Latest / SOMMELIER / Frank Kämmer MS - Soviel mehr als „nur“ Master Sommelier
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- 0:00Mein Name ist Ronja Morgenstern, ich bin Modedesignerin und Schampagne-Mitchen aus Köln und Frank
- 0:17Kemmer hat mich als Mentor durch die wichtigste Zeit meines Sommelierlaufbahnen begleitet.
- 0:21Mittlerweile nenne ich ihn auch ein Freund, ich kontaktiere ihn, wenn ich einen geschäftlichen
- 0:25Rat brauche, aber auch sonst, wenn sonst wo der Schuh drückt.
- 0:28Am meisten schätze ich an Frank seine unprätenziöse Einstellung gegenüber der Weinwelt.
- 0:33Also ich habe mit Frank schon fast Bromweiromani Conti gemacht, aber eben auch die besten Discounterweine
- 0:39probiert und zwar immer mit dem selben Engagement und derselben Wertschätzung.
- 0:45Frank ist immer sehr straight mit seinen Aussagen, er hat mir schon das ein oder andere Mal mit
- 0:50seiner schwäbischen Lab gesagt, du mädelst das was saublöd, das konnte ich am Anfang nicht
- 0:54so gut verkraften, da floss die eine oder andere Träne, mittlerweile weiß ich das sehr zu
- 0:59schätzen, dass er so direkt und ehrlich ist.
- 1:02Für Frank steht der Gast immer an erster Stelle und er hat uns auch während seiner
- 1:09Zeit in der er das Sommelier College geleitet hat immer wieder gepredigt, dass es unser
- 1:15Job sei den Gästen den Wein zu servieren, für sie den Wein zu finden, den sie wirklich
- 1:21gut finden und ihn nicht den Wein zu verkaufen, den wir wirklich gut finden.
- 1:26Ich kann mich zum Beispiel noch an eine Diskussion erinnern, da ging es um Grauburgunder und
- 1:32die endete mit den sehr energischen Worten, was will Schmacher, die Leute wollen halt
- 1:37grauburgunder Saufe, dann hat ein guter Sommelier hat mindestens einen Grauburgunder auf der
- 1:43Karte zu haben, warst da.
- 1:44Und ich finde, das trifft das ganz gut, weil er sagt von sich selbst immer, der Frank,
- 1:50er sei Weltenbürger, Kosmopolit, aber auch Schwabe.
- 1:54Ein herzliches Willkommen zu einer neuen Ausgabe von Sommelier, die interessantesten Munchenke
- 2:22unserer Zeit.
- 2:23Mein heutiger Gast ist einer der meistgeschätzten, einer der erfahrensten, einer der angesehensten,
- 2:28einer der tiefsinnigsten Sommiers, die ich kenne.
- 2:31Frank Kemmer begann seine Karriere mit der Ausbildung zum Restaurantfachmann in Lothar
- 2:36Eiermanns Friedrichsruhe.
- 2:38Sein weiterer Weg in der Gastronomie ist durch zahlreiche Erfolge bei Wettbewerben, wie
- 2:42dem Sieg in der Trophi Rooinna 1994/95 als bester Sommelier Deutschlands 1994/95.
- 2:49Ebenfalls bei der Trophi Rooinna, aber auf europäischer Basis wurde er zwei Platzierter.
- 2:53Bekann zahlreiche Auszeichnungen als Sommiers jedes Jahres und zahlreiche Förderpreise,
- 2:58wurde durch unzählige nationale und internationale Ehrentite ausgezeichnet und im Jahr 1996 gelang
- 3:04es Frank Kemmer, mit dem Master Sommier die höchste internationale Qualifikation des
- 3:09Berufsstandes zu erlangen.
- 3:11Frank Kemmer hat viele Jahre als Weinkeller im Stuttgarter Restaurant-Deliz gearbeitet
- 3:16und wurde in dieser Zeit zu den führenden europäischen Sommiers gezählt.
- 3:21Er ist heute hauptberuflich als Konsultant in der Wein- und Gastronomiebranche tätig.
- 3:26Zu seinen Kunden zählen unter anderem namhafte internationale Weingüter, Importeure und Distributeure.
- 3:31Frank Kemmer hat zahlreiche Bücher zum Thema Wein und Spiritosen veröffentlicht und er
- 3:36ist der regelmäßige Outdoor verschiedener Fachpublikationen darunter der Wien und Weingate sowie das
- 3:42Magazin Feinschmecker.
- 3:43Er wurde als erster Deutscher in dem britischen Zirkel auf Weinwriters aufgenommen und genießt
- 3:49internationale Reputationen als Ausbilder in der Sommelier- und Gastronomiebranche.
- 3:54Und bevor wir ihn willkommen heißen möchte ich mich ganz herzlich bei der Schlumberger-Gruppe
- 3:58mit den Handelshäusern Segnetz, Konziowini, Schlumberger und dem Privatkundenportal Bremer
- 4:04Weinkollek aufs allerherzlichste für die händische und wirtschaftliche Unterstützung
- 4:08bedanken.
- 4:09Und freue mich nun auf ihn.
- 4:10Herzlich willkommen, lieber Frank Kemmer!
- 4:1333, 34 oder 36 gibt für mich drei verschiedene Zahlen, die ich bei den Kronkrüssen begunden
- 4:20habe.
- 4:21Was mache ich damit?
- 4:22Das ist für mich ein riesen Problem.
- 4:23Wäre ich da niemals wirklich irgendwelche oder sind französische Webseiten gewesen?
- 4:26Was machst du da?
- 4:27Also grundsätzlich der beste Tipp so was nachzugucken ist natürlich immer tatsächlich direkt in
- 4:34den Appellationsvorschriften des INHO.
- 4:39Im Gesetzestext quasi nachzulesen.
- 4:43Aber dieses spezielle Problem, was du gerade nennst, ist ja wirklich ganz interessant.
- 4:48Denn wir haben in Bogunt tatsächlich 39 Kronkrühlagen.
- 4:5339?
- 4:54Aber nur 33 Kronkrüh-Appellationen.
- 4:57Ah.
- 4:58Und das Geheimnis dahinter ist eigentlich bedeutet Kronkrüh ja, dass jeder Kronkrüh seine eigene
- 5:06Appellation hat.
- 5:07Die Appellation heißt nicht von Romanie Kronkrüh, sondern die Appellation heißt Latash, Appellation
- 5:13Latashkontrolle, Appellation Rispurkontrolle.
- 5:16Aber es gibt eine Ausnahme, nämlich die sechs Kronkrüh, die sieben Kronkrühs von Shabli,
- 5:24die zählen nur als eine Appellation.
- 5:26Da gibt es tatsächlich nur eine Appellation und die heißt dann tatsächlich auch Shabli
- 5:30Kronkrüh mit dem Zusatz, dass man einen dieser sieben Lagen namens dazu nennen kann.
- 5:35Deshalb gibt es 39 Lagennamen, aber nur 33 Appellationen.
- 5:39Jetzt kann ich heute entspannt schlafen.
- 5:41Das hat mir nämlich Kopfzerbrechen gemacht.
- 5:43Christo, also wie viel von den 542 Bremmelkrühs würdest du hinbekommen?
- 5:48Also ich wäre vielleicht bei 20.
- 5:49Nein, da würde ich ach Silvio, nein, da wüsstest du auch sicherlich mehr.
- 5:54Naja, wenn wir so rummachen, dass du mich fragst, nennen wir mal bitte so viel Bremmelkrühs
- 6:00wie der Einfallen von Jeffrey Jean-Baptain, dann kriege ich vielleicht von diesen über
- 6:07500, vielleicht die Hälfte zusammen.
- 6:12Aber umgedreht, wenn du mir jetzt einen Lagennamen nennst und mich fragst, in welcher Gemeinde
- 6:18liegt dieser Bremmelkrüh, dann könnte ich ja glaube ich bei fast jedem sagen, wo er
- 6:21ist.
- 6:22Stimmt.
- 6:23So rum wird es vielleicht einfacher.
- 6:2420 ist tiefgestabelt, das stimmt.
- 6:26Ich glaube, ich kenne auch auch mehr.
- 6:28Allein die in den Schablisen, die ja schon 14 und da reichte ich ziemlich durch.
- 6:33Und den Schabli dann noch mit der Zusatzfrage, linkes Ufer oder rechtes Ufer.
- 6:38Damit habe ich ihn beschäftigt witzigerweise.
- 6:40Du weißt ja, dass das, ja das ist ganz interessant, weniger, weniger deutsche Somerles haben sich
- 6:44eigentlich mit dem Thema beschäftigt.
- 6:45Aber das ist schon sehr, sehr interessant.
- 6:47Schabli wird ja geteilt durch den Fluss in zwei Hälften, durch den Saran, so heißt
- 6:54der Fluss.
- 6:55Und es gibt Bremmelgrüß, die sind auf dem linken Ufer und Bremmelgrüß sind auf dem
- 6:59rechten Ufer.
- 7:00Und ein echter Schabli-Känner kann in der Blindverkostung erkennen, von welchem Ufer
- 7:03du kommst.
- 7:04Wie unterschieden?
- 7:05Also, wo anfangen wir?
- 7:07Das linke Ufer ist ein bisschen klassischer, ein bisschen kühler, eher so weiße Früchte,
- 7:15ein bisschen mineralischer.
- 7:17Das rechte Ufer eher gelbe Früchte, ein bisschen saftiger, ein bisschen runter, ein bisschen
- 7:22harmonischer.
- 7:23Das liegt einfach daran.
- 7:24Die Weinberge am linken Ufer schauen nach Südosten, die Weinberge am rechten Ufer
- 7:28schauen nach Südwesten.
- 7:30Das heißt, die Weinberge am linken Ufer schauen zur Morgensonne, das ist eher die kühlere
- 7:35Sonne.
- 7:36Die Weinberge am rechten Ufer schauen zur Abendsonne und das ist die wärmere Sonne.
- 7:41Deshalb sind die Weine ein bisschen reifer, ein bisschen fruchtiger und das kann man
- 7:44tatsächlich in der Blindprobe auch sehr, sehr schön erkennen.
- 7:47Jetzt habe ich schon so viel gelernt, in den ersten drei Minuten.
- 7:50Wie machst du das?
- 7:51Du setztest dich einmal im Jahr hin und sagst, heute schab lit dran und jetzt versuche ich
- 7:56mich wieder, man muss das ja immer wieder mal durchkauen, um da abtoday zu bleiben oder
- 8:00ist es bei dir in deiner Daily Work, dass du da sowieso immer mit konfrontiert wirst?
- 8:05Ja, ich meine, Silvido war ich selber begund, ist eines dieser Anbaugebiete, da kann man
- 8:10sich quasi durch Lernen, durch Bücher etc. in ersten Überblick verschaffen.
- 8:15Aber das Anbaugebiet wirklich zu verstehen, dazu musst du hin.
- 8:19Du musst deine Füße in den Dreck stecken, dort um den Dreck zu verstehen.
- 8:23Das ist ganz, ganz wichtig.
- 8:24Und ich bin jedes Jahr mindestens drei Mal in Burgund und du musst in den Weinbergen
- 8:30gewesen sein, sondern verstehst du das Wesen dieser Weinberge nicht.
- 8:33Ich habe das mal vor Jahren, da habe ich in Taiwan ein Seminar für den BEWB, den Burgundischen
- 8:39Weinbauverband gegeben und da habe ich den Leuten erzählt, wisst ihr, Bordeaux könnt
- 8:44ihr aus Büchern lernen.
- 8:45Das ist einfach, das kann man, das ist einfach, alle Informationen gibt es und man versteht
- 8:50ihr im Buch.
- 8:51Burgund kann man nur verstehen, wenn man dort gewesen ist.
- 8:55Burgund, Bordeaux lernt man mit seinem Kopf, Burgund lernt man mit seinem Geist, mit seiner
- 9:00Seele, ganzheitlich.
- 9:02Ja, und wahrscheinlich leider auch mit seinem Herzen.
- 9:04Also das ist ja das große Problem beim Burgund.
- 9:07Absolut, absolut.
- 9:08Dass viele, wenn sie einmal ihr Herz drin verloren haben, dann kommt man nicht mehr raus.
- 9:11Ja, absolut.
- 9:12Und es gibt wirklich Anbaugebiete auf dieser Welt, da brauchst du nicht großes Herz dafür,
- 9:19um sie zu verstehen, das funktioniert auch so.
- 9:21Aber es gibt dann eben Regionen, die sind eher dem Intellekt nicht so zugänglich, sondern
- 9:30das ist eher eine Herzenssache, vielleicht auch eine ja fast ein bisschen esoterische
- 9:34Sache.
- 9:35Ich bin kein esoteriker, ich finde das alles ziemlich durchgeknallt.
- 9:37Aber Burgund hat, wie manch andere Anbaugebiete vielleicht auch, eine durchaus eine spirituelle
- 9:44Qualität.
- 9:45Und die kann man nur spüren, wenn man tatsächlich dort gewesen ist.
- 9:49Und wenn du dann denkst, dass Burgund auch in seiner Geschichte eine sehr, sehr stark
- 9:53lösterlich geprägte Geschichte hat, dann versteht man das schon ein bisschen.
- 9:58Weiß ich mal, wenn wir mal 1000 Jahre zurückgehen in Burgund, als das Gloster Cito gegründet
- 10:06wurde, diese Mönche damals, die haben ja nichts von der modernen Weinbau-Wissenschaft
- 10:13verstanden, wie wir heute, die haben nicht verstanden, warum diesem Weinberg, der genauso
- 10:17aussieht wie der Weinberg nebenan, eine ganz andere Qualität von Trauben wächst.
- 10:22Und sie haben das natürlich dann auch als irgendwie ein Gottesbeweis gesehen, dass genau
- 10:26auf diesem Fleck unerklärlicherweise eine andere Qualität wächst.
- 10:31Und dann kann man sich schon vorstellen, was die damals empfunden haben müssen bei so
- 10:35einer Erfahrung.
- 10:36Und ich denke, es ist noch heute so, wenn du in ein Glodovuscho hineingehst, dann spürst
- 10:41du da eine gewisse Sinnlichkeit, die du vielleicht in anderen Weinbergen nicht hast.
- 10:46Und das habe ich schon...
- 10:47Es ist wirklich so.
- 10:48Absolut.
- 10:49Ich habe das schon bei ein paar Weinbergen auf der Welt gehabt, zum Beispiel auch bei
- 10:53Scala Day im Priorat, auch ein Weinberg mit langer, glösterlicher Kultur.
- 10:58Du gehst in den Weinberg hinein und du spürst eine Spiritualität oder gleiches Thema.
- 11:04Und ich kriege jetzt schon eine Gänsehaut, wenn ich nur darüber nachdenke, der Hill of
- 11:08Grace in Australien.
- 11:10Australien.
- 11:11Wenn du in diesen Weinberg reingehst, spürst du, da ist irgendwas anders.
- 11:14Und wie gesagt, ich bin kein Esoteriker.
- 11:18Mir ist das alles ziemlich fremd.
- 11:19Aber jeder, der das mal gespürt hat, der weiß, da ist was anders.
- 11:23Haltst du die Meinung, dass es bei dem Wein genauso ist?
- 11:26Ich hatte letztens verschiedene Weine, die sehr, sehr hochdekoriert sind, auch Schweinetreuer
- 11:31sind und die Erwartungshaltung waren dementsprechend hoch.
- 11:34Aber die Weine haben ein Gefühl ausgelöst oder ein Gefühl transportiert, was halt andere
- 11:39Weine nicht haben und was mich halt sehr ehrfürchtig vor diesem Wein fast niederkniehen lassen.
- 11:43Ist es da genauso oder ist das Spinnerei?
- 11:46Ne, pass mal auf.
- 11:47Das ist eine ganz, ganz schöne Geschichte.
- 11:48Justin Lyone hat es mal gesagt.
- 11:50Justin ist ja auch ein ganz hervorragender Begrundkerner, den ich sehr, sehr schätze.
- 11:54Er ist ein kleiner und klasse Kollege.
- 11:56Und den hat ein Gast mal gefragt, können Sie mir mal bitte erklären, wie stelle ich
- 12:01den Unterschied zwischen einem Premiegrü, einem Krongrü in Burgund im Glase fest?
- 12:05Wie kann man das unterscheiden?
- 12:07Und er hat zu ihm gesagt, ich kann sie nicht erklären.
- 12:10Aber wenn sie es im Glas haben, werden sie spüren.
- 12:12Ja, schön.
- 12:13Genau das ist das Thema.
- 12:14Ein echter Krongrü hat so eine zusätzliche Dimension, so eine zusätzliche Tiefe, die
- 12:21du eigentlich sprachlich gar nicht ausdrücken kannst.
- 12:23Du musst spüren.
- 12:24Und wenn du es dann spürst, dann trifft dich das aber sofort wie ein Schlag.
- 12:31Es ist eine völlig andere Dimension.
- 12:32Kann man es da auch oder würde es die Tee unterstützen, dass entweder totale Weinovizen
- 12:37oder totale Freaks da spüren können und alle dazwischen zu sehr mit dem Kopf arbeiten
- 12:42oder ist das falsch?
- 12:43Das ist ja ein ganz interessanter Gedanke, den du da nennst.
- 12:47Denn es ist ja tatsächlich oft so, dass wir uns vielleicht durch unser Vorwissen, Halbwissen,
- 12:54Dreiviertelwissen vielleicht zu sehr in gewisse Bahnen selbst lenken und uns gar nicht mehr
- 13:00auf das einlassen, was tatsächlich im Glas drin ist.
- 13:03Das ist wirklich ein interessanter Gedanke, den du da nennst.
- 13:06Und mir fällt ja was passendes dazu ein.
- 13:12Wenn wir die Mastersommelier-Prüfung haben und die Blindprobe haben, du musst ja sechs
- 13:20Weine blind verkossen und herausfinden, was es ist, dann ist das aller, allerwichtigste,
- 13:25dass du möglichst alles vergisst, was du bis dato glaubst zu wissen, sondern dass du völlig
- 13:31offen bist, dass du einfach das, was im Glase ist, völlig vortalsfrei auf dich zukommen
- 13:37lässt.
- 13:38Und du hast dann eine Chance, den Wein komplett zu verstehen.
- 13:41Ein amerikanischer Kollege hat mal da zitiert, dieses berühmte Wort von Bruce Lee, du musst
- 13:46sein wie Wasser.
- 13:47Du musst als Fliesen lassen und keinen Widerstand geben.
- 13:51Das ist ein ganz interessanter Gedanke, dass wir vielleicht durch unsere Vorbildung beim
- 13:57Wein manchmal Dinge gar nicht mehr wahrnehmen, weil wir den Blick drauf verloren haben.
- 14:03Und deshalb ist es interessant, dass du das sagst, ja wahrscheinlich ist es der Novice,
- 14:08der sofort diesen Schock kriegt, diesen, diesen Gänsehautgefühl, wenn er in dieses
- 14:13Glas rein riecht, eben weil er nicht drüber nachdenkt.
- 14:16Und wahrscheinlich ist es der sehr erfahrene Kenner nach vielen Jahren, bei dem es genauso
- 14:22ist, weil er gelernt hat, über seine Voreingenommenheit hinauszugehen und wieder das wahrzunehmen,
- 14:29was tatsächlich nur im Glas drin ist.
- 14:30Interessanter Gedanke.
- 14:31Aber begründ rein theoretisch, wenn ich anfangen möchte, das zu lernen, wovor ja viele Angst
- 14:37haben, alle Appellationen zumindest namentlich kennen, hinfahren und versuchen das Gebiet zu
- 14:43fühlen.
- 14:44Das wäre so ein erstes Intro.
- 14:45Absolut.
- 14:46Mir viele trauen sich einfach nicht und deswegen gibt es ja selten, es ist wirklich auch gute
- 14:49Berunderkarten.
- 14:50Mir viele glauben, sie brauchen dafür einen Tiefenwissen, aber eigentlich ist es vier Tage
- 14:54oder eine Woche.
- 14:55Absolut.
- 14:56Und es ist auch viel einfacher eigentlich in Burgund zu reisen als jetzt in Bordeaux.
- 15:02Der Justin Lyon, ich kann ihn wieder zetieren, der hat mal gesagt, weißt du, wenn er noch
- 15:07nach Bordeaux gehst und macht einen Termin im Weingut, dann wirst du auf diesem stolzen
- 15:11Schloss empfangen von dem "Gest-Relation Manager" und wirst du erst mal durch die
- 15:15Gemäldegalerie geführt und dann wirst du das penibel, sauber gefägte Kälterhaus
- 15:24geführt in dem Barrikkeller und alles sieht steril und wunderbar sauber aus.
- 15:28Und ganz am Ende der Tour darfst du vielleicht einmal in den Wein rein riechen und dann schmeißt
- 15:32man dich wieder raus.
- 15:33In Burgund ist es ganz anders.
- 15:34Du kommst in ein Weltklasse Weingut und bist schon mal froh, wenn überhaupt jemand da
- 15:39ist und nicht den Termin verpennt hat.
- 15:41Und dann kommt ein Bäuerchen, was dich empfängt und führt dich an einen dreckigen, muffigen,
- 15:51feuchten Keller hinunter und zieht dir eine Probe aus dem Kälter, aus dem Fass und strenkt
- 15:58dir plötzlich an einen Chambattat oder einen Morachet ein, der dich vom Rock out.
- 16:02Die Leute in Burgund sind Landwirte im besten Sinne des Wortes.
- 16:06Das sind keine Schlossbesitzer.
- 16:08Und selbst die berühmtesten Winzer, ich weiß noch, ich war ein junger Sombel, einer meiner
- 16:12ersten Reisen nach Burgund, bin ich zu Ramonné gegangen und der Ramonné hat uns damals
- 16:19empfangen mit Fußballstiefeln an den Füßen.
- 16:24Er kam gerade vom Fußball spielen und mit ölverschmierten Fingern, weil er gerade am Traktor einen Ölwechsel
- 16:28gemacht hat.
- 16:29Und so empfängt uns einer der berühmtesten Winzer Burgunds und stellt uns dann Fläschchen
- 16:34Morachets und probieren hin.
- 16:35Es ist also viel einfacher in Burgund, die Leute sind weniger versnobbt als in anderen
- 16:44Regionen.
- 16:45Natürlich muss ich mal Bordeaux nennen, ich will jetzt nicht Bordeaux-Bashing machen,
- 16:48aber dort ist es eigentlich ganz anders strukturiert.
- 16:51Und wenn man als Deutscher Sommelier nach Burgund kommt und einen Termin macht, am besten
- 16:55natürlich über den Importeur des Weinguts, weil die meisten Weingüter in Burgund empfangen
- 16:59ja spontan eigentlich keine Gäste, dann wirst du da sehr, sehr herzlich aufgenommen.
- 17:04Es sind Landwirte, die stolz sind, ihr Produkt zu zeigen.
- 17:07Und auch sprachlich, ich habe nie französisch gelernt, ich tu ein bisschen Ratebrechen,
- 17:13französisch sprechen, das ist überhaupt kein Problem in Burgund, die können ja selber
- 17:17nicht mal richtig französisch.
- 17:18Man findet da immer irgendwie ein Weg zusammen, wie man miteinander spricht.
- 17:22Deshalb, man muss in Burgund nicht nur, wie ich vorhin gesagt habe, durch die Weinberge
- 17:28selbst streifen und die Weinberge auch physisch erleben, man muss auch die Menschen dort erleben.
- 17:34Das ist durchaus auch ein eigener Menschen-Schlagwirt.
- 17:37Darf ich nicht vergessen, wir sind hier ja auch an der Grenze zwischen Kulturräumen.
- 17:43Burgund lag ja immer an der Grenze zwischen dem französischen Reich und dem ostfränkischen
- 17:52Reich, also boraus sich dann später das deutsche Reich entwickelt hat.
- 17:56Burgund war immer so ein Zwischending.
- 17:57Und das merkt man bei diesen Menschen auch, Burgunder sind nicht wirklich Franzosen, sie
- 18:03sehen sich in erster Linie als Burgunder und erst in zweiter Linie als Franzosen.
- 18:07Diesen Menschen-Schlags muss man einfach mit einbeziehen, wenn man diese Weine verkostet
- 18:12und diese Region kennenlernt.
- 18:13Meistens ist ja so, wenn man dieses Feuer in sich brennen hat, dann wird man schon zum
- 18:20Freak spezialisiert.
- 18:21Ich finde es so, grundsätzlich sollte man eine Sommel-Spezialisierung haben oder sollte
- 18:26man allumfänglich informiert sein.
- 18:28Also das im Grund legenden, aber überall gleichermaßen oder sucht man sich selber einen Steckenpferd
- 18:33und wird da zum totalen Freak, um eben diese Kompetenz auch intensiv auszuleben.
- 18:37Was wäre da so deine Präferenz?
- 18:39Also beides ist richtig, deshalb ist diese Frage natürlich sehr glug und richtig gestellt.
- 18:44Auf der einen Seite, ich komme jetzt mal von der Master-Sommeleseite.
- 18:47Unser Anspruch als Master-Sommelese ist, dass du zu jedem Wein auf dieser Welt was Vernünftiges
- 18:54sagen kannst.
- 18:55Und auf dem Weg zum Master-Sommelese erste, was du lernen musst, insbesondere für uns
- 19:01Mitteleuropäer, insbesondere für uns Deutsche, ist, dass deine Sicht auf die Weinwelt nur
- 19:07eine der möglichen Sichten ist und dass der Kollege aus Singapur, Hongkong, Bangkok,
- 19:12New York, whatever, eine andere Sicht auf die Weinwelt hat, die genauso wahr und richtig
- 19:17ist.
- 19:18Und das Dinge, die für uns wichtig sind, vielleicht für jemand anders aus Singapur, Hongkong,
- 19:23New York, nicht wichtig ist und umgedreht.
- 19:26Und deshalb muss man die Weinwelt, man muss über seine eigene Horizonte hinauswachsen
- 19:32und alles genauso wichtig nehmen.
- 19:34Ich habe früher mal gesagt, wenn du einen bulgarischen Cabernet nicht genauso wichtig
- 19:38nimmst, wie ein Premier-Groo aus Bordeaux, hast du keine Chance, jemals Master-Sommelese
- 19:42zu werden.
- 19:43Und noch heute, ich sage das immer auch den jungen Sommerles, haltet euren Horizont
- 19:50offen und versuchte ihn immer mit jedem Tag, den ihr im Beruf seid, den Horizont zu erweitern
- 19:55und nicht zu verschließen.
- 19:57Denn es ist ja tatsächlich so, wir alle kennen das, du fängst an in diesem Beruf und lernst
- 20:01ein bisschen was über Wein und dann hältst du dich schon für den absoluten Superstar
- 20:05und dann tust du dir eigentlich selber ein bisschen Scheuklappen aufsetzen und fokussierst
- 20:11nur noch auf das, was dir gerade im Moment Spaß macht und was links und rechts davon liegt.
- 20:16Das tut man eher ignorieren.
- 20:18Und ich sage den Leuten immer, zwingt euch dorthin zu gehen, wo es wehtut, auch wenn
- 20:23ihr jetzt unbedingt, nicht unbedingt diese Regionen so spannend findet, ihr müsst also
- 20:28mal diese Regionen zumindest verstehen und zumindest kennen.
- 20:32Also das ist auch übrigens was, was ich heute noch nach so vielen Berufsjahren praktiziere
- 20:38und mich auch dazu zwinge, wenn irgendwas Neues in der Weinwelt auftaucht.
- 20:44Ich will das immer wissen, ich will es verstehen, ich will mein Horizont immer erweitern.
- 20:49Das ist sicherlich die eine Sicht, die fachliche Sicht, die betriebswirtschaftliche Sicht,
- 20:55ist natürlich schon die, wenn du dich aus der Masse der Kollegen herausheben willst,
- 21:01dann solltest du dir natürlich schon eine Nische suchen, wo du das Superstar bist.
- 21:04Ich habe das ja früher gar nicht lange, bevor ich mit Burgund angefangen habe, habe ich
- 21:08das ja eigentlich mit Österreich gemacht.
- 21:10Ach so?
- 21:11Ja, ja.
- 21:12Ich hatte 1989 als Summeli in einem Restaurant angefangen in Stuttgart, dessen Chef ein
- 21:20Wiener in Österreicher war und dort hatte ich das erste Mal Kontakt mit österreichischen
- 21:24Weinen bekommen.
- 21:25Und 1989, der Weinskandar war '85/86, '85 Deutschland '86 in Österreich, da wollte natürlich
- 21:33kein Mensch was von österreichischen Weinen wissen.
- 21:35Und ich habe dann dort das erste Mal diese Weine kennengelernt und war eigentlich absolut
- 21:40überrascht, wie toll diese Weine sind.
- 21:42Gerade die Jahrgänge '85/86 waren ja klasse in Österreich und da hat man gedacht, es
- 21:46ist eigentlich eine Riesennische, eben Walgrat überhaupt niemand diese Weine haben will.
- 21:51Und dann habe ich mich damals auf österreichischen Weinen spezialisiert und wir hatten dann
- 21:56so in den 90er Jahren die größte österreichische Weinkarte in Deutschland.
- 21:59Also ich war quasi so ein bisschen Mr. Österreich und habe mir dadurch eine Nische geschaffen
- 22:05und auch fürs Restaurant hat mir da ein Berühmtheitsgrad dadurch erreicht und später kam dann eben
- 22:11auch noch Bogun dazu, aber auch andere Regionen.
- 22:15Deshalb, so eine Kernkompetenz, eine Nische zu besetzen, ist natürlich aus Marketingsicht
- 22:21schon auch sehr clever.
- 22:22Das kann ich in der Tat bestätigen, dass du da schon immer eine gewisse Neugierde gehegt
- 22:28hast, weit bevor jemand überhaupt in Deutschland von Kalifornien geredet hat, hattest du die
- 22:33Begeisterung und ich habe mein erstes Kalifornien-Tasting damals bei dir im Deliz in Stuttgart gehabt.
- 22:39Ach was.
- 22:40Und diese Begeisterung dann spüren können und da ist für mich dann so ein, also ich habe
- 22:44ja, oder bin dann direkt nach Stuttgart nach Kalifornien gezogen, aber das war für mich
- 22:48so eine Initialzündung, wo du davon erzählt hast von der Großartigkeit und dann dachte
- 22:53ich, wow, dieses Weihnachten muss wirklich sehr inspirierend sein.
- 22:55Und das war zu einer Zeit, wo Opus One kannte der eine oder andere, der damals 100 Mark
- 23:00gekostet hat, das war spektakulär und nicht zu glauben.
- 23:03Aber das verbinde ich immer mit dem Deliz und mit dir und in der Tat, ich erinnere mich,
- 23:08als ich bei dir mal zu Gast war, gab es österreichische Weine im Deliz.
- 23:11Ja.
- 23:12Es war damals auch noch relativ, relativ neu.
- 23:15Was ich bei dir so spektakulär finde und während einiger Weinreisen erleben durfte,
- 23:22wirst in der Tat nicht müde, Leute zu fordern und Leute zu fördern.
- 23:28Und das bei jeder Weinreise, dass du ganz gezielt Fragen stellst, diese dann aber eben
- 23:33auch, wenn sie nicht richtig beantwortet werden, niemals negativ quittierst, sondern dann
- 23:40erklärst und nicht müde wirst, das immer wieder zu erklären und mit Geschichten zu
- 23:44untermalen, dass es eben interessant wird, dass es nicht nur irgendwie fachstupide Aussagen
- 23:50sind, sondern es wird bei dir lebendig.
- 23:53Und das finde ich großartig.
- 23:54Da kenne ich kaum einen Kollegen, der diese Leidenschaft für junge Menschen seit 20,
- 23:5930 oder gar mehr Jahren irgendwie so lebt.
- 24:03Das finde ich, also wow.
- 24:04Ja, freut mich natürlich zu hören.
- 24:06Aber Silvia, du weißt das ja, wir und erzähle ich dich natürlich auch dazu, wir Alten Säcke,
- 24:12das ist schon ein bisschen unsere Aufgabe oder ich sehe das als unsere Aufgabe, dass wir
- 24:18gar nichts so sehr, gar nichts so sehr das Wissen und das ganze Weinau-Haut, da gibt es
- 24:26so viele junge Leute, die wissen heutzutage bestimmt viel mehr als wir beide, aber dass
- 24:30wir dieses Feuer ein bisschen weitergeben.
- 24:32Und die Leute müssen ja auch nicht dasselbe Fehler machen, die wir vielleicht gemacht haben,
- 24:37wenn wir da, wir, die wir vielleicht als, ich sag mal, zweiten Generation der Sommerlesen
- 24:43Deutschland gezählt haben nach so diesen, diesen allerersten Pionieren, was weiß ich,
- 24:49Ralph Frenzel damals und wie sie alle hießen.
- 24:51Petro Sandfuß.
- 24:52Ja, der Petro.
- 24:53Mit dem Petro habe ich übrigens zusammengearbeitet, da war ich noch Lehrling, da war ich noch
- 24:59Auszubildender in Friedrichsruhe in Oeringen und da habe ich mit Petro zusammengearbeitet,
- 25:04bevor er dann in die Schweizer Stuben gegangen ist.
- 25:06Den kenne ich jetzt all oder kannte ich ja sehr leider verstorben, schon vor 40 Jahren.
- 25:13Das war eine tolle Zeit.
- 25:16Nein, aber wir konnten ja eigentlich nie von, von solchen Leuten, die jetzt schon mal
- 25:24vielleicht 30, 40 Jahre in der Branche sind profitieren, weil es diese Leute damals noch
- 25:28nicht gab.
- 25:29Wir sind jetzt quasi die erste Generation und dann nenne ich natürlich Leute wie dich,
- 25:34aber auch natürlich was weiß ich, Markus Delmonego, Jürgen Fendt, wie sie alle heißen,
- 25:39die sind Natalie Lump.
- 25:41Wir haben jetzt einfach schon 20, 30, vielleicht sogar mehr Jahre auf dem Buckel und haben
- 25:46jetzt diese Möglichkeit, den jungen Kollegen da, nicht das Wissen dieser 30 Jahre, sondern
- 25:52ein bisschen das Feuer und die Leidenschaft dieser 30 Jahre weiterzugeben.
- 25:55Und das macht man tatsächlich auch Spaß.
- 25:57Ich unterrichte auch sehr gern.
- 25:59Ich unterrichte ja an verschiedenen Summelgeschulen, auch international.
- 26:03Ich habe auch viel in China unterrichtet.
- 26:06Unterrichten macht mir unheimlich viel Spaß, allerdings nur, wenn die Schüler mitziehen.
- 26:12Ich bin glaube ich ein schlechter Pädagoge, wenn die Kids nicht mitziehen, dann habe
- 26:18ich kein Boxi dazu zu motivieren.
- 26:20Aber du kannst sie im Mund erhalten.
- 26:22Also du hast diese Lebendigkeit dabei und kannst, du kannst ihnen mit Fragen zeigen,
- 26:28dass sie nichts wissen, aber entblüßt sie nicht und das bewundere ich bei dir.
- 26:31Also du kannst ganz klar die Grenzen definieren und sagen, das solltest du auch noch wissen,
- 26:35das solltest du auch noch wissen.
- 26:36Aber du stellst dich niemals über diese Person und das können wenige.
- 26:41Also man kann bei dir diese Größe spüren, erahnen, aber du gibst damit nicht an.
- 26:46Weißt du?
- 26:47Du motivierst einfach auch nur.
- 26:48Ich habe vor Jahren mal ein ganz interessantes Erlebnis in China.
- 26:52Da haben die mich gefragt, ob ich mit dem Prinzip von Kung Fu vertraut wäre und ob
- 26:59man das eigentlich auch für den Summeli-Beruf anwenden könnte.
- 27:03Das war eine interessante Frage.
- 27:04Wir denken ja bei Kung Fu oder Gong Fu, wie es eigentlich auf Chinesisch heißt, Kung
- 27:08Fu ist kantonesisch.
- 27:10Bei Kung Fu denken wir nur an Kampfspot.
- 27:13Aber Kung Fu ist eigentlich jede Kunstfertigkeit, die man durch sehr langes, strebsames Lernen
- 27:21und immer wieder wiederholen zur Perfektion gebracht hat.
- 27:24Also auch jemand, der einen perfekten Schwung in der Kaligrafie hat, ist ja in China sehr,
- 27:29sehr wichtig.
- 27:30Da sagt man erst vom Kung Fu, der euch leuchtet oder jemand, der perfekt geig gespielen
- 27:36kann.
- 27:37Wenn der Körper quasi diese Bewegung von alleine ausführt, dann ist er ein Kung Fu Meister.
- 27:45Und was interessant ist zu diesem Kung Fu Thema ist und deshalb ist es so interessant
- 27:50für uns Summeli ist auch.
- 27:52Zur Meisterschaft des Kung Fu gehört dazu, je höher du steigst in deinem Grad der Meisterschaft,
- 27:58umso bescheidener werden die Leute normalerweise, weil umso mehr merken sie, was sie alles nicht
- 28:04wissen, was sie alles nicht können.
- 28:06Und die größten Kung Fu Meister sind eigentlich die bescheidendsten Leute, die ihre Kunst nicht
- 28:14lauthalz herausschreien, sondern sehr dezent unterm Schäffel halten.
- 28:18Und das ist, glaube ich, ein sehr schöner Vergleich, den wir auch auf die Summeliwelt
- 28:22anwenden können.
- 28:23Sehr präsent.
- 28:24Weil die, die am lautesten schreien, ist in der zweiten und dritten Ebene, das begt man
- 28:28gerade in den sozialen Medien, recht schwierig.
- 28:31Wobei ich will es auch gar nicht verteilen.
- 28:34Weiß ich, das ist ein Prozess, da gehen wir ja alle durch als Summeli.
- 28:38Das war bei uns am Anfang auch nicht anders, sondern in unseren ersten Jahren.
- 28:42Du steigst ja relativ schnell auf, du genießt relativ schnell ein hohes Ansehen.
- 28:48Die Leute, oh guck mal, da ist der Summeli, da kennt sich toll aus mit Wein.
- 28:55Viele junge Summeli, den steigt es ein bisschen zum Kopf und so war es bei uns auch.
- 28:59Und das darf man natürlich nie vergessen.
- 29:02Und da versuche ich tatsächlich, diese jungen Leute eigentlich nicht zu kritisieren oder
- 29:07nicht zurückzustutzen, sondern diese überbordende Energie in den richtigen Kanal zu lenken.
- 29:13Das ist eigentlich die Aufgabe, die wir haben.
- 29:15Ja, die Begeisterung einfach anders zu tragen.
- 29:18Interessant.
- 29:19Weil China sagt, es ist für mich ein wahnden nicht spannendes Land, was kaum jemand auf
- 29:24den Schirm hat, aber was ja nicht nur weg, sondern explodiert.
- 29:27Ja, ja.
- 29:28Welch du das für potent genug in dieser Weinwelt, also es ist ja mittlerweile das zweitgrößte
- 29:36Weinanbaugebiet hinter Spanien, das ist sogar überholt.
- 29:40Aber freien von einer Erzeugermenge sind die ja auf deutschen Niveau.
- 29:44Und es werden ja sehr viele Trauben, S-Trauben produziert, Kaveltrauben.
- 29:47Aber das Potenzial rein von der Rehfläche wäre ja da, Weltproduzent zu werden, oder?
- 29:55Ja, ja.
- 29:56Wobei es geht gar nicht so sehr ums Produktionspotenzial, sondern ums Konsumationspotenzial.
- 30:01Das ist ein gigantischer Markt.
- 30:05Ich habe mal ausgerechnet, würde China denselben pro Kopfverbrauch erreichen wie Norwegen.
- 30:13Das wären 16 Liter pro Kopf pro Nase im Jahr, dann gäbe es keinen Wein mehr auf der Welt.
- 30:18Dann würden die den Planeten leertrinken.
- 30:20Das ist eine erschreckende Vorstellung.
- 30:22Aber zurück zur Erzeugerseite.
- 30:24Du hast es gerade richtig gesagt, China hat aktuell, je nachdem wie man sieht, wahrscheinlich
- 30:30die drittgrößte Rehfläche, aber es gab damals vor ein paar Jahren diese Meldung, OIV Paris
- 30:35hat die herausgegeben.
- 30:37China hat Frankreich und Italien in der Rehfläche überholt.
- 30:41Und es ist dann überall auch in den Zeitungen gestanden.
- 30:44Ich habe damals diese Pressemitteilung auch gesehen.
- 30:47Die haben alle vergessen, dass hinter dieser Headline ein kleines Sternchen waren, unten
- 30:53dann die Fußnote gewesen ist, inklusive Tafeltrauben.
- 30:56Und diese Trennung ist sehr, sehr schwierig in China zwischen Tafeltrauben und Weintrauben.
- 31:02Und wenn man Tafeltrauben mitrechnet, sind ja auch beispielsweise Länder wie Türkei
- 31:09ganz vorne bei den Weinbaustreiten Ländern, bei den Produzenten.
- 31:13Deshalb muss man ein bisschen vorsicht sein.
- 31:15Und wie du richtig sagst, wenn man sich dann in der Produktionsmenge des Weins ansieht,
- 31:19ist es wieder anders.
- 31:21Aber auch hier muss man ja sagen, die letzten vier, fünf Jahre haben da eine Zäsur gebracht.
- 31:28Es gab ja einen dramatischen Anstieg in den Nullerjahren, in den Zehnerjahren und ab
- 31:3418 ein deutliches Abkühlen in der Entwicklung des Weinbaus in China.
- 31:39Und von 2018 bis heute hat sich die gesamte chinesische Weinmarkt halbiert.
- 31:45Also, die warten da gerade ziemlich im Blut da drüben.
- 31:51Diese überschwängliche Entwicklung, die wir hatten in den ersten 15 Jahren des Jahrtausends,
- 31:59die hat sich absolut umgedreht.
- 32:00Das hat nicht nur mit der Pandemie zu tun, sondern das hat schon 2018 angefangen, hat
- 32:05sich schon angedeutet und wurde natürlich durch die Pandemie dramatisch verstärkt,
- 32:11weil in China Wein fast ausschließlich in der Gastronomie getrunken wird, sehr, sehr
- 32:15wenig zu Hause und die Gastronomie wurde ja vom Lockdown sehr betroffen.
- 32:21Aber das ist auch wieder typisch für China, dieses überschwängliche, diese explodierende
- 32:27Weinmarkt, dass er sich dann wieder genauso stark plötzlich wieder eine Korrektur erfährt.
- 32:34Ich nenne ja mal eine interessante Zahl, das ist ganz interessant, zwischen 2000 und
- 32:392010, in diesem einen Jahrzehnt, das habe ich neulich mal in einem Seminar verwendet,
- 32:47die prozentuale Steigerung vom wert importierten Wein nach China.
- 32:54Und dann fragt ihr Leute, was denkt ihr, wie viel war das?
- 32:56300%, 400%, 500%, whatever.
- 33:00Es sind 26,5.000% gewesen.
- 33:03Also der Weinmarkt ist von Null auf gigantische Summen explodiert in diesen ersten 15 Jahren
- 33:12des Jahrzehnts.
- 33:13Und jetzt haben wir eine gegenläufige Bewegung, wo das wieder ein bisschen abgeschwächt wurde,
- 33:19wobei man so langsam jetzt sagt ab Mitte 23, Anfang 24 vielleicht zu der Boden erreicht
- 33:27wurde, jetzt geht es hoffentlich wieder aufwärts.
- 33:29Da kann ich nur sagen Gänsehaut.
- 33:47Eine der von mir am meisten geschätzten Produzenten ist unser heutiger Partner, die Domain Georges
- 33:52Romier aus Chambrouillou-Signy.
- 33:54Eines der ohne Frage außergewöhnlichsten Weingüter, nicht nur im Bugund, sondern eigentlich
- 33:58in der ganzen Welt, dass für seine traditionelle aber präzise Arbeitsweise sowohl im Weinkeller
- 34:03als auch im Weinberg bekannt ist.
- 34:04Christophe Romier, der das Familie Weingut in dritter Generation leitet, legt riesengroßen
- 34:09Wert auf handwerkliches Können und ein tiefes Verständnis für das Théroir und die Trauben.
- 34:13Und ich erinnere mich nur als wer ist gestern zu gerne daran.
- 34:16Als ich während einer meiner ersten Bugundreisen vor über 20 Jahren, als man das Sommer je
- 34:20noch einen Termin auf der Domain bekam, damals die Weine von Christophe Romier vom Fass probieren
- 34:24durfte und ich hatte bei Weiten noch nicht die Liebe und die Erfahrung für die Bugunderweine,
- 34:28wie ich sie vielleicht heute habe, aber ich fühlte etwas, dass ich zuvor noch niemals
- 34:32in einem Wein geführt habe.
- 34:33Ich finde, es sind Weine, die zu einem sprechen, die so eigenständig sind, dass man das Gefühl
- 34:38hat, diese vibrieren faszinierenden Geschmackselemente in keinem anderen Wein jemals gefunden zu
- 34:44haben.
- 34:45Die Begehrtung sind leider aber vielleicht auch zum Glück sehr viele andere Weinliebhaber,
- 34:48leider, da diese Weine sich somit zu den begehrtesten Weinen weltweit entwickelt haben und für viele
- 34:53leider zu unerreichbaren Trophäen geworden sind, aber auch zum Glück, da die Besonderheit
- 34:57der Weine erkannt wird und die einzigartige Arbeit eines Mannes gewürdigt wird, Christophe
- 35:01Romier, um seine besondere Arbeit in Worte zu fassen, bedarf es eines Buchs.
- 35:05Dafür reichen diese 5-6 Minuten hier nicht aus.
- 35:07Und daher ist für mich eines der beeindruckendsten Zeitmonumente über diesen besonderen Menschen
- 35:12eines aus dem Jahre 2019, dass ich hier jedem Romier-Fan ans Herz legen möchte.
- 35:17Erst von meinem Podcast-Kollegen Levy Dalton, der in seinem Podcast "I Would Drink That"
- 35:21in Folge 276 Christophe Romier zu Gast hat und es in 2 Stunden, leider oder zum Glück
- 35:27in Englisch, geschafft hat, die Außergewöhnlichheit dieses intuitiven Weinkünsters herauszuarbeiten.
- 35:32Die Domain Georges Romier ist eines der renommiertesten Weingüter im Herzen der Kutte Mie, im nördlichen
- 35:37Teil der Kotor im französischen Begrund.
- 35:38Das Weingut wurde 1924 von Georges Romier gegründet und ist seitdemher einer der gefragtesten
- 35:43Produzenten für hochwertigen Pinot Noir.
- 35:45Die Weinberge erstrecken sich über nur 11,5 Hektar und umfassen einige der renommiertesten
- 35:50Parzellen im Gesamtbegrund.
- 35:51Das Weingut ist für seinen sorgfältigen Ansatz beim Weimbau und bei der Weinbereitung
- 35:55bekannt und kombiniert traditionelle Methoden mit modernen Technologien, um die Weine von
- 35:59außergewöhnlicher Qualität herzustellen.
- 36:01Die Kutten Mie hat die Eigenschaft, dass jede der Applationen einen ganz eigenen Unverkennbaren
- 36:06Geschmackscharakter in der Art und Weise hat.
- 36:08Und die allerbesten Produzenten schaffen es, diesen Wein, diese besondere Geschmackscharakteristik
- 36:12zu schenken.
- 36:13Und das kann Romier.
- 36:14Und das wie kaum ein anderer.
- 36:15Seit 1982 steht Christoph Romier an der Spitze des Gutes und führt das Erbe seines Großvaters
- 36:20fort.
- 36:21Unter seiner Führung haben die Weine von der Domain Georges Romier aufgrund ihrer intensiven
- 36:25aromen komplexen Geschmacksausrichtungen und ausgewogenen Tannin- und Säurestrukturen
- 36:29noch mehr Anerkennung gefunden.
- 36:31Für mich ist einer der exemplarischsten Weine dieser Domain der Maurice-Antony-Premier-Grue
- 36:35de la La Boussière.
- 36:36Dieses ist einer von 20 Prème-A-Cruel der Applation Maurice-Antony im Bugon.
- 36:40Zusammen mit seinen Nachbarn Lerouchaud ist der Weinberg einer der südlichsten der Gemeinde
- 36:44und Grenz im Süden an die Reben von Chamboille-Müseny.
- 36:48Pignois, die in La Boussière hergestellt werden, sind in der Regel ziemlich vollmundig, aber
- 36:52niemals fett oder opulent, verstoffig, sondern immer extrem elegant.
- 36:55Sie sind wie eine intelligente, feinsinnige Ballade, die geflüstert wird.
- 36:58Man kann hier immer wieder zuhören und entdeckt immer wieder was Neues.
- 37:02Wie kennen kann man diese Weine durchaus auch an ihren Tanninen, die extrem eigenwillig
- 37:05sind und auch komplett anders als alle Tannine, die ich sonst kenne aus anderen Lagen.
- 37:10Man könnte sie als "Soscurieres Klick" piaeckig beschreiben und wenn man den Wein probiert,
- 37:14dann weiß man, was ich meine.
- 37:15Der hat 2,6 große Hektar Weinberg La Boussière, davor als "Clo de la Boussière" bezeichnet
- 37:20werden, denn er ist komplett umauert.
- 37:22La Boussière hat seinen Namen von der Abbeille de la Boussière, einem Cistitienzer-Ordent.
- 37:26Der einstes Land hier besaßt.
- 37:27Jetzt ist die Abteil ein Luxus-Hotel und der Weinberg ist vollständig im Besitz der Domain
- 37:31Georges Romier.
- 37:32Was sie zu einem Monopol macht.
- 37:34La Boussière verfügt über eine ausgezeichnete Entwässerung zusammen mit einer sehr sanften
- 37:39Ostausrichtung verleiht es dieser Lage in der Gänze ein ausgesprochen eigenständiges Mesoklima.
- 37:44Der Boden hier ist aus felsigen Tonkeiggesteinen.
- 37:47Die Wasserspeicherungseigenschaften des Tons bedeuten, dass obwohl der Weinberg frei abläuft,
- 37:51die Reben während der Vegetationsperiode reichlich mit Feuchtigkeit versorgt werden.
- 37:55La Boussière ist ein heimlicher Anwärter auf eine Cronkueuerhebung.
- 37:59Und die Winifizierung, die Trauben werden sorgfältig von Hand gelesen und extrem streng
- 38:03selektiert, um nur die besten Beeren zu verwenden.
- 38:05Nach der Selektion erfolgt die Entrapung der Trauben, wobei ein kleiner Teil der Stile
- 38:10für die zusätzliche Strukturen komplexitiert die Maische gelangt.
- 38:12Die Gehrung erfolgt in offenen Holz-Bottichen oder je nach Jahrgang in Edelstein-Tanks, wobei
- 38:17die Maische regelmäßig untergestoßen wird, um eine gleichmäßige Extraktion von Farbe,
- 38:21Aromen und Tannin zu gewährleisten.
- 38:22Nach der Gehrung werden die Weine in französischer Eichenfässer umgefüllt, wo sie je nach
- 38:26Wein und Jahrgang zwischen 12 und 18 Monaten reifen.
- 38:30Romier bevorzugt dabei eine moderate Verwendung von neuem Holz.
- 38:33Oft sind es nur zwischen 15 und 25 Prozent, um die Frucht und das Teroid des Weines nicht
- 38:37zu überdecken.
- 38:38Die Fässerstammen von renommierten Küfern und werden sorgfältig ausgewählt, um die
- 38:41Fein-Noirnsten des Pino-Noirs zu unterstützen.
- 38:43Romier verfolgt im Keller eine Philosophie vom minimalen Eingriff.
- 38:46Dies bedeutet, dass die Weine so natürlich wie möglich verarbeitet werden, ohne unnötige
- 38:50Zusätze oder manipulative Techniken.
- 38:52Die Weine werden nicht geschön und nur minimal gefiltert, um die Reinheit der Authentizität
- 38:57des Weines zu bewahren.
- 38:58Die Abfüllung erfolgt im Weigut selbst, meist ohne größere Eingriffe.
- 39:02Durch den Verzicht auf Schönung und intensive Filtration bleiben die Weine lebendig und
- 39:05entwickeln sich auf über viele Jahre hinweg weiter.
- 39:08Die Flaschenreife ist ein wichtiger Teil des Produktionsprozesses bei Romier und viele
- 39:12der Weine benötigen viele Jahre um, ihre volle Ausdruckskraft zu erreichen.
- 39:16Diese Methode der Weinbereitung kombiniert mit den außergewöhnlichen Lagen, aus denen
- 39:19die Trauben stammen, verleihen den Wein der Domain Georges-Romier eine bemerkenswerte Tiefe,
- 39:24Eleganz und Langlebigkeit, die sie weltweit begehrt machen.
- 39:27Und alles darüber hinaus ist Magie.
- 39:29Danke für diese Weinerlebnisse, die ich mit diesen besonderen Weinen haben durfte.
- 39:32Und danke dem deutschen Importeur, dem Handelshaus Segnetz.
- 39:35Jetzt hat ihr teilweise in den gesamten Weltmarkt ganz schön durcheinandergebracht.
- 39:48Ja, ja, natürlich.
- 39:49Dort ist hier viel weniger importiert, also eben zum einen durch die Pandemie, zum anderen
- 39:54vielleicht durch Übersättigung oder zu viele Bestände oder was auch immer die Gründe dafür
- 39:57gewesen sein.
- 39:58Aber das hat man ja überall lesen können, dass Preise korrigiert werden, dass neue Export-Import-Situationen
- 40:05entstehen und viele versuchen, ihre Situation komplett neu auszurichten.
- 40:11Ja, ja.
- 40:12Also am schlimmsten hat es ja Australien getroffen.
- 40:16Das haben wir ja eigentlich gar nicht so mitbekommen.
- 40:18Australien war so ab 2018, Anfang 2018 Haupt- oder größter Importeur von Wein nach China,
- 40:27hat Frankreich überholt.
- 40:28Das hat allerdings nur ein paar Monate Stand gehalten.
- 40:33Nach der Pandemie hat die australische Regierung, oder zu Beginn der Pandemie, die australische
- 40:39Regierung relativ lautstark über China geschimpft und gefordert, dass man den Ursprung des Virus
- 40:47besser untersuchen sollte.
- 40:49Da gab es ja die wildesten Gerüchte.
- 40:50Also die Australien waren relativ laut gegenüber den Chinesen und plötzlich wurde von heute
- 40:58auf morgen eine Sondersteuer auf australische Weine von 218 Prozent eingeführt.
- 41:05Und damit war der australische Weinmarkt von heute auf morgen tot in China.
- 41:10Und viele, viele Betriebe haben sich ja damals dramatisch auf China fokussiert.
- 41:15Die hatten alle die Dollarzeichen in den Augen, dieses neue Eldorado.
- 41:19Ich kann mich gut erinnern, ich nenne mal den Namen lieber nicht.
- 41:23Ein sehr berühmtes australisches Weingut, das wir alle kennen, das früher auch eine
- 41:30eigene Niederlassung in Europa hatte in London, eine Niederlassung um den europäischen Marktsepp erarbeiten.
- 41:35Die haben mich früher gern mal eingeladen zu ihrer Jahrgangspräsentation nach Adelaide.
- 41:41Und das war immer toll, mit Business-Glasflug nach Adelaide.
- 41:46Da haben die immer so die wichtigsten Meinungsbilden auf der Welt eingeladen.
- 41:51Aber das letzte Mal, als ich dort war, habe ich schon gesehen, da waren vielleicht noch
- 41:5610, 15 Prozent westliche Meinungsbilden und der Rest waren alles Chinesen.
- 41:59Also diese Weingut, diese Weingurtsgruppe hat sich ausschließlich auf dem chinesischen Markt fokussiert.
- 42:04Das Büro in Europa wurde geschlossen, man hat sich nur auf China fokussiert.
- 42:09Und diese natürlich ganz gehöre ich dann auf die Schnauze gefallen.
- 42:12Ein gewisse Schadensfreude schwingt in meiner Stimme mit.
- 42:17Ist sowas von anderen Märkten wie zum Beispiel in Indien oder Afrika auch zu erwarten?
- 42:21Weil da ja das wie in den 90ern komplett umgespielt ist und wie so ein Schwamm letztlich auch wieder fungieren könnte?
- 42:29Oder kann man so was nicht fokussieren?
- 42:32Also, Indien.
- 42:35Indien ist sicherlich oder könnte der spannendste Markt überhaupt sein.
- 42:39Das große Problem in Indien ist die Besteuerung, die für Importweine, für Alkohol insgesamt
- 42:45aus dem Ausland sehr hoch ist und noch dazu von Bundesstaat zu Bundesstaat anders ist.
- 42:51Also man kann nicht einfach vom einen Bundesstaat den anderen die Weine bringen.
- 42:54Das ist sehr, sehr kompliziert.
- 42:57Aber wir dürfen ja nicht vergessen, Indien ist ja mittlerweile bevölkungsmäßig größer sogar als China geworden.
- 43:04Und wir dürfen nicht vergessen, Indien ist heute schon trotz religiöser Beschränkungen und trotz
- 43:10steuerlichen Beschränkungen der drittgrößte Alkoholmarkt der Welt.
- 43:14Es ist ein gigantisches Potenzial in Indien und man muss da wirklich, das darf man nicht auch den Augen verlieren,
- 43:22wie sich da die Entwicklung fortsetzen wird.
- 43:25Es ist vielleicht etwas, was wir nicht mehr so mitnehmen werden.
- 43:29Das wird erst die nächste Generation sein, aber Indien ist natürlich ein ganz, ganz wichtiger Markt.
- 43:33Noch wichtiger scheint mir aber tatsächlich und es ist interessant, dass du das sagst,
- 43:39weil die wenigsten kommen da eigentlich drauf, der afrikanische Markt.
- 43:43Nicht nur was Weinan geht, sondern überhaupt die Entwicklung, die Bevölkerungsentwicklung, die wirtschaftliche Entwicklung
- 43:52wird die nächsten 50 Jahre sich ganz stark von Asien Richtung Afrika verlegen.
- 44:00Das Bevölkerungswachstum wird fast nur noch in Afrika stattfinden und auch der Zuwachs an Wohlstand, an Mittelstand wird in Afrika stattfinden.
- 44:09Es ist ganz interessant, dass wir das gar nicht so wahrnehmen.
- 44:12Wenn man heute die Leute fragt, was sind große wirtschaftlich starke Ländern in Afrika,
- 44:19die Leute wissen es gar nicht.
- 44:20Sie werden natürlich sagen Südafrika, aber die mit Abstand größte Volkswirtschaft in Südafrika ist Nigeria.
- 44:27Die Hauptstadt von Nigeria Lagos wird wahrscheinlich bis zum Ende des Jahrhunderts die größte Stadt der Welt werden.
- 44:34Da sind gigantische Wachstumspotenziale drin.
- 44:37Und rein vom Konsumverhalten sind uns die Afrikaner eigentlich näher, als es die Asiaten sind, was Wein angeht.
- 44:46Also da ist eine gigantische Zukunft.
- 44:48Ich weiß nicht, ob du das schon mitbekommen hast.
- 44:52Vor ein paar Monaten eine kleine Initiative gestartet.
- 44:57Ein Freund von mir ist der ehemalige Afrika-Experte bei KPMG Deutschland gewesen.
- 45:06Und der hat eine Beratungsagentur gegründet für Investitionen, Infrastrukturprojekte in Afrika etc.
- 45:15Und der ist gleichzeitig ein Weinfreund und der hat sich überlegt, warum helfen wir eigentlich nicht?
- 45:20Weinunternehmen, Winzern, Weingütern, Kellereien etc. im afrikanischen Markt Fuß zu fassen.
- 45:27Und wir haben da gemeinsam eine Agentur gegründet, um solchen Unternehmen zu helfen.
- 45:32In Afrika ist es so vielversprechend, wie es ist, ist natürlich auch ein bisschen kompliziert.
- 45:37Also ohne die entsprechende Know-how sollte man da nicht hingehen.
- 45:40Aber weißt du, was interessant ist?
- 45:42Deshalb freut es mich so, dass du das ansprichst.
- 45:45Wir hören ja immer wieder diese Zahlen.
- 45:48Der Weinmarkt geht zurück in den klassischen Absatzländern.
- 45:52Der Konsum geht zurück.
- 45:53Ist auch für deutschen Wein, wir müssen es mal anschauen.
- 45:56Die klassischen Märkte gehen alle zurück mit Ausnahme über ins USA.
- 46:00Und dann sagen wir auf dem Planet, wird immer weniger Wein getrunken.
- 46:04Und dann sage ich, nein, das ist falsch.
- 46:06In den bisherig erschlossenen Ländern wird immer weniger Wein getrunken.
- 46:11Aber zwei Drittel der Weltbevölkerung haben wir überhaupt noch gar in Kontakt zum Wein gehabt.
- 46:15Die können wir erst mal entschließen.
- 46:17Und das ist natürlich Indien und das ist natürlich Afrika.
- 46:20Gerade weil dort ja auch eine Situation ist, wie wir sie in Europa teilweise in 60er, 70er Jahren hatten,
- 46:26diese Wohlstandsgier hatten, diese Sozialisierungsgier oder diese Kulturgier.
- 46:30Und das verbindet man ja oftmals mit Wein.
- 46:33Absolut.
- 46:34Wenn man Kultiviert Wein trinkt, dann hat man ein anderes Wohlstandsgefühl.
- 46:38Jetzt sind nicht das saufen, sondern die Kultivierte trinken.
- 46:40Oder eben eine kleine Weinsammlung aufbauen etc.
- 46:43Ist das interessant, ja?
- 46:44Ist da wahrscheinlich auch eine tolle Chance für Fachleute, sich dort zu platzieren und zu helfen auch.
- 46:49Es ist ganz interessant.
- 46:50Ich habe kürzlich eine Statistik gesehen, Champagnerabsetz in den afrikanischen Ländern.
- 46:57Mengenmäßig steht an der Spitze Südafrika, wundert einen eigentlich nicht.
- 47:03Auf Platz zwei ist wiederum Nigeria interessant.
- 47:06Aber die Durchschnittspreis an der Flasche Champagner in Südafrika ist 26 Euro.
- 47:11In Nigeria 39 Euro.
- 47:13Tatsächlich ist diese neue Mittelschicht und die Oberschichte in Nigeria, die wollen konsumieren, die wollen europäische Weine konsumieren.
- 47:22So wie du das gerade richtig gesagt hast.
- 47:24Ein bisschen so wie bei uns in der Generation unserer Eltern in den 60er, in den 70er Jahren.
- 47:30Vielleicht dann auch später in Österreich, in den 80er, 90er Jahren dieses Nachholbedürftnis.
- 47:37Weine ist dann ein Status-Symbol für internationalen Lifestyle.
- 47:44Und das sehen wir gerade in Ländern wie Nigeria, auch Rwanda beispielsweise.
- 47:49Ganz stark, dass die Leute sich mit Wein beschäftigen wollen.
- 47:52Und interessanterweise sind wir alt-europäer, deutsche Franzosen Italiener dort viel, viel höher noch angesehen,
- 48:02als jetzt die Kollegen aus der neuen Welt.
- 48:05Also dort als Deutscher aufzutreten, das ist tatsächlich etwas, man wird respektiert.
- 48:10Rein von der Konsumentenseite oder entsteht dort auch was von Produktionsseite, das man sagen kann?
- 48:15Oder ist das klimamäßig und gerade in der Zukunft völlig...
- 48:19Nein, also ich denke nicht, dass im afrikanischen Weinbau sich große Dinge, Entwicklungen weiterspielen werden,
- 48:28weil es einfach klimatisch nicht einfach ist.
- 48:31Wenn wir uns den Kontinent mal anschauen, denn dort wo es interessant wird klimatisch,
- 48:36hört Afrika auf im Norden am Mittelmeer und im Süden bei Südafrika dann Richtung Südpolarmeer.
- 48:46Während wir ja in Europa durchaus die Chance haben, den Klimawandel zu begegnen, dadurch, dass wir weiter nach Norden gehen,
- 48:55was ja auch stattfindet, mittlerweile Weinbau in Skandinavien, bei uns auch an der Ostsee bis hinauf in der Nordsee.
- 49:04Da tut sich ja einiges, das funktioniert in Afrika nicht, weil da plumpst man dann ins Wasser.
- 49:09Sie können da eigentlich nicht ausweichen.
- 49:12Deshalb wird Afrika eigentlich in seinem Weinbau Durst auf die Importe von anderen Kontinenten angewiesen sein
- 49:20und das macht das Land natürlich so interessant oder den Kontinent.
- 49:24Die Chinesen könnten sich dann sicherlich mit ihrer großen Rebfläche weitestgehend machen.
- 49:29Sie machen ja jetzt auch schon 60 Prozent des Weinstehren China, gedrungen über das chinesische Wein.
- 49:33Die können sich selbst versorgen.
- 49:35Afrika kann sich seinen Wein Durst nicht selbst stillen.
- 49:38Deshalb ist es so ein interessanter Markt.
- 49:40Was ja wiederum eben auch die Situation, wie damals in England import bringen könnte,
- 49:44dass sie dadurch ein sehr qualitativer, aber eben auch ein sehr hochwertiger Importeur bzw. ein Markt werden, der interessant ist,
- 49:52weil dieser Patriotismus nicht geliebt werden kann, weil kein eigener Wein entsteht.
- 49:55Aber das mit China, hast du das auch gehört, dass man prognostiziert, dass Bordeaux sich in 50 Jahren,
- 50:02sowohl vom Renommé als auch von der Art der Weine, wie sie produziert werden, in China wiederfinden wird?
- 50:08Ja, da muss man natürlich ein bisschen vorsichtig sein.
- 50:15Denn alles, was wir jetzt gerade im China im Weinbau haben,
- 50:19ist eigentlich eine sehr, sehr junge Geschichte.
- 50:22Das ist alles erst 15, 20 Jahre alt, dass man da tatsächlich ...
- 50:27Ja, grundsätzlich gibt es ja wohl schon seit 7000 Jahren Weinbau, also Bein vor Georgien.
- 50:33Das ist tatsächlich das Interessante.
- 50:37Ich frage in meinen Schulungen, in meinen Seminaren immer wieder,
- 50:41wir neigen ja dazu immer die Weinwelt in Neue Welt und Alte Welt zu unterteilen,
- 50:45was totaler Bullshit ist, wenn man genau drüber nachdenkt.
- 50:48Das ist ein sehr eurozentisches Denken, das funktioniert eigentlich nicht.
- 50:52Aber ich frage dir immer, ist China eigentlich Neue Welt oder ist China Alte Welt?
- 50:56Und das weiß keiner, das ist recht untatziellig,
- 50:59und das ist richtig, dass du das gerade eingeworfen hast.
- 51:01China ist gleichzeitig sehr, sehr Alte Welt.
- 51:03Die älteste Verbindung von Weintrauben zur Erzeugung von einem alkoholischen Getränk
- 51:10ist tatsächlich nicht in Georgien, sondern das ist in China,
- 51:13dieser älteste Nachweis von 9000 Jahren schon.
- 51:15Und auch viele Entwicklungen, die wir kennen,
- 51:19der Weinbau, den die Phynizien im Mittelmeerraum betrieben haben,
- 51:27später die Griechen, später die Römer,
- 51:29die den Weinbau dann auch nach Norden, nach Deutschland gebracht haben.
- 51:32Zu dieser Zeit haben wir ganz ähnliche Entwicklungen in China auch gehabt,
- 51:35also da ist vieles parallel gelaufen.
- 51:37Also China ist einerseits ein sehr, sehr altes Weinland,
- 51:39dann aber natürlich auch ein sehr, sehr, sehr junges Weinland.
- 51:43Denn dieses moderne China, wie wir heute kennen,
- 51:46ist weinbaulich eigentlich erst 20 Jahre alt.
- 51:48Überhaupt das moderne China als Land ist ja erst nicht mal 50 Jahre alt.
- 51:54Wir dürfen nicht vergessen, Mao Zedong ist noch seit 76 gestorben,
- 51:57die Öffnung in den Westen 78, 79, denkt Xiaoping.
- 52:00Das ist alles noch sehr, sehr jung.
- 52:02Deshalb diese weinbauliche Entwicklung, die wir in China haben, geht rasend schnell.
- 52:07Alles, was wir in Europa, was bei uns 50 Jahre dauert,
- 52:10dauert in China fünf Monate, das ist jeden Bereich so.
- 52:12Aber dieses Entwicklung von regionaler Typizität in Weinregionen
- 52:20ist etwas, was natürlich noch in den Kinderschuhen steckt.
- 52:23Es gibt eine Region, die sich ein bisschen hervortut,
- 52:26und es ist tatsächlich Ningxia, eine kleine Provinz in Zentral China,
- 52:31die so ein bisschen als das neue, ich will nicht sagen Bordeaux,
- 52:34das passt eigentlich nicht, sondern eher das neue Napa Valley von China gilt.
- 52:39Und dort wird ganz stark gesetzt auf Cabernet Sauvignon,
- 52:43und zwar im Stiel eigentlich eher der alten Welt,
- 52:46also strukturierte, würzige, ärtige Weine mit auch festem Tanin.
- 52:51Und das ist sicherlich etwas, was in Richtung Bordeaux ganz klar gehen wird.
- 52:56Aber auch da muss man natürlich sagen,
- 52:58weiße, wenn du gerade sagst, die Entwicklung in Bordeaux,
- 53:01wir dürfen auch nicht vergessen, dass heute Bordeaux anders aussieht
- 53:04und übrigens auch anders schmeckt, als es noch vor 40, 50 Jahren war.
- 53:08Weißt du, wenn du einen 1970er Lafite Rochelle trinkst, der hatte 11,8 Alkohol.
- 53:14Das hat mit dem Wein, wie wir ihn heute kennen, auch relativ wenig zu tun.
- 53:18Auch Bordeaux ist natürlich viel internationaler geworden.
- 53:22Das findest du mit deiner globalen Betrachtungsweise gut oder zeitgemäß
- 53:27oder egal, oder so ist es halt, oder einfach nur super schade,
- 53:30weil die Weine damals in ganz anderer Klasse hatten?
- 53:32Ja, es ist natürlich schon super schwer.
- 53:35Ich habe gerade das Beispiel gesagt, wir sind gewohnt,
- 53:38neue Welt, alte Welt diese Schubladen aufzumachen.
- 53:41Und ich sage immer wieder, dieses Bullshit, das funktioniert schon lange nicht mehr.
- 53:45Ich habe kürzlich erst wieder eine Blindprobe gehabt
- 53:48von 100 Parkerpunkteweinen aus Kalifornien, aus Bordeaux, aus Australien,
- 53:55aus der ganzen Welt.
- 53:57Du hast keine Chance in der Blindprobe herauszufinden, was was ist.
- 54:01Das ist mittlerweile alles das gleiche Rezept.
- 54:04Es ist faszinierend, wie auf der ganzen Welt Weltklasse Weine entstehen können.
- 54:09Aber es ist natürlich schon auch ein bisschen schwierig,
- 54:12dass man dabei einiges verliert.
- 54:16Ich habe vor Jahren mal in Australien, ich dachte eigentlich auch immer,
- 54:21neue Welt, alte Welt, das ist ja klar, das kann man so einfach unterscheiden.
- 54:25Ich war in Australien, habe einen Tasting gehabt mit 50 der besten Kabernes
- 54:30aus Australien, sensationell, blind tasting.
- 54:33Einer schöner als der andere, es war ein Licht, tolle, tolle Weine.
- 54:36Nur ein Wein war dabei, ich weiß nicht, es war Wein Nummer 7 oder so was,
- 54:40der war so ein bisschen typisch australisch, von allem ein bisschen zu viel,
- 54:45zu viel Alkohol, zu viel Säure, zu viel Frucht, zu viel Holz,
- 54:49von allem so ein bisschen übertrieben zu viel, so typisch australisch.
- 54:53Und zwar der Pirat, oder?
- 54:54Und dann haben sie aufgedeckt, 2007 war 2015 Motorotchild.
- 54:58Ja genau.
- 55:00Das war der australischste Wein im Tasting.
- 55:02Also das funktioniert schon lange nicht mehr.
- 55:05Und natürlich hat man etwas mit Globalisierung zu tun, man lernt ja voneinander.
- 55:12Ich habe vor Jahren mit Peter Gego, Chefgelehrmeister von Penforce, du kennst ihn,
- 55:18er hat mir in Hamburg mal seinen neuen Shardonee gezeigt, das will ich schon lange her.
- 55:23Und die älteren Kollegen können sich ja noch erinnern, wie die Shardonee aus Australien früher waren,
- 55:29weil so dunkelgelbe Wein, die das schon so ölig aus der Flasche, du,
- 55:33du, du, du, du rauskommen, Fett über Holz, über Süß, ach, schlimm.
- 55:38Und ich werde die vergessen, da hat mir Peter Gego diesen ersten Shardonee,
- 55:42diesen neuen Stil aus seinem Keller hingestellt, 12,7 Alkohol, mineralisch knackiges Säure,
- 55:49ganz zartes Holz, hat eigentlich gerochen wie ein Santo Bar aus Burgund.
- 55:54Und ich riehe in das Glas hinein und er sieht, wie meine Augen groß werden.
- 55:58Und ich werde nie vergessen, was er damals zu mir gesagt hat.
- 56:01Er sagt ja, well Frank, our learning curve has been dramatically steep.
- 56:06Also man lernt natürlich auf der ganzen Welt voneinander.
- 56:09Und das ist ja auch was die Chinesen tun.
- 56:11Weinbau in Europa ist 8000 Jahre Versuch und Irrtum.
- 56:17Die Chinesen haben den letzten 20 Jahren deshalb so stark aufgeholt,
- 56:21weil sie diese Irrtümer ausgeschlossen haben, die wir zum Lernen gebraucht haben
- 56:27in den letzten 8000 Jahren, sondern die einfach vorher gefragt haben,
- 56:30wie man es richtig macht und für dieses Know-how entsprechend zahlen.
- 56:33Aber dadurch neigt man natürlich auch dazu, sich international ein bisschen anzunähern.
- 56:38Wird daher der Chinesische Wein immer ein Plagiat von irgendwas Anderem sein,
- 56:42oder findest du, es gibt das Potenzial, zum Beispiel ein,
- 56:46Wein zu produzieren, wie man sagt, eine Gesamtregion kann ein Stil herausarbeiten,
- 56:54wie Riesling und Mosel.
- 56:56Natürlich finde ich solche Weine auch woanders auf der Welt oder eben auch mit dem Bug und so weiter.
- 57:00Das kann man natürlich, wie du es eben auch schon gerade dargestellt hast,
- 57:03mit dem australischen Chardonnay, kann man woanders produzieren.
- 57:06Aber oftmals ist ja das Gesamtimage einer Region oder einer Gemeinschaft,
- 57:09die schaffen gemeinschaftlich ein Stil zu kreieren, den es im Snurls wo oder nur selten gibt.
- 57:14Kann das China?
- 57:16Ja, ja, ja, weil sie es wollen.
- 57:20Wir müssen ein bisschen wegkommen von diesem Bild, das wir denken, die Chinesen wollen nur kopieren.
- 57:25Die haben da mittlerweile eine andere Selbstbewusstsein.
- 57:28Ja, sie wollen ein Wein machen im Stile Bordeaux,
- 57:31aber sie wollen eine chinesische Version davon machen, die man auch durchaus als chinesisch erkennen darf.
- 57:37Also sie sind nicht mehr stolz drauf, wenn man reinfällt und sagt, aha, das ist Bordeaux,
- 57:41sondern sie sind stolz darauf, aha, das ist ein Wein im Stile von Bordeaux,
- 57:45aber in einer chinesischen Interpretation.
- 57:48Das sind sie schon sehr danach.
- 57:52Es gibt einen interessanten Faktor in China, der dort vielleicht noch wichtiger ist,
- 58:00als in den bekannten Weinregionen innerhalb unseres Horizontes,
- 58:06wo wir ja eher vom Klima her denken, ob es ein kühleres Klima ist
- 58:10oder ein wärmeres Klima.
- 58:12In China ist es eigentlich der große Unterschied,
- 58:16eher der ist man eher maritime im Klima geprägt,
- 58:21ist man eher an der Küste nähe oder ist man eher kontinental als im Landesinneren.
- 58:26Und dadurch entstehen ganz erhebliche Unterschiede.
- 58:30Es gibt ja die klassische Weinbauregion,
- 58:35die klassische Weinbauprovinz in China ist Shandong.
- 58:39Das ist eine Halbinseldienst ins chinesische Meer hineinragt.
- 58:43Also vom Charakter her eher ein maritimees Klima,
- 58:46wie wir es in Bordeaux kennen, vielleicht auch ein bisschen Mediterranean geprägt.
- 58:49Aber ich habe vorhin Ningsha genannt.
- 58:51Ningsha liegt ca. 1300 Kilometer inland,
- 58:54sehr, sehr weit weg von jeglicher Meer, von daher extrem kontinentales Klima.
- 59:00Und es gibt eine ganz andere Ausprägung,
- 59:03dadurch, dass wir sehr warme Tage, sehr kalte Nächte haben,
- 59:06sehr warme Sommer, sehr kalte Winter, als wenn wir diese Mediterranean
- 59:10oder wir würden sagen Atlantisch geprägten Weine haben.
- 59:14Und das ist das Interessante vielleicht in Ningsha.
- 59:18Man sagt, dass die Cabanes von dort eigentlich
- 59:22diesen Gegensatz Neue Welt, Alte Welt überwinden
- 59:25und das Beste von beiden Seiten in sich tragen.
- 59:28Sie sind sehr, sehr konzentriert, was die Fruchtigkeit angeht.
- 59:32Also Neue Welt, wie wir das definieren, gleichzeitig sind sie sehr, sehr
- 59:35würzig mit viel Rückgrat, was die Alte Welt darstellt.
- 59:41Und das könnte vielleicht, dass die DNA von Ningsha in Zukunft sein,
- 59:47dieses genau in der Mittellinie zwischen Neue Welt still und Alte Welt still zu stehen.
- 59:51Was durchaus eine sexy Kombination sein kann.
- 59:54Gibt es dann Indikatoraroma, ähnlich wie Eukalyptus in Australien?
- 59:58Ne.
- 59:59Was man sagt, das muss ne.
- 1:00:01Wenn es ein Indikator gibt, dann sicherlich die Würze, die diese Weine haben.
- 1:00:06Und es ist ganz interessant, ich habe da einen Wein, den ich gerne in Seminaren verwende.
- 1:00:12Ein einfacher Cabane, so ich sag mal der 10 Euro Klasse ein bisschen drunter.
- 1:00:18Sehr, sehr gut gemachte Wein, den gebe ich den Leuten immer so verkosten und frag,
- 1:00:22was halten sie vom Holzmanagement und dann halten sie drüber.
- 1:00:25Ja, sehr würziges Holz, eher Alte Welt still im Holz.
- 1:00:28Und dann sage ich ihnen, der Wein hat überhaupt keinen Holz.
- 1:00:31Der Wein ist ausschließlich im Stahltank ausgebaut.
- 1:00:33Diese würzige Charakterart, das ist typisch für Cabane Sauvignon von Ningsha.
- 1:00:40Und da arbeiten sie auch gerade an das noch mehr hervorzubringen.
- 1:00:44Steht dem Ganzen ähnlich wie, und da warst du ja auch einer der ersten,
- 1:00:50die das relativ stark proklamiert haben, dass die Qualität, die dort herkommt, außergewöhnlich ist,
- 1:00:56Großbritannien, denen aber, finde ich zumindest, steht der Preis relativ stark im Wege,
- 1:01:02weil die eine andere Finanzierungssituation haben als Weingüter in,
- 1:01:07keine Ahnung, Frankreich, Italien, Deutschland, die über Generationen denken.
- 1:01:10Dort versucht man innerhalb von einer Generation das Ganze zu refinanzieren.
- 1:01:13Deswegen kostet man natürlich einen ganz anderen Obolus als ein Champagner zum Beispiel.
- 1:01:18Ist das in China das Gleiche, das ist die Weine, die sind ja teilweise nicht günstig,
- 1:01:22die Aber-Class qualitativ nehmen, dass das ein Problem sein könnte?
- 1:01:27Es ist auf jeden Fall ein schwieriges Feld, über das wir jetzt reden.
- 1:01:32Aber es ist tatsächlich so. Die Top-Weine in China sind sehr teuer und vielleicht sogar zu teuer.
- 1:01:40Herzstelle ich, oder?
- 1:01:42Ja, ja, ganz klar. Also wir reden hier natürlich schon Weine im Bereich 300 Euro.
- 1:01:46Also das ist gar kein Problem für ein Top-Wein aus China.
- 1:01:49Das Interessante ist, aber ich habe mit meinen chinesischen Partnern oftmals darüber gesprochen.
- 1:01:55Ich habe gesagt, Mensch, es ist zu teuer, dabei ist es nicht wert.
- 1:01:58Den müsst ihr günstiger machen.
- 1:01:59Dann sagen Sie, wenn wir den günstiger machen, kauft ihn niemand.
- 1:02:02Die Leute kaufen ihn, weil er teuer ist.
- 1:02:05Und da sind wir natürlich auch wieder bei einer Entwicklung, die wir vielleicht in den 60er, 70er Jahren auch hatten.
- 1:02:10Man hat was Teures gekauft, weil was teuer ist, ist gut und ist ein Wohlstandssymbol.
- 1:02:17Ich sage immer, würde eine Louis Vuitton-Tasche nicht so viel Geld kosten,
- 1:02:22würde es die für 50 Euro geben, würde es auch keiner kaufen.
- 1:02:24Weil das Design ganz ehrlich ist jetzt nicht so berauschend.
- 1:02:27Wir kaufen das Ding, weil es teuer ist, dadurch wird es zum Statussymbol.
- 1:02:31Und das haben wir gerade in China noch.
- 1:02:35Das werden die auch irgendwann überwinden.
- 1:02:37Aber Preis als Qualitätsindikator ist leider ganz, ganz wichtig.
- 1:02:42Ich kenne ein Weingut, die haben ein Weingut in Burgund aufgekauft
- 1:02:48und haben dann diese Weine in China vertrieben.
- 1:02:50Und die wollten dann für einen normalen Burgognerusch umgerechnet 50 Euro haben.
- 1:02:55Ich sagte, das könnte nicht machen, der Wein kostet in Burgund 8 Euro, 10 Euro.
- 1:02:59Aber sie sagten, nein, wenn wir es günstiger machen, glaubt uns das niemand, dass das Burgund ist.
- 1:03:03Das ist eine heikle, heikle Geschichte.
- 1:03:06Aber wie gesagt, in China diese Entwicklungen gehen so dramatisch schnell.
- 1:03:10Man muss da immer am Puls der Zeit bleiben, wenn man damit halten möchte.
- 1:03:14Puls der Zeit haben Parkerpunkte oder allgemein Bewertungen ausgesorgt.
- 1:03:19Du bist ja auch relativ stark in diesem Thema integriert.
- 1:03:21Wärt es dir auch eine Region bzw. auch anderweitig?
- 1:03:24Was hältst du davon?
- 1:03:26Ist das noch zeitgemäß?
- 1:03:27Weil sich ja viele davon abgewandt haben, gesagt haben, also, so.
- 1:03:30Findest du es gut oder nicht gut, wenn man Beinpunkte gibt?
- 1:03:33Und wir sind ja auch selber schuld.
- 1:03:36Wir sind ja selber alle, und da meine ich nicht uns beide, sondern wir alle in der Weinbranche.
- 1:03:42Dass die Leute sich da ein bisschen abwenden davon.
- 1:03:46Dieses propagieren der Superstars, der Superlative.
- 1:03:52Weißt du, die Leute unter 98 Punkte zählen ja schon gar nichts mehr.
- 1:03:57Das kann man ja schon gar nicht mehr trinken.
- 1:03:59Das ist alles sehr, sehr pervers geworden.
- 1:04:02Und dem folgten natürlich auch die meisten Weinkritiker und vergeben heute der Punkte inflationär.
- 1:04:11Ich sage mal, wenn ich ein Wein mit 90 Punkte von Robert Parker kaufen will, gehe ich zu Aldi oder zu Netto.
- 1:04:17Dort findet man diese Weine für 5, 6 Euro im Regal.
- 1:04:20Wir haben das einfach übertrieben.
- 1:04:23Das große Problem ist eigentlich ein anderes.
- 1:04:26Wie kann man ein Genusserlebnis berechenbar machen oder in Punkte, in Wertungen, selbst in Worte umsetzen, ist ja unglaublich schwer.
- 1:04:39Und ich sage den Leuten immer, wenn ein Wein 96 Punkte hat, dann heißt es nicht, dass der euch jetzt 2 Punkte besser schmeckt, als ein Wein der 94 Punkte hat.
- 1:04:48Das sind unterschiedliche Ansätze. Mit Punkten kann man, wenn überhaupt, eine objektive Weinqualität beurteilen.
- 1:04:58Aber ob die jetzt subjektiv den Geschmack entspricht, ist ein völlig anderes Thema.
- 1:05:03Und zur objektiven Qualität gehört ja auch immer der Moment des Genusses dazu.
- 1:05:15Natürlich, wenn ich morgen mit meiner Frau in ein Sterne-Restaurant zum Hochzeitstag feiern gehe, dann bestelle ich mir vielleicht einen Runden Hochzeittag in der Flasche Motor Rotschild und mir genießen das.
- 1:05:26Und dann ist es in diesem Moment das schönste Erlebnis auf der Welt.
- 1:05:29Aber ich will denn ein anderes Erlebnis geben.
- 1:05:31Einer meiner schönsten Weinerlebnisse, oder Weinerlebnis ist ja nicht gar nicht, eines meines schönsten sensorischen Erlebnisses hatte ich vor Jahren auf einer Bergwanderung in den Alpen oberhalb von Reit im Winkel.
- 1:05:44Zum Grenzgebiet zu Österreich.
- 1:05:46Es war früher Herbst, ich glaube September, wir sind bei Sonnenschein losgegangen.
- 1:05:51Und oben dann auf dem Berggrat ist plästigtes Wetter umgeschwenkt.
- 1:05:55Es kam ganz dicker Nebel.
- 1:05:57Wir haben den Hand nicht mehr vor Augen gesehen.
- 1:05:59Es wurde eisig kalt, es wurde feucht.
- 1:06:01Wir haben uns mit letzter Kraft vorgetastet und haben es endlich dann in diese Hütte geschafft, die wir erreichen wollten, irgendwo auf 2000 Meter.
- 1:06:09Und dort hatten wir uns empfangen und wir waren ausgehungert, ausverfroren, hatten Durst und man hat uns einfach ein Teller Speck hingestellt und ein Glas grüner Weltliner aus der Dopplerflasche, aus der 2 Liter Flasche, den billigsten Wein, den du kaufen konntest.
- 1:06:23Und in dem Moment war das für mich wie göttliche Manna.
- 1:06:27Das war in dem Moment der köstlichste Wein, den es gibt auf der Welt.
- 1:06:30Und das zeigt einfach, wie subjektiv und wie relativ Weinqualität ist und wie wenig man sie eigentlich so ein Genusserlebnis in Punkte fassen kann.
- 1:06:42Es ist leider so, aber dem liegt ja eigentlich zugrunde.
- 1:06:46Wein ist Chaos, Wein ist Unübersichtlichkeit und das mögen wir Menschen nicht.
- 1:06:51Wir mögen gern Ordnungen, wir mögen gern Schubladen, in die wir das reinstecken können.
- 1:06:55Deshalb sagen die Leute auch, ich trinke gern Italiener, ich trinke gern Rossees.
- 1:07:00Die Leute haben gern Schubladen.
- 1:07:02Wenn ich das immer sage, die Leute sagen, wir schmecken Italiener, dann sagt was soll das Italien ist der größte Weinproduzent der Welt, ihr könnt auch nicht sagen, mir schmeckt jeder Italiener.
- 1:07:11Aber sie wollen gern diese Schubladen haben, weil die geben Sicherheit.
- 1:07:15Natürlich geben solche Punkte und Noten von echten oder scheinbaren Experten eine gewisse Sicherheit und in dieser Unübersichtlichkeit muss man natürlich auch immer verstehen.
- 1:07:27Und du hältst es nach wie vor zeitgemäß diese Punkte oder ist es überholt?
- 1:07:36Ich muss ein bisschen vorsichtig sein, wie du weißt, arbeiten wir beide für eine Publikation, die solche Punkte und Sterne vergibt.
- 1:07:50Wir wissen, weil wir beide es ja seit vielen Jahren machen, wieviel Sorgfalt wir da reinlegen und dass ein Wein, der von uns 87 Punkte kriegt, tatsächlich deutlich anders schmeckt, wie einer, der nur 86 Punkte geht.
- 1:08:04Das ist schon so, wir machen das sehr ernsthaft.
- 1:08:08Andererseits stelle ich mir schon immer auch die Frage, welchen Wert hat es tatsächlich für den Konsumenten.
- 1:08:13Wäre es nicht schöner, wenn man über diesen Wein statt 98 Punkte zu geben, 3-4 Sätze drüber schreibt, irgendwie eine emotionale Wahrnehmung dieses Weins.
- 1:08:22Da bist du ja eigentlich immer sehr, sehr talentiert, den Wein emotional und nicht rational darzustellen.
- 1:08:28Vielleicht sind wir ein bisschen zu rational geworden in unserer Weinwelt, weil wir das Chaos bannen wollten.
- 1:08:38Es ist interessant, mir fällt gerade einfach vielen, vielen, vielen Jahren habe ich mal einen Preis bekommen, einen Weinkulturpreis an der Mosel, den Nikolaus Cusanos Weinkulturpreis.
- 1:08:50Ich habe da mal einen längeren Aufsatz, ein kleines Büchlein geschrieben über den Verlust des Dionysischen in der Weinkultur.
- 1:08:58Und da ging es eigentlich genau über dieses Thema. Wein ist ja eigentlich was Dionysisches, was extrem emotional ist.
- 1:09:05Es ist etwas, was man mit der Seele macht und nicht mit dem Kopf.
- 1:09:08Friedrich Nietzsche hat in der Tragedie aus dem Geist der Musik eigentlich gesagt, die Kultur entspringt dann, wenn man die perfekte Balance zwischen Dionysischem und Apolinischem hat.
- 1:09:21Also einerseits das ungeordnete, natürliche, andererseits das strukturierte, gedankliche.
- 1:09:27Und wenn du da die richtige Balance hast, dann entsteht Kultur.
- 1:09:30Und bei uns in der Weinkultur der letzten 30, 40 Jahre haben wir vielleicht ein bisschen vergessen, das Dionysische zu feiern und sind nur noch nach Punkten und nach bewusstem Wahrnehmen und Verkosten.
- 1:09:42Und auch wir sommerlesen ja da manchmal.
- 1:09:44Weiß ich, ich sehe manchmal Kollegen, die gehen abends aus mit anderen Kollegen, mit einem Freund gehen ins Restaurant und tun den Wein, den sie bestellen, gar nicht trinken, sondern sie tun den Verkosten und würden am liebsten noch ausspucken und den nächsten verkosten.
- 1:09:56Manchmal ist es auch nur einfach Glas Wein, das man runter schluckt und Freude dran hat.
- 1:10:00Und dieses Dionysische beim Wein, das sollten wir vielleicht manchmal wieder ein bisschen zurückholen und nicht nur dieses ganze Reden drüber und bewerten und einordnen wollen, das macht auch keinen Spaß.
- 1:10:14Das stimmt. Manchmal finde ich es aber trotzdem auch interessant und gut, sich auf einer gewissen Ebene mit Kollegen auszutauschen und da auch so richtig diese Nerdfreak-Nummer zu fahren.
- 1:10:25Wenn man dadurch seinen eigenen Horizont erweitert und noch immer ein Stück tiefer sein eigenes Vokabular erweitern kann, seine eigene Betrachtungsweise für diesen Wein.
- 1:10:33Also daher finde ich, dass manchmal durchaus angebracht, wahrscheinlich nicht im Restaurant, rein beschreiben den Wein, finde ich persönlich manchmal schwierig, weil das immer eine Momentaufnahme ist.
- 1:10:44Und da dann auch die Situation gibt, dass der Wein oftmals entweder zu positiv oder zu negativ besprochen wird und dieses objektive ganz selten stattfindet.
- 1:10:54Ich glaube, dann, wenn das wäre, bräuchtes Du als Konsument letztlich auch im Vorwissen wie bei einem Schriftsteller, welchen Stil der hat, welchen Stil der lebt.
- 1:11:03Und wenn man sich damit auseinander setzt bei den einzelnen Weinführern, dann finde ich egal, ob ein Vinum oder ein Parker schon sehr geschmackssicher.
- 1:11:11Und dann weiß man, okay, mit den Punkten hat er den Geschmack, entweder entspricht das meinem Geschmack oder nicht, früher in den, keine Ahnung, vor 10, 15 Jahren war ja das größte Lob für den Bugunder, wenn der schlechte Bewertung vom Parker wirklich war.
- 1:11:24Ja, weil er dann eben nicht nach Parker-Stil schmeckt.
- 1:11:29Aber da muss ich schon sagen, da muss man auch unterscheiden die Arbeit, die wir im Vinum machen und auch andere Kollegen sicherlich von dem Parker-Stil.
- 1:11:38Und Parker gibt es ja auch ganz klar zu.
- 1:11:40Robert Parker hat das immer gesagt, er bewertet die Weine nicht nach der objektiven Qualität, sondern ob sie es seinem Geschmack entsprechen.
- 1:11:48Und das ist durchaus ein Ansatz, der ist absolut okay.
- 1:11:51Und an dem kann man sich orientieren, wie du da richtig sagst, wobei für uns beim Vinum geht es nicht darum, ob uns persönlich der Wein schmeckt, sondern es geht um die objektive Weinequalität.
- 1:12:05Genau.
- 1:12:06Und ich merke das immer daran.
- 1:12:08Du kennst jetzt die Situation, wenn wir da so für Vinum verkosten, du hast 30, 40, 50 Weine auf dem Tisch, den du gerade alle probiert hast und dann bist du fertig mit verkosten für den Tag und räumst deinen Tisch auf, dann schüttest du natürlich nicht alles weg,
- 1:12:20sondern nimmst eine Flasche, die du dann abends mit deiner Frau trinken möchtest.
- 1:12:23Und das Interessante ist, dass diese Flasche, die ich für mich dann raushuche zum Trinken, fast nie die Flasche ist, die ich vorher am höchsten bewertet habe.
- 1:12:32Sondern in diesem Fall, das ist ein völlig anderer Ansatz.
- 1:12:35In diesem Moment bedeutet es nicht mehr, was ist der beste Wein, sondern welcher Wein macht mir persönlich jetzt heute Abend mit meiner Frau Spaß?
- 1:12:42Ein völlig anderes Approach zu den Weinen.
- 1:12:45Aber was ich dir gerade noch sagen wollte zu dem Thema Austausch mit Kollegen und Sprache.
- 1:12:50Und das ist was ganz, ganz Wichtiges.
- 1:12:52Das hast du sehr, sehr richtig gesagt.
- 1:12:54Kollegen zuzuhören und nicht nur Kollegen, auch Weinliebhabern, die vielleicht keine Profi sind, zuhören, wie sie den Wein beschreiben, wie sie die Sicht, ihre innere Sicht auf den Wein haben.
- 1:13:06Das ist mir eigentlich erst aufgegangen, als ich nach China gekommen bin und festgestellt habe, dass wir mit unserer westlichen Weinsprache und die Chinesen mit ihrer Weinsprache oftmals ein bisschen aneinander vorbeireden.
- 1:13:20Denn, weißt du, wir reden bei Cassis, bei Cabaneh immer von Cassis.
- 1:13:26Jeder Cassis Cassis.
- 1:13:27Auch die Chinesen haben das mal gehört, bei Bordeaux musste man sagen, der riecht nach Cassis.
- 1:13:31Chinesen wissen nicht, wie Cassis schmeckt.
- 1:13:33Das zeugt es nicht bei denen.
- 1:13:35Du kannst eigentlich immer nur das wahrnehmen, wofür du auch ein Wort hast.
- 1:13:42Das sind wir eigentlich schon bei Wittgenstein, wenn wir das philosophisch betrachten.
- 1:13:46Wir können nur das wahrnehmen, dass wir auch sprachlich fassen können.
- 1:13:50Und je mehr, je stärker du deinen sprachlichen Möglichkeiten erweiterst und andere sprachliche Möglichkeiten hörst, umso mehr kannst du auch erfassen.
- 1:13:59Und wenn der Chinesen dann sagt, der Wein riecht nach Puerti oder nach Longanbären, dann hast du keine Ahnung, wie das tatsächlich schmeckt.
- 1:14:09Aber das interessiert dich dann tatsächlich, da mal reinzudenken, weil es deinen eigenen Horizont wieder erweitert.
- 1:14:15Wir können tatsächlich, das ist meine Theorie, wir können nur die Aromen schmecken, für die wir auch ein Wort haben.
- 1:14:21Wenn wir kein Wort dafür haben, riechen wir sie nicht.
- 1:14:23Das heißt, wir riechen sie schon, nur wir können sie nicht wahrnehmen.
- 1:14:26Wenn man letztlich diesen Aromolekülen irgendwann ins Wort zugeordnet hat, was in unserer aktuellen Welt existent ist und womit wir das verknüpfen und verbinden,
- 1:14:35und dort ist es natürlich aus einer anderen Welt, aber dadurch wird wahrscheinlich die Weinsprache auch nie global werden, sondern wird immer sehr individuell sein.
- 1:14:42Ist es dann für dich schwer, du warst ja dort oder du bist hier glaube ich sogar noch dort beraten tätig, dein Wissen dort anzuwenden, musst du komplett umlernen
- 1:14:51oder kannst du das dann rein über den technischen Ablauf definieren, fokussieren?
- 1:14:57Es ist mein Erfolg glaube ich, ich habe das aber nicht geplant, sondern das ist eigentlich ja intuitiv passiert.
- 1:15:04Ich glaube, mein Erfolg in China beruht darauf, dass ich nicht hingegangen bin und ich habe ja sehr viele Summelierausbildung da drüben auch gemacht,
- 1:15:14viele Schulungen, Unterricht, dass ich nicht hingegangen bin und den jetzt unsere westliche Weinkultur aufoktroiert habe,
- 1:15:22sondern dass ich mich Respekt für ihre eigene Ess- und Trinkkultur, die eine der ältesten auf der Welt ist, hingegangen bin und das versucht habe, mit der westlichen Weinkultur zu vermählen.
- 1:15:33Die wollen natürlich von uns wissen, wie funktioniert das in Frankreich, in Deutschland, wie macht ihr das mit Harmonie, von Speise, Wein und diesen ganzen Sachen,
- 1:15:41das finde ich faszinierend, aber es geht nicht darum, das 1 zu 1 umzusetzen, sondern mit ihrer Jahrtausende alten Ess- und Trinkkultur zu vermählen.
- 1:15:50Hat ja auch ein bisschen was mit Respekt zu tun, wenn man dorthin geht.
- 1:15:55Ich gebe dir mal ein ganz interessantes Beispiel, gerade wenn es um Wine-Service geht.
- 1:16:00Wir setzen das Weinklas über der Messerspitze rechts, KUWE ein.
- 1:16:07Warum machen wir das?
- 1:16:09Erstens, bei mehr Teil unserer Gäste Rechtshänder sind, darum können sie sehr schön hingreifen.
- 1:16:14Zum zweiten, der Kellner ist Rechtshänder, also er kommt von rechts und kann sehr gut in dieses Glas einschenken, ohne dabei den Arm vor der Nase des Gasses zu halten,
- 1:16:23wie man es machen würde, wenn man von links einschenken würde.
- 1:16:27Jetzt ist es aber natürlich so, wenn du in China einen Tisch eindeckst, werden die Speisen ja meistens in die Mitte des Tisches gestellt und man greift sich dann aus der Mitte des Tisches, man bedient sich von dort.
- 1:16:39Es wäre jetzt also dieses Glas, wenn wir es rechts über eine Messerspitze auf diese Position stellen würden, im Weg, weil wir dort mit der rechten Hand ja rübergreifen wollen.
- 1:16:49Darum habe ich dann immer gesagt, dann lasse uns das Glas zentral vor uns einsetzen, so kann man immer noch den optimalen Service von rechts machen, aber der Gast hat die Möglichkeit mit seinem rechten Arm, um das Glas herum in die Tischmitte zu greifen.
- 1:17:02Also es ist ein typisches Beispiel, wie man westliche Kultur und chinesische Kultur im Restaurant verbinden kann.
- 1:17:08Wie sieht es mit der Ausbildung dort aus? Stimmt die Annahme das wahrscheinlich wie bei in vielen Bereichen ein Deutscher Somme mit seiner Ausbildung,
- 1:17:17gerade nach der Ausbildung relativ waff ausschauen würde, neben eigentlich hongkong chinesisch ausgebildeten Somme, also sind die da wie bei allem so viel akribischer und so viel...
- 1:17:28Es ist unglaublich. Wie gesagt, ich tue auf der ganzen Welt Unterrichten, aber ich habe noch nie so ein Erlebnis gehabt, wie wenn du in China vor einer Klasse stehst und Unterrichtest.
- 1:17:40Bildung ist ein ganz, ganz großes Thema in China. Chinesen sehen Bildung als ein Asset an, um ihr Leben zu verbessern.
- 1:17:48Man kennt das ja nicht nur jetzt im Weinbereich, insgesamt, jeder, der sich das leisten kann, schickt seine Kinder schon vor der Schule auf Vorschul, die können meistens alle schon rechnen und schreiben, bevor sie in die Schule kommen.
- 1:17:58Bildung ist was, und das ist auch vom konfuzianischen Gedankengut sehr, sehr stark herangezogen. Bildung ist was ganz, ganz Wichtiges in China.
- 1:18:08Und wenn du in China Unterrichtest, die saugen dir jedes Wort von den Lippen ab. Es ist unglaublich, wie die lernen.
- 1:18:16Und manchmal merkst du das gar nicht, weil sie gleichzeitig sehr still dabei sind, sie gehen ja nicht gern aus sich heraus.
- 1:18:21Aber manchmal stellen sie dir dann Fragen und dann denkst du, das darf nicht wahr sein.
- 1:18:26Ich hatte das vor Jahren, ein sehr schönes Beispiel, habe ich über deutsche Rieslinge, deutsche Rieslingenregionen referiert und habe den erzählt.
- 1:18:33An dem Mosel gibt es an den Skiverboden und etc. Und irgendwann meldet sich ein schüchternes Mädchen aus der hintere Reihe, sie hat sich kaum getraut zu melden, aber sie wollte dann doch die Frage stellen.
- 1:18:44Das war jetzt ganz interessant mit dem Skiverboden an dem Mosel, aber sie hätte gehört, es gäbe blauen Skiver und roten Skiver, ob ich mal erklären könnte, wie sich das im Geschmacksbild auswirkt.
- 1:18:55Und das sind gute Frage, Mädchen. Die sind schon unglaublich wissbegierig und das merkt man natürlich im Weinbereich auch daran, dass das WSET mit Abstand größter Ausschlandsmarkt war, China.
- 1:19:12Sie haben dann politisch ein bisschen Probleme gehabt, aber diese Weinschulung ist ein gigantischer Markt in China.
- 1:19:19Deshalb unterricht ich da so gerne.
- 1:19:41Prämitivo ist oftmals nichts anderes als der rote Muskateller der Weinwelt und doch bietet solch eine Rebsorte auch immer großartige Beispiele. Ja, es gibt auch richtig außergewöhnlich und sehr besondere Prämitivo.
- 1:19:53Und das dann, wenn der Winzler es ernst nimmt mit dieser Rebsorte und dem Boden, das Klima und seine Heimat respektiert, achtet und versucht keinen kommerziellen, sondern einen interessanten, einen Charakterwein zu erzeugen.
- 1:20:04Und vor allem diesen auch analytisch trocken auszubauen und nicht als billiges Zuckerwasser dastehen zu lassen, was natürlich lecker ist, aber jegliche Art von Struktur in dem Wein überdeckt, sofern sie vorhanden ist und absolut keine Charakterelemente außer Fleisch, Frucht und Zucker zulässt.
- 1:20:17Und für uns Sommies gilt es, diese zu finden und einer derer findet sich ganz im tiefen Süden Italiens, auf der Salento-Halbinsel in Apooyen.
- 1:20:25Dort findet sich ein Weingut, das sich durch die Verbindung von Tradition und Moderne in der Weinproduktion auszeichnet, Castello Monacci in Mitten der Weinberge auf kalkhaltigen mineralreichen Böden entsteht der 2020er Arters Prämitivo.
- 1:20:39Ein Wein, der nicht nur die Sense des Theroiseinfängens, sondern auch die Kraft und Komplexität der Prämitivotraube in ihrer höchsten Form präsentiert.
- 1:20:48Und weil ich es gerade erwähnte, habe er es analytisch und sensuierisch trocken und hat somit Charakter.
- 1:20:53Der Arters Prämitivo wird ausschließlich und zu 100% aus der gleichnamigen Rebsorte hergestellt.
- 1:20:59Wie auch immer haben wir mit dem 2020er Arters Prämitivo einen Vertreter, der typischer für diese Rebsorte nicht sein könnte.
- 1:21:072020 war ein Jahr, das von ihr die ein klimatischen Bedingung geprägt war. Heiße Sommer, wenig Niederschlag und eine lange Vegetationsperiode ermöglichte eine perfekte Reife.
- 1:21:16Die Trauben wurden in den frühen Morgenstunden per Hand gelesen, um ihre Frische zu bewahren und anschließend sehr streng selektiert, um nur die besten Früchte zu verarbeiten.
- 1:21:26Diese sorgfältige Selektion ist ein markenzeichnendes Weingutsohn, trägt maßgeblich zur Qualität des Arters Prämitivo bei.
- 1:21:32Nach der Ernte durchlaufen die Trauben eine traditionelle Maturation, auf den Schalen die etwa 18 Tage dauert.
- 1:21:38Dieser Prozess extrahiert die intensiven Farbstoffe und Tannine, die dem Wein seine kräftige Struktur verleihen.
- 1:21:44Die anschließende Gärung erfolgt temperaturkontrolliert in Edelstalltanks, wobei die Gärtemperatur zwischen 24 und 26 Grad Celsius liegt, um die Fruchtaromen bestmöglich zu bewahren.
- 1:21:53Im Glas präsentiert sich der 2020er Arters Prämitivo in einem tiefen Rubinrot mit violierten Reflexen, was Jugend und Konzentration untersteigt.
- 1:22:01Die Nase wird von einem intensiven Bouquet reifer schwarzer Früchte wie Flaumen, Kirschen, Brombeere dominiert, begleitet von Noten wie Schokolade, Lakritze und einem Hauch schwarzen Pfeffer.
- 1:22:12Diese komplexe Aromatik wird durch feine Anklänge von balsamischen Kräutern getrockneten Blumenergänz, die dem Wein eine zusätzliche Dimension verleihen.
- 1:22:21Die Fruchtaromen setzen sich am Gaumen vor. Der 2020er Arters Prämitivo ist ein Wein mit einem erstaunlich großen Alterungspotenzial, was man dieser Rebs auch überhaupt nicht zusprechen möchte.
- 1:22:32Obwohl er in seiner Jugend eine beeindruckende Komplexität und Tiefe zeigt, wird er in den nächsten 10 bis 15 Jahren noch weiter reifen und nicht nur an Harmonie, sondern auch an Finesse gewinnen.
- 1:22:42Vielleicht ist das Alter der Rebstöcke ein Grund für die Komplexität und die Reiflichfähigkeit dieser Weine.
- 1:22:47Die Rebstöcke, aus denen dieser Wein gewonnen wird, sind über 40 Jahre alt und tief in den Böden des Salente verwurzelt.
- 1:22:54Diese alten Reben liefern einen gering, aber hochkonzentrierten Ertrag, der dem Wein von Castello Monacci eine besondere Intensität und Tiefe verleiht.
- 1:23:02Ein faszinierendes Weingut, in dem sich Technologie und Natur jeden Tag aufs Neue treffen, um Topweine, nein, um die Topweine dieser Region zu kreieren.
- 1:23:10In den 70er Jahren wurde von der Memos-Familie ein einzigartiges Weingut erschaffen.
- 1:23:15Mehr als 3000 Olivenbäume und ein 200 Hektar großes Weingut umgeben das historische Schloss.
- 1:23:21Darunter fasst ein spektakulärer Faskeller mehr als 1000 Barikfässer aus amerikanischer und französischer Eiche.
- 1:23:28Die amerikanischen Fässer stammen aus Minnesota, die französischen aus dem Allier und dem Strasseegebiet
- 1:23:33und tragen mit subtilen Aromen von Vanille, Gewürze und Tabak während der 14-monatige Reife zur Komplexität des Weines bei.
- 1:23:40Ohne die Fruchtigkeit der Primitivutraube zu überdecken, der Name Arthas bezieht sich auf dem messapischen König Arthas.
- 1:23:46Der empführten Jahrhundert vor Christus über die Region herrscht und symbolisiert die tiefe Verwurzelung des Weingutens in der Geschichte und Kultur ab Burjans.
- 1:23:53Castello Monagis bekannt für seine Hingabe zur Entfaltung der lokalen Weinbautradition.
- 1:23:59Der Arthas Primitivo 2020 hat bereits internationale Anerkennung gefunden und wurde von renommierten Weingritikern hochbewertet.
- 1:24:05Mit 93 Punkten vom Wine-Spektet ertöt er zu den Spitzenweinen seine Kategorie.
- 1:24:11Dieser Erfolg ist nicht nur ein Beweis für die Qualität des Weines, sondern auch eine kontinuierliche Weiterentwicklung mit der Streben nach Exzellenz bei Castello Monagis.
- 1:24:19Insgesamt ist der 2020er Arthas Primitivo ein Wein, der die Essenz des Apulischen Tiroas in sich trägt und dabei eine Brücke zwischen Traditionen modernisch legt.
- 1:24:28Dieser Wein ist ein Zeugnis dafür, dass auch Somnism mit einem Primitivo Abneugung hinter ihm stehen und nicht gegen seine Gäste, sondern mit ihnen arbeiten können.
- 1:24:36Der Arthas Primitivo ist ein Ausdruck des Tiroas von Salento. Vielen Dank für dieses sehr überzeugende Exemplar, dieser oft umstrittenen Rebsort.
- 1:24:44Und auch ein großes Dankeschön dem deutschen Importeur, dem Handelshaus Schlumberger.
- 1:24:58Wir haben ja mittlerweile auch den ersten chinesischen Master-Sommelis, es gibt chinesische Master-Freien, da wird noch einiges auf uns zukommen.
- 1:25:07Was vielleicht ein bisschen fehlt, ist die Servickunde. Also Dinge, die man jetzt nicht durch auswendig lernen kann, sondern durch langes Training oder durch eben eine duale Berufsausbildung, wie wir das ja in Deutschland sehr, sehr gut haben.
- 1:25:23Das ist vielleicht noch ein bisschen schwer, auch weil der Service in China läuft anders. Service in China ist relativ devot.
- 1:25:34Man tritt nicht selbstbewusst am Gast auf, sondern eher zurückhaltend. Das ist ein anderes Denken als bei uns. Aber alles, was man auswendig lernen kann, da werden die uns ganz schön, ganz schön überholen.
- 1:25:45Wie würdest du selber unsere Ausbildung in Deutschland einschätzt, die Sonnigli oder allgemein in der Berufsschule?
- 1:25:51Wir müssen uns unterscheiden. Gastronomisch und Somelie. Aber wenn wir überhaupt mal gastronomisch sagen, ich glaube, dass tun wir viel zu selten Wertschätzen, was wir hier in Deutschland haben durch dieses duale Ausbildungssystem.
- 1:26:04Für uns ist es selbstverständlich, es gibt es vielleicht noch in der Schweiz und in Österreich, ansonsten ist es einzigartig, dieses System, das man sowohl in Betrieb als auch auf der Schule lernt.
- 1:26:17Gerade bei den guten Schulen, die wir ja, muss ich leider sagen, vor allem bei uns in Süddeutschland haben. Ich selbst war ein paar Übergängern, kennt man ja.
- 1:26:26Das sind schon vorbildliche Schulen. Das ist schon ein ganz, ganz tolles System. Und man merkt es dann im Vergleich zu Ländern, die sowas nicht haben.
- 1:26:36Natürlich insbesondere die angelsächsischen Länder, England und Amerika, dass wir da vom rein praktischen Handeln den Leuten am Anfang meilenweit überlegen sind.
- 1:26:49Man merkt es übrigens auch bei der Mastersomelie Ausbildung. Die Mastersomelie Ausbildung läuft ja eigentlich in drei Wegen. Theorie, Tasting und Service.
- 1:27:00Und für uns, zumindest war es bei mir so, aber ich glaube, das werden alle anderen Kollegen, die Steffi und die Helga, die werden das eigentlich alle bestätigen können.
- 1:27:11Für uns war eigentlich der Wine Service immer die leichteste, weil wir das einfach gelernt haben von Grund auf. Wine Service ist für uns nichts, was wir uns erst aneignen müssen.
- 1:27:21Wir haben alle drei Jahre Lehre gemacht, das Rest darauf auch. Deshalb haben wir da schon einen Startvorteil.
- 1:27:27Das darf man wirklich nicht, nicht unterschätzen diese duale Ausbildungssituation in Deutschland.
- 1:27:32Was wir dann jetzt mit der Somelie Ausbildung entwickelt haben, ist ja eigentlich auch schon 15 Jahre jetzt her, dass das läuft.
- 1:27:42Ich muss das immer wieder betonen. Ich weiß nicht, bei dir war es vielleicht auch nur so, als ich als Somelie angefangen habe. Es gab noch keine Somelie-Ausbildung in Deutschland.
- 1:27:50Ja, wir haben da quasi auch das, ich war natürlich in England, aber wir haben das auch eher bei Learning by Doing lernen müssen.
- 1:27:58Und dann haben wir natürlich diese Somelie Ausbildung in Deutschland draufgesetzt auf das duale Ausbildungssystem.
- 1:28:06Allerdings noch nicht in der Konsequenz, wie es jetzt eigentlich mit der neuen Prüfungsordnung für den Somelie-Beruf stattfindet, die jetzt gerade diesen Herbst jetzt in Erscheinung treten.
- 1:28:17In der neuen Prüfungsordnung, was verändert sich? Oder was war früher und was ist jetzt?
- 1:28:21Das ist wirklich ein hochinteressantes Thema.
- 1:28:24Das hat leider eigentlich die Somelie-Szene der letzten, in letzter Zeit noch nicht wirklich wahrgenommen, was sich da verschiebt.
- 1:28:34Wir hatten bis dato, oder grundsätzlich muss man anfangen, die Somelie-Ausbildung und vor allem die Prüfung zum, ja, K-Geprüfen-Somelies machen ja die Hoteller und die Industrie- und Handelskammern.
- 1:28:46Das ist ihr hoheitlicher Auftrag, den sie vom Bund haben.
- 1:28:52Und es war bis dato so, dass jede IHK ihre eigene Prüfungsordnung geschrieben hat.
- 1:28:58Und dadurch gab es sicherlich auch ein bisschen unterschiedliche Standards.
- 1:29:01Und die meisten dieser Prüfungsordnungen waren jetzt aber auch wirklich schon 15 Jahre alt.
- 1:29:05Es musste ein bisschen was passieren.
- 1:29:08Und es gab eine Initiative einerseits, eine bundeseinheitliche Prüfungsordnung zu machen
- 1:29:13und andererseits die Prüfungsordnung tatsächlich jetzt auch auf den neuesten Stand des Berufsbildes zu bringen.
- 1:29:20Und das ist in den letzten zwei, drei Jahren gelaufen.
- 1:29:232022/23 ist das vollzogen worden unter dem Dach der IHK, der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Berlin, also der Dachorganisation der regionalen IHKs.
- 1:29:37Die haben eigentlich auch wieder ein typisch deutsches Verfahren.
- 1:29:41Die haben alle Interessengruppen an einen runden Tisch geholt.
- 1:29:45Die haben Sachverständige bestellt aus den Somelierschulen, aus den Prüfenden IHKs.
- 1:29:52Die haben die Verbände an den Tisch geholt, die Somelierunion, die DEHOGA.
- 1:29:58Und haben so eine Gruppe, ja wir waren circa 30 Leute von Sachverständigen zusammengebracht,
- 1:30:04die dann diese neue Prüfungsordnung entworfen haben.
- 1:30:09Und das war ein ziemlich spannender Prozess, bei dem ich auch selber sehr, sehr viel gelernt habe,
- 1:30:16weil er eigentlich damit begonnen hat, dass wir erstmal das Berufsbild Somelier definiert haben.
- 1:30:23Wir haben uns überlegt in zehn Punkten, die haben uns also aufgefordert vom DEHOGA,
- 1:30:28sagt uns mal zehn Punkte, was ein Somelier können muss, nicht was er wissen muss,
- 1:30:33sondern was er können muss, um sein Beruf auszuüben.
- 1:30:36Und diese zehn Punkte noch?
- 1:30:38Also hast du die präsent?
- 1:30:40Ich habe sie, passen wir auf, ich muss mal hier gerade, hier habe ich sie also,
- 1:30:46erstens, analysieren des Marktes und des Bedarfs sowie entwickeln von Marketingaktivitäten.
- 1:30:52Zweitens, entwickeln des Getränkesortiments erstellen der Getränkekarten.
- 1:30:57Drittens, planen und abstimmen von Budgets.
- 1:31:00Also du siehst schon, es geht hier um Business, um Betriebswirtschaft und nicht so sehr darum,
- 1:31:06zu wissen, ob Barolo besser ist als Barabaresco.
- 1:31:09Viertens, planen, durchführen und überwachen des Einkaufs von Getränken,
- 1:31:13Verbrauchstgütern und Restaurantequipment.
- 1:31:15Fünftens, lagern und pflegen von Getränken mit Schwerpunkt auf Wine-Keller-Management.
- 1:31:21Sechstens, und jetzt kommen wir so langsam erst in die Gastberührung hinein,
- 1:31:26beraten von Gästen sowie Führen von Verkaufsfördernden Gesprächen, Gastgesprächen.
- 1:31:33Siebens, vorbereiten und durchführen des Wein- und Getränkeservice, also die Kernkompetenz des Omelets.
- 1:31:39Neunthens, beherrschen betrieblicher Abläufen, zusammenarbeiten mit anderen Abteilungen im Betrieb.
- 1:31:45Und sehntens, wichtig auch planen und durchführen fachfels spezifischer Mitarbeiterschulungen.
- 1:31:51Das Interessante ist, wenn man das jetzt hört, das hat ja alles jetzt nicht so mit dem Somelie-Bild zu tun,
- 1:31:58wie wir das in den letzten 15 Jahren gesehen haben, mit Somelie als Weinfachmann.
- 1:32:03Sondern das ist eigentlich wieder ein Zurück hin zu dem Thema Somelie als Wineservicefachmann.
- 1:32:11Ich betone es immer wieder, ein Somelie als Weinfachmann zu bezeichnen, das ist eigentlich falsch.
- 1:32:16Und Somelie ist ein Fachmann für Wineservice, dafür sollte er natürlich auch ein Fachmann für Wein sein,
- 1:32:23aber das ist ein Teil seiner Qualifikation.
- 1:32:26Und die DHK hat uns dann aufgefordert, wir sollten die Anforderungen, was man wissen und können muss,
- 1:32:35um diesen Beruf auszuüben, handlungsorientiert formulieren.
- 1:32:40Also nicht wissensorientiert, ich weiß toll Bescheid über Wein,
- 1:32:44sondern was mache ich mit diesem Wissen?
- 1:32:47Und das waren ganz interessante Aspekte, auf denen ich selber eigentlich gar nicht gekommen bin.
- 1:32:51Und so wird das auch in der neuen oder stets in der neuen Prüfungsordnung drin.
- 1:32:55Da gibt es natürlich auch einen großen Teil, dass Wein- und Getränkekunde geprüft wurden.
- 1:33:01Natürlich muss man sich in Namen bevor mit Wein und Getränken auskennen.
- 1:33:04Allerdings dieser Prüfungsteil heißt nicht Weinkunde oder Getränkekunde,
- 1:33:09sondern heißt Anwenden von weinkundlichen Kenntnissen.
- 1:33:13Denn das ist ja die eigentliche Summelierqualität, nicht das Weinwissen, sondern das Anwenden von Weinwissen.
- 1:33:20Und das ist, glaube ich, ein ganz, ganz anderen Ansatz, den wir da verfolgt haben.
- 1:33:24Und somit kommt der Summelier eigentlich weg vom reinen Weinwisser hin zur echten Summelierqualität.
- 1:33:33Kommunikation.
- 1:33:35Ja, ein Game-Changer, den wir da eigentlich aufgesetzt haben.
- 1:33:40Aber, und das muss man ganz klar sagen, die Ausbildung wird auch anspruchsvoller,
- 1:33:44und zwar sowohl für die Teilnehmer als auch für die Lehrenden, für die Schulen, für die Lehrer und Lehrerinnen.
- 1:33:50Denn früher konnte man einfach den Leuten nur ein bisschen was über Wein beibringen,
- 1:33:54und das war es dann so, das wird in Zukunft nicht mehr so sein.
- 1:33:59Im Rahmenplan so neuer Ausbildung stehen eigentlich vier Fächer drin.
- 1:34:05Letztlich muss man zugeben, früher war es eigentlich nur einfach in der Summelierausbildung,
- 1:34:09das war Wein- und Getränkekunde.
- 1:34:11Im neuen Rahmenplan gibt es vier Fächer, nämlich Management des Restaurantbetriebs, Marketing.
- 1:34:19Wobei Marketing, viele Leute denken ja, bei Marketing nur an Werbung und Kommunikation,
- 1:34:24Marketing bedeutet natürlich auch, dass das marktgerechte Erstellen eines Angebots,
- 1:34:30das ist hier eigentlich damit gemeint, dann Gäste betreuen und bewirken
- 1:34:34und dann eben anwenden Wein- und Getränke kundlicher Kenntnisse.
- 1:34:39Und das Interessante ist, natürlich ist die Weinkunde nach wie vor der größte Teil, die wir da drin haben,
- 1:34:45aber diese anderen drei Teile, also Management-Restaurabetrieb, Marketing und Gäste betreuen, bewirken,
- 1:34:53ist zusammengenommen genauso wichtig wie das reine Weinwissen.
- 1:34:57Und das ist glaube ich das große, was sich jetzt verschoben hat,
- 1:35:00dass wir mehr wirklich zu dem hingekommen sind, nicht was ein Summeli weiß, sondern was ein Summeli kann.
- 1:35:06Ich glaube dann aber auch umso schwerer zu prüfen,
- 1:35:09willst du da ja um ganz viele Fließtexte, Grauzonen, der Präsidentssachen geht,
- 1:35:15wenn du hingest und sagst mir die Appellation von Bordeaux, bist du ja schnell durch, kannst du jeden Punkt geben
- 1:35:20und dann kannst du denjenigen entsprechend bewerten, bei der neuen Prüfungssituation wird es ja richtig schwierig.
- 1:35:26Ja, deshalb haben wir da auch schon entsprechende Aufgaben formuliert, als Beispiele, die funktionieren können.
- 1:35:35In der praktischen Prüfung beispielsweise wird es so sein, dass man eine Aufgabenstellung bekommt,
- 1:35:41du bist ein neuer Summelier auf Fisch- und Meeresfrüchte ausgerichteten Restaurant in einer süddeutschen Großstadt.
- 1:35:4945 Plätze, so und so ist die Situation, Gästestruktur etc.
- 1:35:54Das kriegst du im Vorfeld diese Aufgabe und sollst dann eine Weinkarte erstellen, ein Weinkonzept für diesen Betrieb erstellen
- 1:36:03und in der praktischen Prüfung wird dann eigentlich nicht diese Weinkarte selbst so sehr bewertet,
- 1:36:09sondern du musst dann vor den Prüfern diese Weinkarte erklären.
- 1:36:13Du musst sagen, ich habe jetzt also diese Weine ausgewählt, weil das und das.
- 1:36:18Ich habe dieses Preisenniveau ausgewählt, weil ich dieses Budget hatte etc.
- 1:36:23Also du musst quasi deine Weinkarte erklären und verteidigen gegenüber den Prüfern.
- 1:36:29Ein ganz interessantes Verfahren, das natürlich viel näher am eigentlichen Beruf dran ist.
- 1:36:34Denn das ist ja das, was mich ein bisschen bei der Summelierausbildung, wie sie bis dato war, gestört hat.
- 1:36:40Wir haben wunderbare Weinfachleute ausgebildet, aber es gab immer eine gewisse Inkonkruenz zur tatsächlichen Anforderung an das Berufsbild.
- 1:36:51Ich hatte vor Jahren dieses Beispiel, heute eine sehr bekannte Kollegin, die keinen Namen,
- 1:36:57die aus ihrer Summelierausbildung in ein internationales Fünf-Sterne-Hotel als Chefsommelier engagiert, mit ihrem tollen Titel
- 1:37:05und sollte dort plötzlich KPI-Reporten an die Betriebsführung, also betriebliche Kennzahlen,
- 1:37:12von denen hat sie vorher überhaupt noch nie was gehört gehabt.
- 1:37:15Und da hat das Management gesagt, aber wieso denn? Sie sind doch ausgebildete Summeli, das müssen Sie doch kennen.
- 1:37:20Dann sagt sie, ja, ich kann Ihnen aber erzählen, was da zwischen Barolo und Barberesco ist.
- 1:37:25Verstehst du, es geht nicht nur um dieses Weinfachmann, sondern es geht tatsächlich darum, einen echten Beruf, den wir ausüben.
- 1:37:35Und deshalb war es ja auch so wichtig, dass bei dieser neuen Berufungsordnung die DEHOGA mit am Tisch saß.
- 1:37:41Denn wir können ja nicht ein Berufsbild entwerfen, ohne die Arbeitgeber, die quasi diese Berufsarbeitsplätze zur Verfügung stellen.
- 1:37:49Und ich kenne keinen Arbeitgeber, der ein Summelier nur deshalb einstellt, weil er so schön über Wein reden kann,
- 1:37:57sondern End of the Day, ich sage immer, ein Summelier, der es nicht schafft, dauerhaft zu einem, mit seinem zu verantworten Bereich,
- 1:38:07mit dem Wein-Gedrenngebereich dauerhaft zu einem positiven Betriebsergebnis beizutragen.
- 1:38:11Der ist eigentlich kein Summelier, sondern das ist ein Weinschweizer.
- 1:38:14Ich finde, es sind so viele relativ zeitgemäß, weil die eigentliche Zwischenstufe, die es früher mal gab,
- 1:38:21keine Ahnung, in den 90er oder in den Tausenderjahren, dass man erstmal seine 3, 4, 5 Jahre irgendwo als Kommiger arbeitet hat oder als Demisummelier,
- 1:38:28wo du lernen konntest, wo du vom Summelier selber oder vom Geschäftsinnhaber lernen konntest, wie man kalkuliert, wie man Angebote schreibt.
- 1:38:35Das wurde ja nach und nach übertragen, das ist ja komplett weggebrochen.
- 1:38:39Heutzutage ist ja jeder, der von der Schule kommt, relativ schnell vollberuflich Summelier.
- 1:38:44Da konnte man sowas ja eigentlich niemals mitbekommen oder irgendwo lernen.
- 1:38:48Das ist ganz richtig, das ist interessant. Auch diesen Aspekt ist mir eigentlich noch gar nicht so aufgefallen.
- 1:38:55Jetzt wo du sagst, hast du eigentlich recht, es gibt ja so gut wie keine Kommisummeliers mehr.
- 1:39:01Jeder, weil natürlich Nachfragen, auch Beruf auch so hoch ist, macht seine Abschlussprüfung als Summelier und hat sofort eine Chefsummelistelle,
- 1:39:09egal ob er den Beruf ausüben kann oder nicht.
- 1:39:14Was soll das man machen, wenn ich jetzt vor der Schule komme, sollte ich dann noch ein paar Jahre Ausland,
- 1:39:21sollte ich noch irgendwann, was soll denn ein Gesamtziel sein, irgendwann selbstständig,
- 1:39:26oder gibt es dafür nicht eine Idealisierung unseres Berufsbildes oder kann man das nicht so vereigemeinern?
- 1:39:31Nein, das kann man nicht vereigemeinern. Aber grundsätzlich ist es glaube ich wichtig,
- 1:39:35dass wir am Anfang mal ein bisschen auf die Basics zurückkommen und vielleicht am Anfang,
- 1:39:42ich sage immer auf das Wort Summelier verzichten und mal wieder das Wort Weinkellen verwenden.
- 1:39:47Das ist ja, woran gerade die Summelier Ausbildung vielleicht ein bisschen gekrankt hat.
- 1:39:53Man muss es ja so hart sagen, wir haben ja teilweise Leute ausgebildet, die dann ein Zertifikat als Summelier haben,
- 1:39:59aber die nicht unfallfreien Tablet gerade austragen können. Das darf natürlich nicht sein.
- 1:40:04Und das hat auch in der Öffentlichkeit so einem völlig falschen Bild geführt.
- 1:40:08Ich hatte ein neues Gespräch hier mit einer Dame, die nicht aus der Branche kommt,
- 1:40:14irgendwie haben wir das Berufsbild Summelier gesprochen und sie meinte, sie sind ja so ein berühmter Summelier.
- 1:40:18Ich habe gesagt, ja, aber ich arbeite jetzt seit vielen Jahren nicht mehr, ich berate jetzt Unternehmen,
- 1:40:22ich bin eigentlich nicht mehr als Summelier tätig.
- 1:40:25Und dann wollte sie das genau wissen und ich sagte, ja,
- 1:40:28ich habe früher viele Jahre in einem Restaurant in Stuttgart als Weinkeller gearbeitet
- 1:40:33und dann hat sie, war sie ganz erstaunt und sagt, ja, und das wörtlich sagt sie zu mir,
- 1:40:37aber wenn sie so ein toller Summelier waren, wieso mussten sie dann als Weinkeller arbeiten?
- 1:40:43Das ist das deutsche Wort für Summelier.
- 1:40:47Wir haben da dieses Summelier Thema so ein bisschen überhöht.
- 1:40:51Das sind so Halbgötter, die sich mit Wein auskennen.
- 1:40:55Ja, können sie auch sein, aber die Basik ist, dass du Weinkeller bist
- 1:40:59und das ist auch ein sehr schöner Job, der uns allen ja auch richtig richtig Spaß macht.
- 1:41:03Also natürlich kann man als Summelier, das wissen wir alle, das ist bei dir nicht anders,
- 1:41:09es ist bei mir nicht anders, wenn du lange genug dabei bleibst und richtig Gas gibst,
- 1:41:14dann öffnet sich da große Horizonte, was man machen kann.
- 1:41:18Man kann nicht in den Weinhandel gehen, die Beratung, so wie ich es mache.
- 1:41:22Man kann sich selbstständig machen mit so tollen Projekten, wie es du ja viele Jahre gemacht hast.
- 1:41:26Es gibt so viele tolle Dinge, die man machen kann, aber am Anfang mal zumindest ein paar Jahre
- 1:41:32wirklich als klassischer Summelier als Weinkeller zu arbeiten, ist glaube ich die Basis von allem.
- 1:41:37Ohne das, es gibt ja heute, ich merke das im Unterricht, ich unterricht ja viele Summelier,
- 1:41:42an vielen Summelischulen, da gibt es ja wirklich Leute, die gehen in den Summelekost,
- 1:41:47die wollen Summeli werden, wollen aber nie als Summelier arbeiten, sondern als was weiß ich.
- 1:41:53Und am Anfang einfach mal zumindest ein paar Jahre als Summelier zu arbeiten,
- 1:41:57muss ja nicht unbedingt so wie bei uns, dann was weiß ich, 20 Jahre sein,
- 1:42:02aber ein paar Jahre als Weinkeller zu arbeiten in Gastronomie, um das Handwerk zu lernen,
- 1:42:07das ist glaube ich schon was sehr, sehr wichtiges.
- 1:42:09Um die Freude am Wein zu lernen, also sprich die Freude bei den Gästen zu sehen und einfach zu sehen,
- 1:42:13die man mittels Weines Freude schenken kann, wird es für diese neuen geprüften Summelis
- 1:42:19eine eigene Berufsbezeichnung geben, weil sonst ist ja irgendwo unfair, also werden die dann irgendwie
- 1:42:23Summeli 2.0 oder heißen die auch Summelier?
- 1:42:28Ja, aber auch da wird es eine Änderung geben oder gab es eigentlich eine Änderung,
- 1:42:32auch das war ein Grund, warum wir eine neue Prüfungsordnung brauchten.
- 1:42:35Es gibt seit 2020 ein neues Berufsbildungsgesetz und da wurden diese beruflichen Fortbildungen
- 1:42:44auch mit neuen Begrifflichkeiten versehen und was wir früher als IHK geprüften Summelier kannten,
- 1:42:51wird in Zukunft geprüfter Berufsspezialist-Sommelier in Glammern IHK heißen.
- 1:42:57Ein bisschen schwieriges Wort, geprüfter Berufsspezialist, dem liegt aber zur Grunde
- 1:43:02und das ist auch eine der Gamechangers bei der neuen Ausbildung,
- 1:43:07dass der Summelier-Beruf in den DQR eingefügt wurde,
- 1:43:13in den deutschen Qualifikationsrahmen, der wieder dem europäischen Qualifikationsrahmen entspricht.
- 1:43:19Das wurde vor einigen Jahren auf europäische Ebene eingeführt,
- 1:43:23dass man vergleichbare Ausbildungsniveaus in ganz Europa hat,
- 1:43:28sowohl in der akademischen Bildung als auch in der beruflich praktischen Bildung.
- 1:43:34Und diesen Berufsspezialisten-Sommelier, der steht dann in dieser Hierarchie
- 1:43:41in etwa eine Stufe unter dem Bachelor, wie man ihn auf einer Universität machen würde.
- 1:43:48Also es ist schon eine deutliche Aufwertung, die wir dann von diesem Berufsbegriff in Zukunft haben werden.
- 1:43:54Wann greift das? Also wann werden die ersten Summeliers auf diese Weise geprüft?
- 1:43:59Jetzt im Herbst beginnen die ersten, nicht Prüfungen, sondern jetzt im Herbst beginnen die ersten
- 1:44:04Summelierschulen damit auf diese Prüfung hin auszubilden.
- 1:44:09Denn es ist nicht nur, das ist interessant, es ist nicht nur die Prüfungsordnung neu geschrieben worden,
- 1:44:16das war unsere erste Aufgabe, die wir als Sachverständiger hatten,
- 1:44:19neue Prüfungsordnung zu machen. Im zweiten Schritt wurde dann der Rahmenplan dazu entworfen.
- 1:44:26Und es ist quasi eine Vorlage zum Ausbildungsplan.
- 1:44:33Also in der Prüfungsordnung steht drin, was geprüft wird, was man wissen muss, was man können muss.
- 1:44:39Und im Rahmenplan steht drin, wie das gelehrt wird, was gelehrt wird.
- 1:44:45Und der ist relativ ausführlich, den kann man sich auch beim DEKK runterladen und kaufen.
- 1:44:51Das geht bis hin zu den Weinbauländern dieser Welt, wo dann genau angegeben wird,
- 1:44:58welche Priorität, wie genau musste dich in Bordeaux auskennen,
- 1:45:02in anderen Anbaugebieten musste dich natürlich nicht so genau auskennen.
- 1:45:06Also das ist schon sehr strukturiert gemacht worden.
- 1:45:10Und die Schienen fanden das gut?
- 1:45:14Ich habe es vorhin gesagt, das ist ja Proqualität.
- 1:45:18Ja, eigentlich müssten die, auch wenn es für die Aufwand bedeutet, sich komplett neu aufzustellen,
- 1:45:24müssten die sehr gut finden, weil die Bezeichnung wieder Qualität bekommt.
- 1:45:29Aber man ist natürlich immer, gerade wenn es jetzt 15 Jahre so erfolgreich gelaufen ist,
- 1:45:36man wird irgendwann natürlich ein bisschen träge und läuft seinen eigenen Schienen
- 1:45:40und Neuerungen sind dann erst mal nicht sehr willkommen.
- 1:45:44Aber ganz klar, es habe ich vorhin gesagt, es ist deutlich höhere Anforderungen
- 1:45:50an die Summele Schüler, aber auch an die Schulen und an die Lehrer.
- 1:45:54Denn das, was sie ausbilden müssen oder ausbilden sollen,
- 1:45:59da muss man schon schauen, dass man den entsprechenden Lehrer dazu kriegt.
- 1:46:03Ich sage dir ganz ehrlich, also in diesem Prozess, wo wir das aufgesetzt haben,
- 1:46:07gab es dann auch die eine oder andere Stimme aus den Summele Schulen, die gesagt haben,
- 1:46:12das können wir gar nicht lehren, das können wir gar nicht prüfen, da haben wir gar nicht die Leute dazu.
- 1:46:17Und dann kam aber, das fand ich interessant von dem DIHK, die ganz klare Ansage,
- 1:46:22wenn ihr die Leute nicht dazu habt, dann dürft ihr das nicht anbieten.
- 1:46:25-Thema durch? -Sehr vernünftig.
- 1:46:27Wir können nicht die Qualifikation davon abhängig machen, ob die Schulen das Niveau haben,
- 1:46:32das zu lehren, sondern wir müssen es von den Bedürftnissen, von den Anforderungen
- 1:46:36aus dem Beruf er ableiten aus der Praxis. Und wenn das nicht lehren könnte,
- 1:46:40dann müsste das halt bleiben lassen. Es stellt sich ja eh die Frage, ob wir nicht ein bisschen zu viel
- 1:46:46Summele Kurs in Deutschland haben, ob man es vielleicht nicht ein bisschen zentralisieren könnte.
- 1:46:51Es muss nicht jede Stadt eine eigene Kurs haben, aber das ist eine eigene Thematik, die wir da wieder berühren.
- 1:46:57-Klingt nach mehr auffahren, wird die eigentliche Ausbildung teurer werden? -Weiß ich nicht.
- 1:47:03Es wird sicherlich schwieriger sein, weiß ich für das reine Weinwissen, die Lehrer zu finden,
- 1:47:09gerade uns ehemalige Summele ist. Wir sind natürlich da immer sehr dankbar dafür.
- 1:47:14Das kann eigentlich jeder unterrichten, ich unterrichte ja bogundlich, unterrichte China,
- 1:47:18teilweise Österreich, als viele Dinge. Aber jetzt für Betriebswirtschaft,
- 1:47:25Management des Restaurantbetriebs, wenn wir wirklich in dieses Thema Hospitality Management hineinkommen,
- 1:47:30da müssen wir ein bisschen über unseren Rand hinaus denken und da müssen die Schulen einfach auch gucken,
- 1:47:35wo sie die Leute herkriegen. Aber solche Leute gibt es. Es gibt ja Hotelfachschulen,
- 1:47:41Universitäten, wo man Hospitality Management lernen kann. Da muss man einfach mal nachfragen.
- 1:47:48Wir müssen aus unserer Weinblase raus treten und wir dann ein bisschen in die Gastronomieblase hinein.
- 1:47:56Dann kommen wir da hin.
- 1:47:59Aber ab und wo kosten reine Europäische bzw. global betrachtet?
- 1:48:02Das ist die Ausbildung zum Summele in Deutschland, die an Schnäppchen, oder?
- 1:48:06-Ja, ja, ja. -Amerika, wenn du da in einer einigermaßen qualifizierten Ausbildung
- 1:48:10an irgendeiner Culinary School durchläufst, dann kostet das 10-fache.
- 1:48:14Absolut. Und wir dürfen nicht vergessen, die IHK Ausbildung ist bar für kf.
- 1:48:21Also man kriegt ja auch noch durchaus Geld vom Staat dazu.
- 1:48:25Ne, also das sehe ich ganz klar, da hast du recht, wenn man mal sieht, es sind natürlich einige Tausender,
- 1:48:30die es kostet, aber wir bleiben ja im vierstelligen Bereich.
- 1:48:34Und wenn man bedenkt, wenn man dann dieses Potenzial nutzt, was man da vermittelt kriegt,
- 1:48:39später im Beruf verdienen kann, ist es tatsächlich ein Schnäppchen.
- 1:48:43Und dann auch sagen, unsere Ausbildung ist gut. Also ich habe jetzt vielleicht ein bisschen mich zu kritisch geäußert,
- 1:48:48nur sie braucht ja einfach ein bisschen ein Update.
- 1:48:52Aber wie du schon sagst in anderen Ländern, du musst nur mal nach Frankreich gehen an Institute wie das Kornen Blö,
- 1:48:59diese berühmte Kochschule, Gastronomie-Schule, was man dort zahlt.
- 1:49:03Oder ich habe ja selber eine Ausbildung in der Cornell University in Hospitality Management gemacht als Fernstudium.
- 1:49:10Da bist du schnell 10.000 Euro für ein Semester, das ist gar kein Problem.
- 1:49:15Aber dann lernt man natürlich auch ein bisschen.
- 1:49:18Darf ich fragen, wie das bei dir losging? Also du hast bei Lothar Eiermann da, hast du in der Ausbildung gemacht,
- 1:49:23was einer der, also der Köche schlechthin damals in Deutschland war, in einem Zeitpunkt,
- 1:49:28richtig aufblüht, Wahnsinn.
- 1:49:31Und da, was du direkt schon Wein infiziert oder will, du aus Stuttgart kommst,
- 1:49:36ist es sowieso, dass ihr es mit der Muttermilch bekommt und gleich nach der Muttermilch trollinge?
- 1:49:41Wie ging das für die los?
- 1:49:43Wer sowas erzählt, dass er schon als mit der Muttermilch den Wein aufgezogen hat, der redet Unsinn, das gibt es.
- 1:49:49Und das war bei mir natürlich auch nicht so.
- 1:49:51Also, die Geschichte war eigentlich, ich komme aus einem Familienunternehmen, meine Eltern waren Konditoren,
- 1:49:59die haben eine Konditorei und einen Kaffee besessen, hart arbeitende Menschen.
- 1:50:03Wobei mich dieses ganze Konditoreitema nie groß interessiert hat, das war nicht meine berufliche Zukunft.
- 1:50:08Aber meine Eltern haben hart gearbeitet, es war aber üblich, einmal im Monat ist man gut essen gegangen.
- 1:50:15Und das fand ich immer sehr faszinierend, schon als kleiner Bub in diesen schicken Restaurants, die eleganten Kellner, das feine Essen.
- 1:50:23Das hat mir sehr viel Freude gemacht und da war eigentlich relativ schnell klar, dass ich auch Gastronomie machen wollte, Spitzengastronomie.
- 1:50:29Das hat mir gefallen, diese Kellner haben mich immer imponiert, wie die da so elegant die Speisen daher tragen.
- 1:50:35Und deshalb habe ich dann mit 16 Jahren, das gibt es heute auch nicht mehr, mit 16 Jahren eine Ausbildung in Friedrichsruhe bei Lothar Eiermann,
- 1:50:43also bei den Öhringen hier bei Heilbronn in Baden-Württemberg, damals ein zwei-Stand-Restaurant, ganz klassischer, französischer Laden.
- 1:50:52Da habe ich mit 16 eine Lehre als Restaurantfachmann begonnen und ganz ehrlich, ein 16-Jähriger interessiert sich nicht für Wein, der trinkt Weizenbier.
- 1:51:01Und wer ist es, wenn man so Bananensaft mit rein kippt und lohr so einen Unsinn, das trinkt man als 16-Jähriger.
- 1:51:07Das kann mir keiner was anderes erzählen.
- 1:51:10Aber es gab in Friedrichsruhe damals einen französischen Oberkennner, so ein richtig klassischen Mätere,
- 1:51:17mit Schnobbert und dickem Bauch, ein Franzose, der Jean-Bourgard, hieß der, und der hat eine tolle Art gehabt,
- 1:51:26die jungen Leute für das Thema Wein nicht zu begeistern, sondern zu infizieren.
- 1:51:32Der hat uns da wirklich sehr gut hingeführt.
- 1:51:35Ich kann mich noch erinnern, als ich einen freien Tag gehabt habe, hat er mich gefragt, was machst du?
- 1:51:39Und ich sage, ja, eigentlich habe ich nichts vor.
- 1:51:41Und er sagt auch, dann fahr doch mal ins Älterse, ich mache einen Termin beim Weingut.
- 1:51:44Dann probierst du mal den Wein bei diesem Winsam Elsers.
- 1:51:47Und ich fand das fasziniert.
- 1:51:49Kann ich da einfach als Kellner hingehen an Weingut in den Weinbräumen?
- 1:51:52Er sagt, ja, ich mache den Termin.
- 1:51:54Also, der hat die Leute sehr schön hingeführt.
- 1:51:57Und ich verdank ihm sicherlich eigentlich meine Karriere, weil er mich auf diesen Weg gebracht hat.
- 1:52:03Aber es ist natürlich in unserem Beruf, in jedem Beruf so, du musst die richtigen Leute zur richtigen Zeit treffen.
- 1:52:09Und nach meiner Ausbildung zum Restaurantfachmann in Friedrichshuhe bin ich dann nach Stuttgart gegangen.
- 1:52:16Und war dann schon ein bisschen so in dieser Weingeschichte reingefixt.
- 1:52:22Und dort hat damals ein französischer Mastersformellige Arbeit, der nämlich der Übernoté.
- 1:52:28Und dort durfte ich dann, wie wir es vorhin eigentlich gesagt haben, ganz klassisch als Kommie als Assistent.
- 1:52:33Ich glaube gar nicht, dass sie es damals Komi, ich glaube, das ist einfach Hivi oder Assistent oder was weiß ich.
- 1:52:38An seiner Seite arbeiten, mitarbeiten.
- 1:52:41Also, die nächste Person, wo ich eigentlich Glück hatte, dass er mich auf diesen Weg gebracht hat.
- 1:52:46Und der hat mir dann auch geholfen, dieses zusätzliche Weinwissen sich anzueignen.
- 1:52:51Weil er als Mastersommelier mit internationaler Ausbildung einen anderen Zugang zu dieser Sache hat.
- 1:53:00Da muss ich ein bisschen weiter ausholen.
- 1:53:02Wir sind in Deutschland gewöhnt durch unser Schul- und Ausbildungssystem, dass wir Wissen quasi mit einem Löffel in den Mund geschoben bekommen.
- 1:53:10Wir sitzen da an vorne, steht einer und präsentiert uns das Wissen.
- 1:53:14Im angelsächsischen Raum, gerade jetzt im Mastersommelierausbildung läuft es eigentlich anders drum.
- 1:53:19Wir sagen den Leuten, wir bringen den Leuten bei, was sie wissen müssen.
- 1:53:24Aber wo sie dieses Wissen herbekommen, ist ihre eigene Sache. Sie müssen sich selber aneignen.
- 1:53:29Und das war für mich damals ein Schlüssel-Element, dass er gesagt hat, dann kauf dir Bücher, lerne es.
- 1:53:36Ich sage dir nicht, wie es funktioniert. Findest selber heraus, wie es funktioniert.
- 1:53:40Also, er hat mich da diesen Ehrgeiz zu lernen und mein Horizont zu erweitern, ganz erheblich geprägt.
- 1:53:45Und da habe ich dann gearbeitet bei ihm als Komi, damals im Neue Eröffneten in der Conti-Hotel in Stuttgart.
- 1:53:52Und zu dieser Zeit gab es eben in Stuttgart dieses kleine, ganz interessante Restaurant, Deliz,
- 1:53:59wo nur ein Koch, der Chef selber hinter der Thege steht, quasi eine Küche ins Restaurant integriert,
- 1:54:05der Herr Gutscher, genau, fünf Tische außen rum und der abends für die Leute gekocht hat.
- 1:54:09Und dazu ein Sommelier, der den Wein gemacht hat.
- 1:54:13Und die Sommelier, ich habe ihn dann kennengelernt auf Weinproben,
- 1:54:16die Sommelier ist dann irgendwo anders hingegangen.
- 1:54:19Er hat mich gefragt, ob ich nicht diese Position übernehmen will.
- 1:54:23Und das war 1989 und dann habe ich dort angefangen im Deliz und habe bis 2013 dort gearbeitet.
- 1:54:30Und ich kann sagen, an meinem letzten Tag, als ich aus dem Restaurant rausgegangen bin,
- 1:54:35bin ich mit derselben Freude aus dem Restaurant rausgegangen wie an meinem ersten Arbeitstag.
- 1:54:40Es war so ein traumhaft schönes Arbeiten. Das hat wirklich viel, viel Freude gemacht.
- 1:54:47Aber ansonsten kann ich natürlich nicht viele Stationen aufzählen.
- 1:54:50Ich bin ja da anders als viele andere Sommeläse.
- 1:54:53Ich habe meine Karriere in einem einzigen Restaurant quasi aufgebaut.
- 1:54:57Was andererseits ja auch so falsch nicht ist, wenn man mal Leute anschauen wie den Sir Stubbs,
- 1:55:02der sein ganzes Leben lang nur, was heißt nur, sein ganzes Leben lang in der Oberherstil arbeitet,
- 1:55:08das sind schon natürlich auch Iconen in solchen Betrieben.
- 1:55:11Großartig natürlich. Wenn man natürlich den Drang immer haben muss sich zu entwickeln,
- 1:55:16was du aber auch immer hast mit deiner Neugierd oder mit deiner Entwicklungsfähigkeit mit dabei.
- 1:55:21Und man kann anders fundamentiert aufbauen, anstatt sich immer wieder neu auf neue Karten,
- 1:55:26neue Umgebungen oder sonstiges einstellen zu müssen.
- 1:55:29Hattest du mal einen Wunsch, irgendwo mal zu arbeiten oder wenn dir jetzt nochmal für ein Tag oder für eine Woche oder für ein Monat eine Chance hättest,
- 1:55:35in einem Restaurant als zormiertätig zu sein, welches wäre das? Wäre es ein Zuvor-Nähen vom Neuen Kram, Geranium oder Noma?
- 1:55:42Ach, Quatsch!
- 1:55:44Wäre es bei Escoffee oder beim Eiermann damals noch mit einem jetzigen Wissen? Nein.
- 1:55:49Nein, wenn nicht, also die Frage ist deshalb natürlich absolut prächtig,
- 1:55:52ja, bei dir jetzt schon seit 20 Jahren nicht mehr eine Gastronomie, aber du weißt, es ist bei dir genau das gleiche.
- 1:55:57Du hast natürlich Gastronomie gemacht, aber jetzt nicht mehr diese klassische Sterne Gastronomie in den letzten Jahren.
- 1:56:02Aber ich könnte jetzt sofort ins Restaurant-Ginstation übernehmen und wieder Teller tragen und Flaschen tragen und Gläser tragen und sei es auch nur für ein Abend.
- 1:56:12Aber wenn ich jetzt nochmal für eine Woche arbeiten würde, dann würde ich natürlich ins Deliessen aus Stuttgart zurückgehen.
- 1:56:17Das kenne ich am besten.
- 1:56:19Sehr schön, schöne Gedanke. Großartig.
- 1:56:22Da kenne ich mich aus, natürlich nein.
- 1:56:24Aber auch dort bin ich natürlich irgendwann weggegangen, es entwickelt sich, werden alle älter und das ist ja auch das Schöne in unserem Beruf.
- 1:56:31Man hat so viele Möglichkeiten, die sich dann entwickeln.
- 1:56:35Wobei ich da schon auch sagen muss, viele Leute stellen sich den Schritt von der Gastronomie vom Wein-Kellner-Job hinaus in einen anderen Job vielleicht ein bisschen zu leicht vor.
- 1:56:46Viele gehen ja den Handelberatung.
- 1:56:49Dass man sich toll über Wein auskennt, heißt noch lange nicht, dass du erfolgreich im Weinhandel arbeiten kannst oder in der Beratung etc.
- 1:56:58Da kommen andere Dinge dazu. Ich musste das eigentlich auch erst ein bisschen lernen.
- 1:57:04Wobei es bei mir eher so ein fließender Übergang war.
- 1:57:08Wir hatten ja damals im Deliessen, ich hatte ja Traumarbeitszeiten.
- 1:57:11Das Restaurant hatte nur abends offen, nur abendservice und Samstag-Sontag war zu, also Wochenende zu.
- 1:57:16Also Traumabschön.
- 1:57:18Ich hatte also tagsüber relativ viel Zeit und ich habe schon während meiner Tätigkeit im Restaurant begonnen, andere Unternehmen zu beraten.
- 1:57:27Das hat sich eigentlich zufällig entwickelt.
- 1:57:30Es haben immer wieder Leute beim Anrufen, Wein-Güter, auch Kollegen, Weinhandelshäuser, und haben gesagt, du kannst mir nicht mal kurz helfen,
- 1:57:38erklären mal das mal, kannst du mir das mal erklären.
- 1:57:41Und das habe ich auch immer gern bereitwillig getan, bis ich dann irgendwann festgestellt habe, wenn ich beim Steuerberater anrufe und sage, du Steuerberater, kannst du mir mal das bitte kurz erklären oder so.
- 1:57:52Was macht er das auch bereitwillig?
- 1:57:54Das war eine Rechnung.
- 1:57:56Und da habe ich gedacht, vielleicht sollte ich das auch tun.
- 1:57:59Und ich habe gedacht, das mache ich mich jetzt selbstständig neben meiner Tätigkeit als Weinkeller, weil ich tagsüber relativ viel Zeit hatte.
- 1:58:06Ich bin immer 15 Uhr mittags ins Restaurant gegangen, habe ich dann das ein bisschen professionalisiert und habe mich angeboten als Berater für die Wein- und Gastronomiebranche.
- 1:58:16Dann aber habe ich relativ schnell feststellen müssen, nur sich mit Weintol auszukennen reicht eben nicht aus.
- 1:58:25Denn Weinhandel, Absatzwirtschaft, das sind ganz andere Dinge, da geht es um ganz andere Dinge als nur hübsche Beine blautern.
- 1:58:34Und ich habe dann während meiner Tätigkeit im Restaurant noch nebenher eine Ausbildung im Fernstudium als Marketingfachkaufmann gemacht.
- 1:58:42Um mich einfach in diesem Thema Absatzwirtschaft besser auszukennen, dass ich nicht nur über Wein reden kann, sondern auch den Leuten sagen kann, wie man Wein verkauft, wie Markt, wie Absatzwirtschaft funktioniert.
- 1:58:56Und das war dieses Thema für den Weinhandel oder für diese ganze Handelsschiene.
- 1:59:03Gleichzeitig habe ich aber auch dann andere gastronomische Betriebe beraten.
- 1:59:08Da habe ich dann aber auch relativ schnell festgestellt, wenn ich da jemand berate, sitze ich nicht mit dem Koch oder dem Oberkellner gegenüber, sondern mit FNB-Manager oder Tale-Direktoren, die das studiert haben.
- 1:59:20Und die plötzlich eine ganz andere Sprache sprechen als ich.
- 1:59:24Und ich habe sehr schnell gemerkt, ich bin nicht auf Augenhöhe mit denen.
- 1:59:27Und deshalb habe ich da auch dann noch zusätzlich im Fernstudium eben in Cornell Hospitality Management studiert, dass ich einfach auch mit diesen Leuten auf Augenhöhe sprechen kann.
- 1:59:37Also, man darf nicht einfach nur glauben, weil man sich toll mit Wein auskennt, ist man automatisch ein toller Berater in dieser Welt.
- 1:59:46Das geht nur relativ kurzfristig gut.
- 1:59:49Ich glaube, das ist ein Zugfluss, den viele.
- 1:59:52Also musste ich mich damals ja auch einmal richtig komplett umdrehen und realisieren, dass ich mit einmal einen ganz anderen Beruf habe.
- 2:00:00Also der vielleicht das gleiche Fundament Wein irgendwo haben könnte, aber egal ob ich Wein anpreise, preise ich ihn anders an, ob ich ihn Wein einkaufe, kaufe ich ihn anders ein.
- 2:00:10Wenn ich in den Handel wechsle mit einmal und es haben ganz andere Prioritäten, es hat eine ganz andere Verkaufstruktur hat, Priorität und so weiter.
- 2:00:18Und da gehen viele unserer Kollegen und ich damals auch sehr, sehr bäugig rein.
- 2:00:24Wenn man da nicht den Willen hat, wie man ihn dann als junger Zombie auch hat, dass man sagt, ich möchte, es möchte dieses Beruf neu lernen, dann brechen viele dort zusammen und entweder gehen zurück wieder in die Gastronomie oder was ja auch nicht, nicht verwerflich ist.
- 2:00:39Also auch diese Erfahrung ist ja wirklich was Großartiges, diese kaufmännische Seite dann mal mitzubekommen und auch ein anderes Verständnis für den Handel dann aufzubauen, wenn man wieder zurück in der Gastronomie ist.
- 2:00:48Oder sind dann ihn bei weit nicht so erfolgreich, aber so Winzer kam für dich niemals in Frage, wolltest du mal Wein gut haben?
- 2:00:56Also ich komme ja aus einer Weinregion, ich lebe hier im Remstall, ich schaue es hier aus meinem Büro, wenn ich da rausschau, sehe ich Weinberge.
- 2:01:04Ja, auch das ist etwas, das darf man nicht so selbstverständlich nehmen, weil so viele andere Kollegen müssen erstmal in den Flugzeug steigen, wenn sie Weinberge sehen wollen.
- 2:01:12Nein, also ich bin natürlich eng mit Weinbau und mit Landschaft verbunden, der mütterliche Teil meiner Familie stammt aus Ferenberg, die Kollegen kennen das, Ferenberg auf Ferenberg, hier bei uns in Gürtemberg.
- 2:01:25Meine Oma hat ein Wengert gehabt natürlich, ich bin schon mit der Schule hier verwachsen, aber Weinbau ist eine ganz ganz andere Branche wiederum, auch das machen ja viele Somelistik-Glauben, sie kennen sich toll mit Wein aus, also können sie auch Wein machen.
- 2:01:41Das ist eine ganz andere Branche und ich wollte es eigentlich auch nie machen, es ist so eine romantische Vorstellung, man geht in Weinberg und tut es schön schneiden und so was.
- 2:01:52Nein, es ist ein scheiß harter Job, sehr, sehr anstrengend, du bist da nicht nur draußen, wenn die Sonne scheint und alles gut geht, sondern du bist auch draußen, wenn es regnet und schimmelt und du kämpfen musst.
- 2:02:02Ich habe Riesenhochachtung vor den Weinbauern, denn was die machen ist ja eigentlich noch viel komplexerer Beruf als die, die wir haben, sie machen ja eigentlich drei Berufe gleichzeitig, sie machen die Urezeugung, sie sind Landwirte, sie verarbeiten ihre eigene Ernte und sie müssen sie auch noch verkaufen, das sind drei Berufe, die sie gleichzeitig machen.
- 2:02:21Das ist mir also absolut zu viel, das ist mir so anstrengend. Nein, das war, naja, man merkt es ja oft gerade, ich arbeite ja auch viel in Südafrika, aber in der Tuscana, wenn dann die reichen Mittelständler sich ein Weingut zulegen oder auch in Südfrankreich, weil sie meinen, das sei schick, das geht immer nur so lange gut, wie sie merken, mit wie viel Arbeit diese Romantik verbunden ist, sondern geben sie es.
- 2:02:49Gerade wenn sie selber dort im Weingarten stehen müssen oder selber verarbeiten müssen oder die ersten Probleme oder die erste Frost dann kommt oder was auch immer hagel, dann ist es gleich problematisch.
- 2:03:00Aber dieses Wahrnehmen, dass wir zwar alle mit dem gleichen Produkt arbeiten, mit Wein, der Winzer, der Weinhändler, der Sommelier, dass es aber drei völlig unterschiedliche Berufe sind, das muss man manchmal mit ein bisschen hervorholen und das ist auch jetzt mit der neuen Prüfungsordnung, wird sich das ändern.
- 2:03:17Wir hatten ja bis dato diese Prüfungsordnung, Sommelierhandel und Sommeliergastronomie, das wird es in Zukunft nicht mehr geben, es wird nur noch einen Sommelier geben mit der gastronomischen Ausrichtung.
- 2:03:28Das war nie eine besonders glückliche Kombination, insbesondere diese Sommelierhandelsgeschichte. Die haben zwar eine wunderbare Weinausbildung bekommen, aber dieses Kaufmännische, was du auch angesprochen hast, das blieb eigentlich auch ein bisschen auf der Strecke.
- 2:03:45Man sollte, denke ich, jetzt wieder auch ein Äquivalent zum Sommeliergastronomie schaffen. Den Weinfachverkäufer, wie es ihn ja früher auch gegeben hat, bevor man es als Sommelier umbenannt hat, das sollte man wieder schaffen mit einem ganz, ganz klaren Schwerpunkt auf den Kaufmännischen Beruf.
- 2:04:04Denn Weinkeller ist eher kein Kaufmännische Beruf, das ist ein gastronomische Beruf. Weinhändler ist ein Kaufmännische Beruf und ohne Kaufmännische Kenntnisse, ich meine, ich sage Grundkennnisse, nein, die reichen nicht, ohne fundierte Kaufmännische Kenntnisse bist du auch als perfekter Weinfachmann in dieser Weinwelt verloren.
- 2:04:22Das funktioniert nicht. Genauso wie ein Winzer sich nicht nur mit Wein auskennen muss, er muss halt auch wissen, wie Landwirtschaft funktioniert, wie er das solch herstellt. Auch wenn er alle am gleichen Produkt arbeiten, sind es doch drei unterschiedliche Berufe.
- 2:04:37*Klopfen*
- 2:04:53Intuitiv verbinde ich persönlich Wein aus Kalifornien immer mit Frank-Kämmer. Warum? Als ich Ende der 90er Jahre Frank-Kämmer in Stuttgart kennenlernte, schwärmte er bereits von der Großartigkeit der kalifornischen Weine und das in einer Zeit, wo noch niemand diese Weine wirklich auf den Schirm und deren großartigen Qualität vor Augen hatte. Frank hatte es.
- 2:05:10Und mit ihm zusammen hatte ich mein erstes Tasting von kalifornischen Weinen im Restaurant der liessen Stuttgart. Drei Jahre später, als ich dort wohnte, durfte ich selber vor dem legendären Wahrzeichen nahezu eines ganzen Gebietes, aber auch von einem der besten Produzenten, nicht nur des Alexander oder der Snapper Welle, nicht nur des Sonoma County, nicht nur der North Coast, nicht nur der kalifornischen Weine, nein, von ganz Nordamerika vor dem Hölzantum von Silver Oxelas stehen und die Weine vor Ort probieren.
- 2:05:35Und ich war damals genauso begeistert, wie ich es heute bin, wenn ich sowohl aus dem Napa oder dem Alexander Welle Weine probieren darf. Zwar ist der Cabernet-Sovignon aus dem Napa Welle das Flaggschiff von Silver Oxelas, doch mich begeistert der Alexander Welle-Cab umso ein Vielfaches mehr. Vielleicht, weil er nicht so imposant oder opulent, aber in dem perfekt strukturierten Körper voller Trinkfreude ist.
- 2:05:54Und für mich ist es die lebendig gewordene Sense des Alexander Welle, ein Weinbaugebiet im Sonoma County nördlicher Stadt Hilsburg und die Weinberge liegen zu beiden Seiten des Russian River. Das Tal ist ungefähr 30 Kilometer lang und 2 bis 5 Kilometer breit.
- 2:06:08Das Alexander Welle ist bekannt für seine ideale Bedingungen für diese Rebsorte Cabernet-Sovignon, aber auch für die anderen Bordeleser verwandten Merlot, Petit Franc und Cabernet Franc.
- 2:06:17Das Theroat dieses Gebietes ist absolut ideal für die Produktion einer Bordeleser-Qüwe. Die Weinbereitungstechnik des Hauses Silver Oak beinhaltet auch eine minimal invasive Bearbeitung der Trauben, um die natürlichen Aromen zu bewahren.
- 2:06:29Diese Vorgehensweise wird durch die Auswahl der Rebsorten und den gezielten Rebschnitt unterstützt, der auf eine reduzierte Traumproduktion abzielt, um die Qualität zu verbessern.
- 2:06:39In der 2019er Qüwe Cabernet-Sovignon von Silver Oak Sellers stammt von einem ca. 44 Hektar großen Weinberg mit Terrassenbahnbau, die durch die Verwitterung der Maya Caymes Berge entstandenen sandig-lehmigen Böden bestehen aus Kies.
- 2:06:53Die Reichen der Minerale und Sorgen für eine ideale Drenage. Bis 2011 wurde diese Qüwe ausschließlich aus damals reinsortig Cabernet-Sovignon hergestellt. Nach mehreren Versuchen wurde der Asamblasch festgestellt, dass die Zugabe von Merlot und Cabernet Franc den Wein eine seidig wirzige Note verleiht.
- 2:07:09Diese beiden Rebsorten werden nun systematisch die Asamblasch dieser Qüwe mit aufgenommen. Die Trauben für den 2019er Cabernet-Sovignon wurden im Herbst 2019 manuell und selektiv gelesen.
- 2:07:21Dieser aufwendige Prozess gewährleistet, dass nur die besten Trauben für die Weinproduktion verwendet werden.
- 2:07:27Nach der Ernte wurden die Trauben traditionell in Edelstalltagen fermentiert, gefolgt von einer langen Maturation von bis zu 30 Tagen. Diese Methoden sind entscheidend für die Extraktion der Farbe der Tannine, die den Wein so essentiell charakterisieren.
- 2:07:41Die Reifung erfolgt für 24 Monate in 50% neuen und 50% gebrauchten Eichenholzfässern. Die Entscheidung für ranzösische Eiche ist eine bewusste Wahl von Silver Oak, um dem Wein mit feinen Tanninen und komplexen Aromen von Vanille, Tabak und Sedanholz zu bereichern.
- 2:07:57Die Röstung der Fässer wird als Mittel bis stark beschrieben, was zusätzliche Komplexität und ihm eine intensive Tiefe verleiht. Die amerikanischen Eichenfässer sind ein wesentliches Element für die Stilistik von Silver Oak und so stammt das Holz aus eigenen Eichenwäldern.
- 2:08:12Im Missouri und wird in der eigenen Küfferei verarbeitet. Ein weiterer enorm bedeutender Aspekt ist die Säure Balance, die mit etwa 6 Gramm für frische und langlebigkeitsort. Der pH-Wert liegt etwa bei 3,7, was zu einer präzisen Strukturbeiträger.
- 2:08:26Der Alkoholgewalt ist etwa bei 14,5 Volumen prozent für eine kalifornischen Cabernet Sauvignon eher typisch und unterstützt damit die volle Aromenentwicklung des Ergebnisses, ein Wein, der die komplette Aufmerksamkeit auf sich zieht.
- 2:08:38Silver Oak ist die Geschichte von zwei Männern mit einer ganz klaren Vision, die besten Cabernet Sauvignons Nordamerika zu produzieren und sie ausschließlich in amerikanische Eichen reifen zu lassen, um ihnen ganz viel Zeit zu geben.
- 2:08:50Es haben die beiden Freunde Raymond Pwerby Duncan und Justin Meyer im Jahre 1972 mit einem Handschlag besiegelt und mit einer ersten Ernte von nur 9000 Flaschen Silver Oak gegründet.
- 2:09:01Ford anziehte der Napa Cabernet Sauvignon und der Alexander Valley Cabernet Sauvignon zu den begehrtesten Gewachsen aus Kalifornien und sind noch heute noch regelmäßig in weniger Tage, nachdem sie auf die Marke kommen sind, komplett ausverkauft.
- 2:09:13Heute werden unter der Leitung von Race Söhnen David und Tim 160 Hektar bewirtschaftet.
- 2:09:18Das Weingut wurde 2006 nach der kompletten Zerstörung durch den Brand nach modernsten Marschstäben wiedererrichtet und im Jahre 2016 als weltweit erstes LID Platinum Weingut zertifiziert.
- 2:09:31Neben dem Ziel, Ressourcen schon zu arbeiten und eine möglichst geringe CO2-Fußabdruck zu hinterlassen, ist das übergeordnete Ziel immer noch das der Väter, den besten Cabernet auf die Flasche zu bringen.
- 2:09:42Silver Oak hat sich seit seiner Gründung durch kontinuierliche Qualitätssicherung und Innovationsbereitschaft ausgezeichnet und so auch im Jahre 2019 und dem Alexander Valley Cabernet Sauvignon von Silver Oak, der in der Weingwelt oft als ein paar Radebeispiel für kalifornische Weine betrachtet wird.
- 2:09:59Die positive Resonanz sowohl von Profis, von Sammlern, von Sommeliers als auch das enorme Interesse von Weinkritikern und die wiederholten Auszeichnungen bei internationalen Weinwirtbewerben unterstreichen die Exzellenz dieses Jahrgangs und des Weines im Generellen.
- 2:10:13Der Wein, der in etwa 25.000 bis 30.000 Kisten jährlich produziert wird, stellt eine bemerkenswerten Ausdruck kalifornischer Weimbau-Tradition dar.
- 2:10:22Das klingt unfassbar pathetisch, aber genau das ist der Punkt, denn Weinbau ist immer und überall Handwerk, Kunst, Kreativität, Philosophie und ein bisschen Zauber.
- 2:10:31Vielen Dank dafür und vielen Dank für die Visionen, vielen Dank für die tollen Weine, dem Hause Silver Oak Sellers und noch ein großes Dankeschön dem deutschen Importeur, dem Handelshaus Segnetz.
- 2:10:51Da du gerade nochmal so eine Gastronomie erwähnt hast, an welcher Art von Weinservice hast du selber Freude? Also wo sagst du, A) dass es essentiell, das muss man können, also sprich ordentlich Dekantier, eine Sektflasche aufmachen, B) so was schau ich mir gerne an, wenn avioniert wird, oder C) da verleihe ich die Augen und ist total erquatscht.
- 2:11:10Also was sind die verschiedenen Ausrichtungen für dich und wovon fehlt es einfach in der deutschen Gastronomie?
- 2:11:16Wir hatten vorhin dieses Beispiel Kung Fu im Weinservice und dieses Kung Fu Thema ist eigentlich das, du bist dann perfekt in dem was du tust, wenn die Anstrengung, die dahinter steht, nicht mehr sichtbar ist, wenn eigentlich deine Meisterschaft so hoch ist, dass er gar nicht mehr sichtbar wird, nicht mehr bewusst sichtbar wird.
- 2:11:41Und ich glaube, der allerbeste Weinservice ist eigentlich der, den man gar nicht wirklich bewusst wahrnimmt, sondern du hast einfach nur einen wunderbaren Abend, der Wein ist perfekt, der Service fließt ineinander, alles macht Spaß, aber du nimmst es eigentlich gar nicht bewusst wahr.
- 2:11:59Nicht der Sommelier ist das da, sondern das gesamte Erlebnis, das gesamte gastronomische Erlebnis ist das, was es ausmacht. Und da müssen wir uns vielleicht manchmal ein bisschen zurücknehmen.
- 2:12:13Wir verkaufen nicht Wein, wissen wir verkaufen eigentlich auch nicht Wein, wir verkaufen Wohlbefinden. Und das muss man sich immer wieder ein bisschen ins Gedächtnis rufen.
- 2:12:25Weißt du, wenn du, das hat jeder schon mal erlebt, du gehst in ein Restaurant und hast jetzt einen perfekten Abend, dann kommt anschließend die Rechnung, du schaust nicht mal hin, was jetzt gegosset hat, du gibst die Kreditkarte hin und freust dich, weil du diese Zahl, die da unten auf der Rechnung steht, nicht jetzt in Relation zu den einzelnen Posten, die oben stehen, die Weine, das Essen oder sowas, stellst, sondern stellst die Relation, diese Zahl in Relation zu deinem Wohlbefinden.
- 2:12:53Und wenn es Spaß gemacht hat, wenn du dich wohlfüllst, dann ist es eigentlich ganz egal, was es gekostet hat, du unterschreibst den Kreditkartencheck und hast Freude.
- 2:13:01Nur erst dann, wenn es nicht perfekt war, dein Wohlbefinden, dann guckst du, aha, und der Wein hat auch so viel gekostet, aha, aha, unser oberstes Ziel ist es, dass wir Wohlbefinden schaffen müssen.
- 2:13:12Und das sind ja Teil- und Rädchen in einer größeren Maschinerie und wir sind ein wichtiges Rädchen, aber eben nur eins davon und das müssen wir, glaube ich, manchmal ein bisschen uns zurückfahren.
- 2:13:23Und natürlich findet Wohlbefinden auf unterschiedlichen Ebenen statt.
- 2:13:30Manche Gäste sind erst dann wirklich im höchsten Glücksgefühl, wenn man mit ihnen blautert, wenn man ihnen tolle Weine zeigt, neue Erlebnisse schafft.
- 2:13:40Es gibt aber auch ganz klar Gäste und das müssen wir uns immer wieder bewusst machen.
- 2:13:45Die wollen nichts anderes als einen ordentlichen Grauburgunter trinken. Das macht sie glücklich.
- 2:13:50Und dann musst du als Sommerlehrer mit höchster, vollender Servicekunst diesen Grauburgunter servieren, auch wenn es dir keinen Bock macht.
- 2:13:59Aber wenn der Gast glücklich wird mit diesem Grauburgunter, das ist unsere Aufgabe, ihn glücklich zu machen, nichts anderes.
- 2:14:05Findest du dennoch manchmal Sachen übertrieben, die aufgeführt werden?
- 2:14:11Man braucht als Sommer irgendwann ein Konzept, wo man sagt, so was kann ich alles machen, so was kann ich alles zeigen.
- 2:14:16Hier hat nämlich eine Geschichte. In der 90er-Jahre hat man bei Dukas als Rückgeld nur komplett neue Banknoten, also Banknoten, die direkt von der Bank geholt wurden und die noch niemals jemanden anderen hatten.
- 2:14:28Das war für die ein Element des Service, wo jeder sagt, es ist total schräg oder völlig übertrieben, auf der anderen Seite ist es mega, mega cool.
- 2:14:35So was gibt es irgendwo auch im Sommerbereich, wenn man keine Ahnung, irgendwie mit einer Portweinzange, Arbeit etc.
- 2:14:40Findest du so was noch ästhetisch und interessant oder grundsätzlich egal, wo übertrieben?
- 2:14:47Nein, also Portweinzange finde ich überhaupt nicht übertrieben, sondern ein sehr praktisches Utensil.
- 2:14:55Aber auch wir neigen natürlich immer wieder dazu, Dinge zu übertreiben.
- 2:15:00Ein Beispiel, was ich immer wieder sagen möchte, und das ist ein sehr deutsches Beispiel, ist das Thema, wie wir Mineralwasser diskutieren.
- 2:15:09Also Harmonie von Wasser und Wein, ja das stimmt.
- 2:15:14Da gibt es tolle Effekte und das kann auch sehr spannend sein.
- 2:15:18Auch im Thema Scholle übrigens hochinteressant, welches Mineralwasser du für ein Scholle nimmst, hochspannend.
- 2:15:24Aber tu doch die Gäste damit nicht belästigen.
- 2:15:28In Frankreich im Sternerer, Estero, dann nimmst du halt Karaffe mit Leidungswasser und fertig.
- 2:15:35Wenn wir dann schon anfangen mit Wassersommelier und so was, also wir dürfen es auch nicht zu verkopft dann machen.
- 2:15:44Das ist sicherlich, wir neigen dazu, das ist wieder dieses Thema, das Dionysische ein bisschen zu vergessen dabei.
- 2:15:53Und wir wollen immer die komplexesten Erlebnisse hervorzaubern.
- 2:15:57Und manchmal geht es aber gar nicht darum, sondern nur einen schönen Abendabend, ordentliche Flasche Wein und was Gutes zum Essen und Thema durch.
- 2:16:04Also sich manchmal wieder ein bisschen runter schrauben ist glaube ich ganz wichtig, weil tatsächlich wir neigen schon ein bisschen zu Übertreibungen.
- 2:16:12Ich widerspreche mir vielleicht ein bisschen selber, wenn ich immer sage, Horizonte erweitern.
- 2:16:19Aber ich muss nicht dem Gast jetzt jede Neuerung und jeden am Forenwein aus Südschile noch vorstellen wollen.
- 2:16:28Es ist gut, wenn man es kennt, aber wir müssen nicht die Welt missionieren mit unseren Entdeckungen.
- 2:16:36Aber das hat alles etwas mit einem gesunden Menschenverstand und mit eigener gastronomischer Erfahrung auch zu tun,
- 2:16:45was wirklich Freude macht und was irgendwann dann nur belästigend und auch lächerlich wirkt.
- 2:16:51Ich weiß, in München bei der IHK gibt es einen Unterrichtsfach, die Frau Löwenberg tut es selber unterrichten, zusammen mit Franz Keller.
- 2:17:02Gastronomische Intelligenz, das ist glaube ich ganz interessant.
- 2:17:06Was macht eigentlich wirklich im gastronomischen Sinne?
- 2:17:10Was macht Sinn? Was ist übertrieben? Was ist zu wenig?
- 2:17:15Wie schaffen wir den Gast glücklich zu machen, ohne dass wir es übertreiben?
- 2:17:21Und da ist die Frage schon berechtigt, da müssen wir als Sommelais vielleicht auch mal ein bisschen zurück rudern.
- 2:17:28Und tatsächlich unsere ganzen Rituale mit die Weinkaffe, Karaffe, Avenieren, kann ich ja noch verstehen,
- 2:17:36aber ich kann mich ja auch an früher im Tantris wurden, die Burgundergläser vorher avioniert mit einem Propfen Burgunder.
- 2:17:42Ach jetzt hören wir da auf, bis das Glas avioniert, jetzt ist daher halt die halbe Flasche schon getrunken.
- 2:17:48Was soll es nicht übertreiben?
- 2:17:51Wobei es natürlich auch immer individuell ist, du hast Ducas erzählt, natürlich ist diese große Oper, die Ducas aufhört, da ist es natürlich durchaus.
- 2:18:03Ich glaube es war bei Ducas, wo du auch den Verventee bestellst, dann kommen sie mit so einem fahrbaren Beet,
- 2:18:10dass sie an den Tisch bringen und tun quasi die legende Pflanze abscheiden.
- 2:18:14Da unten passt es natürlich rein, aber man muss immer sehen, ob das zu seinem eigenen Schild, zu seinem eigenen Haus passt.
- 2:18:22Ich sage dir ein schönes Beispiel, jetzt gar nicht aus der Weinwelt, sondern eher aus der Küche,
- 2:18:29ist ja schon mal aufgefallen, dass so gut wie kein Restaurant heutzutage seine Gerichte mehr mit ganzen Sätzen beschreibt.
- 2:18:35Es gibt ja kein gepratenes Rinderfälle mit Trüffelsauce und sortierten Gemüse,
- 2:18:42sondern es gibt Rind, Trüffel, Bohne, immer diese reine Aufzählung der Gerichte.
- 2:18:48Das hat angefangen, den absolut durchgeknallten drei Sterne läden, die fanden es cool, das so zu machen.
- 2:18:53Mittlerweile, wenn ich in den Rämmstahl in den Dorfgasthaus gehe, gibt es ja kein Rostbraten mit Spätzle und Trüffelsauce mehr,
- 2:19:01sondern gibt es ein Rind Spätzle. Also es ist albern und dann wirkt es einfach albern,
- 2:19:07wenn man diese Rituale aus Häusern übernimmt, wo es vielleicht stimmig ist und in seinen Gasthof überträgt.
- 2:19:12Und so muss man natürlich auch im Weinbereich ein bisschen aufpassen, dass man so Rituale nicht übertreibt.
- 2:19:19Das ist manneristisch.
- 2:19:23Eine Sache, die man aber auch wahnsinnig ausreizen kann, die aber oftmals, wenn es nicht ausgereizt ist,
- 2:19:28oder zumindest mit einem Wissenstil gelebt wird, oft reklamiert wird gerade in Frankreich, ist hier erst einmal Gläser.
- 2:19:34Also Gläser kann man ja auf der einen Seite völlig überstrabatier mit Gläser für 90, 100 Euro, die total unwirtschaftlich sind.
- 2:19:41Auf der anderen Seite gibt es ja, oder gab es in den 90er Jahren in Frankreich halbe Becher, selbst in den Besten reingütern,
- 2:19:48was jeder irgendwie doof fand. Was findest du da effektiv sinnvoll?
- 2:19:53Also das Gläser, was machen mit Wein, ist ja klar, das weiß jeder von uns.
- 2:19:57Und das kann auch jeder irgendwo wahrnehmen. Aber was ist da für nötig?
- 2:20:00Also für dich.
- 2:20:02Du hast natürlich tatsächlich recht, ich mein, jeder bei uns in der Branche, der ein bisschen länger schon dabei ist, kennt die Situation früher in Frankreich.
- 2:20:09Du gehst ins Sternerestaurant, hast dann so Kristalldark Gläser, weißt du, aus dem Supermarkt für zwei Markensglas. Absurd.
- 2:20:17Aber das zeigt ja natürlich auch ein bisschen, dass die Franzosen das alles nicht so wieder wissenschaftlich genommen haben, sondern einfach trinkt doch dein Wein und habt Spaß dran.
- 2:20:29Ein anderes Beispiel, das hat mir der Egon Müller erzählt.
- 2:20:34Sein Vater hat früher übergesagt, früher haben wir den Wein aus den Sentisbechern probiert, weißt du, diese kleinen Eindätsi-Bächer.
- 2:20:41Aber dann ging das ja mit der Weinkultur los.
- 2:20:44Das war das schöne Aussage.
- 2:20:47Nein, aber ganz klar, wir haben natürlich in Deutschland auch international eine absolute Vorreiterrolle eingenommen, was Gläserkultur angeht.
- 2:20:56Deutschland und Österreich war da, führend natürlich Riedelspiegelau, wie sie alle heißen.
- 2:21:01Aber auch da haben wir es dann natürlich ein bisschen übertrieben, gerade im Riedelbereich, wo wenn es dann weltrum geht ein Pinot Noir Glas für neue Welt und alte Welt.
- 2:21:12Also das ist ja ein ziemlicher Bullshit.
- 2:21:14Das ist wieder so übertriebener Manerismus, der einfach nicht sein muss.
- 2:21:18Andererseits, es gibt keine Entschuldigung für ein schlechtes Weinglas.
- 2:21:24Denn heutzutage sind selbst hochwertige Weinglaser so günstig, dass es einfach keine Entschuldigung mehr gibt.
- 2:21:30Es gibt hochwertige Weinglaser für 5, 6, 7 Euro netter im Einkauf, die absolut sterbenwürdig sind.
- 2:21:36Also es gibt wirklich keine Entschuldigung für schlechte Weinglaser.
- 2:21:40Allerdings denke ich auch hier, diese extreme Diversifizierung wie ich es gerade genannt habe, Pinot Noir, südliche Hemisphere, nördliche Hemisphere, alte Welt, neue Welt.
- 2:21:50Es ist ein Bullshit, ein Pinot Noir Glas reicht völlig aus.
- 2:21:54Auch wirtschaftlich gesehen und dann da wirklich eine ordentliche Qualität.
- 2:21:58Und da gibt es ja in letzter Zeit auch tolle Entwicklungen.
- 2:22:02Wenn man sieht, noch vor 20, 25 Jahren haben Top Weinglaser, natürlich reden wir über die Riedelsommelier-Serien, solche Geschichten, die haben 30, 40, heute würde man sagen Euro damals Mark gekostet.
- 2:22:15Heutzutage kriegste die gleiche Glasqualität für 10 Euro.
- 2:22:19Und das ist eine tolle Entwicklung, die man entsprechend nutzen sollte.
- 2:22:24Ein anderer interessanter Gedanke, hierbei ist übrigens der mir aber relativ häufig auffällt, dass die Leute zwar viel Wert auf Glasqualität mit Level legen, aber nicht auf die Pflege der Gläser.
- 2:22:37Ich habe so oft Gläser auch in Top Restaurants wurde, genau du riechst rein und weißt, der Nachspüler ist falsch eingestellt.
- 2:22:44Schrecklich, ja.
- 2:22:45Und auch da muss ich sagen, oder das Tuch zum Polieren ist schon der zu fünf Runden.
- 2:22:49Genau, du kennst genau die Geschichte.
- 2:22:51Der nasse Hund kommt mit vorbei.
- 2:22:53Keiner achtet es drauf.
- 2:22:55Das ist eigentlich, wir kommen wieder zu dem Thema, bevor wir ans High End denken, vergessen wir manchmal die Grundlagen in der Weinkultur.
- 2:23:05Und das ist eben sowas.
- 2:23:07Und deshalb sage ich immer, ein Summele, der zwar dem Gast perfekt den Unterschied zwischen Barolo und Barbaresco erklären kann,
- 2:23:16aber dem Aushilfen, der Aushilfe am Getränke befähigt, erklären kann, wie man die Geschirrspielmaschine richtig bedient und wenn man Glas richtig poliert, ist kein Summele, sondern es ist ein Weinspäzzer.
- 2:23:27Das gehört dazu, das ist die Basis.
- 2:23:30Das vergessen wir manchmal, ja.
- 2:23:33Kannst du selber noch Wein trinken? Also einfach so trinken, so Flasche auf und...
- 2:23:37Ja, natürlich.
- 2:23:39Gut, da muss man natürlich schon sagen, ich bin Sparbe.
- 2:23:44Für uns gehört ja Wein zur täglichen Kultur und zwar gar nicht so sehr im Sinne von Feinwein, sondern als tägliches Tischgedränk.
- 2:23:53Wein ist das Zeug, was bei den Eltern zu Hause auf dem Tisch stand, was sie jeden Abend getrunken haben aus der Literflasche, Viertel.
- 2:23:59Das ist völlig selbstverständlich.
- 2:24:02Und natürlich, auch bei meiner Frau und wir, wir trinken jeden Abend eine Flasche Wein zum Abendessen.
- 2:24:08Wir essen normalerweise 3 Gänge, so ein kleines Vorspeitz, ein Salat oder sowas.
- 2:24:13Hauptgang, wir essen jeden Abend ein Stück Kässe nach dem Hauptgang und da trinken wir jeden Abend eine Flasche Wein dazu.
- 2:24:18Und ich betone, wir trinken Wein, wir verkosten nicht, sondern wir trinken Wein und das sind häufig auch einfache Tischweine.
- 2:24:25Das ist ja auch so etwas, was wir in Deutschland vielleicht ein bisschen vergessen haben.
- 2:24:30Sobald du in Deutschland Wein kennst, dann trinkst du nur noch feine Weine.
- 2:24:35Wir haben so eine Entweder- oder Mentalität in den klassischen Weinländern Frankreich und Italien.
- 2:24:42Es ist völlig selbstverständlich, dass du unter der Woche einfach ein Tischwein als Tischgedränk mit Betonung auf Getränk hast.
- 2:24:49Und es kann aus dem Backendbox sein.
- 2:24:52In vielen auch wohlhabenden Familien in Frankreich gibt es unter der Woche ein Wein aus dem Backendbox.
- 2:24:56Das ist ganz normal.
- 2:24:57Und am Wochenende, wenn die Schwiegermutter zu Besuch kommt, dann machst du den teuren Bord oder Burgunder auf.
- 2:25:03Wir in Deutschland haben immer so, du gehst entweder ins Standardrestaurant oder zu McDonalds.
- 2:25:08Du trinkst entweder feine Weine oder Supermarktweine.
- 2:25:11Aber das Leben ist nicht entweder oder, sondern sowohl als auch.
- 2:25:14Da möcht man uns manchmal ein bisschen wieder dran erinnern.
- 2:25:18Und auch wie es sommer ist.
- 2:25:20Ich muss mich nicht zwingen, aber ich mache es schon oft mal bewusst.
- 2:25:26Zum Abend ist eine sehr einfache Flasche Wein auf. Ein einfaches Gutswein oder vielleicht auch nur eine Literflasche ein shoppen.
- 2:25:35Denn wenn du als Summel je irgendwann an einem ordentlich gemachten Literflasche keine Freude mehr haben kannst, dann solltest du vielleicht mit dem Beruf aufhören.
- 2:25:45Dann stimmt irgendwas mit deiner inneren Uhr nicht mehr.
- 2:25:50Wein ist wie Brot, wie Wasser. Das ist ein Grundnahrungsmittel.
- 2:25:57Und das ist manchmal einfach auf nur ein ordentliches Getränk.
- 2:26:02Aber kannst du dann gutheißen, dass als Situationsempfinden, als Situationsegetränk, wie ihr es im Schwäbischen macht aus dem Hengelbecher?
- 2:26:11Oder sagst du, sowas macht man nicht?
- 2:26:13Natürlich!
- 2:26:15Das Hengelglas.
- 2:26:17Gut, Hengelglas habe ich keins bei mir zu Hause.
- 2:26:20Aber es ist ganz witzig, dass du das sagst, wenn meine Frauen nicht ...
- 2:26:25Wir trinken jeden Abend Wein und ich benutze eigentlich, wenn man auch auf dieses Glasthema kommen, Glaskwalität,
- 2:26:32und welche Gläser, wie viel man braucht, ich benutze eigentlich fast für fast alles das Universalklas von der Definition Serie von Spiegelau.
- 2:26:42Das ist einfach ... selbst Bier trinke ich da draus, selbst Champagner trinke ich da draus.
- 2:26:48Und es ist ja auch ein sehr hochwertiges, sehr feines Glas, es ist ja auch eine ästhetische Freude, aus diesem Glas zu trinken.
- 2:26:53Das ist unser Standardglas abends.
- 2:26:55Aber was interessant, wenn meine Frau nicht da ist, wenn ich mir nur abends alleine in Tellernudeln gemacht habe,
- 2:27:01oder Spätzle mit Sroz oder ein paar Maultaschen warm gemacht habe und mir eine Flasche Wein aufmach,
- 2:27:07dann benutze ich eigentlich ein ganz, ganz einfaches, so billiges Pressglas.
- 2:27:11Irgendwie ist das für mich, weil ich dieses Ritual abends mit meiner Frau eine Flasche Wein zusammen zu trinken,
- 2:27:18das ist was anderes, wie wenn ich da abends mit meinem Essen vom Fernseher hoch und dann benutze ich wirklich so ein ganz, ganz billiges Glas,
- 2:27:25wirklich so ein Becher, ohne Henkel, aber in diese Richtung.
- 2:27:29Wobei dieses Henkelbecher hat schon eine sympathische Art.
- 2:27:33Und das gibt es ja in jeder Region, denk an das Pfälzer-Schoppenglas.
- 2:27:38Diese Dinge zeigen uns immer wieder, dass Wein eben nicht nur Genussmittel, sondern auch Nahrungsmittel ist, getränkt.
- 2:27:49Und das ist gut, sich immer wieder auch mal ein bisschen so zu erben.
- 2:27:52Witzigerweise ist es schön, dass du sagst, vor vielen, vielen Jahren haben meine Frau und ich mir, oder haben wir uns ganz gezielt,
- 2:27:59diese Gläser, also so wie Wassergläser eigentlich gekauft, weil ich es finde, ist manchmal wunderschön,
- 2:28:05so wie die alten Herren, irgendwo in Italien auf dem Marktplatz oder beim Bullspielen in Frankreich zu sitzen,
- 2:28:11einen einfachen Kianti oder einen ganz einfachen Bordeaux, da heraus im Garten zu trinken.
- 2:28:15Das heißt ein ganz anderes Gefühl, dass es einfach Wein trinkt, sich darin fallen zu lassen und gar nicht so dieses Pipapo.
- 2:28:21Und wir müssen jetzt da die große Oper draus machen.
- 2:28:24Könntest du Wein in ein Wort kleiden?
- 2:28:27Ja, und das Wort heißt Vielfalt.
- 2:28:31Das Wort heißt "Blueralität".
- 2:28:35Weißt du, wir alle kennen das.
- 2:28:39Wir werden immer wieder von Leuten, insbesondere von Journalisten gefragt, was ist dein Lieblingswein?
- 2:28:43Und ich habe immer die gleiche Antwort darauf.
- 2:28:45Ein Lieblingswein gibt es nicht.
- 2:28:47Wein ist für mich immer grundsätzlich nur im Blural denkbar.
- 2:28:51Eigentlich gibt es das Wort Wein in Einzahl nicht.
- 2:28:53Wein ist plural.
- 2:28:55Selbst der leckerste, beste Wein auf der Welt macht ihr nach zwei Wochen keine Freude mehr,
- 2:29:00wenn du jeden Abend diese Flasche trinken müsstest auf deiner einzelnen Insel.
- 2:29:04Wein ist Vielfalt und Wein ist plural.
- 2:29:07Und genau deshalb macht es so viel Spaß.
- 2:29:09Und deshalb ist es auch so wichtig, dass wir uns zu dieser Vielfalt zwingen.
- 2:29:13Ich könnte auch nicht sagen, ob ich jetzt am liebsten weiß, rote oder rosee trinkt.
- 2:29:16Ich weiß es nicht.
- 2:29:17Es ist auch völlig egal.
- 2:29:18Ich trink Wein, Thema durch.
- 2:29:20Gab es den einen Wein, der dich wirklich beeindruckt hat?
- 2:29:24Oder die eine Speisen-Weinkommendation, wo du sagst, das hatte ich noch nie?
- 2:29:28Und das war für mich ...
- 2:29:29Du hast ja viel, du trinkst ja viel, du bist viel eingeladen.
- 2:29:32Aber dieses ultimative Erlebnis?
- 2:29:35Ultimativ, nicht, weil ultimativ wieder auf ein Einzelnes-Erlebnis hinausgeht.
- 2:29:42Das kann nicht sein, aber es gibt natürlich viele, viele tolle Erlebnisse.
- 2:29:45Aber es gibt eins, was mir jetzt gerade vielleicht besonders in Sinnen kommt,
- 2:29:49weil es so durchgeknallt ist auf den ersten Blick.
- 2:29:53Der Johannes King im Söllringhof auf Sylt, der hat früher immer gemacht,
- 2:29:59eine gebackene Auster, also paniert, dann gebacken und auf seinem Rahm-Sauerraut serviert.
- 2:30:06Und dazu hat der alte, restzüße Brümmmkabinett-Riesling es erhält.
- 2:30:11Und das ist so pervers gut.
- 2:30:14Es ist wirklich grandios.
- 2:30:16Wenn man es hört und nie ausprobiert hat, kann man sich nicht vorstellen, wie großartig das schmeckt.
- 2:30:21Aber eigentlich ja, wenn man historisch zurückgeht, ein Klassiker.
- 2:30:26Also es ist ja durchaus in Frankreich in Bordeaux üblich gewesen, so Austern, so Tern zu trinken.
- 2:30:31Das kann durchaus funktionieren.
- 2:30:34Also, welcher weinen wirst du, wenn du weinen wirst?
- 2:30:38Ui, ui, du stellst Frage.
- 2:30:42Ja, die Frage ist natürlich deshalb auch schwierig, weil,
- 2:30:48wenn man so ein Gespräch macht wie wir jetzt miteinander, wo ja dann sicherlich dann auch viele Kollegen zuhören,
- 2:30:53dann muss man ja immer so ein bisschen die Mitte finden zwischen Ehrlichkeit und Eignigkeit.
- 2:31:00Schön vorbeigegangen. Tolle Betrachtungsweise, das stimmt in der Tat.
- 2:31:04Es möchte keine Gute-Edit sein oder ein Trocklinger.
- 2:31:08Kein Mensch würde doch jetzt in dieser Situation sagen, ich bin ein Schwarzriesling,
- 2:31:13ein Maischer-Hitz der Schwarzriesling-Halbdruck aus der Litervlasche.
- 2:31:17Jeder würde doch jetzt irgendwas Cooles sagen, was irgendwie beeindruckend ist.
- 2:31:21So wie wenn man Leute fragt, was warst du im früheren Lebens? Waren ja irgendwie alle Lehrer oder Königel?
- 2:31:26Es waren niemand, irgendwie die Flieger.
- 2:31:28Napoleon, ja, Prinzessin oder so was.
- 2:31:31Nein, eigentlich ist das natürlich eine Frage, die sollte man die Leuten stellen in meinem Umfeld, die mich kennen, wie wir nehmen sie mich wahr.
- 2:31:40Denn es geht darum, wie nehme ich mich selbst wahr.
- 2:31:45Und auch da werde ich natürlich jetzt nicht an dieser Stelle meine schlechten Eigenlasten vorkehren.
- 2:31:51Aber ich sage mal so, ich glaube auch die Menschen, die mich kennen würden,
- 2:31:56würden vielleicht nicht widersprechen, wenn ich vielleicht in die Richtung von Cortex-Charlemagne gehe.
- 2:32:01Ach, schön.
- 2:32:02Also ein Wein, der eine gewisse, beim ersten Eindruck vielleicht eine gewisse Strenge hat.
- 2:32:12Dennoch eine gewisse Tiefe, auch Komplexität.
- 2:32:16Aber eben nicht, Cortex-Charlemagne ist ja kein Wein, der ein beim Trinken kumpelhaft auf die Schulter klopft.
- 2:32:23Sondern das ist schon ein Wein, der in eine eigene Position einnimmt, an die du dich annähern musst ein Stück weit.
- 2:32:29Der kommt ja nicht so arg auf dich zu.
- 2:32:34Vielleicht gibt es Leute, die ihm zustimmen würden, dass er es ein bisschen auch auf mich zu treffen könnte.
- 2:32:40Vor allen Dingen anerkennt und trotzdem unterschätzt.
- 2:32:42Also so sehe ich Cortex-Charlemagne.
- 2:32:44Vielleicht, ja, ja.
- 2:32:45Wäre da wahrscheinlich eine sehr, sehr schöne Parallele? Hast du noch Ziele und Wünsche? Also hast du noch irgendwie irgendwas, was du gerne noch machen,
- 2:32:52erreichen, ein Traum oder irgendwie ...
- 2:32:55Berufliche oder ...
- 2:32:58Also es war sicherlich ein wichtiges Thema, diese neue Sommerier-Prüfung, diese neuen Ausbildungsgang.
- 2:33:08Das war schon eine Herzensangelegenheit, dass ich da mit dabei sein konnte, das zu gestalten.
- 2:33:12Eine Sache, die ich vielleicht gerne noch machen würde, ist das Standardwerk für die Sommerier-Ausbildung als Buch zu schreiben.
- 2:33:21Wow, ja.
- 2:33:22Denn tatsächlich fehlt es ja.
- 2:33:24Weißt du so ein Buch, und zwar auch wirklich international, wo alles drin steht, wo man nachschlagen kann, wie moderner Korrektorsage-Service funktioniert
- 2:33:32oder wie Bankeservice auf Kreuzfahrtsschiffen funktioniert.
- 2:33:36So ein klassisches Sommerier-Lehrbuch. Weißt du, früher gab es den jungen Koch für die Köche so als Standardwerk.
- 2:33:43Und sowas für die Sommerier-Rie fehlt uns vielleicht.
- 2:33:46Das zusammen mit ein paar anderen erfahrenen Kollegen, du könntest ja vielleicht auch mitmachen.
- 2:33:51Das wäre eine ganz interessante Mission, die vielleicht auch miteinander ...
- 2:33:55Großartig.
- 2:33:56Gibt es also in der Tat gar nicht. Also ich habe sowas nie gesehen und immer gesucht.
- 2:34:00Und sowas dann einfach zum einen vom Zeitgeist, aber auch aus der Historie heraus festzuhalten wäre auch eine tolle internationaler Aufgabe,
- 2:34:08wo man also dieses Berufsbild einfach richtig ...
- 2:34:12Wow, tolle Idee.
- 2:34:14Ganz bewusst wirklich auch das international anlegen, dass der Kollege aus Amerika nachschauen kann, wie ...
- 2:34:22Weißt du, es gibt ein interessantes Beispiel, auch meine Erfahrungsarbeitsantrags aus der Master-Sommerier-Ausbildung.
- 2:34:28Wir in Europa, in Deutschland sind es ja gewohnt, beispielsweise beim Einschenken eines großen Rotweins oder eines Champagnas,
- 2:34:34dass wir das Glas ausheben, schräg halten und eingießen.
- 2:34:38In Amerika ist es ein absolutes Tabu, das Glas auszuheben.
- 2:34:41Das Glas, wenn es einmal auf den Tisch eingedeckt ist, bleibt stehen, du darfst es nicht mehr anfassen.
- 2:34:46Das sind aber Dinge, die wissen wir in Deutschland nicht.
- 2:34:48Und wenn du jetzt nach Amerika gehst, als Sommerier zu arbeiten, fällst du in diesen Faux-Pas hinein.
- 2:34:54Auch solche regionalspezifischen Service-Standards, das alles mal aufzuschreiben, ist ganz interessant.
- 2:35:01Es gibt übrigens eine Ausnahme in Amerika, wo man das Glas ausheben darf.
- 2:35:05Und das ist an Bord von Kreuzfahrtschiffen, aus naheliegenden Gründen, wenn es am Schwanken ist.
- 2:35:10Aber das sind so Kleinigkeiten, weil es um das mal auf der ganzen Welt zu sammeln,
- 2:35:14Wein-Service in der angelsächsischen Welt, Wein-Service in der asiatischen Welt.
- 2:35:19In der asiatischen, gerade im japanischen, chinesischen, unglaublich.
- 2:35:22Ist das denn ein Buch oder wäre es eine digitale Variante?
- 2:35:25Naja, ich denke heutzutage macht mir beides dann, dass man das sowohl als Buch als auch online macht.
- 2:35:32Wobei Buch ist natürlich schon, hat auch was mit Eitelkeit zu tun, ganz ehrlich.
- 2:35:37Ich habe ja viele Bücher geschrieben, aber ich weiß noch ganz genau, als ich mein erstes Buch geschrieben habe
- 2:35:43und das erste Mal in den Buchhandel gegeben, gegangen bin und dort meinen Buchrücken,
- 2:35:47den Namen auf meinen Namen auf den Buchrücken gesehen habe, das ist schon ein anderes Gefühl,
- 2:35:52als wenn du eine Datei ins Internet stellst.
- 2:35:55Dieses haptische von einem Buch ist schon was ganz Außergewöhnliches.
- 2:36:00Ich weiß nicht, ob das die jungen Leute heutzutage auch noch so sehen,
- 2:36:03aber dieser haptische Eindruck von dem Buch ist schon was Tolles.
- 2:36:08Ich habe hier in meiner Bibliothek in meinem Büro viele alte Weinfachbücher,
- 2:36:13teilweise auch 100 Jahre alte, wenn du sowas in der Hand hast.
- 2:36:16Das ist ein unersetzliches Gefühl eigentlich.
- 2:36:19Also ich würde schon gerne das als Buch auch machen und jemand anderes kann es von mir als Datei übersetzen.
- 2:36:25Du hast ja selber gemacht, findest du, Sommys sollen publizieren und sollen ihr Wissen weitergeben und weiter tragen?
- 2:36:32Ich finde es mit anderen Berufsgruppen sehr gut und sehr wichtig und finde es schade,
- 2:36:36dass manche Sommys es nicht tun.
- 2:36:38Es gibt ja viele Kollegen, die jetzt gerade aus dem Berufsstand ausscheiden, weil sie so 65 sind
- 2:36:44und die tragen so viel Wissen in sich und niemand wird es wahrscheinlich dann irgendwie.
- 2:36:48Und du hast es getan, damit auch verschiedene Betrachtungsweisen, einfach dein Betrachtungsweis über Supermarkt
- 2:36:54oder deine Weinverpassties und so weiter.
- 2:36:57Also es sind ja alles so Sachen, sie wären vergessen worden oder irgendwann nicht mehr ein Thema und dabei bleibt es.
- 2:37:04Ja, stimmt.
- 2:37:06Es ist ja auch deshalb durchaus interessant,
- 2:37:10weil das ist bei dir nicht anders wie bei mir, wie bei den anderen aus unserer Generation,
- 2:37:16Marcus, Delmonego, wie sie alle heißen, wie die wir so langsam jetzt das Zenit unserer Karriere überschritten haben.
- 2:37:24Da stellt sich natürlich schon die Frage, was machen wir jetzt?
- 2:37:27Die ganze Zeit nur auf den Golfplatz verbringen und Zeit verdummen ist ja einerseits schön, aber andererseits nicht wirklich erfüllend.
- 2:37:34Und da ist es natürlich durchaus auch eine befriedigende Sache, wenn man das weitergeben kann,
- 2:37:41wenn man die Flamme und das Wissen und Erfahrung weitergeben kann und wie gesagt, ich unterrichte gern, mir macht es durchaus auch Freude.
- 2:37:48Wobei es eigentlich nicht nur jetzt stattfinden sollte von uns alten Säcken, die jetzt die Zeit dafür haben,
- 2:37:56sondern es sollte auch bei den jungen Someliers im Betrieb stattfinden.
- 2:38:00Das ist ja eigentlich fast noch das größere Problem, dass Someliers eifersichtig sind in ihrem Betrieb,
- 2:38:06dass sie ihre Starposition nicht aufgeben wollen und deshalb ihr Wissen nicht mit den Kollegen teilen, die um sie herum arbeiten.
- 2:38:13Und das ist auch wirtschaftlich ein Unsinn. Es gibt in Cornell Untersuchungen drüber über die Wirtschaftlichkeit,
- 2:38:21Umsatzentwicklung etc. in Restaurants, die regelmäßig Personalschulungen machen und bei solchen, wo das nicht stattfindet.
- 2:38:28Du verdienst einfach mehr Geld damit, wenn nicht nur du weißt, was der Unterschied zwischen Graubergrund und Weißbergunder ist,
- 2:38:36sondern wenn es auch dein angelernter Kellner, der jetzt vielleicht nicht in der Weinabteilung ist, weiß.
- 2:38:42Also deshalb haben wir das ja auch in der Somelier Prüfung in der neuen mit dabei,
- 2:38:47dass das Durchführen von Schulungen, das Weitergeben von Wissen, ist für Someliers extrem wichtig.
- 2:38:55Und wir wissen, dass es für manche Kollegen ein Problem ist, die da gerne ein bisschen eifersüchtig auf ihren Know-how achten.
- 2:39:02Nein, wenn du jemand ausbildest und der wird mal besser als du, dann ist das doch perfekt.
- 2:39:08Perfekt, schönes Gehän. Grosartig. Ja.
- 2:39:11Also der Stolz, den man an sich hat, dann sehen wir die andere.
- 2:39:14Wenn man es von außen sieht, wie jemand aufblüht, hat man ja so viel mehr davon als,
- 2:39:19wenn man selber sich ständig auf die Schulter kommt. Vielleicht abschließend eine Frage.
- 2:39:24Was wärst du geworden außer Somelien?
- 2:39:29Ach, das wär auch wieder so weich. Das ist wieder so eine böse Frage.
- 2:39:32Ein Mensch sagt doch jetzt auch, dann wär ich halt, was weiß ich.
- 2:39:35Doch warum nicht? Also warum nicht Bäcker oder warum nicht irgendwie Bibliotika?
- 2:39:40Naja, es gibt eine, es gibt eine, tatsächlich eine Leidenschaft, die ich neben mein hab.
- 2:39:45Und auch da, ich hab mal zwei Semester nebenher, also nebenbei, da war ich schon aus der Gastronomie raus,
- 2:39:53war schon als Berater in der Gastronomiebranche, als Summeli tätig
- 2:39:57und hab in meins zwei Semester Theaterwissenschaft als Gasteurer studiert.
- 2:40:01Also ich bin ein großer Theaterliebhaber, wir gehen sehr sehr viel ins Theater
- 2:40:06und mich interessiert nicht nur das emotionale Erleben von Theater, sondern auch Theaterwissenschaft.
- 2:40:14Was steckt dahinter? Wie funktioniert Regie, Theatergeschichte, diese ganze Theatertheorie.
- 2:40:22Das ist schon ein hoch spannender Gedanke. Und also als Theaterkritiker arbeiten, das find ich auch nicht schlecht.
- 2:40:29Oder, also Theaterkritiker würden mir sicherlich Spaß machen, aber ein Traumberuf wäre, glaube ich, Kreuzfahrtschiff-Tester.
- 2:40:37Das wäre auch nicht schlecht.
- 2:40:41Nein, also Theaterkritiker wäre, glaube ich, etwas gewesen, was mir viel viel Freude gemacht hätte.
- 2:40:47Wie ich am Anfang sagte, ich möchte das können was Frank kann, ich möchte das wissen was Frank weiß.
- 2:40:58Ich möchte diese Erfahrung haben, die Frank hat. Ich möchte diese Weitsicht haben in die Branche.
- 2:41:03Ich möchte diese Geduld haben, die er bei der Ausbildung etlicher Zombies auf verschiedene Wettbewerbe hinarbeiten.
- 2:41:09Immer und immer hatte. Die gesamte Branche ist eigentlich voll von seinen Zöglingen.
- 2:41:13Und er ist einer derer der alten Schule, die fordern und fördern das in einem Artenzug und das können.
- 2:41:19Und das finde ich großartig. Und, und ich denke, das kam in diesem Podcast sehr gut heraus.
- 2:41:23Er hat eine ganz eigene Art von Humor. Er hat den Britishen-Steal und das mag ich an ihm.
- 2:41:27In Verbindung mit dem soliden, mit dem glaubwürdigen, mit dem ernsthaften, aber nicht verbissenden, mit dem vertrauenswürdigen,
- 2:41:33was man heutzutage viel zu selten antrifft. Wenn Frank etwas sagt, etwas verspricht, kann man sich darauf verlassen.
- 2:41:39Und er hat in dieser Episode versprochen und gehalten. Vielen Dank dafür.
- 2:41:43Vielen Dank, lieber Frank Kämmer, dass du unser Gast warst.
- 2:41:46Und noch ein ganz großes Dankeschön an euch fürs Begleiten, für die Anregung, für die Kommentare, für die Gedanken.
- 2:41:52Für es einfach bei uns sein. Durch euch wird dieser Podcast genau das, was wir uns gewünscht haben und was es ist.
- 2:41:57Vielen lieben Dank dafür. Und noch ein ganz großes Dankeschön unserem Partner, der Schlumberger-Gruppe mit den Handelshäusern Schlumberger,
- 2:42:04Conzio Winick, Segnetz und dem Privatkunden-Portal Bremer Weinkollett.
- 2:42:08Dank ihrer händischen und wirtschaftlichen Unterstützung ist es möglich, dieses Projekt zu realisieren.
- 2:42:13Und wie es so schön heißt, nach dem Podcast ist vor dem Podcast.
- 2:42:17Und nachdem ich tief beeindruckt aus dieser Episode herausgehe, freue ich mich zugleich auf den nächsten Freitag, auf den nächsten Gast, auf Niklas Erdl.
- 2:42:24[Musik]
- 2:42:37Das war wieder ein toller Podcast. Mein Name ist Suvis Latitsch. Ich komme aus Österreich und gänne Master Sommelier Frank Kämmer seit circa 15 Jahren.
- 2:42:49Eine großartige Persönlichkeit und vor allem für mich ein Leitperson und großes Idol auf meinem Weg in der Sommellerie.
- 2:42:59Ich habe ganz, ganz viele tolle Seminare mit dem erlebt, vor allem Burgund und auch China.
- 2:43:06Und vor allem, wenn es um die Verkostung geht, da kann ich selten jemandem, der so präzise Weine beschreiben kann und einem helfen kann, sie zu erkennen.
- 2:43:17Und da komme ich zu meinem besonderen Moment mit Frank Kämmer. Es war Argentinien 2016, Mendoza Viertelfinale des besten Sommeliers der Welt.
- 2:43:28Nach einer sehr gut gelungenen schriftlichen Prüfung kam Blindverkostung.
- 2:43:35Und ja, in dieser Blindverkostung habe ich mein Bestes gegeben, danach ging ich raus.
- 2:43:40Und der Frank stand am Gang und fragte mich, was waren die Weine? Und dann habe ich ihm gesagt und dann habe ich ihm die Weine beschrieben.
- 2:43:49Er fragte mich nach den Aromen und nach der Struktur und nach dem Gesamtbild und ja, ich habe den Weine beschrieben.
- 2:43:56Und beim Rotwein sagt er, ja, ich habe den Wein Pinot Noir Baden genannt bzw. Spätburgunder.
- 2:44:02Und meiner Beschreibung nach hat aber Frank gesagt, das muss Arsheim, vor allem gegen Sumbila Crize, soweit ich mich erinnern kann.
- 2:44:11Tatsächlich am Abend, als dann ja die Halbfinalisten verkündet wurden und die Auflösung der Blindverkostung da war, war es Spätburgunder Meier-Näckl.
- 2:44:22Ich wusste schon, dass er ein großartiger Verkoster ist.
- 2:44:25Ich wusste, dass es selten jemand so guten gibt, aber da hat es nochmal unglaublich auf den Punkt gebracht.
- 2:44:32In diesem Sinne eine Person, die uns hoffentlich um Klänge erhalten bleiben wird und auf die ich sehr, sehr stolz bin und vor allem bin ich dankbar und froh, wie mein Freund nennen zu können.
- 2:44:46Der Super Schwabe Frank Kema. Danke lieber Frank, danke lieber Silvia.
- 2:44:53[Musik]