Latest / ROCKET SCIENCE | Gesundheit und Leistung – mit Doc Golo / Schmerz, Dopamin und Cortisol - deine Athleten Identität verstehen.
Transcript
- 0:00SPEAKER_00: Moin Leute und willkommen zu Rocket Science.
- 0:02SPEAKER_00: Heute sprechen wir über das Thema Aufbruch, Veränderung, Stress und auch so sportliche Performance.
- 0:10SPEAKER_00: Ein ganz häufiger Grund, der nämlich auch oft übersehen wird, wenn man gesunder werden möchte, wenn man leistungsfähiger werden möchte, ist der Zusammenhang zwischen Stress und auch so sportlicher Performance.
- 0:26SPEAKER_00: Ich erlebe das einerseits bei mir selbst, ich erlebe es aber auch in der Zusammenarbeit mit, vor allen Dingen auch mit sehr guten Athleten, aber auch mit Anfängern, dass häufig eben so dieses ganze Thema sportlicher Stress unterschätzt wird.
- 0:39SPEAKER_00: Und auch, dass das ganze Thema einem helfen kann, gerade am Anfang vielleicht auch, Fortschritte zu machen, sich auch wirklich zu verändern.
- 0:46SPEAKER_00: Dafür braucht es meistens einen gewissen Stress und eine gewisse Aktivierungsenergie, gerade auch so auf mentaler und psychologischer Ebene.
- 0:55SPEAKER_00: Dann kann das aber auch dazu führen, dass man eben Richtung Übertraining tendiert, dass man dazu tendiert, keine Fortschritte mehr zu machen und auch ehrlich gesagt sich sogar ein Leben aufzubauen, was eigentlich gar nicht mehr so wirklich cool ist oder witzig ist.
- 1:14SPEAKER_00: In dem Podcast sprechen wir über Physiologie, wir sprechen auch über Psychologie, wir reden so ein bisschen über Modelle, die dabei wichtig sind, um das ganze Thema auch zu verstehen, was auch so ein bisschen der beste mentale State ist, den man erreichen sollte, um Fortschritte zu machen.
- 1:31SPEAKER_00: Und das ist ein ganz anderer State, glaube ich, als den viele so erwarten und was sie auch denken, was sie auch bräuchten.
- 1:40SPEAKER_00: Ich gehe dabei aber auch ein bisschen in meine eigene Story ein, weil das relativ eng auch damit zusammenhängt, wie ich Dinge auch sehe und wie ich auch im Coaching auch mit Menschen dabei auch so ein bisschen agiere.
- 1:53SPEAKER_00: Und danach sprechen wir auch nochmal darüber, wie man da auch eine gewisse und gute Balance findet aus so dem ganzen Thema Stressmanagement, Aufbruch und dann eben auch so Gesundheit.
- 2:12SPEAKER_00: Ich sag mal zur Einführung so: Es gibt häufig den Moment, wo man eben feststellt, man ist nicht mehr ganz zufrieden mit sich.
- 2:22SPEAKER_00: Entweder ist es so, dass dieser Moment stattfindet, wenn man irgendwie Teenager ist, das ist ein relativ häufiger Zeitpunkt, das war bei mir auch so der Zeitpunkt vom Aufbruch, oder es findet eben auch später statt.
- 2:40SPEAKER_00: Und Sport wird einem dabei meistens entweder mit in die Wiege gelegt.
- 2:45SPEAKER_00: Das bedeutet, dass die Eltern, dass die Freunde, dass man von klein auf mit Sport sozialisiert wird und dabei auch das ganze Thema vielleicht auch Sport, Training, Performance irgendwie so dazugehört.
- 2:59SPEAKER_00: Oder das passiert eben nicht.
- 3:02SPEAKER_00: Bei mir war es so, dass das eben nicht passiert ist, sondern ich das letztendlich für mich erst später entdeckt habe und später auch herausgefunden habe, wie viel und wie viel positive Veränderungen das auch in meinem Leben hat oder hatte.
- 3:19SPEAKER_00: Das bedeutet auch so, dass man durch das Verhalten, was man frühzeitig erlernt, dass dadurch natürlich gewisse Dinge immer auch angelegt werden.
- 3:27SPEAKER_00: Durch die Eltern, durch Großeltern, durch auch so ein bisschen Familienkonstellationen werden gewisse Verhaltensweisen immer angelegt.
- 3:34SPEAKER_00: Und dann hat man selber so ein bisschen die Aufgabe, darin mit einzusteigen und zu sagen, das würde ich gar nicht.
- 3:40SPEAKER_00: Oder das auch weiter aufzubauen.
- 3:43SPEAKER_00: Und dieses ganze Thema Leistungsfähigkeit und Performance und mehr aus sich zu machen, hat viel damit zu tun, gerade wenn man irgendwie noch Teenager ist, wie stark die Eltern das auch gut finden und wie stark auch der Freundeskreis das auch gut findet.
- 3:58SPEAKER_00: Und bist du eher jemand, der frühzeitig vielleicht auch gedrillt worden ist.
- 4:03SPEAKER_00: Deine Eltern fanden das immer gut, was du irgendwie machst, oder ein Elternteil fand das irgendwie immer gut und hat dir vielleicht deswegen auch besondere Aufmerksamkeit gegeben.
- 4:11SPEAKER_00: Oder hat das Ganze irgendwie keine Rolle gespielt und du hattest das Gefühl, dass deine Eltern vielleicht auf andere Dinge mehr Wert legen und andere Dinge, die vielleicht auch wichtiger sind für dich.
- 4:21SPEAKER_00: Und dann ist es entweder so, dass du das ablehnst oder dass du es gut findest, was vielleicht deine Eltern dir mitgeben.
- 4:29SPEAKER_00: Zum Beispiel, bei mir war es so, dass ich erst relativ spät in den Sport gekommen bin, also irgendwie erst so mit 15, 16, 17.
- 4:38SPEAKER_00: Und ich habe Leichtathletik gemacht, als ich sechs, sieben, acht war und war da drin auch schon relativ talentiert.
- 4:47SPEAKER_00: Ich konnte immer schon ganz gut schnell laufen, so die letzten, die letzten Kilometer.
- 4:52SPEAKER_00: Und hatte dann irgendwie, als ich klein war, habe irgendwie noch so eine Urkunde mit, wo ich irgendwie, ich glaube, sechs bin oder sieben bin.
- 4:59SPEAKER_00: Und wo ich die tausend Meter in, ich glaube, knapp überhalb von vier schon gelaufen, von vier Minuten gelaufen bin.
- 5:07SPEAKER_00: Vielleicht ist es ja nicht sechs, vielleicht war ich auch acht.
- 5:09SPEAKER_00: Kann auch sein.
- 5:10SPEAKER_00: Aber so in diesem Alter auf jeden Fall.
- 5:12SPEAKER_00: Und danach habe ich aber komplett damit aufgehört und danach habe ich eher so eine komplett musische Ausbildung genossen, dass meine Eltern sehr gefördert haben.
- 5:19SPEAKER_00: Und aber so Leistungsfähigkeit, Sport und irgendwie gut in irgendwie was zu sein und so Performance zu erreichen, war nicht so wirklich das, was meine Eltern mir so mitgegeben haben.
- 5:28SPEAKER_00: Und dann war es eher so für mich, dass ich unzufrieden geworden bin mit mir selber.
- 5:35SPEAKER_00: Dass ich gemerkt habe, mir fehlt einfach etwas.
- 5:39SPEAKER_00: Und nur dieses Kreative, nur dieses Musische, nur dieses irgendwie laissez-faire sein war nicht das Richtige für mich.
- 5:46SPEAKER_00: Also ich bin sehr stark so erzogen worden, dass ich eigentlich alles machen konnte, was ich wollte.
- 5:51SPEAKER_00: Ich hatte nie krasse Boundaries irgendwie und ich hatte nie krasse Grenzen.
- 5:56SPEAKER_00: Und ich habe das aber gesucht.
- 5:58SPEAKER_00: Ich wollte dann, ich habe dann rebelliert dadurch, dass ich mir diese Grenzen mehr angelegt habe, dass ich gesagt habe, hey, ich will leistungsfähiger sein, ich will mehr Sport machen, ich will Triadler machen, ich will Ironman machen, ich will Medizin studieren.
- 6:12SPEAKER_00: Das war eigentlich so eine gewisse Rebellion gegen das, was mir meine Eltern eigentlich vorgelebt haben.
- 6:19SPEAKER_00: Und hier ist es relativ wichtig, auch für sich selber herauszufinden, wo kommt man einfach auch her, was ist auch so der Ursprung dessen, warum man auch angefangen hat mit Sport, mit Leistungsfähigkeit, was ist der Aufhänger so ein bisschen dahinter gewesen, weshalb man auch etwas verändern möchte.
- 6:40SPEAKER_00: Weil wenn man in Prozesse geht, und darauf kommen wir gleich nämlich zu sprechen, die dann eher schwieriger werden und wir haben alle immer Herausforderungen in unserem Leben, dann fallen wir häufig zurück auf erlerntes Verhalten.
- 6:56SPEAKER_00: Gerade so unser autonomes Nervensystem und wie wir reagieren auf Panik, Stress, Angst, hat sehr viel damit zu tun, welches Verhalten wir relativ frühzeitig auch schon erlernt haben und was auch angelegt ist in uns, in unserem Körper.
- 7:16SPEAKER_00: Für mich war es so, dass das so dieser transformative Prozess war, weil ich gemerkt habe, dass ich lebe und wer ich bin real, also dieses reale Ich, dass das nicht mehr damit zusammengepasst hat, wohin ich eigentlich möchte.
- 7:38SPEAKER_00: Und es ist dann auch etwas, was unterbewusst bei mir stattgefunden hat, wo ich gemerkt habe, wenn ich so weitermache, dann gehe ich, glaube ich, nicht in die Richtung, wo ich halt hingehen möchte.
- 7:53SPEAKER_00: Es gab bei mir nicht unbedingt die Freundesklicke, die mich inspiriert hat damals dazu.
- 7:59SPEAKER_00: Das hat mich eher immer so ein bisschen abgeschreckt zu der Zeit.
- 8:03SPEAKER_00: Das heißt, ich war irgendwie nie so sozialisiert und interessiert an vielen Dingen, die meine Freundesklicke zu der Zeit auch gemacht hat.
- 8:11SPEAKER_00: Ich sag mal irgendwie Saufen, ich sag mal irgendwie Fußball, ich sag mal irgendwie, bei uns war es irgendwie auch damals Basketball.
- 8:19SPEAKER_00: Das waren alles Dinge, ich fand das interessant, aber es hat mich nie so richtig gepackt und irgendwie was in mir wirklich ausgelöst.
- 8:25SPEAKER_00: Und diese Gruppendynamik hat mich damals auch eher ermüdet und frustriert, weil ich eigentlich gemerkt habe, ich will was anderes irgendwie in mir, mir reizt auch irgendwie was anderes und ich möchte so nach vorne kommen.
- 8:41SPEAKER_00: Das ist so ein Prozess, wo ich heutzutage sagen würde, das war relativ lehrbuchartig, so transformativ, transformatives Mindset, etwas zu verändern.
- 8:50SPEAKER_00: So wie ich das eigentlich erlebt habe, ist das was, wie es auch häufig so im Lehrbuch steht.
- 8:56SPEAKER_00: Weil es gibt immer so diesen Moment, dass man sich bewusst macht, dass es einen gewissen Schmerz gibt.
- 9:06SPEAKER_00: And dieser Schmerz in dem Fall ist erstmal gut, den auch irgendwie wahrzunehmen.
- 9:12SPEAKER_00: Und meistens passiert es auch unterbewusst, dass man den wahrnimmt.
- 9:16SPEAKER_00: Also das kann sich äußern in ganz vielen verschiedenen Symptomen.
- 9:19SPEAKER_00: Das kann sich äußern, dadurch zum Beispiel, dass man auf einmal Panikattacken hat und man kann sich das nicht mehr richtig erklären, woher das kommt.
- 9:28SPEAKER_00: Das kann sich dadurch äußern, dass man nachts nicht mehr schläft, dass man einfach nicht mehr wirklich runterkommt, sondern eher in so einem Modus ist, so ich muss irgendwie was verändern.
- 9:38SPEAKER_00: Bei mir war das teilweise so, ich bin nachts aufgewacht und habe gemerkt, ich fühle mich irgendwie unwohl.
- 9:44SPEAKER_00: Und ich kann nicht genau sagen, warum.
- 9:46SPEAKER_00: Ich bin eigentlich sicher.
- 9:48SPEAKER_00: Aber es gab mehrere Situationen, es gab mehrere Dinge, die dann auch privat passiert sind bei mir in der Familie, was dann auch dieses ganze Meer auch verstärkt hat.
- 9:58SPEAKER_00: Nur es braucht meistens diesen Aufbruchsschmerz auch, um sich wirklich zu verändern.
- 10:06SPEAKER_00: Und Schmerz gibt sehr viel Aufbruchenergie.
- 10:09SPEAKER_00: Ray Delio zum Beispiel sagt dazu immer: Pain plus reflection equals Progress.
- 10:18SPEAKER_00: Und das bedeutet letztendlich, dass wenn man Schmerz hat und darüber bewusst reflektiert und nachdenkt und da herausfindet, woher kommt dieser Schmerz auch, genau, dann führt das eigentlich immer zu einem Progress.
- 10:32SPEAKER_00: In meinem Fall war es nicht so viel Reflexion zu der Zeit, definitiv nicht.
- 10:38SPEAKER_00: Aber es war eben dieses Thema zu sagen: hey, ich will hier raus, ich brauche Aufbruch, ich will was verändern.
- 10:45SPEAKER_00: Und genau diese Energie merke ich auch ganz häufig im Coaching und auch jetzt in dieser ganzen Zeit, auch immer so gesellschaftlich, gerade so im Januar, haben ganz viele so diese Aufbruchenergie, zu sagen, okay, ich habe im Dezember darüber nachgedacht, also ich habe bewusst mir bewusst gemacht, was war gut im letzten Jahr.
- 11:06SPEAKER_00: Und dann kommt man immer auch dahin zu denken, was war nicht so gut im letzten Jahr.
- 11:12SPEAKER_00: Und aktuell haben wir ja irgendwie eine Zeit auch so gesellschaftlich betrachtet, die sehr stark von Umbruch auch getrieben ist.
- 11:21SPEAKER_00: Und man merkt sowohl politik als auch gesellschaftlich, dass es so viele Reibereien gibt und so viel mehr auch Spannung da ist im Vergleich, so vielleicht vorhin vor zehn Jahren, vor 15 Jahren.
- 11:35SPEAKER_00: Und deswegen entsteht auch so eine gewisse Nostalgie nach dieser Sicherheit und nach diesem Gefühl von Geborgenheit irgendwie auch in der Welt.
- 11:45SPEAKER_00: Und das führt noch mehr dazu, dass man auch dieses Gefühl hat von, hey, okay, ich habe reflektiert über das letzte Jahr und das, was ich gemacht habe, war nicht gut, sondern ich muss mich verändern und ich muss in diesen Aufbruch reingehen.
- 12:01SPEAKER_00: Und dieser Schmerz, den man hat, das ist erstmal etwas, was gut ist.
- 12:07SPEAKER_00: Was passiert dabei so genau psychologisch?
- 12:12SPEAKER_00: Wir investieren in unser Selbst und in unsere Identifikation eigentlich immer.
- 12:15SPEAKER_00: Wir investieren darin, was uns ausmacht und wer wir auch sind und auch sein wollen.
- 12:19SPEAKER_00: In diese Identifikation investieren wir sehr, sehr stark.
- 12:22SPEAKER_00: Wir haben jedoch auch eine relativ klare Vorstellung davon, wer wir irgendwie sein wollen und wohin es auch irgendwie gehen soll.
- 12:30SPEAKER_00: Und das wird dadurch geprägt, dass wir frühe Kindheitserfahrungen haben, auch sehr frühe Kindheitserfahrungen sammeln und auch durch Verhalten so in der Jugendlichkeit.
- 12:41SPEAKER_00: Aber auch dann gerade so in Jugendlichen auch Erfahrungen auch durch Rollenvorbilder, die man dann irgendwie sammelt.
- 13:35SPEAKER_00: Zum Beispiel, ich hatte damals auch, als ich aufgebrochen bin, meine Nachbarn irgendwie als Vorbilder, die Akademiker waren, die Triathleten waren, die coole Sachen gemacht haben.
- 13:46SPEAKER_00: Und für mich war das damals so zu sagen, boah, das will ich auch.
- 13:50SPEAKER_00: Ich will auch so ein Leben, ich will auch so einen Lifestyle haben, ich will auch reisen können, die waren irgendwie auf Hawaii, die haben sich irgendwie sich von Lianen abgeseilt, die haben coole Events gemacht, die waren in Zürich beim Triathlon.
- 14:04SPEAKER_00: Das waren alles so Dinge, wo ich gemerkt habe, boah, das regt in mir einfach etwas.
- 14:08SPEAKER_00: Und das macht in mir was aus, sodass ich gemerkt habe, ich will das in gewisser Weise auch.
- 14:12SPEAKER_00: Und dann kam noch da hinzu, dass ich einigermaßen talentiert war, sodass ich ihm damals zum Beispiel relativ schnell auch auf dem Fahrrad weggefahren bin, was er nicht so gut fand in der Situation.
- 14:22SPEAKER_00: Aber das hat mich natürlich sehr, sehr stark daran bestärkt, zu sagen, okay, du kannst es tun, du kannst dich irgendwie auch in gewisser Weise verändern.
- 14:31SPEAKER_00: Wenn du dann auch noch so eine Bestätigung bekommst, vor allen Dingen so eine unkonditionelle Bestätigung.
- 14:36SPEAKER_00: Das heißt, dein Verhalten wird nicht immer bestärkt, du wirst nicht jedes Mal belohnt, sondern du wirst immer mal wieder belohnt und manchmal hast du keinerlei Belohnung.
- 14:46SPEAKER_00: Das ist so, wie wir eigentlich am stärksten Verhalten lernen.
- 14:50SPEAKER_00: Nicht immer Belohnung, sondern zum Beispiel auch in einer Wettkampfssituation, du hast einen guten Wettkampf, du hast einen schlechten Wettkampf, du hast einen guten Wettkampf, du hast ganz furchtbare Erlebnisse und dann holst du dich da auch wieder raus.
- 15:03SPEAKER_00: Das ist das, wie du dich wirklich dich veränderst und dieses Verhalten auch immer wieder veränderst.
- 15:08SPEAKER_00: Die meisten Menschen haben ein sehr, sehr großes Problem damit, Negativität auszuhalten und auch wenn sie hinfallen, dann zu denken, sie externalisieren an diesen Schmerz, denken immer so, das hat damit zu tun, weil das nicht funktioniert hat, der schlecht zu mir war, der Trainingsplan nicht funktioniert hat, der Coach blöd war.
- 15:32SPEAKER_00: Ich nicht genug das gemacht habe, anstelle zu verstehen, dass auch so diese negativen Erfahrungen, auch in diesen negativen Erfahrungen zu bleiben und auch aus diesen negativen Erfahrungen das mitzunehmen, dass das eigentlich eins der größten psychologischen Assets ist, die wir haben.
- 15:49SPEAKER_00: Also wirklich, dass das eine Bank ist, wenn man diese negativen Erfahrungen kennt und auch so diese negativen Erfahrungen überwinden kann.
- 16:00SPEAKER_00: Dabei spielen aber auch Hormone eine wichtige Rolle, auf die wir gleich nochmal zu sprechen kommen, warum das auch so ist, was auch passiert, wenn wir mehr Stress haben zum Beispiel, wenn wir mehr Angst haben, wenn wir mehr Prozesse haben, die auch dazu führen, dass wir uns verändern.
- 16:16SPEAKER_00: Aber dieses Selbstkonzept, was ich irgendwie gerade beschrieben habe, also diese Identifikation des Selbst, das ist so diese Gesamtheit von all unseren Empfindungen, von Erkenntnissen, von Bewertungen, die wir über uns selbst sammeln, früh, aber auch so im Bereich von der ganzen Teenager-Zeit.
- 16:34SPEAKER_00: Gerade auch so die frühen Erfahrungen und die Prägungen sind immer sehr wichtig dabei.
- 16:39SPEAKER_00: Und diese frühen Erfahrungen und Prägungen machen auch viel damit aus, ob wir nachher, und darauf kommt halt auch noch zu sprechen, ob ihr erfolgreich seid oder nicht im Sport oder ob ihr euch auch kaputt trainiert oder ob ihr auch total krass ins Übertraining tendiert dahin, weil ihr psychologisch eigentlich schon darauf geprimed seid oder eben auch nicht.
- 16:57SPEAKER_00: Das ist nämlich auch so, was das nämlich viel aussagt, ist, welche Erfahrungen ihr früh sagt, ist, wie stark ihr auch versteht, wo sind eure Stärken, wo sind eure Bedürfnisse, also was braucht ihr auch genau, um halt auch gut zu funktionieren als Mensch.
- 17:14SPEAKER_00: Und was sind die Erfahrungen, die auch gemacht werden, wenn ihr auf eure Stärken gesetzt habt und auch wenn ihr zum Beispiel eure Bedürfnisse geäußert habt.
- 17:21SPEAKER_00: Diese kognitive Struktur aber ist nicht statisch.
- 17:25SPEAKER_00: Das ist definitiv dynamisch und das ist auch was, was man verändern kann.
- 17:29SPEAKER_00: Je früher man sich dessen bewusst macht und je früher man auch in diese Veränderung geht, desto einfacher.
- 17:36SPEAKER_00: Das bedeutet, wenn man sich seine Prozesse und seine Verhaltensweisen in den 20ern bewusst macht oder Ende der 20er, Anfang der 30er, hat man viel, viel mehr Potenzial, hat man viel mehr Dinge auch zu verändern, als wenn man sie erst mit 40, 45, 50 oder noch später entdeckt.
- 17:56SPEAKER_00: Das Problem meistens dabei ist, dass man sich oft ein Leben erschaffen hat, was auf Situationen oder auch auf Bedürfnisse oder auf Stärken gesetzt hat, die man gedacht hat, die man hat, die aber vielleicht nicht ganz der Realität entsprechen.
- 18:14SPEAKER_00: Und dann zieht man eine Maske auf, und diese Maske wird durch das Leben, durch das soziale Umfeld, durch das Leben, alles, was man sich aufgebaut hat, eben immer mehr verstärkt.
- 18:23SPEAKER_00: Weil du kennst dich noch nicht richtig, du bist noch nicht richtig bewusst dessen, wer du eigentlich bist, was dir wichtig ist, was deine Stärken sind, was aber auch so deine psychologischen Herausforderungen sind.
- 18:36SPEAKER_00: Und dann suchst du dir Menschen, dann suchst du dir Sportarten, dann suchst du dir Dinge, die nicht wirklich gut zu dir passen und baust dir einfach dann auch ein Leben auf, was deutlich, deutlich schwieriger ist, dann auch wieder zu ändern.
- 18:49SPEAKER_00: Das bedeutet, je früher du probierst, Dinge zu ändern, je früher du probierst, dich zu transformieren, desto besser und desto einfacher.
- 18:59SPEAKER_00: Ich glaube, das ist zum Beispiel auch ein sehr häufiger Grund, warum auch so viele Menschen frustrieren im Alter, weil viele sich ein Leben aufgebaut haben, was nicht eigentlich dem entspricht, was sie als Idealvorstellung von ihrem Leben erwarten.
- 19:23SPEAKER_00: Wir haben einerseits so unser reales Selbst, das ist so das Selbstbild, das ist die Art und Weise, wie man sich selbst aktuell wahrnimmt.
- 19:33SPEAKER_00: Wir haben uns natürlich immer nur in der Realität.
- 19:35SPEAKER_00: Das bedeutet, Zukunft ist nach vorne denken, Vergangenheit ist irgendwie Zurückdenken.
- 19:41SPEAKER_00: Und letztendlich, was passiert, ist das reale Jetzt.
- 19:46SPEAKER_00: Das heißt, real ist, du hörst gerade diesen Podcast, real ist, ich nehme gerade diesen Podcast auf, spreche den gerade ein.
- 19:53SPEAKER_00: Und nur dieser Moment ist eigentlich das, was wir wirklich in Erfahrungen sammeln.
- 19:58SPEAKER_00: Aber das reale Selbst ist so dieses Selbstbild und das ist, wie wir uns jetzt in dem Moment irgendwie auch wahrnehmen.
- 20:05SPEAKER_00: Das heißt, was sind deine tatsächlichen Eigenschaften, was sind die Fähigkeiten, was sind die Merkmale, welche du glaubst, aktuell zu besitzen, was das ausmacht, was dich auch ausmacht.
- 20:16SPEAKER_00: Und dann gibt es dieses ideale Selbst, das heißt, diese Vorstellung davon, die du hast, wie du sein möchtest.
- 20:27SPEAKER_00: Das sind deine Wünsche, das sind deine Ziele, das sind deine Visionen, das sind die Erwartungen an dich selbst und auch Erwartungen von deiner Familie, von der Gesellschaft, also internale Erwartungen, die du selber an dich hast und auch Erwartungen von außen.
- 20:44SPEAKER_00: Das ist so dieses ideale Selbst, wo du hingehen solltest, in gewisser Weise für dich.
- 20:51SPEAKER_00: Und zum Beispiel Werbung oder Coaching-Programme, auch andere Dinge, zielen immer sehr, sehr stark darauf auf, dass wir natürlich dieses ideale Selbst, dass es dieses ideale Selbst gibt und dass du auch Wünsche hast, in dieses ideale Selbst zu kommen.
- 21:09SPEAKER_00: Und dieser Wunsch weicht stark davon ab, wo aktuell so dein Selbstbild ist.
- 21:15SPEAKER_00: Typisches Beispiel zum Beispiel, hey, ich bin, wenn ich ganz ehrlich bin, bin ich eigentlich ein Couchpotato und krieg eigentlich die letzten drei, vier Jahre echt wenig geschissen auf gut Deutsch.
- 21:30SPEAKER_00: Und ich habe aber eine Ironman-Dokumentation gesehen.
- 21:36SPEAKER_00: Und ehrlich gesagt, die sahen gar nicht so fit aus.
- 21:40SPEAKER_00: Also die sahen eher so aus, als ob die ja auch vielleicht gar nicht mal so fit sind.
- 21:47SPEAKER_00: Und ich glaube, ich kann das auch.
- 21:51SPEAKER_00: Ich glaube, ich komme da auch locker flockig hin.
- 21:56SPEAKER_00: Eigentlich so in einem Jahr.
- 21:58SPEAKER_00: Ja, stell dich mir vor, melde ich mich an.
- 22:02SPEAKER_00: Iron Man setzt da drauf.
- 22:04SPEAKER_00: Oder Ironman Langdistanzen setzen da drauf.
- 22:07SPEAKER_00: Auch Wettkampf-Event setzen darauf.
- 22:12SPEAKER_00: Ich glaube nicht, dass das dokumentiert wird oder dass es auch klar kommuniziert wird vor allen Dingen.
- 22:17SPEAKER_00: Aber es gibt immer eine gewisse Überbuchungsquote.
- 22:20SPEAKER_00: Ich weiß es nicht, ob es die wirklich gibt, aber ich denke, es gibt eine gewisse Überbuchungsquote.
- 22:24SPEAKER_00: Weil auf jeden Fall werden viele Absagen und werden viele es einfach nicht schaffen, weil diese Idealverstellung so stark davon abweicht, von wo die Menschen einfach gerade auch real sind.
- 22:38SPEAKER_00: Und das Problem ist hier eben auch, dass je höher diese Diskrepanz, ist zwischen dem realen Selbst und dem idealen Selbst, also wie groß dieser Unterschied ist dazwischen, je größer das ist, je höher ist eigentlich der Schmerz.
- 22:55SPEAKER_00: Und durch Social Media und durch viele Dinge, die gerade so passieren, haben wir eine sehr, sehr hohe Vorstellung davon, das ist das ideale Selbst.
- 23:03SPEAKER_00: Da wollen wir hin.
- 23:04SPEAKER_00: Das ist das, was irgendwie alle gerade leben.
- 23:07SPEAKER_00: Wir haben natürlich so eine gewisse Vorstellung davon, das so ist dieses ideale Leben.
- 23:12SPEAKER_00: Also wir sind super reich, wir sind super hübsch, wir erreichen alles in unserem Leben, wir sind sehr, sehr sportlich, wir machen einen Ironman und sind daneben noch irgendwie Investmentbanker.
- 23:24SPEAKER_00: Und das sind alles Dinge, die da reinspielen.
- 23:27SPEAKER_00: In dieses krasseste Ideal, was man dann auch vor Körper.
- 23:37SPEAKER_00: Und dabei ist es so, wenn wir jetzt merken, okay, Ideal, oder in das reale Selbst, das passt nicht mehr so richtig.
- 23:45SPEAKER_00: Oder dieses Selbst, was wir gerade ausschreien, das passt nicht mehr so richtig zu dem Ideal, wo wir irgendwie auch hinwollen.
- 23:50SPEAKER_00: Und das ist erstmal ein sehr guter Moment, dann auch wirklich etwas im Leben zu verändern.
- 23:55SPEAKER_00: Weil man merkt, boah, ey, irgendwie, ich bin nicht da, wo ich hin will, sondern ich will ganz woanders hin.
- 24:01SPEAKER_00: Ich will ein ganz anderes Ideal.
- 24:02SPEAKER_00: Und das ist mir auch verdammt wichtig, dass ich da hinkomme.
- 24:05SPEAKER_00: Aber so viel hält mich irgendwie gerade zurück, so viel hält mich gerade irgendwie fest.
- 24:09SPEAKER_00: Sei es mein Umfeld, sei es mein Leben, sei es irgendwie mein Training, ich krieg's irgendwie nicht hin, dann ist es natürlich der richtige Moment, dann auch wirklich etwas zu verändern.
- 24:18SPEAKER_00: Gerade wenn man das auch feststellt.
- 24:20SPEAKER_00: Und dann sich nicht wieder in sein Schneckenhaus zurückzuziehen und zu sagen, oh, ich mache das Ganze irgendwie in drei, vier, fünf Monaten.
- 24:27SPEAKER_00: Sondern wirklich dann in Aktion zu treten, wenn man merkt, es gibt diese Diskrepanz zwischen dem realen Bild oder dem idealen Bild.
- 24:37SPEAKER_00: Weil, wenn man da nicht hinhört und wenn man dann auch nicht in diese Veränderung einfach auch geht und auch dann vielleicht probiert, diese Symptome wieder runterzuschlucken und zu sagen, ey, eigentlich ist doch alles gut, dann führt es meistens dazu, dass man das eher runterschluckt und dass man probiert, dieses Bewusstsein eher, was man dann vorher entwickelt hatte und gesagt hat, hey, ich will etwas ändern und es passt einfach nicht, wo ich gerade stehe.
- 25:01SPEAKER_00: Und ich bin nicht die Person, die ich einfach sein möchte, wenn man das feststellt, dann sollte man auch Interaktion treten.
- 25:09SPEAKER_00: Und zwar ASAP.
- 25:11SPEAKER_00: Und nicht noch irgendwie erst in drei, vier, fünf Monaten.
- 25:18SPEAKER_00: Zuerst merkt man meistens nicht, dass man vielleicht auch eine Maske aufgesetzt hat.
- 25:23SPEAKER_00: Und diese Maske von dem, wo man eigentlich hin möchte und dem, wo man irgendwie gerade ist, die wird halt irgendwie immer größer.
- 25:31SPEAKER_00: Und dann hat man irgendwann eine sehr, sehr große Diskrepanz zwischen dem, was das Ideal selbst ist und das das Real selbst ist.
- 25:40SPEAKER_00: Das klassische Beispiel ist natürlich irgendwie auch hier wiederum Umfeld, Freundeskreise, all das, was man sich vielleicht auch aufbaut, dieses Leben.
- 25:46SPEAKER_00: Und viele Menschen, gerade auch, die vielleicht einen sehr ungesunden Lebensstil haben, das ist dieses typische Beispiel, wie sich dann auch so eine Maske auch entwickelt und aufbaut.
- 25:58SPEAKER_00: Ich sag mal so, das klassische Beispiel ist ja irgendwie so Leute, die vielleicht in so einer Partyszene irgendwie unterwegs sind und vielfach auch sich den Freundeskreis aufbauen, der komplett daraus auch gefühlt wird.
- 26:11SPEAKER_00: Das heißt, man geht vielleicht das erste Mal auf die Party und enjoyt das, hat irgendwie Spaß dabei, was ja auch vollkommen fair ist, was total gut ist.
- 26:19SPEAKER_00: Also ich glaube, das Schlimmste ist, wenn du auf eine Party gehst und denkst, boah, nee, was mache ich ja nicht die ganze Zeit?
- 26:23SPEAKER_00: Sondern wenn du eine gute Zeit hast und gut dabei bist, dann so das dann zu genießen, dann sozialisierst du dich dann aber vielleicht auch mit anderen Leuten, die das auch sehr genießen, die das auch cool finden.
- 26:35SPEAKER_00: Und dann baust du dir, dann kommen vielleicht andere Leute, die vielleicht auch diese Party benutzen, um irgendwie auch vor Team wegzulaufen.
- 26:41SPEAKER_00: Und dann bist du irgendwie mit dabei in dieser Clique und dann wird irgendwie immer Alkohol getrunken und du sagst irgendwie, eigentlich, boah, eigentlich habe ich gar nicht so viel Lust darauf, diesen Alkohol irgendwie die ganze Zeit mitzutrinken.
- 26:51SPEAKER_00: Aber diese Clique sagt dir natürlich irgendwie so, boah, wenn du nicht mittrinkst, dann fühlt sich das irgendwie auch für uns nicht so wirklich cool an, weil du denen natürlich sonst auch den Spiegel vorhältst, dass dieser Lebensstil, den die gerade vielleicht haben, nicht ganz so cool ist.
- 27:02SPEAKER_00: Und das bestärkt dieses ganze Verhalten.
- 27:04SPEAKER_00: Und dann kommen vielleicht noch andere Dinge dazu, dann kommen vielleicht noch Teilchen dazu oder andere Sachen, die dann auch das Ganze wieder verstärken.
- 27:10SPEAKER_00: Und wenn du das dann nicht mitnimmst und dann nicht jede Woche dabei bist, dann wirst du irgendwie auch wieder komisch beäugt.
- 27:15SPEAKER_00: Und so sozialisierst du dich in diesen Kreis.
- 27:18SPEAKER_00: Und je länger du irgendwie auch da drin bist und je länger du auch cool mitspielst, desto schwieriger wird es dann auch irgendwann zu sagen, hey, that's it.
- 27:28SPEAKER_00: Bumm.
- 27:31SPEAKER_00: Ich hatte das in meinem Leben häufiger schon, dass ich dann radikal gecuttet habe und auch dann sehr viel auch Schaden eingerichtet habe.
- 27:47SPEAKER_00: Und das waren auch dann Situationen, würde ich sagen, wo es mir auch dann immer leid getan hat nachher.
- 27:53SPEAKER_00: Ich habe zum Beispiel in der 11.
- 27:54SPEAKER_00: Klasse einfach mit all meinen Freunden gecuttet, habe gesagt, das war's.
- 27:58SPEAKER_00: Gefällt mir nicht mehr.
- 27:59SPEAKER_00: Es war genau nämlich so diese Zeit, wo ich angefangen habe, mich mit Medizin zu beschäftigen, wo ich angefangen habe, mich mit Leistungsfähigkeiten mehr zu beschäftigen, wo ich angefangen habe, Triathlon zu machen.
- 28:09SPEAKER_00: Und ich habe diese Diskrepanz festgestellt zwischen meinem Freundeskreis, der damals da war, und meinem, wo ich eigentlich hin möchte.
- 28:14SPEAKER_00: Und dann habe ich die Schule gewechselt und habe einfach einfach alles mal abgekuttelt.
- 28:18SPEAKER_00: Hab mich dann irgendwann auch wieder entschuldigt und habe gesagt, hey, sorry.
- 28:22SPEAKER_00: War aber auch ein wichtiger Prozess, nur es ist deutlich gesünder, wenn man das frühzeitig feststellt und frühzeitig ein Bewusstsein dafür hat.
- 28:31SPEAKER_00: Und dann auch kleinere Änderungen zu machen, anstatt immer diesen riesengroßen Cut, cut, cut, cut, cut.
- 28:37SPEAKER_00: Jim Carrey hat dazu mal said, Depression is your body saying, I don't want this character anymore.
- 28:44SPEAKER_00: And I think it's relativ in the discussion to say, Depression is dein Körper.
- 28:53SPEAKER_00: That says Nein.
- 28:54SPEAKER_00: I will dieser Charakter, den du spielst, ich will der nicht mehr sein.
- 29:00SPEAKER_00: Das bin ich eigentlich nicht.
- 29:01SPEAKER_00: Und das passt auch einfach nicht zu mir.
- 29:05SPEAKER_00: Und das ist nichts anderes als eine substanziell große Differenz zwischen diesem idealen Selbst und dem realen Selbst aktuell.
- 29:13SPEAKER_00: Wie gesagt, diese Differenz ist immer eine sehr große Chance, etwas im Leben auch zu verändern oder auch zu kollabieren, sich komplett zurückzuziehen vor allem.
- 29:20SPEAKER_00: Das heißt, es ist schon immer auch ein gefährlicher Schritt, das zu machen, diese Differenz.
- 29:26SPEAKER_00: Und hier gibt es, würde ich sagen, immer zwei verschiedene Arten von Menschen.
- 29:30SPEAKER_00: Es gibt die einen, die probieren, alles zu betäuben, sich rauszuziehen, wenn der Schmerz zu stark wird, einfach wegzulaufen und die Schatten dicht zu machen.
- 29:40SPEAKER_00: Oder es gibt die anderen, die den Schmerz wahrnehmen und feststellen, das ist echt hart.
- 29:46SPEAKER_00: Das tut gerade enorm weh.
- 29:49SPEAKER_00: Das zieht mir gerade einfach alles unter den Füßen weg.
- 29:53SPEAKER_00: Und das dann aber auch probieren zu integrieren und das auch daraus auch lernen, einfach auch zu ziehen und nach vorne zu gehen.
- 30:10SPEAKER_00: Ich glaube, viele brechen nicht aus und viele kollabieren eher oder ziehen sich auch zurück.
- 30:16SPEAKER_00: Ich glaube auch, dass das ehrlich gesagt ein gesellschaftliches Ding ist, dass es auch ein Unterschied ist zwischen Generationen dabei.
- 30:22SPEAKER_00: Dass zum Beispiel in der Generation jetzt zum Beispiel von meinen Eltern sehr gefährlich gewesen wäre, wenn du nicht in der Gesellschaft mitspielst und wenn du nicht auch gefallen möchtest, sondern da gab es eher so ein gewisses kollektives Verhalten, gleich zu bleiben und so zu sein wie irgendwie auch die anderen, weil du sonst aus diesem Raster halt irgendwie rausgekommen bist und rausgefallen bist.
- 30:51SPEAKER_00: Und das ist sicherlich auch so ein gewisser generationaler Konflikt, weil in der Generation von unseren Großeltern oder ich sag mal, in der Generation, die irgendwie die Kriegsjahre miterlebt hat, war natürlich irgendwie aus der Reihe zu fallen, lebensgefährlich.
- 31:06SPEAKER_00: Also wenn du da aus der Reihe gefallen bist und irgendwie jemand aus dem jemand irgendwie aus der NS dich gesehen hätte, dann war es das, hätte es da doch das mal sein können irgendwie.
- 31:19SPEAKER_00: Und das ist natürlich irgendwie was, was in geringerer Form irgendwie auch weitergegeben ist, auch an die Generation danach, was irgendwie zum Beispiel meine Eltern sind.
- 31:27SPEAKER_00: Und es ist aber auch was, wo dann auch die Generation, also meine Generation, würde ich sagen, sehr stark irgendwie auch angefangen hat, irgendwie auszubrechen.
- 31:34SPEAKER_00: Und jetzt so Gen Z eher noch mehr auch das auch eher ausbricht und sagt so, hey, ich will das so nicht und ich möchte letztendlich mein eigenes Ding erschaffen und komplett irgendwie auch rausgehen.
- 31:47SPEAKER_00: Es gibt da aber auch einige Nachteile mit, auf die wir auch noch gleich zu sprechen kommen.
- 31:53SPEAKER_00: Was passiert dabei auch so ein bisschen physiologisch, weil das ist nicht nur psychologisch, das zu erklären, sondern es gibt auch hormonell einige Player, die genau dieses Verhalten irgendwie auch erklären.
- 32:03SPEAKER_00: Einerseits das Cortisol, das ist unser Stresshormon, das habt ihr sicherlich schon mal gehört, das ist so das Hormon, was den Tagesrhythmus koordiniert.
- 32:10SPEAKER_00: Cortisol wird oft so als sehr, sehr nachteilig und böse auch physiologisch bewertet und auch geschrieben, auch so in Biohacker Foren, immer irgendwie Cortisol irgendwie runterfahren.
- 32:20SPEAKER_00: Fakt ist jedoch, Cortisol brauchen wir und es ist auch ein sehr wichtiger Player, so im Energiestoffwechsel und auch auf das ganze Thema Blutdruck.
- 32:28SPEAKER_00: Es sorgt dafür, dass unser Blutdruck und Blutzuckerwert einfach auch erhöht wird, also steigert den Blutdruck, erhöht den Blutzuckerwert.
- 32:36SPEAKER_00: Und man bezeichnet es halt als Stresshormon, das sehr sensibel auf akuten Stress, auch so Identifikationsstress reagiert.
- 32:45SPEAKER_00: Und es bringt unser gesamtes System vor allen Dingen langfristig gesehen nach oben.
- 32:49SPEAKER_00: Also nicht kurzfristig sowas wie Adrenalin, nur Adrenalin, sondern Cortisol besorgt eher dafür, dass wir eine langfristige Steigerung haben unseres gesamten Systems.
- 32:57SPEAKER_00: Und ehrlich gesagt, wenn man relativ hoch auf Cortisol ist, fühlt sich das nicht gerade schlecht an, sondern fühlt sich das meistens ziemlich, ziemlich gut an, gerade so am Anfang.
- 33:05SPEAKER_00: Wenn ihr da mehr zu wissen wollt, dann hört euch auch nochmal so die Folge an zum ganzen Thema Übertraining.
- 33:09SPEAKER_00: Da gehe ich da auch nochmal mehr rein ein, warum sich das auch so gut anfühlt, gerade auch hohe Cortisolwerte zu haben.
- 33:17SPEAKER_00: Ohne externe Stimulation, ohne krassen Stress, ohne super viel Training irgendwie abends, folgt die Cortisolausschüttung einer sogenannten zirkadian Rhythmik.
- 33:29SPEAKER_00: Dabei sind die Werte, die Cortisolwerte morgens am höchsten, einhergehend mit danach auch so einem gewissen Baut von Testosteron, Östrogen.
- 33:37SPEAKER_00: Und dabei kann man sagen, dass sich eigentlich die höchste Leistungsfähigkeit am Tag nicht direkt morgens zeigt, mit den höchsten Cortisolwerten, mit dem höchsten Blutzucker, mit dem höchsten Blutdruck letztendlich, sondern eher gegen so 10, 11 Uhr, so der erste Peak eigentlich von Performance.
- 33:54SPEAKER_00: Und der zweite Peak ist dann so gegen 16 Uhr.
- 33:57SPEAKER_00: Das heißt, es ist immer etwas verzögert von den Cortisol-Peaks.
- 34:02SPEAKER_00: Abends sollte der Cortisolwert dann auch wieder fallen.
- 34:05SPEAKER_00: Und das stimuliert dann vor allen Dingen so Hunger, Erholung, Schlaf.
- 34:09SPEAKER_00: Also es ist dann eher so ein parasympathisches Signal, was den Körper einfach wieder runterbringt.
- 34:13SPEAKER_00: Was auch sehr, sehr wichtig ist.
- 34:14SPEAKER_00: Also diese ganze Balance ist wichtig für eure ganze biologische Hymostase, dass einfach alles, alles gut funktioniert.
- 34:23SPEAKER_00: So, ihr seid auf der einen Seite braucht ihr irgendwie dieses anregende System, aber auch wieder die Ruhe.
- 34:30SPEAKER_00: Was passiert bei Stressreaktionen?
- 34:32SPEAKER_00: Bei Gefahr, gerade so Gefahr, Panik, energetisches Defizit oder auch sehr hartes Training.
- 34:41SPEAKER_00: Also wenn unser Körper etwas als substanziellen Stress feststellt, einerseits vielleicht induziert durch hartes Training oder auch zum Beispiel mental durch eine Identitätskrise, durch viel Stress irgendwie sonst, durch Arbeit, durch Beziehungen, doch wie auch immer, schüttet unser Körper mehr Releasing-Hormone aus.
- 35:00SPEAKER_00: Und diese Releasing-Hormone oder Faktoren stimulieren dann Cortisol sehr stark.
- 35:07SPEAKER_00: Dadurch werden dann in dem Moment sehr viele aktivierende Neurotransmitter wie Adrenalin, Noradrenalin vermehrt ausgeschüttet und auch so unser Belohnungshormon, Dopamin.
- 35:18SPEAKER_00: Also die beiden Prozesse hängen relativ nah miteinander zusammen.
- 35:22SPEAKER_00: Und gerade so dieser Baut aus, hey, ich habe Adrenalin, Noradrenalin dabei, das ist, also das ist letztendlich nichts anderes, als wenn wir irgendwie so Ecstasy zum Beispiel nehmen.
- 35:38SPEAKER_00: Das fühlt sich, also es ist ein sehr ähnliches Moment, weil es einfach so ist, dass wir halt angeregt werden von unserem gesamten, gesamten System.
- 35:47SPEAKER_00: Und auch eben Dopamin, was ein krasser Belohnungsfaktor ist.
- 35:52SPEAKER_00: Das heißt, es fühlt sich erstmal alles total, total gut an, das Ganze.
- 35:55SPEAKER_00: Gerade so hohe Cortisolwert, das fühlt sich am Anfang an so, boah, ich kann fliegen, ich kann alles erreichen, was ich will.
- 35:59SPEAKER_00: Total.
- 36:00SPEAKER_00: Nach dieser Stressphase, und wenn es auch gerade so eine akute Stressphase ist, registriert der Körper aber diese hohen Cortisolwerte und reguliert dann mit einem Abbau, weil er dann Cortisol wieder runter produziert und eine gewisse Ruhephase wird eingeleitet.
- 36:13SPEAKER_00: Und dann werden andere Hormone oder andere Begleitfaktoren mit aktiviert, zum Beispiel Melanconieren, zum Beispiel wird unser parasympathisches Nervensystem irgendwie aktiviert und alles wird eher runterreguliert.
- 36:25SPEAKER_00: Oder zum Beispiel, wir fangen auch an, deutlich mehr Hunger zu bekommen.
- 36:30SPEAKER_00: Und das ist letztendlich erstmal so die normale Balance.
- 36:32SPEAKER_00: Problematisch ist aber, wenn diese Balance, sag ich mal, gestört ist und auch über einen langen Zeitraum gestört ist.
- 36:37SPEAKER_00: Das führt nämlich dazu, dass wir irgendwie Unruhe haben, dass wir Dauerstress haben, dass wir auch nicht richtig abschalten können.
- 36:42SPEAKER_00: Und das führt dann auch dazu, dass zum Beispiel, wenn wir jetzt dauerhaft zu hart trainieren, wenn wir dauerhaft hartes Training kombinieren, mit zum Beispiel einem Energiedefizit, das sind immer so die beiden schnellen, akuten Treiber von so Cortisol, also hartes Training, High-Intensity Training Sessions in Kombination zum Beispiel mit echt Stress, also Energiestress, vor allen Dingen auf unserem Körper.
- 37:05SPEAKER_00: Das ist so ein Signal, das löst evolutionär an uns aus, so, hey, wir haben nicht genug Energie an Bord und das könnte gefährlich werden.
- 37:15SPEAKER_00: Säugetiere zum Beispiel können auch sterben davon, dass sie zum Beispiel zu wenig Energie an Bord haben über einen langen Zeitraum, also wir haben ja eine relativ gute, gut eingestellte Energiebilanz und es ist seltener, dass wir wirklich daran sterben, dass wir einfach, oder fast nie eigentlich, dass diese akute Energiebilanz gestört ist.
- 37:40SPEAKER_00: Also wir kollabieren, wir fallen in Ohnmacht, aber wir sterben halt eigentlich nicht dadurch, dass wenn wir zum Beispiel total, also wenn wir total ausgelastet sind vom System, irgendwie bei 95% von der maximalen Herzrequenz sind und dann nochmal probieren zu sprinten und es klappt einfach nicht, dann versagen wir meistens irgendwie unsere Beine und wir kollabieren oder wir passen out.
- 38:04SPEAKER_00: Also ist es vielleicht so, dass wir eher dann in Ohnmacht fallen.
- 38:10SPEAKER_00: Aber es ist eigentlich nicht so, dass wir durch Ermüdung, durch Erschöpfung wirklich akut sterben.
- 38:16SPEAKER_00: Kleiner Funfact dazu das war glaube ich 2019 oder 2018 beim Iron Man Hawaii.
- 38:25SPEAKER_00: Beim Iron Man Hawaii ist es so, dass am Ende laufen irgendwie alle Athleten so einen Hügel runter, die Palani Road.
- 38:32SPEAKER_00: Und das ist echt mies, weil du nach der Palani Road musst du noch eine Meile, also 1,6 Kilometer, noch laufen laufen und du unterschätzt das dramatisch.
- 38:44SPEAKER_00: Also du denkst so, du kommst von einem Highway, und dieser Highway in Hawaii, die Laufwunde ist schon so ein bisschen pervers, weil du läufst 14 Kilometer erstmal beim Iron Man die ersten, oder für alle, die es nicht wissen, Iron Man ist ein Marathon am Ende zu laufen.
- 39:02SPEAKER_00: Und beim Ironman Hawaii, das ist die Weltmeisterschaft, sind super, super Leute, sind eigentlich die fittesten Menschen der Welt am Start.
- 39:08SPEAKER_00: Und du bist so aufgeregt, wenn du das Ding bestreitest.
- 39:11SPEAKER_00: Und die ersten 14 Kilometer läufst du in Town.
- 39:14SPEAKER_00: Es ist super schwül und heiß.
- 39:16SPEAKER_00: Eigentlich so 28 Grad meistens bis 32, es ist super tropisch.
- 39:20SPEAKER_00: Luftfeuchtigkeit ist aber bei 90 Prozent.
- 39:22SPEAKER_00: Das heißt, es fühlt sich so ein bisschen so an, als wenn jemand mit so einem leichten Föhn die ganze Zeit dir so ins Gesicht bläst und dann eben dann auch noch ein bisschen Wasser damit reinmacht, aber mit so ein heißes Wasser.
- 39:37SPEAKER_00: Also dein Körper hat echt Probleme damit, auch so eine gute Temperaturregulation da auch zu erreichen.
- 39:42SPEAKER_00: Danach geht es auf den Highway, wo du dann ja so effektiv Temperaturen hast im Bereich von so 32, 33 Grad.
- 39:52SPEAKER_00: Das kann sich aber gerne auch mal anfühlen wie 40 Grad, weil dieser Sonne, und es ist ja meistens eine super, super krasse Sonne auf Hawaii, die auf den Highway draufstrahlt.
- 40:02SPEAKER_00: Und der Highway ist ganz, ganz schwarzer Asphalt und der strahlt ganz, ganz viel zurück von dieser Wärme.
- 40:08SPEAKER_00: Und auf dem Highway hast du auch meistens dann keinen Wind mehr.
- 40:11SPEAKER_00: Also das verändert sich nach 14 Kilometern.
- 40:15SPEAKER_00: Und dann läufst du noch auf dem Highway, diese irgendwie 24, 25 Kilometer und dann läufst du zurück in Town, läufst diese Palani Road runter und läufst dann noch zwei Kilometer eben Palani Road durch Town zurück.
- 40:27SPEAKER_00: Und dann kommst du also von dieser total trockenen, super, super heißen Atmosphäre, läufst du auf den Hügel und läufst dann diesen Hügel runter und du fühlst dich so gut, weil du einfach diese Lavazonen, du hinterlässt so dieses menschenunwürdige Feld, wo du denkst, boah, ich will da nie wieder hin.
- 40:50SPEAKER_00: Jedes Mal, wenn ich auf Hawaii von Town auf den Highway gelaufen bin, nach 14 Kilometern, habe ich immer gedacht, warum zur Hölle tue ich mir das wieder an?
- 41:00SPEAKER_00: Und Edgar ändert sich dann auch, nur in diesem Moment, danach denkst du mir, so boah, ist der beste Wettkampf gewesen, den ich aber gemacht habe.
- 41:06SPEAKER_00: Aber in dem Moment denkst du einfach nur so, warum zur Hölle?
- 41:10SPEAKER_00: Warum tue ich mir das eigentlich wieder an?
- 41:12SPEAKER_00: Auf jeden Fall, nach dem Highway, läufst du dann diese Polani Road runter und es ist so ein befreiendes Gefühl.
- 41:20SPEAKER_00: Und du läufst einfach so richtig schnell und denkst so, boah, geil, jetzt gleich ist irgendwie die Finish-Line und gleich werde ich irgendwie meine Freunde wiedersehen und ich werde über diese Ziellinie laufen und es wird der beste Moment meines Lebens sein.
- 41:34SPEAKER_00: Und dann kommst du unten an bei der Polani Road und dann sind es halt einfach immer noch verdammte 1,6 Kilometer.
- 41:43SPEAKER_00: And du denkst jetzt, das ist nicht viel, aber es ist verdammt viel.
- 41:47SPEAKER_00: Das ist wirklich so, weil du bist so in der Auslastung bist und dadurch, dass du meistens auch noch so ein bisschen gesprintet hast und da runtergelaufen bist und dich so gut gefühlt hast und deine Beine auch offen sind, weil du einfach runtergelaufen sind, und dann musst du aber noch 1,6 Kilometer das Ding irgendwie zusammenhalten, das ist nicht easy.
- 42:04SPEAKER_00: Gar nicht easy.
- 42:06SPEAKER_00: Und 2018, 2019 sind so viele Athleten da kollabiert.
- 42:12SPEAKER_00: Also ganz viele sind kollabiert, bevor sie Palani Road runtergelaufen sind.
- 42:16SPEAKER_00: Also so am Ende von dem Highway, weil sie da auch, glaube ich, schon gedacht haben, boah, jetzt kann ich ein bisschen schneller laufen, weil es ist nur noch Palani Road runter und danach noch durch Town.
- 42:24SPEAKER_00: Und man unterschätzt das eben dramatisch.
- 42:26SPEAKER_00: Und dann gab es aber auch echt, ich glaube, drei, vier Athleten, auch zwei von denen, die wir betreut haben, die einfach da dann auch kollabiert sind.
- 42:35SPEAKER_00: Und das Gemeine ist, dass die den Wettkampf nicht mehr zu Ende gemacht haben, sondern die sind dann wirklich ins medizinische Zelt gekommen, denen ist nichts passiert, die hätten keine bleibenden Schäden davon, aber die haben den Wettkampf nicht zu Ende gemacht.
- 42:48SPEAKER_00: Also die haben die Weltmeisterschaften dann nicht zu Ende gemacht.
- 42:52SPEAKER_00: Und das ist natürlich bitter, weil erstens, so der Ironman Hawaii, es ist ein sehr großes Investment, sowohl finanziell betrachtet, ist man ganz locker mal bei 15.000 Euro, wenn man das Ding anständig machen will mit dem ganzen Material, mit allem, was man irgendwie daran investiert hat.
- 43:09SPEAKER_00: Das ist eine.
- 43:10SPEAKER_00: Und das andere ist natürlich, dass es auch ein Lebenstraum ist.
- 43:14SPEAKER_00: Also da über die Zip-Finish-Line zu laufen, ist einfach ein unglaublich krasses Gefühl.
- 43:21SPEAKER_00: Und es ist für viele ein totaler, totaler Lebenstum, das zu erreichen.
- 43:27SPEAKER_00: Okay.
- 43:28SPEAKER_00: Wie bin ich jetzt darauf gekommen?
- 43:30SPEAKER_00: I don't know.
- 43:31SPEAKER_00: Also Dopamin, ja, da waren wir gerade irgendwie, dass wir darüber gesprochen haben, das sind eigentlich irgendwie Glückshormone, die das auch irgendwie dann so mit unterstützen, dieses ganze Verhalten und auch so dieses Ziel erreichen.
- 43:43SPEAKER_00: Dabei wurde lange Zeit Dopamin auch so ein bisschen als reines Glückshormon bezeichnet, doch auch hier muss man sagen, das ist definitiv differenzierter.
- 43:51SPEAKER_00: Zum Beispiel diese ganzen Dopamin-Dox-Videos oder sonst was, es wird sehr viel darüber beschrieben, dass Dopamin ist ein reines Glückshormon.
- 43:58SPEAKER_00: Dem ist nicht so.
- 43:59SPEAKER_00: Dopamin ist primär auch ein Motivationsmotor und auch ein Belohnungserwartungssignal.
- 44:07SPEAKER_00: Also es ist jetzt nicht nur der direkte Auslöser von Glückshormonen, sondern es ist eher so, ich erwarte, dass eine Situation gut wird und ich motiviere mich, dahin, dahin zu gehen.
- 44:19SPEAKER_00: Was prinzipiell ja nicht so schlecht ist.
- 44:22SPEAKER_00: Das Problem ist nur, Dopamin wird dabei nicht erst beim Erreichen des Ziels ausgeschüttet, sondern vor allen Dingen bei der Erwartung und Vorfreude auf das Ziel.
- 44:35SPEAKER_00: Das bedeutet, es ist definitiv so, dass die Vorstellung des Ziels viel schöner ist als das, was ist das?
- 44:44SPEAKER_00: Das Ziel nachher irgendwie auch ist.
- 44:46SPEAKER_00: Man freut sich, gerade auch bei natürlich sportlichen Sachen, aber auch bei anderen Dingen, freut man sich immer viel mehr darauf, auf den Moment und ist dann teilweise sogar enttäuscht, dass der Moment einem nicht das gegeben hat, was man sich davon erhofft und auch erwartet hatte.
- 45:08SPEAKER_00: Das bedeutet aber auch so, dieses ganze System aus Dopamin, aus Cortisol ist das System, was uns antreibt, und auch noch Dingen zu streben, die auch Freude bereiten.
- 45:18SPEAKER_00: Also auch so diese Vorstellung: natürlich, ich habe diese krassen Bilder, auch jetzt so die Bilder, die ich gerade gezeichnet habe vom Iron Man Hawaii, was das für ein cooler, irgendwie einfach ein cooles Erlebnis war und diese Erfahrungen, die man gemacht hat, Erfahrungen machen natürlich das Leben aus.
- 45:34SPEAKER_00: Und das ist auch das, wo man sich natürlich auch dran erinnert.
- 45:39SPEAKER_00: Und dann ist es natürlich auch so, dass, hey, so setze ich mir dann auf die Ziele.
- 45:46SPEAKER_00: Und das hat ganz viel damit zu tun, dass wir dieses Glücksgefühl haben, dass wir dadurch auch Opiate haben, also Endorphine haben, die dann auch ausgeschüttet werden.
- 45:54SPEAKER_00: Und dabei fühlt es sich oft so an, dass gerade auch diese Erwartungen und das, dass man sich das vorstellt und durch diese Ziellinie läuft, seine Liebsten in die Arme stehst, das sind so diese Bilder, die man im Kopf hat, die nachher im Erlebnis vielleicht gar nicht haltbar sind, aber es ist das, was einen wirklich antreibt, das auch so zu erreichen.
- 46:14SPEAKER_00: Und wenn wir dann das Ziel erreichen, fühlt es sich definitiv an wie ein Kick.
- 46:21SPEAKER_00: Für alle vielleicht, ich habe den Zieleinlauf von meinem größten sportlichen Event auf meinem Instagram-Kanal.
- 46:27SPEAKER_00: Ich bin unglaublich glücklich, dass den niemand festgehalten hat.
- 46:30SPEAKER_00: Und bei dem Moment, ich erinnere mich noch daran, da durch die Ziellinie zu laufen beim Armen Hawaii.
- 46:37SPEAKER_00: Ich erinnere mich noch daran, wie auch so für mich die Lampen ein bisschen ausgegangen sind.
- 46:42SPEAKER_00: Also das heißt, ich hatte so einen gewissen Tunnelblick und habe mich daran erinnert, einfach das Ziel irgendwie zu erreichen.
- 46:48SPEAKER_00: Und ich habe auch diese Erleichterung, das überwunden zu haben und auch, dass es vorbei ist jetzt.
- 46:54SPEAKER_00: Das ist natürlich ein unglaublicher Kick.
- 46:58SPEAKER_00: Und ich bin dann auch im Ziel, mich dann ganz, ganz schnell ganz, ganz schwindlich geworden.
- 47:04SPEAKER_00: Und ich musste Leute auch ranholen, weil ich eben auch kollabiert bin.
- 47:10SPEAKER_00: Die Temperaturen sind so heiß, dass die Beine dann komplett schnell aufgehen und so kollabierst du auch.
- 47:14SPEAKER_00: Also sie wird dann sehr, sehr, sehr schnell, schwindlich.
- 47:17SPEAKER_00: Aber natürlich war es ein unglaublich krasses Erlebnis und ein unglaublich krasses Gefühl, das so zu erreichen.
- 47:25SPEAKER_00: Es gibt dann aber auch so ein gewisses Interview, was so 20 Minuten später stattfindet von mir, wo ich halt sage, oh, ich hätte auch noch besser sein können.
- 47:34SPEAKER_00: Und ich sag mal, das ist, glaube ich, so dieses typische Anzeichen, auch so, weil mir der Moment, glaube ich, dann auch so schon mal sagt, nicht den Kick gegeben hat, den ich vielleicht mir auch davon etwas erhofft habe.
- 47:48SPEAKER_00: Das Problem ist oft, und das sehen wir im Coaching, das sehe ich im Coaching ganz, ganz oft, ist so dieser Post-Wettkampf-Blues.
- 47:56SPEAKER_00: Also nach so einem Iron Man, nach einem 70-3, nach auch einer High-Rock-Saison, auch relativ nach vielen Wettkämpfen fällt dieser Dopamin- und Cortisol-Spiegel.
- 48:09SPEAKER_00: Und das fühlt sich dann nicht so wirklich cool an, sondern es fühlt sich eher so an wie so eine kleine Mini-Depression.
- 48:16SPEAKER_00: Und so, boah, nee, ich will irgendwie gar nichts mehr machen.
- 48:19SPEAKER_00: Und dann genau dann kommen nämlich auch die ganzen Hersteller und oder auch Event-Veranstalter und sagen: Hey, es gibt ein neues Event, trag dich doch hier ein.
- 48:29SPEAKER_00: Das ist psychologisch natürlich irgendwie genau so auch konstruiert, dass du auch genau in dem Moment, wenn du auch so dieses Down hast und nicht genau weißt, hey, ich habe irgendwie gar kein Ziel und das fühlt sich nicht so wirklich gut an, dass du dann den neuen Wettkampf auch irgendwie buchst.
- 48:45SPEAKER_00: Okay, was ist die Gefahr dabei?
- 48:47SPEAKER_00: Also wir haben darüber gesprochen, so Aufbruch und das ist alles cooles und es ist gut.
- 48:51SPEAKER_00: Also es gibt dir eine Menge, wenn du es machst.
- 48:54SPEAKER_00: Die Gefahr dabei ist aber primär das Bewusstsein mit diesem Mix aus Aufbruch, Psychologie und Belohnungshormonen zu betäuben.
- 49:04SPEAKER_00: Und nicht zu gucken, so Pain plus reflection equals progress, sondern einfach nur zu gucken, hey, Pain, how can I avoid pain?
- 49:13SPEAKER_00: So schnell wie es um geht und betäube mich die ganze Zeit mit Wettkämpfen.
- 49:18SPEAKER_00: Gerade so am Anfang und wenn man feststellt, dass man vielleicht auch so dieses Defizit hat aus dem realen Selbst und dem Ideal selbst, zum Beispiel, wenn man auch irgendwie weiß, okay, ich habe irgendwie so einen Lebensstil, ich bin nicht so richtig happy mit meiner Peergroup oder mit anderen Dingen, dann ist es natürlich super gesund, auch hier auszubrechen.
- 49:39SPEAKER_00: Aber klar auszubrechen und sich dem auch bewusst zu sein, dass man es auch tut, diese, und sich auch in gewisser Weise neu zu erfinden und auch klar so zu kommunizieren, dass man auch irgendwie aufbricht und auch das festzuhalten.
- 49:55SPEAKER_00: Es kann jedoch aber auch sein, dass man immer wieder diese Aufbruchkaskade nutzt und dieses Belohnungssystem nutzt, um nicht auf seine eigentlichen Probleme zu schauen.
- 50:06SPEAKER_00: Und das ist auch ein erlerntes Verhalten und auch ein erlernt auch vielleicht frühzeitig schon.
- 50:12SPEAKER_00: Das heißt, wenn man zum Beispiel lernt, dass wir diesen Aufbruch nutzen können, um uns zu verändern, um uns auch zu regulieren und auch vielleicht so Symptome wie Panik, Angst und Stress zu vermeiden, dann können wir das auch runterdrücken, mit diesem Moment zu sagen, ich muss immer alles verändern.
- 50:36SPEAKER_00: Und ich drücke das runter mit Reisen, Stress oder auch exzessivem Verhalten.
- 50:47SPEAKER_00: Ich sag mal, es ist wichtig, dass man natürlich funktioniert immer und auch nach vorne zu gehen und Ziele zu erreichen.
- 50:58SPEAKER_00: Dauer funktionieren, immer nur Funktion zu zeigen und sich selbst zu halten, sich selbst verantwortlich zu halten, nach draußen zu gehen, fühlt sich gut an, befreiend.
- 51:09SPEAKER_00: Es geht aber um diese Balance.
- 51:12SPEAKER_00: Das bedeutet, dass es auch mal absolut sinnvoll sein kann, in diese negativen Emotionen einzusteigen und herauszufinden, wo kommen die auch genau her.
- 51:24SPEAKER_00: Und da auch eher an dem Bewusstsein zu arbeiten, anstelle jedes Mal zu sagen, ich habe einen Schmerz und ich drücke den jetzt einfach sofort weg.
- 51:32SPEAKER_00: Gesellschaftlich wird das Verhalten definitiv gefördert, zu sagen, ich habe einen Schmerz, ich habe das Symptom und ich drücke das weg.
- 51:42SPEAKER_00: Ich gehe nach draußen, ich mache Sport, ich habe keinerlei Bewusstsein, ich gehe nicht an die Ursache.
- 51:51SPEAKER_00: Aber immer nur aufzubrechen und Ziele zu erreichen in seinem Leben, ist ein Defizit.
- 51:58SPEAKER_00: Das ist ein Selbstwertdefizit.
- 52:02SPEAKER_00: Das hat ganz viel dann nämlich damit zu tun, mit sich selbst nicht zufrieden zu sein.
- 52:06SPEAKER_00: Und mit dem, was man auch hat, nicht zufrieden zu sein.
- 52:12SPEAKER_00: Das kommt jetzt so ein bisschen aus dem Beziehungskontext.
- 52:16SPEAKER_00: Und da sagt man, the content, constant display of performance is neediness.
- 52:23SPEAKER_00: Das bedeutet, dass wenn man konstant darstellen muss, dass man performt, es nicht nur nach außen gibt, sondern auch für sich selber, dass man die ganze Zeit sich halten kann und Performance zeigt und nur sich über Performance definiert, was man im Leben erreicht, dann ist es eigentlich eine Bedürftigkeit.
- 52:42SPEAKER_00: Eine Bedürftigkeit nach mehr Selbstwert und auch nach mehr Liebe.
- 52:48SPEAKER_00: Dass es eigentlich auch ein Aufschrei, dass irgendwas einfach kolossal, ganz und gar nicht gerade stimmt.
- 52:57SPEAKER_00: Und wenn man das hat, dann ist so ein exzessives Verhalten im gesamten Bereich, so von Sport, Training, Gesundheit und wirklich alles zu perfektionieren, ist dann genau das Verhalten, was man nicht tun sollte.
- 53:13SPEAKER_00: Weil das dämpft dieses Bewusstsein.
- 53:16SPEAKER_00: Es ist eigentlich nur eine Art Überlebensmechanismus, den man halt angewendet hat.
- 53:20SPEAKER_00: Man begibt sich immer wieder in diesen High-Performer-Bereich, um nicht zu gucken, wo ist man auch schwach ist.
- 53:29SPEAKER_00: Und kann man mit diesen Schwächen, die man hat und kann man auch mit den Herausforderungen, die man sonst hat in seinem Leben, da auch mit sich irgendwie auch umgehen.
- 53:41SPEAKER_00: Und dabei so ein typisches Symptom eben auch, dass wenn man ohne Sport nicht klarkommt in seinem Leben, wenn man auch gerade nicht klarkommt, dass man auch gerade was Neues erreicht, dass man sich das neue Ziel setzt, dann sagt das viel darüber aus, über die eigene Zufriedenheit mit sich selbst und seinem Selbstwert.
- 53:58SPEAKER_00: Das führt dann nicht nur der Entwicklung zu Problemen, sondern eben auch in der psychologischen Entwicklung und in der Lebensentwicklung führt das zu Problemen, weil man dann sehr, sehr single focused meistens ist auf einzelne Sachen.
- 54:10SPEAKER_00: Das führt aber auch dann zu Problemen im Sport selbst, weil man eben viel zu viel Volumen macht, weil man viel zu viel Intensität macht, das gar nicht dazu passt, wie eigentlich gerade so das Leben organisiert ist.
- 54:22SPEAKER_00: Viel zu viel Volumen, vielleicht auch neben einem Job zu machen, der einen auch voll einspannt und man kommt nie wirklich zur Ruhe, nie wirklich zur Regeneration.
- 54:29SPEAKER_00: Weil sobald man zur Regeneration kommt, fangen diese Stimmen im Kopf an, die einem die ganze Zeit sagen, man isst halt nicht genug.
- 54:38SPEAKER_00: Und das ist sehr gefährlich.
- 54:41SPEAKER_00: Und da natürlich dann auch viel zu viel Intensität.
- 54:44SPEAKER_00: Also viel zu viel im Medium-Intensity-Bereich, viel zu viel im High-Intensity-Bereich.
- 54:48SPEAKER_00: Weil klar, höhere Intensität dämpft das Bewusstsein und gibt eben auch mehr Belohnungen in Form von Endorphinen.
- 54:57SPEAKER_00: Sport und Training sind super gesunde Dinge, super wichtig und positive Dinge in dem Leben.
- 55:03SPEAKER_00: Also ich glaube, man braucht immer Sporttraining und einen gesunden Lebensstil, um langfristig gesehen auch mit zufrieden mit sich zu sein.
- 55:10SPEAKER_00: Genauso wie aber auch ein exzessives Verhalten im Bereich von Party, Drogen und gesunder Lebensstil vorhanden sein kann, kann es auch ein exzessives Verhalten geben in der anderen Richtung, in der Richtung gesundes Verhalten, alles zu optimieren, sich komplett nach vorne zu bringen.
- 55:31SPEAKER_00: Zum Beispiel, ich sehe auch gerade in dem ganzen Longevity-Bereich, dass es sehr stark darum geht, noch mehr zu perfektionieren, noch mehr zu optimieren und neben der Supplement-Routine dann auch nur die und die Lebensmittel und sonst was zu optimieren und das auch einzuwerfen und das zu machen.
- 55:49SPEAKER_00: Und hier sehe ich auch wieder so die Gefahr, dass es eben keine gute Balance einfach dabei auch gibt und dass das eine gewisse Exzessivität hat.
- 55:57SPEAKER_00: Das andere ist, man beschäftigt sich dann auch wirklich, man fokussiert dieses reale Selbst, was man hat, auf einzelne Dinge und fokussiert sich zum Beispiel nur auf Sport, Gesundheit und in den Bereich, lässt aber andere super existenzielle Fragen zum Beispiel weg.
- 56:17SPEAKER_00: Ich sag jetzt mal so, ist das das Leben, welches ich mir gerade vorstelle?
- 56:23SPEAKER_00: Wenn ich die nächsten Jahre genauso weitermache, die nächsten zehn Jahre so weitermache, wohin geht das dann?
- 56:29SPEAKER_00: Und dabei auch dann so nochmal eigene Erfahrung von mir.
- 56:35SPEAKER_00: Ich war sehr gut im Sport, ja, war ich.
- 56:40SPEAKER_00: Ich hab 2018 war ich schon so, würde ich sagen, an einem Punkt, wo ich hätte Profi-Athlet werden können.
- 56:51SPEAKER_00: Und Triathlon und Iron Man und über sich hinauszuwachsen, hat mir enorm, enorm, enorm viel gegeben.
- 56:59SPEAKER_00: Hat mir enorm viel gegeben an Struktur, an Leistungsfähigkeit, mich weiter auch zu optimieren.
- 57:05SPEAKER_00: Es hat aber auch in mir diese Identität geschaffen als semi-professioneller Athlet.
- 57:12SPEAKER_00: Und diese Identität ist gut und bin ich mit super happy, weil mir es halt Spaß macht, auch in den Dingen zu arbeiten.
- 57:23SPEAKER_00: But wenn ich mich nur über diese Identität identifiziere, wenn ich nur das habe, dann wäre ich nicht zufrieden mit meinem Leben.
- 57:32SPEAKER_00: Dann würden mir so viele andere Dinge fehlen.
- 57:35SPEAKER_00: Dann würden mir Freundschaften fehlen, dann würde mir eine Balance fehlen, dann würden mir auch wirklich manchmal Partys fehlen, dann würde mir auch manchmal so ein gewisses Laissez faire-Verhalten fehlen, dann würden mir viele Dinge fehlen, mein Job fehlen, meine Vision fehlen, diese Podcasts aufzunehmen, das würde mir alles dann irgendwie auch fehlen, in gewisser Weise.
- 57:53SPEAKER_00: Und wenn ich zum Beispiel als Profi-Athlet ist es ja noch was anderes.
- 57:58SPEAKER_00: Ich meine, ich bin jetzt Mitte Ende 30 und ich merke, meine Leistungsfähigkeit ist noch da, wo sie war.
- 58:06SPEAKER_00: In meiner Vorstellung zumindest.
- 58:08SPEAKER_00: Nein, ich bin der Meinung, dass meine Leistungsfähigkeit immer noch echt alright.
- 58:15SPEAKER_00: Aber natürlich ist es so, dass ich mit wahrscheinlich mit Mitte 40 nicht mehr mit jemandem competen kann, der wahrscheinlich Anfang 20 ist.
- 58:26SPEAKER_00: Und dass das auch normal ist.
- 58:28SPEAKER_00: Also man wird es verlieren.
- 58:31SPEAKER_00: Und es ist einfach nur ein klarer Pfad, das auch so zu verlieren.
- 58:37SPEAKER_00: Und dabei eben auch so, wenn man dieses Zitat nimmt, The constant display of performance is neediness, hat das viel damit zu tun, weil bei Performance, es wird immer Menschen geben, die besser sind als du.
- 58:53SPEAKER_00: Es wird immer einen Athleten geben, der fitter ist als du.
- 58:56SPEAKER_00: Es wird immer jemanden geben, sehr wahrscheinlich, außer Elon Musk hört jetzt zu, der reicher ist als du.
- 59:03SPEAKER_00: Es wird immer einen geben, der vielleicht besser aussieht als du.
- 59:08SPEAKER_00: Es wird immer eine Person geben, die bei Performancefaktoren weiter ist als du.
- 59:19SPEAKER_00: Was dich aber liebenswert macht und was uns liebenswert macht, sind die Schwächen.
- 59:25SPEAKER_00: Es sind die Dinge, die Charaktereigenschaften, es sind Kleinigkeiten, die einen riesengroßen Unterschied ausmachen.
- 59:32SPEAKER_00: Es ist, welche Werte du vertrittst.
- 59:37SPEAKER_00: Das ist das, was den großen Unterschied ausmacht, irgendwie langfristig gesehen.
- 59:42SPEAKER_00: Und Fragen zu stellen, bin ich erfüllt mit dem, was ich irgendwie auch mache?
- 59:47SPEAKER_00: Erfüllt mich mein Job?
- 59:49SPEAKER_00: Erfüllt mich meine oder habe ich eine gesunde Beziehung?
- 59:54SPEAKER_00: Was sind Dinge, die mir wichtig sind?
- 59:56SPEAKER_00: Was ist mit Kindern, Familien?
- 59:58SPEAKER_00: Was ist mit, was ist meine Vision?
- 1:00:01SPEAKER_00: Warum mache ich das auch irgendwie gerade alle?
- 1:00:06SPEAKER_00: Und gerade als Sportler lernen wir viel, sogar sehr, sehr, sehr, sehr viel auszuhalten, weil es eine Eigenschaft ist, die dich nach vorne bringt.
- 1:00:20SPEAKER_00: Diesen Fokus zu haben, zu sagen, ich kann alles ausschalten, ich kann die Gedanken in meinem Kopf ausschalten, und ich funktioniere einfach, das lernst du als Sportler, gerade als Hochleistungssportler.
- 1:00:34SPEAKER_00: Ich war so gut darin.
- 1:00:36SPEAKER_00: Also, wenn ich sagen würde, was wirklich athletisch gesehen eine Eigenschaft war, die mich absolut ausgezeichnet hat, dann war es mentale Stärke und zwar aushalten.
- 1:00:46SPEAKER_00: Einfach in dem Moment zu sein und zu funktionieren.
- 1:00:52SPEAKER_00: Einfach das aufrecht zu erhalten.
- 1:00:55SPEAKER_00: Einfach den Plan durchzuziehen.
- 1:00:57SPEAKER_00: Ja, daran war ich gut, gerade in Wettkampfsituationen.
- 1:01:00SPEAKER_00: Nicht unbedingt im Daily Training, da war ich immer ein bisschen mehr laissefair.
- 1:01:04SPEAKER_00: Aber in Wettkampfsituationen, wenn es drauf ankommt, wenn die Rasierklinge zwischen den Zähnen ist, das kann ich.
- 1:01:11SPEAKER_00: Ich kann da funktionieren.
- 1:01:13SPEAKER_00: Das war genauso, ich habe es auch im Krankenhaus gemerkt, irgendwie bei Notdiensten oder sowas.
- 1:01:17SPEAKER_00: War das auch eine Eigenschaft?
- 1:01:18SPEAKER_00: Ich konnte das.
- 1:01:19SPEAKER_00: Ich konnte immer auch funktionieren unter absolut widrigsten Bedingungen.
- 1:01:26SPEAKER_00: Aber das holt einen einfach, es ist keine gute Eigenschaft, es dauerhaft zu haben, weil man auch hingucken muss.
- 1:01:34SPEAKER_00: Und man sollte nicht mit Sport, athletischem Training und exzessiv nicht weglaufen.
- 1:01:40SPEAKER_00: Und ich würde behaupten, dass sehr viele High-Performing Athletes hier Auffälligkeiten haben, genau in dem Bereich.
- 1:01:47SPEAKER_00: Dass viele nie den Schritt schaffen, in den Bereich zu kommen, sich wirklich langfristig gegensehen zu optimieren, ist klar, ja.
- 1:01:53SPEAKER_00: Dass viele immer eine Opferposition sind und sagen, hey, das Leben war so schlecht zu mir, ich habe keiner, ich komme hier einfach nicht raus.
- 1:02:00SPEAKER_00: Das ist es, das Leben ist so furchtbar und nein, das geht einfach alles nicht.
- 1:02:04SPEAKER_00: Ja, ist reality, würde ich definitiv auch sagen.
- 1:02:07SPEAKER_00: Aber viele Athleten tragen vielleicht etwas zu viel.
- 1:02:14SPEAKER_00: Und dabei ist auch so der Anteil von so Junkies im Profisport das relativ hoch.
- 1:02:19SPEAKER_00: Also von Leuten, die irgendwie aus anderen exzessiven Dingen rauskommen.
- 1:02:26SPEAKER_00: Und die dann das durch Sport kompensieren, das ist relativ hoch.
- 1:02:28SPEAKER_00: Dabei wird aber letztendlich nur ein zahlhaftes Verhalten durch ein anderes getauscht.
- 1:02:32SPEAKER_00: Das bedeutet zum Beispiel auch exzessive Party zu machen oder exzessiv Sport zu machen, ist anders, bedient aber neurophysiologisch total die ähnlichen Pathways.
- 1:02:41SPEAKER_00: Also ich habe irgendwie eben darüber gesprochen, dass irgendwie Ecstasy gleiche Dinge auslöst, als wenn du zum Beispiel beim Iron Man über die Ziellinie läufst.
- 1:02:47SPEAKER_00: Wahrscheinlich ist der Kick beim Iron Man sogar nochmal deutlich, deutlich höher.
- 1:02:54SPEAKER_00: Ich sehe das eben relativ häufig im Coaching, dass es einfach nur übertragen wird.
- 1:02:58SPEAKER_00: Woran merkt man das?
- 1:02:59SPEAKER_00: Was sind so typische Symptome, wie sich das auch irgendwie bemerkbar macht?
- 1:03:03SPEAKER_00: Boah, das ist ein ganz schön langer Podcast schon.
- 1:03:07SPEAKER_00: Ich würde sagen, immer so direkt am Anfang, wenn man vielleicht mit jemand auch zusammenarbeitet, im Coaching merkt man das immer relativ schnell.
- 1:03:15SPEAKER_00: Dass wenn man eigentlich etwas verändern möchte in seinem Leben, wenn man eigentlich merkt, so, hey, ich glaube, dieses Verhalten, was ich gerade mache, ist nicht so ganz gesund.
- 1:03:26SPEAKER_00: Zum Beispiel, ich trainiere super, super exzessiv.
- 1:03:28SPEAKER_00: Ich mache total, total viel.
- 1:03:32SPEAKER_00: Und das passt irgendwie nicht so richtig.
- 1:03:35SPEAKER_00: Und ich bin auch total unstrukturiert irgendwie unterwegs.
- 1:03:38SPEAKER_00: Also ich trainiere einen Tag so, einfach nur, weil es sich gut anfühlt für mich und das eigentlich konstant.
- 1:03:46SPEAKER_00: Dann und man dann was verändert und die dann total in Panik geraten und das ist alles cutten und es geht einfach nicht, dann ist das so was ganz Typisches, weil dieses System, was man sich aufgebaut hat aus autonomes Nervensystem und ich trainiere einfach so, wie es sich für mich gut anfühlt, immer so dieser Satz, ich trainiere so, wie es sich für mich gut anfühlt, ist für mich immer so ein gewisses kleines Ausrufezeichen, könnte eine kleine Red Flag sein.
- 1:04:11SPEAKER_00: Das ist was, woran mein Glas, glaube ich, feststellt.
- 1:04:14SPEAKER_00: Und eben auch so dieses typische Verhalten aus immer wieder kleinen BWchen.
- 1:04:22SPEAKER_00: Also ich trainiere, ich trainiere auch dann, oder der hat trainiert, die hat ihn trainiert, trainiert auch dann relativ ober überzogen, sehr extrem, setzt sich sehr extreme Ziele und dann ist es immer wieder so ein Ping-Pong, Ping-Pong, Ping-Pong.
- 1:04:34SPEAKER_00: Das hatte ich relativ häufig.
- 1:04:35SPEAKER_00: So, hey, du hast gute Wochen, zwei, drei richtig gute Wochen, danach hast du wieder eine Woche, die total schlecht ist, danach hast du wieder eine gute Woche, dann hast du irgendwie eine Woche, die schlecht ist, danach hast du drei gute Wochen, dann hast du zwei gute Wochen, die nicht so gut sind.
- 1:04:46SPEAKER_00: Dieses ganz klasse Ping-Pong aus übermäßigem Training und danach aber krasser Regeneration oder auch Verletzungen, hormonelle Probleme, das ist relativ häufig.
- 1:04:58SPEAKER_00: Das hat viel damit zu tun, dass dann der Körper einerseits nicht so gut auf Training reagiert, Regenerationsmaßnahmen viel höher sind und weil man auch die ganze Zeit so diesen mentalen Stress hat und diesen mentalen Overload hat.
- 1:05:11SPEAKER_00: Und deswegen kann man das dann nicht so gut halten.
- 1:05:16SPEAKER_00: Und eigentlich trainiert man, aber man trainiert übermäßig und der Körper rebelliert.
- 1:05:22SPEAKER_00: Und dann braucht man wieder mehr Recovery.
- 1:05:25SPEAKER_00: Eigentlich ein normaler Prozess ist, man trainiert, man trainiert gut, aber nicht so, dass der Körper übermäßige Regeneration braucht.
- 1:05:33SPEAKER_00: Gerade nicht so im Ausdauersport.
- 1:05:34SPEAKER_00: Eigentlich ist es so, man trainiert, man kann auch mal vier, fünf, sechs Wochen anständig trainieren und danach eine Woche ein bisschen rausnehmen.
- 1:05:41SPEAKER_00: Du brauchst nicht diesen krassen Load und danach diese krasse Recovery.
- 1:05:47SPEAKER_00: Anderer Punkt, der war bei mir nie so, aber wo ich es auch häufig sehe, ist dann, dass die Wettkampf-Performance nicht mehr richtig funktioniert, weil man im Wettkampf natürlich anders an tiefere Gehirnschichten rankommt.
- 1:06:01SPEAKER_00: Also wir haben verschiedenste, wenn man so will, verschiedene Gehirnareale, die miteinander kommunizieren und wir haben einige archaische oder ältere Strukturen im Gehirn, die so ein bisschen auch das Unterbewusstsein bei uns aufmachen von Dingen, die unterbewusst stattfinden, was viel auf dieses Belohnungssystem ausgelegt ist, aber was viel auch dadurch geprägt ist, welche frühen Erfahrungen wir sammeln.
- 1:06:23SPEAKER_00: Und wenn da man die ganze Zeit, wenn man zur Ruhe kommt, in einem Wettkampf kommt man zum Beispiel zur Ruhe, so blöd das immer klingend, aber in einem Wettkampf, in einem Ausdauerwettkampf zum Beispiel, in einem Iron Man, kommt man komplett zur Ruhe, weil man so stark mit sich selbst beschäftigt ist.
- 1:06:42SPEAKER_00: Zum Beispiel ein typischer Test ist.
- 1:06:44SPEAKER_00: Setz dich mal 20 Minuten vor eine weiße Wand, ohne Musik, ohne alles, und schau einfach nur diese weiße Wand an.
- 1:06:54SPEAKER_00: Du darfst dich nicht anders beschäftigen, darfst nicht hinlegen, du darfst nichts tun.
- 1:06:57SPEAKER_00: Schau dir diese weiße Wand an.
- 1:06:58SPEAKER_00: Guck, was passiert mit dir.
- 1:07:00SPEAKER_00: Was kommt dabei hoch?
- 1:07:03SPEAKER_00: Und ein Wettkampf ist was, ein Ausdauerwettkampf, der ist relativ lange.
- 1:07:09SPEAKER_00: Ein Ironman, ja.
- 1:07:10SPEAKER_00: Und du bist sehr viel mit dir selber beschäftigt.
- 1:07:12SPEAKER_00: Sehr viel.
- 1:07:13SPEAKER_00: Und wenn dann konstant irgendwie Gedanken hochkommen, die negativ sind, die dich kaputt machen, dann ist es auch ein typisches Zeichen dafür, dass du vielleicht von Themen in deinem Leben auch irgendwie wegläufst.
- 1:07:26SPEAKER_00: Okay, gut.
- 1:07:28SPEAKER_00: Ist Sport jetzt schlecht?
- 1:07:30SPEAKER_00: Nein.
- 1:07:31SPEAKER_00: Ist Performance jetzt schlecht?
- 1:07:33SPEAKER_00: Ganz klares Nein, auf gar keinen Fall.
- 1:07:34SPEAKER_00: Das ist cool, es macht Spaß, es bringt einen nach vorne.
- 1:07:37SPEAKER_00: Und ich bin, glaube ich, so, ich liebe Wettkämpfe, mir macht es auch mittlerweile deutlich, deutlich mehr Spaß.
- 1:07:43SPEAKER_00: Und dieser Aufbruch und auch diese Veränderung ist natürlich etwas, ein gutes Tool, was man eben auch nutzen kann.
- 1:07:49SPEAKER_00: Und das kann einfach auch den Unterschied natürlich ausmachen zwischen Zielen und Dingen, die man sich setzt und eben dem Erreichen von diesen Zielen oder der Isolation und einfach dem Weglaufen, auch dadurch, dass man einfach sich isoliert und keine Lust mehr hat auf gar nichts.
- 1:08:06SPEAKER_00: Es geht aber trotzdem auch darum, bewusst zu bleiben und sich seinen Themen auch zu stellen und auch an den Ursprung zu gehen von diesen Themen.
- 1:08:12SPEAKER_00: Das heißt auch irgendwie zu journalen, vielleicht nochmal zu der Therapie zu gehen, um sich einfach auch oder Atemtherapie zu machen oder vielleicht auch andere Sachen auszuprobieren, um sich einfach auch ganzheitlich zu entwickeln.
- 1:08:26SPEAKER_00: Und zwar ganzheitlich als Athlet, als gesunder Athlet, irgendwie so als healthy athlete, ja.
- 1:08:32SPEAKER_00: Aber auch um zu wachsen irgendwie auch im Leben und nicht mit Sport, sag ich mal, wegzulaufen.
- 1:08:42SPEAKER_00: Wichtig ist dabei auch herauszufinden, wo befinde ich mich so auf dieser Skala.
- 1:08:46SPEAKER_00: Bin ich eher so der Typ, der Sport benutzt, um wegzulaufen, oder bin ich eher jemand so, der gar nicht aus dem Pushen irgendwie rauskommt und die ganze Zeit denkt, ich bin ein Opfer von meinen Lebensumständen.
- 1:08:59SPEAKER_00: Da aber auch, wenn man eben merkt, so wahrscheinlich die meisten von euch schätze ich jetzt einfach mal, sind wahrscheinlich eher so die, die auch sagen, hey, ich habe Lust, meine Ziele zu erreichen, nach vorne zu gehen.
- 1:09:10SPEAKER_00: Da auch mal negative Situationen auszuhalten, das ist auch so mein größtes Learning irgendwie so in den letzten Jahren, einfach auch mal nicht, wenn man sich auf gut Deutsch gesagt beschissen fühlt, die Training-Session zu machen, sondern mit dem, was man gerade empfindet, einfach auch mal stehen zu bleiben, mit den negativen Emotionen auch stehen zu bleiben und zu gucken, was kommt dann einfach auch hoch, darüber vielleicht zu schreiben und dann mit zu sprechen.
- 1:09:39SPEAKER_00: Es können auch manchmal Freunde sein, die einen dabei unterstützen und helfen.
- 1:09:45SPEAKER_00: Und dann sich auch gesund seine Ziele zu suchen.
- 1:09:51SPEAKER_00: Und so auch Sport einzubauen, dass es einen auch langfristig gesehen nach vorne bringt.
- 1:10:02SPEAKER_00: Okay, etwas andere Podcast.
- 1:10:05SPEAKER_00: Ich hoffe, euch hat der Podcast gefallen.
- 1:10:07SPEAKER_00: Gebt mir gerne Feedback dazu.
- 1:10:09SPEAKER_00: Ich freue mich natürlich immer sehr, sehr toll, wenn ihr den Channel abonniert.
- 1:10:12SPEAKER_00: Und ich wünsche euch einen wunderschönen Tag.
- 1:10:16SPEAKER_00: Macht's gut.
- 1:10:16SPEAKER_00: Bis dann.
- 1:10:17SPEAKER_00: Ciao, ciao.