinung hat, finde ich das auch sehr, sehr gut, wenn er die äußert und einem hilft,
- 2:06:12nochmal über seine Position nachzudenken. Das ist richtig, aber das Wichtigste, glaube ich, ist,
- 2:06:17lass einfach den anderen so leben, wie er es am liebsten tust. Und das ist ganz, ganz wichtig.
- 2:06:25Und solange du den nicht stört und er dich nicht stört, dann ist es in Ordnung. Dann ist es okay,
- 2:06:30dass du musst nicht sein Bett, sein Tisch und seine Zahnbürste teilen.
- 2:06:34Respekt und Demut. Das liebt Wasser. Das liebt er wie kaum ein anderer. Und das aber mit Aufrichtigkeit,
- 2:06:49ja, mit Autorität, mit Geradlinigkeit, mit einer unglaublichen, nicht nur Weinliebe,
- 2:06:55Gästeliebe, gastrosophischer Liebe. Er betracht die Dinge realistisch und ich glaube,
- 2:07:00da gehst du mit mir konform. Er ist einzigartig. Danke lieber, warum es auch so unser Gast war.
- 2:07:05Diese zwei Stunden vergingen so unglaublich schnell. Und dieses kleine Zeitzeugnis,
- 2:07:11deine Schaffens, dein Seins, deiner großartigen Leistung, die du so selbstverständlich spielst,
- 2:07:17weil du es bist. Hiermit festzuhalten war eine große Ehre und Freude für uns. Danke,
- 2:07:22dass du uns deine Zeit geschenkt hast, deine Worten, deine Gedanken. Und natürlich auch
- 2:07:26ein Riesen-Dage schön einfach an dich fürs dabei sein, fürs zuhören, fürs mitfühlen, fürs Feedback
- 2:07:33geben, fürs Anregungen geben. Mich würde wirklich mal interessieren, ob jemand wirklich schon alle
- 2:07:40Folgen gehört hat. Sei so lieb und schreib mir. Ich meine, alles zusammengenommen während das
- 2:07:45jetzt fast 80 Folgen über 180 Stunden Zombies, 180 Stunden Podcast, 7,5 Tage am Stück gehört.
- 2:07:53Durch das Feedback auf Instagram, durch die Erwähnung teilweise über E-Mails, merke ich,
- 2:07:59dass einige ziemlich dicht bei uns sind. Also ganz, ganz lieben Dank dafür. Und noch ein ganz
- 2:08:03großes Dankeschön an die Schlumberger-Gruppe, an die Häuser Schlumberger, Segnetz, Konzio Vini
- 2:08:09und an das Privatkundenportal Bremerweinkollekt. Dafür, dass ihr, dass sie uns zur Seite stehen,
- 2:08:16uns begleiten, uns unterstützt, händisch und finanziell. Und dieses Podcast-Format
- 2:08:22eigentlich erst möglich macht. Denn danke Ihnen, ist nach dem Freitag vor dem Freitag,
- 2:08:27ist nach dem Podcast vor dem Podcast und ich freue mich auf die kommende Woche,
- 2:08:32freue mich auf den kommenden Freitag. Freut mich nach Wansom Moussignet auf
- 2:08:35eine neue Somniere und auf meine nächste Gäste aus dem Aquarium Wolfsburg, Anna-Helene Herpers.
- 2:08:53Bonjour, ich bin Jennifer Himmel, Inhaberin vom Lede Dienzbach im Weingutkünstler in
- 2:09:00Hochheim. Wie habe ich Wansom kennengelernt? Über einen gemeinsamen Freund Franz Keller.
- 2:09:06Franz hatte mir damals erzählt, du musst unbedingt mit mir nach Köln fahren, da gibt es ein Unikat,
- 2:09:11le Moussignet, da müssen wir hinfahren. Gesagt, getan. Und so habe ich ungefähr vor 10 Jahren
- 2:09:17Wansom kennengelernt. Umo und Yule kann ich dazu nur sagen, im positiven Sinne, wirklich von der
- 2:09:23ersten Sekunde die Tür aufgemacht, direkt nach Frankreich versetzt gefühlt und dann kommt
- 2:09:29auch noch dieser Gastgeber um die Ecke. Nicht nur äußerlich wirklich charakteristisch mit seiner
- 2:09:36Fliege, sondern auch von seinem Charme, seiner Direktheit. Und ich als Halbnormandin habe leider
- 2:09:42nicht diesen französischen Akson, den ich mir sehr, sehr wünschen würde. Was ich an Wansom sehr
- 2:09:47schätze, ist wirklich diese Direktheit und das zu kombinieren mit diesem Charme. Auch dieses
- 2:09:54verschmitzte, ja wirklich immer das passende Wort dabei und einfach, dass er sich treu bleibt.
- 2:10:03Das finde ich einfach heutzutage ja unverwechselbar und ich habe ihn von der ersten Sekunde mich
- 2:10:12einfach wohl gefühlt. Ein Stück Frankreich in Köln und seitdem begleitet eigentlich Wansom uns
- 2:10:18auch im Restaurant mit seiner tollen Weinauswahl, die Affinität wirklich herausragende kleine
- 2:10:25Weingüter zu finden, hat mich auch direkt beeindruckt und deshalb sind auch einige Weine vom
- 2:10:31Le Moissonier auf unserer Karte. Ja und ich muss einfach sagen, man kann seinem Charme nicht
- 2:10:37widerstehen und ich sage einfach nur Chin Chin. Wassau ist eine Reise wert. Gemeinsam mit seiner
- 2:10:44Frau Lillian, was sie dort 30 Jahre wirklich auf die Beine gestellt haben, ist unverkennbar für
- 2:10:50unser Land, muss ich wirklich sagen. Und ich als Halbfranzösin kann nur sagen Schapo und mach weiter so.
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