Latest / Anonym Suchthilfe – KI-gestützte Selbsthilfe / #19 Folge 3: Die große Leere: Wie du überlebst, wenn die Nüchternheit langweilig ist
Transcript
- 0:00Hallo und herzlich Willkommen bei dieser Vertiefung.
- 0:02Ich freu mich riesig, dass du heute wieder da bist und dir die
- 0:05Zeit nimmst, für dich und für ein Thema, das ja wirklich unter
- 0:09die Haut geht. Hallo auch von mir.
- 0:11Es geht heute um dieses Gefühl, diese oft so bleierne Leere,
- 0:16manchmal auch tiefe Langeweile, die.
- 0:19Ja, die viele Menschen überfällt, wenn sie den Schritt
- 0:21wagen, Substanzen wegzulassen und nüchtern zu leben.
- 0:25Dieses nagende Gefühl, dass irgendwie der Stecker gezogen
- 0:29wurde und das Leben plötzlich grau und, na ja, still ist.
- 0:33Ja, das kennen leider sehr viele.
- 0:36Wir stützen uns heute auf einen ungemein persönlichen und, wie
- 0:39ich finde, wirklich Augen öffnenden Artikel von Gabriel
- 0:42auf seiner Plattform nilix Berlin.
- 0:44Er nennt das Phänomen sehr treffend die große Lehre.
- 0:48Ein starker Titel, der es auf den Punkt bringt.
- 0:50Genau, und das ist auch unsere Mission für die nächsten Minuten
- 0:54gemeinsam zu ergründen, warum sich diese Nüchternheit gerade
- 0:59am Anfang oft so anfühlt. Ja, als würde man durch Nebel
- 1:03waten. Wir wollen verstehen, was da in
- 1:05uns und auch ganz wichtig. Wissenschaftlich im Gehirn
- 1:09passiert. Und natürlich ganz wichtig, wir
- 1:11wollen aus Gabriels sehr offenen Erfahrungen und seinen
- 1:14Recherchen ganz konkrete Strategien und vor allem ja
- 1:16Hoffnung für dich herausarbeiten.
- 1:18Richtig. Hoffnung ist das Stichwort.
- 1:21Bevor wir da aber richtig eintaufen, ist mir ein Punkt
- 1:24besonders wichtig. Gabriel, der diesen Text
- 1:26geschrieben hat und hinter Nilix Berlin steht, ist niemand, der
- 1:30aus einem Elfenbeinturm spricht, er ist selbst betroffen.
- 1:33Das ist ganz entscheidend, finde ich ja.
- 1:36Er ist selbst von sucht und psychischen Themen betroffen und
- 1:38teilt auf seiner Webseite ganz bewusst seine persönlichen
- 1:41Kämpfe und eben auch seine Erkenntnisse.
- 1:44Und das macht es so authentisch. Absolut.
- 1:47Er macht das, um eine echte Verbindung zu dir aufzubauen, um
- 1:51dir zu signalisieren, was auch immer du gerade durchmachst.
- 1:54Hey, du bist damit nicht allein. Gabriel kennt diese Abgründe aus
- 1:58eigener jahrelanger Erfahrung. Er spricht ja von 28 Jahren,
- 2:02sucht und Recovery, das ist eine lange Zeit.
- 2:04Eine unglaublich lange Zeit und genau deshalb haben seine Worte
- 2:08so ein Gewicht, finde ich. Ja, er beschreibt zum Beispiel
- 2:11sehr eindrücklich, dass er in seiner aktiven Suchtzeit oft
- 2:14weniger Angst vor dem Tod hatte als später.
- 2:17In der frühen Nüchternheit vor dieser Vorstellung eines Lebens
- 2:20in ja permanenter Grauheit und Langeweile.
- 2:23Puch. Das ist eine krasse Aussage.
- 2:25Ist es oder eine endlose Wüste ohne Kicks, ohne Farbe?
- 2:30Diese Angst ist für viele, die es nicht selbst erlebt haben,
- 2:33glaube ich, unvorstellbar. Ja, das kann ich mir gut
- 2:35vorstellen. Und er teilt auch einen sehr
- 2:38persönlichen Schicksalsschmack den Tod seines Hundes.
- 2:41Der war ihm lange ein wichtiger emotionaler Anker, gerade auch
- 2:45in dunklen Zeiten. Und dieser Verlust stürzte ihn
- 2:48dann in eine noch tiefere Lehre, eine echte Sinnkrise, die weit
- 2:52über normale Trauer hinausging. Und er teilt das, um zu zeigen,
- 2:55wie tief das gehen kann, oder? Genau, nicht aus Selbstmitleid,
- 3:00sondern um zu zeigen, wie tief diese Gefühle gehen können und
- 3:03dass sie oft sehr komplexe Wurzeln haben.
- 3:06Und diese Offenheit ist, glaube ich, der perfekte Einstieg, um
- 3:08das Kernproblem zu verstehen. Diese große Leere, diese graue
- 3:12Wolke, dieses Gefühl, dass Gabriel so ja unverblümt als
- 3:17Stinklangweilig beschreibt. Stinklangweilig?
- 3:19Ja, es. Ist ja kein Zufall, dass er ne
- 3:21Triggerwarnung vor seinen Artikel setzt.
- 3:23Da stehen Begriffe wie Anhedonie, also die Unfähigkeit
- 3:26Freude zu empfinden, Depression, Langeweile und Paos.
- 3:30Paos genau das Postakute Entzugssyndrom allein diese
- 3:36Begriffe machen schon deutlich, dass es hier um mehr geht als
- 3:39nur n bisschen schlecht. Dichte Laune.
- 3:41Absolut. Und die vielleicht wichtigste,
- 3:43die grundlegendste Botschaft, die Gabriel uns mitgibt, ist
- 3:46dieses Gefühl der Lehre, der Langeweile, der Freudlosigkeit
- 3:50ist kein Zeichen dafür, dass du versagst.
- 3:53Hm okay es. Ist kein Zeichen dafür, dass ein
- 3:55nüchternes Leben für dich nicht lebenswert ist.
- 3:58Das das zu verinnerlichen, ist schon die halbe Miete.
- 4:00Das ist ein extrem wichtiger Punkt, weil ich kann mir
- 4:04vorstellen, dass genau dieser Gedanke siehst du, ohne Stoff
- 4:08ist alles Scheiße, ich schaff das nicht.
- 4:10Ein riesiger Fallstrick ist genau.
- 4:12Gabriel findet dafür ein starkes Bild.
- 4:15Es ist das normale, aber schmerzhafte Geräusch eines
- 4:18Gehirns, das sich nach jahrelangem Bombardement neu
- 4:21kalibriert. Dein Gehirn ist quasi eine
- 4:23Baustelle, es ist im Reparaturmodus nach dieser
- 4:26langen Zeit der Überstimulation, der künstlichen Hochs.
- 4:30Und, Na ja, Bauarbeiten sind nun mal laut, staubig und erst mal
- 4:35nicht schön. Das heißt also, dieses
- 4:38Aushalten, dieses Dranbleiben, auch wenn es sich furchtbar
- 4:41anfühlt. Das ist Teil des Prozesses, man
- 4:43muss da durch. Es ist ein entscheidender Teil.
- 4:46Es geht darum, diese Phase der vermeintlichen Stille und Leere
- 4:49zu durchstehen, sie zu akzeptieren als das, was sie
- 4:52ist, eine Übergangsphase. Okay.
- 4:55Nur dann, so Gabriel, hat man die Chance, irgendwann die leise
- 4:58Musik des echten Lebens wieder wahrzunehmen.
- 5:01Das klingt einerseits Puh, herausfordernd, andererseits
- 5:05liegt darin aber auch ne enorme Hoffnung, finde ich.
- 5:08Ja, absolut. Lass uns das mal
- 5:09wissenschaftlich beleuchten. Du hast vorhin schon Begriffe
- 5:12wie Paus und Anhedonie erwähnt, was genau passiert da in unserem
- 5:16Kopf, warum fühlt sich denn alles so flach an?
- 5:19Denn ja, die Neurowissenschaft hat da inzwischen ziemlich klare
- 5:22Antworten. Und es ist, glaube ich, echt
- 5:25hilfreich, das zu verstehen. Es nimmt dem Ganzen etwas von
- 5:28diesem diffusen Schrecken, es ist eben, wie gesagt, kein
- 5:31persönliches Versagen, sondern Neurobiologie.
- 5:35Okay. Fangen wir mal mit Poors an, dem
- 5:37Postakuten Entzugssyndrom. Das ist wichtig, weil viele
- 5:41denken, Na ja, nach dem körperlichen Entzug ist das
- 5:43Schlimmste überstanden. Ja, das denkt man oft.
- 5:46Genau. Poors beschreibt aber psychische
- 5:49und emotionale Symptome. Die nach dem akuten Entzug
- 5:52auftreten oder andauern können, oft über Wochen, Monate, laut
- 5:57offiziellen Stellen wie Samsa in den USA, manchmal sogar bis zu 2
- 6:01Jahre. 2 Jahre wow. Ja, und ein Kernsymptom davon
- 6:05ist eben die Anhedonie, diese quälende Freudlosigkeit.
- 6:09Das heißt, diese lange Dauer ist sozusagen.
- 6:13Normal im Kontext von Porse das ist jetzt keine seltene
- 6:17Ausnahme. Es ist leider relativ häufig und
- 6:19eine große Herausforderung, weil es eben kein Sprint ist, sondern
- 6:22oft ein Marathon. Weitere porse Symptome können
- 6:25Stimmungsschwankungen sein, Reizbarkeit, Schlafstörungen,
- 6:29konzentrationsprobleme, Ängste, oft kommen die auch in Wellen.
- 6:33In Wellen, OK. Das wissen darum ist Gold wert,
- 6:36um nicht die Flinte ins Korn zu werfen und zu denken, ich bin
- 6:39kaputt. Verstehe.
- 6:41Dann der zweite wichtige Punkt, das Dopamin System.
- 6:45Stell dir vor, dein Gehirn hat bestimmte andockstellen
- 6:47Rezeptoren für Dopamin, das ist ja der Botenstoff für Motivation
- 6:51und Freude. Die 2 d Rezeptoren.
- 6:54Okay. Chronischer Substanzkonsum führt
- 6:56zu einer ständigen und natürlich hohen Dopaminflutung und um sich
- 7:01davor zu schützen, fährt das Gehirn die Anzahl dieser
- 7:03Andockstellen runter. Das nennt man Downregulation.
- 7:06Ah, eine Art Selbstschutz des Gehirns quasi.
- 7:09Der aber nach hinten losgeht, wenn die Substanz wegfällt.
- 7:12Genau das ist der Punkt. Wenn die Droge dann weg ist,
- 7:15reichen die normalen kleinen Dopaminausschüttungen nicht mehr
- 7:19aus, also die, die durch alltägliche Dinge kommen, gutes
- 7:23Essen, nettes Gespräch, Sonnenuntergang, die reichen
- 7:27nicht mehr, um an den wenigen verbliebenen Rezeptoren ein
- 7:31starkes Wohlgefühl zu erzeugen, alles fühlt sich gedämpft an,
- 7:34die Farben sind blass. Gabriels Analogie von der
- 7:37verbrannten Wiese passt hier perfekt.
- 7:40Die verbrannte Wiese, ja. Der jahrelange Konsum hat die
- 7:43Freudeswiese quasi niedergebrannt.
- 7:46Der normale sanfte Regen des Alltags reicht erst mal nicht,
- 7:50um sie wieder ergrünen zu lassen.
- 7:51Das ist ein sehr, sehr eindrückliches Bild und es
- 7:54erklärt, warum auch Dinge, die man früher total geliebt hat,
- 7:57plötzlich sinnlos erscheinen. Exakt.
- 8:00Und der dritte Punkt, der noch dazu kommt.
- 8:03Langeweile selbst wird zum Trigger.
- 8:05Oh ja, Studien belegen das. Langeweile ist ein extrem
- 8:10häufiger Auslöser für Suchtdruck, Craving und
- 8:13Rückfälle. Diese innere Leere schreit
- 8:16förmlich nach Füllung und das Gehirn erinnert sich leider sehr
- 8:19gut an die Schnelle, wenn auch zerstörerische Lösung durch die
- 8:23Substanz. Puh, das klingt erst mal
- 8:25ziemlich düster. Ehrlich gesagt, ein Gehirn im
- 8:28Reparaturmodus. Das kaum Freude empfindet und
- 8:32gleichzeitig durch die entstehende Langeweile
- 8:34getriggert wird. Das ist ja ein Teufelskreis.
- 8:37Ja, das ist die Herausforderung, absolut.
- 8:40Aber, und das ist die entscheidende gute Nachricht,
- 8:42die Gabriel auch betont, Heilung ist möglich, unser Gehirn ist
- 8:47Neuroplastisch, das heißt, es kann sich verändern, neu
- 8:50vernetzen. Okay das ist gut zu hören.
- 8:52Bei anhaltender Abstinenz regulieren sich die
- 8:55Dopaminrezeptoren langsam wieder hoch.
- 8:58Die Wiese kann wieder ergrünen und diesen Prozess kann man
- 9:01aktiv unterstützen. Das ist der Punkt, an dem die
- 9:04Strategien ins Spiel kommen. Nehme ich an.
- 9:06Genau bevor wir dazu kommen, lass uns aber noch kurz diese
- 9:10Unterscheidung vertiefen, die Gabriel macht, er sagt ja, es
- 9:13ist wichtig zu erkennen, ob man gerade unter Langeweile,
- 9:16anhedonie oder einer Sinnkrise leidet.
- 9:20Warum ist diese Differenzierung so relevant?
- 9:22Weil die Lösungen unterschiedlich sind, ganz
- 9:24einfach. Wenn du versuchst, eine tiefe
- 9:27Anhedonie nur mit mehr Beschäftigung zu bekämpfen,
- 9:30wirst du frustriert sein. Das funktioniert nicht.
- 9:33Umgekehrt hilft dir spirituelle Sinnsuche vielleicht wenig, wenn
- 9:37dein Hauptproblem gerade einfach ein riesiges Zeitloch ist, das
- 9:39gefüllt werden muss. Okay das macht Sinn.
- 9:42Lass uns die 3 mal durchgehen. Erstens reine Langeweile.
- 9:46Das ist im Grunde das Gefühl, mir fehlt eine Beschäftigung,
- 9:50die Sucht hat ja oft den gesamten Tagesablauf
- 9:53strukturiert. Beschaffung, Konsum, Ausnüchtern
- 9:57die Gedanken kreisten nur darum. Ja, das stimmt.
- 10:01Fällt das Weg, entsteht ein Vakuum.
- 10:03Zu viel unstrukturierte Zeit, keine Ahnung, was man tun soll.
- 10:07Gabriels Rat hier ist relativ pragmatisch, Struktur schaffen.
- 10:11Okay also Pläne machen. Genau.
- 10:14Tagespläne, feste Termine, und seien es nur Spaziergänge zur
- 10:18gleichen Zeit, neue Hobbys ausprobieren, Verabredungen
- 10:22treffen. Vielleicht auch erst mal nur
- 10:24kleine Aufgaben im Haushalt erledigen.
- 10:26Es geht darum, das Zeitloch aktiv zu füllen.
- 10:29Klingt logisch. Zweitens.
- 10:31Anhedonie, dieser Fachbegriff für Freudlosigkeit.
- 10:35Genau hier ist das Gefühl anders.
- 10:37Mir fehlt die Fähigkeit, an irgendeiner Beschäftigung Freude
- 10:40zu finden. Du tust vielleicht Dinge, gehst
- 10:43spazieren, triffst Freunde, aber alles fühlt sich mechanisch an,
- 10:47leer, sinnlos, grau. Uff.
- 10:51Ihr liegt das Problem tiefer, eben in der Biochemie des
- 10:55heilenden Gehirns, dieser verbrannten Wiese.
- 10:58Mehr Beschäftigung allein löst das nicht, die Kernstrategien
- 11:02hier sind laut Gabriel radikale Akzeptanz der Situation,
- 11:06unendliche Geduld mit sich selbst und vor allem die
- 11:09sogenannte Verhaltensaktivierung.
- 11:11Verhaltensaktivierung da kommen wir gleich drauf, ne.
- 11:14Genau. Und drittens noch die
- 11:16existenzielle Krise. Die Sinnkrise.
- 11:19Das ist noch mal ne andere Ebene.
- 11:21Das Gefühl ist, mir fehlt der Sinn in meiner Beschäftigung und
- 11:25in meinem Leben. Du bist vielleicht schon länger
- 11:27nüchtern, hast eine Struktur, bist vielleicht sogar nicht mehr
- 11:30so stark anhedonisch, aber die große Frage nach dem wofür
- 11:34taucht auf, ja, was ist der Sinn meines Lebens jetzt ohne die
- 11:37Betäubung, was gibt mir halt und Richtung Gabriels Beispiel mit
- 11:42dem Tod seines Hundes fällt genau hier unter.
- 11:44Das war ja nicht nur Langeweile oder biochemische
- 11:46Freudlosigkeit. Stimmt, das war ein Verlust von
- 11:49Lebenssinn. Genau.
- 11:51Und die Lösungsansätze liegen hier eher im Bereich der
- 11:53Selbstreflexion, der Auseinandersetzung mit Werten.
- 11:56Vielleicht durch Therapie die 12 Schritte, spirituelle Praktiken,
- 12:00Ehrenamt oder das bewusste Setzen neuer sinnstiftender
- 12:04Lebensziele. Diese Unterscheidung macht
- 12:06wirklich, wirklich Sinn. Man muss also genau hinhören,
- 12:09was die Lehre einem sagen will. OK, nehmen wir an, man hat eine
- 12:12Ahnung, wo man steht, vielleicht ist es ja auch oft ne Mischung
- 12:15aus allem, ja oft ist es das ja, was sind nun die konkreten
- 12:19Schritte, dieser Trainingsplan gegen die graue Wolke, von dem
- 12:22Gabriel spricht? Er sagt ja, man kann nicht
- 12:25warten, bis die Freude einfach so anklopft.
- 12:29Exakt das ist vielleicht der überraschendste und gleichzeitig
- 12:33wichtigste Punkt, das Warten auf Motivation oder Freude ist in
- 12:37dieser Phase oft vergeblich Gabriels Ansatz, der auch
- 12:41therapeutisch fundiert ist. Stichwort Verhaltensaktivierung
- 12:44aus der Kvt dreht den Spieß um. Wie meinst du?
- 12:48Handle zuerst das Gefühl folgt vielleicht später.
- 12:53Es ist ein aktives Pflanzen von Freudesamen auf der verbrannten
- 12:56Wiese. Auch wenn du erst mal nicht
- 12:58glaubst, dass da was wächst. Das klingt nach Fake it Till you
- 13:02make it, wie er es nennt. Also tu so als ob.
- 13:05Genau das ist es aber nicht im Sinne von Selbstbetrug, sondern
- 13:09im Sinne von aktivem Training für das Gehirn.
- 13:11Der Plan hat mehrere Schritte. Okay ich bin gespannt.
- 13:15Schritt 1 radikale Akzeptanz das klingt passiv, ist aber eine
- 13:19aktive Entscheidung. Akzeptiere, dass diese Phase der
- 13:22Lehre und Freudlosigkeit Teil des Heilungsprozesses ist.
- 13:26Sie wird da sein, vielleicht für Monate.
- 13:28Nicht dagegen ankämpfen. Genau, hör auf, dich dafür zu
- 13:31hassen oder dagegen anzukämpfen. Dieser Kampf frisst nur Energie,
- 13:35sagt ihr Okay es ist jetzt so, es ist unangenehm, aber es ist
- 13:38temporär, es ist die Baustelle im Gehirn.
- 13:41Das nimmt wahrscheinlich schon mal viel Druck raus, oder?
- 13:43Enorm viel Schritt 2 ist dann die Verhaltensaktivierung.
- 13:46Das ist das Kernstück gegen die Anhedonie.
- 13:49Okay. Tu Dinge, die dir früher Freude
- 13:51gemacht haben oder von denen du weißt, dass sie generell gesund
- 13:54sind, auch und gerade dann, wenn du absolut 0 Lust darauf hast.
- 13:58Echt jetzt auch ohne Lust? Ja, geh raus an die frische
- 14:01Luft, ruf jemanden an, hör deine alte Lieblingsmusik, mach n paar
- 14:04Kniebeugen, räum die Küche auf, egal wie klein, egal wie
- 14:08mechanisch es sich anfühlt. Aber warum?
- 14:10Wenn es sich doch schlecht anfühlt, das ist doch paradox,
- 14:13weil. Du damit deinem Gehirn neue
- 14:15Reize bietest. Du legst aktiv neue neuronale
- 14:18Bahnen an oder reaktivierst alte.
- 14:20Du zeigst dem, Schau mal, es gibt doch andere Belohnungen als
- 14:23die Substanz. Es ist wie Physiotherapie für
- 14:27die Seele und das Gehirn, du trainierst den Freude Muskel,
- 14:30auch wenn er erstmal schwach ist.
- 14:31Das Gefühl folgt irgendwann der Handlung.
- 14:34Nicht umgekehrt. Das ist das Kontraintuitive
- 14:37daran. OK, das braucht sicher
- 14:39Überwindung. Gibt's da Tricks, um anzufangen?
- 14:41Ja, da kommt Schritt 3 ins Spiel.
- 14:43Die 5 Minuten Regel. Die 5 Minuten Regel.
- 14:45Genau, wenn eine Aktivität wie Sport, meditieren oder auch nur
- 14:49Duschen wie ein Unbezwingbarer Berg erscheint.
- 14:52Nimm dir vor, ich mache es nur für 5 Minuten.
- 14:56Nur 5 Minuten. Oft ist der Anfang die größte
- 14:59Hürde. Nach 5 Minuten laufen ist es oft
- 15:02leichter, noch 5 dran zu hängen und wenn nicht, dann hast du es
- 15:055 Minuten geschafft. Das ist unendlich viel mehr als
- 15:080 kleine Erfolge zählen. Das klingt machbar, das kriegt
- 15:13man hin und Schritt 4. Schritt 4 ist das
- 15:16Dankbarkeitstraining klingt vielleicht etwas abgedroschen
- 15:20für manche. Ja, das hört man ja öfter.
- 15:22Ist aber neurobiologisch clever. Zwing dein Gehirn sanft den
- 15:27Fokus zu verschieben. Gabriel schlägt vor, schreib
- 15:31jeden Abend 3 winzige Dinge auf, für die du an diesem Tag dankbar
- 15:35warst. Winzige Dinge.
- 15:37Ja, ganz kleine Sachen. Die Sonne im Gesicht, ein
- 15:40Lächeln von einem Fremden, dass der Kaffee gut geschmeckt hat.
- 15:44Es geht darum, das Gehirn darauf zu trainieren, auch die kleinen
- 15:47natürlichen Belohnungen wieder wahrzunehmen und wertzuschätzen.
- 15:51Es sensibilisiert das Belohnungssystem neu.
- 15:54Radikale Akzeptanz verhaltensaktivierung 5 Minuten
- 15:58Regel Dankbarkeit, das ist ein sehr konkreter Werkzeugkasten,
- 16:03absolut. Gabriel geht in seinem Artikel
- 16:06ja auch auf einige sehr typische Fragen ein, die sich Menschen in
- 16:10dieser Phase stellen. Ich finde, die sollten wir uns
- 16:12unbedingt genauer ansehen, denn da erkennen sich sicher viele
- 16:15wieder. Ja, die FA QS sind superwichtig.
- 16:18Die erste, vielleicht drängendste Frage.
- 16:21Wird diese Lehre, diese Freudlosigkeit jemals wirklich
- 16:25wieder weggehen? Ist das nicht für immer?
- 16:27Gabriel beantwortet das mit einem ganz klaren
- 16:29hundertprozentigen ja, und er betont, wie wichtig es ist,
- 16:33diesen Glauben nicht zu verlieren, auch wenn es sich
- 16:35monatelang anders anfühlt. OK, es ist ein temporärer,
- 16:39neurobiologischer Zustand, keine lebenslange Verurteilung, das
- 16:43Gehirn heilt, es braucht Geduld, ja oft viel Geduld.
- 16:47Aber die Fähigkeit zu Freude, Begeisterung und Sinn kommt
- 16:50zurück. Das ist gut und ihr fügt hinzu,
- 16:52oft kommt sie sogar tiefer und bewusster zurück als je zuvor,
- 16:56weil man sie dann nicht mehr als selbstverständlich hinnimmt.
- 17:00Durchhalten ist die absolute Kernbotschaft.
- 17:03Das ist enorm wichtig zu hören, glaube ich.
- 17:06Nächste Frage, die viele umtreibt.
- 17:08Ich hab doch Hobbys, ich treffe Freunde, aber es macht einfach
- 17:12keinen Spaß mehr. Was ist falsch mit mir?
- 17:14Ja, der Klassiker. Die Antwort ist kurz und klar,
- 17:18nichts ist falsch mit dir, das ist die Lehrbuchdefinition von
- 17:22Anhedonie, die verbrannte Wiese, dein Gehirn kann die Belohnung
- 17:25aus der Aktivität gerade nicht ziehen, es fühlt sich an wie
- 17:29essen ohne Geschmack, die Lösung ist aber nicht die Hobbys
- 17:32hinzuschmeißen, sondern sie trotzdem zu machen, da ist sie
- 17:35wieder, die Verhaltensaktivierung.
- 17:38OK. Auch wenn es sich wie
- 17:39Pflichtübung anfühlt. Du reparierst damit quasi die
- 17:43Leitungen, damit die Freude irgendwann wieder fließen kann.
- 17:47Es ist harte Arbeit, ja, aber notwendige Reparaturarbeit für
- 17:51dein Gehirn. Okay das entlastet sicher viele
- 17:55eine ganz wichtige Abgrenzung betrifft die Depression, ist
- 17:59das, was ich fühle, nicht einfach eine Depression, sollte
- 18:02ich nicht Antidepressiva nehmen? Eine absolut zentrale Frage.
- 18:06Anhidonie ist ein Kernsymptom der Depression, aber eben auch
- 18:10von Paus das. Der Unterschied ist oft schwer
- 18:13zu erkennen. Ja, wie hält man das
- 18:15auseinander? Gabriels Rat Wenn diese Freud
- 18:19Umsigkeit über Monate anhält und gleichzeitig andere klassische
- 18:24Depressionssymptome dazu kommen, also tiefe Hoffnungslosigkeit,
- 18:28vielleicht sogar Gedanken daran, nicht mehr leben zu wollen,
- 18:31extremer Antriebsmangel, der dich kaum aus dem Bett kommen
- 18:34lässt, dann. Deutliche Schlaf oder
- 18:36Appetitveränderungen? Dann ist es unerlässlich, das
- 18:40ärztlich am besten psychiatrisch abklären zu lassen.
- 18:43Es könnte eine klinische Depression vorliegen oder auch
- 18:46beides gleichzeitig, Porrs und Depression.
- 18:49Das kann auch zusammen auftreten.
- 18:51Ja, das kommt vor. Und dann braucht es eventuell
- 18:54eine andere Behandlung, vielleicht auch medikamentös.
- 18:57Hier ist eine professionelle Diagnose wirklich entscheidend,
- 19:01nicht selbst herumdoktern. Sehr wichtiger Hinweis.
- 19:04Und dann dieser schmerzhafte Vergleich mit anderen.
- 19:07Meine alten Freunde, die weiter konsumieren, die scheinen
- 19:10dauernd Spaß zu haben. Mache ich irgendwas falsch?
- 19:12Oh ja, diese Vergleichsfalle Gabriel ist da sehr direkt.
- 19:17Du siehst nur die Hochglanz Fassade auf Social Media oder
- 19:20die Partymomente. Ja, die Instagram Welt.
- 19:23Genau, du siehst nicht den Kater, die Ängste am nächsten
- 19:27Tag, die Geldprobleme, die Beziehungskrisen, die
- 19:29gesundheitlichen Folgen. Oder die innere Lehre, die sie
- 19:33vielleicht genau mit dem Konsum zu betäuben versuchen.
- 19:36Dein Weg der Nüchterheit ist im Moment vielleicht der
- 19:39Steinigere, aber er führt zu nachhaltiger Stabilität und
- 19:42echter Zufriedenheit, deren Weg führt oft in die Sackgasse oder
- 19:46im Kreis vergleiche nicht deine ehrliche, harte Arbeit an dir
- 19:50selbst. Mit deren Show, bleib auf deinem
- 19:52Weg. Das ist n guter Reality Check.
- 19:55Letzte Frage aus dem FAQ. Was ist eigentlich der
- 19:58Unterschied zwischen dieser Lehre und?
- 20:01Echter innerer Ruhe kann man das Verwechseln.
- 20:03Sehr gute Frage, denn das Ziel ist ja nicht die Lehre durch
- 20:07ständige Action zu ersetzen, sondern zu echter Zufriedenheit
- 20:11zu finden, zu Gelassenheit. Richtig Lehre, also Anhedonie,
- 20:15ist ein Mangelgefühl, es ist unangenehm apathisch, es fehlt
- 20:19etwas essentielles, innere Ruhe oder Gelassenheit hingegen ist
- 20:23ein Gefühl der Fülle. Der Zentriertheit.
- 20:26Ah okay. Es ist ein angenehmer Zustand,
- 20:28in dem du okay bist, so wie du bist, ohne ständig einen äußeren
- 20:32Kick oder Ablenkung zu brauchen. Es ist ein Frieden mit dir
- 20:35selbst und der Welt. Also Lehre ist Mangel, Ruhe ist
- 20:39Fülle. Genau Gabriels Bild von der
- 20:42Reise durch die Wüste der Leere zur Oase der inneren Ruhe trifft
- 20:45es gut. Das Ziel ist diese Oase, nicht
- 20:48die nächste Fata Morgana. Das sind wirklich hilfreiche
- 20:51Unterscheidungen und sehr klare Antworten.
- 20:54Gabriel fasst am Ende seines Artikels ja auch noch mal sehr
- 20:56eindringlich zusammen, wo die Reise hingehen kann, ergibt
- 20:59Hoffnung. Ja, und das ist so wichtig.
- 21:01Er beschreibt diesen fast magischen Moment, wenn man nach
- 21:04langer Durststrecke zum ersten Mal wieder eine echte, nüchterne
- 21:08Gänsehaut bekommt. Bei einem Lied, einem Anblick,
- 21:11einem Gedanken. Das ist für ihn der Anfang vom
- 21:14Ende der Lehre. Mhm, dieser kleine Funke.
- 21:18Genau, er sagt, er hat selbst nach vielen gescheiterten
- 21:20Versuchen clean zu werden, nie den Glauben daran verloren, dass
- 21:23diese graue Phase nur temporär ist, dass sich die Perspektive
- 21:28ändern kann und wird. Und diese Hoffnung ist ja nicht
- 21:31unbegründet. Sie basiert eben auf der
- 21:33Neuroplastizität, von der wir sprachen.
- 21:36Das Gehirn kann heilen, es ist nicht für immer kaputt.
- 21:39Genau. Und Gabriel schreibt, heute
- 21:42wisse er, man kann sich tatsächlich am Leben selbst
- 21:45berauschen. Wenn die ersten Hürden genommen
- 21:48sind, wenn das Gehirn langsam heilt, dann kommt eine neue Art
- 21:52von Dankbarkeit auf. Stück für Stück wird das Leben
- 21:56schöner, intensiver, echter. Er betont, dass sich alles
- 22:01verbessert, das soziale Umfeld, die emotionale Stabilität, die
- 22:05Klarheit der Wahrnehmung, sogar die Sexualität fühlt sich
- 22:09anders, tiefer, verbundener an. Das ist doch ne tolle Aussicht.
- 22:13Absolut. Und das ist der Lohn für all die
- 22:16Mühe. Der Kern der Hoffnung, den er
- 22:18vermitteln will. Morgens aufzuwachen, ohne
- 22:21Depressionen, ohne existenzielle Sorgen, ohne diesen quälenden
- 22:25Suchtdruck, ja abends dankbar einschlafen zu können und sich
- 22:29vielleicht zum ersten Mal seit Jahren auf den nächsten Tag zu
- 22:33freuen. Dieses Gefühl von Frieden und
- 22:35leiser Freude, so Gabriel, ist jeden einzelnen grauen Tag wert,
- 22:40den man dafür durchgestanden hat.
- 22:42Ein starkes Schlusswort von ihm ein.
- 22:44Wirklich kraftvolles Fazit finde ich auch, bevor wir zum Schluss
- 22:48kommen, noch etwas Wichtiges. Gabriel steckt ja wie gesagt
- 22:51unglaublich viel Herzblut, Zeit und auch persönliche Mittel in
- 22:55seiner Arbeit mit nielix Berlin. Das stimmt.
- 22:57Das ist ein Einmahnprojekt im Grunde.
- 22:59Genau deshalb hier ein kleiner Aufruf in seinem Namen.
- 23:03Wenn dir dieser Beitrag gefallen hat und du die Arbeit von Nilix
- 23:06Berlin wertvoll findest, würde sich Gabriel riesig über deine
- 23:10Unterstützung freuen. Jeder Hilfe zählt.
- 23:12Absolut. Du kannst Gabriel helfen, indem
- 23:15du diesen Beitrag auf Social Media teilst oder den Podcast
- 23:18auf Plattformen wie Spotify oder Apple Podcasts bewertest und
- 23:22Likest. Das hilft enorm bei der
- 23:23Sichtbarkeit. Richtig.
- 23:25Das Projekt Nilix Berlin wird komplett allein von Gabriel
- 23:29finanziert und erstellt jede Form der Unterstützung hilft
- 23:32Gabriel mit diesem Projekt, sich selbst und gleichzeitig anderen
- 23:35Betroffenen zu helfen. Und sein persönliches Motto
- 23:38finde ich auch bemerkenswert. Ja, das ist stark aus allem
- 23:42schlechten in seinem Leben etwas Gutes zu machen.
- 23:44Das ist Resilienz. Pur finde ich auch so, das war
- 23:48unsere heutige gemeinsame Auseinandersetzung mit der
- 23:51großen Lehre in der frühen Recovery.
- 23:54Basierend auf Gabriels wichtigen Impulsen.
- 23:57War sehr spannend. Ja, fand ich auch.
- 23:59Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen und zugehört hast.
- 24:02Pass gut auf dich auf. Von mir auch alles Gute.
- 24:05Und vielleicht eine kleine Anregung zum Mitnehmen.
- 24:08Gabriel spricht davon, sich am Leben selbst zu berauschen.
- 24:12Was wäre heute eine winzige Kleinigkeit, die du ganz bewusst
- 24:15wahrnehmen könntest? Selbst wenn das große Gefühl
- 24:18noch fehlt, einfach als kleines Experiment im neu entdecken bis
- 24:22zum nächsten Mal. Tschüss.
- 24:24Tschüss.