Latest / Anonym Suchthilfe – KI-gestützte Selbsthilfe / #7 Folge 3: TEK-Revolution Tag 3: Die Welle reiten (Urge Surfing)
Transcript
- 0:00Willkommen zurück bei unserer heutigen Analyse.
- 0:02Schön, dass du wieder dabei bist und dir diese Zeit für dich
- 0:05nimmst. Hallo auch von mir.
- 0:06Wir tauchen heute ja in den dritten Teil der Tik Revolution
- 0:10von Nielix Berlin ein, und es geht um eine Frage, die, glaube
- 0:14ich, wirklich jeder kennt. Was zum Teufel mache ich, wenn
- 0:18die Gefühle schon da sind, wenn die Wut, die Trauer oder dieser.
- 0:23Zermürbende Suchtdruck einen wieso eine riesige Welle zu
- 0:27überrollen drohen. Genau am zweiten Tag ging es ja
- 0:30darum, mit Detektivarbeit die Gedanken hinter den Gefühlen
- 0:34aufzuspüren. Richtig, die Ursachenforschung.
- 0:36Heute lassen wir das mal beiseite und gehen sozusagen
- 0:40direkt an die Front. Wir schauen uns das Gefühl
- 0:42selbst an, wenn es in voller Stärke tobt und Fragen und jetzt
- 0:47was tun? Bevor wir da aber voll
- 0:49einsteigen, müssen wir eine wichtige Sache aus den
- 0:51Unterlagen voranstellen. Das ist eine Art
- 0:53Sicherheitscheck und den sollten wir wirklich absolut ernst
- 0:57nehmen. Unbedingt.
- 0:59Man muss sich klarmachen, dieses Material hier ist als
- 1:02Selbsthilfe konzipiert, es ist dein Werkzeugkasten.
- 1:05Aber eben kein Ersatz für eine professionelle Therapie.
- 1:08Exakt. Wenn du also merkst, du steckst
- 1:10in einer akuten Krise, der Druck wird überwältigend, dann ist das
- 1:14hier nicht der richtige Moment zum Experimentieren, dann gilt
- 1:17Hilfe holen. Und da gibt es ja konkrete
- 1:19Nummern. Ja, die Telefonseelsorge unter
- 1:22der 0 800111 111 ist rund um die Uhr erreichbar und im absoluten
- 1:27Notfall wählst du die 112. Das ist kein Zeichen von
- 1:30Schwäche, ganz im Gegenteil, das ist Stärke.
- 1:33Ein extrem wichtiger Punkt. Und was diese Unterlagen von
- 1:37vielen anderen unterscheidet, und das wird immer wieder
- 1:39betont, ist der persönliche Hintergrund des Autors Gabriel.
- 1:43Ja, und das ist eigentlich der Dreh und Angelpunkt des Ganzen.
- 1:46Gabriel, der Kopf hinter Nielix Berlin, ist kein Theoretiker,
- 1:50der aus dem Elfenbeinturm schreibt.
- 1:52Sondern. Er ist selbst Betroffener, kennt
- 1:55die Abgründe von Sucht und psychischen Krisen aus eigener,
- 1:59schmerzhafter Erfahrung. Er teilt auf seiner Webseite ja
- 2:02ganz offen seine Geschichte, nicht um sich zu profilieren,
- 2:05sondern um eine Brücke zu bauen. Das verändert alles, oder?
- 2:09Es ist diese Botschaft. Hey, ich weiß genau, wie sich
- 2:11das anfühlt. Ich saß im selben dunklen Loch
- 2:14und das hier sind die Werkzeuge, die mir geholfen haben, wieder
- 2:17rauszuklettern. Genau diese Authentizität,
- 2:21dieses Wissen aus erlebter Praxis, das ist das Fundament
- 2:25von dem ganzen Projekt. Es ist der Unterschied zwischen
- 2:27einem Reiseführer, der ein Land nur aus Büchern kennt, und.
- 2:31Der jahrelang dort gelebt hat. Ja, der dir die echten
- 2:35unentdeckten Pfade zeigen kann. Und genau dieser erfahrene
- 2:39Reiseleiter führt uns heute zum Kernproblem, unserem
- 2:43Tiefsitzenden, instinktiven Impuls im Umgang mit schwierigen
- 2:46Gefühlen. Und dieser Impuls lautet fast
- 2:49immer. Kampf, Wegdrücken, ablenken,
- 2:53betäuben, konsumieren. Hauptsache weg damit.
- 2:56In den Quellen wird dafür eine Metapher genutzt, die bei mir
- 2:59sofort Klick gemacht hat. Treibsand.
- 3:01Ah ja. Was ich daran so faszinierend
- 3:04finde, ist, wie fundamental falsch unser Instinkt da liegt.
- 3:07Das. Im Treibsand ist panische
- 3:10strampeln das absolut schlimmste, was du tun kannst.
- 3:13Jeder Kampf macht es schlimmer. Du singst nur tiefer.
- 3:16Und bei Gefühlen ist es exakt dasselbe.
- 3:18Je verzweifelter du gegen die Angst oder die Wut ankämpfst,
- 3:22desto mehr Energie fütterst du in das System, desto mächtiger
- 3:25wird das Gefühl, der Kampf selbst wird zur Ursache des
- 3:28Leidens. Okay das leuchtet ein.
- 3:30Ich kenne das von Gedankenspiralen je mehr ich
- 3:33versuche, nicht an etwas zu denken, desto präsenter wird es.
- 3:36Genau das. Wenn also der Kampf die falsche
- 3:38Strategie ist, was ist dann die Alternative, die hier
- 3:41vorgestellt wird? Das Prinzip der Akzeptanz und
- 3:44jetzt müssen wir ganz kurz innehalten, denn bei diesem Wort
- 3:48schreien bei den meisten sofort alle inneren Alarmglocken.
- 3:50Moment mal. Ja, Akzeptanz klingt für mich
- 3:53nach aufgeben, nach Resignation, so nach dem Motto.
- 3:57Na gut, dann ist mein Leben halt Scheiße und ich fühle mich
- 4:00schlecht. Ich akzeptiere das, das kann es
- 4:02ja wohl nicht sein. Eine perfekte Zusammenfassung
- 4:05des größten Missverständnisses. Im Gegenteil, Die Akzeptanz, die
- 4:09hier gemeint ist, ist kein Passives erleiden, sondern eine
- 4:13unglaublich aktive und kraftvolle Entscheidung.
- 4:15Eine aktive Entscheidung. Ja, im Originaltext wird das als
- 4:19Bossmove bezeichnet, also eine souveräne Entscheidung, die das
- 4:23ganze Spiel verändert. Akzeptanz bedeutet nicht, ich
- 4:27finde dieses Gefühl gut. Es bedeutet, ich hasse dieses
- 4:30Gefühl, es tut weh, aber ich höre auf, gegen die Tatsache zu
- 4:34kämpfen, dass es jetzt gerade da ist.
- 4:37OK, das ist n wichtiger Unterschied um das greifbarer zu
- 4:40machen, kommt eine zweite zentrale Metapher ins Spiel, die
- 4:43sich durch den ganzen Tag zieht. Die Welle.
- 4:45Genau die Welle, jedes starke Gefühl, jeder Suchtdruck.
- 4:48Verhält sich wie eine Welle im Ozean.
- 4:50Und das ist mehr als nur ein schönes Bild.
- 4:53Das hat eine neurobiologische Grundlage, jede Emotion, die in
- 4:57unserem Körper entsteht, folgt einem vorhersagbaren Verlauf
- 5:01einer Kurve, die man in 4 Phasen unterteilen kann.
- 5:04Also hat so ein Gefühl, quasi ein Lebenszyklus.
- 5:07Es wird geboren, wächst und stirbt dann auch wieder von
- 5:10allein. Exakt die erste Phase ist die
- 5:12Entstehung. Eine leichte Kräuselung auf dem
- 5:15Wasser, ein kaum spürbares Unbehagen.
- 5:18Okay. Dann kommt Phase 2, der Anstieg.
- 5:22Die Welle baut sich auf, das Gefühl wird intensiver,
- 5:25drängender. Das führt uns zur dritten Phase,
- 5:28dem Scheitelpunkt, dem PIK, das. Ist der Moment, wo es am
- 5:32schlimmsten ist. Ja, hier ist die Wut am größten,
- 5:35der Suchtdruck am stärksten, und das ist der kritische Moment,
- 5:38weil. Man an diesem Punkt den falschen
- 5:40Gedanken glaubt, dass es für immer so weitergeht, dass die
- 5:44Welle unendlich weiter ansteigt und einen verschlingt.
- 5:46Genau das ist der Trugschluss. Aber das ist biologisch
- 5:50unmöglich. Kein System kann ewig auf
- 5:52maximale Anspannung laufen. Ah.
- 5:56Und das führt uns zur vierten und wichtigsten Phase, die eine
- 5:59Garantie ist das Abklingen, wenn du am Scheitelpunkt nicht dem
- 6:03Impuls nachgibst, verliert die Welle immer und ausnahmslos von
- 6:07selbst wieder an Kraft, immer immer sie bricht und läuft am
- 6:12Strand aus, das ist ein Naturgesetz in unserem
- 6:16Nervensystem. Unsere Aufgabe ist es also
- 6:19nicht, die Welle zu stoppen. Das wäre ja, als wollte man den
- 6:23Ozean anhalten, sondern zu lernen, nicht in ihr zu
- 6:27ertrinken. Man baut sich sozusagen ein
- 6:29Surfbrett. Genau dafür gibt es auch einen
- 6:33Fachbegriff, jurge Surfing. Richtig drangsurfen Wir lernen
- 6:38auf der Welle des Drangs oder des Gefühls zu reiten, in dem
- 6:42vollen Bewusstsein und Vertrauen, das sie von selbst
- 6:45wieder abebben wird. Das verändert die gesamte
- 6:47Perspektive. Total man ist nicht mehr das
- 6:50hilflose Opfer, das von der Welle unter Wasser gedrückt
- 6:53wird, sondern der Surfer, der ihre Kraft und Dynamik kennt und
- 6:58weiß, wie er oben bleibt, bis er wieder am ruhigen Ufer ankommt.
- 7:01Das ist ein gewaltiger Perspektivwechsel weg vom
- 7:05Kämpfer im Wasser, hin zum Beobachter auf dem Surfbrett.
- 7:09Das erinnert mich an diesen Satz, der in den Quellen zitiert
- 7:12wird. What you resist Persists.
- 7:15Wogegen du Widerstand leistest, das bleibt bestehen.
- 7:18Und genau hier schließt sich der Kreis zur Akzeptanz.
- 7:21Ja, erst wenn du aufhörst, all deine Energie in den sinnlosen
- 7:25Kampf gegen die Welle zu stecken, hast du die Hände frei
- 7:28und die Kraft übrig, um dein Surfbrett zu steuern.
- 7:30Man wechselt die Rolle. Genau wie es im Artikel heißt.
- 7:34Vom Krieger im Treibsand zum Beobachter am Ufer.
- 7:38Gut, aber wie macht man das konkret?
- 7:39Wie übt man das, wenn man nicht gerade mitten in einer
- 7:42emotionalen Sturmflut steckt? Die Unterlagen schlagen ja eine
- 7:45Art Trockenübung vor. Ja, eine 5 Minuten
- 7:48wellenrittmeditation, eine kontrollierte Simulation, um die
- 7:52Werkzeuge kennenzulernen, bevor der echte Sturm aufzieht.
- 7:55Also erst mal im Trockenen üben. Genau Theorie ist das eine, aber
- 7:59das fühlen und erleben ist das Entscheidende.
- 8:02OK, lass uns das mal für dich, der du zuhörst durchgehen, damit
- 8:05du es direkt mitmachen oder später für dich ausprobieren
- 8:07kannst. Schritt 1 ist die Vorbereitung.
- 8:10Also setz dich aufrecht, aber entspannt hin und stell dir
- 8:14einen Timer auf 5 Minuten, dann schließe sanft die Augen.
- 8:18Und schon diese aufrechte, würdige Haltung ist ja ein
- 8:20psychologischer Trick, oder? Absolut.
- 8:22Du signalisierst deinem Körper und Gehirn.
- 8:25Ich bin nicht das Opfer dieses Gefühls, ich bin ein Beobachter,
- 8:29der die Kontrolle hat und sich dem bewusst zuwendet.
- 8:32Der Punkt. Der zweite Schritt ist dann,
- 8:34bewusst einen leichten Auslöser zu wählen.
- 8:36Richtig, denk an eine Situation, die bei dir leichten Stress
- 8:40verursacht. Auf einer Skala von 1 bis 10
- 8:43vielleicht so eine 3 oder 4. Kein großes Trauma, nur ein
- 8:46kleines Ärgernis. Und dann wartet man einfach.
- 8:48Genau, bis du die körperliche Reaktion darauf spürst.
- 8:52Es geht nämlich nicht um die Geschichte im Kopf, sondern um
- 8:55die Empfindung im Körper. Wo meldet sich der Stress?
- 8:58Das ist dann schon Schritt bei die Beobachtung.
- 9:02Stell dir die Frage, wo genau im Körper sitzt.
- 9:05Dieses Gefühl ist da ein Kloß im Hals, ein Druck auf der Brust,
- 9:10eine Hitze im Gesicht und dann werde zum Forscher.
- 9:13Wie fühlt es sich an? Ist es heiß, kalt, kribbelnd,
- 9:17stechend, dumpf? Betrachtest mit reiner Neugier,
- 9:21ohne es zu bewerten oder weghaben zu wollen.
- 9:23Und das ist der magische Moment der Entkopplung.
- 9:26Ja, in dem Moment, wo du es beobachtest, bist du es nicht
- 9:30mehr. Du bist nicht der Schmerz, du
- 9:32bist derjenige, der den Schmerz wahrnimmt.
- 9:35Das allein schafft schon eine entscheidende Distanz.
- 9:38Der vierte Schritt ist das Atmen.
- 9:40Die Anleitung lautet bildlich in das Gefühl hineinzuatmen.
- 9:45Was bedeutet das? Die Vorstellung ist, dass dein
- 9:47Atem um diese enge, schmerzhafte Stelle herum Raum schafft,
- 9:53anstatt dich davon einschnüren zu lassen, weitest du den
- 9:57Bereich mit deinem Atem. Eine sehr kraftvolle
- 10:02Visualisierung. Du erstickst nicht im Gefühl,
- 10:05sondern du atmest Weite und Platz hinein.
- 10:08Und der letzte, fünfte Schritt ist ein Mantra, ein Ankersatz,
- 10:12den du dir innerlich wiederholst.
- 10:14Und der lautet? Das ist nur eine Welle.
- 10:17Ich kann auf ihr reiten, das wiederholst du sanft, während du
- 10:22weiter atmest. Und beobachtest, bis der Timer
- 10:25klingelt. Das sind also die 3 Komponenten
- 10:27des Surfbretts. Die neugierige Beobachtung der
- 10:31raumschaffende Atem und der verankernde Gedanke.
- 10:34Um das nicht so abstrakt stehen zu lassen, teilt Gabriel eine
- 10:38sehr persönliche Erfahrung vom Vortag, wo er genau das gemacht
- 10:42hat. Und das macht es erst so richtig
- 10:44greifbar. Das ist wieder diese
- 10:45Authentizität. Kein theoretisches Gerede,
- 10:48sondern ein Werkzeug im echten, chaotischen Alltag.
- 10:52Der Auslöser war bei ihm, die Entscheidung, nicht zu seiner
- 10:55Selbsthilfegruppe zu gehen, um jemandem aus dem Weg zu gehen.
- 10:58OK, daraufhin startete sofort sein Kopfkino, also die
- 11:01Gedanken, die er mit der Detektivarbeit von Tag 2
- 11:04identifizieren würde, die verstehen mich sowieso nicht, da
- 11:07kommen bestimmt wieder dumme Sprüche.
- 11:08Und diese Gedanken haben dann das Gefühl erzeugt, die Welle in
- 11:12seinem Fall waren das Ärger, Unverständnis und eine massive
- 11:15Anspannung. Die sich in seinem Nacken
- 11:18festgesetzt hat. Klassiker.
- 11:20Genau. Und diese Anspannung ging nicht
- 11:21weg. Also hat er sich hingesetzt und
- 11:23genau diese Übung gemacht. Er hat seine gesamte
- 11:26Aufmerksamkeit auf den Nacken gerichtet und jetzt kommt der
- 11:29Teil, der mich wirklich überrascht.
- 11:30Hat. Was ist passiert?
- 11:32Am Anfang wurde es schlimmer. Ja, das ist eine unglaublich
- 11:35wichtige Erfahrung, die viele machen.
- 11:37Wenn du das Scheinwerferlicht der Aufmerksamkeit voll auf den
- 11:40Schmerz richtest, scheint er erst lauter und intensiver zu
- 11:44werden. Und die meisten brechen hier ab
- 11:45und denken das. Das funktioniert nicht.
- 11:48Ich mache es nur noch schlimmer. Aber er ist dran geblieben.
- 11:51Und dann kam der Wendepunkt. Er hat den inneren Kampf
- 11:55aufgegeben, es wegmachen zu wollen.
- 11:57Stattdessen hat er innerlich gesagt, Okay Nacken, du bist
- 12:01angespannt, das darf jetzt sein. Das war dieser radikale Moment
- 12:05der Akzeptanz. Der Moment, in dem man aufhört,
- 12:08im Treibsand zu strampeln und sich einfach tragen lässt.
- 12:11Und das Ergebnis war verblüffend.
- 12:14In dem Moment, als er den Kampf aufgab, veränderte die
- 12:17Empfindung ihren Charakter. Die Anspannung wurde weicher.
- 12:21Aus einem feindseligen Schmerz wurde eine neutrale Wärme.
- 12:27Die Welle hatte ihren Höhepunkt überschritten und brach.
- 12:30Sie lief einfach am Strand aus. Das ist ein perfektes
- 12:34Lehrbuchbeispiel für den gesamten Prozess.
- 12:36Der Gedanke, das Gefühl, die Beobachtung, die anfängliche
- 12:39Verstärkung, der bewusste Akt der Akzeptanz und die daraus
- 12:43folgende fast automatische Auflösung.
- 12:45Jetzt klingt das alles super für den Alltagsärger oder eine
- 12:48Nackenverspannung, aber ich stell mir gerade jemanden mit
- 12:52einer ausgewachsenen Panikattacke oder massiven
- 12:54Suchtdruck vor. Manchmal steht man ja vor einem
- 12:56regelrechten Tsunami. Absolut.
- 12:58Kann man da wirklich noch neugierig beobachten?
- 13:02Das klingt, als würde man jemandem im brennenden Haus zu
- 13:04meditieren raten. Das ist eine absolut berechtigte
- 13:07und wichtige Frage und dafür gibt es ein klares Safer Use
- 13:11Protokoll. Die wichtigste Botschaft lautet,
- 13:13Es ist keine Schande vom Surfbrett abzusteigen, OK, wenn
- 13:17die Welle so groß ist, dass du zu ertrinken drohst ist der
- 13:21bewusste Abbruch der Übung kein Scheitern, sondern ein Akt der
- 13:25Selbstfürsorge. Manchmal muss man einfach nur
- 13:28überleben. Was sind dann die konkreten
- 13:30Notbremsen, die man in so einem Tsunamimoment ziehen kann?
- 13:34Es geht darum, sich mit Gewalt aus der inneren Überflutung
- 13:37zurück in die äußere Welt zu katapultieren.
- 13:40Das schafft man über starke Sinnesreize, sogenannte Skills.
- 13:44Zum Beispiel? Das kann sein, sich eiskaltes
- 13:47Wasser ins Gesicht zu spritzen, das löst den Tauchreflex aus und
- 13:50beruhigt das Nervensystem sofort.
- 13:53Oder etwas radikaler auf eine Chilischote zu beißen.
- 13:56Ernsthaft? Ja, der intensive Schmerzreiz im
- 13:59Mund überlagert für einen Moment den emotionalen Schmerz.
- 14:03Man verschiebt den Fokus durch einen starken körperlichen Reiz,
- 14:06verstehe oder intensive Bewegung, Mach hampelmänner, bis
- 14:10du außer Atem bist. Eine andere Strategie ist die
- 14:13bewusste, fast zwanghafte Ablenkung nach außen.
- 14:17Schau aus dem Fenster und zwing dich alle roten Autos zu zählen,
- 14:20die Vorbeifahren. Das zwingt das Gehirn, von der
- 14:23inneren Katastrophe auf eine neutrale externe Aufgabe
- 14:26umzuschalten. Genau.
- 14:28Das sind sehr konkrete und wichtige Werkzeuge für den
- 14:31absoluten Notfall. Mir bleibt da aber noch eine
- 14:33Frage hängen, die auch in den Unterlagen auftaucht.
- 14:36Wenn ich das Gefühl jetzt akzeptiere, heißt das, ich muss
- 14:39diesen Schmerz für immer aushalten.
- 14:41Eine entscheidende Frage. Die Antwort ist ein klares,
- 14:44hundertprozentiges Nein. Akzeptanz bezieht sich immer nur
- 14:49auf diesen einen jetzigen Moment.
- 14:51Nicht auf die Zukunft. Nicht auf die nächste Stunde,
- 14:53nicht auf morgen, nur auf dieses jetzt und hier wirkt das große
- 14:58Paradox. Gerade weil du dem Gefühl für
- 15:00diesen einen Moment erlaubst, da zu sein, gibst du ihm die Chance
- 15:04weiterzuziehen. Während der Kampf es festhält.
- 15:07Ja, der Kampf dagegen ist wie ein Konservierungsmittel, das
- 15:11den Schmerz unnötig festhält und verlängert.
- 15:13OK, das ist ein wichtiger Punkt und die letzte Frage, die wir ja
- 15:17schon gestreift haben, die aber so Fundamentalist, ist Akzeptanz
- 15:20nicht doch am Ende einfach aufgeben?
- 15:23Nein, es ist das genaue Gegenteil.
- 15:26Aufgeben wäre, dem Suchtdruck nachzugeben und zu konsumieren.
- 15:29Aufgeben wäre die Kontrolle an das Gefühl abzugeben.
- 15:33Akzeptanz ist eine machtvolle Entscheidung es ist die Aussage,
- 15:38ich fühle das alles ja, aber ich entscheide, was ich als nächstes
- 15:42tue, nicht mein Gefühl. Du behältst das Steuer in der
- 15:44Hand. Das ist die ultimative Form der
- 15:47Selbstkontrolle. Genau.
- 15:48Gut. Wenn wir das jetzt alles
- 15:50zusammenfassen, was ist die eine große Erkenntnis, der eine neue
- 15:54Gedanke, den du von diesem Tag mitnehmen solltest.
- 15:57Ich glaube, die zentrale Erkenntnis ist, du kannst eine
- 16:00neue Fähigkeit lernen, fast wie eine Superkraft.
- 16:03Eine Superkraft. Ja, und diese Superkraft ist
- 16:07nicht unangenehme Gefühle nie wieder zu haben.
- 16:10Das ist unmöglich. Die Superkraft ist so gut im
- 16:14Fühlen zu werden, dass die Gefühle ihre Macht über dich
- 16:17verlieren. Es geht darum, einen Raum zu
- 16:20schaffen zwischen Reiz und Reaktion.
- 16:22Und in diesem Raum liegt deine Freiheit.
- 16:25In den Quellen wird das als der Unterschied zwischen einem Kind
- 16:28und einem erwachsenen Schöpfer beschrieben.
- 16:30Erzähl mal. Ein Kind fühlt Schmerz und
- 16:32reagiert sofort. Es schreit, schlägt um sich.
- 16:36Ein bewusster Schöpfer fühlt den Schmerz, atmet, beobachtet ihn
- 16:41und wartet, bis die Welle bricht, um dann eine kluge
- 16:44Entscheidung zu treffen. Genau.
- 16:46Und die vielleicht tröstlichste Botschaft des Tages ist, du
- 16:50musst deine Gefühle nicht lieben, du musst nicht glücklich
- 16:54über deine Angst oder deine Trauer sein, du musst sie nur
- 16:58überleben. Und das wissen, dass Sie wie
- 17:01eine Welle immer von selbst wieder vergehen.
- 17:04Gibt dir die Kraft dazu. Absolut.
- 17:07Das leitet auch schon perfekt über zu Tag 4, wo es dann darum
- 17:11gehen soll, wie man sich in diesem emotionalen Sturm selbst
- 17:15ein guter und mitfühlender Freund sein kann.
- 17:17Ein logischer und notwendiger nächster Schritt.
- 17:21Denn dieses Wellenreiten ist anstrengend und manchmal fällt
- 17:25man eben doch vom Brett selbst. Mitgefühl ist dann der Balsam,
- 17:29den man braucht, um wieder aufzusteigen und es erneut zu
- 17:32versuchen. Bevor wir für heute zum Ende
- 17:34kommen, gibt es noch eine Bitte von Gabriel, dem Autor dieses
- 17:38Kurses. Wenn du die Arbeit von Nilix
- 17:40Berlin wertvoll findest und das, was du hier hörst, dir hilft.
- 17:44Dann würde er sich riesig über deine Unterstützung freuen.
- 17:47Du kannst ihm helfen, indem du diesen Beitrag auf Social Media
- 17:50teilst oder uns hier auf Spotify oder Apple Podcasts bewertest
- 17:53und Likest. Es ist wichtig zu verstehen,
- 17:56dass das Projekt Nilix Berlin komplett allein von Gabriel
- 18:00finanziert und erstellt wird. Jede Form der Unterstützung
- 18:03hilft ihm, weiterzumachen und damit nicht nur sich selbst,
- 18:06sondern auch anderen Betroffenen zu helfen.
- 18:08Sein persönliches Motto, das ihn antreibt, ist aus allem
- 18:12schlechten in seinem Leben etwas Gutes zu.
- 18:14Machen. Und genau das passiert hier ja.
- 18:16Er transformiert seine eigenen schmerzhaften Erfahrungen in
- 18:19wertvolle Werkzeuge, die für andere eine Abkürzung sein
- 18:23können. Absolut vielen Dank, dass du dir
- 18:25heute die Zeit genommen und zugehört hast.
- 18:27Pass gut auf dich auf. Und vielleicht nimmst du einen
- 18:30letzten Gedanken für dich mit. Was wäre, wenn das eigentliche
- 18:34Ziel gar nicht darin besteht, unangenehme Gefühle für immer
- 18:38loszuwerden, sondern darin, so vertraut und kompetent im Umgang
- 18:43mit ihnen zu werden, dass sie dich nicht mehr schrecken
- 18:45können?