Latest / SOMMELIER / Moritz-Christian Brand - Die Vorzeigekarriere eines Sommeliers
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- 0:00Hallo, mein Name ist Philipp Kühnemund, Vizepräsident der Deutschen Sommelier Union und Mitarbeiter
- 0:17der Linke Weinhandelsgesellschaft.
- 0:18Im heutigen Podcast geht es um Moritz Christian Brandt, für mich persönlich so ein bisschen
- 0:23der schelden Cooper unter den Gastronomen.
- 0:24Also ein Nerd im allerpositivsten Sinne.
- 0:27Denn kennengelernt haben wir uns 2012, Moritz müsste damals 22 gewesen sein und es war
- 0:33fast schon unverschämt, wie hoch sein Fachwissen zu diesem Zeitpunkt bereits war.
- 0:37Ich habe ihn immer als sehr wissbegierig und ehrgeizig wahrgenommen und vor allem seine
- 0:42Energie hat mich immer überrascht.
- 0:44Denn völlig egal wie spät es Freitag Nacht nach dem Service auch geworden ist, Moritz
- 0:49stand immer eine halbe Stunde früher Samstagmorgen auf der Matte, um alles vorzubereiten, damit
- 0:53das gesamte Team mehr Zeit für das traditionelle Teamfrühstück hat, was es damals stets gegeben
- 0:58hatte.
- 0:59Kollegen waren zwar nur für ein Jahr, haben uns aber nie aus den Augen verloren und in
- 1:03sofern war es für mich schön zu beobachten, wie sein Weg weiterging.
- 1:06Im Tantris bis hin zu dem Betrieb der Eltern seiner Frau Julia, das Hotel Stadt Kassel,
- 1:12wo er bis heute tätig ist.
- 1:14Damals dort angefangen, hat es nicht lange gedauert, bis er das komplette Weinkonzept
- 1:18über den Haufen geworfen hat.
- 1:19Es wurden sehr namhafte Weine von renommierten Winzerinnen und Winzern eingekauft und das
- 1:25führte natürlich erst mal zu reichlich Gegenwind und Diskussionen, denn nie zuvor wurde so
- 1:29viel Geld für Wein ausgegeben.
- 1:30Doch ja, dank der Hartnäckigkeit und Überzeugung von Moritz ist er da seine Linie treu geblieben,
- 1:37was heute zu einer beachtlichen Jagenstiefe führt, die auch von namhaften Weinführern
- 1:44stets ausgezeichnet wird und das zurecht.
- 1:46Ich kann nur sagen, Hut ab, versuch viel Energie und Taten dran und wünsche euch allen jetzt
- 1:51ganz viel Spaß beim Podcast.
- 1:52Ein herzliches Willkommen zu einer neuen Ausgabe von Somelier, die interessantesten Mutschenke
- 2:18unserer Zeit.
- 2:19Mein heutiger Gast ist Moritz Christian Brandt und so, wie sich manchmal Mütter ihre idealen
- 2:24Schwiegersöhne malen möchten, gibt es auch manche Gäste, die sich am liebsten ihren
- 2:28idealen Someljen malen möchten.
- 2:30Und diesen Vorstellungen, zumindest vieler, entspricht Moritz nahezu eins zu eins, denn
- 2:36neben seiner Eloquenz, seiner Unterhaltsamkeits, blickt er auf eine beispierzlose Karriere
- 2:40zurück.
- 2:41Seine Ausbildung begann er im Hotel Bomke in Badersloh und beendete diese im Relé Chatotel
- 2:46bayerisches Haus in Potsdam.
- 2:48Bevor er ins Gourmet-Restaurant-Lehrbar im Schlosshotel Lehrbar im Bergesklatbach wechselte,
- 2:51anschließend begleitete er Dieter Müller für zwei Jahre quer durch die Welt auf der
- 2:56Emmis Europa als Herr Somelier.
- 2:57Sammelte danach ebenfalls für zwei Jahre Erfahrung im legendären Restaurant Tantris in München
- 3:03als stellvertretender Chef Somelier, bevor er seine Dienstleistung dem Restaurantatelier
- 3:08im Hotel Bayerischer Hof in München für zwei Jahre zur Verfügung stellte.
- 3:12Seit 2017, bis heute und hoffentlich noch sehr lange, ist er Mitinhaber und Somelier
- 3:18und einfach Mädchen für alles im Hotelstadt Kassel in Rindeln.
- 3:22Und heute ist er hier bei uns.
- 3:24Herzlich willkommen lieber Moritz Christian Brandt.
- 3:26Doch bevor wir in die Folge einsteigen, möchte ich ein großes Dankeschön unseren Begleiter
- 3:30und unserem supporter, unserem Unterstützer, unserem Partner, der Schlumberger Gruppe.
- 3:34Mit den Handelshäusern segnet Schlumberger Konzi Jovini und dem Privatkundenportal Bremer
- 3:39Weinkolleg und den hier präsentierten Weingütern aussprechen.
- 3:41Dank ihrer händischen und wirtschaftlichen Unterstützung ist es möglich, dieses Projekt
- 3:45zu realisieren.
- 3:46Was ist eigentlich für dich Wein?
- 3:50Tja, was ist Wein?
- 3:52Ich glaube, das hat sich über die letzten Jahre auch ein bisschen verändert, die gesamte
- 3:58Blickrichtung darauf.
- 3:59Früher war es natürlich klar, der essenzielle Inhalt des beruflichen Lebens und das, womit
- 4:05man in Anführungsstrichen seine Brötchen verdient hat.
- 4:08Und inzwischen jetzt so mit ein paar Jährchen-Erfahrungen etc. sehe ich es schon so ein bisschen als gesellschaftlicher
- 4:16Klebstoff oder irgendwas, was so ein bisschen, sage ich mal, die Kultur und die Gesellschaft
- 4:21auch zusammenhält.
- 4:22Natürlich klar ist Wein inzwischen ein deutlich massenkompatible Produkt geworden, als das
- 4:30in der Vergangenheit gewesen ist.
- 4:31Aber es verbindet halt einfach immer noch so viele Ecken und Kanten der Gesellschaft
- 4:36miteinander, kann dafür sorgen, dass viele verschiedenen Ebenen von Menschen, auch viele
- 4:40verschiedene Charaktere einfach trotzdem immer noch beim gemeinsamen Anstoßen oder
- 4:44einem Glas Wein halt einfach irgendwie auf eine Ebene kommen.
- 4:46Und ich finde, das ist das, was es so ausmacht und was ich auch so unglaublich schön finde,
- 4:51wenn man das so am Tisch selber bei den Gästen erlebt oder auch natürlich zu Hause etc.
- 4:55Also für mich wäre das undenkbar bzw. es ist für mich eigentlich auch jetzt ein fester
- 5:00Bestandteil geworden, dass das Wein immer bei uns natürlich, wenn wir Gäste haben in
- 5:04der Gesellschaft, auch immer mit dabei sein muss.
- 5:05Findest du, dass Wein volksnär geworden ist?
- 5:07Weil du gerade sagtest, er wurde so ein wenig entmystifiziert oder habe ich das falsch
- 5:11verstanden?
- 5:12Nee, das würde ich schon unterstreichen.
- 5:14Ich musste mich gestern erst beim Getränke-Großhändler eigentlich wieder so ein bisschen da mit dem
- 5:18Schmunzeln erwischen, wenn du da stehst und siehst allein, was sage ich mal, im Einstiegsegment
- 5:26jetzt wohl gemerkt in Anführungsstriche gesetzt, aber wenn du siehst, was für eine Fülle
- 5:29an Wein allein bei so einem Großhändler und da reden wir von einem Flaschenpreis Abhändler
- 5:34von 1,99 bis 7 Euro unterstanden, ungelogen.
- 5:40Also ich würde so schätzen, bestimmt allein schon 60 verschiedene Sorten Rosé.
- 5:44Also es waren bestimmt 400 Weine, die da stehen hatte.
- 5:47Ich war buff, dass das überhaupt so eine Bandbreite aber allerdings in diesem absoluten Low-Budget-Level
- 5:53im Angebot hatte und ich glaube schon, dass es auf jeden Fall deutlich volksnär geworden
- 5:58ist.
- 5:59Die Bezugswege sind einfacher geworden, insbesondere natürlich auch einfach durch das Ausbreiten
- 6:04des Einzelhandels und natürlich auch die etwas, sage ich mal, strategischere Aufstellung
- 6:08des Einzelhandels ist es inzwischen viel einfacher, auch an sowohl einfachen, aber auch sehr guten
- 6:13Wein, schnell auch durch den Besuch eines Händlers oder eines Ladens hier um die Ecke
- 6:17zu kommen.
- 6:18Wo sind für dich die Grenzen?
- 6:19Will du gerade sagst 1,99?
- 6:20Also wo nach unten also nach oben?
- 6:22Also setzt du dich mit den Weinen auseinander?
- 6:25Hast du da ein Febel für oder ist das für dich dann nur Alkohol oder Droge?
- 6:29Genau, also ich habe da schon eine klare Grenze.
- 6:32Also es gibt da für mich auch einfach eine klare ethische Grenze und ich sehe das wirklich
- 6:36so, dass, sage ich mal, ein ehrlich produzierter Wein wurde auch genauerweist, wo er herkommt,
- 6:41was drin ist, dass die Menschen, die ihn produzieren, auch davon leben können, dass da, weil man
- 6:45weiß ja auch inzwischen, wenn man sich so ein bisschen mit der Thematik auseinandersetzt,
- 6:48dass natürlich auch derjenige, der den Wein einkauft und weiterverkauft, also diese Zwischeninstanz
- 6:52natürlich ihre paar Prozente Marge oder auch paar viele Prozente Marge dabei natürlich
- 6:56mit abbekommt, finde ich, dass da schon eine ethische Grenze, sage ich mal, so zwischen
- 7:0012 bis 15 Euro Einstieg gibt eigentlich alles darunter, ist sage ich mal, eine Besonderheit,
- 7:08wenn es mit einer guten Qualität versehen ist, aber ich finde, da beginnt für mich persönlich
- 7:12so eigentlich der Einstieg, dass ich beginne, Wein einzukaufen.
- 7:15Im Handel oder im...?
- 7:17Nee, also das war jetzt so das dargestellte Beispiel, wenn ich im Laden stehen würde und
- 7:22praktisch vor einem Weinregal um mir im Einzelhandel eine Flasche Wein zu kaufen.
- 7:25Natürlich klar gibt es das nochmal in anderen Verbindungen mit natürlich der Gastronomie
- 7:30und auch dem Handel selber, das ist vollkommen klar, aber das war jetzt eigentlich so aus
- 7:34der Situation des Endverbrauchers geschildet.
- 7:36Und 12 bis 15 Euro sind die Weine, die du selber trinkst oder die du selber einkaufst
- 7:41oder also wofür setzt du diesen Preis an?
- 7:45Ich würde diesen Preis als Einstieg praktisch in der Richtung sehen beziehungsweise ab da
- 7:51beginnt der Spaß, wie es so schön heißt.
- 7:52Also natürlich klar gibt es auch viele Weine, die ich in dem Segment sehr, sehr gerne trinke
- 7:59bzw. die auch bestimmt mal bei uns den Weg auf den Tisch finden.
- 8:02Das ist eigentlich eher sogar so die Range, an der ich alles messe bzw. diese Einstiegskwalitäten
- 8:09bzw. Basisqualitäten, wie es ja auch viele Winzer immer auch sagen.
- 8:13Es ist im Endeffekt der wichtigste Wein.
- 8:15Das ist von der Quantität her, dass das Produkt, was am meisten gefüllt wird und meistens
- 8:18auch natürlich dann in der Hinsicht des Aushängeschilds, des Unternehmens, des Weingutes und das muss
- 8:24funktionieren.
- 8:25Und was muss so ein Wein für dich können?
- 8:27Also woran misst du das?
- 8:28Jetzt ist losgelöst von dem, dass man ethische Befindlichkeiten hat in irgendeiner Form.
- 8:33Also wenn du sagst, dass für mich ein Wein, der in dem Sinne sein Geld wert ist oder
- 8:37der die 12 bis 15 Euro wert sind oder was kann so ein Wein mehr als einer für 1,99 oder
- 8:42vielleicht so ein Guts-Liter-Riesling, der vielleicht 7, 8, 9 Euro kostet.
- 8:47Tja, natürlich klar, was muss der Wein für mich können?
- 8:53Dass das allerwichtigste ist, dass er natürlich so in dieser, was sage ich mal, Volksnahrin
- 8:58oder in der Einstiegskwalität natürlich auch direkt ein gewisses Aromenspektrum, eine
- 9:04gewisse Struktur liefern muss, die mich anregt auch direkt das 2.
- 9:07oder 3.
- 9:08Glas, die 2.
- 9:09oder 3.
- 9:10Flasche, wie auch immer, je nachdem, mit welcher Größe man natürlich da aufgestellt ist,
- 9:13zu trinken, zu konsumieren.
- 9:14Er muss aufschlüsselbar sein.
- 9:17Also natürlich, wir kaufen eine ganze Menge dieser Wein ja auch in der Gastronomie, insbesondere
- 9:22für, sage ich mal, den offenen Ausschank etc.
- 9:24Dafür eignen sich diese Wein ja wunderbar und er muss einfach so ein abholendes Gefühl
- 9:28mit sich bringen.
- 9:29Es muss eine schöne Balance aus Frucht, aus Struktur, aus natürlich auch Säure und Süße
- 9:35mit dabei sein.
- 9:36Das kommt natürlich ganz drauf an, welchen Wein ich dafür auswähle, etc.
- 9:39Aber sorge ich mal, wenn wir jetzt mal so an das Beispiel eines klassischen Guts-Rieslings
- 9:43rangehe, was ja jeder, sage ich mal, schon immer mal in der Klaviertour des offenen Ausschanks
- 9:47irgendwie mit einbaut, das muss ein schönes, eine schöne, gut eingebundene Säure sein.
- 9:52Für mich persönlich zum Beispiel jetzt nicht zu fordern, was das Ganze angeht, da denke
- 9:56ich dann aber auch gleichzeitig im Background wieder so ein bisschen an meine Gäste, muss
- 9:59man klar sagen.
- 10:00Es muss vielfältig, vielschichtig sein, aber direkt auf den ersten Schluck hin und nicht
- 10:08erst nach drei, vier Mal schwenken oder erst nach einer halben Stunde im Glas aufmachen,
- 10:14sondern das muss direkt funktionieren, weil der Gast, der sich in dieser Sektion ein Glas
- 10:19Wein bei uns bestellt, der möchte ja auch direkt ein Erlebnis haben und das sage ich
- 10:23mal in einer gewissen Harmonie mitunterzubringen.
- 10:26Das ist schon eine Kunst, keine Frage beziehungsweise, das ist auch einfach eine Herangehensweise
- 10:32an den Wein, die glaube ich viele Winzer, oder den viele Winzer einen hohen Stellenwerk
- 10:38beimessen und das ist eigentlich so die Liga, wo es eigentlich drauf ankommt.
- 10:45Da muss geliefert werden, ein hochqualitativer Wein, ein großes Gewächs oder wie auch immer
- 10:51wie uns da jetzt in der Richtung dann weiter aufstellen oder darüber weiter unterhalten,
- 10:56das sind natürlich Weine.
- 10:58Klar, da ist ein gewisser Anspruch hinter, das ist natürlich auch vom monetären Aufwand,
- 11:02das ist eine andere Geschichte, aber bei diesen Einstiegsqualitäten finde ich, muss es halt
- 11:08wirklich ein rundum passendes Gesamterlebnis sein, was ab dem ersten Glas abholt.
- 11:14Wenn du Wein probierst, probierst du den für dich oder probierst du den für den Laden
- 11:19für die Gäste?
- 11:20Ja, also inzwischen erwische ich nicht wirklich, dass ich eigentlich fast alles natürlich
- 11:27auch immer so ein bisschen mit auf die Range für den Laden oder fürs Restaurant oder für
- 11:32die Weinkarte natürlich setze.
- 11:34Es gibt auch häufiger mal die Situation, dass man natürlich irgendwie an eine Flasche
- 11:38Wein oder an einen Wein kommt, der eigentlich gar nicht so wirklich in den eigenen Kram passt
- 11:43oder eigentlich so gar nicht wirklich in der Planung des Portfolios vorne ansteht oder
- 11:48ähnliches, aber ich finde es enorm wichtig, dass man sich dann immer wieder auch mal natürlich
- 11:52mit solchen Geschichten auseinandersetzt, dass man auch seine nicht unbedingt preferierten
- 11:58Weine, Weingüter, Rebsorten, wie auch immer, immer mal wieder sich vor Augen führt, um
- 12:02zu gucken, was dreht sich da eigentlich, was passiert da gerade, wie hat sich das in diesen
- 12:07Richtungen entwickelt?
- 12:08Gerade erst am Montag war ich jetzt wieder mit Kind und Kegel in einem Restaurant hier
- 12:12um die Ecke essen und genau da leuchtete so ein Wein auf der Karte auf und dann probieren
- 12:18wir es doch einfach mal wieder und ich war erstaunt über die Tiefe und Qualität einfach
- 12:22dahinter.
- 12:23Das heißt jetzt nicht, dass ich mir davon fünf Paletten in den Keller lege, aber ich
- 12:25finde ganz nach dem Motto "Do you know your enemy?"
- 12:29ist es schon immer wichtig zu gucken, was natürlich auch so die Konkurrenz bzw. was die vergleichbaren
- 12:35Produkte so machen.
- 12:36Da finde ich zum Beispiel super interessant, dass wir bei dem Wein im Glas haben, der
- 12:40mindestens genauso stark, ich sag mal, argwöhntisch betrachtet wird, ich wahrscheinlich ein Großteil
- 12:48deines Lebens in München ganz gravierend begleitet hat, Lugana.
- 12:52Also es ist ja sowas auf der einen Seite, finde ich, gibt es für solche Weine eine
- 12:57Daseinsberechtigung, denn sie sind ja nicht ohne Grund so omnipräsent oder so überpräsent,
- 13:03auf der anderen Seite wurden viele dieser Weine total verkommensialisiert und ich dachte,
- 13:08ich öffne ein Beispiel, wo man so das Gefühl haben kann, warum Lugana so wahnsinnig gehypf wird
- 13:16und warum eben die Stilistik so gerne gemocht wird und wie man so ein Lugana im Glas haben
- 13:25kann, der trotzdem eine ganz eigene Authentizität, eine ganz eigene Identifikationscharakteristik
- 13:31hat und daher fand ich es zum einen super interessant natürlich mit dir den Wein zu
- 13:35probieren, zu sehen, wie du dem Wein betrachtest und ich glaube mit Orteller hat man so einen
- 13:41der Produzenten, der nicht so letztes, weil er einer der ersten war, die ich glaube 1905
- 13:45bündig versucht haben diesen Stil zu praktizieren und sehr renommiert sich etabliert haben,
- 13:50wo man sagen kann, man hat so einen Urtyp für Lugana.
- 13:53Ja, warst du Lugana?
- 13:56Persönlich sage ich mal so, ich würde ihn mir kaum im Restaurant bestellen, ich habe
- 14:02es allerdings auch schon gehabt, dass mir im Urlaub mal einfach auch, weil ich gesagt habe,
- 14:06bring es mir einfach ein nettes Glas Weiswein, ich will mich jetzt gerade gar nicht so wirklich
- 14:10mit der Thematik auseinandersetzen, hatte aber auch in der Hinsicht einfach damit zu tun,
- 14:13dass das Restaurant keine Weinkarte hatte und danach hatte ich am Ende Lugana da stehen
- 14:18und also ich sage mal natürlich ist es und ich glaube auch es ist einer der Weine, der
- 14:24so mit der Eckpfeiler dieser deutsche Vita Urlaubsthematik in uns Deutschen eigentlich
- 14:33so mit hervorruft, das ist schon viel, was sage ich mal so der autonome Wein Trinker
- 14:41damit verbindet und es ist glaube ich viel so natürlich auch Gefühl halt einfach mit
- 14:46dabei bzw. auch der Begriff bietet eine gewisse Sicherheit.
- 14:52Ich erlebe es häufig, dass oder habe es häufig insbesondere in München erlebt einfach,
- 14:57trink mal Lugana, da machst du nichts falsch mit.
- 14:59Das war einfach etwas, was schon auch auf einer gewissen Ebene für Qualität und für Sicherheit
- 15:05steht, da insbesondere wenn man in kleiner oder größerer Runde zum Essen gegangen ist,
- 15:11eine Flasche Lugana, damit sind alle konform, das ist sage ich mal so die Schweiz bei der
- 15:16Weißweinauswahl, da meckert keiner drüber, der drängt sich nicht auf und sorgt einfach
- 15:21für einen gesunden Trink als auch Unterhaltungsfluss am Tisch, aber es muss sich jetzt auch nicht
- 15:27drüber totdiskutiert werden und das konnte man in der Person...
- 15:32Ich finde aber auch ist unsere Aufgabe so ein bisschen ein besonderes Produkt da zu
- 15:38finden, also nicht den aller Welzkram, den ich will jetzt gar nicht mit Namen irgendwie
- 15:43arbeiten, der in der Tat richtig künstlich gemacht wird und auch so schmeckt, sondern
- 15:49dann auch dem Wein eine gewisse oder da ein Wein zu präsentieren, der eine gewisse Authentizität
- 15:56hat oder eine gewisse Eigenständigkeit.
- 15:58Absolut, ja.
- 15:59Und das ist das inzwischen...
- 16:01Wie bist du ihn?
- 16:02Ich muss sagen, als ich gar das erst mal reingeochen habe, erwischte ich mich eigentlich erst mal
- 16:08so, okay, es hatte für mich viele Nossen, die eigentlich in Richtung Sauvignon Blanc
- 16:13gehen, es ist sehr duftig, hat so eine leichte Birne, viel weiße Blüten dabei, es ist sehr
- 16:22zart, sehr feinfühlig, aber trotzdem wenn man es am Gaumen hat, mit einer schönen Struktur,
- 16:29einen guten Grip, da kommt auch ein bisschen was Fruchtiges so raus, also ich bin persönlich
- 16:36sehr angetan, also so in der Richtung dafür, dass es ja immer gerne so als weich gewaschen
- 16:43und ausgespült eigentlich gerne so im Negativen dargestellt wird, finde ich bietet das eine
- 16:47gute Struktur, also es hat jetzt ein bisschen Ananas, Grapefruit, also es holt einen gerade
- 16:52richtig ab, ist anregend, aber auch gleichzeitig nach hinten raus wirklich mit einem schönen
- 16:57Grip am Gaumen, also ein sehr Hundeskonstrukt würde ich so sagen.
- 17:02Das magst du die Säure-Textur, also dass er so ganz langsam Nachschwenzel, da das animierend
- 17:06wirkt, was einem ganz feinen Gaumendruck hat, eine wunderbare Eleganz, du beschreibst mir
- 17:11über Aromen oder wie beschreibst du deine Weine?
- 17:16Jetzt hier, dadurch dass es mir, also es wirkt für mich so ein bisschen vordergründig,
- 17:23dass das Ganze angeht, sehr abholend und daher, ich finde, es ist ein Wein, der diese Aromen
- 17:29sehr schnell erschließen lässt.
- 17:30Es ist sehr offen von der Nase, er gibt viel Aroma wieder und daher komme ich sehr schnell
- 17:36auf diese Vergleiche bzw. diese Duftigkeit, diese Aromenstruktur dahinter, sorgt halt
- 17:42einfach dafür, dass ich eher direkt auf diesen Bereich gehe, weil nach hinten raus
- 17:47natürlich die Skelettierung, das Rückgrat eher feinfühliger ist.
- 17:52Ich finde, er ist weniger durch Mineralik, durch Seizigkeit oder auch durch die Säure,
- 17:58die ist zwar spürbar, aber sie ist nicht tragend für den Wein und deswegen gehe ich da eher
- 18:03mehr so auf diese fruchtigeren Beschreibung oder bzw. gehe da mehr so in Richtung dieser
- 18:08klaren Nuancen, die sich so mir in der Nase erschließen.
- 18:11Ich habe mich da total gewandelt.
- 18:15Also, oder ich unterscheide da ganz gravierend, wenn ich dem Gast ein Wein beschreibe, gehe
- 18:18ich ganz oft über das Herausarbeiten der Aromen, weil es dann in dem Gast greifbar wird und
- 18:24weil er das Schöne dabei hat und das genießen kann.
- 18:27Wenn ich für Weinbeschreibung oder wenn ich für mich selber Notizen aufnehme, lasse
- 18:33ich die Aromen eigentlich oftmals zugänglich weg, weil zum einen verändern die sich,
- 18:36es wirkt manchmal verwirrend und beschreibt den Wein mehr über seine Strukturelemente
- 18:42oder über seine Haptik oder über seine Gesamtwahrnehmung oder seine Drittelung, den verschiedenen
- 18:48Geschmacksverhalten.
- 18:49Also eigentlich völlig aromenlos.
- 18:51Ja.
- 18:52Und kann das dann teilweise nach vielen Jahren besser nachvollziehen, als wenn ich ihn mit
- 18:57den Aromen versuche irgendwie darzustellen.
- 18:59Jetzt habe ich gerade mal geschaut, 13 Volumenprozent hat er, nach hinten raus, merkst du den
- 19:05Alkohol?
- 19:06Merk man kaum oder?
- 19:07Eigentlich kaum, das ist schon, das ist schon, nach der Flasche schon, aber nee.
- 19:11Ja, ja, natürlich, nach der Flasche schon auf jeden Fall.
- 19:14Nee, aber ich dachte gerade, okay, also was wird der haben, 11,5, 12 vielleicht oder so
- 19:18was, aber wir sind schon bei 13 Volumenprozent, was ja eigentlich schon ein bisschen übiger
- 19:22ist, oder beziehungsweise im oberen Mittelfeld, aber das spiegelt sich jetzt so nicht direkt
- 19:28dar.
- 19:29Ich finde ein schönes Beispiel, womit man Leute ganz gut abholen kann, die entweder
- 19:35unerfahren sind, sehr eingetrunken sind in ihr Meinungsbild und die man dann aber trotzdem
- 19:41nochmal irgendwie revolutionieren kann in ihren Ansichten.
- 19:45Ja, auf jeden Fall.
- 19:46Und dann trinkst du Wein?
- 19:48Also gib es für dich eine Situation, wo du sagst, jetzt schalte ich den Kopf aus und
- 19:54trinke einfach ganz normal?
- 19:55Oder kannst du es gar nicht mehr in dem Sinne?
- 19:59Doch, doch, kann ich.
- 20:00Ermets ich gar nicht mehr.
- 20:01Kann ich schon, also die schönsten oder die beruhigendsten Momente für mich sind das
- 20:06eigentlich, wenn wir die Zeit haben, also jetzt hier auf unser Leben hier vor Ort eigentlich
- 20:13so ein bisschen so zu reflektieren, ist es eigentlich, wenn ich hier oben stehe und habe
- 20:17hier die Kids, meine Frau, wir sind hier zuviert oben, haben vielleicht also unser Restaurant
- 20:23immer Sonntags und Montags geschlossen, da sind das so die Tage, an denen wir uns zumindest
- 20:26ab dem späten Nachmittagabend dann auch mal dem gemeinsamen Familienleben widmen können.
- 20:31Und dadurch, dass ja das Hotel auch praktisch immer mit dabei ist, müssen wir auch oder
- 20:35bleiben wir meist hier eigentlich vor Ort und kochen dann irgendwie was Schönes und
- 20:38es gibt für mich eigentlich wirklich nichts Schöneres als hier am besten schon am späten
- 20:42Nachmittag oder wie auch immer anzufangen Vorbereitung in der Küche zu treffen.
- 20:46Da geht es gar nicht drum, irgendwie jetzt irgendwie ein krasses Gedöns aufzureißen,
- 20:52sondern irgendwie eine nette Flasche Wein und dann einfach so während der handwerklichen
- 20:56Arbeit, während der Vorbereitung, die Kids sitzen dabei, schneiden ein bisschen mit,
- 21:01gucken ein bisschen mit, man unterhält sich.
- 21:02Das ist für mich purer Luxus.
- 21:07Das ist ein Alltagswein, also hast du dann so ein Standardwein, den du dann immer für
- 21:12die Familie aufziehst oder sind es die Probeflaschen, die du abarbeiten musst?
- 21:16Die Probeflaschen, die arbeiten wir meistens eigentlich eher im Team ab und da versuche
- 21:20ich immer möglichst viele Leute natürlich auch aus dem Team an mir mit einzubeziehen,
- 21:23sowohl aus dem Service als auch aus der Küche, dass man das mit möglichst vielen teilen kann
- 21:27und dann natürlich auch so ein bisschen in die Diskussion gehen kann.
- 21:29Hier oben ist es wirklich ganz unterschiedlich.
- 21:34Natürlich, wenn es einen besonderen Anlass gibt oder ähnliches, klar, greift man da bestimmt
- 21:38auch mal zu ein bisschen was höher kategorisiert haben.
- 21:40Wenn ich das jetzt so überschlage, erwische ich uns eigentlich sehr häufig so in dieser
- 21:47Sektion der Ortsweine und dieser terroirbezogenen Weine, also so sage ich mal, dieses grobe
- 21:53Mittelfeld in Anführung, da kommt immer eigentlich eine ganze Menge, weil ich das auch, oder weil
- 21:58wir das auch in großen Mengen natürlich immer gerne fürs Hotel kaufen, weil das einfach
- 22:02tolle Reifen kann und man da wirklich auch viel, viel der Handschrift der Winzer halt
- 22:06einfach über die Jahre auch mit ein bisschen Reife toll abbilden kann.
- 22:09Das ist ein tolles Stil-Element.
- 22:12Aber es kann auch einfach mal, was weiß ich, eine ganz einfache Scheurebe sein.
- 22:16Ich hatte noch irgendwie im Schrank, ganz hinten hatte ich eine 2016er Scheurebe von
- 22:21Wagner Stemper gefunden.
- 22:22Das war bombastisch, das war einfach wunderbar und das war ein Weinjahr.
- 22:25Er hat vielleicht, lass ihn in dem Jahr vielleicht 7 bis 9 Euro gekostet haben, aber das stand
- 22:32da wie eine Einsung, hat einfach richtig Spaß gemacht.
- 22:34Und das sind so Sachen, da habe ich beinahe eine dibische Freude bei, wenn ich sowas irgendwie
- 22:38noch finde und dann auch noch wirklich auf eine perfekte Flasche stoße und dann sehe
- 22:43ich, ach Gott, ja, das Gute kann so einfach sein.
- 22:47Sind manchmal die Überraschungen, die wir auch selber erleben, obwohl wir ganz tief
- 22:51in den Thema drinstecken und dann das rein theoretisch ausdurchspielen können und vielleicht
- 22:56auch schon so ein wenig gedanklich analysieren können, wie der Wein sich präsentiert,
- 22:59momentan aufmacht, sagt man so, wow, das hätte ich jetzt nicht gedacht oder nicht erlebt.
- 23:04Das Thema Alltagswein, dennoch magst du das?
- 23:07Also jetzt gerade auch, wenn ein Kundengast zu dir kommt, sucht ein Alltagswein oder würdest
- 23:12du immer dazu raten, die Vielfalt zu leben und vielleicht gar nicht immer auf diesen
- 23:17einen gewohnten Wein zurückzugreifen?
- 23:19Ich empfinde es immer ein bisschen schwierig, die Menschen oder unsere Gäste aus ihren
- 23:26Gewohnheiten, wenn sie nicht wirklich offen dieser Thematik gegenüberstehen, so ein bisschen
- 23:30rauszudrängen.
- 23:31Also wir haben einen, Gott sei Dank, sehr, sehr buntes Feld an Gästen von Weinliebhabern
- 23:39und absoluten Freaks bis hin zu denjenigen, die, wie du es gerade angesprochen hast,
- 23:43jedes Mal bei ihrem Besuch einfach genau dieselbe Flasche, Kabinett, Rose oder wie
- 23:47auch immer trinken und sich aber dabei sehr wohlfühlen, dabei sehr glücklich sind und
- 23:53sich einfach freuen, dass sie diesen Wein bei uns trinken oder das auch so ein bisschen
- 23:57ja, als traditionelle Routine oder als, das machen wir da so in Anführungsstrichen halt
- 24:06einfach irgendwie sehen oder als so eine nette kleine Familientradition zum Beispiel.
- 24:10Da habe ich auch, haben wir auch hier und ich finde, da kommt es halt einfach so auf uns
- 24:15als Gastgebern dann natürlich auch an, das zu sehen, okay, ist da mehr gewollt, ist da
- 24:18mehr gefragt, wie auch immer, dann kann man da natürlich auch mal mit dem einen oder
- 24:24anderen Einfall oder der einen oder anderen Empfehlung bestimmt für ein bisschen Abwechslung
- 24:28sorgen.
- 24:29Aber ich finde, das kommt immer ganz so auf die Gäste und auf die Thematik Menschen an.
- 24:34Also seine Kennaufgabe ist nicht zu missionieren und jedem die große Weinbeit zu bringen und
- 24:39zu zeigen, was es dort noch alles gibt, wie gehst du mit Themen um, die im Allgemeinen
- 24:44und in einer Breite gebäscht werden, also keine Ahnung, Rosevan-Thema, Primitivo, Graubugunde
- 24:53etc., ist das für dich etwas, wo du mit reinspringst und sagst ja, obendrauf und die Weinwelt muss
- 24:58besser werden oder versuchst du in dem Rahmen ein Optimum zu finden, also wenn du jemand zum
- 25:05Primitivo möchtest, du sagst, okay, dann präsentiere ich ihn besten oder ist das für dich eine
- 25:09Cash-Cow, wo du sagst, durchballern und richtig Kohle verdienen.
- 25:12Also da nehme ich mich in keinster Weise voraus.
- 25:18Früher in meinen Verhältnismäßig etwas jüngeren Jahren, also in der Zeit, wo ich noch im Angestellten
- 25:24Verhältnis auf der Weinseite war etc., weiß ich auch, dass ich auf vielen Ebenen bestimmt
- 25:31ins selbe Horn gestoßen habe und natürlich auch gewissen Geschichten etwas nase rümpfend
- 25:36gegenüber gestanden habe, aber ja, das war die damalige Sichtweise, wahrscheinlich hatte
- 25:42das auch einfach damit zu tun, dass man in einer Sektion von Gastronomie gearbeitet hat,
- 25:46die natürlich auch, insbesondere wenn man etwas jünger ist, einfach sehr verleitend und
- 25:51sehr verlockend ist, sich natürlich nur mit den high end Produkten auseinanderzusetzen
- 25:55und damit auch so ein bisschen seinen Charakter zu formen oder zu bilden, wie auch immer.
- 26:00Tja, und durch die Erdung, sagen wir es mal so, seitdem wir hier 2016/2017 in Rindeln
- 26:08gestartet sind, hat sich das Blickfeld schon natürlich auch deutlich gewandelt bzw.
- 26:15man hat einfach direkt ab dem ersten Tag gemerkt, dass einfach das auseinandersetzen mit der
- 26:20absoluten Basis hier essentielles und dass sich hier keinem erstmal irgendwie einen
- 26:25halbstündigen Vortrag oder wie auch immer über diesen oder jeden Wein geben muss.
- 26:29Es geht einfach darum, ich habe Durst, bringen wir den Wein junger Mann.
- 26:33Bist du reifer geworden da, also in deinem Gedanken, gut, da ist einfach die Umgebung
- 26:38oder ist es manchmal auch die Wirtschaftlichkeit dabei oder was hatte ich da umdenken lassen?
- 26:47Reifer möchte ich gar nicht mal so sagen, aber es sind natürlich die Gegebenheiten
- 26:54hier vor Ort, keine Frage, natürlich auch der wirtschaftliche Fokus, klar, keine Frage,
- 27:02dass man inzwischen einfach nicht nur diese Flasche verkauft und sagt, der Bestand aus
- 27:06dem Keller ist dann jetzt minus 1 und ich gehe heute Abend nach Hause und dann kann
- 27:11ich mir vielleicht Gedanken machen, wenn ich noch ein paar Flaschen mehr aus dieser Sektion
- 27:15verkaufe, was ich dann nachkaufe, sondern es geht einfach darum, ich kaufe diesen Wein
- 27:20ein, wie verkauf ich ihn, ich muss mit dem Gewinn dieses Weines die Gehälter meiner Mitarbeiter
- 27:26bezahlen, das drum herum, mich selbst, muss gucken, dass das Unternehmen daran wächst,
- 27:31etc.
- 27:32Von daher, da gibt es schon viele, viele Eckpunkte, die da einem inzwischen durch den Kopf
- 27:37gehen, die mir natürlich früher nicht irgendwie in den Sinn gekommen sind bzw. ich habe mich
- 27:45gar nicht so wirklich damit auseinandergesetzt und wenn ich es jetzt so auch aus dem Nachhinein
- 27:50betrachte, klar, warum sollte ich es auch bzw. ich war dafür angestellt, eine Weinkarte
- 27:59gewisser Qualität aufzubauen und dafür die passende Kompetenz und den Service am Gast
- 28:04einfach darzustellen und dafür zu sorgen, dass das Ganze ein passendes Gesamtpaket
- 28:09ist.
- 28:10Hier inzwischen ist es eine andere Thematik.
- 28:12Mit jedem Euro, den ich in den Weinkeller investiere, fehlt er an einer anderen Stelle
- 28:16und daher ist es für mich schon wichtig, dass ich da natürlich gucke, wo ist die Balance,
- 28:22was soll uns dieser Wein bringen, den wir jetzt kaufen?
- 28:25Also du findest schon, dass ein Angestellter Sommie ein anderer Sommie ist als jemand,
- 28:31der selbstständig ist und anders denken und anders planen muss.
- 28:35Das glaube ich schon, ja.
- 28:36Also jetzt ohne, dass es dispektierlich gemeint ist, ich meine, das sind einfach schon
- 28:41zwei unterschiedliche Paar Schuhe.
- 28:42Ich habe mich da auch schon mit vielen anderen Kollegen drüber unterhalten.
- 28:45So jetzt, wenn man sich immer mal wieder, ob jetzt, was weiß ich, beim Sommie-Jessamit
- 28:49oder bei der Mainzer Weinbörse oder wie auch immer trifft, diese Sichtweise ist schon
- 28:54inzwischen echt was anderes geworden.
- 28:55Natürlich kommt auch immer einfach noch, oder es kommen noch viele andere Faktoren einfach
- 28:58mit dazu, ob es wirklich nur das Eigenkapital ist, ob man noch Geschäftspartner hat, etc.
- 29:03Also das steht immer auf Füßen, die sind von jedem Blickwinkel anders zu betrachten.
- 29:09Aber ich glaube schon, dass es natürlich eine andere Situation ist, wenn man sich im Angestellten
- 29:16Verhältnis ist und klar auch dafür bezahlt wird, dass man die Aufgabe hat, diesen Keller
- 29:19voranzutreiben.
- 29:20Da nehme ich mich auch nicht von aus.
- 29:22Natürlich will man immer das Maximum für seinen Weinkeller und für seine Weinkarte
- 29:25und für die Weinbegleitung, etc.
- 29:27rausschlagen.
- 29:28Ich meine insbesondere auf dem Segment, in dem wir da gearbeitet haben, da ging es ja
- 29:34wirklich um die absolute Champions League und natürlich klar ist da ein bisschen Hauen und
- 29:37Stechen nach links und rechts jetzt im übertriebenen Sinne ganz klar.
- 29:42Und man guckt natürlich, dass man schon immer State of the Art ist bzw. natürlich auch mit
- 29:47den Mitbewerbern mithalten kann bzw. man schaut schon natürlich, wer welche Einflüsse nimmt
- 29:52bzw. wer sich gerade von welchen Strukturen des Marktes irgendwie verleiten lässt.
- 29:56Und das hat man natürlich auch immer so ein bisschen versucht auch mit einzubauen, insbesondere
- 30:01im Kontext dazu auf der anderen Seite des Passes, der Küchenchef, des jeweiligen Restaurants.
- 30:06Die haben sich ja von selben oder von selbigen Strömungen natürlich leiten lassen bzw.
- 30:11da hat man ja noch viel, viel mehr geguckt.
- 30:13Was machen die anderen bzw. was läuft gerade, was ist gerade am Work, welche Produkte passen
- 30:17gerade einfach.
- 30:18Und da stand man oder so habe ich es zumindest für mich immer sehr von Standmann als Sommerhege
- 30:24schon immer auch ziemlich unter Zug zwang, dass man da gleiche Performance mitliefert.
- 30:28Könntest du sagen, nicht wer der Besser oder der Schlechterer, aber wo man die interessantere
- 30:35Weinempfehlung bekommt bei einem Angestellten oder bei einem selbstständigen Sommerhege
- 30:38oder die kreativere, facettenreichere oder wie auch immer, oder hat so jedes sein für
- 30:43und wieder und jedes seine eigene Identität?
- 30:46Ich glaube bei letzterem wäre ich vollkommen der Comedy, ich glaube das hat nichts mit
- 30:54der Kompetenz oder mit dem Charakter des jeweiligen Angestelltenverhältnisses oder
- 31:00selbstständigen Verhältnisses zu tun.
- 31:02Es hat bestimmt auch viel mit dem Thema Erfahrung und auch mit dem Blickwinkel etc.
- 31:07zu tun.
- 31:08Also es gibt da kein Ultimum oder dass man sagt, das ist schlechter oder das ist besser.
- 31:14Dafür ist der Markt auch einfach viel zu breit und es wird niemals die Situation geben,
- 31:20dass es nur noch nicht Angestellte oder nur noch selbstständige Sommerheges gibt.
- 31:24Ich finde die Mischung, die macht es da und das sorgt ja auch einfach dafür, dass das
- 31:27Ganze so lebendig ist und dass man so einen tollen Austausch mit vielen Kollegen hat.
- 31:30Und wenn ich mir das heute angucke, ja das ist sehr beeindruckend zu sehen, mit welchen
- 31:36Kollegen man da heute, was weiß ich jetzt bei vorhin angesprochenen Veranstaltungen im
- 31:40Raum steht und was die leisten, was die machen, wo die es hingeschafft haben.
- 31:44Ich meine wir sind ja hier wirklich relativ provinziell angesiedelt und das ist für
- 31:49mich immer schon sehr spannend zu sehen, wer so auf dem aktuellen Transfermarkt sich
- 31:54jetzt gerade so in dieses oder jenes Restaurant begeben hat, wer gerade neues Projekt gestartet
- 32:00hat oder sich gar auch selbstständig macht oder wie auch immer.
- 32:03Also ich gucke mir das immer sehr gerne so aus der Entfernung an und verfolge die Wege
- 32:07da von vielen Kolleginnen und Kollegen immer sehr gerne mit.
- 32:09Hättest du es gerne noch einmal, dass du da du ja jetzt mehr oder weniger in Gefangenschaft
- 32:15bist, dich frei entscheiden könntest und ein anderes Restaurant nächstes Jahr bespielen
- 32:20könntest?
- 32:21Ich hoffe du nimmst meine Theorien nicht für reines Gold, aber es ist natürlich schon
- 32:31so und ich glaube da würde ich auch meine gesamte Vergangenheit in einem falschen Lichter
- 32:36stellen, wenn ich mich nicht schon mal in dieser oder jener Situation natürlich in dieses
- 32:43oder jenes Restaurant oder diese oder jene Position zurückgewünscht hätte.
- 32:47Ich glaube auch nicht nur irgendwelche Läden, wo ich noch nicht gearbeitet habe, sondern
- 32:50auch Läden, wo ich schon gearbeitet habe, weil sich da einfach wieder unglaublich tolles
- 32:53dreht.
- 32:54Was ist das ich Beispiel des Restaurant-Handriss-Familien-Eichbauer, die da groß umgebaut haben und diese
- 32:58neue Öffnung und neue Konzeption dieses Restaurants da vorangetrieben haben?
- 33:02Das wäre schon auf jeden Fall eine sehr, sehr spannende und tolle Erfahrung gewesen,
- 33:08das mitzumachen oder auch damals die Situation natürlich klar, dass wir kurz vor dem dritten
- 33:13Michelin-Sterne bei Jan Hartwig dann leider unsere Segel in München gesprochen haben
- 33:17und praktisch ein paar Monate später dann der dritte Stern natürlich dort geleuchtet
- 33:22hat.
- 33:23Das ist so eine Sache, die hängt mir auch heute immer noch so ein bisschen nach, aber ja,
- 33:26das ist halt einfach so und das allerwichtigste in der Linie ist eigentlich, dass wir inzwischen
- 33:32hier, dass wir fest verwurzelt sind hier in Rindeln.
- 33:34Wir haben zwei Kinder, ich habe hier eine wahnsinnig tolle Familie, wir haben uns hier
- 33:38unseren Traumarbeitsplatz selber erschaffen und selber aufbauen dürfen, können jeden
- 33:44Tag hier rein bzw. runtergehen, wir wohnen ja auch im Unternehmen und dieses Konstrukt
- 33:51hier formen und führen, wie es uns beliebt, das ist jetzt natürlich auch wieder sehr
- 33:56übertrieben dargestellt, aber es ist ein unglaublicher Schatz, dass wir das, also das
- 34:01ist jetzt auch natürlich erst nach ein paar Jahren dieser Gedanke gewachsen, es ist
- 34:05schon ein unglaublicher Schatz, was wir hier haben und da sind wir wahnsinnig stolz drauf
- 34:10und das ist für mich natürlich als Säninige der extern dazugekommen ist, eine wahnsinnige
- 34:15Ehre, dass die Familie mir hier dieses Vertrauen entgegen gebracht hat, dass wir hier gemeinsam
- 34:21auch halt einfach mal gut bürgerlich gesagt alles auf links gedreht haben und das jetzt
- 34:25nun hier mit unserer eigenen Vision der Gastronomie weiterführen dürfen.
- 34:29Auch wenn du das vermisst, mit dem Tretchen, dem hinterher schaust, hast du ja dann trotzdem
- 34:34dieses drei Sterne-Erlebnis dort gehabt, weil es ist ja oftmals eben auch der Aufbau,
- 34:38wo man schon auf dem Niveau arbeitet und dieses Niveau mitgestaltet.
- 34:42Wenn du das aus deiner Warte betrachten müsstest, wie viel Anteil nimmt der Wein rein aus dem
- 34:48gedanklichen am dritten Stern, weil so rein aus dem technischen oder aus dem katalogisierten
- 34:55Fallen ja größtenteils Wein und Service etc., fallen ja aus der Bewertung heraus, aber
- 35:00das ist natürlich, glaube ich, ein elementarer Bestandteil letztlich des Erfolges.
- 35:06Wie wichtig ist Wein dabei?
- 35:08In deinem Sinne?
- 35:25Pion di Santi ist einer der außergewöhnlichsten Produzenten weltweit und hier ist seine Geschichte.
- 35:31Pion di Santi ist der Erfinder des Brunello di Montagino.
- 35:34Ja ich weiß, das wird in vielen Regionen von vielen Winzern erzählt, aber hier ist
- 35:39es zu 100% wahr.
- 35:40Warum?
- 35:41Der erste Brunello wurde zwar bereits im 14.
- 35:43Jahrhundert produziert oder unter diesem Namen verkauft, aber niemand weiß, welche
- 35:47Riebsort es war.
- 35:48Sicher ist, es war ein Rotwein.
- 35:49In den Jahren 1940 gründete Clemente Santi das Weingut T'inuta Igrepo, 2 km südöstlich
- 35:55vom Montagino in der Tuscana.
- 35:57Der Name Igrepo bezieht sich auf die steilem Böschung auf dem Gelände.
- 36:01Clemente Santi war eigentlich Schriftsteller und Wissenschaftler und natürlich sieht man
- 36:05die Dinge als Wissenschaftler auf tiefgründiger und so forschte er daran, warum manche Weine
- 36:10haltbarer sind als andere.
- 36:11Und das mit dem Hintergrund, das im Barolo beispielsweise seinerzeit haltbarere Weine
- 36:16preisintensiver waren, als weniger haltbare Weine.
- 36:18Ganz nebenbei innovierte er sehr viele verschiedene Weinbautechniken, die heute noch von großer
- 36:23Bedeutung sind.
- 36:24Zu Kleinigkeiten wie Klären, Racking, Mostabzug waren bis dato unbekannt.
- 36:28Er selektierte erstmals aus dem Songiovese Material den ersten Brunello-Klon.
- 36:32Ein Wein daraus wurde von Clemente Santi erstmals 1865 produziert.
- 36:37Dieser Weingewann als erster italienischer Wein bei der Weltausstellung in Paris im
- 36:41Jahre 1867 eine Goldmedaille.
- 36:44Als er in Rente ging, hat er das Weingut an seinen Enkel Verrucio Bionti Santi übergeben.
- 36:49Verrucio für die Klonsalektion fordten isolierte 1888 den Songiovese Crossoklon BBS 11 und
- 36:56schuf damit letztlich die Grundlagen für den berühmten Brunello di Montagino und
- 37:01auch er innovierte etliche Weinbautechniken, die auch heute noch von enormer Bedeutung
- 37:05sind.
- 37:06Ferner kälte er den Songiovese einsortig, was damals noch extrem selten war.
- 37:09Und das in einer wirklich schweren Zeit, man bedenke, es war mitten in der Reblausplage.
- 37:14Sein selektierter Klon bildet heute noch den Grundstock für die Weinbereitung bei Bionti
- 37:18Santi.
- 37:19Er war der erste, der seinen Wein Brunello di Montagino nannte.
- 37:22Sein erster Wein war 10 Jahre im Fass und die Menschen liebten diesen Wein.
- 37:26Denn er hatte Säure, er hatte Struktur, er hatte Frische und er hatte Fruchtigkeit.
- 37:30Perrucio benannte das Weingut nach ihm und seinem Großvater und er zieh es von an Bionti
- 37:34Santi.
- 37:35Er starb 1917 und sein Sohn Thang Credi war ein Marketinggenie.
- 37:39Er machte Bionti Santi weltweit berühmt und auch er innovierte viele neue Dinge, lagerte
- 37:44unter anderem Alte A-Ginge ein und offerierte diese erst sehr viel später.
- 37:48Und er war weitsichtig.
- 37:49So verkaufte er kurz vor dem Zweiten Weltkrieg keine Weine mehr, sondern hier diese für
- 37:54die Zeit nach dem Krieg zurück.
- 37:551932 zertifizierte die italienische Regierung Bionti Santi als einzigen originalen Produzenten
- 38:01für Brunello.
- 38:02Von 1888 bis 1945 waren sie die einzigen Produzenten von Brunello und sie verkauften
- 38:08dieser Zeit ausschließlich nur 200 Hektar Liter, also 27.000 Flaschen.
- 38:14Er verkaufte nur vier Jahrgänge Brunello Reserve in den 57 Jahrgängen, 1988, 1981,
- 38:211925 und 1945.
- 38:23Und alle hatten zehn Jahre Fasgreife.
- 38:2639 Jahrgänge Reserve wurden seit 1888 gemacht und diese Innovation motivierte andere ihm
- 38:32nachzueifern.
- 38:33In den 1960er Jahren steigerte sich die Zahl von Produzenten enorm und es waren bereits
- 38:3811 und das auf 60 Hektar.
- 38:401966 wurde Brunello di Motaccino der Status der DOC verliehen und die Regierung ging zu
- 38:45Tankredi und bat ihnen die Regulierung für ein Brunello niederzuschreiben mit dem Argument
- 38:50bei ihr die Weine gemacht haben, wie hoch der Ertrag sein darf und wer gemacht werden
- 38:53sollte.
- 38:54Als er starb über Namen Franco, Tankredi's Sohn des Weingut, ebenfalls ein Marketing-Genie.
- 38:58In den 1970er Jahren hat mir bereits 25 Produzenten in den 80er Jahren 53 und das auf 700 Hektar.
- 39:05Heute sind es um die 200 Weingüter und das vielleicht, ich hab nirgends genaue Zahlen
- 39:10gefunden.
- 39:11Das letzte und ich hoffe aktuellste waren 2100 Hektar.
- 39:14In den 1980er Jahren wurde Brunello zusammen mit Barolo die erste DOC.
- 39:19Montaccino liegt nordöstlich des gleichnamigen Dorfes in einer bewaldeten, hücheligen Gegend,
- 39:24deren bemerkenswertes ist, merk mal der Monte Amniata ist.
- 39:28Der höchste Gipfel in der südlichen Toscana.
- 39:30Das Dorf liegt ungefähr 40 Kilometer südlich von Siena und etwa 77 Kilometer vom Meer und
- 39:35100 Kilometer vom Apernin entfernt, der das Klima sehr stark beeinflusst.
- 39:39Das sügliche, zerklüftete Gebiet liegt auf einer Höhe von 150 bis 500 Metern und die
- 39:45Hänge sind komplett unterschiedlich ausgerichtet.
- 39:47Süd- und Nordhänge werden dieser Gegend für unterschiedliche Weinstiele genutzt.
- 39:50Bei Biondi Santi befinden sich die Weinberge auf insgesamt fünf Lagen, nördlich und östlich
- 39:56um Montaccino.
- 39:57Die Weinberge liegen auf einer Höhe von 400 bis 500 Metern über den Meeresspiegel.
- 40:00Die Böden sind reich angolesto-schiefer, der für den Charakter der Wein entscheidend
- 40:04ist.
- 40:05Montaccino ist durch ein mediterranes Klima gekennzeichnet, es ist trocken mit einigen
- 40:09kontinentalen Bedingungen.
- 40:10Doch man spricht immer vom Brunello im Allgemeinen.
- 40:12Es sind die Mikro-Klimate, die wirklich den Geschmack des jeweiligen Weines bestimmen
- 40:17und das ist die Arbeit der heutigen Generation.
- 40:19Evolution statt Revolution.
- 40:21So laut das Credo von Jean-Pierre Bertoli, der heute das Team des Weinguts Biondi Santi
- 40:27leitet.
- 40:28Nachdem erwerbt es Weingutes durch Christopher de Scur im Jahre 2017 und ernennend des neuen
- 40:33Teamleiters und des neuen technischen Direktors, Frederico Radie, wurde der künftige Stil und
- 40:38der Weg vom Biondi Santi noch einmal neu geprüft.
- 40:41Man möchte mit dem Auge der Vergangenheit und dem Kopf der Zukunft arbeiten.
- 40:45Natürlich gelten immer noch traditionelle Methoden, akribische Handlese, lange Meischestandzeit
- 40:50und 36 Monate Fassreife in großer slavonischer Eiche und nach wie vor wird im besonderen
- 40:55guten Jahr der Brunello Reserver produziert.
- 40:58Aus den Trauben der ältesten bis zu 80 Jahre alten Weinberge werden diese besonderen
- 41:03Weine selektiert, die nicht selten ein reife Potenzial von bis 100 Jahre haben.
- 41:07Und erst wenn man diese probiert hat, weiß man, was Brunello ist und sein kann.
- 41:11Daher ein großes Dankeschön für diese besonderen Weine, für diese Weinerlebnisse und für die
- 41:15Unterstützung des heutigen Podcasts.
- 41:17Dem Hause Biondi Santi und dem deutschen Importeur dem Handelshaus Segnetz.
- 41:22Ja, also, wie du es gerade auch schon gesagt hast, also natürlich, wenn wir jetzt ganz
- 41:36klar nach den Richtlinien dieser oder jeden Geiz oder das Giedmischelagehen fallen wir
- 41:41da komplett raus, ja, das stimmt.
- 41:44Aber ich sehe es schon so, dass das ein essentieller und elementarer Grundstein dessen auch ist,
- 41:52was so dieses vollkommene Erlebnis, die vollkommene Darstellung eines Restaurants auch ausmacht.
- 41:58Und dass es da ein Hand in Hand, oder dass es eine Aktion ist oder ein Auftreten, was Hand
- 42:06in Hand geschehen muss.
- 42:07Und das natürlich auch der Wein insbesondere, die Gerichter halt nochmal auf ein ganz anderes
- 42:14Level heben kann.
- 42:15Und das ist einfach, also wenn man heute so hört und ich meine, ich habe auch schon den
- 42:18einen oder anderen Gast oder auch vermeintlichen Tester, wie auch immer oder Redakteur gehört,
- 42:25die erzählen nie immer nur vom Essen oder wie auch immer, sondern natürlich wird auch
- 42:29da immer von den begleitenden Weinen berichtet oder von den schönsten Erlebnissen.
- 42:33Das kann man lesen, das kann man hören.
- 42:35Wenn man sich mit diesen Menschen unterhält, kann man das genau nachvollziehen.
- 42:39Und daher vertrete ich schon auf jeden Fall die Meinung, dass das schon einer der essentiellen
- 42:45Grundsteine ist, auf dem so ein Konstrukt dreimischen Lagersterne aufgebaut ist.
- 42:49Auch wenn wahrscheinlich 95 Prozent aller Küche dann natürlich mir sagen werden, nein, das
- 42:54ist nicht der Fall.
- 42:55Das ist auch vollkommen legitim.
- 42:57Aber auf dieser Ebene, da geht es auch viel um Gefühl, um Emotion, um ein absolut perfektes
- 43:08Konstrukt aus Geschmack, aus Produktqualität, Texturen auf dem Teller.
- 43:14Aber natürlich dann auch einfach die perfekte liquide Anschmiegung im Glas.
- 43:19Und das muss einfach alle stimmen und das ist es dann.
- 43:22Kann man das in Zahlen unterteilen, dass du sagst, die Küche wäre 50, 30, 90 Prozent
- 43:28und der Wein ist das und der Servis das?
- 43:31Ich bin jetzt einige Jahre nicht mehr in der Sektion unterwegs.
- 43:36Deswegen möchte ich beinah sagen, dass ich es mir eigentlich kaum anmaße, aber so natürlich
- 43:41von der gefühlvollen Art und Weise.
- 43:43Inzwischen habe ich Gott sei Dank in diesen Jahren, Gott sei Dank auch einige Male die
- 43:47Chance gehabt, in diversen Restaurants essen zu gehen und sich Erfahrungen auch mal aus
- 43:51der Sicht des Gastes wieder teilen zu können.
- 43:53Würde ich diese Meinung oder diese Sichtweise der Drittelung auch mit unterstreichen?
- 44:00Natürlich klar.
- 44:01Gibt es da nur Anson, die da natürlich wechseln?
- 44:04Aber klar, aus der Sichtweise, das Gast spielt das alles, eine essentielle Rolle.
- 44:09Was wäre es, wenn nur der Teller blind dahingestellt würde, niemand würde diesen Abend betreuen,
- 44:16niemand würde für Getränke oder Ähnliches sorgen.
- 44:18Wenn man das alles auf seine einzelnen Rollen oder seine einzelnen Charaktere aufschlüsselt,
- 44:23ja, steht jedes für sich, aber nur gemeinsam funktioniert.
- 44:26Also nur gemeinsam.
- 44:27Im Gegenteil, also wenn ein Service stört oder richtig massiv stört, dann kann man an
- 44:32dem Essen keine Freude haben oder man kann es gar nicht reinlassen.
- 44:35Wenn ein Service gerade im extremen Fall beleidigend ist oder ein Wein wirklich völlig falsch
- 44:41serviert ist, man ärgert sich darüber, dass man keine Ahnung, 100, 200 Euro bezahlt hat
- 44:45und jetzt ist die Brühe 30 Grad warm.
- 44:47Und ich muss das also der unbewusste Ärger, glaube ich, so gravieren, dass man sich aufs
- 44:53Essen gar nicht einlassen kann im Gegenzug.
- 44:54Wenn ein Teller mal nicht so optimal gelungen ist, kann der Service das wunderbar relativieren
- 45:01durch Worte, durch was auch immer und ist da mehr oder weniger die Feuerwehr, die dafür
- 45:06gerade stehen kann?
- 45:07Ja, absolut.
- 45:08Das unterstreiche ich zu 100 Prozent.
- 45:11Also auch diese Situation, ich sage mal jetzt vom 30 Grad Wein abgesehen, solche Situationen
- 45:16hat man immer mal wieder erlebt, weil natürlich klar in der Sektion von Küche und Restaurants
- 45:22es passieren überall mal Fehler oder wie auch immer, das kann man jetzt hinstellen, wie
- 45:25man möchte, wer da was zu verschulden hatte, da geht es dann nur in der Richtung eigentlich
- 45:29drum, wie bügelten man es aus, wie lässt man es den Gast am besten überhaupt nicht
- 45:34spüren, wie kriegt man es hin, dass der Gast weiterhin kontinuierlich schönes Erlebnis
- 45:38hat.
- 45:39Und da ist der Service in allerersten Maße derjenige oder diejenige, die damit mit
- 45:45viel Fingerspitzengefühl einiges schon mal abwädern kann.
- 45:49Aber wo fehler, hat es du mal ein richtig krasses Erlebnis, also wohl schön als auch
- 45:54vielleicht nicht so schön als Zommelge?
- 45:57Puh.
- 45:58Ja, also schöne Erlebnisse umso mehr oder beziehungsweise sehr viele, das kann man nicht anders sagen.
- 46:07Eines was du richtig geleuchtet hat, wie gesagt.
- 46:09Eines was wirklich geleuchtet hat, das war 2016, das war so etwas was mich maßgeblich
- 46:15beeindruckt hat einfach mit welcher, fangen wir mal ganz vorne an, also wir haben uns
- 46:202016 auf einen längeren Urlaub nach Australien begeben, wo wir auch natürlich so ein bisschen
- 46:25eigentlich schon damals war das Thema Rindl noch gar nicht so wirklich bei uns auf dem
- 46:29Fokus.
- 46:30Wir hatten uns eigentlich in Richtung Australien orientiert und hatten da einen längeren Urlaub
- 46:35eingeplant, um so ein bisschen Scouting zu betreiben, weil wir eigentlich als nächstes
- 46:38nach Australien wollten.
- 46:39Wir hatten schon einen sehr guten Freund aus der Gastronomie, den wir aus dem Tantriskanten,
- 46:43der dort schon fest verwurzelt war und ja, der hat uns da so ein paar Wochen einfach mal
- 46:47in das Australian Gastro-Life eingeführt, was eine wahnsinnig spannende Erfahrung war.
- 46:52Und wir waren an dem Abend ursprünglich zum Essen im Kie, das liegt da direkt am Hafen,
- 46:57ich glaube die haben auch zwei oder mittlerweile drei Sternen oder sowas, also damals glaube
- 47:01ich hatten sie noch zwei.
- 47:02Und wir sind aber zum Apparativ in das Restaurant direkt im Opera House gegangen und oben drüber
- 47:06praktisch, man geht da so das Atrium, die Treppen raufen, dann hat man oben drüber ein Restaurant,
- 47:10ne Bar und die waren wohl auch relativ hoch dekoriert und ich war buff, also allein,
- 47:14ich glaube das war eine Weinkarte mit 20000 Positionen oder sowas.
- 47:17Habe ich überhaupt nicht erwartet so als als erster Kontakt, also davon mal jetzt abgesehen,
- 47:21die Weinkarte so oder so und die natürlich einen, wie es so im insbesondere anglizistischen
- 47:28Raum der Fall ist, ein ganzes Sommelier-Team da irgendwie auf dem Floor und es war ein
- 47:33unglaublich kompetenter, freundlicher und mitreißender junger Mann, also ich schätze
- 47:39mal, dass der Mitte 20 war oder sowas und der holte uns direkt ab.
- 47:45Er wusste ganz genau, die wollen hier gar nicht essen, sondern die wollen einfach nur
- 47:48einen netten Apparro haben mit einer schönen Aussicht und wir machten auch keinen hier
- 47:52daraus, ja wir gehen gleich noch ins Key, ja amazing, ist ja großartig.
- 47:55Was wollt er denn trinken und ja natürlich wollten, oder wir wollten gerne eine schöne
- 48:00Flasche Champagner zufällig, war das auch dann praktisch so die Reise, in der ich mich
- 48:04dann mit meiner Frau verlobt habe, von daher da durfte auch gerne mal ein bisschen tiefer,
- 48:09sag ich mal ins Portfolio gegriffen werden, was die Weinkarte anging und wir hatten dann
- 48:13eine Flasche Agrapa und dazu servierte er uns dann passendes Fingerfood etc. und mit
- 48:19der Eloquenz und auch mit der Selbstsicherheit, obwohl er uns später gesagt hat, ich war
- 48:25noch nie in Europa, ich war noch nie in Frankreich, ich war noch nie in der Champagne, aber mit
- 48:29dieser Selbstsicherheit und das finde ich, das hat die englische Sprache auch nochmal
- 48:32irgendwie ganz anders als die deutsche Sprache hinter sich hat, mit welcher Selbstsicherheit
- 48:37manchmal englischsprachige Sommeljestier oder insbesondere so Weine aus deinen eigenen
- 48:42Heimat landen oder auch aus Regionen, die sie teils wahrscheinlich, wo sie tausende Kilometer
- 48:47von den Fernsehnt vermitteln können, finde ich wahnsinnig beeindruckend und das war ein
- 48:51unglaublich tolles Erlebnis, der Champagner war absolut Wahnsinn, ich kann hier gar nicht
- 48:56mehr mehr sagen, welche Qualität es war, es ist ja auch im Endeffekt einfach wurscht,
- 48:59aber das war einfach ein Moment, wo alles gepasst hat, also jetzt mal davon abgesehen, dass
- 49:04es eine wunderschöne Location war, dieser Typ, der hat eigentlich so den Einstieg in
- 49:10einen Abend gegeben, alles danach war auch super, aber der ist uns allen irgendwie komplett
- 49:15in Erinnerung geblieben.
- 49:16Und wo ist der Erlebnis?
- 49:17Also was hat dich mal richtig geärgert, also was ist dir passiert, wo du sagst, never again?
- 49:24Tja, never again, ich würde mal so behaupten, klar, natürlich die Situation oder die Konfrontation
- 49:35mit Gästen, da gibt es einige Geschichten, die bestimmt nicht sonderlich schön verlaufen
- 49:44sind und wo man sich im Nachhinein bestimmt auch irgendwie gewünscht hätte, dass gewisse
- 49:52Positionen anders verlaufen sind.
- 49:54Eine Situation, die mal für mich, sag ich mal, relativ erschreckend war, weil ich einfach
- 50:02so, das war aber noch in relativ jungen Jahren oder bzw.
- 50:07Ende Anfangsphase meiner gastronomischen Laufbahn, wo ich noch nicht auf der Sommige Seite war,
- 50:13so eine Reizschöpferin unterwegs war, da hatte ich eine Situation in meiner Station,
- 50:17wo ich fünf, sechs Tische praktisch in dem Restaurant abends zu betreuen hatte und hatte
- 50:24da ein Pärchen, die eine ganz normale Flasche Wein bestellt hatten und einfach einen, ich
- 50:29hoffe mal, einen netten Abend einfach haben wollten und alles lief eigentlich relativ
- 50:34unter dem Radar, es war ein superflüssiger Abend etc.
- 50:38Und aus dem, ja wirklich aus dem Affekt raus, ich stand einen Tisch weiter, wurde ich hinter
- 50:45Rücks von diesem Gast angeschrien und zwar auf einer Lautstärke angeschrien, dass das
- 50:52von jetzt auf gleich Totenstille im Restaurant geherrscht hat und ich konnte mit der Situation
- 50:58überhaupt nicht umgehen.
- 50:59Es drehte mich natürlich um, es ging einfach nur darum, dass bei Gott das Glas seiner
- 51:03Frau war alle.
- 51:04Ja, okay, habe ich nicht gesehen bzw. der Komi in der Station war vielleicht gerade nicht
- 51:08da oder der betreuende Sommie war vermutlich auch gerade an einem anderen Tisch und hat
- 51:12vielleicht eine Weinbegleitung moderiert, ich weiß es nicht mehr, aber einfach dieses
- 51:16infantile Brüllen und sich somit die Aufmerksamkeit des ganzen Raumes einfach sichern.
- 51:22Ich habe nicht verstanden, was der Gast damit eigentlich bezwecken wollte, weil sowohl für
- 51:26ihn als auch für seine Begleitung als auch für viele andere Gäste als auch inklusive
- 51:30mich war der Abend danach eigentlich eher gegessen.
- 51:34Aber das war echt ein Erlebnis, das brauchte ich nicht nochmal.
- 51:38Was ich dazu sagen muss, was ich eine wahnsinnig starke Aktion danach fand, war, dass die
- 51:43Restaurantleitung das nicht auf sichert sitzen lassen und direkt auch ins Gespräch mit dem
- 51:48Gast gegangen ist und versucht hat das zu klären bzw. leider war da nicht viel zu klären
- 51:52und daher endete dann der Abend für dieses Pärchen, weil sie sich auch ganz klar nicht
- 51:57irgendwie von ihrem Standpunkt weg bewegt haben, dann etwas früher.
- 52:00Aber das war echt ein, da rollt es mir jetzt noch die Nackenhaare rauf, weil sowas kann
- 52:05ich in keinster Weise nachvollziehen, wie man überhaupt meint sich so auf draußen in
- 52:14Plenum.
- 52:15Ich glaube, da ist es auch egal wie alt du bist mit so einer Situation, da kann man nicht
- 52:18umgehen.
- 52:19Aber ich habe gemeint, dass Sommies zumindest in Deutschland zu jung sind.
- 52:23Also du warst ja auch sehr jung als ein Tantriss warst oder als beim Jahr natürlich warst.
- 52:27Ich finde es persönlich sehr, sehr schade bedauerlich, wenn man die Erfahrung hat,
- 52:32wenn man sowohl die menschliche als auch die Wieno-Fiele Erfahrung hat, gehen viele aus
- 52:36dem Restaurant raus und es gibt kaum Restaurants, wo erfahrene Sommies oder Sommies um die
- 52:4240, 50, 60 Jahre noch tätig sind.
- 52:45Und in meist Restaurants sind die Sommies ja um die, also wie du gerade geschildert hast
- 52:52in Australien mit 20, man kann ja noch gar nicht diese Erfahrung.
- 52:56Man brennt natürlich anders, man glüht anders, man ist anders neugierig, man hat einen anderen
- 53:01Lebensrhythmus, der dann oftmals zu 190 Prozent auf Wein ausgerichtet ist.
- 53:07Aber manchmal finde ich sind die dann doch ein bisschen zu unerfahren zu jung, um eine
- 53:13so große Position.
- 53:14Wie siehst du das?
- 53:15Also auch aus deiner Position, die du damals hattest?
- 53:18Ja, also auch heute, da nehme ich mich auch nicht von aus, wenn ich, wenn ich viele meiner
- 53:24Position oder meiner Aktion dann in den jeweiligen Unternehmen so ein bisschen reflektiere, kann
- 53:31ich heute auch sagen, dass ich an viel entstellen, dass es mir da vielleicht an Reife, an Erfahrung
- 53:37oder wie auch immer an gewissen Punkten bestimmt gemangelt hat.
- 53:39Aber in erster Linie muss man dann natürlich auch so dazusagen, man wird für diese oder
- 53:44jene Position eingestellt und in erster Linie derjenige, der diese Position verleiht und
- 53:48der dich dafür einstellt, der hat dafür dann natürlich auch die Konsequenz zu tragen, dass
- 53:51wenn er dich mit dieser Position betraut, dass da natürlich auch in so jungen Jahren, dass
- 53:56man nicht vollendst geschliffen ist.
- 53:58Aber das Vertrauen in der Richtung ist da auf dem Punkt essentiell und wenn man das
- 54:02Vertrauen nicht ausnutzt, kann daraus auch wirklich ein sehr fruchtbarer Boden für eine
- 54:06langjährige, tolle Partnerschaft oder ein tolles Angestellten Verhältnis zwischen Angestellten
- 54:11und Arbeitgeber entstehen.
- 54:12Aber ja, natürlich, ich glaube, dass das natürlich klar die aktuelle Situation oder
- 54:19was heißt die aktuelle Situation, das ist ja, sage ich mal, inzwischen eigentlich ein
- 54:24leider krankhafter Dauerzustand, das natürlich der Nachwuchs als auch so generell die Struktur
- 54:29des Personellen in der Gastronomie natürlich relativ grobmaschig sind und dass wir da an
- 54:38einigen und enden zu kämpfen haben und dass solche Positionen natürlich halt auch einfach
- 54:42aus Druck inzwischen viel mit sehr jungen Leuten besetzt werden, die zwar natürlich
- 54:49eine wahnsinnige Kompetenz mit sich bringen, die in jungen Jahren schon unglaublich viel
- 54:53probiert, gelernt, gesehen haben, wo aber sage ich mal so die Komponente Mensch oder
- 54:59so, dass die tägliche Routine im Restaurant oder ähnliches zum Beispiel so ein bisschen
- 55:04fehlt.
- 55:05Also was ich häufig so jetzt bisher oder so aus den letzten Jahren sehen konnte, ist
- 55:09halt, dass das zum Beispiel so diese Sektion der jungen Somies oder das viele der jungen
- 55:14Somies eigentlich so diese Paar Jahre des klassischen Services inzwischen skippen und eigentlich
- 55:21nach der Ausbildung meistens schon direkt oder häufig dann in die Position eines Kommies
- 55:25haben wir hier so der Enchen gehen und dass ihnen so ein bisschen natürlich dann der
- 55:29Fokus des eigentlichen Restaurant Mitarbeiter fährt.
- 55:33Also dass man einmal so die klassische Klaviatur, Komi, Demi, Chefdoron auch das ist ja inzwischen
- 55:37leider alles so ein bisschen eingestampft, aber dass man so wirklich einmal die klassische
- 55:41Struktur im Servicewesen oder vielleicht auch sogar selber nochmal so ein bisschen
- 55:45Serviceleitung gehabt hat, um halt einfach auch diese Ecke natürlich so ein bisschen
- 55:48abzudecken und nachzuvollziehen, weil inzwischen natürlich auch hier diese Positionen von
- 55:54Somie und Restaurantleiter häufig ineinander greifen müssen in vielen Unternehmen.
- 55:59Viele teilen sich diese Aufgabenfelder oder müssen sie auch gar beide bedienen und das
- 56:04macht die Sache nicht immer einfacher, aber es sorgt auch einfach für ein bisschen mehr
- 56:07Selbstsicherheit, wenn man natürlich auch den Service so ein bisschen in der Richtung
- 56:10lenken kann.
- 56:11Wenn man zu jung ist, fehlt einem noch so ein wenig die Kunst der Gelassenheit.
- 56:14Also einfach auch sein zu lassen, Geschmack sein lassen zu können oder Anzeigen.
- 56:18Ansichten oder eben auch die Betrachtungsweise oder die Erfahrung auch der Gäste.
- 56:22Also man möchte dann oftmals revolutionieren oder missionieren oder auch jemand anders,
- 56:27seine gerade neu gewonnene Überzeugung zum Besten geben oder überstülpen.
- 56:33Das finde ich immer so ein bisschen bedauerlich.
- 56:37Hat dich jemand geprägt?
- 56:38Also hattest du ein Vorbild oder jemand, der dich in dem Wein gebracht hat?
- 56:41Und ja Vorbilder, ich glaube, da gab es eine ganze Menge.
- 56:46Ich habe oder beziehungsweise glaube, dass ich das Glück hatte, mit vielen ziemlich coolen
- 56:52Typen und Typinnen arbeiten zu dürfen.
- 56:54Und wenn ich das so alles so ein bisschen nach hinten raus im Bisee, natürlich klar,
- 57:00die erste Station, die dir ja auch allerbestens bekannt ist, nach der Ausbildung der Schlossvater
- 57:05Lärmach, das war schon der heilige Gral.
- 57:08Also muss man ganz klar sagen und das war schon wirklich eine ehrfürchtige Demut, die ich
- 57:13damals hatte.
- 57:14Sowohl Herrn Müller als auch natürlich Niel Zänke gegenüber, Monsieur Thoman, der da
- 57:20mit einer unglaublichen Präsenz und Aura auf der Serviceseite geherrscht hat, in Anführungsstrichen
- 57:27Thomas Sommer damals mit seinem kongenialen Companion Peter Müller, die damals da das
- 57:34Weinprogramm betreut haben.
- 57:36Also das waren schon starke Charaktere, die auch glaube ich auf vielen Ebenen bei mir
- 57:42so ihre Spuren hinterlassen haben.
- 57:44Aber das war eigentlich eher erst mal so nach der Ausbildung auch so das Rüstzeug, was
- 57:48man damit auf den Weg bekommen hat.
- 57:50Also insbesondere dann im Kontext zur nächsten Station der MS Europa war das dann hingegen
- 57:54mal wieder ein vollkommenes Kontrastprogramm.
- 57:56Aber ich bin letztens erst über meinen alten Restaurantordner gestoßen, wo ich noch so
- 58:01die ganzen Menu Briefings von früher abgäftet habe etc.
- 58:05Und hab da bestimmt eine Dreiviertelstunde oder sowas drin geblättert und mich erinnert.
- 58:11Also sehr, sehr spannende Zeiten und auch auf der Küchenseite wäre da, wenn ich mir die
- 58:17Postenaufteilungen von damals im Schlosseteer Lerbach angucke und gucke, wer von den Jungs
- 58:21heutzutage oder den Mädels einen Stern gekocht hat oder auch mehr, ja da wusste man schon
- 58:27ganz genau, was das für eine Kadaschmiede da hinten gewesen ist.
- 58:30Also unglaublich beeindruckend.
- 58:32Aber ja, also, tja, dann kam die Zeit nach dem Schiff mit Justin im Tantris, wo ich praktisch
- 58:41als linke Schreckstrecke oder auch beider Hand angestellt war, um so ein bisschen da
- 58:47im Hintergrund zu agieren, der mich dann weintechnisch wieder in ein vollkommen anderes Fahrwasser
- 58:55gestoßen hat.
- 58:56Und da ging eigentlich die Lernerei wieder von vorne los.
- 58:59Es war wieder ein vollkommener Wechsel des Fokuses und des Blickwinkels auf das Thema
- 59:05Wein und auch natürlich der Markt dort vor Ort in München war einfach was ganz anderes.
- 59:09Aber das waren jetzt alles natürlich Weinpersönlichkeiten, natürlich sage ich mal auch solche Persönlichkeiten
- 59:15wie Hans Haas oder generell die Eigentümer Fritz Eichbauer, der einfach ein unglaublicher
- 59:21Charakter ist, den ich geliebt habe zu bedienen, weil es einfach ein ganz, ganz toller, ein
- 59:29ganz, ganz toller Mensch war, ein unglaublich gütiger Charakter, aber mit so viel Erfahrung
- 59:35und so einer Weitsicht, also wirklich ganz, ganz tolle und beeindruckende Leute.
- 59:42Also das waren schon wirklich tolle Zeiten.
- 59:45Hast du jemand geprägt?
- 59:47Also bist du wissentlich Vorbild für jemand?
- 59:50Ich glaube so.
- 59:52Zumindest wüsste ich es nicht.
- 59:54Also ich maße mir nicht an zu sagen, dass ich irgendjemanden maßgeblich geprägt habe
- 59:58oder ähnliches.
- 59:59Ich freue mich immer oder erwische mich gerne dabei, wenn ich mal frühere Kolleginnen
- 1:00:04oder Kollegen dann in ihren jetzigen Positionen, Restaurant oder wo auch immer sie jetzt arbeiten,
- 1:00:09dabei erwische wenn ich so gewisse Floskeln oder gewisse, gewisse Äußerungen oder ähnliches
- 1:00:13sehe, wo ich so ein bisschen für mich weiß, aha, ja, das hast du doch mal vor einigen
- 1:00:18Jahren irgendwie verlauten lassen oder das könnte vielleicht ein Stück weit von dir
- 1:00:21kommen.
- 1:00:22Da freue ich mich dann insgeheim, aber ich glaube nicht, dass es da in der Richtung
- 1:00:29jemanden gibt, den ich so derart gradlinig und langfristig geprägt habe.
- 1:00:35Möchte ich jetzt mal...
- 1:00:36Jetzt warst du ja in einigen sehr exponierten Lokalen und hast bestimmt ohne Frage mit
- 1:00:42die teuersten oder exklusivsten Weine der Welt probieren dürfen.
- 1:00:48Gibs für dich Grenzen nach oben.
- 1:00:50Also wo du sagst, das ist völlig unrealistisch vom Wert oder sowas würde ich mir niemals
- 1:00:57leisten kaufen.
- 1:00:58Wirtschaftliche Möglichkeiten mal einfach außen vorgenommen, sondern also wo hört bei dir
- 1:01:03die Grenze, weil wir ja vorhin das nach unten hatten, wo hört die Grenze nach oben auf
- 1:01:07oder gibt es da keine Grenze?
- 1:01:09Doch, es gibt natürlich schon auch eine Grenze.
- 1:01:11Ich weiß ganz genau, wie viel Geld ich potenziell, auch wenn meine Frau da jetzt wahrscheinlich
- 1:01:18die Augenbrauern sonst wohin ziehen würde.
- 1:01:21Also ich weiß natürlich auch, meine Grenzen in Sachen Wein klar abzumessen und habe da
- 1:01:28auch eine innere Grenze, die natürlich schon auch von einer gewissen Emotion vom Abend,
- 1:01:34von Atmosphäre auch vom Anlass natürlich geprägt ist.
- 1:01:36Also ich sag mal natürlich klar, ich habe auch schon vier Ställe gesungen für Wein ausgegeben,
- 1:01:44aber also dass es fünfstellig würde, dass das steht für mich in keinster Weise zur
- 1:01:50Debatte und da muss es auch schon wirklich etwas sein, worauf ich mich lange eingeschossen
- 1:01:55habe bzw. wo ich sage, dass das bringt mir auch was.
- 1:01:58Also ich würde niemals derartig viel Geld für eine Flasche Wein ausgeben, nur weil
- 1:02:03sie gerade da ist oder ähnlich ist.
- 1:02:05Also insbesondere die besonders kostspieligen Tropfen etc.
- 1:02:08Aber da sehe ich auch einen gewissen Lernzweck oder bzw. eine gewisse Fortbildung für mich,
- 1:02:14auch wenn es dann natürlich eine besonders schöne Fortbildung ist, wenn man in diesem
- 1:02:16oder jedem Restaurant sitzt und sich so eine Flasche bestellen darf.
- 1:02:20Aber ich sage mal so, das sind jetzt auch Dinge, die kann ich an einer Hand erzählen, dass
- 1:02:24das mal passiert ist.
- 1:02:25Und wenn dann ist es auch meistens eher so, dass ich das schon lange im Vorfeld eigentlich
- 1:02:30ausgelotet habe, um dann genau aus diesem Grund auch dahin zu gehen, auch um diese Flasche
- 1:02:35zu probieren.
- 1:02:36Inzwischen mit ein bisschen Erfahrung, auch so was das Weinkartenstrukturthema und natürlich
- 1:02:41auch das Thema Kalkulation angeht, weiß ja jeder, sage ich mal, der so ein paar Jahre
- 1:02:45in der Szenerie unterwegs ist, auch genau welche verhältnismäßige oder auch teils
- 1:02:51unverschämte Kalkulation auf diesem oder jedem Wein auf manchen Weinkarten stehen.
- 1:02:55Und ich sage mal, also daher ist man da auch natürlich ein bisschen sensibilisiert und
- 1:02:59vorsichtig.
- 1:03:00Eine Frage, die uns Gäste ja ganz, ganz gerne stellen, ist der Wein, wenn er dann ein paar
- 1:03:05Nullen hinten anhat, ist er das Wert?
- 1:03:07Tja, ist er das Wert?
- 1:03:10Das hat ja dann in der Linie auch immer noch mal mit vielen, mit vielen Faktoren zu tun,
- 1:03:15die sich außerhalb der Flasche einfach bewegen.
- 1:03:17Zum einen die Menge der Flasche, wo es herkommt.
- 1:03:20Die Größe des Weingartens, die Erträge des Jahrgangs, was für ein Winzer es ist,
- 1:03:26also das sind natürlich viele Punkte, natürlich dann auch mit Reifenweinen, wie viele Flaschen
- 1:03:31gibt es davon noch auf der Welt etc.
- 1:03:33Das ist vergleichbar mit gemälden Oldtimern wie auch immer.
- 1:03:39Da gilt es halt auch ab einem gewissen Level einfach natürlich klar, die Frage nach dem
- 1:03:44noch bestehenden Angebot und der Nachfrage.
- 1:03:46Und da hat es meist gar nicht so wirklich was damit zu tun, dass der jeweilige Gastronom
- 1:03:51oder Somie oder wie auch immer sich jetzt noch, also jetzt mal dahin gestellt, noch großartig
- 1:03:57an dieser Flasche mit dem Verkauf bereichert, sondern das einfach auch schon hohe Waren-Einsätze
- 1:04:02dafür nötig waren, um überhaupt an diese Flasche zu kommen.
- 1:04:06Also das sind gewisse Punkte, auf die kommt es natürlich dann einfach an.
- 1:04:10Aber was zeichnet so ein Wein aus, wenn er den 5 Nullen hinten an hat oder 4 Nullen?
- 1:04:15Also geschmacklich oder von der Gustaturik oder von der Ausdruckskraft oder kann man das
- 1:04:22irgendwie beschreiben in Worte kleiden, kann man das irgendwie darstellen, kann man das
- 1:04:26irgendwie ein Gast vermitteln, der vielleicht nicht ganz so erfahren ist mit dieser Art von
- 1:04:31Wein?
- 1:04:32Natürlich bietet dieser oder jene Wein auf einer gewissen Ebene ein geschmackliches,
- 1:04:40als auch natürlich emotionales Erlebnis, was diese, was Wein auf anderem Segment oder
- 1:04:49mit 2 Nullen weniger dran wahrscheinlich nicht in der Tiefe bringen können.
- 1:04:52Aber es ist natürlich auch immer die Frage der Einschätzung und auch einfach der Nachvollziehbarkeit
- 1:04:58für den Gast.
- 1:04:59Ich habe häufig natürlich auch einfach gestern erlebt, die sich die Weine einfach bestellt
- 1:05:03haben, weil sie verdammt nochmal leider so viel Geld kosten.
- 1:05:07Und zwar den Verhältnismäßig eigentlich relativ egal, wenn dann eine Flasche, was weiß
- 1:05:12ich, Screaming Eagle für was weiß ich, 10, 12.000 Euro, ja, dann wird die bestellt und
- 1:05:17dann wird die aber runtergetrunken innerhalb von ungefähr 45 Minuten, als wäre es der
- 1:05:22nächste Basiskabernee.
- 1:05:23Also das ist schon, es kommt halt immer ganz aufs Verhältnis an.
- 1:05:27Es hat natürlich auch immer oder leider auch immer so ein bisschen was klar mit dem Thema
- 1:05:32Profilierung da manchmal auch zu tun.
- 1:05:34Also ich muss persönlich so aus dem eigenen Erfahrungsschat sagen, dass es leider wenige
- 1:05:40Gäste gab, die sich dann, wenn sie derartige Flaschen bestellt haben, wirklich auch dann
- 1:05:44tief und nachhaltig mit dem Produkt auseinandergesetzt haben.
- 1:05:51Sondern da war es eher eigentlich so, dass diese Weine bestellt wurden.
- 1:05:54Es wurde in großer, in kleiner Runde bestellt oder ähnliches.
- 1:05:56Und man hat die Flasche sorgsam geöffnet, hat sich natürlich selber als Sommelier ein
- 1:06:02Bein ausgerissen und gefreut, dass das so eine Flasche da an den Tisch geht.
- 1:06:06Aber so wirklich dann auch der nachhaltige oder der fortlaufende Austausch über die
- 1:06:12Struktur, über den Geschmack des Weines etc.
- 1:06:14Das hat bei diesen wirklich hochkarätigen Flaschen aus meiner Erfahrung bisher leider
- 1:06:19relativ selten stattgefunden.
- 1:06:20Berührt dich das?
- 1:06:21Also tut ihr es dann weh oder sagst du dann, ich bin Dienstleister und bringe die Flasche
- 1:06:26als Tähne?
- 1:06:27Innerlich tut es mir dann natürlich schon weh, weil ich in dem Moment am liebsten eigentlich
- 1:06:33mit der halben Welt meine Emotionen teilen würde, was solche Weine angeht.
- 1:06:37Also da würde ich am liebsten einmal der gesamten Küche plus dem gesamten Service einen kleinen
- 1:06:41Schluck abgeben wollen.
- 1:06:42Das wäre eigentlich so die Quintessenz des Ganzen.
- 1:06:46Aber natürlich klar, wenn der Gast kein Interesse an diesen Geschichten hat, dann trete
- 1:06:53dich da natürlich zurück und lass ihn einfach den Abend genießen.
- 1:06:57Bin dankbar dafür, dass er die Flasche bestellt hat und freue mich oder hoffe, dass er dann
- 1:07:01einfach trotzdem einen schönen Abend hat und ich denke das wird er auch, weil nicht jeder
- 1:07:04möchte sich ja auch unbedingt der Weinsözerei von mir aussetzen.
- 1:07:09Gibt es also weiterführende Grenzen nach unten?
- 1:07:13Also würdest du irgendwas mit Wein gar nicht tun?
- 1:07:15Irgendwas mit Wein gar nicht tun.
- 1:07:19Mischgetränk oder Wein, keine Ahnung, Mutant als Glühwein servieren oder siehst du dich
- 1:07:28da selber dann als Dienstleister und versuchst eine optimale Situation dort zu liefern?
- 1:07:34Also ich sag mal in Mischung mit gewissen Basisweinen etc. habe ich es natürlich auch schon erlebt,
- 1:07:42dass da was, was sich eine Limonade oder ein Saft zu bestellt wird und dass daraus ein,
- 1:07:47ein anfangs, ein gottloses Mischgetränk gemacht wird.
- 1:07:50Aber ja, dann versuche ich es so ein bisschen aus zweiter Reihe und stelle dann das Glas
- 1:07:57hin und stelle dann von mir aus die kleine Flasche Limonade oder die Karaffe mit dem
- 1:07:59Saft annehmen und sag bitte schön, dann können sie sich nach eigenem Ermessen und eigenem
- 1:08:05Verhältnis praktisch mischen und genießen.
- 1:08:08Aber du bist auch nicht der Eiswürfelverweigerer, der dann sagt nein, nicht in meinem Haus?
- 1:08:14Bei hochklassigen Weinen habe ich bisher dieses Erlebnis Gott sei Dank noch nicht gehabt,
- 1:08:19also so diesen Graus von wegen der Mutant auf Eis oder wie auch immer, das ist mir bisher
- 1:08:23erspart geblieben mit einfachen Weinen und so weiter.
- 1:08:27Das passiert häufig aber bei uns, auch insbesondere im Sommer, aber ja, also der Gast hat das
- 1:08:32Produkt gekauft und somit wie er damit umgeht, ist mir dann in dieser Linie nicht gleich,
- 1:08:41aber ich maße es mir dann nicht an, darüber dann auch noch zu urteilen oder den Gast zu
- 1:08:45beleeren.
- 1:08:46Ich glaube, das ist auch wesentlich unfortschrittlicher für das weitere Verhältnis während des Abends
- 1:08:53ist und von daher sage ich mal, ja, wir stellen es daneben, wir reichen auch gerne Eiswürfel,
- 1:08:59wenn das gewünscht ist.
- 1:09:01Gott sei Dank kommt es nicht so häufig vor, dadurch dass wir unsere Weine über Zeit an
- 1:09:04gedeckte Masse gut temperieren und von daher sage ich mal, ist das eher so eine separate
- 1:09:11Thematik.
- 1:09:12Spannend hingegen finde ich es eher, wenn Gäste den Wein als zu kalt empfinden.
- 1:09:18Das finde ich immer besonders spannend.
- 1:09:20Also wir lagern unsere Weine jetzt nicht auf Eis direkt so, dass sie kurz vor dem Gefrierpunkt
- 1:09:26stehen, sondern bei ganz normalen humanen Temperaturen, aber auch das ist häufig mit
- 1:09:32persönlichen Befindlichkeiten verbunden, natürlich dann einfach ein Thema, was dann auch ziemlich
- 1:09:37schnell zu einem unangenehmen Mundgefühl führen kann, wenn was weiß ich, der eiskalte Wein
- 1:09:43natürlich direkt auf die Zahnhälse geht.
- 1:09:44Und was ich da so hier in der Anfangszeit erlebt habe und was ich dann auch einmal
- 1:09:51oder beziehungsweise wohnachig gefragt wurde, was ich dann aber Gott sei Dank nicht erfüllen
- 1:09:54konnte, war ein Tauchsieder, den man normalerweise früher so für insbesondere die betagteren
- 1:10:01Gäste hatte, um das Bier auf eine passende Temperatur zu...
- 1:10:04Die Bierwärme, genau.
- 1:10:05Ja, genau, genau.
- 1:10:06Da wurde ich noch so etwas für den Wein gefragt.
- 1:10:08Da habe ich gesagt, tut mir leid, das haben wir leider nicht im Angebot, aber das wäre
- 1:10:11auch etwas gewesen, wo ich glaube ich dann doch mal Einhalt geboten hätte.
- 1:10:16Du hast vorhin davon berichtet, dass du die eine oder andere Flasche im Restaurant schon
- 1:10:20genossen hast.
- 1:10:22Findest du, ein Restaurant ist der bessere Ort für Wein oder gab es bei euch Ansätze,
- 1:10:28so wie gesagt, so möchten wir unseren Laden Weinaffin gestalten?
- 1:10:33Also worauf muss man achten, damit ein Wein sich optimal präsentiert?
- 1:10:36Es waren jetzt drei Fragen in einer.
- 1:10:38Oh, das kriegen wir hin.
- 1:10:41Also fangen wir doch einfach mal ganz von vorne an.
- 1:10:44Wir sind 2016/2017 praktisch hier in Rinteln gestartet und sind hier in einem vollkommen
- 1:10:52enttackten Kosmos geraten.
- 1:10:53Es war ja nicht so, dass weder Rinteln auf uns gewartet hat oder das Hotel statt Kassel
- 1:10:57auf uns gewartet hat, sondern es war so, es war eine gut geöltte Maschine, die gelaufen
- 1:11:07ist und die natürlich auch ihre Daseinsberechtigung hatten.
- 1:11:10Aber natürlich, wenn dann die junge Generation oder die nachfolgende Generation von meiner
- 1:11:14Frau die Ansage kommt, du musst jetzt nach Hause kommen, wir brauchen dich, stellt man
- 1:11:21sich natürlich dann auch die Frage, okay, was machen wir jetzt?
- 1:11:25Wie geht es weiter?
- 1:11:26Und wie strukturieren wir das so, dass wir damit auch, sag ich mal, so im Fokus des Ultimums,
- 1:11:33dass wir damit unser Leben lang glücklich sind?
- 1:11:35Und dadurch, dass wir natürlich auch in der Vergangenheit schon häufig hier in Rinteln
- 1:11:40an Feiertagen etc. ausgeholfen haben, etc., waren wir natürlich auch einigermaßen vertraut
- 1:11:46mit der Gästesschaft, dem Klientel und natürlich dem Level.
- 1:11:51Das hatte natürlich nicht ansatzweise etwas mit der Art von Gastronomie zu tun, mit der
- 1:11:56Julia und ich unsere Brötchen verdient haben, war aber auch ja nie gefragt oder ähnliches
- 1:12:01und es stand bis durch den relativ schnellen komplexen Fall des Juryas Großvater, der hier
- 1:12:08als Gründer des Hauses noch eine sehr essenzielle Rolle mit Ende 60 Anfang 70 hier besessen
- 1:12:14hat, leider sehr spontan verstorben ist und damit einfach die Lücke im Familienbetrieb
- 1:12:18gefehlt und diese natürlich direkt gefüllt werden musste.
- 1:12:20Und tja, dann sind wir hier wie gesagt gestartet und ja, am Anfang waren wir hier und haben
- 1:12:26uns erstmal versucht, versucht wohlgemerkt, nahtlos erstmal in dieses Gefüge so ein
- 1:12:33bisschen mit Einzug ledern und überhaupt zu schauen, okay, wer sind die Gäste, wo wollen
- 1:12:38wir denn dahin, wie können wir denn das, was wir so eigentlich auf unserem bisherigen
- 1:12:43Lebensweg so gelernt und aufgenommen haben, was können wir hier mit einbringen, aber natürlich
- 1:12:47haben wir uns auch schon direkt zu Anfang angesagt, okay, wir kommen jetzt hierhin,
- 1:12:50das wird wahrscheinlich die Final Destination werden, wir müssen das so gestalten, dass
- 1:12:55die glücklichsten Menschen in allererster Linie diejenigen sind, die hier tagtäglich
- 1:12:58morgens die Bude aufsperren und abends abschließen und das sind du und ich.
- 1:13:02Und von daher war das natürlich auch schon ein sehr wichtiger Aspekt, mit dem wir uns
- 1:13:08auseinandergesetzt haben, aber natürlich musste man erstmal wie es so schön heißt,
- 1:13:13Analyse betreiben und tja, der gemeine Niedersachse oder der Schaumburger oder Rindchener oder
- 1:13:21wie auch immer man das nennen möchte, der hat jetzt nicht unbedingt auf den nächsten
- 1:13:27High End Summer hier aus München oder die Top Service Queen aus dem Tantris von Juhjah
- 1:13:34von Juhjah Seiten aus gewartet, sondern potenziell gesehen wurde bei uns erstmal oder wurde
- 1:13:39uns erstmal klar auch durch die Blume gesagt, also ihr lasst doch alles so wie es ist, ne.
- 1:13:44Und ja, es war auch spannend zu sehen mit welchem unglaublichen Eifer und welcher unglaublichen
- 1:13:51Selbstverständlichkeit, das auch gesehen wurde, dass das eigentlich hier so eine Art Rindchener
- 1:13:55Kulturgut ist und wir da auf gar keinen Fall auch nur ansatzweise das Recht haben etwas
- 1:13:58dran zu ändern.
- 1:13:59Und von daher waren das die ersten Jahre insbesondere erstmal hartes Fersengeld und
- 1:14:07man musste erstmal gucken, wie man hier eigentlich sich so einbringt und findet, insbesondere
- 1:14:13natürlich auch einfach, weil es unser Tagesablauf hatte jetzt nichts mehr damit zu tun, dass
- 1:14:18man Weinbestände checkt, Einkäufe prüft, Tagesinventuren durchführt oder den Service
- 1:14:23auf irgendwelche neuen Weinbegleitungen einschwört, sondern das war ja auf einmal ein vollkommen
- 1:14:27anderes Aufgabenspektrum und mit dem musste man sich natürlich dann auch erstmal konfrontieren,
- 1:14:32die personelle Aspekte ohne jetzt ausschweffen zu wollen, die natürlich auch ein riesiges
- 1:14:38Gewicht in der Tagesplanung war, zu dem dann natürlich auch mit dem gesamten Hotel etc.
- 1:14:43Das war eine andere Challenge.
- 1:14:45Aber wir haben dann ziemlich schnell begrippen, dass wir oder für uns auch entschieden, dass
- 1:14:50wir natürlich auch irgendwie so ein bisschen unsere Vergangenheit hier in dem Betrieb fest
- 1:14:54mit integrieren wollen und ein paar Punkte, die wir in den vielen Jahren in der Topgastronomie
- 1:15:00so mitgenommen haben, hier natürlich auch fest mit Eingliedern wollen, sodass so ein
- 1:15:04Stückchen aus unserer Vergangenheit auch immer hier in dem Betrieb mit weiter lebt.
- 1:15:08Es ist ein Familienbetrieb, es ist alles privat, von daher ist dann natürlich auch die Sache
- 1:15:14gut, wie finanziert man den Bums und dadurch, dass hier keine Geldgeber oder ähnliches
- 1:15:18irgendwie mit bei sind, sondern wir alles praktisch erstmal selbst erwirtschaften müssen,
- 1:15:21bevor wir es ausgeben, wie das ganz normal in den Wirtschaftsunternehmen ist, ging es
- 1:15:25dann erstmal darum, ja klar, man kann jetzt nicht direkt im ersten Jahr ein neues Restaurant,
- 1:15:29ein Weinkeller oder wie auch immer halt alles irgendwie bauen, sondern man muss sich langsam
- 1:15:33daran führen.
- 1:15:34Und so war das ein schleichender Prozess über, ja jetzt mittlerweile etwas mehr als 6,5,
- 1:15:407 Jahre.
- 1:15:41Wir haben vor zwei Jahren dann den großen Wurf praktisch zum Ende der Pandemie dann gewagt
- 1:15:46und dann Küche und Restaurant und Gesamtkonzeption des Hotels einmal umgestellt.
- 1:15:50Und das war eigentlich so der Schlüsselpunkt oder beziehungsweise dann auch der Punkt,
- 1:15:55in dem wir dann final für uns dann auch selber dann gesehen haben, okay, mit dem Auftreten,
- 1:16:01mit der Stilistik und mit diesem Antlitz können wir dann auch jetzt genau das darstellen,
- 1:16:07was wir uns eigentlich immer erträumt haben.
- 1:16:09Vorher sagt ...
- 1:16:10... auch umgebaut, oh, Entschuldigung, bitte, bitte ...
- 1:16:12... auch umgebaut, ja.
- 1:16:13Und gab es da Ansätze, wo du sagst, so sollte der Raum sein, damit man den Wein möglichst
- 1:16:18optimal präsentieren kann oder der Wein möglichst ideal zur Geltung kommt?
- 1:16:22Absolut.
- 1:16:23Also wir haben ... das war ja auch erst mal eine Thematik, woher sollte ich als Sommelier
- 1:16:27und Julia als Service Angestellte wissen, wie baut man so was überhaupt oder wie entwickelt
- 1:16:31man so etwas?
- 1:16:32Und wir haben uns erstmal taktisch mit der kleinsten Location, die wir hatten, unserem
- 1:16:37Clubraum damals dann 2016 auseinandergesetzt und haben da dann ein Architektenbüro beauftragt,
- 1:16:45Entwürfe zu erstellen und erst mal überhaupt so ein bisschen zu gucken.
- 1:16:47Wir haben so ein paar Schlagworte und ein paar Meetings gehabt von wegen ... da wollen
- 1:16:52wir hin, das sind unsere Wurzeln, das ist uns wichtig und daraus wurde dann so eine Gesamtkonzeption
- 1:16:57entwickelt, auf welcher Linie wir dann in den Folgejahren praktisch auch die weitere
- 1:17:03gastronomische Einrichtung und Planung dann eigentlich weiter draufgesetzt haben.
- 1:17:07Und das war so der erste Schnittpunkt, woran man sich auch so ein bisschen erst mal versuchen
- 1:17:11konnte, wie gehe ich mit der Verteilung verschiedener Gewerke um Angebotseinholung, was möchte
- 1:17:17ich eigentlich wirklich, wie lange dauert das, wie arbeitet man im Zeitplan, wie vermittelt
- 1:17:21man zwischen den Gewerken etc. Also das war, das ist ja immer noch etwas, wo ich auch
- 1:17:27bei jedem neuen Projekt immer noch enorm dran lerne und das war sehr gut und das war echt
- 1:17:35wichtig, dass es erst mal nur so ein kleineres Objekt war, worum man sich so ein bisschen
- 1:17:39erst mal auch die Hörner abstoßen konnte, weil natürlich klar, wir sind alle nur Menschen
- 1:17:44und es sind in den Anfangstagen bestimmt auch jede Menge Fehler passiert, viele Entscheidungen,
- 1:17:49die man heute vielleicht anders tragen würde, aber ja so ist das halt, wenn man als junge
- 1:17:54Generation dann in einen neuen Laden kommt bzw. wenn man sich das Ganze aufschultert
- 1:17:59und dann auf einmal selber trägt. Und ich bin ja sehr dankbar, dass das Team insbesondere
- 1:18:05so toll mitgezogen hat, dass wir hier von Seiten der Mitarbeiter her wirklich wärmstens
- 1:18:10aufgenommen wurden, die Juya ja teils schon von Kindesbeinen aufherkanten und das war
- 1:18:15schon wichtig, insbesondere natürlich auch klar, was eigentlich ein viel größerer Part
- 1:18:19war, das sind meine Schwiegereltern, die hier wirklich direkt ab dem ersten Tag gesagt haben,
- 1:18:24ja ihr seid jetzt da, okay alles klar, dann legt mal los. Natürlich haben die uns erst
- 1:18:30mal am Anfang auch ein bisschen noch mit angeleitet bzw. haben so gesehen, okay da
- 1:18:34und da liegen ihre Stärken, da müssen wir gar nichts mehr machen bzw. da gucken wir,
- 1:18:39dass wir da noch ein bisschen den Daumen drauf haben, aber man muss natürlich auch so sagen,
- 1:18:43das ist echt ein unglaublicher Schatz gewesen, dass wir überhaupt in so einen gut strukturierten
- 1:18:50und natürlich auch monetär wirklich sehr gut aufgestellten Betrieb einfach einsteigen
- 1:18:55durften, sodass wir überhaupt erst mal die Möglichkeit hatten, auch uns Gedanken zu
- 1:18:59machen, wie wir eine neue Konzeption aufstellen, wie wir den Betrieb voranbringen wollen oder
- 1:19:04ähnliches, weil ich sage mal in vielerlei Fällen ist es ja erst mal die Sache, okay
- 1:19:08wir haben ein brachliegendes Unternehmen oder eine brachliegende Immobilie, ja ihr habt
- 1:19:13zwar eine starke Ausbildung, aber das Kapital fehlt, dann macht doch mal und das ist das,
- 1:19:17woran viele Existenzen scheitern bzw. wo es halt einfach natürlich dann die Balance
- 1:19:23zwischen Vorstellungen und Ansprüchen der neuen Konzeption und dann natürlich aber auch dem,
- 1:19:29was im Endeffekt pro Monat reinkommt und was man wirklich im Endeffekt zur Verfügung hat,
- 1:19:32dass es häufig daran scheitert und da muss ich bis heute echt sagen, dass meine Schwiegereltern
- 1:19:37uns da ein wahrlich gemachtes Bett hinterlassen haben und ohne diese Unterstützung und natürlich
- 1:19:46auch das Vertrauen, dass wir dann hier einfach schalten und walten durften, insbesondere ich
- 1:19:49mit dir, mit meiner ganzen Weinerei und hier aus dem Nichts, da muss man echt einen großen Dank
- 1:19:56oder muss man sehr dankbar für sein. Und vor der Raumgestaltung, hast du da dem Wein im Hinterkopf
- 1:20:02gehabt, dass du sagst, die Wände müssen grün sein oder es muss möglichst Licht auf ihn sein,
- 1:20:07oder gab es da irgendwelche Ansätze? Also ich möchte darauf hinaus, was ist so ein perfekter
- 1:20:11Ort für Wein? Ja, also wir haben... Du kannst die bei dir umsetzen. Genau, also das fing dann
- 1:20:16auch relativ schnell an oder bzw. auch schon direkt in der ersten Konzeption des Raumes,
- 1:20:19genau, also dass wir auch schon angefangen haben, das begann bei uns auf einer viel
- 1:20:25basischeren Ebene, nämlich zum Beispiel, dass man erst mal überhaupt für das Tisch-Setup begonnen
- 1:20:28hat, auch fest ein Wasser und ein Weinglas einzudecken. Das gab es bei uns früher nicht,
- 1:20:32sondern da lief eine klassische weiße Tischdecke mit einer servierte und Hauptgangbestecke lag
- 1:20:38darum und das war es und es war alles ein bisschen schwerer natürlich auch vom Interior her. Und
- 1:20:43wir haben natürlich dann erstmal auch versucht auf dezentem Wege natürlich auch das Thema Wein
- 1:20:47ein bisschen mehr zu vermitteln mit vielen sowohl passend illuminierten als auch natürlich passend
- 1:20:54da passenden Darstellungen sowohl für Weine, für Flaschen, ein passendes Layout für eine
- 1:21:00Weinkarte, aber natürlich auch einfach, dass man Deko-Elemente aus Glas, aus Kork oder wie auch
- 1:21:07immer natürlich hatte, die so ein bisschen dahingetrieben haben. Ich bin jetzt nicht so der
- 1:21:12große Fan, auch wenn ich es eigentlich teils viel zu inflationär durchführe von diesen
- 1:21:16endlosen Lehrgut-Ausstellungen, die es in manchen Restaurants oder in manchen Läden gibt,
- 1:21:20insbesondere so im traditionelleren Segment, wo dann irgendwie was ist, ich 500 Flaschen oder so
- 1:21:25was da irgendwie rumstehen, die da getrunken wurden. Ich freue mich immer so was zu sehen,
- 1:21:28aber natürlich klar, es gibt da auch irgendwie eine Grenze, die mir da auch meine Frau dann
- 1:21:32irgendwann mal aufgezeigt hat. Natürlich steht bei uns auch eine ganze Menge rum, aber man kann es
- 1:21:36halt auch ein bisschen netter in Szene setzen und insbesondere zum Beispiel beim Umbau des
- 1:21:42Restaurants dann, als wir ein gesamtes Treppenhaus zum Beispiel abgänzen mussten, da haben wir zum
- 1:21:47Beispiel einen Raum-Trenner entworfen, ein großes Goldregal, wo die Tischlerei dann wirklich so
- 1:21:53richtig schöne Nischen reingesetzt hat, wo man dann die einzelnen Flaschen, die wirklich was
- 1:21:56Besonderes waren oder auch Großflaschen zum Beispiel, schön in Szene setzen kann, so dass es nicht
- 1:22:01irgendwie nur nach Altglas-Sammlungen aussieht, sondern auch in wirklich dekorativen und Augen,
- 1:22:06Augen und so eine kleine Augenweide einfach ist. Das ist wirklich schön und da gucken jetzt unsere
- 1:22:11Gäste heutzutage immer aus dem Restaurant mit drauf und es hat auch gleichzeitig natürlich so ein
- 1:22:15gewissen Sichtschutz für die Hotelgäste, die nach oben in Richtung der Etagen gehen etc. Das ist,
- 1:22:21finde ich, eine ganz, ganz tolle Lösung damals vom Architekten gewesen, dass man so was damit
- 1:22:25einbringt. Also doch, da haben wir auch einen großen Stellenwert beigemessen, dass das natürlich
- 1:22:31auch dieses Thema Wein mit in die gastronomische Entwicklung und natürlich auch ins Konzept
- 1:22:37reinkommt. War Musikenthema für Wein? Also habt ihr bei der Musikauswahl, bei der Beschallung
- 1:22:42darauf geachtet, dass das irgendwie Weinaffin ist oder war das ja Sieg und der ist einfach nur
- 1:22:46Wohlführadmossphäre, weil dann führt man Wein? Also was das Thema Musik angeht,
- 1:22:54dadurch dass wir relativ hohe Decken haben und dieses, dieser Fachwerk-Architektur bei uns,
- 1:22:59es sind massive Mauern, alles aus diesem roten Sandstein natürlich gefertigt. Die schlucken
- 1:23:05schon eine ganze Menge an Schall und auch an Akustik. Also deswegen haben wir uns bei der
- 1:23:10Background-Musik schon auch natürlich dafür entschieden, dass die Musik eine gewisse Struktur
- 1:23:18haben muss. Es sind eher längere Tracks, die wir bei uns durchlaufen haben. Dadurch,
- 1:23:22dass wir wie gesagt hier natürlich auch eine relativ große Fläche zu Bescheiden haben,
- 1:23:28möchte ich jetzt nicht, dass es da irgendwie alle zwei, drei Minuten irgendwie ein Trackwechsel gibt
- 1:23:32oder ähnliches. Und sowohl selber habe ich da so ein bisschen was zusammengeschustert,
- 1:23:37wobei ich sagen muss, die selbstdesignten Playlisten hört das Personal lieber und unsere Gäste
- 1:23:43oder bzw. wenn die Gäste es hören, die hören gerne lieber so diejenigen, die uns der Architekt
- 1:23:46damals im Freund hat. Aber Wein hat da kein Thema gespielt, da war ich bei der Auswahl.
- 1:23:52Oder findest du, Wein und Musik ist kompatibel in irgendeiner Form? Wein und Musik ist unglaublich
- 1:23:57kompatibel und ich höre unglaublich gerne auch Musik zum Wein trinken etc. oder habe da viele
- 1:24:03Verbindungen mit, da auch gerne wieder auf einen meiner früheren Lehrherren den Just-N-T
- 1:24:07irgendwie so ein bisschen natürlich zurückführen, der ja da sage ich mal so eine kleine Chorifee,
- 1:24:10was das Ganze ist an und auch darstellt. Das hat unglaublich viele Verbindungen, das möchte
- 1:24:18ich auch gar nicht irgendwie auf eine Thematik oder auf eine Genre Richtung irgendwie reduzieren,
- 1:24:24sondern das kann auf vielerlei Ebenen in der Richtung passen. Also ob es jetzt klassische
- 1:24:29Musik ist, ob es Rock, Punk, Metal wie auch immer ist, das kann auf verschiedensten Ebenen
- 1:24:35wahrgenommen werden. Es gibt einfach wirklich tolle Künstler und Interpreten und tolle Tracks,
- 1:24:40zu denen einfach unglaublich gut auch Wein passt. Also einer der da wirklich ein unglaubliches
- 1:24:48Gefühl für hatte und da ärgere ich mich bis heute drüber, dass ich damals nicht irgendwie
- 1:24:52die Chance gehabt habe mir davor meine Kopie zu ziehen. Der Peter Müller, der ja sowieso auch
- 1:24:57schon immer eine sehr gefühlvolle und eine sehr sehr eigene Art und Weise hatte, so dass das Thema
- 1:25:03Wein einfach auch zu behandeln, der hatte auch immer einen sehr erlesenen Musikgeschmack bzw. hatte
- 1:25:08immer eine Peter war immer so derjenige, der kam mit Platten und CDs um die Ecke, die irgendwie von
- 1:25:14denen noch keiner was gehört hatte, aber wenn man dann reingehört hatte, dachte ich immer okay,
- 1:25:18meine Güte, das ist ja fantastisch und der hat sich persönlich immer so als heimlicher DJ in
- 1:25:22Lehrbach eigentlich so ein bisschen auch betätigt und hatte dann von Monsieur Thoman auch die
- 1:25:28Erlaubnis praktisch dann im Background die passenden CDs da in einem drei-Sterne-Restaurant
- 1:25:33laufen zu lassen, also schon schon eine Challenge und das waren glaube ich die Playlists, die ich
- 1:25:38bisher für mich am am fantastischsten empfunden habe. Das war das war eine unglaubliche Background
- 1:25:43Atmosphäre, das waren tolle Künstler, das war einfach mit so viel Feingefühl für die Stimmung
- 1:25:49des Abendservice und die Atmosphäre einfach austariert, also da muss ich ihm bis heute echt
- 1:25:53mal in höchsten Respekt zäulen und da denke ich gerne daran zurück an diese tollen Tracks,
- 1:25:56muss ich ihm mal irgendwann demnächst darauf ansprechen, ob er die noch hat, fällt mir gerade so ein.
- 1:26:00Gibt es ein Instrument, was Wein reflektiert? Ja, also ich glaube so von der Tiefe und der
- 1:26:09Vielfältigkeit kommen da eigentlich so zwei, zwei Instrumente eigentlich für mich in Frage,
- 1:26:16so in der Richtung eigentlich auch nur nicht, dass ich sie selber spielen könnte, da fehlt es mir
- 1:26:22leider an Enthusiasmus und in der Jugend auch wenn der Rest meiner Familie, insbesondere mein Vater,
- 1:26:30sehr musikalisch ist, irgendwie haben die Sniegeschaft mich da in Richtung des Notenlesens oder
- 1:26:35ähnlichem dazu begeistern, schade drum eigentlich heute, aber leider fehlt mir dann natürlich auch
- 1:26:39die Zeit, ich glaube wenn ich irgendwann mal Zeit hätte, würde ich gerne doch nochmal irgendwie
- 1:26:42vielleicht nicht mit so was auseinandersetzen, mal gucken, aber kommen wir drum, also zum Beispiel in
- 1:26:47der Vergangenheit hatte ich tolle Erlebnisse mit Künstlern, die einfach jetzt ohne, das
- 1:26:56ist namenhafte Künstler waren, aber wirklich tolle, tolle Musiker, die zum Beispiel mit der
- 1:27:02Geige oder auch einem Klavier unglaubliche Performance im Restaurant, ob es jetzt ein
- 1:27:06besondere Anlass, ein Dänänen, Geburtstag oder wie auch immer, weil wir hingelegt haben und
- 1:27:12dass insbesondere diese zwei Instrumente haben eine fesselnde Atmosphäre, wie ich finde,
- 1:27:18dass es viele andere Instrumente ist, nicht können, insbesondere auch einfach von der Tiefe,
- 1:27:24wie diese Instrumente einfach bespielt werden können und einfach auch Einfluss nehmen durch den
- 1:27:29jenigen, der sie spielt, da finde ich kann man schon viele Parallelen zum Wein ziehen und ich
- 1:27:35finde, dass das matcht sich schon sehr, da ist es gar nicht mal wichtig ob weiß, ob rot, ob schaumwein
- 1:27:40wie auch immer, also das ist schon echt wichtig. Auf zum Roten? Auf zum Roten, a tagge. Sanjo Bese am
- 1:27:49Mittag vertreibt Kummer und Sorgen oder wie geht der Reim? Reimt sich doch. Bist du eigentlich mehr
- 1:27:58Rotwein oder Weißweintrinker? Ich muss persönlich sagen, dass ich schon mehr Weißweintrinker bin,
- 1:28:03aber es hat eigentlich damit zu tun, dass ich, das hat auch viel mit der Präferenz meiner Frau
- 1:28:07zu tun, die wirklich eher weniger mit Rotwein umgehen kann, außer es ist begund, aber das ist
- 1:28:14reiner, reinergustatorischer Faktor, wohlgemerkt, aber es ist wirklich so, dass das bei uns in der
- 1:28:22kalten Jahreszeit schon mehr Rotwein natürlich, aber das überwiegend Weißwein getrunken wird,
- 1:28:26ja, schon. Also meistens so, wenn man so über den Abend darstellt, ja, was für sich, wenn man zu
- 1:28:32vierte, sind es dann zwei oder drei Flaschen Weißwein und eventuell eine Flasche oder zwei
- 1:28:39Flaschen Rotwein, eventuell. Darf ich ganz kurz mal das Telefon einmal nehmen? Entschuldige,
- 1:28:45das ist relativ wichtig. Sibinichi, guten Tag. Danke für den Rückruf. Ich bin dummerweise gerade
- 1:28:54im Meeting durfte ich nach halben Stunden eventuell zurückrufen. Oder wollen Sie es noch mal? Genau.
- 1:29:01Ja, super, ich habe das Telefon an, Mann. Entschuldigung, Dankeschön. Tschüss. Entschuldigung,
- 1:29:11das war ein Arzt. Kein Interesse. Alles gut. Sorry. Nein, alles gut. So, das ist... Ich finde,
- 1:29:19den, den ich für uns ausgesucht habe, ist so einer der Weine, die allgegenwärtig sind,
- 1:29:25aber dann trotzdem immer wieder überraschend. Es ist für mich eins der Häuser, ich weiß nicht,
- 1:29:32kennst du es oder? Ist ja ja, doch. Potorinäle Pubile? Ja, das kenne ich. Ja, ist eines, was mich
- 1:29:39eigentlich so mein gesamtes Sommelierleben begleitet hat, dann hatte ich damals im Leerbach
- 1:29:44schon auf der Karte und was ich bei diesem Haus einfach total mag. Und deswegen dachte ich,
- 1:29:51passt der jetzt ganz gut, weil er auf der einen Seite greifbar ist, verständlich,
- 1:29:55oder die Weine greifbar und verständlich sind, auf der anderen Seite in verschiedenen
- 1:30:00Segmenten sehr außergewöhnliche Qualitäten. Ich hatte ganz früher immer auf die Rhein-Morellino
- 1:30:06bzw. den Morellino Scanzano Risotto und den auch im Bankgedriggerecht durchgeschleudert,
- 1:30:12weil auf der einen Seite jeder damit glücklich, auf der anderen Seite bietet der Wein was und
- 1:30:18dem Pocce Valente, den 2020er, die finde ich total spannend. Also so wie auch so als High-End-Variante
- 1:30:24von Morellino, wird ja kaum richtig intensiv gelebt, diese eigentlich Spielartisanjouvésis.
- 1:30:30Also ich war auch gerade dabei zu überlegen, wo ich zuletzt das Etiquette oder wo ich so,
- 1:30:35und ich meinte genau, im Bankedbereich von Althoff irgendwie, da ist mir das häufiger mal begegnet.
- 1:30:40Und genau, da meine ich nämlich, dass das auch mir in Lehrmacherzeiten mal über den Weg
- 1:30:45gelaufen ist bzw. im Bayerischen Hof hatten wir das auch bei uns natürlich mit im Bankedprogramm
- 1:30:51drin und das war immer schon eine sehr sichere Bank.
- 1:30:55Und zum Pocce Valente habe ich eigentlich erst später gefunden, also erstmal stolpert man natürlich
- 1:31:01So den mehr oder weniger kultweiten des Weingutes. Die Geschichte ist eigentlich auch recht interessant.
- 1:31:07Also das finde ich ja bei Weingütern im Allgemeinen so reizvoll.
- 1:31:10Das sind nahezu hinter jedem Wein irgendeine Geschichte.
- 1:31:13So danach hinter jedem teilweise Weinberg oder dann eben auch wenn man sich mit nicht-deutschen Weinen beschäftigt
- 1:31:21und sich mit den Namen beschäftigt, dass da eine Geschichte hintersteckt und eben auch so bei dem Pochivalente.
- 1:31:26Das finde ich sehr außergewöhnlich. Also es ist ein Weinberg, der ist oberhalb von Saferidi.
- 1:31:31Der Reimt Morelino, bestockt. Den gibt es glaube ich jetzt seit 28 Jahren.
- 1:31:37Und es ist für mich ein Wein, der, also wo man sich wunderbar daran abarbeiten kann,
- 1:31:44der sich aber nicht zu aristokratisch oder zu old-styleig präsentiert, sondern schon zu diesem extrem südlichen Style
- 1:31:52der Toskana wahnsinnig, wahnsinnig intensiv lebt und simpel für die Marama ist.
- 1:31:57Ja, also so diese, habe ich auch bei anderen Produzenten, was weiß ich, als Beispiel Ampelea,
- 1:32:07die zwar in einer anderen Stilistik unterwegs sind, aber so diese klimatische Veränderung,
- 1:32:12die du dort in der Küstenregion halt insbesondere hast, da kriegen die Weine irgendwie nochmal so eine etwas kühlere Tiefe mit sich.
- 1:32:19Ich finde, dass es wahnsinnig komplex hat, aber trotzdem einen wunderschönen, runden, kühlen Trinkfluss nach hinten raus.
- 1:32:26Es ist wahnsinnig animierend, aber mit ordentlich Druck dahinter.
- 1:32:32Da sind richtig Muskeln dahinter, was der Wein angeht. Also ich meine 15-Volumenprozent davon mal ganz ab.
- 1:32:38Aber es ist ein wunderbar Runderwein mit einer wirklich ganz, ganz feinen, ganz, ganz samtigen Tanninstruktur.
- 1:32:48Ich habe es einfach gesehen, dass kaum spürbar für mich.
- 1:32:51Also ich finde es wunderbar fein.
- 1:32:53Das ist ein sehr, sehr schönes Tröpfchen.
- 1:32:58Also gefällt mir gerade wirklich schön sehr dicht vom Auftreten her, aber überhaupt nicht verwirrend oder überhaupt nicht fordernd,
- 1:33:08sondern erschmied sich einfach nahtlos an den Gaumen an und es ist unglaublich anregend, also wirklich ganz, ganz toll und balanceert.
- 1:33:15Vor allen Dingen über eine längere Zeit.
- 1:33:18Also ich habe den Vorgästen aufgemacht, um einfach eben auch so diese Entwicklungsfähigkeit zu, oder die Entwicklungszeit zu geben,
- 1:33:25dass er langsam aufblühen kann, was ja oftmals richtig schade und fatal im Restaurant ist, dass die Weine ganz selten die Zeit bekommen,
- 1:33:33zu blühen oder in irgendeiner Form zu präsentieren oder aufzugehen.
- 1:33:39Und ich finde bei so einem Wein, wenn man die Zeit hat, ihn aufzumachen, dann muss man ihm auch nicht den Sauerstoffschock mit der Karaffe geben.
- 1:33:46Karafierst du eigentlich gerne?
- 1:33:48Ich karafiere sehr gerne, ja. Also nicht alles und auch nicht jeden, sondern gezielt, aber ich arbeite sehr gerne mit Karaffen und auch mit Dekantan.
- 1:33:58Ist aber manchmal ganz erstaunlich, wie es die Weine gravierend verändert.
- 1:34:03Ich weiß nicht, ob man dem da mehr nimmt oder mehr schenkt.
- 1:34:06Da bin ich immer so hin und her gerissen.
- 1:34:07Das ist immer so die Gefühlssache, genau.
- 1:34:09Also ich frage auch eigentlich immer die Gäste, oder ich frage die Gäste immer, ob ich dies tun soll.
- 1:34:15Bei manchen Beinen ist es halt auch immer einfach die Frage, ob es das wirklich versinnbildlicht, was man damit initiieren will.
- 1:34:23Aber bei uns überwiegend natürlich klar geht schon eine ganze Menge an deutschen Weisweine, insbesondere Riesling, Chardonnay etc.
- 1:34:33Und ich sage mal, wenn so jetzt aktuell so viel zwischen 18 bis 21 bei uns bestellt und da bin ich immer ein großer Fan davon, das nochmal kurz zu belüften,
- 1:34:43dass es einfach ein bisschen mehr auf Touren kommt.
- 1:34:47*Klopfen*
- 1:34:51Es sind die berufskindlichen Momente, die einen Zommelie oder auch jeden Wein, die Papa enorm prägen.
- 1:35:09Das erste Mal Wein im Keller riechen, das erste Mal von einem Fass verkosten.
- 1:35:12Und diese Momente hatte ich beim Weingut Graf von Neiberg.
- 1:35:15Und jedes Mal, wenn ich Graf von Neiberg höre, habe ich so ein kleines Tränchen im Auge.
- 1:35:19Denn es war das erste Weingut, was ich 1997 besuchen durfte. Daher ist Graf von Neiberg für mich Geschichte.
- 1:35:24Und by the way ist die Geschichte der Graf von Neiberg nicht nur in Bezug auf Wein enorm.
- 1:35:29Carl Eugen, Graf von Neiberg und Philipp Erbgraf zu Neiberg führen heute gemeinsam die Geschicke des Hauses Neiberg
- 1:35:35und setzen somit dessen lange Geschichte fort.
- 1:35:38Im Geschlecht der Grafen von Neiberg, das dem fränkischen Uradel entstammt und dessen Geschichte bis zurück ins Hochmittelalter zurück reicht, verbinden sich auf engste Weise politische Verantwortung und Landesverbundenheit.
- 1:35:49Insbesondere der Wein, dessen Anbau die Grafen Neiberg bereits im 13. Jahrhundert auf ihrem Besitzung betrieben, ist aus ihrer Geschichte nicht wegzudenken.
- 1:35:58Und apropos Geschichte, selten findet man einen so geschichtsträchtigen Weinkeller wie beim Weingut Graf von Neiberg.
- 1:36:03Bereits 1702 entstand in Schweigern über den Gräben einer Mitte altlichen Burg ein neues Schloss, in dessen tiefen Gewölbekellern den einzigen Burggräben die Familie seit vielen Generationen ihre Weine infessern aus heimischer Eiche ausbaut.
- 1:36:18300 Jahre.
- 1:36:19Und Neibergs Laden, herzlich gerne jeden interessierten ein, dieses weigenschichtliche Denkmal einmal zu besichtigen und die Geschichte um die Familie und den besonderen Wein zu lauschen.
- 1:36:28Und natürlich auch um diese weiter zu tragen und damit die Gäste zu informieren und natürlich auch zu unterhalten.
- 1:36:33Hier Sommys sind ja auch Geschichten Erzähler.
- 1:36:35So wird den Grafen Neiberg auch nachgesagt, im 18. Jahrhundert den nun für die Region so typischen Lemberger nach Württemberg gebracht zu haben.
- 1:36:43Wenn die Familie Neiberg schon den Blaufränk ist oder wie man hierzulande sagt Lemberger nach Württemberg gebracht hat, sollten wir heute auch exemplarisch einen Lemberger hervorheben und präsentieren.
- 1:36:53Und ich dachte dabei an den 2016er Schweigerner Rute Großes Gewächs.
- 1:36:57Warum die Schweigerner Rute?
- 1:36:58Sie ist neben dem Neibergers Schlossberg und dem Klingenberger Schlossberg eine der drei Monopolagen des Weingutes.
- 1:37:04Und Monopolage heißt eine Lage, wenn ein Winzer diese im Alleinbesitz hat.
- 1:37:08Das hat den ganz großen Vorteil aber auch die Verantwortung, dass man dafür allein verantwortlich ist, wie die Weintrinker diese Lage empfinden.
- 1:37:14Also so wie dieser Wein von diesem Winzer schmeckt.
- 1:37:18So schmeckt er alleine nicht aus dieser Lage.
- 1:37:20Man hat das Monopol für den Geschmack, aber damit eben wie gesagt auch die Verantwortung.
- 1:37:24Der Weinberg ist etwa 1 Kilometer von der Burg entfernt.
- 1:37:27Und am Südhang des Heuchebergs liegt die Schweigerner Rute.
- 1:37:31Sie entstand aus einer Rodung in steiler Hanglage in den ersten Jahren des 14. Jahrhunderts.
- 1:37:36Auf Kolperboden wachsen dieser Lage die 6,5 Hektar im Fass, spätbegunter Rieslinge und Merlot und natürlich auch der Lemberger.
- 1:37:44Die Rebe wird aufgrund ähnlicher Weinaromen, auch als Pinot Noir des Ostens bezeichnet.
- 1:37:49Und deshalb vermutete man relativ lang eine Elternschaft von Pinot.
- 1:37:53Doch gemäß der im Jahre 2016 erfolgten DNA-Analyse handelt es sich um eine vermutliche natürliche Kreuzung zwischen
- 1:38:00man dachte blaue Zimmertrebe, was mittlerweile wiederlegt wurde und dem Gays blanc, der ist auch überall drin,
- 1:38:06ein typischer Lemberger hat eine feinsäuerliche, etanienbetonte Geschmackscharakteristik mit robinroter Farbe und unfassbar vielfältigen Aromen.
- 1:38:14Die sind oft nach Kirsche, nach Brombeeren, nach Kräutern und gelegentlich auch nach Minzeduften und natürlich nach viel, viel mehr.
- 1:38:21Wie in unserem Fall. Den in der Nase hat man typisch diese Bernaromatik, eine leichte Kirsche, was hartflorales,
- 1:38:27erdige Töne, lethrige Noten, ganz viel Würze, ein Hauch von Pfeifentabak, Feuersteine, feine Frucht und am Gaumen Kraft, Struktur, Tiefen,
- 1:38:36wunderbaren Nachhalt, der wahrscheinlich aus der Maischigerung von Hand mit anschließender 16-monatiger Lagerung in neuen gebrauchten Barikfässern herrührt.
- 1:38:43Ein imposanter Wein. Nicht zuletzt deshalb hat er den zweiten Platz beim Wien im Rotweimpreis 2019 in der Kategorie Lemberger belegt
- 1:38:51und sagenhafte 95,5 Punkte beim Falschstoff bekommen. Solche besonderen Weine haben ein enormes Lagerungspotenzial
- 1:38:58und große Weine zeigen erst mit einem entsprechenden Reif ihr Potenzial, ihre Besonderheit, ihre Klasse, ihre Größe.
- 1:39:04Nur leider ist es enorm selten, reife Weine zu bekommen, weder im Handel noch in der Gastronomie.
- 1:39:09Daher wurde bei Nightbacks als zusätzliche, nicht unerhebliche Dienstleistung ein eigener Reifekehle eingerichtet.
- 1:39:15Zeitgemäßer geht es kaum. Nichts ist für einen Wind so schöner, als wenn man seinen Spitzengewächs im optimalen Trinkfenster präsentieren kann.
- 1:39:22Und deshalb legt man hier in Schweigern und seit einiger Zeit getiert ein Teil der Weine zurück, um ihnen die Flaschenreife und der idealen Bedingung zu ermöglichen,
- 1:39:31damit sie so ihr gesamtes und komplettes Potenzial entfalten können.
- 1:39:35Diese Weine kommen dann zeitversetzt auf dem Markt. Und das passiert natürlich bei den Lagenweinen der Spätbogunder und der Lembergertraube,
- 1:39:41aber auch, und das macht das Ganze so besonders, bei den Ortsweinen.
- 1:39:45Denn auch diese haben das Potenzial, eine ganz eigene Aromcharakteristik durch Reife herauszubilden.
- 1:39:50Und das wird bei Nightback gepflegt. Und darum präsentiere ich heute ganz bewusst einen reifen,
- 1:39:55nein, ein optimal gereiften 2016er Lemberger aus der Schweigener Route vom Weingut Graf von Nightberg.
- 1:40:02Vielen Dank für diese Idee. Vielen Dank für die tollen Weine.
- 1:40:05Und vielen Dank auch für die Unterstützung unseres Podcastprojekts.
- 1:40:08Und noch ein ganz großes Dankeschön dem Handelshaus Schlumberger, dem Handelspartner in Deutschland.
- 1:40:13Und dann eher rote Weißwein?
- 1:40:25Eher Weißwein bei den Roten. Also zum Beispiel, da ist es für mich auch wieder eine Stilfrage.
- 1:40:33Also zum Beispiel, wenn wir jetzt nach Baden gehen, einen Spätbogunder von Julian Huber dekantiere ich ungerner als etwas, was Friedrich Keller macht.
- 1:40:42Das hat aber einfach, glaube ich, auch so ein bisschen natürlich mit der Herangehensweise an den Wein zu tun.
- 1:40:46Friedrich arbeitet ein bisschen progressiver, dadurch, dass er auch ja teils mit den Rappen arbeitet, insbesondere hier beim Schlossberg macht er das insbesondere so ein bisschen.
- 1:40:59Aber da möchte ich mich jetzt auch nicht in die Feinheiten vertiefen, bevor ich da ähnlich wie mit der Terroirtechnik an der nahe jetzt mal wieder zu einem falschen Stake mit mir aussetze.
- 1:41:08Aber ich habe immer das Gefühl zum Beispiel, dass das Weine von Friedrich die brauchen immer, die brauchen immer richtig Luft.
- 1:41:14Das ist am Anfang eher wirklich sehr verschlossen, sehr kark und auch die Fruchtstruktur der Weine bei ihm.
- 1:41:22Das hält sich am Anfang eher wirklich sehr zurück, wohingegen Huber ja immer schon sehr wolllustig, sehr einladend und delikat eigentlich auch schon direkt aus der Flasche daherkommt.
- 1:41:32Und dass er auch teils, insbesondere wenn es ein bisschen reifer ist, dann schon teils so eine so oxidative, eisenhaltige Nummer dann nach hinten rausbekommt, weshalb ich dabei Huber enorm vorsichtig geworden bin.
- 1:41:44Nur so ein kleiner Eindruck meinerseits.
- 1:41:48Also in der Restaurantlinie arbeiten wir jetzt mit Riedel. Wir haben in der Zeit, als wir umgebaut haben, da waren wir auch glaube ich jetzt einer der ersten Läden in Deutschland, die das dann in der großen Serie mitbekommen haben.
- 1:42:06Da ging es um die Einführung dieser Velocce Serie, die so ein bisschen feinfühliger ist, aber trotzdem Maschinen gearbeitet, aber wirklich ein, finde ich, absolut fantastisches Glas ist, insbesondere das Riesling-Glas, was bei uns so das Standard-Glas praktisch ist.
- 1:42:20Da ging es auch damals natürlich darum, dass wir eine Gläser-Serie gesucht haben, die sich natürlich auch verehlen lässt, sowohl mit der Thematik Eichung als auch, dass wir unsere Gläser mit dem eigenen neuen Logo des Restaurants und Hotels versehen haben.
- 1:42:31Da war dann die Auswahl auch schon wieder ein bisschen begrenzt. Und da haben wir uns an dieser Serie herangetraut und dadurch, dass ich sowieso aus der Vergangenheit immer schon gute Beziehungen zu dem Haus hatte und wir viele, viele Jahre toll von denen unterstützt wurden, war das eigentlich dann, sobald wir diese Serie einmal durchgetestet hatten, auch klar gesettelt, dass wir da, sage ich mal, uns auf vier Gläser geeinigt, die wir hier fürs Restaurant nehmen.
- 1:42:59Wir haben das Riesling-Glas praktisch als Basis, die auch für den normalen Tisch-Setup mit draufstehen. Wir haben das Chardonnay-Glas "Bugund und Bodo". Und das ist, sage ich mal, so das, was eigentlich für die klassische Klaviertour wunderbar ausreicht.
- 1:43:15Sie sind auch nicht zu ausladend. Es gibt natürlich auch Glasserien, die die Kälche haben, wo du was weiß ich mal, eben schnell beinahe eine halbe oder eine ganze Flasche Wein drin versenken kannst. Da, sage ich mal, da ist es häufig auch zu viel Discooten.
- 1:43:29Natürlich ist das dann eher so der komplette Gegensatz dessen, was man eigentlich bezwecken möchte, aber das ist wirklich eine Serie, die mir sehr, sehr gut gefällt, aus der ich sehr, sehr gerne trinke und die sich auch einfach haptisch und optisch wirklich wunderbar so ins Restaurant einfach mit eingefügt hat.
- 1:43:45Natürlich, klar, also ich bin da so ein bisschen auch fetischist, was das angeht. Also ich habe ein unglaubliches Fable für Glaswaren etc. Hab da auch viel Freude dran, wirklich tolle Gläser zu sehen etc.
- 1:43:57Natürlich sind auch Saitos bei uns mit dabei. Also wir haben auch einen guten Stock an Saito-Glesern, weil natürlich zum Beispiel zu den, zuerst das reiferen, großen Gewächsen zum Beispiel finde ich, dass Saito Bordoglas ist da schon auf jeden Fall auch immer eine sehr, sehr gute Idee bzw. bringt da manche Weine einfach nochmal ein bisschen mehr außer Reserve und für mich ist es einfach immer so, dass einfach ein essenzielles Werkzeug und das sorgt schon immer auch einfach für viel, viel Spaß am Tisch.
- 1:44:25Unsere Gäste häufig die fragen dann natürlich auch gerne nach, wieso dieses Glas, wieso jenes Glas und so weiter und das macht Spaß einfach, die Leute da so ein bisschen auch mit spielen zu lassen und mal zu zeigen, okay hier, wenn sie es mal aus dem Glas probieren, ist das gleich direkt auf einer anderen Ebene als wenn sie es so probieren.
- 1:44:41Ist sie auch privat die Gläser, die ihr im Laden habt oder habt ihr da andere Gläser? Privat sind wir hier oben bei uns auch sowohl Riedel als auch Saito. Also das haben wir auch so bunt gemischt. Also ich sag mal, ich bin da, ich bin ja jetzt nicht festgefahren oder ähnliches. Ich hab auch Spaß dran, also wir kriegen hier auch mal hier mal da, natürlich wurden wir zum Beispiel auch hier von diesen, wie heißt die Marke nochmal vom Joachim Christe, die Josefin, die Josefin heute genau.
- 1:45:10Also da haben wir natürlich auch mal Testgläser bekommen und da gibt es ja auch viele Kollegen, die da sehr drauf schwören und das finde ich zum Beispiel, ist ein sehr, sehr spannendes Verkostungsklas in der Richtung.
- 1:45:19Da probiere ich auch immer mal gerne was draus, beziehungsweise wenn ich hier oben zum Beispiel die Zeit habe, mich mal irgendwie mit einem Wein auseinander zu setzen, dann verwende ich da auch mal verschiedene Gläser für, aber so rundum, sage ich mal, ist Riedelwe Lodzsche schon bei uns eigentlich State of the Art und da sind wir auch sehr zufrieden mit.
- 1:45:37Was brauchst du sonst zum Wiedervielen arbeiten? Also was ist für dich essentiell? Weintools oder add ons, womit du am liebsten antierst?
- 1:45:47Ein gutes funktionierendes Canermesser ist da natürlich sage ich mal so, dass das Maß aller Dinge. Inzwischen gibt es da ja eine inflationäre Art von Interpretationen.
- 1:45:57Also wenn ich da irgendwie manchmal sehe, man bekommt ja auch manchmal gewisse Geschichten geschenkt, also zum Beispiel Canermesser ohne diesen Zwischenarm zum Beispiel, da gibt es ja auch, was weiß ich hier, Lagiäu oder wie auch immer, die haben ja auch nicht diesen Zwischenarm dabei und dann gibt man so viel Geld für so ein Canermesser aus und dann ist das aber sage ich mal nur bis zu einem gewissen Punkt eigentlich beim Öffnen der Flasche wirklich hilfreich.
- 1:46:18Also von daher klar, das Canermesser ist das A und O. Persönlich so klar Dropstop und insbesondere natürlich die Vakuumpumpe für den offenen Ausschank oder generell also die Vakuumpumpe auch für den Beinen im Privat gebrochen.
- 1:46:33Das ist ja jetzt nicht so, dass man jede Flasche, die man öffnet, auch direkt immer leert, also das sind schon essentielle Tools und die finde ich auch relativ sinnvoll.
- 1:46:43Also Sachen, die man überhaupt nicht braucht zum Beispiel sind diese Ausschankhilfen, also nicht den Dropstop. Das ist eine super Sache insbesondere, wenn man etwas älteren Korken oder Ähnliches hat oder da noch Reststände sind, ich kann ja jetzt nicht mit dem großen Finger da wirklich tief in eine Flaschenheiz reingehen.
- 1:47:00Aber das ist ganz gut, um das zu überbrücken, aber was ich auch immer häufiger so in privaten Küchen sehe, sind diese Ausschankhilfen, also nach oben, so nach oben gehende Trichter, die man dann irgendwie so da draufstopft und dann kriegt man das irgendwie, wenn man irgendwo zu Gast ist, in die Hand gerückt, schenkt man aus und dann macht man sich selber total zum Affen, weil die Dinger undicht sind oder nicht richtig in den Flaschenheiz passen und dann richtet man selber mehr Sauerei an, als man eigentlich wirklich damit bezwecken möchte
- 1:47:28und dann kostet sowas am Ende noch so viel Geld. Also, nee, braucht man nicht.
- 1:47:33Glaubst bei dir mal eine Wein-Speisenkombination, wo du absolut sprachlos warst?
- 1:47:45Zwei Sachen fallen mit rein. Zum einen einfach ein Erlebnis, was ich so in Sachen Wein-Speisenkombinationen probieren durfte, was ich zu dem Zeitpunkt einfach noch nicht so wirklich einordnen konnte oder wirklich so auf dieser Ebene wahrgenommen hatte.
- 1:48:07Das war, ich kann es nicht mehr ganz zusammenbringen, aber das war in Lehrbach damals dann schon unter Nils Henkels Zeiten, war es eine Kombination, ich glaube, es war eine Giado-Ausstatt, das war mit Gurke, Dill, also es war eher eine kalte Vorspeise.
- 1:48:27Und dazu hat der Thomas Sommer damals von der Domaine Roche-Neuve L'Ence Solide. Ich meine es war L'Ence Solide, das ist so einer der aus dem unteren Mittelfedd stammenden Weine von der Domaine Roche-Neuve, die inzwischen auch deutlich bekannter geworden sind.
- 1:48:45Damals waren die absolute Underdogs und das war für mich ein Match, das habe ich, das ist eine Begleitung, das habe ich noch nie so probiert. Wir haben nur einen kleinen Schluck im Meeting praktisch mal dazu probieren können, als Herr Henkel das Gericht vorgestellt hat.
- 1:48:59Aber das ist mir maßgeblich und ich liebe diesen Wein bis heute, insbesondere wenn es ums Thema aus dem geht, dass es eine unglaublich passende und so gefühlvoll ausgewählte Kombination gewesen.
- 1:49:11Also da kann ich bis heute dann denken, das ist schon Jahre her, aber ich habe das Gericht noch genau vor Augen und das war einfach fantastisch.
- 1:49:19Auf einer etwas, sag ich mal epischeren Ebene, wo es dann einfach natürlich auch darum gibt, wenn du die Möglichkeit hast, dann kann man es natürlich auch machen.
- 1:49:28Das war Justin im Tantris, als wir eine Käseinterpretation oder einen BA, also es ging um Comté, den hat Hans Haas da praktisch aber auch bearbeitet und hat auch so ein Muster rausgebastelt.
- 1:49:41Das war jetzt nicht in seine Urform und dazu einen ganz alten, ich meine es war 67, 67, Collé de Laceron in der Weinbegleitung von Nicolas Jolie.
- 1:49:51Das war schon sehr beeindruckend.
- 1:49:54Es kann mir interessanterweise gar nicht vorstellen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass beides miteinander passt.
- 1:50:00Da ist es manchmal so diese Überraschung, dass wenn man es dann irgendwie matcht, dass das, weil so Shannon Blanc auf der einen Seite, Comté auf der anderen Seite sind für mich zwei total konträre Sachen, aber interessant und spannend.
- 1:50:10Wahrscheinlich ist es die Frage der Zubereitung, warum die dann umzunehmen.
- 1:50:13Genau, genau, richtig. Also ich glaube, da hat die Textur und natürlich auch die Zubereitung schon eine essentielle Rolle gespielt und das war wirklich sehr prägend.
- 1:50:22Also da habe ich für mich auch das erste Mal den Haken gesetzt, du musst reife Weine für die Weinbegleitung eigentlich viel mehr in deinen Fokus nehmen.
- 1:50:31Das war eigentlich eher so dieser Star Wars Moment viel zu lernen, du noch hast. Also das war wirklich unglaublich.
- 1:50:40Und da habe ich auch abends noch zu ihm gesagt, wie kommst du da auf?
- 1:50:45Bei mir steht alles gerade irgendwie kopfig, ich glaube, ich muss das irgendwie nochmal vollkommen neu angehen.
- 1:50:50Ja, gibst du für dich ein Wein des Lebens?
- 1:50:53Also einen, wo du sagst, wenn ich den noch mal trinken dürfte oder überhaupt mal trinken darf?
- 1:50:58Oh, also es gibt bestimmt so zwei, drei Geschichten, da wäre ich jetzt nicht abgeneigt, wenn ich sie mal probieren dürfte.
- 1:51:08Aber da kommt es auch, glaube ich, dann für mich viel, viel mehr darauf an,
- 1:51:11nicht dass ich es unbedingt für mich irgendwie auf so einer Bucketliste oder so was habe, um es unbedingt abhaken zu können.
- 1:51:18Aber ich sage mal so, so eine sehr schöne Flasche von der Domaine du Venet ou de L'Éroir,
- 1:51:24klar ist das bestimmt schön, wenn man das mal irgendwie in einem netten Umfeld irgendwie verkosten und probieren kann.
- 1:51:32Wobei ich auch da sagen muss, also so besonders, besonders schöne Flaschen oder besonders hochkarätige Flaschen,
- 1:51:40bin ich persönlich immer so ein großer Freund oder freue mich eigentlich am meisten, wenn ich das dann auch mit Menschen teilen kann,
- 1:51:46die es auch wirklich wertschätzen können.
- 1:51:49Da habe ich schon so eine Grenze eigentlich auch für mich intern, wenn ich, wenn ich mit guten Freunden,
- 1:51:57mit der Familie oder wie auch immer, Flaschen öffne, klar, gibt es da auch mal besondere Geschichten etc.,
- 1:52:02aber so wirklich die absoluten Blue Chips oder wie auch immer man es nennt, das teile ich am liebsten mit Menschen,
- 1:52:07die es natürlich auch in der Richtung passend einordnen können und dann diesen Moment oder diesen Wein auch passend wertschätzen können.
- 1:52:14Wie viel Regions unterbewertet, also findest du, es gibt was, wo man mehr ein Fokus drauf setzen sollte?
- 1:52:21Es gibt einige Regionen, glaube ich, die natürlich jetzt aber auch durch die Arbeit von Händlern,
- 1:52:34Sommiers oder auch Leuten, die sich einfach mit der Thematik auseinandersetzen,
- 1:52:38schon wieder ein bisschen mehr an Anrelevanz gewonnen haben,
- 1:52:43und was ich sehr schön finde oder spannend finde, ist so, dass, also,
- 1:52:47wenn war ich im Tantris, das war 14, 15, also zwischen 2014 und 2016 so was um den Dreh,
- 1:52:55kam es ja, sage ich mal, immer mehr so ein bisschen auch in den Fokus, dass so diese Thematiken,
- 1:53:00Kroatien, Slowenien, Bulgarien, Ungarn etc., dass es so langsam Fahrtaufnahmen und so langsam so ein bisschen mehr
- 1:53:07natürlich auch zumindest aus meinem Empfinden damals aus der Münchner Situation mehr so an den Markt heranschwappte.
- 1:53:14Inzwischen ist das ja, sage ich mal, schon ein viel, viel prägenderes Thema und da finde ich es schon cool,
- 1:53:18dass es da inzwischen tolle und große Namen gibt, was weiß ich wie Marian Simchitz zum Beispiel,
- 1:53:24der ja wirklich inzwischen ein absoluter Shooting-Star in der Region geworden ist,
- 1:53:29oder auch natürlich kleinere Grenzbetriebe oder auch Betriebe, die sich natürlich so ein bisschen dann,
- 1:53:36wie jetzt hier mit Familie Themen, die mit ihrer Zieringer Domäne dann natürlich dann auch auf der anderen Seite
- 1:53:41praktisch mit der Grenze da auch für viele Furore gesorgt haben und natürlich auch der Region da einfach viel mit beigesteuert haben,
- 1:53:47dass es da einfach vom Thema des Bekanntheitsgrades ein bisschen vorangeht, was ich jetzt zuletzt erlebt habe
- 1:53:55oder was ich so zuletzt gesehen habe, ich war von ein paar Wochen, hatte ich das Glück,
- 1:54:00mal ein bisschen aus dem Betrieb rauszukommen und konnte für drei Tage nach Sizilien.
- 1:54:05Da hatte ich eher so ein bisschen das Gefühl oder beziehungsweise es kam mir so ein bisschen in den Sinn,
- 1:54:10wenn man sich so diese gesamte Struktur dieser riesigen Insel anguckt, weil ich meine, also es ist ja von der Rebfläche her,
- 1:54:15es ist ja noch ein Ticken größer als Deutschland, ich glaube die haben so 120.000 Ticken oder sowas,
- 1:54:20das ist ja ein reines Riesenapparat und wenn man sich das anguckt, haben viele überhaupt nicht auf dem Schirm
- 1:54:25und ich glaube, es werden nur irgendwie, lasst mich lügen, 16 bis 20 Prozent der Weine auf Sizilien werden auch wirklich nur auf Sizilien abgefüllt
- 1:54:34und der ganze Rest geht irgendwie sonst wohin, also das ist ja, das ist der absolute Wahnsinn,
- 1:54:38wenn man sich da erstmal wirklich mit der Quantität der Zahlen einfach auseinandersetzt
- 1:54:42und was mir da so auffiel, ist eigentlich eher, dass das wieder so ein bisschen ins Hintertreffen geriet
- 1:54:48bzw. dass man so das Gefühl hatte, oh okay, das waren für viele einige fette Jahre
- 1:54:55und so wenn man sich so die Struktur der Insel oder auch so die gesamte, ja, die Lebendigkeit der Insel anschaut etc.
- 1:55:04hat man eher so aktuell leider das Gefühl, dass das so ein bisschen eingeschlafen ist
- 1:55:08und ich hatte auch irgendwie so das Gefühl, bei den Winzern, bei denen wir so zu Besuch waren,
- 1:55:12da war es wirklich so, dass Mama, Papa, Oma, Opa, Tante, Onkel und der gesamte Hofstadt der Familie eigentlich immer auch dort war,
- 1:55:22um uns auf liebevollste, sezeanische Art und Weise willkommen zu heißen und zu begrüßen, also davon mal ganz ab, alles ganz, ganz toll
- 1:55:30und da bin ich auch sehr dankbar für, aber ich hatte auch irgendwie das Gefühl,
- 1:55:35es schien für mich so ein bisschen durch, da ging es auch richtig um was, also von wegen, okay, da kommen Gäste aus dem Ausland,
- 1:55:43die unsere Weine wahrscheinlich irgendwie kaufen oder die sie verkaufen und anbieten, da müssen wir jetzt was tun,
- 1:55:48dass da auch was bei rumkommt und ich hatte da schon so ein bisschen irgendwie auch das Gefühl, dass da ja,
- 1:55:52ein gewisser wirtschaftlicher Druck auch hinter war, weil wenn man sich so die Insel anguckt, ah, das Thema Müll und Abfall
- 1:55:59ist ja sowieso so eine Thematik in ganz Italien, aber das war da echt wahnsinnig anzusehen, wie da einfach mit der gesamten Geschichte umgegangen wird,
- 1:56:08nämlich gar nicht und ja, es ist irgendwie so ein bisschen verkehrt, hey, wenn dir da Winz was vom Einklang mit der Natur
- 1:56:16und vom nachhaltig bewirtschafteten Weingarten erzählen und am Ende des Weingartens gegenüber der Straße verbrennt der Nachbar gerade mal eben schnell
- 1:56:23einen riesigen Haufen Müll, also von daher, das ist so ein bisschen ja, difficile zu sehen, aber hat mich maßgeblich beeindruckt
- 1:56:32und eigentlich auch wieder so ein bisschen dazu der Thematik gebracht, klar hat man sich mal irgendwann mit Zizillen auseinandergesetzt
- 1:56:38und hat große Namen, was sich Planeter und Konsorten natürlich auch verkauft und ausgeschenkt und probiert,
- 1:56:44aber natürlich gibt es da, ich meine, es gibt ja über 450 Betriebe oder sowas, das ist ja Wahnsinn.
- 1:56:51Also es ist schon spannend zu sehen, dass es da an vielen Ecken auch ein bisschen anscheinend stagniert zur Zeit
- 1:57:00und dass die auch ein bisschen Druck haben, natürlich jetzt ihre Sachen an den Mann zu bringen.
- 1:57:05Gerade im Einwärmbereich, aber was mit den gesamten Marken, wie ich reinwäscht, was mit auch gar nicht so verkehrt ist,
- 1:57:12heute ist du dein eigenes Weingut am liebsten, also hast du einen Ort, wo du sagst, da würde ich ja mal Wein produzieren?
- 1:57:17Ich glaube, also das würde ich so ein bisschen, weil wenn ich irgendwo hingehe, würde ich natürlich mit meiner Frau irgendwo hingehen
- 1:57:24und wir spinnen immer gerne mal auch so rum und klar, also zum Beispiel Australien, als wir dort waren, was wir da an Weinbaukultur etc. gesehen haben,
- 1:57:35insbesondere so alles in Richtung Süden gehend, aber auch so generell, was die ländliche Beschaffenheit und auch die Vielfalt einfach angeht,
- 1:57:45also ich sage mal, Morning Peninsular Australien, es hat ja an vielen Ecken eigentlich so ein bisschen schwarzweite Atmosphäre,
- 1:57:51wenn man sich das so ein bisschen anguckt, aber auch natürlich, wir waren auch einmal sechs Wochen in den USA
- 1:58:00und davon vier Wochen in Kalifornien unterwegs, haben dann natürlich viel die Weinbauregionen und Winzer besucht.
- 1:58:05Ja, also ich sage mal so nördlich von San Francisco irgendwo ein kleines nettes Weingut mit zwei, drei Hektar zu haben.
- 1:58:12Also vom Landwirtschaftlichen her würde mir das Winzer-Tum schon gefallen, aber natürlich, es ist vollkommen eigener Fokus
- 1:58:22und es ist eine ganz eigene Liga, ich meine, man kann sich jetzt ja nur anschauen, die heutigen Winzer-Generationen,
- 1:58:31das finde ich so spannend zu sehen, die älteren Generationen, die jetzt gerade so, also wenn wir es jetzt mal auf den deutschen Markt zum Beispiel
- 1:58:39irgendwie an darstellen, was weiß ich, Winzer wie Hans-Jörg Rehpoitz, Klaus-Peter Keller, wie auch immer, die ja alle natürlich auch eine Ausbildung haben,
- 1:58:47aber eigentlich viel mehr über die Jahre autodidaktisch in ihren eigenen Weingärten gelernt haben, was sie tun müssen,
- 1:58:54um ihre Weine zum Erfolg zu bringen oder was sie dafür tun müssen, um bessere Qualitäten ernten zu können.
- 1:59:00Die schicken ihre Kinder heute in Anführungsstrichen rund um den Planeten, die sind extrem gut ausgebildet, haben wahnsinnig gute Schulen besucht,
- 1:59:08haben Praktikas bei Winzern gemacht, also die sammeln Praktikas bei Winzer wie andere Weine, das ist echt der Wahnsinn
- 1:59:17und können halt da in der Richtung, noch bevor sie überhaupt wirklich in den älterlichen Betrieb einsteigen,
- 1:59:22eine Fülle an Eindrücken und handwerklichen Erfahrungen einfach mitbringen, so dass sie wirklich halt auch einfach bereit sind,
- 1:59:32dann dieses unglaubliche Erbe, was die Eltern da aufgebaut haben, auch wirklich zeitgemäß und auch natürlich in derselben Schlagzei weiterzuführen.
- 1:59:39Das finde ich wahnsinnig spannend zu sehen.
- 1:59:40Das finde ich ganz erstaunlich, also zum einen eben, wie du es gerade erwähnt hast, zu hören, was Winzer eigentlich während ihres Schaffens und ihres Seins noch dazu lernen.
- 1:59:50Ja.
- 1:59:51Ich weiß aber auch nicht, was du gerade auch erwähnt hast, ob das gut oder nicht gut ist.
- 1:59:55Es wird natürlich eine gewisse Begründung und eine gewisse Daseinsberechtigung dafür geben,
- 1:59:58wenn die ganzen jungen Generationen quer durch die Welt reisen, dort ein Praktikum machen, es gibt die natürlich sehr open-minded.
- 2:00:04Findest du nicht, dass dadurch ein gewisser authentischer Weinstil vielleicht auch verloren geht?
- 2:00:10Also wenn man die australischen Einflüsse damit einmal in die Falsse bringt oder keine Ahnung, die Sachen, das Gedanke gut aus Südamerika, Andina oder sonst irgendwo,
- 2:00:19dass alles zu global und zu Einheitspreich wird?
- 2:00:24Das ist nur ein Gedanke, ein Thesis, keine Behauptung.
- 2:00:27Nein, die Thesis hat auf jeden Fall ihre Daseinsberechtigung.
- 2:00:32Also natürlich, und ich meine, das erleben wir ja als Sommeliers auch tagtäglich, dass man immer mehr oder sich auch immer gerne dann mal irgendwie darüber eschuffiert,
- 2:00:42dass dieser oder jene Wein von Winzer XY auf einmal so schmeckt wie ...
- 2:00:48Da gibt es ja verschiedenste Beispiele. Was ich vor 4, 5, 6 Jahren, haben sie alle versucht in Sachen Chardonnay ihren eigenen Kostürie oder wie auch immer zu produzieren.
- 2:00:59Dann geht es jetzt irgendwie wieder weiter, dass das alles wieder komplett in eine andere Richtung zu mehr, sagen ich mal, Autänizität im regionalen Sinne führen soll.
- 2:01:10Also es ist alles irgendwie ein stetiges Up and Down und die Gefahr ist natürlich dabei.
- 2:01:14Insbesondere, sage ich mal, es sind ja nicht nur alles, also es ist wie in jedem anderen Business auch.
- 2:01:19Jeder Winzer heißt ja nicht direkt, dass er ein Ausnahmewinzer ist, sondern es gibt auch einfach natürlich genauso wie es nicht nur High-End-Sommeliers gibt oder tolle Sommeliers oder tolle Restaurantleiter oder wie auch immer.
- 2:01:29Der Markt ist ja breit gefächert, um es mal sehr vorsichtig zu sagen.
- 2:01:33Und natürlich klar, woher soll es hinz und Kunz wissen, wenn er es nie anders gemacht hat oder wenn er vielleicht auch einfach überhaupt keine Idee hat, was er aus seinem eigenen Weingarten oder Rebgut machen soll.
- 2:01:47Ja, dann guckt man entweder beim Nachbarn oder lässt sich ein bisschen außerhalb der Landesgrenzen oder wie auch immer inspirieren.
- 2:01:54Ich meine, dass Plagiieren von Wein-Steeln schon immer, sage ich mal, zum kleinen Ein-mal-Eins im Wein-Business gehört hat.
- 2:02:01Das, glaube ich, steht vollkommen außer Frage und schöne Kopien von irgendwelchen Monumenten.
- 2:02:08Das war schon immer irgendwie so ein kleiner Volkssport bei vielen Geschichten, auch wenn es natürlich immer gerne mit Schlagwörtern versehen wird, wie, was weiß ich, Regionalität, Herkunft und so weiter und so fort.
- 2:02:21Das sind ja einfach auch tolle Marketing-Instrumenten, mit denen man viel gerne auch mal irgendwie versucht zu verschleiern.
- 2:02:28Also auch wieder natürlich sehr vorsichtig ausgedrückt, aber man ist ja auch nicht doof.
- 2:02:32Man guckt sich das an und sagt, okay, wenn man da mal rein riecht, ja, was soll mir das jetzt genau sagen?
- 2:02:39Also das ist eine schwierige Sache und auch ein ziemlich gefährlicher Punkt.
- 2:02:44Da bin ich voll bei dir. Und da ist dann die Frage, ob es dann nicht den Raum der Eigenkreativität nimmt.
- 2:02:49Also wenn man irgendwas anderes versucht, wie du sagst, zu kopieren oder einfach ein Stil mag und den versucht selber zu perfektionieren und eine gewisse Authentizität bzw. Typizität dann gänzlich verloren geht.
- 2:03:02Also da finde ich es interessant, dass es Regionen gibt, wie teilweise an der Loa, an der Mosel etc., wo man seinen Stiefel seit Jahrzehnten, Jahrhunderten weiterfährt und damit ein einzigartigen Wein-Steer hat.
- 2:03:13Der Unvergleichlich ist. Und das wahrscheinlich, ich kann mir vorstellen, dass das so der Kernschlüssel für den Erfolg des Begundes zum Beispiel oder teilweise der Rohn oder eben der Mosel, das vielleicht auch Rheingaus ist, dass man dabei bleibt, was man macht, wenn man es gut macht und wenn man es außergewöhnlich macht.
- 2:03:32Ja, ganz genau, richtig. Also das sind einfach gewisse Eckpunkte, an die man sich hält und die natürlich auch mit dem Schaffen und dem Enthusiasmus.
- 2:03:42Von gewissen Persönlichkeiten hat einfach verbunden ist, dass es eine gesamte Region oder ein gesamtes Anbaugebiet macht, dass es ja eher selten zu sehen, sondern es sind immer irgendwelche Pioniergeister, die da natürlich auch ein gewisses Risiko getragen haben bei derartigen Projekten oder derartigen Veröffentlichungen von Wein etc.
- 2:04:06Aber denen dann im Nachhinein der Erfolg einfach recht gegeben hat. Und ich meine, da gibt es ja über Landesgrenzen hinaus tolle Beispiele.
- 2:04:14In Deutschland gesehen, woher zu Datangreingut hast du ein präferiertes Regierungs?
- 2:04:22Ja, also generell Weinkartentechnisch ist es ja, oder beziehungsweise es wird auch so ein bisschen mir nachgesagt. Klar, habe ich ein großes Fable für die Nahl, aber auch natürlich die Kwalz oder Baden.
- 2:04:36Ja, schon. Also, da habe ich viele sehr schöne Erinnerungen und Beziehungen zu. Es waren auch mit meinen ersten Weinreisen, die da eigentlich hingegangen sind und so die ersten wirklichen Ausfüge, wo man sich mal wirklich auch klar auf Produzenten konzentriert hat, hingefahren ist und sich so ein bisschen da auch dann mit der gesamten Thematik auseinandergesetzt hat.
- 2:04:58Und das ist eigentlich bis heute auch geblieben.
- 2:05:00Was begeistert dich da? Also, was findest du an der Nahr so außergewöhnlich oder was findest du dort, was berührt dich dort?
- 2:05:11Es ist zum einen die Vielfältigkeit. Also bis heute ist es immer wieder schön, dass wenn es um die Beschreibung oder Analyse der Weine geht, ich mir jedes Mal die Haare raufle, wenn es ums Thema zum Beispiel "Terroir an der Nahr" geht.
- 2:05:23Das ist ja irgendwie wie so ein riesiges Puzzle, was da eigentlich einmal auf den Tisch meist.
- 2:05:28Und genau, genau. Und es ist auch immer wieder schön, wenn man sich dann mit Winzern unterhält und dann genau das Falsche nimmt und dann korrigiert wird, weil man mal wieder 5 km weiter war.
- 2:05:41Und da ist ja wieder eine komplett andere Verwerfung. Also das ist so inzwischen echt für mich ein persönliches Mienenfeld geworden, dass ich ganz vorsichtig geworden bin gegenüber, was weiß ich, Winzer A oder B zu sagen,
- 2:05:52der und der Boden, nee, das war schon, da bin ich schon einzulern mal mit auf die Nase gefallen, also shame on me. Aber das ist das, was das natürlich so unglaublich vielfältig macht.
- 2:06:03Ich finde es in Sachen Riesling, es ist schon für mich persönlich absolut eines der Benchmark-Anbaugebiete, insbesondere aufgrund dessen, dass es einfach auch immer so ein bisschen natürlich auch einfach im Schatten der Nachbarschaft stand.
- 2:06:17Das ist da wirklich eigentlich erst verhältnismäßig spät, so wirklich zu einer Konsequenzen und dann aber auch wirklich relativ steil, also zu einem steilen Aufstreben einfach dieser Weine gekommen ist und das ist heutzutage wirklich...
- 2:06:32Es war ja immer das Hinterland des Rheingaus, also es wurde in der Form wahrgenommen. Und ich fange es total überraschend, dass die nahe erst 71 Weinbaugebiet wurde oder anderen Kanze Weinbaugebiet, also das ist extrem spät, spät eigentlich in der Besonderheit wahrgenommen wurde.
- 2:06:46Ja genau, es wurde ja auch immer früher, also wenn man sich so alte Flaschen anguckt, es wurde ja immer als Rheinwein verkauft oder das Stand Rheinwein drauf, dann denkt man schon okay, alles klar, so viel zum Thema Herkunft etc.
- 2:06:59Aber ich glaube, das hatte auch damals sowohl logistische Hintergründe, weil natürlich alles über den Rhein auch mit verschifft wurde und dass viel der Fassware auf händischen Wege natürlich erstmal in Richtung des Flusses geschafft wurde, beziehungsweise dass die Eisenbahnwege ja auch relativ parallel zum Fluss verlaufen sind.
- 2:07:19Und das ist dann damals einfach ein händlertechnischen Zirkel hatte und daher wurden die Weine dann auch einfach so benannt, also ich glaube, das ist gar nicht mal so oft und dessen entstanden, sondern es war für die Winzer einfach, die ja wirklich auch in Anführungsstrichen im Hinterland produziert haben, einfach eine sehr gute Möglichkeit, die Ware schnell außerhalb ihrer eigenen Zäune zu bekommen.
- 2:07:41Okay, ich hätte gedacht zwar immer eine Mützschrache, dass es leichter war, saure Spier zu verkaufen als Nahrwein, deswegen im Prinzip mehr oder weniger sich das positive auf die Flasche geschrieben hatten, dass es ja in dem Fall letztlich der Rhein, der mit verschiedenen anderen Gebieten adaptiert oder in einem Arten zu genannt wird und man da mehr oder weniger eine Art von Washing betrieben hat.
- 2:08:03Ja, ja, gerade das mit den.
- 2:08:05Also da bitte missversteh mich nicht, nee, also so habe ich es auch gesehen oder beziehungsweise das sollte das auch eigentlich mit unterstreichen, also dass es natürlich eher förderlich war.
- 2:08:15Hast du da eine Präferenz bei Nahrwein? Also ist es Riesling, obwohl es natürlich nimmt einen großen Anteil ein, aber es ist ja nicht ausschließlich Riesling, es sind glaube ich nur 30 Prozent, die dort gepflanzt werden.
- 2:08:29Genau.
- 2:08:33Sonst gibt es ja noch sehr, sehr viele begundene Sachen beziehungsweise, ich finde auch die Relation von Rot und Weiß, weil er staurend nicht willkommen, jemand hat einen roten Nahrwein auf den Schirm.
- 2:08:39Ja, genau. Also ich sage mal, es hat sich in der Sektion, in der wir, sage ich mal natürlich auch gearbeitet haben, klar gibt es da viele kleine Betriebe, die sich natürlich auf diese Rebsorten wie Riesling, Weißburgunder, Schadonnee, Grauburgunder oder ähnliches natürlich auch.
- 2:08:58Konzentriert haben, klar, das ist natürlich auch an der Nahr-Müllerturgau und Konsorten, ich glaube es gibt auch eine ganze Menge Portugieser, Spätburgunder so oder so.
- 2:09:07Dornfelder ist glaube ich die drei Treibteile, Dornfelder, also da gibt es ja wirklich eine ganze Menge und natürlich klar, so in unserer kleinen Bubble der Sternerestaurant, so ein gehobener Gastronomie ist es da eher seltener, dass da natürlich diese Geschichten dann da auftauchen, aber natürlich ist es ein sehr vielfältiges,
- 2:09:27weingut und natürlich auch diese verschiedenen Bodenstrukturen, auch wenn es glaube ich nur etwas mehr als, was sind das, 4.000 Hektar so etwas in den Dreh oder 4.000 Hektar?
- 2:09:384.000 Hektar genau. Ja, genau, also sowas in der Richtung, also auch wenn das verhältnismäßig wenig ist eigentlich, verteilt sich das schon relativ breit gefächert und es sind ja so, auf die kleine Menge gibt es ja schon, wenn man sich das so anguckt, schon eine ganze Menge kleine Betriebe, viele Familienbetriebe, das ist da ja auch immer ein bisschen,
- 2:09:56das ist da ja auch immer noch so ein bisschen so ein klarer Fokus, dass die Familien untereinander, das ist schon echt spannend zu sehen, wer so mit wem verbandelt ist und wie man sich untereinander kennt und es ist auch natürlich so ein bisschen immer so eine kleine Parade-Disziplin,
- 2:10:12wer so die Top 10-Winzer da des Anbaugebietes so ausmacht und wie die sich so immer untereinander auch gegenseitig challengen, also es ist schon immer spannend zu sehen,
- 2:10:23aber auch einfach die Vielfältigkeit, um es jetzt mal auf den Riesling runterzubrechen, einfach was diese Rebsorte angeht, finde ich unglaublich spannend, weil du hast so eine krasse Stilwendung, allein auf eine Rebsorte, wenn wir es jetzt auf den Riesling sehen,
- 2:10:36wenn du dir was heißt ich, sagen wir mal, fünf Produzenten dahin stellst, wirklich fünf absolut kontrere Stilistiken dahin bekommst, welche auch wirklich, wenn du es Gästen hinstellst, ich hatte mal so ein kleines Riesling Nahetasting hier bei uns, da habe ich drei Produzenten, immer drei Terroirweine praktisch im offenen Ausschrank 01 angeboten und manche haben das nicht mal als Riesling irgendwie identifiziert, also das war natürlich klar, es ist so,
- 2:11:05natürlich klar, es ist jetzt auch nicht auf professioneller Ebene zu sehen, aber dass sich diese Rebsorte oder beziehungsweise, dass sich diese Rebsorte so vielfältig darstellt, das finde ich kandinar unglaublich toll abbilden und insbesondere was mir besonders wichtig ist, dass es einfach mit diesem unglaublich tot geredeten Vorargument, dass das Riesling und die Säure ja ungenießbar sind und dass man das nicht trinken kann und so weiter, weil das ist ja so zumindest hier in unseren Gemakungen unter den Niedern,
- 2:11:34unter den Niedersachsen, also Riesling, nein, ich kann ja nicht mit Säure, es gibt da auch einfach Rieslinge, die das sehr gut können, die das fantastisch verpackt haben und die das Ganze einfach auf eine unterschwellige Art und Weise so gut integriert haben, dass das überhaupt kein Thema ist und dafür war die Nahe für mich schon immer ein schönes Dial-Element, womit man das einfach ein bisschen näher bringen konnte.
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