Latest / Anonym Suchthilfe – KI-gestützte Selbsthilfe / #20 Folge 11: Der Fels in der Brandung: Ein Mind-Hack für Angehörige im Krisen-Modus
Transcript
- 0:00Hallo und herzlich Willkommen zu dieser Vertiefung hier bei uns.
- 0:03Ich freue mich riesig, dass du heute wieder dabei bist, um dir
- 0:06Zeit für dich und deine Themen zu nehmen.
- 0:09Heute tauchen wir tief ein in ein Thema, das viele von euch
- 0:12betrifft und ja, emotional unglaublich herausfordernd sein
- 0:17kann. Wie schaffst du es, als
- 0:20Angehörige oder Angehöriger eines Menschen mit
- 0:22Suchtproblemen emotional stabil zu bleiben, wie kannst du zu
- 0:26einem sprichwörtlichen Fels in der Brandung werden?
- 0:29Auch wenn um dich herum, na ja, gefühlt die Welt untergeht.
- 0:33Unsere Grundlage dafür ist ein, wie ich finde, sehr intensiver
- 0:37Artikel von Nilix Berlin, geschrieben von Gabriel Titel
- 0:42Ruhe im Sturm passt ja, wir schauen uns heute ganz
- 0:45praktische mind tags an, wie Gabriel sie nennt, also
- 0:49Techniken, die dir konkret helfen können, Dich in diesem
- 0:52emotionalen Sturm selbst zu schützen.
- 0:55Deine innere Balance zu finden, gerade dann, wenn es am
- 0:58schwierigsten ist. Ja, und bevor wir da richtig
- 1:00reingehen, ist ne kurze Anmerkung aus dem Artikel
- 1:03wichtig, fast wie eine kleine Gebrauchsanweisung sozusagen.
- 1:07Die Methoden, über die wir sprechen, die Zielen auf eine
- 1:10bewusste emotionale Abgrenzung ab.
- 1:12Das klingt vielleicht erst mal hm hart, aber das Ziel ist ganz
- 1:16klar dein Selbstschutz und deine Fähigkeit, überhaupt noch
- 1:20handeln zu können. Es geht ausdrücklich nicht
- 1:23darum, dass du kalt oder empathielos werden sollst.
- 1:26Das ist wirklich n wichtiger Unterschied.
- 1:28Absolut guter Punkt und wir stellen dir heute 2 ganz
- 1:32konkrete Werkzeuge vor, die Gabriel vorschlägt.
- 1:36Eine spezielle Art der Visualisierung und einen
- 1:39sogenannten NLP Anker. Die Idee dahinter ist, dass du
- 1:43mit diesen beiden Techniken deine innere Ruhe trainieren
- 1:46kannst. Ja, wie ein Muskel, um sie dann
- 1:49im entscheidenden Moment, also in der Krise, bewusst abrufen zu
- 1:53können. Aber bevor wir zu den Techniken
- 1:56selbst kommen, ist es vielleicht gut zu wissen, wer Gabriel
- 1:59überhaupt ist. Warum schreibt er darüber?
- 2:02Dieser ganze Input, diese Perspektive kommt ja von ihm,
- 2:05dem Gründer von Nielix Berlin. Und das ist eben keine trockene
- 2:09Theorie. Gabriel hat selbst eine lange,
- 2:12über 28 Jahre andauernde Geschichte mit Sucht und
- 2:15Recovery, erkennt also beide Seiten der Medaille aus eigener,
- 2:19ja tiefster Erfahrung, das Chaos der Sucht selbst, aber eben auch
- 2:23die Auswirkung auf die Menschen drumherum.
- 2:25Auf seiner Webseite teilt er seine Geschichte und seine
- 2:28Kämpfe sehr offen. Und das macht er, um dir zu
- 2:30zeigen, du bist mit diesen Gefühlen, mit dieser
- 2:33Überforderung nicht allein, er versteht das wirklich.
- 2:37Genau das ist der Punkt, der das Ganze so authentisch macht.
- 2:41Gabriel beschreibt süchtige Menschen in ihrer aktiven Phase
- 2:45oft als emotionale Tsunamis. N starkes Bild, finde ich.
- 2:49Er spricht ganz offen davon, wie er früher selbst unbewusstsein
- 2:52umfällt mit seinem eigenen inneren Chaos, seiner Panik,
- 2:55seiner Wut. Regelrecht angesteckt hat.
- 2:58Er sagt, der vielleicht größte Fehler, den Angehörige machen
- 3:01können, ist emotional voll in diesen Tsunami hinein zu
- 3:04springen, in dem verzweifelten Versuch, den anderen zu retten,
- 3:08seine bittere Erfahrung. Dann ertrinken oft beide.
- 3:12Es geht also nicht darum, den Sturm des anderen zu beenden,
- 3:14das liegt oft nicht in deiner Macht, sondern darum, einen Weg
- 3:17zu finden, wie du selbst nicht von diesem Sturm mitgerissen
- 3:20wirst. Und diese Ehrlichkeit, die
- 3:22schafft eine echte Verbindung, sie zeigt, die Techniken kommen
- 3:26nicht aus dem Lehrbuch, sondern aus gelebter, oft schmerzhafter
- 3:28Erfahrung. OK, das Bild vom Tsunami ist
- 3:32stark. Wirklich stark.
- 3:34Lass uns das mal genauer anschauen.
- 3:36Warum fühlt es sich denn so real, als würde man von der
- 3:40miesen Stimmung, der Angst oder der Wut des süchtigen Menschen
- 3:43förmlich infiziert, das bildet man sich ja nicht ein, oder?
- 3:47Nein, absolut nicht. Das hat handfeste Gründe, die
- 3:50man inzwischen auch wissenschaftlich gut versteht.
- 3:52Da sind zum einen die sogenannten Spiegelneuronen und
- 3:56das Phänomen der emotionalen Ansteckung, emotional.
- 4:00Contagion nennt man das. Ganz vereinfacht gesagt, Unser
- 4:04Gehirn ist darauf programmiert, die Emotionen anderer Menschen
- 4:08unbewusst zu spiegeln und zu übernehmen.
- 4:11Wir sehen jemanden weinen und es zieht uns runter, wir sehen
- 4:14jemanden panisch und unser eigenes Stresssystem springt an,
- 4:18das passiert über feinste nonverbale Signale, Mimik,
- 4:21Körpersprache, Stimmlage. Das ist keine Esoterik, sondern
- 4:26Neurobiologie. OK, spiegelneuronen emotionale
- 4:30Ansteckung verstanden? Und dann kommt die
- 4:32Polyvagaltheorie von Stephen Porges ins Spiel.
- 4:35Die ist auch spannend, die beschreibt, wie unsere
- 4:38Nervensysteme auf einer unbewussten Ebene miteinander
- 4:41kommunizieren. Porges nennt das Neurozeption
- 4:45wir scannen ständig unbewusst ab, ob unser gegenüber sicher
- 4:49oder gefährlich ist. Ob sein Nervensystem entspannt
- 4:52oder im Alarmzustand ist. Wenn nun das Nervensystem des
- 4:56süchtigen Menschen in der Krise ist, also im Kampf, Flucht oder
- 4:59Erstarrungsmodus, dann kann dieses hochgradig disregulierte
- 5:02System dein eigenes Nervensystem quasi automatisch mit in den
- 5:06Alarmzustand ziehen. Das ist wie ein unbewusstes
- 5:09Mitschwingen, wirklich faszinierend, aber auch
- 5:11beängstigend. Mitschwingen im negativen Sinne
- 5:16dann. Genau.
- 5:18Das führt uns zum wichtigen Unterschied zwischen
- 5:21Coregulation und Co Dysregulation.
- 5:24Normalerweise können wir uns gegenseitig beruhigen, denkt an
- 5:27eine Mutter, die ihr aufgeregtes Kind in den Arm nimmt, ihre Ruhe
- 5:31überträgt, sich, das Kind reguliert sich runter, das ist
- 5:34Coregulation ein gesunder Prozess im Umgang mit einem
- 5:38süchtigen Menschen im Krisenmodus passiert aber oft
- 5:40das Gegenteil, sein extrem gestresstes, chaotisches System
- 5:44ist so dominant, dass es dein System mit ins Chaos zieht.
- 5:48Du versuchst vielleicht zu helfen, zu beruhigen, aber
- 5:50stattdessen wirst du selbst immer angespannter, hilfloser,
- 5:53wütender. Dein Nervensystem passt sich
- 5:56unbewusst dem Chaos an und das ist Co dyshäulation.
- 6:00Puh, das klingt ja fast so, als wär man dem hilflos
- 6:04ausgeliefert, wenn das Nervensystem automatisch
- 6:06mitschwingt. Wie kommt man da raus?
- 6:09Genau da setzt die Idee des Ankers an, über den wir gleich
- 6:12sprechen werden. Der Anker ist sozusagen ein
- 6:15bewusstgesetzter Stoppbefehl an dein eigenes Nervensystem.
- 6:19Du unterbrichst damit diesen automatischen
- 6:21Angleichungsprozess, statt dich unbewusst vom Chaos des anderen
- 6:25anstecken zu lassen, gibst du deinem System das Signal, Moment
- 6:29mal, verbinde dich jetzt nicht mit diesem externen Stress,
- 6:32sondern mit dem Zustand der Ruhe, den wir vorher geübt und
- 6:35gespeichert haben. Es ist eine bewusste
- 6:37Entscheidung, dich aus dieser unbewussten Abwärtsspirale
- 6:40auszuklinken. Verstehe.
- 6:42Ein bewusster Eingriff in einen unbewussten Prozess.
- 6:46Aber wann genau brauche ich so einen Anker?
- 6:49Du meintest ja, er ist kein Werkzeug für jeden Tag.
- 6:52Genau. Gabriel nennt ihn ja den Notfall
- 6:54Airbag. Er ist für die Spitzen gedacht,
- 6:56für die Momente, wo du merkst, jetzt kippt es gleich, jetzt
- 6:59übernimmt die Panik oder die Wut.
- 7:02Im Artikel gibt es eine Art Krisencheckliste, die das sehr
- 7:05greifbar macht, denkt man an Situationen wie.
- 7:09Ein aggressiver, manipulativer Anruf, vielleicht mitten in der
- 7:13Nacht, voller Vorwürfe oder Forderungen, kennen sicher
- 7:16einige. Oder dieser furchtbare Moment
- 7:18der Klarheit, wenn du realisierst, ich wurde schon
- 7:22wieder belogen, dieses Gefühl im Magen, diese Enttäuschung, die
- 7:26Panik, wenn die Person verschwunden ist, nicht
- 7:28erreichbar und ein Kopfkino losgeht.
- 7:30Schrecklich. Ganz entscheidend auch der
- 7:33Moment, kurz bevor du eine wirklich schwierige, aber
- 7:36notwendige Grenze setzen musst. Dieses Herzklopfen davor, denn
- 7:40du weißt, das gibt Ärger, aber es muss sein.
- 7:43Und natürlich die Situationen im Streit, wenn du persönlich
- 7:46angegriffen wirst, wenn deine wunden Punkte getroffen werden
- 7:49und du merkst, wie alte Ängste und Wut hochkochen.
- 7:52Ja, und das ist der Kern. In diesen Momenten übernimmt oft
- 7:57nicht mehr der rationale Verstand die Steuerung.
- 8:00Dein Nervensystem ist im Überlebensmodus.
- 8:02Kampf, flucht, Erstarrung, Du reagierst automatisch oft auf
- 8:06eine Weise, die du später bereust.
- 8:07Wir alle kennen das, der Anker ist da wie ein kleiner Knopf,
- 8:11den du drücken kannst, um dir eine winzige Atempause zu
- 8:14verschaffen, einen Moment des Innehaltens, bevor die
- 8:18Automatikreaktion abläuft, erschafft eine kleine, aber
- 8:21wichtige Distanz. OK.
- 8:24Jetzt bin ich wirklich gespannt. Wie baut man diesen
- 8:27Schutzschild, diesen Anker denn nun konkret auf?
- 8:30Du sprachst von 2 Techniken, die Gabriel kombiniert.
- 8:33Genau. Er schlägt einen zweistufigen
- 8:35Trainingsplan vor, und das war Training ist hier wichtig, das
- 8:39braucht ein bisschen Übung, ist aber machbar.
- 8:42Teil 1 ist die Zukunftsvisualisierung, das
- 8:45Trainingslager sozusagen, hier geht es darum, dein Gehirn schon
- 8:49im Vorfeld auf ein anderes Verhalten zu programmieren, auf
- 8:52Ruhe und Stärke. Bevor die nächste Krise kommt,
- 8:56und das geht so, such dir n ruhigen Moment, schließ die
- 8:59Augen, stell dir eine typische, für dich belastende
- 9:02Krisensituation vor, die in Zukunft wieder auftreten könnte,
- 9:05zum Beispiel dein Angehöriger kommt betrunken oder unter
- 9:09Drogeneinfluss nach Hause und beginnt dich zu provozieren.
- 9:13Und jetzt kommt der entscheidende Schritt.
- 9:15Stell dir nicht vor, wie du bisher reagiert hast.
- 9:17Vielleicht mit Schreien, weinen, Vorwürfen, das kennen wir ja.
- 9:21Visualisiere stattdessen dein zukünftiges ich die stärkste
- 9:25Galassenste, souveränste Version deiner selbst, die du dir
- 9:29vorstellen kannst. Wie reagiert diese Version von
- 9:32dir? Sie steht vielleicht fest auf
- 9:34beiden Beinen, atmet tief und ruhig, sie lässt sich nicht
- 9:38provozieren, vielleicht sagt sie mit fester, klarer Stimme etwas
- 9:43wie ich sehe, dass es dir nicht gut geht, wir können morgen
- 9:47darüber sprechen, wenn du nüchtern bist, oder?
- 9:50Sie geht einfach ruhig aus dem Raum.
- 9:53Das wichtigste dabei ist, fühle die Gefühle dieser starken
- 9:57Version. Wie fühlt sich diese
- 9:59Gelassenheit an, diese Stärke, diese Selbstachtung, wo im
- 10:04Körper spürst du das, Versuche dieses Gefühl jetzt während der
- 10:08Visualisierung so intensiv wie möglich zu erleben, das ist das
- 10:13Training okay. Also sich das zukünftige starke
- 10:16ich vorstellen und vor allem fühlen.
- 10:19Genau. Und Teil 2 ist dann der NLP
- 10:22Anker der Notfallknopf. Damit verbindest du dieses
- 10:25starke Gefühl der Ruhe aus der Visualisierung mit einem
- 10:28konkreten Auslöser. Das ist wie bei pavlovs Hunden
- 10:32eine klassische Konditionierung. Kennst du vielleicht ein Reiz
- 10:35wird mit einer Reaktion verknüpft, die Schritte sind
- 10:38relativ einfach, erstens Gefühl hervorrufen, geh noch mal in
- 10:43dieses starke Gefühl der Gelassenheit oder
- 10:45unerschütterlichen Ruhe aus deiner Visualisierung, zweitens
- 10:49verstärken. Macht dieses Gefühl so intensiv
- 10:52wie möglich. Spür genau hin, wo im Körper ist
- 10:54es am stärksten, ist es eine Wärme, eine Schwere, ein
- 10:58Kribbeln, verstärke es bewusst. Drittens Anker setzen, wenn das
- 11:03Gefühl seinen Höhepunkt erreicht hat, drückst du einen ganz
- 11:05bestimmten, für dich einzigartigen Punkt an deinem
- 11:08Körper. Gabriel schlägt als Beispiel
- 11:10vor, den Daumen kräftig auf das Gelenk des kleinen Fingers
- 11:13derselben Hand zu drücken. Wichtig ist, dass es ein Punkt
- 11:15ist, den du unauffällig auch in Stresssituationen berühren
- 11:19kannst. Halte diesen Druck für etwa 1015
- 11:23Sekunden, während du voll in diesem Gefühl der Ruhe bist.
- 11:27Dieser Druckpunkt ist jetzt dein Anker. 4.
- 11:31Testen und wiederholen jetzt unterbricht den Zustand kurz,
- 11:36denk an etwas völlig neutrales, Schau aus dem Fenster, dann löse
- 11:40den Anker aus, Drücke wieder genau diesen Punkt für ein paar
- 11:44Sekunden, achte darauf, ob das Gefühl der Ruhe wieder
- 11:47auftaucht, vielleicht auch nur ganz leicht.
- 11:49Wiederhole diesen Vorgang. Gefühl intensivieren, Anker
- 11:53drücken, Zustand unterbrechen, Anker testen, einige Male so
- 11:58lädst du den Anker immer stärker mit dem Gefühl der Ruhe auf.
- 12:01Ah okay, also Gefühl fühlen, Punkt drücken, Pause, Punkt
- 12:06drücken und schauen, ob das Gefühl wiederkommt.
- 12:08Klingt machbar. Ja, ist es auch der Sinn der
- 12:12Sache ist klar, wenn die nächste Krise kommt, die Wogen
- 12:15hochschlagen, drückst du bewusst deinen Ankerpunkt.
- 12:18Damit gibst du deinem Nervensystem das trainierte
- 12:20Signal. OK, erinnere dich an die Ruhe,
- 12:24verbinde dich damit, statt dich vom Chaos mitreißen zu lassen.
- 12:28Das klingt sehr konkret und ja, auch irgendwie ermächtigend,
- 12:32aber ich kann mir gut vorstellen, dass jetzt bei dir,
- 12:35liebe Hörerin, lieber Hörer, einige Fragen auftauchen.
- 12:38Lass uns doch mal auf die Punkte eingehen, die Gabriel im Artikel
- 12:41als FAQS, also als häufige Fragen anspricht.
- 12:45Stell dir vor, wir sitzen hier zusammen und du fragst uns.
- 12:48Ja, lass uns das tun. Die erste und vielleicht
- 12:51wichtigste Frage ist oft heißt das, ich soll kalt und
- 12:55emotionslos werden, soll ich meine Gefühle unterdrücken und
- 13:00die Antwort darauf ist ein ganz klares Nein, auf keinen Fall,
- 13:04darum geht es überhaupt nicht. Du wirst weiterhin Gefühle haben
- 13:08und das ist auch gut so. Wut, Angst, Trauer,
- 13:11Enttäuschung, das sind ja normale menschliche Reaktionen
- 13:15auf schwierige Situationen, sie haben ihre Berechtigung.
- 13:19Der entscheidende Punkt ist, mit dem Anker schaffst du eine
- 13:22winzige, aber mächtige Lücke zwischen dem Impuls, dem Gefühl
- 13:26und deiner automatischen Reaktion darauf.
- 13:29Du wirst nicht mehr blindlings von der Emotion in einer
- 13:32Handlung katapultiert, die die Situation oft nur schlimmer
- 13:35macht, wie zurückzuschreien Vorwürfe zu machen oder aus
- 13:39Angst sofort nachzugeben. Du gewinnst einen Moment der
- 13:43Wahlfreiheit, du bleibst handlungsfähig und kannst
- 13:46bewusster entscheiden, wie du reagierst.
- 13:48Du managst deine Reaktion nicht das Gefühl selbst.
- 13:52Aber was ist, wenn es dann doch nicht klappt?
- 13:55Die nächste Frage. Was, wenn der Anker in einer
- 13:58echten Krise nicht funktioniert? Das ist ne total berechtigte
- 14:02Frage und eine realistische Sorge.
- 14:04Ja, es kann passieren, besonders am Anfang, wenn der Anker noch
- 14:07nicht so oft geübt wurde oder wenn der Stress einfach
- 14:10überwältigend ist. Das ist menschlich das
- 14:13Wichtigste ist sei dann bitte nicht enttäuscht von dir oder
- 14:16denk die Methode taugt nichts, das wäre schade, sie ist als
- 14:19Teil des Lernprozesses der Anker ist kein Zauberstab der auf
- 14:23Knopfdruck alles löst. Er ist ein Werkzeug und wie
- 14:27jedes Werkzeug wird es durch Übung besser und zuverlässiger
- 14:30und ganz wichtig, selbst wenn der Anker deine Panik nur von
- 14:34einer gefüllten Skala von 100 aufsagen wir 80 reduziert, ist
- 14:38das schon ein riesiger Gewinn. Du hast einen kleinen Schritt
- 14:41aus der totalen Überwältigung zurück zur Selbstkontrolle
- 14:43gemacht, jeder kleine Schritt zählt wirklich.
- 14:48Das nimmt sicher etwas den Druck raus.
- 14:51Übungssache also. Und wie sieht es aus mit anderen
- 14:54Situationen? Kann ich diesen Anker auch für
- 14:57andere Stresssituationen im Leben nutzen?
- 14:59Unbedingt. Das ist das Schöne daran, wenn
- 15:01du dir einmal einen starken Ruhranker antrainiert hast, ist
- 15:04der universell einsetzbar. Denk an all die Situationen im
- 15:07Alltag, die Stress auslösen können vor einem wichtigen
- 15:10Gespräch beim Chef, bei einer Präsentation, wenn du dich über
- 15:13etwas ärgerst, bei Prüfungsangst oder Lampenfieber.
- 15:16Immer wenn du merkst, dein Stresslevel steigt dein Herz
- 15:19schneller schlägt, kannst du deinen Anker nutzen, um dich ein
- 15:21Stück weit zu erden und einen klaren Kopf zu bekommen.
- 15:24Es ist eine Fähigkeit zur Selbstregulation, die dir in
- 15:26ganz vielen Lebensbereichen helfen kann, also ja, absolut.
- 15:30Super, das ist ja ein echter Bonus.
- 15:32Jetzt wird es spannend, eine Frage, die sicher auch einigen
- 15:36durch den Kopf geht. Mein Partner merkt vielleicht,
- 15:39dass ich diesen Trick anwende, dass ich ruhiger bleibe und wird
- 15:44dadurch vielleicht sogar noch wütender.
- 15:46Was dann? Das ist eine sehr scharfsinnige
- 15:48Beobachtung und Hand aufs Herz, das kann durchaus passieren.
- 15:52Gabriel sagt sogar, das kann paradoxerweise ein gutes Zeichen
- 15:56sein, ein Zeichen dafür, dass du dabei bist, etwas Grundlegendes
- 16:00zu verändern. Denk an das Bild vom Tanz
- 16:02suchtbeziehungen haben oft festgefahrene Muster der
- 16:05Interaktion, wenn du plötzlich anders reagierst, eben ruhiger,
- 16:09nicht mehr auf die Provokationen einsteigend, dann durchbrichst
- 16:12du dieses Muster. Das gewohnte Verhalten deines
- 16:15Partners, das vielleicht darauf abzielt, dich aus der Fassung zu
- 16:18bringen, um Kontrolle zu behalten oder Mitleid zu
- 16:21erregen, läuft ins Leere. Die sucht oder das
- 16:24dahinterliegende Muster spürt, dass die alte Strategie nicht
- 16:28mehr funktioniert, die Reaktion darauf kann erst mal sein,
- 16:31lauter zu werden, fordernder, wütender, ein Versuch, dich
- 16:35zurück in das alte Muster zu zwingen.
- 16:37Deine Ruhe ist in diesem Moment eine sehr starke Grenze, sie zu
- 16:41halten, auch wenn es schwer fällt, zeigt, dass du dich aus
- 16:44der Codisregulation löst und auf dem richtigen Weg bist.
- 16:48Es ist ein Zeichen deines Fortschritts.
- 16:50Wow. OK, also die Wut des anderen
- 16:53kann sogar ein Zeichen sein, dass ich auf dem richtigen Weg
- 16:56bin. Interessante Perspektive und die
- 17:00letzte Frage aus dem FAQ, die auch ethisch wichtig ist.
- 17:05Ist das nicht eine Form von Manipulation?
- 17:07Wenn ich so einen Anker benutze? Auch hier betont Gabriel ganz
- 17:10klar Nein. Es ist das exakte Gegenteil von
- 17:13Manipulation. Du manipulierst ja mich die
- 17:15andere Person, um ein bestimmtes Verhalten bei ihr zu erreichen,
- 17:18das wäre Manipulation, du arbeitest an dir, du übernimmst
- 17:22100% Verantwortung für deinen eigenen emotionalen Zustand und
- 17:26deine Reaktion, du hörst auf deinen Zustand unbewusst und
- 17:29automatisch vom Zustand des anderen abhängig zu machen, das
- 17:32ist ein Akt der Selbstermächtigung.
- 17:34Du holst dir die Kontrolle über deine eigenen Reaktionen zurück,
- 17:37statt ferngesteuert zu sein. Es geht um Selbstmanagement,
- 17:40nicht um Fremdsteuerung, ein Riesenunterschied.
- 17:43OK, das leuchtet ein. Selbstmanagement statt
- 17:46Fremdsteuerung, das sind wirklich sehr hilfreiche und
- 17:49tiefgehende Antworten auf mögliche Bedenken, um das Ganze
- 17:52noch weiter zu vertiefen, empfiehlt Gabriel übrigens auch
- 17:55das Buch Gesund durch Meditation von John Kabbatsin.
- 17:59Ja, das ist eine sehr sinnvolle Ergänzung.
- 18:01John Kabbatsin ist ja quasi der Begründer der modernen,
- 18:04wissenschaftlich erforschten Achtsamkeitspraxis, bekannt als
- 18:08Mbsr mindfulness based Stress reduction.
- 18:12Sein Buch ist ein Klassiker und lehrt die Grundlagen der
- 18:14Achtsamkeit, wie Du lernst, deine Gedanken und Gefühle
- 18:18bewusst wahrzunehmen, sie zu beobachten, ohne dich sofort von
- 18:22ihnen mitreißen zu lassen oder dich mit ihnen zu
- 18:24identifizieren. Das passt wunderbar zu den
- 18:27Ankertechniken. Der Anker ist eher das
- 18:30Akutwerkzeug für den Notfall. Achtsamkeit hilft dir, eine
- 18:33generellere innere Ruhe und ein besseres Verständnis für deine
- 18:36eigenen Muster zu entwickeln. Beides zusammen kann dich
- 18:38langfristig unglaublich stärken. Achtsamkeit als Basis der Anker
- 18:43als Notfallknopf. Genau.
- 18:46Und um die Kernbotschaft von Gabriel noch mal auf den Punkt
- 18:49zu bringen, nutzt er dieses starke Bild vom Leuchtturm, das
- 18:53er auch als Fazit in seinem Artikel verwendet.
- 18:56Deine Aufgabe als Angehörige oder Angehöriger ist es nicht,
- 19:00wie ein ungesicherter Retter kopflos ins tosende Meer zu
- 19:04springen, um einen Ertrinkenden zu retten und dabei Gefahr zu
- 19:08laufen, selbst mit unterzugehen. Deine Aufgabe ist es, ein
- 19:12starker, stabiler Leuchtturm am Ufer zu sein.
- 19:16Der süchtige Mensch im Chaos, so beschreibt er es, ist oft wie
- 19:20dieser Ertrinkende, der Wild um sich schlägt und jeden mit
- 19:23Runterzieht, der ihm unbedacht zu nahe kommt, ungesichert
- 19:27hinterher zu springen, führt fast immer zur Doppeltragödie.
- 19:30Das heißt, die Visualisierung, über die wir gesprochen haben,
- 19:34ist sozusagen die Arbeit am Fundament deines Leuchtturms.
- 19:38Du baust ihn auf festem Grund, programmierst deine Stärke vor.
- 19:42Richtig. Und der Anker ist dann der
- 19:44Lichtschalter, den du Betätigst, wenn die Sturmwellen der Krise
- 19:48besonders hochschlagen. Um dein Licht der Orientierung
- 19:51anzuknipsen. Genau das ist die Idee, sehr
- 19:53schön gesagt, diese Techniken sollen dir ermöglichen,
- 19:56emotional präsent und unterstützend zu sein.
- 19:59Du kannst dem Ertrinkenden den Rettungsring der Hilfe zuwerfen,
- 20:03aber ohne selbst vom Strudel des Chaos verschluckt zu werden.
- 20:06Du hörst auf. Nur ein weiterer Teil des Sturms
- 20:09zu sein und wirst stattdessen zu einem Orientierungspunkt.
- 20:13Bleibt der Fels, bleibt der Leuchtturm, das ist, so Gabriels
- 20:16feste Überzeugung, die wirksamste Form der Hilfe, die
- 20:19du langfristig geben kannst. Und vor allem ist es der absolut
- 20:23notwendige Selbstschutz, damit du selbst nicht zerbrichst.
- 20:26Es geht darum, für dich selbst zu sorgen, um überhaupt für
- 20:29andere da sein zu können. Das ist nicht egoistisch, das
- 20:33ist notwendig. Ein sehr kraftvolles Schlussbild
- 20:36bevor wir uns verabschieden. Noch ein Hinweis in eigener
- 20:38Sache, oder besser gesagt in Gabriels Sache.
- 20:41Wenn dir dieser Beitrag gefallen hat und du die Arbeit von Nilex
- 20:44Berlin wertvoll findest, würde sich Gabriel riesig über deine
- 20:47Unterstützung freuen. Du kannst Gabriel helfen, indem
- 20:50du diesen Beitrag auf Social Media teilst oder diese Inhalte
- 20:53auf Plattformen wie Spotify oder Apple Podcasts bewertest und
- 20:56Likest. Das Projekt Nilex Berlin wird
- 20:59komplett allein von Gabriel finanziert und erstellt jede
- 21:02Form der Unterstützung hilft Gabriel mit diesem Projekt, sich
- 21:06selbst und gleichzeitig anderen Betroffenen zu helfen.
- 21:09Gabriels persönliches Motto, das ihn antreibt, lautet, aus allem
- 21:12schlechten in seinem Leben etwas Gutes zu machen.
- 21:15Eine tolle Motivation. Absolut.
- 21:18Und vielleicht noch ein Gedanke zum Mitnehmen für dich.
- 21:21Wenn du lernst, dein eigener Leuchtturm zu sein, strahlt
- 21:24dieses Licht ja nicht nur nach außen.
- 21:27Was verändert sich tief in dir, wenn du merkst, dass du auch im
- 21:30größten Sturm deine Mitte halten kannst?
- 21:32Das ist vielleicht die spannendste Entdeckung auf
- 21:35diesem Weg. Vielen Dank, dass du dir die
- 21:37Zeit genommen und zugehört hast. Pass gut auf dich auf und bis
- 21:40zum nächsten Mal.