Latest / SOMMELIER / Valentine Mühlberger – Im zweiten Leben: Sommelière
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- 0:00Hallo, mein Name ist Karo Maurer, ich bin Master of Wine und ich unterrichte das WSET Diplom
- 0:19in vielen Ländern Europas. Das heißt, in vielen Kursen über das Jahr und dann habe
- 0:25ich meistens 20 bis 30 Menschen vor mir sitzen und es bleiben nicht viele in meiner Erinnerung,
- 0:33vor allen Dingen nicht mit Namen, aber Valentine mit Namen und mit Gesicht, denn sie war eine der
- 0:40Studentinnen oder Kandidatinnen, die hervorstachen durch ihre Kompetenz, durch ihren Ehrgeiz und
- 0:47vor allen Dingen deshalb, weil sie tatsächlich den Muri von Banyuls blind unterscheiden konnte.
- 0:52Viele von Kandidaten, Studenten träumen davon ihren Beruf als IT-Spezialist oder als Banker
- 1:00aufzugeben und für den Rest des Lebens nur noch mit Wein zu arbeiten, aber nur ganz wenige schaffen
- 1:06das und Valentine ist eine von denen, sie hat es geschafft mit ihrer Bariks in Köln und dafür
- 1:14verdient sie alle Respekt.
- 1:22Herzlich Willkommen zu einer neuen Ausgabe von Sommelier, die interessantesten Weinkenner
- 1:41unserer Zeit. Unsere heutige Gäste kommt aus Köln, nein eigentlich kommt ihr aus Marburg,
- 1:47aber sie hat ihre Weinbar in Köln, ein der großartigsten Weinbars in Deutschland, die
- 1:52Bariks Weinbar. Valentin Mühberger ist über einige Umwege in die Weinbranche eingestiegen,
- 1:58hat ganz viele Bereiche bespielt und viele, die ich total gerne bespielt hätte, ich hätte gerne
- 2:03mal eine Weinlesauchschattelatur gemacht, ein Praktikum bei Leroy, sie hat viele Verkostungen begleitet
- 2:08unter anderem mit Markus de Monego, bei seinem Unternehmen Kavon Kowa im Kölner Weinkeller
- 2:12tätig, bevor sie ihren Traum eines absolut perfekten Weinortes ja eigentlich sich selber erfüllte.
- 2:18Und wie es dazu kam, warum ihre Gäste sie lieben, warum sie so unfassbar viele Weinveranstaltungen
- 2:25sieben Jahre an 300 durchgeführt hat, initiiert hat, neu definiert hat, das erzählt sie uns
- 2:31gleich selber. Bevor wir ins Gespräch einsteigen, möchte ich mich natürlich auch gerne diese
- 2:35Woche bei der Schlumberger Gruppe, mit den Handelshäusern Segnetz, Conzio Vini, Schlumberger
- 2:41und ihr Privatkundenporter Bremer Weinkollekt dafür bedanken, dass sie endes Projekt glauben,
- 2:45dass sie mich unterstützen, dass sie die Branche damit unterstützen, dass sie diese besonderen
- 2:50Persönlichkeiten zu Wort kommen lassen und dass sie einfach meiner Seite sind. Vielen
- 2:53lieben Dank dafür. Danke Ihnen, ist sie heute hier. Herzlich Willkommen, liebe Valentin Mülleberger!
- 3:00Hast du die Bar gefunden oder hat die Bar dich gefunden?
- 3:05Ja, das ist interessant. Also ich wollte schon 100 Prozent Wein machen und habe dann auch
- 3:14ein bisschen überlegt, was es dafür berufliche Optionen gibt und das mit der Weinbar hatte
- 3:19mich immer gereiht. Das war jetzt nicht so 100 Prozent, ich mache das jetzt 2, 18. Aber ich habe
- 3:26dann immer ein bisschen nach Immobilien geguckt und das eine hatte ich dann gesehen, das war mir
- 3:30zu groß und dann sagt der Markler, er hat noch was um die Ecke und gut und dann habe ich das
- 3:36gesehen und dann darf ich mir kommen, mach das so, jetzt oder nie. Aber es ist ja ein der
- 3:41prominentesten gegen Köln, also Friesenwald ist ja, es ist ja Tausender im Lotto, oder? Also wenn
- 3:47man da, dann ist man ja ganz dicht an allem. Nee, das ist richtig. Auf der anderen Seite,
- 3:54da gibt es ja auch so ein paar Trashicke-Ecken, also ich hätte mir das dann schon ein bisschen
- 3:58überlegt, ist es das richtig? Ja, was ich auch fand, also leider ist ja Köln dramatisch nach
- 4:06einem Krieg oder im Krieg zerstört worden, du hast ja kaum alte Bausubstanz, du hast kaum schöne
- 4:11Ecken, du hast kaum schöne Häuser und das habe ich da alles und insofern war das dann für mich
- 4:18klar. Also das Gebäude ist schön, die Bar hat Atmosphäre, die Innenräumlichkeiten und dann war
- 4:27es schon so 100%ig klar, aber so gesehen hat mich dann die Bar eher gefunden als umgekehrt. Hattest du
- 4:34ein Konzept vorher? Also hattest du mal eine Weinbar gesehen, während deiner Zeit in Paris,
- 4:39dass du gesagt hast, so möchte ich meine Bar haben oder hast du das Objekt gesehen und hast gesagt,
- 4:44jetzt fühle ich die Bar da drin und möchte die Bar da rein wachsen lassen? Nee, es war schon so,
- 4:52dass ich gut in diverse Bars kannte, auch kleinere Bars, wo man halt auch immer super schönes
- 5:00Gespräch kommt, also das hatte mir schon vorgeschwebt. Richtiges Vorbild hatte ich nicht,
- 5:10aber was witzig ist, ich hatte mir überlegt sogar eine ganz, also rein französische Weinbar zu machen
- 5:16und dass damals aber fast keine Weinbars in Köln gab, dachte mir, das ist vielleicht doch ein
- 5:22bisschen blöd, nur französisch, dann machst du eben französisch und deutsch und gut, wenn man
- 5:29dann Wein zu sehr liebt, kann man da immer noch nicht die Tür zu machen und nimmt dann natürlich
- 5:34noch andere Sachen mit auf, aber das hat sich letztendlich als total richtig erwiesen, weil
- 5:40natürlich der enge Kontakt zu den deutschen, also Winzern, Winzerinnen, natürlich auch Anbaugebiete
- 5:46und die Gäste kennen natürlich auch Deutschland am besten, insofern war das sehr gut, das so zu
- 5:55gestalten. Hast du auf irgendwas geachtet? Also war dir irgendwas wichtig? War die Wandfarbe wichtig?
- 6:01War dir, wie es da drin riecht, also eine aromatische Grundatmosphäre wichtig? War Musik wichtig oder
- 6:09oder war es einfach, dass du gesagt hast, okay, ich kaufe mal ein paar Gläser, ein paar Flaschen
- 6:13und auf Weinbar? Nee, da habe ich schon ein paar Gedanken dran verschwindet. Also was mir wichtig
- 6:23war auch farblich und von den Materialien her ein bisschen den Wein oder auch den Weinbau
- 6:30darzustellen. Insofern war nicht mein Gut natürlich rot, rot und rot Wein, aber ich hatte
- 6:36anfänglich, hatte ich so eine Saalbeifarbe, also eher was Grünes, was auch die Pflanze darstellen
- 6:43sollte. Dann habe ich auch nur also Eichen, Tische und Regale, also auch wirklich hochwertiges Holz
- 6:51und natürlich auch das Holz für das Weinfass, paar Exzellents. Das habe ich alle schon so
- 6:59bewusst ausgewählt. Wie lange hat die Planung gedauert, um eine Weinbar aufzumachen, also
- 7:03bei manchen? Ja, ich bin dafür, dass es so klein ist, hat es dann doch sehr lang gedauert. Nee,
- 7:09also witzigerweise, das habe ich das erste Mal gesehen am 10.11. und das erste Mal drin war
- 7:15ich am 11.11. Wer Köln kennt, weiß, was los war. Das war total irrsinnig, weil ich bin mit einer
- 7:23Freundin da reingegangen und dann waren dann diese Leute da mit ihren Teddybeer-Kostümen und
- 7:28Kölschglas in der Hand und deshalb weiß ich natürlich auch ganz genau diesen Tag und
- 7:36angemietet habe ich es dann erst Mitte Januar und dann erst im Jahrgut mit Mai. 18. Mai. Ja,
- 7:44genau, 18. Mai, 18. Und dann fünf Monate Vorbereitungsplanungsphase. Jetzt muss man ja dann doch wissen,
- 7:54ich bin ja dann schon ein bisschen wie die Jungfrau zum Kinder zu dieser Weinbar gekommen oder zu
- 7:58dieser Immobilie und ich hatte natürlich keinen konkreten Plan, wie das ganze funktioniert und
- 8:04auch Wein-Einkauf und ich hatte natürlich auch keinen Schreiner an der Hand und noch keine Handwerker
- 8:09an der Hand. Insofern hat das natürlich alles ein bisschen länger gedauert als gedacht. Aber
- 8:16letztlich hast du trotzdem ein anderes Gefühl für Wein als viele, viele andere. Also auch wenn
- 8:23du ein mehrjährigen oder langjährigens Umweg genommen hast, ist Wein ja etwas, was für dich ja
- 8:30trotz allem vertraut ist. Also du hast ja mehr Weinkontakt, mehr Weinerfahrung als viele,
- 8:34viele auch deiner Kollegen. Nicht nur, dass du schon eine fundierte wissnstechnische Ausbildung hast,
- 8:40WSIT, die ganzen Praktik hast, die du in wirklich sehr renommierten Weingütern absolviert hast.
- 8:48Das gibt ja manchmal mehr mit auf dem Weg als irgendwie, wenn ich 15 Jahre als Kellendarbeiter,
- 8:56auch deine Zeit, also deine vielen Jahre in Paris, da geht man ja noch mal anders aus als in
- 9:01Deutschland, sowas prägt und fundiert ein Jahr und dann mit dem Bewusstsein. Also ich würde nicht
- 9:07sagen, dass du gar keine Ahnung hattest. Ein Wein-Einkauf, wenn ich irgendwo meine Ausbildung
- 9:11als Hotelfachmann gemacht habe und sage, okay, jetzt möchte ich ja eine Weinbar aufmachen,
- 9:15habe ich auch nicht so viel Ahnung von Wein einkauft. Klar, das ist richtig, aber dieses,
- 9:20wirklich die Vorstellung, ich werde dieses Weingut haben und ich möchte diesen Winster
- 9:25repräsentiert wissen oder dieses Anbaugebiet, das war bei mir natürlich nicht so konkret. Und
- 9:33klar, Wein hat bei mir immer eine Rolle gespielt, also wir sind ja, da ich meine Mutter Französin ist,
- 9:38wir sind ja sämtliche Ferien, waren wir natürlich nur in Frankreich, also da ist ja Wein schon um
- 9:44die Präsent, das ist, das ist richtig. Habt ihr zu Hause anders Wein getrunken als keine
- 9:50Ahnung, deine Freundin in Marburg? Ja, so klar. Also Wein war immer da, ich muss ja zu sagen,
- 9:57dass meine Eltern keine großen Weinliebhaber sind, aber das hat man ja auch oft in Frankreich,
- 10:04ich meine, die trinken halt immer hier gläslein Wein zum Essen, das heißt natürlich nicht,
- 10:09dass die alle ganz riesige Weinliebhaber sind, insofern den, ja den Umgang und natürlich,
- 10:18dass man immer Wein trinkt, wenn man, wenn man ist, vor allen Dingen wenn man schön ist. Das,
- 10:23das war für mich was völlig normales. Und war das dann für die Bar auch ganz wichtig,
- 10:28dass du, weil du gerade das Essen erwähnt hast, dass du auf die Kulinarik achtest oder war für
- 10:33dich Grundthema Bar und wir schenken Wein aus und ich brauche Wein und brauche ein tolles
- 10:38Lokal und Gläser. Ja, bei mir ist ganz klar Wein. Also bei mir kommt Wein auch vor Essen. Und was
- 10:48ich mir natürlich auch gedacht habe, ich, ich, ich komme ja nicht aus der Gastronomie und ich
- 10:52habe mir irgendwie in meinem Kopf immer vorgestellt, okay, wenn alles schief geht, dann muss ich jede
- 10:57Position in meinem Laden selber machen können. Und gut, ich kann nicht in der Küche stehen und da
- 11:02irgendwie fachmännisch kochen. Insofern war das, war das für mich sowieso ein Kaukriterium. Dann
- 11:10wollte ich es natürlich auch nicht allzu groß haben. Erst mal ein bisschen kleiner starten. Warum nicht
- 11:15groß? Also, weil das nicht zum Wein passt. Weil grundsätzlich groß ist ja nicht selten. Im,
- 11:20im Denken mancher Anfänger mehr Geld. Und im Prinzip, also im kleinen und großen stimmt es auch, weil
- 11:28du die Grundkosten ja hast, also sprich Miete, Blabberblastrom. Und beim Großen ist es ja zwar
- 11:34multipliziert mehr, also an Strom, keine Ahnung, aber eventuell ist das Einkommen auch mehr. Also
- 11:42warum hast du da gedacht, ich möchte es klein haben, um eine Atmosphäre zu erzeugen oder?
- 11:47Das und für mich war das auch klar, wenn es größer ist, dann muss ich Küche mit anbieten. Und
- 11:57diese kleinere Art, also jetzt wirklich auch im Sinne von französischen Weinenbistros oder
- 12:04Inoteka in Italien, wo man wirklich hingeht, ein schönes Glas Wein trinkt, zum Apparativ, ein paar
- 12:11Gläschen und dann weiterzieht. Das schwebt mir halt schon vor. Ich mag auch total dieser Atmosphäre
- 12:18in diesen Ländern jetzt auch irgendwo rein gehen, Kaffee trinken und wieder raus und nicht diese
- 12:23Stunden lang sich irgendwie hinsetzen. Das schwebt mir schon eindeutig vor und klar, die Bar ist
- 12:32im Prinzip auch ein Ticken zu klein, aber dieser eierliegende Wollmilchsauer ist dann natürlich
- 12:38auch schwierig zu finden. Insofern war es so für mich wirklich eine kleine Perle und da
- 12:47musste ich zugreifen. Würdest du es jetzt größer machen? Also jetzt nach sechs Jahren Erfahrung?
- 12:54Ja schon, würde ich schon machen. Also ein paar Quadratmeter fehlen mir schon, aber dann wie gesagt
- 13:05finden wir eine entsprechende Location, wo du wirklich auch Charme hast. Das ist in anderen
- 13:12Städten mit Sicherheit einfacher. Dann auch der Standort, das ist gut, dann schon ein Challenge,
- 13:22da was passendes zu finden. Worauf würdest du jetzt mehr achten? Mehr auf die Glasauswahl,
- 13:27also wäre es für dich jetzt besser einfacher oder hochwertigere Gläser zu haben, eine Grundausstattung,
- 13:34gibt es irgendwas, was du so als typischen Anfangsfehler für dich selber beschreiben würdest?
- 13:40Also ich bin ja langsam da rein gewachsen und ich sage mal so, mein Service ist immer noch
- 13:54ein bisschen salopp, es hat auch ein bisschen diese Wohnzimmeratmosphäre. Also was ich denke,
- 14:05was schön wäre, wenn man halt noch ein bisschen mehr Kleinigkeiten auch zum Essen anbieten könnte.
- 14:12Was ich stelle mir das immer vor, so ähnlich ein bisschen wie in diesen Yasushi-Läden oder
- 14:19auch schwarzes Kamele in Wien, wo da die Häppchen liegen, so hinter so einer Vitrine und wo du
- 14:24dir halt oder natürlich auch die ganzen Tapas-Bas in Spanien, wo du dir dann hier und da was aussuchen
- 14:29kannst. Also das finde ich auch immer super schön und dann trinkt sich natürlich auch das eine oder
- 14:34andere Glas Wein mehr und das Thema Food-Pairing findet bei mir praktisch nicht statt und das
- 14:46finde ich natürlich spannend, weil du dann vielleicht auch ein bisschen außergewöhnliche
- 14:50Weine ja auch präsentieren kannst und empfehlen kannst. Also ich mache das natürlich so auch in
- 14:57der Bar, aber wenn es um eine Flasche geht, eine Flasche zu trinken von einem Wein, also
- 15:01ein Anführungsstrichen, den man nicht kennt, dann merke ich halt schon, dass die Leute bei der
- 15:06Flasche dann doch lieber bei den Klassiker bleiben. Im offenen Ausschank ist es natürlich anders,
- 15:10aber das finde ich halt schön, wenn man halt dieses Thema Food-Pairing mit ein bisschen mehr Essen
- 15:16oder Snacks noch anbinden könnte. Wie hast du dann deine Weine ausgewählt, als du gesagt hast,
- 15:21das war so eine der Hürden, dass du zwar den Laden hast und dann langsam eben auch die Tische
- 15:26reinstellen konntest, aber das Ganze mit wie noch vielem Leben zu füllen, hast du dir bestimmt
- 15:32der Händler gesucht, hast du dich auf Freunde berufen, hast du Sommys angerufen oder wie? Wie
- 15:39hast du dahin gefunden, dass du sagst, okay, jetzt wirklich eine Weinbar? Also was für mich klar war,
- 15:44dass ich halt Bio- und Biodynamische Weine hab, das schränkt dir aus, weil er schon ein bisschen
- 15:50ein, aber das ist ja heutzutage so ein riesiger, so einen riesigen Marktanteil, dass man natürlich
- 15:58absolut glücklich wird. Müssen die bei dir zertifiziert sein? Also es ist für dich ein Kredo, dass du
- 16:03hinten Label drauf hast oder sagst du, wenn ich den Winzer vertraue und der schwört mir beim
- 16:09Glas Wein, dass er so und so arbeitet, ist es für mich okay? Das ist eine sehr schöne Frage
- 16:17und Anregung. Ich persönlich finde es immer schwierig, also mit Sicherheit auch durch meine Zeit im
- 16:23Kölner Weinkeller. Man muss sich ja an die Haut des Kundenversetzens oder Gastes, der steht
- 16:30von der Flasche Wein, eine Flasche Wein sieht im Prinzip immer gleich aus, der Inhalt sieht auch
- 16:34gleich aus und du hast letztendlich nur diese paar Logos mitten drauf und dann natürlich noch
- 16:39Appellation etc., aber der weißte, ich finde das irgendwie unglaubwürdig, wenn ich bei jedem Wein
- 16:47wunderns das Biologe drauf steht, sage ja gut, der ist nicht zertifiziert, aber er arbeitet
- 16:53biologisch. Das finde ich nicht schön, also ich finde das halt schon besser, dass das eindeutig
- 17:00auch kommuniziert wird und der Kunde letztendlich sich darauf auch verlassen kann. Das ist mir
- 17:08halt schon wichtig. Ich habe natürlich auch welche, die das Logo nicht mit drauf haben, aber ich
- 17:13versuche da schon drauf zu achten. Und das andere ist natürlich auch, das darf man auch nicht
- 17:17vergessen, je mehr zertifiziert sind, desto größer ist natürlich auch die Biolobby. Also das hat
- 17:24schon auch einen Wert. Ich bin ganz dabei, und ich finde es auch ganz wichtig, auch wenn ich den
- 17:28Arbeitsaufwand dahinter sehe, der nicht unerheblich ist, der teilweise bis zu fünf Prozent der Gesamtarbeitzeit
- 17:34in Anspruch nehmen kann. Also rein die Regularien einzuhalten, sprich die ganzen Formularer auszufüllen,
- 17:40die ganzen Begängnisse und so weiter. Das ist schon enorm und natürlich auch für einen kleinen
- 17:44Betrieb dann teilweise enorm, gerade wenn du in der Self-Man Show bist, dann irgendwo mit vielleicht
- 17:48auch mit ein, zwei Angestellten, dann auch darüber hinaus diese ganzen, dann auch separaten Messen,
- 17:54die man bespielen kann, da muss man hat ja in vielen Bereichen einen ganz anderen Aufwand. Für
- 17:59mich selber ist es dann eigentlich auch nur immer diese Verständnisfrage, welcher eben auch sagen
- 18:03könnte, du bist ja auch nicht zertifiziert und sagst, ich arbeite nur mit biologischem. Also dir
- 18:09glaubt man es ja auch, sollte man es glauben, du erwartest auch diese Glaubwürdigkeit dabei. Und
- 18:13wenn Winzer dann irgendwo sagt, du dann kauf mein Wein nicht, wenn du mir nicht glaubst, dann kauf es
- 18:17nicht. Ja, Ndi, aber ich sehe das halt, ich sehe das genauso. Also ich meine, es gibt ja so ja in
- 18:21Spanien viele, viele Winzer, die, weißt du, wo die Weinreben noch nie irgendwas gesehen haben,
- 18:26weil, weil die das auch einfach so teuer war, irgendwelche Düngemittel und Spritzmittel zu
- 18:32kaufen. Weil die das auch nicht brauchen, also bei dem Klima da brauchen die keine... Ja, das
- 18:36stimmt. Also weißt du, ich mein, ich glaub, dass diesen Winzern auch, dass sie so arbeiten,
- 18:41aber ich finde es halt ganz einfach eindeutig und dieser Logismus ist ganz einfach auch wichtig.
- 18:49Enorm wichtig, weil gerade wenn die Verbände gestärkt werden, durch viele Mitglieder,
- 18:53durch Mitgliedsbeiträge haben die eine andere Möglichkeit eben doch anders aufzutreten, sich
- 18:56anders zu präsentieren, andere Messen zu veranstalten, anders in die, ins Marketing zu gehen und so
- 19:01weiter. Und das lebt ja letztlich von Geld. Absolut. Ja, ja, insofern finde ich, muss man das halt
- 19:08schon fördern und durchaus auch, also jetzt von unserer Seite Gastronomen oder auch Händler,
- 19:16dass sie auch einfordern. Ich meine, es gibt ja viele große, die das ja auch machen, die dann
- 19:20auch nur noch Bio-Weine-Listen. Und man hört das ja, finde ich, auch oft von Winzern aus Südeuropa,
- 19:27die die Augen verdrehen und sagen ja, gut, wir arbeiten doch eh Bio, was wollt ihr denn? Aber ich
- 19:33denke mir, das ist halt ganz einfach wichtig für viele Märkte in Nordeuropa, dass das Logo
- 19:39mit drauf ist. Ist aber manchmal gewisse Regionen vorbehalten und bei anderen ist es halt schwieriger,
- 19:44wobei dies mittlerweile ja auch, also früher war es ein fassen Nogo, das ist eine Champagne oder
- 19:48keine Ahnung, um Schobli, Bio drauf steht, weil halt die klimatischen Bedingungen nicht so optimal
- 19:54sind oder dass alles ein wenig intensiver und schwerer geliebt werden kann, darf muss als in
- 20:01Südeuropa. Aber mittlerweile ist dort das Champagne ja ein ganz, ganz perfektes Beispiel oder die Loire
- 20:06dafür, dass es eben auch dann realisierbar ist. Ja, ja, ich finde das auch immer sehr erstaunlich.
- 20:12Ich mein, klar haben die Leute das im Süden einfacher, aber man sieht es ja, also das ist bei
- 20:18uns ja auch, das funktioniert ja dennoch Bio, vielleicht mit nochmal ein bisschen mehr Aufwand
- 20:24und vielleicht auch mit noch ein bisschen mehr Ernteverlust als in Südeuropa, wo die Sonne
- 20:29alles heilt und regelt, aber es geht eindeutig. Jetzt ist es so, ich finde man muss das ja auch
- 20:38nicht schwarz-weiß sehen, also jede Anbau Methode hat ja ihre Stärken und Schwächen und es gibt
- 20:47sicherlich ja auch nicht zertifizierte Winzer, die die auch sehr sorgfältig mit ihrem Boden
- 20:52arbeiten. Es gibt ja auch Argumente, ich mein, gut Achillesverse ist natürlich kopfvoll zum einen,
- 20:57zum anderen auch die Problematik, gerade bei diesen feuchten Witterungsbedingungen, weißt du,
- 21:02wenn du dann X-fach öfters mit deinem Traktor in die Weinberge fahren musst, das ist natürlich
- 21:07auch nicht schön ist für die Umweltbilanz, aber ich finde, es ist doch immer ein Ansatz, wo du
- 21:18einfach, also gedanklich, auch näher an der Pflanze an deinem Boden dran bist und dich ganz, die du
- 21:27beobachtest auch stärker, was im Weinberg passiert und das Ganze ist mir dann sympathischer. Und
- 21:34wann kam dieses Bewusstsein dafür, dass du gesagt hast, okay, wenn ich eine Weinbar irgendwann
- 21:40mal aufmache, dann möchte ich, klar, Frankreich ist begründet, aber woher kommt der Biodrang? Ist
- 21:47es aus der Erkenntnis deiner Praktik hast, die du hattest, die teilweise sehr bewundernswert
- 21:52finde, also was du da auf der Liste stehen hast, ist schon großartig und damit mach ich nur mal
- 21:59da ein bisschen Roir in Oxtair, sondern bei Fijac hast du mitgelesen. Ja, das war auch so. Dann,
- 22:07ich glaube, die Initialzündung war 2001 im Centre Mio. Genau, es war nicht Fijac selbst,
- 22:15also das Nachbargut Latour Fijac, das ist gegenüber auf der anderen Straße. Also Fijac wäre auch
- 22:21schön gewesen, um nochmal einen ganz großen Namen aus Baudot zu netten. Ich habe mir die
- 22:26Weinlese mal im Chateau Latour gemacht in Foyac. Das habe ich auch gemacht. Und gut, was natürlich
- 22:33toll war bei Latour Fijac, ist, dass der Stéphane de Rononcourt da Berater war und seine Frau da
- 22:42auch mitgearbeitet hat. Also die waren bio, die waren nicht biodynamisch, aber da hat man natürlich
- 22:48auch einen großen, ja, das war so die erste Anknüpfungspunkte natürlich, also zum einen
- 22:54natürlich Faszination Wein. Also ich weiß, wir haben damals noch auf dem Weingut übernachten
- 23:01können, also wir haben weniger gekämmt, das war auch total urig alles. Aber was für uns natürlich
- 23:07toll war, wir waren natürlich jeden Abend im Weinkeller und haben auch die ganzen großen
- 23:13Geburt, die ich gesehen habe, auch gesehen, wie der Wein sich entwickelt hat. Jetzt aus meiner
- 23:17Perspektive, wo man das ja kennt, findet man das vielleicht nicht mehr so auf Frieden, aber für
- 23:22mich war das damals halt eine total neue Welt und total faszinierend, einfach auch zu sehen,
- 23:28was für diese offenen Eichengeer-Bottiche, wie das da oben brodelt, diese Farbe finde ich ja
- 23:34schon mal so unglaublich faszinierend, dieses, weißt du, dieses leicht Lieder. Und ja, fast
- 23:41teilweise hat es ja dann auch so eine pinke Farbe, Violette, das fand ich absolut irre. Und dann
- 23:47ließen wir uns auch mal jeden Tag so ein bisschen probiert, dann haben wir das natürlich immer
- 23:50irgendwelche Wasserflaschen getan. Und weißt du, so wie du das ein paar Stunden später aufmachtest,
- 23:55dann halt so der große Knall, weil dann natürlich der Most weitergegärt war. Also das war, das war
- 24:03wirklich der Geruch, wenn man in so einen Keller, in so einen Gergkeller reinkommt und dann jeden
- 24:10Tag riecht es ein bisschen anders, man spürt so richtig, wie der Wein immer kompletter wird.
- 24:15Und wie am Anfang Matschigen dann irgendwann, dann kommt so ein anderes Geruchselement hinzu,
- 24:23wo man sagt, wow, ja, das könnte Wein sein und so wächst und wächst der und das einmal über
- 24:28eine gewisse Zeit mitzubegleiten, finde ich, ist fast emotional. Total. Und ich meine,
- 24:34diese alkoholische Gehrung hat ja auch was Magisches, dass sie wieder die lieben kleinen
- 24:41Hefen für uns arbeiten. Das ist schon irre, halt auch mit dieser Dynamik der Kohlensäure,
- 24:47die da entweicht und es blubbert überall. Das Geruch ist so herrlich. Ja, finde ich auch.
- 24:54Und ich muss sagen, ich wein so nach ein paar Tage Weinlese, wenn du diese Weindürfer fährst,
- 24:59dann riecht es ja nicht mehr so lecker. Aber ich hab mich triggert das total. Also ich riecht
- 25:06das total gerne. Wie kamst du 2001 dahin? Also du hast in Paris gewohnt zu der Zeit, oder?
- 25:12Nee, ich bin da, das war auch so eine Phase, wo ich dann von Deutschland wieder mich intensiver
- 25:21nach Frankreich gesettelt habe und dann halt auch einfach gut Arbeit gesucht habe und dann
- 25:30habe ich halt, das war wirklich zufällig, dann ploppten da auf meinem Rechner immer Arbeitsangebote
- 25:36an, eben Weinlese in Bordeaux und weiß ich wo überall und dann darf ich mir kommen,
- 25:41dann machst du das jetzt einfach mal zwischenzeiglich und das war zufällig, aber halt eine total
- 25:47geniale Begebenheit, die viel verändert hat. Also du fragst das eben auch, wie das mit dem Bio war.
- 25:55Genau wie du dann von dieser ersten Inspiration dann irgendwie in Richtung überhaupt Wein,
- 26:01Weinbegeisterung ernsthaft, also nicht nur wir trinken zu Hause Wein, sondern ich möchte
- 26:06mich mit dem Thema auch beschäftigen, bis hin dann, dass du deine eigene Philosophie hast. Also
- 26:11sprich dich natürlich orientierst und Bio-Wahnen liebst. Ja was auf Bio-Wahnen ist so, ich bin
- 26:18halt eine Biotante, also ich ernähre mich auch nur Bio und dann ist das relativ naheliegend,
- 26:23wobei ich auch dazusagen muss, ich habe gerade Schneebio, also Bio-Wahnen im Bioladen gekauft,
- 26:30weil das also wie die gelagert sind, macht sehr schon keine Komusgelust und ich sage mal, da hast
- 26:37du ja auch viel Massenware, wo Bio drauf steht und da vergnügst du dich ja nicht unbedingt so sehr
- 26:43damit, also insofern war das für mich eine totale Selbstverständlichkeit, dass das so seinen
- 26:50Lauf nimmt und gut wird, Wein war allgegenwärtig, aber diese Weinleser in 2, 1 in Zentimillionen,
- 26:59das hat dann wirklich alles verändert. Ich weiß, ich war danach dann in einem Weinladen, also in
- 27:07Frankreich auch und habe dann auch natürlich geschwärmt von dieser tollen Erfahrung und dann
- 27:12hat mir die Frau gesagt, ja, sie hätte dann super gutes Weinbuch, ich mein Brunet hieß der Typ,
- 27:19das war ein Weinbuch, so ein Ausbildungsbuch, weißt du, für den Hotel- und Gastettenbetrieb und
- 27:26das habe ich mir dann natürlich bestellt und das war super gut gemacht, also das war jetzt nicht
- 27:30so ein Riesenwälzer, da war aber wirklich alles drin, was sich jedes Anbau gebiet und gut,
- 27:36natürlich auch das ganze Food-Pairing-Speisen, die ganzen klassischen Weine und was man mit
- 27:44welchen Wein dann klassischerweise auch zusammenfügt und da habe ich dann irgendwann mal auf den
- 27:50letzten Seiten so Ausbildungswege gefunden und dann habe ich eben gesehen, dass du halt diese
- 27:58Winzer-Ausbildung in Bohnen machen kannst und zwar im Fernstudium und zwischenzeitlich hatte ich
- 28:05dann auch eine feste Einstellung in Paris und dann dachte ich, komm, mach das doch mal und jetzt muss
- 28:13man mal wissen, das ist ja für uns deutsche total widersprüchig, schwer nachvollziehbar,
- 28:18aber das heiß gelobte duale System in Deutschland gibt es ja sonst nirgends, also das heißt eine
- 28:25Winzer-Ausbildung findet rein am Schreibtisch statt, insofern kannst du das natürlich berufsbegleitend
- 28:31auch machen, wir mussten zwar Praktiko-AK machen, aber ich fand, das waren glaube ich nur vier
- 28:36oder sechs Wochen und dann sonst habe ich diese Winzer-Ausbildung abgeschlossen, aber ohne jemals
- 28:45wirklich einem Weingut gearbeitet zu haben. Interessant. Ja, also für mich war das natürlich
- 28:53toll, sehr praktisch, auf der anderen Seite finde ich gegen Wertigt einem das natürlich auch toll,
- 28:58wie genial halt dieses duale System in Deutschland ist, wo du ja die Theorien natürlich lernst,
- 29:06aber auch die Praxis hast und dann nach der Ausbildung natürlich auch sofort einsatzfähig
- 29:11bist. Fühlt es dich als Winzerin? Nee, das tue ich nicht. Aufgrund der praktischen,
- 29:19der praktischen nicht vorhandenen Erfahrung oder? Ja, weil ich finde als Winzerin wäre das schon so
- 29:25hier, ich stelle ich jetzt in den Weinberg, jetzt mach du mal, also ich kümmere dich mal um die
- 29:31Leseannahme, ich verstehe natürlich viele Sachen gut und wieso und weshalb man das macht und habe
- 29:37ja auch diverse Prozesse dann nochmal wieder gesehen, aber ich würde mir jetzt nicht den Weinkeller
- 29:44überlassen. Wie lange gibt es in der Ausbildung dann im Fernstudium in Frankreich? Na gut,
- 29:50das kannst du natürlich ein bisschen selber bestimmen, das ist klar, aber was ist so die
- 29:55Regelnorm, welche Vorstellung hat man da, ist das auch drei Jahre, ist das, wenn ich fleißig bin
- 30:00in sechs Monaten oder? Achso, nee, ich glaube, das waren zwei Jahre, du hattest dann auch so eine
- 30:07kleine Abschlussarbeit und ich glaube, ich habe das dann in drei Jahren gemacht und wie gesagt,
- 30:13du musst jetzt auch ein bisschen Praktika machen, also dann wurden mir natürlich diese Weinlesen
- 30:18anerkannt und so bin ich dann auch zu diesen, das waren nur zwei Wochen, tatsächlich zu dem
- 30:24Weingut von der Lubis Loroa gegangen, zu ihrem älterlichen Weingut, was ja aus der Düresse ist
- 30:29und dann, das war glaube ich im Juni, weil es ja da waren halt viele im Weinweg draußen und haben
- 30:34halt die Reben gewickelt und nicht gegipfelt und ich erinnere mich auch, einmal war ich im
- 30:41Weinweg, da hatten die frisch gespritzt, also Schäfe und Kupfer und das ist ein sehr unangenehmer
- 30:48Geruch, da wird hier ja ein regelrecht übel, aber das war natürlich toller auf diesem
- 30:55ja heiligen Boden des Burgunds rumzuwandeln und dann war es ja auch dann in Cronkrüllagen,
- 31:03also Kochtung, Charlemagne erinnere ich mich zu arbeiten, das das war schon ja absolut irre.
- 31:10Da haben wir schon Bewusstsein dafür, also für die Besonderheit der Lagen, für den Cronkrüllagen,
- 31:16du warst ja dann auch ziemlich am Anfang deiner, deiner Winzerlaufbahn, deiner Weinkarriere,
- 31:21deines Weinbewusstseins. Ja, das finde ich klasse, dass du das fragst, weil ich muss
- 31:28leider gestehen, dass ich mir das nicht bewusst war. Also ich wusste nicht, wenn du weißt natürlich,
- 31:33dass Burgund ein tolles Anbaugebiet ist, aber wenn du dann, du dich in der Welt umhörst und ich
- 31:41meine natürlich jetzt auch in Deutschland, wenn du dann merkst, dass eigentlich das Burgund Vorbild
- 31:47für alles ist und diesen totalen Kultstatus hat, das war ich mir nicht bewusst. Hattest du
- 31:58dann ein Vorbild jemals, der jemand, der dich an die Hand genommen hat, wo du sagst, es ist so mein
- 32:02Winofilazifahrter? Nein, also ich hatte natürlich besondere Weinerlebnisse. Was war so ein Weinerlebnis,
- 32:10was dich geprägt hat? Du, das war ein Bohnen und ich kann, also gut, es ist natürlich ewig her,
- 32:20aber ich kann das gar nicht genau zeitlich festhalten. Auf der anderen Seite war ich ein Bohnen,
- 32:28also wahrscheinlich hatte ich dann schon mit dieser Ausbildung angefangen und dann gab es
- 32:32irgendwo so eine freie Verkostung, also in der Innenstadt, in so einem alten Keller und ich
- 32:40habe da so gemütlich vor mir hinverkostet und das war ein Premier-Cruis aus Volnais, Cloudichaine,
- 32:47war auch ein bisschen gereifderer Jahrgang und das habe ich halt probiert und da bin ich,
- 32:54das hat mich echt weggehauen. Also das war einfach himmlisch und das war für mich halt eine ganz
- 33:03tolle Erfahrung, einfach um zu sehen, was gut was Wein kann und dass das einfach dieses,
- 33:14ich finde halt wirklich dieses göttliche Getränk ist, der hat ja mitreißt und natürlich auch
- 33:23total berührt. Das war wirklich ein Schlüsselerlebnis, also ich war ja schon auf der richtigen
- 33:31Bahn, aber diese Größe von Wein zu erleben und die Vollkommenheit von einem großen Wein,
- 33:42das ist mir da dann widerfahren. War es eine bestimmte Aromatik, jetzt auch wenn es ein paar
- 33:49Jahre her ist, hat man ja doch das eine oder andere, woran man sich erinnern kann, eine bestimmte
- 33:52Aromatik, wo du sagst, so was habe ich noch nicht gerochen, war es eine bestimmte Struktur,
- 33:57ein kraftvoller Ausdruck oder war es irgendwas, was man nicht erklären konnte, dass du sagst,
- 34:01der Wein hat dich auf eine Art berührt, wie es manchmal Musik macht, wo man sagt, keine Ahnung,
- 34:06wer das ist, keine Ahnung, wer das spielt, aber wow. Das ist für mich letztendlich auch das
- 34:16Entscheidende, weil ich glaube, das war die perfekte Harmonie. Gut, es war natürlich ein Pinot Noir,
- 34:22also gereift, ich war sicherlich immer dieser, diese sehr feine, delikate Frucht, also dieses,
- 34:28was ist, sauer Kashimbiere wird er schon gehabt haben, aber das, dass ich erinnere mich nicht an die
- 34:35Einzel, einzelne Aspekte des Weins, es war wirklich dieser, dieser, dieser Gesamteindruck von,
- 34:44ja, wir hat diese Finesse und Perfektionen und gut, diese totale Ausgewogenheit. Weißt du,
- 34:56wo alles passt, wo alles sich zusammenfühlt in einem Wein?
- 35:05Natürlich gibt es Weingüter, die Geschichte schreiben, aber es gibt auch solche, die sind in
- 35:21der Geschichte verankert. Das klingt richtig pathetisch, ich weiß. Aber Kavalkina, gelegen in dem kleinen
- 35:28Örtchen Kustose und spätestens jetzt klingelt es bei dem einen oder anderen, gehört zu den
- 35:32Letzteren. Nicht laut, nicht medienwirksam, aber tief ergreifend. Ich glaube, ihr stimmt mir zu,
- 35:40wenn ihr am Ende dieser kleinen Einblendung erfahren habt, welche eigentlich großartige
- 35:44Aufgabe, welche Leistung Kavalkina dort verbracht hat. Denn ohne Kavalkina gäbe es keine kontrollierte
- 35:50Herkunftsbezeichnung Kustose, DOC. Es gäbe kein Profil für einen der unterschätztesten Weiswein
- 35:57Italiens. Klingt interessant? Dann hör gerne zu, ich fange ganz von vorne an. Die Ursprünge reichen bis
- 36:04ins frühe 20. Jahrhundert zurück. Dann merkt man schon, es gibt was zu lernen. Die Familie Piona,
- 36:09er warb erste Rehflächen in den Moränenhügeln südlich des Gardasees. Doch es war Giulietto Piona,
- 36:16was für ein toller Name, Giulietto, der in den 1960er Jahren mit einem kühnen Schritt die Richtung
- 36:23vorgab. 1962 war es nämlich, als er das erste Mal ein Weiswein mit den Namen Kustosa auf die
- 36:30Flasche brachte. Acht Jahre später, 1970, wurde er als offizieller Antragsteller der Region in das
- 36:36Verfahren zur DOC Anerkennung eingebunden. Und 1971 wurde es Realität. Wie gigantisch muss das sein,
- 36:44man hat einen Weiswein erfunden. Wow! Also im Prinzip, was biornti santi für Brunello ist,
- 36:49ist Giulietto für Kustosa. Und Kivalkina war damit nicht nur Pionier, sondern Fundament
- 36:54dieser Appellation. Giulietto setzte Standards von der Rehbsortenzusammensetzung bis hin zur
- 36:59Lesezeit und er definierte, was Kustosa nicht sein sollte. Kein belangloser Massenwein,
- 37:04sondern ein strukturierter, floraler, spannungsvoller Weiswein. Und heute? Heute führen Franco
- 37:11und Luciano Piona. Also immer noch ein Familienbetrieb, ist das nicht schön? Und er stützt von
- 37:16bereits der dritten Generation des Weingut, mit denselben Grundsätzen. Lieber eine Nuance zu
- 37:22wenig als eine Geste zu viel. Und gerade bei frischen Weisweinen ist das so wichtig. Die
- 37:27Betriebsfläche umfasst rund 30 Hektar, was eigentlich großartig ist. Ich meine, Italien wächst
- 37:33normalerweise alles ins Unermessliche und sich auf 30 Hektar einfach so zu beschränken,
- 37:36spricht für das Qualitätsbewusstsein. Diese 30 Hektar sind verteilt auf die besten Parzellen
- 37:42der DOC. In Nordlage auf lemigkalkigen Böden mit Morenstrukturen. Wenn man die Philosophie erklärt,
- 37:50das klingt immer wie aus einem Werbeprospekt. Ökologische Zurückhaltung, vinifikativer
- 37:56Klarheit, bodengebundene Eleganz. Aber wer, Kawakina besucht, merkt schnell, hier geht es nicht um
- 38:02Stilexperimente, sondern darum, dem Boden und dem Jahrgang mit minimalen Mitteln eine Stimme zu
- 38:08geben. Also das, was wir eigentlich vom Wein haben wollen, was wir erwarten, wird hier gelebt.
- 38:13Das Michroklima ist maritime beeinflusst durch den Nahengardersee, dem seinen Thermaleffekten
- 38:18Nachtkühle bringt und Tagestemperaturen abpuffert. Ja, das habe ich abgelesen. Kustosa liegt auf
- 38:23100 bis 150 Meter Höhe in exponentierten Lagen mit Ost- und Nordausrichtung. Also damals schon
- 38:29Richtung Norden zu denken, war großartig. Klar, könnte ich noch über Niederschlag reden,
- 38:33über vielleicht Entwicklung der letzten 50 Jahre, aber wir haben keine Zeiten. Daher lasst uns lieber
- 38:37einen der typischsten Kustosa eigentlich der Geschichte nehmen und diesen exemplarisch hier
- 38:43darstellen und von meiner Seite her empfehlen. 2023 Amedeeo. Natürlich von Kawakina. Warum den?
- 38:49Der Amedeeo ist das spitzen Produkt des Hauses, der Top Wein. Ein Kustosa Superiore DOC, dessen
- 38:55Struktur, Tiefe und Lagerfähigkeit seit Jahrzehnten Marschdiebesitz. Es ist eine Kombination, ein
- 39:01Blend aus 40 Prozent Garanega und stellt dir ruhig die einzelnen Aufgaben der Komponenten
- 39:06schon auf der Zunge Form das ganze nachher zu schmecken. Denn der Garanega sorgt für die
- 39:10Grundstruktur, die leicht floralen Noten und dieses zart und sehr typische Mandelaroma. Wir
- 39:15haben 30 Prozent Bianca Fernanda. Es ist eine lokale Spielart des Cortese, der für die Duftigkeit,
- 39:21die Frisch- und Zitrus-Aromatik zuständig ist. 15 Prozent Trebianello. Wiederum ein Spielart
- 39:26des Tokai Friolano. Texturgebergelbe Frucht, kann man sich denken, wenn man Tokai Friolano kennt.
- 39:3115 Prozent Trebiano Toscano. Für die Säure, die Linealität und die Länge. Klar von Hand gelesen,
- 39:38Kühlvergoren. Interessanterweise, das finde ich ganz spannend. Teilweise spontan vergoren,
- 39:42teilweise mit Reinstochthäfen. Also man spiert eben auch mit diesen verschiedenen Elementen. Edelstahl,
- 39:46Feinhefe, fünf Monate, keine Badonnage, keine Holz, keine Malo, damit das Maximum an Klarheit,
- 39:51Spannung und Herkunft erhalten bleibt. Ich überspringe mal den sensorischen Teil,
- 39:55wer den könnt ihr selber erleben und würde dir lieber diese besondere Art des Amedeo herausarbeiten.
- 40:01Denn das ist auf der einen Seite ein Weimelalltagsfrische, auf der anderen Seite einer mit vinologischer
- 40:07Tiefenschärfe, also ein richtiger Grenzgänger. Denn da, wo viele Weißweine aus Norditalien
- 40:12auf frühzeitige Frucht niedrigen Alkohol und unkompliziertes Trinkenzieren,
- 40:16geht der Amedeo bewusst einen anderen Weg. Selektion statt Menge, Länge statt Lautstärke.
- 40:22Bis heute agiere dieses Weingut nicht als Marktführer. Finde ich ganz wichtig, aber als
- 40:28dillistische Referenz. Wenn man einen richtigen typischen Custoser probieren möchte,
- 40:34Verkostmöchte kennenlernen möchte, gibt es keine Alternative. Andere Produzenten mögen mehr
- 40:39Fläche, eine höhere Exportquote haben. Noch Kavalkinasweine sind die Benchmark. Ich weiß
- 40:45wiederholen mich, aber das ist das Markenzeichen. Oft deutlich langlebiger als das Segment erwarten
- 40:51lässt. Und das hört sich aus, allein im Gamberer Ross, um nur diesen Einführer zu nennen,
- 40:56verzeichnet das Weingut seit über 15 Jahren kontinuierlich Höchstbewertung. Vielen Dank
- 41:01dafür für die Geschichte, für die Innovation, für diesen Wein, für die Beständigkeit.
- 41:06Diesem großartigen Weingut-Kavalkiner und natürlich den deutschen Porteur, dem Handelshaus Segnetz.
- 41:22Siehst du Weine unterschiedlich, wenn du sie für dich beschreibst, wenn du sie dir selber
- 41:29erklärst, als wenn du sie einem Kunden erklärst? Oder ist deine Weinsprache immer gleich?
- 41:34Nee, das unterscheide ich schon. Zumal du auf dem offenen Außchank sind, ist ja nicht unbedingt
- 41:47die Weine, die einen vollends verzaubern. Also natürlich immer schöne Weine, aber auch
- 41:54zugänglichere, einfache Weine. Bei dir in der Bau oder allgemein, wenn du unterwegs bist?
- 41:58Also ich meine jetzt bei mir in der Bau, wenn ich da das dem Gast näher bringen soll.
- 42:04Gut, ich gucke natürlich mal ein bisschen, was deren Wein Know-how ist oder auch deren
- 42:10Weinsprache viel mehr, inwiefern die das gut artikulieren können und dann versuche ich
- 42:17mit wenigen Worten den Wein zu beschreiben. Was ich eigentlich immer total schön finde,
- 42:22wenn man so eine Wein-Auch-Charaktereigenschaften zuordnen kann, weil das natürlich sehr schön
- 42:28spricht und dann ist ja auch oft immer Säure, Gerbstoffen, Thema. Das würde ich dann auch
- 42:38kurz anschneiden. Und wenn du es anschneidest, bist du dann eher kritisch oder bist du wohlwollend,
- 42:45wenn du es im Gast beschreibst? Also oftmals ist es ja so, dass man nicht sauer sagt,
- 42:51sondern man brennt es als frisch zum Beispiel. Manche empfinden es als, okay, dass du immer
- 42:57versuchst den Wein in einem positiven Licht erscheinen zu lassen und versuchst schöne Attribute
- 43:02für ein Wein zu finden und gar nicht so dieses kritische oder dieses Objektive in dem Wein zu
- 43:07machen. Ja, absolut. Das ist ja auch ein Genussmoment. Das ist aber auch ganz schlimm,
- 43:13dass du dieses Wort Säure bei Weinig sagen kannst. Ich meine, jeder Wein hat Tourent viel Säure,
- 43:19auch Graubag und hat dir total viel Säure und deutlich mehr als Wasser. Und ich finde es so schade,
- 43:29dass es so ein Unenwort ist, dass bei Säure besser der Zucker alle zusammen und bloß nicht.
- 43:34Hat sich das aber nicht relativiert in den letzten Jahren? Also ich habe die Erfahrung gemacht,
- 43:39dass Säure sogar gesucht wird und dass man Säure teilweise eben doch recht smart einsetzen kann
- 43:45und dann vielleicht sogar dann ein AHA-Erlebnis mit erschaffen kann, wenn man sagt, okay,
- 43:49der hat vielleicht Säure, aber man sollte vielleicht mal auf die Säure achten. Man sollte
- 43:52vielleicht gucken, ist das Gerbsäure, ist das Apfelsäure, ist das Weinsäure und allein auf
- 43:56seinen Mund zu achten. Wenn ich den Wein trinke, mache ich einen Knutschmund oder mache ich
- 43:59einen Grinsenmund, kann ich ja schon selber erkennen, ob ich jetzt Apfelsäure oder Weinsäure habe und
- 44:04allein diese kleinen Gimmicks machen die Leute neugierig und lassen sie Säure durch die Beobachtung,
- 44:11die das bewusste wahrnehmen, noch mal anders empfinden. Das stimmt absolut. Sag mal so,
- 44:20unter Weinliebhabern ist es ja auch kein Geheimnis, dass es Säure gibt und das ja
- 44:25durchaus auch was Schönes ist. Also man denke an die große deutsche weißere Absurde, aber dennoch
- 44:33finde ich so bei den Gästen, die noch nicht so im Weintema ist, da ist, finde ich, hast du das
- 44:40schon noch so, dass Säuren Schimpf fort ist? Und das umgehe ich dann auch. Das würde ich zum
- 44:47Beispiel auch nie in eine Weinbeschreibung schreiben. Bei Rieseling kann man es natürlich machen. Da
- 44:54wissen die Leute irgendwie, okay, da ist Säure drin. Aber ich finde das dann auch schöner,
- 44:58wenn du schreibst irgendwie ein schöner Säure-Nerv oder der Wein hat Zug, das kann das ja auch
- 45:04beinhalten und gut klar frische oder ist zitrisch. Also da würde ich das doch eigentlich immer umschreiben
- 45:13wollen. Und eine reife Säure geht natürlich auch. Und ich finde, das ist ja auch, wenn Säure gut
- 45:26eingebunden ist und da auch ein bisschen Fleisch und Extrakt bei den Weinen ist, dann das ist ja
- 45:34traumhaft. Ich meine, letztendlich haben alle großen Rebsorten viel Säure. Also ich meine auch
- 45:40bei den ganzen großen Roten, ich weiß nicht ob du jetzt Sanjuvisel nimmst oder Cabernet. Das sind
- 45:46Säure, lastige Weine. Ja, das ist aber, denke ich mir, da sind wir noch ein bisschen von entfernt,
- 45:52dass wir da das wirklich gut im Wein positioniert haben. Dann hattest du, um zu dem Thema Weinbad
- 46:00zurückzukommen? Ja, da finde ich das Objekt. Du wusstest, ich möchte ganz gerne natürliche
- 46:05Weine in irgendeiner Form pflegen. Vielleicht oder sehr wahrscheinlich Frankreich, Bier. Später
- 46:12kam vielleicht Deutschland hinzu. Wie ging es dann weiter? Weil du warst ja dann auch recht stark in
- 46:17Sachen Weinproben. War das schon für dich von vornherein Thema, dass du über Wein berichten
- 46:21möchtest, dass du Wein vermitteln möchtest? Ist dir diese Kommunikation in die Wiege gelegt
- 46:26oder musstest du dir selber irgendwie anlernen, über Wein zu reden, dass sie vermitteln,
- 46:31das überhaupt interessant zu machen? Ich glaube, über 300 Weinproben hast du mittlerweile schon
- 46:34gemacht. Ja, das ist Wahnsinn. Nee, ich habe das Revue passieren lassen zum siebenjährigen
- 46:41Jubiläum jetzt im Mai und da war ich auch total überrascht und natürlich auch total erfreut,
- 46:47dass das derart angenommen wird und so Interesse besteht. Nee, noch mal zur Weinauswahl. Ich
- 46:55habe San Giovese ja schon mal fallen lassen gerade eben. Das ist halt eine Rebsorte, die ich unglaublich
- 47:01gerne mag und dann dachte ich mir, wenn du nur Deutschland und Frankreich machst, dann ist
- 47:05wohl nix mit San Giovese und zum anderen hatte ich ja auch an der Weinakademie studiert. Also das
- 47:13fand in Zusammenarbeit mit Geisenheim statt, mit der Uni Geisenheim. Aber wir waren natürlich auch
- 47:19viel in Russ und dann hat man ja auch schon eine Verbundenheit, also eine enge, vino-lorische
- 47:25Verbundenheit zu Österreich. Dann fand ich das auch ein bisschen schade, dann auch keine österreichischen
- 47:29Weine zu haben und so kam das dann natürlich auch, dass ich mir gedacht habe, okay, dann nimmst du
- 47:34halt noch ich hier und da was auf und ich war natürlich auch große Weinländer wie Portugal
- 47:40und Griechenland, die immer so ein bisschen unter so einem Radar sind, aber auch so Exoten wie
- 47:44Georgien, hatte ich einfach auch Lust und Freude daran, das zu präsentieren und das tue ich natürlich
- 47:53auch extrem in den Weinproben. Das ist ja eine ganz fantastische Spiegelwiese, weil ich da eigentlich
- 48:03alles mache, wozu ich Lust und Blau habe. Also irgendein Thema, was mir im Herzen liegt, zum Beispiel
- 48:12jetzt nicht mal die Kurt Chalonese machen, die geht ja auch immer ein bisschen unter. Man denkt ja
- 48:16immer nur an das große Burgund, an die Kurt Dorch, aber halt auch durchaus solche Anbaugebiete,
- 48:22was wie Württemberg, das mal vorzustellen. Dann habe ich auch Zypern gemacht, was oder Armenien,
- 48:29also ganz verrückte Gegenden und gut, der natürlich auch solche schöne Vergleiche, wie
- 48:39was ja die deutschen Spitzensekte gegen Champagner oder bei Champagner auch, was ja David gegen
- 48:43Goliath, da ist auch immer ein großes Interesse. Wie sind dann die großen Marken gegen die kleinen
- 48:48Winzerhäuser? Und am meisten gewagt habe ich mich eigentlich bei dem Thema die Sehrepublik
- 48:59Venedig, weil da finde ich musste erstmal Leute hinzulocken, zu so einer Weinprobe zu kommen,
- 49:06aber die Sehrepublik, das war ja eine der größten Mächsten neben dem Papst und dem deutschen
- 49:12Kaiser, so im 10., 11., 12. Jahrhundert und den gehört ja im Prinzip die ganze Küste gegen der
- 49:19Adria, also Korfu, Kreta waren 400 lang, gehörte das zur Venedig und die hatten sogar Niederlassung
- 49:27bis rauf ins Schwarze Meer und dann habe ich halt einfach eine Weinprobe gemacht mit diesen
- 49:32verschiedenen Ecken dieses wahnsinnigen Reis. Wie kommst du auf die Idee? Suchst du nur die
- 49:37Anderdocs oder versuchst du dort auch zu mischen oder ist das je nach Interesse, was kommt
- 49:45da gut an, was weniger gut oder wie stellt sich dein Programm zusammen und wie umfangreich ist
- 49:50dein Programm? Also da muss ich ja sagen, ich habe mir das WCT Diploma gemacht und da reist und
- 50:00studierst du ja auch mal durch die ganze Welt. Insofern kennt man natürlich alle wesentlichen
- 50:07Weingegenen jetzt natürlich nicht absolutes Detail, aber ich meine auch sowas wie Libadon
- 50:13oder Bulgarien steht da ja auch im Studienplan. Insofern habe ich da natürlich einen sehr großen
- 50:20Überblick. Nee, es ist schon immer so was, was mich reizt oder gerade anspricht, was ich noch
- 50:28mal vertiefen möchte. Klar, dann habe ich halt auch ein Gefühl, was auf Interesse stoßen kann,
- 50:35was sich halt besser oder konkreter auch anhört. Ich habe auch so einführende Proben, wie man
- 50:44halt Wein richtig verkostet und kleine Rebsortenkunde, aber das war zum Beispiel auch so eine Sache,
- 50:49die mich ein bisschen störte. Weißt du, wenn du halt so Weinproben einteilst, das ist so ein
- 50:55Anfänger und Fortgeschrittener, ich finde nämlich, dass das ein falscher Ansatz ist, was ich, wie du
- 51:02das siehst, weil ich finde, also jemand, der gerne Wein trinkt und zu einer Weinprobe kommen,
- 51:08der macht dir schon alles richtig und es gibt ja viele vermeintliche Weinkänner, die dir dann
- 51:15doch gar nicht so viel Weinwissen haben, die sich vielleicht mit dieser oder jener Rebsort oder
- 51:20Anbaugebiet auskennen, aber dann doch nicht so ein profites Wissen haben und andere, die gerne
- 51:26Wein trinken, die sind teilweise viel treffsicherer mit ihren Weinschreibungen und Einschätzungen,
- 51:31als die, die sich für die großen Weinkenner halten. Insofern habe ich das eben nicht gemacht,
- 51:39aber aufgrund des Themas ist es natürlich immer sichtlich, was sich für Leute mir empfiehlt,
- 51:47die halt noch so reinschnuppern oder weißt du, wenn du jetzt ein einzelnes Dorf nimmst,
- 51:51wie Wohner Romanie, wo die Proben natürlich danach kostspieliger sind, das macht ja nicht
- 51:56jemand, der sich als so ein Anführungsstrichen Weinanfänger einschätzt. Und bei den Weinproben
- 52:03selber sind das für dich Events, wo du sagst, die kalkuliere ich ganz normal durch oder sind es
- 52:12für dich Verkaufselemente, wo du einfach zu vermitteln versuchst, wenn ihr den Wein hier
- 52:17probiert, ich gebe euch das Wissen mit, dann könnt ihr da 6 oder 12 Flaschen mitnehmen oder wie
- 52:22gehst du rein vom wirtschaftlichen an so eine Geschichte ran? Ist das eher oder weniger eine
- 52:29subventionierte Geschichte oder was, was du richtig knallhart durchkalkulierst, also knallhart klingt
- 52:35mal negativ, aber was du recht objektiv durchkalkulierst und sagst, das kostet das und das was
- 52:43kostet? Nein, das ist bei mir natürlich ganz anders als wenn das ein Weinhündler macht. Ich
- 52:48habe ja nicht ein volles Lager, wo ich nach Weine danach verkaufe, also das ist eindeutig keine
- 52:53Verkaufsveranstaltung. Bei mir steht halt ganz klar die, also ich würde auch durchaus sagen die
- 53:01Wissensvermittlung im Vordergrund. Mir ist das total wichtig, dass die Leute ihre AHA-Erlebnisse
- 53:06haben und auch was mitnehmen und dass sie natürlich auch sehr, sehr schöne und gut ich
- 53:16sage mal außergekräftige Weine verkosten, also weißt du, dass du dieses AHA-Erlebnisse nicht
- 53:21nur durch den Inhalt hast, sondern natürlich auch über den Wein und das ist auch klasse, weil die
- 53:28Leute haben dann auch einen tollen Austausch, was am Ende diskutieren, die alle miteinander und
- 53:35sprechen halt auch ihre Weinerfahrung oder Weinreisen und Restauranterfahrung. Das ist
- 53:42wirklich toll, was da entsteht. Kalkulierst du dich da auch mit ein? Oder nimmst du rein die
- 53:47Weine und versuchst die nach Barpreis dann irgendwie hoch zu kalkulieren, zu sagen mal drei
- 53:52Stunden oder wie auch immer? Weil oftmals ist man ja auch ungerecht sich selber gegenüber und sagt
- 53:57okay, aber ich verbringe damit ja auch sieben, acht, neun Stunden und was verdienen Kfz-Meister
- 54:03in NRW 75 Euro die Stunde? Das müsste ich dann auch mit ein Rechnen umlegen und oder vergisst du
- 54:09dich da oftmals? Ja, das wäre dann richtig sportlich, wenn ich so was mit einrechnen. Ne, ich habe, sagen
- 54:16wir so, dass diese ganzen Weinproben aufzuhilfern, das war schon extrem arbeitsintensiv. Jetzt habe
- 54:22ich natürlich, also weißt du wo ich wahrscheinlich eine Stunde und fünf Euro hatte. Jetzt ist es
- 54:27natürlich so, dass ich eine gewisse Erfahrung habe und natürlich auch einen gewissen Fundus an
- 54:34ein Weingutsbeschreibung oder auch an Beschreibung von Anbaugebieten, dass ich da jetzt natürlich
- 54:39viel weniger Arbeitsaufwand habe. Aber so richtig denke ich mir, kalkuliert man sich ja immer nicht
- 54:49mit rein. Ist das dann in der Mischkalkulation dann trotzdem okay? Also wo man sagt, dann dadurch
- 54:55generiere ich letztlich Stammgäste und es ist auf eine gewisse Weise auch ein Marketing-Tool und
- 55:01somit kalkuliere ich es dann irgendwie quer oder ist es eine unfaire Geschichte dir gegenüber? Nur
- 55:06weil du halt einen Eventcharakter als Standbein nutzen möchtest? Also nee, überhaupt gar nicht.
- 55:12Also ich würde sogar sagen, das ist eher umgekehrt. Das ist eher die Bar, die mir Teilnehmer für die
- 55:17Weinproben generiert. Also das ist schon ganz klar auch erträglich die Weinproben und das funktioniert
- 55:32auch fantastisch. Also letztendlich befruchtet sich das gegenseitig. Wobei ich habe natürlich Leute,
- 55:38die wirklich immer nur zu den Weinproben kommen und natürlich welche, die halt super regelmäßig
- 55:43zur Bar kommen, aber praktisch nicht das Weinprobenangebot annehmen. Ich habe es ja auch immer so schön
- 55:52bei mir beschreiben. Also Bar rix, also Bar, Laden, Schule, also diese Schule oder diese
- 56:00Weinseminare sind halt ganz klar ein eigenes Standbein. Ist das nur Wein bei dir? Also hast du
- 56:06eine Weinseminare oder gibt es da irgendetwas anderes, wo du eine ähnliche Leidenschaft lebst?
- 56:11Ist es ähnlich interessant, spannend finde, ähnlich vielschichtig findest oder kann nur Wein was
- 56:16weihen kann? Also witzigerweise, ich habe jetzt am Mittwoch eine Probe, ihr prügeln das Vergnügen,
- 56:23weil es vom Petten hat bis zum Champagner und da nehme ich diesmal jetzt ein Ziedre mit rein,
- 56:28weil da gibt es ja halt auch hervorragende, weil sie zweite Flaschen gehören, das finde ich auch
- 56:32total großartig. Doch ich hatte auch mal Ziedre im offenen Ausschank, aber ansonsten ist es bei mir
- 56:38tatsächlich nur Wein, das ist auch, ja gut, ich habe dann, ich habe dann auch manchmal da so
- 56:46eine Krapa oder Armanjagd stehen, weil viele Leute doch nach dem Essen dann auch zu mir kommen
- 56:51und der eine oder andere fragt dann schon mal was, aber dadurch, dass die Bar wirklich winzig ist,
- 56:57ich kann einfach nicht weißte noch irgendwelche Bio oder sonst was Gläser und auch diese Getränke
- 57:04dann bereit halten und Wein ist mir auch mit Abstand am liebsten. Ziedre ist ein wahnsinnig
- 57:09spannendes Thema, ich finde es total interessant, dass es eigentlich kaum gelebt wird, dass es auch
- 57:14kaum in dem Aufwand irgendwie umgelegt wird, also dass man sagt, okay, von Ziedre akzeptiert
- 57:22der Konsument wirklich 20, 30, 40 Euro, obwohl vielleicht ist die Arbeit im Wein beziehungsweise
- 57:28dann in der Obstplantage nicht ganz, ganz so aufwendig wie im Weingarten, aber das Handling,
- 57:35das Treatment ist im Nachhinein ja nicht minder aufwendig und nicht wenige Ziedre müssen dann
- 57:41einfach auch einen zweistelligen Betrag aufrufen, aber wenige Kunden akzeptieren, also obwohl das
- 57:47manchmal total spannend ist, was dabei rauskommt oder was eher gerade, also hier in Frankreich,
- 57:52ich zähle dich da einfach jetzt gleicherweise mal mit zu, in der Normandie in der Britannien teilweise
- 57:56auf die Flasche ziehen ist ja großartig. Ja, ja, total, ich finde das auch fantastisch.
- 58:03Ja, das denke ich mir liegt auch ein bisschen da dran, dass es ja ein altes Getränk ist, aber in
- 58:10der Qualität sicherlich neu, das müsste man halt auch so sukzessiv einführen. Ganz anderes Thema
- 58:21wäre da zum Beispiel auch Sake, das ist ja auch ein hervorragendes Getränk, die denke ich mir
- 58:26sind ein bisschen weiter, aber ich denke mir, das muss dann einfach präsenter werden, also durch ein
- 58:34paar Sintische Gastronomie und doch handeln, damit das auch so ins Bewusstsein kommt, dass man eben
- 58:40auch aus Äpfeln ganz großes kältern kann. Hast du da selber ein Bewusstsein für einen vernünftigen
- 58:48Preis, dass du sagst, ein guter Zitre sollte mindestens so und so viel kosten und maximal, ich würde
- 58:54selber niemals mehr als XY ausgeben? Also das ist ja auch ein Problem, ich mein Zitre ist ja
- 59:04auch total billig, also ich glaube das Frankreich kriegst, das ist ja schon nicht für 3 Euro im
- 59:08Supermarkt und das ist auch immer so das bisschen Image vom Zitre und irgendwie als Urlaubs getränkt
- 59:17in der Botanie und in Normandie. Also ich sage mal so, ich sehe das ja auch in Deutschland,
- 59:25da gibt es ja auch so ein paar Weinhindler, die auch Zitre am Gebot haben für so mit 20er.
- 59:31Ich finde auf jeden Fall, dass es das Wert ist, aber weißt du, wenn ich mir das überlege,
- 59:39ich würde das offen ausschenken, also ich finde Zitre, das geht bei mir auch, wenn es halt so richtig
- 59:46heiß ist, weil die Leute dann doch ein bisschen diesen Erfrischungsaspekt haben, aber wenn ich
- 59:55jetzt eine Flasche Zitre auf der Karte hätte, ich weiß nicht, für 48 Euro, das halte ich dann
- 1:00:02doch für schwer, schwer verkäuflich. Okay, weil der Weinhard es nicht hergibt, weil die Leute
- 1:00:09die Akzeptanz nicht haben oder? Ja, weil sie es nicht genug kennen und auch in dieser Hochwertigkeit
- 1:00:14noch nicht kennen. Ist es da nicht aber so ein bisschen wie mit dem Rose, wo man immer das Gefühl
- 1:00:18hatte, Terrasse und dann Eiswürfel, vielleicht noch irgendwie eine Erdbeere rein und lecker und
- 1:00:24dann für 5 Euro das ganze pro Flasche laufen lassen und so nach und nach eigentlich ersten
- 1:00:31Rosebewusstsein aufkommt. Man erkennt, es kann ja ganz eigenklasse sein, hätte da Apfel oder
- 1:00:38Birnwein ein eigenliches Potential für oder ist es da dann doch nicht so weit her mit der Potenz,
- 1:00:45mit der Qualität, mit der Kraft, mit der Entwicklungsfähigkeit? Doch mit der Qualität auf jeden
- 1:00:53Fall. Ich überleg gerade, Roseh schmeckt eindeutig noch sehr wie ein Wein. Du bist ja aromatisch dann
- 1:01:04auch in einer anderen Welt. Weißt du, vielleicht lässt sich das dann leichter ja wirklich im
- 1:01:14Sommer als operativ platzieren. Aber siehst du, ich habe das mal gehabt, aber ich habe es jetzt auch
- 1:01:19lange nicht mehr gemacht, aber jetzt kommen ja die heißen Tage. Sollte ich vielleicht einfach noch
- 1:01:24mal probieren und gucken, wie das da ist. Es ist ja der Schöne, dass sich ja, es entwickelt sich ja
- 1:01:29auch immer und es gibt ja auch immer Moden und Trends. Man sich einer sagt auch, dass die Qualität
- 1:01:36eines Getränkes allgemein pauschal gesprochen an seiner reife Fähigkeit erkennbar ist, also wie
- 1:01:44lange so etwas lagerbar ist, was man auch ein Zeit lang beim Bier gemessen hat, wo man gesagt hat,
- 1:01:50okay, wenn ich die Art von Handcrafted Beer habe, dann sollte das mindestens und dann wird es
- 1:01:55richtig spannend oder beim Weinen natürlich ja ohnehin. Bei Brandweinen, bei Spiritosen ist es ja
- 1:02:01nicht selten auch so, dass man sagt, so und so lange sollte der reifen können und immer noch sich in
- 1:02:07der gewissen Weise entwickeln. Wie ist das bei Zitre? Hat der eine Reife Fähigkeit? Hast du mal was
- 1:02:13Altes probiert, was vielleicht irgendwie 5 oder 10 oder 15 Jahre alt ist? Nein, habe ich es noch nicht.
- 1:02:18Ich habe noch keinen gereiften Zitre getrunken. Das wird mich jetzt gerade, wo wir darüber reden,
- 1:02:25halt wahnsinnig interessieren. Ja, ja, nicht total. Also, ich meine, es gibt natürlich,
- 1:02:32also, die sind ja in der Regel so, dass sie auch Jahrgangs Zitre, die machen. Ich meine,
- 1:02:36das hat Gerbscha, das hat Kohlensäure, ich meine, das müsste eigentlich ohne weiteres reifen können.
- 1:02:42Ja, ja, ja. Können wir ja mal probieren. Was hat der gedacht? Ja. Machen wir uns mal auf die Suche.
- 1:02:48Das ist, glaube ich, ein sehr, sehr spannendes Thema und ich glaube dann auch, wenn die eine
- 1:02:52gewisse Reife haben, wenn die vielleicht gerne mal 20 Jahre auf dem Buckel haben, das gut wegstecken
- 1:02:57können, dann haben die etwas, weil dann wahrscheinlich die die Primäraromatik, die ihnen an Zitre
- 1:03:03erinnern lässt, verloren geht und das sind eine entweder Sekundär- oder Tärzearomatik, dann
- 1:03:08mündet, endet, die dann wiederum recht spannend ist. Ich hatte das mal mit einem Kürschlikörwein,
- 1:03:14den ich geschenkt bekommen habe, der, wir haben es versucht, das ist statt kein Jahrgang drauf,
- 1:03:20nachzurechnen und der war, glaube ich, dann 15 Jahre alt oder sogar 20 Jahre alt. Den hat
- 1:03:29der liebe Freundin Bekannte mir aus Berlin von Billy Wagner mitgebracht und ich habe es dann im
- 1:03:35Kühlschrank gelassen und im Chambräer gelassen und dann irgendwie, irgendwann haben wir ihn aufgemacht
- 1:03:40und probiert und waren begeistert, dass es dann geworden ist. Also richtig, richtig interessant.
- 1:03:47Da entstand dann bei mir auch der Wunsch, irgendwie auch Fruchtweine mal gereift zu probieren,
- 1:03:54von, es gibt ja teilweise großartige Produzenten, die sehr hochklassige Sachen, dann produzieren
- 1:03:59nach oben und unten, jetzt beim, beim Zitre, da hatte ich es ja versucht zu entlocken, aber
- 1:04:05beim Wein gibt es dafür die Grenzen, wo du sagst, Wein sollte mindestens das kosten für mich
- 1:04:12und dürfte eigentlich auch für die Bar, ich will keinen Wein für mit fünf Nullen hinter dem,
- 1:04:19hinter der ersten Zahl bei mir auf der Karte haben.
- 1:04:22Nee, also sagen wir so, ich hatte schon Lust auch 100 Punkte Wein zu haben, also Ponte Canet 2 10,
- 1:04:33den habe ich tatsächlich auf der Karte, aber ansonsten, ja ich sage mal so in meiner Bar ist
- 1:04:43das jetzt nicht so, dass die Leute kommen und dann, was sie sich, eine 1000 Euro Flasche erwarten,
- 1:04:52das wäre auch nicht ganz so das Publikum, was mir Spaß machen würde, glaube ich.
- 1:05:01Und meinst du mit den Preisen auch für mich privat?
- 1:05:03Genau, wenn du Wein kaufst, also gar nicht so dieses Bartechnische, sondern selber
- 1:05:08rein aus diesem emotionalen, mentalen, wenn du selber ausgehst, wenn du selber Wein kaufst,
- 1:05:14wo du sagst, ich würde mir niemals allein aus ethischen Gründen, aus Naturschutz, warum auch immer,
- 1:05:19eine Flasche unter 150 Euro kaufen und niemals über 28.000 Euro, weil dein Kopf nicht mehr auf ist
- 1:05:29dafür. Ja, nee, so mehrere Tausende nicht unbedingt. Also ich muss ja sagen, dadurch,
- 1:05:34dass man in der Weinbranche auch arbeitet seit einer längeren Zeit, man verliert ja total
- 1:05:40dieses Preisgefüge, weil ich sage mal so, wenn du halt einen schönen Burgunder kaufen willst,
- 1:05:47ja gut, den musst du halt auch zahlen. Und ich sage mal, wenn du Petrischzahlen geträngen wirst,
- 1:05:50dann musst du mindestens, oder kaufen wirst, mindestens, der kostet halt 4000 Euro Punkt.
- 1:05:55Also so einfach sehe ich das Ganze. Nee, jetzt ist es natürlich schon so, wenn du halt schöne
- 1:06:03Sachen auf der Karte siehst, dass man dann, wie gesagt, du weißt, diese Sachen haben halt ihren
- 1:06:12Preis und du bist ja dann auch irgendwie bereit, das zu zahlen, wenn du halt unbedingt jetzt in
- 1:06:17diesem Moment diese Flasche Wein trinken möchtest, wobei ich natürlich sagen muss, dass ich in meinem
- 1:06:26Alltag sind wir da immer, also ich würde sogar sagen, deutlich unter 100 Euro. Also da brauch ich
- 1:06:35jetzt nicht unbedingt die großen Namen und was ich auch toll finde, du hast dir heutzutage so eine
- 1:06:39irrsinnig hohe Weinqualität, also weißt du, es gibt ja auch meine für 15 Euro, total viel Spaß
- 1:06:44machen. Für mich ist es auch so, wenn ich jetzt so einen ganz besonderen Wein trinke, da brauche ich
- 1:06:53auch eine entsprechende Atmosphäre und auch, ja, ich finde auch irgendwie so eine Konzentration oder
- 1:07:00Zeit und Aufmerksamkeit, die man den Wein schenken kann. Weißt du, wenn das jetzt irgendwie,
- 1:07:07oder zum Beispiel, wenn es 30 Grad warm ist und ich irgendwie lustig mit Freunden zusammensitze,
- 1:07:14dann bin ich viel mehr auf dem Easy Drinking eingestellt, als jetzt dann ganz groß im Wein
- 1:07:21aufzumachen. Also das ist natürlich auch situationsabhängig.
- 1:07:38Auch wenn du der Meinung bist, dass Riesling unbedingt Deutsch sprechen muss und mir vielleicht
- 1:07:44nicht zustimmen möchtest, dass auch großartige Rieslinge aus dem englischsprachigen Raum
- 1:07:49stammen können, wirst du mir definitiv beiflichten, dass man mindestens einmal im Leben einen Riesling
- 1:07:54aus dem Claire Valley in Australien probiert haben muss. Einfach um die Rebsorte zu verstehen,
- 1:07:58um dessen ganz eigene Spielart dessen Interpretation zu greifen und nicht zuletzt um Jeffrey Grussett
- 1:08:05kennenzulernen. Denn wer Claire Valley verstehen möchte, wer Rieslinge aus der neuen Welt
- 1:08:10verstehen möchte, muss Jeffrey Grussett kennen. Nicht weil sein Name in allen australischen
- 1:08:15Weinführern irgendwo auftaucht, sondern weil er die Region und den Riesling mitgeformt hat,
- 1:08:20wie kaum ein anderer. Was für ein Leben, was für ein prägendes Leben, also wohl für eine
- 1:08:24Rebsorte, für eine Region, eigentlich für die gesamte Weinwelt. Wusstest du, dass die Geschichte
- 1:08:30eigentlich gar nicht so alt ist? 1981, mein, das sind 45 Jahre. Echt? Nur 45 Jahre? Na,
- 1:08:38jedenfalls 1981 begann er mit nichts anderem als ein gebrauchten Tank und eine alten Nichtstation
- 1:08:45in Auburn. Riesling war zwar vorhanden, aber eine absolute Nischenkategorie. Claire Valley,
- 1:08:52kaum international irgendwie verortet. Doch Jeffrey Grussett hat eine andere Vorstellung,
- 1:08:58dass aus diesem kallhaltigen Hochland Rieslinge entstehen können, die mit den großen Weißweinen
- 1:09:04der Welt konkurrieren können. Trocken, präzise, Herkunftstreu. Er hat es geschafft. Grosses Philosophie
- 1:09:12war von Anfang an radikal. Statt technologischen Tricks setzte er auf wie die kulturelle Stränge.
- 1:09:18Handlese, niedrige Erträge, konsequente Selektion. Und sag jetzt bitte nicht, na und? Macht doch jeder,
- 1:09:24wir reden von 1981, wir reden nicht von 2020. Darüber hinaus, statt den damals üblichen
- 1:09:30Verschnitt mit süßen Moss zur Restzuckeranhebung, verfolgt er eine stylistische Linie Trockenheit,
- 1:09:35inspiriert von deutschen und österreichischen Vorbildern, aber mit dem Selbstverständnis eines
- 1:09:40Australias. Selbstständig unerschrocken modern. Und wenn das kein Visionär ist. Okay, haken dran,
- 1:09:47ich glaube ihr stimmt mir zu, großartig. Der zweite revolutionäre Schritt war die öffentliche,
- 1:09:52kompromisslose Einführung des Schraubverschlusses. Selbst für Premiumweine, 1981 undenkbar. Was heute
- 1:10:02selbstverständlich wirkt, war in den 90er Jahren ein Risiko, nicht nur für das Image, sondern
- 1:10:07auch für den Export. Und heute ist das Glärwellen synonym für korgfreie Weißweine, ein Status,
- 1:10:12der ohne Grosset nicht denkbar wäre. Ich glaube, sein entscheidender Beitrag liegt in der
- 1:10:17Definition von Einzellagen. Mit Springvale und Paula Schill brachte er als erste australischer
- 1:10:24Winzer den Begriff der Lagentypizität in Rieslingbelange. Und dies nicht als Dealmittel,
- 1:10:29sondern als geologisches und klimatisches Argument. Und seit 2010 arbeitet Grosset komplett
- 1:10:35biodynamisch mit Demeterzertifizierung und allem drum und dran. Die Motivation, ich glaube,
- 1:10:39es braucht ihr nicht erzählen, ist hierbei nicht Marketing orientiert, sondern das tiefe Verständnis
- 1:10:44von ökologischer Balance und ein Ausdruck seines Grundsatzes. Herkunft muss schmeckbar sein,
- 1:10:50nicht nur etikettierbar. Starker Satz? Hab ich so noch gar nicht gehört, aber ja, stimmt.
- 1:10:56Lass mich einfach einen rauspecken und dir was von dem Springvale-Vignat in Watervale erzählen.
- 1:11:01Auf 460 Meter Seehöhe am südlichen Rand von Watervale ist dies definitiv eines der klimatisch
- 1:11:08begünstigsten Subregionen des Klärwelli. Die Bodenstruktur, das Herzstück. Rote Terra Rossa durchzogen
- 1:11:16von keigigen Grundgestein. Diese Bodenkonfinations bekannt für Weine mit präziser Säure, Reiferfrucht
- 1:11:21und mineralischem Unterbau. Und dem Riesling nutzt das unglaublich komplexe Arom und für ihn
- 1:11:28halt so wichtig, eine Säurestabilität aufzubauen. Wie schmeckt sowas? Also klar bitte ich dich,
- 1:11:34den selber zu entdecken. Man muss diesen Riesling einmal probiert haben, aber allein schon von der
- 1:11:39Beschreibung eine extreme Klarheit, Straffesäure. Man spürt richtig die Spannung in dem Wein,
- 1:11:45die Aromen wirken messerscharf. Limette, grüne Mango, so ein bisschen dieser typische Granny Smith
- 1:11:50und dann kommt dieser weiße Tee und fast eine kreidige Aromatik, so als wird man an dieser
- 1:11:55Tafelkreide riechen. Geschmacklich, mineralig, linear, ohne Breite aber mit Tiefgang. Und dann kommt
- 1:12:02eine ganz leichte Cremigkeit. Entstanden durch den sehr langen Hefekontakt, aber ohne Batonage.
- 1:12:09Die Fakten, 12,9 Volumenprozent, 12,9 für Australien. Jetzt wird einem klar, was genau dieses
- 1:12:15Klärwelle ist. Der pH wird mit 2,9 analytisch niedrig, 7 Gramm Säure, wodurch du dir vorstellen kannst,
- 1:12:22dass dieser Riesling spiel in 15 Jahre reifen kann und was teilweise Verkostungen von 20 Jahre
- 1:12:27alte Riesling mehr als bewiesen haben. Und letztlich findest du im Glas einen Riesling,
- 1:12:31der weder kart noch reich ist, kristallinpräzise, pulsierend, mit zurückhaltender Frucht,
- 1:12:38mit einer energetischen Säurestruktur und da merkst du eigentlich schon,
- 1:12:42dass es eine Art von Riesling ist, die man nicht in Worte kleiden kann. Man muss es
- 1:12:44probieren. Viel Freude damit. Danke Jeffrey Grossel für dieses Lebenswerk und ein großes
- 1:12:50Dankeschön dem deutschen Importeur, dem Handelshaus Segnetz. Warum gibt es eigentlich noch Weinkarten,
- 1:12:55wo Grossel nicht draufsteht. Ich verstehe es nicht.
- 1:13:02Was ist die Atmosphäre für dich, die du dann brauchst, um einen großen Wein zu trinken?
- 1:13:12Ist das temperaturmäßig, luftfeuchtigkeitmäßig, lichtmäßig geprägt, oder woran machst du
- 1:13:18das fest?
- 1:13:19Also für mich...
- 1:13:20Sollst du das jetzt trinken bei dem Petrös für 4.000 Euro und jetzt braucht das Setting
- 1:13:24dafür?
- 1:13:25Genau.
- 1:13:26Den Petrös, den ich nicht habe.
- 1:13:27Nee, also auf jeden Fall ein gutes Essen und ich finde das sogar fast netter, wenn man
- 1:13:36das dann auch selber kocht, aber im Restaurant ginge dann auch, aber dass man das auch wirklich
- 1:13:45auch zelebriert und wirklich auch aufmerksam genießt.
- 1:13:51Also das ist für mich schon wichtig, dass man den Wein dann halt auch immer Raum und
- 1:14:00Zeit einräumt.
- 1:14:03Also das Setting selber und das Essen wäre für dich dann in dem Augenblick wichtiger
- 1:14:07als die Umgebung, in der du das Ganze verköstigst?
- 1:14:10Ja.
- 1:14:11Wobei es...
- 1:14:12Es ist ja kein Anspruch an irgendwie Helligkeit oder an Musik oder...
- 1:14:20Nee, was mir aufgefallen ist, also so schön das ist im Sommer, ich z.B.
- 1:14:27auf so einer draußen Essen ist für mich nicht so das große Vergnügen, wenn wir, wir sprechen
- 1:14:32jetzt mal von den besonderen Essen.
- 1:14:34Ja, finde ich auch nicht.
- 1:14:36Also man nimmt ja auch nur 60% jetzt bei Wein, 60% des Weines war, wenn du außen Wein probierst
- 1:14:42oder eine Weinprobe draußen hast und beim Essen ist es teilweise sogar noch krasser,
- 1:14:47dass du noch weniger von dem Essen selber wahrnimmst, wenn du draußen sitzt.
- 1:14:50Also das ist ja doch...
- 1:14:52Das ist zum einen der Umgebung, also der Vielzahl an mehr Gerüchen, die du hast, der Wandelgerüchen
- 1:15:00durch die Luftströmung, die du hast, das sind die vielen Eindrücke, die sich ständig
- 1:15:04verändern im Außenbereich, mehr verändern als drin, wenn du draußen sitzt, wo du visuell
- 1:15:12viel stärker abgelenkt bist und so weiter, es sind ganz, ganz viele Faktoren, die halt
- 1:15:16gravierend unterschiedlich sind, eben auch diese Neuausrichtung, Neueinordung auf die
- 1:15:20verschiedenen Situationen, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, die eine andere draußen ist als im Raum und
- 1:15:25dadurch kann man Wein eigentlich niemals im Außenbereich wirklich objektiv beurteilen,
- 1:15:29das ist immer nur Gefühl trinken, also wenn du jetzt mit, mit Wintern im Weinberg bist
- 1:15:32und trinkst eine Flasche Wein dort oder probierst eine Flasche Wein, weil du die unbedingt dort
- 1:15:36im Weinberg probieren möchtest, kannst du es eigentlich niemals objektiv beurteilen,
- 1:15:40solltest dich dann einen geschlossenen Raum bewegen und begeben und den Wein dann richtig
- 1:15:48analysierend in dem Sinn, also wenn es rein ums Analysieren geht, aber 30 Prozent sind
- 1:15:53ja oftmals Gefühl, was man beim Wein mittrinkt.
- 1:15:55Ja, total, aber ich meine klar, du hast natürlich die klassischen und sehr neutralen Bedingungen
- 1:16:01für, für, für Weinanalysen, aber das mit dem Essers ist mir aufgefallen, so schön
- 1:16:07das ist draußen, ich kann das dann nicht wirklich genießen, also etwas jetzt für so ein, für
- 1:16:13ein normales, schönes Essen ja alles okay ist und es ist ja auch wunderschön draußen
- 1:16:17auf der Terrasse zu sitzen, aber es geht was, es geht wirklich was verloren, also ich finde
- 1:16:23du kannst dich halt besser konzentrieren, wenn halt in Räumlichkeiten, das ist halt irgendwie
- 1:16:26so fokussierter.
- 1:16:27Total, aber nochmal von den Werten her, also was ist für dich ein Mindestpreis, was
- 1:16:35ein Wein kosten sollte, wo du sagst, dank, unter dem Gesichtspunkten kann er natürlich,
- 1:16:40kann er biologisch, biodynamisch produziert werden und haben alle was davon, also der
- 1:16:45mit die Flasche liefert, der die Flasche produziert und der das Marketing für die
- 1:16:50Flasche macht.
- 1:16:51Ja, ich finde schon, das geht ja 15 Euro los.
- 1:16:54Okay.
- 1:16:55Heutzutage, dass man da was kriegen kann, ich meine klar, das ist jetzt alles hochgerutscht,
- 1:17:03sehr preislich, aber ich finde da fängt das an und so ab 20, 30 Euro finde ich, hast
- 1:17:11dir dann auch schon richtig Spaß, weil wenn das kleine Appellationen sind, die weltweit
- 1:17:18ja nicht so gefragt sind, dann ist ja finde ich oft schon bei 30 Euro Schluss, das sind
- 1:17:23ja dann sozusagen die teuren Weinen, ja von gewissen Appellationen, das muss man ja auch
- 1:17:30mal sehen und das kriegt man noch schon sehr schön.
- 1:17:36Ich finde das total witzig beim Wein, wenn man genau diese Frage gestellt bekommt, da
- 1:17:42zögern ganz viele und auch wenn sie sagen, irgendwie, eine Flasche Wein sollte 10 Euro
- 1:17:47kosten, sollte 15 Euro kosten, aber wenn man es in Relation setzt, was kostet die Gerättengrad?
- 1:17:52Keine Ahnung, ich auch nicht, wahrscheinlich sehr viel.
- 1:17:56Ich glaube die 7 Euro oder 10 Euro oder so, dazu keiner.
- 1:18:00Ja, aber das...
- 1:18:01Ich finde auch eine Schastel am Tag und da sagt keiner, ich meine es ist auch nur ein
- 1:18:05Sucht, eine Droge oder wie auch immer was ja Wein, manchmal auch ist, aber eigentlich
- 1:18:09ein Genussmittel, nennt man es eher so und beim Wein hat man oftmals ein Gefühl, ein negatives
- 1:18:16Gefühl, wenn man sagt, es kostet 10 auf 15 oder 20 Euro bei der Schastelig-Zigaretten.
- 1:18:20Ich habe noch nie jemanden sich beschweren hören.
- 1:18:22Stimmt, nie, da hast du dir ein Recht, aber das ist halt auch mal so ein Punkt, das hat
- 1:18:26mich dann auch dazu geführt, mich jetzt auch nicht unbedingt dafür zu scheuen, gut
- 1:18:32dreistellige Preise für Wein zu zahlen, weil ich finde, bei allem ist ja trotzdem bleibt
- 1:18:39Wein ein bezahlbares Luxusprodukt.
- 1:18:42Also ich sage mal so, selbst wenn wir jetzt von 500 Euro sprechen, das kann man sich ja
- 1:18:47dann doch vielleicht mal leisten, das ist ja das schicke Auto kostet ja deutlich mehr
- 1:18:55und insofern relativiert das dann noch einiges.
- 1:19:00Gut, wer es natürlich schade ist, du hast ja ganz viele spekulative Preise, die natürlich
- 1:19:05auch mitnichten, die Qualität des Weines widerspiegeln, sondern einfach die Nachfrage und die
- 1:19:10Knappheit des Weines und das gut, finde ich dann auch ein bisschen lästig, dafür muss
- 1:19:18man ja auch nicht alles mitmachen.
- 1:19:20Aber manche Sachen haben dann trotzdem einen besonderen, also es ist begründbar, warum
- 1:19:26dieser Wein, der spekulativ etwas höher eingepreist ist als ein Wein, der nicht so stark spekuliert
- 1:19:33wird, hat nicht selten was Besonderes, was der andere Wein ihm nicht hat und ihn dann
- 1:19:38zu probieren und sich damit selbst im besonderen Moment zu schaffen, wenn dem denn so ist,
- 1:19:42man kann es selber auflösen.
- 1:19:43Es liegt ja letztlich eben auch an demjenigen, der es probieren sollte, ob er es dann greifen
- 1:19:47kann, das Besondere, finde ich gar nicht so verkehrt.
- 1:19:50Das Beispiel mit dem Auto ist natürlich auch kein verkehrt, es kostet oftmals die Tankfüllung
- 1:19:54für dieses besondere Auto, mehr als so mancher Wein, der eben auch besonder ist.
- 1:19:58An der Tank, da steht keiner und sagt, jetzt habe ich 150 Euro bezahlt und fahre damit
- 1:20:03ich keine Ahnung, zwei Wochen, also dann sollte er lieber zwei Wochen Fahrrad fahren und
- 1:20:09sich so eine schöne Flasche Wein trinken und nicht darüber, wenn man das Jahr 150 Euro
- 1:20:13kostet.
- 1:20:14Apropos.
- 1:20:15Jetzt haben wir es.
- 1:20:16Wollen wir eine schöne Flasche Wein trinken?
- 1:20:20150 Euro.
- 1:20:21Total gerne.
- 1:20:22Wir haben uns ja, wir haben uns ja gegenseitig etwas zugeschickt, Trikothausch.
- 1:20:27Genau.
- 1:20:28Mit bist du zuerst mit mir zusammen, den ich für dich angedacht habe probieren oder möchtest
- 1:20:33du, dass wir zuerst den von dir angedachten probieren?
- 1:20:37Ich glaube, ich würde lieber mit deinem anfangen, weil den habe ich auch gerade schön gekühlt,
- 1:20:44wie du sagtest.
- 1:20:45Und das scheint mir, denke ich, mir ist dann besser in der Reihenfolge.
- 1:20:52Ja gut, ich habe jetzt einen Wein aufgemacht.
- 1:20:57Super gerne, ich habe beide gestern Abend schon aufgemacht und wir haben uns als kleines
- 1:21:02Gimmick mehr oder weniger überlegt, das war uns nicht verraten, was war uns gegenseitig
- 1:21:06zu schicken.
- 1:21:07Ja.
- 1:21:08Und jeder hat natürlich versucht, glaube ich doch, hoffe ich doch, auf seine Art und
- 1:21:14Weise kreativ zu sein.
- 1:21:16Da ist dann natürlich die Frage, wird es von angesprochen hast, muss man Petrus getrunken
- 1:21:21haben?
- 1:21:22Also findest du, man braucht gewisse Weine in seiner persönlichen Triggerkarriere, die
- 1:21:25man unbedingt getrunken haben muss, wenn man sagt, ich möchte ein kompetenter Fachmann
- 1:21:29sein.
- 1:21:30Ja, absolut nicht.
- 1:21:31Ich habe noch kein Petrus getrunken und ich muss sagen, das ist mir auch herzlich egal,
- 1:21:36also wenn sich das mal die Gelegenheit bietet, dann werde ich ihn nicht ablehnen, aber also
- 1:21:42ich finde schon, du musst große Weine getrunken.
- 1:21:45Ein direkter Einladung, dich einzuladen.
- 1:21:47Das musst du ja kundigen, wohl im Weinkeller liegt es ja rum, im Kölner Weinkeller.
- 1:21:52Ne, was ich schon wichtig finde, du musst natürlich schon diese große Weine und Benchmarkweine
- 1:21:58getrunken haben.
- 1:21:59Sonst versteht man das ja nicht, was den ganzen Wein zauber ausmacht, aber ich finde nicht,
- 1:22:06dass du Namen XY getrunken haben musst.
- 1:22:09Das stimmt, aber wer sagt zum Beispiel, was ein Benchmarkwein ist und das ist, also ich
- 1:22:13habe dir zum Beispiel ein Benchmarkwein zugeschickt.
- 1:22:15Ah ja, sehr gut, dann schenke ich sie nochmal an.
- 1:22:20Aber wer sagt, jetzt ist es einer der Top 100er Weinen, nur weil sie entsprechend klassifiziert
- 1:22:28wurden, weil sie irgendwelche Punkte bekommen haben, weil sie irgendwelche Preise erzielen
- 1:22:31oder warum ist das ein Benchmarkwein.
- 1:22:35Manchmal ist es schwierig, finde ich das irgendwo einzuorden.
- 1:22:41Aber ich finde zum Beispiel, wenn man dieses Gebiet, was ich jetzt für dich angedacht habe,
- 1:22:45wenn man diese Rebsorte nimmt, wenn man da etwas Benchmarkiges probieren möchte, dann sollte
- 1:22:52man den Produzenten, sollte diesen Wein zumindest einmal probiert haben.
- 1:22:55Ja, okay, nee, du hast das.
- 1:22:59Ich habe noch nicht dran, ich finde es ja witzig, dass wir beide Rotweiner ausgesucht
- 1:23:06haben.
- 1:23:07Das stand für mich gar nicht in Frage, keinen Rotwein zu nehmen witzigerweise.
- 1:23:11Lustig.
- 1:23:12Ich weiß nicht warum.
- 1:23:13Ja, ich hatte den anderen ersten nach Hand, dann dachte ich aber, es ist totaler Quatsch,
- 1:23:18es wäre interessant, den zu probieren, aber es waren beides Rotweiner, eigentlich ist
- 1:23:24es witzig, stimmt.
- 1:23:25Ich gehöre ja zu den Leuten, die durchaus provokativ sagen, dass Rotwein der größere
- 1:23:31Wein ist.
- 1:23:32Ah, wow.
- 1:23:33Und insofern finde ich es ja total witzig, dass ich das jetzt praktisch fast widerspiegelt.
- 1:23:41Du würdest einen, woa, was wäre jetzt ein Beispiel?
- 1:23:46Jetzt würdest du meinen?
- 1:23:47Nee, gar nicht, also du würdest einen Schamscharmata über Montreuxches stellen.
- 1:23:54Ja, ich sage, jetzt wird es gemein.
- 1:23:59Ja, es ist ja gar nichts, manchmal auch Vorliebe oder Verständnis oder was auch immer, also
- 1:24:05da.
- 1:24:06Nee, ich meine, also für mich hat Rotwein dann oft noch mal diesen Tick mehr an Komplexität
- 1:24:14und Tiefe.
- 1:24:15Manche denke ich mir auch immer, man kann Rot und Weißwein gar nicht miteinander vergleichen,
- 1:24:21weil dadurch, dass man Weißwein eher kalt trinkt, hast du ja immer diesen erfrischen
- 1:24:25Moment, den hast du ja nie bei Rotweinen, also bis auf die wenigen gekühlten Rotweine.
- 1:24:30Insofern ist es immer schwierig und dann seh ich es halt in der Gesamtheit, also wenn
- 1:24:36du mal drüber nachdenkst, was die großen Weine dieser Welt sind, da fallen aber sofort
- 1:24:42deutlich mehr rote Weine an und Anbaugebiete als weiße.
- 1:24:46Also Gordo, Jocha, Piedmont, Tianti, weißt du, das spielt sich ja dann schon alles in dieser
- 1:24:56roten Liga ab und mag vielleicht auch an der Lagerfähigkeit von Rotweinen liegen, die
- 1:25:02ja in der Regel über den Weißen sind und gut und bei Weiß, klar, hast du dann das
- 1:25:08so begund, den Riesling, aber dann, finde ich, zählt man ja nicht mehr so viele auf.
- 1:25:15Ja, wir reden ja nur über trockene Weine, wir reden ja kein Rest oder Edelzüßchen,
- 1:25:19das sind wir, sind da ja bei den trocken schmeckenden Weinen, aber warum nimmt niemand die Rone
- 1:25:27reingedanklich mit ins Spiel, weil ich finde, ein Kontriöl, ein Ermentage-Blanc, kann durchaus
- 1:25:34einem Kotroti, einem Ermentage-Rusch, ein Weißer-Schatten auf die Pap, gereift, wow, riesig, kann einem
- 1:25:40roten Schatten auf die Pap, finde ich, durchaus das Wasser reichen, weil man nicht die Loire,
- 1:25:46also teilweise ein Wufre, hat keiner auf den Schirm, warum hast du mir kein Wufre geschickt?
- 1:25:51Du wollt ich, aber was macht das?
- 1:25:54Nein, aber es ist ja so, also schon lieb ich natürlich auch, aber das, davon sprechen
- 1:26:03zu viele Leute.
- 1:26:04Okay, das ist ja okay.
- 1:26:05Oh, oh wow.
- 1:26:06Jetzt machst du mich neugieriger auf deinen, als ich mich auf mal...
- 1:26:14Jetzt muss ich erst mal deinen nochmal beschnuppern, also ich finde, du hast eine irre, dunkle,
- 1:26:21satte Fruch, sehr, sehr fein dabei, aber ich finde auch so ein bisschen was, also fast
- 1:26:33ein bisschen, so wie Rote Paprika, also fast...
- 1:26:37Und sehr viele Gewürzmelven, ich probier mal, ordentlich Gerbstoffe.
- 1:26:49Und weißt du, was der auch hat, da muss ich auch dran denken, man sagt das doch auch
- 1:26:57oft bei reifer Syran, dass das so nach Eisen und sogar Blut schmeckt und jetzt hab ich
- 1:27:04jetzt bei dem auch.
- 1:27:06Kennst du es nachvollziehend mit dem Eisen?
- 1:27:11Ich weiß, was du meinst und dieses Gefühl, dieses Kaumgefühl, auch diese Struktur, die
- 1:27:20man da durchhakt und dieses, ja, steht sehr füllige, aber bei dem Wein kann ich es nicht
- 1:27:28nachvollziehen.
- 1:27:29Also nicht Syrah vergleichen im Allgemeinen, nur dieses Aroma mit diesem Wirkung des Eisens.
- 1:27:38Ja, auch so richtig schöne, also dunkle Flauen, die Gerbstoffe finde ich schön, ist auch fein
- 1:27:55kraftvoll, aber dann auch wieder mit einer sehr schönen Reife, hat doch eine irre Länge,
- 1:28:04das ganze.
- 1:28:05Sehr dunkle Farbe, also gut du siehst natürlich, siehst und schmeckst und riechst, dass er
- 1:28:11auch ein bisschen, schon ein bisschen gereifter ist, älter.
- 1:28:19Also Rebsortenmäßig hab ich jetzt noch nicht so den Hinweis, es geht mir oftmals auch gar
- 1:28:48nicht so sehr darum, als man fühlt sich selber genötigt, den Wein immer erkennen zu müssen.
- 1:28:52Ja, stimmt.
- 1:28:53Und ich finde, dadurch biegt man sowieso immer falsch ab und sagt keine Ahnung, könnte
- 1:28:58der sein, er erinnert mich daran, sondern manchmal hilft es mir persönlich, den Wein
- 1:29:03hier mehr zu genießen und mich vertraut hat, mit dem Wein zu fühlen, ihn wohlwollender
- 1:29:11zu betrachten und auch kritischer zu betrachten, wenn ich einfach den Wein betrachte und ich
- 1:29:16versuche zu erraten, könnte es das oder das sein.
- 1:29:18Nee, das stimmt, das ist ja auch immer ein Fehler, den man macht, weil man schießt
- 1:29:24irgendwas aus dir raus, sondern ist man happy, wenn es richtig liegt und niedergeschlagen
- 1:29:30wenn daneben liegt, aber klar, die aufmerksame Analyse des Weines, also macht dir zum einen
- 1:29:38mehr Spaß.
- 1:29:39Aber gut, dann ist natürlich auch immer diese Ungeduld dabei, das wirklich schnell aufzudecken.
- 1:29:47Was schade ist, dass man sich da nicht lang genug die Zeit schenkt und die Ruhe gibt,
- 1:29:54dass man ihn versucht in diesem Unbewussten, also dieses unter im Nebel fahren, dann einfach
- 1:30:01genießt und guckt, wo man aneckt, was das Widerwein sich entwickelt und ihn öfters
- 1:30:06mal ein bisschen blind probiert und die Neugier dann einfach überwiegt oder eben auch sehr
- 1:30:11Erfolgsdruck ihn unbedingt erkennen zu müssen oder sich selber bestätigen zu müssen.
- 1:30:16Ja, wenn man mal ehrlich ist, ich meine weiß, welche Rebsorten erkennt man zuverlässig,
- 1:30:22das sind ja dann doch sehr weniger und danach wird es ja doch sehr schwierig oder für
- 1:30:30den Profis haben ja in Deutschland einen Zommel die Welt meist, da sogar zwei, denen ist das
- 1:30:39ja gegeben.
- 1:30:40Aber ich habe jetzt auch solche, so ein bisschen schwarze Oliven und Kräuterwürze mit dem
- 1:30:49Glas.
- 1:30:50Was halt finde ich insgesamt dann halt schon für ein wärmeres Anbaugebiet spricht?
- 1:31:00Gibt es für dich eine Abfolge, wo du sagst, das ist für mich persönlich, wenn ich Wein
- 1:31:04aussuche am wichtigsten, also ist es für dich die Aromatik, ist es das Visuelle, ist es
- 1:31:11die Gostatorik, ist es die Kombinationsfreude oder gibt es da irgendwas, was für dich ausschlaggebend
- 1:31:20ist oder ist es wirklich das Allgemeine, das Gesamterlebnis dabei?
- 1:31:24Auswählen für was?
- 1:31:27Für mich jetzt für heute Abend oder für jetzt?
- 1:31:31Genau, wenn wir zusammen eine Flasche Wein trinken möchten und gar nicht so diese analytische,
- 1:31:37sondern einfach das Wohlfühlen, ich setze mich hin trink eine Flasche Wein.
- 1:31:43Ich bin ja so ein Apparativtrinker, also apparativ im Sinne, also durchaus Wein, aber vorne weg,
- 1:31:53da isst man dir dann oft auch eher bei leichten, anregenden Wein, da würde ich nicht unbedingt
- 1:32:01den schweren Rotweinen nehmen, ja schon, dass das irgendwie gute Stimmung macht und
- 1:32:10gleich ja auch einen einnehmend ist, das hört sich jetzt an einem unkomplizierten Wein,
- 1:32:17das muss aber nicht unbedingt sein.
- 1:32:19Gar nicht, finde ich gar nicht, also weil wir vorhin Schenakin blau gesagt haben, das
- 1:32:25ist für mich so ein Wein, der selbst in der komplizierten Artform und Weise eine gute
- 1:32:30Laune macht.
- 1:32:31Ich finde, Wein kann Stimmung ganz stark beeinflussen und kann Stimmung ganz, ganz
- 1:32:34stark prägen.
- 1:32:35Also ich bin natürlich großer, ich bin natürlich großer, große Schaumweintrinkerin, das finde
- 1:32:45ich geht ja in der Tat immer und das ist ja, finde ich, auch so ziemlich das Schönste,
- 1:32:51womit man in den Abend starten kann, also ich meine, es hat halt einfach dieses beschwingende
- 1:32:59Wassensinn des Wortes und festliche.
- 1:33:01Und eine andere Stimmung, finde ich auch, also wenn man Schaumwein trinkt, man kriegt
- 1:33:06einer dann selten keine lebensfrohe Stimmung, dass man anfängt zu lachen, zu giggern, zu
- 1:33:13scherzen, lustig zu sein.
- 1:33:15Ja, aber ist das nicht witzig, ich meine, jeder freut sich darüber.
- 1:33:18Ja, verstehe ich auch nicht so gut, also ich könnte es auch, es kann auch keiner erklären,
- 1:33:23es gibt keine chemische Verbindung im Schaumwein, die anders ist als im Weißwein, die eine Stimmung
- 1:33:28auslöst, die positiv, die lebensfrohe, die lustig ist, es kann ja nicht die Kohlensohre
- 1:33:31sein, weil dann wäre es ja bei anderen Getränken auch so.
- 1:33:34Doch, nee, aber was du dir tatsächlich hast, dass durch die Kohlensohre geht der Alkohol
- 1:33:37schneller ins Blut.
- 1:33:38Also du wirst halt in der Tat schneller beschwipst vom Schaumwein und dadurch halt auch dieses
- 1:33:45festliche Gefühl, was sich gleich einstellt, ist tatsächlich da.
- 1:33:49Dass man schneller entspannt und damit viel schneller in bereit ist fürs nächste Glas.
- 1:33:56Ja, genau, weil der Alkohol wird schneller ins Blut gehst.
- 1:33:59Ist doch gut.
- 1:34:00Ah, interessant.
- 1:34:01Alles richtig.
- 1:34:02Gut, aber was machen wir, bei Süßwein macht es ja Zucker, der den Alkohol schneller
- 1:34:05ins Blut transportiert, da ist ja nicht so, dass man da dann wiederum schneller in der
- 1:34:11Feierlaune ist und tanzen möchte.
- 1:34:14Ja.
- 1:34:15Ja, siehst du, das geht dann doch besser mit dem Kurs.
- 1:34:18Ja, witzig, ne?
- 1:34:20Stark.
- 1:34:21Ich finde es auch total spannend, dass die Sachen eigentlich kaum erforscht sind, also
- 1:34:25dass sich kaum jemand um die Guestaturik im wissenschaftlichen Sinne gedankt macht
- 1:34:30und das dann irgendwie tiefen analysiert.
- 1:34:33Das stimmt, aber wahrscheinlich ist es ja auch so ein Aspekt.
- 1:34:37Nee, das sind ja wahrscheinlich Spien ja so viele Einflussfaktoren mit rein, dass es
- 1:34:42auch sehr schwierig zu erfassen ist.
- 1:34:44Und das finde ich ja wiederum toll, dass jeder Mensch völlig anders ist und andere Riechzellen
- 1:34:51hat und andere Geschmacksknospen hat.
- 1:34:53Das heißt, dass ja jeder wirklich individuell ein Wein oder ein Speise anders wahrnimmt.
- 1:34:59Da eigentlich haben wir alles gleiche.
- 1:35:04Wir haben alles gleich, wir sind manchmal sozial und geschmacklich sozial anders vorgeprägt
- 1:35:08und haben dadurch eine andere Sensibilität oder eine andere Wertigkeit, aber die Grunderfolge
- 1:35:13sind alle gleich.
- 1:35:14Ja, aber weißt du, nee, aber wir haben eine andere Anzahl an Riechzellen und Geschmacksknus.
- 1:35:20Also ich vergleiche das immer gerne damit, wir sind ja beide Prämienträger.
- 1:35:24Ich mein, an dem Sesen siehst du ja auch, dass jeder eine andere Seefähigkeit hat und
- 1:35:30mit dem Riechen und Schmecken ist es auch so.
- 1:35:32Und gut und klein natürlich, das Kulturelle kommt noch hinzu und wie du dich im Allgemeinen
- 1:35:38näherst, das finde ich, merkt man ja auch, dass sich das bei einem selber ja auch verschiebt.
- 1:35:42Das ist halt schon ja sehr vielseitig.
- 1:35:46Das stimmt, aber in Geschmacksinn kann man reaktivieren.
- 1:35:51Also wir bauen ja die Schuhe unseres Alters, bauen wir Geschmacksprioritäten ab und das
- 1:35:57kann ich reaktivieren, kann das wieder sensibilisieren, wenn mir das persönlich sehr wichtig ist.
- 1:36:02Ja, ja und Schulen ja auch.
- 1:36:03Beim Riechen ist es ja ähnlich, beim Sehen zum Beispiel, nicht oder beim Hören, wenn
- 1:36:07ich da einen Defekt habe, dann ist das ein Defekt, was ja oftmals der Grund ist, warum
- 1:36:12wir eine Prille tragen.
- 1:36:13Ja und Gott sei Dank gibt es die.
- 1:36:17Und so würde ich nicht mal das Mikro finden und wir können das Glas, was noch schlimmer
- 1:36:21wäre.
- 1:36:22Also ich lasse es mal zu dem Meinen kochen.
- 1:36:24Du hast es zurück zum Glas ermahnt, genau.
- 1:36:26Genau, so, jetzt aber.
- 1:36:28Ja, ich finde, du hast halt diese wunderbare, also dunkle, zatte Frucht, das finde ich schon
- 1:36:40fantastisch und dann, du hast schon, finde ich, diesen mediterranen Touch, aber was
- 1:36:49ich halt fantastisch finde, oft hast du ja bei diesen Weinen dann auch ein bisschen
- 1:36:57zu viel Kraft und Power und das finde ich, hat er am Gaumen überhaupt gar nicht.
- 1:37:02Da ist er, hat er einen sehr schönen, ich fand persönlich, dass er schon Struktur
- 1:37:09hat, aber er wirkt nicht sättigend und überladend, er wirkt nicht zu fett, nicht zu opulent,
- 1:37:15nicht zu erschlagend, nicht zu erdrückend mit seiner Wucht, mit seiner Opulent.
- 1:37:20Ist es für dich ein Wein, wo du automatisch an Speisen denkst oder ist das ein Wein,
- 1:37:25wo du einfach in dem Wein bist, in dem Wein, als solches genießen möchtest?
- 1:37:29Nein, ich bräuchte dafür eine Speise, ist jetzt auch der erste Wein am Tag, ich bin
- 1:37:37keine große Fleischesserin, aber das wäre ich jetzt bei dem schonen, aufgrund der Gerbstoffe,
- 1:37:46das denke ich mir, dass man da natürlich schön mit, ja, also durchaus was Schaf angebratenes,
- 1:37:56Douglas oder ja, Douglas Fleisch, ja.
- 1:38:17Natürlich ist das eine Werbeeinblendung, aber ich würde dir gerne von einem Wein erzählen,
- 1:38:22der mich wirklich gepackt hat, Douglas, Grossermitage, Domäne de Grangema, 2021.
- 1:38:29Kennst du de la Frère, ein Haus mit Geschichte gegründet 1835 in Thanelemitage, die sind
- 1:38:36echt fast zwei Jahrhunderte, eine feste Größe im nördlichen Rodenthal und ich finde man
- 1:38:42kann die fast als ein Rückgrat dieser Region bezeichnen.
- 1:38:45Und das wirklich Spannende ist, seitdem Jack Grange übrigens ein Begünder, das Ruder dort
- 1:38:51übernommen hat, hat sich dort stilistisch einiges getan.
- 1:38:54Eigentlich richtig zeitgemäß, ich meine das, wonach alle rufen weniger Schwere mehr Eleganz,
- 1:39:00kein Show off zu ra, sondern einer mit Charakter, mit Tiefe, mit Komplexität, mit Trinkfreude,
- 1:39:07mit Lebendigkeit und was ich besonders finde, Douglas hält über 30 Hektar in Grossermitage,
- 1:39:13eine der größten Appellationen des nördlichen Rodenthals, fast 1700 Hektar, somit fast
- 1:39:18die Hälfte der gesamten nördlichen Rohen und bei Douglas ist das nicht irgendein Sammelsorium,
- 1:39:23sondern eine gezielte Auswahl von Lagen und 2006 haben sie dann die Domäne der Grange
- 1:39:29mal geschaffen und das mit dem Anspruch nur die besten Parzellen für diesen Wein zu verwenden,
- 1:39:36denn genau bei diesem Projekt geht es nicht um Masse, sondern um Herkunft und ganz ehrlich,
- 1:39:40der Name ist Programm, woran wörtlich übersetzt die großen Wege, weil es um Tiefe geht und
- 1:39:45nicht um Tempo, nicht um Kraft, nicht um ausladende Opulenz, sondern um die Feinheit des Syrarheber.
- 1:39:51Die Reben stehen auf diesen uralten Terrassen, die mal von Rohen und Isär geformt wurden. Wenn
- 1:39:57ihr das mal bildlich und live seht, wie imposant diese Terrassen angelegt wurden, versteht man dem
- 1:40:01Wein in seine ganz eigene Dimension. Ganz oben im Norden findest du Granit wie ein Ermitage,
- 1:40:06unten geht es in Kies über mit etwas Löst rüber und das ergibt ein wunderschönes Mosaik von
- 1:40:13Böden. Was das bringt? Eine Frucht mit Biss, also nicht dieses labrige Fruchtfleisch, sondern
- 1:40:19richtig Substanzstruktur Tiefe, eine Mineralität, die nicht aufdringlich ist, sondern wie ein feiner
- 1:40:25kühler Strom auf der Zunge. Und Syrah, der sich nicht aufblasen muss, wie manche Australier oder
- 1:40:32manche Weine aus dem südlichen Ronentau oder aus dem Südwesten, nur um Eindruck zu machen. Und
- 1:40:36klar, nicht unwichtig, das Klima. Also wie ist das Klima dort? Klassisch kontinental, aber mit einer
- 1:40:41Militeranprägung und legendär für die Region der Mistral. Der pustet kräftig durch und hält die
- 1:40:46Trauben gesund. Das ist nahezu einmalig. Und dann diese Spannung. Warme, tagekühle Nächte, perfekt
- 1:40:54für Balance, perfekt für die Reife bis hin zur Ernte, die hier extrem selektiv stattfindet,
- 1:41:01im bis zu acht Durchgängen, damit wirklich nur das Beste in den Korb kommt. Und die Reben sind
- 1:41:07teilweise so um die 30 Jahre alt, ab 25 Jahren spricht man von alten Reben, aber mit 30 sind sie
- 1:41:14genau in dem absolut perfekten Alter, Charakter, unalterstar sind. Und es ist erstaunlich, was
- 1:41:21die Lade rausmacht. Wie? Die Trauben werden zuerst entrannt, sanft angequetscht und dann kühl
- 1:41:27vergoren, bei 25 Grad. Der Ausbau 50/50, also zur Hälfte alte Bariks, zur Hälfte Edelstahl. Das
- 1:41:35heißt man bekommt Struktur, aber eben nicht dieses Holzbrett, feingliedrig, nicht überladen.
- 1:41:40Stellt ihr das auf der Zunge vor, diese ganz sarten, feine Tanine, diese frische, diese feine Frucht,
- 1:41:46diese Lebendigkeit. Keine Schönung, keine Filterexzesse. Der Wein darf sein, wie er ist. Und das
- 1:41:51in einem Jahrgang wie 2021. Ein absolut perfektes Jahr für Grossermitage für die nördliche
- 1:41:57Rohnphysiographie de la. Nicht zu heiß, nicht zu trocken, einfach perfekt ausgewogen. Geerntet
- 1:42:04wurde in der zweiten September Hälfte, also in voller Reife, aber ohne Hitzoffer. Im Glas. Da
- 1:42:09wo der Wein liefern muss. Tiefes Granatrotes leuchten. Unglaublich, wie er allein farblich
- 1:42:16beeindruckt. Klar, ohne zu protzen. Und schon an der Farbe sieht man, dass hier er mit Präzision
- 1:42:21gearbeitet wurde. Nicht mit Muskelkram. Also diese ganz feine Transparenz in dem Wein beeindruckt. Die
- 1:42:27Nase, dunkle Beeren, Prombär, Sauerkirche. Vielleicht ein wenig Holunder, wenn ich diese
- 1:42:32schwere, saftige Holunder, sondern dieses ganz feine, animierende, seure Frische. Und an dieser ganz
- 1:42:38feine Rauch, nicht Vordergrund. Ich denke, der kommt vom Granit. Fast wie ein Lagerfeuer im
- 1:42:43Hintergrund. Wenig Lackritzen, wenig Oliven und ganz fein mit ein wenig Luft. Vielleicht nach fünf
- 1:42:49Minuten im Glas. Feichen. Wenn du einmal reingerochen hast, wirst du es nicht mehr loslassen, es macht
- 1:42:54süchtig. Man muss ihn trinken. Die Frische, die Zugänglichkeit, diese ganz feine Dichte,
- 1:42:59die samtige Struktur, die reifen Tanine, das feinmaschige. Kein Pelz, kein Widerstand. Aber eine
- 1:43:07lebendige Säure. Ja, Säure kann toll sein, wenn die so in dem Wein implantiert ist. Und ja, dieser
- 1:43:13Großermitage zeigt dir, was in dieser Applation wirklich drinsteckt. Und obgleich oft ein
- 1:43:18Großermitage als Einsteigerron gehandelt wird, mag das für andere Häuser gelten. Dieser hier
- 1:43:23ist eher der stille Meister oder den Ziras. Er muss nicht laut sein, aber er macht Eindruck.
- 1:43:28Also nochmal die Eckdaken. Hundertprozent Jorah. Hand gelesen natürlich. 14 Monate
- 1:43:34Ausbau. 50 Prozent Holz. Welches ein bis zwei Jahre alt ist. Und 50 Prozent Edelstahl. 13,5
- 1:43:41Volumenprozent Alkohol. Perfekt eingebunden. Der Wein wirkt nicht alkoholisch. Sondern erhält
- 1:43:45dadurch das Fundament mindestens zehn Jahre. Vielleicht sogar 20, 25 Jahre zu reifen. Und das
- 1:43:52zu einem Preis der seinesgleichen Sucht. Vielen lieben Dank dafür dem Hausidealer und dem deutschen
- 1:43:57Porteur, dem Handelshaus Schlummbäger. Und denkst du dann einen einfachen Segmenten? Also
- 1:44:13keine Ahnung. Ein Rinderfilet oder ein Outlook oder so was? Oder denkst du noch einfacher,
- 1:44:19dass du halt dann sehr bodenständig denkst? Oder bist du dann eher Utkvisin? Und wenn du
- 1:44:25besondere Weinen hast, dann muss das Essen mindestens genauso feinsinnig, feingeltrich,
- 1:44:30feingeschmacklich sein? Nee, ich denke nicht Utkvisin. Ganz einfach auch, weil ich das nicht
- 1:44:37selber zubereiten kann. Also auch nicht andersweise. Insofern dann eher bodenständig. Also natürlich
- 1:44:46Top-Nahrungsmittel. Aber wo halt dann wirklich das Stück Fleisch oder Stück Fisch oder das
- 1:44:53Gemüse im Vordergrund steht und nicht zicktausend Söschen und Schäumchen und Balsamico auch noch
- 1:45:02einmal drüber. Also das ist nicht. Ich finde du, du hast trotzdem hier, da ich jetzt auch diese
- 1:45:09Kräuterwürze da drin hast, könnte ich mir auch sowas retatouillartiges dazu vorstellen. Weißt du,
- 1:45:19was Gemüse oder auch gegrillte Paprika ist. Ja, weil du vorhin auch rote Paprika erwähnt hast,
- 1:45:25kann das durchaus. Ja, genau. Allein von der Arom, Ausrichtung von der Expressivität durchaus das
- 1:45:32ganz gut auffangen und begleiten. Aber du hattest Würse erwähnten, ich hab deinen Wein daneben
- 1:45:38eingeschenkt. Ja. Und das ist für mich eigentlich Würze. Das ist für mich noch mehr Würze. Das ist
- 1:45:45keine so expressiv intensive Frucht. Ich weiß nicht, ob du auch ein zweites Glas um die
- 1:45:50danach daneben hattest oder ob ich nicht, aber ich würde mir jetzt gerade ein zweites Glas holen.
- 1:45:56So, da ist das zweite Glas. Dann schenke ich mal ein. Und ich dann mal nach. Das ist sehr witzig. Die
- 1:46:10farblichsten hier liegen sehr nah bei mir. Und ich empfinde deinen aber als wesentlich
- 1:46:17Maskuliner vom Arombild. Also wesentlich würziger, wesentlich nicht rauchiger, aber es sind so eine
- 1:46:26gewisse Art von Gewürznoten, die so komplex und vierträchtig sind, dass man nicht sagen kann,
- 1:46:32irgendwie weihnachtliche Gewürze oder irgendwie ein bisschen Zedernholz ist mit drin. Ein bisschen
- 1:46:40was rauchiges auch im Untergrund. Aber er hat diese ganz, ganz kräftige Brombeernote. Also er geht
- 1:46:45nicht so wie der andere für mich ins Kirschige, sondern so mehr in dieses valdige, erdige,
- 1:46:51wirzige. Ja, total. Und er wirkt aber auch gleich viel, viel kraftvoller und selbstbewusster im
- 1:47:00Glas. Mhm. Aber auch rustikaler, derber dumpfer, finde ich. Und das werden zu meinen,
- 1:47:09sondern jederweil hat ja mit seiner Ausstrahlung eine gewisse Darlehtberechtigung. Und ich finde,
- 1:47:14dass er so einer, wo man das Gefühl hat, da kann man sich und muss man sich auch so ein bisschen
- 1:47:18abarbeiten aufgrund der. Aber dumpf finde ich jetzt nicht schön, als Weinbeschreibung. Stimmt,
- 1:47:27hast du recht, muss ich überarbeiten. Dumpf, dumpf war auch nicht richtig. Also dumpf kann negativ
- 1:47:34interpretiert werden, derber. Aber derber ist es eigentlich auch nicht. Also ich finde für dieses
- 1:47:42Gefühl, was ich dabei habe, dann finde ich aber rustikal treffender, ländlicher. Aber der lässt
- 1:47:50mich total, da sind wir wieder bei dem, dass man ihn erkennen möchte. Und mein Riesenproblem ist
- 1:47:58dabei, dass ich jetzt überhaupt, ich habe keine Ahnung da, also was derwein sein könnte, wenn wir
- 1:48:03haben zwar den Vorteil, also ich habe einen eingepackt bekommen in uneleganten Alufolie,
- 1:48:10panarole weg, also wenn ich sehe die Flaschenformen, die Flaschenform passt für mich überhaupt nicht
- 1:48:15in irgendwas, wo ich das hinstecken würde. Und das macht das für mich total schwierig,
- 1:48:21weil ich den ist für mich definitiv kein Spanier. Es wäre für mich vom Gedanken her ein Franzose,
- 1:48:28aber in die Gegend, wo ich ihn stecken würde. Also ich würde ein Gedanklich wahrscheinlich irgendwie
- 1:48:33so ja rustikal becherak, aber die haben diese Flaschenformen oder ich habe es dort nie gesehen.
- 1:48:39Das ist für mich aber mit der Flaschenform zum Beispiel, so lässt man sich manchmal blenden
- 1:48:42und irreführen. Auch kein Lorwein, wo ich die manchmal finde, auch kein Keine Ohnewein. Also
- 1:48:48wäre es für mich rein, aus dem, dass ich ihn visuell irgendwo versuche einzuordnen. Deutschland
- 1:48:53sowieso nicht, Österreich auch nicht, Italien würde ich gar nicht sagen, also hätte ich keine
- 1:48:57Region im Sinn und würde uns Unbekannte gehen. Also wahrscheinlich irgendwie Libanon, Südamerika.
- 1:49:05Du warst schon verdammt gut, das muss ich sagen, beeindruckt mich sehr, aber da merkt man
- 1:49:16nicht dann eine langjährige Erfahrung. Nee, wir sind tatsächlich in der, also nicht ganz, aber in der
- 1:49:21Bergerak-Ecke. Okay, mit den klassischen Rebsorten? Also haben wir da auch Kavane-Kavane-Frommerlo?
- 1:49:31Ja. Okay. Aber wir haben noch ein bisschen was anderes. Spannend. Und der ist halt auch ein bisschen
- 1:49:36gereifter. Also die sind ja nicht in Bergerak selbst und es ist halt auch ein bisschen gereifter,
- 1:49:43was man in mir auch anmerkt und anricht. Ich finde es aber sympathisch, also gereifter fünf, sechs
- 1:49:52Jahre? Ich bin bei dir, bei deinem Wein, also ich hab das mit dieser Kräuterwürze, so wie ich sie
- 1:50:11wahrnehme, bin ich bei dir eher in Italien. Also auch nicht… Super. Also auf jeden Fall auch nicht
- 1:50:24Deutschland und Österreich und Frankreich auch nicht. Ich finde mit diesem Ausschussverfahren
- 1:50:31kommt man oftmals ganz weit, dass man einfach sagt, okay, das könnte es nicht sein. Also nicht
- 1:50:35dahingeht und sagt, das müsste es sein, sondern einfach was könnte es nicht sein? Genau, dieses
- 1:50:41Jafane-Ling nennen die das ja. Das habe ich ja von den Master of Wine gelernt. Fand ich auch total
- 1:50:47witzigen Ausdrücke, aber klar, so geht es, Ausschussverfahren und dann kommt man der Sache
- 1:50:52vielleicht, ja. Nee, ich habe diesen Wein auch ausgesucht, weil ich kenne das Weingut seit
- 1:51:00Kurzem, aber ich finde die Weine, alle von dem sowas von harmonisch, besser, wenn da auch diese
- 1:51:09Gerbstruktur dir anschaust, das hat mich halt total beeindruckt und das ist für mich halt auch ein
- 1:51:23großer Winzer und dann ist es auch egal in welcher Appellation du den steckst. Du weißt halt immer,
- 1:51:29dass die halt sehr besondere und in sich stimmige Weine machen und das finde ich halt bei dem halt
- 1:51:38auch, das ist seine Top-Lage, diese kleinen Weine finde ich auch ganz toll und ja, ist er aus dem
- 1:51:47Südwesten von Frankreich. Soll ich schon mehr verraten? Grundsätzlich muss ich ganz ehrlich
- 1:51:53gestehen, finde ich es eigentlich total super bedauerlich, dass man so wenige, also zumindest
- 1:51:57wenn ich von mir aus gehe, so wenig über den Südwesten Frankreichs weiß und das manchmal
- 1:52:03eben auch so ein bisschen stiefmittelig behandelt, also selbst über den Westen Frankreichs weiß man
- 1:52:07so wenig, wenn man sich dann oftmals auf größere Gebiete, größere Produzenten,
- 1:52:12bekannter Produzenten irgendwo stürzt und versucht die dann mehr oder weniger mittels
- 1:52:19ihres Namens irgendwo zu präsentieren, aber es gibt ganz, ganz tolle, also selbst wenn du uns mal
- 1:52:26die Raue gehst, Tanna, eine so großartige Rehsorte, die außergewöhnend, wenn du ins Kaor gehst,
- 1:52:31das Wahnsinn, was dort abgefügt wird, dieser Berscherack, da habe ich, kürzlich habe ich eine
- 1:52:35kleine Probe mitmachen können, wo ich sowas von geflasht war und es gibt verschiedene Parallelen,
- 1:52:42woran der mich erinnert hat, deswegen bin ich so in diese Richtung gegangen. Es wäre für mich aber
- 1:52:46kein Bordeaux, weil er für mich viel mehr Rückgrat hat als dieser klassische Bordeaux, die oftmals
- 1:52:52versuchen mit einer gewissen Feinheit daherzuschreiten und nicht, dass er die nicht hat, aber er hat
- 1:52:57sie mit einem anderen Fundament, also mit einer anderen Greifbarkeit, mit einer anderen Saftlichkeit,
- 1:53:01mit einer anderen, so fast diese Schokoladegedichte, die du manchmal bei bitter Schokolade hast,
- 1:53:05wo du sagst, der ganze Gaumen ist voll und du arbeitest damit und arbeitest dich durch dem Wein
- 1:53:10und das vermisse ich oftmals im Bordeaux, deswegen hatte ich das für mich ausgeschossen, aber Südwest-Frankreich,
- 1:53:16ich würde total, gerade wenn du sagst, da ist noch was anderes außer Cabernet,
- 1:53:22Cabernet-France, ja, ich wüsste noch nicht mal, was an Orduktoren Rehsorten da doch zugelassen ist,
- 1:53:28von der zu der Rehsorte, die habe ich auch noch nie gehört, nee, ich finde, also sagen wir mal so,
- 1:53:34ich liebe auch Bordeaux und ich finde dieses Bordeaux-Bashing auch total dämlich, weil es gibt
- 1:53:41auch viel schlechten Bordeaux, das ist natürlich wie überall. Ja, aber es sind mittlerweile 90.000
- 1:53:45Hektar, es ist also ein riesen Gebiet, also da logisch gibt es da auch Schrott. Nur, was ich natürlich finde,
- 1:53:51also du hast das finde ich schon auch bei den, bei den großen oder auch höher Preisegern, ich spreche
- 1:53:57jetzt einfach mal von Wein so ab 50 Euro, manchmal ist mir das halt auch diesen Tick zu geschliffen,
- 1:54:03ich meine, da sind natürlich Weine, die halt für den Weltmarkt gemacht sind, das sind Weine für
- 1:54:07mich Inperfektionen, aber weißt du, da fehlt halt dieses ein oder andere und ich dachte mir halt schon,
- 1:54:16weißt du, aufgrund der Rehsorten, dass du da so ein paar Marker hast, weil ich finde, der hatte auch
- 1:54:21ein bisschen diese Cassisnoten. Nee, die andere Rehsorte ist Abouru. Hast du das schon mal gehört?
- 1:54:27Nein. Darf ich es aufmachen? Darf ich es aufdecken? Ja, bitte, ja genau, mache auf, wenn es ist.
- 1:54:35Okay, ja. Eine Appellation, die natürlich, also die, die du ja praktisch nicht kennst, die auch
- 1:54:42praktisch innexistend in Frankreich ist. Hast du von denen schon was gehört? Bin ich jetzt minder
- 1:54:48bemittelt oder? Das freut mich ja. Ich habe noch nie einen Wein daraus probiert. Ja, siehst du?
- 1:54:56Das ist südlich von Bergerak und östlich von Bordeaux. Also es grenzt in das Bordeaux-Anbaugebiet,
- 1:55:03aber wir sind jetzt, weißt du, wenn du jetzt in Soutern bist, dann musst du nochmal 40 Kilometer
- 1:55:09Landeinwärts fahren, an der Garonne entlang und dann landest du dort und der, ja cool,
- 1:55:17ne, ich habe, weil ich habe mir eine West-Frankreich-Weinprobe gemacht und bin halt dann auf den
- 1:55:22aufgezogen geworden. Der war fünf Jahre lang Kellermeister bei Zentrumrecht und hat da natürlich
- 1:55:29auch die Biodynamie gelernt und ist dann halt zurück zu seinem elterlichen, also Weingut war es
- 1:55:35damals noch gar nicht, er hat den Weinkeller gebaut, natürlich typischer Mischbetrieb und hat
- 1:55:39dann eben angefangen Wein zu machen und halt eben auch mit den lokanen Rebsorten, aber ich meine klar,
- 1:55:45grenzt in Bordeaux natürlich, hast du die beiden Cabernis und Merlot dort überall und ich finde,
- 1:55:51der macht irre Weine und diesen Abouru macht er halt oft auch in, also Messeration-Karmonie,
- 1:55:58bei den einfachen Wein, die finde ich auch unglaublich trinklig und spaßig und ich finde,
- 1:56:03du hast halt diese, diese Harmonie in dem Wein, den du halt bei großen Finstern findest,
- 1:56:13das Wessel, die halt auf ihre Pflanzen auf den Boden achten, die sich auch im Weinkeller bewegen,
- 1:56:17okay, wie gehe ich das Ganze an, wie mache ich es? Ja und ich bin ja immer für die Anderdogs,
- 1:56:24drum habe ich hier halt auch ein Anderdog ausgewählt. Wie, wie spricht man das aus? Clubacquet?
- 1:56:31Ja Clubacquet, das ist sozusagen seine, so eine Einzellage, die er hat. 2016, Côte Montmenté.
- 1:56:39Genau, 2016 habe ich halt dann auch genommen, weil halt großes Jahr in der Ecke im Allgemeinen,
- 1:56:45also Bordeaux und dort und ich meine, der kostet Infibracher 50 Euro, aber die Kleinen von
- 1:56:54ihm, das geht, glaube ich, auch so bei 12 oder 15 Euro los und das finde ich auch, finde ich halt
- 1:56:59großartig, du hast halt echt Spaß. Toller Fall und vor allen Dingen noch mit Zukunft, also wenn
- 1:57:03der jetzt nicht schon offen wäre, könnte ich die Flasche bestimmt noch 10, 15 Jahre rein prognostiziert
- 1:57:08liegen lassen. Ihr schickt ja noch ein. Also er ist so, ja, vielen, also gerne, vielen Dank. Großartig,
- 1:57:16toll, sehr beeindruckt, also damit hat sich die Weihbibliothek, wie um eine große Seite erweitert
- 1:57:22und eben dieses Bewusstsein mehr Südwest zu schauen. Du Kaor hat auch so einen Sprung nach vorne
- 1:57:29gemacht. Also in Richtung auch Tiefe und also weg vom Lauten und vom Banalen, vom Rustikalen. Total
- 1:57:37spannend, ja. Ja, voll, vielen Dank. Ja, schön. Und deiner? Tja, war auch so in Überlegung. Sie teilen,
- 1:57:42bist du richtig? Ja, der hat ja auch ein bisschen dieses, was was rauchiges und halt auch diese,
- 1:57:51diese bitter Schokolade am Gaumen. Aber also für San Gevesa hat er mir zu wenig, zu wenig Säure.
- 1:58:02Ist ein San Gevesa. Also ist? Wenn ich irgendwo mal gelesen hatte oder irgendwie mal mitbekommen
- 1:58:11habe, dass die Rebsorte nicht unattraktiv findest, dachte ich wäre ein San Gevesa. Aber rein sollte ich?
- 1:58:19Mensch. 10 Prozent kann Jolo. Also das hört sich aber stark noch Toscana an. Könnte man glauben,
- 1:58:26ist das Nachbargebiet der Toscana, falls Legia im Prinzip, es wäre so einfach dann Toscana zu
- 1:58:32versenden. Deswegen dachte ich dabei an Umbrien. Grüne Herz der Italien. Ja. Und ich muss gestehen,
- 1:58:42ich war noch nie in Umbrien. Ich möchte unbedingt mal noch Umbrien. Ich war schon mal da. Man kann
- 1:58:46leider, es muss wunderschön sein, es muss wirklich großartig, es muss sehr idyllisch sein, es muss
- 1:58:51fast für viele, viele beschreiben es so als die authentischere Toscana. Ja. Und also es steht ganz
- 1:58:59weit oben auf meiner Wunschliste, was immer so ein bisschen Problem auch in unserer Branche ist. Man
- 1:59:03möchte natürlich gerne reisen, man kann nicht überall hinreisen. Ich war bestimmt zehn Jahre
- 1:59:07nicht im Bordeaux, war zum Glück mal wieder im Bordeaux. Also verrückt. Und habe es bedauert,
- 1:59:13aber letztlich keine Ahnung, ich habe so viele Sachen noch nicht realisieren können unter anderen
- 1:59:18Umbrien, Zizieren, um jetzt allein in Europa zu bleiben. Ja. Und ja, war es richtig immer was Neues,
- 1:59:25so dass sich zu konzentrieren und was öfters zu bereisen. Aber hier, wenn man über Umbrien
- 1:59:30redet, ist halt Lungarotti mehr oder weniger das Flaggschiff und deswegen dachte ich,
- 1:59:34nehmen wir von Lungarotti einen Wein. Interessante Reise in der gleichen Wertebene wie deine,
- 1:59:41also was dadurch haben wir uns beide. Aber das ist ja ganz schön. Und von welchem Jahrgang ist deine?
- 1:59:4818. Reserver. Vinyamonticio. Vinyamonticio, genau, ist so die Parade-Lagespechchen.
- 1:59:59Aber das ist ja, und die Lage selber ist auch in Umbrien.
- 2:00:06Aber das finde ich ja schön. Der Klohde, die Einzellage ist mit dem Vinyamonticio
- 2:00:15und Lungarotti hat in 62 angefangen, also mehr oder weniger dem Torgiano eine ganze Identität zu
- 2:00:21zu sprechen und das aufgebaut, gezeigt, was dort für großartige Weine entstehen können und versucht,
- 2:00:28dieses Gebiet einfach zu entwickeln. Das geschafft dem Gebieten eine ganz, ganz eigene
- 2:00:33Charakteristik zu verleihen und mehr oder weniger so ein Lebenswerk hingestellt und gezeigt,
- 2:00:41dass das eben San Giovese nicht aus der Toscaida stammen muss, sondern eben doch aus Umbrien
- 2:00:47Weine mit einer ganz eigenen Größe, einer ganz eigenen Klasse, einer ganz eigenen Tiefe.
- 2:00:51Du, ich habe ja mal gelesen, dass San Giovese aus der Emilia Romagna kommen soll.
- 2:00:57Ursprünglich. Das heißt, die Toscaida. Und ich meine, das ist ja sehr verbreitet in ganz Mittelitalien.
- 2:01:04Also bis Süditalien ja auch. Im Lazio gibt es das ja auch und ich glaube noch weiter unten auch.
- 2:01:09Verirrt sich die Rebsorte. Ist ja auch die meist angebaute rote Italienz, aber dass die,
- 2:01:15dass die natürlich dann auch bestens in Umbrien zu Hause ist. Das Nachbarregion ist ja klar.
- 2:01:21Ja, ich finde ich, finde ich toll. Ja, ich hätte mir gut das Alter hast du mit dabei.
- 2:01:35Mancher finde ich, hast du ja auch ein bisschen dieses Straffere beim San Giovese.
- 2:01:40Das hat mich da auf die falsche Pferde gelobt.
- 2:01:42Durch die slavonische Eiche finde ich, hast du auch so diese,
- 2:01:48auch ein bisschen diese Parallel, die einen so manchmal in Richtung Brunello denken lässt.
- 2:01:53Das stimmt. Der nicht selten ähnlich ausgebaut wird.
- 2:01:58Ja. Und für mich ein Wein, wo ich auch durchaus in Richtung Speisedenke.
- 2:02:04Also, wo ich glaube, dass die Speise den Wein nochmal ganz anders bereichern und da malen,
- 2:02:11komplettieren kann und er nochmal eine ganz andere Seite zeigt und sich nochmal ganz anders
- 2:02:15nochmal ganz anders präsentieren kann. Daher also finde ich total, total interessant.
- 2:02:22Hattest du mal so ein absolutes Speisenwein oder Weinspeisenerlebnis,
- 2:02:26was dich nachhaltig beeindruckt hat, woran dich gerne erinnert oder irgendwie so ein Essen oder
- 2:02:32ein Menü, wo einweidig besonders beeindruckt hat?
- 2:02:35Ich finde, da muss man ja immer in sich kramen, um da was zu finden.
- 2:02:47Aber ich erinnere mich an eine Szene. Das war in der Corona-Zeit. Da habe ich ja auch online
- 2:02:55Weinenproben gemacht und da habe ich auch eine Sena di Japanerin kennengelernt, die Aiko.
- 2:03:00Und wir haben halt dann so Weine und Speisenabende gemacht. Sie hat das Essen bereitet und ich habe
- 2:03:07halt die Weine den Leuten zugeschickt und dann haben wir das halt online gemeinsam verkostet
- 2:03:13und zubereitet und das war ein Sushiabend und da hatten wir Nourish, Rotentunfisch und ich hatte
- 2:03:23dazu den 218er Spätburgunder von Bertram Baltes und großartiges Weingut, aber halt wirklich deren
- 2:03:33Einstiegswein und das war absolut himmlisch miteinander. Das finde ich halt irre, weil es bedarf ja
- 2:03:43nicht viel, viel großen, du kannst halt auch so wunderbare rustatorische Erlebnisse haben und
- 2:03:52also gut, ich hatte mir natürlich was dabei gedacht, diesen Weinen dazu zu servieren, aber das war
- 2:03:57perfekt. Ich denke mir, das war natürlich auch der perfekte Trinkzeitpunkt für den Wein und das
- 2:04:03war total irre. Ist bei sowas also, glaubst du, dass so ein Wein in so einer Situation für sich
- 2:04:16selbst bestehen kann oder braucht man die richtigen Gläser, muss man ihn richtig treten, braucht
- 2:04:22man die richtige Temperatur, sollte man jetzt gut Spätburgunder würde ich nicht karafieren oder
- 2:04:27würde ich nicht dekantieren, aber allgemein bei Weinen ist der Weinservice sehr wichtig für
- 2:04:34die Wahrnehmung und die Präsentation des Weines oder sollte ein guter Wein immer perfekt performen?
- 2:04:44Also er sollte perfekt performen, aber man kann ihn natürlich schon Hilfsmittel dazugeben.
- 2:04:49Also ich bin kein Glasfetischist, ich finde das bisweilen auch also übertrieben.
- 2:05:01Inwieweit übertrieben? Also Mund geblasen ist hier schon zu viel oder?
- 2:05:05Also nee, nee, das muss sein.
- 2:05:08Okay, nee, Mund geblasen, das muss sein. Ich finde die Ästhetik muss auch stimmen und
- 2:05:14beim Mund geblasen ist natürlich die Finesse des Glases zum einen, das finde ich
- 2:05:18erhebt das Weinvergnügen in ganz anderes Sphären und natürlich auch die Leichtigkeit des Glases.
- 2:05:27Das finde ich extrem wichtig. Nur für jede Rebsorte, die das eigene Glas
- 2:05:37also gut, vielleicht weil ich es auch noch nicht so praktiziert habe und das natürlich jetzt bei
- 2:05:40mir in der Bar auch gar nicht möglich ist, da denke ich mir halt schon, da kommt das ja
- 2:05:46irgendwo an ein gewisses Limit. Ich meine klar, du hast halt Weine, die mehr Luft brauchen,
- 2:05:51andere weniger. Ein interessantes Thema, finde ich auch schön zu wissen, was du davon hältst,
- 2:05:58ist ja das Thema Champagner, der wird ja standardmäßig ins Beißglas geschenkt
- 2:06:06und ich muss sagen, ich finde das falsch. Also ich verstehe natürlich warum, also größeres Glas,
- 2:06:14aber Champagnergläser, da gibt es ja auch zutage etliche, die genauso viel Oberfläche
- 2:06:21für den Champagner bieten wie ein Weinglas und ich finde halt diesen Musikpunkt auch ganz einfach
- 2:06:27wichtig und insofern habe ich, also ist das zum Beispiel ein Thema, was ich auch wichtig finde,
- 2:06:37also Champagner aus einem guten passenden Champagnerglas zu servieren. Bist du da mehr Weißglas?
- 2:06:46Ich bin Weißwein sogar noch größer, also ich bin sogar berühmter Glas,
- 2:06:49bzw. teilweise Bordeauxglas und findest du total spannend, nehmt dann da auch total gerne in Kauf,
- 2:06:53das jetzt im größeren Volumegenglas die Kursäure durchaus weniger spürbar ist, bis einfach überhaupt
- 2:07:00nicht mehr existente oder ein bisschen zeitlich mehr existent, wenn ich nicht schnell genug trinke,
- 2:07:04also der wesentlich schneller ausdampf, weil ich dann mehr in die weinige Tiefe des Schaumweines
- 2:07:10tauchen kann und ihn dann nochmal anders wahrnehme, weil ich auch eine größere und schnellere
- 2:07:15Temperaturentwicklung habe, was ich dann großartig finde, dass ein bisschen wärmer wird und ich dann
- 2:07:19den Wein noch komplexer, noch intensiver, noch noch stoffiger in dem Sinne wahrnehmen kann
- 2:07:25und find das eingesperrt sein in zu kleinen Gläsern, was viele Champagnergläse sind eigentlich nicht
- 2:07:33schön, also jetzt zu schmal flut sowieso nicht, weil die Kursäure, die Nase schießt, die Nasenschleimen
- 2:07:38heute verätzen und überhaupt nicht mehr riechen kannst und seinen Feinheiten gar nicht mehr riechen
- 2:07:41kannst, aber auch die etwas bauchigeren Schaumweingläser finde ich teilweise schwierig, nicht schwierig,
- 2:07:48wenn ich die Frische zelebrieren möchte und diese Kombination aus Weinsäure, Kohensäure,
- 2:07:54die sich ja nochmal multipliziert, noch eine ganz andere Knackigkeit vermittelt, das finde ich
- 2:08:00kommt da mehr zum Tragen, aber das ist dann für mich wieder Lebensgefühl und Schaumwein trinken,
- 2:08:04aber nicht den Wein in seiner Komplexität auflösen, da würde ich eher in die Breite gehen und die
- 2:08:09Breite ist für mich dann ein Weißweinglas, das ist für mich teilweise ein Bogunderglas, gerne auch
- 2:08:15ein Roséweinglas etc. Aber so gut, schon noch richtig breit. Nee, ich habe mir jetzt von Lehmann
- 2:08:23diese Champagnergläser bestellt, die sind wirklich groß, also wenn ich mir das anschaue, die haben,
- 2:08:28finde ich, mehr Volumen, weil es meine Weißweingläser, klar dieser Luftaspekt ist mir total wichtig,
- 2:08:34aber ich finde diesen Musikpunkt auch wichtig, aber wo ich dir total folgen kann, ich mache
- 2:08:42das auch oft bei Champagner, weißt du, dass ich da gerne noch den letzten Schluck aus der Flasche
- 2:08:46am nächsten Tag trinke, um einfach den, ich nenne es jetzt Wein an sich nochmal wehrzuschätzen,
- 2:08:56nochmal anzuschauen und das finde ich beeindruckend, das ist ein großer Champagner, der schmeckt auch
- 2:09:02ohne Bubbles, genauso wie deren Grundweine, die durchaus schon sehr weinig sind,
- 2:09:10das klar du merkst dann auch ganz klar die Qualität des Champagners.
- 2:09:19Natürlich ist die Kursiere auch mal ein Aromenträger in gewisser Weise, also die Weine werden dann
- 2:09:25schon weniger expressiv, aber man kommt mehr in die Seele des Champagners rein, das finde ich dann
- 2:09:33total spannend, also daher finde ich das, wenn du sagst am nächsten Tag nochmal nachprobieren, wenn
- 2:09:36er so ein bisschen ausgedampft ist, das finde ich total reizvoll und spannend und ich finde eben
- 2:09:41auch, dass ein Schaumwein nicht direkt nach dem Öffnen, da hat er einen gewissen Reiz, weil er
- 2:09:45noch so richtig raus, unwirsch, ungeformt sich präsentieren möchte, aber wenn der so mindestens
- 2:09:52eine Stunde nach dem Öffnen sich dann langsam präsentieren kann, also nachdem so die erste,
- 2:09:57ganz, ganz zarte Oxidation stattgefunden hat und er zu sich gefunden hat und der Frischluft irgendwie
- 2:10:03klar kommt und das merkt man bei Schaumwein ganz gravierend und wird bei Schaumwein viel
- 2:10:07zu selten betrachtet. Das stimmt, auch ein Schaumwein zu karafieren, das wird der praktisch auch nie
- 2:10:11gemacht. Ich finde das dann natürlich aber im Service schwierig, weil, weißt du, wenn du einen
- 2:10:17Gas, jetzt ein Schaumwein, der ein Champagner präsentiert ohne Kohlensau und sagt, so muss er sein
- 2:10:23und so schmeckt er noch besser, das wird dann natürlich ein bisschen heikel. Total schwierig,
- 2:10:29also ist rein nördig und irgendwie freaky oder irgendwie total abgedreht, wo man so was
- 2:10:34irgendwie machen möchte. Also da ist, ja, also manchmal wünschte ich mir in so einem Laden
- 2:10:41zu arbeiten, wo man so was durchaus machen kann und die Leute damit, die sind ja offen eigentlich
- 2:10:46dafür bereit, aber manchmal passt es einfach auch nicht in den Laden gerade, wenn sie es auch
- 2:10:50dann irgendwo bezahlen möchte, möchte man für dieses Bezahlte genau das, was man irgendwie bestellt
- 2:10:53hat, aber so, ja, so ein schrägen Land. Gab es für dich mal ein Laden, wo du gerne arbeiten
- 2:10:58willst? Also jetzt außer deiner eigenen Bar, wo du gesagt hast, da würde ich total gerne mal für
- 2:11:03einen Tag, also irgendwie ein Estage für einen Tag, für eine Woche, für einen Monat oder eben
- 2:11:08dauerhaft tätig sein. Also jetzt dann, die Frage hat sich bei mir eigentlich noch nie gestellt,
- 2:11:15ich bin ja sozusagen Gastronowitzen, kenne nur meine Bar, die weiß, was ich mal machen wollte,
- 2:11:24ich wollte mal in so der Erik Werner hatte doch das Estrein, also ein Sternerestaurant
- 2:11:31hier bei uns in Köln und ich wollte mal bei dem einen Tag Spülert sein, um einfach mal zu sehen,
- 2:11:36wie das in so einer Sterneküche funktioniert. Insofern denke ich ja, wenn ich in so einem
- 2:11:42besonders exklusiven Laden jetzt da den Wine-Service machen würde, das würde ein bisschen kompliziert
- 2:11:48werden. Nee, doch. Nee. Und sonst so als Next Step, nachdem du mehr oder weniger reingesneaked
- 2:12:00hast in diese Weinbranche und dich da richtig etabliert hast, wäre der Next Step dann irgendwie
- 2:12:05Winzerin an der A oder sonst irgendwo in Frankreich Weingut übernehmen, ist das so ein Endziel für
- 2:12:10dich oder ist das dann doch too much? Ich meine, du bist ja ausgebildet, wer nicht, wer nicht gut
- 2:12:17und wer dann? Ich könnte loslegen. Also der Gedanke reist mich schon, ich denke mir, das hat ja dann
- 2:12:25auch irgendwie jemand, jeder, der sich intensiv mit Wein befasst, möchte ich auch mal selber machen.
- 2:12:30In der Umsetzung sehe ich es ein bisschen schwierig, aber das ist tatsächlich auch mal,
- 2:12:36ja doch irgendwie so ein Berufswunsch, den ich auch mal mal hatte, was vielleicht ein großes
- 2:12:41französisches Weingut in Deutschland zu vertreten. Jetzt hatten wir auch letztlich mal mit ein paar
- 2:12:47Freunde eine Schnapsidee, ja komm, lass uns doch in Paris mal eine Weinbar aufmachen, was mit deutschen
- 2:12:52Weinen, das finde ich auch nochmal toll, finde ich ja, gell? Der eine meinte dann auch, wir müssten
- 2:13:00irgendwie deutschen Wein mit Brot machen, weil das deutsche Brot international vielleicht anerkannt
- 2:13:06ist, aber ich denke mir, auch mal, ich würde dann vielleicht auch so das Ganze irgendwie Mitteleuropa
- 2:13:11nennen, weißte, wo du noch Österreich mit reinnimmst, aber halt auch solche Länder, weißte, wie Ungarn
- 2:13:17und Slowenien, Kroatien, da geschieht ja auch so unglaublich viel, was man auch gut unter so ein
- 2:13:28Deckmännchen packen könnte. Aber verzettelt man sich dann nicht dann wieder? Also wer ja eigentlich,
- 2:13:34wenn du sagst, deutscher Wein, deutsches Brot, dann hast du ja schon so und das lieber in Perfektion
- 2:13:38leben und Unix Sales Point irgendwie zu haben, wo man sagt, wow, nur dort. Ich denke mir halt,
- 2:13:48ich werde gut, Paris ist natürlich eine große Stadt bekanntlich, aber ich weiß nicht, ob was
- 2:13:55er dann deutscher Wein so der Burner ist, deshalb diese Idee mit dem mit dem Brot ist ganz witzig,
- 2:14:01ich mein, klar, jetzt könntest du natürlich auch noch deutsches Bier oder Craft Beer mit dazunehmen.
- 2:14:08Ja gut, aber siehst du da, haben wir was zum Nachdenken, was wir uns auch machen. Da haben
- 2:14:13wir uns hier ja, ja. Hast du sonst irgendwie ziele Wünsche oder irgendwas, was du dir selber
- 2:14:19noch vornimmst? Also für den Laden denke ich mir auch oft, ob ich das mit den Weinproben nicht
- 2:14:25noch mehr ausbauen soll und vielleicht irgendwie so ein Nachbarladenlokal mit anbieten soll,
- 2:14:31um das ein bisschen zu... Bedarf ist da, oder? Ich finde schon, also ich finde das ja ungeheuer
- 2:14:38schön, wie sich die Wein Szene entwickelt. Weißt du, ich sehe das ja auch in der Bar,
- 2:14:43weiß ich, wie viel Interesse und Wissen auch bei den Gästen da ist und bei den Weinproben
- 2:14:49hast du halt immer die Möglichkeit auch viele verschiedene Weine in jedem Mann dazu probieren,
- 2:14:53was ja extrem lehrreich ist, wenn du jetzt eine einzelne Lage zum Beispiel nimmst.
- 2:15:01Und da denke ich mir ist viel, viel, ja viel noch möglich, was man machen kann.
- 2:15:08Welcher Wein wärst du, wenn du ein Wein wärst?
- 2:15:10Das finde ich auch eine herrliche Frage, da finde ich, kann man da sein, sein ganzes Leben
- 2:15:16noch nachdenken. Ja, irgendwie ja, ne?
- 2:15:18Ja, ja, ich bin stolz. Also auch wenn man von dem weggeht, dass man keine Ahnung, was,
- 2:15:22was du im Letzt leben, waren ja alle Kaiser und Päpste und Architekten und keiner war
- 2:15:27die Armeise und bei welcher Wein bist du, denn sind natürlich alle Pinot oder Riesling.
- 2:15:33Genau. Aber wer ist, wie ist die Riebse heute aus dem Südwesten?
- 2:15:36Das ist keiner. Wo ich mir umgegegen bin, das finde ich, dass ich die nicht kennen.
- 2:15:43Ja, also wir, ich hatte davon auch nie gehört, ich bin halt mit zufällig durch die Trennprobe
- 2:15:49da drauf gekommen und es ist wirklich nur Lotte Garonnen, ich weiß gar nicht, wie viele,
- 2:15:54ich glaube es gibt 300 Hektar davon, also ist jetzt keine Schande, das nicht zu kennen.
- 2:15:59Also was ich toll finde an dieser Zeit, die ja nun auch durch den Klimawandel geprägt ist,
- 2:16:05dass man sich ja oft auch als auf alte Riebsorten besinnt und guckt, ob die nicht vielleicht besser
- 2:16:11jetzt mit dem Klimawandel zurechtkommen und da kommt ja wieder auch einiges zu Tage und
- 2:16:22also ein Wein, der in dessen Rolle ich auch gerne schlüpfen würde und ich den ich dies
- 2:16:30bezüglich auch noch entdeckt habe, ist Senso aus Südfrankreich. Ja, weißt ja, ich meine die oder
- 2:16:38eine der Hosee-Weintrauben, weil die natürlich auch relativ große Trauben hat, weißt du,
- 2:16:45und viel Fruchtfleisch hat und dadurch natürlich viel Saft produziert. Hier und da findet man sie
- 2:16:50natürlich auch in vielen Appellationen, aber ich habe das jetzt mal reinseutig getrunken
- 2:16:56und das hat mich total begeistert, weil es ist im Prinzip genau die Art von Rotwein,
- 2:17:03die man jetzt trinken möchte. Weißt du, was leicht ist, was nicht so viel Gerbstoffe ist, was halt
- 2:17:08sehr einfach super viel Spaß macht zu trinken und ich weiß aber auch eher, was diskret ist, aber was
- 2:17:22dann doch finde ich so sehr, sehr, sehr charmant und gesellig ist und sich dann finde ich, also
- 2:17:33trotzdem sehr viel Freude, den den Weintrinkern bringt und ich bin da auch mal gespannt, was
- 2:17:41dein Zukunft noch an Senso-Weinen rauskommt. Also insofern halt ein Rotwein, wie du siehst,
- 2:17:50aber halt eher ein leichter Rotwein, der halt auch super viel Spaß zum trinken macht.
- 2:17:58Aber das denke ich mir als eine Rebsorte davon, der man mehr hören wird in Zukunft und auch mehr
- 2:18:04reinseutige Weine haben wird und gut anderes Gegenbeispiel ist natürlich Pütiverdaux,
- 2:18:11in Bordeaux, weißt du von dem ja mal gesagt wurde, der wird nicht reif, da glaube ich,
- 2:18:17findet auch nochmal eine Revaluierung statt. Anderes Bewusstsein auch für die Rebsorte und
- 2:18:24für die größere Besonderheit der Rebsorte. Was ist feind für dich als vielleicht abschließende
- 2:18:31Frage, wenn du es in einen Bord pressen müsstest? Ja, es ist natürlich sehr, sehr viel und sehr groß.
- 2:18:46Weiß ich, ich schwanke so wirklich zwischen Kunst, weil ich finde, um große Weine zu kreieren,
- 2:18:56musst du auch Künstler sein, weil die, also die Mache hat wie du großen Wein machst,
- 2:19:03das können wir alle nachlesen. Da ist ja sozusagen kein Geheimnis drin, aber offensichtlich gibt es
- 2:19:09da ja doch was, so dass das gewisse etwas eine Sensibilität, auch den Mut zum Los lassen,
- 2:19:17den den Weinen sich selber entwickeln lassen. Also das, das insofern ist es halt schon Kunst, aber
- 2:19:26ich habe natürlich noch diesen sehr wichtigen Aspekt bei, bei Weinen ist natürlich diese
- 2:19:35gut jahrtausend alte Geschichte, diese zigtausend Länder und die Kultur, einfach die Weinkultur,
- 2:19:47die damit drinsteckt. Das ist ja irre, ich mein, seit 8000 Jahren beschäftigt die Mensch hat sich
- 2:19:53damit Weine zu machen und weißt du, wenn du auch so bessere verschiedene Erziehungsformen siehst,
- 2:19:59wie zum Beispiel da in Santorin in diesen Körbchen, also so schwierig der Weinbau auch war, hat die
- 2:20:06Menschheit sich da dann doch immer dran gewagt und was gemacht und das zu halt auch in diesen
- 2:20:12unwirklichen Gegenden, z.B. in Armenien, das ist ja fast wüstenartig oder auch auf den Kanaren,
- 2:20:19das ist alles Menschheitsgeschichte und ja Kultur, also insofern stecke ich es in die
- 2:20:29Kultur und auch in die lebendige Kultur von heute. Dadurch, dass ich selber mal eine Weinbar hatte,
- 2:20:40konnte ich so viele verschiedene Elemente mitfühlen. Ich finde es toll, wie sie dieses Projekt
- 2:20:46initiiert, diesen besonderen Ort aufgebaut hat, aus dem Wunsch heraus Wein komplett zu leben,
- 2:20:52so ging es mir damals auch und deswegen, wow großartig Valentin, vielen Dank für deine Arbeit,
- 2:20:57für deine Ideen dafür, dass du ihr Mut hattest vor sieben Jahren einen solchen Ort, einen besonderen
- 2:21:03Weinort in Deutschland zu eröffnen, zu initiieren, zu implantieren, zu gestalten, deinem Weinleben,
- 2:21:10deiner Weinliebe dort einen Raum einen Platz gegeben hast und dieses weiter Tricks mit den
- 2:21:15Wein Seminaren, Weinwissen, Weinliebe, Hintergründe und all das, was Wein eigentlich so neben dem
- 2:21:21Trinken ausmacht, einfach mit auf den Weg gibt. Vielen lieben Dank dafür. Es war ein tolles Gespräch,
- 2:21:26es hat viel Spaß gemacht, wir hätten noch Stunden ran hängen können. Danke, dass ihr unser Gast warst.
- 2:21:30Und noch ein ganz großes Dankeschön an die Schlumbergergruppe. 70 Weinpersönlichkeiten
- 2:21:34haben wir schon und manchmal, wenn ich auf die Homepage, ich weiß gar nicht, wann ihr schon mal
- 2:21:37auf der Homepage, das ist www.Sommelier.website und da haben wir alle Sommiers aufgelistet oder alle
- 2:21:43Weinpersönlichkeiten, also manche Änderungen sind ja nicht mehr als Sommelier tätig, aufgelistet
- 2:21:48mit den verschiedenen teilweise Weinempfehlungen, die sie hier haben, mit verschiedenen Zitaten,
- 2:21:53die wir rausgelöst haben und jetzt wird es so ein richtig wunderbar buntes Bild und man sieht
- 2:21:59eigentlich, dass es keinen so perfekten oder keinen so Sinnbild für Sommier gibt, sondern
- 2:22:05dass diese verschiedenen Persönlichkeiten das große Ganze ausmacht und dank der Schlumbergergruppe
- 2:22:10konnten wir diese Plattform erschaffen. Vielen lieben Dank dafür. Den Handelshäusern, Segnet,
- 2:22:15Schlumbergerkonsiowini und dem Privatkundenportal Bremer Weinkollekt. Den Dank Ihnen bis nach dem
- 2:22:21Freitag vor dem Freitag und danke Ihnen haben wir nächste Woche wieder unsere sparte Sommie
- 2:22:26and Friends und da eine ganz besondere Frau, die Geschäftsführerin einer der außergewöhnlichsten
- 2:22:33Winzervereinigungen, eigentlich nicht nur Deutschland, sondern weltweit des VDPs und wer kriegt die
- 2:22:39Geschäftsführerin des VDPs mal für zwei Stunden zu sprechen? Daher freue ich mich auf die kommende
- 2:22:43Woche, auf ihre Ansichten und Betrachtungsweisen und ihrem Blickwinkel auf Sommies und all das darüber
- 2:22:49hinaus. Ich freue mich sehr auf Teresa Olkus.
- 2:22:52Oh, das war es schon wieder mit dem aktuellen Sommilit-Pronkast. Diesmal mit der famosen Valentin
- 2:23:13Mühlenberger. Mein Name ist Stefan Penteck und ich lebe in Köln. Seit meiner Ausbildung in der Gastronomie
- 2:23:20beschäftige ich mich sehr viel mit Wein, habe Gastrokonzepte mitentwickelt,
- 2:23:25in Fachhandel gearbeitet und aktuell im Vertrieb für ein großes Weingut von der A. Mit
- 2:23:33Valentina habe ich in Köln in Deutschlands schönsten Weinkeller gearbeitet. Sie hat dort immer die
- 2:23:39Weinexpertisen geschrieben. Über die Zeit sind wir da zusammen auch zu Freunden geworden
- 2:23:45und sie berichtete mir damals, dass sie gerne eine Weinbei öffnen möchte. Und verrückt,
- 2:23:51ihre Weinbar, die Barrics, gibt es jetzt schon sieben Jahre. Wahnsinn. Das Tolle an Valentine ist,
- 2:23:56dass sie Wein allen auf sehr simple Weise und mit viel Emotionalitäten näher bringt. Das ist der
- 2:24:02Erfolg ihrer Bar. Sehr so schätzen weiß ich auch, dass sie mir vertraut, obwohl wir geschmacklich ein
- 2:24:10gehöriges Stück weit auseinander liegen. Diese gegenseitige Wertschätzung ist so groß, dass sie
- 2:24:17mir in ihren Sommer fehlen, auch mal die Schlüsse ihrer Lokalität überlässt und ich dann einfach
- 2:24:24einen Bar-Takeover machen kann. Herrlicher frischend. Generell ist der Austausch mit ihr sehr angenehm
- 2:24:30und immer auf Augenhöhe. Valentine ist ein echtes Schätzchen als Person und natürlich
- 2:24:36ihre Barrics. Besucht sie, erlebt sie und fühlt die Zuneigung, die sie ihren Gästen und auch
- 2:24:46den Wein gegenüber hat. Also, Santé Valentine.
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