Latest / SOMMELIER / Hendrik Thoma - Der Al Pacino der Sommeliers
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- 0:14Mein Name ist Marco Franzig, ich bin Somerle im Wald für der Sonora.
- 0:17Ich bin 13 in Deutschland, ich darf ein paar Worte sagen zum nächsten Gast im Hendrik Thomas.
- 0:22Ich glaube, ich gebe ihm bekannt als Mastsomerle, als Weinhändler im Wein am Limit.
- 0:26Aber auch für mich persönlich ein Mentor, ein großartiger Freund und ein Mensch,
- 0:31den ich immer aufschauen kann und werde und trotzdem der immer erreichbar ist für einen.
- 0:38Ich persönlich hatte den ersten Kontakt mit ihn, als ich noch in der Lehrzeit war in Österreich.
- 0:432005, glaube ich, in zweiten Lehrjahr, habe ich ihn einfach mal auf Facebook angeschrieben.
- 0:49Mit einer Frage und er hat es daraufhin so sehr, sehr ausführlich am nächsten Tag darauf geantwortet.
- 0:54Das war für mich bis heute immer noch eine Anekdote, die ich gerne erzielt, sehr beeindruckend,
- 0:58weil es einfach zeigt, wie nah er an allen Dingen dran ist und trotz seiner Position Anfragen,
- 1:04die er jedes Mal bekommt, nimmt er sich die Zeit, jedem ausführlich zu antworten.
- 1:10Ich freue mich auf das, was er zu sagen hat und bin gespannt und wünsche ganz, ganz viel Spaß.
- 1:15[Musik]
- 1:39Ein herzliches Willkommen zu einer neuen Folge von "Sommelier", die interessantesten Mundschenke unserer Zeit.
- 1:47Mein heutiger Gast, das muss man fairerweise sagen, ist eigentlich kein aktiver Sommelier mehr
- 1:53und doch könnte ich mir keinen interessanteren, prägenderen Gesprächspartner vorstellen als Henrik Thoma.
- 2:00Kaum ein Weinfachmann hat in seiner ganz eigenen, besonderen und charakteristischen Art die Weinzene,
- 2:07die Weinwelt und viele Kollegen so unfassbar geprägt wie Henrik Thoma.
- 2:12Nach seiner fast 20-jährigen Tätigkeit als Sommelier bespielte er nahezu jede Ebene unserer Weinbranche,
- 2:19bezeichnet sich selber als Vino-Tena, Weinhändler und Weinblocker.
- 2:23Das Weinhirus hatte sich bereits während seiner Ausbildung zum Koch in seiner Heimat Güttersloh eingefangen.
- 2:29Darauf folgte ein Aufenthalt im kalifornischen Napa Valley, in der weltberühmten Umherstessolet.
- 2:361999 bestand Henrik Thoma in London die Prüfung zum Master Sommelier.
- 2:42Mehr als prägend war seine Station als Chefsommelier im Hamburger Luizy-Jaco.
- 2:4813 Jahre lang definierte er in dem Femsternahaus Weinkompetenz und Weinentätement komplett neu
- 2:56und machte dieses Restaurant und Hotel zu einer Pegastätte für Weinfans.
- 3:01Nach einem kurzen Aufenthalt als Head of Wine bei der Metro AG hatte Henrik Thoma den innen Wunsch,
- 3:07Wein auf eine komplett neue Art und Weise zu vermitteln.
- 3:11So machte er sich 2009 selbstständig und schuf damit die Grundlage,
- 3:16seine Vorstellung von Wein und Weinvermittlung komplett neu zu denken, neu zu reden und neu zu handeln.
- 3:22Ein weiterer Meilenstein für Henrik war das Jahr 2012.
- 3:27Wegweißend dafür war eine Begegnung mit dem New Yorker Wineblogger und der Social Media Legende Gary V.
- 3:34Dieser inspirierte ihn für seine eigene Weinshow, Wein am Limit,
- 3:38die er seitdem mit einem integrierten Weinhandel leb und mit einer ganz eigenen Leidenschaft neu definiert.
- 3:45Henrik's herausragende Gabe ist gleichzeitig ein Anspruch, komplexes Wissen auf das Wesentliche zu reduzieren
- 3:52und es mit provokanter Leichtigkeit für jeden verständlich zu machen.
- 3:56Das kann er seit vielen Jahren und das kann er auch heute.
- 3:59Und ich bin voller Spannung. Herzlich willkommen lieber Henrik Thoma.
- 4:16Es ist uns eine ganz besondere Ehre und Freude, es ist eine der außergewöhnlichsten Weinpersönlichkeiten
- 4:22einer der namenhaftesten Winzer unserer Zeit, das Angelo Gaia.
- 4:27Stellvertretend für ein großartiges Unternehmen unterstützt von seiner Frau und vor allem
- 4:33von der nächsten Generation in dem Unternehmen seinen Kindern Gaia, Giovanni und Rosane,
- 4:39die mittlerweile das Unternehmen nicht minder intensiv prägen, auszeichnen und gestalten,
- 4:46diese Folge von Sommelier, die interessantesten Mundchenke unserer Zeit unterstützt.
- 4:51Angelo Gaia ist das Weingut mit dem meisten Auszeichnung auf dem gesamten Erdball.
- 4:58Mit gerade einmal 21 Jahren hat er im Jahre 1961 das älterliche Weingut von seinem Vater,
- 5:04der damals Bürgermeister im Barbaresco war, übernommen.
- 5:07Angelo hat sowohl Inologie in Alba Montpellier als auch in Wirtschaftswissenschaften in Turin studiert.
- 5:13Der innovative Weingut Winzer ging niemals den einfachsten Weg,
- 5:17sondern versuchte immer wieder mit visionären Änderungen,
- 5:22das extrem traditionsreiche Piedmont aus dem Donröschen schlafzulocken.
- 5:28Nicht zuletzt deshalb passt er auf außergewöhnliche Weise zu unserem heutigen Gast zu Henrik Thoma.
- 5:33Angelo orientierte sich immer an den besten Weingütern aus Frankreich
- 5:39und nahm sich selber den 70er und 80er Jahren vor, die Region auf den neuesten Stank der önologischen Möglichkeiten zu bringen.
- 5:48Das waren önologische Möglichkeiten wie die Dratraumerziehung,
- 5:52eine höhere Rebstockdichte, penible Klonselektion, eine ideale Ausrichtung der Rebzeilen,
- 5:59Temperaturkontrolle bei der Gärung und der gedankliche Ansatz über komplett neue Rebsortenkulturen nachzudenken.
- 6:06In einem der besten Lagen pflanzte Angelo Gaia schon in früheren Zeiten Rebsorten wie Cabernet Sauvignon, Chardonnay oder Sauvignon Blanc.
- 6:15Und das zu einer Zeit als nahezu keine internationalen Rebsorten im Piedmont zu finden waren.
- 6:21Die Reduzierung der Erträge um die Qualität zu steigern, wurde in der Zeit im Piedmont regerecht als Sünder angesehen.
- 6:28Angelo Gaia war 1967 mit seinem Sori San Lorenzo der erste Winzer, der einem Barbarresco als Einzelagenwein abfüllte.
- 6:39Der Erfolg gab ihm recht. Seine Weine zählen zu den gefragtesten Exemplaren unserer Weinwelt weltweit.
- 6:47Gaia bekam für seinen Mut und für seinen Engagement den Spitznamen Angelo Nationale.
- 6:531996 machte Angelo Gaia erneut vorhohere, als er seinen Einzelagen Barbarresco freiwillig von der höchstmöglichen Qualitätskategorie der DOCG zur DOC Langenibiolo herabstufte.
- 7:06Dadurch hatte er die Freiheit, einen kleinen Anteil Barbera in den Nibiolo zu blenden.
- 7:11Das Konzort zum War Emport ab dem Jahrgang 2013 zugleich mit dem Einstieg der nächsten Generation in Zweingut,
- 7:19wurden auch die Lagenweine wieder als reine Nibiolo unter den Namen der DOCG Barbarresco abgefüllt.
- 7:26Gaia's Weine sind noch immer so etwas wie eine Turboversion des klassischen Barbarresco.
- 7:32Dicht, konzentriert, strukturiert, eine Menge Tannin.
- 7:36Obwohl man vermuten würde, dass der Barric ausbaut zu einer Führer- und Trinkreife führt, brauchen die Weine idealerweise mindestens 10 Jahre Flasche Reife.
- 7:45Der Familie Gaia gehören heute zusätzlich zu den über 100 Hektar Rebflächen in Barbarresco und Barrole auf Weingüte in Alto Piemonte,
- 7:54der Toscana und Aufsicir.
- 7:56Dennoch ist der Familienbesitz immer noch inmitten des Pituresken-Dörfjens Barbarresco angesiegelt.
- 8:02Inzwischen sind Gaia's Kinder ins Familienunternehmen eingestiegen und mit ebenso viel Engagement treibt auch die fünfte Generation
- 8:10und die Entwicklung der Weingüter immer weiter voran.
- 8:13Das heißt aber nicht, dass Angelo beabsichtigt in den Ruhestand zu gehen.
- 8:17Der energiegeladene Mann ist immer noch jeden Morgen als Erster im Weingut anzutreffen.
- 8:22Angelo Gaia ziert zu Recht zu den wichtigsten Weim-Persönlichkeiten Italiens und wird dort und das mit Recht als national heilig tun gesehen.
- 8:32Daher noch einmal vielen Dank für die Unterstützung und viel Freude.
- 8:36Und ein ganz großes Dankeschön dem Vertriebspartner der Weine aus dem Hause Gaia in Deutschland, dem Handelshaus Segnetz.
- 8:43I just can't get enough. I just can't get enough. La la la la la la la la la la.
- 8:50I just can't get enough. I just can't get enough.
- 8:53I'm ready to take off with you to the stars of the wine.
- 8:59Danke für deine Zeit. Wir kennen uns. Ein Vierteljahrhundert finde ich klingt, ich finde ich spannender als 25 Jahre, oder?
- 9:08Wenn man Vierteljahrhundert hört, dann auf alle Fälle, ja dann weiß man, dass man nicht mehr ganz von vorne anfängt.
- 9:16Wahrscheinlich, wir kennen uns so lange und man ist sogar noch länger, bin ich sogar mittlerweile in dieser Branche.
- 9:20Neulich hat ein Winzer zu mir gesagt, na Hendrik, du altes Schlachtschiff.
- 9:24Dann habe ich erst gedacht, muss ich, na ja, ihm eine reinhauen, das traue ich, das würde ich auch, das ist nicht meine Art.
- 9:30Aber das war der Moment, wo man sagt, ey du Arsch und dann habe ich drüber nachgedacht und dann habe ich gedacht, scheiße, der hat recht.
- 9:37Ich glaube, das war auch eher anerkennend gemacht.
- 9:40Du bist nach wie vor so unfassbar jung und was du kannst, finde ich, und das können ganz viele nicht.
- 9:47Du symbolisierst Wein, also du bist zwar auch Entertainment, also allein dein Wissen der Background, also deine Ausbildung,
- 9:56deine ist alles so unvernut, du gibst damit aber nicht an, das finde ich so außergewöhnlich.
- 10:01Ich frage mich aber manchmal, was ist für dich eigentlich Wein?
- 10:04Ja, also ich glaube, ich glaube erst mal, war das mit dem Angeben eine Frage und das andere?
- 10:11Nein, weil ich glaube, ganz wichtig ist, dass wenn man etwas tiefgründig erkannt hat für sich, was einem Freude schenkt und was einem Spaß macht
- 10:23und was einem auch Erfolg natürlich schenkt, dann hält man daran fest und ja, ich liebe Wein.
- 10:30Anders kann ich es nicht beschreiben, aber ich liebe auch diese Branche und ich liebe vor allen Dingen die Menschen, die das herstellen.
- 10:36Und ich glaube, das Wort Liebe fällt viel zu selten bei uns, aber es ist am Ende genau das, was mich antreibt.
- 10:42Und ich glaube, liebe Helljung.
- 10:44Könntest du Wein in ein Wort packen? Also Wein ist?
- 10:48Wein ist, das hat mein australischer Winzer zu mir gesagt und das fand ich sehr, sehr gut und das würde auch sehr gut in diese Zeit passen.
- 10:57Wein ist a social lubricant.
- 11:00Soziales Wein ist soziales Gleit und Schmiermittel und das stimmt. Wein trinkt man zusammen.
- 11:05Das stimmt, das ist ein sehr, also großartig, toller Gedanke.
- 11:10Ja, das war das Weingut aus Australien, aus dem Claire Valley, das war Jim Berry und toller Typ, großartig.
- 11:18Und jemand, der weit gereist ist und es genau gesehen hat. Wein kann eben kulturelle Unterschiede nivellieren, man spricht, man redet,
- 11:27natürlich klar ist da drin auch Alkohol enthalten, aber am Ende das Entscheidende ist der Geschmack jeder, der einen Wein produziert oder die meisten, der einen Wein produziert.
- 11:37Man muss mal aufpassen.
- 11:39Bei Industrieweinen habe ich das Gefühl, nicht, dass da noch eine Seele drin steckt, aber bei allen handwerklichen Wein habe ich immer das Gefühl, dahinter steckt die Botschaft eines Menschen.
- 11:47Manche findet man spannend, manche nicht so, aber am Ende ist es ja doch, der Wein wird von Menschen gemacht
- 11:54und deswegen auch so interessant, weil dahinter immer irgendwas steckt, ob es eine Tradition ist, ob es ein besonderes handwerkliches Können ist, ob es ein besonderer Weinwerk ist und so und so.
- 12:08Das ist ja das spannende an Wein. Es ist unglaublich vielfältig dahinter, sehr komplexes als wenn man ein gutes Buch liest.
- 12:13Also Wein ist für dich eigentlich fast mehr eine Lebensentscheidung, das hat man so das Gefühl.
- 12:19Ja, auf alle Fälle, Wine is a way of life.
- 12:22Kannst du dir ein Leben ohne Wein vorstellen?
- 12:24Ja, geht auch.
- 12:26Ich hatte gerade bei ein paar Tagen nichts getrunken, jetzt komme ich bloß nicht, ich komme nicht mit dem Dry January um die Ecke, aber bei mir ist das wirklich mal ganz gut, wenn ich 8 und 9 auch mal Zeiten habe, wo ich gerade in meinem Alter hört sich jetzt komisch an, aber da kann man nicht mehr so wie mit 30-Jähriger oder 20-Jähriger, also muss man langsamer machen, man muss da ein bisschen Päuschen machen und muss auch, wenn der Geist was anderes will, muss man auch ein bisschen auf sein Körper hören.
- 12:51Und wie ein ganz lieber Stammgas von mir hat, ah jetzt kriegt es nicht mehr hin, er sagt ja irgendwie, ich krieg es nicht hin.
- 13:02Es war ein guter Gedanke, ich wollte jetzt irgendwie ein Zitat einspielen, aber...
- 13:05Von Gästen kann man viel lernen, also das ist ein spannende Leuteteil, also teilweise sehr spannende Leute.
- 13:09Für mich der Indikator auch mich überhaupt mit Wein zu beschäftigen, weil ich von Gästen gelernt habe, weil ich in der Kommunikation deren Begeisterung gespürt habe und gemerkt habe, was neben dessen das Wein natürlich ein tolles Produkt ist, was Wein auslösen kann.
- 13:25Also gar nicht so eben der Alkohol, sondern die Ansprache an die Sinne und die Ansprache an alle Sinne bei den Gästen.
- 13:32Und das war für mich, wo ich sagte wow. Ja und dann ist es ja auch häufig durch zum Beispiel Wein wächst meistens an schönen Orten.
- 13:41Viele Menschen waren schon mal eben in der Toskana, in Napa Valley, in Bordeaux vielleicht oder sonst wo man verbindet dann wieder rum Essen damit trinken, Essen trinken dann eben zusammen.
- 13:52Dann hat man in dem Restaurant ja das kenne ich und dann kennt man sogar wieder Leute, kennen sie den Winzer, so kommt man ins Gespräch.
- 13:58Und wenn man sich die Leute hier auf der Straße anschaut, ich bin gerade hier auf dem Weg zur Arbeit sozusagen, habe ich gedacht, mir die Leute angeguckt und jeder guckt so vor sich hin und guckt bloß nicht den anderen an und man grüßt sich nicht und man lächelt sich nicht an und das ist anders in der Weinwelt.
- 14:14Das ist anders in der Weinwelt, auch in der Gastrowelt oftmals und ich finde es, für mich war es halt spannend wie überrascht oder manchmal erschrocken Leute einen anschauen und dann begeistert sind, wenn man sich anlächelt, wenn man einfach lächelt.
- 14:29Wenn du durch die Fußgängerzonen gehst, die Leute haben alle so traurige Gesichter und dann sind die so völlig überrumpelt, wenn man einfach lächelt.
- 14:37Ja, ich glaube, dass das normale Leben, das konditioniert den Einzelnen sehr stark auf Wettbewerb, auf Ego-Mani, nicht auf andere Hören, das Eigen ist immer das Beste.
- 14:51Und in der Gastronomie, wenn man dort gearbeitet hat, muss man das ja komplett umkehren, man muss auf Leute zugehen und man wundert man sich immer, was für tolle und nette Sachen dabei rauskommt.
- 15:02Und das stelle ich immer wieder fest, wenn man die Leute anspricht, dann wirken sie manchmal so wie in Trance und freuen sich aber eigentlich dann, wenn man ihnen einfach, also ganz einfache Sache nur sagt, hey vielen Dank und ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.
- 15:15Das ist schon etwas, was viele gar nicht mehr kennen und ich glaube, dass das unserer Gesellschaft auch ein bisschen helfen würde, wenn wir alle mal wieder ein bisschen, so etwas in einen, insbesondere ...
- 15:30... achtsammeren Diskurs kommen, also wie geht man mit anderen um und wie spricht man mit ihnen und wie nimmt man sie wahr.
- 15:39Dass das natürlich nicht immer geht und dass man manchmal auch seinen Kopf woanders hat und dass man Stress hat und alles, das ist ja auch alles okay.
- 15:46Aber ich glaube, es wäre sehr hilfreich, wenn die Leute wieder ein bisschen mehr aufeinander zugehen würden und ich denke, dass ich schon nicht da ganz alleine bin mit meiner Meinung,
- 15:56denn man merkt es ja, also so wie man in den Wald reinruft, so schalt es heraus und ich habe festgestellt, das funktioniert gut.
- 16:04Ich fahre auch gut damit.
- 16:06Und das schon viele Jahre, also ich kenne kaum einen so fabelhaften, unvergleichlichen Zommi wie dich, also immer große Bewunderung, seitdem du damals im Jakob warst,
- 16:16ich kann nur sagen, zum Glück hast du die Seiten gewechselt vom Koch hin zum Kellner. Warst du damals mehr Kellner oder eben Servicekraft oder warst du mehr Weinbrutschafter?
- 16:30Wo hast du dich gesehen?
- 16:32Also so richtiger Kellner habe ich mich nie gesehen, weil ich das auch nie so richtig gut konnte.
- 16:37Echt?
- 16:38Also dass ich schon dieses Wein Service und das konnte ich alles gut, aber ich kenne Leute, die im Service, also man muss ja unterscheiden einfach, ein guter Metre ist einfach noch lange kein guter Sommelier oder ungekehrt,
- 16:51weil ein guter Metre ist dazu da ein ganzes Team zu führen und ein Sommelier macht meistens nur den Wein und führt vielleicht noch sein eigenes kleines Team, also muss ich sozusagen da einordnen,
- 17:02dann kommt natürlich auch noch der Wein dazu und das habe ich mir viel selbst beigebracht, einfach durch Beobachtung und weil es mir auch Spaß gemacht hat.
- 17:14Deswegen habe ich mich auch da an der Stelle nie gefragt, ist das jetzt richtig oder falsch, was ich tue?
- 17:19Ich habe eigentlich immer eher gedacht, was kann dem Gast Freude machen und das ist irgendwie etwas, was ja, das ist wo anscheinend dem einen oder anderen Haften geblieben.
- 17:29Also ich habe heute noch Leute, die sich erinnern, wann ich sie vor 20 Jahren bedient habe oder wenn ich ihnen ein Wein empfohlen habe und das rührt mein Herz.
- 17:38Es ist ein unfassbares Gefühl, also auch wenn bei mir Menschen teilweise 20, 30 Jahre danach in der Bar auftauchten oder eine Nachricht schreiben auf Insta, Facebook und die Weinempfehlung damals und wir wollen es nochmal erleben
- 17:55und die dann eben nochmal neu zu begeistern ist, natürlich eine Aufgabe, das ist eine tolle Herausforderung, die viel Spaß macht, aber wie einprägsam man letztlich bei den Menschen, bei den Gästen ist.
- 18:07Man ist ja eigentlich in dem Sinne nur ein Dienstleister, jemand, der einen Wert verkauft und wie überall.
- 18:14Daher finde ich, ist es ein sehr, sehr erfüllender Beruf, den wir als Sommies in der Situation ausleben dürfen.
- 18:23Was wärst du, wenn du kein Zommige geworden wärst? Also das ist auch kein Koch, aber kein Gast.
- 18:29Ich hatte dann Kochen, hatte ich sehr, sehr viel Spaß, muss ich sagen.
- 18:32Ich bin ja sozusagen spät, spät her dazu gekommen, weil es in meiner Heimatstadt, wo ich herkomme, Gütersloh, in Westfalen jetzt nicht unbedingt eine echte Weinlandschaft ist oder auch eine Weinkultur hat in dem Sinne, also musste ich erstmal Platz finden, wo ich überhaupt in diese Welt reinkomme.
- 18:48Und als das dann gefunden war, aber Kochen hat mir Freude gemacht und ich hätte auch Spaß daran gehabt, ich hätte das vielleicht auch sogar weiter gemacht, aber irgendwann hört man mal in sich rein und dann, was macht ihr mehr Freude und wo ist dein Herz mehr zu Hause?
- 19:08Und das war eindeutig der Wein.
- 19:10Was war denn die erste gastronomische Anstellung, war das die Ausbildung zum Koch?
- 19:14Ja genau, ich habe als Koch gelernt. Das war aber sozusagen, ich meine heute, wir haben eine andere Situation am Arbeitsmarkt, also ich war froh, dass ich einen Job kriegte, weil meine Eltern waren es damals.
- 19:25Und ich musste früh schon mal von der Schule gehen und dann bin ich sozusagen vom Gynasium auf die Realschule.
- 19:33Ja, da kann ja ein oder andere schon raus werden. Ja, ich war etwas fleckmatisch, das war auch so.
- 19:38Und meine Eltern waren dann froh, dass ich ja einen Ausbildungsplatz bekam und weil die Wurst nicht hatte, schon immer Spaß am Kochen und Kulinarek hatte mich interessiert.
- 19:47Da bin ich so ein bisschen kindheitlich geprägt, das sind dann so Urlaube in Italien, auf Elba, werde ich nie vergessen, am Strand wurden da Duraden gegrillt, die gerade frisch gefangen wurden.
- 19:59Natürlich habe ich damals noch keinen Wein getrunken, aber allein so dieser Geschmack von Macchia oder der Duft von Macchia, also Mittelmeerkräutern und von diesem frischen Fisch und Tintenfisch gab es da gegrillt und dann nur einfach ein bisschen Zitrone drüber, also eine gewisse Einfachheit und so.
- 20:19Wow, das prägt einen schon, obwohl ich gar nicht aus einem sehr kulinarischen Haushalt komme, aber da waren immer wieder so Sequenzen dabei, wo ich gemerkt habe, wow, das gefällt mir, das macht mir Freude, das finde ich toll.
- 20:32Also, ja, so kommt man dann da so Stück für Stück langsam rein.
- 20:35Das wäre meine nächste Frage gewesen, ob ihr das zu Hause auch geliebt habt, also ob ihr intensiv gekocht oder das zelebriert große Feste.
- 20:43Also ich glaube, dass meine Eltern erstmal gar nicht die Wahl hatten, da groß zu feiern, das waren eher dann einfache Verhältnisse.
- 20:51Mein Vater war oder war und ist ein sehr ambitionierter Geschäftsmann und hat sich sich da auch sehr darauf fokussiert und auch meine Mutter hatte keine kulinarische Prägung.
- 21:03Also meine Großmutter, das war interessant, die hatte so aus dem Elternhaus viel mitbekommen.
- 21:08Ich fand es auch immer toll, wie meine Großmutter gekocht hat. Das waren natürlich jetzt so eher Graupen oder Kalbszunge und solche Sachen.
- 21:16Also wohl heute die meisten Leute sagen, oh, ihr geht's, aber das war eine zünftige Küche, aber das hat alles sehr, sehr gut geschmeckt und es waren immer frische Zutaten.
- 21:24Und ja, also früher gab es auch Filet oder solche Sachen, das gab es wirklich nur zu Weihnachten.
- 21:31Was ich jetzt, ja, wie soll ich es sagen, einfach, aber gut und das war auch in Ordnung.
- 21:39Also Westfalen ist wirklich jetzt nicht gerade die kulinarische Hochburge in Deutschland.
- 21:45Ist das nicht komisch, dass es gewisse Regionen in Deutschland, jetzt auch keine Ahnung Brandenburg, Macpom, auch Sachsen oder eben im Nordrhein-Westfalen,
- 21:57kaum auf die Hitlersliste der kulinarischen Denkmäler irgendwie schafft und andere Regionen wie im Badischen ist es mecker für jede Art von Kulinarik oder.
- 22:08Also woran liegt das? Ich meine, Essen tun ja die Leute überall, aber warum gibt man weniger Geld aus?
- 22:15Hat man kein Bewusstsein dafür? Ist das Wetter zu kalt oder was? Was ist der Grund?
- 22:18Ich glaube, es sind viele Dinge. Das eine ist natürlich klar, was bietet dir dein eigener Garten?
- 22:23Weil wir erleben ja gerade in Skandinavien, haben wir ja gesehen, was so eine kulinarische Revolution bedeuten kann, also mit lokalen Produkten viel zu erreichen.
- 22:32Ich kannte Dänemark aus meiner Kindheit eher so vom Pölser, sprich von diesen Würstchen, die so geleuchtet haben, dass man nicht wusste, ob es radioaktiv ist oder die haben schon fast nachts selbst geleuchtet.
- 22:44Und heute ist ja innerhalb von 20, 25 Jahren ist Kopenhagen und auch Stockholm, Oslo etc. das sind ja kulinarische Destinationen geworden.
- 22:55Das ist irreher.
- 22:56Und bezüglich Süden denke ich mal ist es einfach auch der Einfluss von Frankreich natürlich und auch Österreich hat eine fantastische Küche, auch eine fantastische regionale Küche.
- 23:07Die Schweiz hat alles von allem und hat natürlich noch ziemlich viel Geld oder ist ein reiches Land.
- 23:14Und dann natürlich der ganze Süden sozusagen die französischen Einflüsse, weil ja auch häufig immer mal wieder französisch besetzt, ob es die Fals war oder andere Regionen, also das Elsass oder so, wo man sich nach wie vor darum streitet oder gestritten hat in der Vergangenheit.
- 23:30Nein, mein Gott, dann ist das heute alles irgendwie Europa.
- 23:32Also mit anderen Worten, unsere Regionen waren ja kulinarisch jetzt nicht so weit vorne, weil die Verfügbarkeit der Produkte vielleicht nicht so geschätzt wurde.
- 23:42Und ich glaube auch in Deutschland haben auch der erste und auch der zweite Weltkrieg ganz viele schlimme Sachen gemacht.
- 23:48Also vor allen Dingen auch mal kulinarisch gesehen.
- 23:51Also ich glaube nach dem Krieg waren die Leute erst mal wieder satt.
- 23:54Schöne, die Leute waren erst mal wieder happy, dass sie satt wurden.
- 24:00Und dann kam ja so, als ich dann zur, meine Ausbildung gemacht hatte, so in den 80ern, da kam das ja erst wieder so langsam.
- 24:09Da sprach man ja von dem deutschen Küchenwunder und die Leute wurden sensibilisiert.
- 24:12Und das hatte was damit zu tun, dass die Leute natürlich ein größeres Budget zur Verfügung hatten, also mehr Geld ausgeben konnten.
- 24:19Und analog dazu haben sie sich dann auch entschieden, bessere Weine zu trinken oder zumindest auch das Weinportfolio wurde dann entsprechend erweitert.
- 24:28Und so ist daraus überhaupt erst mal was entstanden.
- 24:31Aber das ist noch gar nicht so lange her, so nach meinem Gefühl.
- 24:33Und deswegen glaube ich, dass es durchaus eine Kulinarik gegeben hat vielleicht in den Landstrich, wo ich herkomme.
- 24:41Aber das erst mal komplett unter den, ja, unter die ich sag mal verschüttet war.
- 24:47Ich hätte meine Erklärung gar nicht so sehr in der Grenzen hier gesucht oder in das Überborden der Kulturen, sondern fast mehr aufgrund der Weinnähe.
- 24:56Also wenn ich so das Gefühl im Winnie hatte, dort wo Wein angebaut wird, wird Kulinarik anders gelebt oder genießen Leute auf eine andere Art und Weise.
- 25:07Und es wäre für mich, wobei ich spreche natürlich, ob gleich hier ein Weingarten hat, nicht für Hamburg.
- 25:13Also Hamburg ist Hamburg ein kulinarisches Mecker.
- 25:15Du bist jetzt ja so ein Hamburger Kind geworden.
- 25:18Ja, also Mecker würde ich nicht sagen. Hamburg ist auch erst mal wieder eine Hansestadt und eine Reichestadt.
- 25:24Und dementsprechend kann man sich ja viele Dinge holen.
- 25:27Aber so aus sich intrinsisch würde ich sagen, ist Hamburg nicht kulinarisch.
- 25:33Das ist dazugekommen durch Leute von außen.
- 25:38Und ja klar, das hat was mit der, dass Hamburg auch noch, ich sage mal noch, immer noch eine immer mehr eine wohlhabende Stadt wurde.
- 25:47Und damit eben auch irgendwie darum andere Verfügbarkeiten hatten.
- 25:51Wobei Hamburg ja auch, darf man nicht vergessen, eine Kulinarik hat, also die aber auch, also ich meine es gibt kein Restaurant in der Stadt, die sich wirklich ganz authentisch und auch ernsthaft mit der Hamburger Küche auseinandersetzen.
- 26:05Das werde ich natürlich wahrscheinlich, wenn das der eine hört, also wenn das jetzt der eine oder andere hört hier aus, aus der Gastronomau, dann stimmt doch überhaupt nicht.
- 26:13Aber ich würde mal gerne ein Beispiel dazu nennen. In London gibt es Smithfield Market, Fergus Henderson und sein "Nose to Tail" Eating.
- 26:24Ich komme jetzt gerade nicht auf den Namen des Restaurants, weil ich so viel rede, aber Moment, ich...
- 26:29Können Sie nachreichen.
- 26:31Ja, machen wir ein Einspieler.
- 26:33Auf jeden Fall, der hat es sich auf die Fahne geschrieben, wirklich authentische alte englische Gerichte, wieder neu zu verfassen oder beziehungsweise neu zu interpretieren und zwar zeitgemäß.
- 26:45Das hat er vor 20, 25 Jahren angefangen, wenn man da essen geht, und ich muss das nachgucken.
- 26:51Ich kann ja nebenher fragen, das kannst du wahrscheinlich aus dem Bauch heraus beantworten, wenn trinkst du eigentlich Wein. Also nicht degustieren, sondern aktives Trinken so aus 01, 1, 0 machen.
- 27:03Ich tue ein trinkig Wein.
- 27:06Also gibt es für dich bestimmte Situationen oder täglich oder direkt nach dem Aufstehen oder...
- 27:12Also gar nicht so, ich muss was entdecken oder ich muss ein Wein analysieren, sondern so wie andere Bier trinken trinkst du Wein, einfach aus dem Genuss, aus der Leidenschaft heraus.
- 27:21Gibt es da Momente, Situation, ist es im Urlaub, ist es in der Tat jeden Tag zum Abendbrot oder...
- 27:26Man trinkst Wein.
- 27:28Also nicht mehr jeden Tag, das habe ich echt mal zeitlang mal gemacht, da wird auch wahrscheinlich jeder Arzt sagen, nee, das ist wirklich nicht cool.
- 27:35Aber eigentlich, also am liebsten trink ich Wein, wenn ich nach Hause komme, Feierabend habe und wir noch irgendwie was kochen, wir kochen immer irgendwie was Gutes oder wir machen uns Gedanken, auf jeden Fall irgendwie was Frisches, das muss nichts Kompliziertes sein.
- 27:49Ein gutes Produkt und dann probieren wir und trinken zusammen meistens eine Flasche Wein, also Bianca und ich, meine Partnerin in Crime und Partnerin in Life.
- 27:59Das ist eigentlich so das, wo ich am meisten freue. An den Wochenenden trinke ich gerne, wenn auch Freunde da sind, dann finde ich schön, dass man irgendwie zusammen was probiert und verkostet und dann habe ich natürlich hier auch immer wieder Kunden im Büro bei uns im HQ, mit denen ich Wein verkoste, dann haben natürlich verkosten wir Wein mit unseren Kollegen zusammen.
- 28:20Das heißt also auch, dass es, also es kommt, es findet ja ständig statt, mit anderen Worten ist eigentlich die Zeit, wo man es nicht macht, auch mal ganz wertvoll.
- 28:29Hast du einen perfekten Moment für Wein, wo du sagst, jetzt fließt alles Raum und Zeit und der Wein ineinander?
- 28:37Ruhe, einfach Ruhe und sich Zeit nehmen und Zeit haben auch natürlich.
- 28:42Also gar nicht so dieses Nebenherr neben dem Kochen, was du gerade geschildert hast, sondern eigentlich mehr in Sessel Ruhe, Atmen, Wein trinken.
- 28:50Oder am Tisch sitzen, das Essen genießen und die Flasche Wein steht natürlich vor einem. Und natürlich der Apparativ von dem du gerade sprichst oder dieses Reimschmecken in den Wein, das ist natürlich super.
- 29:00Das ist schon mal so das Triggern, also das möchte ich nicht missen, aber so der, ich glaube, das der größte Moment ist wirklich, wenn das Glas uns einschenkt, sich zubrustet oder hey und wie gefällt dir das Essen, wie gefällt dir der Wein.
- 29:12Wir haben natürlich den Vorteil, weil wir in der Bronze sind, wir kennen meistens dann die Leute, die Landschaft und alles, was dazugehört, das drumherum diskutieren, das fragen uns, ob wir das gut finden oder nicht.
- 29:21Das finde ich auch ganz wichtig. Also dieses, ja, also ich bin durchaus kritisch damit auseinandersetzt, aber nicht zu kritisch.
- 29:29Also es gibt natürlich trotzdem Sachen von großem Namen, wo wir sagen, nee, das ist jetzt nicht und dann sagen wir was, wow, das hätte ich nicht gedacht, dass der so einen tollen Wein macht von irgendwelchen No Names.
- 29:38Also das ist auch etwas Schönes, das ist auch etwas, was einen, glaube ich, umtreibt in der Weinbranche zu sein. Neugier. Immer neugierig bleiben, also auf andere.
- 29:47Weil ich finde das total spannend, was auch was jetzt eine junge Generation an Winzern, auch in Deutschland muss man sagen, für tolle Weine produziert.
- 29:56Ich meine die Generation ihrer Väter, aber meistens damit erst mal, oder Mütter, Mütter und Väter, man meistens damit erst mal beschäftigt, überhaupt, dass der Deutsche Wein überhaupt mal wieder in die Köpfe kam von den Leuten.
- 30:06Und die Generation jetzt, die profitiert davon, die haben, wie gesehen, die haben meistens auch noch in Frankreich oder in Übersee gearbeitet, mit anderen Worten, oder ist aber in Europa überall oder in Übersee, mit anderen Worten, die haben einen, ja, anderen Horizont und machen es dann anders und wollen es anders machen.
- 30:25Das Thema bleibt ja nicht stehen. Zum Restaurant in London, das ist das St. John's. Das finde ich super. Und sowas haben wir nicht in Hamburg.
- 30:33Und wir haben auch keine Codbians Fiske Bar hier in Hamburg, die es in Kopenhagen gibt. Also ich will damit sagen, wo man wirklich Gerichte so bekommt, dass man sagt, wow, das ist ein unglaubliches Niveau, weil sie schmeckt ja alles.
- 30:44Hamburger Pfandfisch oder auch Lapskaus und und und, aber eben mal lieber mal in Geil. Da tue ich mich schwer mit. Also das sieht man immer nur mal so in Fragmenten.
- 30:57So, das gibt es mal hier, gibt es mal da ein gutes Gericht, schmeckt auch überall, aber das ist ein ganzes Restaurant, gibt die sich nur, sag ich mal, sagen, wir machen mal die Hamburger Küche so wie vor 100 Jahren, aber mal auf 2020, 20, 24, das würde mir nicht so gut sein.
- 31:13Das würde mich persönlich interessieren. Vielleicht kommt es ja noch.
- 31:16Wie lange hast du gekocht? Noch deine Ausbildung zum...
- 31:19Ich habe noch fünf Jahre.
- 31:21Okay, immerhin noch.
- 31:22Und wo?
- 31:23Ja, ich war hier in Hamburg im Landhaus Scherra.
- 31:26Wow.
- 31:27Ja, das war nur sehr kurz, aber ich war froh, ich hatte dann mein Visum bekommen für USA. Da war ich dann ein bisschen länger in der Oberste Soleil und hatte zwischendrin natürlich noch nach der Ausbildung macht man Bundeswehr oder damals machte man noch die Bundeswehr, dann...
- 31:42habe ich noch ein paar Praktika gemacht, aber das sind eigentlich die beiden wichtigsten Stationen. Und dann eigentlich Napa Valley war ja so Training Point.
- 31:50Das war ja auch die absolute Nutze. Ich war auch... Ich war nicht im Napa Valley, ich war in Oakhurst, beim Schassemty National Park, bei einer Cuban Clan in Chateau-Cereau.
- 32:00Ja.
- 32:01Und die Obersch des Soleils, die strahlte ja über ganz Kalifornien, sozusagen, eine ganz liebe Freundin von mir. Die war auch in der Obersch damals, glaube ich, auch zu deiner Zeit.
- 32:14Wann war die da?
- 32:15Die muss um '95/'97 da gewesen sein.
- 32:19Aber schon wieder.
- 32:20Okay. Welche Jahre warst du dort?
- 32:23Zwei Jahre. Also dort war ich zwei Jahre und dann habe ich noch ein bisschen auf dem Weingut gearbeitet.
- 32:28Welchen?
- 32:29Kane Sellers. Gibt's leider nicht mehr.
- 32:31Ja.
- 32:32Ich gab ja gerade dieses Feuer. Ich glaube, jetzt ist es...
- 32:34Und das hat das Weingut gefressen? Das Feuer?
- 32:37Ja, aber jetzt gerade erst, ne? Also, oh! Ich bin mir nicht mehr ganz... Ich meine, ich habe das gelesen irgendwo, dass die auch dem Flammen da zum Opfer gefallen sind.
- 32:44Ja.
- 32:45Ganz oben in den...
- 32:46Maja Kames Mountain?
- 32:48Genau. Und zwar noch ein bisschen weiter. Maja Kames und dann noch weiter ins Tal rein.
- 32:53Ja.
- 32:54Oberhalb von Santelina.
- 32:56Oh.
- 32:57Und du bist aber als Koch rübergegangen mit 'nem J-One-Visar, wahrscheinlich acht bis monatet wie die meisten und...
- 33:04Ein bisschen verlängert noch.
- 33:05Und bist dann in einem Weingut? Und dort wurde deine Weinliebe geboren oder dort...
- 33:10Ja, ich habe Weinliebe erst mal noch weiterhin als Koch gearbeitet. Das war so, wie ich mein Geld verdient habe.
- 33:14Ja.
- 33:15Und hatte in meiner Freizeit immer wieder Weingüter besucht. Also, ich habe gemerkt, also hier habe ich jetzt die Chance endlich, sozusagen...
- 33:22Also, du hast auch erst mal, dass du in der Nähe einer Weingegend gewohnt hast?
- 33:26Genau.
- 33:27Warum Aubergstesolet? Gab es eine Ausstreibung oder...?
- 33:29Na, das ging über einen Freund, der wiederum über familiäre Beziehungen konnte ich dort, ja, sozusagen, weil jemand...
- 33:37Du brauchst immer jemand, der dann sozusagen für dich birgt oder für dich sozusagen einspringt.
- 33:42Und da habe ich echt viel Glück gehabt und der Küchenchef der Aubergstesolet Udonichutnis, der sozusagen hat mich da sehr familiär aufgenommen.
- 33:51Und durfte dann dort bei ihm wohnen und dann hatte ich ein Roommate aus New York und der war dann Küchenchef auf dem Wein Good Canes Sellers.
- 34:00Und dann habe ich gesagt, dann lass mich doch noch helfen. Und dann habe ich da ein bisschen mitgeholfen in der Küche.
- 34:04Dann habe ich den Kellermeister kennengelernt und dann haben wir gesagt, wie sieht es denn aus?
- 34:11Wir würden hier gern ein bisschen helfen und sagten, da ja kein Problem.
- 34:14Dann hatte ich auf einmal mehr Arbeit, als mir lieb war.
- 34:17Aber es war cool. Also so ist man da reingekorben. Also das ist, ich meine, es ist eher vieles so passiert, dass man einfach gesagt hat, hey, ich will und der Ander hat erst mal geguckt, na, will er wirklich?
- 34:30Und wenn man dann sich bewiesen hatte, dann hatte er gesagt, okay, kannst du weitermachen, darf er bleiben.
- 34:35Und dann irgendwann hast du sogar auch Geld dafür bekommen.
- 34:37Du bist dann zurück nach Deutschland. Freiwillig oder unfreiwillig?
- 34:40Ja, also das war so für mich die ganz große Frage, weil ich glaube sogar, ich wäre sogar fast gerne dort geblieben.
- 34:52Es ging mir genauso. Was ich hätte mir in der Tat vorstellen können, in Kalifornien zu bleiben, zu wohnen, jetzt vielleicht nicht mehr, weil die Bedingungen ja vielleicht auch gerade gar nicht so, auch wirtschaftlich nicht so ideal sind.
- 35:03Aber damals habe ich da eigentlich fast meine Familie gesehen und den großen Traum von der Weinbar in San Francisco gehabt.
- 35:10Ja, wobei also wirtschaftlich geht es ja in der USA, den geht es ja gerade besser als uns sogar.
- 35:15Also wenn man zuerst diese reinen Daten sieht, was man in den USA allerdings nicht sieht, dass die Gesellschaft dazu ruhe kommt.
- 35:22Und in der Zeit, wo du da warst oder auch ich da war, hatte Amerika war der große Traum für uns hier in Deutschland.
- 35:31Die waren locker, die waren cool, die waren lässig, die waren umbefreiter, die hatten nicht so einen dumpfen, wie soll ich sagen, schwermütigen Charakter.
- 35:44Da ging es nach vorne. Und wenn man Kalifornien im Kopf hat, hat man ja sowieso meistens Beach Boys und Santa Cruz oder LA oder Santa Monica im Kopf.
- 35:53Aber der Norden ist ja richtig urig, es ist wie Wind, das ist sogar relativ kühl.
- 35:58Herr Pazifik ist ja wunderschön und gleichzeitig auch unberechenbar. Die Wälder, also es ist relativ grün sogar.
- 36:06Und ja, interessant, wenn man so darüber spricht über die Zeit, dann fallen einem natürlich viele Dinge ein.
- 36:12Also ich fand auch toll, dass dieses Multikulti in Anführungsstrichen hat sehr gut funktioniert.
- 36:18Wir waren glaube ich 25 Nationen und wir haben viel erreicht, man konnte viel lernen und sehr authentisch lernen.
- 36:27Also es war dieses Crossover, was ja hier viele Köche in Deutschland versuchen.
- 36:32Das finde ich funktioniert manchmal deswegen schon nicht, weil sie, wie soll ich sagen, es ist um ethnische Küche zu kochen,
- 36:39brauchst du auch jemanden, der damit sozusagen groß geworden ist. Und das ist schwierig, finde ich zumindest.
- 36:44Also wenn ich hier manche Köche sehe, wenn die dann erzählen, ja wir kochen hier asiatisch,
- 36:49ich meine asiatisch ist ja eh schon ein ziemlich weites Feld, also das ist ja, ich koche europäisch.
- 36:54Also was denn jetzt, also Pizza oder Sauberbraten, oder Flächerlich.
- 36:59Aber bei den Köchen manchmal habe ich so das Gefühl, dass sie nur, sage ich mal, ich war halt zehnmal auf Reisen,
- 37:06haben da was gesehen, fanden das gut und haben das hier gemischt mit irgendwas.
- 37:10So, Fair Enough, das gehört auch dazu, ist ein kreativer Prozess, aber in Amerika war es halt sehr authentisch,
- 37:15weil du hattest eben Japaner in der Küche oder du hattest eine Vietnamesin in der Küche,
- 37:20die sind damit groß geworden mit diesen Produkten, die konnten damit super umgehen.
- 37:25Wir hatten Italiener, wir hatten Franzosen, Spanier, Deutsche, so wie mich natürlich und alles Mögliche.
- 37:31Und das ist eben etwas, was diese Zeit glaube ich sehr spannend gemacht hat.
- 37:37[Musik]
- 37:49Eine der spannendsten Dinge ist es, Wein mit Speisen zu kombinieren.
- 37:53Und ich finde es immer sehr interessant, dass zuerst geschmacklich imaginär zu durchlaufen,
- 37:59also dass man sich einen Wein vorstellt zu einem Gericht, was gegeben ist oder umgedreht
- 38:03und versucht das miteinander gedanklich zu kombinieren.
- 38:06Und wenn man es dann probiert, hat man nicht selten richtig große Überraschungen.
- 38:11Eine der Überraschungen, wo ich es mir nicht vorstellen konnte
- 38:14und was ich dann beim probieren als regelrecht beeindruckend empfand.
- 38:19Und darauf komme ich, wer Hendrik gerade über asiatische World Cross Over Küche erzählt hat,
- 38:24war die Kombination von asiatischer Küche und Sherry.
- 38:29Ein leichtes.
- 38:30Wenn man das einmal probieren möchte, kann man so einen eigentlich so einen ganz einfachen Klassiker
- 38:35nehmen wie Ente Süßsauer.
- 38:37Einfach diese Spieh von Süße und Säure, diesen fleischigen Charakter.
- 38:41Und dazu würde ich einen Sherry aus dem Hause Emilio Lustau.
- 38:46Ein Amanteado, Los Ascos.
- 38:48Warum einen Amanteado?
- 38:51Im Prinzip, wenn ich mit vielschichtigen, wenn ich mit geschmackvollen Speiselementen arbeite,
- 38:59brauche ich einen Wein, der sehr viel tiefer hat, der Kraft hat, der eine ganz spannende Würze hat
- 39:04und der Amanteado ist die eigentlich körperreichs die geschmacksintensivste Fino Variante.
- 39:10Fino ist nichts anderes als so ein ganz klassischer Knochen trockener Sherry mit einer relativ hell gelben, goldgelben Farbe,
- 39:17typischem Mandelaroma.
- 39:19Ein Sherry, den man relativ jung trinken kann, dessen Trauben zumeist von den etwas tiefer gelegenen, kühleren Anbauflächen stammen.
- 39:26Und der und das macht einen Fino so besonders und unter einer recht dicken Floorschicht, ohne oxidativen Einfluss ausreift.
- 39:35Der Alkoholgehalt eines normalen Finos liegt zwischen 15 und 18 Volumen prozent.
- 39:40Und Fino ist der, oder ist die Vorstufe, sowohl eines Amanteado als auch ein Palo Cortado.
- 39:46Und durch das Aufspritten von über 16 Volumen prozent oder durch den Verschnitt mit einem alten Fino,
- 39:53dücken genau diese Floorhefe ab.
- 39:55Und der Amanteado kann in der Folge eine Oxidationsphase durchlaufen.
- 39:59Er folgt die Reife zwischen 12 und 15 Jahren, wird der Fino Amanteado genannt.
- 40:05Nach 15 Jahren heißt der Amanteado.
- 40:07Natürlich verändert sich die Farbe und wird je nach Alter dunkelgold bis hellbraun.
- 40:13Gelegentlich sogar so ganz leicht ins schwarzbräunliche geht.
- 40:17Das Aroma erinnert nicht mehr so an zarte Mandeln, sondern schon an kräftige Haselnüsse, an honig, an getrocknete Früchte.
- 40:24Und in der Riege ist ein echter Amanteado richtig knochend trocken.
- 40:29Und damit ist er nicht nur unfassbar trinkfreudig, animierend lebendig, trotzdem gehaltvoll, intensiv opulent,
- 40:37sondern er kann auch die gesamte und große und weite Welt der asiatischen Küche sein,
- 40:44dass wir in Stiländische manchmal sogar zum sushi ist ein Amanteado eine richtige Offenbarung.
- 40:49Man nimmt ihn mehr als Würzmittel als wirklich als Begleitgetränk.
- 40:53Ente Süßsauer haben wir gerade gesagt, sogar ins Indische.
- 40:56Also es ist ein alles Könner und damit eine tolle Herausforderung.
- 40:59Ja, zumindest wenn man einen sehr hochklassigen, ein typischen, ein besonderen Amanteado hat.
- 41:05Wahrscheinlich so ein wie aus dem Hause Emilus Tau, ein spannendes Sherryweingut.
- 41:10Das spanische Sherryhaus?
- 41:11Emilus Tau liegt in der Stadt Harris.
- 41:13Es wurde 1896 von José Ruiz Bendejo Evea unter den Namen Finca Nuestra Senora de la Espanza gegründet.
- 41:23Damals wurden Sherries noch an die großen Bordecas weiterverkauft.
- 41:26Im Jahre 1940 übersiedelte sein Schwiegersohn Emilus Tau Ortega in Gebäude,
- 41:31die eins ein Teil der maugischen Stadtbefestigung von Harris waren
- 41:35und begann damit selber sein Sherry zu exportieren.
- 41:38Unterdessen Nachfolger Rafael Balau wurden die Bordeca zu einer der innovativsten,
- 41:43die unter anderem auch Klassiker wie den East Indersolera wiederbelebte.
- 41:47Die Weinberge, die in 2DO-Bereichen Harris und Mazzanier umfassend 170 ha Rebfläche.
- 41:52Von Lustau wurde die Geflogenheit eingeführt,
- 41:55Sherries von anderen kleinen Sherry-Produzenten fassweise zu kaufen
- 41:58und diese auf Vorrat zu lagern und dann Unverschnitten in Original in Flaschen abzufüllen.
- 42:04Solche Produkte werden als Allmassenister bezeichnet.
- 42:08Ein schöner Gedanke mit dem gehe ich gleich mal zurück ins Gespräch und zu Hendrik.
- 42:12Und wirtschaftlich ging es ja auch eher nur noch nach oben.
- 42:20Es war ja noch nicht so, dass Napa Valley war dabei,
- 42:24gerade erst eine richtige Destination zu werden.
- 42:26Sich auch zu finden, auch weinmäßig zu finden.
- 42:28Auch weinmäßig, genau. Stimmt.
- 42:30Also hatte man hier noch gar nicht präsent, was dort schon an Weinen teilweise produziert wurde,
- 42:36die teilweise großartig sind und dann noch nicht mal die aus den großen Verkostungen,
- 42:40sondern auch in der Breite das ganze kommerziell auch zu definieren,
- 42:44was ich dann teilweise sehr interessant fand.
- 42:46Auch diese Hideaways aufzubauen, wo die Leute aus Siliken oder aus San Francisco eben dort hinkamen.
- 42:53Also es war eine tolle Entwicklungszeit, die dort...
- 42:57Also ich war ja wie gesagt Ende 80er, Anfang 90er da, auch immer wieder.
- 43:01Aber ich habe auch den Niedergang gesehen, und zwar nicht den Niedergang in Qualität,
- 43:05weil das wäre falsch, aber es kam immer mehr Kohle rein.
- 43:09Und es wurde immer perfider und es wurde immer mehr höher, schneller, weiter das Prinzip angewandt.
- 43:15Und diese alten Familien, die dort sozusagen dieses Geschäft ja nach der Prohibition,
- 43:22was war es in den 30er Jahren, aber das hat lange gedauert, bis der kalifornische Weinbäuer überhaupt auf die Beine kam.
- 43:28So in den 60er, 70er Jahren mit Mondavi zum Beispiel fängt das an, der wird ja gern genannt.
- 43:32Und Charles Krug.
- 43:33Charles Krug, genau.
- 43:34Da waren ja noch ein paar andere dabei, darf man nicht vergessen, so Montebello oder Stato Montelina und wie sie alle heißen.
- 43:41Und dann kamen ja die sozusagen jetzt mit viel Geld da rein und dann anfingen nur drei Parzellen,
- 43:47sozusagen aus einem großen Weinberg sich rauszuselektieren und den dann in 100 Prozent neues Holz oder 200 Prozent neues Holz.
- 43:55Und die Leute, ja, wie soll ich sagen, so sensationslösstand, das ist, glaube ich, der Nachteil auch ein bisschen an den USA.
- 44:01Das ist ein bisschen das Hollywood-Syndrom, was sie da haben.
- 44:05Es musste noch immer höher, schneller, weitergehen und die Preise wurden immer perfider und teurer.
- 44:10Und ja, heute würde ich sagen, wir haben viele Weine in Amerika, die kosten einfach unfassbar viel Geld.
- 44:18Aber mir fehlt da so ein bisschen manchmal Hard and Soul drin.
- 44:23Und mir ist es dann manchmal ein bisschen zu drüber.
- 44:26Wobei, es gibt auch wieder eine Gegenbewegung.
- 44:28Finde ich ganz krass im Augenblick, dass Kalifornien eine ganz extrem, finde ich, so Gegenbewegung.
- 44:34Also es gibt verschiedene Wellen, die dort immer mitgenommen werden.
- 44:39Und dann aber auch intensiv ausgeliebt werden.
- 44:41Also das heißt, diese Lone Ranger-Bewegung damals, das ist nach der Cap-Shadown-Neh-Bewegung,
- 44:46die dann in der Central Coast ganz, ganz extrem passiert, diese biodynamische Richtung,
- 44:52die relativ schnell und weit vor Europa aufgenommen wurde.
- 44:55Und dort ist natürlich auch leichter teilweise von den klimatischen Bedingungen.
- 44:59Und auch diese Natural-Richtung, die dort ganz klar und in Richtung Mineralitäten, in Richtung Authentizität.
- 45:06Und wahrscheinlich ist es auch so eine Art der Selbstfindung wie ...
- 45:09Absolut, gehört auch dazu.
- 45:11Und ja, also wir sind ja mit Wein am Limit, sind wir ja auch Teil genau davon.
- 45:17Und dann habe ich auch wieder Spaß gehabt an den kalifornischen Wein,
- 45:20als sich das erste Mal Arno Roberts im Glas hat.
- 45:22Das war in Südafrika bei einem Trip.
- 45:24Da habe ich ein paar Freunde besucht.
- 45:25Wir importieren ja auch Wein aus Südafrika.
- 45:27Und dann hatte ich Arno Roberts im Glas und diesen Shadown-Neh,
- 45:29und habe gedacht, wow, das schmeckt mir wieder richtig gut.
- 45:31Das ist nicht so ein zugeholster, mächtiger Masturbations-Shadown-Neh,
- 45:35sondern hey, das ist richtig elegant, fein.
- 45:37Und seit über 10 Jahren arbeiten wir mit den Jungs,
- 45:40und die werden natürlich von Jahr zu Jahr immer besser,
- 45:42und kriegen jetzt auch ihre Merits.
- 45:44Und jetzt haben sie ja gerade erst für ihren Syrah,
- 45:47100 Punkte bei Winnis bekommen.
- 45:50Naja, Punkte kann man auch lange drüber reden,
- 45:53aber es ist auf jeden Fall eine Anerkennung.
- 45:55Und wenn ich überlege, als ich irgendwie in den 90ern
- 45:58mit irgendeinem Winzer durch diese Weinberge von Occidental gefahren bin,
- 46:02die damals gerade erst angepflanzt wurden,
- 46:04oder aus dieser Ecke gekommen, also sprich ganz nah am Pazifik,
- 46:07da hat er gesagt, das ist alles Geld, verbranntes Geld hier,
- 46:10hier wird nie Wein wachsen.
- 46:12Und da kommen heute die besten Weine her von Kalifornien.
- 46:14Also, das ist das Spannende wieder in Kalifornien, das dreht sich,
- 46:17das ist schnell und das ist dynamisch,
- 46:19und was interessiert mich der Blödsinn, den ich gerade erst erzählt habe?
- 46:22Und ja, deswegen ist auch Kalifornien speziell von den Überseeländern
- 46:26auch nochmal deswegen so interessant,
- 46:28weil das eine unfassbar dynamische Wein Szene hat,
- 46:33plus Kulinarik, und eben auch diese Vielfalt bietet.
- 46:36Bist du kein Punktefreund, weil du das mehr oder weniger gerade,
- 46:39ich sag mal, abgetan hast, oder?
- 46:42Also, ich denke, so wie du es gesagt hast,
- 46:45das ist eine Form der Anerkennung, so wie du ja auch eigentlich nahezu jeden Preis
- 46:50zum 50. Mal dann irgendwo gewonnen hast.
- 46:53Wenn man nicht danach strebt, sondern es mitnimmt,
- 46:55ist ja auch eine Form der Anerkennung.
- 46:57Und ich halte relativ viele Bewertungsebenen
- 47:00von den mehr oder weniger eingeschworenen Weinführern
- 47:06oder Tester oder Bewerter schon vergreifbar.
- 47:09Man muss sie nur greifen können oder definieren können.
- 47:12Also, Parger hat für mich eine ganz, ganz klare Definition
- 47:15in seinem Geschmack, und die Punkte sind,
- 47:17finde ich, durchaus immer gerechtfertigt,
- 47:20aber es sagt nicht automatisch, dass ein guter Wein ist,
- 47:23sondern dass dieser Geschmack damit definiert wird.
- 47:25So hat jeder Führer mehr oder weniger, außer die,
- 47:29die Porsche 100 Punkte geben, seine Definition.
- 47:32Also, ich glaube, nee, da hast du mich dann missverstanden.
- 47:34Also, ich bin, was Punkte angeht, bin ich sogar, bin ich auch dafür.
- 47:39Sogar, weil eine Branche braucht Kritiker.
- 47:44Und man muss nur wissen, eben wofür steht der Kritiker.
- 47:48Und Vinnis zum Beispiel hat eine andere,
- 47:51anderen Fokus als Parker oder vielleicht der Wine Spectator
- 47:54oder der DeCanter oder Weinforen aus Deutschland wie Weim Plus
- 47:59oder Falzstaff. Also, ich will damit nur sagen, es hängt
- 48:02sehr, sehr stark davon ab, welche Publikation man ist.
- 48:05An der Stelle, glaube ich, sind wir uns sogar einig,
- 48:08dass wir sagen, man muss bewerten, also wer ist der Verkoster.
- 48:12Und bei Parker, muss ich sagen, gibt es, glaube ich,
- 48:14acht oder neun Verkoster.
- 48:15Es gibt einige von den Verkoster, die finde ich besser.
- 48:18Und andere gefallen mir nicht so gut, weil auch innerhalb
- 48:22der Verkoster gibt es großes Gefälle von Präferenzen.
- 48:26Also, ein Verkoster steht für mich für eine Meinung.
- 48:29Und wenn er das richtig gut macht, das ist doch super,
- 48:32ist doch total hilfreich, hilft er beim Navigieren durch diese Weinwelt.
- 48:36Nee, ich meinte eher, dass bei den Punkten das Problem ist,
- 48:39dass viele Kunden sich dann nicht richtig damit auseinandersetzen
- 48:45und sozusagen nur auf diese Punkte gehen, das sind ja
- 48:50sozusagen wie internationale Bloodships dann gehandelt.
- 48:53Also, bald du ja 9900 Punkte hast, ist eigentlich relativ einfach
- 48:57die Sachen zu verkaufen. Aber es gibt eben auch richtig gute
- 49:00Weine mit 90 oder 89 Punkten, aber da muss man den Text halt lesen
- 49:04und da muss man ein bisschen tiefer einsteigen.
- 49:07Und ich finde, deswegen, das ist die einzige,
- 49:11das ist der Pferdefus, oder die Achillesferde,
- 49:15bei den Bewertungen ist das Menschen trotzdem
- 49:19sehr unterschiedlich wahrnehmen.
- 49:21Und wir nehmen jetzt hier die Meinung eines absoluten Experten wahr,
- 49:24die aber vielleicht mit meiner eigenen Lebenswirklichkeit
- 49:27nicht immer was zu tun hat. Aber, und das finde ich wieder gut,
- 49:30man kann das ja akzeptieren.
- 49:32Man kann ja sagen, hey, super, toll, dass du das schön findest,
- 49:35aber ich mag was anderes. Und ich glaube, wir müssen die
- 49:38Verbraucher viel selbstständiger machen in ihrem
- 49:42in ihrer Wahrnehmung. Dann finde ich, sind die Punkte
- 49:46sogar wieder sehr hilfreich und kann man sagen, okay, wie sieht der das denn?
- 49:49Ah, der sieht das so, okay, so sehe ich das nicht.
- 49:52Aber es ist halt nichts Absolutes. Und die Leute machen
- 49:55einen absoluten Wert daraus und insbesondere der Handel.
- 49:58Viele Händler, sag ich mal, kennen nur die Werte,
- 50:02Punkte und Preis. Vielleicht auch noch so
- 50:06Streichpreis und andere Dinge. Aber eben nicht, was ist der Wein
- 50:09wirklich? Was stellt der Wein da? Oder was ist der Wein wert?
- 50:12Und deswegen glaube ich, an der Stelle sind Punkte
- 50:16manchmal einfach nur so ein Trademark
- 50:20und man muss da tiefer einsteigen.
- 50:23Wie kannst du deinen Geschmack beschreiben?
- 50:26Also den du beim Wein hast, wonach du suchst,
- 50:29wonach du Wein definierst, vielleicht auch nicht
- 50:31guten Wein, sondern wenn du sagst, das ist mein Geschmacksideal.
- 50:36Jetzt los, Gülis, interessant und das Ganze.
- 50:40Ja, auch wenn man immer Wortfindungsschwierigkeiten hat
- 50:44und versucht, das Richtige zu finden, aber ich finde
- 50:48Weine mit Soul, also mit anderen Worten, Charakter haben.
- 50:54Wir haben gestern, weil wir gerade über Kalifornien sprechen,
- 50:57wir haben jetzt Hauvinier Blanc getrunken aus einem Weingarten
- 51:00700 Meter hoch aus Kalifornien von den besagten
- 51:03Arno Roberts Leuten, das ist der zweite Jahrgang davon.
- 51:07Ascona Vignat und das Ding hatte eine tolle Säure,
- 51:12das war frisch, das hatte mineralische Kühle am Gaumen,
- 51:16das war zupackend an den Seitenrändern des Gaumens,
- 51:20also wir sprechen ja von der Phenolik ein bisschen,
- 51:23also grüne, pfeffrige, würzige Noten, war aber komplett reif,
- 51:26war nicht mit Holz zugekleistert, also war ausbalanciert,
- 51:31war austariert, war reine Lebensfreude.
- 51:35Vielleicht würde ich sagen, ich mag Weine, die eine positive,
- 51:37gute Energie haben. Die gibt es übrigens in Bordeaux,
- 51:41die gibt es im Naturweinbereich, die gibt es beim Orange,
- 51:43die gibt es bei der Amphore, die gibt es bei Kalifornien,
- 51:45die gibt es bei Frankreich, Italien, Deutschland und so weiter.
- 51:48Das ist also etwas, das kann ein Winzer nur dann erreichen,
- 51:52meistens wenn er im Einklang mit sich und dem Fleckenland,
- 51:55den er da bewirtschaftet, erreichen.
- 51:58Und dann gibt es trotzdem sehr, sehr gute Plagiate aus der Industrie.
- 52:02Aber ich hatte neulich einen Doppiopaso, seit langen probiert,
- 52:07mal weil das mich auch interessierte und verkostet,
- 52:11und ich war erschrocken, wie gut der war.
- 52:14Also das war gut aus kommerzieller Sicht, für mich total uninteressant,
- 52:20weil er hatte eben nicht hard in Soul,
- 52:23er hatte genau eben alle diese Sachen, von denen ich gesprochen habe,
- 52:26hat er nicht gehabt, aber er hat genau das bedient,
- 52:28was viele Leute eben auch im Wein suchen.
- 52:30Süße, schweren Alkohol, ein kräftiges Holzaroma,
- 52:35ob das überhaupt vom Holz kam bei dem Wein,
- 52:37weiß ich nicht wahrscheinlich in der Kategorie,
- 52:40das ist ja so ein 6-7 Euro Wein, da wird ja die Klaviatur der Industrie,
- 52:45wird ja rausgeholt für alles Mögliche.
- 52:47Die machen da ein sehr gutes konfektioniertes Produkt,
- 52:52das man vielleicht vergleichen kann mit irgendeiner komischen Schokolade,
- 52:56die entweder handgeschöpft ist oder eben die Anertanke gekauft.
- 53:01Und das war aber die Anertanke, für dich kaufe ich mir auch ab und zu mal eine Schokolade
- 53:05oder irgendwelche Sachen.
- 53:07Es ist zwar nicht, aber hier so bounty-nuts und wie das alles heißt,
- 53:11oder Snickers oder so, der schmeckt den Leuten ja.
- 53:13Und das ist ja bei Wein genau das Gleiche.
- 53:15Und die guten Sachen, die muss man sich erarbeiten,
- 53:20das zeichnet einen guten Wein aus,
- 53:22dass es einfach mehr zu bieten hat als nur Belanglosigkeit.
- 53:26Es war mal, wie komme ich da hin als normaler Mensch?
- 53:29Verkosten, verkosten, verkosten.
- 53:31Also der Gaumen ist wie ein Muskel, anstatt in die Muckibude zu gehen,
- 53:35häufiger mal ein Glas Wein trinken und dann auch den Wein bedachtsam konsumieren.
- 53:41Und daraus entsteht dann auch für sich selber eigentlich so die erste Wertschöpfung,
- 53:47mit anderen Worten Wertschöpfung heißt hier mehr Genuss, mehr Freude zu haben,
- 53:51mehr wiederzuerkennen.
- 53:54Das ist eigentlich das, was einen auch jung hält bei dieser ganzen Sache
- 53:59und auch diese Neugier antreibt.
- 54:01Also deswegen gibt es nicht den Wein, weil mein Geschmack hat sich in den letzten 25 Jahren
- 54:05natürlich stark geändert.
- 54:07Hast du oder vielleicht darf ich darauf nochmal eingehen,
- 54:12ein Winzer hatte mir mal so einen ganz interessanten Gedanken mit auf den Weg gegeben
- 54:16und sagte, man braucht einen Wein, fast nicht schmecken, man fühlt, ob er einem gut tut.
- 54:22Und das kann sich einen sehr interessanten Ansatz, einen sehr interessanten Gedanken letztlich dabei
- 54:27und dass man halt so ein bisschen mehr auf sich hört, in sich selber hinein hört.
- 54:31Die Frage ist immer, wie weit kann man sich runtergradieren?
- 54:34Also was wäre für, hast du einen Alltagswein?
- 54:36Also hast du einen ganz einfachen Wein, den du sagst, wenn ich nicht nachdenken möchte
- 54:39oder ist das dann auch wieder etwas ganz Besonderes, dass du sagst, wenn ich trinke,
- 54:43dann schon und klasse.
- 54:47Also ein so dieses klassische, dass ich 60 Flaschen von einem Wein zu Hause hab, von einer Sorte,
- 54:53den man dann trinkt, wenn sozusagen vom Montags bis Freitags oder sowas, das hab ich nicht.
- 54:59Also das hat aber viele Gründe, das liegt schon mal, erstmal Adarin begründet, dass ich Weinhändler bin.
- 55:04Mit anderem Wort, das ist immer Wein im Haus, ich hab immer was zu probieren,
- 55:07also deswegen meistens erschließt, oder kommt diese Frage erst gar nicht auf
- 55:11und es gibt aber eine ganze Menge Weine bei uns jetzt auch, die ich im Programm habe,
- 55:16die ich mir als Alltagsweine vorstellen könnte.
- 55:18Wir haben z.B. Alvarino aus Portugal, Solero.
- 55:21Auf der anderen Seite, glaube ich, ist es doch eigentlich das Spannende beim Wein,
- 55:25häufiger auch immer wieder mal zu probieren.
- 55:27Aber viele Leute brauchen geschmackliche Komfortzone
- 55:30und deswegen brauchen sie dann sozusagen ihren sogenannten Alltagswein,
- 55:34da wissen sie ungefähr, was sie erwartet.
- 55:37Wie weit darf man preislich runtergehen?
- 55:39Das ist völlig egal, also man könnte bei mir bis auf 2 Euro runtergehen.
- 55:43Also das wäre wirklich egal, aber meistens finde ich darin wirklich gar nichts.
- 55:47Das hat aber nichts mit dem Preis an sich zu tun, das hat eher was damit zu tun,
- 55:52dann mal für 2 Euro meistens ja auch gar nichts Anständiges herstellen kann.
- 55:56Oder für 3 oder 4 Euro, was kann man denn dafür herstellen?
- 55:59Selbst in klimatisch bevorhalten Regionen, teilweise Spanien oder sonstiges,
- 56:05wo du bei weit nicht so viel Aufwand leben musst,
- 56:08ist schon eine Grenze, ich denke 5 Euro kann man, 7 Euro vielleicht?
- 56:13Ich kann es also nicht genau an einem Preispunkt festhalten,
- 56:16aber ich glaube zwischen 5 bis 10 Euro würde ich immer noch Weine finden, die mir gefallen.
- 56:20Ja, durchaus. Zum Feiern, was empfiehlt du da?
- 56:24Also kann man grundsätzlich mit Wein gut feiern oder ist es eine Missachtung,
- 56:27dieses eigentlich, was du ja konsumierst, Handwerksproduktes oder spricht da aus,
- 56:32die der Händler ja sagt, na klar, logisch feiernlos, oder...
- 56:35Natürlich, hatten wir ja gesagt am Anfang, Wein ist das Social Lubricant.
- 56:39Es hat die Frage, was macht Sinn auf einer Feier?
- 56:41Das hängt sehr stark von den Gästen ab, das hängt sehr stark davon ab,
- 56:44wie die Feier organisiert ist.
- 56:46Also für eine Gartenparty brauche ich was anderes als für Gänseessen.
- 56:49Also da geht es ja schon mal los.
- 56:52Gleichzeitig würde ich sagen, bei Feiern meistens hat man ja doch
- 56:58sehr unterschiedliche Menschen anwesend.
- 57:01Und der eine hat einen hohen Anspruch und der andere hat gar keinen Anspruch
- 57:04und manche haben sogar einen geringeren Anspruch.
- 57:06Und irgendetwas zu finden, was so in der Mitte ankommt,
- 57:10wo sich alle gut aufgehoben fühlen mit.
- 57:13Also wo der, der vielleicht sagt, ich trink gar keinen Wein, aber das schmeckt mir.
- 57:17Oder der, der ganz oben sagt, oh wow, wusste gar nicht,
- 57:21das ist so ein tollen Wein zu so einem Preis, oder das ist so ein toller Wein ist,
- 57:25der mir gefällt, obwohl er gar nicht so exquisit oder so eklektik ist.
- 57:31Oh, das ist doch super. Also so was zu finden ist aber eine Kunst.
- 57:34Das ist gar nicht so einfach, aber das gibt es natürlich.
- 57:37Und sollt man dann die Grenzen nach oben wahren, dass man sagt, okay,
- 57:40das ist zu schade, der Wein ist zu schade für die Party?
- 57:43Schade ist erstmal gar nichts, finde ich.
- 57:45Also das hat was mit Wertschätzung zu tun.
- 57:47Aber ich würde sagen, also die ganz, ganz wertvollen oder berühmten Weine dieser Welt,
- 57:52die sind teilweise wirklich nicht dazu gemacht, dass man sie bei einer Party trinkt.
- 57:55Die trinkt man zu einem Essen mit Freunden, mit Herzensmenschen oder auch mit Kollegen.
- 58:02Mit Wertschätzung hat das was zu tun.
- 58:04Weil diese Weine brauchen Zeit.
- 58:06Und diese Zeit muss man ihnen auch geben.
- 58:08Und da, die Zeit hat man auf einer Feier aber nicht, da muss man die Zeit anderen Menschen geben.
- 58:14Und das ist der Wein des Begleitelement.
- 58:16Genau.
- 58:17Das Ganze untermalt und vielleicht sogar harmonisiert oder den ganzen gewissen Rahmen gibt.
- 58:23Und manchmal ist da mehr, weniger in dem Sinne.
- 58:27Genau.
- 58:28Aber nicht unbedingt immer günstiger.
- 58:30Also ich finde auch ganz, ich finde es nicht schön, wenn man irgendwo eingeladen ist
- 58:34und die Leute machen sich gar keine Gedanken.
- 58:37Also ich finde schon, das ist total wichtiges Thema, dass man irgendwie was findet
- 58:41oder dass man etwas findet, wohin da man auch steht als Gastgeber.
- 58:44Woran sollte man sich orientieren am größten oder am kleinsten möglichen Faktor?
- 58:47Also an dem, der den einfachsten oder den Anspruchsvollsten geschmackert hat
- 58:52oder soll man das einfach als Geschenk an seine Gäste betrachten, dass man sagt,
- 58:55ich habe den Wein nach meinem Geschmack für euch ausgesucht.
- 58:58Ja, datschert.
- 58:59Und ich hoffe, ihr könnt euch damit oder ich mache euch damit eine Freude so,
- 59:02als würde ich Blumen dann irgendwo schenken.
- 59:05Hast du eine Lieblingsblume?
- 59:07Also ganz kurz, also zur Lieblingsblume komme ich sofort.
- 59:10Bianca.
- 59:12Also auch.
- 59:14Bianca ist ein Blumenschraus, das ist keine einzelne Abblumen.
- 59:19Aber du hast es eigentlich schon gerade gesagt, das finde ich sehr gut.
- 59:24Genau das ist es.
- 59:25Der Wein sollte Ausdruck von Wertschätzung sein gegenüber seinen Gästen.
- 59:29Ich kenne wirklich Gastgeber, die geben sich sehr, sehr wenig Mühe.
- 59:33Und man merkt es sofort, finde ich, irgendwie jetzt.
- 59:37Nicht jeder vielleicht merkt es, aber ich gehöre natürlich zu den Menschen,
- 59:40die das mitbekommen.
- 59:42Das hat auch was entlarvendes manchmal, gerade dieser Moment.
- 59:45Und meine Lieblingsblume.
- 59:47Strelitzchen, Bird of Paradise.
- 59:50Wow.
- 59:51Kalalilis mochte ich auch früher immer sehr, sehr gerne.
- 59:54Bist du Blumenaffin?
- 59:56Oder eher weniger?
- 59:58Also ich mag, ich mag sehr gerne.
- 1:00:01Ich bin am Wochenende sehr, sehr viel im Garten.
- 1:00:04Du hast den Garten?
- 1:00:05Ja, cool.
- 1:00:07Draußen im alten Land?
- 1:00:09So, nicht im alten Land in der Richtung Mecklenburg-Vorpormann.
- 1:00:13Und ich liebe das.
- 1:00:15Also echt mit den Händen im Dreck zu führen und irgendwie zu sehen,
- 1:00:20dass es wieder wächst.
- 1:00:22Und auch ich finde es total schön für mich als Mensch,
- 1:00:25dass ich noch heute, dass ich teilhaben darf an den Jahreszeiten.
- 1:00:29Also früher, Sommer, Herbst, Winter.
- 1:00:31Das kriegst du nur mit, wenn du dich mit einem Garten sozusagen auseinandersetzt.
- 1:00:37Ich finde das irgendwie, geht es genauso.
- 1:00:39Also wir haben auch einen Garten.
- 1:00:41Und ich fühle mich da manchmal wie so ein Winzer.
- 1:00:45Wenn man probiert da etwas und dann werden keine Ahnung,
- 1:00:47die Karotten, die ist ja nichts.
- 1:00:49Und dann sagt man halt, mach ich vielleicht nächstes Jahr und dann wird es besser.
- 1:00:53Und dann überlegt man sich eigentlich,
- 1:00:55habe ich ja jetzt nur noch bewusst 20 oder 30 Chancen.
- 1:00:59Weil 20 oder 30 Jahre, bis ich irgendwann kreis bin
- 1:01:02und dann wahrscheinlich mit dem Rollator darunter huschen muss,
- 1:01:05noch die Chancen, die Karotten nach meinem Ideal mehr oder weniger anzu-pflanzen
- 1:01:09und gantenbein sagt, das ist damals zu mir,
- 1:01:11ich sagte eigentlich ist das richtig scheiße.
- 1:01:13Wir haben ein Leben Zeit, um Wein machen zu lernen.
- 1:01:16Und eigentlich bräuchten wir ein zweites Leben, um das zu perfektionieren.
- 1:01:19Oder um das einfach nach unserem Wünsch dann auch zu genießen in der Form.
- 1:01:22Das hat mir der Garten dann irgendwo gelehrt.
- 1:01:25Also in der Tat der Garten, diese begrenzte Zeit.
- 1:01:28Ja, das ist, genau.
- 1:01:30Ich glaube auch, dass für viele Winzer, die denken in anderen Zyklen,
- 1:01:33die haben einmal im Jahr manche so diese Flying Wine Makers,
- 1:01:36gibt es ja auch noch, das glaube ich nicht mehr ganz so fashionär,
- 1:01:39aber wie früher, ist eher schon so ein bisschen peinlich,
- 1:01:42Flugscham etc.
- 1:01:44Ja, aber eben auch wegen der Globalität des Geschmacks.
- 1:01:47Ist das so ein bisschen, gibt es bei dir Grenzen nach oben beim Wein?
- 1:01:51Also sagst du, ich würde niemals 15.000 Euro für ein Wein
- 1:01:55oder jetzt losgelöst vom Wirtschaftlichkeit, oder?
- 1:01:58Nein.
- 1:01:59Oder da sagst du, das sind für mich ethische Grenzen,
- 1:02:02so was für Wein zu bezahlen.
- 1:02:04Das ist ein Geldfest zu halten, finde ich.
- 1:02:06Widerspricht sich sowieso, weil Geld kennt keine Ethik.
- 1:02:09Also zumindest so, wie sie gerade gelebt wird von vielen Menschen.
- 1:02:13Aber ich finde es sollte, also ich habe bei Wein gar keine Grenzen,
- 1:02:16aber ich habe schon eine.
- 1:02:19Ich finde, man sollte nur, oder sag ich mal so,
- 1:02:23ich würde 20.000 Euro für eine Flasche Wein ausgeben,
- 1:02:26wenn ich wüsste, dass der Wein mir ein Erkenntnisgewinn bringt.
- 1:02:30Das gibt es ja.
- 1:02:32Also es gibt ja Weine, die wirklich was ganz, ganz besonderes darstellen.
- 1:02:35Und wenn ich heute jetzt nochmal irgendwo eine Flasche,
- 1:02:3878er, Ermittage, Laschappel, gut gelagert,
- 1:02:41irgendwo herbekommen, das ist ein Wein von der Ron,
- 1:02:44ein berühmter Wein aus verschiedenen Parzellen
- 1:02:48am Ermittagesberg von der Familie Javoli,
- 1:02:50aus einer unglaublich guten Zeit für dieses Haus.
- 1:02:53Ich würde einfach nur mal interessieren, ob der Wein
- 1:02:56noch wirklich so großartig ist wie vor 10 Jahren,
- 1:02:58als ich ihn das letzte Mal getrunken habe, oder?
- 1:03:00Ja.
- 1:03:01War das für dich der Nonplus Ultra bei?
- 1:03:03Ist ja, glaube ich, einer der teuersten Beinen,
- 1:03:05der in Versteigerung nicht 78,
- 1:03:08aber ich glaube, der lag bei 16.000, 18.000 Euro.
- 1:03:11Mittler, wirklich? Ist das so teuer?
- 1:03:13Also wahrscheinlich meinst du eher den 45er oder den 61er?
- 1:03:17Genau, 61, entschuldige, aber naja gut.
- 1:03:19Der ist auch traumhaft.
- 1:03:21Halt dein Geburtsjahr, ne?
- 1:03:22Danke.
- 1:03:2378.
- 1:03:24Also dein Humor möchte ich haben.
- 1:03:26Keine.
- 1:03:27Es war keine.
- 1:03:28Aber du warst Kellner, du bist dann aus Kalifornien zurück
- 1:03:33und dann Wein oder Koch.
- 1:03:38Bei einer Sache wurde mir so richtig gewahr,
- 1:03:53wurde mir so richtig bewusst,
- 1:03:55dass diese Kraft von einem solchen Meinungsbildner
- 1:03:58wie Henry Thoma ausgeht.
- 1:04:00Und das, als er einen zeitungsartige Verfasste
- 1:04:03in dem er erwähnte, wie viele belanglose und unscheinbare Graubugunde
- 1:04:08abgefüllt und zu Hauf konsumiert werden.
- 1:04:10Daher heraus entwickelte sich fast in einem Schneewaldsystem
- 1:04:13ein regerechtes Graubugunderbashing.
- 1:04:16Sozialmedial hat jeder, der auch nicht gefragt wurde,
- 1:04:19seinen Missmut über diese Rebsorte Graubugunder zum Besten gegeben.
- 1:04:23Das Handel dabei war, dass der Grundtinner des Artikels,
- 1:04:26nicht lauten sollte, Graubugunder sind schlecht,
- 1:04:29sondern es gibt sehr viel schlechte Graubugunder
- 1:04:31und diese greift und versteht man,
- 1:04:34wenn man ein sehr außergewöhnliches Exemplarmglas hat,
- 1:04:37wie zum Beispiel den Pinot Gris,
- 1:04:39den Graubugunder aus der Lage Kessler,
- 1:04:41aus dem Hause Schlumberger.
- 1:04:43Dieser bemerkenswerte Pinot Gris,
- 1:04:45aus der Grandgrühlage Kessler, also puren Sandsteinboden
- 1:04:49und dort aus dem Philly-Stück in der Mitte der Lage,
- 1:04:52einem Tal, welches die Trauben vor kalten Nordwinden
- 1:04:55und kühlen Strömungen schützt.
- 1:04:57Dieser Graubugunder ist ein Wein, der offenbar
- 1:05:00eine unfassbar ausdruckstarke, komplexe, blütengelbe
- 1:05:03Fruchtquitten mirabellen, Flaumenaromatik in sich trägt
- 1:05:07und präsentiert sich am Gaumen herrlich cremig, weich, schmelzig,
- 1:05:11sowohl als solist, als auch als Speisebegleiter einsetzbar.
- 1:05:16Sehr beeindruckend ist seine Dichte, seine Lebendigkeit,
- 1:05:19hat eine perfekt eingebundene Säure und ist dementsprechend
- 1:05:23ein Parade-Exemplar für diese Lage, für dieses Weingut,
- 1:05:26für diese Region.
- 1:05:28Und eigentlich ist es so schade, dass das Elsers zu selten
- 1:05:31auf deutschen Weinkarten zu finden ist.
- 1:05:33Ein Gebiet, das am Fuße der Ostflanke der Vorgäsen
- 1:05:36mit seinen 14.500 Hektar von Nord nach Süden
- 1:05:39auf über 100 Kilometer sich erstreckt.
- 1:05:42119 Gemeinden zwischen Strasburg und Mühlhausen
- 1:05:46leben Wein auf eine ganz einzigartige und faszinierende Art und Weise
- 1:05:50und vor allem Interpretation.
- 1:05:52Spannenderweise ist der Streifen mit Weinbergen
- 1:05:55oft nur 1,5 bis maximal 3 Kilometer breit.
- 1:05:59Und wie bereits erwähnt, ist es schade, dass viele dieser Weine
- 1:06:03mit den deutschen Wein aus Baden oder aus der Fals
- 1:06:06in einen Topf geworfen werden.
- 1:06:08Zu oft verglichen werden und ihre individuelle Charakteristik
- 1:06:12oft gar nicht berücksichtigt wird.
- 1:06:14Wenn man einen solchen Graubugunder wie aus der Lage Kessler,
- 1:06:17wie aus dem Hause der Domain-Chlombergé,
- 1:06:20aus dem Elsers im Glas hat, dann merkt man,
- 1:06:22dass diese Weine eigentlich unvergleichbar sind.
- 1:06:25Man muss sie probieren, man muss es erleben
- 1:06:27und dann hat man wieder eine neue Wahrnehmung,
- 1:06:29ein neues Gefühl für diese Rebsorte, für Graubugunder,
- 1:06:32für Pinogri, für das Elsers.
- 1:06:34Und so werde ich zurück zum Gespräch
- 1:06:36und vielleicht rede ich mit Hendrik nochmal
- 1:06:38über diese Graubugunder-Geschichte.
- 1:06:43Dann war es klar, das waren wir vorhin noch,
- 1:06:46das war ja so ein, so ich sage, das haben wir noch nicht,
- 1:06:49noch nicht ganz bevor wir abgeschweiften sind.
- 1:06:52Für mich stand das dann dann fest.
- 1:06:54Und deswegen war die Sache, die bleibst du jetzt hier in Amerika?
- 1:06:57Machst du das dort weiter?
- 1:06:59Und man muss sagen, in der Zeit noch ein bisschen anders.
- 1:07:02Es gab noch nicht so viele, diese Weinschulen und uns,
- 1:07:05gab zwar schon ein paar Sachen, aber ich habe gesagt,
- 1:07:07ne, dann gehe ich jetzt auf die Hotelfachschule nach Heidelberg,
- 1:07:09die haben einen Zommelgekurs angeboten.
- 1:07:11Das war damals schon?
- 1:07:13Das war der zweite Kurs.
- 1:07:15Um die Wendezeit, die zweite Kurs? Ah.
- 1:07:17Ja, das war '94, '93.
- 1:07:19Kennst du noch Lehrer?
- 1:07:21Also kennst du auch einen Namen von Lehrern?
- 1:07:23Ja, natürlich Hans-Gültter Birke natürlich.
- 1:07:25Der war sehr, sehr gut.
- 1:07:27Marianne Müller, das war damals die
- 1:07:30Schulleiterin
- 1:07:32und dann gab es
- 1:07:34ein Herrn Krieg, der hat uns dann,
- 1:07:36der kam von der Kochseite, der hat uns dann
- 1:07:38die ganzen Kochgeschichten nochmal erzählen.
- 1:07:40Also die Schule war ganz am Anfang.
- 1:07:42Wir waren auch eine ganz kleine Klasse.
- 1:07:44Interesse natürlich, entsprechend gering
- 1:07:46für so einen exotischen Beruf.
- 1:07:48Ich glaube, wir sind mit sechs Mann gestartet
- 1:07:50und, oder sechs Leute gestartet
- 1:07:52und fünf davon sind wir dann auch,
- 1:07:54oder fünf sind geblieben.
- 1:07:56Ach, ich glaube, es war 'ne zweijährige Ausbildung damals.
- 1:07:58Ja, ich kann es, es war ein Jahr
- 1:08:00und noch ein halbes Jahr auf dem Weingut
- 1:08:02beziehungsweise ein paar Monate, vier Monate.
- 1:08:04Welchen Weingut warst du?
- 1:08:06Weingut Johanneshof im Rheingau. Schön.
- 1:08:08Genau. Nice.
- 1:08:10Ganz toll. Großartig.
- 1:08:12Und dann mit deinem gradeerrungenden
- 1:08:14Abschluss bist du?
- 1:08:16Ja, das war ja dann eigentlich nur mal,
- 1:08:18ich hatte so ein bisschen das Gefühl,
- 1:08:20also die Praxis und das Ganze verkosten
- 1:08:22und das über diesen Art,
- 1:08:24diese Art den Wein kennenzulernen,
- 1:08:26ist noch nicht das,
- 1:08:28ich hatte das Gefühl, dass man auch 'ne
- 1:08:30gewisse Grundlagen braucht in der Theorie.
- 1:08:32Ja. Und ich wollte auch mal sehen,
- 1:08:34sozusagen mich Benchmarken auch,
- 1:08:36ich hatte auch gleichgesinn.
- 1:08:38Also ich hatte unfassbar viel Angst
- 1:08:40auch vor dieser ganzen Schule,
- 1:08:42weil ich eben kein Kellner war, wie alle anderen.
- 1:08:44Und bei deinem letzten Schulkarriere ja nicht die erfolgreichste,
- 1:08:46laut deiner Schilderung war?
- 1:08:48Bitte? Ja.
- 1:08:50Bei deinem letzten Schulkarriere nicht,
- 1:08:52oder nicht die engagierteste, ne?
- 1:08:54Die Schulkarriere noch mal, ich stehe noch mal außen vor,
- 1:08:56aber hier kommen jetzt die Karriere
- 1:08:58als Koch, oder ich hatte ja als Koch gearbeitet.
- 1:09:00Ich war der einzige Koch
- 1:09:02unter diesen ganzen Kellnern.
- 1:09:04Und ich war feiner als die Gäste.
- 1:09:06Also das war ...
- 1:09:08Und sich gegenseitig trinkelt gegeben.
- 1:09:10Sehr gut.
- 1:09:12Ja, genau.
- 1:09:14Und sich selbst auf die Schulter geklopft.
- 1:09:16Also mit anderen Worten war ich sowieso schon ein bisschen
- 1:09:18der Außenseiter in der Klasse.
- 1:09:20Als Koch war man natürlich ein ungehobelter
- 1:09:22Typ.
- 1:09:24Meistens der, ja, weil Koch war auch
- 1:09:26ein Job, der in den 80ern
- 1:09:28und 90ern nicht besonders angesehen war.
- 1:09:30Zumindest nicht hier in Deutschland.
- 1:09:32In Amerika war schon ein bisschen was anders.
- 1:09:34Da hieß ja auch der Koch-Chef.
- 1:09:36Und da ging das ja schon los.
- 1:09:38Und die Wertschätzung für Essen und Trinken,
- 1:09:40die man ich in den USA erlebt hatte,
- 1:09:42die kannte ich so nicht aus meiner Heimat.
- 1:09:44Also das muss man sagen, in Deutschland
- 1:09:46ist für ein Großteil der Bevölkerung
- 1:09:48Essen-Nahrungsaufnahme.
- 1:09:50Und auch, ich würde sagen, sogar fast unabhängig ...
- 1:09:52Stoffwechsel eigentlich eher.
- 1:09:54Oder Stoffwechsel.
- 1:09:56Und das sogar unabhängig da, von manchen
- 1:09:58haben einfach gesagt, ich leiste mir ein Luxus-Restaurant,
- 1:10:00weil es da besser ist, aber ob sie es wirklich
- 1:10:02wertgeschätzt haben oder ob sie es sich nur leisten konnten.
- 1:10:04Ich fand immer, Wertschätzung
- 1:10:06ist ein schönes Thema.
- 1:10:08Schönes Thema für Wein, schönes Thema für
- 1:10:10andere Menschen, schönes Thema für
- 1:10:12Gastronomie.
- 1:10:14Also Dinge, Dinge, die du auch so liebst.
- 1:10:16Also das schätze ich
- 1:10:18und wertschätze ich an dir sehr.
- 1:10:20Du wertschätzt Kollegen,
- 1:10:22du wertschätzt Winzer, Gäste.
- 1:10:24Also du bist schon sehr direkt
- 1:10:26auch in deiner Art Dinge zu äußern.
- 1:10:28Aber immer mit einem
- 1:10:30enormen Grundrespekt
- 1:10:32vor Menschen oder vor dem anderen oder dem Gegenüber.
- 1:10:34Man muss ja nicht mit einer Meinung sein.
- 1:10:36Ja, gar nicht, überhaupt nicht.
- 1:10:38Wobei wir leben in einer Zeit, wo dir deine Meinung ...
- 1:10:40Jetzt muss ich aufpassen, im Kopf ein so
- 1:10:42komischem, das kennen wir, wenn man so in AfD
- 1:10:44spricht, wir leben in einer Zeit, in der ich nicht sagen,
- 1:10:46dass ich das sage, was ich denke.
- 1:10:48Ich bin nicht überhaupt nicht dabei, ich kann hier,
- 1:10:50das ist das Schöne, ich kann hier Gott sei Dank alles sagen.
- 1:10:52Und nur, man muss halt vorsichtig sein,
- 1:10:54manchmal wie man es sagt oder wie man es adressiert.
- 1:10:56Weil das eventuell da wieder jemanden verletzt.
- 1:10:58Auf einer anderen Seite, man kann sein ganzes Leben lang
- 1:11:00nicht nur darauf aufbauen.
- 1:11:02Ich soll ich sagen,
- 1:11:04"Hau darf ich das jetzt sagen?"
- 1:11:06Dann ist jetzt jemand beleidigt irgendwo in Puse Muckeldorf,
- 1:11:08weil ich was gesagt habe, weil er eine andere Meinung hat.
- 1:11:10Ich finde es total spannend, wenn Menschen eine andere Meinung haben.
- 1:11:12Ich höre mir die an und sage, meine ist eine andere.
- 1:11:14Und damit ist das auch okay.
- 1:11:16Also deswegen ist der andere aber für mich
- 1:11:18weiterhin Gesprächspartner.
- 1:11:20Warst du dann schon Grenzgänger?
- 1:11:22Also bist du dann schon Richtung Osten direkt nach der Schule
- 1:11:24oder gab es da eine Zwischenstation?
- 1:11:26Stimmt, ich war ja auch noch in Leipzig.
- 1:11:28Ja, du warst einer der Reformatoren dort,
- 1:11:30der Weinwelt letztlich,
- 1:11:32in einem der durchaus interessantesten.
- 1:11:34Ich habe davon immer geträumt,
- 1:11:36mal in dieses Hotel hinein zu gehen.
- 1:11:38Als ich als kleines Ostkind durch Leipzig ging,
- 1:11:40und da standen Rolls-Rolls in der Lobby drin.
- 1:11:42Ich fand das so bewundern, wie kann man nicht rein?
- 1:11:44Also ich war ja dann nicht privilegiert.
- 1:11:46Und das war für mich so dieses Hotelmercour.
- 1:11:48Das Nonplus-Ultel.
- 1:11:50Das war für mich so dieses Hotelmercour.
- 1:11:52Das Nonplus-Ultra eigentlich schlechthin.
- 1:11:56Und da warst du die erste Somn...
- 1:11:58Die hatten auch...
- 1:12:00Zu DDR-Zeiten dort ein Zombie,
- 1:12:02der einer, der renommiert ist,
- 1:12:04das Land ist oder durchaus auch sehr bewandert.
- 1:12:08Die durften, glaube ich, sogar, die durften sogar, glaube ich,
- 1:12:10in den Westen oder die durften sogar in meinem Baugebiet
- 1:12:12reisen, glaube ich.
- 1:12:14Die hatten sogar Sonderprivilegien, glaube ich.
- 1:12:16Und der hat die Schüssel an dich übergegeben?
- 1:12:18Der war schon weg.
- 1:12:20Ich komme jetzt gerade nicht auf seinen Namen.
- 1:12:22Wir haben ihn im Büchen, diesen Tom & Tom-Buch,
- 1:12:25und man hinten auch wird aufgeführt als keine Erbieterung sozusagen.
- 1:12:30Aber...
- 1:12:32Da waren ja einige.
- 1:12:34Da gab es ja auch in Berlin,
- 1:12:36gab es ja auch ein berühmtes Hotel, den Somnli,
- 1:12:38die habe ich auch kennengelernt mal irgendwann.
- 1:12:40Also diese Ost- oder auch in Kuba habe ich mal jemand kennengelernt.
- 1:12:43Also die im Sozialismus waren,
- 1:12:45diese Somnli-Jes-Teil des Konzeptes
- 1:12:48in den Divisenhotels.
- 1:12:50Ja, das ist interessant, was du sagst,
- 1:12:52weil ich glaube, also wenn man diesen Klotz da sieht,
- 1:12:55in der Leipziger Innenstadt,
- 1:12:57das heutige Westen, damals Interconti, davor eben...
- 1:13:01Merkur.
- 1:13:03Merkur-Hotel.
- 1:13:05Komisch, dass ich das noch weiß, dass ich so was eingeprägt hatte.
- 1:13:07Das ist krass.
- 1:13:09Und das war, also ich finde eigentlich so Rückblicken,
- 1:13:11eine total bizarre und wilde Zeit.
- 1:13:13Und auch eine total spannende Zeit.
- 1:13:15Ich glaube, für das Thema Wein...
- 1:13:18Dann bist du rüber in 90.
- 1:13:20Nee, nee, später, 1993, 1994.
- 1:13:23Ich dachte direkt, Mauer auf und du,
- 1:13:25er hat ja dran geklopft und...
- 1:13:27Man muss ja fairerweise dazu sagen,
- 1:13:29dass viele, die dann aus dem Westen in den Osten gingen...
- 1:13:32Sorry, jetzt muss man aufpassen,
- 1:13:35aber echt auch zweite Garnitur waren.
- 1:13:37Ja, also dir fand ich, das ist mir aufgefallen,
- 1:13:41dass viele meiner sozusagen westlichen
- 1:13:44Kollegen da aufgetreten sind, als wenn sie irgendwie...
- 1:13:48Ja, da so eine Art neues Herzschaffsystem etablieren wollten.
- 1:13:53Also so imperialistisch.
- 1:13:55Das war ziemlich dämlich, muss ich sagen, rückblickend,
- 1:13:58weil...
- 1:14:00Aber Gott sei Dank nicht alle, aber eben doch ausreichend,
- 1:14:03um anscheinend auch ein Stachel ins Fleisch zu setzen,
- 1:14:05der ja bis heute anhält.
- 1:14:07Zumindest das Gefühl der Wertigkeit zwischen beiden,
- 1:14:12zwischen West und Ost, noch nicht so richtig austariert ist.
- 1:14:15Wobei das für mich in der Gastronomie nicht das...
- 1:14:18Oder nie so das Problem war, war in der Gastronomie,
- 1:14:21konnte man mit jedem arbeiten, ob aus der Türkei,
- 1:14:24kam der Spüler oder aus Indien.
- 1:14:26Ich glaube, aber der Koch aus Frankreich,
- 1:14:28oder ich möchte ihn aus Schwanne...
- 1:14:30Ob es mit Betrachtet wird, vielleicht ist das meine Ansicht,
- 1:14:32aber es gibt immer Gefälle sowohl Ost-West,
- 1:14:34gibt es auch in nahezu jedem Land,
- 1:14:36also auch in Frankreich, Italien, aber auch Nord-Süd.
- 1:14:38Ja, gibt es natürlich.
- 1:14:40Ich darf das vielleicht nicht überstrapazieren,
- 1:14:42aber damals zu der Zeit, also '93,
- 1:14:44da war es natürlich nochmal eine andere...
- 1:14:46Es war überall spürbar.
- 1:14:48Ja, das glaube ich.
- 1:14:50Und trotzdem, ich muss sagen, rückblickend,
- 1:14:53eine super Zeit gehabt. Tolle Leute, die gewerzt werden.
- 1:14:56Ja, vielleicht auch heute noch, aber damals war es klasse
- 1:14:59und wir waren ja alle so auch neugierig aufeinander.
- 1:15:02Wir durften ja...
- 1:15:04Ich kannte vorher auch nur die DDR als Kind,
- 1:15:08das war ein Land hinter der Mauer,
- 1:15:10das waren unsere Feinde mehr oder weniger,
- 1:15:12zumindest unterstützen sie unsere Feinde,
- 1:15:14zumindest wir waren ja in der englischen Besatzungszone
- 1:15:17in Zeiten des Kalten Krieges.
- 1:15:19Und trotzdem wusste man, das war ja sozusagen unser Land,
- 1:15:23bzw. es war mal ein Volk.
- 1:15:25Und dann dahin zu kommen,
- 1:15:27und ich muss sagen, ich bin sehr herzlich aufgenommen worden
- 1:15:30und sehr warm und habe ganz tolle Sachen erlebt,
- 1:15:33ob das Kurt Masur war, der regelmäßig vorbei kam
- 1:15:37und mich immer Meister nannte, dann bin ich immer im Boot.
- 1:15:40Ja, der nannte mich Meister, weil ich war der Weinmeister.
- 1:15:43Ich war kein Master Sommelier, also ich war einfach nur der Wein.
- 1:15:46Mestro, sagt er immer, das war natürlich ein bisschen bei sich,
- 1:15:50das war so ne Art Humor, aber das war klasse.
- 1:15:53Und dann sagt er, Mestro, was trinken wir denn?
- 1:15:55Natürlich, ich hätte da einen ganz tollen Müllatorgau
- 1:15:58von der Saale und Strut, vom Klawingut Klaus Remo Deckert,
- 1:16:01den möchte ich gerne haben, vom Muschelkalkboden.
- 1:16:04Ja, aber der hatte das schon sehr, sehr gut begriffen.
- 1:16:07Also, dass man früh auf die Leute, die, ich mein, 94, das war,
- 1:16:11ich glaube, das war der dritte Jahrgang von dem,
- 1:16:14der war, glaube ich, Dachdecker vorhin in seinem Beruf,
- 1:16:17aber die haben das in der Familie immer Wein gehabt.
- 1:16:20Und der schmeckte auch ziemlich gut.
- 1:16:22Ich mochte den Wein sehr, sehr gern.
- 1:16:24Und wir haben das Palettenweise da durchgeschoben,
- 1:16:26und die Leute waren neugierig auf das, was da kam.
- 1:16:28Auch viele Besucher, Leipzig ist natürlich als Messe-Stadt
- 1:16:31eine interessante Destination gewesen.
- 1:16:33Also mit anderen Worten kamen auch die Leute aus dem Westen,
- 1:16:35die wollten natürlich was probieren.
- 1:16:37Und dann gab es da also die berühmten Meisner Wein,
- 1:16:39Meisner von der Rotwein, den habe ich aber nie richtig getraut.
- 1:16:44Das war von der Meisner WEG, das war...
- 1:16:47Man muss nicht alles tun im Leben, ne?
- 1:16:49Nein, aber die Leute haben es trotzdem gekauft.
- 1:16:51Natürlich auch durch die Regionalität und Hassnäckentizel.
- 1:16:54Ja, auch aus Solidarität auch.
- 1:16:56Ja, das, was ja eigentlich schön ist, dieser gelebte Patriotismus
- 1:16:59und sich dazu zu bekennen, dann auch die Neugierde von den Touristen,
- 1:17:04die Weine, die dort wachsen kennen zu lernen,
- 1:17:06was man ja selber auch an den Tag lebt, wenn man irgendwo in die Region...
- 1:17:09Grauburgunder von Prinz zur Lippe, das war auch ein Erinner.
- 1:17:13Und seine Hochgütezeit, als Martin Schwarz damals noch Kellermeister war.
- 1:17:16Ich weiß nicht, ob er damals überhaupt schon dabei war,
- 1:17:18weil ich weiß auch nicht,
- 1:17:20der Prinz hätte noch irgendwo in einer ganz einfachen Wohnung
- 1:17:23in Meißen gelebt, da war gerade dabei...
- 1:17:25Ich war Martin auch beim Heger, das kann sehr gut sein.
- 1:17:28Der Heger erinnert sich immer noch sehr, sehr wohlwollend am Martin Schwarz.
- 1:17:31Aber ich finde, weil du von Kurt Massour das Ganze angefangen hast,
- 1:17:36das ist ein Privileg unserer Branche,
- 1:17:40so besondere Menschen dann irgendwo kennenzulernen,
- 1:17:43wenn auch nur für einen Moment oder eben in ihrer Freizeit,
- 1:17:46wenn sie dann, wenn sie einen Geschäftsessen haben oder sonstiges,
- 1:17:49aber man kommt in Kontakt mit Menschen, die man sonst wahrscheinlich nie erreichen würde.
- 1:17:53Absolut.
- 1:17:54Und da dann auch so prägende Persönlichkeiten wie...
- 1:17:57In der Oberst des Soleils waren es Hollywoodstars und andere Magnaten.
- 1:18:00Und hier waren es jetzt eben diese Leute.
- 1:18:02Und Kurt Massour hat ja auch nicht nur einen künstlerischen Auftrag gehabt,
- 1:18:06sondern ja auch einen anderen.
- 1:18:08Es ging um Werte und um Erhalt und vor allen Dingen auch,
- 1:18:11dass die Menschen wieder aufeinander zugehen.
- 1:18:13Und ich fand das toll, als wir gesagt haben, da neufiger.
- 1:18:16Wie kommen wir jetzt von...
- 1:18:18Ach so, von diesem Hotel, ich wollte nur sagen, ja, und das Traurige trotz allem,
- 1:18:21also was man dann doch mitbekommen hatte,
- 1:18:23ist so, ich hatte dann irgendwie auch noch ein Zimmer,
- 1:18:26weil ich musste warten, bis ich irgendwie eine Wohnung kriegte im Hotel.
- 1:18:30Und das war wohl so ein allermaliges Abhörzimmer der Stasi.
- 1:18:34Ach.
- 1:18:35Und da wurden dann, dann lagen dann noch überall die Kameras
- 1:18:37und die Kameras wurden auch partiell noch abgebaut.
- 1:18:40Und natürlich hast du noch diese...
- 1:18:42Dort im Hotel.
- 1:18:43Ja, ja gut, das war ja...
- 1:18:45Also deswegen ist das ja auch eigentlich, glaube ich,
- 1:18:48für jemand, der in der DDR aufgewachsen ist.
- 1:18:50Das war ja so irgendwie was Unerreichbares in dieses Haus.
- 1:18:54Und gleichzeitig irgendwie auch eine völlige Blase.
- 1:18:58Und auch eigentlich kein gutes Karma, wenn man das so will, finde ich zumindest.
- 1:19:03Weil da ging es natürlich...
- 1:19:05Ja, da wurden Feinschaften ausgelebt.
- 1:19:09Ja, und gar nicht Wertend West oder Ost,
- 1:19:12sondern also Menschen gegen Menschen, System gegen System.
- 1:19:16Und dieses Hotel war das Werkzeug ja dazu.
- 1:19:18Und für die Einheimischen war es total schwer, da reinzugehen.
- 1:19:21Und als die ersten kamen dann ja so zarkhaft.
- 1:19:24Und das waren wieder die wirklich tollen Momente.
- 1:19:27Das war ein Ärzte-Ehrpaar, die ich kennenlernte.
- 1:19:29Und die, wo ich gemerkt habe, unglaublich warm, nette Menschen.
- 1:19:33Mit denen hatte ich auch jahrelang noch Kontakt.
- 1:19:36Und so ganz langsam kamen sie dann wieder
- 1:19:38und eroberten sich das Terrar dort.
- 1:19:41Und das war eigentlich ganz bezaubernd zu sehen.
- 1:19:43Aber ich glaube, für das Groh der Leute war es trotzdem auch so dieser Klotz,
- 1:19:47der da in der Stadt ist.
- 1:19:49So ein...
- 1:19:51Ja, die haben damit gefremdelt die Menschen,
- 1:19:53weil sie wussten, was da passierte.
- 1:19:55Okay. Und das habt ihr gemerkt, also dann auch nachträglich...
- 1:19:58Na ja, wenn man da arbeitet und wenn man dann die Leute kennenlernt,
- 1:20:02also viele von denen waren ja ehemalige EIMs,
- 1:20:05zumindest irgendwie Wasserträger oder zumindest Informanten und so,
- 1:20:10also schwierig.
- 1:20:12Finde ich das auch eine Zeit, die man nicht vergessen...
- 1:20:15Da hat er eben auch ein großer Bestand dieser ehemaligen DDR.
- 1:20:19Und deswegen war das mal unabhängig vom Wein.
- 1:20:22Ganz, ganz wichtige Erfahrungen.
- 1:20:24Also das, was du sagst, man trifft diese Leute.
- 1:20:26Man lebt in so einem Culture-Clash, der gerade passiert.
- 1:20:29Und dann habe ich natürlich noch Wein verkauft.
- 1:20:31Und es war auch die Zeit der Devisenbringer.
- 1:20:33Deswegen sagte ich zweite Garnitur.
- 1:20:35Ich glaube, da waren viele dabei, die hatten einen dicken Geldbeutel
- 1:20:38von ihrer Firma, sollten da was machen und haben da gelebt wie die Fürst.
- 1:20:41Für dich aber eine schöne Chance auch.
- 1:20:43Und das war ganz, was ich sehr wichtig finde, die großen Weinen mal zu probieren.
- 1:20:47Das war es.
- 1:20:48Ich glaube, du hast ja da was Taubabnehmer oder Hauptverkäufer von Chateau P.
- 1:20:54Aus P, oder?
- 1:20:56Also wir haben, also Petrus haben wir auch ein paar Mal, also habe ich sogar,
- 1:20:58oder relativ häufig verkauft.
- 1:21:00Ich habe sehr, sehr viel, gerade Bordeaux war ja in der Zeit sehr angesagt,
- 1:21:04noch bei den klassischen Weintrinkern.
- 1:21:06Meistens Herren, die dann bestellten und alles Mögliche an großen Weinen
- 1:21:11immer wieder aufgemacht.
- 1:21:13Natürlich waren das nicht das Groh der Gäste, aber die waren eben auch dabei.
- 1:21:17Und dass man sowas überhaupt dort verkaufen konnte.
- 1:21:20Das war ja schon irre.
- 1:21:21Und dann kam sogar noch Robert Mondavi, er hat uns besucht.
- 1:21:23Das hatte unser GM damals organisiert.
- 1:21:26Und ich kannte Herrn Mondavi oder Robert Mondavi schon aus Kalifornien
- 1:21:31und auch interessant, wie die da reingegangen sind.
- 1:21:33Das war wieder toll für mich zu sehen, mit dieser kalifornischen Offenheit,
- 1:21:36wie die auf die Leute zugegangen sind, die mit jedem respektvoll umgegangen sind.
- 1:21:40Da hätte sich der eine oder andere Landsmann von mir vielleicht mal eine Scheibe abschneiden können.
- 1:21:45Bei Wein eben, bei Wein musst du eben auch, kannst nicht nur einen guten Wein machen,
- 1:21:50musst eben auch auf Menschen zugehen können.
- 1:21:52Und du musst auch gut sein mit Menschen.
- 1:21:54Und du musst eine gute Agenda haben.
- 1:21:56Oder wenn man es nicht kann, Leute wie dich jetzt als Weinhändler dafür haben,
- 1:21:59die das Ganze als Sprachhorn nutzen können.
- 1:22:02Also synchronisierer.
- 1:22:04Genau, und man kann sich dann einfach wunderbar ergänzen,
- 1:22:06weil nicht jeder ist ein Showman oder ist ein Showman,
- 1:22:08wie du es im positiven Sinne bist.
- 1:22:10Danach bist du ins Jakob.
- 1:22:12Und dann bin ich ins Jakob und dann bin ich lange geblieben, genau.
- 1:22:14Ja, 10 Jahre oder?
- 1:22:1613 sogar.
- 1:22:18Wow, und erstaunlich.
- 1:22:20Also was du dort, es gab ja nichts, was du nicht gemacht hast, oder?
- 1:22:23Sowohl vom Weinkonzept von den Ideen damals in der Zeit.
- 1:22:27Anders flaster.
- 1:22:28Es war ja die anfängliche auch Fernsehzeit,
- 1:22:31dass du Wein ins Fernsehen gebracht hat, was danach auch nie jemand mehr geschafft hat.
- 1:22:37Also zusammen mit Christina und Kai Schadner.
- 1:22:39Genau, und Katarine Tewino.
- 1:22:41Ah, ja genau.
- 1:22:43Die war ja auch dabei.
- 1:22:45Katarine war dann nur eine Folge und danach wurde es abgesetzt, oder?
- 1:22:49Nein, die war sogar, ich glaube sogar fast ein Jahr.
- 1:22:51Ach so, okay, dann habe ich das falsch.
- 1:22:53Details, die ich jetzt auch nicht genau erinnere, aber ich meine, sie war länger.
- 1:22:56Das war, ja, das ist auch interessant.
- 1:22:58Ich sprach ja von dieser kulinarischen Revolution, die stattgefunden hat.
- 1:23:01Und das sind ja ganz klar die 90er.
- 1:23:03Es ging die 80er, glaube ich, ging es los.
- 1:23:05Aber in den 80ern war in Deutschland, auch im Süden in Deutschland,
- 1:23:08jetzt gab es noch nicht so viele Restaurants,
- 1:23:10da gab es den Schwarzen Adler, das Stahlbad in Baden-Baden
- 1:23:13und so andere klassische Häuser.
- 1:23:15In Hamburg gab es das für Jahreszeiten, in München gab es das für Jahreszeiten.
- 1:23:19Ich glaube, Obergin Tantris, Tantris vielleicht schon,
- 1:23:22aber Obergin noch nicht, also mit anderen Worten.
- 1:23:25Wie war es 92, nein, 94.
- 1:23:27Was ist das?
- 1:23:28Also dann noch nicht 80er.
- 1:23:30Auf jeden Fall, denn, sag ich mal, war diese kulinarische Revolution in den 90ern.
- 1:23:35Und damit ging natürlich dann auch für den Wein vieles weiter, weil klar.
- 1:23:40Wurde er greifbarer oder heiliger?
- 1:23:42Wurde er greifbarer oder heiliger?
- 1:23:44Also zum Heiligtum gesprochen oder in die Volksnähe gerückt?
- 1:23:48Nein, also ich glaube, die ganze Gastronomie war damals immer noch,
- 1:23:51Kulinarik war was Besonderes.
- 1:23:54Das war so, das gönnte man sich mal, das war auch teuer.
- 1:23:58Man hat sich dann ja auch schick angezogen, das war stark ritualisiert.
- 1:24:02Und die Kellner, die Sommeliers, waren dann mit Schürzen und mit Tastewern ausgestattet.
- 1:24:08Und das hat, glaube ich, auch vielen nicht behagt.
- 1:24:11Manche fanden es total normal.
- 1:24:13Sie haben gesagt, das ist in Frankreich oder in Italien,
- 1:24:16aber vor allem auch in Frankreich ist das total normal.
- 1:24:19Aber ich würde mal sagen, die Zeiten waren einfach noch klassischer,
- 1:24:23die Weine waren klassischer oder auch wenige Gebiete fokussiert.
- 1:24:27Weil die Weinwelt noch gar nicht so am Explodieren war,
- 1:24:30wie sie das jetzt ja in den letzten 10, 20 Jahren noch mal passiert ist.
- 1:24:33Also diesen Boost, den hat es noch nicht gegeben.
- 1:24:36Also tranken die Leute eher, entweder ein paar regionale Sachen,
- 1:24:39so Deutsche Rieslinge etc.
- 1:24:41Und dann natürlich Burgund, Bordeaux, Ronen, dann ein bisschen Kalifornien.
- 1:24:47Das war es, das war die Weinwelt sogar, also würde ich sagen in weiten Teilen.
- 1:24:53Was war deine größte und kleinste Weinkarte, die ihr hattest?
- 1:24:56Ja, im größten Jahr, kommt die.
- 1:24:58War die größte?
- 1:24:59Das war die größte, wobei das finde ich ja groß und deswegen beste Weinkarte.
- 1:25:03War das aber mehrfach die Auszeichnung?
- 1:25:06Ja, wir haben ein, zwei Mal, glaube ich, so ein Gummio mal irgendwie beste Weinkarte.
- 1:25:11Seid er hingestellt, aber so wie du vorhin eben auch bei den Punkten sagt,
- 1:25:17ist eine Anerkennung.
- 1:25:19Absolut.
- 1:25:20Das ist auch eine oftmals persönliche Betrachtung eines von jemanden,
- 1:25:25der den Preis verleiht, der das gut findet.
- 1:25:28Man darf es halt nicht als Nonplus Ultra das Ganze sehen.
- 1:25:31Man selbst ist ja immer sehr kritisch mit sich selbst und fragt sich,
- 1:25:34habe ich das jetzt wirklich verdient oder würde mir noch was anderes einfallen.
- 1:25:37Ich glaube, dass es nicht nur die Weinkarte war,
- 1:25:39ich glaube, es war auch ein bisschen unser Konzept,
- 1:25:41weil wir ja schon anfingen eben auch griechische Weine und portugiesische Weine draufzunehmen,
- 1:25:46weil wir gesagt haben, in Hamburg ist eben ein tolles Pflaster dafür gewesen.
- 1:25:49Ein tolles oder ein schwieriges,
- 1:25:51weil ich hätte gedacht, die Hamburger sind so konservativ,
- 1:25:54dass die eigentlich Bordeaux und Bugund und wenn schon Rieslinger auf alle Fülle Champagner.
- 1:25:59Ja, das war auch sicherlich in der Vergangenheit weitgehend so.
- 1:26:02Aber man darf ja nicht vergessen, dass Hamburg auch eine Stadt ist,
- 1:26:04die immer vom internationalen Handel gelebt hat.
- 1:26:06Und auch keine Einflüsse hat jetzt direkt so aus Frankreich oder Italien,
- 1:26:12außer den Franzosen oder Italienern, die hier leben.
- 1:26:14Aber jetzt nicht so nah wie im Süddeutschland,
- 1:26:16da bist du natürlich viel näher an dieser Lebenskultur auch dran.
- 1:26:20Und auch das Wetter ist ein bisschen anders dort gewesen, oder ist es auch.
- 1:26:23Ja, wobei mittlerweile wird es hier oben auch wärmer.
- 1:26:25Also mit anderen Worten glaube ich, dass Hamburg deswegen ein Pflaster war,
- 1:26:31weil wir hatten hier viele Leute, die weit gereist waren, die viel kannten schon
- 1:26:35und die auch eigentlich dankbar dafür waren.
- 1:26:37Und ich bin da sehr unverblümt dran gegangen und habe gesagt, das probieren wir mal
- 1:26:41und die Leute haben sich wiedergefunden darin.
- 1:26:43Die haben gesagt, ja, Portugal, ja, das kennen wir, keine Ahnung,
- 1:26:47haben wir ein Urlaub schon gemacht.
- 1:26:49Und so kommt man ins Gespräch und dann hatte ich ein paar Sachen kennengelernt,
- 1:26:52von denen ich meinte, dass die interessant waren für die Leute.
- 1:26:54Hab ihnen das vorgeschlagen, es hat ihnen geschmeckt.
- 1:26:56Sie haben es ihren Freunden erzählt.
- 1:26:58Und daraus ist echt was Tolles entstanden dann in...
- 1:27:01Aber warum? Es wäre doch so einfach gewesen,
- 1:27:03gerade in dieser Zeit Italiener zu verkaufen.
- 1:27:05Also wir haben versucht, eine Weinkarte zu machen,
- 1:27:09was auch immer mein Credo war.
- 1:27:12Es gibt ja Leute, die unglaublich gut sind bei Italien oder Frankreich,
- 1:27:15Spezialisten für ein Land.
- 1:27:17Ich bin eher ein Generalist.
- 1:27:19Für mich ist die Welt das Feld, wenn man so will.
- 1:27:22Ich habe jetzt keinen übertriebene Nationalismus.
- 1:27:26Bei mir gibt es nur Deutsche Weine oder irgendwie nur Italiener
- 1:27:29oder die Franzosen sind die besten.
- 1:27:31Wir alle wissen, dass das nicht stimmt.
- 1:27:33Es gibt überall auf der Welt tolle Sachen, großartige Sachen.
- 1:27:36Und man muss auch vorsichtig sein.
- 1:27:39Und die andere Entwicklungen sind die Ander-Docs von gestern,
- 1:27:42die Lieder von morgen.
- 1:27:45Also gerade wenn wir über Griechenland sprechen,
- 1:27:47meine Fresse, was hat sich da getan in den letzten Jahren?
- 1:27:50Ich habe mal Assiortico getrunken letzte Woche,
- 1:27:52fliegt ja das Blech weg.
- 1:27:54Und ob der jetzt besser oder schlechter als ein Deutscher
- 1:27:57oder ein Franzose ist, ist doch völlig egal.
- 1:27:59Ich vergleiche den mit nichts außer mit sich selbst.
- 1:28:02Und wenn ich das trinke, sage ich, das ist 100 Prozent Freude und Spaß.
- 1:28:06Woher kommt deine Hands-on-Mentalität oder deine Philosophie?
- 1:28:10Du vermittelst ja so eine Leichtigkeit, so eine Gereifbarkeit.
- 1:28:13Da schon immer auch die Jakobszeiten, wo es ein einfaches gewesen wäre,
- 1:28:17ins Nobistische zu verfallen, bist du es eigentlich nie
- 1:28:20und hast das auch immer relativ stark deinem Team vermittelt.
- 1:28:23Also hast du auch ganz klar deklariert, das bin nicht nur ich,
- 1:28:26sondern ich habe Leute links und rechts an meiner Seite,
- 1:28:28die das ganze Intensiv leben.
- 1:28:30Aber dieses menschliche, warst du das schon immer
- 1:28:32oder hast du das in Leipzig oder in Kalifornien mit auf den Weg bekommen?
- 1:28:36Sind alle Gütersloh?
- 1:28:38Die Westfalen gelten ja eher als verschlossen, ruhig,
- 1:28:43so ein bisschen wie die Norddeutschen.
- 1:28:45Ich glaube, ich bin einfach als Mensch so.
- 1:28:48Meine Großmutter hat mir das immer gesagt.
- 1:28:50Da musste ich häufig dran denken.
- 1:28:52Ich glaube, es war immer schon so ein bisschen Social.
- 1:28:57Die Frage ist sehr, sehr gut.
- 1:29:03Siehst du dich selber so oder ist das von mir eine Fremdbetrachtung?
- 1:29:07Nein, ich glaube, das ist richtig betrachtet.
- 1:29:09Aber ich habe mich lange Zeit gar keine Gedanken darum gemacht.
- 1:29:15Ich habe eigentlich versucht immer bei mir selbst zu bleiben.
- 1:29:18Und ich glaube, das ist auch mein Rat an jüngere Menschen.
- 1:29:21Bleibt mehr bei euch selbst.
- 1:29:23Schaut ruhig, was die anderen machen.
- 1:29:25Schaut auf sie, schaut von mir aus, was sie machen.
- 1:29:27Aber schaut in erster Linie auf euch selbst.
- 1:29:29Und ihr müsst das finden, womit ihr euch am wohlsten fühlt.
- 1:29:34Auch selber.
- 1:29:36Und da bin ich an der Stelle vielleicht auch egoistisch ein bisschen.
- 1:29:39Aber das habe ich für mich auch auf die Fahne geschrieben.
- 1:29:41Ich wollte mich nicht verstellen.
- 1:29:43Ich finde das ganz schrecklich.
- 1:29:45Menschen, die sich verstellen oder was machen, was ihnen nicht gefällt.
- 1:29:48Nur um anderen zu gefallen.
- 1:29:50Klar ist man als Zomber, die auch darauf angewiesen,
- 1:29:53dass man das, was man tut, das das anderen gefällt.
- 1:29:55Aber eigentlich glaube ich, ist der bessere Weg.
- 1:29:58Oder insgesamt ist der bessere Weg.
- 1:30:01Man kommt zu sich selbst und kommt so rüber, wie man ist.
- 1:30:04Das heißt, man gefällt vielleicht nicht jedem.
- 1:30:06Aber ich glaube, es gibt ganz viele Menschen, die das anerkennen.
- 1:30:09Und die das auch spüren.
- 1:30:11Hattest du ein Vorbild?
- 1:30:13Hattest du mal jemanden, wo du gesagt hast,
- 1:30:15nicht nur der hat mich beeindruckt,
- 1:30:17da hat man ja vieles, kann ja auch Montavi gewesen sein.
- 1:30:19Aber hast du jemanden ganz aktiv verfolgt, bewundert?
- 1:30:24Hast du das so ein bisschen gerade außer Kraft gesetzt?
- 1:30:26Aber manchmal ist ja so dieser kleine heimliche Schwarm, den man...
- 1:30:30Es gab einen Sommelier in den USA.
- 1:30:33Aber ich kann nicht sagen,
- 1:30:36es gibt bestimmte Sachen, die mir sehr an ihm imponiert haben.
- 1:30:39Du kennst ihn auch.
- 1:30:41Und jeder kennt ihn in der Branche, der Larry Stone,
- 1:30:43der damals schon ein Master-Sommelier war.
- 1:30:46Der sozusagen auch dann die Vorlage für mich dazu gab,
- 1:30:49dass ich das auch werden will.
- 1:30:51Das hätte ich mir natürlich besser überlegen müssen.
- 1:30:53Das war dann ein bisschen anstrengender für mich, aber immerhin.
- 1:30:55Aber das fand ich schon toll.
- 1:30:57Der hatte ein Restaurant in San Francisco.
- 1:30:59Und der hatte damals schon...
- 1:31:01Das war so die Weininstanz der USA.
- 1:31:03Oder einer von den großen Pfeilern.
- 1:31:06Sehr bescheidener Typ, cooler Typ, freundlicher Typ,
- 1:31:10unglaublich wissend.
- 1:31:12Offen.
- 1:31:15Ja, wie soll ich sagen?
- 1:31:17Und Blueprint für viele andere Sommeliers,
- 1:31:19die entstanden sind,
- 1:31:21oder die dann seinen Weg gefolgt sind.
- 1:31:23Und der hat mich zumindest...
- 1:31:25Der hat mir imponiert.
- 1:31:27Aber es gab keinen, wo ich sagen kann,
- 1:31:29es gab eher Menschen immer, die ich kennengelernt habe,
- 1:31:32die mir sehr imponiert haben.
- 1:31:34Also Freunde oder...
- 1:31:36Es gab immer wieder Sachen an Menschen,
- 1:31:38die ich besonders gut fand.
- 1:31:40Aber es gab jetzt niemanden, der wär perfekt.
- 1:31:42Es gibt keinen perfekten Menschen.
- 1:31:44Deswegen brauche ich auch keinen Hero.
- 1:31:46Du warst aber auf der anderen Seite für viele der Heroes.
- 1:31:50Es gibt ja ganz viele, die aus deiner Schule herausgingen.
- 1:31:54Kannst du jemanden mehr oder weniger
- 1:31:57namentlich verfolgen bezüglich...
- 1:31:59Ja, da gibt es einige.
- 1:32:01Und die bin ich auch echt stolz.
- 1:32:03Ich glaube sogar einer, der ganz, ganz großen,
- 1:32:05der war ja eigentlich auch nur auszubildende bei uns im Lohste Jakob,
- 1:32:08ist der Jan Konetzki zum Beispiel gewesen.
- 1:32:11Der dann ja bei Gordon Ramsay lange war in London
- 1:32:14und dann eine tolle Karriere gemacht hat in England.
- 1:32:18Da waren wirklich einige dabei.
- 1:32:22Anja Breit zum Beispiel, die dann auch im Leadberry war,
- 1:32:26die heute wieder in Deutschland arbeitet, auch im Weinhandel.
- 1:32:29Ina Finn zum Beispiel hat bei uns gearbeitet.
- 1:32:33Die hat hier eine Weinschule in Hamburg.
- 1:32:36Auch schon seit 4 Jahren.
- 1:32:38Ja, 4 Jahre.
- 1:32:40Super gute Lady, echt gut drauf.
- 1:32:43Ich müsste jetzt mal überlegen.
- 1:32:45Da waren aber auch Leute dabei, die leider auch, glaube ich,
- 1:32:47heute nicht mehr im Sommer hier berufs sind.
- 1:32:49Ich total klasse fand, in Leipzig kennengelernt, René Wippich.
- 1:32:52Total witziger Typ.
- 1:32:54Also die Sachsen haben das Thema Osten ja nur so gestreift.
- 1:32:58Da könnte man wahrscheinlich 5 Stunden drüber erzählen.
- 1:33:01Aber der René, das war auch so so unverblüht.
- 1:33:04Und die Leipziger, die haben so einen lustigen Humor,
- 1:33:07den habe ich immer geschätzt.
- 1:33:09Ich fand das irgendwie, die hatten so eine ...
- 1:33:12Schwer zu sagen, was man auch in Süddeutschland oder in der Falz vielleicht,
- 1:33:16oder im Baden so ein bisschen, hat so eine gewisse Gleichmut.
- 1:33:20Und für mich war es total toll, als ich dahin kam.
- 1:33:23Also ich meine, das war ja nicht immer alles nur Sozialismus,
- 1:33:26sondern das wäre auch nicht alles nur Adolf Hitler.
- 1:33:28Da gab es ja auch noch mal eine Zeit davor.
- 1:33:30Das war ja mal Leipzig Dresden.
- 1:33:32Das waren ja die großen kulturellen Städte von Deutschland.
- 1:33:34Das hast du wirklich an den Menschen gemerkt.
- 1:33:36Dass das irgendwie ganz tief verbuddelt
- 1:33:38oder ganz, ganz vielen Schichten war das noch zu finden.
- 1:33:41Und das haben sie sich wahrscheinlich nicht getraut,
- 1:33:44das so zu zeigen.
- 1:33:46Ich meine, es ist schwierig in so einem System groß zu werden,
- 1:33:49wo man immer das Gefühl hat, es kann sein,
- 1:33:51dass mich gerade für das, was ich sage,
- 1:33:53dass ich dafür Ressentiments ernte.
- 1:33:56Ich empfinde es genauso.
- 1:33:59Und würde die Menschen als positiv niedlich bezeichnen.
- 1:34:03Also das ist gar nicht despektierlich, sondern positiv.
- 1:34:06Die haben sowas Niedliches, also was Angenehmes dadurch
- 1:34:09und was nettes, also was herzlich nettes.
- 1:34:12Ja, auf alle Fälle auch sehr herzlich.
- 1:34:14Und Humor eben.
- 1:34:16Also im Gegenteil, als man dann auch von Leipzig nach Hamburg gegangen ist,
- 1:34:19die Leute hier waren wesentlich straighter.
- 1:34:22Auch Barscha und auch Hertha in gewisser Weise.
- 1:34:26Und natürlich auch Anders Kaliber.
- 1:34:29Also sorry, Anders Kaliber meinte ich,
- 1:34:31die haben einfach natürlich viel mehr gesehen schon von der Welt,
- 1:34:34die kannten schon viel mehr, die hatten einen anderen Lebensstandard natürlich.
- 1:34:37Aber auch das, das auch wieder das Erdenein,
- 1:34:40wenn man dann dort arbeitet.
- 1:34:42Also die Leute in Leipzig, die haben sich noch richtig gefreut,
- 1:34:46wenn sie mal was irgendwie entdeckten.
- 1:34:49Also von daher ist der Somelier Beruf sowieso 90% Mensch
- 1:34:52und 10% Wein.
- 1:34:54Ich denke, was dich besonders gemacht hat,
- 1:34:57was dich immer ausgezeichnet, die ist ein zweiter Denken.
- 1:35:00Also dann auch innerhalb des Jakobs diese Geschichte mit dem Fernsehen,
- 1:35:04du hast recht viel geschrieben,
- 1:35:06aber du hattest ja auch eines der allerersten Internetformate in Deutschland.
- 1:35:10Bist du ein digitaler Typ oder bist du ein analoger Typ?
- 1:35:14So rein vom Kerngeist.
- 1:35:16Also bist du jemand, der ein Buch im iPad liest
- 1:35:19oder möchtest du eine Weinkarte lieber händisch in der Hand halten?
- 1:35:24Also ganz klar, was das an geht, total analog.
- 1:35:27Also du hast ein Buch als ein iPad oder ja,
- 1:35:30weil das ja auch in gewisser Weise ein Ritual ist.
- 1:35:33Also ich liest zurzeit so ein Buch, ein Krimi,
- 1:35:36oder liest ich bei mir neben dem Bett
- 1:35:38und jeden Abend lebe ich irgendwie drei Kapitel daraus
- 1:35:40und ich habe dieses Buch und da drin ist die Karte von demjenigen,
- 1:35:43der mir das Buch geschenkt hat.
- 1:35:45Das finde ich irgendwie sehr herzlich, sehr warm.
- 1:35:48Ich denke dann an den Menschen häufig und freue mich irgendwie
- 1:35:51und denke mir toll, dass er mir das geschenkt hat.
- 1:35:54Also eine digitale Weinkarte finde ich ganz schrecklich,
- 1:35:58weil die meisten nicht gut gepflegt sind und auch komisch.
- 1:36:01Das fühlt sich nicht gut an.
- 1:36:03Ich finde auch das Gefühl, ja.
- 1:36:05Oder auch ich lese auch gerne am Wochenende Zeitung,
- 1:36:07am liebsten die Zeit, weil das ist dann echt Quality-Time.
- 1:36:11Und digital, aber hilft mir im Leben.
- 1:36:14Ich glaube auch, dass wir das digitale, weitgehend nicht gut machen
- 1:36:18in unserer Gesellschaft, weil wir denken,
- 1:36:20das gilt immer nur dazu, da alles zu optimieren.
- 1:36:23Ja, kann die Digitalität auch, also wir sind ja auch ein eher,
- 1:36:27ich sage mal, digitales Unternehmen,
- 1:36:29aber wenn hier jemand noch anrufen will,
- 1:36:31dann möchte ich nicht, dass da ein Robot antwortet,
- 1:36:33sondern sollen Menschen antworten.
- 1:36:35Und ich finde, da muss man dann auch irgendwie mal abwägen.
- 1:36:39Also digital kann uns bestimmte Dinge erleichtern,
- 1:36:43aber wir dürfen uns von der Digitalität nicht die Dinge
- 1:36:46aus den Händen nehmen lassen.
- 1:36:48Und digital hat ganz, ganz viele Vorteile in der Kommunikation,
- 1:36:51wie wir miteinander sprechen, wie wir uns informieren,
- 1:36:53wie wir uns organisieren.
- 1:36:55Aber trotzdem muss es auch auf der menschlichen Ebene klappen.
- 1:36:58Weil Digitalisierung führt auch in gewisser Form zur Entfremdung.
- 1:37:02Auch von Menschen.
- 1:37:04Und das würde überhaupt nicht für den Wein sprechen.
- 1:37:07Was man auch gesellschaftlich betrachten kann, finde ich.
- 1:37:10Was man auch gesellschaftlich betrachten kann.
- 1:37:12Aber Kalender hast du eher im Handy oder ein Filofaxen?
- 1:37:17Beides.
- 1:37:18Du hast echt so einen Teil noch.
- 1:37:20Ich habe auch von meiner Mutter geschenkt und den er begleitet mich seit 20 Jahren.
- 1:37:24Ich bin auch ein Typ, der hängt sehr an den Dingen.
- 1:37:27Also ich kann mich so schwer trennen.
- 1:37:30Und ich liebe das, da rein zu gucken.
- 1:37:32Aber kein Messi.
- 1:37:33Nee, finde ich auch Messi.
- 1:37:35Also das ist klar, da bin ich genau das Gegenteil davon.
- 1:37:39Das finden manche Leute schon glaube ich bizarr.
- 1:37:41Du kannst Bianca fragen oder hier meine Kollegen.
- 1:37:43Ich hasse Unordnung, aber das hat glaube ich was mit meiner Restaurantprägung zu tun.
- 1:37:47Das kennst du wahrscheinlich selber so.
- 1:37:49Ich war mal ein Zeitungs-Messi.
- 1:37:51Als ich erst einmal nach der Zeit im Berges Gladbach ausgezogen bin,
- 1:37:55habe ich zwei große blaue Container mit Fachzeitschriften weggeschmissen.
- 1:38:00Also wäre ich dann irre.
- 1:38:02Ich wusste, ich lese die niemals, aber ich konnte es nicht übers Herz bringen,
- 1:38:06die wegzuschmeißen oder Bücher wegschmeißen.
- 1:38:08Das kann ich überhaupt nicht.
- 1:38:10Und habe jetzt nach wie vor noch eine riesen, riesen Sammlung
- 1:38:14an Weimbücher, was ist dein Lieblingsweimbuch?
- 1:38:16Liest du Fachliteratur oder?
- 1:38:18Klar, logisch.
- 1:38:20Was die junge Generation jetzt in Anführung,
- 1:38:24die Next Generation, so mal Terroir und Adiletten oder Ars Tony oder so.
- 1:38:28Das fällt mir natürlich alles in die Hände, gucke ich mir an.
- 1:38:31Diese Bücher, soll ich mal so sagen, also entsprechend dem Zeitgeist,
- 1:38:37wenig Text, viel Bilder und Leute finden das halt geil, die feiern das.
- 1:38:42Aber gehaltvolle Bücher finde ich natürlich interessant.
- 1:38:45Und es gibt ein sehr, sehr lustiges Buch, was mich sehr inspiriert hat.
- 1:38:49Ein ganz kleines Buch.
- 1:38:51"The Wine-Avenger von Willy Glückstern" oder Glückstern in New York,
- 1:38:55ein Weinhändler, der ja auch schon wenig Text sehr zusammenfassend,
- 1:39:02aber sehr kulinarisch über seine Liebe zu Gammé und zu Food-Friendly Wines
- 1:39:07... so dieses New Yorker ...
- 1:39:10Ja, dick.
- 1:39:11Also diese Komplexität der New Yorker Gastronomie, wo du ja alles kriegst.
- 1:39:14Und dann wieder versuchst, die richtigen Weine zu matchen und so.
- 1:39:18Und die Weine einfach sehr, sehr schön und locker und gut beschreibt.
- 1:39:22Also so als guideline. Ich glaube, das gibt es gar nicht mehr, dieses Buch.
- 1:39:25Aber jedes Mal, wenn ich da reingucke, finde ich immer irgendwie was Neues.
- 1:39:28Oder finde es wieder, buddelt es wieder aus.
- 1:39:30Und einen Riesenrespekt habe ich vor dem Oxford Wine Companion von Jensis Robinson.
- 1:39:35Was ich heute so habe. - Ja, das ist eine Person geschrieben hat.
- 1:39:37Ich glaube, sie hat eine sehr, sehr gute Contributor. Das ist das Gleiche auch mit Hugh Johnson.
- 1:39:44Das sind dann Galleonsfiguren, die meistens aber ein sehr, sehr gutes Team hatten.
- 1:39:47Da wären wir wieder bei Team.
- 1:39:49Deswegen aber einer erntet in dem Fall dann die Laurels.
- 1:39:53Und am Ende muss man auch sagen, wahrscheinlich zu Recht, weil sie sind diejenigen, die es gemacht haben, die dafür stehen.
- 1:39:59Aber man sollte auch bereit sein, abzugeben.
- 1:40:02Das ändert sich auch, glaube ich, gerade so ein bisschen in der Gesellschaft.
- 1:40:05Das ist ein Wein-Ikonen.
- 1:40:09Also ich glaube schon, es braucht Leute, die gute Botschaften bringen.
- 1:40:13Aber diese total eigensinnigen Mimimi-Typen tue ich mich auch schwer mit.
- 1:40:19Wenn du zwei Stunden Zeit hast, lieber einen Film oder lieber ein Buch?
- 1:40:23Zwei Stunden? Dann wahrscheinlich mal einen Film.
- 1:40:27Bist du eher Filmtyp?
- 1:40:29Ich gucke gerne mal so einen Film zwischendurch. Das finde ich klasse.
- 1:40:33Es gibt ja auch tolle Serien.
- 1:40:37Also nicht so gerne, was es so im Fernsehen insgesamt gibt.
- 1:40:41Lieber gerne mal auf Apple TV oder Netflix.
- 1:40:45Weil dann kuratierig, weil im Fernsehen, wenn man in die normalen Programme geht,
- 1:40:49dann meistens gleitet man in irgendeinen Scheiß rein.
- 1:40:53Da einem wirklich überhaupt nicht interessiert.
- 1:40:55Ist es nicht irgendwie, wie sich das gewandelt hat?
- 1:40:57Ich habe es zehn Jahre nicht vorstellbar, dass du sagst, ich möchte jetzt um 19.36 Uhr einen Film gucken.
- 1:41:03Und dann streams den einfach.
- 1:41:05Also das ist so unvorstellbar.
- 1:41:07Da denke ich manchmal zurück, dass sich so viele Dinge so gewandelt.
- 1:41:11Also das Spotify gibt, dass man keine CD-Sammlung mehr braucht.
- 1:41:15Also das finde ich irre.
- 1:41:17Aber wenn du einen Film guckst, kannst du dazu Wein trinken?
- 1:41:21Oder passt das nicht?
- 1:41:23Klar.
- 1:41:25Das ist auch für dich eine Art der Ruhe, wo du ...
- 1:41:27Ja sicher, also irgendwie dann da sitzen, ein Glas Wein trinken noch oder so.
- 1:41:30Vielleicht sogar ein paar Häppchen, irgendwie ein paar Salami, Käse, irgendwas.
- 1:41:34Irgendwas auf Fingerfood oder so.
- 1:41:36Why not?
- 1:41:37Aber was kann man mit Wein nicht machen?
- 1:41:38Also was darf man mit Wein nicht machen?
- 1:41:40Was gehört sich nicht, wie man so schön sagt?
- 1:41:43Oder würdest du nicht mit Wein machen, würdest du?
- 1:41:46Schorle, Cola, Tra-La-La, Eiswürfel ...
- 1:41:49Ich trinke nicht Eiswürfel, brauche ich auch nie.
- 1:41:52Findest du es beschämt, wenn es jemand macht?
- 1:41:55Oder gönnst du?
- 1:41:57Also auch das.
- 1:41:58Ich gucke da auf mich selbst und auf andere.
- 1:42:00Wenn du mich um meine Meinung da jetzt fragst, würde ich sagen,
- 1:42:02findest du Grotte, also beziehungsweise nicht nötig.
- 1:42:07Aber wenn derjenige damit doch glücklich ist, dann lass ich ihn doch.
- 1:42:10Das sehe ich genauso.
- 1:42:11Und ich sehe mich auch als Kellner, dann wieder als Dienstleister.
- 1:42:15Und ich versuche, den Gast glücklich zu machen.
- 1:42:17Natürlich gibt es Grenzen, das ist ohne Frage.
- 1:42:19Aber im Großen und Ganzen, warum soll ich streschen?
- 1:42:21Soll ich jemandem verurteilen, der eine geschmackliche Vorliebe für irgendwas hat?
- 1:42:24Wenn er sich da Salz reinmachen möchte, okay, erst.
- 1:42:27So, Sommelier, Sommlieren sind auch keine Geschmacksimparatoren.
- 1:42:30Sie sind in erster Linie mal ...
- 1:42:32Schöner Begriff.
- 1:42:33Sie sind Dienstleister, genau, wie du sagst.
- 1:42:36Und sie sind eigentlich dazu da, dass der Gast eine gute Zeit hat.
- 1:42:38Der Gast sollte allerdings nicht vergessen, dass er auch Gast ist.
- 1:42:41Und manche Gäste behandeln sich, behandeln eben auch die Kollegen generell im Service.
- 1:42:45Nicht so gut führen sich da auf.
- 1:42:47Ich habe da viele erlebt und vieles du sicherlich auch?
- 1:42:50Eigentlich nicht.
- 1:42:51Also in der Tat, in der Weinbar, hat mir nie ein Arschlochgast.
- 1:42:56Also wirklich nie.
- 1:42:57Ich habe mir bei keinem Gast gewünscht, bitte komme ich nicht wieder.
- 1:43:00Und auch im Restaurant, hat sich alles sehr in Grenzen gehalten.
- 1:43:06Ja, du?
- 1:43:08Ja, ich habe schon viele.
- 1:43:10Was war schlimmste, wenn du das brauchst,
- 1:43:13keine Namen sagen oder keine Adresse durchgehen, ich finde das raus.
- 1:43:16Also da müsste ich jetzt mal lange buddeln, aber da waren schon ein paar unangenehme Erlebnisse.
- 1:43:22Also am schlimmsten war in der Anfangszeit im Hotel Luis Ciacob.
- 1:43:27Da hat man auch einen strategischen Fehler gemacht,
- 1:43:30sage ich mal vonseiten der Geschäftsleitung, mein ich zumindest.
- 1:43:33Man hat jetzt gesagt, so jetzt zeigen wir mal, wie man ein tolles Restaurant,
- 1:43:37ein tolles Hotel macht.
- 1:43:39So wurde von der Besitzerfamilie, von jemandem aus der Besitzerfamilie in einem NDR-Interview, glaube ich, gesagt.
- 1:43:47Weiß ich nicht, ob das, wie gesagt, wie es gemeint war, aber es kam halt einfach total doof an.
- 1:43:52Das heißt, es kamen alle Leute jetzt rein aus Hamburg und haben gesagt, jetzt wollen wir mal gucken.
- 1:43:56Also das heißt aber, wir mussten das sozusagen ertragen.
- 1:44:00Und da waren Leute dabei, die sozusagen das Haar in der Suppe gesucht haben.
- 1:44:05Und die finde ich generell, finde ich, Leute, die das Haar in der Suppe suchen, totale Zeitverschwendung.
- 1:44:10Sie haben schöne Themen, die wir besprechen können.
- 1:44:13Wir haben gute Themen, die wir besprechen können.
- 1:44:15Wir können auch mal über Nebensächlichkeiten reden, aber ich finde, das tut überhaupt nichts zur Sache,
- 1:44:20ob jetzt der Gang zwei Minuten zu früh oder zu spät kam oder so.
- 1:44:25Aber da waren so ein paar Begegnungen dabei, auch wo ich gedacht habe, was ist denn hier los?
- 1:44:29Die sind ja komplett gaga, aber die waren, glaube ich, durch diese Berichterstattung im Vorfeld.
- 1:44:34So schon gepolt, dass sie reinkamen.
- 1:44:37Jetzt gucken wir mal, ob das dann auch wirklich hier so umgesetzt wird, wie gesagt.
- 1:44:41Da waren ein paar Sachen dabei, wo ich sage, ja, und dann immer wieder Sachen.
- 1:44:45Also so von oben herab.
- 1:44:46Und ich finde auch ganz schlimm, wenn Leute mit dem Fingerschnipsen nach Leuten oder auch ganz schlimm,
- 1:44:54auch wie manche Männer sich gegenüber Frauen aufgeführt haben, so nach dem Motto,
- 1:44:58Sie wollen mir etwas zum Wein erzählen oder so.
- 1:45:01Ich hatte ja jüngere Kolleginnen und so Pre-Conception auf Englisch, also dieses Vorverurteilen.
- 1:45:10Das war nicht immer schrecklich.
- 1:45:12Ich finde auch Engsternigkeit total schlimm.
- 1:45:15Ich finde, die hat im Wein nichts zu suchen.
- 1:45:17Und ich mag überhaupt nicht Leute, die so Lammoyant, die immer nur so Ja-Sager, finde ich auch schrecklich.
- 1:45:25Ich möchte Menschen mit Ecken und Kanten kennenlernen.
- 1:45:29Ich möchte Leute mit einer Meinung, ich will die hören.
- 1:45:31Ich will gucken, was ich von denen lernen kann.
- 1:45:33Das macht das Leben reichhaltiger.
- 1:45:35Ich habe keine Lust, mich irgendwie ständig auszulassen über dem, was andere Leute nicht gut gemacht haben in ihrem Leben.
- 1:45:42Das finde ich, tut nichts zur Sache.
- 1:45:45Schönstes Erlebnis?
- 1:45:46Also schönstes Erlebnis als Tomi oder mit Wein oder wo du sagst, krieg ich heute noch Gänsehaut.
- 1:45:51Ja, schön.
- 1:45:52Du weißt ja selbst, das gibt nicht den besten Wein, es gibt nicht die schönste Frau und es gibt auch nicht, dass keine Ahnung, den besten Urlaub oder sonst irgendwas arbeiten.
- 1:46:01Es gibt unglaublich viel und warum ich in dieser Branche auch so gerne bin und auch lebe, ist einfach, da ist immer unglaublich viele interessante, witzige Leute.
- 1:46:11Und ob das kulinarische Sachen waren, also begegnung mit Ibn-Sadi in Südafrika war echt ein Meilenstein, auch jemals, mit dem ich zusammen arbeite und für den ich auch mich immer sehr ins Zeug lege hier, wenn es darum geht, nicht nur als Händler, weil ich sehe mich auch als Freund und ich freue mich sehr, dass er so viel Erfolg hat mittlerweile.
- 1:46:32Also Ibn-Sadi aus Südafrika in Kolomella und Pallädius produziert.
- 1:46:35Da hast du auch sehr viel Engagement und Tag gelegt, um ihn kennenzulernen.
- 1:46:38Ich glaube, ich habe da irgendwie sechs Stunden gewartet.
- 1:46:40Lange gewartet, aber das Engagement, das habe ich gewusst, aber es hat irgendwie funktioniert.
- 1:46:45War noch Surfen oder warum hat er da ein paar Chemie vergessen?
- 1:46:48Nein, also ich glaube, das darf man gar nicht unterschätzen, wenn jemand sein Geschäft anfängt.
- 1:46:53Das weißt du ja selbst, du musst dich unfassbar strecken und du kannst es nicht alles so 100% dich organisieren und du siehst manchmal, wie dir die Zeit zwischen den Fingern gerinnt.
- 1:47:01Das sehe ich auch bei "Wain am Limit" zum Beispiel.
- 1:47:04Also bist du die Dinge dann so hast, das dauert, das kann manchmals nicht so glücklich, dass es schneller geht.
- 1:47:10Weil manchen Dingen triffst du die richtigen Entscheidungen, triffst aber auch falsche Entscheidungen mit anderen Worten.
- 1:47:15Also was Tolles zu machen, das dauert meistens immer ein bisschen Zeit, auch oder gerade im Weingeschäft.
- 1:47:22Und begegnen wir jetzt mit ihm, aber auch irgendwie Sachen in Amerika, in Napa Valley, mit, wie werde ich nie vergessen, Tasting Room bei der Familie Wagner.
- 1:47:37Sprich Chuck Walker kam rein, also sprich die machen ja einen der berühmtesten Cabanes.
- 1:47:44Ich wohnte ja gar nicht weiter von damals, musste eigentlich nur über die Straße gehen und dann ja nett gequatscht und dann, hey komm ich zeig dir mal das Weingut und dann war ich bei der Wagner-Familie und dann kam der Alte noch dazu, der Senior und das war alles so normal und das hatte sowas sehr herzliches, sehr warmes.
- 1:48:02Und die haben mich ernst genommen als No Name.
- 1:48:07Und das ist auch ganz wichtig, das kann ich auch nur jedem raten, der in diesem Geschäft ist, wir müssen immer gucken, wer kommt da, wer sind die nächsten und da kann der nächste Einkäufer von morgen dabei sein, der nächste Super-Sommelier von morgen oder sonst was.
- 1:48:25Also mit anderen Worten, ich finde manche Leute sind heute, kommen wir wieder zu Pre-Conception, ah wo arbeiten sie?
- 1:48:34Okay, was machen sie da? Okay, dann machen wir heute nur mit ihnen das kleine Programm.
- 1:48:38Und bei mir war es genau umgekehrt, die haben mir das ganz große Programm gemacht, wo ich gar nicht wusste warum, vielleicht weil ich gesagt habe, ja ich wohne gar nicht weit von euch.
- 1:48:45Ich habe mich nicht gesagt, naja das ist vielleicht auch ein Nachbar.
- 1:48:48Nein, aber ich kann das bestätigen, selbst ich war komplett ein No Name, damals in meiner Zeit in Kalifornien und egal ob es bei Dalle Walle war oder keine Ahnung bei Phelps, es gab immer das große Programm.
- 1:49:01Man hat immer eine ganz eigene Offenerhärzigkeit gelebt und dem anderen eine unfassbare Wertschätzung gegenüber gebracht, aber das kannst du, das konntest du auch in Jakobseiten, in deiner absoluten Hochzeit als Zombie, also in der Außenwahrnehmung und du hast jeden ernst genommen, du hast jedem das Gefühl gegeben, ihnen ganz zu nehmen.
- 1:49:20Ja manche sagen ja, dass er, ich habe damals zwei Seiten auch an dir kennengelernt dürfen, also dass ich zwei Seiten hatte, sowohl als Kollege als Zombie, als ich noch im Lehrfach war, als eben auch dann später als Händler, wo du mich aber mit der gleichen Offenerhärzigkeit aufgenommen hast und ganz klar auch Ratschläge gegeben hast und gesagt hast, wie du Sachen empfindest, wie du Sachen denkst und da bin ich heute noch sehr dankbar, es gab auch viele Kollegen, auch viele Kollegen an sozusagen ein Handelsseite, die,
- 1:49:49sich anders verhalten haben und da warst du mir oder wie ein Leuchtstern, also mit deiner Art und du hättest es nicht müssen, aber du hast es gemacht und das war.
- 1:49:57Leider glaube ich habe ich nicht so viel gekauft bei dir, das hatte aber den Grund, dass, wenn ich das so sagen darf, die Firma für die, oder für den, den du gearbeitet hattest, das war, hm, dem hat, weißt du was ich meine?
- 1:50:08Und deswegen habe ich mich so gefreut, als du dann das gemacht hast, was du jetzt tust oder getan hast die letzten Jahre, deine Weinbar geöffnet und damit so unglaublich viel Erfolg hattest.
- 1:50:18Das hat auch in der Tat viel viel.
- 1:50:20Aber trotzdem, ich habe auch gedacht, das ist irgendwann ist die Zeit dort vorbei vielleicht und man sieht sich dann nochmal und dann sind wir ja auch irgendwann mal Geschäftspartner geworden, ja, also so.
- 1:50:29Hat damals aber noch nicht abzusehen, also auch in dieser, in der Situation, du warst halt einfach ein toller Typ um das so.
- 1:50:36Ja, das wäre mir auch ein wichtiges Anliegen, weil du bist ein Kollege und ich finde, das ist doch schon Grund genug, unabhängig von der Menschlichen,
- 1:50:46dass man erstmal miteinander spricht und sich austauscht und sich miteinander auch Zeit nimmt, insofern das geht.
- 1:50:52Aber da wird so dieses miteinander ein Geschenk, finde ich. Findest du, Wein ist ein gutes Geschenk? Also kann man Wein gut schenken oder ist das?
- 1:50:58Oben.
- 1:50:59Ich freue mich über jede gute Pude, die, also ich persönlich freue mich, wenn ich, wenn mir jemand Wein schenkt, finde ich total schön.
- 1:51:04Wenn er mir eine Geschichte dazu erzählen kann, freue ich mich noch ein bisschen mehr.
- 1:51:06Das finde ich gut.
- 1:51:07Wenn man sich Gedanken darum macht, um den Wein, um den Menschen, warum dieser Wein oder warum die Verbindung da ist und dann mehr oder weniger.
- 1:51:16Und da manchmal nicht nur eine Flasche, sondern eine Kiste Wein. Bring a case.
- 1:51:20Wenn es eine ganze Kiste ist, dann ist das verdammt viel Wertschätzung.
- 1:51:23Sammelt du die dann oder bist du, bist du dann jemand, der es möglichst zeitnah probieren möchte?
- 1:51:30Weil es ist ja manchmal vertalt, man tut dir einen Champrer und dann nach einem Jahr belegt man sich Mist.
- 1:51:34Also eigentlich bin ich, also vom Grundtypus her bin ich schon Sammler.
- 1:51:39Ja. Sammelst du auch Wein?
- 1:51:41Naja, also klar, man hat natürlich irgendwie, so im Lauf der Jahre hat man natürlich sich immer wieder mal Flaschen gekauft und auch bewahrt.
- 1:51:48Und dann stellt man immer wieder fest, man hat viel zu wenig Gelegenheiten, sich zu trinken.
- 1:51:51Und das ist eigentlich interessant.
- 1:51:54Sehr spannendes Thema, weil ich lebe ja in dieser Branche und mit anderen Worten interessiert mich jetzt was kommt.
- 1:52:00Mehr als unbedingt nur das, was ich schon habe.
- 1:52:05Und dann überlege ich mir, wie viele Gelegenheiten hast du, das wirklich zu probieren.
- 1:52:09Also mit anderen Worten, die Zeit wird knapp.
- 1:52:11Aber auf jeden Fall, weil ich bin jetzt natürlich schon über 50.
- 1:52:15Und erstmal, ah man trinkt weniger und dann überlegt man sich auch, wann, was, mit wem.
- 1:52:20Also man kuratiert viel stärker.
- 1:52:22Und diese Neugier von 1, die hat mich natürlich dahin gebracht, dass ich ganz schön viele Weine angesammelt habe.
- 1:52:29Und wenn immer, aber ist auch schön.
- 1:52:32Es ist, als wenn man in seinen Keller geht und dann die Flaschen sieht,
- 1:52:36ist, als wenn man sein Leben rückwärts nochmal ablaufen lässt.
- 1:52:39Es ist so. Es ist nicht hart so.
- 1:52:41Also Wein ist aber Geschichte und man kann die Geschichte wieder aufleben lassen.
- 1:52:45Man vielleicht fällt einem manchmal sogar ein, wo man sie gekauft hat.
- 1:52:48Vielleicht fällt einem ein, wenn man mehrere Flaschen von einer Sorte hat, mit wem man die schon getrunken hat.
- 1:52:53Bei dem einen oder anderen Wein, also das behaupte ich, das kann ich ganz gut in mir Sachen merken.
- 1:52:57Was das angeht, ein richtig gutes Gedächtnis, Geschmacksgedächtnis und fotografisches Gedächtnis für Weine auf jeden Fall.
- 1:53:04Bianca würde was anderes sagen, aber bei anderen Dingen.
- 1:53:06Aber da habe ich auf jeden Fall eins.
- 1:53:08Das ist wahrscheinlich auch eine Priorität im Leben dafür.
- 1:53:11Also bei Wein auf alle Fälle.
- 1:53:13Bei meiner Frau auch, aber es ist aufpassen, ich rede mich gerade im Kopf und krank.
- 1:53:17Aber dann, und dann zu gucken, wie hat er sich entwickelt?
- 1:53:21Hat er mich enttäuscht? Enttäuscht er mich der Wein? Hat er das versprochen?
- 1:53:24Ich habe neulich ein Grenage aufgemacht aus Madrid, das war noch gar nicht so alt, 2019, das ist ja nur wirklich jung.
- 1:53:31Aber trotzdem immerhin schon 4, 5 Jahre alt und von Dani Landi.
- 1:53:36Alter, das ist ja Wahnsinn.
- 1:53:39Wenn ich denke, wo geht das Ding noch hin?
- 1:53:41Und den habe ich getrunken, als er kam, ganz jung, jetzt ist er 2, 3 Jahre weiter.
- 1:53:45Also ob er 20, 30 Jahre reifen wird, das weiß ich nicht.
- 1:53:48Aber diese Lagerlas Iroela, Madrid ist für Ganaccia ein ganz, ganz spannendes Thema,
- 1:53:53weil dort sehr gute Bedingungen herrschen für diese Sorte.
- 1:53:58Und heute einige der besten Beine der Welt gemacht werden.
- 1:54:02So jetzt zu der Antwort.
- 1:54:04Es passieren so viele Dinge auf der Welt, dass ich doch total doof wäre, wenn ich mich nur um diese Vergangenheit kümmern würde.
- 1:54:10Ich muss mich doch um das, was jetzt passiert und auch das, was die Zukunft ist.
- 1:54:14Und so schön wie Albert Einstein das gesagt hat, das hätte ich gern selbst gesagt, er hat gesagt,
- 1:54:18ich bin mich interessiert die Zukunft immer ein bisschen mehr als die Vergangenheit, weil ich gedenke in ihr zu leben.
- 1:54:23Und das ist beim Wein auch so.
- 1:54:25Wir haben ja jetzt den Sauvignon Blanc, weil wir eben über den perfekten Wein gesprochen hatten von Arnau Roberts.
- 1:54:30Den habe ich dir ja mal eingeschenkt.
- 1:54:32Der ist für mich nicht perfekt der Wein, aber ist fantastisch.
- 1:54:35Also ich liebe das.
- 1:54:36Es ist überhaupt gar kein typischer Sauvignon mit dieser grün-grasigen Nase.
- 1:54:40Also diese sehr laute Unreife Nase, die viele toll finden.
- 1:54:45Das ist ja eher so eine Reduktion.
- 1:54:48Genau, hat er gestern nicht so stark gehabt.
- 1:54:50Gestern haben wir viel so Hollunda Blüte gefunden.
- 1:54:52Der war ja schon Tag auf.
- 1:54:54Was ich mochte bei dem Wein, diese Säure und auch diese Sattheit am Gaumen.
- 1:55:00Also was ist ein perfekter Wein?
- 1:55:03Ich glaube jeder hat seinen eigenen perfekten Wein, aber je mehr man seinen Geschmack trainiert,
- 1:55:09umso perfekter werden auch die Weine.
- 1:55:11Die Ansprüche steigen damit und damit sucht man auch immer interessantere Weine.
- 1:55:16Immer riskantere Weine, also immer provokantere Weine?
- 1:55:20Oder ist es so, dass man dann einfach Gleichmut entwickelt und sagt,
- 1:55:25solange anständig ist, bin ich froh und dankbar?
- 1:55:28Ich finde, es gibt ja Menschen, die heute einfach nur anders sein wollen,
- 1:55:36damit sie anders sind und wollen damit ausdrücken,
- 1:55:41dass das das Besondere ist, dass sie anders sind als die anderen.
- 1:55:44Für mich kein Konzept, ganz ehrlich.
- 1:55:47Also ich mag jetzt keine Winzer, die jetzt sagen,
- 1:55:50ich habe den jetzt im 200 Prozent neuem Holz oder ich habe dieses oder jenes gemacht.
- 1:55:54Für mich jetzt nicht, das ist wieder dieses Sehnsucht nach dem immer neuem,
- 1:56:01dass das neu immer besser ist.
- 1:56:03Und ich finde trotzdem Leute gut, die deswegen auch Wein am Limit,
- 1:56:11also die schauen, wo marginales Klima ist, die mit der Zeit gehen,
- 1:56:15das heißt aber nicht, dass die Weine dadurch lauter oder höher schneller weiter werden,
- 1:56:22sondern sie werden eigentlich satter, sie werden ausgewogener, feiner, austarierter.
- 1:56:27Also der Begriff Reserve ist ja auch total irre für,
- 1:56:30die sind immer oben mit Reserve, jetzt kommt ja, jetzt haben wir den ersten Teil gesehen,
- 1:56:35den normalen, jetzt kommt die Reserve und dann werden wir alle glücklich.
- 1:56:38Man stellt vielleicht fest, dass das Ding den Gaumen so lahm macht.
- 1:56:42Also mit anderen Worten kann eigentlich ein Wein sein, der so runtergetont ist,
- 1:56:45interessanter sein als einer, der hochgetont wird oder hochgepimpft wird.
- 1:56:49W worum würdest du trinken, würdest du, wenn du eine Folge hast,
- 1:56:53mit dem Bestum im einfachsten Wein anfangen?
- 1:56:56Ich finde das diskutierbar.
- 1:56:58Normalerweise sind der Weinproben, dass man in der Tat sagt,
- 1:57:00okay, wir fangen jetzt mit einem Gutswein an,
- 1:57:03dann Ortswein, dann irgendwie GG oder eben mit einem Dorfwein,
- 1:57:07dann Bremenkohl, Kronkrö, aber manchmal ist es schade,
- 1:57:09wenn man dann schon so geschmacklich satt ist,
- 1:57:11als nicht unbedingt Vollend oder Highend-Profi,
- 1:57:13dass man die Besonderheit des vermeintlich wertigeren Wein gar nicht so wahrnehmen kann.
- 1:57:18Auf der anderen Seite hilft natürlich auch die Vorbereitung des Gaumens,
- 1:57:23um dann das eigentlich, also als wenn du erst die CD hörst,
- 1:57:27dann kannst du das mit der Oper wahrnimmst,
- 1:57:29wenn du das Livekonzert danach richtig bewusst wahrnehmen kannst.
- 1:57:32Eigentlich wird Cross-Drinking das Maß aller Dinge,
- 1:57:35oder ist man hin und her und beide nebeneinander?
- 1:57:38Oder hast du da ein Konzept in Empfehlung, was machst du?
- 1:57:41Also ich glaube, dass man die Zeit des richtigen Absprungs,
- 1:57:45die ist noch viel interessanter dabei, die Frage,
- 1:57:48aber ich gebe dir recht, also ich bin eigentlich auch kein Freund davon,
- 1:57:53dieses so, wir steigern und wir steigern und wir steigern und so,
- 1:57:56wir so besoffen, dass sich keiner mehr erinnern kann,
- 1:57:58oder die Sinne sind so benebelt, dass keiner mehr weiß, was wirklich das Große ist.
- 1:58:03Also der Gaumen kann auch nur so viel.
- 1:58:06Manche können mehr verkosten, manche weniger,
- 1:58:09ist sehr unterschiedlich, glaube ich, von der Konditionierung.
- 1:58:11Eine gewisse Choreografie, die nach oben zeigt, finde ich nicht schlecht,
- 1:58:15aber ich finde es auch total blöd sind, wenn es den besten Wein ganz zum Schluss gibt.
- 1:58:19Oder den vermeintlich besten Wein oder den größten Wein oder den 100 Punkte Wein
- 1:58:26oder wie wir ihn nennen wollen.
- 1:58:28Ich glaube, dass das Sinn macht eher so von der Choreografie,
- 1:58:32dass man fängt an, weil erstmal muss man warm werden.
- 1:58:35So, dann kommt das nächste und dann kommt das nächste
- 1:58:39und dann vielleicht ist man dann schon, aber bei jetzt meinem dritten Wein schon da
- 1:58:42und dann geht man beim vierten Wein vielleicht auch schon wieder ein bisschen runter
- 1:58:45und beim fünften Wein und dann irgendwann trinkt man zum Schluss noch ein Bier.
- 1:58:48Oder mit einer Champagne.
- 1:58:50Findest du es gut, in Wein zu investieren oder Kommerz mit Wein,
- 1:58:55der wir gerade beim Sammeln waren?
- 1:58:57Oder ist es marktzerstörerisch oder raubt es dem Wein die Seele,
- 1:59:02wenn man ihn versucht, als Anlage zu nutzen, zu missbrauchen,
- 1:59:07oder ist einfach eine coole Sache, dass man so was wie Wein auch investieren kann
- 1:59:11und kaufen, verkaufen, kaufen, verkaufen.
- 1:59:14Manche machen eben nur verkaufen, verkaufen, kaufen, verkaufen, verkaufen.
- 1:59:18Also, some people know the price of everything and the value of nothing.
- 1:59:22Einige Leute wissen halt, ja, muss ich übersetzen?
- 1:59:25Nein, das kriege ich hin.
- 1:59:27Ich mach das und das will ich.
- 1:59:29Sehr gut.
- 1:59:31Was hast du über das Erhören?
- 1:59:33Also, manche Menschen, sorry, es hat sich jetzt ein bisschen dekadent an,
- 1:59:38aber ich darf natürlich immer wieder mal solche auch kennenlernen.
- 1:59:41Manche Menschen haben ja auch gar keine andere Wahl.
- 1:59:44Das heißt, sie verdienen und sie diversifizieren,
- 1:59:47und sie diversifizieren ihr Portfolio.
- 1:59:49Das heißt, sie kaufen Aktien, vielleicht kaufen sie noch Oldtimer,
- 1:59:52vielleicht haben sie Briefmarken, und weil sie Wein auch in Truderkunst,
- 1:59:56also die Welt ist da, was das an die Kriterie ist.
- 1:59:59Und bei Wein versprechen sie sich zumindest bei diesen sogenannten
- 2:00:02Bluechips ja eine gewisse Beständigkeit, Wertbeständigkeit,
- 2:00:05weil da gibt es ja einen Markt schon für diese Sachen,
- 2:00:08der ja nicht nur auf Deutschland beschränkt ist oder nur Europa,
- 2:00:10sondern auf die ganze Welt.
- 2:00:12Und jetzt gerade in Deutschland läuft es vielleicht gerade nicht so gut,
- 2:00:15aber in Amerika läuft es besser.
- 2:00:17Also mit anderen Worten wird da wahrscheinlich wieder konsumiert.
- 2:00:20Also irgendwo auf der Welt werden diese Weine schon getrunken,
- 2:00:24und so nehmen diese Weine sicher auch wahr.
- 2:00:27Es sind ja international gehandelte Aktien, wenn man so will.
- 2:00:31Der eine oder andere von denen, ob man das jetzt wirklich gut findet,
- 2:00:36oder ob ich das jetzt gut finde, wenn es jetzt ein Petrus oder ein Kostürie
- 2:00:43oder ein Giaconda, wenn ich den kriegen könnte für weniger Geld,
- 2:00:48wäre ich natürlich superglücklich.
- 2:00:50Aber du bist nicht gerade mit der Welt, weil es manche gibt,
- 2:00:53die Preise ganz bewusst nach oben deklinieren,
- 2:00:57dass diese Weine unbezahlbar werbeln.
- 2:01:00In Deutschland, genau.
- 2:01:02Wir haben ja in Deutschland so ein Weingut, ein Rieslingweingut aus Rheinhessen.
- 2:01:05Und ich glaube, abgesehen davon, dass das ganz tolle Weine sind,
- 2:01:10gibt es natürlich schon ein Sekundär und ein Terziermarkt dafür.
- 2:01:13Das heißt also, die Weine gehen durch mehrere Hände,
- 2:01:16werden dadurch teurer, ab Weingut sind sie glaube ich gar nicht so teuer.
- 2:01:19Das gilt ja auch für die ganz großen Burgunderweine häufig.
- 2:01:22Und was dann der Markt damit macht, ja, das ist die Fantasie des Marktes
- 2:01:25und die Fantasie der Leute und der Geldbeutel,
- 2:01:27steht mir überhaupt nichts zu, das zu bewerten.
- 2:01:29Das können Sie selber machen.
- 2:01:31Ich würde mich persönlich da nicht so wohl mit fühlen,
- 2:01:34weil ich habe genügend Alternativen.
- 2:01:37Und ich brauche diesen Kick nicht umglücklich zu sein.
- 2:01:40Aber für manche ist das der Kick.
- 2:01:42Weißt du, ob die Historie stimmt,
- 2:01:44dass der Postbot bei Kostürie immer noch für seine Jahresration 20 Euro zahlt,
- 2:01:50weil es der historische Weinpreis war, den er von Anfang an...
- 2:01:54Die Geschichte kenne ich nicht, aber sie hat mich nicht wundern.
- 2:01:57Also ich finde es so familiär oder weniger gelebt.
- 2:02:00Ich habe es gehört, ich weiß nicht, ob das stimmt, aber...
- 2:02:03Da wären wir ja beim Thema Kostürie.
- 2:02:05Super.
- 2:02:06Mega Sache, also da...
- 2:02:08Also die Volks nie ganz, ganz...
- 2:02:10Das ist so ein bisschen wie ich bei Kames vignet und ja, hey, aus dem wird mal was.
- 2:02:15Nichts finde ich.
- 2:02:17Und jetzt bei dem Postboten glaube ich, geht es darum,
- 2:02:20dass er da die Post abliefert.
- 2:02:23Ich habe mal eine Verkostung mitgemacht auf Cheval Blanc,
- 2:02:26mit dem Leiter der örtlichen Polizeibahörde und seinen drei Gendarmen.
- 2:02:30Und wir standen alle drum herum und die Jungs...
- 2:02:33Das waren nur Herren damals, richtig französische Gendarmen im hübschen Uniform.
- 2:02:39Und wir waren so eine bildgewürfelte Truppe internationaler Sommerges,
- 2:02:44Weinverkoster etc.
- 2:02:46wurde gefragt, ob die Gendarmen mitmachen können und alle so, ja klar, logisch.
- 2:02:49Alle haben natürlich gesagt, das ist ja geil in Frankreich, möchte ich auch leben.
- 2:02:53Also vor allem die haben nicht gespuckt, die haben getrunken, die Jungs.
- 2:02:57Du wirst ja noch fahren, ne?
- 2:02:59Also ich mag ja in Frankreich, ich glaube das ist leider auch nicht mehr so wie früher,
- 2:03:04aber ich bin ein bisschen duftig davon, von diesem Frankreich noch was erleben,
- 2:03:07dieses Laissez-Faire.
- 2:03:09Leben und Läse.
- 2:03:10Hast du noch mal gelebt in Frankreich?
- 2:03:11Nee, leider nicht.
- 2:03:12Also das wäre auf alle Fälle noch ein Land, ich glaube,
- 2:03:15wir alle würden gerne irgendwie mal, zumindest einmal leben wollen.
- 2:03:19Also ich weiß, glaube ich, gar nicht.
- 2:03:21Es ist nicht das Land von Milkenhony.
- 2:03:23Kalifornien fand ich auch sehr, sehr schön, da hat sich sehr viel geändert.
- 2:03:27Ich habe irgendwie gerade gelesen oder gesehen, dass die Armutsgrenze in der Bay Area,
- 2:03:33also rund um San Francisco, bei 100.000 Dollar, Jahreseinkommen liegt.
- 2:03:38Also verdient es 100.000 Dollar im Jahr und schafft es nicht,
- 2:03:42davon dir eine Wohnung zu mieten, zumindest noch nicht mal ein Haus zu kaufen
- 2:03:47und sozusagen deinen Lebensunterhalt davon zu gestalten.
- 2:03:51Das ist doch der Hammer.
- 2:03:52Das finde ich eine ganz, ganz schlimme Entwicklung,
- 2:03:56die ja nicht nur in San Francisco ist, die ja überall auf der Welt leider gerade stattfindet
- 2:04:00und das muss schleunigst abgestellt werden.
- 2:04:03Ist da Wein für dich heile Welt?
- 2:04:06Also dass du sagst oder versuchst du, dein Weinprogramm oder deine Weinauswahl schon ethisch zu leben, oder?
- 2:04:13Ja, ethisch auf alle Fälle.
- 2:04:15Wein ist aber nicht heile Welt.
- 2:04:16Also gerade jetzt, wo ich lange nicht mehr als Formel gearbite,
- 2:04:19sondern ja auch Weinhändler geworden bin vor über 10 Jahren.
- 2:04:22Und das ist auch Geschäft.
- 2:04:26Also gar nicht Geschäft hört sich auch immer schmutzig an,
- 2:04:29aber man muss trotzdem sagen, Geschäft ist auch Professionalisierung.
- 2:04:33Und man muss auch ganz klar überlegen, also was...
- 2:04:36Erfüllung, also auch Erfüllung.
- 2:04:38Also ich finde, ich weiß gar nicht, warum Geschäft so negativ behaftet ist auf das Fall.
- 2:04:44Ganz komisch.
- 2:04:45Das ist aber auch ein sehr deutsches Phänomen, ein deutschen Weingeschäft, ein komisches Phänomen.
- 2:04:51Also egal ob in England oder in Amerika, selbst in Frankreich oder Italien, wird das nicht als Österreich?
- 2:04:58Wir nehmen die Dinge sehr persönlich hier bei uns manchmal.
- 2:05:00Also zumindest in der Weinbranche kann ich das sagen.
- 2:05:02Und da sind wir wieder, dass wir manchmal, also daher würde mal ein bisschen mehr Näheabstand und ein bisschen mehr schauen,
- 2:05:07auf das, was man selbst tut und nicht so sehr, was die anderen machen, würde uns ganz gut tun.
- 2:05:11Um auch eine gewisse Gelassenheit gegenüber der Leistung anderer zu haben.
- 2:05:16Und Anerkennung, ja.
- 2:05:17Anerkennung, ja.
- 2:05:18Wärst du gerne nochmal so ein Me, also würdest du gerne nochmal ins Restaurant zurück?
- 2:05:20Und hast du es mal probweise gemacht, dass die jemand angucken kann?
- 2:05:22Nee, leider nicht.
- 2:05:23Aber ich muss aber sagen, mir macht das immer wieder Freude.
- 2:05:26Ich merke, dass wenn wir auf der Messe sind und ich Wein ausschenken kann oder wenn ich Wein proben modere.
- 2:05:32Also das, glaube ich, das geht dir doch genauso.
- 2:05:35Das ist etwas, das ist Teil der eigenen DNA geworden.
- 2:05:40Das ist verinnerlicht.
- 2:05:41Wahrscheinlich, ja.
- 2:05:42Wenn man, das ist natürlich ein Komfortzone, wo man in einem Bereich Referier moderieren kann.
- 2:05:46Jetzt keine Ahnung, da bist du ja auch im Rhein-Gau-Gourmet-Festival, beim Rhein-Gau-Gourmet-Festival.
- 2:05:50Bist du ja dabei?
- 2:05:51Ja, genau.
- 2:05:52Und da ist es etwas, was ich total gerne mag.
- 2:05:55Also dass Leute begeistern, obwohl man da natürlich mehr ein Monologue hält und im Restaurant selber in die Dialog einsteigt und sich austauscht.
- 2:06:04Es ist dort so, dass man ja eigentlich mehr publiziert und präsentiert.
- 2:06:08Aber ich mag das gerne.
- 2:06:09Ich finde das toll, wenn die Leute mit einem Lächeln oder dann eben beim rausgehen, nochmal sagen, tolle Moderations ist ein Geschenk und immer, immer sehr erfüllend.
- 2:06:17Ja, also das am Ende macht unser Geschäft ja nur die Menschen, die dafür bereit sind, das zu bezahlen und auch wertzuschätzen.
- 2:06:24Und sich das anzuhören, was wir zu erzählen haben und auch diese Dinge sozusagen auch selber am eigenen Leib zu erfahren.
- 2:06:31Dieses Jahr bin ich mit einem griechischen Winzer dort.
- 2:06:33Okay, toll.
- 2:06:34Mit griechischen Winzern.
- 2:06:36Und ich bin immer gespannt.
- 2:06:38Und kommt ein griechischer Koch, also ich meine, die lassen sich ja echt immer viel einfallen.
- 2:06:42Wahnsinn.
- 2:06:43Und ich bin sehr gespannt, was die da an Aufwand...
- 2:06:4525 Jahre und mit dem über zwei Wochen Irre.
- 2:06:47Genau.
- 2:06:48Also da Aufloher ein Richter, was der dort mit welcher nach außen wirkenden Entspanntheit, was ja auch ein guten Zombie eigentlich ausmacht, das ganze Leben kann.
- 2:06:58Also sehr, sehr bewundernswert.
- 2:07:00Ich glaube, die Elequenz ist das, was dir immer ein bisschen gut zu pass kam, oder?
- 2:07:04Dass du gut reden kannst.
- 2:07:06Das sagt man so.
- 2:07:08Am Anfang war ich total schüchtern.
- 2:07:10Ich habe lange wirklich...
- 2:07:12Ja, ja, unbedingt.
- 2:07:14Ich kam als Koch in diesen Beruf rein, mit diesen, ich sage mal, eher livrierten Kellnern, die mir ganz klar auch das Gefühl gegeben haben, naja, was willst du eigentlich in diesem Beruf oder mit was für eine Voraussetzung startest du hier eigentlich?
- 2:07:28Da haben wir uns ja noch krasser dieser schwarz-weiß Krieg, oder?
- 2:07:30Unbedingt.
- 2:07:31Ja.
- 2:07:32Ganz dämlich.
- 2:07:34Egal.
- 2:07:35Die Zeit hat es schon längst beerdigt.
- 2:07:37Geglättet.
- 2:07:38Geglättet, genau.
- 2:07:40Was war die Frage?
- 2:07:42Das ist eine gute Frage.
- 2:07:44Dein Elequenz, ob die dir...
- 2:07:46Und dass du schüchtern warst und so weiter.
- 2:07:48Und ich wollte eigentlich darauf hinaus, um den Bogen vielleicht zu spannen, wie würdest du...
- 2:07:52Oder wie würdest du dich als Wein beschreiben?
- 2:07:55Wie müsste der Wein sein, der dich perfekt spiegelt?
- 2:07:57Oder gibt es ein Wein, wo du sagst?
- 2:07:59Also mit Bianca habe ich, meiner Partnerin habe ich das Spiel schon häufiger gespielt.
- 2:08:04Und für sie haben wir festgestellt, dass sie eine Garnatsche ist.
- 2:08:09Hatten wir auch mal gemacht.
- 2:08:11Wir saßen auf dem Sofa und haben uns überlegt, ich wäre eine Rebsorte, welche wäre ich?
- 2:08:16Schönes.
- 2:08:18Schönes Gesellschaftspiel.
- 2:08:19So ein bisschen wie Onkel Dr. spielt.
- 2:08:21Aber bei mir, ich glaube, ich wäre ein Chardonnay.
- 2:08:27Ah.
- 2:08:28Ein Chardonnay ist für mich eine Sorte, die sehr, sehr stark durch das Making beeinflusst wird.
- 2:08:35Und zwar positiv beeinflusst oder beeinflusst werden kann.
- 2:08:38Und die aber auch in der Herstellung, also im Standort, schon auch viel abverlangt in gewisser Weise.
- 2:08:48Weil die Chance beliebig zu sein ist beim Chardonnay ziemlich groß.
- 2:08:53Ist die meistangebahnteste Weißweintraube der Welt, glaube ich?
- 2:08:57Nee, ist keine Iran.
- 2:08:59Iran immer noch, oh Gott.
- 2:09:00Das wird ja alles destilliert.
- 2:09:01Ja.
- 2:09:02Auch ein interessantes Thema.
- 2:09:04Also ich bin mal gespannt, ob wir in der Zukunft noch so viel Weinberge haben, wie was sie gerade haben.
- 2:09:07Aber ein anderes Thema.
- 2:09:09Also Chardonnay deswegen, weil unser Chardonnay dann aber sehr, sehr gut adaptiert.
- 2:09:15Egal wo er ist, ob es in Australien, in Frankreich, in Deutschland, in England ist.
- 2:09:21Und auch das Wine Making am Vorhre, großes Holzfass, kleines Holzfass, Batonage, das Aufruhen der Hefe und diese ganzen vielen Prozesse, die das begleitet.
- 2:09:31Das sozusagen drückt für mich der Chardonnay aus.
- 2:09:34Das ist auch bin auch ein bisschen ich.
- 2:09:35Also ich glaube, ich kann überall ganz gut.
- 2:09:37Ich komme überall ganz gut klar.
- 2:09:39Ich habe verschiedene Ausbaustufen erlebt.
- 2:09:43Und ich glaube im Grunde interessiert mich aber bei Wein, wie auch hier bei diesem Wein, vor allen Dingen dieser, was ja ganz viele ganz schnell greifen können, dieser mineralische Kern.
- 2:09:54Wein muss irgendwie mich an einem Platz beimen können.
- 2:09:58Sogar manchmal probiere ich Wein und sage mir, der muss aus Kalifornien sein, weil der schmeckt so wie man nur Weine in Kalifornien produzieren kann.
- 2:10:06Oder nur in Deutschland an ganz bestimmten Regionen, denke mal an Spätburg-Under in der Kombination mit Schiefer.
- 2:10:12Dass man häufig beim Ausmannshäuser Hellenberg, der ein ganz prägnantes Bouquet hat.
- 2:10:16Gut, gibt es auch noch in anderen Regionen in Deutschland.
- 2:10:19Aber es gibt so Sachen so, die Kombinationen bringen was ganz Besonderes hervor.
- 2:10:23Das glaube ich, das interessiert mich.
- 2:10:25So könnte ich mich sehen.
- 2:10:27[Musik]
- 2:10:38Hendrik Thomas ist gemäß seiner Aussage ein Schadonä.
- 2:10:43Wahrscheinlich wäre er nicht brav genug für einen bugundischen Schadonä.
- 2:10:48Wahrscheinlich nicht aufgesetzt genug für einen neuen Weltschadonä.
- 2:10:51Wahrscheinlich auch dank seiner Kreativität und seiner ganz eigenen Charakteristik eine komplette Neudefinition des Schadonä.
- 2:11:00So wie der 2022er Rossi Bass aus dem Hause Gaia in Piedmont.
- 2:11:05Schadonä in einer Kombination mit Sonny & Blanc sind eigentlich viel zu selten anzutreffende, kongeniale Partner.
- 2:11:13Wer auf der einen Seite hat, man hat die Struktur, man hat die Textur, man hat die Ernsthaftigkeit.
- 2:11:17Die Schadenhästen auf der anderen Seite, die Leichtfüßigkeit, die verspielte Aromatik, die Lebendigkeit, die Frische, die Aromenkultur.
- 2:11:24Die sich mit jedem Jahr der Reif beständig verändert.
- 2:11:27Das Sonny & Blanc.
- 2:11:29Gaia, der als einer der ersten diese französischen Rebsorten in Piedmont brachte, versteht es die beiden Rebsorten.
- 2:11:36Auf einzigartige Weise zu kombinieren, zu blenden, zu inszenieren.
- 2:11:40Angelo Gaia wird mit diesem Wein seiner Tochter Rosanne.
- 2:11:44Die Schadonäreben wurden bereits in den Frühen 1980er Jahren gepflanzt.
- 2:11:49Der Wein wird in einer Kombination von gebrauchten Barikfässern und Steinhank ausgebaut.
- 2:11:54Ein tolles, sanftes, gelb-grüner Reflektion, eine zarte, fruchtende, feine Struktur, ein leicht exotik Akazienblüte
- 2:12:03und dennoch spürt man die kalkige, fast salzige Mineralität des Bodens,
- 2:12:09die diesen Wein so filigran, differenziert, balanciert und trotzdem kraftvoll erscheinen lässt.
- 2:12:16Wenn man Schadonäre, wenn man Piedmonteser Weißweine komplett neu definiert erleben möchte,
- 2:12:21kommt man an, Rossibas nicht vorbei.
- 2:12:24Der Innovationsgeist scheint der Familie in Blut zu liegen.
- 2:12:27Die Gaia-Familie stammt ursprünglich aus Spanien und ließ sich im 17. Jahrhundert im italienischen Piedmont nieder.
- 2:12:34Dort gründete Giovanni Gaia 1859 das Weingut, um in seiner Taverne einen eigenen Wein auszuschänten.
- 2:12:42Giovanni Gaia war der erste in der Region, der seinen Wein in Flaschen abfüllte und nicht nur für den Eigenbedarf produzierte.
- 2:12:49Die italienische Armee bestellte schließlich seinen Flaschenwein, was zu einem unerwarteten Erfolg führte.
- 2:12:56Angelo Gaia, der Enkel des Föbengründers, setzte den Namen Gaia in großen Buchstaben auf die Etiketten der Weinflaschen.
- 2:13:04Dieser Schriftzug ist bis heute ein ikonisches Erbe der Marke.
- 2:13:08Angelo Gaia und seine Frau Clotilde Ray, legten schon immer großen Wert auf Qualität, auf Innovation und auf ein angemessenes Preisenieber.
- 2:13:19Das Interessante bei Hendrik ist, dass er auf der einen Seite sehr offengeistig neuen Wein, neuen Ideen, neuen Kreationen gegenüber ist,
- 2:13:27aber durchaus auch die großen Weine dieser Welt zu schätzen weiß, wie diesen Rossibas.
- 2:13:32Kannst du aber nur unter absolut perfekten Bedingungen perfekt performen, was Gian Czarnini eigentlich kann?
- 2:13:44Es ist schon mehr oder weniger fast die Schlampe der Weinwelt, weil sie überall irgendwie mit jedem und so.
- 2:13:50Das kann ich nicht so gut.
- 2:13:52Nein, das nicht. Aber Czarnini ist ja nur dein Grandios, wenn die einzelnen Parameter wirklich absolut perfekt sind.
- 2:13:57Somit ist sie eigentlich einer der frechsten und anspruchsvollsten Rebsorten, die es gibt.
- 2:14:01Aber so bist du doch nicht. Also du hast das Schunken, ganz gutes Einstiegsniveau.
- 2:14:06Danke, danke. Aber ich würde sagen, da bin ich ein grandioser Chardonnay.
- 2:14:09Vielleicht bin ich sogar ein Burgundaschardonnay, aber weißt du, da bin ich nicht ganz hundertprozentig,
- 2:14:14weil ich kenne so tolle Chardonnays überall aus der Welt. Im Burgund natürlich die meisten.
- 2:14:19Bist du nach wie vor der Überzeugung?
- 2:14:22In der Menge von tollen Chardonnays und auch Pinos, würde ich sagen, ist Burgund von der Dichte,
- 2:14:28so wie die Champagne auch, da muss man sagen, da haben die Franzosen, finde ich, zumindest, da legen sie ein echt, da legen sie lade verdammt hoch.
- 2:14:36Aufgrund der Monokultur, weil sie zum Beispiel ein Burgund nichts anderes machen kann,
- 2:14:41dass der Schüssel der Sache sein kann.
- 2:14:44Wie jetzt der Riesling an der Mosel?
- 2:14:47Ich drehe mal die Frage um, Livio. Also wenn wir über Chardonnay reden.
- 2:14:50Und ich sage, Burgund hat die höchste Dichte. Wie viel kannst du mir gerade nennen aus Burgund, die dir gut gefallen?
- 2:14:55Etlich, also ja.
- 2:14:57Würden dir sofort viele einfallen? Jetzt nennen wir mal aus Australien.
- 2:15:01Ja, schwierig in der Tat.
- 2:15:03Gibt ganz fantastische Sachen aus Australien.
- 2:15:06Auch Sean Smith, den hast du mal angesprochen, als du unten warst in Australien, die fand ich auch sehr, sehr cool.
- 2:15:11Die M3 Sean Smith.
- 2:15:13Ja, auch sehr gut, genau. Hill Smith.
- 2:15:16Das war ein guter Hill Smith und John Smith, glaub ich.
- 2:15:19So war das, genau, ja.
- 2:15:20Waren wir in Australien, oder waren wir beide?
- 2:15:21Nein, waren wir nicht.
- 2:15:23Aber jetzt haben wir Ziele.
- 2:15:25Was ist dein Lieblingsreibsort? Ist es Schaden oder hast du keine Lieblingsreibsort?
- 2:15:30So, da ist es zu plagativ gefragt. Aber man hat doch immer ein Lieblingskind in der Klasse.
- 2:15:35Nein, das ist leerer.
- 2:15:36Nein. Also das Einzige, ich spare ja von diesem Syrah, 78er, Hermita Schlascherfell.
- 2:15:42Der hat mich in meinen Grundfesten irgendwie, woah, da könnte ich drin baden.
- 2:15:49Nee, das baden Wasser aussaufen oder austrinken am liebsten.
- 2:15:53Wobei es geht gar nicht um die Menge.
- 2:15:55Es gibt Sorten, die ich gerne mag, aber guck mal, es gibt so tolle Autoktonesorten.
- 2:16:01Ich wäre ein totaler Verräter meiner eigenen Agenda.
- 2:16:05Und ich würde mir auch wahrscheinlich selbst widersprechen.
- 2:16:09Denn was kann man heute aus Bicol machen in Portugal?
- 2:16:12Ich rede natürlich immer gerne von unseren Winzern als Händler, ist ja klar.
- 2:16:17Aber da gibt es natürlich auch viele andere gute.
- 2:16:19Aber wenn ich an Bicol denke von Felipe Papato, mega, was für eine fantastische Sache.
- 2:16:24Wenn ich an Alvarino denke, wenn ich an Südafrika denke, Syrah heute aus Südafrika,
- 2:16:32mit dieser Frische, wenn ich an Kalifornien denke, Cabane, das sind Klassiker.
- 2:16:36Also das sind ja wieder die, ja, wir wollten ja über Autoktonesorten.
- 2:16:40Also Santorini, sprich Assortico, Xenomavo, Nausa, wenn ich Portugal, Alentejo sehe,
- 2:16:48was die da aus den alten Sorten in diesen höheren Lagen machen.
- 2:16:52Das würde ich mich ja total kastrieren.
- 2:16:58Also geschmacklich kastrieren, wenn ich sagen würde.
- 2:17:00Das heißt nicht, dass man das immer trinkt, aber dass man eine gewisse Präferenz hat.
- 2:17:03Oder sagt, das ist für mich das absolute Ultimo bei den Rebsorten,
- 2:17:06was andere einfach nicht erbringen können, wie zum Beispiel Riesling.
- 2:17:10Oder du bist auch so ein riesen Graubogunder-Fan.
- 2:17:12Daher, wenn es an Spaß, ich wollte einfach nur wegen...
- 2:17:15Gut, nein, lass uns den Graubogunder sprechen.
- 2:17:17Ich finde dieses Bashing total, ich finde es nicht gut.
- 2:17:19Ich finde es lächerlich, zum einen wälzt natürlich Leute in ihrem Geschmacksbild deklassiert.
- 2:17:23Und wenn manch einer vielleicht nicht mehr vom Wein wissen möchte,
- 2:17:26wie kehrst, ist seine Lebensentscheidung.
- 2:17:29Und es gibt teilweise ganz, ganz spannende Graubogunder.
- 2:17:32Aber weißt du, wie das Graubogunder-Bashing entstanden ist?
- 2:17:35Oder beziehungsweise dieses, was man ja mir anhängt,
- 2:17:38dass ich sozusagen hier die Initiation...
- 2:17:40Du hast es auch revidiert, du hast es online, soweit ich weiß.
- 2:17:43Ich bin jetzt nur kein so extrem aufmerksamer Insta-Verfolger
- 2:17:47oder was auch immer, oder in Facebook war das da, und damit glaube ich noch...
- 2:17:50Ich wusste gar nicht, ob es dir angehängt wurde.
- 2:17:52Ich wusste nur, dass du auch Fürsprache dafür gehalten hast,
- 2:17:55dass man es nicht so negieren sollte.
- 2:17:59Nein, also die Geschichte geht so, ich habe im Feinschmecker
- 2:18:03einen Beitrag geschrieben über die Vielfalt des Weines.
- 2:18:07Und habe geschrieben, dass ich vom Graubogunder am meisten enttäuscht bin.
- 2:18:11Weil mir wurde in...
- 2:18:13Als ich angefangen hatte, mich mit Wein auseinanderzusetzen,
- 2:18:16haben die Deutschen Winzer gesagt, Graubogunder,
- 2:18:18der hat Italienern das Pinogridio, das verkauft sich hier viel besser.
- 2:18:21Und haben so getan, viele, nicht alle, man sollte sowieso nicht generalisieren,
- 2:18:26aber viele haben dann gesagt, das können wir besser.
- 2:18:29Na ja, und wenn ich heute die meisten Pinograube oder Graubogunder probiere aus Deutschland,
- 2:18:34schmecken sie genauso wie italienische Pinogridios.
- 2:18:37Also sie sind eigentlich zu einem Industrie- oder zu einem Commodity-Verkommen.
- 2:18:40Industrieprodukt, Commodity.
- 2:18:42Und dann habe ich gesagt, wir haben noch viele...
- 2:18:46Also und dann ärgert mich eigentlich, dass in den Restaurants zumindest hier in Hamburg,
- 2:18:49aber ich glaube, das ist ein nationales Phänomen.
- 2:18:51Alle nur noch Graubogunder trinken.
- 2:18:53Es ist so ein bisschen diese Lemminge-Kultur, die man ja immer wieder findet,
- 2:18:56auch im Modebereich und und und.
- 2:18:58Auch hier, jeder ist da seines Glückes schmied.
- 2:19:01Aber ich habe gesagt, ich bin nicht dafür angetreten, die Lemminge-Kultur zu fördern.
- 2:19:04Ich bin für die Vielfalt im Wein und es gibt Arnés, es gibt Assertico,
- 2:19:08es gibt Rieswing, es gibt Kerner
- 2:19:11und es gibt all diese anderen tollen Sachen.
- 2:19:14Warum bestellen die Leute alle nur Graubogunder?
- 2:19:17Egal von welchen Produzenten, aus welcher Region, also hier in Hamburg werde ich das häufig erlangen.
- 2:19:23Und nicht mal der Jahrgang, bringen sie bitte ein Glas Graubogunder.
- 2:19:26Und das ist für mich der Gipfel an Oberflächlichkeit.
- 2:19:28Und auch das muss jeder für sich selbst klarmachen.
- 2:19:31Da ist aber dann die Frage, glaube ich, wer war zuerst da, der böse Gast,
- 2:19:34der böse Kellner oder das Hun oder das Ei?
- 2:19:37Wer hat das Ganze initiiert und kommt es dann nicht auf die Qualität
- 2:19:40der Somme ist, der Kellner drauf an, vielleicht dem zum einen das Futter zu geben,
- 2:19:44was er möchte.
- 2:19:46Ich mag auch dieses typische Primitivo-Bashing oder was auch immer nicht.
- 2:19:49Weil es manche einer, also vielleicht bin ich da auch sehr eigen oder Lugana-Bashing,
- 2:19:53es gibt überall teilweise vielleicht gar nicht so interessante Sachen.
- 2:19:56Ja, bei Lugana gibt es auch schwierige.
- 2:19:58Und vielleicht auch, wenn sie meine Geschmacksphilosophie nicht vertreten,
- 2:20:01dann machen sie in dem Augenblick vielleicht so lang sie ethisch gut gemacht sind,
- 2:20:04jemand anderes glücklich.
- 2:20:06Aber in der gewissen Kreativität kann man dann den Abend weiterentwickeln lassen
- 2:20:10und vielleicht andere Geschmacks wählen auf dem Bahn, was die immer ganz gut konntest.
- 2:20:14Aber daher rührt das, okay?
- 2:20:16Nein, also die waren noch nicht fertig, also deswegen, sorry, ich muss da noch mal...
- 2:20:19Ich wollte nicht reinkriegen.
- 2:20:21Nein, gut, alles, was du hier sagst, ist völlig richtig,
- 2:20:24aber jetzt nochmal in dem Kontext zurück.
- 2:20:26Also mit anderen Worten nicht äußere mich in einer Gourmetzeitschrift,
- 2:20:30die für kulinarische Vielfalt steht und die weit über die Grenzen Deutschlands bekannt ist
- 2:20:35und die Produzenten aus der ganzen Asym Feinschmecker, der sozusagen auch ein internationales Trademark ist,
- 2:20:42äußere ich mich zu der Vielfalt und sage, ich bin enttäuscht,
- 2:20:47dass wir sozusagen angetreten, oder dass ich bin enttäuscht in einigen, die sie angetreten sind,
- 2:20:53mir was versprochen haben, was sie am Ende nicht gehalten haben
- 2:20:56und dass wir heute einfach in einer Zeit leben, in der sie so viele Möglichkeiten haben
- 2:21:00und sie nicht nutzen.
- 2:21:02Das ist eigentlich der Sinn eines Kritikers, denn es ist ja ein Essay, was ich da geschrieben habe.
- 2:21:06Es ist ja der Beitrag zu sagen, nee, Leute, hört doch mal auf,
- 2:21:10ständig euren blöden, in Anführungsstrichen, Grauburgunder zu bestellen,
- 2:21:13nutzt doch mal das, was euch die Weinenwelt gerade gibt
- 2:21:16und sie auch da mal wachzurütteln.
- 2:21:18Und natürlich bedient man sich in gewisser Form, ich würde das nicht Bashing nennen,
- 2:21:23aber es ist von mir ein ganz klarer Standpunkt.
- 2:21:25Ich bin kein Fan der Beliebigkeit.
- 2:21:27Aber es wurde dann auch, also es wurde zum Schneeball, oder?
- 2:21:30Und daraus ist dann, glaube ich, ich weiß nicht, ob ich der erste war oder...
- 2:21:33Ich glaube, es war in vielen Köpfen, merkte man das schon.
- 2:21:36Und natürlich kann man nicht den Gast dafür die Schuld in die Schuhe geben oder den Konsumenten.
- 2:21:41Das muss sich die Branche schon selber anziehen.
- 2:21:44Denn sind das die Geschichten, die wir erzählen wollen.
- 2:21:47Aber ich glaube, jedes Land hat seinen Grauburgunder in Australien, heißt der Chiras.
- 2:21:50Die schmecken auch eigentlich fast alle gleich, bis auf die wenigen, die anders schmecken,
- 2:21:54weil die Winzer ein anderes Konzept verfolgen.
- 2:21:57Also wir haben heute einen Riesen Gap zwischen Industrie und Handwerk.
- 2:22:00Und die Industrie ist einfach wesentlich mächtiger, hat die größeren Verbreitungsorgane
- 2:22:06und kann zu einem Preis liefern.
- 2:22:08Wie ich schon sagte, dieser Primitivo doppio passo, den ich da neulich getrunken habe,
- 2:22:12da war erschreckend gut.
- 2:22:14Gleichzeitig war er so banal und schlecht, dass es für mich nicht interessant ist.
- 2:22:18Und meine Aufgabe ist als Meinhändler, als ehemaliger Sommelier,
- 2:22:21ich bin schon lange kein Sommelier mehr,
- 2:22:23ist es die Leute darauf hinzuweisen, dass es vielleicht mehr gibt.
- 2:22:26Aber wo mehr gibt es was anderes außer Wein, was dem Wein nahekommt?
- 2:22:31Du bist ja ein passionierter Teetrinker.
- 2:22:33Nee.
- 2:22:35Also, Teetrinker ist meine Partnerin, die besorgt immer fantastische Sachen.
- 2:22:40Ich trinke total gern Kaffee, ich trinke total gern Bier, ich trinke total gern Kaffee.
- 2:22:43Was kann man jetzt mit Wein vergleichen?
- 2:22:45Haben diese Getränke oder diese Elemente...
- 2:22:48Es gibt für mich nur eins, was man mit Wein vergleichen kann, das Musik.
- 2:22:52Und Literatur vielleicht, weil es genauso vielfältig ist.
- 2:22:56Du bist ein musikalischer Mensch.
- 2:22:58Ja, selbst ich gar nicht, aber ich höre total gern Musik.
- 2:23:02Ich finde Musik gibt es so unglaublich viele Möglichkeiten wie beim Wein.
- 2:23:07Und auch von Popmusik, das wäre jetzt so, oder Mainstreammusik,
- 2:23:12Krawo Gunda bis zu Ekläktik, Naturwein, irgendwie ein Jazz-Konzert.
- 2:23:22Wir haben ja gerade so ein Jazz-Konzert gehabt mit einem sehr, sehr spannenden Lorenz.
- 2:23:27Oh, gerade jetzt, wenn ich so viel rede, wir hatten einen ganz fand, mit Lorenz,
- 2:23:33ein fantastisches Jazz-Konzert hier in Hamburg, wo wir Weine und Musik gematched haben.
- 2:23:39Total viel Spaß gemacht.
- 2:23:41Ja, aber auch eine große Herausforderung.
- 2:23:43Ja, das war wirklich...
- 2:23:45Es sind zwei sehr eigenständige Dinge, die, also wie zwei Dieben auf einer Bühne,
- 2:23:49wo man jedem seinen Raum geben muss und das miteinander zu verbinden.
- 2:23:54Dass immer hundertprozentig geklappt hat, kann ich gar nicht sagen,
- 2:23:56aber es war ein schöner Abend.
- 2:23:58Und das ist glaube ich das Gesamtkunstwerk entscheidend.
- 2:24:00Und es war für mich, war es nicht so schwer, weil ich habe die Weine ausgesucht
- 2:24:03und der Lorenz Kellhuber, der ist übrigens auch in Dresden ab und zu mal an der Fachhochschule.
- 2:24:08Und ein relativ junger Mann, ein unglaubliches Genie am Klavier.
- 2:24:15Und für ihn war es eigentlich schwerer, weil er musste die Weine trinken
- 2:24:18und hat sich dann instant ein Stück dazu ausgedacht.
- 2:24:20Ach so!
- 2:24:21Und das war schön.
- 2:24:23Das ist ja interessant.
- 2:24:25Und er hat sogar die Weine teilweise sogar blind erkannt sogar.
- 2:24:27Also wenn die Weine erst gemeinsam verkostet, mit dem Publikum zusammen.
- 2:24:30Weil nur dann wird es auch interessant, weil wenn das Publikum mitmachen kann,
- 2:24:33dann können sie die Gefühle vielleicht deuten.
- 2:24:36Wie viele Gäste waren das?
- 2:24:38Wir waren 60 Leute, das war jetzt nicht groß.
- 2:24:40Das war toll.
- 2:24:42Also Musik und Weine finde ich aber auch...
- 2:24:45Hast du Präferenzen bei Musik?
- 2:24:47Also magst du Jazz oder bist du Hartpanker oder Klassische bis zum...
- 2:24:54Du hast ja auch wie bei dir wahrscheinlich, du hast ja wahrscheinlich dein Musikgeschmack
- 2:24:57auch häufiger mal gewechselt.
- 2:24:59Und aus jeder Epoche bleibt irgendwie ein bisschen was.
- 2:25:01Stimmt, aber der Kern bleibt bei mir.
- 2:25:03Also ich bin...
- 2:25:06Ich höre heute jetzt wieder sehr, sehr viel Zeit aus meiner Jugend.
- 2:25:10Also sehr viel Scar, Rocksteady, auch modernere Varianten davon.
- 2:25:14Ich mag so Two Threads and the Materals.
- 2:25:18Oder ich liebe Punkmusik.
- 2:25:22Ich mag sehr gerne so Motmusik, so Jam, Pawella finde ich zum Beispiel, Grandios.
- 2:25:27Aber ich kann mich auch an Katja Bunischawili, Klavierkonzerte,
- 2:25:33diese georgische Pianiste.
- 2:25:35Die georgische Pianiste kann ich mich auch super mit entspannen.
- 2:25:42Also ich finde Musik kann alles sein.
- 2:25:47Das ist eben das Schöne an Musik wie mit Wein.
- 2:25:49Wenn in dem Moment wo du den richtigen Menschen oder den richtigen Platz hast
- 2:25:53und du offen bist, dann ist das einfach nur Genuss.
- 2:25:57Und das kann auch mal Hardcore Punk sein sogar.
- 2:26:00Pass Punk und Wein?
- 2:26:02Pass Punk und Wein?
- 2:26:04Also kann man Wein mit Pass Punk...
- 2:26:06Was würde für ein Wein zu zu Punk passen?
- 2:26:10Also das Punk hat ja was Disruptives.
- 2:26:13Also nehmen wir mal Sexpistols als emblematische Band, Johnny Rotten.
- 2:26:19Und die mal als Beispiel, dann wäre das wahrscheinlich ein Hardcore Naturwein
- 2:26:24aus Österreich, Frankreich oder von mir aus aus Deutschland.
- 2:26:28Ein Raw Wein würde ich sagen.
- 2:26:31Also gar nicht Naturwein, ein Raw Wein, also unfilteriert, anplagt.
- 2:26:35Nicht filtriert, minimalst geschwefelt oder gar nicht geschwefel, keine Zusätze.
- 2:26:40Und das Konzept von Raw ist ja auch, dass häufig viele Mistöne entstehen,
- 2:26:44die ja auch die klassischen Weintrinker nicht mögen.
- 2:26:47Ja, die sind ja auch die klassischen Weintrinker, sie müssen...
- 2:26:50Ja, das... Ja, denkt doch mal daran, dass genau, dass der Punk war,
- 2:26:54dass das Establishment mal wach wurde.
- 2:26:57Und ich glaube, das sind viele von diesen Weinen, das war nicht lange haltbar Punk.
- 2:27:01Deswegen gab es Punk ja auch dann irgendwann, auch heute fast die kommerzielle Musikrichtung,
- 2:27:06wenn du mal an Blink One Eighty Two denkst, oder sowas, das hat, das ist der Punkband,
- 2:27:11aber das ist eigentlich Pop.
- 2:27:13Das hat also mit dem trotzenden California Punk relativ wenig zu tun.
- 2:27:17Ja, oder UK Punk, also der California Punk war ja sowieso schon da,
- 2:27:21weil schon die Verachtung war ja schon von den Engländern zu den Amerikanern,
- 2:27:24dass die Amerikaner sowieso immer alles sehr kommerziell machen.
- 2:27:27Und in England war ja Punk Ausdruck einer Armutsjugendbewegung,
- 2:27:33die entstanden, als die Leute keine Kohle hatten und auf die Straße gegangen sind.
- 2:27:38Das ist, das ist Establishment mehr oder weniger in Frage gestellt haben.
- 2:27:43Das war mehr eine politische Botschaft, als es in der Tat Musik war,
- 2:27:48oder Musik war mittels dem Zweck.
- 2:27:50Und das war es in Kalifornien nur bedingt, da war es mehr ein Ausdruck von Lebensgefühl.
- 2:27:55So beim Skrieren ja genauso, also Kalifornie Skrieren.
- 2:27:58Hat ja mehr diesen Beach Boys, Hörf Charakter.
- 2:28:01Und in England gibt es da auch ganz andere Hintergründe.
- 2:28:04Genau, da waren es die englischen, oder die karibischen Einwander aus den ehemaligen Kolonien,
- 2:28:09die geholt wurden als billige Arbeitskräfte im Norden von England,
- 2:28:12vor allen Dingen in Birmingham, dort ansässig zu werden.
- 2:28:16Und dann haben sich die einheimischen Jugendlichen mit den Kariben zusammengetan
- 2:28:22und haben aus den unterschiedlichen Musikrichtungen was zusammenkreiert.
- 2:28:26Das war ja eigentlich ein schwarz-weiß-Movement, so fängt das eigentlich an.
- 2:28:30Und die Skinets kam eben ja aus dieser Arbeiterkultur.
- 2:28:33Und die Schwarzen kamen eben auch ganz klar mit diesem wunderbaren Kalipsomusik
- 2:28:37und diesen schönen Steel Drums und die Klänge.
- 2:28:40Und das hat sich natürlich weiterentwickelt.
- 2:28:42Also das höre ich zurzeit gern und ich könnte mich aber auch mit Udo Jürgens
- 2:28:47Griechischer Wein zufrieden geben, wenn ich...
- 2:28:49Kannst du.
- 2:28:50Wow, also das ist doch geil.
- 2:28:51Udo Jürgens finde ich sowieso zu alt.
- 2:28:53Ich hab da in der Tat, ne, ich hab da...
- 2:28:54Nicht?
- 2:28:55...Bewusstseinsgrenzen.
- 2:28:56Ehrlich?
- 2:28:57Aber ich finde das großartig, wenn jemand alles kann
- 2:28:59und bei jeder Musiker...
- 2:29:02Also ich kann, zum Beispiel wenn wir jetzt über Udo Jürgens reden,
- 2:29:05also Griechischer Wein ist jetzt vielleicht auch echt ein Gassenhauer,
- 2:29:08aber der hat ja auch andere Sachen gemacht.
- 2:29:10Also ich hab den aber als Musiker und Künstler wahrgenommen.
- 2:29:13Auch wenn ich gar nicht alles gut davon finde.
- 2:29:16Oder ich hab mir neulich wieder angehört, Herbert Gründemeyer.
- 2:29:18Ein paar Sachen.
- 2:29:19Super.
- 2:29:20Man ist damit groß geworden.
- 2:29:22Ich kann das gehören, aber...
- 2:29:26Ich finde die Parallel sehr, sehr gut, weil Musik
- 2:29:30eine Emotion in einem auslöst, was manchmal Wein auch kann,
- 2:29:34wenn ich ein Wein, keine Ahnung, vor 20 Jahren getrunken habe.
- 2:29:37Und ich probiere diesen Wein wieder,
- 2:29:40dann habe ich die gleiche Emotion.
- 2:29:42Also ich hab die gleiche Wärme, ich hab die gleichen Erinnerungen,
- 2:29:44die mit einmal warm werden, aufpoppen und...
- 2:29:48Sehr interessant, sehr interessanter Körglas.
- 2:29:50Ich glaube auf jeden Fall, dass Musik, weil Musik ja auch häufig
- 2:29:53ein sehr stark kulturellem Hintergrund hat.
- 2:29:55Gut, hätte Literatur auch und andere Dinge.
- 2:29:58Aber bei Musik ist es, glaube ich, sogar im schnellsten greifbar.
- 2:30:01Weil wir alle wissen, was Musik ist.
- 2:30:03Und "Ah, das ist Reggae", oder "Das ist Scar",
- 2:30:06oder "Das ist Punk", oder "Das ist Pop".
- 2:30:09Es berührt alles irgendwie...
- 2:30:10Man kann es irgendwie...
- 2:30:11...bewusst und dass man aktiv...
- 2:30:12...sit gelernt.
- 2:30:13...damit arbeiten muss oder es eben gelernt haben muss.
- 2:30:15Hast du ein anderes Hobby?
- 2:30:17Außer vielleicht Musik?
- 2:30:18Also früher habe ich ja sehr, sehr viel Sport gemacht.
- 2:30:20Da war ja Sport verrückt sogar.
- 2:30:21Ja?
- 2:30:22Ja, welche Sportarten?
- 2:30:23Ich bin vor allen Dingen gelaufen.
- 2:30:25Du siehst auch aus den Läufer.
- 2:30:27Mich kannst du wirklich hinstellen, kannst du sagen,
- 2:30:29"Lauf, Horst, Lauf".
- 2:30:30Also ich kann irgendwie aus einer Naturbegabung oder...
- 2:30:33Sind die Gelenke noch nicht kaputt?
- 2:30:35Nee, in der Tat nicht.
- 2:30:36Also ich glaube aber auch, diese ständige Training in der Bar,
- 2:30:40also die ständige Laufend, dass das mich...
- 2:30:43Okay, das laufen malst du.
- 2:30:44...geschmiert hat sozusagen.
- 2:30:45Aber sonst auch eben auch, dass Langstrecken laufen.
- 2:30:47Ich meine, das haben wir uns mal kennengelernt,
- 2:30:49oder haben wir mal drüber gesprochen.
- 2:30:51Und das ist ja ein sehr unkomplizierter Sport gewesen laufen,
- 2:30:54weil du hast einfach Schuhe und Hose und Hemd.
- 2:30:56Ja, ich lauf Barfuß.
- 2:30:57Also ich lauf Barfuß immer.
- 2:30:59Im Wald?
- 2:31:00Ich liebe das.
- 2:31:01Und es ist für mich eine Verbindung zu Natur auf der einen Seite.
- 2:31:03Und bei mir resultiert es witzigerweise aus einer Situation heraus,
- 2:31:06dass ich aufgrund dessen, ich habe keinen Fettgewebe.
- 2:31:09Das für manche im Prinzip gelingt es toll oder großartig.
- 2:31:13Aber es stützt halt viele Muskelpartien oder viele auch Knochenpartien,
- 2:31:18nicht so sehr.
- 2:31:19Und deswegen hatte ich immer Rückenschmerzen, ganz, ganz gravierend.
- 2:31:22Und ich bin aus Theopaten, bei uns in Dresden gegangen.
- 2:31:25Und er hat gesagt, das sind das und so und so und aus dem Grund.
- 2:31:28Und ich würde empfehlen, Barfuß zu laufen.
- 2:31:30Und dadurch stabilisiert sich die gesamte Skelettur auf eine ganz, ganz eigene Weise,
- 2:31:35also die Naturlichkeit kommt zurück.
- 2:31:37Und von innerhalb von einer Woche war meine Gesamtproblematik weg.
- 2:31:42Und ich habe jahrelang nach Lösungen gesucht.
- 2:31:45Also somit Gürtel lief ich durchs Restaurant, so ein Scheiß.
- 2:31:47Also eine Fussmassage.
- 2:31:48Wenn man so will, auf natürlicher Art und Weise.
- 2:31:50In dem Sinne schon, aber das durch die natürliche Bewegung der einzelnen Knochenpartien
- 2:31:58innerhalb des Fusses tangiert sich die gesamte Skelettur aus.
- 2:32:03Also daher jocke ich auch.
- 2:32:05Wenn du das einmal gewohnt bist, also wenn die keinen Steinchen,
- 2:32:08die nicht zu schaffen machen, wenn du so desensibilisiert bist,
- 2:32:12dann ist das ein sehr großes Wohlgefühl bei uns im Dorf.
- 2:32:16Ich wohne so ein kleines Stückchen außerhalb von Dresden,
- 2:32:19immer wie als wäre ich bescheuert, wenn ich dabei ungefähr bei -3° Barfuß durch die Gegend laufe.
- 2:32:23Soll vielleicht lieber mal auf sich selbst gucken.
- 2:32:25Aber ich finde das total spannend, was du sagst,
- 2:32:29weil das ist genau dieses, den im Fuß laufen alle Nervenbahnen zusammen.
- 2:32:35Das macht total Sinn.
- 2:32:36Und jeder von uns weiß, dass wenn er im Urlaub ist,
- 2:32:38dann ist er häufig einmal bereit, Barfuß zu gehen.
- 2:32:40Und ich merke das auch.
- 2:32:41Also wenn man über die Steine zum Beispiel geht, an irgendeiner Felsküste,
- 2:32:45am Anfang tut einem das noch weh, so am 4.5.Tag kommt man schon ein bisschen schneller drüber
- 2:32:50und dann leider ist man nach zwei Wochen wieder abgereist.
- 2:32:53Aber es ist - und mit den Füßen verbinde ich ja nicht nur das Gefühl,
- 2:32:57auch in ein gewisser Form ist ja auch eine gewisse Textur.
- 2:32:59Also Steine oder Sand oder Boden fühlt sich anders.
- 2:33:02Das kann ich sehr gut nachvollziehen.
- 2:33:04Man wird halt nur unfassbar und ich verstehe das nicht warum.
- 2:33:07Unfassbar komisch angeschaut, wenn du Barfuß in der Öffentlichkeit...
- 2:33:11Also ich habe jetzt gerade Eisbaden für mich entdeckt.
- 2:33:14Ich habe es gesehen.
- 2:33:16Das mache ich jetzt echt krass.
- 2:33:18Ich ärgere die Leute immer ein bisschen und ärgere so mein Umfeld.
- 2:33:20Und ich sage, ihr warmen Duscher.
- 2:33:22Auch ganz, ganz spannend.
- 2:33:24Ich bin da sicherlich kein Profi, aber ich gehe so in 3 Grad kaltes Watter,
- 2:33:28schaffe ich so 2 Minuten.
- 2:33:30Wobei es geht nicht darum, wie lange ich schaffe.
- 2:33:33Also es geht eher darum, dass man einen Moment findet,
- 2:33:35mit sich und der Natur und dem Gefühl einzutauchen, auch die Natur wahrzunehmen.
- 2:33:43Und der spannende Moment ist eigentlich der.
- 2:33:45Also das Eintauchen ist natürlich ein bisschen gewöhnungsbedürftig,
- 2:33:48wobei es gibt sehr unterschiedliche Wahrnehmungen.
- 2:33:50Für mich ist es schon, ich muss mich einmal zwingen, vor allem Rücken bei mir.
- 2:33:53Aber wenn ich dann drin bin und dann erstmal,
- 2:33:55und dann merkt man so langsam, wenn es anfängt zu kribbeln,
- 2:33:57also dann sollte man wirklich rausgehen und muss man aufpassen.
- 2:34:00Aber spannend ist, wenn man dann zu Hause ist,
- 2:34:02man soll danach ja nicht warm duschen.
- 2:34:04Man taut langsam wieder auf.
- 2:34:06Und dann hast du unglaublich viele positive, gute Gedanken
- 2:34:10und auch entsprechende Hormone, Glücksausschüttungen im Körper.
- 2:34:15Das kann fast süchtig machen.
- 2:34:17Glaub ich. Man sagt glaube ich eine Minute pro Grad.
- 2:34:21Ja, gibt es ja unten, das ist ja die Faustformel, diese Wim Hof Methode.
- 2:34:25Der ist ja der berühmte. Also ich bin ja jetzt gar nicht so tief drin.
- 2:34:28Aber nochmal, ich mach das eher so wie so ein Hobby jetzt.
- 2:34:31Ich glaube, es gibt ja diesen im Bedienraum,
- 2:34:36also diesen Raum von "nehm es mir vorzumachen",
- 2:34:39bis ich mache es tatsächlich.
- 2:34:42Und diese Überwindung ist ja das, womit die meisten nicht klar kommen.
- 2:34:46Ich glaube, das kann dabei beim Training helfen,
- 2:34:48dass man eben diesen im Bedienraum überwinden kann.
- 2:34:51Und Sachen...
- 2:34:53Courage.
- 2:34:55Ja, das ist auch ein ganz, ganz spannendes Thema für uns alle,
- 2:34:58auch im beruflichen oder auch wenn man als Tommel gearbeitet und so.
- 2:35:01Ich glaube immer, wir sind so darauf konditioniert,
- 2:35:04zumindest einige von uns,
- 2:35:06wir wollen immer irgendwie versuchen,
- 2:35:09ans Ende der Welt zu kommen oder den Horizont zu erreichen.
- 2:35:12Und entsprechend in Anführungstrichen foltern wir uns ja auch.
- 2:35:16Also auch wenn man so viele Weine verkostet, fragt man sich,
- 2:35:19wozu ist das nötig?
- 2:35:21Warum muss man das eigentlich machen?
- 2:35:23Aber man macht das deswegen, glaube ich,
- 2:35:25weil man intrinsisch neugierig ist
- 2:35:28und weil man auch was lernen will
- 2:35:30und weil man vor allen Dingen auch was für sich selbst lernen will.
- 2:35:33Denn ich finde es total wertvoll, einen guten Geschmack zu haben.
- 2:35:36Ich kenne viele Leute, die haben zwar ne Sensorik,
- 2:35:40die haben ne Nase, die haben Mund und Augen
- 2:35:43und können riechen, schmecken, aber sie schmecken eigentlich nichts.
- 2:35:46Und sind aber manchmal so... also ich kenne auch so viele,
- 2:35:48die sind so unfassbar sensibel und könnten
- 2:35:50so viel herauslösen aus den Weinen,
- 2:35:53aber geben sich damit Milker-Schokolade in Weinform zufrieden.
- 2:35:56Das finde ich manchmal auch ein bisschen schade.
- 2:35:59Ja, da bist du ja für da.
- 2:36:01Ja, danke.
- 2:36:03Da ist man...
- 2:36:05Das zu nehmen und dann einfach weiterzuentwickeln
- 2:36:08und das mit einer gewissen Leichtfüssigkeit heranzugehen.
- 2:36:11Fühlt das total toll manchmal, wenn ich sehe,
- 2:36:13wie manche Leute einfach ohne besondere Bildung zu haben
- 2:36:16in Sachen, was ist jetzt die Klassifikation von hier
- 2:36:19und welche Traube wächst da, aber die eben sehr, sehr gut wahrnehmen können.
- 2:36:22Ist toll, also das gibt es.
- 2:36:24Na klar, Naturtalente.
- 2:36:26Deswegen bin ich ja auch mehr ein Schadonee.
- 2:36:28Ich musste mir das alles sehr hart erarbeiten.
- 2:36:30Das ist nicht so dieses Gift vom Gott.
- 2:36:33Hast du den Drops of God den Film?
- 2:36:36Nee.
- 2:36:37Das ist ja immer interessant.
- 2:36:39Also der ist natürlich paziell, wie so häufig,
- 2:36:41so ein bisschen Hollywood lässt grüßen,
- 2:36:43also für breitere Massen gemacht,
- 2:36:45aber in seiner Essenz total klasse.
- 2:36:47Es gibt keine guten Weinfilm, also es gibt wenig gute Weinfilme.
- 2:36:50Ich finde das ist schreckend und eigentlich schade und bedauerlich.
- 2:36:53Das ist ja jetzt so ein Thema...
- 2:36:55...netflix-Serie, also dass man nicht greifen kann,
- 2:36:57aber da gab es ja schon, also ich mochte auch sehr, sehr gerne,
- 2:36:59den unseren Pinot Noir Film hier aus...
- 2:37:01Zeit war es, ich fand ihn so schrecklich.
- 2:37:04Echt?
- 2:37:05Ja, er war so plagativ.
- 2:37:07Er ist ja flasch.
- 2:37:09Ich fand es in der Tat schade, ich fand Weinwunder Deutschland nicht schlecht,
- 2:37:11mit dem Steward.
- 2:37:13Ich fand das ganz gut gemacht, aber so im Großen,
- 2:37:15der Wind und der Wein finde ich großartig.
- 2:37:17Oder ein besonderes Jahr.
- 2:37:19Der Wind und der... das ist im Burgund, ne?
- 2:37:21Ja, genau.
- 2:37:22Mit... ja, auch Winzer.
- 2:37:24Der ja sogar Girolo, ne?
- 2:37:26Ja, er war selber Schauspieler, war aber deine Schauspielstude.
- 2:37:28Das wusste ich nicht.
- 2:37:30Ja, das habe ich irgendwo mal gelesen, fand ich auch spannend.
- 2:37:32Weil er hat ja drinnen performt, sogar relativ gut.
- 2:37:34Also Drops of God ist...
- 2:37:36...spannender Film.
- 2:37:38Welche wir gerne antun?
- 2:37:40Ja, weil es ist auch abstrakt.
- 2:37:42Also...
- 2:37:44...wenn ihr Sideways nicht gefallen habt, bin ich mir nicht sicher.
- 2:37:46Aber du findest halt Elemente in der Kommunikation,
- 2:37:48das ist interessant.
- 2:37:50Wie sieht uns denn die große Welt?
- 2:37:52Wie könnten wir gesehen werden?
- 2:37:54Das ist natürlich für total abgefahren.
- 2:37:56Und total verrückt.
- 2:37:58Aber das hat ja jede spezialisierte Ausrichtung.
- 2:38:00Es hat die Musik auch, es hat die Kunst auch, es hat die Literatur auch.
- 2:38:02Ja, bei Wein?
- 2:38:04Beim Wein...
- 2:38:06Hat es aber sonst ein nobistischen Charakter.
- 2:38:08Oder wird uns angedichtet.
- 2:38:10Und das stimmt ja nicht.
- 2:38:12Die ganz geilen Weinläuse, die du kennenlernst,
- 2:38:14sind doch eigentlich alles gute Typen.
- 2:38:16Mit denen kannst du dich abends hinsetzen
- 2:38:18und ein normales Gespräch führen über Gott und die Welt.
- 2:38:20Also das ist auch etwas...
- 2:38:22Das ist ein Ding, aber wir hatten das schon mal.
- 2:38:24Und warum ich so bin, wie ich bin.
- 2:38:26Aber Snobismus liegt mir fern.
- 2:38:28Weil ich habe genug mit Snobbs zu tun gehabt.
- 2:38:30In meinem Leben, ich möchte nicht selbst einer werden.
- 2:38:32Man muss ja jetzt, wenn man heute gendern würde,
- 2:38:34dann sagt man Snobbs und Snobbinden.
- 2:38:36Alles Snobbinden da drauf.
- 2:38:38Das ist eigentlich so snobbisch.
- 2:38:40Hab ich ja noch nie gehört, dass man die Snobbinen...
- 2:38:42Schnobbinen?
- 2:38:44Schöne Gedanke.
- 2:38:46Somelier oder Sommlieren.
- 2:38:48Ja.
- 2:38:50Gendern.
- 2:38:52Das machen wir jetzt nicht.
- 2:38:54Hab ich es auch total verkannt, die ganze Zeit.
- 2:38:56Mist.
- 2:38:58Aber egal.
- 2:39:00Wir haben noch nicht gendert.
- 2:39:02Wir sind ganz in dieser maskulinen Ebene durchgeweist.
- 2:39:06Ja, ich finde, gendern persönlich...
- 2:39:08Es gibt ja sehr unterschiedliche Meinungen.
- 2:39:10Ich habe hier auch viele jüngere Kolleginnen und Kollegen.
- 2:39:16Die machen das.
- 2:39:18Das finde ich total okay, weil sie sind so sozialisiert.
- 2:39:21Das ist auch ihr Sprachduktus.
- 2:39:23Meiner ist es nicht unbedingt.
- 2:39:25Und wenn ich das mache, wirkt es auch nicht authentisch.
- 2:39:27Man sollte eine gewisse Authentizität damit leben.
- 2:39:30Man sollte entweder reingewachsen sein oder es gerne annehmen.
- 2:39:34Aber ich finde es manchmal nicht schön,
- 2:39:36jemanden dafür zu beschimpfen, wenn das nicht macht.
- 2:39:41Wenn es nicht ein politischer oder ethischer Hintergrund ist,
- 2:39:45wenn man sagt, weil oder besser,
- 2:39:47sondern wenn es ihm einfach nicht liegt.
- 2:39:49Vielleicht kommt irgendwann der Punkt, wenn es alle machen,
- 2:39:51dass es auch macht.
- 2:39:53So ist es das.
- 2:39:55Ich finde, es ist eigentlich fast eine persönliche Entscheidung.
- 2:39:57Wenn es jemand macht, finde ich es okay.
- 2:39:59Aber wenn ich es jetzt nicht mache,
- 2:40:01hoffentlich sagt der andere, ich finde es auch okay.
- 2:40:03Das wäre schön, wenn wir da auch ein bisschen mehr insgesamt
- 2:40:06in vielen gesellschaftlichen Fragen, auch beim Wein,
- 2:40:09wieder ein bisschen mehr hinkommen.
- 2:40:11Das heißt Achtung voneinander vielleicht.
- 2:40:14Und dann muss man auch akzeptieren, wie er ist oder warum er so ist.
- 2:40:17Oder laufen.
- 2:40:19Wir müssen einfach mal die...
- 2:40:21Jetzt müssen wir aufpassen, jetzt hat nicht viel mit Wein zu tun.
- 2:40:24Aber wichtig wäre, dass man mal die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen
- 2:40:27mal wieder genauer benennt.
- 2:40:29Also wofür wir auch als Gesellschaft stehen.
- 2:40:31Weil zurzeit sehe ich nur jeden, der sich gerne für sich selbst
- 2:40:34sehr viel rausnimmt, aber eben nicht bereit ist,
- 2:40:37dann entsprechend in das Gesamtpaket auch mit einzubezahlen.
- 2:40:40Ich glaube, das kannst du sehr gut beurteilen.
- 2:40:42Aber du sagst, dass du zumindest kulinarisch relativ weit unten angefangen hast,
- 2:40:45also auch vom Elternhaus,
- 2:40:47und dann aber auch ganz hoch und auch gesellschaftlich ganz hoch.
- 2:40:50Man ist ja als Sommi in einer Ebene,
- 2:40:53manchmal eben auch in einer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ebene,
- 2:40:56die man in anderen Bereichen wahrscheinlich nicht erreicht hätte,
- 2:41:00oder man spielt mit Dingen, die...
- 2:41:04egal wo man herkommt, also oftmals nicht natürlich dort
- 2:41:09ein Hingerecht hätten.
- 2:41:11Es gibt ja nicht wenige Sommis, die Mont Blancs zum Unterschreiben nehmen,
- 2:41:15obgleich sie vielleicht eine Überhaltsklasse bespielen oder sonstiges,
- 2:41:18aber weil sie es halt von dem Umfeld heraus...
- 2:41:20Ja, genau, die sind sozusagen adaptiert da drin.
- 2:41:23Und daher, wie gesagt, glaube ich, kannst du sehr viele eigene Betrachtungen
- 2:41:28auch ganz aktiv und bewusst leben,
- 2:41:30und deine Meinung, die findest du auch gut, dass du deine Meinung auch spechst,
- 2:41:33dass du nicht versuchst, überhöflich zu sein,
- 2:41:35sondern schon direkt, aber mit Respekt.
- 2:41:38Wenn es rüberkommt, ist gut, das ist immer schwer zwischen Eigen- und Außenwahrnehmung,
- 2:41:42immer die richtigen Ton zu treffen.
- 2:41:44Aber ich glaube, wenn man versucht, authentisch zu bleiben,
- 2:41:47oder ja, sehr abbegriffen ist das Wort, aber...
- 2:41:50ja, das ist ja auch das, was ich schätze.
- 2:41:53Ich schätze auch authentisches Essen und authentische Tränke,
- 2:41:56und ich mag gern handwerklich hergestellte Sachen
- 2:41:59von Menschen, die da irgendwie mit Herz und Seele was gemacht haben.
- 2:42:02Und nicht so sehr... also dieses ganze andere, diese Beliebigkeit,
- 2:42:05davon gibt es halt genug.
- 2:42:07Das ist nicht, dass ich sie verachte, aber ich möchte sie für mein Leben,
- 2:42:10möchte ich sie nicht haben.
- 2:42:11Das ist auch eine sehr schöne persönliche Entscheidung.
- 2:42:13Laufen war denn dein Hobby?
- 2:42:14Hast du einen Marathon, wo du mitgelaufen hast?
- 2:42:16Ja.
- 2:42:17Hast du?
- 2:42:18Jo.
- 2:42:19Den habe ich sogar mehrfach gelaufen.
- 2:42:20Ah, ich wollte den immer mal mitmachen.
- 2:42:22Ist ja wirklich so hart, oder?
- 2:42:23Du würdest den schaffen, oder?
- 2:42:25Bitte?
- 2:42:26Du würdest den schaffen, ne?
- 2:42:27Also die Marathon selber, aber das aktive trinken glaube ich nicht.
- 2:42:30Also ich glaube, die Kombination, das wird das Schwierige dabei.
- 2:42:32Ich habe eine süße Geschichte dazu.
- 2:42:34In einem Jahr bin ich gelaufen für das Team von John Michel Kars,
- 2:42:37Chateau-Lynch-Barsch.
- 2:42:38Ja.
- 2:42:39Und hatte eine Zeit von 3 Stunden 16, was für ein Marathon relativ gut ist.
- 2:42:42Weil das ist ein Marathon, der ist nicht so unterschätzt,
- 2:42:45das ist sehr hügelig.
- 2:42:46Also das ist kein ganz, ganz schneller.
- 2:42:48Mit einer Worten kann man klar, die richtigen Profis, die laufen den natürlich
- 2:42:52auch weit unter 3 Stunden.
- 2:42:53Aber für mich war so 3 16, war eine gute Zeit,
- 2:42:56vor allen Dingen weil es auch wärmer wird.
- 2:42:58Und ich war also für das Team von Lynch-Barsch angetreten.
- 2:43:01Das heißt, also sie hatten mehrere Läufer aus der ganzen Welt
- 2:43:03und dann gibt es da so unter den Chateau im Bordeaux,
- 2:43:06gibt es dann Ranking, wer dann das beste Team hatte.
- 2:43:09Da ist so ein bisschen Ärgerheit drin.
- 2:43:11Ist das auch eine richtig politische Sache?
- 2:43:13Nein, Tantosen halt, wie ich schon sagte,
- 2:43:16immer mit Augenzwinkern auch.
- 2:43:18Und ein bisschen, aber am Ende ja doch, natürlich ist auch ernst drin.
- 2:43:23Und sozusagen im nächsten Jahr durfte ich antreten
- 2:43:28für das Team von Chateau-Barre, weil ich kannte Vero Nixanders,
- 2:43:31der Team von der Familie, deren Familie,
- 2:43:33das war ein gut damals gehörtes Chateau-Barre,
- 2:43:35und deren Kellermeister, Gabriel, sie kriegte das irgendwie mit,
- 2:43:38ja, Hendrik, der läuft so viel und der ist gut.
- 2:43:40Und im Kellermeister, das jetzt hier in der Fadde,
- 2:43:42wie viel bist du denn gelaufen?
- 2:43:43Ich sag 3 16 für Lynch-Barsch.
- 2:43:44Oh, dieses Jahr läuft es so für uns.
- 2:43:46Niedlich.
- 2:43:47Ja, ich werde okay, mach ich, weil passt ja nichts davon,
- 2:43:49ob du für Lynch-Barsch oder Oberei Läufer läuft.
- 2:43:51Das einzige, die Party, die Aftershow-Party ist halt ganz gut.
- 2:43:55Also du trinkst ja nicht so viel.
- 2:43:57Schön im Poyac-Tab, Swimmingpool und da...
- 2:44:00Sehr schönes Anwiesen, ne?
- 2:44:01Super.
- 2:44:02Wow.
- 2:44:03Also wir waren nicht auf dem Weingut,
- 2:44:05wir waren bei Sylvie Kast, der Schwester von Jean-Michel Kast,
- 2:44:07zu Hause und es gab für jeden Läufer eine Flasche,
- 2:44:10'91 Lynch-Barsch Magnum, wo ich erst gedacht hatte,
- 2:44:14jahrelang, dass das ist hier, die mussten sie loswerden.
- 2:44:18Genau, warum '91?
- 2:44:19Und dann habe ich den Später getrunken,
- 2:44:21er festgestellt, der '91 ist fantastisch.
- 2:44:23Das war großartig.
- 2:44:24Das war ein sehr, sehr guter '91.
- 2:44:25Hatt ich auch Interessante Erfahrungen teilweise mit '91?
- 2:44:27Ja, vor allen Dingen alles,
- 2:44:29dass ich sehr nah am Fluss seine Weinwerke hatte.
- 2:44:32Also die großen Lagen, die guten Lagen.
- 2:44:34Ist aber gar nicht, oder sehe ich das nicht so,
- 2:44:36ist gar nicht mehr so ein Thema dieses,
- 2:44:38als ich im Wein groß geworden bin, da war dieses Jahrgangs-Deklinieren.
- 2:44:42Aber wo war das immer schon wichtig?
- 2:44:44Aber ist das noch so ein Thema?
- 2:44:46Ich bin da ein bisschen raus, aber ich glaube für den ein oder anderen noch,
- 2:44:49wobei mich nervt diese Inflation an großen Jahrgängen
- 2:44:52und damals war das sicherlich sehr wichtig.
- 2:44:55Ja, ich finde auch heute der Jahrgang ist ein bisschen nivelliert worden
- 2:44:59durch viele andere Maßnahmen, die Winzer eben treffen können.
- 2:45:03Aber ich glaube große Weinen unterscheiden sich eben auch
- 2:45:05durch unterschiedliche Jahrgänge.
- 2:45:07Nur dann, und dass sie nicht immer gleich schmecken,
- 2:45:10außer dass sie ihren Stil bewahren.
- 2:45:12Es war manchmal aber auch interessant einfach so,
- 2:45:14jetzt du hast den Chapelle angesprochen,
- 2:45:16zu überlegen, war es '78 oder wie ist der '75?
- 2:45:19Es war ja auch so ein bisschen ein Spiel,
- 2:45:21was man untereinander so ein bisschen praktizieren konnte,
- 2:45:24sich da auszutauschen.
- 2:45:26Und es geht nicht immer ums Längenmessen,
- 2:45:28sondern manchmal einfach um auch die gegenseitige Bereicherung
- 2:45:31oder eben auch die Wahrnehmung oder das Austauschen,
- 2:45:33was Wein ja eben auch durchaus kann.
- 2:45:35Wie kommt man zum Marathon?
- 2:45:37Also wird man da eingeladen bei den Chattos?
- 2:45:39Ich hatte das ja gemacht und hatte ...
- 2:45:41Wer bei uns sagt, ich will oder ...
- 2:45:43Ich kannte jetzt Herrn Kahrs und ich kannte Veronique
- 2:45:45und ich wollte da hin und hab gesagt, wie sieht's aus?
- 2:45:48Und beziehungsweise bei Kahrs hatte ich es gefragt
- 2:45:51und ich dachte, was läuft so und so.
- 2:45:53Ich hab gesagt, mein Besten hab ich in Frankfurt gelaufen,
- 2:45:56so um die drei Stunden.
- 2:45:58Und ich sag da, super, ich brauch aber in unserem Team.
- 2:46:00So wurde man da sozusagen, das war mein Immatrikulieren.
- 2:46:03Und dieser Baudomaraton ist ja eigentlich auch Spaßmarathon.
- 2:46:06Aber natürlich auch trotz allem auch sehr ...
- 2:46:08Also, der eine oder andere schon ernst.
- 2:46:10Und Gabriel, der Kellermeister von Oberjie,
- 2:46:12nahm es eben ein bisschen mehr ernst.
- 2:46:14Und hatte mich dann sozusagen unter den Vorzeichen,
- 2:46:17da hab ich jetzt einen guten Läufer in meinem Team
- 2:46:19und dann hab ich aber folgenden Fehler gemacht.
- 2:46:21Ich hatte in der Woche echt viel zu tun.
- 2:46:23Ich war richtig fettig.
- 2:46:25Veronique Sanders hat mich im Flughafen Bordeaux abgeholt.
- 2:46:28Dann haben wir irgendwie noch einen Mittagessen gehabt.
- 2:46:31Schwerste Kost, so typisch Baudelais.
- 2:46:34Vor dem Marathon? Bisher irre?
- 2:46:36Ja, ich hatte irgendwie auch so eine Art schon ein bisschen ...
- 2:46:38Ich war durch, ich hatte einfach viel gearbeitet.
- 2:46:40Ich war scheißmüde.
- 2:46:42Ich hatte nicht richtig trainiert gehabt.
- 2:46:44Und dann kam noch ein Gläschen Wein
- 2:46:47und dann tranken wir noch Rose,
- 2:46:49weil sie hatte jetzt gerade ein Sénierose, den sollte ich mal probieren.
- 2:46:51Das wurde dann die ganze Flasche.
- 2:46:53Ich hab das so schön in dem Garten gesessen und gesagt, so schön.
- 2:46:56Und hab gesagt, vergiss den Marathon.
- 2:46:58Und dann bin ich am nächsten Tag gelaufen, den Marathon,
- 2:47:01und kam wirklich irgendwie nach knapp 4 Stunden, 50,
- 2:47:05oder bei 5 Stunden raus, also wirklich kurz vorm Lumpensammler.
- 2:47:08Kurz vorm die verkleideten Menschen, die ...
- 2:47:11Also wirklich echt so kurz davor.
- 2:47:14Ich hab auch noch zwischendurch Austan gegessen, da gibt's ja überall.
- 2:47:17Das ist das Tolle, die damals war,
- 2:47:20dann saßte der Echt, Monsieur Barton, am Straßenrand,
- 2:47:23und dann, ey, Hendrik, also ich kannte dich sogar von der Verkostung,
- 2:47:27oder, ah, nicht Hendrik, ein Monsieur Thomas, oder so,
- 2:47:30dann, ey, Monsieur Barton.
- 2:47:32Und der spaß auch sehr gutes Englisch, ein irisches Hemmig.
- 2:47:35Dann hat man da 2 Minuten noch gestanden und gesagt,
- 2:47:37für welches Team läufst du heute für Oberjeeves?
- 2:47:39Nicht schlecht, nicht schlecht, sehr gut.
- 2:47:41Ich wünsch euch alles Gute.
- 2:47:43Und die saßen da am Straßenrand und haben den Leuten applaudiert.
- 2:47:46Und dann beim Weingut gab's Austan irgendwo anders.
- 2:47:49Dann gab's ja viel mit Musik und so.
- 2:47:51However, ich war bei den Letzten dabei.
- 2:47:53Und dieser Gabriel, der hat nie wieder ein Wort mit mir gesprochen,
- 2:47:56der war natürlich stinkend sauer, weil ich hab mit dem ganzen,
- 2:47:59sozusagen mit meiner Zeit, die ich gelaufen hatte, dafür gesagt,
- 2:48:02dass das Stato Oberjee ganz unten war.
- 2:48:04Ach, cool.
- 2:48:06Und der hat das sehr ernst genommen.
- 2:48:08Na ja, dann gibt's immer die Tüber.
- 2:48:10Und dann ist es natürlich mehr,
- 2:48:12natürlich, wenn die Kniescheiben, die Meniscus dann nicht so gut geht.
- 2:48:15Also du hast ja auch noch das, bist ja wirklich ein sehr schlanker Typ.
- 2:48:18Also wenn man aus uns beiden eine Frikadelle macht,
- 2:48:21das wäre eigentlich genau das richtige Mischungsverhältnis.
- 2:48:24Du hast das magere Fleisch und ich sorg dafür,
- 2:48:26dass ein bisschen Geschmack da rein kommt.
- 2:48:28Was soll uns ausserlaufen, also wenn du sagst viel Sport?
- 2:48:31Na ja, und dann hatte ich früher viel Muckibude trainiert,
- 2:48:34einfach alles Mögliche.
- 2:48:36Ich bewege mich eigentlich auch sehr, sehr gern.
- 2:48:39Das muss ich allerdings sagen, in den letzten Jahren ist das alles
- 2:48:41ein bisschen zu kurz gekommen.
- 2:48:43Riechne, wenn du einen Brotjob hast, so dann...
- 2:48:45Ja, auch diese Selbstständigkeit, also das hat schon viel abverlangt
- 2:48:48und das verlangt auch viel ab.
- 2:48:50Weil man bietet ja etwas an, was das eigentlich nicht wirklich braucht.
- 2:48:55Wenn wir uns mal ganz ehrlich sind, wer braucht schon Wein?
- 2:48:59Ja, außer wir vielleicht, weil wir das natürlich,
- 2:49:02sozusagen wieder damit sozialisiert wurden,
- 2:49:04weil das unser Lebensding ist.
- 2:49:06Und ich finde es nach wie vor die Königsklasse im Weinhandel heute tätig zu sein.
- 2:49:11Also als Sommerge hat man immer noch die Möglichkeit,
- 2:49:14mit einem guten Restaurant im Rücken, mit einem tollen Küchenchef
- 2:49:18und einem tollen Serviceteam ist man Teil eines Gesamterlebnisses.
- 2:49:22Heute im Weinhandel hat man natürlich auch, braucht man auch ein gutes Team,
- 2:49:26aber es ist wesentlich anspruchsvoller, eine Flasche Wein jemandem zu verkaufen.
- 2:49:31Dass der sagt, wow, das möchte ich jetzt haben.
- 2:49:35Viele haben auch schon volle Keller oder die kaufen das vielleicht aus Sympathie
- 2:49:39oder sie kaufen es, weil sie noch den Jahrgang brauchen.
- 2:49:42Und das war jetzt echt, das war ein anspruchsvolle 12 Jahre.
- 2:49:47Und wir hatten ja gesprochen über Fernsehen und über Online
- 2:49:51und ich habe auch gemerkt, dass die Medienwelt sich verändert.
- 2:49:54Ich hatte schon sehr früh E-Mail-Zugang, ich habe das schon ganz früh angefangen.
- 2:49:58Ich würde mich aber nicht als Digitonative bezeichnen.
- 2:50:01Wenn ich sehe, wie meine Tochter da durchgeht, da wird mir schwindelig
- 2:50:05und auch welche Aufrufzahlen sie zum Beispiel bei Instagram erreicht.
- 2:50:08Also man würde sagen, ja Hendrik, du bist ja hier in der Branche ein Star,
- 2:50:11aber jetzt mal ganz ehrlich, also unsere Reichweiten sind lächerlich im Vergleich.
- 2:50:15Ist das ja Branche-Bedingt oder ist das?
- 2:50:17Ich glaube, das ist auch Branche-Bedingt natürlich.
- 2:50:20Also Musik interessiert die Leute vielleicht mehr als Wein
- 2:50:23oder Essen interessiert die Leute mehr als Wein.
- 2:50:25Man darf es als Koch eine höhere Reichweite zu erzielen, als als Zommelier, würde ich sagen.
- 2:50:30Bis auf wenige Ausnahmen vielleicht.
- 2:50:33Wäre ja schön, wenn sich das ändert, aber ich glaube,
- 2:50:36dass bestimmte Sachen mehr Interesse haben oder mehr Interesse hervorrufen,
- 2:50:40als zum Beispiel Wein.
- 2:50:42Wein ist ein bisschen ein Spezialthema
- 2:50:45und viele haben auch ein bisschen Angst davor.
- 2:50:47Oder zumindest Respekt, weil sie immer denken,
- 2:50:50weil man ihnen jahrzehntelang erzählt hat, ja, du musst ganz, ganz viel wissen,
- 2:50:53um überhaupt Wein zu verstehen.
- 2:50:55Und ich glaube, das ist ein Fehler gewesen.
- 2:50:58Oder das ist irgendwie schlecht drübergekommen bei den Leuten.
- 2:51:01Das hatte immer so ein bisschen einen elitären Touch.
- 2:51:03Hat mich auch an der Weinbranche nie so richtig,
- 2:51:06ich habe mir nie so richtig Freude gemacht.
- 2:51:08Diese elitären Typen, ich finde, Eliten ist okay.
- 2:51:11Also, es braucht gute Leute, es braucht Leute, die total verrückt sind, durchgeknallt sind.
- 2:51:16Warum denn nicht?
- 2:51:18Aber das heißt für mich nicht, dass Elite heißt,
- 2:51:21ich bin elitär und du bist nichts.
- 2:51:23Elite heißt für mich nur, dass ich mache vielleicht meinen Job härter als du
- 2:51:26oder professioneller als du oder ich leg da mehr Feuer rein.
- 2:51:30Aber deswegen rede ich doch noch mit dir.
- 2:51:33Oder wenn du was von mir wissen möchtest, lass ich dich jederzeit daran teilhaben.
- 2:51:36Also, das Klassen-Ding sollte aufwärmt werden.
- 2:51:38Vorher.
- 2:51:40Also, mit anderen Worten, wir kamen ja so über,
- 2:51:43und dann natürlich über die digitale Vermarktung.
- 2:51:46Dann hast du auch mal sehr kreativ, also allein die Geschichte mit
- 2:51:49dem Alkoholblascontainer Great Again oder Pymbiblascontainer
- 2:51:52ist ja eigentlich auch dieses Augenzwinkern, was du ganz gut leben kann.
- 2:51:55Macht ihr es noch?
- 2:51:57Das machen wir jetzt gerade nicht mehr.
- 2:51:59Es liegt aber auch daran, dass ich finde, nach zwei Jahren irgendwie das haben wir,
- 2:52:02das war auch schön, das hat ja fast eine kleine Bewegung mal ins Leben gerufen.
- 2:52:05Die Leute haben selbst angefangen, ihre Alkohol-Container Great Again zu machen.
- 2:52:09Also, ich glaube, das Wein immer ganz gut dann dort andocken kann,
- 2:52:13wo größere Themen zu Hause sind.
- 2:52:16Und diese Alkohol-Container Great Again ist ja erst dadurch entstanden,
- 2:52:19dass während Corona über die Alkohol-Container übergequallen sind,
- 2:52:22weil die Leute ja leider nicht mehr in Restaurants getrunken haben,
- 2:52:25sondern eben mehr zu Hause getrunken haben.
- 2:52:27Und wir alle gedacht haben, wir trinken mehr.
- 2:52:29Die Wahrheit ist aber statistisch gesehen, wir haben sogar weniger getrunken.
- 2:52:31Oder wir trinken weniger.
- 2:52:33Das war nach der ersten Welle.
- 2:52:35Da kam das Bewusstsein zurück, dass man nicht jeden Tag, aber es, ja, wie auch immer.
- 2:52:40Ja, viele haben so eine, also wir leben ja jeder in unserer eigenen Blase
- 2:52:44und in unserer eigenen Wahrheit.
- 2:52:46Und dank Social Media ist das sogar ganz gefährlich,
- 2:52:48auch weil jeder denkt, das ist die Wahrheit.
- 2:52:51Aber dann würde ich mich dann doch mal auf die Statistik verlassen.
- 2:52:54Und die Deutschen haben im letzten Jahr, also sprich 2023, eine Flasche Wein.
- 2:53:01Also alle, die hier leben, die 80 Millionen haben eine Flasche Wein weniger getrunken,
- 2:53:05als noch das Jahr davor.
- 2:53:0780 Millionen Flaschen ist eine Ausnummer.
- 2:53:09Oder? Die fehlen.
- 2:53:11Die fehlen auch im High End, wo wir zu Hause sind.
- 2:53:14Oder in diesem nischigen Weinthema.
- 2:53:17Und die fehlen natürlich auch in der Masse.
- 2:53:19Findest du, es wäre eine interessante Bewegung,
- 2:53:23jetzt zum Beispiel Sachen wie alkoholfreien Wein,
- 2:53:26um einfach dieses Thema, also das voranzutreiben,
- 2:53:29dass wir intensivieren, das also besprechen, den Vincent vielleicht Mut zuzusprechen,
- 2:53:34so was auszuprobieren, aber bist du da, wo du sagst, nein,
- 2:53:37wenn dann braucht man das gesamte Paket oder das komplette Paket um,
- 2:53:42oder ist es ein bewusstes Entscheidend für Wein?
- 2:53:44Also ich bin eigentlich, ja, erstmal muss das sowieso jeder mit sich und seinem Arzt selber erstmal klären.
- 2:53:52Und wenn er das geklärt hat, dann wäre ja die Frage, was trinkt er und wie trinkt er?
- 2:53:57Also ich würde eher sagen, man sollte vielleicht mal seine Verhaltensmuster erstmal überdenken,
- 2:54:02was man zu sich nimmt, was man in seinen Körper reinlässt,
- 2:54:05ob das, das geht ja bei Tierwohl, würde das gehen, oder bei glutenfrei,
- 2:54:11oder vegane Ernährung teilweise, die ja, wenn ich dann sehe, was da alles teilweise in veganer Ernährung drin ist,
- 2:54:17würde ich vielleicht auch nochmal darüber nachdenken.
- 2:54:19Also vielleicht ist man einfach dann nur Gemüse, wenn man sagt, man möchte vegan
- 2:54:24und nicht dieses ganze andere zugeschusterte Zeug wieder aus der Industrie,
- 2:54:27wo alles Mögliche wieder drin ist an Stabilisatoren und halbmachungsmittel.
- 2:54:33Also ich bin sehr überweint.
- 2:54:35Bei alkoholfreiem Wein habe ich jetzt sehr viel probiert in den letzten Wochen, Monaten.
- 2:54:40Ich bin also schon überrascht, wie gut die Qualität geworden ist.
- 2:54:45Vielleicht wird sie auch noch besser.
- 2:54:47Irgendwie fehlt was.
- 2:54:49Durch den Alkohol ist natürlich ein Geschmacksträger, so wie Fett.
- 2:54:53Also mit anderen Worten bleibt das Ding so ein bisschen hollow,
- 2:54:55aber ich fand Riesling eigentlich so, hatte die besten Ergebnisse bei mir.
- 2:54:59Aber eigentlich hat es mich nicht richtig geflasht.
- 2:55:02Also ich könnte mir nicht vorstellen, dass ich mir eine Sechserkiste
- 2:55:05alkoholfreien Wein zu Hause hinstellen würde, außer vielleicht für Gäste,
- 2:55:09damit ich das toll finden.
- 2:55:11Was ich interessanter finde, sind schon diese ganzen Firmens.
- 2:55:15Also sprich, da gibt es ja schon echt richtig interessante Sachen.
- 2:55:20Das kommt natürlich beim Firmenten erst mal, das ist trockener, es ist nicht so süß.
- 2:55:23Dabei vielen alkoholfreien Wein ist der Zuckeranteil ziemlich hoch,
- 2:55:26weil irgendwo muss ja der Geschmack herkommen.
- 2:55:28Wenn der Alkohol kommt, dann muss er vom Zucker kommen.
- 2:55:30Und Zucker ist mindestens genauso schädlich wie Alkohol, würde ich sagen.
- 2:55:34Auch in den Mengen, in denen wir uns das zunehmen,
- 2:55:36wahrscheinlich genauso viel für zivilisatorische Krankheiten
- 2:55:39in den gleichen Maße verantworten.
- 2:55:412 Kilo?
- 2:55:42In schlimmsten Phasen.
- 2:55:44Also es ist jetzt zwischen 700 Gramm und 2 Kilo, was du halt auch unbewusst durch.
- 2:55:47Keine Ahnung, diese Fertigpizza oder, oder, oder.
- 2:55:49Dann kann ich mir auch 3 Flaschen Wein gönnen.
- 2:55:51Das ist da richtig, richtig krass, was man sich in Hochphasen an Zucker
- 2:55:55oder viele an Zucker, oder bis zu 2 Kilo war.
- 2:55:57Also von der zu schick krass.
- 2:55:59Kommt doch da wieder ein bisschen hin, wo die Großeltern irgendwo waren oder so.
- 2:56:03Weniger ist mehr, das richtige achtsamer, bewusster,
- 2:56:08bewusster Kalkul trinken, konsumieren.
- 2:56:12Und wenn man ganz oft Wein verzichtet, dann stelle ich mir die Gespräche am Tisch
- 2:56:17auch manchmal ein bisschen langweilig vor.
- 2:56:19Ich finde auch Wein als Essensbegleiter eben total spannend.
- 2:56:21Bist du mehr Solist oder Kombinierer?
- 2:56:24Oder egal.
- 2:56:25Beides. Aber ich finde Kombinieren schon geil.
- 2:56:27Also ich freue mich so, wir sind jetzt ab Sonntag in Paris
- 2:56:31für 3 Tage und neben auch ein bisschen Arbeit natürlich.
- 2:56:36Nehmt man sich dann auch Zeit und geht mal in ein schönes Restaurant.
- 2:56:39Da freue ich mich schon total drauf.
- 2:56:41Also das ist ja Weihnachten und Neujahr zusammen.
- 2:56:44Und dafür nehme ich auch ein bisschen Geld in die Hand
- 2:56:46und da werden die Leute sagen, oh, Dekadent.
- 2:56:48Naja, aber ich gehe auch nicht jede Woche in ein 3-Sterne-Restaurant.
- 2:56:51Aber ich gehe schon so 2-3-mal im Jahr oder 3-4-mal.
- 2:56:55Wobei jetzt der Stern für mich nicht das absolute Motiv ist.
- 2:56:59Deswegen gehe ich da nicht hin.
- 2:57:01Aber jetzt das apache interessiert uns deswegen einfach,
- 2:57:04weil die Philosophie ja sehr interessant ist,
- 2:57:07die ja sehr stark auf Gemüse basiert.
- 2:57:10Mittlerweile ist er wieder weggekommen davon.
- 2:57:13Er war ja mal ganz hardcore drauf, nur Gemüse.
- 2:57:16Jetzt ja auch dann doch wieder mit ein bisschen Fleisch,
- 2:57:19ein bisschen Fisch, das zu kombinieren.
- 2:57:21Und wir gehen dann mittags und nicht abends.
- 2:57:23Weil mittags finde ich ihr geiler.
- 2:57:25Weil abends können auch die Amateure mittags gehen,
- 2:57:27nur die Profis.
- 2:57:28Und dann werden wir natürlich Wein dazu trinken
- 2:57:30und das richtig genießen.
- 2:57:32Und das finde ich immer ganz spannend, solche Sachen.
- 2:57:34Ich finde es interessant, wie du es eben gerade angefangen
- 2:57:37oder anmoderiert hast,
- 2:57:39dass es schön ist, sich mit dem Restaurant zu beschäftigen.
- 2:57:42Also auch die Philosophie aufzunehmen,
- 2:57:44da auch eine bewusste Entscheidung führt zu treffen,
- 2:57:46als wenn ich in eine Oper gehe und mir vorher das Storyboard durchlese,
- 2:57:49oder eben die Geschichte dieser Oper,
- 2:57:51oder eben auch der einzelnen Charaktere der Künstler,
- 2:57:53die dort auftreten.
- 2:57:55Und so kann man es auch beim Wein, kann man es auch mit Restaurants,
- 2:57:57dann kann man es umso intensiver genießen verstehen
- 2:57:59und sich darauf einlassen.
- 2:58:01Das ist eben nicht nur nach einer Nahrungsaufnahme,
- 2:58:03sondern Kultur, eine ganz eigene Art der Kultur ist,
- 2:58:06die man dann eben in der Art und Formenweise auch genießen kann.
- 2:58:09Ein Event, wenn man mal so sagen darf.
- 2:58:12Ein Event und gleichzeitig,
- 2:58:15ich verstehe es nicht, es gibt heute Leute,
- 2:58:18die gehen in Restaurants einfach zur Nahrungsaufnahme.
- 2:58:21Und ich finde einfach irgendwie in ein Restaurant zu gehen,
- 2:58:24weil dahinter ein Absender ist.
- 2:58:26Da sind Leute, die sich Mühe geben.
- 2:58:28Und wir haben ja diese riesen Diskussion über,
- 2:58:30in Deutschland ist das, finde ich, eigentlich total archaisch.
- 2:58:33Eine Restaurantreservierung ist was Verbindliches übrigens.
- 2:58:36Also mit anderen Worten, ich habe gebucht.
- 2:58:38Und ich finde es immer noch irgendwie komisch,
- 2:58:41dass manche Gastronomen sich immer noch nicht trauen,
- 2:58:44ja, dann kostet das so und so viel,
- 2:58:46weil die haben Bereitstellungskosten.
- 2:58:48Ich meine, das ist jetzt mit der jungen Generation, glaube ich,
- 2:58:51Passé, die haben das begriffen,
- 2:58:53das läuft doch überall ja auf der Welt zu.
- 2:58:55Nur in Deutschland diskutieren wir da drüber noch.
- 2:58:57Ich verstehe nicht, warum man darüber diskutieren muss.
- 2:59:00Also es gibt für mich da auch keinen Grundsätzlich,
- 2:59:03und es wird auch kein Gastronom, wenn es einen triftigen Grund gibt,
- 2:59:06dass man nicht kommen kann, dass irgendwie belassen oder wie oder was.
- 2:59:09Also in jeder anderen Branche ist es eigentlich Gang und Gebe.
- 2:59:13Genau, im ganzen Leben so.
- 2:59:15Welcher Koch dürfte bei deiner Beerdigung kochen?
- 2:59:17Und welchem Wein würdest du geben?
- 2:59:19Also wenn du sagst, musst du ja auch nicht bezahlen,
- 2:59:21bist ja nicht dabei.
- 2:59:23Aber was wäre für dich das ultimative...
- 2:59:28Also nochmal gerne in seinen besten Zeiten Marco Pier White.
- 2:59:34Okay.
- 2:59:35Das war geil.
- 2:59:36Das war ja "The Bad Chef", in London der,
- 2:59:40der die Restaurantkritiker ja rausgeschmissen hat,
- 2:59:43gesagt hat, ich glaub, sie verstehen mein Essen nicht oder so.
- 2:59:46Na ja, der hatte immer so ein bisschen Ady to, aber das war inspirierend.
- 2:59:49Wobei, weiß ich jetzt nicht, also das war toll.
- 2:59:53Robo Jean dürfte gerne nochmal kommen.
- 2:59:56Auch großartig, also ja, wie gesagt,
- 2:59:59Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter komme ich ohne ihr.
- 3:00:02Und am liebsten gerne mal, auch wenn ich ja nie was gegessen habe,
- 3:00:05von ihm August Eskofier.
- 3:00:07Einfach mal ums zu wissen.
- 3:00:09Das wäre mal was Totalseres, weil ich meine,
- 3:00:12das ist der Begründer der klassischen Küche oder auch von mir aus,
- 3:00:15der hat auch die, nicht nur mit der klassischen Küche,
- 3:00:18er hat ja auch dann am Ende für die neue Küche den Grundsteigen gegessen.
- 3:00:21War das der, der für die Kulinarik deiner Meinung oder deines Ermessens
- 3:00:24nach am meisten getan hat oder?
- 3:00:26Wahrscheinlich historisch gesehen, ja.
- 3:00:28Das kann ich, hab ich nicht, bin jetzt kein, wie sagt man,
- 3:00:32kein Kulinarik-Gelerter, aber wenn ich mir vorstelle,
- 3:00:36August Eskofier hat zu einer Zeit gelebt,
- 3:00:38in der es ja überhaupt erst losging, das Kulinarik sich überhaupt erst...
- 3:00:42Hat es auch nicht einfach gehabt?
- 3:00:44Spezial ist ja ein richtiger...
- 3:00:46Ja, die waren ja noch bei Hof oder die...
- 3:00:48Die waren ja dann nach der französischen Revolution,
- 3:00:50gab es ja auf einmal diese ganzen arbeitslosen Köche.
- 3:00:53Und daraus sind dann die Restaurants entstanden.
- 3:00:55Also ist Paris schon die Keimzelle dessen.
- 3:00:57Also natürlich hat man in Italien schon immer gut gegessen wahrscheinlich
- 3:01:00und im gesamten Mittelmeerraum.
- 3:01:02Und aber August Eskofier war der Erste, der das so in Form gegossen hat.
- 3:01:08Und der dann auch vieles für die Nachwelt.
- 3:01:11Gesellschaftlich greifbar und auch mit der Adaption der einzelnen Garnituren
- 3:01:15in Umarsch an und so weiter.
- 3:01:18Und ich glaube, dass die Sachen auch damals anders und besser geschmeckt haben
- 3:01:22als vieles heute.
- 3:01:23Aufgrund der Produkte oder der Machart?
- 3:01:25Aufgrund der Produkte.
- 3:01:27Also dieses total unverfälschte damals, also die Welt war ja noch nicht so schwer belastet.
- 3:01:35Ich meine, wenn du heute Fisch ist, dann denkst du immer an das kleine,
- 3:01:39in vielen kleinen Plastikmüll, der da im Ozean rumschwimmen wird.
- 3:01:42Weißt du, wie viel man pro Woche aufnimmt?
- 3:01:44An Plastikmüll?
- 3:01:46Oh Herr Blocher, ich weiß, dass ich jetzt 2 Kilo Zucker schon am Tag esse.
- 3:01:49Eine Kreditkarte.
- 3:01:51Ehe, ehrlich.
- 3:01:52Eine Kreditkarte pro Woche.
- 3:01:54Nimmst du auf, also unbewusst.
- 3:01:56Allein durch Sachen wie Fisch etc. oder Zahnpasta und ich finde das krass.
- 3:02:02Und warum wären wir dann trotzdem noch älter, obwohl wir uns so planmäßig vergiften?
- 3:02:07Moderne Medizin.
- 3:02:08Also ob wir jetzt älter werden, wissen wir nicht, aber man hält ja irgendwie alles am Leben
- 3:02:12und bis zum letzten Piep.
- 3:02:13Aber gerade beim Tänamal, welchen Wein würde es geben, wenn eskof je kocht?
- 3:02:19Oh, also so ein richtig geiler alter Burghunder.
- 3:02:26Von?
- 3:02:27Ja, also jetzt ist es ja eh egal, bezahlen tun ja andere.
- 3:02:31Genau.
- 3:02:32Du musst dir, geht auch nicht um deine Rücklage.
- 3:02:34Man geträgt Magnum 1990er Latasch.
- 3:02:36Und zwar nicht nur eine, für alle.
- 3:02:39Ist die Rosa lesend.
- 3:02:41Ist die Rosa lesend.
- 3:02:42Aufs Haus.
- 3:02:43Und er will auch mit Eiswürfel mir doch egal.
- 3:02:46Nicht zum Degustieren, es wird getrunken.
- 3:02:48So, ja das ist ja, dieses Degustieren kann eigentlich auch manchmal auf den Objekt.
- 3:02:52Das finde ich manchmal schrecklich.
- 3:02:53Also ich finde ja auch ein Wein schmeckt eigentlich erst dann richtig gut, wenn man die Flasche
- 3:02:57wirklich mal von Anfang bis Ende durchgetrunken hat.
- 3:02:59Also ich bin auch absolut, aber das ist eine persönliche Sache, kein Korra war, war ein Fan.
- 3:03:02Welche Schade finde ich, wenn es so tröpfchenweise ausgeschenkt wird, man soll doch lieber
- 3:03:06sich die Mühe machen, die Flasche gönnen und den Wein trinken und genießen.
- 3:03:10Und an einem Glas kann man ihn ohnehin nicht festmachen.
- 3:03:12Also ein Wein, denke ich auch, muss man durch aktives Trinken erleben.
- 3:03:15Ja.
- 3:03:16Und bei Korra war, finde ich zum Beispiel ganz praktisch hier im Büro, wenn wir haben viele
- 3:03:20Gäste, wir können die Sachen öffnen und können sie mehrfach verwendet.
- 3:03:23Das ist was anderes.
- 3:03:24Also dieses praktische natürlich ohne Frage.
- 3:03:26Aber in Restaurationen sollte man sich lieber auch darum bemühen, dass vielleicht das in
- 3:03:30der Breite angeboten wird oder dass viele Lust einfach auf dem Wein drauf haben, wenn
- 3:03:34man es Glasweise ausschenkt oder einfach die die Chancen nutzen und gerne zu Flaschen.
- 3:03:38Dann wer Weine macht, frage mal an dich jetzt, Sylvio.
- 3:03:41Was ist eine Flasche im Menü oder mehrere Weine, also sprich Weinbegleitung oder One Bottle
- 3:03:46Menu?
- 3:03:47Bin ich insofern relativ schlechter Ansprechpartner, wäre ich lieber eine Flasche und mich darauf
- 3:03:53einlasse und den Wein dann als Hauptelement, die Speise ist, ganz so begleitend.
- 3:03:57Ich wurde leider auch relativ häufig von Weinmenus enttäuscht, finde aber den Gedanken
- 3:04:03sehr reizvoll, wenn es jemand sehr intellektuell macht, wenn er ein gewisses Entertainment macht
- 3:04:07und dann finde ich Weinmenü auch aufgrund dieser Kombinatorik zwischen Wein und Speisen
- 3:04:14sehr überraschend und sehr, sehr interessant.
- 3:04:17Es muss auch gar nicht immer so dieses Ultraperfekte sein, sondern manchmal was provokantes kann
- 3:04:21auch sehr, sehr interessant sein.
- 3:04:22Aber dadurch ja ich den Wein oftmals priorisiere dabei, finde ich es interessant, dass wir
- 3:04:28die Speisen den Wein verändern und der Wein auf unterschiedlichste Weise damit harmonieren
- 3:04:35oder kollidieren oder was auch immer sollte und würde mich dann auch auf lieber auf diese
- 3:04:39eine Flasche konzentrieren.
- 3:04:40Bin auch nie jemand, der sich nebenher eine Flasche noch bestellt und das Weinmenü nimmt,
- 3:04:44sondern entweder oder, aber dann nicht.
- 3:04:46Wer Team One Bottle, du?
- 3:04:49Genauso wie du es gesagt hast.
- 3:04:51Team One Bottle oder Two Bottle oder ein bisschen, also ich glaube immer so eine Flasche, ein
- 3:04:57schöner Apparativ, vielleicht zum Hauptgang noch ein Glas Rotwein, zum Beispiel, also
- 3:05:01das wird häufiger Weißwein oder auch gerne mal ein Champagner dann für die ersten Gänge
- 3:05:05und dann mit einem Rotwein weiter machen, also so ein bisschen Kombination, aber nicht
- 3:05:08zu viel und bleibt immer eine Flasche drin und es gibt einige Sommeliers, denen lege ich,
- 3:05:14ich habe mein vollstes Vertrauen, mir fällt ein...
- 3:05:18Ich hätte gerne einen Namen.
- 3:05:19Ja, genau.
- 3:05:20Also Marco Franzolin zum Beispiel.
- 3:05:22Der jetzt wieder in Deutschland ist.
- 3:05:23Wieder in Deutschland.
- 3:05:24Grüße Freude für Deutschland.
- 3:05:25Ganz, ganz großer Sommel, die dann René Antrag hat für mich mal den Vogel abgeschossen
- 3:05:32mit einer tollen Weinbegleitung, das hat alles gepasst, was auch wichtig ist bei einer
- 3:05:37Weinbegleitung, dass es ihm auch menschlich kommt, gut rüber kommt.
- 3:05:40Also auch dieser Überraschungsmoment und so, das war alles da.
- 3:05:44Und Paula Bosch, super, unglaublich geschmackssicher.
- 3:05:50Die ist ja jetzt keine Sommeliere mehr in dem Sinn, wobei klar ist sie noch, aber jetzt
- 3:05:54nicht mehr aktiv, also nicht mehr im Restaurants zumindest anzutreffen.
- 3:05:57Und auf wenig mal sehr gespannt wäre, wäre Stefanne Gass, das habe ich nie gemacht, weil
- 3:06:02ich nie in der Traubitomach war, aber das wäre auch noch so ein Restaurant, was ich gerne
- 3:06:05mal besuchen würde.
- 3:06:06Das hat immer nie geklappt.
- 3:06:08Letzplanentour.
- 3:06:09Und?
- 3:06:10Letzplanentour.
- 3:06:11Bleiben wir mal was zusammen.
- 3:06:13Ja, also das wäre echt mal toll und dann auch lieber Mittags als Abends.
- 3:06:17Und dann vielleicht, und dann fallen wir natürlich noch ein paar andere gute Leute ein oder ich
- 3:06:22bin gerade am überlegen so.
- 3:06:24Haben automatisch, wenn ich das kurz reinkriegen darf, die besten Restaurants, die besten Sommelys.
- 3:06:31Jetzt hast du ja eigentlich, soweit ich das nachvollziehen kann, auch nur die Top Restaurants
- 3:06:37mit deren entsprechenden Fachleuten aufgezählt.
- 3:06:41Ja, also die.
- 3:06:42Oder gibt es dann neben noch, dass du sagst, hier in der und da und...
- 3:06:46Ich kenn zu wenige, muss ich sagen.
- 3:06:48Ja.
- 3:06:49Also nicht mehr so viele wie früher und mit anderen Worten bleibe ich ja auch Kind meiner
- 3:06:55Zeit oder Menschen meiner Zeit.
- 3:06:57Also mit anderen Worten, ich glaube, da gibt es mittlerweile auch schon viele richtig gute
- 3:07:01neue Leute wieder.
- 3:07:02Und ich glaube aber trotzdem, dass dieser Beruf der Sommelys, also so dieses absolute High-end,
- 3:07:08da gibt es vielleicht nur 20 in Deutschland.
- 3:07:11Nennen Sie hier aus Berlin aus dem Rutz zum Beispiel wäre ja auch noch jemand, würde ich auch total
- 3:07:17gerne mal sehen, wie die das macht, weil sie als Person schon total interessant ist und das
- 3:07:22auch gut rüberbringt, finde ich.
- 3:07:24So mit anderen Worten, also da, aber sie ist auch schon neue Generationen wieder.
- 3:07:28Also wie gesagt, ich war noch nicht dort.
- 3:07:30Das Rutz kenne ich noch von früher, aber da war noch Billy Wagner da.
- 3:07:33Billy Wagner auch, super.
- 3:07:34Ja.
- 3:07:35Auch ein Freak, also ein Positiv Freak ist da.
- 3:07:38Positiv bei der Kinder, ja.
- 3:07:39Ja, ich meine Freak mit der Liebtsein des Sachen und der hat seinen Style und so großartige
- 3:07:45Charakter.
- 3:07:46Und das finde ich sehr, aber ist eben nicht verbissen oder lecker heute.
- 3:07:49Also haben wir noch viel mehr.
- 3:07:50Es war jetzt eher nur, weil die Frage so war, dass wenn man nur vier, fünf Leute gerade so
- 3:07:54einfallen, Artok, da gibt es noch mehr.
- 3:07:56Generell glaube ich, dass es vielleicht, vielleicht ist 20 hart, aber sagen wir mal weniger als
- 3:08:0150 Sommelys wirklich so proaktiv sind, dass sie diese ganz, ganz solide,
- 3:08:08solitäre Stellung haben.
- 3:08:10Viele Sommelys sind ja auch beides.
- 3:08:12Und ich kenne ganz, ganz tolle Leute, die keine Sommelges sind, die hervorragende Weinbegleitung
- 3:08:17machen, zum Beispiel im Restaurant Ocaveto in Portugal, einer der Besitzer, der Luis, der
- 3:08:25hat eine Weinkarte, die ist fantastisch, aber ich glaube, der würde sich nie Sommelje
- 3:08:30nennen und irgendwie doch ist er einer, aber es ist jetzt eine Weinkarte mit den besten,
- 3:08:36interessantesten portugiesischen Wein, den fragst du nach einem Wein, der kennt jeden
- 3:08:39Wein, den er auf der Karte hat, der weiß, wie das schmeckt, der weiß, wozu das passt,
- 3:08:43der kann das gut einschätzen, ob das gut jetzt zu dem passt, was du hast.
- 3:08:47Und trotzdem, wenn man das lokal sieht, das hat keinen Stern, hervorragendes Seafood und
- 3:08:55der Mann hat alle Aspekte, die ein Sommelje haben muss.
- 3:09:00Er kennt seine Weinkarte, es gibt richtig gutes Essen und er macht hervorragenden
- 3:09:05Wein-Sorbes.
- 3:09:06Findest du, ein Sommelje sollte eine übergeordnete Rolle haben, also das wäre zum Beispiel
- 3:09:10meine Meinung, daher die provokante Frage ähnlich wie Ärzte, die in einem gewissen
- 3:09:15Rhythmus publizieren müssen.
- 3:09:17Auch für eine gewisse Anerkennung, du machst das ja auch, du schreibst ja auch für
- 3:09:20verschiedene Mädchen, ich habe das auch geliebt oder mag das ganz, ganz gerne, da
- 3:09:25Wissen, Emotionen, Erfahrungen weiterzugeben, auch über das Restaurant hinaus und ich finde
- 3:09:30aber viele Kollegen machen es so wenig.
- 3:09:32Man weiß ja etwas, man sollte darüber reden und ich habe es bei dir mal bewundert, dass
- 3:09:37du die Zeit genommen hast, es ist ja auch nicht, dass man genau durch diesen Ansatz
- 3:09:40irgendwie reich wird oder das rein aus Kommissionen, sondern einfach dann schon aus
- 3:09:45bewussten Gründen.
- 3:09:47Teilst du die Meinung oder sagst du jedem hier in seinem Plätsirchen oder ...
- 3:09:52Also ich finde, erst mal Sommelje ist in erster Linie ein Handwerksberuf und ich würde mir
- 3:09:57wünschen, dass es noch viel mehr Sommeljes gibt, weil es gibt überall in diesem Land
- 3:10:01so unfassbar schlechten Weinservice und auch ganz schlecht kuratierte Karten.
- 3:10:05Also für mich ist eine kleine Karte genauso anspruchsvoll wie eine große Karte,
- 3:10:09vielleicht sogar noch anspruchsvoller und du brauchst jemanden der die Weine, die auf
- 3:10:13so einer Karte sind, eben auch kommuniziert und dass das, dieses Getränk, man muss ja
- 3:10:17mal vorstellen, also ein Winzer macht alles möglich, die Natur erst mal, dann kommt der
- 3:10:22Winzer dazu, machen alles möglich, dass da so ein fantastisches Produkt entsteht und auf
- 3:10:26den letzten zwei Metern, da kommt dann irgendein Honk, den ich das überhaupt nicht
- 3:10:29interessiert, der vielleicht, weil er eigentlich studiert und nur als Aushilfe hier in
- 3:10:34diesem Lokal arbeitet, den Gästen irgendwie was einschenkt und hofft, dass er in einer
- 3:10:39Stunde Feierabend hat, also versaut sozusagen auf den letzten Metern dieses tolle Produkt.
- 3:10:45Also von daher würde ich mir wünschen, dass wir viel mehr Sommeljes oder gute
- 3:10:49Weinleute haben und dass das Problem bei diesem Sommelje-Beruf ist, dass wir doch da
- 3:10:55was sehr elitäres damit verbinden und in Deutschland muss ich sagen, gibt es auch
- 3:10:59eine Tendenz, Brot, Wasser, Bier, Steuer, weiß der Kuckuck-Sommelje, warum müssen die
- 3:11:08sich Sommeljes nennen? Nein, Sommelje ist für mich wirklich, also da bitte alle, die
- 3:11:13jetzt Brot-Sommelje oder Wassersommelje oder Bier-Sommelje sind, bitte nehmts mir
- 3:11:17nicht über. Eine andere Bezeichnung wäre für den Beruf besser. Der Beruf
- 3:11:21Sommelje ist eigentlich ein allumfassender Beruf, der sich mit dem Service, mit den
- 3:11:26Menschen, mit dem Produkt Wein, aber auch mit dem Digistiv, aber auch mit Bier,
- 3:11:31aber auch mit Zake, sogar mit Zigarren und anderen Dingen ja schon beschäftigt.
- 3:11:36Also warum muss ich einen Experten vom Experten noch mal haben, also den
- 3:11:40Zigarren-Sommelje? Wäre ich auch nie verstehen, warum die sich nicht einfach nur
- 3:11:43Experten nennen oder Fachleute oder so. Das gibt es aber auch in keinem anderen Land
- 3:11:47der Welt. Ich hab in Frankreich gefragt, wann kommt denn hier der Brot-Sommelje?
- 3:11:52Da haben wir gesagt, da vorne ist die Tür. Der Brot-Sommelje wartet draußen aufs See
- 3:11:58und haut englisch das Baguette oben auf die Birne. Und daraus ist etwas entstanden,
- 3:12:03was, also dadurch, dass es Sommelje alles gibt.
- 3:12:07Das war ein Wassersommelje, damit begann das eigentlich und das deklassiert nicht
- 3:12:11nur die Personen, sondern schränkt die ja auch wahnsinnig ein, dass sie eben auch nur
- 3:12:16dafür Experten wären, was schade ist.
- 3:12:19Na ja, also wir brauchen bessere Weinservice.
- 3:12:22Und Leute, wie gesagt, werdet in erster Linie müsst ihr selber glücklich werden
- 3:12:31und wenn ihr einen guten Sommelje habt und der euch dabei helfen kann, dann nutzt
- 3:12:34ihn, weil wenn ihr jemand habt, der noch glücklicher werden könnte, als ihr
- 3:12:37schon seid, dann habt ihr alles richtig gemacht.
- 3:12:39Schöne Schlusswort?
- 3:12:41Schöne Schlusswort. Also in dem Sinne, jammers.
- 3:12:46[Musik]
- 3:12:50[Musik]
- 3:13:17Das war richtig bewegend. Das war richtig ergreifend.
- 3:13:21Diese Kombination von Lebensfreude und Ernsthaftigkeit.
- 3:13:24Vielen Dank, lieber Hendrik.
- 3:13:26Und auch ein Riesen Dankeschön an unseren heutigen Unterstützer, der Domain
- 3:13:30Schlumberger.
- 3:13:31Mittlerweile in siemter Generation ist das 1810 von Nicolas Schlumberger mit 20 Hektar
- 3:13:38Weinbergen begründete Weingut immer noch im Privatbesitz der Familie.
- 3:13:42Heute umfasst das größte älssische Weingut 140 Hektar Rebfläch in den
- 3:13:47Gemeinden Gumpve Leer und Rofach am Südende der Region.
- 3:13:51Die Hälfte davon, 70 Hektar, entfällt auf Krongrühllagen.
- 3:13:57Es werden die Krongrühsorten Riesling, Gewürztraminer, Müska, Pinoghrie, Pinot Blanc,
- 3:14:02Pinot Noir und Sylvainer kultiviert.
- 3:14:05Die Weine unter der AOC, älsaß Krongrühl, stammen aus den Lagen Kessler,
- 3:14:10Giderlet, Seri und Spiegel.
- 3:14:12Großartig sind auch die hochklassigen Montage-Tagiv, die Selektion Kronnoble,
- 3:14:17die nach den verschiedenen Familienmitgliedern an,
- 3:14:20Christine und Clarice benannt werden.
- 3:14:22Dank der außergewöhnlichen Böden der Topographie der Sonneneinstrahlung
- 3:14:27wird die Domain Schlumberger als der Spezialist für Krongrühweine im Älsaas gesehen.
- 3:14:32Bei einem Ertrag von nur 25 Hektar pro Hektar reifen hier Weine,
- 3:14:38die mit Reichhaltigkeit und Finäß glänzen.
- 3:14:41Eingebettet in kilometer Pitoureske Natursteinmauern
- 3:14:44bilden die vielen Weinbergs-Terrassen ein hüfeisenförmiges Ganzes.
- 3:14:49Die Ausrichtung nach Südwesten, Süden und Südosten ist dabei exzellent.
- 3:14:53Die gesamten Weinbergs sind in Terrassenform angelegt, um die natürliche Erosion zu verhindern.
- 3:14:58Im Weinberg, der vom Bund Sandstein dominiert wird, wird von jeher auf naturnahen integrierten Weinbau geachtet.
- 3:15:04Die Domain Schlumberger vinifiziert zu 100 Prozent mit Trauben aus eigenen Weinbergs.
- 3:15:09Sie ist damit eines der wenigen Weigüter im Älsaas, welche keine Trauben oder Moss zu kaufen,
- 3:15:14damit die gesamte Kontrolle während des Produktionsprozesses über die Qualität besitzen.
- 3:15:20Umgehend nach der Ernte werden die Trauben langsam und schon gepresst, die temperaturgeführte Gärung
- 3:15:25und der Ausbau erfolgt in traditionellen Holzfässern.
- 3:15:29Über 120 alter Holzfässer sind dafür mit Thermo-Regulierungssystem ausgestattet.
- 3:15:35Tradition trifft auf Moderne. Und dass dieses gegeben ist,
- 3:15:39dafür zeugt auch die Unterstützung dieses eigentlich in der Geschichte des Weinbergs neuen Präsentationsformat des Podcasts.
- 3:15:46Vielen Dank für die Unterstützung der heutigen Podcastfolge.
- 3:15:50Vielen lieben Dank, lieber Hendrik, für das sehr angenehme Gespräch, für die vielen Erfahrungen, die vielen Gedanken und die vielen Emotionen.
- 3:15:59Ein großes Dankeschön natürlich auch an alle Hörer.
- 3:16:02Wir sind sehr überrascht und regelrecht geplättet und wie viel Zusprache und Zustimmung der Podcast aufgenommen
- 3:16:09und diese ersten fünf Folgen gelebt und gefeiert wurden.
- 3:16:12Vielen Dank fürs Hören, fürs Liken, fürs Bewerten, fürs Kommentieren und fürs einfach Liebhaben.
- 3:16:17Und ein großes Dankeschön gilt auch der Schlumbergergruppe zu denen, die Handelshäuser Segnetz,
- 3:16:23Konziowini Schlumberger und das Privatkundenportal Bremer Weincollekt gehören.
- 3:16:28Dank ihrer wirtschaftlichen und händischen Unterstützung ist es uns möglich, dieses wunderbare Podcastprojekt zu realisieren.
- 3:16:35Nach dem Podcast ist vor dem Podcast.
- 3:16:37Und in genau einer Woche haben wir einen neuen Gast, der in dem Betrieb, in dem er tätig ist,
- 3:16:43bei noch einmal ganz neu und vor allem ganz anders als unsere bisherigen Gäste zu leben versteht.
- 3:16:49Florian Richter ist derzeit einer der gefragtesten und angesagtesten Tommeliers in Deutschland.
- 3:16:54Ich freue mich auf seine Gedanken, ich freue mich auf seine Tiefse, ich freue mich auf seine Humor.
- 3:16:59Ich freue mich einfach auf Florian Richter.
- 3:17:01Ich freue mich darauf zu erfahren, wie er denkt, wie er tickt, was ihn antreibt, was ihn bewegt.
- 3:17:06Ich freue mich einfach auf Florian Richter.
- 3:17:09[Musik]
- 3:17:29Hallo, mein Name ist Tim Atkin.
- 3:17:31Ich bin ein Moscherewein und ein Weinreiter.
- 3:17:34Englisch mag man oft sagen, dass Deutschland keine Hume hat.
- 3:17:38Ich glaube nicht, dass es wahr ist, aber das ist eigentlich, weil ich weiß, dass Hendrik Tommel einer der lustigen Menschen ich weiß.
- 3:17:44Er bringt dieses Gefühl von Spaß zu alles, was er mit Wein macht.
- 3:17:48Sie schaut ihn auf Social Media und hört ihn, wenn er über Wein spricht.
- 3:17:51Er ist ein Laugh.
- 3:17:53Er ist einer meiner Liebsten, nicht nur von Deutschland, sondern auch von der ganzen Welt.
- 3:17:57[Musik]