Latest / Gin And Talk / Daniel Fürg über Gespräche, Abschiede und Mut
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- 0:00Speaker 1: Herzlich willkommen an unserem Badresen.
- 0:02Speaker 1: Mein Name ist Daniel Vög und heute ist hier alles etwas anders als sonst!
- 0:08Speaker 1: Der Platz neben mir ist leer, kein Gast, kein zweites Glas – und trotzdem wird es in der nächsten guten halben Stunde ziemlich voll an dieser Bar.
- 0:17Speaker 1: Denn das hier ist die Folge onehundertneunundneunzig und bevor wir beim nächsten Mal die zweihundert feiern möchte ich einmal stehen bleiben.
- 0:27Speaker 1: Angefangen hat alles im Frühjahr.
- 0:31Speaker 1: Ich kam Ende März von einer längeren USA-Reise zurück und zu Hause war alles zu, Restaurants, Bars, Cafés geschlossen wegen der Pandemie.
- 0:41Speaker 1: Was wir allerdings hatten, war ein Bardresen bei uns im Studio – ich wollte schon immer einen Gesprächsformat an genau diesem Dresen machen!
- 0:50Speaker 1: Zwei Menschen zwei Drinks viel Zeit.
- 0:53Speaker 1: Wenn nicht jetzt wann dann?
- 0:55Speaker 1: Also ging es los.
- 0:57Speaker 1: Seitdem saßen hier Schriftsteller und Schriftställerinnen, Pfarrer Strafverteidiger und Astronautinnen Politiker und Politikerinnen Musiker und Musikerin Philosophen und Philosophinnen Und Zeitzeugen.
- 1:11Speaker 1: Ich habe mich für diese Episode noch einmal durch all diese Gespräche gearbeitet und die Momente herausgesucht, die bei mir hängen geblieben sind Die Lustigen, die Klugen und die nach denen es im Studio erst mal sehr still war.
- 1:27Speaker 1: Alle haben nicht hineingepasst, das sage ich gleich dazu.
- 1:30Speaker 1: Aber die hier mussten
- 1:32Speaker 1: sein.".
- 1:34Speaker 1: Eines vorweg – um die Bar oder um Drinks ging es in all den Jahren so gut wie nie!
- 1:39Speaker 1: Der Tresen war immer nur der Einstieg ein schöner Ort, um ins Reden zu kommen.
- 1:45Speaker 1: Dass das so kommen würde hat sich allerdings schon im allerersten Gespräch abgezeichnet
- 1:54Speaker 0: und eine Menge Zeit für ein persönliches Bargespräch.
- 1:59Speaker 0: Herzlich willkommen an unseren Bartresen!
- 2:02Speaker 0: Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge Gin & Talk!
- 2:07Speaker 0: Mach es dir gemütlich, lehne dich zurück... ...und tauche ein in die verrucht düstere Atmosphäre unserer Studio-Bar.
- 2:24Speaker 1: Mein erster Gast im Mai of May was Stefan Gabani war.
- 2:29Speaker 1: Dreiundzwanzig Jahre lang stand er hinter dem Tresen von Charles Schumann.
- 2:33Speaker 1: Seit Jahren führt er in München seine eigene Bar und er hat das Whisky-Lexikon geschrieben, eine Barlegende auch wenn er das selbst nicht gerne hört.
- 2:42Speaker 1: Ich dachte damals mit wem?
- 2:44Speaker 1: Wenn nicht mit ihm redet man im Podcast namens Gin & Talk über Gin.
- 2:50Speaker 1: Das lief dann so.
- 2:51Speaker 1: Es gab's ja die letzten Jahre einen wahnsinnigen Hype um Gin.
- 2:55Speaker 1: Ich muss ja zu meiner Schande zugeben, auch hier steht im Verhältnis viel zu viel Gin zu den anderen Dingen.
- 3:03Speaker 1: Wie erklärst du dir diesen wahnsinnigen Gin-Hype und kannst du es irgendwie nachvollziehen?
- 3:09Speaker 0: Ja also das ist ja nicht das erste Mal dass eine Spiritose so gehyped wird.
- 3:13Speaker 0: Also wenn Du Dir die Achtziger, Neunziger Jahre anschaust da war's mit Wodka noch viel schlimmer.
- 3:18Speaker 0: Da kam mir wirklich jede Woche was Neues raus!
- 3:20Speaker 0: Und bei Wodka ist er noch extremer.
- 3:21Speaker 0: Die schmeckt halt grundsätzlich erst mal nicht noch sehr viel.
- 3:25Speaker 0: Und das ist halt ein, da ist eine unglaubliche Marketingpower dahinter.
- 3:29Speaker 0: So wie heute natürlich mit dem Gin auch.
- 3:31Speaker 0: In der Bar braucht es natürlich nicht.
- 3:33Speaker 0: Also bei uns ist jetzt auch, ich wüsste keine Ahnung wie viel wir haben, dreißig oder fünfundreißig sind mir eh schon zu viele.
- 3:41Speaker 0: Als wir angefangen haben, wenn du früher fünf anständige Gins hattest warst du gut sortiert.
- 3:46Speaker 0: Das geht heut'n nicht mehr.
- 3:47Speaker 0: aber man muss jetzt nicht jeden Quatsch mitmachen.
- 3:50Speaker 0: Ich find's außerdem... Das ist halt auch saufrecht, dass Leute jetzt für einen halben Liter Neutral-Sprit mit Aroma vierzig Euro wegnehmen.
- 3:58Speaker 1: Neutralsprit mit aroma – damit war das Thema Gin in Folge eins im Grunde erledigt und ehrlich gesagt für die nächsten knapp zweihundert gleichmit.
- 4:07Speaker 1: Stefan hat damals ohne es zu wissen Die Pointe dieser Show gesetzt.
- 4:11Speaker 1: Der Gin steht auf dem Tresen aber gesprochen wird über alles andere Über das Leben den Tod die Demokratie
- 4:19Speaker 0: und
- 4:19Speaker 1: die Liebe.
- 4:21Speaker 1: Einmal allerdings hat ein Gentonic hier wirklich die Hauptrolle gespielt.
- 4:25Speaker 1: Marcel Reif kennt ihr als eine der großen Stimmen des deutschen Fussballs, bei mir ging es im Juni-Zweißenvierundzwanzig kaum um Fußball sondern um seine Familiengeschichte geboren in Polen über Israel nach Deutschland um Hass und Populismus und um den Satz seines Vaters sei ein Mensch.
- 4:44Speaker 1: Und dann erzählt er von einem Sundowner bei dem ihm die Tränen kam.
- 4:49Speaker 0: Ich glaube, diese Spezies hätte Kalkwaffen bleiben sollen.
- 4:53Speaker 0: Das wäre für den Planeten und für den Rest der Dinge.
- 4:58Speaker 0: Aber wir sind ja die Krone der Schöpfung!
- 5:00Speaker 0: Meine Frau hat mir zu irgendeinem Geburtstag eine Safari geschenkt in Südafrika.
- 5:05Speaker 0: Da standen wir an so einer Lichtung.
- 5:07Speaker 0: Und da gab es den Sundowner.
- 5:08Speaker 0: Dann gab es irgend ein Gin Tonic auf der Lichtung mitten in einer... Also das standen bei so einer Ecke und fünftien Meter entfernt standen Giraffen, die trafen sich da auch auf der Lichte.
- 5:22Speaker 0: Und Zebras... also wildet hier in einer Unfall... ich habe geheult!
- 5:28Speaker 0: Ich habe einfach nur, weil ich den Moment gespürt habe, dachte wer um Himmels willen hat uns?
- 5:34Speaker 0: Also die Menschlein, die da rupscht mit ihrem Sundowner.
- 5:38Speaker 1: What the
- 5:39Speaker 0: hell haben wir hier
- 5:40Speaker 0: verloren?!
- 5:42Speaker 0: Wer...?
- 5:42Speaker 0: Und dann guckte ich vorne in dem Range Rover das Ranges, der mit uns da rumgefahren ist, dieses eine riesen Gewehr.
- 5:50Speaker 0: Was er immer dabei haben muss.
- 5:52Speaker 0: Und dass sie pass auf, wer der wie wir das Gewehr nicht dabei hätten, wäre die Frage möglicherweise auch viel früher schon beantwortet worden.
- 6:00Speaker 0: Gar nichts haben wir hier verloren!
- 6:02Speaker 1: Wer sind wir eigentlich?
- 6:03Speaker 1: Um diese Frage ging es hier deutlich öfter als um Wacholder und oft habe ich Sie Menschen gestellt, die davon leben, dass ihnen etwas einfällt.
- 6:13Speaker 1: Doris Dörrje, Filmemacherin, Schriftstellerin, Professorin.
- 6:17Speaker 1: Knapp vierzig Filme fast dreißig Bücher hat mir im Dezember zwei tausend zwanzig erklärt das man beim schreiben vor allem eines nicht darf Nachdenken.
- 6:27Speaker 1: Ich habe ihr dann gestanden dass mir die besten Ideen immer kurz vor dem Einschlafen kommen und ich zu faul bin noch einmal aufzustehen um sie aufzuschreiben.
- 6:36Speaker 1: Sie hatte dafür die passende Geschichte
- 6:42Speaker 0: Und immer hatte er ganz tolle Ideen mit in der Nacht und war zuvall aufzustehen, uns aufzuschreiben.
- 6:47Speaker 0: Es waren großartige Ideen für die besten Filme aller Zeiten oder den besten Film aller Zeiten.
- 6:52Speaker 0: Dann hat er sich gezwungen ein Stück Papier einen Stift auf den Nachtisch zu legen.
- 6:57Speaker 0: Das nächste Mal als er aufgewacht ist – so wie das eine großartig Idee im Traum hatte!
- 7:02Speaker 0: Für den allerbesten Film hat er es aufgeschrieben und ist dann beruhigt wieder eingeschlafen.
- 7:06Speaker 0: Am nächsten Morgen schaut er auf den Zettel und versteht drauf Boy meets girl.
- 7:11Speaker 0: So ist das mit den großartigen Ideen.
- 7:16Speaker 1: Kleine Fußnote dazu, gut drei Jahre später saß Paul Ma neben mir und kam von sich aus auf genau diese Billy-Walter-Geschichte – sie scheint unter Geschichtenerfindern also die Runde zu machen!
- 7:28Speaker 1: Paul Ma hat mit dem Sams Generationen von Kindern begleitet… mich eingeschlossen.
- 7:33Speaker 1: Hängen geblieben ist mehr aus unserem Gespräch im Januar.
- 7:38Speaker 1: Er hat sehr offen von seinem Vater erzählt, streng autoritär auch gewalttätig.
- 7:45Speaker 1: Lange fand er keinen Zugang zu ihm und dann erschien sein Buch.
- 7:49Speaker 0: Der Stolz auf seinen Sohn war weil er nämlich mit meinem neuen Buch unter dem Arm in Schweinfurt durch die Fußgängerzone gegangen ist.
- 7:58Speaker 0: Und wenn er einen alten Bekannten getroffen hat das hat mir meine Schwester erzählt Dann hatte das Buch hervorgeholt Das Buch von meinem Sohn Paul, der hat dafür den deutschen Jugendliteraturpreis gekriegt.
- 8:12Speaker 0: Er hat es wieder reingesteckt und hat sich noch ein bisschen unterhalten bis weitergegangen um einen neuen Bekannten zu treffen, dem er auch diese schöne Nachricht übermitteln
- 8:22Speaker 0: konnte.".
- 8:23Speaker 1: Ein Vater, der es seinem Sohn nie sagen konnte aber dafür ganz Schweinfurt.
- 8:28Speaker 1: Bleiben wir bei den Schriftstellern – und bei einem ganz besonderen!
- 8:32Speaker 1: Jan Weiler?
- 8:33Speaker 1: Früher Chefredakteur des SZ-Magazins, dann kam Maria.
- 8:37Speaker 1: ihm Schmeckts nicht.
- 8:38Speaker 1: Seitdem schreibt er nur noch Bücher und erhält hier ein Rekord.
- 8:42Speaker 1: Jan ist bis heute der einzige, der dreimal zu Gast war.
- 8:46Speaker 1: Beim ersten Mal im September zwanzig hat er mit der Vorstellung vom Dichter am prasselnden Kaminfeuer gründlich aufgeräumt.
- 8:54Speaker 0: Wo die Inspiration einen erwischt?
- 8:57Speaker 0: natürlich alles totaler Blödsinn!
- 8:59Speaker 0: Das is'n Handwerk Arbeit, dazu gibt es eine wahnsinnig gute Anekdote der großartige Maler Chuck Close.
- 9:07Speaker 0: Der wurde mal gefragt, wo nehmen sie denn alle ihre Inspiration her?
- 9:11Speaker 0: Dann hat er gesagt, inspiration ist für Amateure.
- 9:16Speaker 0: Profis kommen zur Arbeit setzen sich hin und legen los.
- 9:19Speaker 0: so ist es.
- 9:21Speaker 0: das muss man halt
- 9:22Speaker 1: können hinsetzen und loslegen.
- 9:25Speaker 1: Wobei ein bisschen Material braucht man schon.
- 9:28Speaker 1: Wo er das findet, hat Jan mir bei Besuch Nummer zwei erzählt im Sommer.
- 9:34Speaker 1: Er war nach achtzehn Jahren auf dem Dorf gerade in die Stadt gezogen und hatte sein liebstes Hobby wieder entdeckt.
- 9:41Speaker 1: Fremden Leuten beim Reden zuhören.
- 9:43Speaker 0: Ein Dorf wird aber nicht viel geredet?
- 9:46Speaker 0: Aber im Café!
- 9:47Speaker 0: Ich war einmal in Ostwestphalen in einem Café wo zwei alte Damen saßen und so riesige Torte gegessen haben Und die sagten, also eine Viertelstunde nichts.
- 9:59Speaker 0: und dann sagte die eine.
- 10:01Speaker 0: Und was macht der Mann?
- 10:03Speaker 0: Und dann waren fünf Minuten Ruhe und dann sagt die andere Der war in einer Schiefshebetechnik tätig und ist kurzfristig verstorben.
- 10:12Speaker 0: Das fand ich großartig!
- 10:14Speaker 0: Dann haben sie wieder nix gesagt.
- 10:16Speaker 0: Das war das Einzige, was sie gesagt haben, die beiden Sätze.
- 10:19Speaker 0: Ich dachte es ist doch unglaublich.
- 10:21Speaker 0: Es war für einen Riesenspaß Wenn man unter Menschen sein kann, so wie in der Stadt.
- 10:28Speaker 1: Zwei Sätze in zwanzig Minuten und ein ganzes Leben drin!
- 10:32Speaker 1: Und was passiert wenn aus dem Handwerk Erfolg wird?
- 10:35Speaker 1: Sven Regner, Sänger von Element of Crime und Autor von Büchern wie Herr Lehmann war im Juni-Zweißen-Dreiundzwanzig hier – kurz nach dem fünftzehnten Studioalbum der Band.
- 10:46Speaker 1: Ich wollte wissen, wie man über so viele Jahre auf dem Boden bleibt.
- 10:50Speaker 1: Seine Antwort gehört für mich zum klügsten, was an diesem Dresen je über Erfolg gesagt wurde.
- 10:56Speaker 0: Das heißt wir haben den Misserfolg nicht persönlich genommen noch dem Motto Wir sind scheiße weil wir keinen Erfolg haben.
- 11:04Speaker 0: und als es mir dann wieder sehr erfolgreich wurden, haben wir das auch nicht so persönlich genommen.
- 11:08Speaker 0: und dass ist schlau Weil die Musik wird ja nicht besser wenn man mehr Erfolg hat Sondern man hat einfach nur mehr Erfolg Und das ist toll und das macht die Sache leicht dafür ein.
- 11:19Speaker 0: Aber das macht an sich die Musik nicht besser.
- 11:22Speaker 0: Erfolg ist eine gesellschaftliche Kategorie und kann in dieser Art von Erfolg, im Musikmarkt
- 11:28Speaker 0: usw.,
- 11:28Speaker 0: oder im Literaturgeschäft.
- 11:31Speaker 0: wie viele Büchermannverkauf, wie viel Platten, die für Leute zu den Konzerten kommen... Das sind letztendlich gesellschaftlichen Erscheinungen!
- 11:38Speaker 0: Und man darf das nicht zu persönlich nehmen.
- 11:39Speaker 0: Man darf nicht denken, dass es liegt daran, dass man selber so ein wahnsinnig toller Hecht ist.
- 11:43Speaker 0: Das schütten wir uns zur Depression wenn das wieder auffällt.
- 11:45Speaker 0: Bleibt
- 11:45Speaker 1: also die Frage, die im Moment über jedem kreativen Beruf hängt?
- 11:49Speaker 1: braucht es uns dafür überhaupt noch?
- 11:51Speaker 1: Ich habe sie erst vor ein paar Wochen Florian Ilias gestellt.
- 11:55Speaker 1: Er war mit Träume aus Feuer da, der Geschichte des Alchemisten Johannes Kunkel, der dem großen Kurfürsten Gold versprach und stattdessen das begehrteste Glas Europas erfand.
- 12:06Speaker 1: Ob er an eine menschliche Kreativität glaubt die sich auch auf lange Sicht nicht kopieren lässt wollte ich wissen.
- 12:12Speaker 0: Jedes dieser Werke ist durch einen Körper gegangen, der Erfahrung gemacht hat.
- 12:19Speaker 0: Der eine schöne oder schwere Kindheit hatte, der Verlust erlebt hat, der Angst vor seinem Tod hat, sich schwach fühlt und stark fühlt, sich eifersüchtig ist neidisch glücklich erfüllt, unerfüllt.
- 12:42Speaker 0: Diese Gefühle... kann eine künstliche Intelligenz immer nur simulieren.
- 12:46Speaker 0: Sie kommt aus Datenleitung, aus Chips mit spektakulärer Qualität.
- 12:53Speaker 0: Ich sehe das mit großen und bewundernen Augen was da gerade passiert.
- 12:57Speaker 0: aber ich glaube diese Urkörper-Erfahrung, Ursälen Erfahrung die man in sich trägt im positiven wie negativen diese ganze große Erfahrungsreichtum der eigenen Körper sitzt Dem wird immer noch was anderes kommen als aus einem gekühlten Rechenzentrum.
- 13:18Speaker 1: An einer Bar darf man sagen, was man denkt – das ist vielleicht ihr größter Wert!
- 13:23Speaker 1: Und mir war immer wichtig dass hier Menschen mit Haltung sitzen.
- 13:26Speaker 1: Auch solche deren Haltung ich nicht teile.
- 13:29Speaker 1: Einer der nie ein Blatt vor den Mund genommen hat ist Per Steinbrück.
- 13:33Speaker 1: Früherer Bundesfinanzminister, Im Mai, twenty-fünfundzwanzig hatte er mir sehr deutlich gesagt was ihn am Verhältnis von Politik und Bürgern stört.
- 13:45Speaker 1: Dass Politik den Menschen nichts mehr zumuten
- 13:48Speaker 0: will
- 13:49Speaker 1: aus Angst vor Liebesentzug!
- 13:51Speaker 1: Und dann kam er auf seine damalige Gegnerin zu sprechen – und auf den Satz mit dem sie zwei Tausend Dreizehn das gemeinsame Fernsehduell beendet hat.
- 13:59Speaker 0: So ich zolle Frau Merkel für ihre Lebensleistung je in Respekt aber ja Sie gehörte über Jahre zu denjenigen die eigentlich die Bevölkerung sediert hat.
- 14:09Speaker 0: Ich bin die Mutter über alle deutsche Porzellankisten, sie können gut schlafen und ich werde nie vergessen wie in dem
- 14:15Speaker 1: Fernseh-Duell
- 14:16Speaker 0: das ich mit ihr hatte, als ich Kanzlerkandidat der SPD war den kongenialen Abbinder fand, der da lautete Sie kennen mich ja gute Nacht!
- 14:26Speaker 0: Das sagt er alles.
- 14:28Speaker 1: Haltung gibt es auch von der Kanzel.
- 14:30Speaker 1: Rainer Maria Schießler ist Fahrer in München und passt in keine Schublade.
- 14:35Speaker 1: Er segnet homosexuelle Paare, fährt Motorrad und bedient auf dem Oktoberfest um den Lohn zu spenden.
- 14:43Speaker 1: Im Oktober-Zw.
- 14:45Speaker 1: mitten in der Pandemie hat er mir eine kleine Geschichte erzählt die größer ist als manche predigt.
- 14:51Speaker 0: Es gibt eine schöne Geschichte und zwar
- 14:53Speaker 1: alle Religionen
- 14:54Speaker 0: warten im Wartezimmer vom Himmel bis sie eintreten dürfen jeder mit seinen Unterlagen der Christ mit der Bibel an der Judemäben mit dem Talmud und der Moslem im Koran.
- 15:07Speaker 0: Jeder beäugt den anderen so von unten raus, jeder denkt dann bin ich mal gespannt wer wird der erste sein in ein Reinholt?
- 15:13Speaker 0: Wer wird er erst sein gehen?
- 15:16Speaker 0: Dann geht die Tür auf und da kommt der liebe Gott.
- 15:19Speaker 0: Und dann sagt er alle eintreten aber wieso habt ihr nicht miteinander gesprochen?
- 15:26Speaker 0: Ihr hatte doch so viel Zeit!
- 15:28Speaker 1: Miteinandersprechen so lange Zeit ist, dass uns genau die gerade ausgeht.
- 15:32Speaker 1: hat kaum jemand in ein so klares Bild gepackt wie die Philosophin Ariadne von Schirach.
- 15:37Speaker 1: November zwahltausendundzwanzig wir reden über Verantwortung und darüber ob wir Menschen ihr überhaupt gewachsen sind.
- 15:45Speaker 0: wenn es nur noch um Geld geht dann das Überleben der Gemeinschaft nicht mehr Priorität Und das erleben wir gerade.
- 15:52Speaker 0: Genau das ist unsere unbehagene Bedrohung, also wir werden als Spezies bedroht von unserer Lebensweise.
- 15:57Speaker 0: Das muss man sich mal vorstellen!
- 15:58Speaker 0: Es ist wie ein Affe der in einem Baum sitzt den er unten selber anzündet und dann fragt er sich worum es heiß wird.
- 16:04Speaker 1: Wie selbstverständlich uns vieles geworden ist merkt man erst wenn jemand von dort erzählt wo es das alles nicht gibt.
- 16:11Speaker 1: Die Journalistin Natalie Amiri hat über Jahre ihre eigene Freiheit riskiert um aus dem Iran zu berichten.
- 16:19Speaker 1: Im April, hat sie mir erklärt,
- 16:22Speaker 0: warum
- 16:22Speaker 1: in einer Minute dreißig Tagesschau immer nur das Regime vorkommt und nie die Menschen.
- 16:28Speaker 1: Und das ist nebenbei einer der ganz wenigen Momente, in denen an diesem Tresen doch jemand über Gentonic spricht.
- 16:35Speaker 0: Eigentlich haben die Leute, die da auf der Straße rumlaufen, die Nase voll!
- 16:42Speaker 0: Von diesem Präsidenten und von dem System.
- 16:45Speaker 0: Und eigentlich würden sich die Leute ganz gerne zu uns jetzt hier an die Bar setzen, um mit uns ein Gin Tonic trinken.
- 16:51Speaker 0: Eigentlich wollen die Leute auch nicht mehr Schurkenstart und diffamiert werden und irgendwie zur so einer dunklen Welt dazu gehören sondern sie wollen zum Westen dazugehören und sie wollen Teil des Westens sein!
- 17:03Speaker 0: Und eigentlich gibt es hier eine unglaublich gebildete Mittelschicht Unglaublich klug sind und uns auch bereichern würden.
- 17:13Speaker 0: Aber dafür ist sie keine
- 17:14Speaker 0: Zeit.".
- 17:15Speaker 1: Zurück nach Deutschland in die Wendejahre.
- 17:18Speaker 1: Gregorgiesi habe ich im Mai-Mail-Zweitausend-Einundzwanzig gefragt, was meine Generation – Ich bin Jahrgang-Achtundachtzig aus der Wiedervereinigung eigentlich lernen sollte.
- 17:28Speaker 1: Seine Antwort handelt vom Westen und Vom Osten aber sie gilt genauso für jedes Büro und wie ihr selbst gleich hinterher schob, für jede Ehe!
- 17:38Speaker 0: Also immer, wenn du siegst darfst du den Verlierer nicht missachten.
- 17:41Speaker 0: Und... Du musst bei dem Verlierern nachschauen was er genau gemacht hat weil der mindestens fünf bis zehn Sachen besser gemacht hat als du und die musst du übernehmen.
- 17:51Speaker 0: erst dann bist du ein kluger Sieger.
- 17:52Speaker 0: Wenn du nicht aufhören kannst zu siegen Dann bist du dumm!
- 17:56Speaker 0: Und dann gehen dir Dinge verloren und du wirst sie nicht
- 18:00Speaker 1: los.
- 18:03Speaker 1: Die beste Antwort darauf kam im Oktober, twenty-fünfundzwanzig von Wolfgang Thierse.
- 18:12Speaker 1: Der frühere Bundestagspräsident ist in der DDR groß geworden und kann deshalb mit einem ganz bestimmten Wort bis heute nichts
- 18:20Speaker 1: anfangen.".
- 18:36Speaker 0: Skeptische Erwartung gegenüber dem, was passiert ist dann schon angemessene Haltung.
- 18:40Speaker 0: Aber daran muss man erinnern!
- 18:42Speaker 0: Es gibt von Wasser Farbe diesen wunderbaren Satz Hoffnung heißt nicht dass eine Sache gut ausgeht sondern das sie in sich vernünftig und richtig ist und sich dafür für sie einsetzt zu setzen lohnt.
- 18:53Speaker 1: Thierse mag das Wort Optimismus nicht.
- 18:56Speaker 1: Eine Frau die allen Grund hätte es ebenfalls nicht zum mögen hat es sich zum Lebensprinzip gemacht.
- 19:02Speaker 1: Charlotte Knobloch wurde in München geboren.
- 19:06Speaker 1: Mit sechs Jahren sah sie in der Progromnacht die Synagoge in der Herzog Rudolfstraße brennen.
- 19:12Speaker 1: Sie überlebte den Holocaust bei einem früheren Dienstmädchen ihres Onkels, das sie als eigene uneheliche Tochter ausgab.
- 19:21Speaker 1: Nach dem Krieg hat sie mir
- 19:22Speaker 0: erzählt
- 19:23Speaker 1: wollte eigentlich niemand bleiben – sie blieb und baute jüdisches Leben in München wieder mit auf!
- 19:29Speaker 1: Im September, ich habe sie gefragt woher sie ihren Optimismus nimmt.
- 19:35Speaker 0: Ich habe wieder in diesem Land eine Heimat gefunden und hab das auch ausgesprochen wie wir den Grundstein für die Synagoge gelegt haben und gesagt jetzt habe ich meine Koffer ausgepackt.
- 19:46Speaker 0: Das war Anfang dieses Jahrhunderts.
- 19:50Speaker 0: Und es stimmt auch!
- 19:51Speaker 0: Ich habe keine Koffe mehr und ich habe den Willen noch zu erleben dass dass dieser Judenhaus, der sich dagegen uns richtet.
- 20:03Speaker 0: Dass er auch der Vergangenheit angehört und da bin ich ein bisschen in Zweifel ob das... Ob sich das wirklich so darstellt.
- 20:11Speaker 0: Darum ist der Optimismus den ich habe weil ich diese Salantliebe, diese Heimatliebe die Menschen eher haben, dass sich das noch so verändern wird und dass die Menschen wieder auf das sich konzentrieren was sie eigentlich sind.
- 20:31Speaker 1: Jetzt habe ich meine Koffer ausgepackt.
- 20:33Speaker 1: Es gibt Momente in diesem Format, an denen es irgendwann still wird weil jemand etwas erzählt das man nicht mehr vergisst.
- 20:41Speaker 1: von diesen Momenten gab es sehr viele und Ich bin für jeden einzelnen dankbar.
- 20:48Speaker 1: Eva Umlauf war eines der jüngsten Kinder die ausschwitz überlebt haben.
- 20:53Speaker 1: sie ist kinderärztin und psychotherapeutin geworden Und mit dreiundachtzig Jahren hat sie ein buch geschrieben dass keine erinnerung sein will Sondern eine Warnung.
- 21:03Speaker 1: Genau so fängt es an!
- 21:05Speaker 1: Im April, in dem Jahr im April, im April ist sie mir gegenüber und ich habe sie gefragt wie sie sich ihr eigenes Überleben erklärt.
- 21:13Speaker 0: Dass ich überlebt habe, niemand kann mir das beantworten.
- 21:19Speaker 0: War das Zufall?
- 21:21Speaker 0: War das Glück?
- 21:23Speaker 0: War vielleicht auch der liebe Gott?
- 21:25Speaker 0: Man kann sich aussuchen.
- 21:27Speaker 0: Ich suche mir das Glück aus.
- 21:31Speaker 0: Glück, dass der Zug nach Hauswitz sich verspätet hat.
- 21:35Speaker 0: Drei Tage über mein sofortigen Gaskammergang.
- 21:42Speaker 0: Nicht mehr möglich ... Das war nicht mehr möglich, weil die waren schon gesprengt und haben nicht funktioniert.
- 21:51Speaker 1: Ich suche mir das Glück aus.
- 21:53Speaker 1: Steffen Ufer war über fünfzig Jahre Strafverteidiger lange gemeinsam mit Rolf Bossi.
- 21:59Speaker 1: Er hat Mörder verteidigt und Prominente.
- 22:02Speaker 1: Und er hat sich in seinem Urlaub um junge Deutsche gekümmert, die in den USA in der Todeszelle saßen.
- 22:10Speaker 1: Im November-Zw.
- 22:11Speaker 1: erzählt er was ihm die amerikanische Pflichtverteidigerin eines dieser Jungen berichtet hat.
- 22:31Speaker 0: in Tucson gewesen und da hätte ein Vogel gezwitschert.
- 22:37Speaker 0: Und dann hätte eben der junge Macron gefragt, was ist das?
- 22:45Speaker 0: Dann sagt er, it's a bird!
- 22:48Speaker 0: Dann sagte er I haven't heard a bird for twelve years.
- 22:54Speaker 0: Das hat sie mir weinen erzählt.
- 22:56Speaker 0: und da wird einem so bewusst unter welchen grausigen Bedingungen, die Menschen schon mal bis zu einer möglichen Hinrichtung behandelt werden.
- 23:09Speaker 1: Um das Fremdzeien ging es im November, in seinem Buch Fremden und in unserem Gespräch.
- 23:18Speaker 1: Fremde in diesem Land, fremd unter Menschen.
- 23:21Speaker 1: aber dann ging er noch einen Schritt weiter zu dem Fremding dass jeder von uns in sich selbst trägt.
- 23:27Speaker 0: Aber bin ich fremd?
- 23:28Speaker 0: Ja, ich bin auch gegenüber meinen Kindern oder sie mir fremd.
- 23:33Speaker 0: Weil das will ich vielleicht noch ergänzen.
- 23:36Speaker 0: Ich weiß nicht wie es Ihnen geht aber ich wollte so oft einen Reifverschluss hier aufmachen die Haut wegziehen um wirklich mal rein zu gucken.
- 23:44Speaker 0: wer bin ich?
- 23:44Speaker 0: Es gibt so vieles was sich nicht von mir war ist so viel Fremdes in mir und ich bin sicher dass dieses Fremde soviel Kraft Und ich weiß nicht mal, dass es mich so bestimmt.
- 23:55Speaker 0: Wie soll ich das für mich empfinde bei einem anderen Denken?
- 23:59Speaker 0: Ich könnte den Reifverschluss aufmachen und diesen anderen Menschen bei aller Liebe, die ich fühle, so durchdringen, dass dieser Mensch keine Fremdheitsteile in sich trägt.
- 24:10Speaker 0: Ich glaube, diese Verzweiflung ... Also, ich hätte gerne einen Rendezvous mit Michelle Friedmann.
- 24:17Speaker 0: Ich werde's nie haben!
- 24:19Speaker 1: Gabriele von Anim, Journalistin und Schriftstellerin wollte sich gerade von ihrem Mann trennen, als er zwei schwere Schlaganfälle erlitt.
- 24:27Speaker 1: Sie ist geblieben und hat ihn zehn Jahre lang gepflegt.
- 24:31Speaker 1: Darüber hat sie.
- 24:32Speaker 1: das Leben ist ein vorübergehender Zustand geschrieben.
- 24:36Speaker 1: Und darüber haben wir im Juni-Zweitausend-Einundzwanzig gesprochen auch darüber warum wir Krankheit und Schmerz so gerne an den Rand schieben und was wir dabei verpassen.
- 24:46Speaker 0: Ich zitiere immer wieder gerne den wunderbaren Psychoanalytiker Arno Grohn der oft geschrieben hat über die Funktion von Schmerz in der Seele des Menschen und er sagt, Menschen, die keinen Schmerzen finden wollen können auch wahre Freude nicht entfinden.
- 25:02Speaker 0: Und ich glaube dass das tatsächlich so ist, wenn wir uns versuchen immer nur dem Guten des Lebens zu wenden, dem scheinbar guten und immer nur die erfolgreichen Spielen oder meintwegen sind sagen, es geht uns gut und alles ist positiv.
- 25:20Speaker 0: Und alles ist schön.
- 25:21Speaker 0: Alles ist irgendwie nett angemalt und alles übertüncht.
- 25:26Speaker 0: Verpassen wir auch was?
- 25:27Speaker 0: Wir verpassen genau das, was uns letztlich im Kern berührt!
- 25:33Speaker 0: Das ist ein
- 25:34Speaker 0: Schmerz.".
- 25:34Speaker 1: Auch bei Lars Arment ging's um Abschied... ...und eine Liebe die einen Leben lang keine Worte gefunden hat.
- 25:41Speaker 1: Der Autor war im Sommer in dem Jahr mit seinem Buch Coming Home bei mir.
- 25:46Speaker 1: Seine Mutter hatte die Familie verlassen, als er noch ein Kind war und danach vor allem für ihre Arbeit gelebt.
- 25:53Speaker 1: Als sie im Sterben lag saß er an ihrem Bett mit all den Fragen, die sich in einem halben Leben angesammelt hatten.
- 26:00Speaker 0: Bei meiner Mutter war es halt so dass ich am Todesbett oder am Sterbebett saß und mit ihr reden wollte.
- 26:07Speaker 0: Tage lang Wochen lang.
- 26:09Speaker 0: immer wieder habe ich versucht Mama es gibt gewisse Dinge.
- 26:12Speaker 0: Ich möchte Sie gerne verstehen.
- 26:15Speaker 0: können wir darüber reden?
- 26:16Speaker 1: Und meine Mutter hat
- 26:18Speaker 0: quasi die Aussage verweigert, weil du gerade auch das Bild mit dem Gericht angespielt hast.
- 26:24Speaker 0: Meine Mutter hat immer nur gesagt es ist alles okay.
- 26:29Speaker 1: Bei allen
- 26:29Speaker 0: Themen gab so viele unterschiedliche Themen, die wir besprechen
- 26:34Speaker 1: mussten.
- 26:35Speaker 0: Persönliche Themen aber eben auch ganz banale Themen.
- 26:39Speaker 0: ja wie machen wir das denn jetzt wenn du stirbst?
- 26:41Speaker 0: Gibt's irgendwas dass wir wissen müssen?
- 26:43Speaker 0: also hilf uns was so.
- 26:46Speaker 1: Mama
- 26:47Speaker 0: Was habe ich jetzt zu tun?
- 26:49Speaker 0: Du bist die einzige, die mir der jetzten Rat geben kann oder dir die Antwort kennt.
- 26:53Speaker 0: Hilf mir!
- 26:54Speaker 0: Ich brauche
- 26:55Speaker 0: dich!".
- 26:56Speaker 0: Und alles was sie sagt ist... es ist alles
- 26:57Speaker 0: gut.".
- 26:58Speaker 0: Allesgut.
- 26:59Speaker 1: Zwei Worte und die Tür blieb zu.
- 27:02Speaker 1: Lars hat mir erzählt wie wütend er damals war – wie enttäuscht.
- 27:06Speaker 1: Und dass er erst in der Trauer verstanden hat….
- 27:10Speaker 1: Sie hat das nicht gegen ihn getan.
- 27:12Speaker 1: In ihrem muss so viel Schmerz gewesen sein, daß sie nicht anders konnte.
- 27:17Speaker 1: Und dann hat sie es ihm doch noch gesagt, nur eben nicht mit Worten.
- 27:22Speaker 0: Sie konnte es nicht besser!
- 27:25Speaker 0: Das war ihre Art mir zu zeigen.
- 27:29Speaker 0: das ist mein Bestes und ich kann mich noch gut erinnern.
- 27:34Speaker 0: Ich habe ihr mal aus meinem Onlineshop ein T-Shirt mitgebracht auf dem dankbar
- 27:39Speaker 1: Stand
- 27:40Speaker 0: und das hat sich auch denn angehabt immer mal wieder und an irgendwann als klar war dass jetzt die Zeitball kommt wo sie stirbt.
- 27:51Speaker 0: Und sie auch dann so
- 27:52Speaker 1: Bettfein gemacht
- 27:53Speaker 0: wurde von den Krakenschwestern,
- 27:55Speaker 1: okay
- 27:55Speaker 0: das ist jetzt dein letztes Outfit hat sie darauf bestanden dieses T-Shirt anzuziehen.
- 28:02Speaker 0: Sie wollte in meinem T-shirt sterben und das hat die Krakenschwester mir ganz klar gesagt dass das meiner Mutter ganz wichtig war und das war ihre Art zu sagen ich liebe dich
- 28:14Speaker 1: Paul Maas Vater mit dem Buch unterm Arm las Amends Mutter in ihrem T-Shirt.
- 28:20Speaker 1: Manchmal muss man genau hinschauen, um zu sehen was ein Mensch einem sagen will.
- 28:25Speaker 1: Einer der das beruflich gelernt hat ist Joe Bausch.
- 28:28Speaker 1: Viele kennen ihn als Rechtsmediziner Dr.
- 28:30Speaker 1: Rot aus dem Kölner Tatort.
- 28:32Speaker 1: Im echten Leben war er über dreißig Jahre lang Gefängnisarzt in der JVA-Währl.
- 28:39Speaker 1: In seinem Buch Verrücktes Blut erzählt Er von einer Kindheit voller Gewalt und Missbrauch.
- 28:44Speaker 1: Im Juli-Zweißen-Zwanzig hat er mir beschrieben, warum er im Gefängnis gerade mit denen gesprochen hat.
- 28:51Speaker 1: Mit denen sonst keiner reden wollte und was er daraus fürs Leben mitgenommen hat.
- 28:56Speaker 0: Wenn du zu machst, hat der längst auch zugemacht so und wenn man sich so interessiert für die Menschen wie ich
- 29:04Speaker 1: das tue
- 29:05Speaker 0: als Schauspieler, als Arzt oder als Autor, als überhaupt jemand, der gerne über Menschen nachdenkt dann bist du gut beraten das vorurteilslos zu versuchen oder wenn du Vorurteile hast, dich zu fragen.
- 29:23Speaker 0: Behindern sie dich nicht selbst
- 29:24Speaker 1: auch gerade
- 29:26Speaker 0: in deinem Leben weil Nachtragen zu sein bedeutet du bist der einzige der es trägt und aushalten muss.
- 29:32Speaker 0: die anderen wissen schon längst nicht mehr.
- 29:35Speaker 1: wie klein die eigenen Kränkungen werden können weiß auch Aurilia Hölzer.
- 29:39Speaker 1: Sie ist Gefäß-Schirurgin und hat in der Anarktes überwintert.
- 29:47Speaker 1: Monate, in Eis, Dunkelheit und völliger Abgeschiedenheit.
- 29:51Speaker 1: In Polarschimmer erzählt sie davon.
- 29:54Speaker 1: Ich wollte im Dezember Wissen was das mit einem macht?
- 29:58Speaker 0: Also für mich war es so dass ich völlig abgekoppelt war von der Menschenwelt die sich ja sehr um die eigenen Belange dreht.
- 30:09Speaker 0: und auch wenn man den Nachrichten hört, man fühlt sie nicht.
- 30:12Speaker 0: Also man ist einfach von der Realität aus Eis, Wind- und Lichtumgeben, von der unglaublichen Reinheit, von einer Weite, die einen raus sucht dass man wirklich ganz real
- 30:23Speaker 1: das
- 30:23Speaker 0: Gefühl hat wir wohnen im Universum des Weltalles unsere Nachbarschaft Wir sind in den Sternen und kleben hier auf so ner kleinen Kugel als Ameisen Die in der Zeitachse der Welten Wimpern schlag sind, also die eigene Wichtigkeit wird ganz, ganz klein.
- 30:40Speaker 1: Vom Ende der Welt noch ein Stück weiter nach oben.
- 30:43Speaker 1: Nicola Winter ist Kampfjet-Pilotin und Reserveastronautin der ESA – trotz Höhenangst wie sie sagt!
- 30:52Speaker 1: Trotz Hönenangst Wie Sie Sagt.
- 30:55Speaker 1: Im Oktober zwanzig hat sie mir eine Fliegerweisheit mitgegeben, die ich seitdem nicht mehr aus dem Kopf bekomme.
- 31:02Speaker 0: Da denk' ich so?
- 31:03Speaker 0: Heute habe ich Glück gehabt, das ist voll gut.
- 31:06Speaker 0: Aber wir sagen auch immer du fängst als junger Pilot an mit einem großen Sack voll Glück und einem leeren Sack-voll Erfahrung und am Ende ist hoffentlich der Sack von Erfahrung voll bevor er beim Glück leer
- 31:19Speaker 1: ist.".
- 31:20Speaker 1: Am Ende vieler Gespräche habe ich meine Gäste um einen Rat gebeten – ein Satz fürs Leben!
- 31:26Speaker 1: Den vielleicht schönsten hat mir Marianne Koch gegeben.
- 31:29Speaker 1: Als Schauspielerin stand sie mit Clint Eastwood vor der Kamera.
- 31:32Speaker 1: Dann hat sie mit Anfang vierzig ihr Medizinstudium abgeschlossen und ein zweites Leben als Ärztin begonnen.
- 31:39Speaker 1: Mit dreieinzehntig Jahren saß sie im Juni, zwei tausendfünfundzwanzig Hellwach neben mir und ich habe gefragt was würden Sie jüngeren Menschen mitgeben?
- 31:49Speaker 0: Ich glaube ganz allgemein kann man sagen mutig sein sich trauen auch wenn man nicht so sicher ist wie da etwas ausgeht und so.
- 31:59Speaker 0: aber sich ausprobieren Ja, auch Dinge machten wo man sagt naja also sehr gut ausgebildet bin ich nicht dafür aber ich hab Spaß dran.
- 32:12Speaker 0: Also mutig sein würde ich sein.
- 32:14Speaker 1: eigentlich das perfekte Schlusswort.
- 32:16Speaker 1: fast eines habe ich noch.
- 32:18Speaker 1: im November twenty-fünfundzwanzig war Peter Freudenthaler hier der Sänger von Fools Garden dem Lemon Tree seit drei Jahrzehnten nicht mehr von der Seite weicht.
- 32:29Speaker 1: wir hatten uns eigentlich schon verabschiedet Das Gespräch war vorbei und dann sagte er noch das hier.
- 32:35Speaker 0: Es ist ja das Schöne an der überhaupt am Leben, dass man... kennst du ja auch?
- 32:40Speaker 0: Wir stehen heute an einem Punkt wo wir vor zwanzig Jahren noch nicht wussten, dass es in unserem Leben passiert passieren wird.
- 32:45Speaker 0: Dass wir Menschen kennenlernen, dass wir Menschen über den Weg laufen.
- 32:48Speaker 0: Auch jetzt rennt da draußen irgendwo jemand rum Der uns noch nicht begegnet ist aber den wir irgendwie treffen werden Und das finde ich das Schöhne am Leben das so viel Überraschung bereithält.
- 32:59Speaker 1: Da draußen läuft jemand herum, der uns noch nicht begegnet ist den wir aber irgendwann treffen werden.
- 33:06Speaker 1: Das ist genau das Motto von diesem Podcast und ich habe unfassbar viele Menschen kennenlernen dürfen genau durch dieses Format ohne es vorher zu wissen.
- 33:17Speaker 1: So fühlt sich das für mich an seit sechs Jahren.
- 33:20Speaker 1: Ich wusste bei keinem dieser Menschen vorher was sie mir erzählen würden Und fast immer bin ich anders aus dem Gespräch herausgegangen als ich hineingegangen bin.
- 33:30Speaker 1: Stefan Gabbani hatte also recht, damals in Folge eins.
- 33:34Speaker 1: Man muss nicht jeden Quatsch mitmachen!
- 33:36Speaker 1: Um Gin ging es hier also so gut wie nie aber die Bar hat dafür gesorgt dass zwei Menschen sich Zeit füreinander nehmen und mehr muss auch gar nicht passieren Und genau das ist in unserer heute so schnelllebigen Zeit für alle meisten schon fast zu viel.
- 33:53Speaker 1: Danke an alle die es sich neben mir bequem gemacht haben, vielmehr als heute zu hören waren Und danke an euch, die ihr seit Jahren zuhört und weiter empfehlt.
- 34:03Speaker 1: Wenn euch heute einen Lieblingsmoment gefehlt hat, schreibt ihn mir – ich bin gespannt, woran ihr euch erinnert!
- 34:10Speaker 1: Und jetzt Gläser auffüllen?
- 34:12Speaker 1: Beim nächsten Mal feiern wir hier die Folge zweihundert und die hat definitiv ein Gentonic verdient oder vielleicht auch ein Negroni.
- 34:21Speaker 1: Bis dahin bleibt neugierig und wie Marianne Kochs sagen würde, seid mutig.
- 34:27Speaker 0: Das war's leider schon.
- 34:29Speaker 0: Die letzte Runde ist ausgetrunken, das Gespräch zu Ende.
- 34:33Speaker 0: Vielen Dank fürs Zuhören!