Latest / Gute Nacht mit Fridolin / Einschlafgeschichte: Das Reh auf der stillen Wiese
Transcript
- Stell dir eine Wiese vor. Es ist früher Abend … und die Luft wird kühl. Am Rand der Wiese steht ein Wald … dunkel … und still. Über dem Gras liegt ein feiner Dunst … und alles ist ganz ruhig. Und dann … tritt aus dem Schatten der Bäume … ganz leise ein Reh hervor. Es macht ein paar zögernde Schritte … und bleibt dann stehen. Es hebt den Kopf … und lauscht in die Stille. Seine großen Ohren drehen sich … langsam … hierhin … und dorthin. Alles ist ruhig. Und so senkt es den Kopf … und beginnt im weichen Gras zu äsen. Rund um die Wiese … kommt der Abend ganz langsam. Die letzten Vögel singen noch leise … irgendwo in den Bäumen. Ein sanfter Wind … streicht durch das hohe Gras … und lässt es leise wogen. Die Farben werden weicher … das Grün wird tiefer … das Licht wird golden. Und mitten in diesem stillen Bild … steht das Reh. Es gehört ganz selbstverständlich dazu … wie das Gras … und die Bäume … und der Abend. Ein Reh ist ein zierliches Tier. Nicht groß … und ganz fein gebaut. An der Schulter … reicht es dir etwa bis zur Hüfte. Und es wiegt nur so viel … wie ein größeres Kind. Seine Beine sind dünn … und zierlich. Und doch trägt es sich damit … ganz leicht und lautlos über die Wiese. Es ist gebaut für die Ruhe … und für die leise Flucht. Wenn ein Reh über eine Wiese zieht … sieht das ganz zart aus. Es setzt die feinen Hufe behutsam … und bewegt sich fast ohne einen Laut. Und wenn es einmal springt … dann fliegt es mit weichen, hohen Sätzen davon … und landet ganz leicht wieder im Gras. Kaum berührt es den Boden … schon schwebt es zum nächsten Sprung. Doch meist … geht es ganz ruhig und bedächtig. Schritt für Schritt … über die stille Wiese. Im Sommer trägt das Reh ein rotbraunes Fell. Warm … und glatt … und glänzend. Es leuchtet in der Abendsonne … fast wie poliertes Kupfer. Doch im Herbst … wechselt das Reh sein Kleid. Das rote Fell fällt aus … und ein dichtes, graues Winterfell wächst nach. Es ist dicker … und wärmer … und hält die Kälte des Winters ab. So trägt das Reh zweimal im Jahr … ein neues Kleid. Ein leichtes für den Sommer … und ein warmes für den Winter. Am Hinterteil … trägt das Reh einen hellen, fast weißen Fleck. Die Jäger nennen ihn den Spiegel. Er leuchtet hell aus dem Gras heraus … und ist schon von Weitem zu sehen. Wenn ein Reh vor dir durch die Wiese zieht … siehst du oft zuerst diesen weißen Fleck … der sanft über das Gras wandert. Und erschrickt das Reh einmal … so stellt es die weißen Haare des Spiegels auf. Dann leuchtet der Fleck noch heller … und wird auf einmal größer. Ein stilles Zeichen … das auch andere Rehe sofort verstehen. Und wenn mehrere Rehe beisammen sind … sieht man in der Dämmerung … mehrere solcher hellen Flecken … die sich ruhig über das Feld bewegen. Am schönsten am Reh … ist sein wacher, aufmerksamer Kopf. Zwei große, lang-ovale Ohren … so lang wie ein guter Teil des Kopfes. Sie drehen sich unabhängig voneinander … und fangen jeden leisen Laut ein. Ein Knacken im Unterholz … ein Rascheln im Gras. Und die Augen … liegen weit an den Seiten des Kopfes. So kann das Reh fast rundherum sehen … und bemerkt jede Bewegung. Doch am feinsten … ist seine Nase. Der Geruchssinn ist beim Reh der wichtigste Sinn. In seiner Nase … sitzen viele Millionen winziger Riechzellen. Damit nimmt es Düfte wahr … die für uns längst verweht sind. Über Hunderte von Metern hinweg … kann es etwas wittern. Und so weiß das Reh … ob die Luft rein ist … oder nicht … noch bevor es irgendetwas sieht. Oft stellt es sich mit der Nase in den Wind. Und liest darin … wie in einer unsichtbaren Landschaft. Es riecht das feuchte Gras … die Erde … die Bäume … und jedes andere Tier in der Nähe. Für uns ist die Abendluft einfach nur frisch. Für das Reh aber … ist sie voller feiner Botschaften. Und wenn alles vertraut riecht … und kein fremder Laut zu hören ist … dann ist das Reh ganz ruhig. Dann senkt es den Kopf … und äst in aller Gelassenheit. Und auch die großen Ohren … sind immer in leiser Bewegung. Sie drehen sich … ganz für sich … mal nach vorn … mal zur Seite … mal nach hinten. So fängt das Reh die Geräusche ein … aus allen Richtungen. Das Zwitschern eines Vogels … das Rascheln des Windes im Laub … das leise Knistern im Gras. Die meisten dieser Laute … kennt es gut … und sie beunruhigen es nicht. Es hört sie … ordnet sie ein … und äst ruhig weiter. Nur ein ganz fremder Laut … lässt es kurz aufhorchen. Dann hebt es den Kopf … und lauscht. Und ist alles wieder still … senkt es den Kopf von Neuem. Das Reh hebt den Kopf … und lauscht in die Stille. Ein Reh ist ein wählerischer Feinschmecker. Es frisst nicht einfach das ganze Gras ab … wie eine Kuh auf der Weide. Es sucht sich das Beste heraus. Die zartesten Knospen … die jungen Triebe … die feinsten Kräuter. Ein bisschen Heidelbeere … ein paar frische Blätter … eine junge Knospe. Von hier ein wenig … von dort ein wenig. So wandert es langsam über die Wiese … und pflückt sich die feinsten Bissen. Ganz bedächtig … Halm für Halm. Im Wald mag es die Blätter der Heidelbeere … und die zarten Triebe der jungen Bäume. Ein wenig Efeu … ein paar frische Kräuter … die weichen Knospen an einem Zweig. Und auf den Feldern … knabbert es gern an jungem Getreide. An zarten Halmen … die eben erst gewachsen sind. Es kennt seine Pflanzen genau. Es weiß, was ihm bekommt … und was es besser stehen lässt. Und immer sucht es sich … nur das Zarteste … und das Beste. Und weil das Reh so kleine Mahlzeiten hält … frisst es nicht nur einmal am Tag. Sondern viele Male … über den ganzen Tag verteilt. Immer wieder ein wenig … und dann wieder eine Pause. Acht Mal … elf Mal … am Tag. Ein ruhiger Rhythmus aus Fressen und Ruhen … Fressen … und Ruhen. Den ganzen Tag hindurch. Denn wie eine Kuh … ist auch das Reh ein Wiederkäuer. Wenn es eine Weile geäst hat … sucht es sich einen ruhigen Platz. Es legt sich ins hohe Gras … auf eine Seite … ein Bein unter den Körper geschoben. Und dann … käut es in aller Ruhe wieder. Es holt die Nahrung noch einmal herauf … und kaut sie langsam … und gründlich. Der Kopf ist erhoben … die Ohren spielen leise. Ein Bild von großer Ruhe. Ein Reh … das im Gras liegt … und kaut. Beim Äsen … schluckt das Reh die Nahrung zunächst nur grob hinunter. Sie sammelt sich in einem ersten Magen. Und später … wenn das Reh ruhig und sicher liegt … holt es sie wieder herauf. In kleinen Portionen … und kaut sie nun in aller Ruhe fertig. So muss es beim Fressen nicht lange verweilen … draußen auf der offenen Wiese. Es sammelt rasch … und käut dann in Ruhe wieder … gut versteckt … im Dickicht. Ein kluger, ruhiger Weg … mit der Nahrung umzugehen. Und manchmal … lässt es den Kopf ganz sinken. Legt ihn auf die Flanke … oder auf den Boden … und döst ein wenig. Rehe schlafen nicht lange am Stück. Nur kurze Weilen … immer wieder. Ein bisschen Schlaf … dann wieder ein wachsamer Blick. Dann wieder Schlaf. Immer halb in der Ruhe … und halb in der Welt. So verbringt das Reh seinen Tag … in einem ruhigen Wechsel. Ein wenig äsen … ein wenig wiederkäuen … ein wenig ruhen … ein wenig schlafen. Am liebsten ist es unterwegs … in der Dämmerung. Am frühen Morgen … wenn der Tau noch im Gras liegt. Und am Abend … wenn das Licht weich und golden wird. Dann tritt es aus dem Wald … auf die stillen Wiesen hinaus. Das Reh lebt am liebsten dort … wo Wald und Wiese sich treffen. Am Waldrand … an den Lichtungen … in den dichten Büschen. Tagsüber … zieht es sich gern ins Dickicht zurück. Dorthin, wo es dicht und geschützt ist. Und zum Fressen … kommt es hinaus auf die offenen Flächen. So hat es beides … ein sicheres Versteck … und eine reiche Wiese. Man findet das Reh fast überall … in den Wäldern und Feldern des ganzen Landes. In Deutschland … in der Schweiz … in Österreich. Von den flachen Ebenen … bis hoch hinauf in die Berge. Ein Tag im Leben eines Rehs … verläuft ganz ruhig und geordnet. In der frühen Morgendämmerung … tritt es hinaus auf die taunasse Wiese … und äst die ersten zarten Halme. Wenn die Sonne höher steigt … und der Tag wärmer wird … zieht es sich zurück ins schattige Dickicht. Dort legt es sich nieder … und käut in aller Ruhe wieder. Es döst … und ruht … die Stunden über. Ab und zu steht es auf … reckt sich … und legt sich wieder hin. Und wenn der Abend kommt … und das Licht wieder weich wird … tritt es erneut hinaus auf die Wiese. So wechseln sich Fressen und Ruhen ab … den ganzen Tag … und die ganze Nacht hindurch. Ein ruhiges, gleichmäßiges Leben … im Takt von Licht und Dämmerung. Das Reh hebt den Kopf … und lauscht in die Stille. Im späten Frühling … kommen die jungen Rehe zur Welt. Man nennt das Weibchen die Ricke … und das Junge das Kitz. Meist im Mai … oder im Juni … bringt die Ricke ihr Kitz zur Welt. Oft sind es sogar zwei. Gleich nach der Geburt … leckt die Mutter ihr Kitz ganz sauber. Sie putzt es sanft … von Kopf bis Fuß. Das kleine Kitz … ist am Anfang noch ganz wackelig auf den Beinen. Doch schon nach kurzer Zeit … kann es stehen … und den ersten Schritten folgen. Und bald … sucht es sich sein erstes Versteck im Gras. Ein Kitz ist ein zartes, kleines Wesen. Sein Fell ist rotbraun … und über den Rücken … und die Flanken … mit vielen kleinen, weißen Flecken übersät. Diese Flecken sehen aus wie Sonnentupfen … wie Licht, das durch die Blätter fällt. Und genau das ist ihr Sinn. Zwischen dem Gras … und den Schatten … ist das gefleckte Kitz kaum zu sehen. Es verschwindet fast … in Licht und Schatten des Waldbodens. In den ersten Wochen … liegt das Kitz die meiste Zeit ganz still. Versteckt im hohen Gras … unter einem Busch … gut gedeckt. Es rührt sich kaum … und macht keinen Laut. So bleibt es verborgen … während die Mutter in der Nähe äst. Und mehrmals am Tag … kommt die Ricke leise zurück. Sie säugt ihr Kitz … und putzt es sanft. Dann zieht sie wieder ein Stück fort … und das Kitz legt sich erneut ins Gras. Ganz ruhig … und geduldig … wartet es auf sie. Von Tag zu Tag … sucht sich das Kitz ein neues Plätzchen. Immer ein Stück weiter … in einem anderen Büschel Gras. Und hat die Ricke zwei Kitze … so legen sie sich nicht nebeneinander … sondern jedes für sich … ein Stück voneinander entfernt. So ist immer nur eines an einem Ort … gut versteckt … und ganz still. Es ist erstaunlich … wie ruhig so ein kleines Kitz liegen kann. Ganz reglos … den Kopf flach auf den Boden gelegt … und wartet. Zwischen Mutter und Kitz … gibt es einen leisen Ruf. Ein feines, hohes Fiepen. So finden die beiden zueinander … im hohen Gras … und im Dickicht. Ein sanfter, kleiner Laut … den nur sie beide verstehen. Und nach ein, zwei Monaten … verblassen die weißen Flecken des Kitzes. Es wird größer … und kräftiger … und läuft nun überall der Mutter hinterher. Es ist ein schönes Bild … im Sommer. Die Ricke … und hinter ihr … zwei junge Kitze. Sie ziehen gemeinsam über die Wiese … in der weichen Abendsonne. Die Mutter äst in Ruhe … und die Kitze bleiben dicht bei ihr. Sie hüpfen ein wenig umher … knabbern hier … und dort … und lernen, was gut schmeckt. Und immer wieder … sehen sie nach der Mutter. So lernt ein junges Reh … wo die besten Wiesen sind … und welche Wege sicher sind. Ganz nebenbei … Tag für Tag … an der Seite der Mutter. Beim männlichen Reh … dem Bock … wächst etwas ganz Besonderes auf dem Kopf. Ein kleines Geweih. Es ist nicht groß … meist nur eine Handbreit lang … mit ein paar kurzen Enden. Und das Erstaunliche ist … der Bock trägt es nicht das ganze Leben. Jedes Jahr … wirft er sein Geweih ab. Im Herbst fällt es einfach herunter … und liegt im Laub. Und dann … ganz langsam … wächst ein neues nach. Über den Winter … schiebt es sich Stück für Stück wieder hervor. Während das Geweih wächst … ist es von einer weichen Haut überzogen. Man nennt sie den Bast. Diese Haut ist samtig … und warm durchblutet … und nährt das wachsende Geweih. Wie eine schützende Hülle. Und wenn das Geweih fertig gewachsen ist … im Frühling … dann streift der Bock den Bast ab. Er reibt sein Geweih … sanft an jungen Zweigen und Sträuchern. Und darunter kommt das fertige Geweih zum Vorschein … fest … und blank. So bekommt der Bock jedes Jahr … ein neues Geweih … ganz von selbst. So zieht das Jahr des Rehs dahin … in einem ruhigen Kreis. Im Frühling … wird das Gras wieder grün und saftig. Die Rehe legen ihr rotes Sommerkleid an … und die Ricken bringen ihre Kitze zur Welt. Überall im hohen Gras … liegen die kleinen, gefleckten Kitze versteckt. Im Sommer … ist die Wiese voller Leben. Die Rehe finden reichlich Nahrung … zarte Kräuter … und junge Triebe. Die Kitze werden größer … und laufen nun neben der Mutter her … und lernen, wo die besten Plätze sind. Es ist die satte, warme Zeit des Jahres. Im Herbst … wird es kühler … und stiller. Die Rehe wechseln ins graue Winterkleid … und die Böcke werfen ihr Geweih ab. Die Blätter fallen … und der Wald wird langsam kahl. Und im Winter … wird das Futter knapp. Nun rücken die Rehe zusammen … und stehen als Gruppe auf den weiten Feldern. Sie sparen ihre Kraft … und warten geduldig … bis der Frühling wiederkommt. Und wenn er kommt … beginnt alles von vorn. Das grüne Gras … das rote Kleid … die neuen Kitze. Jahr um Jahr … derselbe ruhige Kreis. Rehe sind meist für sich. Im Sommer … lebt die Ricke mit ihren Kitzen … und der Bock zieht allein durch sein Gebiet. Jeder Bock hat seinen eigenen Bereich … ein Stück Wald und Wiese … in dem er sich auskennt. Und die Ricken … bleiben oft in der Nähe ihrer Familie. Junge Weibchen … kehren später wieder dorthin zurück … wo sie selbst als Kitz gelegen haben. So teilen sich verwandte Rehe … über die Jahre … dieselben ruhigen Wiesen. Jedes Reh kennt sein Gebiet ganz genau. Es weiß, wo die besten Wiesen liegen … und wo das dichteste Versteck ist. Es weiß, wo es am Tag geschützt ruhen kann … und wo es am Abend die zartesten Halme findet. Es kennt jeden Winkel … jeden Busch … jede Lichtung. So bewegt sich das Reh durch seine Welt … sicher … und vertraut … wie durch ein Zuhause, das es genau kennt. Doch wenn der Winter kommt … tun sich die Rehe zusammen. Vor allem die Rehe auf den offenen Feldern … schließen sich zu größeren Gruppen zusammen. Man nennt so eine Gruppe … einen Sprung. Manchmal sind es nur ein paar Tiere … manchmal aber auch viele. Gemeinsam stehen sie auf den kahlen Feldern … und suchen nach etwas Fressbarem. Zusammen ist es leichter … durch die kalte, karge Zeit zu kommen. Liegt Schnee auf den Feldern … so stehen die Rehe eng beisammen … und ruhen. Ihr dichtes Winterfell hält sie warm. Bei jedem Atemzug … steigt eine kleine, weiße Wolke aus ihren Nüstern. Und wenn es ganz still ist … stehen sie einfach da … im weiten, weißen Feld … und ruhen. Der Winter verlangt ihnen Geduld ab. Doch die Rehe kennen das. Sie warten … ganz ruhig … bis die Tage wieder länger werden. Und wenn der Frühling wiederkommt … lösen sich die Gruppen wieder auf. Und jedes Reh … zieht wieder für sich. Das Reh hebt den Kopf … und lauscht in die Stille. Rehe haben auch ihre eigene Sprache. Meistens sind sie ganz leise. Doch wenn ein Reh erschrickt … stößt es manchmal einen kurzen, bellenden Laut aus. Man nennt das … das Schrecken. Es klingt fast … wie das kurze Bellen eines Hundes. Und dann … ist es wieder still. Meist aber … verständigen sich die Rehe ganz leise. Mit feinem Fiepen … und mit ihrer feinen Nase. Wenn es Nacht wird … ruht das Reh in seinem Lager. Ein flacher Platz im hohen Gras … oder unter einem Busch. In hellen Mondnächten … zieht es manchmal noch einmal hinaus … und äst im silbrigen Licht. Ganz leise … über die stille, glänzende Wiese. Doch meist … liegt es einfach da … und ruht. Kaut ein wenig wieder … döst ein wenig … und lauscht in die Nacht. Vielleicht magst du dir vorstellen … du sitzt selbst an einem solchen Waldrand. Ganz still … auf einer Bank … oder im weichen Gras. Der Abend ist mild. Über der Wiese liegt das letzte, goldene Licht. Du bewegst dich nicht … und machst keinen Laut. Und nach einer Weile … wenn alles ganz ruhig geblieben ist … tritt ein Reh aus dem Wald. Es äugt kurz herüber … und weil du so still bist … senkt es beruhigt den Kopf. Und beginnt zu äsen. Du darfst ihm einfach nur zusehen. Wie es Schritt für Schritt weiterzieht. Wie es hier ein Hälmchen zupft … und dort ein Blatt. Wie es ab und zu den Kopf hebt … lauscht … und wieder weiterfrisst. Es ist ein ganz einfaches Bild. Und doch … wird man dabei ganz ruhig. Die Zeit scheint langsamer zu gehen. Der Atem wird tiefer. Und alle Gedanken … werden leiser. Nur noch das Reh … und die Wiese … und der Abend. So ein Reh … lebt ganz im Augenblick. Es denkt nicht an gestern … und sorgt sich nicht um morgen. Es ist einfach da … frisst … ruht … und lauscht. Ganz im jetzigen Moment. Und wenn wir ihm zusehen … dann kommen auch wir ein wenig dort an. Im ruhigen Jetzt … wo nichts drängt … und nichts fehlt. Vielleicht darfst auch du jetzt … alles Weitere loslassen. Den Tag … der hinter dir liegt. Und den morgigen … der noch weit weg ist. Nur dieser eine, ruhige Augenblick … zählt jetzt. Dein Atem … der geht. Und die weiche, dunkle Nacht … die dich hält. Draußen auf der Wiese … wird es nun ganz langsam Nacht. Die letzten Farben verblassen … und alles wird grau … und dann dunkel. Die Bäume am Waldrand … sind nur noch stille Schatten. Und über allem … öffnet sich der weite, ruhige Nachthimmel. Die Rehe haben sich längst niedergelegt. Hier eines … dort eines … über die weite Wiese verteilt. Jedes in seinem eigenen, warmen Lager … tief im weichen Gras. Sie haben den Tag hinter sich gelassen … und sind ganz zur Ruhe gekommen. Und über ihnen … zieht ganz langsam die Nacht dahin. Die Sterne wandern … kaum merklich. Der Mond steigt höher. Und die Wiese … atmet ganz leise … im Schlaf. Nichts muss jetzt geschehen. Niemand muss irgendwohin. Alles darf einfach nur ruhen … bis der Morgen wiederkommt. Die Rehe … die Wiese … der Wald. Und du. Weißt du … das Reh muss sich um nichts kümmern in dieser Nacht. Es hat gefressen … es hat geruht. Nun liegt es einfach da … und ist zufrieden. Es muss nichts mehr entscheiden … und nichts mehr bedenken. Der Tag ist getan. Und genauso … darfst auch du jetzt alles beiseitelegen. Alles, was heute war … und alles, was morgen kommt. Für diese eine Nacht … brauchst du dich um nichts zu sorgen. Du darfst einfach nur liegen … warm … und schwer … und ruhig. So wie das Reh in seinem Gras. Ganz geborgen … in der stillen, dunklen Nacht. Spür noch einmal deinen Atem. Wie er kommt … und geht. Ganz von allein … ganz ruhig. Mit jedem Ausatmen … wirst du ein wenig schwerer … und sinkst ein wenig tiefer. Stell dir das noch einmal vor. Die Wiese am Waldrand … im letzten, weichen Abendlicht. Das Reh … das ruhig im hohen Gras liegt. Die dünnen Beine … ordentlich unter den Körper gelegt. Der Kopf noch erhoben … die großen Ohren spielen leise. Und dann … ganz langsam … wird auch der Kopf schwer. Es kaut noch ein wenig … ganz gemächlich. Der Dunst legt sich über die Wiese. Der Wald wird dunkel … und ganz still. Und das Reh … liegt warm und geborgen in seinem Gras. Nichts stört es mehr. Die Nacht ist ruhig … und sicher. Vielleicht liegt in der Nähe noch ein zweites Reh. Auch es hat sich ins Gras gebettet … und ist zur Ruhe gekommen. Und über der ganzen Wiese … liegt nun eine tiefe, samtige Stille. Der letzte Vogel ist verstummt. Der Wind hat sich gelegt. Nur ab und zu … knistert es leise im Gras … wenn ein Reh sich ein wenig anders legt. Und dann … ist es wieder ganz still. Am Himmel … kommen langsam die ersten Sterne heraus. Und der Mond … legt ein sanftes, silbernes Licht über die Wiese. Und so … wie das Reh dort im Gras liegt … darfst auch du jetzt ruhen. Ganz weich … ganz warm … ganz geborgen. Du musst nichts mehr tun. Nichts mehr hören … nichts mehr sehen. Nur ruhig liegen … und langsam atmen. So wie das Reh … das im dunklen Gras zur Ruhe gekommen ist. Vielleicht spürst du … wie schwer dein Körper langsam wird. Wie er ganz weich … in die Unterlage sinkt. Die Schultern werden schwer … und ganz locker. Die Arme … die Hände … die Beine … alles wird ruhig … und still. So wie sich das Reh ins Gras schmiegt … darfst du dich ganz fallen lassen. Getragen … und geborgen … von der ruhigen Nacht. Und mit jedem Atemzug … wirst du ein wenig ruhiger. Ein … und wieder aus. Ganz langsam … ganz sacht. Das Reh senkt den Kopf. Die Ohren werden still. Die Wiese schläft. Über allem steht der stille Mond … und wacht über die schlafende Wiese. Über das Reh in seinem Gras … und über dich in deinem Bett. Alles ist ruhig. Alles ist an seinem Platz. Und alles darf jetzt schlafen. Und du … schläfst mit ihr ein. Ganz ruhig … ganz weit weg jetzt. Und du darfst jetzt schlafen. Gute Nacht. Schlaf gut. Bis morgen Abend.