Latest / SOMMELIER / Sascha Speicher – Ein Leben für Champagner, Wein und uns Somms
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- 0:00Einen wunderschönen. Mein Name ist Willi Schlögel. Ich bin Wirt in der Freundschaft in der
- 0:18Mittelstrasse 1 und bin der Host von "Terroir und Adiletten". Und ich freue mich heute sehr
- 0:27sehr, über Sascha Speicher ein paar lustige Sachen zu erzählen. Ich hoffe, er freut sich auch
- 0:32darüber, wenn wir dann sehen nach der Folge. Auf jeden Fall haben wir ein bisschen was aufgeschrieben,
- 0:36weil es ja doch viel, was man über diesen tollen Menschen erzählen kann und er erzählen muss.
- 0:42Und weil so viel ist, wie gesagt, keinem was aufgeschrieben. Deshalb klingt das jetzt ein bisschen
- 0:48runter gelesen, ist es auch. Aber ja, ich glaube, bei Menschen wie er verdienen Sortiertheit.
- 0:54Den Drittelsaal in der Drittelpfälzer und am liebsten Drittel Österreicher habe ich das erste Mal so richtig
- 1:01bei einer fulminanten Grillrunde im Reiterpfad mit Ritschigrosche kennengelernt. Dabei ist mir zum
- 1:08ersten Mal bewusst geworden, wie präzise und analytisch man Premiumweine verkosten und auch
- 1:14noch besser drüberschreiben kann. Kurz darauf hatte mich mehrfach bei Meinigas eingeladen und dort
- 1:21stelle ich schnell fest, dass er als wirklich unbestechlicher und unparteiischer Journalist nicht
- 1:26um mit großen Premiumweinen zu tun hat, sondern auch mit großer Akribie und Fairness, die weniger
- 1:32hochgehandelten Weinen mit Passion verkostet, was meinen Respekt gegenüber ihnen noch mehr wachsen
- 1:37ließ. Sozeug trinkt man ja nicht immer gerne, also kann man sich vorstellen, worum. Als leidenschaftlicher
- 1:43Sprudel beziehungsweise Champagner-Affisionado lerne ich jedes Mal Neues, wenn ich mit ihm einer der
- 1:49sogenannten Flasche öffne. Er ist der beste Beweis dafür, dass man in der wunderbaren Welt des
- 1:54Weins niemals auslernt. Mit seinen zahlreichen Initiativen wie dem Champagner-Magazin, den
- 2:00Meinigas-Sommeliers-Sammet und den Meinigas-Finess 100 hat er sich nicht nur in die Herzen aller
- 2:07Sommelieren, Sommeliers und hedonistischen Weinliebhabern gekämpft, sondern eigentlich hat er
- 2:13seinen eigenen Stern am Walk of Wine-Fame in Neustadt an der Weinstraße verdient. Er
- 2:18bereichert die deutsche Weinwelt nicht nur "Nein", ohne ihn wäre sie nicht das, was sie heute ist.
- 2:24Ich bin froh und mehr als glücklich, in seit langer Zeit meinen Freunden einen zu dürfen und freue
- 2:29mich auf jede weitere Flasche Wein, die ich mit ihm aufmache und noch mehr freue ich mich auf
- 2:35Rheinrad runden mit ihm. Nur das mit Schalke, das verstehe ich nicht, aber vielleicht bespreche
- 2:40das heute in der Folge. Viel Spaß, liebe Grüße aus Berlin und bis bald.
- 2:46[Musik]
- 3:08Einen ganz herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von Sommelier, die interessantesten Weinkenner unserer Zeit.
- 3:15Beziehungsweise gehen wir ja eigentlich in dieser Woche fremd mit unserer Rubrik, mit unserem Format
- 3:20"Sommelier & Friends", also Menschen, die Sommeliers sehr beeinflussen, die eine eigene Betrachtungsweise
- 3:25auf Sommeliers haben, die Sommeliers irgendwie begleiten und eine kraftvolle Stimme in der Branche haben.
- 3:31Und das hat er. Er hat unglaublich viel bewirkt, er hat unglaublich viel begleitet, nicht nur mit dem
- 3:36Summit, den er ins Leben gerufen hat, der im Frühjahr und im Herbst stattfindet, nicht nur mit dem
- 3:41feines 100, nicht nur mit dem Sommelier-Magazin, nicht nur mit seiner, man kann eigentlich fast sagen,
- 3:47stetigen Unterstützung, Lobholtigung dieser Branche. Er ist ein ganz ganz wichtiger Faktor in dieser Branche
- 3:53und er ist großartig und ich freue mich sehr auf Sascha Speicher. Und bevor wir ins Gespräch einsteigen,
- 3:59möchte ich mich nicht minder herzlich bei unserem Partner, der Schlumbergergruppe.
- 4:03Mit den Handelshäusern segnet Schlumberger Konziowini und dem Privatkundenportal Bremer Weinkolleg
- 4:09aufs allerherzlichste, nicht nur für die wirtschaftliche Unterstützung, dass ihr auch was zu essen habt,
- 4:13sondern auch für die händische Begleitung. Ganz ganz herzlich bedanken. Und dank Ihnen,
- 4:18ist er heute hier. Herzlich willkommen lieber Sascha Speicher!
- 4:22Es gibt so ganz viele Sachen, die mich bei dir wahnsinnig interessieren, weil du ja gerade für
- 4:29Sommelys so allumfänglich bist und trotzdem so ein bisschen im Untergrund. Ich würde dich total gerne richtig
- 4:34hart daran nehmen. Also viele kenn dich vielleicht nicht und die einfach gerne Wein trinken, aber
- 4:41in der Szene bist du natürlich, was soll man sagen, der Vater der Sommelys, eigentlich der Guru der Sommelys,
- 4:46der alles zusammenhält, der alles organisiert hat, der Struktur und diese ganze Szene reingebracht hat.
- 4:51Und dann frage ich mich manchmal zum einen, woher hast du die Inspiration, woher hast du die Ideen?
- 4:56Also allein für den Summit, wer es nicht weiß, das ist, oder magst du es erzählen, was der Summit ist?
- 5:03Der Summit ist im Prinzip entstanden, als ich das Magazin, also mein Enger Sommelier, neu aufgesetzt habe.
- 5:11Mir war klar, dass das nur funktionieren kann, wenn alle Sommeliers da wirklich mitziehen, wie du es ja beschrieben hast.
- 5:17Und deswegen dachte ich, wir müssen bevor wir die erste Ausgabe produzieren, eine Veranstaltung kreieren,
- 5:25wo wir einfach die Sommeliers zusammenbringen, um da eine Art Community zu schaffen.
- 5:29Und so ist der erste Summit entstanden und ich habe da am Anfang natürlich die Sommeliers auch mit an Bord genommen, ein Stück weit,
- 5:36die ich gut kannte, also Billy Wagner zum Beispiel, war von Tag 1 an da sehr engagiert,
- 5:42kam sogar an Tag Früh, hat mir die Weine aufgemacht und so war es dann gleich auch ein sehr familiäres Ding irgendwie für die Sommeliers-Szene
- 5:51und hat sich deswegen auch so gut entwickelt.
- 5:53Und es ist ja mittlerweile so eine der Institutionen in der Sommelierszene schlechthin, es gibt glaube ich zwei,
- 6:00ich glaube es gibt zwei, ein im Frühjahr, ein im Herbst, wann war der erste, war das 2015 oder 2015?
- 6:062013 im November fing das Ganze an und der Spring Summit ist eigentlich durch die Pandemie entstanden.
- 6:13Wir haben 2020 dann eben im Herbst das nicht machen können und haben dann Nachholtermin im Mai 2021 gemacht,
- 6:24natürlich mit Abständen und so weiter und so fort und eben bei uns im Haus, weil ja in die Gastronomie konnte man ja nicht gehen in der Zeit.
- 6:31Und das war aber dann irgendwie ganz cool, weil es nochmal intimer war, der Sommeliers Summit war ja schon sehr gewachsen,
- 6:37es waren dann in der Spitzenzeit mal über 80 Sommeliers, wir haben es wieder reduziert auf 65,
- 6:42weil wir gemerkt haben, es geht da was verloren, wenn es zu groß wird.
- 6:46Und der Spring Summit bei uns im Haus ist aufgrund der Platzverhältnisse in unserem Verkostungsraum im Meininger Verlag hier auf 40 limitiert.
- 6:56Und das war dann einfach in 2021, waren es natürlich keine 40, sondern dann war 30 mit den Lücken dazwischen.
- 7:04Und das war so eine tolle Atmosphäre natürlich, weil auch jeder sich gefreut hat, sich endlich mal wieder zu treffen,
- 7:08nach den Monaten in der Isolation und dann haben wir gesagt, okay, warum machen wir es nicht zweimal im Jahr?
- 7:16Es gibt uns auch die Möglichkeit, ein bisschen mehr zu wechseln, denn noch ist es ja Gott sei Dank so, dass die Szene ein bisschen wächst gefühlt.
- 7:24Es gibt die Etablierten, die machen dann ein neues Projekt, dann rückt ein Sommelier an die Stelle nach und so wird eigentlich die Community langsam, aber doch nochmal größer.
- 7:37Was ich von Anfang an so unfassbar beeindruckend fand, es gibt der andere Sommelierzusammenkünfte, wo man sich trifft, dann trinkt man drei Gläserwein, lacht ein bisschen, redet ein bisschen, Netzwerk natürlich ein wenig,
- 7:47aber die war es immer mehr wert. Also es waren unglaublich tiefsinnige, unglaublich akribisch ausgearbeitete Seminare für uns, die uns ein Mehrwert gebracht hat,
- 7:56die uns die Chance gegeben haben, Weine zu probieren, die man vorher nie, niemals probieren konnte, durfte.
- 8:02Teilweise eben auch Champagner Seminare, wo man über Farben geredet hat bei Roséwein, wo man über den Lichteffekt geredet hat, den viele gar nicht auf den Schirm haben und so weiter.
- 8:14Also für uns ganz, ganz viele neue Dinge und zwei Tage vollgepackt mit einfach Informationen. Warum?
- 8:20Das hängt sicher mit dem Respekt zusammen, den ich vor dem Sommelierjob habe.
- 8:25Ich sehe die Sommelier und Sommeliers in Deutschland eben als die echten Weinexperten an und da muss man natürlich auch entsprechend auf Expertenniveau diese Seminare organisieren,
- 8:35ansonsten ist es eine, wie gesagt, eine Spaßveranstaltung und ich weiß, dass natürlich kein Sommelier sich mit allen Weinen dieser Welt gleichermaßen gut auskennt, ich ja auch nicht.
- 8:46Aber die Seminare müssen natürlich auf höchstem Niveau angesetzt sein und alle sind so weit Profis, dass sie dann schnell sich da reinfuchsen können.
- 8:55Also wenn sie die Weine probieren, begreifen sie sehr schnell um was es geht. Auch wenn das jetzt ein Thema ist, was man auf seiner Weinkarte in seinem Restaurant vielleicht nicht so stark spielt.
- 9:04Warum wolltest du das Sommelier mal ganz neu aufsetzen? Es war ja, es war ein Bestandteil, es gehört zur Sommelierunion so im weitesten Sinne.
- 9:11Aber allein das Cover, also alles die Aufmachung, die Wertigkeit des Papiers, die Wertigkeit der Geschichten, es war ja alles komplett neu mit einmal und eigentlich ja auch schade, dass es im freien Markt gar nicht so präsent ist oder gar nicht so bekommen ist.
- 9:25Na ja, man kann es abonnieren und das funktioniert auch super. Also wir haben mich klopft auf Holz seit Tag 1 pro Jahr leisteigende Abozahlen.
- 9:34Bis heute, also es geht jedes Jahr ein Stückchen weiter rauf. Wir haben uns bewusst gegen den Kioskverkauf entschieden. Wir hatten es mal ganz kurz gemacht, aber es ist im Endeffekt eine Papierverschwendung.
- 9:46Man verkauft dann zwar mehr, aber es gibt natürlich trotzdem Rückläufer und man drückt dann mehr, als nachher wirklich verkauft werden.
- 9:53Wir wissen ja alle, Papier ist teuer und ist ja auch ein Rohstoff. Also haben wir gesagt, okay, wir produzieren genauso viele, wie wir wirklich brauchen und setzen halt wirklich auf Abo.
- 10:04Und vertrauen einfach darauf, dass diese innere Szene sich so gut kennt, dass die Leute, die sich jetzt für dieses Feindinning für Wein war, für die Gastronomie interessieren, früh oder später drüber steubern und dann, wenn es ihnen gefällt, auch abonnieren.
- 10:17Das ist im Prinzip die Idee. Und das Magazin zu machen, geht darauf zurück.
- 10:26Wein ist die Leidenschaft Nummer 1 bei mir, Gastronomie die Leidenschaft Nummer 2. Und das ist das Magazin, wo ich beides zusammenbringen kann.
- 10:34Und ich habe ja früher Weinwirtschaft gemacht, das ist ein Business Magazin, da geht es um Weinhandel, um Zahlen und das ist ein extrem wichtiger Bestandteil, aber es ist nicht ganz meine Weinwelt.
- 10:48Mir geht es um die handwerklichen Weinen, die Herkunft ausdrücken und die erfolgreich zu machen, also zu helfen, sie erfolgreich zu machen.
- 10:57Das ist ja nur ein kleiner Beitrag, den wir leisten können. Und meiner Meinung nach geht es nur über die Sommerges.
- 11:05Das sind die einzigen Mittler im Markt, die in der Lage sind, diese handwerklichen, nicht so leicht verständlichen, manchmal etwas sperrigen, alles andere als charmanten, nämlich nicht mainstreamigen Weine zu vermitteln.
- 11:18Da braucht es auch manchmal Essen dazu, um den Leuten zu zeigen, pass auf, probieren wir den Wein so, wird der vielleicht hier und da ein bisschen zu anspruchsvoll sein oder irgendwas stören, Gerbststoff beispielsweise.
- 11:30Und dann probierst du es zum Essen und du wirst sehen, das passt perfekt.
- 11:34Mehr als Händler? Also sind Sommys mehr meinungsprägend oder marktbegleitend innovativer als Händler? Also ein Kleinhändler an der Ecke, nicht die Großen, die ja nochmal andere Ansätze haben?
- 11:49Ja, ich denke, es ist eine Symbiose. Die wirklich sehr, sehr guten Weinhändler arbeiten ja oft auch mit Sommeliers zusammen in meinen Augen.
- 11:57Also ein Weinhändler, der jetzt einen Winzer aus Italien oder aus Frankreich importiert, der sehr handwerkliche, sehr handschriftliche Weine produziert.
- 12:12Diese Weine dann auf dem Markt zu vertreiben, ohne die Hilfe der Gastronomie, wird immer in einem kleinen Rahmen bleiben.
- 12:22Das heißt, selbst wenn es ein engagierter Händler ist, ne, mal mal ein Beispiel, wie du es auch gemacht hast, du hattest natürlich auch Gastronomie dabei, aber du hast auch Wein verkauft, du wirst das regional abdecken können, du wirst eine Menge verkaufen können, die als regionaler Händler top ist,
- 12:38aber du wirst den Winzer nicht jetzt bundesweit vertreten können. Das geht nur, indem du auch dann die Gastronomie an Bord nimmst und den Wein auch in die Gastronomie verkaufst.
- 12:48Und die Gastronomie meine ich in dem Fall natürlich die Sommelier Gastronomie. Es gibt ja auch die Gastronomie, die 20 Positionen auf der Weinkarte hat, möglichst unverfängliche Weine, die von möglichst vielen Menschen bestellt werden.
- 13:02Das ist ja nicht die Weinwelt, über die wir jetzt reden.
- 13:04Hast du eine Vorstellung vom guten Sommelier, noch nicht mal perfekten Sommelier und ich würde dir jetzt dieses kann zuhören, kann reden, kann sich austauschen, kommunizieren, kann den Gast sehen, also das rein zykologische würde ich vielleicht mal ausblenden.
- 13:16Also welche Grundanforderungen hast du an einen Sommelier, wenn du den Event einladen würdest zum Summit oder wenn du über die eine Story machen würdest, das wäre vielleicht ein bisschen unverfänglicher.
- 13:26Du hast natürlich schon jetzt einen ganz, ganz wichtigen Bereich ausgeklagt. Das sind die in Anführung seistent Soft Skills, die aber natürlich fast entscheidend sind.
- 13:38Aber ein Top Sommelier bietet für mich eine sehr abwechslungsreiche Weinkarte an, die nicht nur zum Beispiel natural ist, aber auch nicht nur klassisch. Also ich bin der Meinung, es sollte da schon ein breites Spektrum auf der Weinkarte abgebildet werden.
- 13:54Sie sollte sich auch bemühen, Dinge zu finden, aufzustöbern, die nicht jeder kennt, die aber förderungswürdig sind. Und das ganze dann natürlich auch dem Gast, das sind wir wieder bei den Soft Skills gut vermitteln.
- 14:14Das ist natürlich noch ein ganz wichtigen Bereich, das ist dieses Food und Wein Pairing. Also dieses Gefühl für die Kombination von Speisen, Aromen, Texturen mit bestimmten Weinen.
- 14:24Das ist natürlich was, was man tatsächlich nicht lernen kann, sondern das hast du oder hast du nicht. Das kannst du verbessern, aber du kannst es nicht lernen, wenn du es nicht in dir hast.
- 14:34Das ist nicht so, dass es nämlich passiert. Also dass man sagt, okay, ich habe jetzt die Elemente, sei es Säure, sei es Süße, sei es Salzigkeit, sei es was auch immer und habe das im Gegenstück beim Wein und könnte das rein aus der Theorie irgendwie abgleichen, dass es irgendwie eine Symbiose ergibt und ineinander gleitet.
- 14:54Ein Stück weit ja, das wäre so der Satzkasten, das Grundgerüst, aber wenn du es dann wirklich in den Top-Bereich bringen willst, dann geht es schon drüber hinaus.
- 15:06Also für die letzte Titelgeschichte Ausgabe 1, die jetzt nächste Woche, sprich Anfang März erscheint, haben wir die Pairing-Geschichte gemacht mit Marco Franzusien und Magdalena Rambichler im Sonora.
- 15:18Und Marco servierte zu einem Hummer aus San Marlo mit einer Vadovain-Sauce und so einer pürzigen XO-Sauce nochmal auf den Top.
- 15:30Ein Trousseau von Arno Roberts aus Kalifornien. Extrem überraschend. Erstens die Rebsorte vermutet man überhaupt nicht in Kalifornien, ich wusste persönlich gar nicht, dass es überhaupt ein Winzer in Kalifornien gibt, der Trousseau anbaut.
- 15:45Und dann auch ein Rotwein mit 12 Volumen prozent leicht gekühlt serviert zu diesem Hummer, das war ein Traum.
- 15:52Ich glaube nicht, dass man auf dieses Pairing kommt, wenn man nur über diese Kombinationen salzig süß, bitter, umami nachdenkt. Also das ist dann schon was Intuitives.
- 16:03Und es war aber in Kombination mit diesem Hummer so perfekt, weil es war ein Rotwein, aber ein sehr leichter frischer Rotwein, der in dem Moment einfach den Hummer, den Hummer die Bühne gelassen hat, aber trotzdem intensiv genug war, diese bützigen Komponenten abzupuffern und gleichermaßen den Gaumen frisch gemacht hat für den nächsten Gang.
- 16:26Und wenn man da jetzt zum Beispiel mit einem sehr, bei dem Gericht, wenn ich es so lese, würde ich einen sehr üppigen Weißwein denken, so rohne Style weiß.
- 16:36Der macht natürlich den Gaumen müde. Und das war schon der fünfte Gang im Menü.
- 16:41Dann hat man natürlich einen gegenteiligen Effekt und Marco bringt einen ganz leichten, frischen Rotwein, der aber trotzdem aufgrund des Klimas dort so geschmeidig war, dass er nicht zu kantig war, was ja auch nicht funktioniert hatte, weil der Hummer hat eine Süße, die Soße hat eine gewisse Süße.
- 16:57Also das war so ein Tanz auf der Rasierklinge und das war perfekt.
- 17:01Glaubst du, es kann jeder Gast greifen oder braucht man da so diese Priekigkeit, diese Erfahrung, diese manchmal auch Weinverliebtheit, wie du sie zum Beispiel hast und da kannst Marco machen?
- 17:10Ich glaube, dass das eine Kombination war, um bei dem Beispiel zu bleiben, die jeder versteht, weil das war kein freakiger Wein.
- 17:19Der Wein war leicht, der war zart, er hatte eine moderates Reue, aber er hatte trotzdem eine gute Frische, weil er auch schön gekühlt serviert wurde.
- 17:30Also das war keine herausfordernde Pairing-Konstellation, wie man es zum Beispiel manchmal macht, wenn man es ja gerbstoffreiche Weißweine serviert.
- 17:39Da gehe ich mit dir, dann braucht man natürlich ein gewisses Weinverständnis.
- 17:43In dem Moment, wo Bitternis ins Spiel kommt beispielsweise, ist ja ein Aroma, dass wir uns alle abtrainiert haben, leider, dafür haben wir uns alle Süße antrainiert, ging leider in die falsche Richtung in meinen Augen.
- 17:54Da wird es natürlich anspruchsvoll, da brauchst du ein gewisses Training auch von deinem Gaumen her.
- 18:00Aber das war so eine Wohlfühlkombi.
- 18:03Vermisst du manchmal Klassiker im Restaurant?
- 18:05Wenn ich in die Opa gehe und ich gucke mir einen Nussknacker an, dann bin ich halt jemand, der dieses klassische Bühnenbild sehen möchte und diese üppigen Kostüme.
- 18:13Und ich möchte dann niemanden nach über die Bühne tanzen sehen, wenn ich da irgendwie kurz in weihnachtlicher Stimmung bin.
- 18:17Und so geht es mir manchmal im Restaurant auch.
- 18:19Wenn ich ins Restaurant gehe und ich habe von mir so ein Wein, dann möchte ich auch teilweise Klassiker trinken und nicht nur von einem schrägen Wein in den nächsten gejagt werden.
- 18:26Aber das vermisse ich manchmal.
- 18:28Die guten Sammeljähren und Sammeldies machen ja genau das.
- 18:31Bleibe ich noch mal bei diesem gleichen Beispiel.
- 18:34Zum ersten Gang, das war im Prinzip ein Gericht mit Vorkraff.
- 18:39Gabs in 2002 ja Saumagenauslässe R von Köln-Aubrecht.
- 18:44Also viel klassischer kann ich so an die Sache nicht rangehen.
- 18:47Oder ein anderes Beispiel letztes Jahr in der Skabe 2 mit dem Lukas Gerges.
- 18:52Der sagt, er baut in jedes Menü einen Wein von Terlan ein.
- 18:57Weil es ist in Südtirol, in Proneg.
- 18:59Terlan ist ein Big Player international aufgestellt.
- 19:02Macht keine freaky Klinge, sondern extrem klassische.
- 19:07Im positiven Sinne klassische Weine.
- 19:09Und er baut in jedes Menü einen Wein ein.
- 19:12Umgekehrt stellt er aber dann auch nachher zwei Pinos aus Südtirol auf den Tisch, von denen ich in meinem Leben noch nie was gehört habe.
- 19:20Also das macht das Spiel aus.
- 19:22Ich bin der Meinung, nur Klassiker fünf Stück in der Reihe ist vielleicht auch zu langweilig.
- 19:28Ich will aber auch nicht aus dem Restaurant rausgehen.
- 19:32Selbst ich und sagen, jetzt habe ich nur Weine getrunken, die von denen ich in meinem Leben noch nichts gehört habe.
- 19:37Das ist eine Dramaturgie, die man da aufbauen muss.
- 19:41Und die das beherrschen, dieses Spiel auch jung und alt.
- 19:44Also junge, jahre Gänge, alte, jahre Gänge, das macht es einfach aus.
- 19:48Nimmst du immer Weinmenü, wenn du in ein Restaurant gehst oder gibst bei dir auch Situationen, wo du sagst,
- 19:52ich brauche die Ruhe, ich brauche den Flaschen, ich möchte die Flasche entdecken und möchte mich auf den Wein einlassen
- 19:57und nicht immer nur von einem Wein zum nächsten springen.
- 20:00Das ist ja eine schwierige Situation für mich, weil wenn ich in ein Restaurant gehe, wo mich die Sommelierer oder der Sommelier kennt,
- 20:07dann gebe ich ihnen eigentlich immer gerne die Chance zu zeigen, was sie machen.
- 20:12Wenn ich jetzt irgendwo in meinem Urlaub essen gehe auf eine Skihütte oder im Sommerurlaub irgendwo bin
- 20:21und dann bestelle ich mir die Weine von der Karte, wie ich einfach Lust darauf habe in der Regel.
- 20:27Das kommt auf die Situation an.
- 20:32Aber ich fahre persönlich meistens gut damit, die Sommelierer oder den Sommelier ihren Job machen zu lassen.
- 20:39Natürlich habe ich auch das Glück, dass ich vielleicht hier und da auch mal einen anderen Wein serviert kriege,
- 20:45als er in einer normalen Begleitung drin wäre, will ich er nicht verhehlen.
- 20:49Und den du wahrscheinlich dann auch selber als Überraschung empfindest in dem Augenblick.
- 20:53Also daher will dich natürlich auch mit einer Erfahrung der eine oder andere auch gerne begeistern möchte oder faszinieren möchte.
- 20:58Und ich sehe es auch für mich immer als Weiterbildung an.
- 21:02Man bestellt ja ansonsten von der Karte Dinge, die man gern trinkt.
- 21:06Das ist ja auch voll okay. Aber das sind ja auch Dinge, die man kennt in der Regel.
- 21:10Und wenn man so eine Weinbegleitung wählt, wenn man weiß, dass die oder der dort an der Arbeit ist,
- 21:18ihr Handwerk versteht, dann ist man da gut aufgehoben.
- 21:22Also ich lasse mich da gern drauf ein.
- 21:24Ich finde es immer schwer, wenn man entweder ein Kollegen im Restaurant hat oder selber als Kollege im Restaurant ist,
- 21:29dass die Flasche halt hingehalten wird und mehr oder weniger gesagt wird,
- 21:33du weißt ja, was es ist, eingeschränkt und so diese eigentlichen Inszenierung dann dabei fehlt.
- 21:38Oder ist es bei dir anders, dass dann doch schon die Geschichte kommt
- 21:43und vielleicht als zweite Frage, wie viel Geschichte möchtest du hören?
- 21:46Was findest du beim Sony angemessen, dass da ein Beiwerk, ein Wortbeiwerk kommt?
- 21:52Also ich nehme gerne die ganze Show.
- 21:55Also jeder soll zeigen, was er kann.
- 21:59Und das ist ja auch ein Teil des Restauranterlebnis, der Service am Gast.
- 22:07Das macht, denke ich, am Ende genauso viel aus für einen gelungenen Abend, wie das, was aus der Küche geschickt wird.
- 22:14Beides muss halt passen.
- 22:16Also das beste Essen mit einem bescheidenen Service und nicht guten Weinen ergibt keinen schönen Abend.
- 22:23Und umgekehrt natürlich auch nicht.
- 22:25Die schönsten Weine können über ein schlechtes Essen auch nicht hinweg trösten.
- 22:28Also beides muss halt Hand in Hand gehen.
- 22:31Wie lange darf so eine Moderation sein für ein Wein?
- 22:34Also ist das so ein, zwei Sätze?
- 22:36Darf das gerne etwas aus...
- 22:38Es ist natürlich immer punktuell und auf den Gast und auf die Situation, wenn ich mit meiner Frau da bin,
- 22:41dann möchte ich da weniger unterhalten werden, als wenn ich da irgendwie alleine bin.
- 22:44Aber gruselt sich, was wäre so eine angemessene Moderation, wo man sagt,
- 22:47damit kann ich auf dem Wein einstimmen, den Wein probieren lassen?
- 22:50Es kommt ja immer darauf an, wie groß ist das Restaurant und wie voll ist es.
- 22:54Also wenn das jetzt ein Mittwochabend ist, wo drei Tische besetzt sind,
- 22:59und dann kann das ja gerne ein Plausch sein, dann kriegt die Sommelierer oder der Sommelier sein Job auch noch gemacht.
- 23:08Aber wenn es natürlich ein Freitagabend ist und die Hütte ist voll bis auf den letzten Platz,
- 23:12dann ist es ja nicht professionell da drei Minuten zu stehen und über den Wein zu reden,
- 23:17dann muss es natürlich ein bisschen zackiger gehen.
- 23:19Also ich glaube, das kann man nicht porchal beantworten.
- 23:22In den vielen Wiener muss man auch ein bisschen ausführlicher erklären.
- 23:26Ich war letztes Wochenende in Berlin und Michael Stiel im Matthias hat meinen tschechischen Wein aus Moravia,
- 23:33einen früheren Meeren serviert, eine wirklich wilde Küwe.
- 23:38Da war von Neuburger bis Riesling und Müller-Turgo alles mit drin, ein toller Wein.
- 23:44Und das muss er natürlich ein bisschen erklären, weil da sitze ich da und habe überhaupt keinen Plan.
- 23:50Was, ein Schaumwein an Stilwank? Die haben ja auch Stilwank.
- 23:53Ich hatte mal Schaumwein, da war ich sehr angetan, sehr begeistert.
- 23:56Wir hatten mal eine Serie vor zwei, drei Jahren, die Peter Müller damals für uns geschrieben hat,
- 24:01über die Weinländer Tschechien, Sowa Kai, Ungarn, Soveinien.
- 24:07Und da wurde ich schon echt neugierig auf Tschechien als Weinland.
- 24:13Und mit dem früheren Meeren, was ja mit dem Weinviertel mehr oder weniger verwachsen war bis zum Zweiten Weltkrieg,
- 24:23ist ja da auch viel Weintradition vorhanden.
- 24:25Also insofern hat es halt leider geschlummert für viele Jahre.
- 24:29Und es ist spannend zu sehen, was da so passiert.
- 24:31Ich glaube, da schwenke ich jetzt kurz mal ab.
- 24:33Ich komme aber nachher zu dem Restaurant-Erlebnis mit dem Zombie noch mal zurück.
- 24:37Ist es nicht schade, dass so osteuropäische Länder eigentlich kaum ne Präsenz in Deutschland auf deutschen Weinkarten haben,
- 24:45also sei es Rumänien, Bulgarien, Ungarn, Polen, dass dort einiges passiert,
- 24:50aber wieder von überhaupt nichts dazu mitbekommen,
- 24:52bzw. ganz, ganz vieles homästisch einfach nicht trauen, diese Weine zu präsentieren
- 24:55oder eben auch dann manchmal den wirtschaftlichen Mehrwert aufzuwenden, diese Weine zu servieren.
- 25:00Es ist ganz witzig zu beobachten, weil ja diese Länder zum Beispiel in der Wiener
- 25:06Szene schon extrem präsent sind.
- 25:09Also ich glaube, kaum ein guter Wiener-Somelier geht da ganz dran vorbei an dem Thema.
- 25:15Die haben alle zumindest mal so wenigen Ungarn auf der Karte und ganz viele auch,
- 25:19natürlich war es total nah, ist die Slovakai, da ist Tschechien vielleicht noch der größte Exot in dem Reigen.
- 25:27Also da ist es allgegenwärtig und ganz normal.
- 25:30Da ist ein spanischer Weiß, wann ihr der Exot.
- 25:33Das ist halt bei uns natürlich ein bisschen anders.
- 25:37Da ist die Vernetzung nach Osten weniger stark ausgeprägt.
- 25:41Aber ich bin mir relativ sicher, dass das gerade in Berlin schon ein bisschen im Kommen ist.
- 25:46Hat auch Michael im Gespräch bestätigt, dass gerade, das war ja Brenzlauerberg,
- 25:53boom, das Viertel von Berlin, dass da auch diese osteuropäischen Weine inzwischen stärker präsent sind.
- 26:00Liegt sowas an Zombies oder an Händlern, wenn die Weine nicht in der Bestands sind?
- 26:05Ist ein Zusammenspiel.
- 26:07Besagten Weinen hat er, wenn ich mich recht erinner, hat er zu mir gesagt,
- 26:11dass er diesen Weinen von einem Händler um die Ecke bezieht.
- 26:15Wird ja manchmal für Zombies schwer, eine Palette zu beziehen oder dann Einzelflaschen mit Logistikosten zu belasten und das dann noch zu kalkulieren.
- 26:23Daher ist das ja, wie du sagst, wahrscheinlich ein Hand-Handspiel.
- 26:27Billy ist ja auch so ein Beispiel, wie die Wagner, der immer schon diesen missionarischen Alpha hatte,
- 26:33Dinge aus dem Umland nicht nur zu finden und aufzustöbern, sondern wenn er gemerkt hat,
- 26:38dass es auch noch nicht vorhanden ist, auch selber zu entwickeln mit denen zusammen.
- 26:42Und das ist natürlich dann ein Schritt, der vielleicht wie Physis-Homiliäus zu weit geht.
- 26:46Da muss man eben so gestrickt sein, wie es Billy ist.
- 26:50Aber zumindest mal sich auf die Suche begeben und wenn man was Gutes findet,
- 26:54sich dann auch ein bisschen die Mühe zu machen, es ins Restaurant zu bringen,
- 26:59das kann man schon erwarten.
- 27:01Ich erinnere mich noch gut an den ersten Zombies, damals war Peter Müller noch im Lehrbach
- 27:05und der ist extra nach Paris gefahren, um einen Eiswein aus Kanada in Paris abzuholen,
- 27:13weil die erste Lieferung mit der Post zu Bruch ging.
- 27:17Stimmt mich, ich erinnere mich, da hat er das Paket noch mitgebracht und hat es auf den Boden geworfen von Walter Wutter letztlich.
- 27:22Ja, und das ist das, was ich meine, das ist natürlich so dieses Feuer,
- 27:27was jemand aus unserer Somiliewelt auszeichnet, wenn er.
- 27:32Braucht man dafür Publikum, weil du jetzt zwei Zombies aus Berlin genannt hast
- 27:36und Berlin ist ja ohnehin anders als viele andere Städte,
- 27:40oder kann man sowas, wenn man die eigene Oriden damit lebt überall platzieren,
- 27:45also auch keine Ahnung, in München oder in Hamburg oder in Brandenburg?
- 27:50Also ich glaube schon, dass zum Beispiel eine Marie-Christine Baunach in der Überfahrt
- 27:54am Tegernsee sich schwerer tun würde, solche Weine an ihr Münchner Publikum zu bringen.
- 27:59Also, ja, das wäre schon eine ziemliche Hypothek.
- 28:05Da tut man sich natürlich in Berlin, oder ich glaube auch jetzt bei euch in Dresden oder Leipzig,
- 28:13müsste es leichter sein, weil einfach da viel mehr Verständnis ist
- 28:17und viel weniger Skepsis, was auch das Qualitätspotenzial angeht.
- 28:24Siehst du da einen Zukunft-Trend, also glaubst du, das osteuropäische,
- 28:28ich will das jetzt nicht im Mund legen, nur einfach so als Frage,
- 28:31deswegen an Wendel zur Gestieffrage, dass die in den nächsten Jahren richtig krass umkommen sind
- 28:36oder kann man das überhaupt gar nicht prognostizieren
- 28:39oder kann man Wein-Trends gar nicht prognostizieren?
- 28:41Also, man kann sagen auf jeden Fall, dass die Voraussetzungen eher besser werden.
- 28:51Hängt natürlich auch mit der Klimaveränderung zusammen,
- 28:54die es jetzt im wirklich mediterranen Raum immer schwerer macht,
- 28:58gewisse Weinprofile zu erzeugen.
- 29:00Da sind natürlich weiter nördlich und weiter kontinental gelegene Anbaugebiete klar im Vorteil.
- 29:07Jetzt gibt es dann noch so ein paar strukturelle Schwierigkeiten natürlich.
- 29:11Einerseits das Rebmaterial, was da gepflanzt wurde,
- 29:14bis in die 80er, 90er Jahre war halt nicht auf Qualität ausgerichtet.
- 29:19Das heißt entweder hast du neu angelegt, weil du gleich gesagt hast,
- 29:23mit diesen Reben kann ich das nicht erreichen, was ich tun will,
- 29:26dann hast du jetzt noch junge Anlagen oder du arbeitest mit den alten Reben.
- 29:31Das ist dann natürlich ein Stück weit irgendwo schon in der Qualität nach oben gedeckelt,
- 29:36weil einfach das nicht das Top-Rebmaterial ist, was damals da gepflanzt wurde.
- 29:40Also da sind noch so ein paar Hürden, aber gerade bei dem Thema Furment beispielsweise,
- 29:48ist eine Rebsorte, die voll im Kommen ist.
- 29:50Und da sind natürlich solche Anbaugebiete auch gut aufgestellt,
- 29:54weil die Sorte einfach da noch vorhanden war.
- 29:56[Musik]
- 30:12Irgendwie interessant, wenn man bei einem Wein sagen kann,
- 30:15dass der macht, was er will.
- 30:16Und aus dem Bereich gibt es sehr viele Natural Weine,
- 30:19der dabei noch fast übereude schmeckt.
- 30:22Wahrscheinlich ist es wegen der Rebsorte.
- 30:24Shannon Blanc, der Rebsorte irgendwie alles kann,
- 30:28die nicht selten als das Arbeitstier der Weinwelt bezeichnet wird,
- 30:31aber die, den Winzern, nicht selten noch ihre Fehler nicht verzeiten.
- 30:35Das ist genau in dieser Natural Weinwelt das große Problem.
- 30:38Wenn man dann einen Wein hat, wo man das Grundgefühl hat,
- 30:41das der so verdammt gut ist,
- 30:43dass der das Labor oder die künstliche Kontrolle nicht vermisst,
- 30:46wie der 2023er Shannon Blanc Wild Fermented von Delheim aus Stellenbosch,
- 30:52der einfach so losgerde, so wie die Natur es wollte,
- 30:55keine gezähmt Neven, kein High-Tech-Schnick-Schnack,
- 30:58der wild ist, der roh ist, der unberechenbar ist.
- 31:01Und dann doch, so viel Geschmack hat, so viel Tiefe,
- 31:05so viel sich selbst, dass selbst die traditionellsten Loa-Trinker ins Grübel kommen.
- 31:09Und wer glaubt, Südafrika könnte mit den großen Weißweinen
- 31:12dieser Welt nicht mithalten,
- 31:14wird wahrscheinlich noch nicht den Wild Fermented probiert haben.
- 31:17Dieser Shannon Blanc, der aus einem 3,5 Hektar großen Weinberg
- 31:23mit 38 Jahre alten Reben stammt,
- 31:26die auf verwitterten Granitböden wachsen,
- 31:28zeugt von der Kunst des kontrollierten Nichtstunns.
- 31:31Was ja eigentlich diese Weinart ausmacht, also man möchte ja eigentlich nicht eingreifen,
- 31:36man möchte nicht für, nicht leiten,
- 31:38man möchte den Wein sich selber entwickeln lassen,
- 31:40was hier richtig gut gelungen ist.
- 31:42Klar, die spontane Gärung der Wilden Hefe ist die Grundvoraussetzung.
- 31:45Die Trauben wurden nach der Ernte drab, sanft gepresst
- 31:48und der Saft durfte 2 Tage ruhen,
- 31:50um, super, na es klingt, wieder zu sich selber zu finden,
- 31:53weil so ein Pressvorgang ist richtig Stress.
- 31:55Die Gärung erfolgt, wie bereits erwähnt, ohne Zugabe kommerzieller Hefen,
- 32:00was dem Wein eine sehr komplexe, aromatischen, ganz eigentive Verleid.
- 32:05Das hat natürlich immer das Risiko, dass die Weine während der Gärung
- 32:08sehr schwer kontrollierbar sind,
- 32:10führt jedoch auch zu einem sehr authentischen Ausdruck,
- 32:13nicht nur des Tyroas, sondern auch der Rebsortenkultur.
- 32:16Es ist wahrscheinlich die Kombination aus granitalten Reben,
- 32:20Cheninblanc und wahrscheinlich den richtigen natürlichen Hefen,
- 32:24die genau in dem Zeitpunkt die richtige Ansprache hatten.
- 32:27Also, der Cheninblanc Wild Ferment ist ein wild vergoerner Weißwein
- 32:31aus dem Hause Delheim, der seine eigene Geschichte erzählt,
- 32:34dass Tyroas bestmöglich widerspiegeln soll
- 32:36und durch die wilden Hefen dem Ausbau in Holzfässern betoneneiern
- 32:40sowie einem feinen Hilfekontakt von neun Monaten
- 32:43dieses faszinierende Arumbild präsentieren darf.
- 32:47Und das aus dem Hause Delheim.
- 32:49Delheim eingebettet in die malerischen Hänge des Simons Berges in Stelmbosch,
- 32:54hat eine Geschichte, die bis ins Jahr 1699 zurückreicht.
- 32:59Als der Cup-Govner Simon van der Stil das Land
- 33:03an den deutschen Soldaten Lawrence Kampfvergab,
- 33:05der eigentlich neuzeitliche, der heutige,
- 33:08bewusste Teil des Weingutes, der moderne Abschnitt, begann 1939,
- 33:12als Hans Hoheisen die Farm erwarten.
- 33:15Und zusammen mit seiner Frau Deli bewirtschaftete.
- 33:17Der Name Delheim bedeutet "Heim von Del"
- 33:20und er z.B. Deli Hoheisen.
- 33:22Ein schöner Gehste.
- 33:23In den 1950er Jahren trat Michael Hans Sperling genannt Spatz
- 33:28ein Neffe von Del in das Unternehmen ein
- 33:31und entwickelte mit seinem unermüdlichen Engagement
- 33:34und seiner Vision Delheim zu einem der führenden Weingüter Südafrikas.
- 33:39Spatz, wie er von ein genannt wurde, war maßgeblich
- 33:42eine Gründung der Stelmbosch Wine Rout beteiligt.
- 33:45Die heute als ein der renommiertesten Weinrouten der Welt gilt,
- 33:48das Bestreben Qualität und Innovation zu vereinen,
- 33:51legte den Grundstein für Delheims Ruf als Pionier im südafrikanischen Weinbau.
- 33:57Heute wird das Weingut von der Sperlingfamilien dritter Generation geführt.
- 34:02Die Verbindung zwischen Tradition und Moderne und dieser Wein ist ein Zeugnis dafür.
- 34:05Man versucht alte Traditionen eine neue Welt aber mit sehr viel Bewusstsein zu transportieren.
- 34:09zeigt sich in nachhaltiger Weinproduktion und den respektvollen Umgang mit dem Terroir.
- 34:15Und so gelingt es so eine Wein selbst in einem Jahr wie 2023 zu erzeugen.
- 34:19Ein unberechenbares Jahr, nicht nur während der Lese.
- 34:22Anhaltende Regenfälle bis März.
- 34:24Ich meine, der Sommer begann mit optimalem Bedingung, milden Temperaturen, kühlen Nächten.
- 34:28Perfekt für Trauben.
- 34:29Doch trotz der starken Regenfälle,
- 34:31entschied man sich auf Delheim bewusst gegen eine überhastete Lese,
- 34:35der alte Shenenblanc Weinberg,
- 34:37dessen Wurzeln tief in die Granitböden von Stellenbost greifen,
- 34:41zeigte seine Widerstandsfähigkeit.
- 34:43Während andere Produzenten ihre Traumbrutzeitig einholten,
- 34:46vertraute das Delheim-Team auf die natürliche Anpassungsfähigkeit der Reben.
- 34:51Und das zahlte sich aus.
- 34:53Denn die moderaten Temperaturen während des Regens bewahrten die Frische,
- 34:57sorgen für die perfekte Ballon zwischen Zucker und Säure.
- 35:00Und nachdem die Trauben behutsam geerntet wurden,
- 35:02begann das nächste große Abenteuer, die spontane Vergierung mit wilden Hefen.
- 35:07Und jeder, der damit schon einmal gearbeitet hat,
- 35:10oder das ausprobiert hat, weiß, wie unberechenbar das ist.
- 35:14Aber vielleicht vermittelt genau dieser Wein deshalb das Gefühl,
- 35:18nicht gezähmt worden zu sein,
- 35:20sondern seinen eigenen Weg zu finden und einfach frei zu sein.
- 35:23Vielen Dank für dieses geschmackvolle Wein-Erlebnis.
- 35:26Dem Hause Delheim, dem deutschen Importeur, dem Handelshaus Schlumberger.
- 35:31Ist es nicht erstaunlich, also gerade weil du vorhin sagst,
- 35:44dass ein Rebsort ist, die vor fünf Jahren kaum irgendeine Präsenz hatte,
- 35:47als ich in Wien das letzte Mal war,
- 35:49gab es überall Raufen runterfummen.
- 35:51Und in Deutschland schwappt das jetzt auch so langsam über,
- 35:54dass mit einmal da so ein fast ein Hype dafür entsteht.
- 35:57Der Formint habe ich das Gefühl,
- 35:59ein Channel Blanc mehr oder weniger abgelöst,
- 36:01in seiner Präsenzwahrnehmung, in seiner ...
- 36:04Und auch ähnliche Charakterzüge hat,
- 36:06beziehungsweise ähnliche Möglichkeiten, sich zu präsentieren.
- 36:09Er kann ja auch alles, er kann reif jung, kann süß, kann trocken, kann expressiv,
- 36:13kann geradell nicht frisch und strukturiert.
- 36:15Also daher eine Rebsort, die ganz, ganz viel Potenzial hat.
- 36:19Klar, die natürlich kapriziös war, um sie gesund zu ernten,
- 36:23weil sie eben extrem zur Portraitisbildung neigt.
- 36:26Auch da sind wir wieder bei dem Thema Klimaveränderung.
- 36:29Man sieht ja in Burgenland, das gibt immer weniger Jahre mit Portritis.
- 36:33Das ist ein Problem für die Süßweinproduktion.
- 36:37Aber natürlich spielt das dann der Erzeugung trockener Vormins in die Hände.
- 36:41Was bis in die 90er Jahre nur in drei von zehn Jahren möglich war,
- 36:45einen top trockenen Vormins zu erzeugen,
- 36:47weil man einfach viel zu früh Portraitis gekommen hat.
- 36:50Das heißt, Klimaveränderung hat da eben auch mal ne positive Seite.
- 36:56Und vormint gilt nicht umsonst als so in Anführungszeichen Erießing des Ostens.
- 37:01Da ist schon was dran, weil er eben diese Frische hat
- 37:04und ne Strafe-Struktur hat.
- 37:06Umgekehrt aber auf den vulkanischen Böden in Tokai auch so ganz geschmeidige,
- 37:12fast balsamische Weine hervorbringen kann.
- 37:14Also ne Sorte, die auch sehr vielseitig ist.
- 37:17Gibt es noch unentdeckte Regionen, die eine ganz eigene Zukunft haben?
- 37:21Also ist es vielleicht irgendwie kein Englisch-Norwegen, Nürnwegen, Uckermark, Sylt,
- 37:25was auch immer wieder irgendwie nebenbei in Belgien,
- 37:27die eben mit der Klimaveränderung jetzt vielleicht irgendeine Präsenz bekommen,
- 37:30ist es England?
- 37:31Ist es vielleicht dann doch irgendwie Indien-Tailand?
- 37:34Oder was interessiert dich da?
- 37:36Das auf keinen Fall.
- 37:37Also diese fernen Länder, glaube ich, sind ungeeignet, was einfach ein tropisches Klima ist.
- 37:42Aber es ist ja, ich brauche ja nur, ich fahre ja oft genug in die Champagne von hier aus.
- 37:47Wenn man über die Grenze fährt und fährt von Lodringen Richtung Mahn,
- 37:53da fährt man ja, man sieht das ja sehr schön,
- 37:55an den langen der Autobahnen, was für tolle kaltreiche Böden da vorhanden werden.
- 37:58Da gibt es ja kein Weinbau, da ist bisher nur Wald.
- 38:01Also wahrscheinlich werden sich die europäischen Weinregionen in 60, 70 Jahren ganz anders darstellen
- 38:09als heute, weil einfach ein paar etablierte Weinregionen auch im Zusammenhang mit den Rebsorten,
- 38:14die da angebaut werden, als weniger erfolgsversprechender Weisen,
- 38:18und andere werden natürlich gewinnen.
- 38:20Und im Norden Deutschlands gibt es sicher ein paar sehr, sehr spannende Ecken.
- 38:25Man muss halt gucken, passen die Böden, passen das Mikroklima
- 38:28und dann hat natürlich den Norden Deutschlands irgendwann auch tolle Perspektiven.
- 38:34Also wenn es in Schweden irgendwann ein erfolgreiches Weinbau gibt,
- 38:36dann gibt es auch in Norddeutschland erfolgreiches Weinbau.
- 38:39Ist das was du jetzt losgelöst von der Klimasituation mit Neugierde
- 38:44oder eher mit Wehmut betrachtest, dass du sagst, es ist ja schade,
- 38:47weil meistens wenn eins kommt, dann geht ein anderes?
- 38:50Ja, das macht es sehr spannend.
- 38:52Also unsere Geschichte ist nie auserzählt.
- 38:54Deswegen mache ich mir dann für unser Magazin auch keine Sorgen,
- 38:57weil es ja wirklich immer neue Themen gibt.
- 38:59Du sagst es, wer hat vor zehn Jahren über Fulment gesprochen?
- 39:03Gab es in Österreich keine zwei Hektar mehr?
- 39:06Das ändert sich alles und das gibt immer neue Stories.
- 39:10Und natürlich schaut man sich, wir hatten vor zwei Jahren
- 39:13eine große Verkostung, Saint-Réloire, also Pouffimé und Saint-Sère
- 39:18und waren ziemlich enttäuscht von den Souvenirs,
- 39:21weil einfach in warmen Jahren das zerfließt.
- 39:24Also der feste Kern fehlt, um wirklich ganz groß,
- 39:28als Wein da zu stehen.
- 39:30Sicher ein Verlierer in der Klimaveränderung.
- 39:33Also Souvenir Loire auf Weltklasse Niveau geht heute nur noch
- 39:37in drei von zehn Jahren.
- 39:39Und dann stand auf dem Nachbattisch fast ein bisschen stiefmütterlich.
- 39:43Wir hatten 60 Souvenirs da stehen und dann vielleicht ein Dutzend Pinos.
- 39:48Diese Pinos haben sich in der Qualität präsentiert,
- 39:51wie es im Begund heute kaum noch findet,
- 39:53weil nämlich da wird es für Pino zu warm.
- 39:55Also die Zukunft Saint-Réloire wird vielleicht der Spätbegründer sein
- 39:59und dann wird es ein Weltklasse Anbaugebiet werden für Pino Noir.
- 40:04Verändert sich halt immer alles, aber das ist okay so.
- 40:08Ist es für dich manchmal schwierig,
- 40:11nur 2% der gesamten Weinwelt zu betrachten,
- 40:14die mehr oder weniger auf dieses feinwein- oder handwerkliche
- 40:18Weinmaking hinausläuft und die 98 eigentlich Industriemasse
- 40:22entweder außen vorzulassen, manchmal auch vielleicht mit
- 40:26nicht so lobenden Auge zu betrachten oder dich da
- 40:29einseitig durch die Weinwelt zu bewegen?
- 40:31Naja, da ich 20 Jahre Weinwirtschaft gemacht habe,
- 40:33habe ich mich ja lang genug mit diesem Gesamtmarkt befasst
- 40:38und dann kenne den auch dann zumindest mal in den Ländern,
- 40:41die ich betreut habe, ganz gut.
- 40:44Ich glaube, es ist wichtig für uns in unserer Bubble,
- 40:50in der wir jetzt sind, zu wissen, dass es nur 2%, 3%,
- 40:53das Weinmarkt ist über die wir hier reden,
- 40:56dass da halt noch ganz viel anderes mit dabei ist.
- 40:59Und wenn man, wie ich jetzt hier in der Falsse lebt
- 41:01und sieht den Alltag mit den Weinfesten und so,
- 41:04da sieht man ganz klar die Weinrealität der Leute,
- 41:07die sich jetzt nicht ernsthaft für Wein interessieren,
- 41:10sondern halt nur gerne am Wochenende auf den Weinfest gehen
- 41:13und mit ihren Kumpels da shoppen trinken, ist eine andere.
- 41:16Das muss man einfach wissen.
- 41:18Und wie da Winzer hat eben die Wahl, wo er sich orientiert,
- 41:22das ist klar.
- 41:24Und gelegentlich ist es auch übergreifend,
- 41:26dass auch im Winzer der anständigen Qualitäten produziert,
- 41:29halt im einfachen oder maschinen gelesenen Segment
- 41:32Trinkweine produziert und versucht da aber trotzdem
- 41:35eine gewisse Handwerklichkeit im weitesten Sinne
- 41:37oder eine Individualität mit einem Tag zu legen.
- 41:39Wobei die wirklich erfolgreichen Weingüter sich früh oder später
- 41:45für einen Weg entscheiden.
- 41:46Entweder ich mache ganz clever und smart sehr gute Marken,
- 41:50ich gehe mal in die Fals, Beispiel Schneider oder Hamel
- 41:55oder solche Leute, die machen das Top und erreichen damit
- 41:59ein relativ breites Publikum,
- 42:01machen die Leute glücklich am Wochenende,
- 42:03wenn die ihren BBQ anschmeißen.
- 42:05Und dann gibt es andere Weingüter, die gehen klar
- 42:07in die handwerkliche Richtung.
- 42:09Und dann ist aber irgendwann auch der Punkt erreicht,
- 42:11wo auch der Gutswein ein gewisses Niveau hat,
- 42:14weil einfach die Leute nicht zwei Seelen in ihrer Brust haben.
- 42:20Also entweder ist man, committet man sich zu dieser
- 42:24handwerklichen Ausbauweise und Arbeitsweise auch im Weinberg,
- 42:28dann hat man aber für alle Weine niedrige Erträge
- 42:31und muss für alle Weine auch entsprechend mehr Geld verlangen.
- 42:34Also jemand, der Gutswein beim Vollernte erntet
- 42:37und die Lagen biodynamisch macht,
- 42:40das ist nicht glaubwürdig für mich.
- 42:42Das ist wie, es war ja gerade ein Paris und Bordeaux
- 42:46hat ja echt zu kämpfen als Weinbauregion.
- 42:49Da hat sich eine Gruppe junger Winzer auf einem Boot,
- 42:56auf der Säen präsentiert.
- 42:58Und das sind oft wirklich tolle, junge, engagierte Betriebe
- 43:03aus wenig prestigreichen Teilen von Bordeaux.
- 43:08Und das macht wirklich Spaß.
- 43:10Es ist erfrischend, die Weine zu probieren,
- 43:12aber dann sind da ein paar Leute dabei,
- 43:14die machen einen ganz klassischen Bordeaux
- 43:17und einen in Anführungszeichen naturalen,
- 43:20indem sie ihn ohne Schwefel ausbauen.
- 43:22Das macht für mich keinen Sinn.
- 43:24Und man merkt dann den Wein anordnet,
- 43:26dass es nicht perfekt ist, weder das eine noch das andere.
- 43:28Also entweder ich gehe in die Richtung oder ich gehe in die Richtung.
- 43:32Auch nicht, wenn man es experimentell in irgendeiner Form probiert
- 43:35und das dann irgendwie präsentiert,
- 43:37sondern das ist dann irgendwie nur halbfisch, halbfleisch.
- 43:40Also meine Erfahrung, um bei diesem Beispiel zu bleiben,
- 43:46bei diesem Abend, die Gutenweihe ohne Schwefel waren,
- 43:50die insgesamt in die Richtung gingen.
- 43:53Ist das für dich manchmal eine Gratwanderung,
- 43:56dass du über eine Sache reden, diese präsentieren möchtest
- 43:59und dann aber dein Verantwortungsbewusstsein,
- 44:03dass man nicht irgendwie, also es ist ja manchmal im Doral Zommi,
- 44:06dass man, nehmen wir ein Thema, Piwis zum Beispiel,
- 44:09da vielleicht selber begeistert sind ein, zwei Beispiele haben
- 44:12oder probieren durften.
- 44:14Und dann aber vielleicht drüber nachdenken,
- 44:16soll ich das jetzt wirklich so hochloben,
- 44:18kann ich das wirklich so prognostizieren,
- 44:20kann ich die Leute auch damit schon fokussieren, manipulieren,
- 44:22dirigieren oder was auch immer.
- 44:25Oder soll ich da meine Euphorie vielleicht ein bisschen eingrenzen,
- 44:28was ihr dann wahrscheinlich als Schreiben ist,
- 44:30und das ist ja auch so, wenn ihr es hoch schreibt,
- 44:32dann kann es ganz schnell ein Trend werden.
- 44:35Da bin ich relativ pragmatisch.
- 44:37Sobald ich den ersten Piwi probiere, den ich als Weltklasse war
- 44:40und ein Empfinde, werde ich den feiern.
- 44:43Solange das nicht der Fall ist, werde ich das mit Interesse beobachten,
- 44:47aber es eben beobachten.
- 44:49Das Thema Piwi wird kommen,
- 44:52aber noch nicht mit den Rebsorten, die es bis heute gibt.
- 44:55Auch im Feinweinbereich?
- 44:57Ich traue den Wissenschaftlern zu, Rebsorten zu entwickeln, die das können.
- 45:02Das sind noch nicht die Rebsorten, die jetzt im Moment angebaut werden.
- 45:06Die wurden entwickelt, ich sag mal, in den 90er-Nulerjahren,
- 45:11die Rebsüchtung bis das zugelassen ist und so weiter,
- 45:13das dauert ja ewige Zeiten, die wurden noch mit einer ganz anderen Idee entwickelt,
- 45:18aromareiche, intensive, stoffige Rebsorten zu züchten.
- 45:23Das ist ja gar nicht das, was wir heute brauchen.
- 45:25Wir brauchen keinen superaromatischen Piwiwein.
- 45:28Ich rede ja von unserer Bubble, ich rede das nicht vom einfachen Markt,
- 45:32sondern wir brauchen ja eigentlich Weinen, die das Terror transportieren,
- 45:36die sich eher aromatisch ein bisschen zurücknehmen,
- 45:39wenn man jetzt zeitgemäße Weine machen will.
- 45:42Und diese Piwi-Sorten sind noch nicht am Markt, aber die kommen,
- 45:45ich bin sicher, die sind schon in der Erprobung.
- 45:47Und ich warte darauf.
- 45:49Und wenn ich einen finde, der großartig ist, dann wird er entsprechend auch gefeiert.
- 45:52Wenn man die Tiefse nicht oder fachlich kann, kann man so was bearbeiten.
- 45:55Also jetzt auch im Zombie-Magazin, wie du das richtig ...
- 45:57Das ist so schön. Bei uns kannst du eigentlich so tief gehen, wie du willst.
- 46:00Also ich traue unserer Zombie Bubble zu, dass sie das schon verfolgt und versteht.
- 46:06Also ganz klar. Das sind ja auch viele dabei, die regelmäßig bei Weingütern mitarbeiten.
- 46:12Man hat es ja bei der Pandemie sehr schön gesehen, wie viele Someliers
- 46:15auf einmal auf irgendwelchen Weingütern reden geschnitten haben.
- 46:18Die wollten die gar nicht mehr.
- 46:20Das ist zu viel.
- 46:22Ja, das ist super. Also das gehört dazu.
- 46:24Aber deswegen ist da schon ein gewisses Know-how vorhanden.
- 46:27Wir können uns da voll aus tomen. Also das volle Nerdprogramm.
- 46:33Wenn du da um den Bogen zurück zur spannenden Restaurant bist,
- 46:35was brauchst du an Service? Was für dich eine Grundvoraussetzung?
- 46:38Du bist ja ja nochmal ganz anders erfahren, wer ihr auch Wettbewerbe durchführt
- 46:42und du ja nochmal einen anderen Fokus und einen Blick darauf hast.
- 46:44Einfach um die Grundlagen des Handwerks auch weist.
- 46:48Also ich erwarte mir jetzt da keinen perfekten Service im Sinne eines Somelierwettbewerbs,
- 46:54weil das schon eher eine formelle Geschichte ist.
- 46:57Ich erwarte mir einen sympathischen, lockeren, freundschaftlichen Service.
- 47:02Jetzt nicht eine falsche Kumpagnei oder so, aber das soll entspannt,
- 47:09einfach vonstatten gehen, kompetent und entspannt.
- 47:12Aber ich erwarte mal natürlich ein schönes Glas, also ein schönes Glas im Sinn
- 47:16von ein gutes, funktionelles Glas, das auch eventuell dann möglichst zu dem Wein passt
- 47:21und dass die Weine in einer guten Temperatur serviert werden.
- 47:26Das sind ja alles Dinge, die sollten selbstverständlich sein.
- 47:29Was ist eine gute Temperatur?
- 47:30Ist es die Temperatur, die der Somelie aussucht?
- 47:33Oder ist es die Temperatur, die dem allgemeinen Trinkverhalten
- 47:36oder dem Trinkwunsch des Gastes entspricht?
- 47:38Na ja, das Somelie muss ja eine Idee haben, wenn er jetzt ein gewissen Wein serviert.
- 47:43Und dieses Beispiel von eben mit dem Trousseau, der wurde natürlich in der Temperatur serviert,
- 47:52wie ein weißer Burgunder, also sprich 12 Grad, 13 Grad.
- 47:57Das muss natürlich das Somelie dann auch so umsetzen.
- 48:01Wenn dann jetzt der Gast sagt, ja, ich trink Rotwein gerne bei 18 Grad,
- 48:05dann muss er eben halt erklären, dass dieser Wein gekühlt serviert gehört.
- 48:12Oder leicht gekühlt serviert gehört, aus dem und dem Grund,
- 48:17damit er seine Vorzüge zur Geltung bringen kann.
- 48:20Das umgekehrt bei gewissen Weisweinen, wenn wir jetzt strukturreiche Weisweine
- 48:25mitten auf einen Gabsstoffstruktur beispielsweise haben,
- 48:29dann können die natürlich nicht bei 6 Grad serviert werden,
- 48:32weil dann schmeckt der Wein natürlich noch nichts.
- 48:35Also da ist natürlich dann der Somelier oder die Somliere gefordert,
- 48:40um am Gast zu erklären, warum das so ist.
- 48:43Und das ist ja dann auch was, was ein Aufnahmebereiter Gast mit nach Hause nimmt.
- 48:49Der denkt dann vielleicht im ersten Moment, sagt er, na, ich hätte aber trotzdem gern warm oder kalt gehabt.
- 48:54Aber wenn er dann zu Hause ist, wird er vielleicht mal drüber nachdenken
- 48:58und vielleicht zu Hause auch mal ein bisschen rumprobieren.
- 49:01Ich bin sicher jemand, der Rotwein gerne tendenziell deutlich kühler trinkt,
- 49:06als wenn man so eine Malerweise so kriegt.
- 49:09Findest du es gut, wenn man den Gast mit in die Verantwortung nimmt
- 49:12und das mit ihm abstimmt, also sprich, wenn man fragt,
- 49:14sollen wir den Wein so oder so, also kalt oder warm servieren,
- 49:17sollen wir einen großen oder kleinen Glas nehmen,
- 49:19sollen wir den Wein dekantieren oder nicht, oder Lüften oder nicht lüften,
- 49:22oder bin ich der Fachmann, entscheide und my way or highway?
- 49:27Also wenn der Gast einen Wein von der Weinkarte bestellt,
- 49:31dann würde ich ihn nachfragen, wie er ihn haben will.
- 49:34Wenn ich ein Wein in der Weinbegleitung habe,
- 49:38dann muss ich ihn so servieren, wie ich das versinnvoll halt,
- 49:40weil dann das Pairing soll ja funktionieren.
- 49:43Also in dem Moment muss er so serviert werden, wie es der Sommelier sich gedacht hat.
- 49:47Aber wenn ich jetzt als Gast ein Wein von der Karte bestelle,
- 49:50dann kann ich natürlich fragen, ja, wollen sie den Wein gern dekantiert
- 49:53oder bla bla bla, gern noch mit einer Empfehlung nach dem Motto,
- 49:57also ich würde das so und so machen, aber wir können,
- 50:00dass sie möchten großes Glas oder Karaffe oder das wäre natürlich perfekt.
- 50:05Bist du Glas-Eikel? Also dass du sagst, ich habe diesen Grundanspruch
- 50:09an Gläser, Mundgeblasen, nicht Mundgeblasen, die soll's ein Brand sein, kein Brand,
- 50:13soll's immer das richtige Glas sein, oder lässt du dich darauf ein,
- 50:15nimmst du zwei, drei Gläser für einen Wein oder ist dir das zu viel Überbruch?
- 50:19Glas ist ein Höllenthema, weil das so entscheidenden Einfluss hat.
- 50:25Also das kann man gar nicht wichtig genug einschätzen.
- 50:31Ich habe fürs Champagner-Magazin vor ein paar Jahren mal eine Story gemacht,
- 50:35als auf einmal alle möglichen Glasfütten neue Champagner-Glas-Serien auf den Markt brachten.
- 50:39Zufälligerweise oder auch nicht, keine Ahnung, brachten fast alle auf einmal
- 50:43neue Champagner-Gläser raus. Dann hatte ich zehn verschiedene Champagner-Gläser
- 50:48vor mir stehen und habe dann, ich probiere fürs Champagner-Magazin auch immer
- 50:52alle möglichen neuen Champagner, die erstmals oder mit einem neuen Jahrgang auf den Markt kommen.
- 50:57Ich habe dann angefangen, diese Champagner aus diesen verschiedenen Gläser zu probieren.
- 51:01Ich wusste irgendwann ziemlich genau, welches Champagner-Glas für welchen
- 51:05Champagner-Typ funktioniert und auch was mir persönlich, es ist ja auch immer
- 51:09eine persönliche Geschmackssache, dann gefällt oder nicht gefällt, aber ich wusste nicht mehr,
- 51:13wie ich den Wein bewerten soll, weil der in dem einen Glas top war
- 51:16und im anderen Glas katastrophal, oder ist das ein bisschen übertrieben formuliert,
- 51:20sagen wir durchschnittlich. Und habe mich dann wieder besseren Wissens irgendwann entschieden,
- 51:26aus vorbei zum Verkosten nehme ich jetzt diese zwei Gläser und es war es.
- 51:31Mit dem Wissen, dass bestimmte Champagner vielleicht mit einem anderen Glas
- 51:35noch besser zur Geltung gekommen wären. Aber dann müsste ich ja bei jedem Wein,
- 51:39den ich vorstelle, dazuschreiben, verkostet aus diesem Glas.
- 51:42Das wäre eigentlich die Konsequenz aus dem Ganzen.
- 51:45Wird wahrscheinlich unsere Leser irgendwann ein bisschen nerven und wird uns auch etwas
- 51:49Platzkosten im Magazin, aber ja, im Endeffekt läuft es doch auf hinaus.
- 51:54Wäre eigentlich fast optimal, aber dann glaube ich oftmals auch nicht nachvollziehbar
- 51:58beziehungsweise für euch ja auch nicht realisierbar. Wie viel Wein probierst du
- 52:01um ja ungefähr? 4.000.
- 52:03Ungefähr, wow, mal so überschlagen ja.
- 52:06Und wie viel wären für dich pro Tag machbar, wenn du es unterbrichst?
- 52:11Du bist ja schon extrem professionell verantragt.
- 52:14Ja, aber ich bin ja auch schon ein bisschen älter inzwischen.
- 52:17Also, ich habe, glaube ich, vor zehn Jahren hätte ich mehr zugetraut,
- 52:24150 Weine am Tag richtig seriös zu verkosten.
- 52:30Und heute würde ich sagen, das sind 100 gute Hundert, die ich noch schaffe.
- 52:35Was ja auch viel ist.
- 52:37Ja, mit Training geht es dann schon, aber es wird tendenziell natürlich weniger.
- 52:41Also, würde es weniger, wenn man weniger verarbeiten kann,
- 52:44oder wenn man selber akribischer ist oder vielleicht ein wenig mehr
- 52:47Augenmerk auf den Wein legen muss, wenn man vielleicht auch eine andere Verantwortung
- 52:51mittlerweile hat, also, weil das dein Wort ein anderes ist, als vielleicht vor zehn
- 52:54Jahren, wo du den Wein bewährt hast.
- 52:57Es ist beides. Einerseits hat man viel im Hintergrund abspielen,
- 53:02wenn man Wein probiert, weil man vielleicht weiß, was sich der Winzer dabei gedacht
- 53:09haben könnte und hat ein paar vergangenen Jahre, die dann ins Gedächtnis kommen
- 53:17und man denkt drüber nach, was man vor ein paar Jahren über ein Wein geschrieben hat
- 53:20und wie er sich dann wirklich entwickelt hat.
- 53:22Man lernt die da auch immer dazu.
- 53:24Wir verkosten die Weine ja oft jung und dann probiert man sie vielleicht fünf
- 53:26Jahre später wieder und sagt, yes, alles richtig gemacht.
- 53:29Oder man sagt, oh, hätte ich das gekommen sehen, hätte ich den Wein anders bewertet.
- 53:33Also, und das spielt sich natürlich auch im Hintergrund ab, wenn ich jetzt ein Wein
- 53:37probiere und sage, wow, das erinnert mich an den und den Jahrgang.
- 53:40Den haben wir damals vielleicht zu schwach bewertet und im Nachhinein stehen die
- 53:44Weine sehr guter oder umgekehrt.
- 53:46Weine, die man gefeiert hat und gemerkt hat, der Jahrgang ist nicht gut gereift.
- 53:50Also, das klar, man denkt mehr nach, das macht es etwas langsamer,
- 53:55aber ich glaube einfach auch, dass die Sensorik schon irgendwann etwas nachlässt.
- 54:02Man wird nicht feiner in der Sensorik, sondern man wird abgestuft durch die.
- 54:05Man wird ja auch empfindlicher.
- 54:07Also, ich habe immer gelächelt über Menschen, die gesagt haben, Säure.
- 54:11Ich dachte, Säure kann gar nicht zu viel sein.
- 54:13Säure ist großartig.
- 54:15Inzwischen ist es auch.
- 54:16Eine Lieblingtag.
- 54:17Okay, man muss da schon mit Bedacht an die Sache rangehen.
- 54:20Also, Jahrgang 21, da haben einfach viele Winzer in Deutschland das mit der Säure
- 54:25übertrieben.
- 54:26Nach Jahren mit wenig Säure haben es alle gefeiert und gesagt,
- 54:29yes, endlich kann ich mal wieder aus den Vollen schöpfen
- 54:32und haben Staubtrockenerieslinge mit neun Volumen pro Zenseure erzeugt.
- 54:36Das ist beeindruckend, das zu probieren.
- 54:39Aber es ist nicht schön, eine ganze Flasche davon zu trinken.
- 54:42Oder eben 100 Beine durchzupfen.
- 54:45Also, die Schmerzen kann man nicht in Worte kleiden.
- 54:47Blind oder offen?
- 54:49Das ist ja so eine Kretchenfrage mehr oder weniger.
- 54:52Ich bin ein ganz klarer Verfechter von offen.
- 54:55Ja, inzwischen.
- 55:01Früher blind.
- 55:03Das ist jetzt vielleicht ein Stück überheblich, mir anzumaßen, neutral zu sein.
- 55:10Natürlich kenne ich viele Winzer seit Jahren.
- 55:13Aber ich finde es auch immer spannend zu sehen Hoppler.
- 55:18Das hat man nie geschmeckt und das ist auf einmal gut.
- 55:21Ich bin dann, glaube ich, jetzt niemand, der sagt,
- 55:24der kann jetzt keine 95 Punkte kriegen, weil der war nie gut.
- 55:27Also, das würde ich mir schon zusprechen, dass ich da offen genug bin.
- 55:33Und da umgekehrt ein Winzer, den ich jahrelang großartig fand,
- 55:37dann bin ich auch in der Lage zu sagen, die Kollektion passt in dem Jahr nicht.
- 55:40Und ja, also insofern mit dieser Voraussetzung ist offenverkosten besser,
- 55:48weil man einfach zum Beispiel die Lage sieht und dann einfach auch abschätzen kann,
- 55:56ob das zu der Lage jetzt passt, ob das in Wein drückt ja oft,
- 56:01eine gewisse Kalkigkeit zum Beispiel aus oder eben den Schieferboden.
- 56:05Und dann ist es schon gut zu wissen, von welcher Lage der Wein stammt.
- 56:10Bin ich ganz über bei dir?
- 56:11Also ich liebe Blindverkostungen, ich liebe auch diese Blindverkostungen,
- 56:14die du immer gemacht hast beim Summit, die teilweise ganz, ganz überraschen waren.
- 56:19Und wo der vorhin genannte Marco Franzlin für mich einer der größten Weinerkennah war.
- 56:25Also der reingerochen hat und den Wein einfach genagelt hat aus dem Nichts heraus,
- 56:28wo ich mir dachte, woher weiß der das?
- 56:30Und Blindverkostung ist für mich einfach immer so ein Self-Proof,
- 56:34das ist immer so ein, wo man sich selber so ein bisschen einordert
- 56:37und guckt, worauf achtet man wirklich.
- 56:39Es geht auch gar nicht so darum, den Wein wirklich zu nageln,
- 56:42einfach die einzelnen Gegebenheiten des Weines zu greifen,
- 56:45wenn man Wein aber wirklich bewertet.
- 56:47Dann würden bei einer Blindverkostung, finde ich, immer nur diese vordergründigen Dinge.
- 56:51Irgendwo gewinnen, weil ich habe drei Minuten, wenn es hoch kommt fünf Minuten,
- 56:56wenn ich mir ganz viel Zeit nehme, zehn Minuten für ein Wein.
- 56:58Aber wenn ich um die Machart des Hauses weiß oder des Winzers,
- 57:02die Lage, die Rebsorte nochmal ganz anders, dann kann ich weiterführend betrachten,
- 57:07wie der Wein sich vielleicht in der Stunde entwickelt
- 57:09und kann ihn ganz anders benoten und fairer benoten in dem Sinne.
- 57:13Ich denke, das wichtige Unterscheidungskriterium ist Wettbewerb.
- 57:18Das muss blind sein.
- 57:20Da führt kein Weg dran vorbei.
- 57:22In dem Moment, wo es sich um einen Wettbewerb handelt,
- 57:24ist es eine Blindverkostung.
- 57:26Oder um eine redaktionelle Geschichte, eine rein redaktionelle,
- 57:29wo ich ja auch drüber schreiben will, wie sich die Winzer-Handschrift verändert.
- 57:34Das kann ich ja nicht, wenn ich die Weine blind probiert habe,
- 57:36weil dann kann ich mich nachher nicht mehr erinnern,
- 57:39wenn ich 200 Rieslinge in Wiesbaden probiert habe.
- 57:41Erst nachher sehe, von wem war der,
- 57:44krieg ich das nicht mehr zusammen sortiert,
- 57:46weil die Weine kommen ja auch nicht am Block,
- 57:48sondern da kommt ja die eine Lage mit denen, wenn die Lage an der Reihe ist,
- 57:53und dann kommt eine andere Lage, vielleicht drei oder vier,
- 57:55vielleicht später vom gleichen Winzer.
- 57:57Ich kann dieses Bild nicht mehr zusammenfügen.
- 58:00Also, um dann sinnvolle Dinge zu schreiben,
- 58:03nach dem Motto also, es ist aufgefallen,
- 58:06dass es Weingut XY jetzt ein feinere Handschrift hat
- 58:11oder ein bisschen mehr mit Gerbstoff arbeitet
- 58:13oder offensichtlich mit Säureabbau beispielsweise agiert
- 58:18oder Holzfässer einsetzt, was es vorher nicht getan hat.
- 58:20Das kann ich ja nur, wenn ich es auch offen verkoste.
- 58:23Ich beispielsweise liebe es privat, immer blind zu verkosten.
- 58:28Bei uns zu Hause ist abends immer die Frage,
- 58:30wer geht in den Keller, du oder ich, also meine Frau oder ich,
- 58:34und der andere verkostet selbstverständlich den Wein blind.
- 58:37Oder auch wenn wir Gäste haben,
- 58:39die kommen ja meistens irgendwie aus der Winzer- oder Sammelierwelt,
- 58:42es ist eigentlich auch immer blind,
- 58:44weil man dann auch viel dabei lernt,
- 58:46aber das ist ja auch kein Bewerten, es ist dann für mich ein Lernen.
- 58:49Also, dann verkostet ich total gern blind.
- 58:51Aber wenn ich drüber schreiben soll,
- 58:53es ist wichtig, mit allen Informationen ausgestattet zu sein.
- 58:56[Musik]
- 59:12Er hat bei Bresco großgemacht.
- 59:14Er hat den italienischen Weinbau revolutioniert
- 59:17und seit einigen Jahren zeigt er
- 59:19der gesamten Welt,
- 59:20dass die Marrema der neue Hotspot für Spitzenweine ist.
- 59:23Ich glaube jeder von euch weiß, um wen es geht.
- 59:26Mit seinem Promise 2022
- 59:28füllte er keinen gewöhnlichen Hoskarnerwein,
- 59:31er füllte einen Statement in die Flasche.
- 59:34Kraftvoll, elegant und so verdammt gut,
- 59:37das nahezu jeder Weinfreak ausrastet.
- 59:39Und wer dachte, dass Supertaskens schon durchgespielt sind,
- 59:43hat diesem Wein auch nicht probiert.
- 59:45Um das Haus Gaia zu verstehen, hilft die Geschichte.
- 59:48Denn diese zwei ein gutes Gaia beginnt bereits im Jahr 1859,
- 59:51als Giovanni Gaia im Barbarresco
- 59:53den Grundstein des Fundament für dieses Weingut legte.
- 59:56Mit nur zwei Hektarätfläche begann er,
- 59:59Weine zu produzieren, die in der eigenen Taverne ausgeschenkt wurden.
- 1:00:03Diese bescheidenen Anfänge waren der Startschuss
- 1:00:06für einen der bedeutendsten Wein-Dynastien Italians.
- 1:00:10In der zweiten Generation setzten Angelo Gaia
- 1:00:13der Großvater des heutigen Eigentümers
- 1:00:16und seine Ehefrau Clotilda Re,
- 1:00:19wichtige Impulse für die Qualitätsphilosophie des Hauses.
- 1:00:23Vor allem letztere Drang darauf, die Firmpolitik so auszurichten,
- 1:00:27dass eine hohe Qualität und ein hohes Preisniveau erreicht werden,
- 1:00:31um die gewünschte Kundschaft an das Haus zu binden
- 1:00:34und das Prestige des Produkts zu festigen.
- 1:00:37Der Enkel des Filmengründers Giovanni Gaia
- 1:00:40setzte diese Tradition fort und erweiterte das Weingut
- 1:00:43durch den Zughauf erklasslicher Lagen im Barbarresco-Gebiet.
- 1:00:47Sein Sohn Angelo Gaia trat 1961 in die Fußstapfen seiner Vorfahren
- 1:00:54und führte das Weingut mit einer Vision in die Moderne.
- 1:00:58Er wollte die Qualität der piemontäzischen Weine
- 1:01:01auf ein neues Niveau heben und sie international etablieren.
- 1:01:06Angelo Gaia führte zahlreiche Innovationen ein,
- 1:01:09die den italienischen Weinbau und der Gänze revolutionierten.
- 1:01:13Er experimentierte mit internationalen Rebsorten,
- 1:01:16Ausbau in Barriks ein und legte Wert auf niedrige Erträge
- 1:01:20zur Steigerung der Traubenqualität.
- 1:01:22Seine Entscheidung, insbesondere die Pflanze von Carpanese
- 1:01:25auf Neon in traditionellen Nebiolo-Lagen,
- 1:01:28wurde zunächst kontrovers diskutiert bis zu Abscheut.
- 1:01:31Er wiesen sich jedoch als Wegweisend für die Modernisierung
- 1:01:35des italienischen Weinbaus.
- 1:01:37In den 1990er Jahren wagte Angelo Gaia den Schritt
- 1:01:40über die Grenzen des Piemonts hinaus
- 1:01:43und er war Weingüter der Toskana, darunter das Weingut Kamakanda
- 1:01:47in der Marrema.
- 1:01:49Hier setzte er seine Philosophie vor Tradition und Innovation
- 1:01:52zu verbinden und schuf Weine,
- 1:01:54die die Einzigartigkeit des Toskanischen Terroirs widerspiegeln.
- 1:01:58Als er 2010 die Leitung der Weingüter an seine Töchter Gaia
- 1:02:02und Rosana übergibt, hat der nahezu alle Ehrungen
- 1:02:06der Weinwelt erhalten, die es so gibt.
- 1:02:08Der Promise 2022.
- 1:02:11Es ist eine meisterhafte Küwe aus Merlot, Zyra und Sanctevese.
- 1:02:15Jede dieser Rebsorten bringt ihre eigene Charakteristik
- 1:02:19an den Wein ein.
- 1:02:20Der Merlot verleiht den Wein Fülle,
- 1:02:22Weichheiten erhoben, die an Reife und rote Früchte erinnern.
- 1:02:26Der Zyra bringt Würze, Tiefe und Noten von dunklen Bären
- 1:02:31sowie eine robuste Struktur des Sancteveses
- 1:02:35als traditionelle Toskanische Rebsorte,
- 1:02:38bringt frische Lebendigkeit und die zarte Kirschnote hinzu.
- 1:02:42Der Promise 2022 unterscheidet sich
- 1:02:44von anderen Toskanischen Wein durch mehrere Faktoren.
- 1:02:47Zum einen das Tiroir der Marremma,
- 1:02:50die Nihil zum tyränischen Meer
- 1:02:52und die mineralreichen Böden
- 1:02:54verleihen dem Wein eine besondere Frische und Tiefe.
- 1:02:58Die Kombination aus präziser Weinbereitung,
- 1:03:00zum Beispiel dem Vergärren in Edelstalltanks,
- 1:03:03der separat der Ausbau der einzelnen Rebsorten,
- 1:03:06der 12 Monate Gebarik ausbau
- 1:03:08und die moderne Interpretation
- 1:03:10im Gegensatz zu klassischen Supertaskens,
- 1:03:13die oft auf Kabanis aufmion basieren,
- 1:03:15die oft monströs imposant ausladen sind
- 1:03:18und nicht selten einseitig orientiert Finesse vermissen lassen,
- 1:03:21schafft es dieser Wein eine ganz eigene Identität darzustellen,
- 1:03:25eine Identität, die trotz allen sinnbildlich für die Toskana
- 1:03:29und für die Rebsorten Zanctevese,
- 1:03:32Zyra und Merlot stehen.
- 1:03:34Der Schritt in die Marama, der Schritt in die Toskana war definitiv ein großes Wagnis.
- 1:03:38Ist nicht das Klima, sind nicht die Böden so gänzlich anders
- 1:03:41als im vertrauten und gewohnten Piedmont.
- 1:03:44Doch es zahlte sich aus.
- 1:03:46Und letztlich wird die Aussage eines berühmten Journalisten bestätigt,
- 1:03:50Angel LoGayer spielt nicht, er herrscht.
- 1:03:53Während anderen noch über Traditionen reden, schreibt er längs Geschichte.
- 1:03:57Barbaresco revolutioniert.
- 1:03:59Supertasken neu definiert.
- 1:04:01Und jetzt gehört die Marama ihm.
- 1:04:04Und der Promis 2022 ist der Wein, der das der gesamten Welt beweist.
- 1:04:09Wer diesen Tropfen probiert, versteht sofort, das ist nicht einfach ein Wein, das ist Gayer.
- 1:04:14Vielen lieben Dank dafür.
- 1:04:16Noch ein großes Dankeschön, dem deutschen Importeur, dem Handelthaus Segnetz.
- 1:04:30Wiesbaden ist ja ein ganz großen Event letztlich im Jahr
- 1:04:33und in Deutschland für den deutschen Wein.
- 1:04:36Du oder ihr habt ein weiteres ins Leben gerufen, Finest, ein 100,
- 1:04:41das jetzt seit 708 Jahren gibt.
- 1:04:44Eigentlich schon die Prestige-Wein-Messe in Deutschland schlechthin.
- 1:04:48Beziehungsweise natürlich auch euer Champagner-Event in München,
- 1:04:51was es seit 3 oder 4 Jahren gibt.
- 1:04:54Hattest du jemals ein Vorbild für all diese innovativen Gedanken,
- 1:04:59die du eigentlich in der deutschen Wein-Szene etabliert hast
- 1:05:02und eigentlich für diese "Fine Wine World"?
- 1:05:06Das ist durch die Erfahrungen, die man über die Jahre sammelt, eigentlich entstanden.
- 1:05:11Also, das Finest 100, wie der Name schon sagt,
- 1:05:15versuchen wir ja dann 100 der besten Weltweingüter zusammenzubringen,
- 1:05:20ist eigentlich aus den Sommeliers heraus entstanden.
- 1:05:23Wir haben den Sommeliers-Sammit ja immer am Tag davor
- 1:05:25und ich habe beobachtet, nach ein paar Jahren haben die Sommeliers
- 1:05:29ja immer die gleichen Wein-Güter in der Falz besucht, naheliegenderweise
- 1:05:32und vielleicht noch im Angrenzenden Rhein-Hessen.
- 1:05:34Und irgendwann fing es dann an, dass alle irgendwie Touren gestrickt haben.
- 1:05:37Die einen sind auf dem Hinweg über die Mose gefahren,
- 1:05:39die anderen auf dem Rückweg über Baden und so weiter.
- 1:05:42Manche sind noch ins Begrund gefahren.
- 1:05:44Und dann habe ich gedacht, okay, wenn das jetzt so anfängt,
- 1:05:47dann lass uns doch einfach die Winzer herbringen,
- 1:05:49dann müssen jetzt nicht alle in alle Welt fahren,
- 1:05:52lass uns am Tag nach dem Sommeliers-Sammiten-Event machen,
- 1:05:56wo wir einfach es nutzen, dass die besten Sommeliers
- 1:05:59aus dem deutsch-barigen Raum, also aus Deutschland,
- 1:06:01der Schweiz, Österreich hier sind, und die Winzer stellen ihre Weine vor
- 1:06:05und wir machen einfach so einen Networking-Tag auf höchstem Niveau,
- 1:06:10dass man sich einfach austauschen kann, deswegen auch die limitierte Besucheranzahl
- 1:06:14von maximal 400.
- 1:06:17Und so ist Feindes 100 entstanden.
- 1:06:20Und die Champagner-Geschichte in München ist dann wiederum
- 1:06:24aus Feindes 100 hervorgegangen, weil es doch irgendwann immer mehr
- 1:06:29Champagnerbetriebe wurden.
- 1:06:31Wir waren dann irgendwann bei 12 oder 13 von 100.
- 1:06:34Und es war dann auch zu viel, weil es dann dazu geführt hat,
- 1:06:37dass alle Leute drei Stunden lang erstmal Champagner probiert haben,
- 1:06:40bevor sie sich um die restliche Weinwelt gekümmert haben.
- 1:06:42Und dann haben wir gesagt, okay, wir trennen das,
- 1:06:44wir machen einen Event für Champagner, eben 100 Prozent Champagner.
- 1:06:47Und sind bewusst auch in den Süden der Republik, weil einfach da
- 1:06:51auch mit dem Angrenzen Österreich und der Schweiz, die Champagner-Konsum
- 1:06:55Hochburgen sind, also nichts gegen Sylt und Berlin, aber
- 1:06:59und trennen das ein bisschen von Feindes 100.
- 1:07:04Und jetzt machen wir in diesem Jahr einen ganz großen Schritt
- 1:07:07und versuchen das erste Mal wirklich so High-End-Masterclasses anzubieten
- 1:07:12neben den normalen Tischen, wo man eben das normale Sortiment
- 1:07:17von den Weingütern und Champagnerproduzenten probieren kann.
- 1:07:20Gibt es jetzt eben so kleine Masterclasses limitiert auf zwei Leute,
- 1:07:25wo Vertikalen von besonderen raren Champagniern verkostet werden.
- 1:07:30Oder wenn ein Winzer wie Jackson beispielsweise Einzellagen anbietet,
- 1:07:35dann könnte man auch eine Horizontale machen von verschiedenen
- 1:07:38Einzellagen, Dinge, die man so nebeneinander einfach selten probieren kann.
- 1:07:41Das ist jetzt die nächste Entwicklungstufe.
- 1:07:45Du bist mit den Aufgaben dort reingewachsen, also Champagner bist du ja mehr
- 1:07:49oder weniger der Experte in Deutschland, also neben dir, dass du ja
- 1:07:52der Sommie-Experte bist, auch der Champagnierexperte durch
- 1:07:55Champagnier-Magazin seinerzeit, was du ja viele, viele Jahre begleitet hast
- 1:07:58und oder war das ein Wunsch, dass du gesagt hast, ich möchte gerne
- 1:08:03oder wie bist du zudem geworden?
- 1:08:06Es wäre ein Wunsch gewesen, war aber Zufall.
- 1:08:10Also ich war Mountainbiken mit Kumpels Ende der 90er Jahre in der Champagne,
- 1:08:16einfach weil mich das Gebiet interessiert hat, nicht noch nie da war.
- 1:08:19Warst du da schon in der Branche oder warst du noch BWL-Student?
- 1:08:22Da war ich noch Student. Und es war ein Jahr bevor ich bei Meininger anfing.
- 1:08:26Und kaum war ich bei Meininger, kam die Idee, ein Champagnier-Magazin zu kreieren.
- 1:08:31Damals initiiert vom Champagnierverband, weil in Deutschland damals
- 1:08:3620 Millionen Flaschen Champagnier verkauft wurden, heute 13.
- 1:08:39Aber zu einem Durchschnittspreis von, ich glaube, 17 Mark, also heute 8,50 Euro.
- 1:08:45Wie war die Gesamtproduktion damals? Heute sind es ja bei, glaube ich, 370 Millionen?
- 1:08:49Nein, die Gesamtproduktion sind so im Schnitt 300 Millionen Flaschen heute
- 1:08:54und damals waren es vielleicht 280. Also nicht viel weniger, weil die Fläche
- 1:08:59ist ja fast gleich geblieben. Nur sind die Ernten heute etwas stabiler als früher.
- 1:09:05Also insofern ist der Schnitt leicht gestiegen.
- 1:09:09Jedenfalls war das Image einfach nicht gut genug.
- 1:09:11Und Champagnier war zu billig. Und dann hieß es, wir brauchen ein Magazin,
- 1:09:14um den Leuten diese Sonderstellung des Champagniers bekannt zu machen.
- 1:09:19Und dann habe ich natürlich angefangen, mit meinem Halbwissen, mit den einfachsten Dingen.
- 1:09:24Also ich habe erst mal erklärt, dass es hauptsächlich 3 Rebsorten gibt.
- 1:09:28Chardonnay, Menyet, Pinot Noir und eben Winzer und Häuser und Genossenschaften
- 1:09:33und eben die großen Anbargebiete, Valais de Laman, Montagnes de Rence, Cote Blanc.
- 1:09:39Und so ging es dann step by step. Dann begann der Roseboom in der Champagne.
- 1:09:43Dann haben wir darüber geschrieben. Dann fing das mit den Winzer-Champagnan-Stärken an.
- 1:09:47Dann haben wir das mal beleuchtet und so weiter. Also das Magazin ist mit den Jahren
- 1:09:52natürlich dann professioneller geworden. Und heute ist es nach wie vor ein Highlight im Jahresverlauf.
- 1:09:58Also macht auch immer noch ein Video.
- 1:10:00Spaß. Es ist unfassbar, wie viele neue Champagner in Top-Qualität jedes Jahr neu auf den Markt
- 1:10:06kommen. Wir haben da irgendwann mal angefangen, ich glaube vor sechs oder sieben Jahren, so eine
- 1:10:11Rubrik neu auf dem Markt, wo wir geguckt haben, okay, welche Emporteur hat was neuem Sortiment?
- 1:10:16Man war das am Ende zehn neue Erzeuger bei drei bis vier einschlägigen Champagner-Emporteuren.
- 1:10:22Heute sind es, glaube ich, 30 bis 40 neue Erzeuger, die pro Jahr auf den deutschen Markt kommen, die
- 1:10:30natürlich alle nur kleine Mengen produzieren, sodass die Importmengen auch oft nur 60 bis
- 1:10:35vielleicht 240 Flaschen sind von diesem Erzeuger. Das heißt, es taucht in den offiziellen
- 1:10:42Statistiken gar nicht mal auf, weil das unter der Schwelle ist, die vom Zoll erfasst wird,
- 1:10:45aber das pusht natürlich die Vielfalt auf dem Markt enorm. Nur ist es im Moment noch so
- 1:10:51ein Insta-Phänomen, dass die Leute noch auf der Trophäenjagd sind. Also ich beobachte es so,
- 1:11:00es werden neue Labels gepusht von Meinungsführern oder Influencern, wenn man es so nennen will.
- 1:11:10Und dann gibt es eine große Champagner-Fangemeinde, die auf der Jagd ist, diese Lücken in der
- 1:11:15Kollektion zu fühlen. Die Kollektion wird damit gefühlt, dass man Foto von der Flasche gemacht
- 1:11:19hat und sie einmal getrunken hat. Diese Menschen bleiben aber dann nicht bei einem Champagner,
- 1:11:24der ihnen geschmeckt hat. Die suchen nicht danach, wow, das ist genau mein Profil,
- 1:11:28haken und ich kaufe mir 12 Flaschen. Nein, man sucht dann gleich der nächste Label,
- 1:11:34das noch fehlt auf der Liste. Und bin gespannt, ob das irgendwann umschlägt und dann auch
- 1:11:39ein Winzer ernsthaft mal dauerhaft profitiert, nämlich indem es Stammkunden gibt, die dann
- 1:11:43vielleicht jedes Jahr 12 Flaschen kaufen von diesem Champagner.
- 1:11:47Wie meinten meine Frage, ob es so was kontraproduktiv oder förderlich ist, also förderlich für
- 1:11:52die Vielfalten, für die Wahrnehmung, für die Ausmahnnehmung oder kontraproduktiv,
- 1:11:55wenn man halt mehr oder weniger nur einen Staffellauf absolviert, aber niemals diese
- 1:11:58ganze Strecke läuft.
- 1:11:59Das ist genau der Punkt. Also ich glaube für die Gastronomie ist es im Moment förderlich,
- 1:12:03weil die Weinkarten durch die Champagnerauswahl explodiert ist.
- 1:12:08Das ist faszinierend. Also auch für mich, du guckst auf die Champagnerauswahl in vielen
- 1:12:14Restaurants und denkst so, okay, den und die und den haben sich alle noch nicht getrunken.
- 1:12:19Das kratzt dann schon ein bisschen an der Ehre, aber ist auch ein Ansporn sich nicht zurück
- 1:12:25zu lehnen. Also einfach neugierig bleiben. In dem Moment, wo es einem zu mühsam wird,
- 1:12:30man denkt so, oh no, schon wieder ein neues Gesicht. Ich glaube, dann sollten wir aufhören
- 1:12:34damit.
- 1:12:35Geht der Trend da vielleicht? Also nicht in Pivisen, der erlaubt, aber nicht in Richtung
- 1:12:39Pivis, sondern vielleicht auch in Richtung der vier vergessenen Rebsorten, die jetzt
- 1:12:46vielleicht auch wieder eine andere Präsenz bekommen, aufgrund der Strafheit der Säurelastigkeit
- 1:12:50ja doch dann vergessen wurden oder jetzt nicht unbedingt Pino Gris, Pino Blanc, die
- 1:12:55ja dann doch schon auch da eher kontroproduktiv werden oder wohl in geht der Trend. Geht der
- 1:13:00Richtung vielleicht Therois, was ja, finde ich, nachdem so ab 90 bis 2005, 2010 oder
- 1:13:07ab 80, dass das Winemaking ja eigentlich perfektioniert wurde und wo es eigentlich nicht mehr weiter
- 1:13:13ging, diese Individualität mehr in Richtung Lagentypizität oder eben auch das verschiedene
- 1:13:18Regionen einzelne herausgearbeitet werden, nicht nur diese drei großen Benchmarkplayer
- 1:13:23gehen oder was, was kann man bei der Champagne erwarten betrachten, was magst du daran?
- 1:13:27Also Chardonnay, Pino Noir, Menier werden die drei Hauptrebsorten bleiben natürlich in
- 1:13:36der Champagne und da hat man ja auch, es gibt ja dieses Versuchsbeingut, Blümekoch, Inchouilly,
- 1:13:43wo der Champagnerverband auch noch ganz viele Klonen zum Beispiel von Pino Noir anpflanzt,
- 1:13:49die bisher gar nicht zugelassen sind, also die in den 70er Jahren irgendwann mal ausgeschlossen
- 1:13:53wurden, weil man gesagt hat, das bringt zu wenig Alkohol und zu viel Säure, aber die
- 1:13:59Rebsorten wurden konserviert, die stehen immer in so Plöcken von sechs Rebsorten, also sechs
- 1:14:04Stöcke in zwei Reihen, also drei, drei und werden da eben immer weiter gepflegt und die können
- 1:14:11natürlich eines Tages zugelassen werden, wenn man merkt mit den jetzigen Pino Noir Stöcken,
- 1:14:15kommt man nicht mehr weiter, weil es zum Beispiel zu früh reif wird. Also da hat die Champagne
- 1:14:20sehr, sehr, sehr gut vorgesorgt. Jetzt kommt ja eine neue Rebsorte, ist zugelassen, Chardonnay
- 1:14:25Rose, also eine quasi Mutation vom weißen Chardonnay, der halt so ein bisschen rote Traubenhaut hat und
- 1:14:34vielleicht da auch ein bisschen mehr Schutz bietet in gewissen Jahren, wird man beobachten. Die
- 1:14:40Grundweine, die ich da probieren durfte, haben sehr gut geschmeckt und die anderen angesprochenen
- 1:14:46Rebsorten sind ja Weißburgunder, Grauburgunder, also Pino Vray und Fromontot und die anderen zwei
- 1:14:51werden dann Abonne und Petit Mellier. Diese vier zusammen bilden einen Block von aktuell weniger
- 1:14:58als ein Prozent nach wie vor, obwohl die immer präsent auf dem Markt sind, weil viele Winzer eben
- 1:15:04in kleinen Mengen gewesen davon produzieren. Weißburgunder kommt sicher am stärksten,
- 1:15:09weil er so eine Art Frostschutz ist. Also er wird oft in Parzellen am Ende der Zeilen unten,
- 1:15:16am Hangfuß gepflanzt, um einfach in Spätfrostjahren, wo der Chardonnay Schaden nehmen würde,
- 1:15:23ein Weißburgunder zu haben, der einen anderen Austrieb hat und damit eben einen gewissen
- 1:15:27Schutz bietet, dass man nie eine ganze Parzelle verliert. Kein Winzer in der Champagne würde aber
- 1:15:32sagen, dass der Weißburgunder bessere Ergebnisse bringt als der Chardonnay. Also es ist eher so
- 1:15:36eine Risikomischung. Graubagunder spielen im Moment, erstaunlich viele mit rum. Mellier und Abonnen
- 1:15:44können spannend werden, weil sie einfach Säure in die Kühe mit reinbringen können, was in
- 1:15:50manchen Jahren ein Vorteil ist. Also sind nach wie vor heikle im Anbau beide, aber kommt immer öfter
- 1:15:58vor auch so gemischter Satz. So nachdem ist es ja so ein Konzept der Resistenz des Weinbergs. Also
- 1:16:05Widerstandsfähigkeit, indem man eine größere Mischung an einerseits genetik, andererseits
- 1:16:10Rebsorten hat, dass es dann nicht so krankheitsanfällig ist. Also das Thema gemischter Satz in der
- 1:16:16Champagne ist sicher sehr spannend. Also ja, da bewegt sich auch vieles. Was ist ein angemessener
- 1:16:23Preis für ein handwerklich erzeugten Champagner? In einem Verbraucherbereich. Also wenn ich da jetzt
- 1:16:28die ganzen Prestigekram oder wir haben da irgendwas, was auch die Berücksichtigung der
- 1:16:33kleinen Produzenten, die natürlich einen gleichen Kostenaufwand in der Produktion haben wie jemand,
- 1:16:37der das Sehenfahrer produziert. Aber so im Schnitt, was sollte man für Champagne ausgeben,
- 1:16:43damit man ein ekiges Bewusstsein dafür hat? Das Problem ist, dass handwerklich gemachte
- 1:16:52Champagner unter 40 Euro heute eigentlich in Nährungszukriegen sind. Also immer wenn ich
- 1:16:57nach Champagne bin, um irgendwas zu recherchieren, bitten mich normalerweise gute Freunde, bring
- 1:17:04mir doch was mit, wenn du was entdeckst. Das war bis vor zehn Jahren überhaupt kein Problem. Da habe
- 1:17:08ich gesagt, klar, ich kenne deinen Geschmack. Wenn ich einen Winzer treffe, der was im Programm
- 1:17:15hat, was dir schmeckt, kaufe ich das. Das kann ich in der Form heute gar nicht mehr machen, weil ich
- 1:17:20immer abfragen muss, was ist das Budget? Das war früher kein Thema. Da war dieser Mittelbau
- 1:17:24lag so um die 40 Euro. Der Einstieg war bei 30 oder knapp drunter. Die Top-Sachen waren eben dann
- 1:17:30drüber. Aber diesen Mittelbau konnte man dann so in dieser Preisklasse bis zu knapp 40 Euro
- 1:17:36oder knapp drüber kaufen. Dieser Mittelbau bei dem Weihengut kostet halt 60 und der Einstieg
- 1:17:4240. Und dann muss der Einstieg natürlich schon richtig gut sein, damit 40 Euro gerechtfertigt
- 1:17:47sein, weil das ist natürlich echt ein stolzer Preis. Da muss die Champagne schon natürlich
- 1:17:54ein Stück weit aufpassen. Andererseits ist die weltweite Nachfrage für diese 34.000 Hektar,
- 1:17:58die es gibt, so groß, dass sich das nach wie vor ausgeht. Und es eröffnet eben dann die Chancen
- 1:18:05in dieser Preisklasse um die 20, 25 Euro für gut gemachte Winzersekte. So, what? Tut der Champagne
- 1:18:12nicht weh und fördert die Vielfalt. Aber ist es eine Entwicklung, wie teilweise in der Gastronomie,
- 1:18:17dass man sagt, der Mittelbau bricht perspektivisch komplett weg, dass es halt eine sehr einfache
- 1:18:23Produktion auf der einen Seite geben wird und auf der anderen Seite der Prestige oder individuelle
- 1:18:27Rahmen oder die Mittelbau immer gibt? In der Champagne funktioniert das nicht, weil die Traubenpreise
- 1:18:32so hoch sind. Dadurch, dass der Traubenpreis über 7 Euro teilweise ja über 8 Euro liegt,
- 1:18:38gibt es diese einfache Produktion nicht. Weil das Produkt selbst, wenn man es einfachst produziert,
- 1:18:46dann 25 Euro kostet oder mindestens 20 Euro. Und die Leute, die einen ganz einfach gestricktes
- 1:18:52Produkt kaufen wollen, wollen keine 20 Euro ausgeben. Also der Markt funktioniert in der
- 1:18:58Champagne so nicht. Champagne geht nur über Exzellenz. Ganz klar. Also zumindest mal über
- 1:19:04gutes handwerkliches Niveau bis Exzellenz. Gibt es für dich Grenzen nach oben oder unten beim Wein?
- 1:19:10Also gar nicht beim Champagne, sondern beim Wein im Allgemeinen, wo du sagst, darunter würde ich
- 1:19:14nicht unterstützen, würde ich nicht anfassen, beziehungsweise darüber ist es für mich nichts,
- 1:19:19was ich unterstützen würde, weil es eine reine, was auch immer ist. Also ich glaube nicht, dass man
- 1:19:25Wein unter 8 Euro produzieren kann, bei dem niemand drauf zahlt. Und wenn es nicht der Traubenproduzent
- 1:19:33und nicht die Kellerei ist, die drauf zahlt, dann zahlt die Ressourcen Natur drauf, indem
- 1:19:38nämlich Raubbau am Boden betrieben wird mit großem maschinellen Einsatz, mit dauerhaften
- 1:19:42Düngereinsatz. Das sind dann Kosten, die im ersten Moment niemandem auffallen, aber die sind
- 1:19:50vorhanden und die zahlt irgendwann natürlich, die zahlen wir alle. Also Stichwortverbrauch von
- 1:19:56Humus, das Böden einfach nach 60, 70 Jahren zu nichts mehr zu gebrauchen sind. Insofern, wenn man
- 1:20:05Wein trinken will, man sollte sich so an diese 10 Euro Schwelle orientieren, denke ich knapp
- 1:20:11drunter. Da gibt es dann schon gut gemachte Produkte, 8 Euro, 9 Euro, 10 Euro. Handwerklich wird
- 1:20:18es sicher dann ab 10 Euro erst. Und nach oben hin, es ist natürlich eine Budgetfrage. Also jeder muss
- 1:20:26ja wissen, was er verdient und was ihm das wert ist. Das ist das Gleiche bei Lebensmitteln. Also
- 1:20:32ich verteufel niemanden, der sich ein extrem teures Lebensmittel kauft, wenn ihm das Lebensmittel
- 1:20:38das wert ist. So what? Aber jeder muss ja in seinem Budget wissen, was ihm eben dieses Segment
- 1:20:47essen und trinken wird. Es ist bei mir sicher ein sehr hoher Anteil meines Einkommens. Da wird
- 1:20:52manche den Kopf schütteln. Generell neigen wir Deutschen ja nicht dazu, zu viel Geld für Essen
- 1:20:59und Trinken auszugeben. Aber du lässt auch leben oder sagst, dass es halt einfach Marksituationen
- 1:21:07oder was auch immer, wenn es ein vier, fünfstelligen Bereich für eine Flasche Wein dann irgendwo ergibt?
- 1:21:12Das ist natürlich komplett absurd. Brauchen wir nicht drüber nachzudenken. Aber du hieß es nicht,
- 1:21:17wenn du darüber schreibst, oder so, dass es halt einfach so wie es teure Autos gibt,
- 1:21:21wie es teure Uhren gibt, teure Gemälde gibt, gibt es halt auch teuren Wein. So wie ich
- 1:21:26mir eine Kelli-Bag für 7000 Euro kaufen kann, wo ich denke, okay, es ist eine Handtasche.
- 1:21:31Das kann ich natürlich auch mit einer ganz teuren Flasche aus Burgund machen. Dass das sinnfrei
- 1:21:40ist, brauchen wir jetzt hier nicht zu diskutieren. Umgekehrt entdecke ich schon immer, ich habe ja
- 1:21:45das wirklich große Glück, Weine probieren zu dürfen, jetzt in einem dreistelligen Preisbereich,
- 1:21:50die ich mir jetzt persönlich ja so auch nicht leisten würde und muss aber dann oft
- 1:21:55einer kennen, dass die schon qualitativ dann auch besser sind. Also es braucht man nie
- 1:21:59man zu erzählen, ein Top Wein im Lagenbereich im Burgund oder ein Top Bordeaux-Qui-Vee oder
- 1:22:08ein Top Brunello von der Spannung einzusagen, der eben dann im dreistelligen Bereich ist,
- 1:22:15wäre nicht besser als ein anderer Einfacher. Es ist besser. Es ist nur die Frage, ob man diesen
- 1:22:21Mehrpreis zahlen kann und zahlen will. Ob man der Lage ist, dieses bessere zu schmecken.
- 1:22:26Genau, das ist natürlich auch einzuordnen und die Individualität, die vielleicht der Winzer hat,
- 1:22:31das auch wieder zu erkennen oder eben als besonders irgendwie darzustellen. Aber im Endeffekt,
- 1:22:36es ist natürlich Markt und ich könnte den Winzern ihre Preise, die sie erzielen. Sie müssen halt
- 1:22:44auch mit den Konsequenzen leben. Also die Rieslinge zum Beispiel haben vielleicht ein bisschen,
- 1:22:52das jetzt überreizt die letzten Jahre, die kontinuierlichen Preissteigerungen und im Moment
- 1:22:58merken, dass ja die Weingüter, also ich glaube, jetzt wird auch eine reistabile Phase eintreten,
- 1:23:03wo sich das Ganze wieder konsolidiert. Also das ist ja immer, da funktioniert Nachfrage und
- 1:23:12Angebot in diesem Bereich schon. Ist das aber nicht im Augenblick weltweit so? Also auch im
- 1:23:17Piemont, im Bordeaux, in Spanien, dass es eigentlich eine Regulierung des Preismarktes gibt. Also ich
- 1:23:25wollte gar nicht auf die Rieslinge runterbrechen, der ja dafür ist einer der Weltweine ist,
- 1:23:28immer noch relativ günstig ist. Naja, war nur ein Beispiel. Aber man hat es halt vielleicht schon
- 1:23:33ein bisschen unterschätzt. So ein Weltwein ist es dann offensichtlich nicht. Also es hat halt nicht
- 1:23:38die weltweite Nachfrage wie jetzt in Merceau oder in Chassanie Montrachet, an denen man sicher dann
- 1:23:46immer orientiert hat, so nach dem Motto, wenn die so viel Geld verlangen können und unsere
- 1:23:50Qualität ist gleich gut, dann können wir so viel verlangen. Die Qualität ist gleich gut,
- 1:23:54aber es ist halt nicht die gleiche weltweite Nachfrage da. Und einige Weingüter können das
- 1:23:59durchaus? Einige ja, aber nicht die breite Masse. Mein Steckenpferd ist ja nach wie vor der
- 1:24:06Plaufränkig und der ist extrem preiswert nach wie vor. Also ich kann mir die Welt besten
- 1:24:13Plaufränkig für 60 bis 70 Euro kaufen. Das kann ich bei keiner anderen Rebsäuter der Welt. Auf
- 1:24:20dem Niveau. Ja, halt ich auch völlig unterschätzt. Und umgekehrt natürlich, wenn die Winzer sagen,
- 1:24:26ja das ist dann zu wenig, weil sie sich international vergleichen, muss ich natürlich umgekehrt
- 1:24:30sagen, ne es ist nicht zu wenig, 60 bis 70 Euro ist ein toller Preis, der sehr wohl auskömmlich
- 1:24:36ist. Also man muss ja nicht immer alles dreistellig irgendwie einpeilen. Und warum wird Plaufränkig
- 1:24:43in der Breite noch nicht so wahrgenommen? Weil rein marketingtechnisch ist Österreich
- 1:24:47ja wahnsinnig fortschrittlich bis großartig oder einzigartig in der Welt. Die Weine geben das
- 1:24:52her und jeder Weinexperte-Sommie, der sie probiert, auch im Vergleich probiert, hatten einsehen dabei.
- 1:24:59Aber in der Breite, auch in der Publikumsbreite kommen sie nicht so an. Ist das weil die einfachen
- 1:25:06Weine für die Masse fehlen beim Plaufränkig? Ich habe in der aktuellen Ausgabe die Überschrift
- 1:25:11gewählt, zu gut für diese Welt. Ja, sehr gut. Ich glaube, das trifft es ein Stück weit. Also es hat
- 1:25:18einfach ein anspruchsvolles, ein guter Plaufränkig ist anspruchsvoll. Und man muss schon ein bisschen
- 1:25:26fortgeschrittener Weintrinker sein, um das zu lieben. Es ist nichts, was jemanden mitnimmt,
- 1:25:32der jetzt so deine ersten Schritte im Rotweintrinken macht. Es hat Kerbstoff, es hat Frische, also eine
- 1:25:37gute markante Säure, es hat eine ausgeprägte Würze, es ist nicht überfruchtig, es ist
- 1:25:44nicht geschmeidig, aber es hat halt eine unglaubliche Tiefe, Finesse, Langlebigkeit,
- 1:25:48einfach Faszination pur. Aber es ist sehr anspruchsvoll. Und dann muss man ja nur mal gucken,
- 1:25:54wie viel verkauft sich dann von anderen anspruchsvollen Weinen in der Welt. Auch von Barolo
- 1:26:00verkaufen sich jetzt ne 100.000.000 Flaschen. Gibt es ja nicht. Also ist ja auch limitiert
- 1:26:04von der Menge. Diese Kategorie von Weinen hat natürlich nur ein sehr eingeschränktes Absatzfeld.
- 1:26:13Plaufränkig eher jung oder reif? Beides. Aber was ist mit ihr reif? Also das ist jetzt problematisiert,
- 1:26:21weil natürlich auch die Geschichte des Plaufränkischen, dieser neuzeitlichen Art und Weise sehr,
- 1:26:25vielleicht 20 Jahre alt. Genau. Also es ist ja bei allen Weinen so schadone, jung oder reif.
- 1:26:33Also ich schadone trinke tatsächlich gerne relativ jung, einfach auch, weil es immer noch
- 1:26:37das große Risiko im Burg und gibt, reift es oder reift es nicht und keiner kann es vorhersehen.
- 1:26:42Bei Riesling bin ich inzwischen jemand, der jung zwar, Riesling jung ist super sexy, ist vielleicht
- 1:26:50das sexieste, was es im Weißweinbereich jung gibt. Es ist aber auch fordernd. Also wenn man zu viel
- 1:26:57jungen Riesling am Abend getrunken hat, spürt man das. Also Riesling zum Essen speziell lieber
- 1:27:04gereift. Und beim Plaufränkig ist es so natürlich, ein blutjunger Rotwein vom Gärbstoff her ist schon
- 1:27:10fordernd. Ist dann im Einsatzbereich beim Essen dann natürlich ein bisschen schwieriger,
- 1:27:18wenn das mal fünf bis zehn Jahre alt ist, ist es glaube ich in einem wunderbaren Trinkfenster.
- 1:27:24Dann hat es immer noch keine reife Aromatik, aber es ist alles ein bisschen abgeschliffen,
- 1:27:30ein bisschen geschmeidiger.
- 1:27:32Ich finde es gibt so Klassiker in der Weinwelt, die muss man irgendwie kennen. Also zumindest wenn
- 1:27:52man so ein bisschen tiefer in dem Weintema drin ist, ja, als Zombie sowieso. Und eines davon
- 1:27:57ist für mich Schadodepes. Und wenn ich so eine Behauptung aufstelle, stellt sich natürlich
- 1:28:05auch mal die Frage, warum. Also warum soll man Schadodepes kennen? Klar könnte man sagen,
- 1:28:10weil es eines der ältesten Weingüter im Saantepes ist. Der gründet 1452. Vielleicht aber auch,
- 1:28:16weil es in den Ursprüngen sehr eng mit der extrem renommierten Protaktafamilie verbunden war,
- 1:28:20zu der auch Opreon gehörte, die die Weinberge im ursprünglichen Sinne angelegt hat und die
- 1:28:25Grundausrichtung des Weingutes maßgeblich mit beeinflusst hat. Und natürlich wechselten in
- 1:28:30fast sechs Jahrhunderten die Besitzer. Während der französischen Revolution wurde
- 1:28:34sogar als Staatseigentu verkauft und durch lief verschiedene Hände. Aber die eigentliche Ruhe hat
- 1:28:39dieses Weingut vor 30 Jahren, die Jahre 1995 gefunden, als Champagnerfamilie von Louis Röderer
- 1:28:45das Weingut erworben hat. Ja, die Übernahme war ein Wendepunkt der Geschichte des Weingutes,
- 1:28:50denn unter der Leitung von Jean-Claude Rousseau, dem damaligen Chefsführer von Louis Röderer,
- 1:28:54wurden erhebliche Investitionen getätigt, die durchaus nötig waren, um die Weinberge und
- 1:29:00Kelleranlagen zu modernisieren. Diese Sybjose, ja man hört es oft Tradition und Innovation,
- 1:29:05aber aus Tradition und Innovation hat Chateau de Pest zu einem der leuchtenen Beispiele für
- 1:29:09die Verbindung von historischem Erbe, wie gesagt 600 Jahre und modernster Weinbereitung gemacht.
- 1:29:15Natürlich beruft man sich auch beim Jahrgang 2020, den ich hiermit ganz besonders vorstellen
- 1:29:20möchte, auf die traditionellen Gegebenheiten, den hohen Anteil an Cabernet Sauvignon. 51%
- 1:29:26Cabernet Sauvignon. Sie geben dem Wein Struktur tiefe und ein bemerkenswertes Lagerpotential,
- 1:29:33was wir einfach vom Sans zelf erwarten. Das Besondere beim Chateau de Pest ist, und das macht
- 1:29:38es und wahrscheinlich auch die Weine so außergewöhnlich, ein sehr hoher Merlot-Anteil. 43%
- 1:29:43Merlot finden wir in der 2020er QW. Sie geben dem Wein Fülle Weichheit, die fruchtige Aromatik und
- 1:29:50noch ein wenig Platz für 4% Cabernet Franc. Die man durchaus frage ist,
- 1:29:54immer kann man 4% wirklich schmecken? Kann man diese 4% wirklich greifen? Aber es ist manchmal
- 1:29:58wie die Würze, wie das Salz in der Suppe. Ohne genau das wäre es charakterlos und diese 4%
- 1:30:04bringen unglaublich viel Tiefe in den Wein und geben ihnen eine zusätzliche aromatische
- 1:30:08Komplexität und ja, das kann man schmecken. Und für alle unter uns, die gerade mitgezählt
- 1:30:12und mitgerechnet haben, da 4% noch 2% und die werden mit Petit Verdot aufgefüllt. Und der Petit
- 1:30:16Verdot hat die nicht unwichtige Aufgabe, dass Tannin gerüst, die Tanninstruktur, die Tannin-Tiefe
- 1:30:21des Cabernets-Avillances zu stützen, zu strukturieren, zu fundamentieren und dem Wein damit zu seiner
- 1:30:26legendären Reife zu verhelfen. Kurz noch die Fakten zu dem Wein. Die Gärung erfolgt in Temperatur
- 1:30:32kontrollierten Holzpottchen, einfach um die aromen Tanninen im Bestmögliche zu extrahieren und
- 1:30:36anschließend 12 Monate in französischer Ache und hierbei natürlich vor allem nicht Paris,
- 1:30:41wobei und das ist eigentlich erst seit 10, 12 Jahren 9, 0, 35% der Fässer überhaupt neu sind. Der
- 1:30:49Rest ist zweit, ganz selten drittbelegung und damit erreicht man eine Balance zwischen den
- 1:30:53Holznot, den Fruchtaromen und den Tanninkulturen in dem Wein. Und das merkt man, wenn diese 2020er
- 1:30:59Chateau de Pessig meint, das sind erst 4 Jahre, aber der ist schon so präsent, so herrlich präsent,
- 1:31:04so aromenvoll, wenn der sich im Glas präsentiert, zum einen diese Farbe. Tief, Rubinrot. Man möchte
- 1:31:10sich eigentlich schon visuell verlieben in dem Wein. Das Bouquet Johannesbärre. Natürlich Johannesbärre,
- 1:31:1550% Carbonis Sauvignon, aber auch die Kürsche durch den Merlot, ergänzt das Ganze, leichte
- 1:31:19Feichenaromen und im Untergrund dieses typische Cedernholt und der Grafitton, an dem viele
- 1:31:24Sanctes de Vercken. Das Spannende finde ich ist der Gaum. Viele Jahre waren viele Weine aus dem
- 1:31:30Bordeaux einfach zu glatt gebügelt. So, Steffi, er selten, Chateau de Pess, nah zu gar nicht und das
- 1:31:36spüren wir. Man kann hier mit Tannin arbeiten, man hat geschliffene aber feste Tannine, man hat
- 1:31:41eine lebendige Säure und eine herrliche Länge. Der Abgangs, ein beeindruckendes Geschmacksmonument
- 1:31:47und lässt auf die Reife hoffen und sich darauf freuen. Denn natürlich werden die Tannine seidig,
- 1:31:53aber man wird merken, dass der Wein auch noch in 10, 20, 30 Jahren Struktur hat. Ja, wie erwähnt,
- 1:31:57man kann Sanctes de Vercken nicht nur am Gaumpül, man kann es auch riechen und schmecken. Die nördlichste
- 1:32:02der vier renommierten Kommunalaplation im Medoc. Im 19. Jahrhundert als eine derer etabliert.
- 1:32:08Liegt es im Medoc, wie erwähnt, dem nördlichen Teil des linken Ufers der Gironde, etwa 60 km
- 1:32:15nordwestlich vom Bordeaux? Immerhin 1230 Hektar Weinberge. Gab es dort? Natürlich schon in der
- 1:32:21Römerzeitweinbau. Aber holländische Ingenieure waren im 17. Jahrhundert für die Entwässerung des
- 1:32:27Medocs verantwortlich und sorgten dafür, dass die sumpfigen Böden trocken gelegt wurden und
- 1:32:31validativ hochwertige, sehr eigenständige Anbauflächen entstanden. Ja, und so entstanden auch die Legende
- 1:32:37in Sanctes de Vmountains. Ich würde nicht direkt von Steilagen reden, aber auf einer Anhöhe von 25
- 1:32:42Meter über dem Meeresspiegel liegen. Kleines Augensfinkern, aber genau diese ermöglichen
- 1:32:46eine außergewöhnlich gute Drennage, was dort in Meeresnähe gar nicht unwichtig ist. Füße im
- 1:32:51Wasser, Makai da von uns. Zumindest dauerhaft. Der Boden im Sanctes de Vmountains sehr speziell. Der Boden
- 1:32:56bei Chateau de Pest ist sehr speziell. Hoher Lebenanteil. Gut für die Wasserspeicherung gerade in
- 1:33:00trockenen Jahren. In Kombination mit den typisch für Sanctes de Vmountains bekannten kieshaltigen
- 1:33:05Böden lässt die Weine kraftvoll und maskulierend werden. Also eigentlich perfekte Weine für
- 1:33:10Liebhaber. Im Vergleich zum benachbarten Poyac haben die Weine mehr Charakter, weniger Volumen,
- 1:33:14mehr Struktur und das gerade in jungen Jahren. Es sind Weine, die ihresgleichen suchen. Um mit
- 1:33:20verantwortlich dafür ist ohne Frage Chateau de Pest. Vielen lieben Dank dafür. Und noch ein ganz
- 1:33:26großes Dankeschön dem deutschen Importeur, dem Handelshaus Schlumberger.
- 1:33:30Kannst du noch Wein trinken ohne dabei nachzudenken oder zu analysieren?
- 1:33:43Nein, dafür ich liebe Wein, aber ich weiß auch, dass zu viel Wein trinken jetzt nicht gesund ist.
- 1:33:49Und ich trinke nur Wein, wenn er mich fasziniert, wenn er mich anregt, wenn ich ihn wirklich großartig
- 1:33:56finde. Ich würde nie einfach so Wein trinken ohne nachzudenken. Also Thema Alltagsweine wäre
- 1:34:02für dich auch absolut ... - Nur, dass du sagst, ich habe mal ... - Ich liebe es abends eine Flasche
- 1:34:06Wein aufzumachen mit meiner Frau. Aber die muss uns faszinieren. Also wenn wir den Wein aufmachen,
- 1:34:11probieren und sagen "ehnett", dann heißt "ehnett", der wird auf die Seite gestellt und am nächsten
- 1:34:16Tag verkocht. Ich trinke es wirklich nur auch dann mit gutem Gewissen, wenn er mich fasziniert.
- 1:34:24Magst du den Wein eher als Wein, als solches selber oder immer eine Speise dazu? Also wie findest du,
- 1:34:29kommt ein Wein auch in Höchstform zum Tragen, wenn er das Fundament der Speise hat oder die
- 1:34:34Herausforderung oder wenn er sich selber ganz alleine darstellen und prälieren kann?
- 1:34:38Also wir probieren ihn immer vorm Essen und genießen ihn zum Essen. Und wenn es essen endet,
- 1:34:44endet bei mir auch das Trinken. - Das ist ja interessant. Ich finde, das Nachsehen manchmal
- 1:34:51interessant, wenn man sich den Wein einlässt und dann so richtig mit dem Wein ... - Manchmal hat man
- 1:34:54noch ein Glas Rest sozusagen. Also es ist noch was im Glas, wenn das Essen endet ist. Das trinken
- 1:35:00wir natürlich dann aus. Aber ich würde dann nie noch mal eine Flasche Wein aufmachen. Außer man sitzt
- 1:35:05jetzt abends mit fünf, sechs Leuten zusammen und dann ist es klar, dann probiert man auch noch was.
- 1:35:12Dann ist es eine andere Konstellation, dann ist es so ein Diskutieren über Wein und so eine Verkostung
- 1:35:18Situation im privaten eben. - Ist das Kombinieren mit Wein lediglich speisend vorbehalten oder
- 1:35:25kann man zum Beispiel Wein auch mit Musik, mit Farben, mit Uhren, mit Handtaschen oder was auch
- 1:35:33immer kombinieren? Also gerade Musik finde ich ja teilweise sehr fordernd, sehr spannend,
- 1:35:37sehr interessant. Findest du sowas oder ist das dann ... - Ich finde Wein extrem wetterabhängig.
- 1:35:42Also ich kombiniere Wein mit Stimmungen. Stimmungen abhängig vom Wetter, also ein strahlender Frühlingstag.
- 1:35:49Ich glaube, es gibt genau eine Jahreszeit, wo ich Spaß an duftigen Weinen, zum Beispiel einem
- 1:35:54frischen knackigen Muskateller habe oder jugendlichen Souvenirs, die jetzt über die Prämiaromate
- 1:36:00kommen. Das ist genau an solchen Frühlingstagen, wo wahnsinnig viel Duft in der Luft ist und alles
- 1:36:08plüht oder einer der ersten schöneren Sommerabende. Das sind so Momente, wo ich Lust auf so aromatische
- 1:36:16Weine habe. Ungekehrt sehr gereifte 30 Jahre alte Weisweine. Das würde ich jetzt nie an
- 1:36:22einem heißen Sommertag trinken, sondern das ist was in der Phase des Rückzugs, wenn vielleicht
- 1:36:27ein Kaminfeuer an ist oder mal gemütlich zu Hause sitzt. Also ich finde, der Einfluss der
- 1:36:35Umgebung ist ganz markant. Richtig gravierend. Was ich total spannend fand ist, dass der Luftdruck
- 1:36:41zum Beispiel auch einen wahnsinnigen Einfluss hat, ist so was bei euch ein Thema, das du
- 1:36:45darüber immer gedacht hast, so was bei Verkostung, wo die Weine bewertet werden, ein Thema oder
- 1:36:49das ist logistisch überhaupt nicht machbar und... Das ist halt leider nicht machbar. Wir wissen es.
- 1:36:53Also natürlich gibt es Tage, da haben wir eine große Verkostung, du stehst auf und es regnet
- 1:36:58nonstop und es ist super Tiefdruck und es ist 80 Prozent Luftfeuchtigkeit und du weißt genau,
- 1:37:04okay, das wird heute kein Spaß. Es macht was aus, oder? Ja, natürlich, das ist total schwierig. Also es
- 1:37:09dumpft alles ab. Also die Aromen, die Struktur, die Haptik von dem Wein, alles ist halt irgendwie so
- 1:37:19ein bisschen gedämpft. Umgekehrt, wenn es natürlich so ein super strahlender Tag ist und dann profitieren
- 1:37:27halt auch die Weine. Insofern, das ist dann manchmal auch ein bisschen Glück und Pech. Muss man so was
- 1:37:31einrechnen als Verkoster? Das kannst du nicht. Das ist immer so idealistisch, wenn man sagt,
- 1:37:37ich schau mal raus und gucke den Wetterbericht an. Man kann natürlich versuchen zu sagen,
- 1:37:42pass auf, jetzt haben wir hier die besten, bleiben wir beim Beispiel blaufränkisch,
- 1:37:46auf dem Tisch stehen, dann müssen die besten Weine eigentlich 95, 96, vielleicht sogar 97
- 1:37:52Punkte, wenn der Jagdgang passt, bekommen. An dem kann man sich orientieren und wenn man merkt,
- 1:37:57man tut sich schwer, innerlich dahin zu kommen, dann kann man sagen, pass auf, das liegt jetzt
- 1:38:04an äußeren Faktoren, gibt dir einen Ruck. Aber das ist total schwer. Hast du einen festen Peilwein?
- 1:38:09Nein, das ist jetzt dann wirklich über die Jahre. Der ist eingebaut inzwischen, innerlich. Also man
- 1:38:18hat seine Parameter. Was ich jetzt erwarte von einem Wein, wir sind ja jetzt sehr streng mit Punkten.
- 1:38:25Also ich habe jetzt gerade das Beispiel genannt, 97 Punkte ist schon wirklich, wirklich, wirklich
- 1:38:30hoch für uns. Also wir haben jetzt ein einziges Mal 100 Punkte für einen trockenen Wein gevergeben.
- 1:38:35Das passiert wirklich sehr, sehr selten. Kirchenstückbüchling war das klingt ja. Ja, genau. Weil da
- 1:38:41einfach alles zusammengepasst hat. Auch die Botschaft, die der Wein ausgesendet hat. Also die Art,
- 1:38:46wie er gemacht wurde, eben weg von den Extremen, hin zu Balance, das war so für mich einfach ein
- 1:38:52Riesling, der das verkörpert, als Rollenmodell für die nächsten zehn Jahre. So, dann kann man das
- 1:38:58mal machen. Ansonsten ist bei uns echt bei 96, 97, dann irgendwie vielleicht mal ganz extrem
- 1:39:0480 Punkte feieramt. Höher kommt mal selten. Genau, so wenn es dann wirklich mal einen 40, 50
- 1:39:11Jahre gereifter Wein ist. Es war jetzt gerade 100 Jahre Glossenthünverkostung im Elsass. Und wenn
- 1:39:18du dann so Weine aus den 70ern probierst, dann weißt du auch, warum du dem neuen Szenar, dem
- 1:39:24aktuellen Jahrgang, 69 Punkte gibst. Weil wenn du dann den Wein probierst, der noch 40 Jahre älter
- 1:39:30ist und auf einmal noch eine Spur zugelegt hat, brauchst du ja auch noch zwei Punkte, die du rauskitzeln
- 1:39:35kannst. Wenn du beim Jungen schon bei 100 bist, was machst du dann? Sollte man Bewertungen nochmal
- 1:39:41korrigieren nach Jahren? Muss man. Man hat keine Chance. Ich hatte früher immer ein Problem damit,
- 1:39:50wenn ich einen Wein bewertet habe, beispielsweise Wiesbaden, total jung und kriege den Wein ein
- 1:39:54Jahr später auf den Tisch. Erstens mal, für viele Rieslinge ist ein Jahr später keine besonders
- 1:39:59gute Zeit, um den Wein zu verkosten. Aber selbst abgesehen davon, das dir dann nicht zu doof
- 1:40:07sein, deinen Urteil zu revidieren. Das ist eine Momentaufnahme. Und keiner von uns ist ein Hälseher
- 1:40:12und kann wirklich fix vorhersagen, wie entwickelt sich der Wein? Thema Reduktion. Zeitlang waren
- 1:40:21die Weine sehr stark geprägt von Reduktionen, teilweise bewusst herbeigeführt. Du weißt nicht,
- 1:40:28was hinterher kommt. Du kannst es erahnen. Mit der Erfahrung, die wir jetzt in den letzten fünf,
- 1:40:32sechs Jahren gemacht haben, kannst du erahnen, was hinter bestimmten Reduktionen steckt. Aber
- 1:40:36wissen, kannst es nie. Sollen wir zwischendurch einen Schlückchen Champagner probieren? Ja,
- 1:40:44ja, flaschen mitgebracht. Erfreulicherweise. Möchtest du, soll ich? Ich mach gern.
- 1:40:48Diese Koffer geschüttelt worden, daher habe ich damit nichts. Du wolltest mich testen,
- 1:40:54ob ich das für ein Sommel die nachwuchs. Also, man kann es ja jetzt nicht sehen,
- 1:41:02immer schön den Daumen obendrauf lassen, dass der Korken nicht wegschießen kann. Und dann immer
- 1:41:08die Flasche und nicht den Korken drehen und dann funktioniert das auch mitschütteln.
- 1:41:13Ja, du hast die Kollektion 245 von Röderer mitgebracht.
- 1:41:22Die du damals ja auch mit innoviert hast beim Summit, als die, glaube ich, das erste Mal überhaupt
- 1:41:29auf dem Markt kam und damals den Prübprimer abgelöst haben. Und auch die Erklärung fand
- 1:41:33ich interessant, dass man da anhand der, der Nummer hier ersehen kann, wie viel eigentlich
- 1:41:40Kollektion bzw. Jahrgangskombinationen abgefüllt wurden. Ja, erst damit ist jetzt auch eine
- 1:41:48Somelläre oder ein Somellier in der Lage, eben mehrere Tiragen auf der Karte abzubilden,
- 1:41:54eben beispielsweise 243, 44, 45 und das ist natürlich für die Gäste, wenn sie die Möglichkeit
- 1:42:03haben, das Jung- oder Gereif dann zu trinken, eine ganz tolle Möglichkeit. Das funktioniert
- 1:42:10ja erst, indem man die unterschiedlichen Tiragen kenntlich macht. Und das ist der eine
- 1:42:15Aspekt, der andere Aspekt ist einfach, dass der Jean-Baptiste de Cayon, der Kellermeister
- 1:42:21inzwischen eben so handwerklich arbeitet, dass es gar nicht mehr möglich ist, den
- 1:42:25Prübprimer jedes Jahr gleich zu machen, weil der Jahrgang viel präsenter ist. Also je
- 1:42:30ausdrücksvoller man die Grundweine ausbaut, umso schwerer wird es, jedes Jahr das Gleiche
- 1:42:34zu machen, auch im Basissegment eines Hauses. Und da ist er halt ein Top-Beispiel und er
- 1:42:41weiß das und lässt es bewusst zu, dass eben die Kollektion 245 anders schmeckt als die
- 1:42:46244. Und das ist halt schon ein entscheidender Schritt. Und wenn man jetzt dann mitrechnet,
- 1:42:54weiß man 245 ist auf Basis, erntet 20. 221 war der erste, das habe ich mir so gemerkt,
- 1:43:01dass Jesus Brücke, ich wusste die Nummer 242 ist die erste und die war das schwierigste
- 1:43:05Jahr ausgerechnet, nämlich 217, was das Schlechteste in der Dekade war. Das war ja dann doch auch
- 1:43:11ein Statement ausgerechnet mit diesem Jahr zu starten. Und so kann man ja dann fortlaufend
- 1:43:16rechnen. Also 2020 und dann ist es eben geprägt vom Charakter von 2020. Und das finde ich
- 1:43:23großartig auch in dem Bereich. 70 Prozent sind 220 drin enthalten. Diese Transparenz,
- 1:43:30die dort mittlerweile gepflegt wird, also dass man zum einen mit dem QR-Code das extremst
- 1:43:36tiefste nicht nachverfolgen kann, also dass man die Rebsorten Kombinationen ersehen kann,
- 1:43:41dass man die Herkunft ersehen kann, dass man die Jahrgangskombinationen ersehen kann.
- 1:43:44Also dass die Zeichen der Zeit einfach erkannt wurden und dort genutzt werden, finde ich,
- 1:43:50sehr sehr außergewöhnlich. Man hat als Haus in der Champagne auch gar keine andere Wahl.
- 1:43:55Um in der Gastronomie, in der weinafinen Gastronomie, in der von sommelier und sommelier geprägten
- 1:44:03Gastronomie mitspielen zu können, muss man diese Informationen liefern. Viele schreiben
- 1:44:11inzwischen das Datum des Digrogements oder die Dosage mit auf die Weinkarte oder die
- 1:44:17Tiraage. Also sie geben einfach Zusatzinfos. Und wenn du da nicht lieferst, bist du von
- 1:44:21der Weinkarte unten. Also ja, das ist eine extrem positive Entwicklung, weil es wirklich
- 1:44:28nämlich auch die Qualität vom Champagner mehr zeigt und ihr mehr gerecht wird.
- 1:44:34Auch die Individualität der Einzelnen, dann eben auch in der vom Edit- und Edition- bzw.
- 1:44:38Warn-Diese, die gelegiatriert wurden, wenn man sowas auf der Karte mit aufnimmt, finde
- 1:44:43ich das eben auch sehr sorgfältig. Auch den Produkt gegenüber und dann auch der Wertigkeit,
- 1:44:46die man mit dem Produkt dann letztlich irgendwo verbindet.
- 1:44:48Also das Thema Champagne macht bisher bis heute in der Entwicklung schon noch sehr, sehr
- 1:44:55viel Spaß. Also ist sicher eine der Regionen, die von der Klimaveränderung bis heute eher
- 1:45:00profitiert hat. Allerdings merkt man jetzt zum Beispiel Ernte 22, wieder ein warmes Jahr,
- 1:45:09das erste Mal stoßen jetzt auch einige Winzer an die Alkoholgrenzen nach oben. Also wo man
- 1:45:15dann schon auch reagieren muss und gegensteuern muss. Das war in der Champagne bisher nicht
- 1:45:19der Fall. Man hat die Grundweine, man hat sich gefreut über mehr Reife im Wein. Man hat
- 1:45:25ja bis vor ein paar Jahre in der Champagne ein Großteil schabtalisiert, um eben auf die
- 1:45:31Reife zu kommen. Das ist jetzt vorbei. Aber jetzt gibt es natürlich schon warme Jahre,
- 1:45:36wo das Gegenteil erreicht ist, wo man sagen muss, okay, mehr Reife ist ein Problem.
- 1:45:41Wo wäre eine Obergrenze und wie könnte man es regulieren? Also auf Kohllesen?
- 1:45:44Die Obergrenze ist ja staatlich definiert. Also mehr als 13 ist nicht erlaubt. Dann hat
- 1:45:49man diese 0,5 Toleranz, die bei jedem Wein vorhanden ist. Und dann durch die Flaschengärung,
- 1:45:54die ja ein Stück weit auch unkalkulierbar ist, nochmal 0,3. Heißt im Endeffekt die absolute,
- 1:46:00absolute, absolute Obergrenze für Champagne sind 13,8 Volumenprozent. Und die werden ja
- 1:46:06alle analysiert. Also wenn ein Winzer eine Charge mit 13,9 Volumenprozent zur Kontrolle
- 1:46:12einreicht, dann kann er die entsorgen, die wir dann nicht mehr auf den Markt bringen dürfen.
- 1:46:17Also das ist das Limit. Und da muss sich jeder orientieren.
- 1:46:20Und da hat sich Champagne extrem ein Finger drauf und ein Auge drauf.
- 1:46:24Ja, da gibt es keinen Ausnahmen. Also da wird streng kontrolliert.
- 1:46:29Wann ist in deinem Sinne ein Champagne am besten oder am ehesten am schönsten zu genießen,
- 1:46:35nach dem Digagement, direkt danach, ein Jahr danach, fünf Jahre danach? Also es ist immer
- 1:46:40schwierig, so für allgemein. Dann wird es natürlich auch mal...
- 1:46:42Also direkt danach ist natürlich nicht gut. Was in der Champagne in den letzten Jahren,
- 1:46:47wenn man jetzt so geguckt hat, wer baut, was gebaut wurde, waren alles Lagermöglichkeiten,
- 1:46:53um die Champagne nach dem Digagement reifen zu lassen, bevor sie verkauft werden. Das
- 1:46:59war ja im Prinzip das große Problem, dass viele keinen Platz dafür hatten, wohin mit den
- 1:47:03Flaschen nach dem Digagement. Das war die größte Investition der letzten Jahre, dass
- 1:47:07ganz viele investiert haben, um dahin zu kommen, dass sie ihren Champagne erst nach einem
- 1:47:11ideal Fall einem Jahr in Verkauf bringen, nach dem Digagement. Ab dann reift das Weinwein
- 1:47:17und dann ist es Geschmackssache. Ich mag das auch sehr jung dann, also wenn es frisch
- 1:47:25auf den Markt kommt, weil es zeigt dann im Prinzip ja auch ein bisschen, was sich der
- 1:47:30Winzer oder die Winzerin dabei gedacht hat. Also mehr Handschrift, die dann über die Reife
- 1:47:37in der Flasche natürlich etwas abnimmt und oft wird dann mit der Reife natürlich auch
- 1:47:44die Röstaromatik von der Heferautolyse nochmal verstärkt, die ja schon eben da ist durch
- 1:47:49die Heferautolyse, aber die verstärkt sich durch die Flaschenreifung dann eben aus der
- 1:47:53anderen Richtung nochmal. Dann wird es halt oft schon etwas barocker, sind wir wieder
- 1:47:58bei dem Thema Jahreszeit. Dann eher Winter, also lange nach dem Digagement gereifte Champagne
- 1:48:03eher Winter und eher die Sachen, die frisch auf dem Markt sind, eher Sommer.
- 1:48:08Ist das jetzt für dich mehr ein Handwerkswein, also wo man den Stil des Hauses Röder heraus
- 1:48:14schmecken kann oder ist es ein Ideenwein, wo man versucht eben die Idee der Kollektion
- 1:48:20herauern, also rein von der Gustaturik, von der Aromatik, vielleicht auch von der Wertigkeit,
- 1:48:25von der Ausrichtung? Ich glaube er sitzt ziemlich genau in der Mitte. Also es ist sicher unter
- 1:48:35den Marken eher die handwerklichste Macher Art, aber wenn man es jetzt daneben in einem
- 1:48:40Winzerchampagne verkursst, ist es schon auch wieder anders. Also es ist so ein Stück
- 1:48:45weiter dazwischen. Man merkt die Komplexität schon sehr gut, also die arbeiten ja jetzt
- 1:48:50mit allen möglichen Gergebinden, große Holzfässer, kleine Holzfässer, Stahltanks. Es gibt
- 1:48:54am vorhin alles Mögliche, weil er einfach versucht die verschiedenen Terroirs unterschiedlich
- 1:49:00dann eben auszudrücken. Und das schmeckt man halt hier. Es ist sicher nicht sehr vordergründig,
- 1:49:08sondern eher würzig gehalten von der Aromatik her. Diese Hefeautolysenoten sind nicht vordergründig.
- 1:49:18Es ist für mich so ein sehr gut balanciertes Champagner, der im Prinzip keine extreme
- 1:49:28Richtung einsteckt. Dein Schwerpunkt, also neben Österreich ja auch, dein Schwerpunkt
- 1:49:33auch neben Ristling braucht man als sowohl Journalist als auch als Sommie ein Schwerpunkt
- 1:49:37oder sollte man sich immer breitgefächert und möglichst neutral aufstellen?
- 1:49:42Man sollte schon zwei, drei Schwerpunkte auf der Weinkarte haben. Diese zwei, drei Schwerpunkte
- 1:49:54sollten möglichst ein bisschen abwechslungsreich sein. Also ich sage jetzt mal, wenn ich als
- 1:50:00Moment halt jeder bogunt als Schwerpunkt auf seiner Weinkarte, wenn daneben bogunt mein
- 1:50:05zweiter Schwerpunkt sonst die geschadene und Pinos dieser Welt sind, ist es vielleicht
- 1:50:10ein bisschen suboptimal. Dann werde ich vielleicht versuchen, was anzubieten, was die geschmackliche
- 1:50:15Bandbreite der Weinwelt fördert. Aber Schwerpunkte setzen ist natürlich absolut wichtig,
- 1:50:22weil man, wenn man alles gleichermaßen verteilen würde, würde die Weinkarte sehr breit und
- 1:50:27wenig tief werden. Das macht ja auch keinen Sinn. Also ich denke schon, dass man nach
- 1:50:35rechts und links schauen sollte. Ich finde immer ganz gut, sich zu kommitten. Also man muss
- 1:50:43jetzt nicht versuchen, die gesamte Weinwelt abzudecken. Was bringt es dann, einen Kalifornier,
- 1:50:48einen Australier und einen Neuseeländer auf der Karte zu haben? Dann nehme ich halt drei
- 1:50:53Kalifornier oder drei Südafrikaner. Aber einer hier, einer hier, einer hier, einer hier,
- 1:51:00nur dass ich das abhaken kann, weiß ich jetzt nicht, ob das so zielführend ist. Und das
- 1:51:06ist natürlich auch vollkommen legitim zu sagen, ich ziehe jetzt einen Kreis um den Ort, wo
- 1:51:12ich bin, gerade wenn ich jetzt ein bisschen regionaler koche und meine Zutaten, ich sag
- 1:51:17mal jetzt, ich bin im Alpenraum, bezieh meine Zutaten aus dem Alpenraum und sag dann, ich
- 1:51:23verkaufe Weine, die rund um die Alpen angebaut werden. Da fange ich dann in Ungarn angehübe
- 1:51:28Norditalien, über Savoyen begund nach Deutschland und Österreich, dann ist es schon irgendwo
- 1:51:36glaubwürdig und ist auch eine Botschaft. Also das finde ich schon immer ganz reizvoll.
- 1:51:43Bewertet ihr auch Weinkarten? Gab es mal eine Weinkarte, entweder die du bewertet hast
- 1:51:47oder allgemein die du auf Reisen kennengelernt hast, die dich unfassbar beeindruckt hat?
- 1:51:51Ja, ständig natürlich, das ist ja die ewige Suche nach dem fast schon, kann man sagen,
- 1:51:55das ist ja das goldene Graal. Also wir machen ja mit dem VDP das ausgezeichnete Weinkonzept,
- 1:52:01was wir dann bei uns auf der Website ja auch vorstellen. Also das sind ja dann allerdings
- 1:52:05die besten Deutschlandweinkarten. Das ist ja das Konzept dieser ausgezeichneten Weinkonzepte.
- 1:52:13Aber wir schauen uns die Weinkarte natürlich dann auch an, was hat die insgesamt zu bieten.
- 1:52:18Also ich jetzt für mich journalistisch und wir stellen ja im Magazin auch immer Topweinkarten
- 1:52:22vor. Weinkarte bewerten in Punkten ist natürlich schwierig, ganz klar. Für den Wettbewerb,
- 1:52:29also für das ausgezeichnete Weinkonzept müssen wir uns dann entscheiden, das sind eben dann
- 1:52:32die vier oder fünf, die wir ehren jedes Jahr, aber da gibt es keine Punktzahl sozusagen,
- 1:52:37sondern jeder, der da in der Jury ist, überlegt sich was sind seine Favoriten, dann wird das
- 1:52:42diskutiert. Und dann ist es wie in der Politik, man versucht einen Konsens zu finden, weil
- 1:52:50natürlich die Bewertung einer Weinkarte hängt auch von deinem persönlichen Weingeschmack
- 1:52:53ein Stück weit ab. Hast du einen Weinladen, der dich mal maßgeblich beeindruckt hat, wo
- 1:52:58du sagst, oh, in welchem Fachgeschäft oder eine Weinbar, wo du am liebsten einziehen
- 1:53:04würdest? Da gibt es auch sehr, sehr viele gute. Also einen da jetzt rauszupicken ist sicher
- 1:53:16nicht ganz einfach. Also ich bewundere natürlich schon, wenn jemand wie jetzt Sogenberg ist
- 1:53:21jetzt kein Weinladen, in dem Sinn ist ja ein Onlinehändler so unfassbar viele Dinge
- 1:53:25anbieten kann. Andererseits finde ich natürlich auch Fachhandlungen ganz toll, die, eine Fachhandlung
- 1:53:34kann das ja nicht, also eine Fachhandlung muss ja einen Schwerpunkt setzen. Also die
- 1:53:37muss ich einfach auf bestimmte Dinge konzentrieren. Und da finde ich es schon gut, wenn sie sehr
- 1:53:42in die Tiefe geht und eine Region dann auch mal wirklich einen Fokus rückt.
- 1:53:46Aber es gab nicht so den Einladen, wo du einen Einzelnen rauszupicken.
- 1:53:55Ein Trinkchen vergossen hast, wie es ist. Es muss auch nicht umfangreich sein, dass
- 1:53:59man manchmal sehen darf dieses kleine der taskanische Weinladen in der Ecke, wo obwohl man dort
- 1:54:07die Weine im Milchgrug abgeholt hat, aber mit so viel Liebe gelebt wurde, dass du dich
- 1:54:13einfach heimisch gefühlt hast. Also muss nicht sein. Das sind nur manchmal so, wo man
- 1:54:17nur noch die ...
- 1:54:18Nee, nee, da würde ich jetzt wirklich, könnte ich jetzt keinen rauspicken, den ich da über
- 1:54:22alle anderen setzen würde. Es ist natürlich immer ganz toll, wenn man irgendwo ist. Zum
- 1:54:26Beispiel war ich letztes Jahr mal in Massala, um die Masterclass für den Samulier-Sahmet
- 1:54:30vorzubereiten. Und da war eine neue Weinbar, so seitlich von der Altstadt an so einer Kirche,
- 1:54:39die einfach auch die Insel Sizilien sehr handwerklich abgebildet hat. Das hat voll Spaß gemacht.
- 1:54:47Aber das war jetzt für mich in dem Moment vor Ort genau der richtige Platz. Aber es ist
- 1:54:51für mich jetzt nicht die beste Weinhandlung aller Zeiten, weil es eben nur eher handwerkliche
- 1:54:55Sizianische Weine gab. In dem Moment perfekt, aber wäre jetzt nichts, was ich dann als
- 1:55:01meine perfekte Weinhandlung herausstellen würde.
- 1:55:04Ist wahrscheinlich die gleich unsinnige Frage, wie nach dem perfekten Wein oder nach dem
- 1:55:07Lieblingswein oder sonstigen, dass man das oftmals und gerade bei der Fülle der auch
- 1:55:13Weinkarten oder Weinleden, die du siehst, eigentlich gar nicht beantworten kann, ohne
- 1:55:17irgendwie ungerecht zu werden oder eben das Momentum überzubewerten, dann gar nicht mehr
- 1:55:22objektiv zu sein. Wie kam das bei dir? Wer hat dich eigentlich vom Wein überzeugt?
- 1:55:26War das zu Hause Familie?
- 1:55:28Ja, das war einfach, ich habe einfach gemerkt, so während des Studiums, dass das ein Thema
- 1:55:36ist, was mich total fasziniert. Korn und Wein. Und habe da angefangen, mich zu befassen
- 1:55:43mit dem Thema und habe dann schon während des Studiums beschlossen. Ich würde eigentlich
- 1:55:46gerne damals natürlich noch eher aus der Marketing-Handelsperspektive irgendwo im
- 1:55:51Weinhandel arbeiten. Total blau-örgig natürlich, weil ich natürlich überhaupt keinen Überblick
- 1:55:57hatte, wie bunt und groß die Weinwelt ist. Mein Master war damals noch Gita-Shed Frankreich.
- 1:56:03Ich bin ja Saarländer gebürtig und da war Frankreich eigentlich in den 90er Jahren
- 1:56:10noch das einzige Weinland, das real existierende sozusagen. Außer Italien in der Pizzerie.
- 1:56:17Das war dann so, okay, das ist die andere Welt, das ist Italien, aber es gab nur
- 1:56:20Frankreich in Italien, es gab kein deutschen Wein. Es war nicht existent. Das kam erst
- 1:56:24Ende der 90er Jahre. Warst du ganz begeistert, dass auf einmal die ersten hochwertigen Felser
- 1:56:29Rieslinge auftauchten auf Weinkarten im Saarland. Aber ansonsten hatte dafür jeder, jeder,
- 1:56:35jeder Saarländer, seinen älse sich ein Winzer, wo er einmal im Jahr hingefahren ist. Und viele
- 1:56:40sind auch ins Bekund gefahren regelmäßig. Also Frankreich war da einfach allgegenwärtig.
- 1:56:45Im letzten Sommelier-Sammet hatten wir ja Piksalou. Und ich habe dann zu den Sommeliers
- 1:56:49gesagt, hey, das hatte in der Brücke gefühlt, jede Kneipe auf der Karte offen. Und das war
- 1:56:54es, es war Pondant, Pik-Pool. Und alle haben sehr unglaublich mit dem Kopf geschüttelt.
- 1:57:00Aber das war damals so. Also das sind so Kategorien, die waren da einfach gängig. Also ich bin
- 1:57:06mit Französischem Wein sozialisiert. Und da natürlich, weil die italienische Gastronomie
- 1:57:11so stark war und ist Italien so immer interessiert beobachtet, aber natürlich war man da nicht
- 1:57:19so tief drin. Gab es mal einen anderen Berufswunsch? Seitdem du in der Weinbranche bist, hast
- 1:57:26du das gefunden, was dein Herz auch erfüllt? Also nicht nur deinen Aufgabe oder eben,
- 1:57:30dass du viel bewegst, viel begleitest? Nein, ich wäre natürlich gern Profisportler geworden,
- 1:57:35wenn ich das Zeug dazu gehabt hätte. Dann wäre ich jetzt aber schon seit 20 Jahren nicht
- 1:57:41mehr aktiv oder als Radfahrer 10. Die können ja relativ lange auf hohem Niveau fahren. In
- 1:57:49sofern ganz gut, dass das nichts geworden ist. Macht mir großen Spaß. Also ich wollte nie
- 1:57:54Journalist werden. Das war der Zufall im Endeffekt. Ich wollte irgendwas mit Wein machen. Das war
- 1:58:03die erste Perspektive. Und als ich dann hier beim Verlag war, war es eben die Chance,
- 1:58:06indem ich Journalistisch arbeite, diese Weinwelt eben ganz tief kennenzulernen. Und mit der
- 1:58:13Erfahrung nach ein paar Jahren war es einfach der größte Wunsch, heute ist einfach dafür zu sorgen,
- 1:58:18dass gut gemachte, herkunftsgeprägte handwerkliche Weine eine Plattform haben und einen Platz finden
- 1:58:26im Markt. Eben gerne über die Families oder über gute Fachhändler. Das ist so die Mission,
- 1:58:33die ich habe und die macht mir am meisten Spaß. Also ich sehe mich da so als Mittler. Deswegen
- 1:58:40auch diese Veranstaltungen wie Finest 100 oder die 100-Prozent-Champagne oder eben unser
- 1:58:45Family Summit. Einfach der Mittler zu sein, gute Weine zu den Leuten zu bringen, die das dann
- 1:58:52wiederum zum Endverbraucher bringen können. Das ist eigentlich der spannende. Aber wirklich den
- 1:58:58Schritt in die andere Welt, sei es, weil ihr ja so viel siehst, so viel weist Richtung Gastronomie oder
- 1:59:05Winzer, komplett war nie ein Thema oder ist ein Thema oder mal schauen oder... Man muss ja wissen,
- 1:59:14was man kann und was man nicht kann. Und ich bin ja doch eher so ein krimiger Typ. Also ich wäre
- 1:59:20nicht der perfekte Gastgeber. Ich könnte mich nicht genug auf alle Gäste einstellen, alle mitnehmen.
- 1:59:25Da bewunder ich, gute familiär oder gute familiär ist, wie die das machen. Wenn sie es nicht jeder
- 1:59:32kann das, ja, es gibt ja da auch ein paar Fälle, die nur mit bestimmten Gästen gut umgehen können.
- 1:59:37Das sind dann halt das gleiche Problem haben wie ich. Aber wer das kann, das ist natürlich... Also
- 1:59:43ein Gastgeber, der dieses Talent hat, das beneide ich sehr. Und so liebend gar nicht koche, so gut
- 1:59:52weiß ich, wie hart der Job in der Küche ist. Also es ist ja ein Unterschied, für sechs liebe
- 1:59:58Gäste drei Gänge zu kochen oder jeden Abend für 30 diese Gerichte zuzubereiten. Das wird dann
- 2:00:05auch kein Spaß mehr, jeden Tag das Gleiche zu machen. Wenn ich jetzt alle zwei Monate das
- 2:00:10Menü wechsel, was ja dann schon sehr schnell wäre, mache ich trotzdem zwei Monate lang jeden Tag
- 2:00:15genau das Gleiche. Also da geht dann dieses lustvoll spielerische vom Kochen natürlich verloren.
- 2:00:22Welche ein, zwei, drei Personen haben den letzten 30, 40 Jahren am meisten für die
- 2:00:27deutsche Weinwelt getan? Was eine Frage. Ja, ich weiß, es ist auch ungerecht, weil die Liste
- 2:00:32leben natürlich immer von denen, die nicht genannt werden. Aber gibt es da jemand, der dich
- 2:00:36nachhaltig beeindruckt hat, wo du sagst, das Werk, was dort? Ich kann jetzt mal aus verschiedenen
- 2:00:42Bereichen vielleicht wehren rauspicken. Also ich bin ja gut befreundet mit der Marie-Lene Krebs
- 2:00:47Sammelier im Schloss Elma. Die hat schon seit ewigen Zeiten die Lanze für deutschen Wein gebrochen.
- 2:00:52Es gibt heute sicher Restaurants, die noch eine größere Auswahl an deutschen Wein bieten und
- 2:00:57vielleicht noch eine innovative Auswahl an deutschen Wein. Aber sie macht das seit eben Jahrzehnten
- 2:01:03und bietet auch eine wahnsinns Jahrgangstiefe an und ist da echt eine irre Botschafterin, die
- 2:01:10wäre so eine, die ich da sicher beim deutschen Wein nennen könnte. Bei den Winzern kannst du ja
- 2:01:15schwer eine oder einen rauspicken, weil da sind in jedem Anbaugebiet hast du deine Logomotiven,
- 2:01:21die einfach da Vorreiter sind und die gewisse Stile oder Rebsorten nach vorne bringen. Da wäre
- 2:01:29es jetzt absolut unfair ein Weingut zu nennen, das wäre vermessen. Ja auch wenn man solche Personen
- 2:01:35auslugt wie zum Beispiel Bernhard Breuer ist es ja meistens dann eine Bewegung von verschiedenen
- 2:01:41Winzern. Also er wird gerne genannt, aber es war ja damals dann ja verschiedene Winzer,
- 2:01:46die ihn auch begleitet haben, die ihn eben auch bestärkt haben, manchmal in Frage gestellt haben,
- 2:01:50woher raus dann letztlich auch diese Bewegung dann irgendwo. Genau, also ihn würde ich oder
- 2:01:54dann jetzt eben seine Tochter, die könnte man da in den Namendlichen nennen, was Bezucker zum
- 2:02:01Reihen gau. Aber dann haben wir natürlich genauso Leute auch Mosesaruba. Also dann haben wir in der
- 2:02:09Falselokomotiven, die vieles verändert haben, die stillistisch Meilensteine gesetzt haben,
- 2:02:15dann haben wir einen Julian Huber, der Baden auf ein anderes Niveau gehoben hat. Das Gleiche
- 2:02:23passiert in Württemberg, da schneit man einen Unkeller, schneit man und alldinger beispielsweise,
- 2:02:30die da Tüfteln und Tunen machen. Da gibt es ihre viele Namen zu nennen, das wäre wirklich schwierig.
- 2:02:38Grad hier in der Fals ist die Breite sicher am allergrößten. Doch an der Mose, die ganzen
- 2:02:46vielen Kleingeister, die diese so viel bewegt haben und so viel eigentlich die Beständigkeit
- 2:02:52dann auch und auch durch ihre Unbixtamkeit dann irgendwo. Dann ist das nur Wein oder gibt es
- 2:02:58ein Getränk, was dem sehr nahe kommt oder was eine ähnliche tiefe Komplexität,
- 2:03:02Entwicklungsfähigkeit, Wertigkeit, Wahrnehmung hat oder ist da Wein einzigartig? So langweilig wie
- 2:03:09das ist. Wein ist einzigartig. Also es ist ja jetzt ganz klar, in der heutigen Zeit muss man es
- 2:03:14somaliere oder somaliere eine top alkoholfreie Begleitung anbieten. Die Alternative muss einfach
- 2:03:20her, das gehört heute dazu und da gibt es natürlich eine Fülle von guten Getränken bis sehr
- 2:03:28guten Getränken. Vieles davon ist auf T-Basis fermentiert oder auf Kombucherbasis. Also ich
- 2:03:33finde irgendeine Form von Fermentation muss einfach her. Saft funktioniert nicht, weil Saft ist einfach
- 2:03:38zu süß. Als Begleitung, also für einen Gang Ja, für einen Menü Nein. Reine T-S,
- 2:03:47verfehlt die Haptik, deswegen braucht man einfach diese Fermentation und gerne dann mit Kräuter
- 2:03:52auszügen. Ich sehe das Ganze noch nicht bei entalkoholisiertem Wein, weil ich ein entalkoholisiertem
- 2:03:59Wein immer am Wein mess und entalkoholisierter Wein ist nie so gut wie der echte Wein in
- 2:04:03Anführungszeichen. Also da würde ich dann eher in Richtung eben fermentierte Getränke auf T-Basis
- 2:04:09mit Kräuter auszügen gehen. Und da gibt es inzwischen ganz tolle Sachen, aber es ist nie die
- 2:04:16bessere Begleitung als eine wirklich gelungene Weinbegleitung. Ja, das stimmt. Es ist eine
- 2:04:22Alternative und eine Alternative ist eben nicht das. Und es ist wichtig, dass es gibt, nämlich wenn
- 2:04:28man drei Leute im Jahr bekehrt, keine Coca Cola dazu zu trinken oder keine Limu, dann ist damit
- 2:04:33schon viel gewonnen, weil man vielleicht dann Leute dazu bringt, über die Sensorik mehr nachzudenken
- 2:04:38und bewusst zu essen und zu trinken. Also da braucht man, nicht jeder trinkt ja Alkohol,
- 2:04:44heute immer mehr Leute, die das nicht tun, gerade die jüngste Generationen und die brauchen
- 2:04:49einfach diese Getränke, um trotzdem in eine sensorische Welt einzutauchen. Und ich glaube durch
- 2:04:54diese Offenheit für diese Getränke, teilweise auch für den alkoholfreien Wein, treibt man ja auch
- 2:04:59eine Bewegung voran und eine Entwicklung dann letztlich, dass sie halt besser werden, dass sie
- 2:05:02kreativer werden, dass sie tiefsinniger werden. Und es ist natürlich auch spannend, weil man kann
- 2:05:08ja dann auch eine Gemichtebegleitung anbieten. Also wenn ich jetzt sechs Getränke anbiete und da
- 2:05:12sind dann drei Weine dabei und die wirklich knallen und dann drei andere sehr gute Getränke,
- 2:05:17dann ist das natürlich auch von der Menge an Alkohol, die man konsumiert, absolut verträglich,
- 2:05:21nimmt allen Kritikern den Wind aus den Segeln und ist keine große Einbuße beim Genuss. Also in
- 2:05:30sofern ist das dann eine echt positive Entwicklung. Dann kommt dem Wein noch eine andere Wertigkeit
- 2:05:34ein. Es hilft dem Wein einfach, aus diesem Alkoholbashing herauszukommen. Das ist schon
- 2:05:40eine sehr wichtige Geschichte, denn Alkohol ist problematisch in dem Moment, wo es in Richtung
- 2:05:46Sucht geht. Umgekehrt ist Wein ein kulturprodukt, kulturelles Getränk. Und so lange ich es genieße
- 2:05:56in eine Maße, wo es in keiner Abhängigkeit geht, wo man wirklich hier und da einen guten Wein trinkt,
- 2:06:02ist es was, was zu einem kultivierten Lebenstil einfach dazugehören muss oder sollte. Also ich
- 2:06:09verstehe Menschen nicht, die sich dem dann komplett entsagen. Wie gesagt, Sucht, Riesenthema,
- 2:06:14großes Problem, mein gerade, die Someliebranche, da gibt es sicher auch negative Beispiele,
- 2:06:21die da gesundheitlich auch mitzukämpfen haben. Aber ein vernünftiger Umgang mit Wein ist für
- 2:06:30mich etwas, was zu einem kultivierten Lebenstil absolut dazugehört. Und diese alten Studien,
- 2:06:37die ja besagt haben, zwei Einheiten, sprich ein Vetteliter Wein am Tag, längere Lebensdauer,
- 2:06:44natürlich ist belegt, dass der kausale Zusammenhang nicht besteht. Man lebt nicht länger, weil man
- 2:06:49Wein trinkt. Aber man lebt länger, obwohl man Wein trinkt. Weil der Fakt ist ja da und den
- 2:06:56belegen ja auch wirkliche Studien, die sind zwar nicht mehr ganz neu und deswegen nicht mehr so
- 2:07:00gern zitiert, aber sie sind da. Natürlich hat das mit vielen Dingen zu tun, dass Leute, die höhere
- 2:07:05Bildung, höheres Einkommen haben, mehr Geld in ihre Gesundheit investieren können. Deswegen sich
- 2:07:11auch an anfühlungszeichen Weinkonsum leisten können. Aber das ist ja im Endeffekt egal. Also
- 2:07:16Fakt ist, Leute, die in Maßen Wein trinken, leben genussvoll und leben nicht kürzer als Menschen,
- 2:07:24die keinen Wein trinken. Punkt. Und um zu, was du vorhin erwähnt hast, diese ganzen kulturellen
- 2:07:30Begleiterscheinungen, das Fundament dabei, die Kulturlandschaft, die da durch entsteht,
- 2:07:36das Kulturelle beisammensein, darf man einfach nicht vergessen, es ist so einfach gegen etwas zu
- 2:07:41sein und nicht das große Ganze dabei zu sehen. Und das alles nur über den Alkohol oder beziehungsweise
- 2:07:45manchmal auch über die Negativbeispiele oder eben auch die Industrialisierung dabei, die ja
- 2:07:51letztlich leidlich auch am Image dann irgendwo kratzt, das eben noch einfach nur mit in die,
- 2:07:57diese große Schalle mit reinzuwerfen. Naja. Also Wein ist natürlich ein Produkt,
- 2:08:08das auch die Stimmung verändert. Also es ist ein Rauschmittel im weitesten Sinn. Aber es gibt
- 2:08:14nichts vergleichbar angedämmt, die Stimmung verändert in kleinen Dosen wie Wein. Also
- 2:08:20ein Glas Wein genossen mit einer Runde von netten Menschen, regt die Gespräche an und macht
- 2:08:27einfach eine tolle Atmosphäre am Tisch. Das fängt mit einem schönen Glas an, in dem der Wein ist.
- 2:08:33Es ist auch ein Stil voller Genuss. Und ja, es gibt ja inzwischen auch eine Gegenbewegung
- 2:08:41gegen dieses Alkoholbashing, die auch auf diesen soziokulturellen Aspekt eben beruht oder drauf
- 2:08:48hinweist und sagt, hey, passt auf, das macht auch was mit den Menschen. Also es hat auch was Soziales.
- 2:08:53Es fördert die Interaktion, es bringt die Menschen zusammen, stichwort die Kneipe an der Ecke,
- 2:08:58wo man sich früher getroffen hat, Freitagsabend vielleicht oder danach ist das zum Stammtisch
- 2:09:04und zusammengekommen ist und natürlich wurde da Bier oder Wein getrunken. Aber es hat halt auch
- 2:09:10ganz viel Zwischenmenschliches bewirkt und das fällt halt weg. Und man muss sich da nichts
- 2:09:17vormachen, das wird nicht stattfinden, indem jeder in Mineralwasser trinkt.
- 2:09:20Ja, auch den Moment der Ruhe, den man sich dann zu Hause nimmt oder wenn man sich hinsetzt und
- 2:09:24in wer miteinander redet oder kocht oder sonstiges, da hilft Wein bei, also diesen Moment zu unterstützen
- 2:09:30und sich selber diese Ruhe zu gönnen, wer Wein ein Getränk ist, was man selten in der Hass trinkt,
- 2:09:36sondern meistens sich eine gewisse Ruhe dann nimmt. Kann man Wein in ein Wort pressen? Wein ist?
- 2:09:43Ja, Kultur, würde ich sagen. Schön. Und das ist so allumfassend.
- 2:09:49Ja, eben, es ist ansonsten schwer das so auszudrücken. Genuss, ja, aber Kultur trifft es eigentlich ganz gut,
- 2:09:56finde ich. Das hat sowas Rituelles natürlich mit dabei. Es hat eben den Aspekt Genuss, es hat
- 2:10:03Tradition mit dabei, es transportiert auch dieses, was du angesprochen hast, die Landschaften. Also,
- 2:10:09das Schöne an diesem Job ist ja, man reist in alle möglichen Weinlandschaften und fast jede
- 2:10:14Weinlandschaft dieser Welt ist schön. Fast jede Weinlandschaft der Welt hat nette Menschen,
- 2:10:21fast jede Weinlandschaft der Welt hat tolle Restaurants und schöne Hotels und eine interessante
- 2:10:27Landschaft von ein paar wenigen abgesehen, wo es wirklich flach ist. Und es gibt auch ein paar
- 2:10:34schöne Landschaften ohne Wein, das darf man auch nicht vergessen, ich fahre ja gerne in die Berge.
- 2:10:37Aber trotzdem, also, das ist einfach was Schützens und Erhaltenswertes.
- 2:10:44Welcher Wein wärst du? Wenn du ein Wein wärst?
- 2:10:50Ein blaufränkig.
- 2:10:52Natürlich.
- 2:10:53Ich wär gerne in Champagner, aber ich fürchte, das gibt es nicht her. Mein kulturelles, ich
- 2:10:59ist leider eher ein blaufränkig. Aber Champagner wär ich gern.
- 2:11:02Vielleicht sage ich das als vorletzte Frage. Gibt es für dich ein nennenswertes Schönstes
- 2:11:11und ein vielleicht amüsantes Sommeliererlebnis?
- 2:11:14Also, es gibt immer sehr schöne Begebenheiten, so diesen, ich sag mal, belustigt sein oder
- 2:11:26gar fremdschählmoment, hab ich noch selten erlebt, also dieser abgehobene Sommeliertypus,
- 2:11:33von dem manchmal gesprochen wird, so das Hochnäsige und so, ich glaub, das ist ausgestorben.
- 2:11:39Also zumindest mal in der Welten, der Ich-Verkehr treffe ich solche Typen. Kaum.
- 2:11:44Das war wahrscheinlich 90er Jahre Frankreich, oder?
- 2:11:46Ja, das ist genau.
- 2:11:47Das war das, das 2010 Frankreich, wo man das...
- 2:11:49Da gab es das noch.
- 2:11:50Oh, erwartet hat vielleicht sogar.
- 2:11:52Ich hatte so ein lustiges Erlebnis in der Champagne, das ist vielleicht so eine Anekdote.
- 2:11:57Ich hab Francis Igui besucht, war schon mal schwierig, selbst für mich in Termin zu kriegen
- 2:12:04bei ihm, geht nämlich nur über die Mutter, oder bis damals ging es über die Mutter,
- 2:12:08dreimal hin und her und anrufen und ja, jetzt, also mein Sohn hat dann und dann Zeit, ich
- 2:12:12musste um die Uhrzeit kommen, aber da kommen auch ein paar Pariser-Sommeliers mit dazu,
- 2:12:17weil damit sich das auch für ihn lohnt, sich die Zeit zu nehmen. Ganz klar.
- 2:12:20Wir waren natürlich zuerst da, Francis sitzt da, plättert in diesem Champagner-Magazin,
- 2:12:24hat zwar kein Wort Deutsch gekonnt, aber hat das einfach mal durchgeplättert, um sich
- 2:12:28einen Eindruck zu verschaffen.
- 2:12:30Übrigens ein lustiger Verkostungsraum damals, Bierzelt-Garnituren und Plastikblumen.
- 2:12:35Oh, bei Francis Igui und er sitzt selber an einer seiner Bierzelt-Garnituren und plättert
- 2:12:40da, dann kommen die Pariser-Sommeliers.
- 2:12:42Wie man sie sich vorstellt, alle komplett schwarz gekleidet, alle spitze schwarze Schuhe
- 2:12:47an, mit natürlich im entsprechenden plassierten Gesichtsausdruck reinmarschiert.
- 2:12:52Ja, und dann hat Francis uns eine Stunde einen Vortrag über seinen ganzen Stolz gehalten,
- 2:13:02das war seine neue Ferrari-Rote-Cocac-Presse und hat uns, glaube ich, jedes mögliche
- 2:13:06Pressprogramm erklärt und was er damit alles Tolles machen kann.
- 2:13:10Und die vier Typen sind fast eingeschlafen, also die werden am nächsten wieder nach Hause
- 2:13:15gefahren.
- 2:13:16Und dann hat er uns alle auch nochmal Demut gelernt im Keller, als er dann gesagt hat,
- 2:13:21ja, jetzt dürfte sogar Champagner probieren und das ist nur, weil gestern mein, ich glaube,
- 2:13:26kanadischer Importeur da war und ich deswegen alle Champagner aufhab und deswegen dürfte
- 2:13:29ihr die jetzt hier alle probieren.
- 2:13:31Und die Sommeliers waren aber von Ritz und von, ich glaube, Tour de Jean und also wirklich
- 2:13:37Paris erste Garde und die haben alle den Gesicht gezogen und ich habe mich fast totgelacht.
- 2:13:42Also im ersten Moment war ich auch kurz pickiert und dann dachte ich so, das ist echt großartig.
- 2:13:47Ja.
- 2:13:48Und der andere Seite ist ja schön, wenn der Winzer genau diese Presse erklärt, seine
- 2:13:51Gedanken aber seine Emotionen damit halten, dass ja das maßgeblich letztlich ihm ist,
- 2:13:56weil eine Lobholigung der einzelnen Champagner, das wäre dann eher ...
- 2:14:01Na ja, und das hilft die Persönlichkeit einzustufen.
- 2:14:05Ja, das stimmt.
- 2:14:06Gibt es für dich noch Ziele und Wünsche, die du, du hast jetzt so wahnsinnig viel Bewegt
- 2:14:11erreicht, was wir jetzt so in den letzten zwei Stunden jetzt schon dargelegt haben, aber
- 2:14:15hast du irgendwas ...
- 2:14:16Es gibt immer neue Etappen.
- 2:14:18Also lange war es das Thema Champagner.
- 2:14:20Ich habe immer davon geträumt, dass es auf den deutschen Weinkarten mehr ist, nur diese
- 2:14:26übliche Auswahl gibt.
- 2:14:28Also eine Partnermarke des Restaurants und dann noch zwei andere Namen dazu und dann war
- 2:14:35es, dass es waren dann sechs, sieben Positionen.
- 2:14:37Heute sind es sechs bis sieben Seiten.
- 2:14:39Also dieser Wunsch hat sich erfüllt.
- 2:14:41Es ist sicher jetzt so eine Mission mit dem Blaufränkisch, wo ich sage,
- 2:14:46"Heldi Rebsor", da hat es echt verdient, in die oberste Liga aufzusteigen in der Wahrnehmung.
- 2:14:51Und das ist jetzt noch so ein Projekt.
- 2:14:52Mal gucken, ob ich das noch hinkriege.
- 2:14:54Auch international, also blaufränkisch aus Kalifornien, blaufränkisch aus Südamerika
- 2:14:58oder ...
- 2:14:59Ich habe ...
- 2:15:00Arbeiten wir erst mal an Deutschland und Österreich.
- 2:15:02Na ja, also es ist ja eigentlich die Sorte des Donauraums.
- 2:15:05Also das heißt, wir schließen ja auch gleich Slowakei, Ungarn.
- 2:15:10Mit ein Deutschland natürlich, Österreich.
- 2:15:14Das würde schon reichen, wenn die Sorte aus diesen Ländern dann diese Anerkennung erfahren
- 2:15:21würde.
- 2:15:22Und in dem Moment, wo das der Fall ist, würde es sowieso überall anders angebaut.
- 2:15:27Das ist wie Schöne Implant.
- 2:15:28In dem Moment, wo die Rebsorte international es geschafft hat, wahrgenommen zu werden,
- 2:15:34versucht jeder, ob es zufälligerweise bei sich zu Hause auch passt.
- 2:15:37Das ist bei Nebiolo der Fall, das ist bei allen möglichen Rebsorten der Fall.
- 2:15:41Also das ist ja dann immer so der Ritterschlag.
- 2:15:44Was dann letztlich auch die Grenzen dann aufweist und zum Original zurückführt.
- 2:15:48Ja, aber eine spannende Frage.
- 2:15:50Blaufränkisch mit seinem Profil, der mit Trockenheit eigentlich und Wärme ganz gut
- 2:15:56klar kommt, der spätreifend ist.
- 2:15:58Das ist schon eine Rebsorte, die, glaube ich, in vielen Gebieten echt Potenzial hätte.
- 2:16:05Also sie kann nachgewiesener Wahrweise auf Kalk und auf Schiefer sehr spannend werden.
- 2:16:11Also auch da fallen einem ja wahnsinnig viele Terroirs ein, die in Frage kommen würden.
- 2:16:17Man hatte das Beispiel gesehen, Felix Peters im Rhein Hessen, was er versucht hat, aus
- 2:16:23der Rebsorte zu machen und hatte da auch schon beachtliche Rotweine erzeugt seiner Zeit.
- 2:16:29Also das ist sicher ein Riesenpotenzial.
- 2:16:32Und ja, das ist jetzt so etwas, was, glaube ich, da habe ich in den nächsten zehn Jahren
- 2:16:37noch einiges schonallistig zu begleiten und ein paar Inspirationen zu geben.
- 2:16:42Dann die letzte Frage, dann wirklich letzte Frage, das perfekte Glas für Blaufränkisch
- 2:16:46ist es Burgunder oder Bordeaux-Glas generell betrachtet?
- 2:16:49Es ist eher so ein Glas, in dem auch Syrah und solche Rebsorten gut funktionieren.
- 2:16:54Also kein richtiges Burgunder-Glas in meinen Augen, Tic-Kleiner ist ein Burgunder-Glas.
- 2:17:01Eher so die Richtung Bordeaux-Glas.
- 2:17:03Ich wusste irgendwie, dass es toll wird.
- 2:17:10Als ich die Anfrage an Sascha gestellt habe, wusste ich, es wird eine besondere Folge,
- 2:17:14es wird eine sehr komplexe, eine sehr tiefsinnige, eine wortgewandte Folge klar, Journalist.
- 2:17:19Was soll ich erwarten?
- 2:17:20Aber dass es so tiefsinnig wird, dass man in der Folge spüren kann, wie sehr Sascha
- 2:17:26den Wein liebt, sich mit den Zommys verbunden fühlt, die Gastronomie fühlt.
- 2:17:31Das hat mich richtig beeindruckt, während des Gesprächs und jetzt im Nachhinein beim
- 2:17:34mehrmaligen Hören natürlich.
- 2:17:36Vielen lieben Dank, lieber Sascha, nicht nur für deinen Schaffen, für deinen Tun,
- 2:17:39für die Unterstützung der gesamten Branche, sondern auch für diese tolle Episode, für
- 2:17:43diese tolle Folge.
- 2:17:44Toll und danke, dass du unser Gast warst.
- 2:17:46Und noch ein großes Dankeschön unserem Begleiter, unserem Unterstützer, der Schlumberger Gruppe,
- 2:17:52mit den Hannitzhäusern Segnetz, Schlumberger, Konseo Winnie und dem Privatkundenportal Bremer
- 2:17:58Weinkolleg.
- 2:17:59Dank Ihnen und Ihrer sowohl händischen als auch wirtschaftlichen Unterstützung ist
- 2:18:04es möglich, dieses Projekt zu realisieren.
- 2:18:06Und, dass ich mich auf die nächste Woche freue und damit auf den großartigen Daniel Kioski.
- 2:18:11Ja hallo, mein Name ist Richard Krosche.
- 2:18:27Ich war zehn Jahre lang Saschas Kollege oder einer von Saschas Kollegen im Meininger Verlag
- 2:18:32und habe Sascha in der Zeit beruflich und aber auch ganz wichtig privat sehr schätzen
- 2:18:37gelernt.
- 2:18:38Heute leite ich die Weingüter Wegeler im Rheingauen an der Mosel und es war ein guter Corona erst
- 2:18:42mal ins Haus.
- 2:18:43Und sehe leider den Sascha viel zu selten, aber wir nähern uns ja mit riesigen Schritten
- 2:18:48der Rente und haben hoffentlich auch mal wieder mehr Zeit, um vielleicht gemeinsam zu kochen.
- 2:18:53Gleich mal zu Beginn, weil das Sascha sonst oder sich das nicht über sich selber sagen
- 2:18:59würde.
- 2:19:00Sascha ist super.
- 2:19:01Sascha ist super professionell, der ist geradezu erschreckend diszipliniert.
- 2:19:06Das macht sich ja auch an seiner für Genus-Experten eher ungewöhnlichen Figur bemerkbar.
- 2:19:13Schapur auch dafür Sascha.
- 2:19:15Sascha ist die erfahrenste Champagnase, die ich kenne.
- 2:19:19Er ist immer neugierig.
- 2:19:20Je besser man ihn kennt, desto schonungslos ehrlicher wird er und das ist wirklich unbezahlbar.
- 2:19:27Wir verkosten bis heute wirklich immer noch gerne und sind uns auch fast immer einig.
- 2:19:33Außer bei der Reduktion von Riesling, da hat Sascha dann doch die vielleicht größere
- 2:19:38Toleranz, aber er verkostet halt auch auf die Zukunft.
- 2:19:41Viel Spaß mit Sascha.
- 2:19:43Cheers.
- 2:19:44[Musik]