Latest / Moneyfestation / Wie mentale Gesundheit, Prävention und Geldentscheidungen zusammenhängen | mit Lilly Spalt #111
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- 0:00Die Abwesenheit von Geld führt irgendwann einfach zu viel mentalem Stress, das auch zu Krankheiten führen kann. Oder: Wie bringen wir Menschen in
- 0:07gute Entscheidungen, die der langfristigen Gesundheit dienlich sind?
- 0:11Warum denken wir Menschen immer, ich muss etwas perfekt machen oder ich fange gar nicht erst an damit? Warum wir, obwohl wir so viel wissen, gerade im
- 0:18Bereich Gesundheit es trotzdem nicht schaffen, uns auch entsprechend zu verhalten. Was sind so die ersten Handlungsschritte, die ich gehen kann,
- 0:26wenn ich sage, ich möchte jetzt mich mehr um mich kümmern und meine mentalen Kapazitäten verbessern?
- 0:36Hallo Lilly, hallo Anna, hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Moneyfestation.
- 0:42Ja, ich freue mich sehr. Ihr seht, oder einige sehen es, die hier gerade mit der Kamera am Start sind. Die anderen, die uns bei Spotify und Co.
- 0:49hören, sehen es nicht. Ich habe eine Gästin heute. Und bevor ich die liebe Lilly nämlich vorstelle, würde ich erstmal reinholen, worum es heute geht.
- 0:58Du weißt, dass du früh ins Bett gehen solltest. Du weißt, dass du Sport machen solltest, und wahrscheinlich weißt du auch, dass du dich um deine Altersvorsorge kümmern müsstest, und
- 1:06trotzdem passiert genau was? Nichts. Das ist aber kein Charakterfehler und auch keine fehlende Disziplin. Dahinter steckt Psychologie und die kann man
- 1:13verstehen. Heute sprechen wir darüber, warum wir so oft nicht in unserem eigenen Interesse handeln, was Dauerstress mit unseren Entscheidungen macht und warum mentale Gesundheit am
- 1:22Ende auch etwas mit dem zu tun hat, was auf deinem Konto steht. Und deswegen freue ich mich sehr, dass ich heute eine waschechte Psychologin mir
- 1:29gegenübersitzen habe, denn die liebe Lilly ist Psychologin mit Schwerpunkt Gesundheitsförderung, Prävention und Gesundheitsverhalten. Hauptberuflich
- 1:38verantwortet sie das Betriebliche Gesundheitsmanagement in einem biomedizinischen Forschungszentrum und beschäftigt sich dort mit der Frage, wie gesunde Arbeits- und Lebensbedingungen langfristig gefördert werden können.
- 1:48Darüber hinaus begleitet und entwickelt sie im Rahmen ihrer Selbstständigkeit verschiedene Projekte an der Schnittstelle von Prävention, Healthy Aging und Gesundheitsförderung. In ihrer
- 1:57Arbeit verbindet sie psychologische Erkenntnisse mit Public-Health-Perspektiven und beschäftigt sich besonders mit der Frage, warum Menschen trotz besseren Wissens häufig nicht im
- 2:06eigenen Interesse handeln. Sie interessiert sich dafür, welche Rolle Stress, Selbstwirksamkeit und Entscheidungsprozesse dabei spielen und
- 2:13wie Prävention so gestaltet werden kann, dass gesundes Verhalten langfristig leichter wird. Und was mich besonders in ihrer Arbeit interessiert, die Frage
- 2:20natürlich, warum mentale Gesundheit weit mehr ist als die Abwesenheit psychischer Erkrankung und wie sie unsere Entscheidungen, auch die rund um Geld,
- 2:28maßgeblich beeinflusst. Darüber wollen wir heute sprechen. Schön, dass du heute da bist, liebe Lilly. Vielen Dank.
- 2:35Ja, jetzt habe ich super viel über dich erzählt, aber ich finde es immer schön, wenn sich unsere Gästinnen einmal selber vorstellen dürfen. Das heißt, ich stelle mal gerne die Frage: Wenn du jetzt irgendwie auf dem Geburtstag einer
- 2:44Freundin wärst und dich jemand anquatscht und sagt: Ey, was machst du denn eigentlich so? Wie würdest du dich und deine Arbeit dann in dem Fall beschreiben?
- 2:51Das ist tatsächlich eine schwierige Frage für mich und ich muss immer einmal die Augen verdrehen, wenn mir die Frage gestellt wird, weil ich so viele
- 3:00verschiedene Sachen mache, dass ich da immer so ein bisschen ausholen muss.
- 3:04Du hast jetzt zum Glück schon ein paar Sachen gesagt. Genau, ich bin einmal im Bereich des Betrieblichen Gesundheitsmanagements
- 3:13in einem biomedizinischen Forschungsinstitut. Das heißt, ich bin da gleich doppelt mit Gesundheit und Prävention konfrontiert.
- 3:21Und komme aber so ein bisschen aus der Start-up-Welt. Da habe ich vorher gearbeitet und ja, konnte das nicht ganz
- 3:28loslassen und bin deswegen auch da in verschiedenen Projekten involviert. Berate da von Strategie bis hin zu
- 3:36Produktentwicklung, Kommunikation, vor allem Gesundheitskommunikation, was mein Leidenschaftsthema ist schon
- 3:43seit ganz, ganz vielen Jahren, und beschäftige mich eigentlich von verschiedenen Blickwinkeln guckend immer wieder mit
- 3:53der Frage: Wie bringen wir Menschen in gute Entscheidungen, die der langfristigen Gesundheit dienlich sind.
- 4:01Richtig cool. Das heißt, das war schon immer so dein Interesse von klein an und dann hat sich dein Weg ganz individuell gebildet, oder wie war das?
- 4:08Also ich würde definitiv sagen, dass ich in einem gesundheitsbewussten Haushalt aufgewachsen bin. Danke an meine Mama an dieser Stelle.
- 4:19Ich kann dir nicht genau sagen, also als Kleinkind würde ich jetzt nicht sagen, das war schon meine Leidenschaft,
- 4:26aber spätestens in meinem Studium der Psychologie habe ich mich umgeschaut und habe
- 4:33natürlich menschliche Konstellationen, menschliche Verhaltensweisen, menschliche Gruppendynamiken, aber auch Einzeldynamiken
- 4:41aktiv beobachtet und habe mich immer gefragt, warum wir, obwohl wir so viel wissen gerade im Bereich Gesundheit, es
- 4:49trotzdem nicht schaffen, uns auch entsprechend zu verhalten.
- 4:54Und ich glaube, das hat sich dann mit der Zeit einfach zu einem Thema entwickelt, was mich total begeistert
- 5:01hat, und dann habe ich mich da so reingenerdet. Ja, das finde ich super. Ich liebe das.
- 5:07Ich nerde mich auch super gerne in Themen rein. Gerade das, was du sagst, werden wir nachher auf jeden Fall noch mal im Detail besprechen, weil das ist ja häufig nicht die Abwesenheit
- 5:15von Wissen, sondern wir wissen viele Dinge, aber wir können sie nicht umsetzen. Und gerade in meinem Alltag, ich bin ja neben der Tätigkeit hier als
- 5:24Host im Podcast vor allem in Einzelgesprächen mit Frauen bezüglich ihrer Finanzen beschäftigt. Das heißt, ich lerne ganz, ganz viele Frauen
- 5:31kennen, die teilweise sagen: Ja, ich weiß, ich habe eine Rentenlücke. Wissen teilweise, wie hoch die ist, wissen auch, ey, ich bin schon keine Ahnung x
- 5:38Jahre eigentlich zu spät. Ich beschäftige mich damit schon seit zehn Jahren eigentlich mental, oder es beschäftigt mich passiv und ich bin noch nicht ins Handeln gekommen. Und grämen
- 5:47sich deswegen ganz häufig, weil sie es natürlich irgendwie auf sich selber zurückführen und sagen, ich bin schuld, ich habe etwas falsch gemacht. Und ich glaube, das ist so ein wichtiger Punkt,
- 5:54über den wir heute sprechen, dass man die mentale Gesundheit und seine mentale Grundverfassung nie aus dieser Rechnung rausnehmen darf, denn wir sind ja eben
- 6:01keine Maschinen, keine Roboter, die man programmiert und die immer 100 Prozent rational handeln, ne?
- 6:07Ja, super schön, wie du das gesagt hast. Oder was mir auch ganz oft begegnet, ist dieser Glaubenssatz von: Ich habe einfach nicht genug Disziplin
- 6:15oder nicht genug Willenskraft. Was dann zu so einer Selbstverurteilung führt und überhaupt nicht zuträglich ist in diesen Sachen.
- 6:26Und ich kann das ja einmal vorwegnehmen, dass Disziplin und Willenskraft zwar schöne Eigenschaften sind, die auch manchmal
- 6:34helfen, aber wirklich total überschätzt sind und ganz andere Faktoren hier eine viel größere Rolle spielen.
- 6:41Da bin ich richtig gespannt. Guter Teaser auf jeden Fall, was dann tatsächlich der Schlüssel vielleicht auch sein mag. Aber bevor wir richtig ins Thema reingehen, würde ich gerne
- 6:49noch mal so ein bisschen das Thema mentale Gesundheit definieren. Und ich finde den Satz, mentale Gesundheit ist mehr als die Abwesenheit einer Diagnose oder Krankheit, total schön, weil ich
- 6:58finde auch, man darf sich mit Themen nicht erst beschäftigen, wenn sie zum Problem werden, ne? Also das ist ja auch hier wieder die Anknüpfstelle. Viele Frauen kommen zu mir, weil ein Problem gelöst
- 7:07werden muss. Aber ich freue mich auch über jede Frau, die mit Anfang, Mitte 20 sagt, ich weiß, da werden irgendwelche Themen auf mich zukommen, und bevor ich
- 7:15ein Problem habe, fange ich an mich zu kümmern. Deswegen definier doch gerne mal so ein bisschen für uns alle: Was ist denn mentale Gesundheit eigentlich
- 7:22so im Groben? Ja, es ist mir auch ein ganz großes Anliegen, das Thema mentale Gesundheit so ein bisschen
- 7:29rauszubringen aus diesem verbreiteten Glauben: Wenn ich keine Depression oder
- 7:36ein Burnout habe, was häufig mit psychischen Erkrankungen heute verbunden wird,
- 7:44bin ich direkt mental gesund. Und für mich ist mentale Gesundheit einmal der Schlüssel zu
- 7:52jeglicher Prävention, also sowohl mentaler als auch körperlicher Prävention. Und für mich ist das die
- 8:00Freiheit, nach seinen eigenen Werten leben zu können, freie Entscheidungen treffen zu können und in der Lage zu
- 8:08sein, die Entscheidungen auch in Verhalten umzusetzen.
- 8:12Richtig gut. Auf jeden Fall. Ich finde es immer lustig, wenn man irgendwie von Vorsorge spricht, dann haben viele direkt so AOK-Rückenkurse im Kopf oder
- 8:20so, ich muss hier irgendwie keine Ahnung fit am Schreibtisch oder so, dass so etwas eine Vorsorge und eine Prävention ist.
- 8:26Aber wo fängt dann eigentlich richtige Prävention an? Sind es vielleicht schon irgendwie kleinere Momente, kleinere Eigenschaften im Alltag, die
- 8:34eigentlich schon präventiv sind? Was würdest du sagen, wo fängt das eigentlich an, das Thema? Also definitiv, man kann das ganz, ganz klein
- 8:42angehen, gerade auch wenn man der Meinung ist, das ist bis jetzt noch nicht Teil meines Lebens. Also die Hürde
- 8:48ist nicht unbedingt groß. Und was auch wichtig ist dazu zu sagen, ist, dass eine einzelne Maßnahme wie ein
- 8:55Rückenkurs niemals ausreicht, um tatsächlich Prävention zu leben, sondern für mich gehört das zu der Definition
- 9:04von Prävention, dass wir viele kleine Entscheidungen treffen, die der Gesundheit, sei es mental oder
- 9:12körperlich, zuträglich sind. Und wie gesagt, das kann sich auf ganz, ganz viele verschiedene Themen
- 9:20beziehen, aber es können Handlungen sein, die eine Minute am Tag dauern.
- 9:26Ja, es sind tatsächlich häufig die kleinen Dinge, ne? Also das ist ja auch viel Thema unseres Podcasts: Wenn es um größere Themen wie Investieren oder
- 9:35Sparen geht, dann versuchen wir uns dem immer so möglichst kleinschrittig wie notwendig zu nähern, weil meine Oma hat auch mal
- 9:43gesagt, man soll sich nicht den Berg angucken, sondern soll die nächste Stufe vor den eigenen Füßen angucken. Weil häufig habe ich auch festgestellt,
- 9:51dass viele Leute schnell sich nur Berge angucken und sagen: Boah, der ist eh zu hoch, da muss ich gar nicht erst anfangen, den zu besteigen. Kennst du das auch so in deiner Arbeit? Absolut.
- 10:00Viele Personen, mit denen ich zusammenarbeite oder gearbeitet habe, denken, wenn sie irgendwie Prävention
- 10:09und ihre Gesundheit angehen wollen, müssen sie ab jetzt jeden Tag eine Stunde Sport machen, dürfen nie
- 10:15wieder Zucker oder Fastfood essen, müssen jede Nacht mindestens acht Stunden schlafen und dürfen auch auf gar keinen Fall mehr Stress empfinden.
- 10:23Das ist natürlich jetzt ein bisschen überspitzt, aber es geht tatsächlich in die Richtung, was Menschen denken, was Prävention
- 10:30bedeutet. Und da ist die Hürde dann schon so groß, dass sie denken, nee, das Thema schiebe ich noch mal
- 10:37vor mir weg. Was ein Problem ist, was wir bestimmt auch bei dem Thema Finanzen ganz oft haben. Definitiv. Ich nenne es mal so:
- 10:46diese Ganz-oder-gar-nicht-Mentalität, ne? Ist ja auch genau das Gleiche, ob es jetzt darum geht, sich um seine körperliche Fitness oder um seine mentale Gesundheit oder um das Thema
- 10:54Finanzen zu kümmern. Was glaubst du, vielleicht kannst du uns da ein bisschen reinholen fachlich, woher kommt denn das eigentlich? Also warum denken wir Menschen immer, ich muss
- 11:02etwas perfekt machen oder ich fange gar nicht erst an damit? Das liegt daran, dass unser Gehirn immer versucht, Komplexität zu reduzieren und
- 11:11Unsicherheit zu vermeiden. Und da die meisten Themen in unserem Leben aber sehr komplex sind,
- 11:20muss unser Kopf zwangsläufig diese Vereinfachungen treffen. Und wenn man sich dann nicht
- 11:27die Zeit nimmt, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, dann führt das immer als Erstes zu diesem Ganz-oder-gar-nicht-Denken.
- 11:33Und ich glaube, hier ist es wichtig, bewusst an Themen ranzugehen, die einem wichtig sind. Also erstmal herauszufinden, was ist mir überhaupt
- 11:41wichtig, und dann zu sagen, ich nehme mir jetzt die Zeit für dieses Thema und überlege einmal, wie sieht das denn für
- 11:48mich aus, dieses wichtige Thema? Was soll der Bestandteil sein, was nicht, was ist nötig, was nicht und was ist in mein Leben integrierbar? Das klingt
- 11:56jetzt alles sehr abstrakt. Vielleicht können wir das später noch mal an einem Beispiel erklären. Also ich glaube, es
- 12:05braucht den bewussten Umgang mit den Themen, um aus diesem Ganz-oder-gar-nicht-Denken rauszukommen. Ich hoffe, das beantwortet jetzt die Frage.
- 12:13Doch, auf jeden Fall, würde ich definitiv sagen, weil ich immer wieder so dieses, keine Ahnung, jemand will eine Diät machen und da hat er einmal seine
- 12:21selbst auferlegten Regeln gebrochen, dann ist so dieses: Jetzt ist eh alles hinüber, ich habe einen Tag nicht geschafft, dann kann ich es ganz sein lassen. Diese Komplexität zu sagen,
- 12:29okay, heute habe ich es nicht geschafft, aber morgen ist ein neuer Tag, und es wird nicht das Gesamtbild oder das Gesamtziel herunterreißen, ne? Das ist
- 12:37so, was man sich erarbeiten muss und was irgendwie anstrengender ist, als einfach immer nur wie so ein Lichtschalter zu funktionieren: an oder aus, ja oder nein, schwarz oder weiß, ne? Das ist die mentale Anstrengung dahinter.
- 12:48Total. Und gleichzeitig dürfen wir natürlich von niemandem fordern oder erwarten, dass er dauerhaft diese
- 12:57anstrengenden Denkweisen durchführt, weil das einfach nicht möglich ist und weil das nicht mit allen Themen, die uns
- 13:05wahrscheinlich im Leben wichtig sind, funktioniert. Und deswegen bin ich ein ganz großer Fan von Routinen, die nämlich dann, nachdem man sich einmal
- 13:13Gedanken gemacht hat, wieder vereinfachen können und Prozesse sozusagen im Kopf automatisieren können,
- 13:21sodass Handlungen einfach entstehen, ohne dass wir jedes Mal wieder abwägen und in diese komplexen Denkprozesse rein müssen.
- 13:29Das habe ich total bei mir selber festgestellt. Irgendwann, wahrscheinlich war es beim Scrollen auf Social Media, ist mir der Begriff Decision Fatigue
- 13:36entgegengesprungen. Ist das ein wissenschaftliches Phänomen und beschreibt es das eigentlich, dass wir quasi am Ende des Tages oder nach einem längeren,
- 13:45energieraubenden Projekt am Ende irgendwann einfach müde sind, Entscheidungen zu treffen, und deswegen auch vielleicht schlechtere Entscheidungen treffen?
- 13:53Definitiv. Also Decision Fatigue, ich weiß nicht, ob das der Begriff ist, der auch in der Wissenschaft verwendet
- 14:00wird, aber das Phänomen existiert auf jeden Fall. Und es geht darum, dass wir davon ausgehen, dass wir eine
- 14:07mentale Kapazität haben, und über den Tag hinweg, je mehr anstrengende Aufgaben wir machen, desto mehr sinkt diese
- 14:15mentale Kapazität, und die muss sich genauso wie der Körper regenerieren.
- 14:20Und das dauert eben ein bisschen und besonders gut funktioniert das im Schlaf. Es kann aber auch funktionieren, wenn man sich tagsüber kleine Pausen
- 14:27nimmt, nur nicht ganz so gut und ganz so weit. Und was wir vor allem wir Frauen häufig unterschätzen, ist, dass
- 14:35wir eben ganz, ganz viele mini kleine Entscheidungen, die wir banalisieren, wie zum Beispiel: Was gibt es heute
- 14:43Abend zu essen? Was muss ich noch einkaufen? Welche Termine muss ich für meine ganze Familie organisieren?
- 14:51Dass die eben auch diese mentale Kapazität einnehmen und diese Kapazität uns dann fehlt,
- 15:00und wir die aber, wenn wir drüber nachdenken, was wir heute schon alles geleistet haben, oft gar nicht berücksichtigen.
- 15:06Absolut. Ich hätte da gerne meine Zahl, habe ich jetzt leider nicht parat, aber ich habe mal irgendwas gehört, dass man wirklich Tausende von kleinen Entscheidungen am Tag trifft,
- 15:15die man, wie du sagst, einfach gar nicht bewusst wahrnimmt, ne? Sei es wirklich einfach morgens: Was ziehe ich an? Nehme ich das Rad, nehme ich den Bus
- 15:23oder fahre ich mit dem Auto? Wenn ich mit dem Auto fahre, wo parke ich das Auto? Ist noch ein Platz in der Tiefgarage im Büro? Es fängt ja so an, ne? Nehme ich die Treppen, nehme
- 15:30ich den Fahrstuhl? Und das heißt ja, je mehr Routinen wir eigentlich haben, je mehr schon festgelegt ist, desto mehr, wenn wir nach diesem Kapazitätsaspekt gehen, je mehr Hirnkapazitäten oder auch
- 15:39emotionale Kapazitäten haben wir dann, um uns wichtigen Themen zu widmen, ne? Also die vielleicht unsere zwischenmenschlichen Beziehungen oder unseren Job ausmachen.
- 15:47Total. Und den Herausforderungen, die der Alltag sowieso bietet, die wir nicht kontrollieren können und nicht
- 15:55vorhersehen können. Ja, das heißt, das wäre schon so ein erster Tipp von dir, sich viele Dinge vorab einfach zurechtzulegen, zum Beispiel morgens zu sagen: Ich
- 16:03ziehe, keine Ahnung, vielleicht müssen wir nicht den Steve Jobs machen und nur noch schwarze Rollkragenpullis rumliegen haben, aber vielleicht sich schon mal am Abend immer das Outfit zur Seite zu
- 16:10legen und einfach zu sagen, das ist es jetzt, und nicht morgens noch drei Stunden zu überlegen.
- 16:15Total. Also ich bin auch kein Fan davon, alles in eine Routine zu packen, obwohl ich wirklich eine Routine-
- 16:24Liebhaberin bin. Irgendwann wird es vielleicht auch langweilig, und ich glaube, es braucht immer diesen kleinen kreativen Spielraum, vor allem für
- 16:32Themen, die einem wichtig sind, in denen man sich sozusagen auslebt. Für manche mag das die Entscheidung sein, was
- 16:39man an jedem Tag anzieht. Für andere sind das andere Themen. Aber es erleichtert auf jeden Fall
- 16:48viel, wenn man so seine Bereiche findet, die man sozusagen automatisieren kann.
- 16:53Ja, mega. Habe ich auch so für mich festgestellt. Wir haben auch so viele kleine Challenges schon in diesem Podcast gemacht, unter anderem auch eine Meal-Prep-Challenge, und ich habe gemerkt,
- 17:01wenn ich nicht jeden Tag überlegen muss, was ich esse, sondern in meinen Tiefkühler gehe und meine Dosen einmal umstülpe und habe einen Block Kichererbsen-Curry und einen Block Reis,
- 17:09das gibt mir so viel für den Tag. Also das ist zum Beispiel etwas, was ich nicht gut kann, weil ich so Spaß an meinem
- 17:17Essen habe, dass ich mir die Zeit sozusagen rausnehme, mir an fast allen Tagen irgendetwas zu kochen,
- 17:26frisch. Aber ich habe absolut Verständnis dafür, wenn das ein Bereich ist, in dem manche Personen ein Sparpotenzial sehen.
- 17:34Ja, finde ich aber einen guten Aspekt zu sagen: Man sucht sich seine Highlights raus, wo man sagt, da
- 17:41gebe ich bewusst gerne mentale Kapazitäten rein, und andere Sachen, die mir vielleicht nicht so viel Freude machen. Weil die einen haben vielleicht keinen Bock auf Mode, die
- 17:49anderen haben weniger Bock auf Essen, dass man sagt, da kann man auf jeden Fall einsparen. Ja, voll gut.
- 17:54Lass uns doch mal auf die Diskrepanz oder die Lücke zwischen ich weiß etwas und ich handle danach eingehen. Da wird es mich total interessieren. Du
- 18:02arbeitest ja in einem Forschungszentrum, wo ganz, ganz viele gesundheitsbewusste Menschen sind. Würdest du sagen, als Person, die im Gesundheitsmanagement
- 18:09arbeitet, hast du dort mehr Menschen kennengelernt, die auch nach ihrem Wissen handeln? Also das sind ja wahrscheinlich sehr viele schlaue Köpfe, die sehr viel Gesundheitswissen haben, oder?
- 18:21Kurz in eigener Sache: Warum gibt es diesen Podcast überhaupt? Genau, dank Investforwomen. Und Investforwomen kann auch mehr für dich tun. Dein Geld liegt auf dem Tagesgeldkonto und
- 18:29verliert leise an Wert. Deine Altersvorsorge schiebst du seit Monaten vor dir her, und beim Investieren denkst du, ich müsste, aber ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Genau dafür
- 18:37gibt es unsere Investmentberatung von Frauen für Frauen. Du startest mit einem kostenlosen Erstgespräch mit deiner Investmentberaterin, zum Beispiel mit mir.
- 18:45Danach begleiten wir dich individuell eins zu eins rund um Vermögensaufbau, Altersvorsorge und Absicherung. Komplett online, deutschlandweit und auf
- 18:52Augenhöhe, und endlich mit einem Fahrplan, der zu deinem Leben passt.
- 18:55Buche jetzt dein kostenloses und unverbindliches Erstgespräch. Den Link findest du hier unter der Folge in der Videobeschreibung. Ich freue mich auf dich.
- 19:04Absolut. Also wir haben sehr gebildete Beschäftigte bei uns im Institut, und es beschäftigen sich auch
- 19:12fast alle mit Gesundheitsthemen, auch wenn diese sich unterscheiden. Und man würde meinen, dass die dann auch
- 19:20überdurchschnittlich gesund leben. Das ist aber absolut nicht der Fall. Einmal muss man, glaube ich, in meinem
- 19:27Kontext bedenken, dass es sich um ein Forschungsinstitut handelt, und Forschende tendieren dazu, sehr viel
- 19:34zu arbeiten, auch zu, ich sag mal, unmöglichen Zeiten zu arbeiten. Und haben daher ein
- 19:42durchschnittlich erhöhtes Stresslevel. Plus: Die Forschung ist immer noch relativ hierarchisch aufgebaut, weswegen wir auch mit
- 19:51Themen wie Druck von Führungsseite zum Beispiel oder Druck durch Deadlines zu kämpfen haben.
- 20:01Und es ist auch so, dass wir, ich glaube, gesellschaftlich die
- 20:09Macht von Wissen überschätzen. Also allein das Wissen reicht nicht, sich auch gesund zu verhalten,
- 20:18sondern was eine viel größere Rolle spielt, als wir denken, sind die Bedingungen, in denen wir aufgewachsen
- 20:26sind, aber auch die Bedingungen, in denen wir aktuell leben oder denen wir ausgesetzt sind, und die psychische Kapazität, die ich eben schon erwähnt
- 20:34habe. Also wenn wir im Dauerstress sind, dann schaffen wir es gerade, darüber nachzudenken, wie wir den Tag noch meistern.
- 20:42Aber auf gar keinen Fall, uns über langfristige Entscheidungen Gedanken zu machen.
- 20:50Total spannend. Ja, würde man ja wirklich denken, dass Menschen, die sich tagtäglich mit Gesundheit beschäftigen, das auch so leben. Das finde ich
- 20:57super interessant, da so einen Einblick zu bekommen, aber mit den Hintergründen, die du genannt hast, natürlich auch sehr nachvollziehbar. Ich glaube, Stress ist so ein riesiger Faktor, auf den wir noch
- 21:06mal stärker eingehen sollten, denn viele benutzen Stress ja auch, ohne vielleicht den physischen Stress zu meinen oder genau zu wissen, was im Körper passiert.
- 21:14Viele sagen: Boah, mein Tag war stressig. Oh, ich habe gerade Stress im Nacken. Also es gibt viele Floskeln, die sich rund um
- 21:21Stress ranken, aber was genau ist es denn psychologisch gesehen? Also vielleicht kannst du uns da mal so ein bisschen in den Körper, in den Kopf reinholen. Wenn ich jetzt einen richtig
- 21:30anstrengenden Arbeitstag hatte, und da Deadlines und die Führungsebene ist unzufrieden: Was macht das denn eigentlich mit mir als Körper und als Mensch?
- 21:37Ich überlege gerade, wie ich das am besten angehe. Ich glaube, wenn ich jetzt in die Nervenzellen und
- 21:45Synapsen einsteige, wird es ein bisschen zu komplex, aber ich finde die Analogie zum Computer eigentlich ganz schön. Und zwar kann man sich das so vorstellen,
- 21:53dass du an deinem Computer ganz, ganz viele Tabs gleichzeitig offen hast, weil du an so viele Themen denkst. Das führt
- 22:01zu Stress und führt beim Computer dazu, dass der Rechner langsamer wird, ja, und dass der Akku irgendwann leer ist oder dass der Akku schneller leer geht.
- 22:13Das Gleiche passiert mit meinem Laptop.
- 22:16Das Gleiche passiert mit der mentalen Kapazität, über die wir ja eben schon gesprochen haben. Wenn wir ganz, ganz viele Themen
- 22:23gleichzeitig im Kopf haben und es nicht schaffen, die sozusagen beiseite
- 22:29zu legen, dann haben wir erstmal das Problem mit dem Multitasking, was ja, wenn man
- 22:37das wissenschaftlich betrachtet, gar nicht existiert, also nicht möglich ist.
- 22:42Wir können nicht über mehrere Themen gleichzeitig nachdenken. Stattdessen switchen wir zwischen diesen ganzen Themen hin und her und hin und her, was
- 22:49dazu führt, dass wir eigentlich nicht wirklich effektiv oder effizient weiterkommen.
- 22:56Und gleichzeitig aber sehr, sehr viele Ressourcen verbraucht werden.
- 23:02Das finde ich ein richtig schönes Bild. Das kenne ich auch, weil ich hatte letztens, dass mein Laptop mir angezeigt hat, der Arbeitsspeicher ist voll, und
- 23:09mir dann so ein Chart aufgemacht hat, wo gerade ganz viel Speicher reingeht. Ich habe einfach gesehen, wie viel offen ist, obwohl ich es aktiv nicht nutze. Und das ist für mich sehr gut nachvollziehbar, weil ich mache zum Beispiel
- 23:20auch sehr gerne Yoga, und wenn man dann so eine Meditation macht, da liegt und dann: Stell dir mal deine Gedanken vor und pack sie auf die Wolke
- 23:27und lass sie ziehen. Denkst du so: Wow, wie viel ist denn da? Ich kann da auch so schnell so viel, ne? Der Haushalt, keine Ahnung, das Essen morgen mit
- 23:35einer Freundin. Was mache ich denn danach? Was ist das und was ist dies? Also da kommt ja so viel auf einmal hoch, was
- 23:42ja nicht bewusst wie so ein Fenster vor mir ist, und ich sehe, was ich sehe, aber im Hintergrund läuft so viel ab, und ich merke am Ende des Tages, dass
- 23:51ich super erschöpft bin und weiß gar nicht so richtig warum. Aber es macht ja Sinn, weil, ne, das Unterbewusstsein: Ich glaube, in unserem Kopf passiert viel, viel mehr, als wir einfach wahrnehmen können, oder?
- 23:58Ja, absolut. Und was ich auch mal gehört habe, wenn wir über die Beziehung von Stress und
- 24:06Krankheiten sprechen: dass Menschen, die viel Stress haben, weil
- 24:13sie wirklich Existenzängste haben, weil sie sich die ganze Zeit gedanklich mit Geld beschäftigen und wo kriege ich Geld her und reicht mein Geld und ich muss noch Geld ausgeben, aber ich habe
- 24:22keins, dass das auch ein Faktor ist, der langfristig total krank machen kann. Das finde ich auch wirklich krass. Das heißt, im Umkehrschluss:
- 24:29Man kann sich keine Gesundheit mit Geld kaufen, aber die Abwesenheit von Geld führt irgendwann einfach zu viel mentalem Stress, das auch zu Krankheiten führen kann, oder?
- 24:38Absolut. Also da ist die Studienlage total klar. Was ja auch dazu geführt hat, dass
- 24:46unser Sozialsystem sich dem Thema widmet. Ich will nicht sagen, dass es da nicht noch Luft nach oben gibt, aber ja, das ist super eindeutig.
- 24:55Das ist ja schon mal auf jeden Fall ein sehr spannender Zusammenhang. Natürlich viele Faktoren, die das Ganze beeinflussen. Hast ja
- 25:03selber gesagt, sowohl die mentale Gesundheit als auch wie man finanziell geprägt ist, hängt natürlich sehr stark auch davon ab, wo man herkommt, wie viel
- 25:11die Eltern hatten, wie viel Bildung einem zuteil geworden ist aufgrund dessen. Das heißt, da haben wir natürlich schon mal eine gesellschaftliche Ungleichheit. Das heißt, man kann nicht sagen: Ja, Mensch,
- 25:19wenn du gesund bleiben willst, dann besorg dir Geld. So leicht ist es natürlich nicht. Aber auf der anderen Seite, wenn man zumindest ein gewisses Maß an finanziellen Mitteln zur
- 25:28Verfügung hat, ist es natürlich für die eigene Gesundheit und auch die mentale Gesundheit super wichtig, sich damit auseinanderzusetzen und für sich auch
- 25:37hier Routinen zu finden, wie du gesagt hast, Geldroutinen, sodass dieses Thema nicht dauerhaft kreisen muss, sondern man diesen Tab einmal eben schließen
- 25:43kann, ne? Genau. Und auch da, ich finde das total schön, was du eben gesagt hast: Es kommt ja wieder
- 25:50die Umgebung ins Spiel. Also sowohl für Gesundheit als auch für das Thema Finanzen und Vorsorge trifft es zu, dass,
- 25:59wenn du in dem Haushalt aufgewachsen bist, wo Gesundheit immer eine Rolle gespielt hat, wo du gelernt hast, wie
- 26:06man Bewegung in den Alltag integriert, wie man gesundes Essen in den Alltag integriert, oder auch, dass man
- 26:12schon früh sein Geld anlegt, dann wird es dir später sehr viel leichter fallen,
- 26:20das auch zu leben, weiterzuführen oder selbst in Angriff zu nehmen, als wenn du davon nie gehört hast, weil dann ist das ein unbekanntes Thema.
- 26:29Unser Gehirn mag unbekannte Sachen nicht, versucht die zu vermeiden. Was zu dieser
- 26:37Prokrastination oder ja, Aufschieberitis, wie man umgangssprachlich gerne sagt, führt.
- 26:44Ja, total. Da haben wir auch letztens erst in der Folge drüber gesprochen.
- 26:48Meine Podcast-Kollegin Annabel ist nämlich selber Mama, und ihr ist das immer total wichtig, das anderen Eltern mitzugeben, wie wichtig das ist, Kinder
- 26:57mit Geld in Kontakt zu bringen. Gar nicht, um sie damit zu belasten. Also jetzt nicht in dem Sinne, nee, das können wir uns alles nicht leisten und wir haben kein Geld, weil das ist natürlich wieder eine andere Prägung,
- 27:05eine eher negative Prägung, sondern: Ich gebe dir schon mal ein klein bisschen Taschengeld und du hast einen Spielraum, in dem du dich bewegen kannst. Du kannst herausfinden, was
- 27:12kosten Dinge in deinem Umfeld. Wenn ich etwas haben möchte, dann kann ich darauf sparen. Also diese psychologische Prägung von Kindern, was
- 27:20das Thema Geld angeht, und damit natürlich auch, wie viel Stress man ihnen in der Zukunft nehmen kann. Ich glaube, das ist noch total unterschätzt, oder?
- 27:26Absolut, absolut. Also das sind diese Umgebungsfaktoren, die ich am Anfang meinte, die super wichtig sind.
- 27:33Und natürlich, also was ich total spannend finde auch in dem Beispiel, was du gerade genannt hast, mit den Kindern, denen man den Raum gibt, sich
- 27:41auszuprobieren und zu spielen: dass die dadurch die Möglichkeit haben, ohne hohes Risiko
- 27:49zu erkennen, was ist mir wichtig, welche Möglichkeiten eröffnen sich
- 27:55mir, oder wie möchte ich, dass diese Möglichkeiten, die ich habe durch
- 28:02den Freiraum, durch das Geld oder was auch immer es ist, welche Werte habe ich? Und das würde ein Kind sich jetzt nicht so denken, wie ich das gerade genannt
- 28:11habe, aber ich glaube, dass sie da Werte und Prioritäten schon herauskristallisieren können, die dann
- 28:18einfach auch später das gute Handeln, jetzt sehr wertend gesagt,
- 28:26also dass sie da Prioritäten herauskristallisieren, die gesunde Verhaltensweisen und gute Entscheidungen vereinfachen.
- 28:35Ja, total, voll schönes Thema. Ich würde gerne noch mal auf den Umgebungsfaktor eingehen. Ich hatte nämlich eine Bekannte im Kopf, die ganz
- 28:44häufig, also die ganz offensichtlich sehr viel Stress hat. Also die ist sehr verspannt, sie ist sehr unter Strom, und immer wenn ich sie
- 28:51spreche, sagt sie: Ja, ich habe so viel Stress. Und dann versuche ich ihr natürlich irgendwas mitzugeben, weil ich ja selber zum Beispiel Fan von Yoga bin. Und dann sagt sie: Ja, kann ich ja viel machen, aber es ist ja beim Umfeld das Problem.
- 29:02Ich bin ja nicht das Problem. Die Leute, die morgens in der Bahn, wenn ich zur Arbeit fahre, da sind und laut sind und schreien. Die Kinder, die pöbelnden
- 29:09Jugendlichen, die nervige Kollegin, die jeden Tag wieder bei mir auf der Matte steht mit neuen Forderungen. Die anderen sind ja das Problem, an denen kann ich ja nichts ändern durch Yoga. Und dann
- 29:17denke ich mir so: Okay, jetzt würde ich gerne mal wissen, wie groß ist denn der Einflussfaktor? Also was kann ich dann bewusst tun? Weil natürlich kann ich nicht mein ganzes Umfeld verändern,
- 29:25und das würde ja nur noch mehr Stress auslösen, wenn ich mich die ganze Zeit mit Dingen beschäftige, die ich persönlich nicht beeinflussen kann. Aber wie kann man vielleicht die Perspektive
- 29:34und den Umgang damit anpassen, oder auch nicht?
- 29:38Ja, also im Coaching-Kontext sagt man immer, die Verantwortung liegt zu 50 Prozent
- 29:44bei dir und zu 50 Prozent bei deiner Umwelt beziehungsweise den Personen, mit denen du gerade interagierst, beispielsweise auch in
- 29:52Konflikten. Wenn die Konstellation hierarchisch ist, kann das mal zu einem 60-40-Verhältnis switchen, aber
- 30:00normalerweise gehen wir von 50-50 aus. Und da ist es total wichtig, also das würde ich deiner Freundin mitgeben,
- 30:08sich eben auf die 50 Prozent zu fokussieren, die sie selbst in der Hand hat. Die anderen 50 Prozent kann sie nicht beeinflussen.
- 30:16Da muss sie mit ihrer eigenen Resilienz, die sie sich hoffentlich durch kleine Routinen aufgebaut hat oder aufbauen wird, klarkommen.
- 30:25Und die anderen 50 Prozent sind die Beschäftigung mit der Frage: Okay, wie gehe ich mit dem Verhalten der anderen um?
- 30:35Also wie kann ich für mich einen Weg finden, dass mich das möglichst wenig stresst, dass ich immer noch meinen Gestaltungsraum bestmöglich für mich nutze.
- 30:47Gutes Stichwort: Resilienz. Wie kann ich diese Resilienz dann aufbauen? Hast du da vielleicht so zwei, drei Tipps und Tricks, wenn jetzt jemand sagt: Ja,
- 30:54möchte ich ja gerne, aber wie denn? Wo fange ich denn damit eigentlich an? Ich glaube, das lässt sich nicht pauschalisieren. Es gibt einige
- 31:04Tricks, aber jeder muss so seinen eigenen Weg finden.
- 31:08Welcher Trick passt für mich? Oder ja, was funktioniert für mich? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Atem eigentlich das niederschwelligste und
- 31:17einfachste Tool ist, um Resilienz aufzubauen. Also du kannst wirklich mit drei, vier, fünf Atemzügen schon Raum
- 31:26schaffen, und zwar ganz physisch. Das klingt immer so esoterisch oder spirituell, aber die wissenschaftliche Lage ist
- 31:34absolut klar, und ich bin eine große Verfechterin von der Wissenschaft, dass es einen Unterschied macht im
- 31:41Körper, und zwar in der Regulation des Nervensystems. Wir haben den Sympathikus und den Parasympathikus.
- 31:48Und während der Sympathikus für die Fight-or-Flight-Reaktion zuständig ist, ist der Parasympathikus dafür zuständig, uns runterzufahren.
- 31:58Und dieses Runterfahren brauchen wir genauso, wie wir im Sport Anstrengung und Regeneration brauchen. Und wenn wir
- 32:06gestresst sind, tendieren wir dazu, dauerhaft in diesem Aktivitätsmodus im Sympathikus zu sein.
- 32:14Und es ist total wichtig, um Resilienz aufzubauen, die Balance zu schaffen und immer öfter wieder den
- 32:21Parasympathikus und die Ruhe und Regeneration ins eigene Leben einzuladen. Und der schnellste Weg ist es,
- 32:30bewusst und ruhig zu atmen, tendenziell auch die Ausatmung ein bisschen in die Länge zu ziehen. Auch da: Es gibt eine Million Atemtechniken, die
- 32:39verschiedene Zwecke erfüllen. Ich würde sagen, sie sind alle in Ordnung. Wenn man da seinen Favoriten findet, kann man den auch jeden Tag machen, und das ist super.
- 32:49Tendenziell, um zu beruhigen, würde ich sagen, die Ausatmung ein bisschen in die Länge ziehen und die Einatmung
- 32:57dafür ein bisschen kürzer machen, gerne auch die eine oder andere Atempause integrieren. Aber wie gesagt, es muss nicht kompliziert sein. Das ist
- 33:06für mich total mächtig. Für andere funktioniert Journaling total gut, also dass sie sagen: Ich muss
- 33:13einfach mal alle Gedanken, die sich da so in meinem Kopf ansammeln und meine mentale Kapazität besetzen,
- 33:21runterschreiben. Da habe ich sehr Positives und sehr Negatives drüber gehört. Ich nutze
- 33:28diese Strategie zum Beispiel nicht, aber ich habe Freundinnen, die sagen, das ist mein Ein und Alles und die Lösung aller Probleme.
- 33:38Ja, ich glaube auch, jeder muss da sein Ding finden, und ich finde es auch immer super, einfach mal so ein paar Ansätze rauszugeben. Für mich funktioniert Journaling eine Zeit lang auf jeden Fall
- 33:47immer, aber ich brauche auch häufiger mal eine Pause davon. Aber andere sagen, ich muss das durchgängig machen, und erst dann wirkt es wirklich, ne? Ich habe auch
- 33:54einzelne Freundinnen, die sagen, die machen ihre Atemtechniken. Ich vergesse es zu häufig. Ich würde es auch gerne häufiger machen. Aber ja, ich glaube, vergessen zu
- 34:02atmen ist auch so ein typischer Stressindikator im Alltag, oder? Ja, wenn du das merkst. Ich
- 34:09habe angefangen, also vor Jahren schon, mir eine fünfminütige
- 34:16Morgenroutine, oder in meine Morgenroutine eine fünfminütige Atempause einzubauen. Die ist wirklich fester
- 34:25Bestandteil, und auch wenn ich um sechs Uhr morgens einen Zug kriegen muss, dann nehme ich mir die Zeit, diese paar Atemzüge zu machen. Und das ist so automatisiert, und
- 34:34das sieht zwar jeden Tag ein bisschen anders aus. Also mal mache ich irgendwie eine Guided Session mit einer
- 34:41App, mal sitze ich wirklich nur da und versuche zu schauen, wie mein Atem gerade aussieht, ohne daran aktiv etwas zu
- 34:48verändern. Und irgendwann hat sich eingestellt, dass ich auch im Alltag, ohne mir dessen wirklich bewusst zu
- 34:56sein, einfach mal so einen ganz tiefen Atemzug mache. Und ich merke das in dem Moment nicht. Ich glaube, das ist
- 35:04eine automatische Reaktion meines Körpers, wenn gerade viel passiert um mich rum. Und das fällt mir dann immer erst auf, wenn
- 35:12Leute um mich rum sagen: Alles okay? Weil ich dann so laut ausatme und lange, und sie dann denken, ich würde irgendwie
- 35:20so seufzen oder wäre genervt oder was auch immer. Dabei ist es einfach nur dieses Loslassen
- 35:28und Entspannen. Und ich finde das dann ganz witzig, dass
- 35:35sich sozusagen diese kleine Routine am Morgen anscheinend durch den kompletten Tag brechen kann.
- 35:40Sind wir wieder bei den Routinen. Es ist ein mächtiges Mittel: sich einmal bewusst Gedanken machen, was braucht man für sich, was möchte man dann integrieren.
- 35:49Ja, voll. Also das Thema Mindset und Gedanken ist natürlich für uns auch ein großes Thema. Das sagt ja eigentlich schon unser Podcast-Titel Moneyfestation.
- 35:58Das heißt, wir wollten damit so die beiden Welten des großen Finanzkosmos eigentlich angehen. Einmal das Materielle, das Geld, das Haptische,
- 36:07und mit Manifestieren quasi einmal so das Mentale dahinter. Denn das ist mir schon so oft aufgefallen in den Beratungen: Es liegt nicht an der Menge
- 36:16von Geld, die Frauen zur Verfügung haben, wie sie damit umgehen, sondern es liegt zu einem ganz, ganz großen Teil daran, wie sie geprägt wurden. Das heißt, wie denke ich über dieses Geld?
- 36:24Das finde ich immer ganz interessant, wenn ich an einem Tag mehrere Calls habe. Wir besprechen immer so eine Cashflow-Liste, also die Frau schreibt einmal auf, was kommt rein, was geht
- 36:32raus, was bleibt übrig. Und das kann mitunter mal auch ähnlich aussehen bei Frauen. Die einen haben schon 30.000 Euro gespart, die anderen haben 3.000 Euro
- 36:40gespart. Die Frau mit den 30.000 sagt vielleicht trotzdem: Ich glaube, das reicht nicht, Anna, ich habe totale Ängste. Also ich hätte am liebsten
- 36:49mindestens 50.000, und erst dann kann ich anfangen zu investieren, weil ich brauche diese Grundsicherheit, dass ich mindestens so viel Geld übrig habe. Und dann die Frau, die 3.000 Euro gespart
- 36:57hat, sagt: Ja, was soll mir denn passieren? 3.000 Euro ist doch super. Also, könnte ich noch einen Monat von auf Reisen gehen. Also weißt du, was ich meine?
- 37:05Es ist so spannend zu sehen, dass nicht die Zahlen, auch wenn sie teilweise identisch sind, das Ausschlaggebende sind, sondern
- 37:12wie darüber gedacht wird. Und da fand ich es ganz spannend. Jetzt haben wir über quasi kurzfristige Methoden für Stressoren im Alltag gesprochen, aber
- 37:20ich würde gerne noch mal auf diese längerfristige Ebene eingehen. Das heißt, wie kann ich vielleicht auch aktiv daran arbeiten, wenn ich bestimmte Glaubenssätze aus meiner Kindheit, aus
- 37:27meinem Umfeld mitbekommen habe? Wie die eine Frau, die mir gesagt hat, meine Eltern haben immer gesagt: Ja, wir haben ja nichts, wir haben ja nichts. Und irgendwann hat sie erfahren: Ja, nee,
- 37:35wir sind keine arme Familie, wir sind ganz normal im Mittelstand und uns geht es eigentlich gut. Aber sie hat dieses Mangelgefühl mitbekommen. Also das ist
- 37:44auf jeden Fall die schwierigere Challenge als die kleinen Routinen.
- 37:52Und ich glaube, da muss man als ersten Schritt mal umsichtig mit sich selber sein. Also
- 37:59diese Glaubenssätze, die wirklich aus der frühen Kindheit existieren, die sitzen ganz, ganz tief, und die können wir nicht von einem Tag auf den anderen
- 38:07umkehren. Ich glaube, es ist ein wichtiger erster Schritt, sich diesen Glaubenssätzen bewusst zu sein,
- 38:13die einmal zu reflektieren, auch zu wissen: Aha, daher kommen die.
- 38:19Um dann den nächsten Schritt oder die nächste Phase einzuleiten und zu sagen: Okay, ich möchte daran was ändern.
- 38:26Um dann in die Änderung zu gehen, muss man, und wir sind da schon so ein bisschen drauf eingegangen, für sich
- 38:32klar haben, was ist mir wichtig, was sind meine Werte, was möchte ich für
- 38:38meine Zukunft. Und wenn man das klar hat, sich dann den Weg dahin vor Augen zu führen und in ganz kleine Schritte
- 38:47runterzubrechen, wo wir dann zurückkommen auf diese Routinen und Automatisierungen. Ich würde sagen, das ist der
- 38:55richtige Ansatzpunkt. Und dann ist es trotzdem in Ordnung, wenn man auf dem Weg immer mal wieder zurückfällt in
- 39:03diese Glaubenssätze, die man eigentlich loslassen wollte, oder in die Prokrastination.
- 39:08Ja, das sind, glaube ich, wichtige erste Schritte. Ich weiß von einigen Frauen auch, dass sie sich irgendwann
- 39:15mal die Frage stellen: Kann ich das eigentlich alles selber aufarbeiten, oder brauche ich an irgendeiner Stelle vielleicht auch
- 39:22Unterstützung? Und ich finde, das ist leider so ein großes Thema, dass ganz, ganz viele Menschen auch in Deutschland das Thema haben: Mir geht es schlecht, oder ich habe ein Thema, mit dem fühle
- 39:31ich mich nicht wohl, aber ich weiß nicht, ob ich mich unwohl genug fühle, mir Hilfe zu suchen. Also zum Beispiel mit einer Therapeutin, einem Therapeuten zu sprechen. Nun bist du ja nicht
- 39:39als Therapeutin psychologisch tätig, aber vielleicht kannst du da mal so ein bisschen den Raum für öffnen. Also welche Fragen kann ich mir stellen, damit ich
- 39:47herausfinde, ob ich Themen alleine angehen kann, oder wo darf ich mir auch einfach Unterstützung suchen, ohne mich schlecht zu fühlen und zu denken, aber anderen Menschen geht es ja schlechter, die brauchen ja viel mehr Unterstützung als ich.
- 39:57Ich glaube, da müssen wir so ein bisschen unterscheiden. Also wenn es jetzt darum geht, ob ich möglicherweise psychisch krank bin und
- 40:05da Unterstützung brauche: Da haben wir ganz klare Diagnosekriterien für alle möglichen psychischen
- 40:13Krankheiten, die sozusagen diagnostizieren, ob du etwas hast oder nicht. Und das kannst du nicht
- 40:22selber, und das darf auch ich nicht, selbst wenn ich eine Einschätzung habe, darf ich nicht bewerten, sondern das darf nur ein
- 40:29ausgebildeter, zertifizierter Psychotherapeut machen.
- 40:33Wir sagen da aber, etwas generalisiert: Es ist völlig in Ordnung, wenn du Tage hast, an denen es dir nicht
- 40:42gut geht. Wenn du merkst, es ist chronifiziert, also an den meisten Tagen in einer Woche, in einem Monat oder
- 40:49die meiste Zeit während eines Tages geht es mir schlecht, dann sind das Alarmsignale. Genauso, wenn ich immer
- 40:57wieder von Menschen in meinem Umfeld angesprochen werde, ob etwas nicht in Ordnung ist. Wenn ich merke, diese
- 41:06Resilienz, von der wir am Anfang gesprochen haben, die ist eigentlich überhaupt nicht mehr vorhanden, jede Kleinigkeit, jede kleine Challenge
- 41:13bringt das fast zum Überlaufen, dann wäre es definitiv angeraten, sich Hilfe zu suchen. Jetzt ist es natürlich
- 41:22leicht gesagt, es ist unglaublich schwer, einen Therapieplatz oder einen Therapeuten zu finden.
- 41:30Das ist ein riesiges Problem. Ich habe dafür auch keine Lösung. Da müsste systemisch ganz viel gemacht werden, und wir bewegen uns da leider gerade eher in die falsche Richtung.
- 41:41Grundsätzlich, und wenn wir zurückkommen zu dem Thema, über das wir eigentlich gesprochen haben, beziehungsweise wenn es jetzt
- 41:49um niederschwelligere Hilfe und eher in Richtung Coaching, Beratung geht, würde ich sagen: Man darf sich immer Hilfe suchen, immer wenn Fragezeichen da sind.
- 42:01Da darf man sich umschauen, darf man Fragen stellen, darf man Leute um Rat bitten und um
- 42:09Unterstützung bitten. Und dann ist es im Endeffekt eher wieder die Frage:
- 42:16Wie wichtig ist mir das Thema? Bin ich zum Beispiel bereit, mir da jetzt mal eine Stunde eine Coachin, einen Coach
- 42:25an die Seite zu nehmen, was dann auch Geld kostet, aber möglicherweise langfristig wieder einen großen Vorteil
- 42:33hat, also ein Investment ist? Oder möchte ich das nicht, also ist es mir doch nicht so wichtig, und bin ich der Meinung, ich kann mir
- 42:41das durch Eigenrecherche selbst erarbeiten? Beides ist völlig legitim und in Ordnung. Aber
- 42:49grundsätzlich möchte ich jede Zuhörerin, oder ich weiß nicht, ob ihr auch männliche Zuhörer habt, ermutigen,
- 42:56sich Hilfe zu suchen, wenn auch erstmal im persönlichen Umfeld.
- 43:00Voll die wichtige Botschaft, finde ich, und das sagen wir auch oft genug in diesem Podcast: Da muss man sich überhaupt nicht für schämen, sich Hilfe zu suchen. Das ist
- 43:08total normal und total menschlich. Nun nehmen wir mal so ein klassisches Beispiel. Also was bei uns natürlich häufig kommt, sind klar die, die Angst
- 43:15haben, Geld auszugeben, und klammern, oder aber auch die, die zu viel ausgeben und sich darüber auch bewusst sind. So, nehmen wir mal
- 43:23an, ich sage einer Frau: Hey, das ist etwas zu viel, was du monatlich für Konsum ausgibst, weil du hast an anderer Stelle nicht genug für die anderen
- 43:30Ziele, die dir langfristig eigentlich wichtiger sind. Dann sagt die Frau: Ich verstehe es. Aber warum fällt es ihr so schwer? Du hast ja schon gesagt, Veränderung finden wir Menschen immer blöd, deswegen ist es immer gut, wenn man
- 43:39das früh trainiert. Aber wenn man es eben nicht früher trainieren konnte, wenn du eben 40 bist und merkst: Ah, ich habe da so ein Verhalten, ich weiß, ich muss es ändern, aber warum ist es so
- 43:47schwierig für uns Menschen? Veränderung fällt uns schwer, und unser Gehirn überbetont kurzfristige
- 43:55Belohnungen vor langfristigen, weil wir das Langfristige nicht gut einschätzen können, weil wir unserem langfristigen Ich in gewisser Weise fremd sind.
- 44:06Das klingt so abstrakt, aber ich finde das eigentlich ein ganz schönes Bild. Und was auch noch dazu kommt,
- 44:14ist, dass wir Entscheidungen immer recht emotional treffen. Da komme
- 44:23ich wieder auf diesen Punkt zurück mit dem Wissen, dass wir das Wissen systematisch überschätzen, was Entscheidungen angeht. Weil solange
- 44:33das Wissen nicht irgendwie auch emotional behaftet ist, fällt es uns total schwer, das zu übersetzen in
- 44:40Handlungen. Und deswegen, ich habe das Gefühl, ich komme die ganze Zeit darauf zurück, aber wenn man weiß, was ist mir wichtig und wie möchte
- 44:48ich leben, ja, wenn man das wirklich visualisieren kann und sich dessen ganz aktiv bewusst ist,
- 44:55dann fällt es viel leichter, auch entsprechende Handlungen zu vollführen,
- 45:01fällt es also leichter, sich auch entsprechend zu verhalten.
- 45:05Total. Ich finde das so spannend, weil genauso machen wir es ja auch in unserer Beratung mit den Frauen, wenn wir die Wünsche und Ziele definieren.
- 45:13Das heißt, erst gucken wir uns an, was ist vorhanden, welche Kapazitäten sind da, was können wir eigentlich machen, und dann, was wollen wir denn eigentlich machen. Und dann fragen wir die Frau noch
- 45:21immer: Was ist denn wichtig? Und die meisten sagen ja irgendwie Altersvorsorge. Wenn ich dann aber frage, stellst du dir deine Rente vor?
- 45:27Boah, da habe ich noch nie drüber nachgedacht. So, jeder weiß, ne, klar kann immer was passieren und so weiter und so fort, aber die meisten Menschen werden alt in Deutschland. Wir haben
- 45:36den Wohlstand, wir können teilweise 90 oder 100 werden. Das heißt, wir müssen uns ja auch darauf mental vorbereiten, dass es diese Version von uns gibt, in der
- 45:44wir nicht mehr arbeiten, in der wir auf unsere jetzigen Handlungen zurückschauen und entsprechend entweder gut gehandelt
- 45:51haben oder nicht gut. Das heißt, ja, das ist so spannend, dass es vielen so schwerfällt, wie du sagst, dass man sich selber fremd ist und dass
- 45:59eine kurzfristige Belohnung immer mehr zündet, sage ich mal. Das kann ich ja nachvollziehen. Deswegen sage ich den Frauen auch immer: Wenn wir
- 46:07jetzt zusammen dein Geld investieren, dann darfst du dir nicht vorstellen, dass das die gleiche Freude auslöst, wie wenn du morgen ein geiles Oberteil bei H&M
- 46:15shoppen gehst. Das wird nicht den gleichen Effekt haben, weil du wirst erst später darauf zurückkommen. Aber ja, da ist es wichtig, sich eben, wie du
- 46:22sagst, Gedanken zu machen und nachhaltig für später zu planen. Und dann kann man vielleicht auch eher mit dem Vorfreudeprinzip arbeiten, dass man
- 46:30sagt, ich male mir ein schönes Bild aus, so wie ich mich als Kind das ganze Jahr auf Weihnachten oder auf meinen Geburtstag gefreut habe, dass man sich diese
- 46:37Vorfreude wieder zurückholt. Wäre das vielleicht ein Ansatz? Ja, also je mehr man es schafft, das, was man sich wünscht, schon zu fühlen, auch
- 46:45körperlich, desto besser gelingt diese Emotionalisierung.
- 46:50Und ich glaube, man muss sich einmal bewusst machen, dass, das ist wieder eine schöne Parallele zwischen Gesundheit und Finanzen, dass weder die
- 46:58Gesundheit noch das Geld per se ein Selbstzweck sind. Also wir wollen nicht einfach nur möglichst viel Geld anhäufen, oder wollen auch nicht einfach nur
- 47:07möglichst viel Gesundheit anhäufen, sondern wir wollen beides anhäufen, um damit möglichst
- 47:16selbstbestimmt unser Leben zu gestalten, um möglichst frei zu sein, um freie Entscheidungen zu treffen, um machen zu können, was wir wollen, wie
- 47:24auch immer das für jeden Einzelnen aussieht.
- 47:27Und ich glaube auch, wenn man sich das einmal so vergegenwärtigt, dann hat das eine totale Macht. Ja, das finde
- 47:35ich ein schönes Bild. Also im Endeffekt, haben wir jetzt schon an verschiedenen Punkten gesagt, sich um seine Finanzen zu kümmern, gehört zum Teil der
- 47:43Selbstfürsorge und ist auch ein wichtiger Teil, der für eine gute Gesundheit beisteuert, ne?
- 47:50Also, ob es jetzt direkt oder indirekt ist: Wenn ich mehr Geld habe, kann ich mir später auch bessere Therapien, Reha, Gesundheitscoachings, was auch immer, ermöglichen damit. Sehr cool.
- 48:01Ich glaube, wir haben schon richtig, richtig viele tolle Tipps gesammelt. Da bin ich schon mal mega dankbar für. Zum Schluss würde ich auf jeden Fall gerne
- 48:08noch mal, wie das Wort, die Eigenverantwortung, Handlungskompetenz, Gesundheitskompetenz, es gibt so viele tolle Wörter dafür.
- 48:18Genau, das Thema Gesundheitskompetenz noch mal mit reinholen, denn das ist ja auch ein Wort, von dem ich weiß, dass du es sehr gerne nutzt und das dir sehr viel
- 48:26bedeutet. Magst du das vielleicht noch mal definieren? Was ist denn eigentlich Gesundheitskompetenz? Wir haben ja schon gesagt, einfach nur Wissen über Gesundheit ist es nicht.
- 48:33Genau. Also in der Wissenschaft sprechen wir von Health Literacy, und das wird häufig ins Deutsche mit dem Wort Gesundheitskompetenz
- 48:41übersetzt. Und ich finde aber, dass die deutsche Übersetzung es nicht hundertprozentig trifft. Ich habe jetzt auch keine bessere, aber
- 48:51bei Gesundheitskompetenz denken wir immer zuerst an das Wissen haben. Und bei dem Begriff geht es
- 48:59aber viel mehr darum, ein Gesundheitsthema zu verstehen, wirklich zu durchdringen, und das dann aber auch
- 49:07nutzen zu können, also in den individuellen Lebensalltag
- 49:14übersetzen zu können und in Handlungen umzusetzen. Also es geht nicht
- 49:22nur um das Verständnis, sondern auch um die Verarbeitung und die Übertragung in die Lebensrealität.
- 49:31Ja, und ich glaube, es braucht alle Schritte, um tatsächlich die Gesundheit zu fördern, und eben nicht nur einen
- 49:38Teilschritt. Und deswegen mag ich den Begriff so gerne, weil er eben einen Weg beschreibt zu mehr Gesundheit, und
- 49:46der ist immer noch total individualisierbar oder personalisierbar.
- 49:51Und trotzdem könnte man ihn im Endeffekt auf ganz verschiedene Zielgruppen und viele
- 49:59Menschen übertragen und damit total viel bewirken. Und das finde ich immer toll, wenn man so einen Weg findet, um einen großen Hebel zu haben.
- 50:10Ja, das hast du schön zusammengefasst.
- 50:12Da werde ich auch mal weiter drauf rumdenken. Finde ich einen richtig coolen Ansatz. Wenn andere Frauen jetzt auch sagen: Boah, ich habe so viele Impulse
- 50:20mitgenommen und ich sollte mich jetzt echt mal ranmachen, ich möchte mich vor allem auch ranmachen. Was sind so die ersten Handlungsschritte, die ich gehen kann, wenn ich sage, ich möchte jetzt
- 50:29mich mehr um mich kümmern und meine mentalen Kapazitäten verbessern? Ja, ich würde sagen, erstens:
- 50:37Nimm dich mal für einen kleinen Moment raus. Es können fünf Minuten sein, zehn Minuten. Vielleicht ist jetzt die
- 50:45eine oder andere auch noch mal im Urlaub und hat da ein bisschen Freiraum. Nimm dir einmal den Raum nachzudenken,
- 50:53was ist mir wichtig aktuell und was ist mir wichtig für meine Zukunft.
- 50:58Und wenn du das klar hast, gerne auch aufschreiben, aufmalen, irgendwie visualisieren. Dann
- 51:06sich einen Plan machen: An welchen Stellen in meinem aktuellen Leben kann ich mini kleine Veränderungen in die
- 51:14richtige Richtung einbauen? Ich bin auch ein ganz großer Fan von diesem sogenannten Habit Stacking. Ich möchte jetzt kein ganz neues Thema mehr
- 51:22reinbringen, aber da geht es darum, kleine Routinen aneinander zu heften.
- 51:28Das heißt, immer vor dem Zähneputzen trinke ich noch ein Glas Wasser beispielsweise, oder stretche ich mich
- 51:36einmal in alle Richtungen, oder was auch immer dir wichtig ist für deinen Tag, was zu kurz gekommen ist.
- 51:44Das hilft total, um überhaupt in Routinen zu finden. Und wenn du dir dessen bewusst bist und auch
- 51:52das Gefühl hast, du hast gar keine Zeit: Wenn du mit einer Sache anfangen kannst, die zwei Minuten kostet, dann ist es schon ein riesiger
- 52:00Fortschritt. Und dann wirst du merken, dieses Erfolgserlebnis von so einer kleinen Routine, die sich etabliert hat,
- 52:08führt dazu, dass du Lust hast, noch mehr Routinen zu etablieren.
- 52:12Finde ich total wertvoll. Und wie gesagt, mir ist bewusst, du kannst nicht alles in eine Routine packen. Es gibt auch manchmal große Entscheidungen,
- 52:21die man einfach treffen muss, oder dass man sagt, ich muss mir hier mal einen Tag rausnehmen, weil es ein komplexes Thema ist. Aber auch das
- 52:29kleinschrittig vorzubereiten, dass einfach die Challenge nicht mehr so gigantisch wirkt, sondern einen Prozess in Teilprozesse zu unterteilen, sich
- 52:38selber zu belohnen, das sind total wirkungsvolle Herangehensweisen.
- 52:45Sehr cool. Vielen, vielen Dank dafür.
- 52:48Ich würde dir gerne noch mal unsere Moneyfestation-Abschlussfrage stellen, und zwar: Was du heute über Geld, Selbstfürsorge und Gesundheit verstanden hast, was davon würdest du gerne schon
- 52:57deutlich früher verstanden haben? Also wenn du da zurückreisen könntest, was würdest du deinem jüngeren Ich sagen?
- 53:02Was hättest du gerne früher für dich implementiert? Gibt es da was? Ich finde, Geld wird noch viel zu oft
- 53:10in sich bewertet, und ich finde, Geld per se sollte wertfreier gesehen werden und als
- 53:19Mittel zum Zweck zu persönlicher Freiheit.
- 53:25Und ich glaube, dass auch ich viele Jahre eigentlich zu emotional mit dem Thema umgegangen bin und das weniger
- 53:34als Mittel zum Zweck gesehen habe. Voll der schöne Gedanke. Finde ich, passt perfekt zu dem, was wir ja schon gesagt haben. Es geht beim
- 53:43Geld nicht ums Geld, sondern was man daraus macht, ne? Absolut, sehr, sehr schön. Jetzt haben wir schon fast eine Stunde gesprochen. Ich könnte mich auch
- 53:50noch ewig mit dir weiter unterhalten, weil ich das Gespräch wirklich super spannend fand und du uns so viele tolle Impulse geliefert hast. Ich hoffe auch, dass ganz viele Frauen einen
- 53:58kleinen Gedankenanstoß mitnehmen konnten für sich, wo sie gerade stehen oder was für sie die nächsten Schritte sind. Also vielen Dank für deine Zeit und deine Impulse, liebe Lilly.
- 54:07Ja, danke euch, dass ihr mich eingeladen habt. Hat Spaß gemacht. Das freut mich.
- 54:12Dann hört auf jeden Fall auch in der nächsten Folge wieder rein. Ich hoffe, ihr hattet eine gute Zeit beim Zuhören, und bis ganz bald, ihr Lieben.