Latest / SOMMELIER / Markus del Monego – Wein GOAT (Greatest of all Times)
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- 0:00Guten Tag, mein Name ist Karsten Knauer und ich bin Gründer und CEO des Corvus Family
- 0:18Offices.
- 0:19Ich habe das Privileg, Markus Delmonego, nun schon seit über 15 Jahren zu kennen und
- 0:24darf mit Stolz sagen, dass er zu meinen sehr engen Freunden gehört.
- 0:28Jeden Tag, den ich mit ihm verbringen darf, erfüllt mich erneut mit Bewunderung.
- 0:33Denn es gibt wohl niemanden, der so tiefgehendes Wissen über Wein besitzt wie Markus.
- 0:39Seine Fähigkeiten bis hin zu Blindverkostungen sind außergewöhnlich und er schafft es immer
- 0:45wieder, mit neuen Perspektiven und Erkenntnisse zu vermitteln.
- 0:48In puncto Wein ist er mein kontinuierlicher Lehrmeister und Wegweiser.
- 0:53Doch seine Leidenschaft endet nicht bei der Weinverkostung.
- 0:56Auch die Geschichte ist ein Themenbereich, in dem er ebenso fundiert wie leidenschaftlich
- 1:03zu Hause ist.
- 1:04Markus Delmonego ist in der Welt des Weins.
- 1:08Das kann ich als Gesellschafter eines feinen Weinhändlers und eines Weinguts aus eigener
- 1:13Erfahrung sagen, eine wahre Corrifere.
- 1:16Fast jedes Weingut ist stolz darauf, die Bewertungen von Markus zu präsentieren.
- 1:21Und viele suchen den Dialog mit ihm, öffnen ihm die Türen und schätzen sein Rat.
- 1:28Und das auf der gesamten Welt.
- 1:30Doch Markus Delmonego ist nicht nur in seinem Fachgebiet außergewöhnlich.
- 1:35Er ist auch ein Mensch, der durch Verlässlichkeit, Hilfsbereitschaft und eine bemerkenswerte
- 1:41Offenheit besticht.
- 1:42Er nimmt sich Zeit für die Menschen und ist stets bereit sein Wissen zu teilen.
- 1:47Solche Eigenschaften sind selten und umso mehr schätze ich unsere Freundschaft und die gemeinsame Zeit.
- 2:16Ein herzliches Willkommen zu einer neuen Ausgabe von Somelie, die interessantesten Weinkellner
- 2:22unserer Zeit.
- 2:23Mein heutiger Gast ist wirklich einer der einzigartigsten Kollegen, die man sich vorstellen kann.
- 2:29Und jeder, der ihn einmal bei einer Moderation erlebt hat, den einmal bei einem Weinabend
- 2:34erlebt hat, der mit ihm eine Verkostung durchführen durfte, wird das bestätigen.
- 2:39Da geht es gar nicht darum, dass er schon in frühen Zeiten 1992 Somers Jahres wurde,
- 2:44dass er verschiedene Wettbewerbe gewonnen hat, dass er 1998 Somelie Weltmeister wurde,
- 2:50dass er 2003 als einziger weltweit zugleich den Titel Master of Wine führen darf.
- 2:56Es ist die Persönlichkeit, das sind die Gedanken des Tiefes und ich freue mich deswegen unglaublich
- 3:01auf Markus Delmonego und seine Gedanken.
- 3:03Bevor wir ins Gespräch einsteigen, möchte ich mich ganz besonders herzlich bei der Schlumbergergruppe
- 3:08mit den Handelshäusern Segnetz, Schlumberger Conziovini und dem Privatkundenportal Bremer
- 3:13Wine Collector, die Hände schon wirtschaftliche Unterstützung benannt wurden.
- 3:16Und dank Ihnen ist er heute hier.
- 3:19Herzlich willkommen lieber Markus Delmonego.
- 3:21War das für dich, Segen oder Fluch Somelie zu werden?
- 3:28Es war was ein Zufall.
- 3:34Es war ein Zufall, bist du morgens aufgestanden und ganz rein zufällig zum Wettbewerb gestolpert?
- 3:40So war das nicht.
- 3:42Ich habe einen Ferienjob gemacht, als ich in der 11. Klasse war, weil ich wollte mit
- 3:46Schulfreunden eine Reise machen.
- 3:49Wir wollten nach Paris und da mussten wir Geld dafür organisieren.
- 3:52Also habe ich einen Ferienjob gemacht und war bei Möwenpick in der Schweiz an der Grenze
- 3:56damals, Baselweil.
- 3:57Ich habe relativ früh eine eigene Station bekommen.
- 4:02Es ist ein Kellen ausgefahren.
- 4:04Ich musste einspringen.
- 4:05Die Restaurantleiterin hat mich unterstützt und es kam ein Gast, der wollte den besten
- 4:10Rotwein, den wir im Haus haben trinken.
- 4:12Dann habe ich sie gefragt, was ist der beste Rotwein, den wir haben.
- 4:16Sie hat dann die, weil ich so 70er total boh serviere.
- 4:19Dann habe ich 70er total boh serviert, so wie es es mir erklärt hat.
- 4:22Und der Gast probiert den Wein, verzieht das Gesicht und sagt, das ist ja schrecklich.
- 4:28Ich nehme den Zuckerstreuer, der bei Möwenpick ja immer auf den Tisch nicht stand.
- 4:31Kippzucker rein rührt um und sagt, jetzt könnte ich auch eine Frau bedienen und es
- 4:36schmeckt besser.
- 4:37Ich war total von ins Och.
- 4:38Ich war total entsetzt.
- 4:39Er sagt, das gibt es doch nicht, dass jemand Zucker in den Wein rein gibt.
- 4:44So viel Weinkultur habe ich von zu Hause vom Hit bekommen, dass das eben etwas ist,
- 4:49was sich nicht gehört.
- 4:52Ich habe mich dann bei der Restaurantleiterin beschwert und die hat noch gemeint, ja, sie
- 4:58haben den Fehler gemacht.
- 4:59Sie haben mir mal den Fehler gemacht.
- 5:01Ich habe sie doch gefragt und gesagt, ja, aber ich habe halt einen anderen Geschmack
- 5:05als der Gast am Tisch und gesagt, dann haben sie mir das nicht gleich gesagt.
- 5:10Ja, so lernen sie es besser, das vergessen sie nicht mehr.
- 5:13Und genau so war es.
- 5:15Und sie hat mir dann die Tipp gegeben, ich soll jetzt brav an den Tisch zurückgehen,
- 5:19soll den Tisch weiterbedienen, wenn die Gäste zufrieden sind, dann würde ich am nächsten
- 5:21Tag Nachmittags, wenn ich Freizeit habe, von hier ein Wein Seminar bekommen.
- 5:26Und dann hat es am nächsten Tag ein Wein Seminar gegeben und abends habe ich das, was ich nach
- 5:33Mittags gelernt habe, bei den Gästen ausprobiert.
- 5:35Und die haben sich gefreut, Wein Empfehlungen zu bekommen.
- 5:39Die hatten wahrscheinlich noch weniger Einung als ich, aber auch unsicher.
- 5:42Und es hat Spaß gemacht.
- 5:44Und nach einigen Tagen beim Möwenpick mit Service am Tisch, mit Wein Empfehlungen,
- 5:51allem tun wir dran, habe ich dann gedacht, das wäre eigentlich etwas, was auch eine
- 5:57tolle Berufsfall wäre, weil bis dahin hatte ich immer gedacht, zum Ingenieursrichtung
- 6:00zu gehen technisch.
- 6:01Und dann kam nach einem Monat Fanshop der Enscheide, also ich werde nach dem Abitur
- 6:10schauen, dass ich Hotelfachschule besuche, eine Lehremache, Hotelfachschule besuche,
- 6:15einen klassischen Weg hinter Hotelerie mache.
- 6:17Und dann ging das Ganze los in dem Moment.
- 6:24Was aber schon erstaunlich ist, also was mich da ganz als Stützen lässt in der 11.
- 6:29Klasse, dieses Bewusstsein zu haben, man gießt keinen Zucker in Rotwein.
- 6:33Das ist ungefähr die Altersstufe zwischen meinem Sohn und meiner Tochter.
- 6:38Ich könnte mir in den gesamten 1000 Schülern, die ich dort am Gymnasium sehe, wahrscheinlich
- 6:44kaum einen vorstellen, der davon schockiert wäre, sondern man würde es ja wieder hinnehmen
- 6:48oder war er so hochkultiviert bei euch zu Hause, dass ihr höchste ...
- 6:53Erstens mal Südwestdeutschland, der südliche Teil von Baden, ist ja eine sehr genussreiche
- 7:02Region.
- 7:03Ich meine, ob es da einfache Landgasthof ist oder das Sternerestaurant ist, die kulinarische
- 7:08Vielfalt ist riesig.
- 7:09Man bekommt auch als Kind oder Jugendlicher mit, wie mit Wein umgegangen wird.
- 7:15Als das Thema Wein für mich, wenn Gäste zu Hause bei meinen Eltern waren, dann habe
- 7:27ich Wein mit ausgeschickt.
- 7:28Ja, ich habe keinen Wein getrunken.
- 7:29Die ersten Schritte in der Weinwelt habe ich den allerersten Schritt mit 14 Jahren bei
- 7:35meinem Austauschpartner gemacht.
- 7:36Also nachbar vorbeikam und anlässig meines Geburtstag, der zufälligerweise da war, eine
- 7:42Flasche 45er Quarton mitgebracht hat.
- 7:44Oh wow.
- 7:45Und ich soll die den probieren.
- 7:46Meine Eltern haben gesagt, in Frankreich trinkst du aber keinen Wein.
- 7:49Also, pass da auf.
- 7:52Und habe ich auch nicht gemacht.
- 7:54Und dann wollte ich nicht.
- 7:56Sie hat doch einen Schluck.
- 7:57Das hat mir gar nicht geschmeckt.
- 7:58Das war so ein ganz komisches Getränk.
- 8:00Mit 14, klar.
- 8:01Ich wollte es gar nicht einordnen.
- 8:02Und mit 26 bin ich dann wieder in Lyon gewesen mit einem Sommeltag, Kollegen.
- 8:13Und da kam der Nachbar wieder mit einer Flasche, wieder mit einer 45er Quarton.
- 8:17Und da guck ich den Adeln und sag, wow, an die Flasche habe ich häufig gedacht.
- 8:21Dann sagte er, ja, das wusste ich.
- 8:23Wenn ich gestorben wäre, bevor du gekommen wärst, hättest du die Flasche vererbt bekommen.
- 8:29Da war ein Zettel auf der Kiste drauf, dass dieser Wein zu dir muss.
- 8:33Ist ja herrlich.
- 8:34Weil ich habe dir viel zu früh Wein zugemudet.
- 8:36Und du hast damals schon ein Gespür vor Geschmack gehabt.
- 8:39Aber natürlich war Wein für dich die komplette Überforderung.
- 8:42Und dann habe ich gedacht, der wird es unheimlich bereuen, dass er den Wein damals nicht richtig
- 8:46schätzen konnte.
- 8:47Und dann soll mir die Kollege über Happy Tag sagen, wenn du noch mehr so Adressen hast,
- 8:50dann können wir weiter.
- 8:51Das hat echt Spaß gemacht.
- 8:53Aber das war das Thema Kulinarik, das Thema gutes Essen, gutes Trinken.
- 8:57Das war zu Hause eigentlich immer gelebt.
- 9:05Also meine Mutter ist eine hervorragende Köchin, gut zu essen und guten Wein zu trinken
- 9:12und das Ganze irgendwo in Maßen.
- 9:14Das war als Vorbild von meinen Eltern gelebt.
- 9:17Und dann bekommt man sowas mit.
- 9:19Und ich mal den Reiz Wein zu probieren.
- 9:25Das kam dann eben durch den Job bei Möwenpik.
- 9:27Das kam auf den verschiedenen Reisen mal Dinge auszuprobieren.
- 9:32Und da fängst du natürlich ganz klein an.
- 9:34Also beim Möwenpik waren das damals bei der Weinprobe waren, dass halt die normalen Weine
- 9:39die offen ausgeschenkt wurden.
- 9:40Aber selbst das gibt dir einen Eindruck.
- 9:43Und wenn ich mir überlege, in einem der ersten Mitbewerbe, die ich mitgemacht habe, gab
- 9:48es einen Wein blind.
- 9:50Da musste man noch während des Abendessens die Weine kommentieren in der Finalrunde.
- 9:54Und da wurde ja ein Wein ausgeschenkt.
- 9:56Und dann musste man vorher aufschreiben, was es war.
- 9:59Und ich habe dann meinen Zettel abgegeben und der Moderator, der da kam, da kam zu mir
- 10:04an den Tisch und meinte dann, ja, was haben wir denn hier im Glas?
- 10:08Und dann habe ich den Wein beschrieben.
- 10:10Was könnte es denn sein?
- 10:11Und ich habe dann nur gesagt, ja, also, die könnte mir vorstellen, wir sind ja ein Wettbewerb
- 10:17mit nur französischen Weinen und spirituosen.
- 10:20Das war von der Sopexer der Wettbewerb damals.
- 10:23Das war, ich hatte überlegen, das war 1986 in Köln.
- 10:30Und da hatte ich als erstes die Wettbewerber mitgemacht.
- 10:35Und ich hatte eigentlich keine Ahnung, was das genau sein könnte im Glas, so wie die
- 10:44anderen Sommergekollegen habe.
- 10:45Er erinnerte mich an Salvagnia aus der Schweiz.
- 10:50Und Salvagnia in der Schweiz ist im Prinzip eine gamä-basierte Variante.
- 10:56Und ich hatte dieses gamä im Hinterkopf und was gibt es in Frankreich in der Liebe?
- 11:03Frankreich, Beaujolais.
- 11:04Ich habe gesagt, das ist ein Beaujolais.
- 11:06Und er sagte dann, ja, und weiter.
- 11:08Und er sagte, nicht weiter, kann ich nicht sagen.
- 11:12Er sagte, das ist doch alles richtig bei der Antwort.
- 11:14Ich habe dann halt einfach noch gesagt, wenn es schon Beaujolais ist, kann ich ja noch
- 11:17eine Karte ziehen und habe dann Ula-Arvon hingeschrieben.
- 11:20Das war ein Zufall.
- 11:22Aber gut, so habe ich mich an diese Sachen vielleicht geschmacklich rangehtaset.
- 11:28Für mich war Sensorik immer unheimlich wichtig.
- 11:30Ich habe mir über die Sensorik im Prinzip alles beibringen können.
- 11:33Und deswegen war auch immer mein Tipp, wenn jemand Wein ein bisschen aufbauen will, immer
- 11:38das Glas dabei haben, wenn man ein Buch liest, immer mit dem Wein zu dem Kapitel, wo man
- 11:43gerade drin ist.
- 11:44Das vertieft.
- 11:45Das macht Spaß und gibt ein bisschen Inspiration.
- 11:48Aber das waren so diese allerersten Schritte in der Weinwelt, eben dieser Zufall im Restaurant
- 11:53über den Ferienjob.
- 11:54Dann später meine Ausbildung in Bad Brückenao, wo ich beim Möwenpick meinen späteren Hoteldirektor
- 12:02Ketten gelernt habe, weil das mich ins Kreuz verhört genommen, woher ich das alles weiß,
- 12:09was ich da erzählt habe am Tisch.
- 12:10Da war ich dann schon im zweiten Jahr beim Möwenpick wieder im Ferienjob.
- 12:14Da hatte ich gemeint, ja, Möwenpick Seminare, da ist das nie, Möwenpick Seminare, gar nicht.
- 12:22Ich habe doch gar keins mitgemacht.
- 12:23Ja, wie war, wissen Sie das alles?
- 12:25Ich interessiere mich halt für das Thema und ich lerne da.
- 12:30Ja, wo haben Sie denn die Lehre gemacht?
- 12:32Dann sage ich, ich parke hier, ich suche noch eine Lehrstelle.
- 12:34Ich habe keine Lehrstelle bekommen.
- 12:36Da hatte ich ein bisschen Kerlchen gegeben, das hat hier Dorimko Hotel Bad Brückenao.
- 12:40Sie können anfangen, das war im November oder 15. Dezember, ich war einmal den ersten Tag.
- 12:45Toll.
- 12:46Und er hat mich dann auch auf diesen ersten Wettbewerb geschickt damals, weil da weiß ich
- 12:51noch, dass er sagte, ja, Sie haben ja großes Wein, weil ich natürlich alle meine Monatsberichte,
- 12:57die wir abgeben, wusste.
- 12:58Die ersten habe ich alle zum Thema Wein gemacht.
- 13:00Und da ist die Welt der Hotelerie besteht nicht nur aus Wein.
- 13:03Also, da gibt es auch andere Sachen.
- 13:06Und da hat nämlich das Thema nicht so locker gelassen hat, nicht ausgelassen hat, hat
- 13:11er mich dann eben für den Wettbewerb angemeldet von der Sopexa für den besten Sommer, die
- 13:16Deutschlands.
- 13:17Und da war die Vorrunde, das ging theoretischer Fragebogen, um es die Weinkarte entwerfen,
- 13:24paar Sachen beantworten, das habe ich eingeschickt und wurde eingeladen ins Filan nach Köln.
- 13:28Das war dann 1986 in Köln, in der Konti war das damals, dieses große Hochhaus in Köln,
- 13:35beindruckendes Hotel.
- 13:36Und das waren drei wunderbare Tage, das war ein fantastisches Essen, das war ein toller
- 13:42Wettbewerb, das waren gute Weine.
- 13:44Das hat Spaß gemacht, unheimlich nette Kollegen.
- 13:46Ich war ja Azubi, das andere waren alles ausgewachsene Sommergesen, Sommerjähren.
- 13:51Aber trotzdem in dem Kreis aufgenommen, was sehr schön war und was Spaß gemacht hat.
- 13:58Und dann habe ich mir überlegt, du musst ja nur ein bisschen was lernen und schon kannst
- 14:03du das alles genießen.
- 14:04Und so kam das Ganze.
- 14:06Und wenn man den Bad Brück genau, dem Staatsbad am Ende der Welt 15 Kilometer entfernt, war
- 14:12die Zollengrenze, also da war die Mauer sozusagen, da ist Stacheldraht und da ging es nicht weiter.
- 14:20Und das war schon die ruhige Landschaft.
- 14:22Also da war wenig los, da hatte man viel Zeit zum Lernen.
- 14:25Die Zeit habe ich dann einfach damals genug, zwei Wochen habe ich viel Spaß gemacht und
- 14:29mir dann ganz neue Möglichkeiten eröffnet hatten.
- 14:31So habe ich mir dann mein Weinwesen aufgebaut.
- 14:33Ich habe viel mit Bücher lesen, Wein probieren, was geklappt hat und dann auch angefangen
- 14:39in die Weinbockgebiete zu reisen.
- 14:41Ich finde den Punkt sehr wichtig.
- 14:44Man probiert und liest ganz selten zusammen, entweder ist ein oder das andere.
- 14:48Und den Hinweis, wenn man ein Buch hat, einfach den Wein dazu zu probieren, das verhält
- 14:52der Licht auf eine ganz eigene Weise und das sollte man viel, viel öfters machen.
- 14:55Weiß noch, welcher Bücher du damals hattest, weil Wikipedia gab es ja noch nicht, Google
- 14:59gab es noch nicht.
- 15:00Es gab gar nichts.
- 15:01Das Ding ist, dass es so überrascht wäre.
- 15:03Konnte die Bücher ja noch nicht mal bestellen, also dass du irgendwie einen Amazon hattest
- 15:06und schauen könntest, was gibt es zum Wein, sondern wie kam es so an das Wissen?
- 15:11Das war gar nicht schwierig.
- 15:12In den 80er Jahren.
- 15:13Man hatte sechs Wochen Zeit, glaube ich, diesen Bogen abzugeben.
- 15:16Ja.
- 15:17Und Berufsschule war jede Woche einmal in Bad Kissingen, also mit dem Bus nach Bad Kissingen.
- 15:21Und nach der Berufsschule bin ich dann zu den Weinhändlern gegangen.
- 15:25Diesen Bad Kissingen gab es.
- 15:26Ah.
- 15:27Ich weiß nicht.
- 15:28Und die habe ich dann mit Fragen gelöchert.
- 15:30Wow.
- 15:31Ich glaube, die haben heute noch einen Traum.
- 15:33Die fanden das toll, dass ein junger Mensch sich dafür interessiert.
- 15:37Und ich habe gesagt, ich mache ein Wettbewerb mit und ich würde sie mit dir helfen könnten.
- 15:41Da gab es auch gute Tipps.
- 15:43Dann habe ich natürlich versucht, mich schlau zu machen, wo gibt es ein deutsches
- 15:48Wein-Institut.
- 15:50Wer macht die Werbung in Frankreich für Wein?
- 15:54Das war der Sopexer-Wettbewerb.
- 15:56Da war also Sopexer schon mal eine Handlaufstelle.
- 15:59Und bestimmte Fragen dann halt über Briefe.
- 16:03Ich habe unheimlich viel Briefe geschrieben.
- 16:06Ich hatte immer viel Korrespondenz und habe dann überall hin an Weingüter, an Institutionen,
- 16:12wo ich halt Adressen rausbekommen habe, einfach dann Briefe geschrieben, gefragt, ob die
- 16:15helfen können, ob sie Informationen haben.
- 16:17Das habe ich mal in Wissen aufgebaut.
- 16:19Dann habe ich mir damals gekauft.
- 16:20Ich weiß noch, der kleine Johnson.
- 16:26Von Duiker, die war in Frankreich.
- 16:28Das waren so die ersten Bücher, die ich gekauft habe.
- 16:33Die waren teuer damals.
- 16:34Ich war Azubi.
- 16:35Ich habe fast nichts verdient.
- 16:37Und so brach 50 Mark gekostet?
- 16:39Es war irre.
- 16:40Es war irre, was die Bücher gekostet haben.
- 16:42Den Wein-Adlers gab es damals noch gar nicht.
- 16:45Ich gab nur den großen Johnson, den Kleideng Johnson.
- 16:48Dann von Michael Broadband gab es ein Buch, "Wine kennen Prüfung und genießen".
- 16:54Das hatte ich aber nicht auf dem Schirm.
- 16:56Das habe ich dann über eine Kollegin empfohlen bekommen in Köln.
- 17:00Ich sagte mir, mit dem habe ich mich vorbereitet.
- 17:02Dann habe ich mir das Buch besorgt.
- 17:04Das war alles richtig.
- 17:05Das ganze Trinkgeld ging im Prinzip in den Weihküchern rein.
- 17:08Dann, wenn es ganz knapp wurde, habe ich ihm zu Hause angerufen.
- 17:11Er könnte ein bisschen Geld schicken.
- 17:13Ich muss lernen.
- 17:14Ich muss da weiterkommen.
- 17:16Ich habe dann ab und zu auch ein bisschen Geld bekommen, um wieder Bücher zu kaufen.
- 17:20Ich habe mir auf einem Wunschzettel zu Weihnachten standen.
- 17:23Nur noch Weinbücher drauf.
- 17:24Herrlich.
- 17:25Das war einfach dieses sich selber, das Wissen zur Arbeit.
- 17:30Es gab keine Sommelgeschule in Deutschland.
- 17:32Sommelges waren eine ganz rare Spezies.
- 17:36Es gab einige berühmte Häuser.
- 17:38Der Jean-Jacques Marcel aus dem Königshof war zum Beispiel in dem Füllewerb dabei.
- 17:42Dann der Schweizer Stuben.
- 17:44Petrus Sanfos war nicht in dem Wettbewerb.
- 17:47Ach so, ein Wettbewerb.
- 17:48Ich dachte allgemein, warum in Deutschland das Kaffee selbst ist.
- 17:51In Deutschland Petrus Sanfos gab es natürlich Schweizer Stuben.
- 17:53Klar, aber da war nicht diesem Wettbewerb.
- 17:54Auch die Paula Bosch, die war vorher in Wettbewerben dabei aber nicht mehr als ich angefangen.
- 17:59Aber das war damals der Jean-Jacques Marcel.
- 18:01Dann war dabei der Joel Payne, der im Gala in Aachen gearbeitet hat damals.
- 18:06Der war in dem Bewerb mit drin.
- 18:08Der Philipp Schneider.
- 18:10Ach, ist ja verrückt.
- 18:12Im Weinhandel gelandet ist.
- 18:14Das waren die ganzen großen Lordi, die ich noch nicht mal als große Vorbilder kannte.
- 18:20Weil ich zu wenig in der Branche drin war.
- 18:23Ich habe keine Fachzeitschriften gelesen davor.
- 18:25Ich war ja ganz junger Azubi.
- 18:27Ich bin da erst langsam reingewachsen in diese Welt und habe dann diese Menschen gleich kennengelernt
- 18:32dürfen und da Kontakte aufbauen können, die einfach Spaß gemacht haben.
- 18:37Diese Menschen bin ich heute noch dankbar, dass die mich damals so ein bisschen unter die Fittiche genommen haben
- 18:43und dann unterstützt haben und gemerkt haben, das ist nicht der kleine Azubi, wo der Restaurant leidet,
- 18:51den Bogen ausgefühlt hat.
- 18:53Und jetzt rasselte durch.
- 18:54In Köln habe ich dann den achten Platz gemacht.
- 18:56Ach, in den achten Platz in Köln gab es den Sonderpreis der Jury, weil noch nie ein Azubi den Wettbewerb mitgemacht hat.
- 19:02Und noch dazu im Finale gelandet ist.
- 19:04Sonderpreis der Jury war eine Ubrierenprobe im Park Hotel Bremen von der Bremer Probenrunde.
- 19:09Ist das verrückt.
- 19:10Und damit kam ich nach Bremen.
- 19:13Wow.
- 19:14Wurde dann später nochmal eingeladen zu einer weiteren Verkostung mit Chateau de Cam und großen Sortern.
- 19:20Und ich weiß noch, nach dieser zweiten Probe, da bad mich Wilhelm Wehrmann nach dem Abendessen,
- 19:26ob ich mit ihm noch ein Kaffee und ein Dishistief trinken würde im Büro.
- 19:30Das habe ich ja gerne.
- 19:32Und dann haben wir uns da ins Büro gesetzt bei ihm und haben uns unterhalten.
- 19:36Und fragte irgendwann, sprechen Sie den Fremdsprachen?
- 19:38Ich habe so eine Standardantwort, der immer ja Französisch, Englisch, ein bisschen Italienisch und Latein.
- 19:44Das habe ich verlernt, weil der Papst nie in Bad Brück in unser Restaurant gekommen ist.
- 19:48Das war ihm so weggekackt.
- 19:50Und dann verspricht er auch Französisch weiter.
- 19:53Und dann haben wir uns da sicher ein oder zwei Stunden unterhalten.
- 19:56Alles in französischer Sprache.
- 19:58Und dann, am Ende, sagte er, und wenn Sie mit der Lehre fertig sind, können Sie hier anfangen, was Chef Sommel je.
- 20:03Und er sagte, das geht mir aber alles zu schnell.
- 20:06Sie wissen doch gar nicht, ob ich die Lehre überhaupt bestehe, ob ich die Abflussprüfen bestehe.
- 20:10Ach, wenn ich nicht, meinte er, dann haben wir noch ein halbes Jahr auf Sie.
- 20:14Er sagte, okay, scheinbar sehr richtig ernst zu meinen.
- 20:18Und hat dann später noch mein Besuch in Bremen, wo ich mir noch mal alles angeschaut habe.
- 20:22Und dann auch gesagt habe, ich würde gerne ein Praktikum machen, vorher, dass ich überhaupt das Handwerkszeug mitbekomme.
- 20:29Er hat dann zwei Monate in vier Jahren sein in Hamburg beim Weinkellen auf dem Grill, den er lieben kann.
- 20:35Und habe dann dort zwei Monate lang eben im Grill den Weinservice gemacht.
- 20:41Und bin dann ins Park Hotel Bremen zurück und habe als Chef Sommel den Park Hotel Bremen angefangen.
- 20:46Wow. Und war es zu früh, also direkt nach der Ausbildung eine Chef-Sommel je Position zu?
- 20:53Oder du weißt es natürlich nicht, aber war es überfordert in der ersten Zeit?
- 20:57Es überfordert mich, weil es hat unheimlich viel Spaß gemacht.
- 21:02Wilhelm Wehrmann, der Direktor vom Park Hotel, der stand auch wirklich hinter der ganzen Sache.
- 21:08Das war richtig gut.
- 21:11Henry Precht, der Restaurantdirektor, der Metro Hotel, das war jemand, der mir auch sehr viel beigebracht hat.
- 21:22Auch gerade im Umgang mit dem Gas, der 5 Sternehaus, der Antromo, der auch immer vorher die Weihempfehlung gemacht hat.
- 21:30Das war eben die große Institution in Bremen.
- 21:34Und jetzt kam ich als Sommel je.
- 21:36Ich weiß noch, ich bin einmal zu ihm hingegangen, dass ich sage, Herr Precht,
- 21:40könnt ihr mich auch mal die Weihempfehlung machen lassen bei den Gästen, die sonst immer von ihnen beraten werden?
- 21:48Ja klar, kein Problem.
- 21:51Weil ich habe da immer bei allen Gästen natürlich gearbeitet, klar, aber die traditionellen Prima, die haben bei Sir Henry,
- 21:58die Spitznamen, die es nach dem Weintipp gefragt haben.
- 22:01Und das fand ich blöd, weil ich kam ja nicht an die Gäste ran.
- 22:04Und als die mich dann fragten, weil Not gedrohen, weil Sir Henry kam mich an den Tisch,
- 22:09weil ich ihn gebeten hatte, dass ich die Gäste mal bedienen darf.
- 22:13Und ich habe ihn in die Karte gebracht, als er irgendwann nicht auftaucht, der haben sie dann bei mir bestellt.
- 22:17Was würden sie denn empfehlen?
- 22:18Natürlich habe ich genau dasselbe Empfohlen, was auch Henry Precht empfohlen hätte.
- 22:22Und danach hieß es in Bremen, der junge Mann kennt sich ja ganz gut aus.
- 22:27Weil da war man dann sicher, der zieht uns nicht über den Tisch, der macht das vernünftig
- 22:33und so bin ich dann in Bremen in den Weinservice reingewachst.
- 22:37Aber da hat es eigentlich wieder eine kindliche Phase, also wo man sagt, man lernt wirklich von anderen,
- 22:42man ist mehr oder weniger Kommie irgendwo von der bisherigen, gleich in der Abteilerleitungsposition gerutscht.
- 22:48Ich bin in Bremen, habe ich angefangen, in 1988.
- 22:57Ich hatte überlegen, passt das ja, in Sommer 1988 war das genau.
- 23:03Sommer 1988 habe ich in Bremen angefangen.
- 23:05Und das war natürlich eine ganz neue Welt.
- 23:07Die Sommeldeposition dort war auch dem Metro-Dotel untergeordnet.
- 23:11Ich war im Prinzip Oberkellener Niveau, so wie das eingehörte.
- 23:15Und wo du auch heiß gepasst hast.
- 23:16Aber damit konnte ich meine Schritte gehen und habe dann in ein paar Hotel Bremen auch weitergemacht,
- 23:21weil ich wollte ja nach Lausanne auf die Hotelfachschule, er hatte mich dort auch angemeldet.
- 23:25Und irgendwann nach so zweieinhalb Jahren, zwei Jahren als Sommer gehe, drei Jahre wollte ich eigentlich bleiben,
- 23:34um dann nach Lausanne zu gehen.
- 23:36Da kam dann der Herr, wir haben nur halt gemeint, Herr Termonego.
- 23:39Wollen Sie das wirklich machen mit Lausanne, Sie könnten doch nach Heidelberg gehen, das wäre doch viel besser.
- 23:44Dann haben mir dann die Vorzüge von Heidelberg geschildert und das fand ich durchaus logisch, was er mir erklärt hat.
- 23:49Und dann habe ich gesagt, okay, ja, warum nicht Heidelberg?
- 23:53Dann habe ich erst mal noch eine Position angenommen.
- 23:57Ich war dann der Assistent des F&B Direktors und habe den neuen F&B Direktor sozusagen begleitet in seiner Einarbeitungsphase.
- 24:06Er sei in den ersten halben, dreiviertel Jahren, wo er da war.
- 24:09Und immer noch den Weinkeller mit betreut.
- 24:12Und dann kam der Punkt, woher er dann sagte, wollen Sie überhaupt nach Heidelberg,
- 24:17Sie wollen, könnten Sie Betriebslater der Meiererei in Bürgerpark werden.
- 24:21Da lernen Sie alles praktisch, was Sie auf der Schule lernen.
- 24:24So ein Jungjahr.
- 24:25Und er hat gesagt, okay, das wird mich reizen.
- 24:29Das war auch attraktiv.
- 24:31Es gab dann auch eine Prämie, wenn ich in bestimmten Gewinnerreichen würde,
- 24:37wo man mir später sagte, die Meiererei und Gewinn, das gab es ja noch gar nicht,
- 24:42aber der Gewinn würde überdruckend ausgeschrieben werden.
- 24:45Das hat geklappt.
- 24:46Es gab total Bodus.
- 24:47Es hat richtig Spaß gemacht, weil ich übers Praktische einfach lernen konnte.
- 24:53Und das ist eine Sache, das ist in der heutigen Welt natürlich ganz anders,
- 24:57weil heute Ausbildung in der Schule, dann die Fachschule, die Fachseminare, da ist deutlich theoretischer.
- 25:05Ich habe es halt wirklich in der Praxis gelernt.
- 25:07Und dann der Vorteil, Gibon Foir war Berater von Parkotellen Bremen.
- 25:11Und Gibon Foir hat mich dann, war ihn technisch auch unter seine Füttliche genommen.
- 25:15Ist auch jemand, dem ich sehr, sehr dankbar bin.
- 25:18Da durfte ich auch unheimlich viel lernen.
- 25:20Und der hat auch immer wieder, wenn er reisen hatte, die interessant waren,
- 25:25hat er immer, William Wermont vorgeschlagen, der Markus Dillmonego könnte doch damit,
- 25:29wir haben dieses jedes Thema, wir fahren doch da und dahin.
- 25:32Und das war echt, das war richtig gut.
- 25:35Also es war eine Zeit, die mich sehr gefordert, aber auch sehr, sehr gefördert hat.
- 25:39War er dein Vorbild oder hattest du ein Vorbild, hattest du ein Mentor seit deiner Ausbildung,
- 25:45seitdem das Weintema für dich ging?
- 25:47Ich sage mal, dass das Weintema kam, war Gibon Foir sicherlich ein richtiger Mentor.
- 25:51Weil er hatte ein enormes, immer noch ein enormes Wissen,
- 25:55war einfach das, was er mit Wein geschafft hat, die Analysien dabei, die Aromenanalysien,
- 26:00alles drum und dran, das habe ich alles von ihm mitgenommen.
- 26:03Das habe ich von ihm gelernt.
- 26:05Und das war schon eine wichtige Person im Leben.
- 26:09Zurückgedreht, ist es mehr Fluch oder ist es mehr Segen,
- 26:15dann diesen großen Erfolg zu haben, zum Eweltmeister zu sein,
- 26:19weil du warst ja dann mehr oder weniger eigentlich richtig frei tätig, nur 10 Jahre,
- 26:24wenn man so grob runterrechnet, also von 88 bis 98.
- 26:29Ja, aber es war ja so, dass ich den Wein nie verlassen habe,
- 26:34egal was ich in der Hotellerie gemacht habe, ich hatte immer den Wein bezug.
- 26:38Das war mir immer unheimlich wichtig.
- 26:40Und die Sommelgeweltmesserschaft war natürlich dann schon ein richtiger Einschnitt,
- 26:46aber auch da, ich habe mich damit gerechnet, dass ich den ersten Platz mache.
- 26:52Gab es ja vorher auch noch nicht, du bist der erste Deutsche, der es jemals geschafft hat?
- 26:57Drei Jahre vorher war ich in Japan auf dem vierten Platz gelandet
- 27:00und dann die Chance zu haben, nochmal anzutreten, das fand ich toll,
- 27:06aber ich wusste ja, was mich erwartet.
- 27:08Und ich hatte damals ein Projekt mit einem Hotel an der Mosel,
- 27:13das war eine ganz andere Zeit und natürlich hat es mich trotzdem gepackt.
- 27:18Ich bin dann schon so aufgestellt, dass ich auch erfolgreich sein möchte,
- 27:25aber ich habe auch noch eine Zeit für mich selber.
- 27:28In einem Wettbewerb kann man den letzten Platz machen.
- 27:32Wenn man weiß, man hat alles gegeben, was man kann,
- 27:35dann ist auch der letzte Platz absolut okay, weil die anderen einfach besser waren.
- 27:39Aber nachher, da drin zu stehen im Wettbewerb, sich zu sagen, hätte ich da noch einen Tag mehr gelernt,
- 27:44hätte ich es schaffen können, das ist ärgerlich, das mache ich nicht.
- 27:48Das war dann die Motivation, mich da richtig in dieses Thema einzurbeiten
- 27:54und danach war die Welt eigentlich immer noch dieselbe.
- 28:01Und ich hoffe auch, dass ich mich nicht verändert habe,
- 28:07sondern dass ich immer noch der geblieben bin, der ich war.
- 28:10Das war mir immer wichtig.
- 28:11Ich hätte nur gedacht, dass man sein Leben nicht so frei geistig gestalten kann,
- 28:15wenn man es sonst vielleicht hätte, wenn man den Titel nicht hätte.
- 28:18Also jeder hatte dann eine Erwartung, du bist geblendet, du hast ja...
- 28:21Ja, gut, aber erstens mal, als ich damals Sommerlie-Weltmeister wurde,
- 28:27da gab es Leute, die in Deutschland nicht wussten, was ist ein Sommerlie.
- 28:33Es gab Menschen, die mich auf Veranstaltung gefragt haben,
- 28:36wie viel muss man denn da trinken, dass man das wird?
- 28:39Also 98, selbst die Spitzenpolitiker wussten nicht, was das ist.
- 28:45Irgendwann hat mich ein Sommerlie-Kollegier gefragt,
- 28:47ob ich schon beim Bundespräsidenten oder beim Kanzler gewesen wäre
- 28:50und ich sage, warum denn?
- 28:52In Frankreich gibt es einen Empfang in Paris für den Kandidaten,
- 28:56der die Weltmeisterschaft gewinnt.
- 28:58Der ist ja ein Vorbild für das ganze Land.
- 29:00Ich sage, ich muss den Politikern erst mal erklären, was ein Sommerlie ist.
- 29:03Und da werden Glauben, der hat damals schon zu mir gesagt,
- 29:06er hat gesagt, hör zu, du hast jetzt eine Riesenchance,
- 29:09eine Lanze für diesen Beruf zu brechen.
- 29:12Weil damit ist jetzt Aufmerksamkeit auf diesen Beruf gelenkt
- 29:17und das kann der Branche wirklich nützen.
- 29:20Also der hat das sehr frühzeitig erkannt,
- 29:22dass dadurch neue Dinge in Bewegung kommen.
- 29:24Dann wurde ja danach die Hotelfachschule in Heidelberg eingebunden,
- 29:29um einen Sommerlie-Kurs anzubieten.
- 29:31Dann kam die IHK mit den Sommerlie-Programmen.
- 29:34Das hat ja damals alles erst so langsam begonnen.
- 29:38Und diese Vorreiterrolle hast du auch zumindest meines MSS
- 29:43wahnsinnig gut angenommen und weitergeführt.
- 29:46Du hast so viele Sachen neu definiert.
- 29:48Du warst vor allen Dingen, das finde ich ganz großartig, immer nah war.
- 29:51Du hattest niemals irgendwie auch nur anhernend
- 29:54auf eine distanzierte Ausstrahlung
- 29:57und man hat sich getraut, dich auch was zu fragen.
- 30:00Kann man wieder weit? Ja, klar.
- 30:02Das ist so einzigartig, großartig
- 30:05und macht dich so sympathisch und so persönlich.
- 30:08Und ich glaube, das ist auch eine Größe,
- 30:10die man dann herausarbeiten oder die man irgendwie innehaben muss.
- 30:13Ich wollte einfach nicht, dass mich ein Titel komplett verändert.
- 30:19Natürlich gibt es Veränderungen.
- 30:21Natürlich habe ich mich weiterentwickelt.
- 30:23Natürlich habe ich viel gelernt und auch Lehrgeld bezahlt.
- 30:26All das kommt im Leben zusammen, das ist ganz klar.
- 30:28Aber für mich war immer wichtig,
- 30:30dass größte Wissen der Welt nützt, nicht wenn es nicht geteilt wird.
- 30:34Nur wenn ich wisse Teile, habe ich die Möglichkeit,
- 30:37dieses Wissen lebendig zu halten, weiterzugeben.
- 30:42Und dann hat dieses Wissen einen Zweck.
- 30:44In dem Moment, wo ich irgendwo auf einer hohen Säule
- 30:49oder in einem Protest stehe und keiner sich ran traut
- 30:52und keine Kommunikation stattfindet, dann passiert ja nichts.
- 30:55Und dann ist das ganze Wissen tot.
- 30:58Dann ist das alles, was ich erarbeitet habe, eigentlich nützlos.
- 31:02Und es muss ja einen Zweck haben.
- 31:04Und deswegen war für mich immer wichtig,
- 31:07zu unterstützen, Wissen weiterzugeben, eben nahbar zu sein.
- 31:11Das ist genauso wie, wenn es mir gut geht,
- 31:14es auch anderen gut geht.
- 31:16Das heißt, immer wieder charity-Projekte zu machen,
- 31:19um mit dem, was ich jetzt mitbekommen habe,
- 31:22auf meinem Lebensweg auch anderen irgendwo helfen zu können.
- 31:25Aber auch auf der anderen Seite finde ich zu differenzieren
- 31:29und differenzieren zu können, wann man gut mütig ist
- 31:33oder wann es mehr oder weniger ausgekostet wird.
- 31:36Denn ich glaube, es gibt nicht wenige, die zu dir gesagt haben,
- 31:38du kommst mal zu uns, guck mal über einem Weinkeller,
- 31:40schau mal, was die einzelnen Sachen kosten,
- 31:42kannst du nicht umsonst beraten, was ich noch kaufen soll
- 31:44und so weiter und da nicht in diese Spirale reinzukommen,
- 31:48dass man irgendwo als Schausstück einer Tafel hergenommen wird
- 31:52oder eben grates Beratungsleistungs,
- 31:55was du dir selber auch erarbeitet hast,
- 31:57hart und teuer erarbeitet hast mit deinem Lehrgeld,
- 32:00dass das auch umgesetzt wird.
- 32:03Auch da gab es Erfahrungen, das ist ganz klar,
- 32:05weil in der Zeit, wo ich am Tieren das Hummelgeweltmeister war,
- 32:09in den zwei Jahren, habe ich extrem viele Anfragen
- 32:12für charity-Weinproben und so weiter bekommen.
- 32:15Ich habe das auch gemacht, bis ich irgendwann auch mal gemerkt habe.
- 32:18Ich mache jetzt eine Weinprobe
- 32:20und dann wird ein Check überreicht für 500 Mark.
- 32:23Mein Aufwand dahin zu kommen, das zu machen, das zu organisieren,
- 32:29ist eigentlich mehr wert als die 500 Mark
- 32:32und da ist meine Zeit noch gar nicht eingerechnet.
- 32:36Und dann habe ich gesagt,
- 32:39okay, wenn dann diese aktive Phase vorbei ist,
- 32:43dann werden Projekte sehr viel selektiver angegangen,
- 32:48weil das ist genau dieses Thema des Ausgenutztwertens,
- 32:51das eben sehr schnell passieren kann.
- 32:54Ich bin auch jemand, der sehr begeisterungsfähig ist
- 32:57für Ideen, die mir gefallen.
- 32:59Und da habe ich dann auch ganz klar gesagt,
- 33:02jetzt gibt es ein Limit,
- 33:04ein Anzahl an Tagen, die ich dafür zur Verfügung stelle.
- 33:07Und wenn ein bestimmter Mindestwert nicht erarbeitet wird,
- 33:12sodass eine entsprechende Mindestspende zusammenkommt,
- 33:15von der ich auch nichts habe, das ist ja egal.
- 33:17Aber wenn das nicht passiert, dann mache ich es nicht.
- 33:20Weil da haben manche Leute gesagt,
- 33:23über eine Spende kriegen wir den günstiger,
- 33:26als wir an dem Tag so noch bezahlen.
- 33:28Und das ist nach wie vor die Maxime,
- 33:31wenn irgendwo etwas angefragt wird im Bereich für Negrity,
- 33:37dann muss am Schluss ein definierter Wert rauskommen.
- 33:42Ansonsten spendes Geld lieber selber.
- 33:46Wenn man davon nicht leben kann,
- 33:48man hat keine Chance und keine Zeit,
- 33:50sich weiter zu bieten, weiter zu entwickeln.
- 33:52Es ist ja mehr oder weniger nicht nur ein Selbstschutz,
- 33:54sondern auch ein Brunschenschutz, den man dort hat.
- 33:57Und das fand ich in den Zeiten,
- 33:59als du mit Christina,
- 34:01als ihr eure erste Firma zusammen gegründet habt,
- 34:04sehr, sehr gut, weil ihr damit...
- 34:06Das war eine ganz, ganz frühen Zeit, genau.
- 34:08Weil ihr auch ganz klar Werte gesetzt habt und gesagt habt,
- 34:11es gibt so viele, die es billiger machen, jemand macht es immer billiger.
- 34:14Und diese Qualität...
- 34:15Genau, diese Sache kam auch aus der Überlegung heraus,
- 34:17weil man einfach gemerkt hat,
- 34:19man muss irgendwas tun,
- 34:21um eine Sache auf den richtigen Weg zu bringen,
- 34:25um sich selber auch schützen zu können
- 34:27und um Synergien zu nutzen unter Kollegen.
- 34:30Und das war damals die erste Geschichte.
- 34:32Großartig.
- 34:33Wenn du sagst, wissen sollt man teilen,
- 34:35findest du ein Zommel, der erfolgreich in seinem Berufsleben steht,
- 34:39sollte publizieren, ähnlich wie es zum Beispiel Ärzte tun,
- 34:42um hier in verschiedenen Fachmagazinen
- 34:44um eine gewisse Anerkennung zu haben,
- 34:46automatisch publizieren, damit auch Punkte sammeln
- 34:48oder eine Anerkennung sammeln.
- 34:50Oder ist das nicht unbedingt von nötig?
- 34:52Du hast auch viele, du schreibst viel,
- 34:54du hast Bücher veröffentlicht,
- 34:56ein Zommel je weiße so viel,
- 34:58kriegst so viele Informationen von allen Seiten,
- 35:00interessiert sich in einer ganz anderen Intensität,
- 35:02Tiefsehnigkeit für das Thema,
- 35:04das nur für sich zu behalten
- 35:06oder nur an einem Abend an einem Tisch zu publizieren.
- 35:09Das ist eigentlich schade, oder?
- 35:11Das ist ja auch nicht so schade,
- 35:13dass man auf den Charakter jeweiligen Personen drauf hat,
- 35:15auf das Naturell.
- 35:17Es gibt Menschen, die wunderbar erzählen können
- 35:19und die kriegen keinen Satz richtig formuliert.
- 35:21Es gibt Menschen, die können ganz toll schreiben,
- 35:24aber wenn die öffentlich reden müssen, haben sie ein Problem.
- 35:27Also ich glaube, jeder muss das für sich selber entscheiden,
- 35:30wie er sein Wissen weitergeben will.
- 35:33Und wenn das Wissen weitergegeben wird,
- 35:36selbst im kleinen Kreis, auch das ist eine Weitergabe.
- 35:39Wenn man das jeden Tag macht,
- 35:41wird dann multipliziert sich das.
- 35:43Auch damit kommt Wissen in die Welt.
- 35:45Deswegen, für mich war die Kommunikation immer wichtig,
- 35:48egal auf welchem Weg, ob das jetzt angastbar
- 35:51bei Abendveranstaltungen mit den Kunden
- 35:54oder auf Vorträgen oder letztendlich dann auch
- 35:57in Artikeln oder in Büchern.
- 36:00Und heute, wenn ich weine Verkoste,
- 36:03dann publier ich auf tastingbook.com,
- 36:06wo ich eben Inhalt kostenfrei zur Verfügung stellen kann.
- 36:12Wo ich die Notizen von den Wahlen, die mir auffallen,
- 36:16die ich positiv finde, da wunderbar veröffentlichen kann,
- 36:20ohne da einen riesen Aufbau dahinter haben zu müssen.
- 36:24Und ich kann diese Dinge kommunizieren.
- 36:27Irgendwann kam auch das Thema,
- 36:29du musst unbedingt was in den sozialen Medien machen.
- 36:32Dann habe ich angefangen mit Instagram,
- 36:35das macht auch sehr viel Spaß.
- 36:37Ich bin jetzt nicht der Blogger-Typ,
- 36:40der den ganzen Tag mit dem Handy Beiträge in die Welt sendet.
- 36:44Aber auch das ist eine Möglichkeit,
- 36:46Menschen zu erreichen und zu kommunizieren.
- 36:49Genauso wie gedruckte Medien.
- 36:51Und es gibt ja immer noch ein paar Projekte,
- 36:54wo ich dann drin bin für Zeitungen oder für Zeitschriften,
- 36:59wo ich temporär Berichte mache
- 37:02oder regelmäßige Kolumnen habe,
- 37:05die dann in regelmäßigen Abständen scheinen.
- 37:08Ich finde, das macht Spaß.
- 37:10Und das ist eine Möglichkeit,
- 37:12auch Wissen zu vermitteln und Informationen weiterzugeben.
- 37:16Ich finde gerade in deinem Insta-Format bist du dir selber unfassbar treu.
- 37:19Es ist so ganz viel Markus, also man erkennt es so.
- 37:22Es hat so eine Seriosität, so eine Ernsthaftigkeit,
- 37:25so wahnsinnig viel Informationsgehalt
- 37:27und so eine wunderbare Ruhe, die du eben auch hast.
- 37:30* Schnauben *
- 37:32Also jeder von uns sucht ja eigentlich immer nach den ganz, ganz besonderen Wein.
- 37:51Und ich finde zum Beispiel der Breite Alte aus dem Hause Livon.
- 37:55Aus Friuli Viennitzia Giulia ist genau so ein Wein.
- 37:58Zuallererst reden wir beim Wein herüber die Herkunft.
- 38:01Und hier Friau Julius Viennitzien und um explizit zu werden, das Kolio.
- 38:06Hat sicher, der ein oder andere von euch schon mal gehört,
- 38:08denn hier tummeln sich einen geserb berühmten Produzenten
- 38:10und einer derer ist Livon.
- 38:12Doch was ist das eigentlich, dies Kolio?
- 38:15Für viele ist das wilde Herz des Friau
- 38:17oder besser gesagt ist Kolio das Rauliovel
- 38:20an der Grenze zwischen Italien und Slowenien
- 38:22und definitiv kein Ort für weichgespürte Träume.
- 38:25Denn hier wo sanfte Hüge genauso ihre Spuren tragen wie die Hände der Winzer
- 38:29erzielt jeder einzelne Weinstock eine Geschichte von Ursprünglichkeit und Widerstand.
- 38:35Kolio ist wild. Richtig wild.
- 38:37Rohkompromisslos eine Region, die sich irgendwie nicht verbiet,
- 38:41sondern ihre Natur mit unbändiger Kraft auslebt.
- 38:44Zwischen der Adria und den Alpen ist das Kolio Terror.
- 38:48Und wie schon gesagt, Kolios definitiv keine Dille.
- 38:50Es ist eine Landschaft voller Kontraste.
- 38:53Denn hier trifft die Kühle der jüdischen Alpen auf die warmgegebenheiten der Adria.
- 38:58Und genau dieser ewige Schlagabtausch
- 39:01zwischen kalten Nächten und sonnigen Tagen vorm Trauben.
- 39:04Und die sind anders, die sind intensiv, die sind charakterstark, die sind voller Leben.
- 39:07Dieses Klima macht keine halben Sachen.
- 39:09Denn zwingt die Reben dazu sich zu behaupten.
- 39:12Und das bei diesen Böden.
- 39:13Die Einheimischen nennen sie Punker.
- 39:15Uns eine Mischung aus Märgel und Sandstein,
- 39:18die bei Regen richtig schlammig werden.
- 39:20Und wenn die Sonne drauf ballert, richtig wie Stein zerpröseln.
- 39:23Diese alten fossilen Böden sind das Rückgrat, letztlich der Kolio Weine.
- 39:27Sie geben den Trauben diese fast morbide Salzigkeit, diese Mineralität,
- 39:32diese Struktur und diese Charakterfestigkeit.
- 39:34Wie eben der Braille der Alte von Livon.
- 39:37Davon ein Glas ist ein Gespräch wie mit einem alten Freund, der nichts beschönigt.
- 39:41Ein Wein, der kraftvoll der Mineralestelle bändig ist,
- 39:43der nicht gefallen will, sondern einfach faszinieren.
- 39:46Es ist ein Wein, der Ecken und Kanten hat, der eine Geschichte erzählt.
- 39:49Nicht nur von den steinigen Böden, von den harten Winden,
- 39:52von der Zehenarbeit der Winzer, einfach von sich selbst.
- 39:55Und so wie dieses Land geprägt von seiner Wildheit und Schönheit,
- 39:59voller stolzen Hingabe ist, präsentiert sich dieser Wein.
- 40:02Roh, ungezähmt und definitiv echt.
- 40:06Doch wer ist eigentlich der Macher dieses Charakterweins?
- 40:09Die Geschichte von Livon beginnt, wie sie oft mit einer Vision.
- 40:14Eine Vision von Dorino Livon.
- 40:16Ein Mann, der das Potenzial der Region Friau Julesch Vinesien bereits
- 40:20in den 1960er Jahren erkannte.
- 40:23Mit nichts als unerschütterlichen Glauben und harte Arbeit legte Dorino
- 40:27den Grundstein für ein Familienunternehmen,
- 40:30das heute eines der redumiertesten Weingüter Italiens darstellt.
- 40:34Werden viele Weingüter der Region auf altbewertete Methoden setzten,
- 40:38wagte es die Familie Livon, Gerenzen zu überschreiten.
- 40:42Eine besonders bewegende Anekdote erzielt von Dorinos Entscheidung,
- 40:46den Fokus auf außergewöhnliche Küwes zu legen.
- 40:49In einer Zeit, in der Sortenreine Weine, das Maß aller Dinge waren,
- 40:53erkannte Dorino das Potenzial einer Assemblage,
- 40:56die die Stärken mehrere Rebsorten vereint und gleichzeitig den Charakter
- 41:00des einzigartigen Terroirs bewahrt.
- 41:03Diese Entscheidung legte den Grundstein für den Breidealter,
- 41:06der heute durchaus als eine Hormage an Friau Julesch Vinesien gilt.
- 41:10Und die Genialität beginnt bei der Auswahl der Rebsorten.
- 41:13Wir haben Charonnet, wir haben Zoubonne Blanc,
- 41:16wir haben Picolite und wir haben Moscato Gialo.
- 41:19Jeder einzelne dieser Sorten bringt eine ganz eigene Persönlichkeit in die Küwe ein
- 41:23und doch verschmelzen sie zu einer harmonischen Einheit,
- 41:26die den Charakter der Region auf unvergleichliche Weise widerspiegelt.
- 41:30Die Trauben stammen, wie bereits erwähnt, von mineralischen Schwemmelandböden,
- 41:33die dem Wein nicht nur tiefe, nicht nur Geschmack,
- 41:36nicht nur Festigkeit, sondern auch eine unverwechselbare Mineralität
- 41:39und eine sehr leichte Lein.
- 41:41Temperaturkontrollierte Gärung und der Ausbau in französischen Berichts
- 41:45verleihen dem Wein seine krimgige Textur
- 41:48und diese subtile Note, die so ein wenig an Vanille, an Kräuter,
- 41:51an Gewürze, an Röster rum erinnert und das ganze so wunderbar auskleideten,
- 41:54vor allen Dingen über die Reife, ganz wunderbar fundamentiert.
- 41:57In der Nase.
- 41:59Ich finde das herrlich, wenn man an diesem Breidealter riecht.
- 42:02Es wirkt irgendwie nicht plakativ, es wirkt nicht einseitig.
- 42:05Man riecht den Fürsig, man riecht die Birnen, man riecht die Zitrusfrüchte.
- 42:08Man hat Floreale Noten, es wirkt unglaublich facettenreich
- 42:11und macht richtig neugierig am Gaumen.
- 42:14Eigentlich das, was man erwartet, Vollmundigkeit.
- 42:16Also gerade wenn man diese gelfruchtige Aromate hat,
- 42:19dann möchte man was Geschmackvolles und genau das bekommt man gespiegelt.
- 42:23Und man spürt die Struktur.
- 42:25Ja, ich weiß, jeder redet von Struktur, aber hier spürt man es.
- 42:28Man spürt die Textur am Gaumen, die Festigkeit und die Präzision.
- 42:33Nicht nur im Arombild, sondern der Gesamtausstrahlung des Weins, großartig.
- 42:37Man hat bei diesem Wein, finde ich, zumindest richtig das Gefühl,
- 42:40als würde eine Geschichte erzählen.
- 42:42Ein spätsürmaliger Abend im Freyau.
- 42:44Das Bild hat man, wenn man den Wein probiert.
- 42:46Und für die Familie Livon ist das keine Zähne, es ist pure Philosophie.
- 42:50Ihr Ziel ist es, Weine zu schaffen, die Momente wie diesen unvergesslich machen.
- 42:55Und dieser breite Alte ist nicht nur ein Wein, sondern ein Erlebnis,
- 42:59ein Dialog zwischen Mensch und Natur, ein Ausdruck von Leidenschaft und Hingabe.
- 43:05Ein moderner Klassiker, ich glaube, besser kann man den Wein nicht beschreiben.
- 43:08Es ist ein Wein für die besondere Momente für Menschen, die die Kunst des Weines zu schätzen wissen.
- 43:13Danke für dieses Kunstwerk.
- 43:14Und noch ein großes Dankeschön dem deutschen Importeur, dem Handelshaus Konzil Jovini.
- 43:30Was ich toll finde, was kaum, glaube ich, Präsenz in Deutschland hat, ist Tastingbook.com.
- 43:36Ja, Tastingbook.com, das ist eine Idee.
- 43:39Da war ich relativ früh am Bord.
- 43:41Ich war, glaube ich, das 15. Mitglied.
- 43:43Meine ich auch, als publiziert wurde, dass du relativ ernst her...
- 43:45Ganz früh, aber habe dann wenig dort veröffentlicht,
- 43:49weil ich kurz nach dem Tastingbook an den Start gegangen ist,
- 43:53ich dann als Mitglied eingestiegen bin, dann Tasted kam dieses Projekt
- 43:58und damit musste ich meine Verkostungssortizen über Tasted publizieren.
- 44:02Das habe ich ja vier Jahre lang gemacht und habe mich dann aber entschieden,
- 44:06das nicht mehr weiter zu tun, sondern eben jetzt wirklich auf Tastingbook zu gehen.
- 44:12Und Pekanouiki, der Tastingbook erfunden hat, mit dem habe ich dann gesprochen, dann sagte ich dazu,
- 44:16ich würde das gerne machen, ich habe in der Vergangenheit wenig getan,
- 44:19das hat sich auch alles gut entwickelt bei dir, aber was hältst du davon?
- 44:22Ich würde gerne da dann entsprechend auch publizieren.
- 44:26Es ist nach wie vor so, dass man sich da kostenlos Content runterholen kann und so.
- 44:31Und das hat bis zur Corona-Zeit, bis zur Pandemie,
- 44:38hat das alles kostenlos angeboten, was für mich ein unheimlich schlagkräftiges Argument war,
- 44:43weil ich gesagt habe, die Leute bekommen Informationen geliefert
- 44:46und müssen da nicht irgendwelche monatliche Gebühren bezahlen und so weiter und so fort.
- 44:51Und dann hat er aber angefangen, während Covid, weil da einfach das Thema Kosten dann natürlich mit reinspielte,
- 44:59andere Dinge nicht mehr so gingen, wie sie hätten gehen sollen,
- 45:02dann wurde so ein Beitrag eingeführt, der ist nicht sehr hoch,
- 45:05dafür bin ich dann so eine Art VIP-Zugang, ich kann Follower werden von Leuten und so weiter,
- 45:11bekommen alle Notizen und wenn ich eben keinen Beitrag bezahle,
- 45:15dann kriege ich nur einen Ausschnitt der Notizen, die zur Verfügung stehen,
- 45:18was auch fair ist, also auch das ist schon mal eine Möglichkeit zu erst informieren.
- 45:22Und wenn man dann sieht, Mensch, das nützt mir was, dann kann man immer noch überlegen,
- 45:25ob man keinen Beitrag bezahlt. Aber das war für mich eine Sache, wo ich gesagt habe,
- 45:28dass ich schön, ich kann veröffentlichen und ich kann jetzt in einem Rhythmus tun,
- 45:32der mir passt, ich kann mal drei, vier Wochen nichts tun,
- 45:35dann kann ich drei Tage nacheinander was veröffentlichen.
- 45:38Das kommt auch immer dann, wenn ich die Zeit habe, das entsprechend umzusetzen.
- 45:43Und es ist ein globales Netzwerk?
- 45:45Es ist ein globales Netzwerk, das ist ein globales Netzwerk.
- 45:47Man kriegt Eindrücke aus Shanghai, aus Amerika, aus Italien, das finde ich so großartig.
- 45:52Findest du, dass man international unterschiedlich verkostet,
- 45:56also dass Menschen aus Asien anderen geschmackten,
- 45:59andere Wahrnehmungen haben als welche aus Amerika und welche aus Süd aus?
- 46:02Das ist ganz klar.
- 46:04Wir werden alle geschmacklich, geruchlich anders erzogen.
- 46:10Jemand, der in Indien aufwächst, ist schärfe ganz anders gewohnt als jemand aus Kandinabien.
- 46:17Und in Mitteleuropa reagieren wir auch süß, ja anders als jemand in Süditalien.
- 46:22Also wir haben unser Umfeld, was uns prägt, die kondinarischen Traditionen, die Natur,
- 46:29die sozusagen die Lebensmittel liefert, wenn man in diesem wirklichen regionalen Kontext bleibt,
- 46:35das, was einen am Anfang prägt.
- 46:37Und zum Beispiel in Japan, am Anfang, als ich in Japan unterwegs war,
- 46:42habe ich gemerkt, dass nicht immer alles leicht verständlich war für die Japaner, wenn ich in Wein geschrieben habe.
- 46:48Also nicht, war es an meinem japanischen Lack.
- 46:53Sprichst du japanisch? Nein.
- 46:55Nein, okay.
- 46:56Ich habe es mal angefangen und dann kam der 11. September, dann war ich vier Jahre nicht mehr in Japan,
- 47:01und dann habe ich es aber auch nicht wieder angefangen.
- 47:03Am Anfang ging es erst, da konnte man so ein bisschen touristen Japanisch durch Japan,
- 47:07also in Tokio konnte man sich zurechtfinden,
- 47:09aber mittlerweile, das ist alles verschwitzt, fange ich auch nicht mehr wieder an.
- 47:12Aber die Dolmetscher am Anfang, da habe ich den irgendwann mal gesagt,
- 47:16sag mal, wenn du das übersetzt, und dann kam ich auf den Gedanken,
- 47:20eine Birne schmeckt in Japan anders als in Deutschland.
- 47:23Nashi hat eben einen ganz anderen Geschmack als Nihwiljams Birne, wie wir sie hier kennen.
- 47:29Und damit fängt es schon an.
- 47:30Wir sprechen also über Birne, und wir haben ein komplett unterschiedliches Bild.
- 47:34Also werden wir immer Dinge anders erklären,
- 47:37weil wir ja Verkostung beschreiben können über den Vergleich,
- 47:43und nur über den Vergleich können wir das beschreiben.
- 47:45Wir sagen, das erinnert mich an dies, dies und jenes.
- 47:49Und wenn das nicht für identisch definiert ist,
- 47:53gewinnieren wir einen unterschiedlichen Eindruck.
- 47:55Auch über Strukturen, über Dichte, über Mundgefühl und solche Sachen,
- 48:00gibt es ganz unterschiedliche Traditionen in unterschiedlichen Kulturkreisen.
- 48:04Und deswegen ist die Weinsprache zwar international,
- 48:10wir können die Verkostungsnotizen von allen anderen lesen,
- 48:13aber wir werden sie wahrscheinlich immer ein bisschen unterschiedlich interpretieren.
- 48:17Und je mehr man sich dann mit den Verkostungen beschäftigt,
- 48:20desto mehr hat man die Möglichkeit, den Verkoster zu verstehen.
- 48:25Und je besser man den Verkoster versteht, desto besser kann man die Urteile nachvollziehen.
- 48:30Das beste Beispiel in meiner Anfangsphase war Rudi Knoll.
- 48:39Rudi Knoll war jemand, der Weinen hohe Bewertung gab, die knackig frisch waren.
- 48:46Also Säure war für ihn ein echtes Thema.
- 48:48Damit starke in seiner Zeit so ein bisschen heraus.
- 48:52Aber das war klar, wenn Rudi Knoll eine hohe Bewertung gibt,
- 48:55dann ist es ein eher säurebetonender Wein.
- 48:58Robert Parker, der ging in eine ganz andere Richtung,
- 49:01da muss es opulent und kraftvoll sein.
- 49:04Da war die Säure eher hinderlich.
- 49:06Also das sind dann die Antipoten, kann man sagen, wo unterschiedlich interpretiert wurde.
- 49:12Aber wenn ich weiß, wie die arbeiten, wie sie beschreiben, wie sie an die Themen dran gehen,
- 49:17dann kann ich auch die Verkostungsergebnisse entsprechend interpretieren
- 49:20und kann man die Nutzen daraus ziehen.
- 49:23Würden trotzdem beide einen guten Wein als Grundgut empfinden?
- 49:29Oder gäbe es da auch Unterschiede?
- 49:32Also dass man sauber einen gut gemachten Wein, ein gut produzierten Wein,
- 49:36einen, der eine gewisse Authentizität, der eine gewisse Tiefsinnigkeit dabei hat,
- 49:40also kann man da die Ebene finden und der Rest ist dann mehr oder weniger Spielerei
- 49:45oder persönlicher Geschmack.
- 49:47Also diese Ebene ist sicherlich vorhanden,
- 49:49weil Qualität, wenn man beispielsweise die Länge eines Weines anschaut,
- 49:55die Länge eines Weines können wir alle sehr parallel empfinden.
- 50:00Wie lange bleibt so was am Gaumen?
- 50:02Jetzt haben wir alle unterschiedliche Empfindungsschwellen,
- 50:04aber immer noch mit diesen Empfindungsschwellen haben wir die Möglichkeit,
- 50:08einen Wein von der Länge her zu beschreiben, das ist kein Problem.
- 50:11Und dann hat man die Möglichkeit, einen Konsens zu finden.
- 50:15Das ist ein Wein, der hat Länge, der hat eine gewisse Dichte, dann eine gewisse Struktur.
- 50:19Wie ich nachher die Säure, die Tannine und die Aromastoffe interpretiere,
- 50:23das fließt dann am Schluss in die Beschreibung und die Note rein.
- 50:27Aber ein Wein, der von einem Robert Parker auf 100 Punkte gesetzt werden würde,
- 50:32würde von einem Verkostenvirutiknull und bei dem Beispiel zu bleiben,
- 50:37wahrscheinlich nicht auf 12 Punkte gesetzt werden,
- 50:4120 Punkte Systeme, weil das waren ja auch unterschiedliche Punkte Systeme damals.
- 50:45Weil das insgesamt ein sehr guter Wein ist,
- 50:51dann würde er auch einen sehr guten Eindruck vermitteln.
- 50:54Und dann in den Details, da kommen wahrscheinlich die Unterschiedlichkeiten zum Tragen.
- 50:58Ist aber in vielen anderen Branchen ja nicht anders bei Theaterkritikern,
- 51:02bei Literaturkritikern etc.
- 51:04Da ist es ja ähnlich, dass man sagt, es gibt natürlich gewisse Kurefelen,
- 51:08die immer zur Rate gezogen werden, wenn es eine Rezition für ein Buch geben sollte.
- 51:12Aber man sollte sich halt in denen auch beschäftigen, warum die das so letztlich beurteilen oder eben ihre Mange darüber geben.
- 51:19Dann kommen wir eben nur noch das Persönliche dazu, weil ich sage immer, Objektivität ist wichtig.
- 51:24Und wenn wir professionell arbeiten, schaffen wir vielleicht 85% Objektivität.
- 51:3115% sind immer noch Subjektivität.
- 51:35Das heißt, das wird aus einem großen Wein beim anderen Verkoster keinen kleinen Wein machen.
- 51:40Aber ob er dann in der Absicht eine Spitze landet oder nur im Oberfeld,
- 51:44das hängt dann vielleicht mit subjektiven Eindrücken zusammen, subjektiver Interpretation.
- 51:51Macht eine Beschreibung über die Arom ohnehinsinn, keinen Sinn, will Arom sicher auch verändern,
- 51:58sollte man nicht nur über die Gestatur, über die Struktur des Weines,
- 52:02gehen, wenn man ihn grundlegend beschreibt.
- 52:05Also ganz offen gesagt, alle Paramete, die einen Wein ausmachen, geben wertvolle Informationen.
- 52:11Fangen wir mit der Farbe an.
- 52:13Ich habe zum Beispiel bei allen meinen Verkostungsnotizen immer das Farbspekt.
- 52:17Was kaum jemand macht.
- 52:19Was kaum jemand schreibt.
- 52:21Über Farbe schreibt kaum jemand.
- 52:23Wenn ich einen Wein habe, der violette Reflexe zeigt, dann heißt das, dass er einen Rotwein der Jugendlichkeit hat,
- 52:28genauso wie die grünen Reflexe bei einem Weißwein.
- 52:31Wenn ein Wein schon in ganz jungen Jahren Goldfarben ist, dann gibt mir das die Information,
- 52:37dieser Weißwein hat eventuell einen oxidativen Ausbau erfahren, war vielleicht im Parik eingelagert,
- 52:43also ich habe einen anderen Weinstil.
- 52:46Das heißt schon, die Farbe kann mich in eine gewisse Richtung lenken, was ich von dem Wein erwarten kann.
- 52:52Und wenn die Farbe nicht konkurrent ist mit dem, was hinten dran steht, im duften Geschmack, dann habe ich schon ein Problem.
- 52:58Und deswegen ist die Farbe extrem wichtig.
- 53:01Und die Farbe kann mir Informationen geben, wenn da wässrige Randaußen noch wirklich ganz klar wässrig ist,
- 53:06dann ist es sehr jung, wenn er durchgefärbt ist, dann kommen wir in die Reifephase rein.
- 53:10Diese Informationen sind extrem wichtig und deswegen werden die bei mir immer angesprochen.
- 53:15Das zweite ist der Duft.
- 53:17Natürlich ist der Duft eine Momentaufnahme.
- 53:20Natürlich können sich Aromen verändern, aber habe ich einen Wein in jungen Jahren probiert und er hat nach frischen, was nehmen wir,
- 53:31frische Pflaumen geruhen als Beispiel.
- 53:34Und ich probiere ihn zehn Jahre später und erinnert jetzt an Dörpflaume,
- 53:38dann würde ich sagen, das ist eine Entwicklung, die durchaus Sinn machen kann, je nach Weinstil,
- 53:43weil ich komme von der frischen, saftigen Aromatik mit einer gewissen suggerierten Süße, mit einem gewissen Duft,
- 53:51komme ich in einen Bereich, wo das Ganze dann getrockneter, konzentrierter, dichter ist,
- 53:57entwickelter ist, balsamischer ist, das macht Sinn.
- 54:00Da habe ich aber bei dem Wein mit zwei Jahren die Dörpstaromen und probiert den fünf Jahre später und dann hat er plötzlich nur noch frische Pflaumenaromen,
- 54:14dann muss irgendwo im System was falsch gewesen sein, weil das ist eigentlich nicht die logische Entwicklung.
- 54:19Oder ich habe Aromen, die Reife suggerieren, schon viel zu jung, da muss ich sagen, Vorsicht hat der Wein noch Potenzial.
- 54:26Das Gleiche mit dem Geschmack, auch hier, die Inhaltsstoffe werden sich entwickeln, Süße wird weniger schmeckbar, je reifer der Wein wird.
- 54:34Säure wird eingebunden, Tannine werden sich weiterentwickeln, Wein, der bitter ist, wird nach 100 Jahren noch bitter sein,
- 54:42aber ein Wein, der arzt regierend ist, weil er sehr tanninreich ist, der hat die Chance über den Reifeprozess,
- 54:48eine vielleicht sogar samtigen Charakter zu entwickeln.
- 54:51All dies sind Möglichkeiten, die in Verbindung mit der Erfahrung, die ich beim Weinverkosten gemacht habe, mir helfen einen Wein einzuschätzen.
- 54:59Und dann kommt die Struktur, dann kommt die Dichte, dann kommt die Länge.
- 55:04Und dann kann ich einen Urteil abgeben, wann könnte dieser Wein ein optimales Trinkzeitfenster erreichen,
- 55:10wann sollte der Wein vielleicht getrunken sein, wo sollte man aufpassen.
- 55:14Und da lassen wir mal ganz außen vor, wie viel Beeinflussung die Lagerung noch bringt,
- 55:19weil manche Weinigschlecht gelagert sind, hat nach fünf Jahren durch, während sie eigentlich 30 Jahre hätten halten können,
- 55:24aber das ist ein ganz anderes Thema.
- 55:26Genau die Frage hatte ich auf der Zunge, ob man auch immer eine gute und schlechte Flasche mit berücksichtigen sollte oder auch nicht,
- 55:32weil es daher komplett unterschiedliche Entwicklungen geben kann.
- 55:35Und wenn man die Weinigschlecht vorher schon kennt, ist manchmal gar nicht beurteilen kann, so vielleicht auch ein falsches Urteil darüber abgibt.
- 55:40Also wenn ein Wein deutlich negativer ist, als ich ihn erwarten würde?
- 55:48Dann würde ich ihn nicht kommunizieren, weil dann ist eventuell etwas nicht in Ordnung oder ich verstehe den Wein nicht.
- 55:55Und dann habe ich vielleicht die Chance, diese unbekannte Herkunft nochmal zu probieren und nochmal zu probieren und dann ergibt sich ein Bild.
- 56:03Und dann kann ich sagen, ah ja, okay, nee, das ist eigentlich schon ein ganz typischer Stil,
- 56:07weil das ist eben Quevriweine aus Georgien zum Beispiel, wenn ich die als normaler Konsument probiere, der gerne reduktiv ausgebaute Rieslinge trinkt oder klassische Bordeaux, dann bin ich da verloren.
- 56:26Dann muss ich mich ran tasten, da muss ich mich rein probieren.
- 56:30Und da kommt das Thema, Quevri steht jetzt in einem Buch drin, dann wäre es auch nicht schlecht, sich mal ein, zwei Weine zu besorgen, um das dann zu probieren, ob das, was in dem Buch drin steht, so nachvollziehbar ist.
- 56:41Da kommt wieder das Probieren und das Lesen zusammen, wo man dann wieder Informationen einsammeln und vertiefen kann und dann ein Verständnis für Weine bekommt, die etwas außerhalb der Norm sind, dessen was jede Person für sich selber definiert, kennt.
- 56:55Wie empfiehlst du es mit den Bewertungssystemen oder Ratingsystemen?
- 57:01Also bewertest du parallel, dass du es 120er, 3 Zipfel mitstelle oder was auch immer nebeneinander bewertest, oder hast du das Marcos de Monego Bewertungssystem für dich selber?
- 57:12Also ich habe mittlerweile, probiere ich fast ausschließlich in 100 Punkten.
- 57:18Es gibt noch ein Projekt, wo wir vor langer, langer Zeit mit dem 20-Punkten-System angefangen haben, wo wir weitermachen, dass wir aber nicht publiziert das intern, aber ich kann mich in unterschiedlichen Systemen zu Hause fühlen, das ist kein Problem.
- 57:34Aber für die Publikation, die 100 Punkte und die Beschreibung.
- 57:38Für mich ist nicht die Punktzahl alleine wichtig.
- 57:40Die Beschreibung ist auch nicht wichtig.
- 57:42Weil da steht nur, der hat 100 Punkte, 98 Punkte oder 75 Punkte, wo ist da der Unterschied?
- 57:48Die Beschreibung hilft mir dann auch, die Punkte mit Leben zu füllen.
- 57:52Empfindest dem Wein anders, wenn du ihn trinkst, als wenn du ihn verkostest, bewertest?
- 57:58Oder hast du, ist dein Geschmack dir selber und du würdest dem Wein dann intuitiv genauso bewerten beschreiben?
- 58:06Das ist eine Frage, die mir unheimlich viele Konsumenten stellen.
- 58:10Kann man den Wein überhaupt beurteilen, wenn man spuckt?
- 58:14Und wenn man schluckt, muss das doch ganz anders sein?
- 58:18Und unser Körper ist ja so aufgebaut, dass er unterschiedliche Sinne in Bruchteilen von Sekunden als Gehirnleistung,
- 58:27dass ihn wir alle super schnell zusammenführt.
- 58:30Also beispielsweise habe ich etwas auf der Zunge und der haptische Eindruck sagt mir, da ist was auf der Zunge drauf.
- 58:39Dann verbindet das Gehirn in Bruchteilen von Sekunden diesen Eindruck mit dem, was retronasal in den hinteren Bereich des Nasenraumes aufsteigt
- 58:52und aromatisch analysiert wird.
- 58:54Ich habe den Eindruck, dass was jetzt gerade auf meiner Zunge ist, ist tatsächlich eine Erdbeere.
- 59:00Wenn ich die Nase zuhalte und das Gleiche mache, habe ich nur süß, sauer, salzig, bitte und vielleicht ein bisschen umarmie.
- 59:08Das heißt, ich brauche eigentlich die Information der Nase, um sie mit der Information von der Zunge oder auch vom Mundraum,
- 59:17von der haptik verbinden zu können, um einen Urteil zu einem Glas Wein beispielsweise zu fällen.
- 59:22Und wenn man das den Menschen bewusst macht, indem man sie einfach mal ein Glas Wein trinken lässt mit zugehaltener Nase und sagt hier,
- 59:30schluckt oder spuckt oder wie auch immer, aber Nase zuhalten, schluckt Wein, probieren, das schmeckt nur sauer oder bitter,
- 59:36oder herrp oder wie auch immer.
- 59:38Und wenn man dann die Hand wegmacht von der Nase, dann kompliziert sich das ganze Aroma zum Tragen.
- 59:43Und dann macht es bei ganz vielen Menschen Klick.
- 59:45Und wenn wir den Test machen, ob spucken besser als schlucken ist, dann kann man genau dieses Spiel weiterführen.
- 59:51Man nimmt ein Glas, hält sich mit der freien Hand die Nase zu, probiert mit zugehaltener Nase vorher dreimal trocken schlucken.
- 59:59Das gibt so ein bisschen Druck auf die Ohren.
- 1:00:01Es entsteht ein ganz ungefährliches Vakuum im Kopf, aber so können die Aromen nicht mehr aufsteigen.
- 1:00:07Und wenn ich jetzt schlucke auf drei Zähle und dann die Nase freimache, habe ich einen sensorischen Eindruck.
- 1:00:16Und wenn ich das gleiche mache, dann Nase zuhalten mit zugehaltener Nase in Schluck, den Mund nehmen, ausspucken auf drei Zählen
- 1:00:27und dann die Nase freimachen, habe ich genau den identischen Eindruck.
- 1:00:31Ich habe damit diesen haptischen Moment ausgeblendet, wo er etwas die Kehle runterrennt.
- 1:00:37Wo die Leute sagen, da passiert was.
- 1:00:39Das gibt mir einen ganz anderen Eindruck.
- 1:00:41Das heißt, ob ich spucke oder schlucke, ist unterm Strich kein Unterschied.
- 1:00:47Der Eindruck ist immer dasselbe.
- 1:00:49Nur, dass ich eben beim spucken auf einen Teil der Habdick verzichte, weil eben im Rachenraum nichts passiert.
- 1:00:56Was ich aber mit der Frage, also extrem interessant, aber mit der Frage eigentlich mehr meinte, kannst du noch einfach Wein trinken?
- 1:01:04Also kannst du dich im Wein fallen lassen, kannst du einen Freizeitmoment mit Wein empfinden und das genießen?
- 1:01:10Oder ist das für dich dann trotzdem immer analytik und du kategorisiert, kathologisiert den Wein automatisch mit und sagst, okay, das ist ein supergut edel?
- 1:01:19Natürlich kann ich einfach nur mich fallen lassen und genießen.
- 1:01:22Das Leben wäre schrecklich, wenn das nicht ging.
- 1:01:25Also ganz offen gesagt, weine analytisch anzugehen, das ist der berufliche Aspekt.
- 1:01:33Der ist wichtig, um fair einen Wein beschreiben zu können, um Eindrücke zu einem Wein zu sammeln.
- 1:01:39Aber wenn wir essen und ein Wein dazu trinken oder einfach auch ein Glas Wein gemeinsam genießen, weil Wein alleine trinke ich so gut wie nicht, das macht mir keinen Spaß.
- 1:01:50Ich brauche mindestens eine weitere Person im Raum, um Wein trinken zu können.
- 1:01:54Es ist einfach schön, wenn man dann gemeinsam genießen kann, ob man darüber sprechen kann.
- 1:01:59Also alleine Wein trinken passiert ganz, ganz selten.
- 1:02:02Deswegen einfach genießen, ja, das schmeckt gut, das macht Spaß.
- 1:02:08Es kann mal sein, dass irgendwas im Wein durchblitzt, wo man sagt, was ist das jetzt, wo dann plötzlich das berufliche Interesse geweckt ist,
- 1:02:14weil da irgendetwas vielleicht anders ist, als ich es erwartet hätte.
- 1:02:18Und dann kommt so ein kleiner Moment des Nachdenkens und dann geht es aber wieder mit dem Genießen weiter.
- 1:02:23Und Wein ist dazu da, Genossen zu werden, Wein ist nicht dazu da, Verkoste zu werden.
- 1:02:30Verkosten ist ein Aspekt des Weines, aber ein Glas Wein zu trinken, damit Freude zu haben, das ist etwas vom Schönsten, was es gibt in der Welt.
- 1:02:41Ist Wein und Speisen die Hochschule dabei oder ist das was ganz anderes oder kann man Wein singulär besser beurteilen?
- 1:02:49Der Englender würde sagen, it depends.
- 1:02:53Es kommt sehr stark darauf an, in was für einem Kontext ich genieße.
- 1:02:59Ich kann mit einer perfekten Bindung von Speise und Wein, ein Wein in den Vortokonthäben gleitet die Speise in den Vortokonthäben
- 1:03:08und kann Genüßigkeiten, die Menschen einen bleibenden sensorischen Eindruck hinterlassen.
- 1:03:14Auf der anderen Seite gibt es auch die Situation, in der ein richtig guter Wein auf etwas zu essen trifft, was eigentlich gar nicht dazu passt.
- 1:03:23Und trotzdem ist es ein schöner Moment gewesen, dann esse ich vielleicht zuerst und trinkt weniger und trinkt danach oder wie auch immer.
- 1:03:31Wenn es natürlich das unangenehme Kombination gibt, dann macht es keinen Spaß, das ist klar.
- 1:03:36Aber es ist schön, nach der Perfektion zu streben, aber diese Perfektion herrnigt auch vor der Tagesform ab.
- 1:03:45Es gibt Dinge, es gibt Geschmackskomponenten, die an bestimmten Tagen für mich viel komplizierter sind als an anderen.
- 1:03:53Beispielsweise, wenn ich gestresst bin, wenn ich gestresst bin, nehme ich Säure und Gerbstoff, viel intensiver war.
- 1:04:00Also wenn ich gestresst bin, einen Wein auszuwählen, knackigen Riesling mit richtiger Powersäure und dazu ein Chewitsche zu servieren,
- 1:04:09das auch nochmal Säure bringen, dann hebt sich zwar die beiden Säuren, die gleich stark sind, balancieren sich,
- 1:04:15aber auf einem Niveau, dass mir der Wein wahrscheinlich im Hals stecken bleibt, weil es einfach keinen Spaß macht, so viel Säure zu genießen.
- 1:04:21Da sagt mein Körper, nein, danke.
- 1:04:23Und genau dasselbe Weinpark kann an einem entspannten Sommertag im Urlaub,
- 1:04:28wo es draußen schön warm ist.
- 1:04:30Und ich habe gern dieses Gericht und diesen Wein einfach zum Genießen bin total tiefenentspannter, regt mich das an und das ist wunderbar.
- 1:04:37Also es ist eben nicht nur immer der Wein, die speisen, es ist immer auch mein persönliches Befinden, meine Situation, in der ich mich befinde.
- 1:04:46Das ist natürlich auch eine riesen Aufgabe für den Zommi im Restaurant ist, den Gast zu analysieren.
- 1:04:50Ist der jetzt gerade gestresst, kann der mit einem stressigen Wein umgehen oder braucht er einfach so ein bisschen Cosy und Streicheln und Liebsein
- 1:04:57und?
- 1:04:59Gut, aber ich meine, das ist etwas, was ein guter Sommelier oder eine gute Sommeliere relativ schnell mitbekommt.
- 1:05:06Wir lernen, das habe ich damals gelernt, als ich als Azubi als Sommelier angefangen habe zu arbeiten,
- 1:05:13direkt danach sozusagen in den Sommelier Himmel katapultiert, das war schon eine Herausforderung, Gäste zu lesen und dann jemanden zu haben,
- 1:05:23ein erfahrener Mensch, der die Gäste lesen kann.
- 1:05:26Da lernt man Gäste zu lesen und was ich, der Restaurantleiterin von meinem Ferienjob damals bis heute hoch anrechnet ist,
- 1:05:36dieses "Sie lernen es besser, ich sag es Ihnen nicht", weil ich habe es gelernt, für mich stand immer und steht heute nach der ersten Stelle,
- 1:05:43es muss den Menschen, die mit meiner Beratung leben, muss es Spaß machen.
- 1:05:53Also, wer meine Beratung haben will, muss am Ende ein Mensch sein, der Freude empfindet, bei dem, was er gerade genießt.
- 1:06:01Dafür brauche ich Informationen, bei stammen Gästen hat man diese Informationen.
- 1:06:05Jeder Sommer hier hat seine Gäste, wo er genau weiß, also wenn er reinkommt und schon diese Sauermine aufhat, dann sicherlich kann er den großen Barodo servieren,
- 1:06:14das wirft er nur Lichtjahre zurück oder wenn die Dame kommt, die total aufgekratzt ist, bitte nicht noch ein Glas Champagner oben drauf,
- 1:06:22das könnte dann genau die falsche Reaktion sein.
- 1:06:25Wir haben alle Gäste-Typen, die wir kennen, wo wir wissen, wie sie reagieren und was sie in dem jeweiligen Moment brauchen.
- 1:06:34Wir haben aber auch ganz viele Gäste, die wir zum ersten Mal kennenlernen, die wir nicht jeden Tag haben, die neu angeschaut werden müssen
- 1:06:42und da kann man auch ganz freundlich die Frage stellen, worauf haben sie heute Lust, wonach steht ihnen das Sinn?
- 1:06:48Das ist eine Sache, Optionen anzubieten.
- 1:06:52Das habe ich auch in früheren Jahren gelernt, nicht zu sagen, wollen Sie heute ein Riesling?
- 1:06:58Da ist die Antwort Riesling, ja oder nein.
- 1:07:04Aber zu sagen, hätten Sie heute lieber gerne knackig frischen Riesling oder hätten Sie gerne einen etwas geschmeitigeren Grauburgunder?
- 1:07:12Da gebe ich Optionen und ich gebe Geschmacksoptionen an, dann heißt der Gast kann sich leichter entscheiden,
- 1:07:19wenn Entscheidungshilfe hat und wenn ich dann sehe, wie der Gast reagiert beim Probeschlug, auch da hat die Möglichkeit zu geben,
- 1:07:26Sie können auch gerne probieren, weil ganz offen gesagt, wenn Sie keine superteurigen Flaschen sind,
- 1:07:30kriege ich als Sommer je jede Flasche Glasweise im Menü eingebaut.
- 1:07:34Das heißt, ich kann durchaus an dem Gast sagen, probieren Sie erst, wenn Sie nicht ganz sicher sind, ob es Ihnen gefällt.
- 1:07:39Wenn es Ihnen gefällt, ist gut und wenn es Ihnen nicht gefällt, dann sagen Sie mir, was Sie lieber hätten.
- 1:07:44Und wenn jemand etwas probiert hat und dann sagt, oh nicht, der ist mir jetzt zu sauer, dann weiß ich doch schon, okay, ich muss in eine andere Richtung gehen.
- 1:07:50Oder nein, also der ist ein bisschen last und baue ich ein bisschen Säure oder ich brauche ein bisschen Gerbstoff.
- 1:07:55Das heißt, wir können mit zwei, drei geschickten Fragen und vielleicht noch einen Probeschlug beim Gast das rauskitzeln, was nach optimal passt.
- 1:08:06Was er selber wahrscheinlich auch noch gar nicht weiß.
- 1:08:08Das kann sein. Aber wenn man die Gäste mitnimmt und ihnen dann erklärt, was passiert, dann ist das eine super Geschichte.
- 1:08:16Wir hatten das bei Franzedin Stockholm, die Sonneliere dort. Es gibt eine feste Weinbegleitung fürs Menü.
- 1:08:26Und wir haben die genommen und das Tolle war, die hat uns wunderbar abgeholt mit jedem Wein.
- 1:08:35Immer den Wein präsentiert, vorgestellt, was es ist, hat gesagt, was passieren wird, warum und zu dem Essen eingesetzt wird.
- 1:08:45Man ist immer abgeholt worden. Es war nicht nur bei uns so, es war überall so.
- 1:08:51Das heißt, dadurch, dass sie eine feste Weinbegleitung hat, die sie nach bestem Wissen und Gewissen ausgesucht hat, zu einem festen Menü, holt sie die Leute ab, in denen sie ihnen sagt, was ihre Überlegung ist.
- 1:09:05Und wenn da etwas nicht schmeckt, da gibt es das Angebot, dann kann man auch eine alternative wählen.
- 1:09:11Wenn man merkt, das hat mir dazu nicht gepasst, dann kommt sie mit etwas anderem. Das ist eine super Geschichte.
- 1:09:18Das heißt, man wird in eine Welt mitgenommen, ihre Überlegungen mitgenommen, eine ganz andere Welt, als für den normalen Gastalltag ist, kann eine Überlegung in Teil haben.
- 1:09:28Und hat trotzdem die Möglichkeit, wenn einem das nicht gefällt, vielleicht sogar vorher schon zu sagen, in den Kombinationen, das mag ich nicht so, oder der Weinstuhl gefällt mir nicht.
- 1:09:37Oder aber zu sagen, hier gibt es noch eine andere Möglichkeit, da gibt es die Alternative.
- 1:09:41Das ist für mich hohe Schule, das ist den Gast wirklich abzuholen, in den Mittelpunkt zu stellen, obwohl man vom Prozess her ganz fest definiert ist, was man anbietet.
- 1:09:52Und da hat nicht alle Gäste vorher fragen können, wie es passt.
- 1:09:55Aber zum Beispiel, wenn meine Frau und ich essen gehen, in den meisten Fällen suchen wir den Wein nicht selber aus.
- 1:10:03Sobald eine Sommelier da ist, eine Sommelier da ist, ein Restaurantleiter, der sich gut mit Wein auskennt, sobald wir das Gefühl haben, hier sind wir Weinmäßig gut aufgekommen.
- 1:10:12Du lässt dich drauf ein, auch schön.
- 1:10:14Dann möchte ich beraten, weil ich suche doch das aus, was ich kenne, wo ich weiß, dass es klappt.
- 1:10:21Wenn ich meinen Horizont erweitern will, dann muss ich mich beraten lassen.
- 1:10:25Also lasse ich mich von der Sommelier oder vom Sommelier abholen.
- 1:10:30Das finde ich toll, wenn mich dann jemand mitnimmt und sagt, hier, das ist der Grund, deswegen würde ich das einsetzen, das sieht dann dieses Aroma beim Essen vor,
- 1:10:39das ist ganz geschmeidig im Zusammenspiel mit diesem Gericht, da wird die Säure nicht so dominant.
- 1:10:45Diese Infos habe ich, ich kann mir das vorstellen, ich freue mich schon, was kommt und habe es nachher bestätigt.
- 1:10:50Das ist eine Supergeschichte vor allen Dingen.
- 1:10:53Ich lerne damit auch Produzenten, Herkünfte, Rebsorten kennen, die ich sonst vielleicht gar nicht gekennt gelernt hätte.
- 1:10:59Und da bin ich nach wie vor neu gering.
- 1:11:01Dann gibt es auch die Tage, muss man auch sagen, wo ich vielleicht nicht so die Lust drauf habe, neue Dinge zu entdecken und zu probieren,
- 1:11:09sondern wo ich vielleicht dem Kollegen oder der Kollegin einfach sage, also, ich hätte gerne die gute Flasche Weißwein,
- 1:11:17ich hätte gerne die gute Flasche Rotwein und die beiden Flaschen sollten eigentlich unser Menü abdecken.
- 1:11:22Vielleicht noch definiert, aus welcher Region oder wenn wir in Weinregionen sind, dann prinzipiell aus den Weinregionen,
- 1:11:32einfach um Dinge präsentiert zu bekommen, auch wenn es nur zwei Weine sind, die vielleicht was anderes darstellen,
- 1:11:39das wir selber ausgesucht hätten.
- 1:11:41Ich ob das dich manchmal noch, wenn du im Restaurant bist, du bist ja wahrscheinlich relativ häufig,
- 1:11:45entweder eingeladen oder im Restaurant, würdest du gerne noch mal on the floor
- 1:11:50und das findet eine gewisse Zeit für einen Tag, einen Monat, also nicht das ganze Leben,
- 1:11:55ausspielen, ausprobieren, mit den Gästen kommunizieren auf dieser Ebene.
- 1:12:00Ich könnte mir das wirklich noch vorstellen, dieses aktive Amtisch des Gastes.
- 1:12:06Die einzige Frage, die ich hätte, ob ich heute, sagen wir mal, so ein zwölf Stunden Standartag auf den Füßen noch durchstehen würde,
- 1:12:17das ist die andere Frage, weil da bin ich glaube ich wirklich ein bisschen aus dem Training draußen,
- 1:12:22aber diese Situation am Tisch des Gastes noch aktiv zu werden, das macht sogar manchmal Spaß.
- 1:12:32Wir hatten jetzt im Urlaub in Hollander an der Nordseeküste,
- 1:12:36waren im Restaurant, hatten eine Flasche Wein bestellt, da kam ein junger Mitarbeiter und kam mit einer Flasche,
- 1:12:44das war ein Chassagne Morasche, das war ein Chassagne Morasche, mit einer richtigen Wachskapsel.
- 1:12:53Das war ein sehr gutes Fischrestaurant, qualitärt hervorragend, aber kein Gourmetrestaurant
- 1:13:00und das war eine Flasche, ich sagte mich, das ist ja toll, ich sagte, hier haben das machen wir jetzt.
- 1:13:05Da kam dieser junge Kellner an den Tisch und meinte, ja, also er müsse sagen,
- 1:13:11so eine teure Flasche hätte er noch nie aufgemacht, das war jetzt nichts schön, abgedreht.
- 1:13:17Es war nicht die Standardflasche für 25 Euro, war ein bisschen mehr und dann hat er noch nicht aufgemacht
- 1:13:23und er kennt sich auch, er ist ja ganz unsicher, wie das jetzt aufmachen soll,
- 1:13:27mit Wachskapsel, also ob wir ein bisschen Geduld mit ihnen haben,
- 1:13:30dann hat er gesagt, wissen Sie was, wenn Sie Lust haben, dann zeige ich Ihnen einfach, wie es geht.
- 1:13:34Und dann habe ich ihm zwar so eine Weichwachskapsel, die kommt von gut aufschneiden,
- 1:13:38habe ihm das gezeigt, die Flasche aufgemacht, hat sich richtig gefreut, das war super.
- 1:13:43Aber was war eine Ehrlichkeit von dem Kellner?
- 1:13:46Das war nicht toll.
- 1:13:48Also da in die Kommunikation mit dem Gast gehen, einfach zu sagen und dann befreit er irgendwie rum, Metzger,
- 1:13:53oder sonst irgendwas, das sieht ja aus wie ein halbes Schlachtfeld, einfach zu sagen.
- 1:13:56Wenn ich ihm helfen darf, gerne, das hat er super angenehm.
- 1:13:59Der weiß jetzt, wie er demnächst die Flasche aufmacht, ich kann mir vorstellen,
- 1:14:02dass das Restaurant in Zukunft mehr Wachskapsel verkaufen wird, weil damit kann er puken.
- 1:14:06Das ist ja etwas, wenn wir etwas am Tisch tun können, was der normale Mensch nicht so kann,
- 1:14:12haben wir doch schon einen Pluspunkt im Service.
- 1:14:15Das Service in der Gastronomie bietet unheimlich viele Möglichkeiten,
- 1:14:19dem Gast Überraschungen zu bieten, weil wir Fähigkeiten haben, die die meisten normalen Menschen nicht haben.
- 1:14:27Das sind keine verrückten Sachen, das sind häufig alltägliche kleine Dinge,
- 1:14:31aber wie viele Menschen verzweifeln an einem klassischen Kellnermesser.
- 1:14:35Da gibt es eher Handverletzung als eine offene Flasche.
- 1:14:38Wenn wir das Ding in die Hand nehmen, wenn ich operieren müsste,
- 1:14:45wäre das wahrscheinlich auch nicht so präzise wie bei dem Schiur.
- 1:14:47Das heißt, man hat das so häufig gemacht, dass man es außen ff kann.
- 1:14:51Und das wirkt natürlich beim Gast viel beeindruckender,
- 1:14:56als wenn der Gast das selber machen musste, weil diese Fähigkeit so nicht hat,
- 1:15:02oder es nicht so gelernt hat.
- 1:15:04Und dann gibt es Gäste, die dadurch auch wirklich so ein bisschen gechallengt werden
- 1:15:08und das dann selber machen wollen.
- 1:15:11Was vermisst du an Servicequalität im Allgemeinen, in der Breite im Restaurant?
- 1:15:17Was könnte man leisten, was gar nicht mehr gemacht wird?
- 1:15:22Also, karafiert wird er überall, degartiert das durchaus, aber eben noch so im klassischen Ablauf.
- 1:15:27Und damit mache ich noch nicht mal diese Turniersituation,
- 1:15:29dass man sagt, man ist bei der Weltmeisterschaft,
- 1:15:31aber man könnte kaum jemanden arbeiten,
- 1:15:33trichter z.B. im Portwein.
- 1:15:35Könnte man wunderbar zelebrieren, könnte es ausgiebig das kommunizieren, darüber reden,
- 1:15:39nicht unbedingt die Portweinzange, das ist manchmal auch ein bisschen tomatschfindig,
- 1:15:42aber auch das.
- 1:15:44Aber es gibt doch bestimmt so viele Sachen, wo du sagst, so was könnte man mal wieder.
- 1:15:48Also, wir haben natürlich durch die modernen Weine,
- 1:15:54die mit Schraubvorschlüssen verschlossen sind,
- 1:15:59eine ganz andere Servicesituation.
- 1:16:02Du merkst, dass in vielen Restaurants, gerade in den normaleren Häusern,
- 1:16:09also jetzt so in der normalen Servicesituation,
- 1:16:14eine Weinflasche korrekt zu öffnen, schon an die Grenzen stößt, wenn ein Korken drauf ist,
- 1:16:20weil man es einfach gewohnt ist, die Flasche aufzuschrauben.
- 1:16:24Das heißt, es fehlt Routine.
- 1:16:27Und diese Routine, die würde ich mir manchmal ein bisschen mehr wünschen,
- 1:16:33dass eben auch bei einer Weinflasche, die ein Korken hat,
- 1:16:36plötzlich nicht eine problematische Situation auftritt.
- 1:16:39Ich kann das voll auf verstehen, das wird ein Zerschraubvorschluss nutzen.
- 1:16:42Mir ist es 100 Mal lieber, gestern Abend zum Beispiel waren wir eingeladen
- 1:16:45von einer lieben Freundin und was hatten wir,
- 1:16:48eine wunderbare Flasche eines gereiften Bordos, was hatte er Kork?
- 1:16:52Portugiesisches Terroir gehört einfach nicht, den Weinflaschen.
- 1:16:56Punkt. Und das ist total blöd nur.
- 1:16:59Trotzdem ist Kork, es hat halt was Besonderes.
- 1:17:05Es hat die Flasche öffnen, den Korken zu ziehen.
- 1:17:08Das macht das ganze Thema besonders.
- 1:17:11Und wenn man das häufig macht, dann hat man Routine.
- 1:17:14Und wenn man es halt nur zweimal in der Woche macht,
- 1:17:16weil das alles andere Schraubvorschluss ist,
- 1:17:18dann ist das zwar für den Bein vielleicht viel besser,
- 1:17:20weil er frischer schmeckt und das Korkproblem nicht da ist,
- 1:17:23aber das Service verliert dadurch immer mehr an Routine.
- 1:17:27Und so eine gewisse Routine bei den Basis-Tätigkeiten,
- 1:17:31das ist schon mal wichtig, weil es soll elegant aussehen am Gast.
- 1:17:35Es soll geübt aussehen, es darf nicht bemüht aussehen.
- 1:17:40Das ist das erste Thema, was ich denke, was wichtig ist,
- 1:17:43was ich mir wünschen würde.
- 1:17:45Mit der Portweinsange am Gast zu handieren, finde ich extrem kompliziert,
- 1:17:50weil es ist ein aufwendiger Prozess, der wunderbar für Wettbewerbe gealt ist,
- 1:17:59Zeitroben der Prozess, aber Zeit ohne Ende kostet.
- 1:18:02Und wo ich sagen muss, wir haben diese Sachen,
- 1:18:05wir haben es einmal in den vergangenen Jahren in einer internationalen Wettbewerbe gemacht,
- 1:18:09mit der Portweinsange zu arbeiten.
- 1:18:14Es wirkt fast aus der Zeit gefallen, weil die meisten Kollegen,
- 1:18:19ich stehe so einem Teilenwissen gar nicht was tun sollen,
- 1:18:23weil es eben zu selben verlangt wird und vor allen Dingen auch,
- 1:18:27wer bestellt denn diese uralten Portweine, die man so öffnen muss?
- 1:18:31Die hat ja kaum jemand mehr auf der Restaurantkarte.
- 1:18:33Auch da ist natürlich die Veränderung des Geschmacks
- 1:18:36und der Weinstiele etwas, was mit rein spielt.
- 1:18:39Das heißt, um die Portweinsange anzuwenden, brauche ich einen alten Port.
- 1:18:43Und wenn ich ein gutes Kellnermesser habe oder den Dioron nehme,
- 1:18:47dann bekomme ich einen Kurven auch sauber aus einer alten Portweinflasche aus.
- 1:18:52Das geht auch.
- 1:18:54Also wäre ein erster Ansatz, dass man sich einfach mal Gedanken um die Neuzeit macht
- 1:18:59und einfach schaut, wie könnte ich selbst schraubverschlossene Weine elegant präsentieren,
- 1:19:05das zelebrieren, die vielleicht auch mit einem Geridon servieren,
- 1:19:09kurz was erklären und das nicht nur einfach schrauben und schnell und los,
- 1:19:13sondern da erstmal so eine gewisse auch Service-Routine
- 1:19:16und dann natürlich auch korkverschlossene Weine und da eben mehr Routine und das...
- 1:19:19Da kommt es natürlich drauf an, wo bin ich und was war in dem Restaurant bin ich?
- 1:19:22In der Gehobenkastronomie habe ich Geridons auch heute noch,
- 1:19:25aber in vielen Restaurants, wo es lockerer ist, es gibt keine Tischdecken, es gibt Tischsets.
- 1:19:30Das Ganze ist, ich sage jetzt mal, entrümpelt,
- 1:19:33ohne das negativ zu meinen, einfach man konzentriert sich auf die Basis.
- 1:19:38Da habe ich diese Chancen gar nicht großartig, was zu präsentieren.
- 1:19:43Das ist, glaube ich, der wichtigste Punkt.
- 1:19:51Wo habe ich noch die Chance, Weine wirklich zu zelebrieren?
- 1:19:56Und dann kommen dazu, wie viele Menschen arbeiten heute?
- 1:19:59in einem Restaurant. Wie ist da die Zeit? Ich meine, wir haben ja heute das Problem, dass
- 1:20:04immer mehr Gastronomene noch an fünf Abenden die Woche aufhaben, manche an vier Abenden,
- 1:20:10Mittagservice in einem guten Restaurant zu finden, wird immer schwieriger, weil nicht
- 1:20:15weil das Restaurant nicht laufen würde, sondern weil einfach die Mitarbeiter fehlen. Und dann solche
- 1:20:21Prozesse zu haben, das ist schwierig. Die Kollektion aus dem Hause Louis Röderer hat beim renommierten
- 1:20:46Fachmagazin meiniger Weinwirtschaft zum vierten Mal den ersten Platz belegt. Und die Kollektion
- 1:20:53244 hat bereits das zweite Mal das Siegertreffchen bestiegen. Das ist unglaublich. Und ich bin gespannt,
- 1:21:00wie sich die jetzt aktuelle Kollektion 245 präsentiert. Eines ist sicher, schlechter ist
- 1:21:06er definitiv nicht. Die Louis Röderer Kollektion 245 ist mehr als ein Champagner, das Philosophie ist
- 1:21:12eine Revolution, es ist ein Statement. Doch bevor wir uns dem 245 widmen, muss man verstehen,
- 1:21:17möchte ich mit euch zusammen verstehen, woher er kommt. Das Haus Louis Röderer ist kein gewöhnliches
- 1:21:23Champagner aus. Es ist ein Leuchtturm. Ein Leuchtturm der Exzellenz, ein Symbol für
- 1:21:28Unabhängigkeit und Leidenschaft, gegründet 1776. Ja, im selben Jahr, in dem die Vereinigten
- 1:21:35Staaten ihre Unabhängigkeit erklärt. Louis Röderer hat seit über zwei Jahrhunderten die Kunst des
- 1:21:41Champagniers perfektioniert. Was Louis Röderer von anderen Häusern unterscheidet, ist seine
- 1:21:47Unabhängigkeit. Wie in viele Champagnerhäuser von großen Konzernen aufgekauft worden ist
- 1:21:52Röderer bis heute in Familienbesitz. Frédéric Rousseau für das Unternehmen jetzt in siemter Generation.
- 1:21:58Die Familie Rousseau, die derzeitige Hüterin dieses Erbes, hat es geschafft, das Haus nicht nur am
- 1:22:03Leben zu erhalten, sondern es zu einem Vorreiter der Innovation zu machen, sie hat bewiesen, dass man
- 1:22:10Tradition und Moderne nicht opfern muss, sondern dass beides Hand in Hand gehen kann. Und ein
- 1:22:15neues Kapitel ist die Kollektionsserie. Diese ist das Ergebnis dieser Philosophie. Sie ist der Beweis
- 1:22:21dafür, dass Louis Röderer nicht nur mitspielt, sondern das Spiel neu definiert. Die Serie bricht
- 1:22:27mit der traditionellen Idee des Jahrgangschampagniers und schafft stattdessen etwas, das zeitlos und doch
- 1:22:33so tiefst modern ist. Und die derzeitaktuelle Kollektion 245 ist das Kronjuwel dieser Serie.
- 1:22:39Okay, lasst mich eins klarstellen. Die Kollektion 245 ist kein typischer Champagner, der sich auf
- 1:22:45eine einzige Erdente konzentriert, sondern eine Kombination aus verschiedenen Jahrgängen,
- 1:22:50die sich in diesem Champagner vereinen. Und trotzdem möchte man in der Kollektion und daher die
- 1:22:57einzelnen Nummerbezeichnungen eine ganz eigene Individualität leben und sucht in den Jahrgang,
- 1:23:04insofern die das hergeben, einen Jahrgangsschwerpunkt. Spricht die Kollektion 245 besteht zu 55% aus
- 1:23:11dem Jahrgang 2020. Einen im Durchschnitt normalen Jahrgang der Winter war nicht besonders kalt und
- 1:23:18der Sommer ähnlich heiß und trocken wie in den Vorgangsjahren. Jedoch viel im Sommer ein wenig
- 1:23:23Regen, was sich positiv auf die Qualität der Trauben auswirkte. Das Ergebnis waren sehr reife,
- 1:23:29ausgeglichene Weine, die auch hätten singulär bestehen können. Neben einem Grundwein aus dem
- 1:23:35Jahre 2020, der wie gesagt hier mit 55% vertreten ist, wurden 10% Reserveweine, die wiederum für
- 1:23:42mehr Komplexität, Intensitätenstruktur im Eichenfass reifen dürfen und aus den Jahrgängen
- 1:23:482010, 2013, 15, 17, 18 und 19 stammten hinzugegeben sowie 35% Reserve per Pettuell aus den Jahrgängen
- 1:23:572012 bis 2019. Durch die Reserve per Pettuell, die 2012 angefangen wurde und jedes Jahr mit der
- 1:24:04neuen Erde angereichert wird, wird die Konstanz der Kollektion gewährleistet. Sie lagert in
- 1:24:10großen Edelstalltanks um die Früchte zu konservieren und im Laufe der Zeit wird sie 20 bis 30
- 1:24:16Jahrgangsweine beinhalten. So ist sie der maximale Ausdruck der kalkreichen Böden und fügt der
- 1:24:23Asamblash eine tiefe Komplexität und sehr viel Rückgrat hinzu. In der Asamblash kommt noch
- 1:24:29Reserveweine hinzu, die aus jungen Parzellen für Kristallstammen in Holzfässern ausgebaut werden
- 1:24:35und deshalb wesentlich die Handschrift des Hauses Röderer prägen. Die 245. Asamblash des
- 1:24:42Champagnerhauses Louis Röderer besteht zu 41% aus Chardonnay, 30% aus Pinot Noir und 24%
- 1:24:50Minille, wesen Anteil auch in dieser Konstellation wieder recht hoch ist. Natürlich kann man über
- 1:24:55einen Champagner aus dem Hause Louis Röderer, kann man über die Kollektion 245 nicht sprechen,
- 1:24:59ohne über das Théroir zu sprechen. Die Champagner ist ein geologisches Wunderland mit kalkhaltigen
- 1:25:05mineralreichen Böden, die den Champagner seine charakteristische Säure und Komplexität
- 1:25:09verleihen. Die Trauben für den 245 standen aus dem besten Kronkrüh und Prämierkrüh Weimberg in
- 1:25:15der Region. Aber Röderer geht noch einen Schritt weiter. Durch Präzisionsweinbau haben sie jeden
- 1:25:21Zentimeter ihrer Weimberge kartiert und optimiert. Sie verstehen nicht nur das Théroir, sie beherrschen es.
- 1:25:27Das Ergebnis ist ein Champagner, der nicht nur das Théroir widerspiegelt, sondern verstärkt.
- 1:25:32Was der legendäre Kellermeister Jean-Papier Slickallion mit dieser Kollektion erschaffen hat,
- 1:25:37ist mehr als ein Schaumwein. Es ist ein Charakterwein, ein Wein, der eine ganz eigene Tiefe hat,
- 1:25:43seinen idealer Speise begleitet, ein Wein, der erfrischend ist. Es ist ein Wein, der fasziniert,
- 1:25:48der die Typizität einer Region perfekt widerspiegelt und der sowohl durch Attraktivität als auch
- 1:25:53Authentizität mehr als zu begeistern versteht. Vielen lieben Dank dafür. Noch ein großes
- 1:25:58Dankeschön dem deutschen Importeur, dem Handelshaus Schlumberger.
- 1:26:02Servicelber, welche Tools braucht man? Also was ist irgendwie wichtig, elementarwichtig,
- 1:26:19Théroir ist ... Die allerwichtigsten Tools sind Freundlichkeit, Herzlichkeit, ein Lächeln,
- 1:26:30kommunikativ zu sein, den Gast mitzunehmen, die Kunst, die eigenen Probleme am Garderobenhagen
- 1:26:41im Personalraum aufzuhängen und dem Gast das Gefühl zu geben, ich bin für den Gasternpunkt.
- 1:26:48Den Gast einen schönen Augenblick zu machen. Und es kann ein Teller mal von links eingesetzt
- 1:26:55werden, davon geht die Welt nicht unter. Man muss nicht wie in Wettbewerben immer in die
- 1:27:00gleiche Richtung den Tisch laufen, man kann auch mal eine Abkürzung nehmen, wenn viel los ist.
- 1:27:04Das ist für die meisten Gäste kein Problem. Also lange die Menschen freundlich sind und
- 1:27:14ein Lächeln haben. Und ein "Ich mache mich mal schlau, das kann ich nicht beantworten" ist
- 1:27:21jederzeit akzeptiert, was es bemühen zeigt, etwas in Erfahrung zu bringen.
- 1:27:26Und sich um den Gast zu bemühen, dem Augenblick. Welche Möglichkeiten habe ich,
- 1:27:31wenn ich dies betreffe, teilweise auch an die Grenzen stoße, wirklich klassische
- 1:27:39Weinserviceregeln in Erfahrung zu bringen. Also hast du eine Quelle, wo man so was
- 1:27:44Erfragen nachlesen, wo man sich informieren kann? Es gibt beispielsweise die Website der
- 1:27:49Summelhe Union Deutschland. Bei Google Summels Union Deutschland eingeben,
- 1:27:54kommt man automatisch hin. Es gibt die Associaçon de la Summelier International, kurz ASI.
- 1:28:01Auch dieses Stichwort kann man in Google eingeben und wird direkt auf die ASI-Website
- 1:28:07geführt, wo ganz viel Informationen, Videos, Anleiter und so weiter drinstehen. Und das ist
- 1:28:13öffentlich zugänglich für jedermann und jeder. Zuerst gar kein Problem. Also die Informationsquellen,
- 1:28:20die heute zur Verfügung stehen, die hätte ich mir gewünscht vor der Weltmaschine.
- 1:28:25Ja. Weil damals war es wirklich noch zur Vorbereitung. Es gab schon E-Mails, 98, das konnte man schon verschicken.
- 1:28:34Es war alles aufwendig. Es gab Fax, Gott sei Dank, da ging es schneller. Aber da Informationen
- 1:28:41in Erfahrung zu bringen, es war wirklich sehr, sehr aufwendig. Heute habe ich ein Mausklick.
- 1:28:47Das Einzige, was dann wichtig ist, der Faktencheck, ist, dass das auch korrekt steht.
- 1:28:51Das ist wirklich auch richtig.
- 1:28:52Deswegen immer zwei, drei Quellen. Ich kenne das aus leidvoller Erfahrung. Ich mache ja im
- 1:28:57internationalen Summelierverband die theoretischen Prüfungen für die ganzen Wettbewerbe. Und da
- 1:29:06machen wir es wirklich so, dass eine Frage nur dann gestellt und das korrekt beantwortet gilt,
- 1:29:12wenn wir mindestens zwei unabhängige Quellen haben, derselbe Aussagen. Sonst werden Fragen
- 1:29:17gar nicht zugelassen. Um eben zu vermeiden, dass man irgendwelche Werbe-Aussagen als Fakten
- 1:29:23übernimmt oder irgendwelche falsche Informationen in Zahlen drehen hat oder sonst irgendwas,
- 1:29:28deswegen werden die Sachen eben immer doppelt und dreifach geprüft und dann wirklich sicher zu sein,
- 1:29:32dass es korrekt ist.
- 1:29:33War die damals zu deiner Weltmeisterzeit auch schon ein Summelier-Vorbereitungsteam oder
- 1:29:38ist das so eine neuzeitliche Errungenschaft, muss man ja wirklich sagen?
- 1:29:43Das war damals, die Summelier-Weltmassage durch war. Da habe ich mit Bernd Glauben gesprochen,
- 1:29:51er hat gesagt, wir müssen etwas tun, damit wir den anderen den Weg ein bisschen leichter machen.
- 1:30:00Das war der Gedanke und Gibon Foy. Und ich war dann die Gründe des heutigen Summelier-College
- 1:30:07Das war damals als Arbeitsgruppe von uns ins Leben gerufen, um junge Talente eben weiter zu fördern.
- 1:30:17Und da ist ja mittlerweile ein richtiges Riesen-Konstrukt raus geworden.
- 1:30:23Seitdem ich in den Elbverband die Aufgabenstelle bin ich da rausgegangen, weil sonst habe ich ein
- 1:30:28Interessenskonflikt, ich kann ja nicht Dinge beibringen, wo es nachher ist, die wussten das ja,
- 1:30:32weil die werden ja vom Markus trainiert, der kennt ja alle Geheimnisse, deswegen geht das nicht.
- 1:30:37Aber bis dahin habe ich das sehr aktiv gemacht und das hat sehr viel Spaß gemacht und hat wirklich
- 1:30:43toll gesehen, wie sich diese jungen Kolleginnen und Kollegen entwickelt haben, wie Wissen aufgebaut
- 1:30:52wurde, wie die untereinander aktiv wurden, sich untereinander vernetzt haben. Da sind Generationen
- 1:30:58von Summeliers entstanden. Das war richtig toll. Und heute mit den Weinkampus oder mit den Bootcamps
- 1:31:07und weiß Gott, was es heute alles gibt, auch international, so gerade der Weltverband bietet
- 1:31:12ja solche Sachen mittlerweile an. Das ist schon wirklich fantastisch und das bringt die Branche
- 1:31:17auch ein Stück weit nach vorne. In welchem Restaurant wärst du gerne mal tätig, wenn es sich
- 1:31:21nochmal zurück auf den Floor? Gibt es ein Exkluzid? Wär es im Franz-Szenen, wär es im Norma,
- 1:31:26wär es bei Trocot, wär es bei Ducas, wär es im Landgashof um die Ecke, wenn du zwei Wochen
- 1:31:31als Dach wahrscheinlich in einem Restaurant mit zwei oder drei Tischen, wo du Zeit hast,
- 1:31:37um die Gäste zu kümmern. Komm, kommunizieren. Nein, einfach, ich mein, es gibt ja immer
- 1:31:44noch Restaurants, die 15, 16 Plätze haben und da eine tolle Küche anbieten, tolle
- 1:31:51Weine anbieten. Das wird mir Spaß gemacht. Großartig. Gibt es für dich eine Anforderung
- 1:31:58an einen Raum, wo du dich mit Wein wohlfühlst? Also ist der Ort dabei wichtig oder was wäre
- 1:32:05so ein idealer Ort, um Wein zu trinken? Die Farbe der Wände ist wichtig, die Atmosphäre
- 1:32:11ist mobilar wichtig, ist der Ort also wo das ist, ob es in Norwegen oder Süditalien
- 1:32:17oder... Wir hatten hier ein Essenweiler Restaurant, ein italienisches Restaurant und die hatten
- 1:32:24eine Wand, die den Raum dominierte und die wurde alle 15 in ein anderes Licht getaucht.
- 1:32:32Und wir haben Wein probiert, vorverkostet, der Wein war prima. Als der Wein dann zum
- 1:32:42Essen ausgeschenkt wurde, hat er komplett alles geschmeckt. Was ist da in zehn Minuten
- 1:32:46passiert? Das kann doch gar nichts sein. Alle gucken sich an am Tisch und ich gucke an
- 1:32:53die Wand. Ich sage, jetzt wartet mal, bis es Licht rot oder gelb wird. Dann hat sich
- 1:32:58sich geändert und der Wein war wieder gut. Wir werden von Farbe beeinflusst. Ganz massiv.
- 1:33:04Und das ist natürlich eine Sache, wenn ich jetzt grün, rot, Farbe abwechselnd, der Raum
- 1:33:12wird in solches Licht getaucht, das beeinflusst. Und für mich muss ein Raum ansprechen sein,
- 1:33:20dass ich mich in dem Raum wohl fühle. Der kann pompös dekoriert sein, wie in einem
- 1:33:25Chateau. Der kann ganz minimalistisch sein, wie in einem japanischen Sushi-Restaurant.
- 1:33:30Der kann rustikal sein, wie in einem Landgasthof. Wenn man in Süddeutschland unterwegs ist,
- 1:33:37sind die ganzen Landgasthöhe für Situ-Dempergischen Land oder so. Es muss ein Raum sein, der mir
- 1:33:44das Gefühl vermittelt, willkommen zu sein und aufgehoben zu sein, dass die Kur außen
- 1:33:49herum ist, bei weitem nicht so wichtig. Und wenn ich eine Farb-Ore spiele, habe ich auch
- 1:33:53eine Farbe. Ich habe dieselben Bedingungen für den ganzen Abend. Dann passt das auch.
- 1:33:58Und wenn ich mich wohl fühle, dann bin ich offener für Wein genuss, als wenn ich mich
- 1:34:01unwohl fühle. Zum Beispiel auch Plätze, die sehr laut sind. Also Szenegastronomie, wo
- 1:34:09dann laute Musik gespielt wird, wo du fast ein Problem hast, dich zu unterhalten. Das
- 1:34:16finde ich anstrengend für Wein genuss. Die Versuche hatte damals Close-Copy-All. Ich
- 1:34:22weiß nicht, ob du den kennst. Mit seinen Seminarräumen, da war er sehr fortschrittlich, dass man
- 1:34:27Informationen ganz anders aufnehmen kann, je nachdem welches Farbumfeld du hast. Und
- 1:34:31in Geisenheim liefen, ich glaube, um 2010 ganz viele Versuche, dass man Räume unterschiedlich
- 1:34:36verabendlich gestaltet hat, wie man die Weilene beschrieben hat und die wurden komplett unterschiedlich
- 1:34:41beschrieben, ob ich blau habe oder rot. Und Berthes Vannel da macht das mit seinen
- 1:34:45Schnappseminaren, seinen Desilationskursen. Der hat auch den Raum, den unterschiedliche
- 1:34:50Farben tauchen kann. Und die Leute erkennen teilweise die Desilate nicht mehr, die sie
- 1:34:54vorher blind erkannt haben. Er kennen sie unter anderen Farben nicht mehr wieder. Also
- 1:34:58das ist schon verursacht. Es ist toll. Man spielt diese Karte eigentlich
- 1:35:01viel zu selten. Wie auch Musik finde ich zum Beispiel. Du bist ja wahnsinnig kunstige
- 1:35:04Musiker-Fiend. Findest du Musik und Wein? Passt gut. Ja. Und passt der Wein zu Musiker
- 1:35:10oder die Musik zum Wein? Ganz offen gesagt, beides muss zusammenharmonieren. Also wie
- 1:35:17gesagt, wenn ich Hardrock höre, dann habe ich wenig Spaß an dem Wein, der im Glas
- 1:35:21drin ist. Das passt irgendwie nicht so. Gibt es kein Wein zu Hardrock? Also irgendwie...
- 1:35:25Ja, also ich sage es einfach mal zu in der Situation, wenn ich mich so überlege, laute
- 1:35:28Musik, du wirst beschallt. Und dann sollst du Wein dazu trinken, das finde ich eher kontroffant.
- 1:35:36Aber gute Musik zu hören. Es gab Mai Eliane de Lanque Saint, von Chateau Pichonne Allende.
- 1:35:44Die hatte mal ein Projekt, welche ihre Weine zu welcher Musik passen, mit einem Musikprofessor.
- 1:35:49Da haben die Tastingsveranstaltungen Musik und Wein. Das war unheimlich spannend. Das
- 1:35:53hat sehr viel Spaß gemacht. Und es ist eben wie mit allen Dingen, wenn man Sene zusammen
- 1:35:58führt. Es hat immer was Objektives, es hat immer was Objektives. Aber Champagner passt
- 1:36:05halt in der Regel besser zum Mozart als zu Bach. Nachvollziehbar. Das ist einfach so
- 1:36:13dieses leichte, lebendige, was man bei Mozart hat und dann das mathematisch präzise bei
- 1:36:23Bach. Das sind ganz unterschiedliche Dinge, wobei ich mich jetzt hier nicht als Musikexperte
- 1:36:29aufspiele. Ja, aber schon mit Musiker viel. Aber das einfach, um das in Bildern zu bringen,
- 1:36:33sind unterschiedliche Städte, es gibt unterschiedliche Dinge, die da zu passen. Und dann kann man
- 1:36:38das auch ganz entsprechend, kann man es entsprechend auch mit einspielen. Gibt es ein Instrument,
- 1:36:43was Wein perfekt reflektiert? Also, müsste eigentlich die Glasorgel sein.
- 1:36:52Oh wow. Nein, oder wenn du siehst. Ach so wie ein Glas und ein Big White.
- 1:36:58Also, diese Gläser, wo man dann über die Glasrenner die Musik macht und die Glasorgeln, die eben
- 1:37:03dann über Glas gespielt werden. Weil da gibt es einen ganz spezieller Ton, der irgendwie
- 1:37:09ganz anders ist als die ganz normalen Musikinstrument. Deswegen sage ich, das könnte passen. Ich
- 1:37:13habe es schon nicht ausprobiert, muss ich sagen. Das ist ja spannend.
- 1:37:15Aber ganz offen gesagt, ich glaube auch das liegt wieder im Auge des Betrefters. Weil
- 1:37:23ein Piano-Fan, der kann an Geige vielleicht verzweifeln und für einen der Streichorchester-Markt,
- 1:37:32da ist das Klavier wahrscheinlich zu speziell. Also, das sind wieder Dinge, die auch die
- 1:37:40persönliche Geschmack, die persönliche Präferenz mit rein spielt.
- 1:37:42Könntest du einem Winzer sagen, wie er seinen Wein zu machen hat? Mit deiner Erfahrung,
- 1:37:47mit deiner Geschmackserfahrung, oder kannst du ihm dienen, nicht sein, kannst du ihm helfen?
- 1:37:50Du berätst wahrscheinlich auch Winzer oder hast du schon?
- 1:37:52Ich arbeite in solchen Projekten immerhin in den Kulissen, ohne meinen Namen auf die
- 1:37:57Kette.
- 1:37:58Kannst du selber auch Wein machen? Also, hast du so viel wissen, dass du in der Lage
- 1:38:02wärst, Wein zu machen? Also, ist das rein spekulativ oder rein?
- 1:38:05Also, ganz offen gesagt, von der Theorie her würde es klappen. Von der Praxis her, weiß
- 1:38:14ich es nicht, ich sage immer, ich bin unheimlich dankbar, dass es Winzer gibt.
- 1:38:19Weil, wenn man sich überlegt, wenn ich Winzer wäre, ich würde mir ein Jahr geben, denn
- 1:38:27im Frühjahr spätfröst die Hälfte der Ernte ist vernichtet. Trockenheit im Sommer, die
- 1:38:37Ernteschrub zusammen. Das, was noch übrig ist, wird teilweise von einem Hadeschlag
- 1:38:42angegriffen und während der Ernte regnet es auch noch. Das sind vier Herzinfarktmöglichkeiten
- 1:38:47nach am Munder.
- 1:38:48Ein paar Vögel noch und jetzt im Wildfragen.
- 1:38:50Das soll man gar nicht sprechen. Wenn du das siehst, ich habe nicht diese Gelassenheit
- 1:38:57in diesem Rhythmus mit der Natur leben zu können. Deswegen bin ich froh, dass es Menschen gibt,
- 1:39:02die als Winzer arbeiten, die Wein machen, die diese Gelassenheit haben, diese Erfahrung
- 1:39:08haben, die sich engagieren, im Weinberg, um nachher Dinge zu schaffen, die mir meine
- 1:39:15Arbeit ermöglichen. Ob das ist, wenn ich eine QW mache, weil ich dann verschiedene Grundkomponenten
- 1:39:21bekomme oder ob das ist, indem ich einen Wein, einem Gast empfehle oder irgendwo präsentiere
- 1:39:28in einem Gästekreis, die Winzer geben mir die Möglichkeit, meinen Beruf auszuübeln.
- 1:39:34Und das macht sehr viel Spaß. Den Wein selber zu machen, theoretisch ja, das Wissen ist
- 1:39:45vorhanden, praktisch aus den genannten Gründen. Ich werde nur einen Zeichen dahinter setzen.
- 1:39:51Die Geduld zu haben, die Erfahrung zu haben, das ist schon richtig, richtig viel Lebensweisheit
- 1:40:01und Erfahrung, die man sammeln muss, um das wirklich gut machen zu können.
- 1:40:05Würdest du einen Weingut platziert bekommen, wo wäre das? Also wo wäre dein Traumweingut,
- 1:40:12wenn du denn eines aussuchen könntest? Also ich sehe da gar nichts, die Frage soll nicht
- 1:40:19in diese Richtung gehen, was ist dein Lieblingswein oder was ist dein Lieblingswein-Region, sondern
- 1:40:22wo könntest du dir vorstellen, selber Weine zu erzeugen, zu interpretieren, zu gestalten,
- 1:40:28die Umgebung zu bereichern, mit der Umgebung zu leben.
- 1:40:31Also das Schöne ist, dass ich in meiner jetzigen Position in ganz viel unterschiedlichen Weinregionen
- 1:40:37der Welt unterwegs bin. Und in diesen Weinregionen meinen Aufgaben nachgehen, diese Weinregionen
- 1:40:46kennenlernen und auch lieben lernen. Ein persönliches Gefühl führt jeweilige Regionen
- 1:40:57entwickeln, aber das ist etwas, was in dieser Varianz unheimlich viel Spaß macht. Weil
- 1:41:06einfach dadurch ein Riesenspektrum an Eindrücken entsteht. Deswegen wäre es für mich schwierig
- 1:41:12zu sagen, wo wäre jetzt mein Weingut, wenn ich eins hätte. Ganz offen gesagt, ich habe
- 1:41:18immer gesagt, auch wenn große Weindpräsentationen oder große Veranstaltungen waren, habe ich
- 1:41:22immer gesagt, die Winzer brauchen keine Angst zu haben, dass ich morgen Winzer werde. Weil
- 1:41:29da braucht man ein Talent dafür, da braucht man Erfahrung dafür, da braucht man Wissen
- 1:41:36dafür. Wissen habe ich mir in dem Bereich Self-Lying angeeignet. Ich kann meine Beurteilen,
- 1:41:43ich kann meine Überprüfe, ob sie fehlenhaft sind oder nicht. Ich kann auch den Tipp geben,
- 1:41:48was man machen kann, wenn irgendwas im Keller schiefgelaufen ist, wenn man sagt, Mensch,
- 1:41:52der Kühe, bevor die abgefüllt wird, müsste man vielleicht diese oder jenes noch tun,
- 1:41:55damit sie dann entsprechend passt. Das sind alles Möglichkeiten, wo ich mein Wissen mit
- 1:41:59einbringen kann. Aber im Weinberg zu stehen, die Weine, die Reben zu schneiden, die Reben
- 1:42:07zu pflegen, die richtigen Maßnahmen festlegen zu können, für das, was notwendig ist, um
- 1:42:12im Einklang mit der Natur das ganze Produkt nach vorne zu bringen, da habe ich ein riesen
- 1:42:18Respekt vor der Aufgabe.
- 1:42:19Brauchen zum ihr eine Kernkompetenz? Also ich hatte immer das Gefühl, dass du halt wahnsinnig
- 1:42:24tief in diese Thematik Bordeaux bist und das für dich schon so eine gewisse Kernausstrahlung,
- 1:42:29Kernekompetenz ist. Vielleicht liege ich da falsch, aber so im Allgemeinen sollte man sich
- 1:42:34im Laufe seiner Laufbahn auf irgendwas konzentrieren, spezialisieren, um da ein Ansprechpartner
- 1:42:39für zu sein oder verkopft man da oder fährt eine Einbahnstraße.
- 1:42:43Mir hat so ganz offen gesagt, Bordeaux ist sicherlich ein Thema, was mich sehr stark geprägt hat,
- 1:42:49weil das war eine Weinregion, die mich im wahrsten Sinne des Wortes mit offenen Armen empfangen
- 1:42:57hat zu einem Zeitpunkt, als ich Azubi war.
- 1:43:01Das prägt immer, ne? Die ersten sind die ersten Schritte.
- 1:43:05Das prägt total. Und wenn ich irgendein Weingut beraten muss oder mit einem Weingut sprechen
- 1:43:11muss, wie die an junge Leute rankommen oder was man da machen kann, habe ich immer gesagt,
- 1:43:15lebt den jungen Leuten, gerade den jungen Sommernis, die Chance, euch kennenzulernen, euch erleben
- 1:43:22zu können, das vergessen die ihr Leben lang nicht.
- 1:43:25Und die ersten Weingüter, die ich angeschrieben habe, weil ich habe ja in Franken gelernt,
- 1:43:29und dann hatten wir in Bad Kisehne, der Touratellfachschule, hatten wir so einen kleinen Kreis, der sich für
- 1:43:34Wein interessiert hat, und dann haben wir damals gesagt, wir schreiben jetzt mal die berühmten
- 1:43:40Weingüter in Würzburg an. Hofkeller, Julio Spital und Bürgerspital.
- 1:43:511986. Geantwortet hat uns der Dr. Fries von Bürgerspital, der bei unserer Anfrage nach
- 1:44:02einem Wein, Konterkarier, der gesagt, mit einem Wein geht das nicht, das müssen schon
- 1:44:07zwei, drei sein, ich schieke euch was zu probieren. Super. Als unsere Hoteldirektor
- 1:44:14dann erfahren haben, dass nur der Dr. Fries geantwortet hat, haben die mit den anderen
- 1:44:22Weingütern gesprochen, haben gesagt, Leute, es hat alle bei uns auf der Weingade drauf
- 1:44:25waren, können die nicht, eine Flasche Weiner interessiert den Nachwuchsleute schicken.
- 1:44:29Das war damals, Mitte der 80er Jahre, eine ganz andere Zeit. Das kannte man so nicht.
- 1:44:36Dann habe ich für deutschen Riesling meine, unser Hoteldirektor, ja da gibt es auch noch
- 1:44:44Schloss Vollratzen, haben auch da gerade, schreibt doch mal Schloss Vollratzen, Kraftmatuschka
- 1:44:47greifen, Klau, antwortet ihr auch, mit einem Wein kann ich nicht mein Wein gut erklären.
- 1:44:53Ich schicke ihnen eine Kiste mit zwölf Flaschen, sechs verschiedene Weine, zwei Flaschen.
- 1:44:58Wow, für uns Azubis, das sind Dinge, die prägen, die bleiben. Dann habe ich auch in 86 ganz
- 1:45:08mutig an die Spitzenweingüter in Bordeaux geschrieben und habe gefragt, ob sie uns
- 1:45:15eine Musterflasche schicken können. Dann vorgestellt, der Azubi Kreis, was wir machen, was wir tun
- 1:45:20usw. und das Tolle war, wir haben ein Wort bekommen, Chateau Latour, damals noch der alte
- 1:45:29berühmte Regisseur, schon Holgaarder, der hat damals seinem Importeur gesagt, er ist
- 1:45:38auch Latour und Leforte Latour und noch ein bisschen was anderes schicken, dass die was
- 1:45:42zu probieren haben, das war nicht toll. Dann hatten wir Chateau Margot, Corrimonso Loupolos,
- 1:45:49die uns die Anworte anbieten, es ging alles per Brief, das war das Brief wegschicken,
- 1:45:53dann warten bis die Briefe zurückkommen, das waren immer Zeitfenster, zwei, drei Wochen
- 1:45:57mindestens. Dann kam die Antwort von Corrimonso Loupolos, sie wird uns einladen auf Chateau
- 1:46:03Margot, mit einer Flasche Chateau Margot, kann man das nicht darstellen. Also haben wir
- 1:46:07gesagt, im Herbst fahren wir, die kleine Kreisamtschüsse, die wir nur noch drei Übrigis
- 1:46:11gemacht haben, wir fuhren dann nach Chateau Margot, das war der erste Besuch in Bordeaux.
- 1:46:16Dann hatten wir bei den anderen Weigüden, die haben dann Material geschickt, Informationen
- 1:46:20geschickt, Bücher geschickt, Broschüren geschickt, haben eigentlich gesagt, wir verschicken keine
- 1:46:23Weine, wenn wir nicht selber dabei sind, aber es gab Kontakte überall drin. Wir sind dann
- 1:46:28damals nach Chateau Margot gefahren und als Abgunvor Bizar, die uns geführt hat, dann
- 1:46:35fragte, um wo geht es jetzt hin, dann sag ich, jetzt fahren wir zurück nach Bad Brückenaum
- 1:46:39und sie ja, wie lang seid ihr denn schon dagegen? Ja, wir sind um drei angekommen, wir hatten
- 1:46:43um drei. Ihr habt nur Chateau Margot, wir hatten keine anderen Einladung. Dann hat sie noch
- 1:46:51auf Palmeer angerufen und hat gesagt, hier lass sie noch ein bisschen was probieren, macht
- 1:46:55eine schnelle Führung, das haben die auch gemacht. Das ist ja Wahnsinn. Und dann sind
- 1:46:58wir zurückgefahren und hatten in 72 Stunden, da war der Reisealbert, werde ich Frankreich
- 1:47:04gemacht und hatten dann diesen Besuch auf Chateau Margot und als ich 88 das zweite Mal
- 1:47:10in Bordeaux war, da hatte Segmitz damals einen Wettbewerb ausgeschrieben und aus den drei
- 1:47:17Jahrgängen wurden die drei erst platziert und dann eingeladen, sondern Reise nach Bordeaux.
- 1:47:20Und als wir auf Chateau Margot ankamen, hat Unvo Bizar das erste Mal nach Palmeer gefragt,
- 1:47:27das war total bezig, weil sie hat einen Namen auf der Liste gesehen und hat sich gesagt,
- 1:47:31wo ist Markus? Ich war ein bisschen hinten und hier ist er. Hallo, das war toll. Ich habe
- 1:47:37nach diesem Besuch, nach diesem beiden Reisen nach Bordeaux, hatte ich plötzlich überall
- 1:47:41offene Türen. Die Leute haben Tipps gegeben, wo kannst du noch heimgehen haben? Weil ich
- 1:47:46habe in einem Alter, das total untypisch war, sich für dieses Thema zu interessieren, mich
- 1:47:51für dieses Thema interessiert. Das ist vielleicht so ein bisschen dieser Mozart-Effekt. Wenn du
- 1:47:55etwas sehr jung tust, was andere erst deutlich älter anfangen würden, dann bringt das Worteile,
- 1:48:01weil die Leute dann auch unterstützen und ansprechen wollen. Und deswegen dieser Zugang nach Bordeaux,
- 1:48:06deswegen sagen alle immer, du bist ja der Bordeaux-Spezialist. Ich bin in ganz vielen
- 1:48:11Welten unterwegs, aber Bordeaux ist sozusagen der älteste Bereich, immer außerhalb von
- 1:48:16Deutschland, der älteste Bereich, wo ich mich weinttechnisch wirklich aufgehalten habe und
- 1:48:21wo alle Türen aufgegangen sind. Es gab Dinge, die ich mir gewünscht habe, dass, also '88,
- 1:48:28da mit dem Bus an dem Messergelände vorbeigefahren sind, da meinte der Herr Puchert damals und
- 1:48:35hier in dieser Messe, das Gebäude ist fast 1000 Meter lang, ist eine riesige Anlage in Bordeaux,
- 1:48:43da findet jährlich, ne, da findet alle zwei Jahre die weltgrößte Weinmesse statt, die Vinaxpo.
- 1:48:51Und ich saß da im Bus und habe gedacht, wenn ich das einmal erleben könnte, hierherzukommen.
- 1:48:59Und als ich '88 im Paracotel angefangen habe, hatten wir im Winter eine Präsentation der
- 1:49:09Winzer von Pomeroll, da haben wir die große Probe veranstaltet. Und da war auch die Familie
- 1:49:16Januex dabei, Chateau Lacroix in Pomeroll, die auch Chateau Uzzab in Centimillon hatten und
- 1:49:22ich habe damals die Weine von denen kommentiert für die Gäste. Also man hatte gebeten, die Winzer
- 1:49:30sprechen, dass sie den Wein haben, aber es soll jemand, was zu den Weilen sagen. Man hatte
- 1:49:33Gibumfarkus gesagt, das kann der Markus Delmonegus sehr gut machen. Er war natürlich hypernervös,
- 1:49:39da nach ein paar Monaten im Paracotel jetzt plötzlich vor den ganzen Gästen Weine zu
- 1:49:47kommentieren, die Karmonie von Wein und Speise darzustellen und alles. Und dann kam Jean-François
- 1:49:51Januex, der Vater, kam dann und meinte dann, ob ich zur Winix bekommen will. Und sag ich ja,
- 1:50:02ich komme doch da gar nicht hin. Doch, doch, das ist kein Problem. Du kommst zu uns, du wohnst
- 1:50:09bei uns, wir haben genug Platz. Du fährst jeden Morgen mit uns auf die Messe und jeden Abend haben
- 1:50:15wir einen Abendessen mit Vindioblés Signature. Das ist so eine Vereinigung von verschiedenen
- 1:50:21Winzern aus verschiedenen Regionen in Frankreich. Und damit war ich im Juni 1989 eine Woche in Bordeaux
- 1:50:28auf der Vinexpo. Erwahnsinn. Ein Jahr, nicht mal ein Jahr nachdem ich gedacht habe, da kommst du
- 1:50:34wahrscheinlich nie hin im Leben und war plötzlich da. Und diese Möglichkeit, dann diese Winzer
- 1:50:39kennenzulernen, tagsüber auf den Veranstaltungen auf der Messe zu sein. Ich konnte mich ja frei
- 1:50:44bewegen. Ich war jeden Tag auf der Messe, konnte probieren. Damals war das auch ... Chateau
- 1:50:50Gilette, das hatte ich aus der Probe damals im Parkhotel noch in Erinnerung. Die hatten damals
- 1:50:56in der Soutern Proben 37er, weil die Probe ich im Parkhotel hatte. Da hatten die in Stand und
- 1:51:01dann bin ich da hingegangen. Ich habe ihm das erzählt, das von der Probe damals und sagt, ja,
- 1:51:05das ist kein Problem, dann probieren wir jetzt. Dann haben wir bis in die 30er Jahre rundherum
- 1:51:09einfach auf der Messe. Das waren Erlebnisse. Das ist unvergesslich. Und das war dann die
- 1:51:19Möglichkeit in die internationale Weinwelt einzusteigen. Da waren ja nicht nur Franzosen,
- 1:51:23da waren Italiener, da waren Spanier, da waren die unterschiedlichsten Länder der Welt. Alles
- 1:51:28waren vertreten. Vinexpo war dieser internationale Hotspot. Da waren die Probeien noch nicht an
- 1:51:35dem Punkt, wo sie heute ist. Da war sie noch in den Anfängen. Und das war echt spannend. Und von
- 1:51:40daran bin ich alle zwei Jahre nach Bordhozowinexpo. Das war dann immer die eine Woche im Juni, die
- 1:51:47eben festblockiert war für diese Messe. Und darüber habe ich die Weinwelt kennengelernt.
- 1:51:54Und dann eben Ziele aussuchen können, wo ich in meiner Freizeitengemäch Urlaub hatte. Urlaub war
- 1:51:59für mich meistens Urlaub in Weinregion. Ich glaube aber, es war nicht nur der Umstand, dass du
- 1:52:06jung warst, dich dafür interessiert hast, sondern dass du eine gewisse Höflichkeit entgegen gebracht
- 1:52:12hast. Also dass du Hand wahrscheinlich geschrieben hast in der Zeit. Ja, ein Brief geschickt hast.
- 1:52:18Das aus ausgewisch formuliert hast. Das ist eine Sache, die dich oft auch vermisse in der heutigen
- 1:52:23Kommunikation. Damals konnte ich meine Schriften überlesen. Das war der Vorteil. Heute würde ich mir
- 1:52:29keine Hand geschriebenen Brief mehr zu. Also ich schreibe ab und zu. Ganz wichtige Sachen schreibe
- 1:52:35ich noch mit der Hand. Aber sehr kurz, weil meine Schrift ist einfach ganz, ganz schriftig.
- 1:52:40Ich meine, die Gegensatz, die Aufmerksamkeit oder eben auch die Wertschätzung, die man dabei
- 1:52:43haben sollte. Aber das ist wichtig, wenn du irgendwo empfangen wirst, dass du anschließend auch
- 1:52:47Dankeschreibst. Und das war für mich ein Standart. Was kaum noch jemand, also bei Proben auch. Nach
- 1:52:51Proben schreibt kaum jemand, danke, wenn man eine Probeflasche gesendet bekommt, die man angefordert
- 1:52:56hat. Also nicht irgendwie einfach, dann einfach sich zu bedanken. Das ist kaum noch üblich. Aber
- 1:53:01das gehört für mich zum normalen Weg. Probeflaschen bekommen. Dann bin ich ja sowieso meistens in
- 1:53:08die E-Mail-Kommunikation. Bedanke mich dann, dass sie das machen und alles. Und dann komme ich
- 1:53:12anschließend was auf Tastingbook oder auf Instagram zu. Wenn es auf Tastingbook kommt, schicke ich
- 1:53:16dem Winzer auch immer das Ergebnis zu. Dann muss er nicht bei Tastingbook rum suchen. Und dann hat
- 1:53:19das. Das ist Standard. Genauso, wenn du irgendwo eingeladen bist, so eine Verkostung, dass du
- 1:53:25rechtzeitig zu guter absagst. Und was ganz wichtig ist, kein Veranstaltungshopping. Weil es gibt
- 1:53:33mittlerweile in der Welt die Tendenz. Man sagt ganz viele Sachen zu und geht nachher dahin, wo die
- 1:53:38beste Einladung war und sagt den anderen kurzfristig ab. Das kommt aber irgendwann immer raus. Weil
- 1:53:45irgendwann kommt irgendwann jemanden, der damals der verantwortliche dafür war und dann weiß,
- 1:53:52dass du abgesagt hast, obwohl du jetzt bei seinem neuen Boss an der Probe dabei warst. Das merken
- 1:53:56sich die Leute. Also ich denke, ein konsequentes höfliches Handeln ist extrem wichtig. Und wenn
- 1:54:02man irgendwo eingeladen hat, wenn man was mitgemacht hat, heute ist das wunderbar per E-Mail ein
- 1:54:06Dank zu schreiben. Wenn ich auf einer Weinreise bin, auf dem Rückflug, schreibe ich meistens meine
- 1:54:12Dankes-E-Mails. Das sind die Eindrücke frisch. Das ist das wunderbar. Und das ist wichtig, dass man den
- 1:54:19Menschen diese Wertschätzung im Gegenbring zeigt. Danke für die Zeit und etwas anderes, was ich
- 1:54:24immer bei Weingutzbesuchen umgesetzt habe. Wenn ich im Ausland unterwegs bin, ich habe immer
- 1:54:29Riesling aus Deutschland dabei. Die Bouteille-Lamitié, die Flasche der Freundschaft, so eine Tradition,
- 1:54:34wenn sich Winzer in Burg und untereinander besuchen, was aber auch einige Sommerles machen. Das ist
- 1:54:39bei mir Prinzip. Es gibt keine Weinreise, wo der Winzer oder der, der uns führt oder und empfängt
- 1:54:44die Person nicht am Schluss eine Flasche Wein bekommt, gerne für das Team oder wie auch immer,
- 1:54:49aber einfach als kleines Zeichen der Wertschätzung, das muss keine millionenteure Flasche sein,
- 1:54:55sondern einfach ein Zeichen. Hier ist was Interessantes aus Deutschland. Riesling mögen
- 1:55:00sie sowieso alle gerne. Und als wir mit den Jungsommerles damals, als wir mit dem Sommerley
- 1:55:05College die Reise gehabt hatten nach Bordeaux, oder die, das war sogar mit dem Sommerley-Verband,
- 1:55:10wo für die Jungsommerles die Reise nach Bordeaux gemacht haben, haben wir auch allen gesagt,
- 1:55:13bitte, jeder bringt eine Flasche mit und jeder musste dann bei einem Wein gut seine Flasche als
- 1:55:19Dankeschön im Namen der Gruppe übergeben, ein Super-Training in der Öffentlichkeit zu sprechen,
- 1:55:24an anderen Sprachen zu sprechen, einen Wein zu beschreiben und den Wein auch persönlich zu
- 1:55:28überreichen. Das kam super an, bei Türen. Es ist auch so ein wenig Vergessung geraten, das find ich
- 1:55:35so schade, wenn man Wein gut zu Besucher hat, einfach was mitbringt. Auch als kleines Dankeschön
- 1:55:39für die Zeit, die der Winzer in dem Augenblick zur Verfügung stellt und eben auch nicht zu
- 1:55:45vergessen, letztlich hinterlässt man überall, wo man als Sommerley ist, ein Fußabdruck. Ganz klar.
- 1:55:49Der immer tiefer wird mit den Jahren, der meistens auch nie wegfischt wird, auch wenn man
- 1:55:54innerhalb der Branche wechselt in den Handel oder sonst irgendjemand geht. Also du hast vorhin einen
- 1:55:58Namen von deinem ersten Wettbewerb benannt, die heute immer noch nach 30, 40 Jahren eigentlich
- 1:56:05gegenwärtig sind und irgendwo läuft man sich immer mal wieder über die... Ja, das ist einfach, ich glaube,
- 1:56:10das Gute ist heute, man kann erstens Adressen leicht herausbekommen. Das ist ein Vorteil. Man kann
- 1:56:18mit E-Mails Menschen sehr schnell erreichen und wenn man vorstellt, was man vorhat, was man
- 1:56:24machen will und fragt, ob es die Möglichkeit eines Besuches gibt, wenn das zeitlich passt,
- 1:56:30glaube ich, ist jeder Winzer bereit, das zu tun, ob das in Deutschland ist, ob das in Europa ist
- 1:56:38und ob das in der ganzen Welt ist. Weil Winzer leben davon, dass man ihre Produkte erlebt und
- 1:56:44weiterträgt und wenn man die vor Ort erlebt ist. Das sind ganz anderes Erleben, als wenn man sie nicht
- 1:56:50verurteilt. Wie sollte man dem Winzer gegenüber treten? Also egal ob als junger oder als Erfahrendes-Sommi,
- 1:56:56sollte man die Weine in dem Augenblick kritisch beurteilen, um dem Winzer vielleicht mit seiner
- 1:57:02Erfahrung zu bereichern. Soll man wohlwollend sein und einfach nur die Informationen aufnehmen. Es gibt
- 1:57:07Winzer, die die beklagen, wenn Sommi ist, eben hinkommen und sagen nach dem Motto, sie können es besser
- 1:57:12und sie hätten den Wein erfunden. Auf der anderen Seite sind manche Winzer dankbar, wenn man aufgrund
- 1:57:19seiner Erfahrung vielleicht die eine oder andere andere Anregung mit auf dem Weg gibt. Was wäre
- 1:57:24dein Ermessen dabei? Die Höflichkeit vorausgesetzt, natürlich auch Respekt vorausgesetzt. Also
- 1:57:30Weine zu kritisieren ist eine ganz schwierige Kiste. Weil du kritisierst das Baby von jemand
- 1:57:37anderen und die eigenen Kinder sind immer die besten, die hübschesten, die intelligentesten und so weiter.
- 1:57:42Das heißt, wenn ich ein Weingut bin und zum Beispiel für Tastingbook dann Weinotizen mache und
- 1:57:55Notiere, dann mache ich das so ehrlich und offen und realistisch wie möglich. Das ist für mich
- 1:58:02der Anspruch. Das weiß auch jeder Winzer. Und die Winzer wissen auch, dass sie nicht immer 100
- 1:58:07Punkte bekommen können, alle. Das ist auch normal. Wenn ich im Gespräch mit dem Winzer bin, dann ist
- 1:58:12für mich wichtig zu erfahren, was macht er mit seinen Weinen? Was war das Besondere am Jager?
- 1:58:17Was ist das Wichtige? Und dann die Weine zu verkosten. Man kann Weine in den Himmel luden,
- 1:58:26wenn sie kannte, oh, es sind, das ist wunderbar. Man sollte Weine prinzipiell nicht verdammen,
- 1:58:33wenn ich wirklich ein Problem mit einem Wein hatte, weil da irgendwas drin war,
- 1:58:38ich sage, das passt gar nicht. Und ich sage, ist das Satz, kannst du mir weiterhelfen? Ich verstehe
- 1:58:46hier was nicht. Das ist ein toller Ansatz. Und diesem Satz spielst du den Ball rüber zum Winzer,
- 1:58:52ja, die Möglichkeit hat, was zu erklären. Und dann kommt plötzlich das Satz, ja, das kann sein,
- 1:58:58dass das durch den Mehltau ein bisschen in die falsche Richtung gemünscht ist. Oder ja,
- 1:59:04dieses eine Fass, das hat mir immer Schwierigkeiten gemacht, komisch, dass diese Ton, diese Ton,
- 1:59:08jetzt wieder durchkommt. Die Winzer sind ja alle Realisten genug, die wissen, wo ihre Stärken
- 1:59:12und Schwächen liegen. Aber mehr anzumassen in den Spiegel vorzuhalten, es kann ja wirklich sein,
- 1:59:20dass ich an diesem Tag einfach nur schlecht drauf bin und schlecht probiere. Und deswegen die Frage,
- 1:59:25kannst du mir helfen? Ich komme damit etwas nicht klar. Das ist ein Ansatz für ein Gespräch. Aber
- 1:59:33ich muss sagen, also hier wäre etwas weniger Holz deutlich besser gewesen, weil das Holz überdeckt
- 1:59:39ja die ganze Frucht. Und das kommt ja gar nicht durch und so weiter. Da weiß ich ja noch gar nicht,
- 1:59:43was hat der Winzer mit seinem Wein vor? Das kann ja sein, dass dieser Wein noch ein Jahr im Holzfass
- 1:59:49liegt, was dann eben gebrauchtes Holz ist, wo es sich dann ganz anders entwickelt. Was ist in
- 1:59:53seine Idee dahinter gewesen? In der Etappe, wo ich den Wein probiere? Wir probieren an den Weingüdern
- 1:59:58jetzt sehr häufig. Die Wein ist sehr, sehr jung. Das heißt, mir dann anzumassen, mein Urteil über
- 2:00:04alles zu legen, da bin ich extrem vorsichtig. Weil das muss nicht immer passen. Es gibt Ideen dahinter,
- 2:00:14die schwierig sind. Es ist wie beispielsweise, wenn wir die Orange Weinbewegung ansehen,
- 2:00:19wo ich zugegebenermaßen extrem gefremdelt habe am Anfang. Und da immer noch eine sehr,
- 2:00:30sehr dezidierte Meinung dazu habe, weil ich denke, es gibt einige Winzer, die das wirklich
- 2:00:34grandios leben, perfekt verstehen. Es gibt ja auch viele andere, die das mitmachen, aber das
- 2:00:40nicht gut mitmachen, wie früher bei den Barikweinen, wo einige das wirklich perfekt umgesetzt haben in
- 2:00:47Deutschland. Und dann Barikweine auf hohem Niveau in Deutschland gemacht haben und andere sind auf
- 2:00:52den Zug aufgesprungen und haben Holz und Wein verbunden. Das war es. Das ist immer so in
- 2:00:57solchen Bewegungen, die entstehen. Aber selbst da bin ich sehr, sehr vorsichtig mit meiner Kritik im
- 2:01:05Gespräch mit dem Winzer, weil der hat sich ja Gedanken gemacht. Der hat ja eine Idee dahinter.
- 2:01:08Die Winzer, die Winzer, sollen wir erstmal erklären, was ist der Gedanke, was ist die Idee dahinter?
- 2:01:14Wo es für mich kritisch wird, ist, wenn ein Wein wirklich einen Fehler zeigt. Wenn ein
- 2:01:19Wein fehlerhaft ist, dann frage ich Naren sagt, kann es sein, dass ich hier so ein bisschen vielfüchtige
- 2:01:25Säure habe oder dass hier Brett ganz deutlich durchkommt? Das kann ja Stilmittel sein, das kann
- 2:01:30ja ganz viel sein, aber man kann auch danach fragen, ob man auf dem richtigen Weg ist,
- 2:01:35dass ein Dorf ein vielleicht nicht ganz so gefällt, wie er gefallen sollte.
- 2:01:37Extrem spannende Ansatz, also finde ich sehr, sehr gut.
- 2:01:44Die Trennspiriteose, zumindest im qualitativen Bereich, ist in allen Farbenfassettenformen rum.
- 2:02:03Und die dramatische Geburt des Rums war ein Zufall, der die Welt veränderte. Die Geschichte
- 2:02:09des Rums beginnt nicht mit einem Plan, sondern mit einem Zufall. Im 17. Jahrhundert war die
- 2:02:14Karibik der Schauplatz eines florierenden Zuckerhandels. Zucker war damals das weiße Gold
- 2:02:21jener Zeit, doch die Produktion hinterließ riesige Mengen an Abfallstoffen, vor allem Melasse.
- 2:02:27Eine zee dunkelbraune Masse, die bei der Zuckerherstellung in der Regel übrig blieb, total nutzlos.
- 2:02:33Man konnte sie entweder entsorgen oder als Tierfutter verwenden.
- 2:02:35Doch auf den karibischen Inseln, da wo das Klima und die Kreativität grenzenlos war,
- 2:02:41entdeckte jemand, dass die Melasse zu gern begann, wenn sie mit Wasser in Verbindung
- 2:02:45kommt. Juhu, Alkohol!
- 2:02:47Und dieses zufällige Gerprodukt war der Vorläufer des heutigen Rums.
- 2:02:51Die Sklave auf dem Plantagen, die eigentlichen Erfinder, nutzten die Gerungen, um ein rudimentäres
- 2:02:57Getränk herzustellen, das sie Kill Devil nannten. Es war roh, stark und definitiv alles andere
- 2:03:03als raffiniert. Aber es bot in einer weltvoller Entbehrung,
- 2:03:07ein Moment des Trostes in der Euphorie. Und es dauerte nicht lange, bis die Findigen
- 2:03:11Plantagenbesitzer und Händler das Potential dieser Entdeckung erkannten. Mit der Einführung
- 2:03:17von Distellationsgeräten aus Europa wurde der Gerprozess verfeinert und das, was eins
- 2:03:22ein Abfallprodukt war, verwandelt sich in einen wertvollen Exportartikel. Rum wurde zu einer
- 2:03:28globalen Währung. Er finanzierte die Sklaverei, wurde vom Piraten verschlungen und spielte
- 2:03:33eine Schlüsselrolle im Dreieckshamnild zwischen Europa, Afrika und der neuen Welt.
- 2:03:38Doch es gibt auch eine menschliche Seite dieser Geschichte.
- 2:03:41Auf dem Plantagen Martinix soll eine Sklave namens Anna Corona im Jahre 1694 die erste
- 2:03:49Mischung aus Melassa und des Silierten rum verfeinert haben.
- 2:03:52Ihre Methode macht den rum trinkbar und legt den Grundstein für den hochwertigen Rum,
- 2:03:57wie wir ihn heute kennen. So wurde Rum aus Abfall geboren und entwickelt sich zu einer
- 2:04:02der faszinierendsten und symbolträchtigsten Spireliteosen dieser Welt, geformt von Zufall,
- 2:04:08Leid und menschlicher Kreativität. Um konkret habe ich einen Rum im Sinn, den ich sehr faszinierend
- 2:04:14finde und zwar den Rum Blanc aus dem Hause Nézon. Nézon verwendet nur natürliche
- 2:04:19Gehefen um eine kontrollierte langsame Gehrung zu ermöglichen. Dieser Schritt bewahrt die
- 2:04:24Aromkomplexitäten, verleiht dem Rum seine charakteristische Tiefe. Der anschließende
- 2:04:29Dyslationsprozess erfolgt in einer Callum-Stil, einer klassischen Methode, die Präzision
- 2:04:34und Reinheit garantiert. Das Ergebnis ist ein Rum, der sowohl durch Klarheit als auch
- 2:04:40durch Intensität überzeugt. Am Gaumen entfaltet der Nézon le Rum Blanc ein reichhaltiges
- 2:04:46Aromenspektrum. Frisches Zuckerrohr. Subtilienoten von Limettenschalen. Ein Hauch von weißen
- 2:04:53Pfeffer. Grad dieses Pfeffere gibt eine so wunderbare Würze und unterstützt diese mineralische
- 2:04:58Salzigkeit im Abgang. Die Textur? Seidig. Richtig samtig weich, dennoch kraftvoll.
- 2:05:05Ein Balanceack zwischen Arvinnes und Authentizität. Jeder. Wirklich jeder schluck ist eine Umarsch
- 2:05:11an den Agrik Calles Stil, der für seine Ruhe unverfälschten Natur bekannt ist. Doch
- 2:05:15was unterscheidet Nézon le Rum Blanc? Von anderen Agrikolle Rums. Es ist die unerschütterliche
- 2:05:23Hingabe zur Handwerksgrund. Während viele Produzenten versuchen, die Effizienz zu maximieren,
- 2:05:28bleibt Nézon seiner Philosophie treu. Zeit. Geduld. Und Perfektion steht hier über Geschwindigkeit
- 2:05:34und Masse. Der biologisch zertifizierte Anbau des Zuckerrohrs unterstreicht dieses Engagement
- 2:05:39für Qualität und Nachhaltigkeit. Im Vergleich zu anderen Rums zeichnet sich Nézon durch seine
- 2:05:44klare unverwechselbare Identität aus. Er ist nicht nur ein Produkt, er ist ein Distilat
- 2:05:49der Essenz Martiniks. Der Geschmack transportiert die Sinne auf die Insel. Zu den salzigen
- 2:05:55Priesen, den grünen Zuckerrohrfeldern und den Sonnenverwöhnten Hügeln. Es ist eine
- 2:06:00flüssige Erinnerung an die Natur, die Geschichte und die Menschen, die diesen Ort ausmachen.
- 2:06:05Martinik ist die Seele des Rum-Agricolles. Es ist eine Insel voller Kontraste und Naturschönheit.
- 2:06:12Die Landschaft des Geprägts von Vulkanen hängt, tropischen Wäldern und endlosen Zuckerrohrfeldern,
- 2:06:17die seit Jahrhunderten das Fundament der lokalen Wirtschaft bilden. Die mineralischen Vulkanenböden
- 2:06:22sind reich an Nährstoff und geben dem Zuckerrohr eine unverwechselbare Identität. Das Klima
- 2:06:28Martiniks heißt und feucht, aber durch Zogen von kühlenden Passatwindenschaft optimale
- 2:06:33Bedingungen für den Anbau. Die Balance zwischen Sonne und Regen führt zu einer langsam gleichmäßigen
- 2:06:38Reifung des Zuckerrohrs, wodurch die natürliche Süße und Aromenkomplexität bewahrt werden.
- 2:06:43Die Appellation "Angine-Cortrulle AOC" für Rum-Agricolles ist ein weiterer Gerand für Qualität. Als eine
- 2:06:51der ersten Distillerien, die diese Zertifizierung erhielten, setzten Nissan-Machstäbe für Excellenz.
- 2:06:56Die AOC-Richtlinien stellen sicher, dass jeder Schritt vom Anbau bis zur Abfüllung dem höchsten
- 2:07:02Standard entspricht. Für Nissan bedeutet das nicht nur eine Verpflichtung zur Qualität,
- 2:07:06sondern auch ein Stolz, der sich in jedem Tropfen widerspiegelt. Vielen lieben Dank für diese
- 2:07:12besondere Spirituose, für diese Inspiration für dieses Getränk. An das Haus Nissan und an den
- 2:07:18deutschen Importeur das Handelshaus Schlumberger. Auch die die verschiedenen Bewegungen,
- 2:07:34Barik hat ich witzigerweise auch im Sinn, 90er Jahre war es ja im Augenblick ist es Reduktion,
- 2:07:41wo man nicht weiß, wer damit spielt, wo es aus Versehen, wo es gewollt war, zwischendurch
- 2:07:45eben verschiedene Gerverfahren etc. Schwefelungen und drauf und runter und dann einfach die Kommunikation
- 2:07:51suchen, wenn man damit nicht nur sendet, sondern wieder in die Kommunikation geht und das ist
- 2:07:56dann oftmals viel zu selten und den Winzer auch einlädt zu erzählen. Und wenn die Winzer eine
- 2:08:02nach der Meinung fragen, ist das ja okay, aber das ist für mich immer noch keine Einladung,
- 2:08:08um dem Winzer zu sagen, was er zu tun hat. Sondern ich gebe meinen Eindruck wieder und schaue,
- 2:08:14dass ich mit ihm über meinen Eindruck kommunizieren kann, aber so, dass keine Tür zugeschlagen wird.
- 2:08:19Das finde ich extrem wichtig. Interessieren dich noch neue Regionen oder hast du mit den Alten
- 2:08:24so viel zu tun, dass du da ohnehin ausgelasselt bist? Also findest du Thailand spannend, findest du
- 2:08:30Indien interessant? Ist Afrika außer Südafrika irgendwie noch ein Thema oder Südamerika,
- 2:08:36also sprich bei Mexiko etc.? Also ich sag mal so, neue Regionen sind per se immer spannend.
- 2:08:44Die Frage ist immer, wie kommt man an die Weine ran? Also Indien zum Beispiel ist extrem schwierig.
- 2:08:54Ich habe zwei, drei Mal Weinprobe mit indischen Weinen organisiert, wo es extrem schwierig war,
- 2:08:59die Weine überhaupt zu bekommen. Dann hat man Weinstiede, die manchmal sehr fremd sind. Es gibt
- 2:09:06aber nicht die Chance da einzusteigen, in Tiefe, warum sind die Weine so, wie sie sind. Thailand
- 2:09:13ganz ähnlich, auch das ist eine Weltregion, da sind mittlerweile viele französische Winzer
- 2:09:18und einige französische Winzer unterwegs, einige haben es auch wieder aufgegeben. China
- 2:09:23sowieso kommt immer stärker. Das ist spannend, das macht Spaß. Es ist aber nicht mein Fokus.
- 2:09:33Das heißt, ich nehme das gerne auf, ich nehme das gerne mittig, er waltere gerne in meinen
- 2:09:39Horizont, aber ich würde jetzt nicht einen wichtigen Termin absagen, also einen wichtigen,
- 2:09:47verschiebtbaren Termin absagen, um auf einer Probe zu sein mit den thailändischen Weinen. Das wäre
- 2:09:55vielleicht für eine Probe von großen Klassikern eher der Fall, dass man sagt, Mensch, das ist
- 2:10:00eine Chance in der Lifetime. Da kommt jetzt ein Wein, gut präsentiert sich auf ganz hohem Niveau,
- 2:10:05gibt es eine Chance, der Termin ist ja nicht steigengemeistig, dass wir um einen halben Tag oder
- 2:10:10um einen Tag verschieben oder gibt es Möglichkeiten, das kann man Menschen erklären und dann kann man
- 2:10:15sowas schon mal machen, dass wäre, das ist dann vielleicht die unterschiedliche Prioritätensetzung.
- 2:10:18Aber die Weinwelt ist nichts Statisches. Die Weinwelt ist etwas, was immer im Fluss ist,
- 2:10:25sich immer weiterentwickelt und da ist es spannend, diese Entwicklungen zu beobachten,
- 2:10:30aber auch ganz klar, man kann nicht alle Entwicklungen auf der ganzen Welt permanent nachhalten. Das
- 2:10:36geht nicht, das ist ganz einfach zu viel, was da eine Information kommt und die Arbeit im
- 2:10:47sommerlichen Weltverband für die Wettbewerbe, die bringt mich immer wieder in Kontakt mit all
- 2:10:52diesen unterschiedlichen neuen Welten und das ist das Tolle dabei, also ich bin der Gezwungen,
- 2:10:57mich damit zu beschäftigen und dann macht es auch Spaß, weil ich habe ein Ziel, ich habe ein Zweck,
- 2:11:02warum ich mich da jetzt rein knie und mich damit beschäftige und dann ist das gut und
- 2:11:06das bringt mir wieder ein Wissensvorsprung. Ich habe von Weinin gelesen, die ich noch nie
- 2:11:10probiert habe, vielleicht werde ich die mal probieren, bei anderen sage ich, Mensch,
- 2:11:14da würde ich schon mal in London schauen, gibt es die da irgendwo oder das hört sich ganz
- 2:11:18spannend an, das mache ich mit, aber wie gesagt, das Interesse ist da, wenn der Tag 48 Stunden
- 2:11:27hätte, wäre es manchmal praktisch. Wie ist die deutsche Szene, die deutsche Sonnenszene
- 2:11:31im globalen Vergleich aufgestellt, wenn ich jetzt Leute aus Asien sehe, die ein ganz anderes
- 2:11:38Lernpensum haben zum Beispiel oder Leute aus anderen Regionen, die ein ganz anderes, ein ganz
- 2:11:44anderen Fokus, ein ganz anderes Verkostungsegment bespielen und ich glaube, wir haben in Deutschland
- 2:11:52schon eine gute Sommelgeszene, gerade auch der Nachwuchsthen wir haben, das sind Leute, die
- 2:11:57international fokussiert sind, die die Weinwelt kennen, die großes Interesse haben und Passion
- 2:12:08haben, ich sage mal ohne Interesse, nur die Passion für den Wein kommt man auch als Sommelge
- 2:12:12nicht weit. Es kommen irgendwann plötzlich Grenzen, also man muss schon bereit sein,
- 2:12:16über das normale Pensum hinaus Dinge erfahren zu wollen, lernen zu wollen,
- 2:12:22probieren zu wollen, das ist schon sehr, sehr wichtig und da sehe ich Deutschland vom Prinzip
- 2:12:30ja gut aufgestellt. Da ist ein gutes Potenzial, was mir ein bisschen fehlt, das ist aber nicht
- 2:12:38der Fehler der Sommellerie, sondern das ist eher Fehler der Weinproduktion, das sind, dass das
- 2:12:46Wissen um die großen Klassiker immer mehr verschwindet, weil viele der großen Klassiker
- 2:12:52kaum mehr mit einem Sommelgehalt erwerbbar sind. Ich mir überlege, als ich im Park Hotel Bremen
- 2:12:59angefangen habe, 88 da gab es in dem Winter, man war das 88, können auch 89 gewesen sein,
- 2:13:09es war bei 89, gab es die Arrivage von Mutton Rothschild bei K-Stadt, da konnte man damals
- 2:13:17für um die 100 Mark eine Flasche Mutton kaufen, 86er. Auch wenn das damals viel Geld war,
- 2:13:24was nicht das Geld, was es heute kostet. Das war verdammt viel Geld, aber da habe ich
- 2:13:29immer das ganze Trinkgeld gesparten, wenn ich Geld irgendwie übrig hatte, das ging immer
- 2:13:33ins Weinkäschen rein, um dann Weine kaufen zu können, ich konnte mir damals vier Flaschen
- 2:13:37kaufen. Das war ein richtiges Investment, das war schon heftig. Aber das war gemessen,
- 2:13:45ich soll ich das sagen, das war gemessen an dem, was ich verdient habe, deutlich weniger,
- 2:13:59als wenn ich heute die gleiche Flasche, also nicht den 86er, sondern jetzt auch einen Weiten
- 2:14:03in den Weichen, den wir auch in den Weichen kaufen würden, eben wenn ich jetzt einen 2022er
- 2:14:07auf den Markt kaufe und mich den heute kaufen würde, wäre das im Verhältnis zu dem, was
- 2:14:12der Sommer die Heute verdient, ein Vielfaches. Sag mal, was verdient ein Sommer die Heute?
- 2:14:18Er fängt wahrscheinlich auch mit etwas über Medislohn an und...
- 2:14:22Als du was Sommer den Restaurant 2.500, 3.000 Euro vielleicht?
- 2:14:24Wahrscheinlich ja.
- 2:14:25Oder? Da habe ich gar keine aktuellen Zahlen, aber da ist das im Prinzip in fünftel des
- 2:14:32Jahres und die 100 Mark damals waren vom Protokollhalt her gesehen, ich weiß nicht,
- 2:14:41ein 20er oder so.
- 2:14:43Ein Zehntel, 20er, ja. Von Protokollhalt ja.
- 2:14:46Von Protokollhalt gesehen. Als junger Sommer die 2.500, vielleicht 3.000 Euro verdient,
- 2:14:52dann ist das eben wirklich ein Fünftel oder vielleicht ein Sechsel davon. Und damals
- 2:14:59war es ein 20er, also das ist nur mal am Gehalt festgemacht. Das machst du sowieso nur mit Geld,
- 2:15:04was du übrig hast, was du ausgibst.
- 2:15:05Wenn man es dann die Breite noch spielt, das ist ja nicht nur das, wenn man Mutton nimmt,
- 2:15:09sondern diese Weine dieser Klasse in der Breite, diese alle zu probieren, das sind ja...
- 2:15:14Das ist das nächste Thema. Das geht ja nur um das reingesige, einzelne Beispiel.
- 2:15:17Genau.
- 2:15:18Wie viel muss ich heute aufwenden, um an solche Weine ran zu kommen? Was heute vielleicht offener
- 2:15:22ist als früher, das muss man auch sagen, die Möglichkeit von hochklassigen Weinverkostungen,
- 2:15:28auch der klassischen Weingüter. Da wird in Somegis heute viel mehr geboten.
- 2:15:32Aber auch schwierig wirklich an die großen Namen ran zu kommen, sei es an der Rone,
- 2:15:37Burgund, Bordeaux.
- 2:15:38Als normaler junger Sommer, wann kann man da Krüb probieren, die man kennen sollte, oder
- 2:15:47keine Ahnung, Kristall oder Domperin, oder sonst, die ist mit 4 Jahrgängen, um da eine
- 2:15:51gewisse Kompetenz aufzupfern, sehr nahezu unmöglich.
- 2:15:54Das ist schwierig und das sich zu leisten.
- 2:15:56Das stimmt, das ist ein Riesenproblem.
- 2:15:57Sicherlich haben wir anspruchsvoller geworden.
- 2:15:59Auf der anderen Seite davon.
- 2:16:00Wer hat die Basisweine, um sich die gute Basis zu kosten, sozusagen, das ist heute
- 2:16:08viel einfacher machbar.
- 2:16:09Die vielen Verkostungen, die es gibt, die es gibt, aber auch die Preise der normalen
- 2:16:16Weine sind im Verhältnis zum Gehalt ganz anders.
- 2:16:19Ja.
- 2:16:20Die haben sich ganz anders entwickelt.
- 2:16:21Da kriege ich heute mehr Value vor Money, als vor, das ist über 30 Jahre her.
- 2:16:28Das macht schon Angst.
- 2:16:31Das ist aber eben auch eine Wissens- oder Informationsmöglichkeit, die es heutzutage
- 2:16:38gibt, dass man sich informieren kann, dass man lesen kann, gut man hat nicht selber getrunken,
- 2:16:42aber allein die Informationen über die Produktionsmöglichkeiten und so weiter.
- 2:16:46Die Verkostungssortizen sind sehr viel fähiger.
- 2:16:49Ich habe eben heute über Internet auch die Möglichkeit, an Verkostungsdaten ranzukommen
- 2:16:54und auch an Termine ranzukommen, die gar nicht großartig ausgeschrieben werden.
- 2:16:58Ich habe aber mit dem richtigen Suchbegriff plötzlich auf die Website von einer Vereinigung
- 2:17:02kommt, in Hamburg, was macht nicht Leben in München.
- 2:17:05Wenn ich jetzt das rechtzeitig weiß und ich bin ein junger Sommerly und habe die zwei
- 2:17:10Tage frei und kann da hinfahren, dann kann ich auch mit einem Zug, mit einem Supersparpreis
- 2:17:15für 29 Euro, das geht immer noch von München nach Hamburg fahren für 29 Euro zurück.
- 2:17:20Das ist kein großes Investment und ich kann Kundenerfahrung sammeln.
- 2:17:24Ich muss halt Zeit investieren, das muss ich aber früher auch.
- 2:17:28Ich habe früher um Weide zu probieren, alles gemacht, bin rund um die Welt gefahren,
- 2:17:34sage ich mal.
- 2:17:3522 Stunden nach Porto.
- 2:17:36Manchmal auch geflogen, aber es war einfach die Möglichkeit, Auto von meiner Schwester
- 2:17:40ausgeliehen und nach Frankreich gefahren und dort probiert, nach Italien gefahren,
- 2:17:44dann habe ich das mal probiert.
- 2:17:45Das war alles, ja, eine andere Zeit.
- 2:17:49Hat sich auch viel Spaß gemacht.
- 2:17:50Und war sehr prägend.
- 2:17:52Es sollten die großen Klassiker das Fundament sein.
- 2:17:56Also sollte man sich zu Beginn seiner Karriere hinsetzen und einfach schauen, was ist das
- 2:18:01renommierteste, beste, anerkannteste.
- 2:18:03Weil das vermisse ich zum Beispiel teilweise bei jungen Sommerlys gelegentlich, aufgrund
- 2:18:09dessen, wenn man sich schnell in verschiedenen Trends verzetteln kann, darin verlieren kann,
- 2:18:14wenn man mit dem, was man hat, manchmal auch zu schnell zufrieden ist oder was gerade
- 2:18:20irgendwie auf Insta rauf und runter geschossen wird.
- 2:18:23Aber so die Weingüter, die die Weinwelt in den letzten 50 Jahren geprägt haben, die
- 2:18:28kennt die wenigsten.
- 2:18:29Also wenn man da ...
- 2:18:30Um ein Verständnis für Wein zu entwickeln, brauche ich eine gesunde Basis.
- 2:18:34Und das fängt an mit dem normalen klassischen Handwerkstück.
- 2:18:39Im Prinzip wird weiß Wein, rot Wein, Roseel und so weiter gemacht, wie wird Champagne
- 2:18:44gemacht, wie wird Zäckchen gemacht, diese Themen das von der Pieke auf mitzubekommen.
- 2:18:49Und da breit aufgestellt in den Regionen unterwegs zu sein.
- 2:18:53Das ist wichtig.
- 2:18:54Weil diese Basis erlaubt mir nachher in der Prätation, was ist denn so besonders an Spontanverkehrung?
- 2:19:02Was ist denn so besonders an Orange Wein?
- 2:19:07Warum sind die Weine anders?
- 2:19:08Was passiert da?
- 2:19:09Um Verständnis für diese Weine zu entwickeln.
- 2:19:12Aber bei Orange geht es ja darum, einen Wein erst mal rotweintechnisch zu verarbeiten.
- 2:19:20Das heißt, die schalen Kontakte mit der Maische zu haben, damit die Meinstruktur zu verleihen.
- 2:19:25Und einer in der Ausbaurichtung zu wählen, die nicht reduktiv ist.
- 2:19:29Weil ich brauche ja, genau weil ich jetzt die ganzen ...
- 2:19:31Ich sag es mal einfach, Gerbstoffe aus der Schale drin hab, brauche ich ja eine Möglichkeit,
- 2:19:37das zu integrieren.
- 2:19:38Ich brauche Sauerstoffzufuhr, ob über Ton, ob über Holz, egal wie, im Staltank wird es
- 2:19:45schwieriger.
- 2:19:46Dieses Verständnis zu entwickeln, warum brauche ich die Dinge, dass ein Ergebnis rauskommt,
- 2:19:51um dann interpretieren zu können am Ende, warum ist das jetzt ein guter Wein?
- 2:19:55Oder warum ist dieser Wein schwach?
- 2:19:58Oder ist untypisch für die Kategorie?
- 2:20:00Oder vielleicht sogar fehlerhaft?
- 2:20:02Das muss ich verstehen lernen.
- 2:20:05Und dafür brauche ich die normale Basis.
- 2:20:08Wenn ich nur in die ...
- 2:20:11Wie kennt man das Erklären als Bild?
- 2:20:14Wenn ich ein Haus baue, fahre ich nicht damit an den Stuck an zu fertigen.
- 2:20:20Ich baue erst mal ein Fundament, dann die Mauer, am Schluss kommt der Stuck als Verzierung.
- 2:20:27Und mal im Bild das Architektur zu nehmen.
- 2:20:31Wenn ich nur Stuck habe, dann habe ich nachher Berge von Stuck, aber wo soll ich ihn anbringen?
- 2:20:36Aber wenn ich anfange, Architekt zu werden, muss ich die großen Architekten kennen?
- 2:20:41Natürlich.
- 2:20:42Also das fände ich auch, wenn eine Grundaussetzung einfach die ganz großen Heilgüter zu kennen
- 2:20:47und zu wissen ...
- 2:20:48Architekturstudium heißt ... also ich habe nie ein Architekturstudium gemacht, aber ich
- 2:20:52stelle mir vor, dass ein Architekt die Baustile und die Bautechniken, die es gibt, historisch,
- 2:20:58genauso kennt wie die moderne Möglichkeit.
- 2:21:01Kein Architekt wird nur stahlbetonbauweise oder moderne Wolkenkratzer mit stahlsgelittenen Glasfasagen lernen.
- 2:21:10Sondern der muss erst mal lernen, wie berechne ich einen Bau, wie stabil muss ein Gebäude sein, damit es trägt.
- 2:21:16Wie kann ich Kräfteabfliege fließen lassen, um ein Gebäude stabil zu machen?
- 2:21:21Ich meine, wenn man sich überlegt, als die romanischen Kirchen gebaut wurden, hat man das Erbe der Röhrung,
- 2:21:27übernommen, interpretiert.
- 2:21:30Da hat sich die Gotik draus entwickelt, die man nur deswegen bauen konnte, weil man verstanden hat, wie kann man die Kräfte,
- 2:21:35die das Gebäude eigentlich zum Einstürzen bringen, in der Seite ableiten durch die ganzen Seitenpfeiler,
- 2:21:42die überall dann Kräfte aufgenommen haben, damit es zum Gebäude überhaupt steht, bis heute ist je Notre-Dame.
- 2:21:48Und dann kam irgendwann die Renaissance, die auf klare Linien wertgelegt hat.
- 2:21:56Dann kam das Baroque, wo es um Dekoration ging, da war es nicht mehr das Gebäude selber, sondern da war es eher die
- 2:22:02Inarchitektur, die eine Rolle spielt. Dann kam das Rockoku, was dann wieder und so weiter und so fort.
- 2:22:09Das heißt, jede Epoche hat Stil-Elemente gebracht, aber alles basiert auf einem ordentlichen Fundament.
- 2:22:16Und da dann auf die einzelnen Epochen auch immer exemplarische Beispiele haben, wie du gerade sagtest, Notre-Dame.
- 2:22:23Woran man es verort anschaulichen kann und eben darstellen kann. Das, finde ich, wird heutzutage oft vermisst.
- 2:22:30Und es gibt eben diese Weinklassiker und das muss jetzt nicht Laromanic Conti, oder Dormit
- 2:22:35der Laromanic Conti sein. Das kann einfach ein sehr guter klassischer, klassisch vinifizierter Bogunder sein.
- 2:22:41Das muss nicht der superteure Luxuswein sein, sondern es muss einfach ein Wein sein, der in einem klassischen Stil gemacht wurde,
- 2:22:50der immer auch ein bisschen die Interpretation des dann herrschenden Zeitgeist, des dann herrschenden Wissens und der dann herrschenden Erfahrung mit einbinden wird.
- 2:23:02Wir machen die Weinehode nicht mehr wie vor 200 Jahren. Da hat sich viel entwickelt, Gott sei Dank.
- 2:23:08Meines glaube ich, holt deutlich besser als vor 200 Jahren. Mal abgesehen von den wenigen Beispielen, die bis heute überdauert haben.
- 2:23:14In der Breite gesehen ist es, der Grunddurchschnitt an einen sehr, sehr hochklassigen Wein war, glaube ich, noch nie so gut wie heute.
- 2:23:24Ein Wein war noch nie so sauber wie heute. Das kommt dazu. Obwohl noch so spannend ist, das ist ein anderes Thema, das jeder für sich selber entscheidet.
- 2:23:33Aber diese Basis fußt aber auf Entwicklungen und wenn wir in die Weinwelt reingehen, bis ins 17. Jahrhundert hinein hatte Liebe Gott den Wein gemacht.
- 2:23:46Stimmt. Und erst dann fing es an zur Wissenschaft zu werden bzw. zu experimentieren.
- 2:23:51Dann wurden Rotweine gemacht, die Stabil waren usw. Erst Louis Pasteur im 19. Jahrhundert hat den Lieben Gott außen vorgelassen und hat alkoholische Gärung erklärt.
- 2:24:00Damit war plötzlich das Verständnis da, was passiert denn da? Was die Grundlagen legt, um später dann Weine zu schaptalisieren.
- 2:24:07Also sie anzureichen, als wir später auch während der Reblauskatastrophe einfach nicht genug Guter und Reifer Wein, respektive Reife Trauben da waren, um Wein zu machen.
- 2:24:18Und dann hat sich diese Zeitsprünge haben sich immer mehr verkürzt.
- 2:24:22Mittlerweile leben wir in einer revolutionären Weinwelt, was in den letzten 20 Jahren passiert ist, das ist wahrscheinlich mehr als in den 2000 Jahren davor.
- 2:24:31Und, was man vor 20 Jahren erst unterschieden hat zwischen der alkoholischen Vergärung und einer BSA, früher war das alles eins.
- 2:24:40Und man hat also das Zeitfenster dessen, dass man...
- 2:24:43Ja, das hat man schon angefangen mit den 60ern. Also schon Emil Peno und so weiter, das Thema manulaktische Gärung.
- 2:24:49Aber 60ern fing das schon alles, das ist ein Wachentag.
- 2:24:54Also in der Relation zu dem, dass wir seit 8000 Jahren Wein produzieren, ist das schon spannend.
- 2:25:00Also wie viele Erkenntnisse in kürzester Zeit letztlich dann dazukommen oder wahrgenommen wurden.
- 2:25:05Aber ist das schön, wenn man lebt in einer Welt, ist natürlich ein Informationsaustausch extrem zugenommen.
- 2:25:11Diese Informationsaustausch setzt wieder neue Gedanken in Bewegung, neue Ideenbewegung.
- 2:25:16Und die Wien zu überlegen, was kann ich für mich machen?
- 2:25:18Wenn man sich überlegt, was Rudolf Steiner formuliert hat, als Prinzip vor um die 100 Jahre ist das ja her,
- 2:25:27was in den vergangenen 20 Jahren plötzlich zu einem einem Standard im Weinbau wurde.
- 2:25:33Hätte man vor 50 Jahren Sackbiodynamie, wird mal in manchen Weinregionen dieser Welt, bei einigen Weingüter dieser Welt, der Standard werden,
- 2:25:43man wäre ausgelacht worden.
- 2:25:45Total, ja.
- 2:25:46Heute ist es einer der Standards. Es gibt ja verschiedene Standards.
- 2:25:52Kann sein, dass die Individualität aber komplett verloren geht im Augenblick aufgrund des globalen Austauschs,
- 2:26:01aufgrund dessen, dass Winter aus Deutschland ein Praktikum in Australien machen oder ihr Handwerk in Buchgrund lernen.
- 2:26:09Und man mittlerweile gar nicht mehr einem buchundischen Wein wirklich herausschmecken kann?
- 2:26:14Also ich glaube nicht, dass Individualität verloren geht aufgrund der Erfahrung, die die Winzer in der ganzen Welt machen.
- 2:26:21Wenn die junge Winzer heute in die Welt gehen, dann lernen die neue Regionen kennen, neue Terrorbedingungen kennen.
- 2:26:28Da spielt Terror wirklich eine Rolle.
- 2:26:30Was ist Terror?
- 2:26:31Das sind die äußeren Einflüsse auf die Rebe. Und das ist eben nicht nur der viel gerühmte Wasserhaushalt, die Hangneigung, die Exposition,
- 2:26:41die natürlichen Bedingungen auf die Rebe, sondern es ist eben auch die Kultur einer Region, die Geschichte einer Region und der Mensch selber,
- 2:26:49der dann das Terror wieder interpretiert.
- 2:26:51Und wenn Winzer heute andere Eindrücke bekommen, dann lernen sie Dinge, die vielleicht bei ihnen zu Hause ein Problem,
- 2:26:59was über Generationen immer wieder weitergetragen wurde, weil es nicht anders zu machen war, plötzlich lösbar wird.
- 2:27:06Das heißt nicht, dass deswegen Individualität verloren geht.
- 2:27:11Ich glaube, dass wir heute im Standardbasisbereich der Weine haben, die sehr rebsortenorientiert sind, die einen bestimmten Weinstil darstellen.
- 2:27:24Das kann ich mit bestimmten Reinsuchthäfen, Kaltgärung, so weiter, kann ich ganz viel machen, was dann für das breite Publikum sehr leicht erkennbar ist.
- 2:27:33Hat aber auch ein Vorteil, die Menschen haben ein Bild von Wein im Kopf und schauen sich nicht mehr Wein auszuprobieren.
- 2:27:39Das heißt, Menschen steigen heute wahrscheinlich viel früher bei Wein, als sie es vor 50 oder 100 Jahren getan haben.
- 2:27:48Das heißt, die Technik erlaubt uns, eine gute saubere Qualität zu machen, die die Menschen nicht abschreiten.
- 2:27:54Ich kann aber das Ganze auch intelligent spielen und dann für mich Individualitäten herausarbeiten.
- 2:28:00Und da gibt es eben Weine, die heute international berühmt sind, weil sie einen ganz eigenständigen Stil und Charakter haben.
- 2:28:08Und da glaube ich nicht, dass das negativ beeinflusst wird von Menschen, die in anderen Ländern gearbeitet haben.
- 2:28:15Weil dadurch kommen Erfahrungen rein, die Experimente vielleicht auch erst mal veranlassen, um in einer Region etwas auszuprobieren,
- 2:28:25was vielleicht sogar die Wietentdeckung von etwas ist, was vor 200 Jahren schon gemacht wurde, aber dann in der Zeit verloren gegessen aufgegeben wurde.
- 2:28:33Wenn man sich überlegt, wir haben mittlerweile eine Bewegung in Europa von Winzern, die historische Rebsorten anpflanzen.
- 2:28:41Rebsorten, die Gänzfüße zum Beispiel, wo kein Mensch mehr weiß, was es ist, das wird wieder angebaut.
- 2:28:51Da machen die Leute Wein draus, machen gute Weine draus.
- 2:28:55Und da sind Rebsorten, die früher aufgegeben wurden, weil sie nicht mehr ausgereift sind, weil sie mit den modernen Anbaumethoden und den klimatischen Bedingungen vielleicht nicht mehr klar kamen.
- 2:29:07Und jetzt, wo wir ein Klimawandel haben, wo wir andere Bedingungen haben, plötzlich eine Chance haben, wiederzukommen.
- 2:29:13Vielleicht sogar eine Chance sind, sehr gut eingeführte zu werden, um einen ganz neuen Weinstil zu bringen.
- 2:29:22Und wenn man die Projekte sieht, Torres zum Beispiel in Penedès, die historische Rebsorten ganz konsequent selektionieren, um eine Antwort zu finden auf den Klimawandel.
- 2:29:34Oder die Griechen, die autoktonische Rebsorten haben, die unberücksichtigt waren in der Vergangenheit und jetzt plötzlich Interesse hervorrufen, weil sie eben extrem Trockenresistenz sind und extrem Hitzeresistenz sind.
- 2:29:46Da sind Chancen und da ist eben auch der internationale Austausch wichtig, damit die Menschen auf solche Sachen aufmerksam gemacht werden.
- 2:29:55Könntest du dir noch ein Leben ohne Wein vorstellen?
- 2:29:58Nein, ich weiß nicht. Wein ist jetzt nicht alles im Leben, aber der Wein erfreut das Menschenherz, dieser Satz, der hat schon seine Berechtigung.
- 2:30:10Und Wein ist etwas, was im richtigen Moment einfach diesen Moment auch noch schöner werden lassen kann.
- 2:30:17Das ist ein festlicher Anlass, ein privater Anlass ist, ob das einfach nur der Augenblick ist, in dem man den Wein genießt.
- 2:30:24Das bereichert das Leben, das lebt schon. Also deswegen leben ohne Wein, es wäre sicherlich machbar.
- 2:30:31Und vielleicht sind es andere Sachen, die den Vordergrund rücken, aber so vorstellbar momentan eher nicht.
- 2:30:37Kann man Wein in ein Wort pressen und ein Wort beschreiben?
- 2:30:51Wein in einem Wort. Das hätte ich vor einem Monat wissen müssen, hätte ich mir mal Gedanken dazu machen können.
- 2:30:59Dann wäre es von Tag geworden.
- 2:31:01Das ist echt schwierig, weil es fallen mir ganz viele Worte ein, die zu Wein passen.
- 2:31:06Aber in einem Wort, Glück wäre für mich ein Wort, was ich mit Wein verbinden würde.
- 2:31:13Herrlicher.
- 2:31:14Aber auch Freude gehört mir dazu.
- 2:31:18Ja, aber Glück bedingt ja, also wenn man Glück hat und lebt, dann bringt das ja auch freudige Momente.
- 2:31:31Also Glück wäre vielleicht so ein Begriff, den man für Wein nutzen könnte.
- 2:31:37Also Glück nicht im Sinne von einfach per Zufall Glück zu haben, sondern wirklich einen glücklichen Moment in Erfüllung zu erleben.
- 2:31:45Das sind tolle Wortspiegel.
- 2:31:47Könnte schon rein gehen. Das könnte vieles mit einbinden, was so mit Wein zusammenhängt.
- 2:31:54Welcher Wein wärst du?
- 2:31:56Das müssen andere entscheiden, das kann ich nicht.
- 2:31:59Das ist auch schwer.
- 2:32:01Nein, weil genauso individuell wie jeder den Wein betrachtet, wäre letztendlich auch wenn andere mich als Wein beschreiben müssten,
- 2:32:11der Wein, den die Leute wählen würden, der mein Pondant wäre.
- 2:32:17Das wäre spannend zu wissen.
- 2:32:20Aber selber ...
- 2:32:23Gab es für dich jeweils die Überlegung, einen anderen Beruf auszuüben als Weinexpertessommelier, Weinfachmann?
- 2:32:35Am Anfang war ja Wein nicht meine Destination.
- 2:32:39Aber darüber hinaus, also jetzt in den letzten 20 Jahren ...
- 2:32:41Aber nach dem, dass dieser Weg eingeschlagen war, war es für mich keine Option mehr.
- 2:32:48Also, da war klar ein Leben in der Welt von Wein, Genuss, Gastronomie.
- 2:32:54Das ist das, was mein Weg ist und hat sich dann halt immer mehr in die Richtung Wein noch entwickelt.
- 2:33:00Was ist dein Lieblingsblume?
- 2:33:03Meine Lieblingsblume.
- 2:33:07Ich finde Blumen, also du sagst oftmals was über jemanden aus.
- 2:33:13Man beschäftigt sich ganz selten damit, aber ...
- 2:33:16Das ist die Frage, die Lieblingsblume von der Optik her oder vom Aroma her.
- 2:33:24Was ist meine Lieblingsblume?
- 2:33:29Ich finde Blumen per se faszinierend.
- 2:33:33Was mich immer unheimlich fasziniert hat, waren diese riesigen Blumenbukäes in den großen internationalen Hotels.
- 2:33:42In allen Restaurants, die in der Mitte noch standen oder in der Mitte ins Restaurant.
- 2:33:46Genau, oder so.
- 2:33:48Was ich als Blume, ja ...
- 2:33:53Was wäre meine Lieblingsblume?
- 2:34:01Vom Duft her wahrscheinlich das Falchen.
- 2:34:06Ich finde Falchen unheimlich fasziniert als Aroma.
- 2:34:14Von der Optik her vielleicht so üppige Orchideen, so weiße Orchideen, könnte ich mir vorstellen.
- 2:34:21Aber ganz offen gesagt, ich habe mir dazu noch nie richtig Gedanken gemacht.
- 2:34:26Ich finde Blumen, wenn ich zu Hause zum Beispiel Gäste habe, bekommen Blumen mitgebracht.
- 2:34:34Das ist immer schön, egal welche Farben, welche Formen, das ist einfach so ...
- 2:34:41Blumen sind eigentlich wie Wein.
- 2:34:44Weil Wein bringt mir ...
- 2:34:49Ist zwar ein blöder Werbespruch von früher, "Sonnenschein im Glas",
- 2:34:52aber Wein fängt mir im Prinzip das Licht ein und wenn die dunklen Tage kommen,
- 2:34:57ist ein Glas Wein das, was einen dunklen Tag aufhören kann.
- 2:35:01Stimmt.
- 2:35:02Und bei Blumen ist es genau dasselbe.
- 2:35:05Es bringt mir ein Stück dieser überborgenden Natur, sozusagen nach Hause,
- 2:35:11auch wenn es nur für einen Moment ist, ist eben dann dieser flüchtige Moment.
- 2:35:16Deswegen noch immer so faszinierend die großen Stilleben der alten holländischen Schule,
- 2:35:22wo mit einem Blumenbukkeh und ein bisschen Obst zu ziemlich alles rausgesagt werden,
- 2:35:29was das Leben ausmacht.
- 2:35:32Großartig.
- 2:35:35Vielleicht eine abschließende Frage noch.
- 2:35:37Hast du Wünsche, Ziele vorhaben?
- 2:35:43In jeder Lebenslage das richtige Glas Wein hinterhand zu halten.
- 2:35:47Das wäre das, was schön ist.
- 2:35:49Weil jeder schöne Moment kann dadurch noch ein bisschen vertieft werden.
- 2:35:54Jede glückliche Stunde kann dadurch noch ein bisschen schöner werden.
- 2:35:59Ja.
- 2:36:01Ich schnell gehe in 2,5 Stunden vorüber.
- 2:36:10Es hätte nur ewig dauern können.
- 2:36:12Ich hätte gerne noch so viele Fragen gestellt.
- 2:36:14Ich hätte gerne noch so viel erfahren.
- 2:36:16Ich hätte noch so gerne von seinem Erfahrung statt profitiert.
- 2:36:20Ich mag diese Gedanken tief.
- 2:36:22Ich mag diese Lebendigkeit.
- 2:36:23Ich mag die Einzigartigkeit, die Markus auch strahlt.
- 2:36:27Großartig.
- 2:36:28Vielen lieben Dank, lieber Markus, dass du unser Gast warst.
- 2:36:30Vielen lieben Dank, dass du uns hast an deiner Erfahrung,
- 2:36:33an deinem Wissen, an deinem Tiefsten, einfach teilhaben lassen.
- 2:36:37Es war ein großes Vergnügen und zwar eine große Ehre.
- 2:36:39Vielen lieben Dank dafür.
- 2:36:41Und noch ein ganz großes Dankeschön der Schlumberger Gruppe.
- 2:36:44Mit den Handelshäusern Schlumberger, Segnetz, Konzio Vini
- 2:36:47und dem Privatkundenportal Rehma Weinkollek.
- 2:36:50Dank der händischen und wirtschaftlichen Unterstützung ist es möglich,
- 2:36:53dieses Projekt durchzuführen.
- 2:36:55Und natürlich auch ein großes Dankeschön an euch.
- 2:36:57Dass ihr zuhört, dass ihr bei uns seid, dass ihr uns begleitet,
- 2:37:00dass ihr einfach der Grund seid, warum wir das ganz gerne machen.
- 2:37:04Es macht uns Spaß und ihr zeigt uns das.
- 2:37:06Vielen lieben Dank dafür.
- 2:37:08Und wie es so schön heißt, nach dem Podcast ist vor dem Podcast.
- 2:37:12Und ich freue mich auf die kommende Woche und freue mich auf unseren nächsten Gast.
- 2:37:15Ich freue mich auf eins der, kann man das so sagen, das Urgestein der Sommewelt.
- 2:37:19Ich freue mich auf den großartigen Alfred Vogt.
- 2:37:36Lieber Janic, meine Damen und Herren, mein Name ist Georg Scheidt.
- 2:37:41Und ich bin von Hause aus Jurist in Essen in einer größeren Anwahrtssoziätät.
- 2:37:48Zusätzlich bin ich CEO eines Family Offices zu dem,
- 2:37:54unter anderem die Funke Mediengruppe, so wie Hotels und Restaurants.
- 2:37:59In diesem Zusammenhang durfte ich vor vielen, vielen Jahren
- 2:38:03bei einem gemeinsamen Freund Markus del Monego kennenlernen.
- 2:38:09Seit dieser Zeit unternehmen wir jedes Jahr mindestens eine Weinreise
- 2:38:18und haben gemeinsam viele, viele Veranstaltungen von Abendessen
- 2:38:23bis zu Galas, die von Markus entweder moderiert oder organisiert wurden.
- 2:38:31Und ich habe gemeinsam wahrgenommen, dass Besondere an Markus
- 2:38:38nicht nur sein unglaubliches Weinbissen ist,
- 2:38:43sondern sich einfach Freude mit Markus unterhalten
- 2:38:50und an deinem Bissenteil haben zu dürfen.
- 2:38:54Vielen Dank.
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