Latest / SOMMELIER / Raphael Reichardt - Der Didaktiker des Weingeschmacks
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- 0:00Hi, ich bin Leon, Küchenschiff im Restaurant Tim Rau und mittlerweile auch schon seit über 10 Jahren mit dabei.
- 0:182015 habe ich mir eine Ausbildung im Restaurant Tim Rau angefangen und da lerne ich natürlich auch Raphael relativ schnell kennen.
- 0:25Ich denke er müsste damals noch Komi oder Demichiff Drang gewesen sein, hatte aber schon zu seiner Zeit eine große Leidenschaft für Wein.
- 0:32Hat allerdings noch ein paar Jahre gedauert bis wir enger zueinander gefunden haben.
- 0:37Als ich dann mit den Jahren einige Positionen der Küche aufgestiegen bin, intensivierte sich somit nicht nur unsere Zusammenarbeit, sondern es baute sich auch eine Freundschaft zwischen uns auf.
- 0:47Was ich an Raphael schätze, dass sie sich nicht nur unheimlich viel Zeit für unsere Gäste nimmt und auf diese besonders gut eingehen kann, sondern nimmt sie auch einfach viel Zeit für seine Kollegen und seine Kolleginnen.
- 0:58Wenn wir mal Thema zum Fragen Wein haben oder Thema zum Fragen Gastkontakt oder rund um das Thema Restaurant, was wir in der Küche manchmal auch einfach nicht so mitbekommen.
- 1:10Oder wir fragen ihn halt auch immer nach einer Empfehlung, wenn wir ein Wein brauchen für zu Hause, für einen Sonntagmittag, Sonntagabend.
- 1:17Dabei trifft er einfach immer den richtigen Nerv und den richtigen Geschmack und gerade bei mir finde ich immer sehr beeindruckend.
- 1:23Er weiß immer ganz genau mittlerweile, was mir gut schmeckt und woran ich Spaß habe.
- 1:28Es ist mal was Klassisches, es ist mal was Verrücktes oder Spannendes.
- 1:31Ich finde eine Empfehlung von Raphael machen einfach immer und fast bei viel Spaß zu trinken.
- 1:35Es macht es natürlich mit ihm zusammen, guten Wein zu trinken und dabei was sehr Gutes zu essen.
- 1:43Sei es irgendwie im Restaurant, wenn wir mal zusammen essen gehen.
- 1:46Oder sei es bei einem privaten Event, wenn wir zu Hause kochen, ich bringe ein bisschen was zu essen mit.
- 1:51Raphael bringt Wein mit und dabei tauschen wir uns einfach über den Genuss beim Essen und Trinken aus.
- 1:57Diese Austauschen ist nicht immer nur informativ, sondern macht auch einfach unheimlich viel Spaß.
- 2:02Gerade weil wir einfach eine ganz ähnliche Vorstellung von neben haben, was Gutes und was uns einfach Spaß macht.
- 2:09Ähnlich ist das bei der Arbeit im Restaurant zwischen der Küche und dem Service.
- 2:13Wenn wir zum Beispiel in der Küche neue Gerichte kreieren, weiß er eigentlich immer ziemlich schnell,
- 2:18welcher Wein dazu passen könnte.
- 2:20Er hat irgendwie immer so zwei, drei Sachen, die er dann mitbringt zum Probeessen.
- 2:24Er hat aber glaube ich immer schon eine ziemlich direkte Vorstellung, wie der Wein zum Essen passen soll
- 2:30und wie er miteinander harmonieren soll.
- 2:33Und ich versuche ihn aber auch immer so ein bisschen in den Prozess mit einzubinden,
- 2:36nämlich immer einen Löffel von der neuen Soße gebe, oder einfach andere Komponenten,
- 2:40sodass er schon mal eine Idee hat, in welche Richtung es geben soll.
- 2:43Ich habe mal ganz davon abgesehen, dass Raphael nicht nur ein großartiger Gastgeber und Sommelier ist,
- 2:47ist dann mit den Jahren auch einfach ein guter Freund geworden.
- 2:50Genau gesagt, irgendwie ein Sportsfreund, denn wir teilen neben der Leidenschaft zur Gastronomie auch das Hobby des Laufens.
- 2:56Gehen wir hin und wieder mal gemeinsam joggen und bestreiten mal mehr, mal weniger ambitionierte Wettkämpfe,
- 3:02sei es in 10 Kilometern laufen, halbmarathon oder ein ganzer Marathon.
- 3:07Ja, dabei versuchen wir uns gegenseitig immer so ein bisschen zu motivieren, uns Richtung Zielinie zu pushen.
- 3:13Und während des Laufens kommt dann aber immer wieder das Thema des Genusses auf
- 3:19und wir überlegen uns, womit wir uns nach dem nächsten langen Lauf kulinarisch belohnen können.
- 3:24Ganz viel Spaß beim Zuhören.
- 3:48Herzlich Willkommen zu einer neuen Ausgabe von Sommelier, die interessantesten Weinkähler unserer Zeit.
- 3:54Wir sind dank unseres heutigen Gastes in der Bundeshauptstadt in Berlin und einem der,
- 3:58ich denke, bekanntesten Restaurants Deutschlands und dass es nicht despektilig gemeint einer der bunten Hunde der Kochwelt ist.
- 4:04Tim Rauer, im Restaurant Tim Rauer.
- 4:06Und daneben zu bestehen, also neben diesem Charakterkopf Tim Rauer, dafür braucht man Charakter und das hat er.
- 4:12Ich freue mich auf Raphael Reichert, den Sommelier des Restaurants Tim Rauer.
- 4:17Ich finde es großartig ist, seit zwölf Jahren in dem Restaurant und hat sich dank seiner Kompetenz,
- 4:23seiner Leidenschaft, seiner Beständigkeit zum Chef Sommelier hochgearbeitet.
- 4:26Und er hat Charakter.
- 4:28Und das merkt man eigentlich schon fast beim ersten Wort.
- 4:30Es ist nicht nur die Stimme, die ein fast erstarren lässt, es ist nicht nur die Geradlinigkeit in der Wortführung.
- 4:35Es ist die Substanz, die vielen kleinen Nuancen, die zwischen den Sätzen fallen und die unfassbar viel tiefsten haben.
- 4:43Deswegen hat es so viel Spaß gemacht mit Raphael, der nun nebenbei bemerkt,
- 4:47Vice-Präsident der Jury bei der World Best Sommelier Selection war, zu sprechen.
- 4:52Ihn zu fordern, manchmal ein bisschen zu provozieren, mit ihm zu lachen und zu erfahren, wie er die Welt des Weines sieht.
- 5:00Und bevor wir gleich ins Gespräch einsteigen, habe ich noch ein Hinweis in eigener Sache.
- 5:04Nicht wenige von euch, die den Podcast regelmäßig hören, wissen natürlich,
- 5:08dass wir immer diese kleinen Werbeeinblendungen haben, die ihr fast ein eigener Podcast sind,
- 5:12die immer fünf Minuten dauern, wo wir versuchen, Weine und Produzenten aus der Schlumbergergruppe zu präsentieren, darzustellen,
- 5:19um wenig zu erklären, auch ein bisschen Wismitt auf dem Weg zu geben.
- 5:22Und wir haben nicht wenige Zuschriften, Anregungen, einfach die Bitte erhalten, das ein wenig ausführlicher zu gestalten.
- 5:29Also über die Weingüte, über die Produzenten, über die besonderen Weine der Schlumbergergruppe zu reden.
- 5:34Und deswegen gibt es ein neues Podcast-Format.
- 5:37Und das schon bald. Am 2. September gibt es die erste Folge von "Sommelier und Tour".
- 5:43Und im Rahmen dieses Podcast präsentieren wir Produzenten aus der Schlumbergergruppe.
- 5:47Wir beginnen mit der Säckkehlerei Schlumberger aus Wien am Dienstag und dann immer wieder Dienstags eine neue Folge.
- 5:56Es ist ein bisschen anders als bei diesem Podcast. Wir wollten das Format ein wenig komprimieren,
- 6:00also keinen drei, vier Stunden Format machen, sondern eine Stunde, manchmal eine halbe Stunde
- 6:05und teilen einem Weingut auf auf zwei Wochen.
- 6:08Es gibt in der ersten Woche eine kleine Vorstellungsrunde, eine etwas kürzere Folge, manchmal geht die, ja wie gesagt, 30 Minuten.
- 6:14Jetzt in dem Fall ist es direkt ein bisschen länger geworden, also wir sind bei 50 Minuten.
- 6:18Und in der Woche danach gibt es eine etwas intensivere Vorstellung des Weingutes der Produzenten.
- 6:23Also ich würde mich freuen, wenn ihr dabei seid, wenn ihr mal rein hört.
- 6:26Ab Dienstag überall, wo es Podcast gibt, also bei Apple Podcast, bei Spotify, bei Deezer, bei RTL Plus, bei YouTube.
- 6:33Wenn ihr Freude beim hören habt und mir vielleicht ein teils Feedback gebt.
- 6:36Vielen Dank dafür, weil wir gerade beim Danke sind, auch ein großes Dankeschön an die Schlumberger-Gruppe.
- 6:41Mit den Handelshäusern Segnetz, Konzio Vini, Schlumberger und der Privatkundenportal Brema war ein Kollekt dafür,
- 6:48dass sie dieses Projekt unterstützen, begleiten und auch wirtschaftlich fundieren.
- 6:53Denn danke Ihnen, ist er heute hier.
- 6:55Herzlich willkommen, lieber Raphael Reichardt!
- 7:00Ich habe mich bei dir echt gewundert, ich bin geboren in Heidelberg.
- 7:04Und dann aber die Ausbildung im Travelsharm, also im Kurhaus in Bins hat die Ostseeurlauben Wurz verhaftet?
- 7:11Oder wie kommen wir nach Bins?
- 7:13Tatsächlich überhaupt keinen Bezug zur Ostsee gehabt.
- 7:17Ich bin kurz vor der Wende in Heidelberg geboren und meine Eltern sind nach der Wende einfach mit mir als damals noch einzig im Kind
- 7:26in den Osten nach ein Stückchen außerhalb von Berlin nach Brandenburg gekommen,
- 7:32mit der Aussicht dort beruflich fortfahren zu können als gut ausgebildete Mediziner im Westen.
- 7:39Und dann bin ich in Rand Berlin aufgewachsen und bin damit eigentlich in meiner ganzen Genese,
- 7:46auch wenn das die echten Berliner nicht gerne hören, eigentlich Berliner,
- 7:50habe dann in Berlin irgendwie alle wichtigen Entwicklungen eines Kindes und Jugendlichen durchgemacht
- 7:56und bin dann tatsächlich nach dem Abitur, nachdem in Berlin irgendwie von der Ausbildung nichts so richtig gepasst hat, weggegangen.
- 8:05Und dann war Rügen bzw. Travelsharm eine gute Idee über einen entfernten Kontakt, der gesagt hat, du, dann geh doch weg.
- 8:14Das war damals die beste Idee, auszuziehen, alleine zu stehen und Rügen war auch schön, aber tatsächlich eine Zufallsgeburt.
- 8:21Ist ja witzig, berührt natürlich meinen Herz, weil ich im Binz aufgewachsen bin und der Kurplatz sozusagen meine Kindheit und Jugend war,
- 8:29wie uns da regelmäßig irgendwie getroffen haben und ich da meine intensiven ersten Alkoholkontakte hatte,
- 8:34was nicht unbedingt rumreich ist, aber daher habe ich ein ewig eingebranntes Bild vom Kurhaus.
- 8:40Wow, ich habe die Erinnerungen, habe ich natürlich auch an Exzesse auf dem Kurplatz, aber grundsätzlich hatte ich,
- 8:50bevor ich zum Bewerbungsgespräch mit einem Zug sehr lange übers Land in Mecklenburg-Vorpommern gefahren bin,
- 8:57keinerlei Bezug zu diesem Ort und wusste irgendwie auch nur theoretisch, dass es diesen Ort gibt.
- 9:03Und habe dann dreieinhalb Jahre dort eine gute Zeit gehabt, aber doch Berlin auch immer wieder sehr vermisst ehrlicherweise.
- 9:09Das glaube ich, weil du ja da wirklich, ich meine, du hast viele Leute drum herum, aber es ist ein Dorf.
- 9:13Eigentlich ist nichts anderes als ein Dorf.
- 9:15Es ist im Sommer ein sehr volles Dorf und man hat keine Zeit, weil man da oben, also zumindest zu meinen Ausbildungszeiten,
- 9:22noch viele Stunden, viele Tage wenig frei gearbeitet hat und man im Sommer von der Schönheit relativ wenig hat
- 9:29und im Winter besteht der Ort halt nur noch aus Gastronomen, die sich Langweilen und Überstunden abbauen
- 9:35und man dann im Bistro Cappuccino hängt und abends Pizza ist und fast Bier trinkt
- 9:41und viel mehr gab es nicht zu tun und im Sommer für die schönen Seiten der Insel hatte ich wenig Zeit.
- 9:47Ist das aber nicht witzig, dass niemand es wirklich geschafft hat, dort eine kultige Weinkultur in irgendeiner Form zu etablieren.
- 9:55Gut, es gibt das Monte Vino, es gab Stefanie Döhring und mit dem Weinlade, die haben es relativ cool geschafft,
- 10:02aber eigentlich ist der Ort doch irgendwie präsigniert, dass man da eine richtig absolute Smucks gab es mal,
- 10:07aber eine richtig absolute coole Weinbarheit mit Champagner rauf und runter.
- 10:12Gab es eigentlich nie wirklich, oder?
- 10:14Man hat halt, glaube ich, im Gegensatz zu Sylt, die ja nun sozusagen immer wieder das Vergleichspondent sind,
- 10:20einfach es nie geschafft, diese Kaufkraft dahin zu locken
- 10:25und ich habe 2009 angefangen zu lernen und hatte während meiner Ausbildungszeit immer wieder Gäste
- 10:31aus den sogenannten alten Bundesländern, die mir gesagt haben, na wir sind jetzt zum ersten Mal hier im Osten
- 10:36und na wir sind ja überrascht, hier ist es ja doch schöner und die Leute sind wirklich netter als wir dachten
- 10:41und das war über 20 Jahre nach der Wende
- 10:46und ich glaube, dass da einfach noch viel viel viel Zeit vergeht, bis sich das etabliert hat
- 10:51und dass dann die Menschen, die kommen und sagen, na die ist ja nicht Sylt, wir gehen nach Rügen,
- 10:56die etablieren sowas nicht, die kommen dahin und erwarten, ich kann genauso shoppen, essen, trinken, machen, tun,
- 11:03kommen dahin und sehen, es gibt die Infrastruktur nicht und sagen sich dann im Jahr drauf, na ja gut, dann halt doch wieder Sylt
- 11:09und daran krank, glaube ich, das System damals schon bis heute
- 11:13und man hat das irgendwie verpasst.
- 11:15Weil ich total schade finde, weil das Umfeld eigentlich so wunderschön ist,
- 11:18man kann eben außer Baden am Strand hängen so viel Natur eigentlich genießen.
- 11:22Bist du mal von der Mauer gesprungen?
- 11:24Von welcher Mauer?
- 11:26Beim Kurplatz, da gibt es ja eine Mauer oben, das war für uns so siemte, achte Klasse, war das so
- 11:31das crazy Ding, dass wir oben von der Mauer gesprungen, ich glaube es sind vier oder fünf Meter hoch,
- 11:35also es ist wirklich mega bescheuert da runter zu springen, aber mit genügend...
- 11:39In den Sand?
- 11:40Leichtsinnigkeit und ja in den Sand runter.
- 11:42Da ist der weich gefallener, ich hatte sich eigentlich nie jemand irgendwie Knochen gebrochen,
- 11:46aber das war dann unsere Winterbeschäftigung von der Mauer, jeder einmal irgendwie.
- 11:50Das tatsächlich nicht, ich bin von der Seebrücke gesprungen
- 11:53und das war für mich schon Mutrobe genug, also das hat gereicht.
- 11:58Also niemanden bitte anregen nachzumachen, das war, wenn ich da heutzutage mit meinen 50 Jahren da oben stehe,
- 12:04denke ich, ey wie bescheid warst du damals?
- 12:06Was war da in der Luft, dass wir so was Krankes gemacht haben?
- 12:10Erinnere ich mich dran, war damals noch wilde Zeit, aber was ich total interessant bei dir auch fand
- 12:17und wo ich finde, dass das als Sommelier viel zu wenig Beachtung findet,
- 12:23du hast ja eine Ausbildung als Barkeeper auch gemacht.
- 12:26Genau, ich habe ganz klassisch Hotelfachmann tatsächlich gelernt
- 12:31und habe in den ersten Wochen meiner Ausbildung relativ schnell gemerkt,
- 12:35dass alles, was dieses Vorwort Hotel hat, vielleicht außer Hoteldirektor irgendwann,
- 12:40weil ich immer davon geträumt habe, mit einem sehr teuren Anzug über die Gänge zu gleiten,
- 12:45das ganze Personal zu kennen und die Stammgäste begrüßen zu dürfen,
- 12:50hat irgendwie alles andere mir ich überhaupt nicht erfüllt und mir keinen Spaß gemacht.
- 12:55Alles was Zimmer verkaufen, Zimmer reinigen, Marketing und so weiter war, war nie mein Ding,
- 13:00aber alles was mit Kulinarik und Gastronomie zu tun hat, war voll mein Ding
- 13:05und da war dann trotzdem mit Anfang 20 der Frühstücksdienst mit den Zeiten einfach schon allein deshalb nicht so mein Ding,
- 13:14aber abends, wenn man dann wach wurde, ab 9.30 Uhr in einer vollen Bar zu stehen,
- 13:19das war schon zu Ausbildungszeiten irgendwie cool
- 13:22und dann hat sich das irgendwie ergeben, dass wir bartechnisch personell knapp waren
- 13:27und ich konnte schon in den Ausläufern meiner noch Ausbildung die Bar leitenderweise mit übernehmen
- 13:33und habe dann einfach, als die Ausbildung fertig war, gesagt, dann machst du das jetzt professionell
- 13:38und habe ein Barschein gemacht und dann im Zuge dessen da die Bar übernommen
- 13:43und habe da das erste Mal lange vorm Wein gelernt, mich mit Getränken auseinanderzusetzen,
- 13:49Sensorik zu schulen und zu sehen, dass Trinken und Alkohol nicht nur für Kopfschmerzen am nächsten Morgen gut ist.
- 13:56Und was ist für dich so die große Herausforderung da wirklich die Klassiker zu leben?
- 14:00Also man hätten die Killer Sunrise, was auch immer, Pinacolada und das in Perfektion auszuleben
- 14:07oder da neue Kreation dem ganzen einen Stempel aufzudrücken.
- 14:11Gibt es da eine Philosophie? Also was ist davon auch übriggeblieben in deiner jetzigen Tätigkeit?
- 14:15Naja, das Witzige ist, dass damals auf Rügen war, wie gesagt, 2010/11 auf Rügen.
- 14:23Sprechen wir nicht von der Bar-Szene oder Bar-Affinen-Konnessören wie heute in Berlin Mitte,
- 14:30sondern wir sprechen von Menschen, die da Urlaub machen
- 14:33und die man in den meisten Fällen mit einer großen Ananas-Dekoration eher überzeugen konnte
- 14:38als mit einem perfekt gemixten, trockenen Drink.
- 14:42Von daher habe ich relativ schnell dar gelernt, du musst gar nicht so viel machen,
- 14:47du musst nur eine gute Geschichte erzählen und das reicht für die meisten schon.
- 14:50Und das hat da funktioniert und ich habe damals viel kreativ gearbeitet, würde man wahrscheinlich euphemistisch sagen,
- 14:58aber realistischerweise habe ich mich einfach ausprobiert, hatte da die Möglichkeiten,
- 15:02hatte einen ganz guten Baukasten an Spirituosen, Säften, Sirupen, Likern und so weiter
- 15:07und habe einfach probiert und das was die Leute mögen mochten war gut
- 15:10und das was sie nicht mochten habe ich halt irgendwie nicht in Rechnung gestellt
- 15:14und das war toll, das war gut, weil ich dort frei arbeiten konnte.
- 15:18Heutzutage würde ich das wahrscheinlich, wenn es ein Mitarbeiter von mir wäre,
- 15:23etwas anders betrachten von außen, für mich damals war es aber perfekt und geblieben.
- 15:29Bis jetzt in meine Tätigkeit heute ist, dass ich das Handwerk mal gelernt habe,
- 15:33dass ich gelernt habe wie ein Cocktail funktioniert
- 15:36und dass ich und das überrascht meine lieben Kolleginnen und Kollegen immer wieder
- 15:41an einem Samstagabend, wenn die letzten Gäste im Gehen befindlich sind,
- 15:45einfach irgendwie noch mal einen Shaker von hinten holen
- 15:48und aus dem Steg greifen Negroni machen kann
- 15:50und da kriege ich doch manchmal verwunderte Blicke, woher kannst du so was
- 15:54und es hat mir nie geschadet, aber in meiner jetzigen Tätigkeit
- 15:58brauche ich es nicht, weil wir es bei uns im Restaurant nicht servieren,
- 16:01weil wir einfach keinen Personal dafür haben
- 16:03und wenn du Drinks anbietest, dann musst du halt auch Drinks anbieten,
- 16:07die eine gleichbleibende Qualität haben
- 16:09und wenn du dann sagst, na heute ist aber Stefan nicht da,
- 16:12deswegen gibt es nur schlechte Negronis, das funktioniert auf unserem Niveau dann halt auch nicht.
- 16:16Was macht einen guten Drink aus? Also was muss derjenige können, der eben da sein muss,
- 16:21damit das klar die gleichbleibende Qualität, aber was macht ein Cocktail aus?
- 16:26Wie setzt man den zusammen oder wie gestaltet man den?
- 16:30Was ist dabei wichtig?
- 16:31Mir ist extrem wichtig, dass es eine Balance hat.
- 16:34Das gilt im Übrigen auch, wenn wir später Richtung eigentlichem Thema Wein kommen,
- 16:39da ja genauso, aber ich will keinen Drink haben, der nur sauer ist
- 16:43und auch wenn ich ein Sauer trinke, ich möchte nichts haben,
- 16:46was nur Säure besteht oder ich möchte, dass eine Pinacolada nicht nur süß ist.
- 16:50Die Balance ist wichtig und ich glaube, um diese Balance zu finden,
- 16:53zu erkennen und beim Drink zu kreieren, brauchst du eine gewisse kulinarische,
- 16:58sensorische Kompetenz und die muss man einfach schulen und lernen
- 17:02und dann ist es perfekt und ein Negroni besteht in der Theorie aus drei sehr einfachen Zutaten,
- 17:07aber wenn wir 100 Menschen einen Negroni selbst mit den drei exakt selben Zutaten machen lassen,
- 17:12sind trotzdem wahrscheinlich nur fünf gut, weil einfach das Verhältnis dann im Zweifelsfall den Unterschied macht
- 17:19und das macht, glaube ich, den guten bis sehr guten Barmann aus im Unterschied zu jemanden,
- 17:24der einfach nur einen Rezeptbuch befolgt und sagt, aber hier steht doch 4Cl.
- 17:27Auch wenn ich mit Rezeptarbeiter schmecke, sind diese Negroni unterschiedlich?
- 17:31Ich würde behaupten, dass man diesen kleinen Touch merkt
- 17:37und es gibt diese Kleinigkeit, wo du den Drink nachprobierst und den Löffel reinhältst
- 17:43und merkst, so ein Müh mehr muss noch, weil er ist einfach noch nicht perfekt auf den Punkt
- 17:48und diesen Punkt erreichst du nicht, wenn du einfach nur einen Buch befolgt.
- 17:53Es gab in Berlin mal eine Bar, die mich sehr beeindruckt hat am Rosenthaler Platz,
- 18:00die jeden Drink gemixt haben ohne Eis, alle Zutaten vermischt haben
- 18:06und dann mit einem sehr, sehr kleinen Löffel der Barmann den Drink probiert hat, nachjustiert hat,
- 18:12noch mal probiert hat und wenn er perfekt war, ihn dann geshaked und in den Glas gemacht hat.
- 18:18Die hatten so 12, 13 Sinsinsplätze, nur aus dem Zweifelsfall eine Viertelstunde auf den Drink gewartet oder länger,
- 18:24aber das, was die Jungs und Mädels da gemacht haben, war jeder Drink war die pure Perfektion.
- 18:30Und das schmeckt man?
- 18:33Das hat mich, so was beeindruckt mich, dieses fast schon pedantisch-perfektionistische und das ist cool.
- 18:43Ich finde bei uns und wenn wir sagen, wir machen Drinks, dann muss das genau auf dem Niveau persieren,
- 18:49weil alles andere, was wir bei uns im Restaurant machen, hat auch diesen Anspruch
- 18:53und wenn du das dann bei einem Teil nachlässt, dann bist du dir selber einfach nicht mehr treu.
- 18:59Das ist beim Wein genauso. Also, dass die Weine genauso selektiert werden von dir, von euch selektiert werden,
- 19:05wie du die Drinks betrachtest, dass du sagst, ich habe nur und zu 100% absolute perfekte Weine auf der Karte
- 19:12und jeder ist im absoluten Pick seiner Trinkphase und kann nicht mit bestem Gewissen servieren
- 19:20oder ist es da, wer die Weinkarte mit 1200 Positionen so umfangreich ist, manchmal so,
- 19:25dass man halt damit spielen muss, manche halt auch trotzdem ein bisschen liegen lassen muss und so weiter.
- 19:31Das ist natürlich eine ausgesprochen gut gestellte, provokante Frage an der Stelle
- 19:36und mir ist das Wort "perfekt Trinkreif" natürlich nicht entgangen.
- 19:41Es ist glaube ich so, dass wenn wir beide uns zu zweit, die wir uns beide mit Wein beschäftigen,
- 19:47schon unterhalten, welcher Wein ist wann perfekt Trinkreif,
- 19:50werden wir uns nicht einig werden und wenn wir uns über den perfekten Wein unterhalten,
- 19:54werden wir uns wahrscheinlich auch zumindest unterschiedlich Ansichten haben
- 19:58und das bei 50 Gästen in fünf Servissen die Woche auf ein Monat aufs Jahr
- 20:03ist natürlich eine große Anzahl und große Spielbreite.
- 20:06Ich möchte schon von den Sachen, die ich habe überzeugt sein
- 20:11und was ich tue ist jede Flasche, die ich serviere, insbesondere die Sachen,
- 20:15die wir in der Begleitung oder offen Glasweise servieren, kosten und schauen,
- 20:20ob der Wein so ist, wie ich ihn mir vorstelle
- 20:23und ob Wein, den wir jetzt aufmachen aus einem 22er-Jahrgang,
- 20:28der noch jung ist, der frisch ist, der vielleicht noch ein bisschen vibrierend ist,
- 20:32ob der nun Trinkreif ist oder in acht Jahren besser wäre,
- 20:35ist da in dem Fall ja nicht unbedingt die Fragestellung.
- 20:39Aber ich möchte sicher gehen, dass die Flasche, die ich öffne per se in perfektem Zustand ist,
- 20:44für das, was es ist und das tun wir tatsächlich bei jeder Flasche.
- 20:48Und ich möchte, dass das, was ich serviere, mich überzeugt
- 20:52und ich sage, das ist jetzt in der Sekunde perfekt genossen zu werden.
- 20:56Auch wenn es Gäste gibt, die das dann anders sehen und sagen,
- 20:59es ist zu jung, es ist zu reif, es ist zu warm, es ist zu kalt,
- 21:02dann wird man sich irgendwie einig.
- 21:04Aber ich muss davon überzeugt sein, wir müssen davon überzeugt sein,
- 21:07sonst funktioniert es natürlich nicht.
- 21:09Ich glaube, es kann man bei verschiedenen Gebieten, bei verschiedenen Rebsorten
- 21:11auch ganz gut prognostizieren, also von diesen über 1.000 Positionen,
- 21:14die ihr auf der Karte habt, gibt es wahrscheinlich gewisse klassische Sachen,
- 21:17wo man sagen kann, okay, der ist jetzt fünf Jahre, zehn Jahre alt
- 21:20und der hat genau dieses Trinkfenster.
- 21:23Welche Rebsorten, welche Gebiete, welche Weine, welche Winzer überraschen dich immer wieder,
- 21:27wo du sagst, ich habe eine Wundertüte und eigentlich weiß ich nicht, was ich aufmache?
- 21:31Es ist ja so, dass auch da, um da nochmal ein Stück vorher einzugreifen,
- 21:38der nicht jeder möchte, ja, wir können uns mit Sicherheit einig sein,
- 21:43dass Mitte 90er Jahre Bordeaux von einem guten Haus jetzt ziemlich lecker schmecken wird.
- 21:48Aber es gibt halt trotzdem auch viele Menschen, die wollen halt bewusst,
- 21:52was sehr junges trinken oder sie möchten bewusst was sehr altes trinken
- 21:56und dass auch da, glaube ich, der optimale Zeitpunkt sehr, sehr im Auge des Betrachters steht
- 22:01und im Auge des Genießenden steht.
- 22:04Mich persönlich überraschen tatsächlich häufig Sachen,
- 22:08die, wir hatten mal eine Phase, da hatten wir 30 Jahre alten Weißen Bogunder,
- 22:14der irgendwie eigentlich nur zu uns kam, damit die Palette voll ist
- 22:18und die Idee war, wir schütten es einfach weg, weil der Wein ist tot
- 22:21und es waren 60 Flaschen vermeintlich oxidierter Mörso
- 22:27und wir haben gesagt, na gut, bevor wir jetzt 60 Flaschen Mörso,
- 22:30wir einfach da haben, wegschütten, dann können wir wenigstens mal eine Spaßes halber probieren
- 22:35und zur Not machen wir eine Soße draus
- 22:37und von den 60 Flaschen waren 58 so geil, dass wir das Zeug einfach alles selber getrunken haben
- 22:42und das kommt immer wieder vor und dann höre ich
- 22:46und ich arbeite sehr, sehr gerne mit Reifenweinen
- 22:49und ich höre jeden Abend von Gästen, die aussagen, was ein Weißer, der ist 8 Jahre alt,
- 22:53der ist 10 Jahre alt, der ist 20 Jahre alt, das kann doch nicht mehr sein
- 22:57und so was schmeckt noch
- 22:59und ich finde gerade diese Idee,
- 23:03das trockene Weißweine, die musst du jung trinken, die musst du frisch trinken
- 23:08und vielleicht in unserer Bubble ist das nicht so, aber darüber hinaus halt schon
- 23:12und dass man jetzt irgendwie gelernt hat, na ja, guten Riesling, großes Gewächs,
- 23:16kann auch mit 5, 6 Jahren noch gut sein
- 23:18und das verkauft sich von alleine auf der Karte
- 23:20aber was ein Reifer Mörso, der mal 15, 20 Jahre alt ist,
- 23:26das bestellen die Gäste schon deutlich zurückhaltender
- 23:29als ein großes Gewächs aus dem Anfang der 10er Jahre.
- 23:32Aber akzeptieren Sie es, wenn du es zum Beispiel glasweise ausschängst
- 23:35und du damit begeisterst und versuchst das irgendwo zu vermitteln,
- 23:38können Sie das dann greifen
- 23:40oder sind die Aromen dann dermaßen artfremd geworden,
- 23:45dass so dieses normale, ich finde halt ein Weißwein, der reif ist,
- 23:49wirkt dann mehr wie ein Rotwein.
- 23:51Das ist eine Geschmackstypizität von Aromen, Charakteristik,
- 23:54von der gesamten Säurestruktur
- 23:57und man muss die Gäste darauf immer ein bisschen einordenglasweise, geht das?
- 24:01Bei uns ist es so, dass wir im Rahmen der Weinbegleitung
- 24:04die Gäste halt bevor oder in der Sekunde, wo sie es bestellen,
- 24:07darauf hinweisen, dass wir eine Begleitung servieren,
- 24:11die aufs Essen eingeht und die von Gang zu Gang aufs Gericht eingeht
- 24:15und dass wir uns eine gewisse Offenheit gegenüber Wein
- 24:18und auch anderen Alkoholischen Getränken erbitten,
- 24:22weil sonst weder der Gast noch derjenige, der es serviert,
- 24:26Freude daran haben wird
- 24:28und deswegen sind die Gäste entweder sehr, sehr offen
- 24:32und freuen sich darüber, dass sie mal die Gelegenheit haben,
- 24:35so was zu bekommen
- 24:37und der andere Teil sind Menschen, die sehr, sehr unerfahren sind,
- 24:40die die Weinkarte in die Hand bekommen, die vielen Seiten sehen
- 24:44und sagen, oh Gott, ich weiß gar nicht, was ich machen soll,
- 24:46da können sie einfach aussuchen
- 24:48und dann geht es auf eine Weinbegleitung hinaus
- 24:50und das sind häufig Menschen, die mit so was noch nie Kontakt hatten
- 24:53und dann in so einer Euphorie des Moments
- 24:56und in einer Begeisterungsfähigkeit sind,
- 25:00dass wir sie an die Hand nehmen können
- 25:02und sagen, guck mal, so was gibt es übrigens auch,
- 25:05so was schmeckt so und so
- 25:07und wir haben uns dabei das und das gedacht
- 25:09und du die Menschen damit begeisterst,
- 25:11weil sie einfach noch nie Kontakt damit hatten.
- 25:13Und es gibt diesen kleinen oder manchmal auch größeren Schlag
- 25:18von Menschen, die von sich glauben, denken, empfinden,
- 25:22sie wären Weinkende
- 25:24und sie möchten gerne bei uns trotzdem,
- 25:27das heißt trotzdem, sie möchten die Begleitung trinken,
- 25:30die aber nicht die Offenheit besitzen, das hinzunehmen,
- 25:33was wir uns dabei gedacht haben,
- 25:35weil sie eigentlich davon ausgehen,
- 25:37die Weinbegleitung ist siebenmal ihr Lieblingswein,
- 25:40nur mit einer lustigen Geschichte dazu erzählt.
- 25:42Diese Menschen, da führt es häufig dazu,
- 25:45dass man einfach nicht zusammenkommt
- 25:47und jemand, der am liebsten Grauburgunner trocken
- 25:50und einen kräftigen Syrat trinkt,
- 25:52der wird bei uns in der Begleitung
- 25:54nicht fünf trockene Grauburgunner
- 25:56und zwei kräftige Syras serviert bekommen,
- 25:58sondern halt im Zweifel siebenmal was anderes,
- 26:01was ihm im Zweifel nicht entspricht oder gefällt.
- 26:03Da haben wir schon das Problem
- 26:05und da haben wir schon auch Berührungsängste
- 26:07bis hin zu Kritik mit Weinen, die wir servieren,
- 26:11weil der Gast einfach nicht versteht
- 26:13oder nicht verstehen will oder nicht die Offenheit hat,
- 26:16wo es irgendwie dann auch immer schade ist,
- 26:18weil ich mir denke, du hast doch die Möglichkeit,
- 26:20nach deinem Gusto zu wählen
- 26:22und wir haben die Dinge, die du magst ja im Keller.
- 26:25Und dann ist es uns beiden mehr geholfen,
- 26:28aber von der Sache her,
- 26:30grundsätzlich haben wir wenig Probleme.
- 26:34Das ist interessant, weil ich glaube,
- 26:37es ist letztlich nur ein Lernprozess.
- 26:39Also, wie kann man das formulieren?
- 26:42Den Glauben in die Vorauswahl
- 26:46einer Geschmackssituation mussten oder sollten
- 26:51oder konnten die Gäste ja bei Menü auch erst vor 20, 30 Jahren lernen,
- 26:55als man noch eine Allerkartkarte nebenher hatte
- 26:58und man sich das selber zusammenbasteln konnte.
- 27:00Und ähnliche Situationen haben wir letztlich auch mit den Weinen Menüs,
- 27:03dass der Gast auf der einen Seite
- 27:06natürlich ein Mitsprache recht gerne haben will
- 27:09und ganz viel Vertrauen braucht, um sich darauf einzulassen,
- 27:12dass letztlich dann als Erfüllung dann zu nehmen
- 27:14und auch als solches zu werden
- 27:16und als vielleicht auch sogar Lerneffekt dabei zu werden.
- 27:18Also, ich glaube, den Schritt müssen wir dann mehr
- 27:20oder weniger mit den Gästen auch gehen.
- 27:22Gibt es bei euch gar keine Variationsmöglichkeiten,
- 27:24dass wenn ich sage, okay,
- 27:26ich hätte aber gerne ein, zwei verschiedene Lugane eingebaut?
- 27:29Is my way a highway bei euch?
- 27:32Also, ehrlicherweise muss ich da relativ wenig sagen,
- 27:37der Gast kommt
- 27:39und der Gast möchte natürlich einen tollen Abend haben
- 27:41und ich versuche schon, den Gast erstmal
- 27:43von meiner Idee und meiner Konzeption zu überzeugen
- 27:47und ich versuche dem Gast schon
- 27:49erstmal zu vermitteln das
- 27:51und vor allen Dingen, was wir uns dabei gedacht haben,
- 27:53Dinge zu tun.
- 27:55Ich habe aber trotzdem immer die Möglichkeit,
- 27:57dem Gast das zu servieren,
- 27:59was er gerne möchte,
- 28:01einfach aufgrund dessen, dass ich so eine große Bandbreite
- 28:03auch im Keller habe,
- 28:05mit der ich spielen kann.
- 28:07Aber was der Gast in der Situation ja möchte
- 28:10und was mir dann auch teilweise schwerfällt,
- 28:12ihm zu geben ist,
- 28:14der Gast möchte gerne zu einem Gericht,
- 28:16wo ich einen holzbetonten,
- 28:18üppigen, exotischen, fetten,
- 28:21sauvignon blanc serviere,
- 28:23möchte der Gast von mir aber hören,
- 28:25dass ein zarter Weißburg-Under aus dem 24. Jahrgang
- 28:28mindestens genau so eine gute Idee ist
- 28:30und dass ich ihn dazu beglückwünsche,
- 28:32dass er meine Weinbegleitung abändert,
- 28:34hinsichtlich dessen, dass er jetzt
- 28:36einen Weißburg-Under hat und der eigentlich grandios
- 28:38zum Gang passt.
- 28:40Und da habe ich teilweise ehrlicherweise
- 28:42ein kleines Ego-Problem,
- 28:44dass ich zugeben muss.
- 28:46Ich habe mir was dabei gedacht, es ist mein Job,
- 28:48ich mache den ganzen Tag nichts anderes.
- 28:50Warum? Ich würde doch auch nicht in deinen Job
- 28:52kommen und in der Fahrradwerkstatt erklären,
- 28:54dass die Klingel aber auf der anderen Seite
- 28:56an Sattel montiert werden muss,
- 28:58weil da ist sie viel praktischer.
- 29:00Und das ist tatsächlich was, da bin ich,
- 29:02da werde ich auch, ehrlich gesagt,
- 29:04hinter den Kulissen schnell zickt.
- 29:06Ich finde die aber gar nicht so verkehrt,
- 29:08weil du dir im Prinzip Gedanken machst,
- 29:10dass versuchst irgendwo zu kuratieren,
- 29:12eine gewisse Dramaturgie auch mit einzubauen,
- 29:14die ja dann letztlich zerstört wird.
- 29:16Auch wenn man nur ein Wein letztlich dabei austauscht,
- 29:19was hat bei dir Prämisse?
- 29:21Es ist immer diese reine, intensive,
- 29:23konzentrierte Kombination
- 29:25von verschiedenen Aromen,
- 29:27verschiedenen Geschmackskulturen,
- 29:29verschiedenen Intensitäten,
- 29:31die du versuchst, pro Gang mit einem Wein abzustimmen.
- 29:33Oder ist es auch die Dramaturgie dabei,
- 29:36dass du sagst, ich habe verschiedene
- 29:38Länder, Jahrgänge,
- 29:40Winzerstile und das versuchst,
- 29:42damit zu erzählen?
- 29:44Ehrlich gesagt beides.
- 29:46Also wenn wir jetzt über die schiere Weinbegleitung,
- 29:49sprich zu jedem Gang der Menüfolge
- 29:51ein korrespondientes Glas sprechen,
- 29:53dann ist mein erster Aspekt immer,
- 29:55was passiert auf dem Teller,
- 29:57was muss in meiner Interpretation
- 29:59auf dem Glas passieren,
- 30:01damit wir da eine coole Harmonie haben.
- 30:03Wenn ich das dann aber für das gesamte Menü
- 30:05runterschreibe und merke,
- 30:07ok, ich habe jetzt fünfmal
- 30:09Riesling aus Rheinhessen gemacht
- 30:11und davon sind drei Rests süß,
- 30:13dann werde ich das natürlich
- 30:15abgewandeln und versuche schon,
- 30:17den Gast an die Hand zu nehmen
- 30:19und ihn auch auf eine Reise mitzunehmen
- 30:21und das ist am Ende des Tages,
- 30:23soll er ja auch was Neues kennenlernen.
- 30:25Ich versuche immer,
- 30:27ein, zwei Sachen mit dabei zu haben,
- 30:29die Gäste bestenfalls noch nicht kennen,
- 30:31die sie noch nicht gesehen haben,
- 30:33vielleicht auch Weinstile zu servieren,
- 30:35die für die nicht ultraerfahrenen Trinker
- 30:37vielleicht auch ungewöhnlich sind.
- 30:39Ich versuche auch immer,
- 30:41ein, zwei Weine mit reinzunehmen,
- 30:43die so ein bisschen charming sind,
- 30:45dass der Gast auch das Gefühl hat,
- 30:47ah, guck mal, jetzt ist mal wieder einer,
- 30:49und ich versuche immer,
- 30:51mindestens ein Highlight zu setzen,
- 30:53wo man sagt, oh, davon mache ich ein Foto
- 30:55und ich erinnere mich nächstes Jahr noch
- 30:57im Restaurant Timraue damals,
- 30:59weißt du, noch in der Begleitung,
- 31:01da hatten wir ja das oder das.
- 31:03Und dann gibt es noch die andere Variante,
- 31:05wenn wir uns jetzt unterhalten,
- 31:07ich möchte gern zwei Flaschen über mein Menü trinken,
- 31:09dann ist es natürlich ein völlig anderer Ansatz
- 31:11und dann bin ich ja,
- 31:13dann können wir über alles sprechen,
- 31:15was sozusagen persönliche Präferenz eingeht
- 31:17und das Gast entspricht,
- 31:19aber wenn es darum geht,
- 31:21ich möchte deine Interpretation zum Menü haben,
- 31:23dann ist meine Interpretation zum Menü
- 31:25eben auch mein Ausdruck
- 31:27von Stil
- 31:29und Interessenlage
- 31:31und so weiter und so fort
- 31:33und wenn jemand zu uns ins Restaurant kommt,
- 31:35sagt er ja auch nicht, ich hätte gern dreirig Gänge
- 31:37von Timraue, aber die anderen beiden
- 31:39würden wir gerne von McDonalds noch haben.
- 31:41Und deswegen
- 31:43denke ich mir dann, dann kann ich mir auch rausnehmen
- 31:45und dann kann ich nur sagen,
- 31:47wenn du das Essen so möchtest,
- 31:49dann kriegst du die Interpretation meinerseits.
- 31:51Wenn du jetzt die Gesamtheit des Abends nimmst,
- 31:53wo kriegst du den Gast mehr
- 31:55mit einer Weinbegleitung,
- 31:57wo du alle 20 Minuten,
- 31:59alle 30, 40 Minuten den Gast in der Ansprache hast,
- 32:01ihn von dir von deinen Gedanken überzeugen kann
- 32:03oder bei einer Flaschenauswahl,
- 32:05wo du im Vorfeld
- 32:07viel abfragen musst,
- 32:09auch mit viel Wissen
- 32:11oder mit viel Detailtreue
- 32:13glänzen kannst darfst musst.
- 32:15Wo kommt der Gast dir näher oder du ihm näher?
- 32:17Das ist sehr unterschiedlich.
- 32:19Wenn wir davon ausgehen, dass der Gast ein Gast ist,
- 32:21der die Offenheit und das Interesse hat
- 32:23sich für Wein
- 32:25und die Idee zu öffnen,
- 32:27dann in jedem Fall mit der Weinbegleitung.
- 32:29Weil der war, so zu sagen,
- 32:31bestenfalls in den letzten 6 Monaten
- 32:33mehrfach so oder so ähnlich essen
- 32:35und hat eine Weinbegleitung
- 32:37in verschiedenen Restaurants genossen
- 32:39und dann auch festgestellt, dass es unterschiedliche
- 32:41Stile und Ansätze und Ideen gibt
- 32:43und dann kann er
- 32:45auch so ein bisschen verstehen,
- 32:47was wir uns dabei gedacht haben
- 32:49und ich denke, dass an vielerlei Hinsicht
- 32:51man damit die Gerichte nochmal
- 32:53bestenfalls ergänzt.
- 32:55Aber dieses Gespräch
- 32:57mit dem, also jeden Tag
- 32:59allen Gästen ausschließlich
- 33:01Weinbegleitung servieren,
- 33:03wäre mir auch am Ende des Tages zu langweilig.
- 33:05Ich liebe es auch mit Gästen
- 33:07in dem Moment aus der Vielzahl
- 33:09zu wählen, was in dem Moment
- 33:11für den Abend, für den Menschen,
- 33:13für die Situation das Perfekte ist
- 33:15und das ist für teilweise
- 33:17schon dazu, dass man die Gäste
- 33:19nochmal ganz anders begeistern kann,
- 33:21weil man halt doch nochmal freier
- 33:23spielen kann und jemand, der sagt,
- 33:25wir hatten gestern Abend das und das
- 33:27und wir wollen so was ähnliches
- 33:29und dann was zu holen, was der Mensch nicht kennt,
- 33:31was so ähnlich ist
- 33:33und trotzdem funktioniert und Spaß macht
- 33:35und dann auch noch am Ende
- 33:37zufrieden stellt. Das ist schon
- 33:39eine Aufgabe, die sehr cool ist,
- 33:41weil es viel mehr mit Menschen lesen
- 33:43und verstehen zu tun hat, als
- 33:45Tisch 4 eine Weinbegleitung
- 33:47zu servieren, die am Ende des Tages
- 33:49an Tisch 7 im Zweifelsfall genauso ist
- 33:51und sich nur dadurch verändert, dass die
- 33:53Interaktion mit den Menschen eine andere ist.
- 33:55Aber der Gast, der mir ganz bewusst sagt,
- 33:57ich mag das, ich möchte das
- 33:59und von mir dann das
- 34:01bekommt, das macht schon richtig viel Spaß.
- 34:03Und was ich bei euch beeindruckend finde,
- 34:05ist, dass ihr die Weinkarte anschaut,
- 34:07dass ihr eine außergewöhnlich umfangreiche
- 34:09Auswahl an halben Flaschen habt,
- 34:11eine Situation, die eigentlich
- 34:13das Ende der 90er ganz gravierend
- 34:15gehabt hat, dann irgendwie 2.5 hab ich das
- 34:17geführt oder 2.10 hörte die komplett
- 34:19auf, weil halt sehr viel Glasweise
- 34:21zugenommen hat und eure Karte war die
- 34:23erste, wo ich das richtig ausfühlte.
- 34:25Also, wo man selbst ein Lemoschi, glaube ich,
- 34:272.18 in halben Flasche
- 34:29findet und damit kann man ja auch
- 34:31wunderbar spielen und das zusammenstellen.
- 34:33Es ist cool, dass du
- 34:35das so hervorhebst, weil
- 34:37es tatsächlich was mit dem ich
- 34:39nach Covid angefangen habe,
- 34:41weil ich selber
- 34:43habe häufig die Situation in Restaurants
- 34:45erlebt, dass ich Gast bin, ich bestelle
- 34:47mir aus der Weinkarte
- 34:49eine Flasche, irgendwas
- 34:51Weiß oder Champagner oder
- 34:53auch Rot egal. Ich bestelle mir eine Flasche,
- 34:55die mir Spaß macht,
- 34:57bestenfalls was Exzellentes
- 34:59und man ist dann nach einer Flasche noch nicht
- 35:01ganz durch und denkt sich, na jetzt
- 35:03noch ein Glas, aber dann
- 35:05ist die Glasweise Auswahl halt häufig
- 35:07so, dass sie dann
- 35:09Schwierigkeiten hat an das Trinkniveau
- 35:11der Flasche anzuknüpfen
- 35:13und auch aus
- 35:15nachvollziehbaren Gründen und dann
- 35:17würde ich mir häufig wünschen oder habe ich
- 35:19mir häufig gewünscht, dass man dann sagen kann,
- 35:21na gut, wir haben jetzt was Exzellentes getrunken,
- 35:23jetzt noch eine halbe Flasche von was anderem
- 35:25Grandiosen, die schaffe ich noch,
- 35:27die schaffen wir noch oder wir nehmen
- 35:293 halbe Flaschen können 2 Charaktere
- 35:31bestellen, die aber richtig gut sind
- 35:33und die von der Qualität besser sind
- 35:35als das, was die Kolleginnen und Kollegen
- 35:37Glasweise anbieten können und wollen,
- 35:39dann ist das, dann ist das
- 35:41eine gute Lösung und wir haben unglaublichen
- 35:43Erfolg damit. Die Leute
- 35:45bestellen teilweise 2, 3, 4
- 35:47halbe Flaschen anstelle 2 ganze Flaschen
- 35:49zu stellen und freuen sich extrem,
- 35:51dass sie eine breite
- 35:53Auswahl genießen können
- 35:55und ich gehe meinen ganzen
- 35:57Händlern und Winzern schon immer
- 35:59auf den Keks mit dem Wunsch, ich brauche
- 36:01mehr halbe Flaschen, damit wir diese
- 36:03Liste aufrechterhalten können und es gibt
- 36:05halt viele Winzer und Anbaugebiete,
- 36:07die immer weniger Halbflaschen
- 36:09füllen, weil halt der Markt dafür nicht
- 36:11mehr so da ist und
- 36:13deswegen bin ich da stetig auf der Suche
- 36:15danach, neue
- 36:17neue Positionen zu finden, um die
- 36:19Liste immer schön lang und groß zu halten.
- 36:21Wie sieht es da mit dem Reifeverhalten aus,
- 36:23weil das seinerzeit der große Kritikpunkt war,
- 36:25das Weine in der halben Flasche
- 36:27unrealistisch schneller
- 36:29reifen, jetzt im Gegenzug
- 36:31in Magnum, Double Magnum, Zähler reifen
- 36:33sie natürlich extrem langsam,
- 36:35aber im Halbflaschensegment hatte man
- 36:37oftmals das Problem, dass man die Reife
- 36:39kaum irgendwie prognostizieren
- 36:41beziehungsweise einschätzen konnte,
- 36:43hast du da Erfahrungen zu? Ja, das
- 36:45ist ja genau auch ein Vorteil
- 36:47dessen, dass die Sachen halt
- 36:49dann schon früher, wie wir es eingangs
- 36:51hatten, Trinkreifer sind und dass wenn
- 36:53ich jetzt ein Mörsor
- 36:55in der Halben aus 18
- 36:57einschenke, dass der halt einfach
- 36:59von seinem Zustand her
- 37:01schon ein Stückchen weiter ist, als aus der 075
- 37:03war und in Zeiten, wo es
- 37:05immer schwieriger ist, Reife
- 37:07Sachen zu bekommen oder zu kalkulieren
- 37:09und wir einfach viel
- 37:11auch sehr, sehr jung trinken, ist die Halbflasche
- 37:13halt eine coole Gelegenheit,
- 37:15da auch Sachen zu haben, die dann
- 37:17halt ein bisschen schneller trinkreif sind
- 37:19und insofern, ich würde das
- 37:21für meine persönliche Situation und unsere
- 37:23Gäste in keinem Fall negativ
- 37:25sondern sehr, sehr positiv bewerten,
- 37:27dass das so ist und gerade auch
- 37:29etwas üppigere
- 37:31Rotwein-Stilistiken
- 37:33oder klassische Bordos oder so
- 37:35die in den Halbflaschen
- 37:37die machen halt jetzt schon viel, viel früher
- 37:39Spaß als in den ganzen
- 37:41oder sogar Doppelflaschen. Die Erfahrung
- 37:43habe ich teilweise auch gemacht, man muss halt als
- 37:45Sommi aufmerksam sein in der letztlichen
- 37:47Karten- und Flaschenpflege, dass man Auge
- 37:49hat und einfach das Bewusstsein darum lebt
- 37:51und daher rausresortieren, dann auch gezielt
- 37:53empfehlen kann. Bist du selber
- 37:55ein Halbflaschen, ein Flaschen oder ein Weiminütrinker
- 37:57wenn du irgendwo essen gehst?
- 37:59Ehrlicherweise
- 38:01bin ich Flaschentrinker
- 38:03und
- 38:05dann kommt häufig
- 38:07der Punkt, dass die Halbflasche hinterher
- 38:09zum drüberstreuen, dann meistens
- 38:11noch hinterherkommt, wenn es was
- 38:13gibt, was
- 38:15entsprechend passt, funktioniert und mir Freude macht
- 38:17einfach dem geschuldet, dass
- 38:19ich relativ
- 38:21selten Glasweise Sachen gibt,
- 38:23die mich dann ansprechen
- 38:25ehrlicherweise
- 38:27und ich den Coravain, der
- 38:29natürlich jetzt als Argument
- 38:31zählen kann, also das System
- 38:33mit einer Nadel den Korken
- 38:35zu durchstechen, Gas
- 38:37in die Flasche zu machen und den Wein rauszunehmen
- 38:39und den Wein
- 38:41bei geschlossener Flasche zu konservieren,
- 38:43das ist eine Möglichkeit mit der viele
- 38:45andere Restaurants, wir auch
- 38:47aber wenig arbeiten, um
- 38:49Sachen auszuschenken, wo man die Flasche
- 38:51vielleicht nicht ganz ausschenken
- 38:53möchte.
- 38:55Da bin ich aber, ich mag dieses System nicht
- 38:57weil ich finde, es sieht total unwürdig aus
- 38:59wie das daraus tröpfelt
- 39:01und ich mag das Gefühl den Korken
- 39:03zu ziehen, eine Flasche aufzumachen
- 39:05und einfach zu wissen, okay, wir trinken
- 39:07jetzt eine Flasche Wein und nicht
- 39:09wir tröpfeln uns jetzt 100 Milliliter
- 39:11in ein Glas
- 39:13und deswegen bin ich eher Flaschentrinker
- 39:15und es gibt
- 39:17ein paar Restaurants, wo ich
- 39:19die Weinbegleitung gerne parallel trinke
- 39:21weil ich das was die Kollegen machen
- 39:23unglaublich spannend finde
- 39:25und ich ist immer sehr inspirierend empfinde
- 39:27aber von der Grundsache her
- 39:29tatsächlich, wenn ich essen bin privat
- 39:31dann einfach eine Flasche
- 39:33und was trinken, was mir gut tut
- 39:35und dazu was essen, was
- 39:37die Menschen dann in den Restaurants servieren
- 39:39und das ist mir eigentlich am allerliebsten
- 39:43[Muskatelle]
- 39:45[Muskatelle]
- 39:47[Muskatelle]
- 39:49[Muskatelle]
- 39:51[Muskatelle]
- 39:53[Muskatelle]
- 39:55[Muskatelle]
- 39:57Würdest du es mir glauben, wenn ich dir erzähle
- 39:59dass eine der anspruchsvollsten
- 40:01Rebsorten dieser Weinwelt
- 40:03Muskatelle ist?
- 40:05Ja, richtig gehört, Muskatelle
- 40:07ein der ältesten bekannten
- 40:09Rebsorten dieser Weinwelt
- 40:11zu bis weit in die Antike reichen
- 40:13die wahrscheinlich durch die Römer
- 40:15aus Griechenland oder Kleinasien
- 40:17nach Europa kam, die im Mittelalter
- 40:19einer der populärsten Rebsorten war
- 40:21und leider unter der Mischung
- 40:23aus enormen Anspruch an den Winzer
- 40:25und ihrer unglaublichen Attraktivität leidet
- 40:27also Anspruch
- 40:29die Rebe verlangt warme Lagen
- 40:31ist anfällig für Krankheiten und bringt
- 40:33erstaunlich geringe Erträger
- 40:35und Anspruch auch an den Winzer
- 40:37will der schaffen muss hinter diesem
- 40:39attraktiven Fruchtkleid
- 40:41dem Wein Substanz, Struktur und Tiefe
- 40:43zu verleihen
- 40:45letztlich ist ein absoluter Schatz
- 40:47sowohl für Sommys als auch für Weinliebhaber
- 40:49weil der Wein einfach alles hat was wir uns
- 40:51im Augenblick heutzutage wünschen
- 40:53Leichtigkeit, Attraktivität, Aromatik
- 40:55und wenn der Winzer es vermag
- 40:57Struktur, Tiefe und eine ganz eigene
- 40:59Authentizität
- 41:01er kann sogar ein Spiegel der Region sein
- 41:03wenn der Winzer es kann
- 41:05und einer der es kann
- 41:07wahrscheinlich wie kaum ein anderer kann
- 41:09ist das Weingut Groß
- 41:11gegründet 1907
- 41:13in Ratsch an der Weinstraße
- 41:15ist das Weingut Groß ein Süd-Diamarker-Mythos
- 41:17getragen von Perfektion
- 41:19und zugleich und das finde ich ganz wichtig
- 41:21Kontinuität
- 41:23seit 2018 lenken die 6. Generation
- 41:25Martina und Johannes Groß das Haus
- 41:27während ihre Schwester und ihr Bruder
- 41:29die Außenposten unter
- 41:31Groß und Groß fliegen
- 41:33das reicht aus um zu spüren
- 41:35und der Betrieb schreibt keine Geschichte
- 41:37er lebt sie
- 41:3950 Hektar umfasst das Weingut
- 41:41und ein Großteil der Weinberge
- 41:43sind über 50 Jahre alt
- 41:45und wenn wir jetzt Muskateller nehmen
- 41:47wir nehmen die Süd-Diamarker
- 41:49und nehmen dort eine der außergewöhnlichsten Lagen
- 41:51die Rietperz
- 41:53also eine der klassischen Lagen des Hauses
- 41:55jenen Weinbergen auf schiefer
- 41:57Sand und Sandsteinboden
- 41:59die zu den ersten Gehören
- 42:01welche durch die STK-Klassifikation geprägt wurden
- 42:03diese Lage
- 42:05ist durchaus historisch bedeutsam
- 42:07also auch in der Neuzeit wenn man so möchte
- 42:09es war eine der ersten Lagen
- 42:11die von der STK-Klassifizierung
- 42:13also STK-steirische Terroaren, Klassikweingüter
- 42:15anerkannt und geprägt wurde
- 42:17und die Weine
- 42:19aus dieser Riede, aus diesem besonderen Ort
- 42:21sind definitiv nicht modisch
- 42:23sondern implantieren in sich
- 42:25das was wir mit einem außergewöhnlichem Wein in Verbindung bringen
- 42:27ein Kraftvollen Charakter
- 42:29eine Unüberhörbarkeit
- 42:31und eine aromatische Klarheit
- 42:33und so schaffen es Martina und Johannes
- 42:35das Erbe des Pioniers, Aluys Groß
- 42:37weiterzuentwickeln
- 42:39mit Vorsicht und definitiv nicht mit Pathos
- 42:41ein Wein mit Substanz
- 42:43und das er das hat
- 42:45dafür steht, dass ich
- 42:47einen 2021er empfehle
- 42:49ein 2021er
- 42:51Muscatella aus dem Hause groß
- 42:53also kein Jahrgangsaktuellen
- 42:55kein frischen Fruchtigen
- 42:57Ausladen überdimensionierten Muscatella
- 42:59Nein!
- 43:01Einer der das erste Fruchtgleit abstreifen durfte
- 43:03und jetzt aus der Substanz
- 43:05herausbrillieren darf
- 43:07und ja, Muscatella kann reifen
- 43:09Hast du schon mal eingegreift Muscatella getrunken?
- 43:11Dann
- 43:13wenn er seine Struktur präsentieren kann
- 43:15dann wenn er zum perfekten Speisebegleiter wird
- 43:17dann wenn er eben so viel mehr hat
- 43:19als viele mit Muscatella assoziieren
- 43:21und sie schaffen es
- 43:23durch den Muscatella die Südsteiermark
- 43:25sprechen zu lassen
- 43:27dass aufgrund des Engagements
- 43:29einiger Weingüter wie unter anderem groß
- 43:31eine unfassbare Renaissance
- 43:33in den letzten 15 Jahren erlebt hat
- 43:35mit einem einzigartigen Klima
- 43:37im Wechselspiel aus warmen Einflüssen
- 43:39aus die Mittelmeer und Kühlströmungen aus den Alpen
- 43:41extrem starken Tag Nachtschwenkung
- 43:43und weinen
- 43:45wenn es denn der Wintervermarkt
- 43:47sowohl frischer als auch eine wahnsinnige Spannung
- 43:49in sich tragen
- 43:512500 Hektar und ich weiß
- 43:53wenn viele Südsteiermark hören haben sie automatisch
- 43:55Sauvignon blanc als Leitzorte im Sinn
- 43:57aber vielleicht auch nur deshalb
- 43:59weil sich einige nicht an den Muscatella ran trauen
- 44:01diese spätreifende
- 44:03überempfindliche Rebsorte
- 44:05die interpretiert werden möchte
- 44:07und inszenieren eine Interpretation dieser Rebsorte
- 44:09die nicht süß, nicht flach
- 44:11oder stereotyp ist
- 44:13die spontan und doch geplant wirkt
- 44:15Edelstahl 12 Volumenprozent
- 44:176,6 Gramm Säure
- 44:192,4 Gramm Restzucker
- 44:21und eine Aromatik die sowohl
- 44:23als auch den Entdecker befriedigt
- 44:25Blütenarom ganz viel Kräuter
- 44:27Perfekt als entweder Apparativ oder Speisebegleiter
- 44:29am grauen purem Mineralität
- 44:31eine seidige aber frische Textur
- 44:33und lang
- 44:35richtig lang
- 44:37ein Wein der Forderung stellt ohne laut zu sein
- 44:39ein stiller Dialog
- 44:41kein Monolog
- 44:43er sagt hier ist Österreich
- 44:45hier ist die Südsteiermark
- 44:47nicht inszeniert sondern echt
- 44:49wer ihn einschenkt
- 44:51er will keine Debatte starten
- 44:53sondern einen Moment öffnen
- 44:55mit Präzision nicht mit Eifer
- 44:57und genau darin liegt seine Faszination
- 44:59er ist ein Wein
- 45:01der anwesend sein will
- 45:03nicht aufdringlich
- 45:05er flüstert statt zu schreien
- 45:07und er bleibt in Erinnerung
- 45:09und wenn man diesen Wein probiert
- 45:11dann kann man einfach nur Dank sagen
- 45:13dass man erleben darf
- 45:15dass diese Nischenrebsorte, Muskateller
- 45:17diese verkannte Rebsorte, Muskateller
- 45:19wird
- 45:21dieser Weines Benchmark
- 45:23für die Rebsorte, für die Region
- 45:25für Österreich
- 45:27vielen Dank der Familie Groß
- 45:29und natürlich dem deutschen Importeur
- 45:31dem Handelshaus Schlumberger
- 45:33welche Kollegen haben dich begeistert
- 45:43inspiriert
- 45:45beinrückt
- 45:47wenn ich von Berlin spreche
- 45:49dann in jedem Fall
- 45:51ist die Weinbegleitung bei den Kollegen
- 45:53im Nobleheart und Schmutzig
- 45:55jedes mal so anders
- 45:57so provokant und dadurch
- 45:59für zumindest glaube ich
- 46:01das so lesen zu können
- 46:03als Kollege
- 46:05ich liebe die Art und Weise wie provoziert wird
- 46:07und das macht mir jedes mal Spaß
- 46:09weil ich mir bei jedem Charakter der serviert wird denke
- 46:11ich kann mir genau vorstellen
- 46:13worüber sich Menschen hier jetzt
- 46:15gerne beschweren würden
- 46:17und ich fühle es so witzig
- 46:19dass ihr mit genau diesen Dingen spielt
- 46:21ich hatte mal eine Begleitung
- 46:23da hatte ich im zweiten Gang
- 46:25ich weiß ehrlich gesagt leider nicht mehr was es gab
- 46:27aber ich hatte
- 46:29einen irgendeinen sehr
- 46:31Stalligen, üppigen Rotwein
- 46:33direkt zum zweiten Gang
- 46:35und dachte mir das ist witzig
- 46:37die Verbindung war grandios
- 46:39aber ich kann mir gut vorstellen
- 46:41dass nicht jeder der hierher kommt
- 46:43dass er seine Freude haben wird
- 46:45und allein für diesen Gang
- 46:47habe ich es schon geliebt
- 46:49und es ist immer spannend
- 46:51und es ist eine sehr andere
- 46:53Wein-Stilistik die da serviert wird
- 46:55das macht mir immer Spaß
- 46:57da was kennenzulernen
- 46:59und bei meinem lieben lieben Kollegen
- 47:01Felix
- 47:03im Toulouse Lotrec
- 47:05der teilweise einen ähnlichen
- 47:07aber sehr sehr intellektuellen Ansatz hat
- 47:09Sachen zu wählen
- 47:11die unfassbar gut sind
- 47:13aber von denen man noch nie was gehört hat
- 47:15und das ist ziemlich cool
- 47:17und der hat am Ende immer noch was
- 47:19Konservatives was mich persönlich glücklich macht
- 47:21offen und das sind immer gute Abende
- 47:23begeistert dich dann mehr der Wein
- 47:25als solches oder die Kombinationen zu den Speisen
- 47:27also wie sehr achtest du wenn du selber essen gehst
- 47:29auf das Match
- 47:31das kommt sehr drauf an
- 47:33wenn ich natürlich in einem Restaurant sitze
- 47:35und bewusst eine Weinbegleitung bestelle
- 47:37dann ist es glaube ich auch so ein bisschen
- 47:39in der Krankheit dass man dann schon sagt
- 47:41naja gut dann schenk mal ein
- 47:43dann wollen wir doch mal sehen
- 47:45ob es wirklich so gut passt wie du denkst
- 47:47wenn ich jetzt aber in irgendeinem Restaurant sitze
- 47:49und ich bestelle mir was was mir selber gefällt
- 47:51und mich glücklich macht
- 47:53und das Essen ist dazu
- 47:55dann bin ich da relativ entspannt
- 47:57und dann habe ich da auch keine Probleme damit
- 47:59sozusagen mich am Teller vorbei zu trinken
- 48:01und wenn dann mal am Gaumen was besonders gut passt
- 48:03dann freue ich mich da drüber
- 48:05aber wenn es nicht so ist
- 48:07dann wäre es kein Problem
- 48:09sondern dann freue ich mich über was Gutes zu essen
- 48:11und würde mir die Kompetenz zutrauen
- 48:13mich da auch dran vorbei zu trinken
- 48:15wenn das nicht funktioniert
- 48:17also da bin ich tatsächlich
- 48:19dann eher der Flaschentrinker
- 48:21und genieße nebenbei
- 48:23gab es für dich mal eine Weinspeisenkombination
- 48:25die dich total geflasht hat
- 48:27wo du heute noch gerne dran zurückdenkst
- 48:29oder die für dich irgendwie
- 48:31so ein absoluter
- 48:33Referenzpunkt ist
- 48:35grundsätzlich natürlich
- 48:37ganz ganz viele in meinem Leben
- 48:39ich kann mich an eine
- 48:41lustige Situation erinnern
- 48:43wo wir hier bei mir privat
- 48:45in einer kleinen Freunderunde gekocht haben
- 48:47und wo wir einen lustigen Abend hatten
- 48:49und irgendwie drauf gekommen sind
- 48:51wir kaufen immer Wein bei Auktionen
- 48:53und wir kaufen immer hier und wir kaufen da
- 48:55und wir sammeln irgendwie unsere Flaschen
- 48:57aber lass uns doch mal die Flaschen aufmachen
- 48:59und wir haben relativ viel zusammengetragen
- 49:01und haben dann überlegt was wir dazu machen
- 49:03ich bin 89 geboren
- 49:05ich hatte aus dem Geburtstag eine Flasche Chateauicam
- 49:07und hab irgendwie gesagt komm jetzt machen wir die mal in der Runde auf
- 49:09und dazu hatten wir
- 49:11diesen 3 Sterneklassiker
- 49:13nachgebaut mit
- 49:15Stopfleber, Räucher, Al
- 49:17und das war
- 49:19tatsächlich eine unfassbare Verbindung
- 49:21in seinem eigenen Wohnzimmer zu sitzen
- 49:23im T-Shirt und das Gefühl zu haben
- 49:25man ist gerade underdressed
- 49:27für den Moment
- 49:29obwohl man gerade eben noch vor 3 Minuten
- 49:31sozusagen mit Freunden selber in der Küche angerichtet hat
- 49:33und den Wein selber aufgemacht hat
- 49:35und irgendwie das Glas ist gut
- 49:37aber es ist irgendwie
- 49:39die ganze Situation ist eigentlich ein Abendessen
- 49:41mit Freunden im eigenen Wohnzimmer
- 49:43aber dieser Moment überhebt sich
- 49:45gerade so über alles
- 49:47weil er ist so magisch
- 49:49weil die Verbindung ist so perfekt
- 49:51und der ganze Moment ist so viel größer
- 49:53als alles was drum rum passiert
- 49:55und genau das war eigentlich so die Magie
- 49:57und der Zauber an diesem Moment
- 49:59das sind schon so Momente
- 50:01da denke ich unfassbar gerne dran
- 50:03und wenn ich den Wein jetzt servieren würde
- 50:05oder im Menü ausschenken würde
- 50:07dann wäre das immer gut
- 50:09und der Wein ist immer gut
- 50:11aber dieser eine Moment in dieser Runde
- 50:13in der Sekunde
- 50:15das war schon magisch
- 50:17und daran erinnere ich mich unfassbar gerne zurück
- 50:19weil es so unerwartet war
- 50:21ein Address fällt mir auf
- 50:23für dich ist angemessene Kleidung im Restaurant
- 50:25unglaublich wichtig
- 50:27meinst du jetzt den Gast
- 50:29oder meinst du mich
- 50:31oder uns als Mitarbeiter
- 50:33grundsätzlich hätte ich gedacht
- 50:35dass du das auch auf den Gast spiegelst
- 50:37also dass du findest
- 50:39dass man in einem Restaurant
- 50:41sowohl angemessen gekleidet sein sollte
- 50:43ich glaube beim Service Angestellten
- 50:45sollte es zum Gesamtkonzept passen
- 50:47und auch wenn man ein T-Shirt anhat
- 50:49dann passt es natürlich in dieses Lokal
- 50:51sollte darauf auch kuratiert werden
- 50:53dass der Gast dieses Gesamtempfinden dabei hat
- 50:55auch wenn es zu seinen Tag ist
- 50:57T-Shirt ist dann solltest du da reinpassen
- 50:59aber ich glaube du legst auch im Augenberg
- 51:01letztlich auf das Erscheinungsbild
- 51:03nicht nur immer dieses übliche Puffer
- 51:05was teilweise überdimensioniert sein kann
- 51:07was manchmal auch Störner für den Nebentisch sein kann
- 51:09nicht nur
- 51:11für den Partner am Tisch
- 51:13oder für jemanden selber
- 51:15aber eben auch auf die Kleidung
- 51:17dass du ein Augenmerk darauf legst
- 51:19und es vielleicht nicht
- 51:21missbilligst
- 51:23wenn du dich daran erfräust
- 51:25wenn jemand sich eben auch mit seiner Kleidung
- 51:27dem Restaurant entsprechend darstellt
- 51:29beziehungsweise sich vielleicht auch so auf den Abend einstimmt
- 51:31ja es ist natürlich ein sehr sehr
- 51:35zweischneidiges Schwert
- 51:37gerade in Berlin
- 51:39feine Gradwanderung gerade in Berlin
- 51:41und gerade in einem Restaurant wie bei uns
- 51:43was doch auch stark frequentiert wird
- 51:45von zum Beispiel auch jungen Kollegen
- 51:47die die Ausbildung fertig gemacht haben
- 51:49gerade Koch gelernt haben
- 51:51die drei Teile kommen wollen
- 51:53und das ist auch glaube ich nicht der Ansatz
- 51:55ich hatte schon Restaurantbesuche
- 51:57ich erinnere mich an einen legendären
- 51:59wunderschönen Restaurantbesuch
- 52:01den ich hatte in Rom im August
- 52:03im Hochsommer
- 52:05und dass die Ansage des Restaurants war
- 52:07als Herr mit langen Hosen
- 52:09und Schakett
- 52:11was mich persönlich nicht betrifft
- 52:13weil ich sowieso so in das Restaurant gegangen wäre
- 52:15mit drei Sternen
- 52:17aber ich mir vorstellen kann, dass es Touristen gibt
- 52:19die tagsüber 40 Grad
- 52:21dann am Abend sich in eine lange Hose
- 52:23und ein Schakett zu quälen
- 52:25und ich möchte dem Gast weiß Gott nicht vorschreiben
- 52:27wie er zu uns zu kommen hat
- 52:29solange das Gewissen geflogenheiten entspricht
- 52:31ich mag einfach das Gefühl
- 52:33selber für mich
- 52:35aber auch das Gefühl am Gast zu sehen
- 52:37dass ich das Gefühl habe
- 52:39ihr habt euch gerade auf diesen Abend vorbereitet
- 52:41und das ist für euch was, auf das ihr euch freut
- 52:43und jemand der im Büro
- 52:45sechs Tage die Woche im Anzug mit Krawatte rumläuft
- 52:47der muss bei uns nicht mit Krawatte sitzen
- 52:49sondern der soll sich gerade bei uns so wohl fühlen
- 52:51und wenn man da
- 52:53sich hinsetzt und sagt heute ist mir
- 52:55wenn ich ein Abend mit meiner Frau privat erlebe
- 52:57im T-Shirt lieber, dann ist das okay
- 52:59aber ich mag dieses Gefühl dem Menschen anzusehen
- 53:01wir haben uns gerade
- 53:03im Hotel nochmal überlegt
- 53:05wie wir jetzt da hinkommen
- 53:07und wir freuen uns auf den Abend
- 53:09und wir freuen uns auf die Situation
- 53:11und wir haben uns darauf vorbereitet
- 53:13und das beginnt halt auch manchmal mit so Äußerlichkeiten
- 53:15wie mit welcher
- 53:17Kleidung komme ich rein
- 53:19und natürlich sollte
- 53:21die Oberflächlichkeit an der Stelle
- 53:23nicht überwiegen und keinen Ausschlag geben
- 53:25aber sie ist Anzeichen dafür
- 53:27häufig ob ich das Gefühl habe
- 53:29der Gast hat weiß wo er hingeht
- 53:31weiß worauf er sich gerade einlässt
- 53:33weiß was uns erwartet und ich mag
- 53:35einfach dass wir bereiten uns
- 53:37auf die Gäste vor
- 53:39und dann mag ich es auch wenn ich das Gefühl habe
- 53:41der Gast bereitet sich auch auf uns vor
- 53:43ich würde auch nicht zu Freunden
- 53:45nach Hause zur Dinnerparty gehen
- 53:47und sagen ich komme heute im Schlafanzug
- 53:49sondern würde auch sagen aus Respekt vor euch
- 53:51ich bereite mich vor
- 53:53und ich würde vorher vielleicht nochmal
- 53:55irgendwie ein Kamm in die Hand nehmen
- 53:57und ich mag das bei uns im Restaurant auch
- 53:59und ich schätze das wenn es nicht so ist
- 54:01dann sind wir 2025 in Berlin
- 54:03und da ist bekanntermaßen alles erlaubt
- 54:05aber grundsätzlicherweise
- 54:07finde ich es schön
- 54:09weil ich finde es präsentiert
- 54:11oder es bewegt
- 54:13auch so eine gewisse Grundeinstellung
- 54:15gegenüber dem Restaurantbesuch einfach
- 54:17aber du sagst es
- 54:19du sagst es so provokant
- 54:21als wäre das bei dir als würdest du das anders sehen
- 54:23überhaupt nicht, also ich bin da grundsätzlich bei dir
- 54:25ich finde es auch immer bedauerlich
- 54:27ich finde es nicht ärgerlich
- 54:29weil da habe ich eine gewisse Grundtoleranz dabei
- 54:31aber bedauerlich wenn jemand zum Beispiel in der Oper geht
- 54:33und da
- 54:35selbst in Jogginghosen habe ich das schon gesehen
- 54:37fand das eigentlich immer so schade
- 54:39und es hat für mich auch so mit Grundeinstimmung
- 54:41mit Vorbereitung
- 54:43den ganzen Tag auf den Opern
- 54:45oder eben auch Restaurantbesuch freuen
- 54:47sich dann anziehen
- 54:49die Zeit davor ist ja auch unglaublich
- 54:51wie die von mir uns auch schon Glas Wein trinken
- 54:53und ich fand halt teilweise
- 54:55also auch diese Norm und Form
- 54:57damit auch einzuhalten
- 54:59und das Ganze zu zelebrieren
- 55:01man kommt auf eine ganz andere Ebene
- 55:03andere Grundstimmung
- 55:05fand es auch teilweise interessant
- 55:07Ende der 90er Anfang 2000
- 55:09habe ich es in Amerika noch erlebt
- 55:11dass du einen Krawattenservice hattest
- 55:13also dass wenn du keine Krawatte dabei hattest
- 55:15wurdest du halt ein simple Reh gebeten
- 55:17kommst dir aus einer großen Auswahl
- 55:19Krawatten kannst du in die Krawatte aussuchen
- 55:21um da in dieses Restaurant mit Krawatte zu gehen
- 55:23ob das heute noch zeitgemäß ist
- 55:25beziehungsweise würde es sich daran ja stören
- 55:27dass die meisten keinen Hemd anhaben
- 55:29und damit Krawatte wäre es natürlich so komisch
- 55:31also ich versuch das andere zu tolerieren
- 55:33oder toleriere natürlich auch das andere
- 55:35aber finde es gut
- 55:37dass diese
- 55:39diese Norm, dieser Stil
- 55:41diese Etikett
- 55:43irgendwo gewahrt und beibehalten wird
- 55:45weil es ist eine gewisse Art
- 55:47Kleidungskultur ist auch eine gewisse Kultur
- 55:49und das ist ganz schnell
- 55:51sich mit etwas nicht zu beschäftigen
- 55:53ist zur Seite zu tun
- 55:55und es bezieht sich ja auf allem
- 55:57dann auch im Restaurant
- 55:59ich meine du kannst dein Wein auch mit Strohhalm aus der Flasche trinken
- 56:01kannst du durchaus
- 56:03aber du kannst ihn auch kultiviert genießen
- 56:05und zelebrieren
- 56:07ja ich finde an der Stelle
- 56:09für den einen ist ein Anzug und Krawatte
- 56:11halt sozusagen
- 56:13drunter gehe ich nicht vor die Tür
- 56:15und für den anderen ist es ein Kostüm
- 56:17und ich glaube wenn wir in ein Restaurant gehen
- 56:19wo wir uns entspannen wollen
- 56:21und ich spreche jetzt nicht von
- 56:23ich habe ein Geschäftstermin, sondern ich spreche von
- 56:25ich gehe mit Freunden, Partner
- 56:27oder irgendwie privat in ein Restaurant
- 56:29dann möchte ich mich nicht kostümieren müssen
- 56:31aber ich möchte trotzdem
- 56:33meinem Gegenüber auch nicht das Gefühl geben
- 56:35du eigentlich ist es mir auch egal was hier passiert
- 56:37und das kommunizieren wir halt viel
- 56:39über solche Dinge
- 56:41und es gibt so viel Farben
- 56:43und Formen und Ideen wie man das
- 56:45kommunizieren kann und da ist natürlich
- 56:47ein konservative Anzug
- 56:49Krawatte, Abendkleid oder irgendwas
- 56:51fällt bei uns in Berlin auch bei uns
- 56:53im Restaurant immer
- 56:55eher auf als oh wow
- 56:57die sind aber overdressed heute Abend
- 56:59also wenn ich Herren sehe, die mit
- 57:01Frag und Fliege bei uns reinkommen
- 57:03und Lack schon, dann ist der erste Moment
- 57:05immer oh der spielt heute Abend
- 57:07für seine Frau James Bond, aber dann siehst du den Leuten
- 57:09dann denkst du dem zweiten Moment
- 57:11das ist total geil, dass ihr euch die Mühe gemacht habt
- 57:13und vielleicht ist das für euch heute
- 57:15die Date Night und ihr wollt
- 57:17bewusst overdressed sein
- 57:19für einander und für den Moment und das ist total cool
- 57:21und das mag ich total gerne
- 57:23und dann gibt es diesen anderen Schlagmensch
- 57:25die standesgemäß so essen gehen
- 57:27die gerne auch klassische Michelin-Gäste sind
- 57:29mit über 70 Jahren
- 57:31die natürlich mit Anzug
- 57:33und Krawatte in so ein Restaurant gehen als Herr
- 57:35und die dann nach dem zweiten Gang
- 57:37merken, eigentlich hier brauch ich das gar nicht
- 57:39und wenn dann der magische Momentkopf
- 57:41wo nachgang 2 der Krawattenknoten
- 57:43gelöst wird und der erste Knopf geht
- 57:45so ein bisschen verschmitzt auf
- 57:47und nachgang 4 legt man sogar frecherweise
- 57:49das Schaket ab, das sind eigentlich die
- 57:51schönsten Momente wenn du den Leuten anmerkst
- 57:53ihr fühlt euch hier gerade wohl
- 57:55und ihr entspannt euch, also diese
- 57:57diese Kleidung transportiert ja auch
- 57:59wenn man dafür die feinen Antennen hat
- 58:01und dafür ein Interesse hat ja auch noch
- 58:03viel mehr als nur
- 58:05die Etikette und sozusagen
- 58:07das Bild auf dem Foto, sondern die Art und Weise
- 58:09wie man damit umgeht
- 58:11zeigt ja ganz viel noch mehr
- 58:13und das macht eigentlich auch Spaß
- 58:15das glaube ich und das ist natürlich auch ein Zeugnis dafür
- 58:17dass die Gäste entspannen und sich dann so ein wenig heimisch
- 58:19fühlen beziehungsweise sich dann angekommen
- 58:21fühlen und dann nach und nach
- 58:23ich finde es nicht so verkehrt
- 58:25sich auch manchmal kostimieren zu müssen
- 58:27wenn der entsprechende Rahmen ist
- 58:29vorgibt, wenn ich zu einem Ball gehe
- 58:31dann ziehe ich mir hier auch
- 58:33eine Frage an oder ziehe mir
- 58:35eine Fliege um und möchte das
- 58:37Gesamterlebnis damit unterstützen
- 58:39und leben und kommen da
- 58:41selbst in der Krawatte bin ich teilweise
- 58:43deplatziert, kommen da eben nicht mit
- 58:45mit Jeans an
- 58:47warum sollte man das im Restaurant
- 58:49nicht machen
- 58:51die Frage an der Stelle ist
- 58:53ja
- 58:55ich verstehe was du meinst
- 58:57die Frage an der Stelle ist ja
- 58:59sind wir als Sterne-Restaurant
- 59:01im Jahr 2025
- 59:03sind wir ein Restaurant
- 59:05wo du hingehst um satt zu werden
- 59:07mit ein bisschen ambitionierteren Preisen
- 59:09und vielleicht ein 2-3
- 59:11spannenden Geschmackskomposition
- 59:13und oder sind wir
- 59:15eine Location
- 59:17für was außergewöhnliches
- 59:19wo du gegebenenfalls
- 59:21auch als Mensch der dahin gehst
- 59:23bereit bist außergewöhnliche
- 59:25bleiben wir mal beim Zitat
- 59:27Kostüme zu tragen
- 59:29oder machen wir uns damit
- 59:31mehr als wir eigentlich sind
- 59:33oder bauen damit sogar eine Hemmschwelle auf
- 59:35weil ich möchte ja auch Menschen die
- 59:37vielleicht noch nicht so ein Draht dazu haben
- 59:39die Möglichkeit geben zu uns zu kommen
- 59:41und wenn ich da übers Kostümieren
- 59:43noch eine höhere Schwelle aufbaue
- 59:45dass der Mensch der noch nie so essen war
- 59:47sich im Vorfeld schon fragt
- 59:49oh Gott, soll ich jetzt erst die äußere Gabel
- 59:51nehmen oder die innere
- 59:53und was ist es wenn das dann Dessert oder es sich erst Käse
- 59:55und welchen Wein muss ich denn nehmen
- 59:57und das ist mit so viel Unsicherheiten verbunden
- 59:59und wenn du dann auch noch
- 1:00:01eine Hemmschwelle über
- 1:00:03einen Dresscode aufbaust und ich erlebe
- 1:00:05bei uns im Restaurant wie oft wir E-Mails bekommen
- 1:00:07mit wie unser Dresscode wäre
- 1:00:09und man den Menschen dann sagt
- 1:00:11dass sie im Prinzip so kommen können
- 1:00:13wie sie sich für den Anlass angemessen wohlfühlen
- 1:00:15dass man damit schon
- 1:00:17eine erste Hemmschwelle abbaut
- 1:00:19und das dann sozusagen, wenn wir so essen gehen
- 1:00:21dann machen wir uns für die Situation schick
- 1:00:23aber nicht weil wir eine Regel befolgen
- 1:00:25sondern weil wir das selber so wollen
- 1:00:27und ich glaube
- 1:00:29dass wir eher daran arbeiten müssen
- 1:00:31in unserer Branche
- 1:00:33Hemmschwellen abzubauen
- 1:00:35als präzentiösisch
- 1:00:37Hemmschwellen aufzubauen
- 1:00:39wie siehst du es bei deinem Weinservice
- 1:00:41also bist du da genauso
- 1:00:43Form bedacht
- 1:00:45und versuchst in einem gewissen
- 1:00:47Ablauf kultiviert zu präsentieren
- 1:00:49oder bist du da auch
- 1:00:51casual und
- 1:00:53situationsorientiert
- 1:00:55Ich glaube ich bin in vielen
- 1:00:59Dingen sehr, sehr konservativ
- 1:01:01und ich mag
- 1:01:03die eher klassische Ansicht
- 1:01:05ich mag die klassischen Appellationen
- 1:01:07ich mag die klassische Kleidung
- 1:01:09das macht mir persönlich alles Spaß
- 1:01:11ich sehe aber
- 1:01:13häufig gerade im Umgang
- 1:01:15mit unerfahreneren Gästen
- 1:01:17das mehr casual auf den Gas
- 1:01:19zuzugehen, offener zu sein
- 1:01:21lockerer zu sein
- 1:01:23und den Wein einfach
- 1:01:25aufzumachen und dabei zu reden
- 1:01:27und nicht wegzugehen vom Tisch
- 1:01:29nicht ein großes Geheimnis drum zu machen
- 1:01:31für den Gast die Sache viel viel erlebbarer
- 1:01:33und viel viel greifbarer macht
- 1:01:35ich kann natürlich
- 1:01:37wenn der Gast, wenn ich das Gefühl habe
- 1:01:39das braucht, das kann ich den
- 1:01:41konservativen klassischen Sommelier mimen
- 1:01:43aber ich habe das Gefühl
- 1:01:45in Berlin heutzutage
- 1:01:47ist es von den
- 1:01:49vielen Menschen
- 1:01:51finden es viel cooler, offener
- 1:01:53und netter wenn man ehrlich redet
- 1:01:55und wenn man Menschen gerade unerfahren
- 1:01:57und Menschen sagt, trink einfach den Riesling
- 1:01:59und warum? Weil der einfach geil ist
- 1:02:01der schmeckt einfach gut
- 1:02:03der ist frisch, der ist geilsäure betont
- 1:02:05der macht dir Spaß
- 1:02:07und das heute an so einem Sommerabend
- 1:02:09einfach genau das Richtige für dich ist
- 1:02:11anstelle den Gästen irgendwas über
- 1:02:13pH-Werte oder Restzuckerwerte zu erzählen
- 1:02:15das überfordert den Menschen
- 1:02:17da habe ich persönlich auch gar keine Lust
- 1:02:19mich damit auseinanderzusetzen
- 1:02:21und es baut nur noch mehr eine Hürde auf
- 1:02:23anstelle einfach zu sagen, du wenn ich jetzt hier sitzen würde
- 1:02:25ich würde genau den Wein auch trinken
- 1:02:27und der macht einfach Spaß zu trinken
- 1:02:29und ja, wie soll ich das Glas anfassen
- 1:02:31nimmst einfach an Stil, schwenkst, trinkst
- 1:02:33und hab Spaß und das funktioniert
- 1:02:35und in den allermeisten Fällen viel viel viel besser
- 1:02:37was dir ein Großteil deiner Karriere in dem Unternehmen tätig
- 1:02:39oder bist ein Großteil
- 1:02:41nicht wahr ist, soll keine Gündigung sein
- 1:02:43bist ein Großteil deiner Karriere in diesem Unternehmen tätig
- 1:02:45gibt es irgendwie mal ein Lokal wo du saß
- 1:02:47es wird mich wahnsinnig reizen
- 1:02:49also ist es so ein
- 1:02:51Dreisterner in Paris, in Monaco wo du sagst
- 1:02:53da würde ich gerne mal diese klassische Nummer schwingen
- 1:02:55oder doch eher das wo du sagst
- 1:02:57da komme ich in kurzen Hosen und Badeschlappen
- 1:02:59also gibt es irgendein Lokal was dich
- 1:03:01reizen würde für ein Tag mal tätig zu sein
- 1:03:05ja, dann auf jeden Fall
- 1:03:07dann auf jeden Fall so
- 1:03:09so ein richtiger ultrakonservativer
- 1:03:11Dreisterner
- 1:03:13die Restaurants
- 1:03:15wo man auf Instagram
- 1:03:17dann so kurzes Snippet sieht
- 1:03:19wo Menschen im Frag
- 1:03:21mit Silbertablet
- 1:03:23und das ist schon, das wäre schon was
- 1:03:25das würde mich unglaublich reizen das mal zu sehen
- 1:03:27und mal zu machen
- 1:03:29so 1, 2, 3 Tage
- 1:03:31in so einem
- 1:03:33ultrakonservativen Dreisterner
- 1:03:35wo du schon als Kellner in Affront
- 1:03:37begehst wenn so ein Tropfen
- 1:03:39aus der Wasserflasche auf die Tischdecke geht
- 1:03:41das würde ich schon gerne mal sehen
- 1:03:43einfach nur um dann glaube ich zurückzukommen
- 1:03:45und zu sagen
- 1:03:47wenn die eine Flasche
- 1:03:49Mutant aufmachen ist der Wein
- 1:03:51im Glas trotzdem derselbe Wein
- 1:03:53wie wenn ich einen Mutant aufmache
- 1:03:55und bei mir dürfen die Gäste dabei Lachen und Spaß haben
- 1:03:57ich glaube es würde mich erden
- 1:03:59dass ich merke das was ich wie wir das angehen
- 1:04:01ist eine Art und Weise
- 1:04:03eine Interpretation die für den Gast glaube ich
- 1:04:05will kommen
- 1:04:07also der Gast fühlt sich schneller und einfacher will kommen
- 1:04:09und das ist total wichtig
- 1:04:11trotzdem würde ich es unfassbar gerne mal sehen
- 1:04:13und mal so eine Materialschlacht
- 1:04:15an Porzellan und Glas
- 1:04:17und den Käsewagen, den Teewagen
- 1:04:19den Brotwagen, den sonst was Wagen
- 1:04:21und 40 Praktikanten
- 1:04:23die noch 3 Stunden lang
- 1:04:25irgendwelche Sachen sauber machen
- 1:04:27die du nur gebraucht hast um irgendwas zu präsentieren
- 1:04:29und das würde ich schon gern mal sehen
- 1:04:31so ein Laden wo selbst der Spülern frag an hat
- 1:04:33also das stehe ich mir auch wahnsinnig
- 1:04:35also reizt vor, interessant vor
- 1:04:37und ich glaube schon dass der Mutant
- 1:04:39den man dort aufmacht
- 1:04:41dass der anders wahrgenommen wird, dass der anders schmeckt
- 1:04:43also allein auch wegen der Grundhaltung
- 1:04:45und der Grundeinstellung
- 1:04:47die man in dem Augen blickt
- 1:04:49dort in dem Restaurant aufgrund der vielleicht auch sterilen
- 1:04:51oder stilistischen Situationen
- 1:04:53dem Wein gegenüber hat
- 1:04:55und sich anders darauf einlassen kann
- 1:04:57ich glaube es ist nicht, dass der anders schmeckt
- 1:04:59ich glaube für dich und mich
- 1:05:01und für Menschen die
- 1:05:03die einen gewissen Erfahrungswert haben
- 1:05:05was
- 1:05:07Gast sein in verschiedenen
- 1:05:09an Stilen von Restaurants angeht
- 1:05:11ja, aber in der Wahrnehmung
- 1:05:13des einen Menschen der zum 10. Hochzeitstag
- 1:05:15das erste mal in seinem Leben
- 1:05:17in so ein Restaurant geht, denke ich nicht
- 1:05:19weil der das Weinglas
- 1:05:21anheben alleine
- 1:05:23mit so viel Angst verbunden ist
- 1:05:25darf ich jetzt mit meiner Frau wie zu Hause
- 1:05:27am Tisch das Glas anstoßen
- 1:05:29darf ich ihr quer über meinen
- 1:05:317 Meter Durchmesser großen runden Tisch
- 1:05:33mit bodentiefen Tischdecken
- 1:05:35den Küsschen zuhauchen oder ist das schon unangemessen
- 1:05:37darf ich wenn sie mir
- 1:05:39einen Spaß macht, darüber lachen
- 1:05:41oder nicht und bei uns sitzt du einfach
- 1:05:43an einem Tisch
- 1:05:45du trinkst ein Wein, auf den hast du vielleicht lange gespart
- 1:05:47auf den hast du dich gefreut
- 1:05:49und auf deine Hochzeit nicht mehr getrunken
- 1:05:51du kriegst den ehrlich serviert
- 1:05:53und du kannst dich auf den Wein, auf den Moment
- 1:05:55und auf deine Begleitung einlassen
- 1:05:57und du hast nicht das Gefühl du musst
- 1:05:59noch so viel deiner Aufmerksamkeit
- 1:06:01und deiner Konzentration abgeben
- 1:06:03an die Räumlichkeiten
- 1:06:05und das Etablissement
- 1:06:07ich erleb das
- 1:06:09häufig wenn ich essen gehe
- 1:06:11meine Frau hat nichts mit Gastronomie zu tun
- 1:06:13hat einen völlig anderen
- 1:06:15Beruf, es interessiert sich
- 1:06:17für das Thema auch nur so weit wie ich sie mitnehme
- 1:06:19und wäre glaube ich
- 1:06:21wenn sie mich nicht geheiratet hätte
- 1:06:23nie in ihrem Leben in ein Sternerestaurant gegangen
- 1:06:25oder hätte einen Wein für mehr als 12 Euro getrunken
- 1:06:27und wenn wir zusammen
- 1:06:29gerade unsere ersten Besuche
- 1:06:31in Restaurants mit 2-3 Sternen
- 1:06:33waren immer so, dass ich
- 1:06:35ganz viel geguckt habe, neugierig war
- 1:06:37Erfahrung, sammeln, mitnehmen wollte
- 1:06:39und lernen wollte
- 1:06:41und sie ganz ganz stark gehemmt war von
- 1:06:43oh Gott mach ich das so richtig
- 1:06:45sag mir mal wie das ist
- 1:06:47begleite mich mal Richtung Klo
- 1:06:49weil ich weiß gar nicht wo ich hin muss
- 1:06:51und das ganz ganz viel mit Sorge
- 1:06:53zu tun hatte
- 1:06:55und ich weiß wie ich mich im Restaurant bewege
- 1:06:57weil ich es tagtäglich tue
- 1:06:59und ich weiß grundsätzlich was ich anziehe
- 1:07:01oder wie ich ein Wein bestelle
- 1:07:03weil ich es tagtäglich tue
- 1:07:05ein Mensch der das aber nicht tut
- 1:07:07und wie gesagt das sehe ich an ihr immer wieder
- 1:07:09der hat schon Schwierigkeiten
- 1:07:11in den ersten Besuchen klar zu formulieren
- 1:07:13was ich damit Kohlensäure oder Ohne möchte
- 1:07:15und hat immer Angst was falsch zu machen
- 1:07:17und diese Hürde die muss man den Gänsten
- 1:07:19nehmen und dann kann man so viel
- 1:07:21mehr Freude entfalten
- 1:07:23und dann schmeckt auch der Mutant
- 1:07:25um zum Ausgangsbild zurückzukommen
- 1:07:27bei mir besser als in Paris
- 1:07:29man kann doch eigentlich in einem Restaurant
- 1:07:31wenn du die normalen Norm einhältst
- 1:07:33nichts falsch machen oder
- 1:07:35man kann irgendwas falsch machen
- 1:07:37also mir fällt nichts ein was man in einem Sternenrestaurant
- 1:07:39wenn ich zu euch kommen würde
- 1:07:41und ich falsch mache würde sagst
- 1:07:43das war jetzt ja total durch
- 1:07:45richtig, offiziell auf dem Papier
- 1:07:47ist das wenn wir uns sozusagen
- 1:07:49an gesellschaftliche Regeln und Norm halten
- 1:07:51korrekt
- 1:07:53es ist aber und das kann ich
- 1:07:55von hinter den Kulissen sagen
- 1:07:57relativ
- 1:07:59einfach
- 1:08:01ein Fan
- 1:08:03oder die das Personal
- 1:08:05zu deinen Fans zu machen
- 1:08:07es ist aber auch relativ einfach
- 1:08:09dass sie dich auf jeden Fall
- 1:08:11für den Rest des Restaurants Besuchs hassen werden
- 1:08:13und da spreche ich nicht
- 1:08:15und das möchte ich ganz exklusiv auskoppeln
- 1:08:17von reinkommen und direkt
- 1:08:19200 Euro Trinkgeld geben und sagen
- 1:08:21guck mal, dass wir einen geilen Abend haben
- 1:08:23überhaupt nicht, ich würde es komplett vom Geld loslösen
- 1:08:25aber die Art und Weise
- 1:08:27wie du schon beim Betreten des Restaurants
- 1:08:29vielleicht schon mit der E-Mail
- 1:08:31mit der du eine Anfrage stellst
- 1:08:33das Restaurant kontaktierst
- 1:08:35die Mitarbeiter kontaktierst
- 1:08:37direkt voll
- 1:08:39mit dem umgehst für das die Mitarbeiter
- 1:08:41in der Küche seit 10 Uhr morgens
- 1:08:43arbeiten und sich Mühe dabei geben
- 1:08:45wie man die Zusammenstellung
- 1:08:47der Gerichte der Menüfolge angeht
- 1:08:49wie man die
- 1:08:51angebotenen Weine, Gläser, Tische
- 1:08:53Tischdecken, Tischdekorationen
- 1:08:55und so weiter
- 1:08:57darauf eingeht wie man Interesse zeigt
- 1:08:59oder eben nicht
- 1:09:01da kann man schon zwischenmenschlich
- 1:09:03eine ganze Menge falsch machen
- 1:09:05dann kriegst du dasselbe Essen
- 1:09:07und trotzdem spuckt dir keiner in die Suppe
- 1:09:09zumindest bei uns nicht, weiß nicht wie es woanders ist
- 1:09:11aber es ist trotzdem so
- 1:09:13dass es schon am Ende des Abends
- 1:09:15Gäste gibt wo ich sage
- 1:09:17Ey mit denen hat es richtig Bock gemacht
- 1:09:19und das andere Gäste gibt wo ich mir denke
- 1:09:21ja hoffentlich kommen die jetzt erst mal so schnell
- 1:09:23nicht wieder und ich glaube das ist auch normal
- 1:09:25Ich meine aber wenn man die Grundnormen einhält
- 1:09:27also wenn ich mich menschlich jemandem gegenüber
- 1:09:29vernünftig mach man ja also
- 1:09:31glaube ich ja zumindest sollte man es überall machen
- 1:09:33mit einer Verkäuferin oder einem Busfahrer
- 1:09:35wo man einsteigt, dass man zumindest einen guten Tag sagt
- 1:09:37und auf Wiedersehen
- 1:09:39und Anstandsformen fliegt
- 1:09:41aber wenn ich das alles einhalte
- 1:09:43um auch diese Grundangst so ein bisschen zu nehmen
- 1:09:45dann bist du schon ganz ganz weit
- 1:09:47auf der Seite von wir mögen dich
- 1:09:49weil das ist halt leider
- 1:09:51es ist leider einfach nicht immer so
- 1:09:53und ich meine es gibt
- 1:09:55wenn ich an den Tisch gehe
- 1:09:57oder auch egal wer an den Tisch geht
- 1:09:59und wir präsentieren ein Gericht
- 1:10:01oder selbst nur es kommt
- 1:10:03die Azubine und bringt dir Besteck
- 1:10:05für den nächsten Gang
- 1:10:07dann ist es ein Unterschied
- 1:10:09ob du dem Menschen dabei in die Augen guckst
- 1:10:11ich bedankst und sagst oh ich freue mich auf den nächsten Gang
- 1:10:13oder ob du nebenbei an deinem Handy bist
- 1:10:15und bei Instagram grad durch deine Videos swipes
- 1:10:17und deine Partnerin neben dran sitzt
- 1:10:19an ihrem eigenen Handy
- 1:10:21und die ganze Ausstrahlung zeigt
- 1:10:23mir ist völlig egal was jetzt gleich von Gang kommt
- 1:10:25mir ist völlig egal was jetzt gleich
- 1:10:27was hier der Mitarbeiter am Tisch tut
- 1:10:29denn all diese Dinge
- 1:10:31und ich denke mir
- 1:10:33du kommst doch hierher weil du uns erleben möchtest
- 1:10:35weil du unser Essen erleben möchtest
- 1:10:37weil du dich da drauf freust
- 1:10:39und schon allein diese Kleinigkeit ist so was
- 1:10:41wo ich mir denke dann brauch ich mir doch jetzt keine Mühe geben
- 1:10:43dann ist doch egal
- 1:10:45wie wir jetzt unser Gericht anrichten
- 1:10:47weil du guckst es dir sowieso nicht richtig an
- 1:10:49weil du hast ja die eine Hand am Handy
- 1:10:51und mit der anderen Hand löffelst da halt irgendwas
- 1:10:53was grade kommt
- 1:10:55beim Weinservice selber was würdest du total gerne machen
- 1:10:57also beim händischen bei gar nicht so dieses
- 1:10:59kommunikative
- 1:11:01sondern wie soll denn Wein
- 1:11:03absolut perfekt gehändelt werden
- 1:11:05was würdest du gerne machen und was machst du davon
- 1:11:07was ist dir wichtig
- 1:11:09mir ist sowohl als Gast als auch aus Someli
- 1:11:11extrem wichtig die Frage
- 1:11:13nach dem Probierschluck
- 1:11:15wie der Wein temperiert werden darf
- 1:11:17das ist was was wir
- 1:11:19all unseren Mitarbeitern
- 1:11:21oder ich all unseren Mitarbeitern
- 1:11:23die Weinservice machen einträchter
- 1:11:25Weine serviert
- 1:11:27eine Flasche serviert
- 1:11:29fragt bitte die Leute wie sie das trinken möchten
- 1:11:31und fragt bitte die Menschen ob sie den Weiswein pauschal
- 1:11:33immer ins Eis gestellt haben möchten
- 1:11:35oder ob sie ihn vielleicht lieber nur Kühlschrank
- 1:11:37halt trinken möchten oder womöglich
- 1:11:39sogar ganz verwegende ihn ein bisschen wärmer bevorzugen
- 1:11:41fragt die Gäste
- 1:11:43ob sie mit den Gläsern einverstanden sind
- 1:11:45fragt die Gäste
- 1:11:47wie sie den Wein im Verlauf
- 1:11:49des Abends zelebriert haben möchten
- 1:11:51und das finde ich wichtig
- 1:11:53im Bezug auf Flaschenweinservice
- 1:11:55ich finde es
- 1:11:57hat sich sehr gut etabliert
- 1:11:59aber vielleicht ist das auch wieder Berlin
- 1:12:01und die Offenheit aber
- 1:12:03wenn ein Zweiertisch von einem
- 1:12:05ganz offensichtlich
- 1:12:07einem Pärchen
- 1:12:09oder wie auch immer
- 1:12:11gemeinsam sich für ein Wein entscheidet
- 1:12:13lasst doch beide Menschen den Wein probieren
- 1:12:15warum soll denn jetzt einer von beiden
- 1:12:17klassischerweise immer der Herr den Wein probieren
- 1:12:19vielleicht hat er gar keine Ahnung und trinkt nur Bier
- 1:12:21oder in den meisten Fällen
- 1:12:23wenn ich zwei probier schlucke einschenke
- 1:12:25merke ich, dass sich die zweite Person
- 1:12:27dann konservativerweise
- 1:12:29leider immer die Frau extrem darüber freut
- 1:12:31dass sie sozusagen Anteil haben darf
- 1:12:33und wenn das dann kommentiert wird
- 1:12:35sage ich immer naja aber ihr trinkt ja die Flasche
- 1:12:37auch zusammen und was bringt es denn wenn er die Flasche jetzt mag
- 1:12:39und dir schmeckt sie gar nicht
- 1:12:41und das sind so Dinge die ich finde
- 1:12:43die einen aufmerksamen
- 1:12:45Wein-Service am Tisch ganz ganz wichtig machen
- 1:12:47und die einen aufmerksamen Wein-Service am Tisch
- 1:12:49auch irgendwie dann menschlich
- 1:12:51und sympathisch machen
- 1:12:53was das Rest angeht
- 1:12:55ist mir einfach wichtig dass ich das Gefühl hab
- 1:12:57der Mensch der den Wein präsentiert
- 1:12:59hat grundsätzlich irgendwie eine Ahnung davon
- 1:13:01und findest du vom Händling selber
- 1:13:03dass irgendwas unter dem Tisch gefallen ist
- 1:13:05was du vermisst und was du
- 1:13:07im klassischen ganz gerne sehen würdest
- 1:13:09eigentlich nicht
- 1:13:11weil das was da in dem Fall
- 1:13:13ja irgendwie das Wichtige ist
- 1:13:15ist dass der
- 1:13:17Genuss des Gastes von der Flasche
- 1:13:19die er bestellt hat
- 1:13:21zu 100 Prozent
- 1:13:23funktioniert und das funktioniert
- 1:13:25das dafür brauche ich kein
- 1:13:27kein Theaterstück das finde ich
- 1:13:29beim Wein-Service also sowas wie
- 1:13:31du spielst jetzt wahrscheinlich auf so ein
- 1:13:33Karafieren über einer Kerze an
- 1:13:35oder auf den Korken
- 1:13:37zweimal mit einer Papierserviette abwischen
- 1:13:39oder den Korken
- 1:13:41zu präsentieren oder so
- 1:13:43das tue ich nicht
- 1:13:45finde ich auch als Gast irgendwie
- 1:13:47nicht notwendig
- 1:13:49ich finde aber die Art und Weise wie der
- 1:13:51Wein dann präsentiert wird
- 1:13:53also wie er dann sehr weird wird im Verlauf
- 1:13:55die ist mir viel wichtiger weil den viel größeren
- 1:13:57auch einen Fluss auf mein Genuss empfinden hat
- 1:13:59wie sieht's da mit der Kommunikation aus
- 1:14:01also wir haben eine Flasche Wein
- 1:14:03suchst du die Kommunikation
- 1:14:05im Nachgang auch noch zu dem Gast
- 1:14:07dass du
- 1:14:09versuchst wie er sich entwickelt hat
- 1:14:11noch Informationen dann dazu zu dem Wein
- 1:14:13mit auf dem Weg gibst
- 1:14:15Alternativempfehlung
- 1:14:17für spätere Leben mit
- 1:14:19vermittelt oder
- 1:14:21sobald die Flasche verkauf geöffnet
- 1:14:23eingeschenkt ist und alle glücklich sind
- 1:14:25dann nur noch diese reine
- 1:14:27Einschenk-Situation
- 1:14:29das ist grundsätzlich sehr unterschiedlich
- 1:14:31das kommt immer so ein bisschen drauf an
- 1:14:33wie ich das Gefühl hatte
- 1:14:35beim Beratungs-Entscheidungs-Vorgang
- 1:14:37eingebunden worden zu sein
- 1:14:39und
- 1:14:41dass wenn ich da eingebunden war
- 1:14:43oder der Gast womöglich sagt
- 1:14:45naja so, wir trinken gern das und das
- 1:14:47mach uns mal was ähnliches auf
- 1:14:49was wir nicht kennen bis Summe X
- 1:14:51und ich mach was auf und Schenks ein
- 1:14:53dann gehe ich schon im Verlauf des Abends
- 1:14:55immer wieder darauf ein und frag und wie entwickelt er sich
- 1:14:57wie kommen sie damit klar
- 1:14:59wie hat ihnen die Verbindung gerade jetzt mit dem letzten Gang gefallen
- 1:15:01da könnte ich mir vorstellen das war besonders gut
- 1:15:03dann schon
- 1:15:05wenn ich aber an den Tisch komme und ein Gast sagt
- 1:15:07ich hätte gern den Wein aus dem Jahrgang so und so
- 1:15:09wenn ich das Gefühl hab der weiß genau was er tut
- 1:15:11und was er will
- 1:15:13dann halte ich mich da mit Belehrungen auch zurück
- 1:15:15oder mit Gesprächen
- 1:15:17außer ich hab das Gefühl der Gast möchte
- 1:15:19gerne darüber reden
- 1:15:21und dann kommt man manchmal in ganz tolle Gespräche
- 1:15:23und dann kommt man manchmal zu
- 1:15:25ganz faszinierenden Menschen die dann irgendwie erzählen
- 1:15:27dass sie diesen Wein seit
- 1:15:2930 Jahren sammeln und genau den Jahrgang
- 1:15:31irgendwie noch nicht getrunken haben oder so
- 1:15:33das ist teilweise cool
- 1:15:35aber da gibt es keine pauschale Antwort
- 1:15:37das entscheide ich immer von
- 1:15:39von Tisch zu Tisch von Gast zu Gast
- 1:15:41aber wir haben mit 50 Gästen
- 1:15:43und dann halt irgendwie 20
- 1:15:45plus minus Tischen
- 1:15:47gibt es ja auch relativ wenig Möglichkeit
- 1:15:49dem einen Tisch der jetzt ganz gut bestellt hat
- 1:15:51zu entfliehen weil das Restaurant
- 1:15:53relativ klein ist das heißt ich laufe dem Gast
- 1:15:55ja sozusagen jede Minute
- 1:15:57immer wieder am Tisch vorbei
- 1:15:59das heißt wenn es Interesse geben würde
- 1:16:01miteinander zu kommunizieren
- 1:16:03dann besteht jederzeit die Möglichkeit
- 1:16:05dass ich jederzeit ansprechbar bin
- 1:16:07und ich nicht in einem riesigen Tagungssaal
- 1:16:09dann am anderen Ende des Saals
- 1:16:11bin und nie wieder in die Nähe des Tisches komme
- 1:16:13also von daher das wenn gewünscht
- 1:16:15geht das immer gerne
- 1:16:17wenn nicht gewünscht dann nicht
- 1:16:19aber es gibt häufig gestern sagen
- 1:16:21wir sind zufrieden mit unserer Flasche
- 1:16:23und dann eine Stunde später
- 1:16:25kommen die Kollegen zu mir und sagen
- 1:16:27du Raphael Tisch 7 die würden dich gerne nochmal sprechen
- 1:16:29die fanden die erste Flasche toll
- 1:16:31sie wollen mit dir über die zweite reden
- 1:16:33wie die Reise weitergehen darf ist immer cool
- 1:16:35Du hast gerade so mit X erwähnt
- 1:16:37gibt es für dich Grenzen
- 1:16:39wo du sagst für meine Restaurantkarte
- 1:16:41sollte in Wein
- 1:16:43diese Mindestqualität haben
- 1:16:45und ich würde nicht unter dem Preis
- 1:16:47einkaufen
- 1:16:49aus verschiedenen Gründen zum einen in die Richtung
- 1:16:51aber eben noch nach oben
- 1:16:53wenn ich es finde interessant
- 1:16:55also zum einen find ich es großartiges eurer Karte online ist
- 1:16:57und finde es aber auf eurer Karte
- 1:16:59auch total spannend
- 1:17:01dass es sehr preisbewusste Weine
- 1:17:03auf der einen Seite gibt
- 1:17:05aber eben auch preisbewusste auf der anderen Seite
- 1:17:07also dass ihr jegliche Richtung spielt
- 1:17:09und es gibt großartige Weine
- 1:17:11keine Ahnung aus einem Älterst
- 1:17:13die du super
- 1:17:15super
- 1:17:17wie sagt man das, hilf mir bitte
- 1:17:19wenn ich jetzt sage fair kalkuliert
- 1:17:21klingt es immer so deplatziert
- 1:17:23jemand gegenüber und wem gegenüber ist es fair
- 1:17:25wenn der Wein günstig oder nicht günstig ist
- 1:17:27wenn ich sage günstig kalkuliert
- 1:17:29stimmt es auch nicht
- 1:17:31sondern irgendwie angemessen
- 1:17:33wo ich sage für ein Kleintaler gibt es was zu trinken
- 1:17:35klingt das billig
- 1:17:37wenn ich sage ich weiß nicht wie ich das wertschätzend
- 1:17:39erwähnen kann
- 1:17:41dass ich mich gefreut habe
- 1:17:43dass es großartige Weine zum Beispiel
- 1:17:45es war mein erster Blick aus dem Älters
- 1:17:47finde
- 1:17:49wo ich finde dass man großartigen Wein
- 1:17:51für ein Kleintaler bekommt
- 1:17:53witzig dass du das fragst
- 1:17:55und in deiner Ausgangsfrage grade eben gesagt hast
- 1:17:57gibt es
- 1:17:59wenn wir darüber sprechen
- 1:18:01Weine die Summe X
- 1:18:03und Qualität nicht unterstreiten dürfen
- 1:18:05und du
- 1:18:07Preis und Qualität auf eine Stufe gestellt hast
- 1:18:09und sozusagen als
- 1:18:11gleichwertig verwendet hast
- 1:18:13und da muss ich natürlich vehement einschreiten
- 1:18:15und muss sagen es gibt viele Weine die wir kaufen
- 1:18:17für
- 1:18:19kleines Geld, faires Geld
- 1:18:21ich finde übrigens fair kalkuliert
- 1:18:23es ist für alle Seiten ein guter Ausdruck
- 1:18:25wir wissen alle
- 1:18:27dass das was wir als Gastronom machen
- 1:18:29dass wir das nicht
- 1:18:31ausschließlich als Hobby machen
- 1:18:33sondern dass wir alle
- 1:18:35auch wirtschaftliche Unternehmen sind
- 1:18:37und Geld verdienen wollen und müssen
- 1:18:39und das ist dem Gast natürlich auch klar
- 1:18:41trotzdem gibt es eine Art und Weise wie man
- 1:18:43finde ich seine Sachen kalkuliert
- 1:18:45und ich finde da
- 1:18:47muss es einen Mittelweg geben
- 1:18:49zwischen natürlich will ich Geld verdienen
- 1:18:51aber natürlich will ich auch dass der Gast
- 1:18:53sagt naja gut eine Flasche können wir
- 1:18:55aber wenn die leer ist bleiben wir bei Leitungswasser
- 1:18:57weil eine zweite können wir uns nicht leisten
- 1:18:59das ist kacke
- 1:19:01insofern versuche ich natürlich Sachen anzubieten
- 1:19:03die so kalkuliert sind
- 1:19:05dass auch der Gast daran Freude hat
- 1:19:07und der Gast sich animiert fühlt
- 1:19:09eine zweite Flasche zu bestellen
- 1:19:11oder wenn gerade wenn wir vom unteren
- 1:19:13Preissegment sprechen
- 1:19:15also meine günstigste Halbflasche kostet 24 Euro
- 1:19:17und ich finde das einfach wichtig
- 1:19:19dass jemand der noch nie so essen war
- 1:19:21und überhaupt
- 1:19:23vielleicht nicht so viel Geld für Wein
- 1:19:25normalerweise ausgeben kann oder will
- 1:19:27bei uns das Gefühl hat ich kann trotzdem
- 1:19:29eine Flasche Wein bestellen
- 1:19:31die geschlossen an den Tisch kommt
- 1:19:33vom sommelier präsentiert und geöffnet wird
- 1:19:35ich habe einen vollwertigen Wein Service
- 1:19:37mit meiner ganz eigenen Flasche
- 1:19:39und das kostet mich nicht
- 1:19:41erwartungsgemäß 400 Euro
- 1:19:43sondern für 20 Euro kriege ich den ganzen
- 1:19:45Tanz und Service
- 1:19:47wenn ich das möchte an mein Tisch
- 1:19:49eine Flasche für 24 Euro auf der Karte
- 1:19:51wie krass ist das denn
- 1:19:53aber eine halbe, 0,37
- 1:19:55man hat andere Erwartungen
- 1:19:57man hat letztlich, also es ist da
- 1:19:59wow, cool
- 1:20:01genau und ich möchte auch das nicht
- 1:20:03wenn der sommelier mit Krawatta an den Tisch kommt
- 1:20:05dann wird es automatisch vierstellig
- 1:20:07das ist leider
- 1:20:09leider selten der Fall
- 1:20:11und das muss auch nicht so sein
- 1:20:13ich finde
- 1:20:15meine Empfehlung ist den richtigen Wein
- 1:20:17um Menschen in der Situation zu finden
- 1:20:19und der ist nicht bei allen immer
- 1:20:21mit einem vierstelligen Preisschild ausgezeichnet
- 1:20:23und deswegen
- 1:20:25und die Weinkarte besteht ja auch nicht nur
- 1:20:27aus Sachen die ich persönlich privat gerne trinke
- 1:20:29oder die der Chef oder die Chefin gerne mögen
- 1:20:31weil sonst würden wir sehr viel weniger Wein
- 1:20:33verkaufen
- 1:20:35sondern die Weinkarte soll ja ein Überblick
- 1:20:37über die Regionen und Stile sein
- 1:20:39die ich für relevant
- 1:20:41bei uns im Restaurant empfinde
- 1:20:43und da ist es auch nur richtig
- 1:20:45verschiedene Preisstufen anzubieten
- 1:20:47und wenn ich ein Weingut habe
- 1:20:49wo ich finde
- 1:20:51die großen Gewächse sind grandios
- 1:20:53gibt es für mich keinen Grund zu sagen
- 1:20:55ich nehme nicht den Gutsrißling
- 1:20:57auch auf die Karte
- 1:20:59dann kann doch der Gast
- 1:21:01der das Weingut kennenlernen möchte
- 1:21:03und vielleicht nicht bereit ist
- 1:21:05dreistellig für einen Riesling auszugeben
- 1:21:07auch für 50 Euro oder so ein Ortswein trinken
- 1:21:09und hat trotzdem
- 1:21:11ein super Wein von einem Winzer
- 1:21:13oder ein Weingut
- 1:21:15was ich mag von der Stilistik
- 1:21:17die ich fürs Restaurant als passend empfinde
- 1:21:19und er hat trotzdem einen guten Wein im Glas
- 1:21:21und nicht nur zu sagen
- 1:21:23wir sind ein Sternerestaurant
- 1:21:25bei uns geht es nur mit großes Gewächs aufwärts los
- 1:21:27und jede Flasche muss so und so
- 1:21:29mehr XY kosten
- 1:21:31nach oben hin gibt es natürlich
- 1:21:33wie in vielen
- 1:21:35Bereichen des Lebens kein Limit
- 1:21:37aber das sind dann eher
- 1:21:39repräsentative Sachen
- 1:21:41die ausgesprochen selten bestellt werden
- 1:21:43und die dann auch von Menschen bestellt werden
- 1:21:45für die der Impact
- 1:21:47dieser einen Flasche auf die Monatsabrechnung
- 1:21:49deutlich weniger geringer ist
- 1:21:51als der der für 24 Euro
- 1:21:53eine kleine Flasche bestellt
- 1:21:55ist das für dich dann jedes Mal ein Fest
- 1:21:57wenn eine Flasche im 5-stelligen Bereich bestellt wird
- 1:21:59macht das was mit dir oder
- 1:22:01ist es einfach was hättet eines Berufes
- 1:22:03und du nimmst es dann schon mit
- 1:22:05also 5-stellige Flaschen um ganz ehrlich zu sein
- 1:22:07das ist, weiß ich nicht wann das letzte mal passiert
- 1:22:09das ist tatsächlich was besonderes
- 1:22:11aber 4-stellige Flaschen
- 1:22:13schon und da ist es
- 1:22:15sehr sehr unterschiedlich
- 1:22:17weil es gibt einmal den Menschen der bestellt die 4-stellige Flasche
- 1:22:19weil er
- 1:22:21exakt diesen Wein jetzt trinken möchte
- 1:22:23und sagt komm heute ist der Tag der Tage
- 1:22:25und ich setz mich damit auseinander
- 1:22:27und ich möchte genau diesen
- 1:22:29einen Tropfen jetzt genießen
- 1:22:31das sind Menschen die sozusagen
- 1:22:33von ihrer Herangehensweise an das Getränk
- 1:22:35Wein mir ähnlich sind
- 1:22:37deswegen viel Freude machen
- 1:22:39es gibt aber auch die Leute die die Weinkarte aufmachen
- 1:22:41nicht richtig gucken und sagen
- 1:22:43oh hier gibt es einen Mouton
- 1:22:45ich nehme den Mouton was kostet Mouton
- 1:22:471500 okay ich nehme Mouton
- 1:22:49und den ist es völlig egal
- 1:22:51die setzen sich nicht mit dem Wein auseinander
- 1:22:53die trinken 3/4 der Flasche
- 1:22:55und gehen dann wieder und es ist einfach so
- 1:22:57eine weitere von denen
- 1:22:59und dann denke ich mir in den Momenten immer
- 1:23:01das ist so unfassbar schade
- 1:23:03dass die Flasche jetzt offen und verkauft ist
- 1:23:05für 5000 verkauft
- 1:23:07weil dem Menschen wäre es auch egal gewesen
- 1:23:09und dann hätte wenigstens noch so einen Aufschlag genommen
- 1:23:11der dann weil es so schade ist
- 1:23:13dass diese eine Flasche die es jetzt nicht mehr gibt
- 1:23:15weg ist. Kann man Wein idealisieren
- 1:23:17also insofern beim probieren
- 1:23:19oder optimieren
- 1:23:21also sind da bestimmte Gegebenheiten
- 1:23:23ganz ganz wichtig
- 1:23:25vorhin hatten wir das Parfait schon mal angesprochen
- 1:23:27aber allgemein es ist Lichter wichtig
- 1:23:29ist die Raumfarbetemperatur
- 1:23:31und grundsätzlich ist die
- 1:23:33in einem Restaurant ja schon ganz ganz gut
- 1:23:35wenn man genießen möchte
- 1:23:37sich auf die Sache einlassen möchte
- 1:23:39als wenn man zu Hause beim Kochen nebenher trinkt
- 1:23:41also Punkt 1
- 1:23:43es gibt nichts schöneres als am freien Tag
- 1:23:45zu Hause zu kochen und nebenbei schon mal
- 1:23:47ein Glas guten Wein zu trinken
- 1:23:49das würde ich als absolutes
- 1:23:51pro Argument für
- 1:23:53Weingenuss sehen
- 1:23:55aber ich glaube um deine Eingangsfrage
- 1:23:57einzugehen jeder der schon mal
- 1:23:59irgendwie mit einem Blick aufs Meer
- 1:24:01einen mäßigen bis
- 1:24:03mittelprächtigen Rosewein
- 1:24:05getrunken hat
- 1:24:07aus mäßigen bis schlechten Weinglesern
- 1:24:09aber dabei ein Sonnenuntergang sieht
- 1:24:11und sieht wie die Abendsonne
- 1:24:13im Rosewein glitzert und sich denkt
- 1:24:15das ist wirklich gerade der beste Wein
- 1:24:17des Lebens und sich dann
- 1:24:19im angetrunkenen Zustand
- 1:24:21davon 12 Flaschen nach Hause bestellt
- 1:24:23und an einem grauen Novembertag glaubt
- 1:24:25bei einem Teller schlecht gekochter Nudeln
- 1:24:27dieses Sehnsuchtsgefühl wieder
- 1:24:29hervorzuholen und dann merkt der Rose
- 1:24:31ist saumies ich glaube jeder
- 1:24:33der wird betonen oder wird bestätigen
- 1:24:35dass damit auch viel die Situation
- 1:24:37natürlich den Wein macht
- 1:24:39und die Situation davor
- 1:24:41sind auch glaube ich
- 1:24:43Menschen die sich damit professioneller auseinandersetzen
- 1:24:45wie wir nicht gefeit und mir geht das teilweise auch so
- 1:24:47dass ich im Urlaub Sachen trinke
- 1:24:49und dann nach Deutschland mir bestelle
- 1:24:51und denke das wird der neue Superstar
- 1:24:53in der Weinbegleitung und ich probiere den
- 1:24:55aus einem guten Glas
- 1:24:57mit neutralem Licht
- 1:24:59und sozusagen im neutralen Gaumen merke
- 1:25:01was hast denn dir da im Urlaub
- 1:25:03was hat dich da geritten das so gut zu finden
- 1:25:05aber das ist ja irgendwie auch schön
- 1:25:07dass es die Weine so kaschiert
- 1:25:09oder dass es die Weine dann auch so zauberhaft
- 1:25:11macht in den einzelnen Situationen
- 1:25:13aber um einfach sozusagen
- 1:25:15zu verkosten ob ein Wein in Frage kommt
- 1:25:17wie die Qualität ist oder irgendwas
- 1:25:19setze ich mich
- 1:25:21ehrlich gesagt einfach bei mir ins Restaurant
- 1:25:23an einem Tisch mit einer weißen Decke
- 1:25:25und probiere den Wein aus 4-5 verschiedenen
- 1:25:27Gläsern und
- 1:25:29schau was der Wein tut
- 1:25:31und meistens dann lasse ich die Flasche
- 1:25:33nur mit dem Korken drin über Nacht stehen
- 1:25:35und probiere es am nächsten Tag nochmal nach
- 1:25:37und die guten Weine
- 1:25:39die relevanten Weine werden am Tag später
- 1:25:41bestenfalls besser
- 1:25:43oder anders geworden sein und dann
- 1:25:45dann habe ich da eine Entscheidung
- 1:25:47wie wichtig ist das Glas für dich dabei
- 1:25:49extrem wichtig
- 1:25:51extrem wichtig
- 1:25:53ich bin glaube ich absoluter
- 1:25:55Glasfetischist
- 1:25:57und liebe es
- 1:25:59für jede einzelne
- 1:26:01Occasion, für jeden Wein
- 1:26:03für jeden Stil
- 1:26:05ein eigenes ein anderes Glas zu haben
- 1:26:07und wir haben bei uns
- 1:26:09wenn ich
- 1:26:11Weine für die Begleitung gefunden habe
- 1:26:13die in Frage kommt probieren wir die Weine
- 1:26:15aus verschiedenen Gläsern um zu entscheiden
- 1:26:17der Wein ist es schon mal aber
- 1:26:19welches Glas präsentiert diese
- 1:26:21oder jene
- 1:26:23Facette des Weins am besten
- 1:26:25um diesen oder jenen
- 1:26:27Aspekt des Gangs am besten zu begleiten
- 1:26:29und es gibt
- 1:26:31es ist schon so, dass ich in Restaurants
- 1:26:33mit guten Weinkarten gucke ob es vernünftige Gläser gibt
- 1:26:35sonst im Zweifelsfall davon
- 1:26:37Abstand nehme, bestimmte Weine zu bestellen
- 1:26:39wenn ich mir denke ich kriege nicht das Glas
- 1:26:41aus dem ich das gerne trinken würde da
- 1:26:43muss ich gestehen wenn ich leider
- 1:26:45sehr sehr snobby was das Thema angeht
- 1:26:47wir haben seit vielen vielen Jahren
- 1:26:49im Restaurant
- 1:26:51Ich mag
- 1:26:53natürlich ist Haptik ganz wichtig
- 1:26:55ich mag das nicht wenn sich so ein Glas
- 1:26:57anfühlt als hätte so wie so ein Ikea
- 1:26:59Glas mit so einem dicken Stil
- 1:27:01aber ich finde auch dass der
- 1:27:03Kälch funktionieren muss und es gibt
- 1:27:05einfach so ich finde es gibt super
- 1:27:07Allround Gläser die funktionieren die auch
- 1:27:09für Gastronomien dies jetzt nicht wie wir
- 1:27:11sich ermöglichen können
- 1:27:13sich verschiedene Glasstile zu haben
- 1:27:15aber ich glaube
- 1:27:17dass da auch gerade einfachere Gastronomien
- 1:27:19dass da zu wenig
- 1:27:21Wert drauf gelegt wird zu wenig geschult wird
- 1:27:23und dass man da das Weinglas
- 1:27:25einfach achja scheiße wir brauchen
- 1:27:27Besteck und Teller und was brauchen wir noch
- 1:27:29achja wir müssen ja auch noch Weingläser kaufen
- 1:27:31da bringst du dann aus der Metro nochmal
- 1:27:3360 Weingläser mit und dann gibt es halt 30
- 1:27:35Weiß und 30 Rotweingläser
- 1:27:37und man hat aber einen guten Weinhändler
- 1:27:39der einem vielleicht coole Sachen verkauft hat
- 1:27:41aber auf das Thema Weinglas achtet
- 1:27:43dann im Zweifelsfall keine und das ist teilweise
- 1:27:45nicht wir sind da in der glücklichen
- 1:27:47Situation dass wir seit vielen vielen
- 1:27:49Jahren Partner mit Schott und Zwiesel sind
- 1:27:51Bist du der Brand Jünger also gibt es
- 1:27:53gewisse privat nein beruflich ja
- 1:27:55wir sind Partner von Schott und
- 1:27:57Zwiesel und wir hatten letztes Jahr
- 1:27:59mit einem Chef eine eigene
- 1:28:01Glas Serie gemacht
- 1:28:03wo wir Stile definiert haben
- 1:28:05die sozusagen
- 1:28:07im normalen Portfolio nicht so richtig
- 1:28:09vorhanden waren und Stile die uns irgendwie
- 1:28:11fehlen und das natürlich cool wenn du
- 1:28:13da jemand hast wo du so freispielen
- 1:28:15kannst aber privat
- 1:28:17benutze ich verschiedenste Gläser die mir
- 1:28:19Spaß machen und da bin ich
- 1:28:21da bin ich entspannt dass es mir eigentlich
- 1:28:23auch wurscht Hauptsache es erfüllt
- 1:28:25gewisse Basisanforderungen
- 1:28:27an Weingenos
- 1:28:29da bestimmte Marken
- 1:28:31oder hast du da möglichst viele verschiedene
- 1:28:33zuhause und
- 1:28:35genießt es immer wieder ein anderes Glas zu nehmen
- 1:28:37ich habe da verhältnismäßig viele
- 1:28:39zuhause und ich versuche immer wieder
- 1:28:41gerne neue probieren immer wieder gerne
- 1:28:43neue aus und ich bin da
- 1:28:45bin da relativ offen und ich würde auch
- 1:28:47vielen Gläsern vor
- 1:28:49oder Nachteile zuschreiben
- 1:28:51und
- 1:28:53jetzt nicht sagen bei einem das ist
- 1:28:55das Glas was für alle perfekt ist
- 1:28:57versuchst du mit dem Glas den Weinen
- 1:28:59eine möglichst
- 1:29:01von dir gern gesehene
- 1:29:03Situation zu
- 1:29:05drängend zwängen ihn zu formen
- 1:29:07oder versuchst du ihn frei zu spielen
- 1:29:11kommt drauf an
- 1:29:13wenn es um den
- 1:29:15Bereich Wein Begleitung geht
- 1:29:17dann versuche ich mit dem Glas den Wein
- 1:29:19die Facette zu entlocken die ich
- 1:29:21für den Gang gerade brauche
- 1:29:23um den einzelnen Charakter so optimal
- 1:29:25wie möglich dann auch auf den Gang eingehen
- 1:29:27zu lassen und wenn ich irgendwas habe
- 1:29:29mit einer sehr
- 1:29:31intensiven Säure
- 1:29:33und der Gang würde aber den Wein
- 1:29:35mark die Exotik den Körper den Schmelz
- 1:29:37des Weins aber die Säure ist ein bisschen zu krass
- 1:29:39würde ich versuchen mit dem Glas die Säure
- 1:29:41so ein bisschen raus zu
- 1:29:43dämpfen und würden Glas wählen
- 1:29:45was so ein bisschen mehr die Cremigkeit des Weins
- 1:29:47bevor hervorhebt
- 1:29:49und damit
- 1:29:51dann praktisch besser auf den Gang eingeht
- 1:29:53möchte ich aber einfach nur
- 1:29:55also es gibt häufig die Situation
- 1:29:57dass wir Weine haben die in der Begleitung
- 1:29:59in einem Glas sind wenn der Gast das aber
- 1:30:01als Flasche über den Arm trinkt
- 1:30:03würde ich ein anderes Glas wählen
- 1:30:05ist hier so eine gewisse Art formen
- 1:30:07das möchte ich dir nicht in den Mund legen
- 1:30:09sondern möchte ich selber formulieren
- 1:30:11so eine Art von Deformation für den Wein
- 1:30:13dass man ihn
- 1:30:15versucht dann ja irgendwo
- 1:30:17in der bestimmten Art
- 1:30:19zu zeigen ist das nur
- 1:30:21das Glas was du dafür nutzt
- 1:30:23oder sind es auch andere Sachen wie
- 1:30:25Oxidation Situation Temperaturen etc
- 1:30:27also dass du ein Weißwein bei
- 1:30:3119 Grad servierst
- 1:30:33übertrieben formuliert um
- 1:30:35auf jeden Fall
- 1:30:37das ist tatsächlich was mit dem ich
- 1:30:39gerade in der Begleitung sehr viel arbeite
- 1:30:41dass ich Weißweine
- 1:30:43bewusst wärmer serviere
- 1:30:45das ist zum Beispiel auch einer der
- 1:30:47Punkte der
- 1:30:49unerfahreneren Weintrinkern
- 1:30:51oder
- 1:30:53sehr klar definierten
- 1:30:55immer so Weintrinkern mit klar definierten
- 1:30:57Präferenzen sehr schwer fällt
- 1:30:59Weine zu trinken
- 1:31:01die tendenziell
- 1:31:03die Weißweine und in der Wahrnehmung
- 1:31:05des Gastes für kalt zu trinkende
- 1:31:07Weißweine sind
- 1:31:09die wärmer zu servieren
- 1:31:11also ich temperiere die häufig bei mir
- 1:31:13im Rotweinschambräer so auf 16 Grad
- 1:31:15weil ich einfach finde
- 1:31:17wenn der Wein zu kalt ist
- 1:31:19und du hast ein warmes Gericht dazu
- 1:31:21dass das Mundgefühl häufig sehr unharmonisch ist
- 1:31:23und wenn wir Gerichte servieren
- 1:31:25mit warmen Börblons zum Beispiel
- 1:31:27und dazu ein weinservierenden Weißwein
- 1:31:29der vom Eis kommt
- 1:31:31und fast das Gefühl hat
- 1:31:33die cremige fettige Börblon
- 1:31:35gerinnt fast bei dem kalten Wein
- 1:31:37und da ist der Wein
- 1:31:39je wärmer er wird
- 1:31:41desto näher ist er von der Temperatur
- 1:31:43und dann auch Textur am Gericht
- 1:31:45und desto harmonischer
- 1:31:47und runter wird am Ende des Tages auch das Mundgefühl
- 1:31:49und das macht
- 1:31:51das ist das was mir dann auch am meisten Spaß macht
- 1:31:53das erfordert aber teilweise
- 1:31:55eine gewisse Moderation am Gast
- 1:31:57aber der offene und interessierte Gast
- 1:31:59der hat da richtig Freude dran
- 1:32:01der eher
- 1:32:03konservativere Gast hat da teilweise
- 1:32:05seine Schwierigkeiten mit
- 1:32:07die Welt verändert sich
- 1:32:25um mit ihr die Rituale des Genießens
- 1:32:29ja früher war der Wein
- 1:32:31beinahe unangefochten an der Spitze jeder Tafel
- 1:32:33bei nicht wenigen aus verschiedenen Gründen
- 1:32:35wächst heute die Sehnsucht nach Alternativen
- 1:32:37die nicht weniger Anspruch, Tiefe
- 1:32:39und einfach Geschmacksfreude besitzen
- 1:32:41und es hat sich einiges getan
- 1:32:43alkoholfrei bedeutet längst nicht mehr
- 1:32:45Verzicht
- 1:32:47sondern die Möglichkeit Momente zu teilen
- 1:32:49ohne Grenzen zu setzen
- 1:32:51ja und in diesen neuen eigentlich Kapitel der Trinkkultur
- 1:32:53tritt Alpel
- 1:32:55und dort explizit der Golden Times auf dem Plan
- 1:32:57er ist kein Ersatz, er ist kein Emitag
- 1:32:59er ist eine eigene Stimme geboren
- 1:33:01aus den Höhen Südtirols
- 1:33:03und das besondere dabei
- 1:33:05finde ich, dass dieses Getränk
- 1:33:07sich nicht aufdrängt
- 1:33:09es begleitet
- 1:33:11es tritt nicht in Konkurrenz mit dem Wein
- 1:33:13es versucht keine Alternative zu sein
- 1:33:15sondern es ist eine ganz neue Spur
- 1:33:17eine neue Geschmacksdefinition
- 1:33:19wer Alpel Golden Times im Glas schenkt
- 1:33:21schenkt keinen Ersatz
- 1:33:23sondern eine andere Form
- 1:33:25von Gegenwart ein
- 1:33:27und genau darin liegt sein Wert
- 1:33:29es ist ein Getränk, das unsere Zeit versteht
- 1:33:31die in vielen Bereichen des alkoholfreien
- 1:33:33doch so fragier ist, so suchend
- 1:33:35und doch so voller Möglichkeiten
- 1:33:37ok, was ist Alpel
- 1:33:39ich denke man muss die Dolomiten gesehen haben
- 1:33:41um Alpel zu verstehen
- 1:33:43die Apfelgärten Südtirols
- 1:33:45sind nicht bloß Obstbau
- 1:33:47sie sind ein kulturelles Fundament
- 1:33:49Generationen von Bauernfamilien
- 1:33:51haben diese Terrassen geformt, gepflegt
- 1:33:53und die Zukunft getragen
- 1:33:55heute sind es über 6000 Obstbauernfamilien
- 1:33:57aus Südtirol und im Trentino
- 1:33:59die gemeinsam Alpetragen
- 1:34:01und diesem Projekt eine Kraftverlein
- 1:34:03die weit über eine Marke hinausgeht
- 1:34:05aus dieser kollektiven Arbeit
- 1:34:07heraus entstand
- 1:34:09VOG Products
- 1:34:11eine Kooperative, die die Frucht
- 1:34:13der Region bündelt, veredelt
- 1:34:15und im Produkten von der internationalen
- 1:34:17Rang verwandelt
- 1:34:19find your Golden Times laut das Motto
- 1:34:21klingt wie ein Marketing Ansatz
- 1:34:23aber ist eine
- 1:34:25eigentlich Darstellung, die die Frucht
- 1:34:27selbst zur Hauptdarstellerin macht
- 1:34:29also Golden Times ist nicht aus einem
- 1:34:31Trend geboren, sondern aus der Überzeugung
- 1:34:33dass auch alcoholfreier Genuss
- 1:34:35eine Würde haben muss
- 1:34:37in der Gastronomie, wo jedes Detail zielt
- 1:34:39wäre ein halber Schritt nichts wert
- 1:34:41und so wird der Apfel zur Essenz
- 1:34:43fermentiert, klar präzise
- 1:34:45mit einer Perlage
- 1:34:47die er an Bergluft erinnert als an Limonade
- 1:34:49also
- 1:34:51Golden Times Alkoholfrei
- 1:34:53ist offiziell ein alkoholfreies
- 1:34:55schäumendes Getränk auf Apfelbasis
- 1:34:57mit 0,0 Volumenprozent
- 1:34:59und damit unterscheidet er sich
- 1:35:01fundamental von den endalkolysierten
- 1:35:03Weinen, er ist kein Versuch etwas
- 1:35:05wegzunehmen, sondern der Entschluss
- 1:35:07etwas Neues entstehen zu lassen
- 1:35:09die Basis, Hanferlisen, Äpfel aus
- 1:35:11Südtiro und dem Trentino, gesammelt
- 1:35:13von eben diesen über 6000 Familien
- 1:35:15die ihre Ernte
- 1:35:17in diese kollektive Vision
- 1:35:19einbringen. Das Verfahren
- 1:35:21einfach und radikal zugleich
- 1:35:23der Saft wird fermentiert
- 1:35:25um Aromen und Struktur zu gewinnen
- 1:35:27jedoch ohne Alkoholbildung
- 1:35:29anschließend wird Kohlensäure zugesetzt
- 1:35:31um eine feine kontrollierte Perlage
- 1:35:33zu erzeugen. Wichtig
- 1:35:35ist der Unterschied zu den
- 1:35:37alkoholhaltigen Varianten. Ja, da gibt es
- 1:35:39auch welche, ich würde auch gleich noch eins ansprechen
- 1:35:41aber ich möchte dich nicht verzetteln. Also
- 1:35:43während diese Alkoholhaltigen
- 1:35:45nach der Schamadmethode mit Doppeldagehrung
- 1:35:47auskommen, ganz ohne Zucker
- 1:35:49oder CO2-Zusatz
- 1:35:51enthält die alkoholfreie
- 1:35:53Version ihre Perlage durch
- 1:35:55präzise Zugabe von Kohlensäure
- 1:35:57aber in beiden Fällen bleibt
- 1:35:59die Philosophie dieselbe. Natürlich
- 1:36:01Reinheit, Transparenz
- 1:36:03Es werden keine
- 1:36:05und das finde ich ganz wichtig, keine
- 1:36:07weiteren Zucker hinzugefügt
- 1:36:09eine Seltenheit in diesem Segment
- 1:36:11das oft mit süße Arbeit
- 1:36:13um fehlende Struktur zu verdecken
- 1:36:15und das Ergebnis ist analytisch klar
- 1:36:170,0 Vol.
- 1:36:19Kein Zucker-Zusatz
- 1:36:21kein Blatt von Aromen
- 1:36:23und das schmeckt man, man kann ihn servieren
- 1:36:25und probieren, verkosten
- 1:36:27und genießen wie ein Wein
- 1:36:29er verändert seine Struktur
- 1:36:31seine Substanz mit verschiedenen Gläsern
- 1:36:33mit verschiedenen Temperaturen und ja, er definiert sich
- 1:36:35über die Feindüftigkeit der Äpfel
- 1:36:37über die zarten Floralen
- 1:36:39Anklänge
- 1:36:41So wie in der Nase, wirkt auch am Gaumen
- 1:36:43ganz klar, ganz präzise, ganz präsent
- 1:36:45auf keinen Fall aggressiv
- 1:36:47und die Musage, unglaublich fein
- 1:36:49streichelt sie den Gaumen
- 1:36:51und trägt die Frucht in die Länge funktional
- 1:36:53geht später auch, das finde ich so wichtig, als Bindeglied hin zu den Speisen.
- 1:36:57Ein Getränk, das wunderbar leicht ist, ohne banal zu wirken. Es ist frisch ohne flach zu sein.
- 1:37:02Und ich bin sicher, es wird sich begeistern. Aber ich habe es vorhin kurz angesprochen.
- 1:37:07Nebenher bemerkt kein Alpel, nicht nur alkoholfrei, nicht minder zeitgeistig sind sie mit ihren
- 1:37:13Zeitern, der nicht ohne, aber mit einer bekömmlich geringen Menge von 8 Volumen prozent Alkohol wahnsinnig
- 1:37:19bekömmlich ist. Im Sinn habe ich hier den San Cedro See von Alpel. Sie ist einfach als die
- 1:37:24sommerliche Schwester des Golden Time. Ein Getränk, das aus den selben Höhenlaken stammt,
- 1:37:29aber eine andere Farbe und eine komplett andere Stimmung in sich trägt. Wohltuend. Erfrischend,
- 1:37:34lebendig, zart. Man hat das Gefühl, als würde man die Abendämmerung ins Glas saubern. Probier's
- 1:37:40und ich bin sicher, du wirst begeistert sein. Apfel auf diese Weise so klar definiert, so
- 1:37:45appetitlich zu genießen. Ein Riesen Dankeschön für dieses tolle Geschmacks, für dieses tolle
- 1:37:50Getränk-Erlebnis, VRG-Products bzw. dem Hause Alpel und natürlich dem deutschen Importeur, dem
- 1:37:56Hanelshaus Schlumberger. Hättest du den Wein dann, wenn du ihn temperiert servieren würdest, parallel
- 1:38:12nochmal bei der zu erwartenden Wunschtemperatur des Gastes da, dass du den dann, wenn er sagt, der
- 1:38:19ist mir viel zu warm, ich will ihn so nicht trinken, eine Diskussion aufkommt, vielleicht eine
- 1:38:23Disharmonie. Du sagst, okay, ich kann aber bei fünf Grad bringen und wir gucken beide, was
- 1:38:27ihnen lieber ist. Oder ist das dann zu viel auffahnden eigentlich, völlig unrealistisch?
- 1:38:32Nee, theoretisch ist sowas möglich. Es gibt auch die Situation, dass wir uns zum Endeffekt auch,
- 1:38:41dass wir beide Seiten befriedigen, dass wir sagen, okay, unsere Interpretation ist die und die,
- 1:38:46aber wir haben jetzt verstanden Sie bevorzugens Erkhalt, dann werde ich alle weiteren Weine,
- 1:38:52die wir Ihnen servieren in einer kleinen Karaffe, schon mal ins Eis vorbereiten. Der Hinweis meiner
- 1:38:57seits sei gegeben, dass es in unserer Interpretation nicht die optimale Verbindung, aber wenn Sie das
- 1:39:02so bevorzugen und Ihnen das dann am Ende mehr Freude macht, dann ist es halt so. Also das ist
- 1:39:07schon möglich, das machen wir auch, aber es ist natürlich immer schöner, wenn ich das Gefühl
- 1:39:13habe, dass es irgendwie einen Sinn ergibt und das ist ja so, dass in den meisten Fällen der Gast dann
- 1:39:18auch sagt, also ich muss Ihnen wirklich nochmal sagen, die Weinbegleitung in Gang 2, der Weißwein,
- 1:39:23der ein bisschen wärmer war, also war jetzt nicht mein Fall, würde ich zu Hause nicht so trinken,
- 1:39:28aber in der Verbindung war es wirklich perfekt. Und wenn das kommt und wir uns dann einigen können,
- 1:39:32sagen, ich würde den gleichen gern zum Abschluss das Abends nochmal ein Glas von trinken, aber
- 1:39:35können Sie es mir ins Eis stellen, dann ist es dann würde ich jederzeit sagen, ja natürlich und
- 1:39:39wenn ich die Flasche daheim als Flasche trinke, würde ich sie auch nicht warm trinken, aber
- 1:39:43für den Gang ist es einfach unserer Ansicht nach erfordert und das funktioniert meistens sehr,
- 1:39:48sehr gut. Also man kommt da dann schon ins Gespräch und da kann man dann hier und da auch Gäste
- 1:39:53nochmal davon überzeugen, dass man sich wirklich was dabei gedacht hat und wenn man nur die Geschichte
- 1:39:58erzählt, man hätte sich was dabei gedacht und es aromatisch nicht funktioniert, es ist natürlich
- 1:40:02Quatsch, aber wenn es wirklich so ist, dass man sich was dabei gedacht hat und der Gast das
- 1:40:07sensorisch verstehen kann, dann ist es am Ende des Tages auch relativ einfach, die Menschen abzuholen
- 1:40:12und dann ist es nur eine Sache von verstehe ich, aber gefällt mir nicht und dann ist es auch okay.
- 1:40:17Gibt es für dich aber Grenzen, die du nicht machen würdest? Also wenn da ein Gastwunsch existent ist
- 1:40:22und du sagst, geht für mich ethisch überhaupt nicht, mache ich nicht, macht der Komi oder macht
- 1:40:26er Führung oder irgendwie oder bei uns im Restaurant nicht oder also hast du da Befindlichkeiten oder
- 1:40:32nimmst du dich da so weit zurück, dass du sagst du, ich biete was an, du bezahlst und gut ist.
- 1:40:39Ich habe da Befindlichkeiten, ich habe da eine sehr deutliche Meinung und ich habe da eine sehr klare
- 1:40:47Interessenlage, aber am Ende des Tages kommen wir auch da wieder leider darauf zurück, wir sind
- 1:40:52wirtschaftliche Unternehmen und was bringt es mir denn, den Gast jetzt zu belehren? Der kommt
- 1:40:57auch nicht um zu mir in die Schule zu gehen und wenn der Meinung ist, er trinkt seinen Morasche
- 1:41:01für tausende Euro jeden Abend auf Eiswürfeln und mit dem Spritz als Zitrone, dann kann ich mich
- 1:41:07auf den Kopf stellen und kann sagen, ja, er kann sagen, das halte ich für schwachsinn, dann werde ich
- 1:41:12die Flasche halt nicht verkaufen und dann ist es am Ende des Tages auch so, wie ich die Flasche
- 1:41:15jetzt verkaufe oder nicht und es gibt Flaschen, wo also wenn ich nur zwei Flaschen von dem Betreffenden
- 1:41:22Wein im Haus habe und der Gast hat die erste auf Eis mit Zitrone getrunken und bestellt eine zweite
- 1:41:27Flasche, dann würde ich mir erlauben dem Gast zu sagen, dass der Wein leider ausgetrunken ist,
- 1:41:31aber wenn der Gast irgendeinen in Anführungszeichen Wein, Standard Wein, den ich viel da habe,
- 1:41:37halt nun mal auf Eis trinkt oder ein Rotwein mit Cola mischen will, dann muss das halt tun,
- 1:41:41dann kann ich dazu eine Meinung haben, aber am Ende des Tages ist mein Beruf halt in erster Linie
- 1:41:46ein Kellnerberuf und der Wunsch des Gastes sei zu erfüllen und beim Essen sind wir da ein bisschen
- 1:41:53vehementer, weil da die Gerichte klar definierte Aromenbilder sind und da sind wir schon so,
- 1:41:59dass wir die Gerichte exakt so servieren, wie sie erdacht sind und dass wir nicht noch ein
- 1:42:04bisschen Senfappar servieren oder dass wir sagen, wir nehmen den Gang aber mit der Soße das nicht,
- 1:42:09aber beim Wein die Grundsatzdiskussion aufzumachen, ob nun Alter Bordeaux mit Cola eine gute
- 1:42:16oder schlechte Idee ist, das ist ziemlich mühsig und dann ist es halt so. Ich finde die Formulieren
- 1:42:21bei euch auf der Karte auch sehr, sehr interessant, dass ihr nicht auf alle allergischen oder
- 1:42:27Befindlichkeiten Rücksicht nehmen könnt und es finde ich also sehr vernunftsgeprägt. Was ich
- 1:42:34auch sehr, sehr interessant finde, ist, dass ihr 24 Uhr zumacht, also dass es nicht dieses Open End
- 1:42:39ist, wie ich es aus meinen frühen Sternezeiten kennen, sondern dass ihr da eine gewisse Konsequenz
- 1:42:45habt. Lebt ihr das auch konsequent, also 24 wird es nicht ausgemacht und die Leute können ins Berg
- 1:42:50eingehen oder wie macht ihr das? Ja, also vielleicht ein ganz kurzer Satz zu dem Allergienthema. Das
- 1:43:00Allergient, wir sind was grundsätzlich, wir haben drei verschiedene Menüs, eins davon ist 100% vegan,
- 1:43:05das heißt, wir können auf fast alles eingehen, es gibt aber einfach gewisse Dinge, wenn mir jemand
- 1:43:09sagt, er kann keine Karotten in irgendeiner Form nicht mal verkocht genießen, dann kann ich ihm
- 1:43:14halt nichts machen, weil Karotten in jeder Grundsauce irgendwo drin sind und natürlich ist der beim
- 1:43:20Italiener gegenüber auch eine Pasta und da sind genauso Karotten drin, aber wir haben halt die
- 1:43:26Überzeugung, dass wenn wir das so machen, dann kommunizieren wir das zu 100%, aber auf die
- 1:43:32allermeisten Allergien versuchen wir natürlich einzugehen und das ist ein Thema, was uns sehr,
- 1:43:37sehr häufig im Alltag beschäftigt und was auch eher zunimmt, aber nur der Vollständigkeit halber.
- 1:43:43Also grundsätzlich versuchen wir auf fast alles einzugehen, es gibt wirklich so drei, vier
- 1:43:46Schlagworte, da ist es einfach nicht möglich, aber grundsätzlich sind wir da. Gut, dass du es
- 1:43:52erklärst, weil ich es anders wahrgenommen hätte und das aber auch durchaus respektabel finde und
- 1:43:56eben einfach, wenn man eine klare Aussage tätigt, dann finde ich es gut, dass man die tätigt,
- 1:44:01weil der andere gegenüber dann damit arbeiten kann und gegebenenfalls anfragen kann, aber es
- 1:44:07ist ein Statement, also es ist besser als so wischi-waschi und wir versuchen und dann ist es doch
- 1:44:11nix. Letztlich versucht ihr etwas darzustellen, müsst ihr eben auch für diese Qualität dann
- 1:44:15irgendwo gerade stehen und wenn das in dem Rahmen nicht möglich ist, ist es halt nicht möglich.
- 1:44:18Da hast du recht, aber das sind also die Liste von Dingen, wo es wirklich ein absolutes No-Go ist,
- 1:44:23die ist wirklich mini, mini, kurz, also da die aller, aller meisten Dinge können wir ganz
- 1:44:27entspannt abfedern und gehen da auch super gerne drauf ein, es sind wirklich nur eine Handvoll
- 1:44:32Sachen, wo es einfach nicht geht oder keinen sinn ergebtenen Gast drei Stunden mit an Tisch
- 1:44:38zu setzen, dafür, dass er ein, das sehr essen kann, weil alle anderen Gerichte irgendwie,
- 1:44:42weiß ich nicht, Zwiebeln enthalten oder irgendwas, das ist halt einfach so. Jetzt habe ich leider
- 1:44:47deine zweiten Halbsatzfrage vergessen, was du noch gesagt hast. 24 Uhr bergkain schnell schaffen,
- 1:44:52also Ladenschluss, Ladenschlusszeiten, die halt früher sehr coolant behandelt wurden und jetzt...
- 1:44:58Der Vorteil ist, wir sind in, also auf dem Papier Berlin-Kreuzberg, aber relativ nah an
- 1:45:04Berlin-Mitte und wir sind in Berlin und wir sind ein Restaurant und wir sind kein Hotel
- 1:45:08und wir haben keine angeschlossene Bar. Das heißt, wenn du bei uns ein Apparativ hattest,
- 1:45:13ein Menü hattest, Wein oder auch alkoholfrei hattest und dein Kaffee getrunken hast,
- 1:45:19dann ist bei uns auch das, was wir anbieten, irgendwo erschöpft. Das heißt, jeder der dann
- 1:45:26noch Lust hat, was zu tun ist in einer der faszinierenden Städte des Planeten und kann
- 1:45:33was erleben und jeder, der müde ist und ins Hotel will, kann ins Hotel und jeder,
- 1:45:38der noch ein Cocktail möchte, kriegt von uns je nachdem, wen man fragt, sehr unterschiedliche
- 1:45:44Empfehlungen für einen Absackerplatz und wir können all das bieten und wir bestellen gerne
- 1:45:49ein Taxi, aber wir sind nicht der Laden, wo man bis vier Uhr morgens mit Espresso
- 1:45:53Martinis Party macht, weil wir weder Espresso Martinis noch Party im Gastraum machen. Das heißt,
- 1:45:58das ist wie den Punkt, dass ich als Restaurantleiter Menschen um 0 Uhr oder 0 Uhr 30 bitten muss
- 1:46:06zu gehen. Das kommt irgendwie alle drei Monate mal vor, weil in den meisten Fällen ist es so,
- 1:46:11dass der Gast um elf sagt, wir würden jetzt die Pralinen, Kaffee und Schnaps nehmen und dann die
- 1:46:16Rechnung und ein zügiges Taxi, weil wir haben noch einen Platz in der Bar oder wir wollen noch
- 1:46:20feiern gehen oder wir müssen uns noch im Hotel umziehen, weil wir gehen dann dahin weiter oder
- 1:46:24unser Flug geht morgen um sieben und wir müssen eh ins Hotel. Also von daher ist das bei uns
- 1:46:29tatsächlich überhaupt kein großes Thema. Sollen wir mal ein Schlöckchen trinken nebenbei?
- 1:46:34Du ist ja nicht mehr. Mehr als aufzugt. Aufzulockern, genau. Und das müssen aufzulockern. Sollen wir mal
- 1:46:41mit was sprudeln am Anfang? Das ist eine so tolle Idee. Magst du sprudeln, bist du ein Sprudel? Also,
- 1:46:45es gibt ja kaum einen Zominier, der eigentlich doch ein, zwei kenne ich, aber sonst im Groß- und
- 1:46:49Ganzen sind ja eigentlich alles Sprudelvernaten. Ich weiß nicht, woran das liegt, ob es die
- 1:46:54Komplexität ist, ob es die Freakigkeit dabei ist, aber viele lieben Sprudel. Also wie ist es bei dir?
- 1:47:04Magst du sprudeln? Da muss ich leider jetzt sagen, ich liebe das, was es tut in der Funktion am Gast,
- 1:47:15aber persönlich privat trinke ich, wenn dann nur den Sprudel, wo mich der Weiner hinter interessiert,
- 1:47:21aber so zum Absacken hinten raus, noch eine Flasche, Sekt oder Champagner oder irgendwas,
- 1:47:27das ist überhaupt nicht mein Ding. Wenn ich zu Hause bin und was zu feiern habe oder an
- 1:47:31meinem Geburtstag, mache ich mir aber tatsächlich eher ein Stillwein auf, der mich begeistert,
- 1:47:36als mehr was mit Kohlensohre zu servieren. Ich habe schon grandiose große Schaumeweine getrunken und
- 1:47:43dann ist es meistens so, dass mich der Wein hinter den Kohlener der Kohlensohre mehr begeistert,
- 1:47:48als die Kohlensohre selber und dass ich eher dann durch viel schwenken die Kohlensohre wegnecke,
- 1:47:53um an den Wein ranzukommen oder dass ich sehr reife Schaumeweine mag, die einfach weniger
- 1:47:58Bubbles haben. Also dieses klassische Bubbly-Fan, das da passt, ich wirklich nicht rein. Findest du
- 1:48:05aber, dass Schaumeweine etwas anderes mit Menschen machen als Stillweine? Also dass die Stimmung
- 1:48:09eine andere ist, dass die Gemütsveränderung durchaus unterschiedlich ist, als wenn man
- 1:48:15Weinentriege, eigentlich sagt man ja, Alkohol ist immer das selbe, es ist Alkohol und es macht
- 1:48:20was halt mit den Menschen, aber ich habe das Gefühl, dass ein Schaumewein Menschen auf
- 1:48:25eine andere Art verändern als Stillweine. 100 Prozent, aber ich würde auch sagen,
- 1:48:31dass Bier einen anders betrunken macht als das Gin Tonics tun und dass Sake einen total
- 1:48:37lustigen Rausch hat und dass schwere Rotweine anders wirken als frische Kabinetts. Also warum
- 1:48:44auch immer das so ist und dass es irgendwie chemisch ja trotzdem wahrscheinlich das Gleiche
- 1:48:47ist, aber es hat eine andere Wirkung. Also auf mich und auch auf die Art und Weise,
- 1:48:52wie ich Menschen erlebe. Und was macht Schaumewein mit dir? Macht es auch gigerich und lustig oder
- 1:48:57ist das, ist es da anders? Ja, grundsätzlich schon, aber ich trinke tatsächlich sehr selten so viel
- 1:49:04Schaumewein, dass ich da hinkomme, sondern ich winkt dann meistens nach einem Glas ab oder ich
- 1:49:10trinke wirklich reife, intellektuelle Sachen, mit denen ich mich sehr lange auseinandersetze. Also
- 1:49:17dass ich jetzt einfach mal zwei Fläschchen Rosé trinke, einfach nur weil ich Lust habe auf
- 1:49:22eiskalte Bubbles. Das passiert bei mir eigentlich nie. Okay, wann trinkst du Wein generell? Also
- 1:49:28beim Kochen haben wir jetzt schon mal Häkchen dran, das hattest du positiv attestiert, dann feiern. Beim
- 1:49:34Kochen liebe ich, dann gerne sowieso, jetzt wir sind im August, der Urlaub steht an natürlich im
- 1:49:42Urlaub sozusagen rund um die Uhr, aber in der normalen standardisierten Arbeitswoche eigentlich
- 1:49:51am allerliebsten Sonntag, Montag an den Freienabenden einfach zu Hause und dann wirklich einfach was,
- 1:49:58was, was mir gefällt, was mir Freude macht, was mich runterbringt und was mich entspannt und da
- 1:50:03trinke ich auch in einem sehr kleinen, abgesteckten Rahmen von Dingen, die mir Freude machen. Da
- 1:50:12trinke ich ehrlicherweise selten Sachen, die irgendwie, die neu, die hip, die innen sind. Die
- 1:50:17trinke ich dann, wenn ich selber essen bin oder die trinke ich dann, wenn ich irgendwo bei Verkostungen
- 1:50:21bin. Aber dass ich mir jetzt an dem Montagabend am freien Tag mal einen georgischen, am vornen
- 1:50:27Wein aufmache, weil ich muss es mal probieren, das passiert nicht, sondern da trinke ich dann
- 1:50:31wirklich was, wovon ich weiß, dass es mir gefällt. Und es ist dann aber auch kein Gutswein und kein
- 1:50:36Literwein, sondern es ist dann schon was Besonderes oder kannst du auch daran Freude haben? Ehrlicherweise,
- 1:50:41nee, ehrlicherweise, es ist dann trinke ich dann schon gerne, exzellent. Was ja auch Sinn macht,
- 1:50:46weil es ja dann doch der Moment ist, wo man sich da reinarbeiten möchte und die Zeit,
- 1:50:51die man dafür nicht opfert, aber die man sich selber schenkt und warum sollte es dann eben auch
- 1:50:55nichts, nichts geschenkt und das ist dann immer bogut, bogut, bodo oder was sind deine Vorlieben?
- 1:51:00Ist es auch loha, ist es auch Italien, ist es auch neue Welt? Also es ist weiß tatsächlich,
- 1:51:06ehrlicherweise, Großteil, größtenteilig begund oder begunder Stil von woanders, wenn ich mal
- 1:51:15einen verrückten Tag hab. Ansonsten habe ich momentan gerade einen großen, großen Freude an
- 1:51:22diesen ganzen vulkanischen Sachen. Sizilien, also Sachen vom Etna oder von den Kanaren oder von
- 1:51:29den Azoren oder so, das macht mir viel Spaß gerade zu trinken, das trinke ich auch privat gerne.
- 1:51:34Und rot, super, super gerne, pirmont, nebioli, bodo, dann reif, das ist aber auch was, was man
- 1:51:46jetzt nicht mit jedem trinken kann, weil es kommt dann schon auch so ein bisschen darauf an, wie die
- 1:51:51Gesellschaft ist und ein weißer Bogunder, der mir Freude macht, schmeckt meistens auch
- 1:51:56unerfahreneren Trinkern ganz gut, aber einen alter Bordeaux, der dann schon so ein bisschen spezieller
- 1:52:04wird in seiner Aromausprägung, das ist jetzt nichts, was man jetzt unerfahrenen Trinkern
- 1:52:09unbedingt immer zumuten kann und will. Und da ich, ich trinke gerne mit Freunden, Familie,
- 1:52:15Wein, aber dann bringe ich die Sachen mit und dann versuche ich schon, dass irgendwie dann alle
- 1:52:22auch Freude daran haben, auch wenn jetzt nicht jeder einschätzen kann und meistens auch nicht soll,
- 1:52:26was es tatsächlich ist. Wann findest du, wird die Prägung eines Geschmacks, den ja meistens jemand
- 1:52:34so als Grundgeschmack, glaub ich zumindest, innehat, wann wird das gesetzt, wird das durch
- 1:52:41Vorbilder irgendwann mal gesetzt, wird das in der, ich sag mal, frühkindlichen Prägung, also wenn man
- 1:52:47mit Wein anfängt irgendwo gesetzt, also sprich, was das Umfeld dort trinkt und konsumiert, solange es
- 1:52:54etwas Begeisterungswürdiges ist, oder herarbeitet man sich das selber? Ich glaube von allem ein
- 1:53:01bisschen, also was ich bei mir beobachtet habe und jetzt bei jungen Kolleginnen und Kollegen immer
- 1:53:08wieder sehe, ist, dass man kommt häufig von, also auf Wein häufig irgendwie von Süße und dann geht
- 1:53:16die Süße irgendwann zurück und es kommt Extrakt und irgendwann kommt man dann dahin, dass man auch
- 1:53:21trocken lecker findet, so was zumindest bei mir und so ist es häufig auch, dass wenn ich Menschen
- 1:53:27versuche für Wein zu begeistern, dass wir dann mit so was Kabinettikem oder so anfangen, was irgendwie
- 1:53:33so eine, im positivsten Sinne des Wortes Trinkigkeit von der Sprite hat und dann gehen, nehmen wir
- 1:53:40irgendwann die Süße ein bisschen raus und arbeiten dafür mit was, was viel Holzdruck und viel
- 1:53:44Extrakt hat und was nach viel riecht und schmeckt und dann irgendwann kann man auch die zarteren,
- 1:53:50feineren, trockneren Sachen verstehen und kommt dahin. Aber grundsätzlich merke ich auch bei mir,
- 1:53:56meine Begrundliebe ist auch durch meinen ehemaligen Restaurant leider mir sozusagen in die kulinarische
- 1:54:05Wiege gelegt und ich habe sie bis heute und ich merke, dass bei meinen jungen Kolleginnen und
- 1:54:12Kollegen, wenn die essen gehen, dann schicken die mir Weinkarten und sagen, Raffael geht,
- 1:54:15sagen wir mal was aus dem Burgund, wir mögen ja Burgund und egal wie da die Trinkerfahrung
- 1:54:21oder irgendwas ist, aber die haben von mir mal gelernt, wenn du einen guten Wein trinken willst,
- 1:54:25dann musst du halt Burgund trinken und deswegen ist das irgendwie, das ist einerseits irgendwie
- 1:54:30schön und andererseits denke ich mir, ihr hättet mit einem mit einem gut gemachten Ortswein,
- 1:54:36Rieslingen von einem vernünftigen Produzenten, der die Hälfte kostet, vielleicht am Ende des
- 1:54:40Tages sogar mehr Trinkfreude, aber ich kann mich an meine eigene Zeit erinnern, es verbindet einen
- 1:54:47mit viel Stolz in einem Restaurant zu sitzen und irgendein Burgunder zu bestellen und zu wissen,
- 1:54:52man hat gerade was sozusagen Gutes gemacht. Wann fing das bei dir an? Also wann hast du
- 1:54:56bewusst Wein getrunken? Gab es da so ein Schlüsselerlebnis, wo du, wo sich das Tor für dich
- 1:55:01geöffnet hat oder wie ging das bei dir los? Na ich komme aus einem sehr weinaffinen Haushalt,
- 1:55:06also seitdem ich, seitdem es mich gibt und ich denken kann, haben meine Eltern immer Wein getrunken,
- 1:55:11aber auf keinste Art und Weise analytisch, so wie wir das jetzt angehen, sondern einfach nur
- 1:55:18genussvoll gerne Wein getrunken, aber eine sehr gleiche Stilistik und auch immer eher um einfach
- 1:55:27lecker ein, zwei Fläschchen Wein zu trinken, weil man halt gerne Wein als sozusagen sein
- 1:55:32go-to Getränk definiert hatte und dann bin ich in die Ausbildung und da habe ich so ein bisschen,
- 1:55:39aber da auf im Kurhaus war jetzt, wir hatten zwar Wein, wir hatten auch eine Weinkarte,
- 1:55:45aber das war jetzt nicht unser Hauptaugenmerk, ehrlicherweise und ich habe dann erst in Berlin,
- 1:55:50als ich dachte, du warst Barchef auf Rügen und du hast irgendwie den Azubi Cup der von
- 1:55:57Mecklenburg-Vorpommern gewonnen und sonst war es und du bist jetzt hier jemand und dann habe
- 1:56:04ich gedacht, jetzt kommst du nach Berlin und jetzt räumst du die Hauptstadt auf und die
- 1:56:07haben alle nur auf dich gewartet, sehr schnell gemerkt, dass alles, was ich vermeintlich konnte
- 1:56:11und wusste, gar nichts war und habe dann ziemlich von Null angefangen und habe dann erst in Berlin
- 1:56:18angefangen, Wein trinken und verstehen zu lernen und habe mich dann ganz einfach und Schnöde
- 1:56:23reingetrunken und bin sozusagen seit 15 Jahren dabei. Was war deine erste Liebe, also deine erste
- 1:56:30Weinliebe, was hat dich als erstes begeistert, kannst du das noch irgendwie einordnen beziffern?
- 1:56:36Ganz genau, in Berlin-Kreuzberg im asiatischen Restaurant teilweise Sonntag und Montag an zwei
- 1:56:47aufeinander folgenden Abend einen zilligen Riesling-Kabinett zu scharfen asiatischem Essen.
- 1:56:54Mir gell damals noch für um die 50 Euro auf der Karte, zwei Flaschen auch mal drei, weil es wenig
- 1:57:00Alkohol hatte, eiskalt und am nächsten Tag wieder hin, Schweinebauch und Huhn mit scharfer Soße
- 1:57:07und direkt wieder zilligen Kabinett und das habe ich relativ viel und lang gemacht und da habe
- 1:57:12ich gemerkt, okay cool, das macht Spaß Wein zu bestellen, das macht Spaß Wein zu trinken und
- 1:57:17das ist das, was ich meine, es kam über die Süße und dann habe ich sukzessive gemerkt, okay, es
- 1:57:24gibt auch noch andere Dinge. Aber auch über das Gefühl, über das Lebensgefühl, was man dabei
- 1:57:28hat, also ich finde es so interessant, dass du eben genau das geziert hast, es macht Spaß nicht
- 1:57:33nur Wein zu trinken, das kann man über viele verschiedene Ebenen definieren, aber es macht
- 1:57:37auch Spaß Wein zu bestellen und es macht auch Spaß, keine Ahnung, Wein eingeschenkt zu bekommen,
- 1:57:41mit Freunden Wein zu genießen und dieses Element Wein einfach zu feiern und leben zu lassen und
- 1:57:48sich selber dadurch zu feiern und leben zu lassen. Auf jeden Fall, es ist am Ende des Tages immer,
- 1:57:54immer auch ein Lebensgefühl, was vermittelt wird und es ist ein sehr situatives Gefühl und es ist
- 1:58:00nicht einfach nur ein Getränk, was bestenfalls, also bestenfalls ist nicht einfach nur ein Getränk,
- 1:58:05was betrunken macht, sondern es ist häufig tatsächlich so, dass ich fast schon enttäuscht
- 1:58:10bin, wenn man eine Flasche getrunken hat und sich denkt, ich würde jetzt gerne noch vier Flaschen
- 1:58:15trinken, aber es geht einfach nicht, weil das Zeug halt leider Gottes auch Alkohol hat. Also
- 1:58:20bei mir ist es häufig so, dass es mich eigentlich ärgert oder ich es fast schade finde, dass die
- 1:58:26Sachen Alkohol haben, weil es eigentlich cool wäre, wenn du, wenn du an einem Abend zwölf Flaschen Wein
- 1:58:32bestellen und trinken könntest. Und es scheitert dann am Ende daran, dass man dann unfassbar
- 1:58:36betrunken aus irgendwelchen Lokalitäten poltern und das will man jetzt auch nicht ständig.
- 1:58:41Das stimmt in der Tat. Aber jetzt schauen wir jetzt, ich wusste es ehrlich gesagt nicht, dass du
- 1:58:45eine, ich will nicht sagen Aversion, aber keine Vorliebe für Schaumwein pflegst. Deswegen hätte ich
- 1:58:49gedacht, dass wir einen Schaumwein trinken und dann vielleicht einen, der nicht so diese übliche
- 1:58:53Champagnerrichtung schlägt, obwohl er es in gewisser Weise natürlich auch tut. Aber wurde ich
- 1:58:59eines besseren Belehrte? Ich hoffe, du hast trotzdem irgendwie so ein bisschen Spaß daran,
- 1:59:02weil ich finde, dass Francia Corta ist komplett unterbelichtet. Warum auch immer? Also es werden
- 1:59:09mehr Kawa serviert als Francia Corta. Warum auch immer? Und teilweise gibt es eben so viele
- 1:59:13Parallelen hin zur Champagne, aufgrund der Rebsortencharakteristik. Wir haben hier 86%
- 1:59:18Schaden, die 30% Pinot Noir, ein bisschen Pinot Blanc. Es ist eine Kombination aus 60
- 1:59:24verschiedenen Parzellen. Also diese gesamte Champagnergedanke ist dort implantiert,
- 1:59:28witzigerweise wurde für dieses Projekt Rechercheavor von Dom Prenion engagiert oder ehemals Dom
- 1:59:34Prenion engagiert, der das Ganze begleitet und dem ganzen neuen Zeitgeist aufdrückt. Und man versucht
- 1:59:39mit diesem Schaumwein eben auch diesen Zeitgeist zu leben, dass man weniger Hefe-Standzeit hat,
- 1:59:46dass man ganz ganz früh liest, dass man versucht diese Lebendigkeit, die Frische zu transportieren,
- 1:59:51aber natürlich die Qualität trotzdem im Auge behält, also sprich 30 Jahre alte Rebanlage hat.
- 1:59:54Und somit finde ich Schaumwein eigensymbolisiert. Kann ich kann ich alles verstehen, ich glaube,
- 2:00:00dass Franca Cortas Hauptproblem ist, Prosecco. Und das natürlich der Trinker immer bei Italien,
- 2:00:12Schaumwein denkt Arn Prosecco und der ist für die einen Menschen sehr positiv konnotiert und
- 2:00:16für die anderen Menschen extrem negativ konnotiert und dass man da nicht so richtig offen ist,
- 2:00:21was neu ist zu probieren. Wir erleben jetzt die letzten Jahre, dass der deutsche Sekt immer mehr
- 2:00:28ein positives Image kriegt und ich denke, dass dann auch so Sachen wie Franca Cortas sukzessive
- 2:00:34mehr Aufmerksamkeit bekommen werden. Das hat natürlich auch was mit der Preisgestaltung in
- 2:00:37der Champagne zu tun und auch damit, dass man so ein bisschen auch natürlich immer guckt,
- 2:00:43dass man den Alternativen zu den großen bekannten Klassikern findet und da wird Franca Cortas
- 2:00:49seinen Platz haben und finden. Aber nichtsdestotrotz ist es schon so, zumindest bei uns, dass der
- 2:00:56Gast in der allerersten Linie mal nach Champagner fragt und dass der Gast, der glaubt oder dass
- 2:01:04die Menschen am allerliebsten Champagner trinken wollen und man dann für ein deutschen Sekt muss
- 2:01:09man schon eine Empfehlung aussprechen oder dass der Gast halt den deutschen Sekt nur deshalb
- 2:01:14bestellt, weil er vermeintlich das günstige Produkt ist und trotzdem Bubbles und die Wirkung hat.
- 2:01:18Aber den Franca Cortas als vergleichbare Größe, wie jetzt auch gerade probiert, einzupreisen in
- 2:01:28den Gedanken, es ist so ähnlich wie Champagner und es steht dem in nichts nach. Es ist halt nur
- 2:01:32eine andere Idee. Das dauert, glaube ich. Könntest du dem ein eigenes Geschmacksbild abgewinnen,
- 2:01:39dass du sagst, aufgrund dessen könnte ich Italien einordnen oder aufgrund dessen wäre es eben
- 2:01:45für mich, von mir aus auch blind probiert, kein Champagner. Also hast du irgendwelche Elemente
- 2:01:50in diesem Schaumwein, wo du sagst, das ist explizit und das ist so anders oder kann man das so
- 2:01:57gar nicht einordnen, wenn man selber gar nicht die Geschmackserfahrung vielleicht bei Franca Corta hat?
- 2:02:01Also ich finde jetzt in diesem speziellen Fall und in diesem Grundprodukt besonders bemerkenswert,
- 2:02:09dass es, es hat eine frische, es hat eine Trinkigkeit, aber es hat eine verhältnismäßig
- 2:02:14zurückhaltende Säurestruktur, die dort häufig doch die Champagner noch deutlich präsenter haben.
- 2:02:20Und ich empfinde es dadurch als fast, ich glaube es hat fünf Gramm Dosage, fast als ein Hauch süß,
- 2:02:27aber das ist mein fast knobtes, wenn überhaupt, dann nur Brotnatur getränke. Das ist das einzige,
- 2:02:37was ich finde, was mir sozusagen auffällt und rausfällt aus dem, aus dem restlichen Bild.
- 2:02:45Ansonsten finde ich es ehrlich gesagt richtig gut. Ich finde es hat eine tolle Nase, es hat
- 2:02:50eine tolle Wirtsigkeit, es hat eine supergute Frische und eine sehr, sehr angenehme Perlage. Also es
- 2:02:55ist nicht so, dass man sagen würde, es steht demnach und es kann kein Champagner sein, weil.
- 2:02:59Ist sowas für dich eher ein Speisebegleiter eher was zum Singulären trinken? Weil ich finde
- 2:03:06es interessant, dass Champagner, bleiben wir bei dem Beispiel, ein toller Rounder ist, teilweise
- 2:03:12ähnliche Potenzen hat, wie ein restsüßer Kabinett manche Sachen bezwingen kann, begleiten kann
- 2:03:19und da malen kann, was bei euch wahrscheinlich mit eurer sehr ausdruckstarken Küche natürlich
- 2:03:24auch mal ein riesen Thema ist und da ist Champagner manchmal eine Allzweckwaffe. Glaubst du so einer
- 2:03:30kann das auch? Ja, also die Kompetenzen, die ein Champagner hat, hat er ja nicht quasi seiner
- 2:03:42Appellation, sondern die hat er ja einfach aufgrund dessen, dass er die frischer, dass er die
- 2:03:47Perlage hat, dass er aber trotzdem tiefgründig ist, dass er Öppigkeit hat, dass er trotzdem irgendwie
- 2:03:53Präzision hat, dass er eine Hefigkeit haben kann, dass er eine Salzigkeit transportieren kann und das
- 2:03:59kann ja ein Franschakord da auch, das kann der Champagner nicht nur deshalb, weil der Champagner
- 2:04:04auf dem Etikett steht, also die Frage ist ja eher, die wir uns stellen sollten, kann hochwertiger,
- 2:04:09wichtig hochwertiger Schaumwein, Speisebegleiter sein und dann ja, auf jeden Fall kann er das,
- 2:04:14kann sowas auch ein guter Apparativ sein, ja natürlich und ich gehe davon aus, dass das,
- 2:04:22was wir jetzt gerade trinken, wahrscheinlich tendenziell eher als Apparativo verwendet wird
- 2:04:27und das gilt aber ja für die, für Champagner auch, also ich arbeite immer mal gerne mit Champagner
- 2:04:35auch in der Begleitung, Glasweise, aber es ist halt dann teilweise vom Handling her immer ein
- 2:04:44bisschen schwierig, genug Menge zu kriegen, die Sachen so zu konservieren, dass sie am nächsten
- 2:04:49Tag noch funktionieren, die Kohlensäure darf nicht im Vordergrund stehen muss, trotzdem sich
- 2:04:54irgendwie harmonisch einbinden und das ist teilweise alles vom Handling her schwieriger,
- 2:04:59deswegen weicht man dann häufig auf ab Champagner nur zum Start aus, was aber glaube ich eigentlich
- 2:05:06schade ums Produkt ist, weil es hätte mehr Möglichkeiten. Wenn man da noch gar nicht in
- 2:05:10dieser Situation ist, noch gar nicht mit der Aufmerksamkeit dabei, um das in der Gänze
- 2:05:13wahrzunehmen und auch zu deklinieren zu können und es manchmal dort auch gar nicht die Aufmerksamkeit
- 2:05:20vom Seiten des Service bekommt. Was für ein Glas hast du jetzt für den Bella Vista genommen?
- 2:05:25Ich habe jetzt tatsächlich, weil ich das als Verkostungsglas sehr mag, von der Josefin Hütte
- 2:05:34das Bordeauxglas genommen und dem kann er entsprechen oder hat das schwer zu atmen?
- 2:05:41Nein, finde ich supergute. Nee, gar nicht. Er hat bei weitem genug Struktur, Textur und Körper, um
- 2:05:51das Glas auszufüllen und ich würde sowieso grundsätzlich generell und immer von der
- 2:05:57Champagnerflöte Abstand nehmen und versuche das auch bei uns den Gästen immer wieder anzuraten,
- 2:06:02merke aber, dass da nicht jeder das so sieht und also unsere offenen Schaumweine servieren
- 2:06:10wir aus definierten Gläsern. Aber wenn Gäste bei uns flaschenweise Schaumweine bestellen,
- 2:06:16dann fragen wir sie, ob sie die Weine gerne aus dem Weinglas servieren haben möchten oder ob sie
- 2:06:22lieber ein klassischer, eine Champagnerflöte bevorzugen und da ist der Schnitt so, ich würde
- 2:06:27sagen, 3 zu 5 von Menschen, die sagen, was auch immer sie empfehlen oder die sehr klar und deutlich
- 2:06:34wissen, sie möchten ein Weinglas dafür haben und das teilweise auch sehr genau definieren können.
- 2:06:38Gerade im Segment von sehr weinigen, rareren Champagnanen ist das häufig der Fall, aber
- 2:06:46der klassische Ruiner Blonde Blonde zum Apparitivtrinker, der guckt ein häufig sehr verwundert an,
- 2:06:52welche Sinnhaftigkeit denn in größerer Kälche haben soll und das doch ein Champagner am besten
- 2:06:57aus einem Champagnerglas und das man auch und das ist auch ein legitimes Argument, einfach für
- 2:07:02die Optik und für den Moment zum Feiern, zum Anstoßen gerne eine Champagnerflöte hätte.
- 2:07:07Spielst du da auch mit der Temperatur oder ist das dann no go? Also sollte Champagner oder eben
- 2:07:12Schaumwein oder eben Francia Corta, sollte der immer kühl sein oder ist es hier mal interessant und
- 2:07:18witzig da auf die 16 Grad zu gehen? Ich habe es tatsächlich schon gemacht, aber das ist mit
- 2:07:24Sicherheit nur für Menschen, die wirklich sehr offen sind und sehr intellektuell herangehensweise
- 2:07:31anders Thema haben, die Weine. Also ich habe, wir sind Brandinvestor von der Maison Krog, das heißt,
- 2:07:39ich habe einen sehr engen Draht zu Champagner Krog und ich habe das Glück, dass es glaube ich
- 2:07:44wenig Menschen gibt, die schon so viel von Krog probieren konnten in diesem Land wie ich und
- 2:07:49da funktioniert es tatsächlich so, dass wenn die Flaschen teilweise ein, zwei Wochen offen waren
- 2:07:56und nur mit dem Korken verschlossen sind, keine Kohlensäure mehr haben und sie dann Rotwein
- 2:08:02temperiert aus dem großen Glas zu trinken und man wirklich nur noch den Wein dahinter trinkt,
- 2:08:07das macht mir unfassbar viel Spaß, aber das ist jetzt nichts, was ich im Restaurantalltag
- 2:08:12Menschen so anbieten würde, sondern das ist wirklich was Freakiges, was ich mit einer
- 2:08:17Hand voll Freunden und Kollegen mache, die ähnlich analytische herangehensweise an das
- 2:08:23Thema haben, sensorisch wie ich, aber das ist jetzt nichts, was im Alltag harmoniert. Wir haben
- 2:08:28es so zweimal im Jahr, dass Gäste uns bitten, Champagner zu karafieren und das sind dann
- 2:08:32meistens schon Ultrafreaks. Es ist dann aber, dass die Gäste dich bitten, nicht, dass du es empfiehlst,
- 2:08:36weil du es selber so empfindest? Na es ist so, dass ich das bei manchen Sachen empfinde, aber das
- 2:08:42schon die Empfehlung, Weiswein zu karafieren, häufig bei vielen Gästen auf Verwunderung
- 2:08:47stößt und wenn man das beim Champagner noch machen würde, das noch mehr dazu führt und ich
- 2:08:51möchte, wenn ich so eine Empfehlung ausspreche, versuche ich auch nicht fast knobbt und intellektuell
- 2:08:57zu sein und dem Gast das Gefühl zu geben, jetzt hast du hier was bestellten, hast keine Ahnung
- 2:09:01davon, sondern wenn, dann mache ich das wirklich nur im Sinne von, die Erfahrung hat gezeigt,
- 2:09:06der Wein profitiert extrem davon und das versteht der Gast beim Rotwein ja, beim Weiswein
- 2:09:11mit ein bisschen Erklärung meistens falls. Beim Champagner ist es schon sehr, sehr, sehr nischig
- 2:09:17und deswegen kommt es dann vom Gast aus und man kommt dann in herrliche nördige Gespräche. Wenn du
- 2:09:24diese Situation hast, dass du den Schaumwein zwei Wochen offen stehen lässt, den bei Rotweintemperatur
- 2:09:28im großen Glas servierst, bist du dann ein Suchender, versuchst du etwas in dem Wein zu finden oder
- 2:09:33lehnst du dich zurück und lässt erzählen? Auf eine Art beides, aber von der Sache her bin ich
- 2:09:41glaube ich eher auf der Suche danach zu verstehen, was der Wein mir zeigen kann, was er vorher,
- 2:09:49ob seiner frische Perlage und so weiter noch versteckt hat und ich komme dann immer tiefer
- 2:09:56rein und verstehe die Weine immer besser. Gibt es für dich noch ein Wein, wo die Worte fehlen?
- 2:10:00Nee, es ist nicht der einzelne Wein, es sind manchmal die Situationen, es ist selten so,
- 2:10:06dass ich sage, da weiß ich nichts zu sagen, sondern es ist eher so, dass die Situation der
- 2:10:12Moment, man ist manchmal extrem positiv überrascht und manchmal auch extrem enttäuscht und dass
- 2:10:18die Worte fehlen, das kann auch manchmal andersrum sein, dass man was trinkt mit großer Emotion
- 2:10:25und sich wochenmonatelang darauf freut, heute mache ich es auf, heute mache ich es auf,
- 2:10:29heute ist der Tag und man temperiert es, man hat dazu eingekauft, man will kochen,
- 2:10:34man will das Gerät den Wein mit dem oder dem Gericht haben oder man will dort und
- 2:10:38dort essen gehen und hat die Flasche vorbestellt und alles läuft perfekt und dann machst du es
- 2:10:43auf und es ist die letzte Flasche, sie korkt, sie ist oxidiert und ich habe mal an einem sehr
- 2:10:48denkwürdigen Weihnachten in einer noch ziemlich kleinen Wohnung als noch ziemlich kleiner,
- 2:10:52ich glaube damals Demichev eine Flasche Cronkrü aus dem Burgund, was ich bei einer Auktion
- 2:10:57gekauft hatte, unter Tränen in den Ausguss gelehrt, weil die Flasche komplett oxidiert war,
- 2:11:01an Heiligabend und das ist ein Erlebnis, das werde ich nicht vergessen und das schwebt mir
- 2:11:09bis heute nach und sowas macht einen dann schon manchmal ein bisschen sprachlos und dann wird
- 2:11:14man halt doch immer wieder drauf, man besinnt sich darauf, es ist nicht kalkulierbar, es ist
- 2:11:19einfach nicht wie ein auf eine CD gebranntes Musikstück, was immer gleich klingt, wenn du es in
- 2:11:24den CD-Player legst, sondern es ist ein organisches Produkt, was sich verändert und mit dem man
- 2:11:30ganz viel richtig aber auch ganz viel falsch machen kann und das war ein sehr sehr trauriger
- 2:11:35Heiliger Abend an dem in der Sekunde. Interessanterweise habe ich diese Frage rein positiv belegt, aber du
- 2:11:41kannst so perfekt verargumentieren, dass man es ihm doch anderweitig betrachten kann, das klingt
- 2:11:46jetzt so und da möchte ich dir das nicht in den Mund legen, sondern einfach nur erfahren, du bist
- 2:11:50Korktrinker oder ist Schrauber für dich auch okay? Ach, das ist mir wurscht. Okay. Es ist
- 2:11:58natürlich, ich meine, wenn man an den Tisch geht und der Gast bestellt eine für sein persönliches
- 2:12:03Empfinden hochpreisige Flasche, Wein ist es natürlich irgendwie romantischer und das sind
- 2:12:08wir ja alle irgendwo Weinromantiker, wenn dann die Flasche entkorkt wird und der Korken kommt schön
- 2:12:13raus, hat vielleicht so ein bisschen schon Wein aufgenommen, so eine leichte Reife am Korken,
- 2:12:17oder man hat so einen schönen Schaumwein, Pilzkorken, so wie der, den ich jetzt hier vor mir hab,
- 2:12:23das ist alles, das sieht alles hübsch aus und ist alles nett, aber am Ende des Tages, wenn es
- 2:12:28ein Schrauber hat und der Wein funktioniert, dann ist mir das auch wurscht, also ich werde nicht
- 2:12:31ein Wein nicht kaufen, nur weil er ein Schrauber hat oder umgekehrt. Gibt es für dich persönliche
- 2:12:35Betrachtung beim Reifeverhalten, dass ein Schrauber dann doch anders reift oder sich anders
- 2:12:40entwickelt? Ja. Und das ist vorteilig nachhaltig. Ich verstehe schon die Argumentation pro Schrauber
- 2:12:45und ich argumentiere die Argumentation pro Kork und wenn es Weine gibt, gerade Weine, die eher im
- 2:12:50Endverbraucher oder eher in einem zügig zu trinkenden Segment sind, wo Menschen zu ihrem Lieblingswinster
- 2:12:58fahren und den Gutswein Weißburg unter kaufen und es gibt jetzt halt grad 24, die holen da von 36
- 2:13:03Flaschen und legen die sich hin und trinken die immer, dann wollen die halt nicht, dass der in einem
- 2:13:07halben Jahr anders schmeckt, weil der im Korken gereift ist, sondern die wollen halt, dass der
- 2:13:11Schrauber die Stilistik bewahrt und wenn sie dann in einem halben Jahr später wieder hinfahren,
- 2:13:16gibt es halt 25 und der hat auch ein Schrauber und der schmeckt genauso und der einfach nur
- 2:13:21Weintrinkende möchte ja sich jetzt auch nicht mit Jahrgangsunterschieden im Zweifelsfall auseinandersetzen
- 2:13:26und ich möchte halt mein Wein von meinem Winzer und der schmeckt dann immer gleich und das ist
- 2:13:30gut und dann ist es auch nachvollziehbar und der Kork erfordert natürlich auch ein gewisses
- 2:13:35Handling, was Lagerung, was Öffnen angeht und so weiter und so fort und da, das muss man halt
- 2:13:42bedenken, der ist natürlich auch immer einen gewisses Risiko, aber es gibt schon so Sachen,
- 2:13:48wo ich mich wundere, ich warte mal aus Australien und so ein High End Ultra Shiraz für paar hundert
- 2:13:56Dollar und da steht auf der Flasche und die Flasche hat ein Schrauber und da steht auf der
- 2:14:01Flasche drauf, man möge doch den Wein, bevor man ihn aufmacht, die Flasche richtig kräftig
- 2:14:05schütteln, damit der Wein Luft bekommt und dann den Schrauber aufmachen und das mag alles
- 2:14:09irgendwie, das mag alles irgendwie Sinn ergeben, sensorisch und der Wein war auch echt gut,
- 2:14:14aber es nimmt dem Ganzen eine gewisse Romantik, das muss man ganz einfach so sagen, das ist schon so.
- 2:14:18Gibt es für dich irgendwas anderes, was du ähnlich intensiv feiercelebrierst, genießt,
- 2:14:23wie eben Wein, ihr sagt ja auch Getränkebegleitung, du hast vorhin erwähnt, Wein und Getränke,
- 2:14:29also lebst du irgendwas außer vielleicht Sage, also es ist ja bei euch auch ein riesen Thema,
- 2:14:34sonst noch irgendwas, was genauso viel Präsenz in deinem Wein leben bekommt? Du nimmst mir jetzt
- 2:14:39natürlich, du nimmst mir jetzt natürlich das Wort, also Sake ist in jedem Fall, ne, Sake auf jeden Fall,
- 2:14:45Sake ist, Sake ist halt, wenn man sozusagen den, den Schrank nach Narnia aufmacht, dann gibt es
- 2:14:53sozusagen nehmendran noch einen zweiten Schrank und das ist Sake und das ist, das ist unfassbar
- 2:14:59faszinierend, ich war jetzt Anfang des Jahres, hatte ich das Glück, das erste Mal nach Japan fahren zu
- 2:15:04können und dort das vor Ort erleben zu können auf einer kleinen Sake Tour und das war, das war
- 2:15:11beeindruckend und das hat mich noch viel mehr mit diesem Getränk irgendwie verbunden. Das macht
- 2:15:17unglaublich viel Spaß, aber ich muss dir ehrlich sagen, einfach privat ein gutes Fasbier zu trinken
- 2:15:24und nicht drüber nachzudenken, ist schon auch unglaublich herrlich. Machst du dir privaten Sake auf?
- 2:15:29Ja. Ja, oh wow, ne ganze Fasche, selber, allein trinken. Ja, auf jeden Fall, da ist es natürlich
- 2:15:37dann die richtige Begleitung zu finden, die da auch Freude dran hat, ist in unseren Breiten
- 2:15:43schwieriger als bei Wein, aber ich finde oder hab die Erfahrung gemacht, dass Sake sich deutlich
- 2:15:49besser offen hält oder mir fehlt einfach die sensorische Erfahrung das einzuschätzen, aber
- 2:15:54ich habe das Gefühl, denn Sake kann ich auch sozusagen Sonntag aufmachen, Montag weiter trinken
- 2:15:59und das Wochenende drauf trinke ich den Rest und der verzeiht mir das. Das würde jetzt bei einem
- 2:16:03entsprechenden Wein nicht unbedingt funktionieren, aber ja, ich trinke das sehr gerne. Es gibt auch
- 2:16:09durchaus zwei, drei Restaurants in der Stadt, in denen ich sehr, sehr gerne Sake trinke, weil die
- 2:16:13spannende Sake-Auswahl haben und ich arbeite in meinen Begleitungen eigentlich immer mit mindestens
- 2:16:19einem Sake in der Begleitung, weil ich finde, dass das einfach heutzutage zur Welt der Getränke
- 2:16:24dazugehört und deswegen haben wir auch, weil wir da immer wieder auch Gäste hatten, die das nicht
- 2:16:28so sehen, ganz bewusst unsere Weinbegleitung in Getränkebegleitung umgetauft und gesagt, es ist
- 2:16:34eine Begleitung verschiedener alkoholischer Getränke, wir schenken momentan auch ein Bier in der
- 2:16:38Begleitung aus und gehen da einfach den Weg, dass wir die verschiedensten alkoholischen Getränke
- 2:16:45damit mit unserem Essen kombinieren und mir und vielen anderen macht das Spaß und vielen,
- 2:16:52die meisten Gäste sind da total offen dafür.
- 2:17:12Lieblingsweißwein von Sommys. Also ich denke, 80 % geben dem Riesling natürlich Bugund an.
- 2:17:18Interessante ist, wenn man von Bugund redet, meinten die meisten automatisch Haronee,
- 2:17:23was total erquatsche ist. Es gibt eine zweite, weiße, große Rebsorte im Bugund, die viele gar
- 2:17:29nicht auf dem Schirm haben, die aber zeitgemäße gar nicht sein könnte. Aligothé. Ja, dieses Urgestein
- 2:17:34des Bugunds Aligothé ist mittlerweile so unfassbar präsent geworden, weil sie Winzer geschafft
- 2:17:40haben, den zu interpretieren. Ja, Urgestein. Stammt wahrscheinlich aus dem 17. Jahrhundert ist
- 2:17:45wahrscheinlich eine Kreuzung aus G.S. Blanc-Pinonor und ja, stand immer im Schatten des großen
- 2:17:51Chardonnets, weil sie immer nur auf den Rand lagen, dort wo Chardonnets Reifte gepflanzt wurde und
- 2:17:56eigentlich nur einmal einen wirklich großen Auftritt hatte, nämlich dann, wenn er während
- 2:18:02offizieller Empfänge mit cremende Kassis, ich will nicht sagen verfeinert, dann eigentlich verpanscht,
- 2:18:06die Leute damals sagten trinkbar gemacht wurde, bekannt als Kier und benannt nach der Person,
- 2:18:12die dieses Getränk eigentlich salon oder hochfähig gemacht hat. Felice Kier. Bürgermeister von
- 2:18:18Dijon, von 1945 bis 1968 servierte nicht selten dieses für viele symbol-bugundischer Lebensart
- 2:18:26bei offiziellen Empfängen und nein, es war nicht seine Erfindung, er hat es im Prinzip nur populär
- 2:18:30gemacht und aber auch ein wenig dafür gesorgt, dass diese Rebsorte Aligothé nicht ernst genommen
- 2:18:34wurde, was schade ist. Diese frühreifende, sehr anspruchsvolle Rebsorte und das ist ihr Vorteil,
- 2:18:41behält die Frische, die Säurestruktur, auch in warmen Jahren und ergibt Crystaline klare
- 2:18:47Terrorweine. Ich glaube, eben bei der Aussage warme Jahre hat es kurz Klick gemacht oder Klimawandel. Man
- 2:18:55kann sagen Aligothé ist der Gewinner des Klimawandels und seit einigen Jahrzehnten verstehen
- 2:19:00Winzer diese Rebsorte, wissen sie zu interpretieren und erzeugen teilweise Weine mit Präzision und
- 2:19:06Spannung, genau dann, wenn der Schaden hier einfach zu breit, zu fett, zu opulent wird. Und sinnbildlich
- 2:19:12dafür sind Winzer wie die Maison-Joseph-Drois. Ein Weingut, das genau so sinnbildlich für es
- 2:19:18begunsteht, wie die Enggassen, die Pflastersteine im Bohnen. Es begann im Jahr 1880. Ein junger
- 2:19:25Mann kaum älter als 22 Jahren wagte sein Bohn ein Weinhaus zu eröffnen. Sein Name, Joseph. Kein
- 2:19:33vermögenem Rücken. Nur eine Idee, ein Wille, ein klares Gefühl für Eleganz und Präzision. Das war
- 2:19:40der Anfang. Diese Urzähne, auch wenn ich jetzt gerade ein bisschen traumatisch darstelle, hat
- 2:19:44nichts Lautes und doch war es der Beginn einer Bewegung, die begund neu ordnete. Unter anderem
- 2:19:50dann als Maurice Droor, 1921, im Klo de Mouch-Reben kaufte. Eine damals noch überhaupt nicht gefeierte
- 2:19:57Parzelle. Und Maurice sah was Andere nicht sahen. Er machte daraus ein Filet-Stück, ein Weinberg,
- 2:20:02der heute synonym für das Haus geworden ist. Dann kam Robert Droor, Mitte des 20. Jahrhunderten
- 2:20:09führte die Maison in eine komplett neue Dimension. Er vergrößerte den Besitz, brachte die besten
- 2:20:14Lagen vom Bohn bis Chapli ins Haus. Chapli war damals komplett am Boden zerstört, von Reblouse von Kriegen.
- 2:20:21Robert sah die Zukunft dort, dort wo andere Resignationen sahen. Ja, Droor war immer einen Schritt
- 2:20:28voraus und die Liste der Innovation ist unzählig. Unter anderem war Robert einer der Ersten, der
- 2:20:33eine Frau an die Spitze der Kellerarbeit stellte. Laurent Chouba, ab 1976, Inologin des Hauses,
- 2:20:41wie fast drei Jahrzehnte prägend, Mitte der 70er Jahre, eine Frau als Inologin. Verrückt. Das war
- 2:20:47ein stiller, aber mächtiger Bruch mit Konvention. Es gibt Geschichten, die man nicht besser erfinden
- 2:20:53könnte. Und dann die vierte Generation. Heute stehen Philippe Vérunique, Laurent und Frédéric
- 2:20:57Laurent an der Spitze. Jeder mit einem klaren Aufgaben fällt Philippe in den Weinbergen,
- 2:21:01der Hüter des Bodens, Vérunique die Inologin, geprägt von ihrer Ausbildung Dijon und natürlich
- 2:21:07Arbeitserfahrungen in Oregon die Hüterin des Deals. Laurent, der Brückenbauern Übersee und
- 2:21:13Frédéric, der Strategie. Präsident des Hauses lenkt die Geschicke im Bohm. Gemeinsam bilden sie
- 2:21:19ein Gefläch, das sich absolut perfekt ergänzt. Kein Einzelner überragt den anderen. Es ist ein
- 2:21:24Familienchor, in dem jede Stimme gewicht hat. Und unfassbar viel Substanz. Es gibt Worte, die
- 2:21:31hohe Klingen, wenn sie bloß als Schlagwort gebraucht werden. Bei Droin ist es anders. Dreifahrer respekt
- 2:21:38nennen sie es. Respekt vor dem Terroir, vor den Reben und vor dem Wein. In der 1980er war es Philippe
- 2:21:46Droin, der die entscheidende Wende vollzog. Chemie raus, Natur rein. Biodynamie lange bevor es Mode
- 2:21:52wurde. Keine halben Wege. Pferdeflug, Kompost, Begrünung, Präparate. Nicht als Dogma, sondern als
- 2:21:59Konsequenz. Heute stehen auf vielen Parzellen 12.500 Stöcke pro Hektar. Dicht. Fast wie
- 2:22:07im Burgund des 19. Jahrhunderts. Das hier "Eleganz" nicht Kraft, nicht Holz, nicht Lärm. Eleganz.
- 2:22:14Es klingt wie ein einfaches Wort und doch ist das Schwierigste aller Tugenden im Wein. Naja und
- 2:22:19fragt die Zombies, warum Burgund ihr Lieblingsweines. Darum. Eleganz. Und dieses spiegelt sich im
- 2:22:252022er Alligothee. Die Trauben stammen aus verschiedenen Teilen im Burgund. Otkotebun,
- 2:22:31Otkotni, Kutschallonee. Lagen die oft höher gelegen sind. Kühler mit Böden aus Kalk und Leben. Wer hier
- 2:22:38fühlt sich der Alligothee wohl? Kein komplizierter Kellerprozess. Es geht um Präzision. Weniger
- 2:22:44Intervention, mehr Vertrauen in die Rebe. Und das spiegelt der Wein. Ein Erlebnis und vielleicht
- 2:22:49sogar eine neue Definition des Burgunds. Vielen lieben Dank der Maison-Joseph Droin. Und im
- 2:22:54deutschen Putte dem Handelshaus Schlumberger. Den sage trinkst du zu Hause europäisch oder
- 2:23:09japanisch? Also in welcher Servierform genießt du ihn? Wenn europäisch bedeutet in einem Weinglas dann
- 2:23:17europäisch, obwohl ich in Japan kennengelernt habe, das aus den kleinen Schalen zu trinken,
- 2:23:23deutlich mehr sensorisch hergibt, als man im ersten Moment denken möchte,
- 2:23:29wenn man von schicken Gläsern kommt. Aber ich trinke ihn zu Hause aus dem Weinglas und
- 2:23:33ich trinke ihn auch temperiert wie Wein. Und ich trinke ihn auch zum Essen wie Wein. Das waren
- 2:23:39die beiden Elemente. Also hauptsächlich Temperatur und Serviergefäß in welcher Form man das
- 2:23:44entsprechen. Was gibst du für eine Sage aus, weil ich glaube da herrschen oftmals eben auch die
- 2:23:50Vorstellungsgrenzen bzw. ist das so die natürliche Hürde auch eine Offenbarung für Sage zu haben,
- 2:23:55wer viele dazu günstig dran gehen. Kann das so sein? Und was ist für dich so eine normale und
- 2:24:00geführte Grenze, wo du sagst, da ist es vernünftig, auch für mich vernünftig. Natürlich gibt es auch
- 2:24:04Grenzen nach oben und unten. Ja leider ist es halt so, dass wenn man in, also zumindest hier in
- 2:24:10Berlin gibt es sehr sehr viele asiatische Supermärkte und wenn man da halt unten ins Regal
- 2:24:15greift und einen Sage rausnimmt, dann kommt der A nicht aus Japan und B ist der sensorisch nicht
- 2:24:21so, dass es eine Werbung für das Getränk Sage ist. Da muss man leider ein bisschen mehr Geld
- 2:24:26ausgeben und wenn ich Sage trinke, dann trinke ich japanischen Premium Sage und bis auf tatsächlich
- 2:24:32eine Ausnahme. Und dann muss man da leider schon für die 07er Flasche schon irgendwie 40, 50 Euro
- 2:24:41rechnen. Ich sehe aber an mir selber, dass ich bereit bin, mehr Geld pro Flasche für einen
- 2:24:47exzellenten Wein auszugeben und dass bei Sage bei mir schneller eine Grenze erreicht ist, wo ich
- 2:24:53sage, okay, ab hier ist es mir fürs Preis-Genuss-Verhältnis zu teuer. Das liegt aber glaube ich an meiner
- 2:25:00noch nicht so großen Trinkerfahrung für Sage. Ich habe schon Sachen getrunken, die deutlich
- 2:25:04teurer waren, die unfassbar grandios waren, aber ich glaube für im Restaurant oder auch für Privat,
- 2:25:10die jetzt zu kaufen, das würde ich eher nicht tun. Ich habe zwei, drei Charaktere im Restaurant,
- 2:25:15die relativ teuer sind. Wenn wir die ab und zu verkaufen, die zu probieren, ist immer toll. Aber
- 2:25:20das tue ich dann eher nicht. Da bin ich beim Wein deutlich mehr bereit, für eine Flasche zu
- 2:25:25investieren, wenn ich für einen eigenen Genuss. Kann man das für den Ungegütten vielleicht so
- 2:25:31runterbrechen, dass es beim Sage ähnlich wie beim Vodka ist, dass es nicht um die Frage der
- 2:25:37Geschmacksintensität und der Fülle der Aromen, sondern um die Reinheit geht und um so reiner es
- 2:25:42schmeckt, um so klarer, um so kristalliner, um so geschmackswertiger ist es oder ist die Ansicht
- 2:25:48falsch? Ich glaube, das ist eine sehr konservative Ansicht. Also ich habe in Japan gelernt, dass
- 2:25:55sozusagen in der japanischen Sicht die Perfektion des Sake, die Aromeneutralität ist und die Klarheit,
- 2:26:01so wie du das gerade formuliert hast. Ich habe aber auch bei vielen Brauereien in Japan gelernt,
- 2:26:07die genau nach was anderem suchen und die versuchen, aromatisch anspruchsvolle Sachen zu
- 2:26:13machen, üppige Sachen zu machen, die mit Kohlensohre arbeiten. Das ist übrigens was, was bei uns
- 2:26:17fantastisch funktioniert. Sparkling-Sake, also flaschenvergorene Sake mit Kohlensohre. Das ist
- 2:26:23ein extrem erfolgreiches Produkt bei uns auf der Karte. Oder Sake mit Restzucker oder Sake mit
- 2:26:32Holzausbau oder so. Und dass da auch man versucht, den Sake mehr und mehr auch zu spielen, was sozusagen
- 2:26:38aus Reis noch machbar ist und eben wegzugehen von diesem sehr konservativen, möglichst puristischen
- 2:26:46Bild. Wenn ich jetzt inspirierter von bin, wo kaufe ich am besten Sake? Also gibt es für dich einen Laden,
- 2:26:51wo du sagst, das kann ich empfehlen, sollte man allgemeinen Laden gehen, sollte man sich online
- 2:26:55bestellen, wenn dann in Deutschland oder soll man direkten Kontakten nach Japan suchen oder was
- 2:27:01ist dein Empfehlung? Jetzt erstmals in Kontakt mit Sake irgendwie zu erfahren bzw. auszuleben.
- 2:27:08Ich arbeite tatsächlich mit unserem Sakehändler schon seit Tag 1 sehr erfolgreich zusammen. Das
- 2:27:16ist Ueno Gourmet, mit dem ich auch Anfang des Jahres in Japan war. Er ist Deutscher und sie ist
- 2:27:25Japanerin. Das heißt, sie hat den absoluten Einblick schon immer und sie ist mit Sicherheit die beste
- 2:27:31deutschsprachige, hat die beste Sensorik, was Sake in Deutschland angeht, deutschsprachig. Und die
- 2:27:39haben auch einen ganz, ganz tollen Online-Shop, Japan-Gourmet.com, wo man auch so Sake-Einsteiger,
- 2:27:45Tasting-Packages kaufen kann, wo man teilweise auch so 300 Milliliter Flaschen, einfach zwei,
- 2:27:51drei Charaktere mal probieren kann, auch Sachen, die nicht unfassbar teuer sind. Die haben
- 2:27:55ausschließlich Produkte, die sie direkt aus Japan importieren von kleinen Produzenten und mit denen
- 2:28:02sie seit vielen, vielen Jahren arbeiten. Und da kriegt man online auch einen tollen Überblick,
- 2:28:07man kriegt erklärt was es, man kriegt so ein bisschen so eine Guide Line an die Hand, was
- 2:28:12ist eigentlich Sake, wie wird es gemacht und so weiter. Und da kann man super gut einkaufen. Und
- 2:28:17da hat man eine unfassbar tolle Auswahl in allen Preiskategorien. Also da kaufe ich total gerne
- 2:28:23und in einem Restaurant, ich bin in Berlin ganz gerne in einem Sushi-Laden im Prenzlauer Berg und
- 2:28:31die importieren so eine handvolle Sake selber. Die haben auch nicht so richtig eine Karte,
- 2:28:34da muss man sich das zeigen lassen. Und da kann man immer ganz spannende Sachen entdecken,
- 2:28:39teilweise ohne westliche Schrift drauf. Und man muss dann einfach sich darauf verlassen,
- 2:28:43dass es taugt. Und da hatte ich schon zwei, drei richtig geile Sake-Erlebnisse von einfach
- 2:28:48total unbekannten Sachen. Das ist auch ziemlich cool. Das ist das Restaurant Sazaya im Prenzlauer Berg.
- 2:28:53Sazaya im Prenzlauer Berg. Genauso ein Sushi, relativ klassisches konservatives Sushi-Restaurant
- 2:29:00im Prenzlauer Berg. Ziemlich cool. Richtig gut. Hast du sonst irgendwie mal ein Weinladen gehabt,
- 2:29:04den du absolut begeisternd fand? Also sei es Weinbar oder Weinladen, wo du sagst,
- 2:29:09hier wird meine Weinsele gespiegelt? Unterschiedlich. Aber mein absoluter Lieblings-Weinladen ist,
- 2:29:19ich habe bei meiner Familie ein kleines Ferienhaus in einem Stückchen südlich von Rom in einem
- 2:29:26kleinen Ort am Meer. Und ein Ort weiter gibt es einen kleinen Weinladen, der ist, also wenn man
- 2:29:33vom Strand Strammschrittes läuft, ist man in, ich schätze, 60 Sekunden mit den Knien im Wasser.
- 2:29:39Man sitzt in einer kleinen Seitenstraße direkt vom Platz weg, wo die ganzen Bars sind,
- 2:29:46mitten in einer Einkaufsstraße, schreckend über ein Fischladen. Und in diesem Weinladen gibt es
- 2:29:51fast alles, was ich liebe. Eine kleine Auswahl, so ein bisschen Antipasti dazu. Und man bestellt
- 2:29:59sich, eine Handvoll Antipasti setzt sich in der Abendsonne draußen auf die belebte Straße, hat
- 2:30:04noch Sand an den Füßen und der Wein, den man sich aus dem Regal genommen hat, wird runtergekühlt
- 2:30:08und einem aus, wie ich betonen möchte, für Süditalien sehr guten Gläsern serviert. Und man
- 2:30:16zahlt dann den Ladenpreis plus, ich glaube, ein Fünfer-Aufschlag oder ein Zehneraufschlag. Und
- 2:30:20wenn man und da zu sitzen und da Wein zu trinken, ist mit Sicherheit für mich einer der schönsten
- 2:30:28Momente im Jahr und einer der schönsten Orte. Und da gibt es all die Dinge, die in Deutschland
- 2:30:34schwer zu kriegen sind, stehen dort im Regal und man kann sie einfach trinken und dazu ein paar
- 2:30:39Oliven und ein bisschen schinken. Das ist für mich einer meiner absoluten Sehnsuchtsorte. Wo kann
- 2:30:45ich buchen? Also das klingt so perfekt. Ist es die Umgebung? Ist es die Auswahl? Oder ist es der Mensch?
- 2:30:53Oder ist es ein Somersorium von allem, wo du sagst, aufgrund dessen ist es dieser Ort?
- 2:30:58Na es ist natürlich. Ich meine, wenn ich dort bin, bin ich sozusagen nicht nur räumlich,
- 2:31:05sondern auch geistig, relativ weit weg von der Arbeit im Urlaub. Es ist die Mischung aus,
- 2:31:12die Kinder können schinken essen, haben eine gute Zeit und die Auswahl dessen, was sie an
- 2:31:19Weinem laden haben, ist grandios. Es ist die Mischung aus süditalienischem Lebensgefühl von man
- 2:31:26sitzt zum Apparativo draußen und man kann das aber nicht nur mit einem lokalen Weißwein, der
- 2:31:32so eine so eine halbbräunliche Farbe hat und aus der Karaffe kommt, sondern paaren mit exzellenten
- 2:31:40Wein aus den spannendsten Regionen Europas und das ganze zusammengenommen, gepaart mit einem
- 2:31:46sehr, sehr attraktiven Preisgefüge macht es traumhaft. Was ist Wein für dich, wenn du es in
- 2:31:52einen Wort pressen müsstest? Emotion. Stark. Noch ein Leben ohne Wein, wer das für dich denkbar,
- 2:32:01wer das für dich erfüllend? Könntest du dir irgendetwas anderes beruflich vorstellen als
- 2:32:05Somie? Heißt, ich mache was anderes, weil ich kann nie wieder Wein trinken oder kann ich auch
- 2:32:11einen anderen Beruf machen und trotzdem Wein trinken. Vielleicht separiert in zwei Teile,
- 2:32:16wer für dich ein genussvolles Leben ohne Wein denkbar? Ja, grundsätzlich schon. Also, ich
- 2:32:24möchte das natürlich nicht, aber die Welt bietet ja sozusagen Genuss, wenn ich, wenn ich
- 2:32:30weiterhin, wenn ich weiterhin gut essen kann, dann würde ich mich damit irgendwie, also wenn
- 2:32:38jetzt morgen die Diagnose kommt, Raphael, du darfst den Rest deines Lebens kein Alkohol mehr trinken,
- 2:32:42weil dann, du kannst aber den Rest deines Lebens weiterhin schinken und Käse essen, dann würde
- 2:32:47ich sagen, okay, I'll take it. Wenn die Aussage, wenn die Aussage ist, Raphael, du kannst nie
- 2:32:52wieder genießen und du musst nur noch Graubrot mit schlechter Butter essen, das wäre auf jeden
- 2:32:56Fall deutlich schwieriger zu verarbeiten, weil ich einfach unabhängig vom Wein, ich liebe und
- 2:33:05lebe für Genuss und wenn ich, wenn ich mit Kollegen beim Personalessen sitze, dann können wir 35
- 2:33:12Minuten lang darüber diskutieren, bis streiten, wo in Berlin ist das beste Eis oder die beste
- 2:33:17Pizza gibt und da geht es nicht um Weinkarten oder darum, welches Prümerkrieg aus Mörso uns das
- 2:33:22liebste ist, sondern da geht es schlicht und ergreifend darum, wer macht den besten Teig und
- 2:33:27wo sind die Produkte auf der Pizza besser und es gibt wenig, wenig Dinge, die ich einfach nur
- 2:33:32esse ohne zu oder trinke, ohne mir zu überlegen, ist das jetzt gut und wenn ich eine Apfelschorle
- 2:33:37trinke, dann möchte ich, dass sie excellent ist und dann möchte ich, dass ich sie genießen kann
- 2:33:42und einfach nur irgendeine Apfelschorle trinken, macht mir keinen Spaß. Insofern, ohne Genuss auf
- 2:33:49gar keinen Fall, ohne Wein, hart aber möglich. Aber ist die Situation, wie du sie gerade skizziert
- 2:33:55hast, nicht großartig und außergewöhnlich, sprich, dass man beim Personalessen, also auf
- 2:33:58Arbeit ist, da wo andere über, was auch immer reden und ihr redet trotzdem über Genuss,
- 2:34:04geht danach in den Abendservice und redet weiter über Genuss. Also es ist ja eigentlich pure
- 2:34:09Leidenschaft, das ist ja komplette Lebenserfüllung, dass du genau das in deinem privaten auch
- 2:34:13lebst, ohne Verkopf nördig zu sein, sondern einfach welches Spaß macht, so wie es zumindest
- 2:34:17rausklingt. Ich glaube wirklich, dass wir da im Restaurant es geschafft haben, Menschen zu
- 2:34:24vereinen, die mit uns, bei uns arbeiten, weil sie genau das tun und lieben und die, wenn
- 2:34:32sie beim Personalessen sitzen und man über Themen redet, natürlich geht es auch mal
- 2:34:38um Fußball und natürlich geht es auch mal irgendwie darum, wie jetzt Celebrity X und
- 2:34:43Celebrity Y was tun, aber die Hauptzeit reden wir über Essen, über Trinken, über Restaurants,
- 2:34:50über Bars und das sind einfach von uns allen, das eint uns alle und das ist alles ein Interesse
- 2:34:54und ich glaube, bei uns zu arbeiten und kein Interesse für Genuss zu haben, welcher Art
- 2:35:01auch immer, ist sehr, sehr schwierig und ich finde, ich habe vor längerem angefangen
- 2:35:07in Bewerbungsgesprächen, egal für welche Position, potenzielle Mitarbeiter zu fragen,
- 2:35:13ob sie sie nach, es ist heutzutage nicht mehr zeitgemäß Leute abzufragen, du bewirbst
- 2:35:19dich bei uns als Azubi, was weißt du denn schon über Champagner, das ist vollkommen
- 2:35:23Aquatsch und das ist auch glaube ich nicht mehr zeitgemäß, aber ich frag sie einfach
- 2:35:26nur, was ist dein Lieblingsessen und dein Lieblingsrest oder dein Lieblingsrestaurant
- 2:35:30und ich war noch nie Sterne essen und dann ist meine Antwort immer, darum geht es doch
- 2:35:34nicht, wo hast du am besten gegessen und wenn jemand sagt, der Döner bei mir unten im
- 2:35:39U-Bahnhof ist der beste und ich frage, warum und der Mensch mir sagen kann, weil ich finde,
- 2:35:43die Chili-Sauce ist so gut wie keine andere in der Stadt, dann habe ich das Gefühl, der
- 2:35:48Mensch hat sich zumindest schon mal damit auseinander gesetzt, was Essen ist und jemand,
- 2:35:53der dann sagt, habe ich nicht, weiß ich nicht, kann ich nicht, ich gehe halt zu Lidl und
- 2:35:56holen mir ein Toastbrot, dann ist das irgendwie eine Ansicht, mit der ich sehr schwer umgehen
- 2:36:01kann, weil den Menschen werde ich für das, was wir tun, nämlich den absoluten Genuss
- 2:36:06in aller Hinsicht nicht begeistern können und das ist was, was mir wichtig ist und das
- 2:36:11liebe ich an den Menschen, mit denen ich arbeiten darf.
- 2:36:14Eindruckn und Gänsehaut, also da sehr, sehr, sehr interessanter herangehensweise und eigentlich
- 2:36:19so war und so tief sind ich dabei.
- 2:36:21Was wärst du aus der Formel, also wenn du heute umschulen dürftest, wenn ich mich umschulen
- 2:36:27durfte?
- 2:36:28Wenn ich heute umschulen dürfte, dann wird's wahrscheinlich zeitlich eng, aber mein Plan
- 2:36:33damals so bis fünf Minuten vor dem Abi war eigentlich Medizin zu studieren, aber das
- 2:36:39ist nichts geworden, also ich komme aus einer Medizinerfamilie und da war irgendwie so
- 2:36:42der Gedanke, na klar wirst du irgendwann Arzt und läufst mit einem weißen Kittel über
- 2:36:47die Gänge und wirst von allen respektiert, aber das ist nicht geworden und im Nachhinein
- 2:36:51bin ich glaube ich in meinem Freundeskreis einer der wenigen Menschen, die einen Job
- 2:36:55machen, den sie nicht nur machen, um ihren Urlaub zu finanzieren, sondern den ich auch
- 2:37:00wirklich gerne und mit Passion mache und insofern bin ich ganz froh, dass es am Ende des Tages
- 2:37:04vielleicht dann doch nicht so geworden ist, sondern ich jetzt das mache, was irgendwie
- 2:37:08ursprünglich mal sozusagen ein Hobby war.
- 2:37:11Und welche Wein wirst du, wenn du Wein wirst?
- 2:37:13Das sieht mich wirklich, weil du so viele Facetten, aber trotzdem sehr straight bist
- 2:37:20und da wirst du total witzig sind.
- 2:37:24Ich wäre, vielleicht können wir es zusammenbauen, aber ich wäre auf jeden Fall, ich möchte
- 2:37:31schon gerne gemocht werden, ich bin auch harmoniebedürftig, also ich wäre nichts.
- 2:37:36Ich bin auf jeden Fall kein Savagnar aus dem Jura, weil das ist zu provokant, ich wäre
- 2:37:41auf jeden Fall was, was eher schmeichelhaft ist, ich wäre auf jeden Fall was, was eher
- 2:37:47generös ist von einer Grundidee, glaube ich, und ich wäre trotzdem was, was irgendwie,
- 2:37:55was komplex und ambitioniert ist, das heißt, auch wenn das vielleicht jetzt zu naheliegend
- 2:38:00ist, aber ich wäre ein Prömerkrieg aus dem Begrund.
- 2:38:02Ich hätte eher die richtige Bordeaux gesteckt und dann aber so mid-age, also gar nicht so
- 2:38:06so reif und stinkig, sondern mit Anspruch, mit Charakter, mit Autorität, mit einer sehr,
- 2:38:12sehr guten Struktur dabei, mit Ausdruck, mit Nachhaltigkeit, mit einer gewissen konservativen
- 2:38:19Art, aber trotzdem eben auch einer gewissen Freigeistigkeit von dem her liegen mir wahrscheinlich
- 2:38:25auch wohl total auseinander, liegen gar nicht so auseinander.
- 2:38:28Na, wahrscheinlich, wahrscheinlich ist das so.
- 2:38:32Zum Schluss ein Riesling, ja gerne, ich habe jetzt gerade noch mal den Franschakorter
- 2:38:40nachgeschenkt, den würde ich noch mal nachprobieren, aber ansonsten, ansonsten gerne.
- 2:38:46Passt Riesling auf Sake, oder was kann man auf Sake trinken?
- 2:38:48Oder schauen wir ihn doch, also ich finde, das ist für mich so ein Todmachgetränk, weil
- 2:38:56es frisst andere Getränke und man hat immer so die Vorstellung, man hat wie so eine
- 2:39:03weiße Ebene danach, weil es diese Kleid im Geschmacksbild hat, aber alles andere wirkt
- 2:39:07für mich nach Sake, probiert zu bunt, zu schillern, zu laut, zu expressiv, zu provokant,
- 2:39:14zu mundbeeinflussend, oder da fehlt mir jetzt das Wort, aber einfach zu viel.
- 2:39:19Und Riesling finde ich kann das, ein Riesling hat die Möglichkeit mit Frische, mit Lebendigkeit,
- 2:39:25mit Struktur und mit dieser fast erhabenen Feinsinnigkeit auf den Sake zu folgen und
- 2:39:35den auch so ein bisschen weiterzuentwickeln, wenn es denn nicht so dieser...
- 2:39:38Bist du Riesling-Jünger?
- 2:39:39Du klingst so.
- 2:39:40Gar nicht.
- 2:39:41Also wenn ich es wirklich runterbrechen würde müsste, was ich wirklich total gerne mag,
- 2:39:46bin ich bei dir im Bugunderteam, da Riesen-Fan sowohl weiß als auch rot, aber sonst bin ich
- 2:39:51total offen und egal ob Loa, Bordeaux, Italien, Spanien, Deutschland, Riesling großartig,
- 2:39:57aber ich bin überhaupt nicht vernördet in irgendeine Richtung, weil ich vielen Dingen
- 2:40:01sehr viel Offenheit entgegenbringe, auch vielen Preisebenen sehr viel Offenheit entgegenbringe.
- 2:40:07Ja, verstehe ich.
- 2:40:08Und ich versuche mich immer ganz, ganz weit rauszunehmen und jedem getränkt jedem Wein
- 2:40:14eine ganz nüchterne Betrachtung zu schenken und habe ganz, ganz selten in der Tat für
- 2:40:19mich selber auch die Möglichkeiten, meine Vorlieben, meine persönlichen Befindlichkeiten
- 2:40:24auszuleben, weil ich viel zu oft im Betrachten bin.
- 2:40:27Und dann, wenn du anfängst ein persönliches zu leben, schuldige vielleicht so als Nachsatz,
- 2:40:32persönliches zu leben, dann fängst du an zu werten und das möchte ich eigentlich immer
- 2:40:35ganz, ganz oft, oft außen vorlassen.
- 2:40:37Hm, verstehe ich.
- 2:40:39Ich habe ja immer bei mir sozusagen so diesen, diesen Zwiespalt zwischen einerseits will
- 2:40:45ich ja Weine jetzt beruflich einkaufen und verkaufen, die Menschen glücklich machen,
- 2:40:52mit denen ich Geld verdienen kann, die irgendwie, die, die harmonieren, die zum Essen passen
- 2:40:56und überhaupt, aber andererseits möchte ich natürlich auch Weine auf einer Weinkarte
- 2:40:59kuratieren, haben, die auch irgendwo für mich stehen und die auch mir Spaß machen.
- 2:41:05Und da ist es schon so, dass das ganze Feld deutscher Riesling, gerade im trockenen Bereich,
- 2:41:13ich weiß, dass es super wichtig, das zu haben, ich verkaufe das auch sehr gut, das macht
- 2:41:18mir auch viel Spaß, das zu verkaufen, aber dass ich in einem Restaurant auf einer guten
- 2:41:23Weinkarte in deutschen Riesling bestelle, passiert zweimal im Jahr, weil ich ehrlicherweise,
- 2:41:32wenn ich Wein trinke, mich immer und das war ja vorhin auch mit diesem, mit der Aussage
- 2:41:38der Emotionen und allem, was ich so von Wein erzählt habe, Wein hat für mich immer was
- 2:41:42mit Fernweh zu tun und in einem Novembertag hier in Berlin zu sitzen und ein Glas Wein
- 2:41:49zu trinken und ich denke mich dann weg nach Andi Mosel ist irgendwie für mich im Kopf
- 2:41:56und das ist nur in meinem Kopf, hat eine andere Emotion als sich wegzudenken nach Sizilien,
- 2:42:02wo es immer noch schön ist, wo es irgendwie im Kopf ist da 365 Tage Sommer und Strand
- 2:42:08und das natürlich auch nicht so und Anna Loa scheint auch nicht häufiger die Sonne als
- 2:42:12irgendwie als einer Pfalz, aber trotzdem für mich emotional denke ich mir irgendwie möchte
- 2:42:17ich jetzt was trinken von einem Winzer, der nicht meine Muttersprache spricht, weil ich
- 2:42:21möchte irgendwie weg, im Glas weg und das ist auch wenn ich zwei Tage Urlaub habe, dann
- 2:42:27muss ich irgendwo hin, wo der Supermarkt anders aussieht als bei mir zu Hause und eine andere
- 2:42:31Sprache gesprochen wird als meine Nachbarn hier und ich muss immer weg, weg, weg und
- 2:42:36das muss ich auch nicht versuche, auch beim Wein trinken immer dem zu inflihen und deswegen
- 2:42:41mag ich Etiketten, wo nicht deutsche Wörter draufstehen und deswegen bestelle ich relativ
- 2:42:45selten für mich selber deutsche Weine und deswegen verkaufe ich sie aber trotzdem sehr
- 2:42:50gerne, weil natürlich viele Menschen das genau andersrum sehen und das ist ja auch ganz
- 2:42:55toll und deswegen ist es immer ein sehr zweischneidiges Schwert.
- 2:42:57Wenn ich Wein emotional trinke, ist das für mich eine gerade aus der Situation entstehende
- 2:43:03Emotion und ich muss mein Gefühl dann komplett mit dem Wein spiegeln, weiß ich ob man das
- 2:43:09nachvollziehen kann, also dass ich dann halt, ich fühle jetzt hier keine Ahnung, kräftig
- 2:43:12mineralisch frisch und genau dieser Wein muss da rauf kommen und dann komme ich auch
- 2:43:17von Wein zu Wein, also dann kenne ich auch, dann komme ich dann wie so ein warte Sinneswort
- 2:43:21ist, ich finde es auch doof, dass Wein Alkohol hat, das kann ich von vorne unterstreichen,
- 2:43:25aber in wie so einen Rausch, wo ich sagen möchte, ich möchte mich geschmacklich immer weiter
- 2:43:28treiben und dann ist mir egal was da draufsteht, sondern ich möchte dann so meine Geschmack
- 2:43:32... mein Geschmacks-Fanatismus kann man eigentlich schon sagen, immer weiterspielen, weiter treiben
- 2:43:38und daher dann eben auch die Situation, wenn ich sage, danach käme für mich Riesling,
- 2:43:44rein vom Gefühl her, von der Wahrnehmung, wo ich sage, ich mache nochmal ein neues
- 2:43:47Tor auf, ich bin nochmal in der neuen Welt und ich kann mich da ...
- 2:43:49Das kann ich insofern verstehen, als dass du ja beim Sake häufig zumindest relativ
- 2:43:54zurückhaltende Säurestruktur hast und dass du beim Riesling dann, glaube ich, nachdem
- 2:43:57du das Gefühl hast, du hast mit viel Textur und Umami den Mund so ausgekleidet, dass
- 2:44:02du dann was brauchst, was mit einer knackigen Säure, mit viel grünem Apfel, zumindest so
- 2:44:07wie jetzt in dem Fall vor uns, einmal so da drüber geht und dagegen geht und so ein
- 2:44:12bisschen wie den Mund einmal ausspült, das kann ich durchaus verstehen.
- 2:44:16Da ist aber dann ein Hinweis für dich, dann solltest du mal das Thema Sparkling-Sake
- 2:44:23dir anschauen.
- 2:44:24Ich weiß nicht, ob du die Gelegenheit Sparkling-Sake zeringst.
- 2:44:29Das ist für mich diese Lösung auch dahingehend alle Kritiker irgendwie zu besemptigen, sich
- 2:44:37daran stören, dass Sake halt keine Säure hat, wenn man damit natürlich eine zusätzliche
- 2:44:42Ebene eingebaut hat und das ganze Facettenreicher gestalten kann und somit eben auch diese Welt
- 2:44:49für manche eröffnen kann, die vorher immer ein bisschen kritisch waren.
- 2:44:53Und es ist eine Geschmacksvierfalt, die großartig ist.
- 2:45:01Ich habe immer das Gefühl, wenn ich die probiere, ich kann sie nicht greifen, das sind Weine
- 2:45:05für mich, die wie so Nebel sind, also ich habe beim Nebel, du fühlst dir die Feuchtigkeiten,
- 2:45:11so fühle ich dort auch die Kohlensäure mehr als Sparkling, ich fühle was, aber ich kann
- 2:45:16das mit diesem Aroma nicht in Worte kleiden, ich kann das nicht beschreiben, wie beim
- 2:45:20Nebel auch, da kannst du ja nicht beschreiben, ich sehe irgendwie die Farbe oder das und
- 2:45:24so und so fühle ich mich bei Sparkling Sake.
- 2:45:26Deswegen verwirrt es mich und fasziniert mich trotzdem, aber ist toll.
- 2:45:31Ich habe bei Sparkling Sake tatsächlich das Gefühl, dass das der Sake-Charakter ist,
- 2:45:38mit dem ich Sake-unerfahrene Gäste am ehesten abholen kann, also wir haben ja eine recht
- 2:45:43präsente Sake-Auswahl auch auf der Weinkarte und da ist es schon so, dass es dann immer
- 2:45:48mal Gäste gibt, die gegen Ende des Abends dann sagen, wir würden zum Abschluss noch
- 2:45:51ein Sake trinken, was können wir denn da empfehlen oder was können wir denn da machen und da
- 2:45:58ist es dann schon so, dass der Sparkling Sake für unerfahrene Gäste am ehesten ankommt
- 2:46:04und es am ehesten mit so Begrifflichkeiten wie Lecker beschrieben wird als eher intellektuelle
- 2:46:10trockene Sachen, mit denen sich dann doch unerfahrene Gäste eher schwerer tun, ehrlicherweise.
- 2:46:14Das tut mir jetzt gerade richtig gut, dass du mir den zusprichst, also daher vielen Dank
- 2:46:18dafür, mit den Ausführungen, jetzt fühle ich mich wohl, also auf zum Riesling.
- 2:46:23Sehr gut, ja perfekt, aber es ist insofern ganz witzig, dass wir jetzt sozusagen einen
- 2:46:29Schaumwein und einen deutschen Riesling von der Mosel trinken, weil das genau die beiden
- 2:46:34Sachen sind, die ich, wenn du mir zehn geschickt hättest und gesagt hättest, welche zwei willst
- 2:46:38probieren, die beiden wären es auf jeden Fall nicht gewesen, insofern ist es ganz cool,
- 2:46:43dass ich die Chance habe und ich verspreche die hiermit hoch und heilig, ich werde sie
- 2:46:47heute Abend beide die Reste trinken und mich damit auseinandersetzen und an dich denken.
- 2:46:52Sehr, sehr gerne, toll, ich finde die auch großartig, ich finde, Grünhaus ist für mich
- 2:46:57so ein tolles Weingut, weil sie so wunderbar fundiert und traditionell sind und ich finde
- 2:47:02es eigentlich super schade, dass man eben Mosel, dass man so die Mosel eigentlich fast nur
- 2:47:08noch komplett sieht und die Ruhr da fast außen vorlässt bzw. die Saar teilweise außen vorlässt
- 2:47:15und das gar nicht separiert, obwohl die Klimasituation teilweise so unterschiedlich sind.
- 2:47:19Das stimmt, obwohl die Saar mit zwei, drei sehr prominenten Vertretern ja immer wieder
- 2:47:30für sich schreit und dann auch immer wieder in die Welt hinaus schreit, wir sind übrigens
- 2:47:33nicht die Mosel und wenn man an so Beispiele wie Egon Müller oder van Volksem oder so
- 2:47:41denkt oder auch von Othegrafen, die so laut und präsent sind und immer wieder schreien,
- 2:47:46wir sind Saar Riesling, wir sind Saar Riesling, wir sind nicht Mosel, das tun sie und du hast
- 2:47:53schon recht, das passiert an der Ruhr weniger, das Gefühl habe ich tatsächlich auch ja.
- 2:47:58Obwohl es ja großartige Weingüter gibt, wie eben Maxmann Grünhaus, wusstest du, dass
- 2:48:02die gleiche Klimasituation wie in Dänemark ist, wenn du die Feuchtigkeit nimmst, wenn
- 2:48:06du die Durchschnittstemperatur nimmst, wenn du teilweise die Frosttage nimmst und das
- 2:48:11erklärt für mich auch so den Stil, warum dieser Stil so wunderbar anders, eben sowohl
- 2:48:14tun, anders ist als an der Mosel, warum die Weine präziser klarer, der Riesling kann
- 2:48:22hier für mich in seiner eigentlich fast altertümlichen Art und Form und Weise prälieren und Grünhaus
- 2:48:28ist da ja so eines, nicht zuletzt mit dem Etikett, eines der Häuser, die es schaffen, das eben
- 2:48:33auch darzustellen und diese Tradition irgendwo zu leben und Wein nehmen, einem friegigen
- 2:48:37Schregen und so weiter ist für mich immer ganz viel Tradition.
- 2:48:40Auf jeden Fall, es ist auf jeden Fall so ein Etikett, was wenn man sowas unseren Gästen
- 2:48:47aus Übersee zeigt, das finden die immer richtig cool, da haben die richtig das Gefühl, jetzt
- 2:48:51sind sie mitten in Deutschland angekommen und jetzt gibt es wirklich mal die ernsthaften
- 2:48:55deutschen Sachen, das finden die immer richtig gut.
- 2:48:58Wobei da witzig ist, dass sich mit nach wie vor, wir haben 2025, Riesling ist immer noch
- 2:49:05am Gast, am unerfahrenen Gast muss man sagen, ein sehr zweischneidiges Schwert, es ist
- 2:49:10immer noch so, dass international gerade US-amerikanische Gäste, wenn du den Riesling anbietest, ist immer
- 2:49:16noch abgewunken wird mit "Nein, nein, Riesling mögen wir nicht, Riesling ist uns zu süß"
- 2:49:20und man dann mit so was wie dem, was wir jetzt gerade probieren, mit dieser Frische, man die
- 2:49:24Leute natürlich extrem überzeugen kann und sie das richtig cool finden und die haben
- 2:49:28halt irgendwo in USA mal gelernt, wir mögen "Chablis" und "Sancère", weil das ist trocken
- 2:49:32und weiß und wir hassen Riesling, weil der ist süß und man kann da häufig die Leute,
- 2:49:37das kostet 2-3 Sätze, aber wenn man bereit ist und die Zeit hat, dann ist das total cool,
- 2:49:42die Leute genau von sowas zu überzeugen und wenn man den gleichen eher unerfahrenen Gast
- 2:49:47auf deutscher Seite hat und dem den Riesling empfiehlt, ist das Argument gegen Riesling
- 2:49:51immer "Nein, wir mögen kein Riesling, weil der hat viel zu viel Säure, wir mögen ja
- 2:49:54keine Säure" und es ist so witzig, wie unterschiedlich die Wahrnehmung auf sozusagen den beiden Seiten
- 2:49:59des Atlantik ist und wie wir das kommunizieren und kommunizieren müssen, das macht tatsächlich
- 2:50:07Spaß und man kann dann mit einem gut gemachten Riesling am Ende irgendwie dann doch alle
- 2:50:11immer an einen Tisch setzen und uns einigen, ja das ist dann doch schon was, was wir irgendwie
- 2:50:14alle mögen.
- 2:50:15Habt ihr mehr ausländische oder außerstädtische Gäste oder seid ihr im Berliner Restaurant?
- 2:50:23Weil ihr habt ja den Forder, ich weiß gar nicht ob das ein Forder, ein Nachteil ist, dass
- 2:50:27das Restaurant selber so einen prominenten Namen trägt, natürlich wird es wahrscheinlich
- 2:50:31auf der einen Seite fürs Marketing gar nicht schlecht sein, auf der anderen Seite wird ihr
- 2:50:34wahrscheinlich mit so unfassbar viele Vorurteilen jeden Tag konfrontiert, dass es wahrscheinlich
- 2:50:40manchmal auch keinen Spaß macht, aber so vom Gästeklientel ist das habt ihr?
- 2:50:46Einerseits haben wir natürlich die Vorteile, andererseits haben wir natürlich, meine Tim
- 2:50:51Rauer hat die wahrscheinlich was Essen, Trinken, Kochen und so weiter angeht, wahrscheinlich
- 2:50:57die größte Fanbase im deutschsprachigen Raum, ich weiß nicht ob irgendjemanden gibt, der
- 2:51:02so präsent ist in den Medien was Essen und Trinken angeht wie der Chef, d.h. da gibt's
- 2:51:10einfach Steuern auch nicht, ja gut, stimmt, aber der hat kein Stern, d.h. die Leute werden
- 2:51:15da nicht in ein Restaurant mit einem Stern gelockt, aber d.h. wir haben viele Menschen
- 2:51:20die Fans von der Fernsee oder Medienpersönlichkeit Tim Raul sind, aber noch nie so essen waren
- 2:51:28und dann zu uns kommen und die ganz, ganz vielen nicht kennen und da sind wir dann wieder
- 2:51:32ganz beim Angang unseres Gesprächs, dass man den Menschen auch abholen und viel erklären
- 2:51:37muss und auch viel im Kopf bestehende Hürden einreißen muss und die Leute ein bisschen
- 2:51:43an die Hand nehmen muss, das ist natürlich unser großes Plus, aber wir sind grundsätzlich
- 2:51:48ein international sehr etabliertes Restaurant, d.h. wir haben schon auch sehr viele internationale
- 2:51:52Gäste und das macht schon Spaß, Leute zu bedienen, die irgendwie aus Brasilien hergeflogen
- 2:51:58sind, drei Tage Berlin und dann zwei Tage Paris und dann vier Tage Madrid und dann irgendwie
- 2:52:03noch, weiß ich nicht, so eine Europa-Rundtour machen und da gehört Restaurant Tim Raul in
- 2:52:07Berlin dazu, das ist schon cool mit solchen Gästen dann auch Umgang zu haben.
- 2:52:12Sind die Art anders als die Ur-Berliner?
- 2:52:14Also der kultivierte Ur-Berliner, der ich glaube Oste oder West, also der auch im Anzug
- 2:52:21zu euch kommt, sondern der, der eine gewisse Weißigkeit, eine gewisse Erfahrung hat und
- 2:52:24so weiter, da meine ich nicht den, der an der Currywurst Buse steht und sich davon Grund
- 2:52:30ernährt, merkt man eine andere Herangehensweise oder merkt ihr das im Umgang mit den Gästen
- 2:52:39im Restaurant?
- 2:52:40Ja schon, ich meine der Gast der Berliner ist der und so Essen geht, der wird es schon
- 2:52:46seit über einem Jahrzehnt machen und der wird schon bei uns gewesen sein und der hat
- 2:52:50eine sehr klare Erwartungshaltung und der Gast, der aus Brasilien hergeflogen kommt,
- 2:52:55hat auch eine große Erwartungshaltung, aber am Ende des Tages war der irgendwie gestern
- 2:53:00in Paris und hatte drei Sterne, ist morgen in München und hat drei Sterne und ist über
- 2:53:06morgen in Nizza und hat drei Sterne und die, die, das ist schon bei dem Berliner Gast egal
- 2:53:14wie weit der gereist ist, egal wie erfahren der ist, egal wie wohlhabend der ist und so
- 2:53:19weiter und so fort, der hat schon die Erwartungshaltung, da vor 15 Jahren war ich schon bei euch, da
- 2:53:24war das richtig geil gewesen und jetzt muss das wieder richtig gut werden und das ist
- 2:53:28schon, das ist schon was, das darf man, das muss man auch ehrlich so sagen und da ist
- 2:53:33schon, die Erwartungshaltung ist dann noch größer und vor allen Dingen auch noch ehrlicher
- 2:53:38und direkter und das Feedback ist noch deutlicher in die eine oder in die andere Richtung, habe
- 2:53:44ich das Gefühl.
- 2:53:45Seid ihr im Berliner Restaurant oder seid ihr im Weltrestaurant?
- 2:53:48Ihr seid ja jetzt auf der, auf der, auf der Liste von, von den besten, 50 besten Restaurants
- 2:53:55und damit habt ihr natürlich auch eine gewisse Vergleichbarkeit, aber würd ich jetzt in 30
- 2:53:59von denen essen gehen, könnte man bei euch das Berliner, das deutsche Restaurant herausschmecken?
- 2:54:04Tatsächlich haben wir vor, ich glaube drei Jahren unsere Menüstruktur umgestellt, also
- 2:54:11leider sind wir nicht mehr unter den 50 besten, wir sind jetzt unter den Platz 58, aber immer
- 2:54:17noch relativ weit oben zum Glück und sehr stolz darauf, aber wir haben vor drei Jahren ein
- 2:54:22bisschen umgestellt und haben unser, wir waren ja früher ein asiatisches Restaurant in
- 2:54:27Berlin und wir haben umgestellt, wir haben jetzt ein rein Berliner Menü, wo wir also
- 2:54:31Berliner Aromen präsentieren und dazu uns auch entschieden, eine rein deutsche Weinbegleitung
- 2:54:36zu machen, also in dem Fall bewusst auch nur eine Weinbegleitung und die und damit wollen
- 2:54:43wir eben genau das, dass die Menschen, die von außerhalb kommen, dass wir ihnen so diesen
- 2:54:48Taste of Berlin mal einmal nahe bringen können und ihnen präsentieren können, wofür eigentlich
- 2:54:52unsere Hauptstadt so steht und da arbeiten, es gibt ein Hühnerfrikassee, es gibt Sauerkraut,
- 2:54:59es gibt eine Hachse, es gibt ganz viele Sachen, die irgendwie so, es gibt ein Bienenstich im Dessert,
- 2:55:07es sind einfach Berliner Aromen, wir haben unseren Königsberger Klops und das ist natürlich
- 2:55:11für Menschen, die von außerhalb kommen, sehr ungewohnt und die kennen die Aromenbilder nicht
- 2:55:16und es ist cool eine Geschichte dazu zu erzählen, der Berliner Gast kennt das aber alles und der
- 2:55:20guckt mich halt an und sagt, jetzt soll ich hier 300 Euro für ein Menü bezahlen und ich kriege
- 2:55:24Frickassee und ein Klops, da kann ich bei Oma für Oma haben und da ist natürlich, da muss man
- 2:55:29anders argumentieren und das sind Gespräche, die wir relativ oft führen, insofern ist der Berliner
- 2:55:36Gast glaube ich noch schwerer zu begeistern. Was war es für dich bei der World Best Summary
- 2:55:40Selection dabei zu sein, was ja in Deutschland finde ich kaum präsent ist leider und diese
- 2:55:47internationale Präsenz des Sommys einfach noch mal ganz anders darstellt, wie kamst du da hin,
- 2:55:53wie wurde studiert, wie, was muss man dafür machen, für den etwas unerfahrenen?
- 2:56:00Es ist im Endeffekt ein Gremium aus Sommeliers weltweit, wir treffen uns einmal im Jahr für eine
- 2:56:08große Probe und sozusagen das Ziel dieser Probe ist, dass wir Weine verkosten, aber entgegen allen
- 2:56:16anderen Proben eben nicht blind, sondern extrem transparent, ich sehe die Flasche, ich sehe
- 2:56:20das Design, ich habe eine Präsentation, in der mir der Winzer sagt, was habe ich mir bei dem Wein
- 2:56:26gedacht, ich sehe Fotos, ich sehe Videos, ich sehe alles erklärt, das heißt ich weiß, bevor ich den
- 2:56:30Wein probiere, alles über diesen Wein und entscheide dann, schreibe dann meinen Text zu dem Wein und
- 2:56:36entscheide dann final über einen Button, soll der Wein auf die Liste ja oder nein und das macht
- 2:56:42man, machen wir über einen ganzen Tag mit ganz unterschiedlichen Wein aus unterschiedlichen
- 2:56:46Appellationen, Trauben und so weiter, eigentlich weltweit und das machten wir alle, wir sind ein
- 2:56:51Gremium von ungefähr 50 Sommeliers und am Ende entsteht eine Liste von Wein, wo der Großteil
- 2:56:58gesagt hat, ja, Empfehlung nach oben und ein Teil von Wein, wo wir gesagt haben, kommt nicht auf die
- 2:57:03Liste und dann wird eine Liste released, auf die kann jeder zugreifen und kann sagen, was empfehlen,
- 2:57:11denn die vermeintlich besten Sommeliers der Welt auf dieser Liste für Weine und kann die kaufen
- 2:57:16oder kann die für mein Restaurant nehmen oder irgendwas und das ist der Gedanke und die Grundidee
- 2:57:22waren, Experten Gremium zusammenzustellen von Leuten, die halt wirklich viel Wein probieren und
- 2:57:26nicht zu sagen, das sind jetzt nur Berliner oder das sind jetzt nur Deutsche oder das sind nur
- 2:57:30Europäer, sonst zu sagen, wir wollen die Leute aus der ganzen Welt und da ist halt die 50 Bestliste
- 2:57:36ein gutes Gremium, um Sommeliers zu rekrutieren und im Zuge dessen bin ich seit jetzt im dritten
- 2:57:41Jahr Teil dieser Tastinggruppe und es ist mittlerweile wie ein Klassentreffen einmal im Jahr
- 2:57:47und es ist unfassbar cool mitzukriegen, dass die Kollegen in Tokio dieselben Schwierigkeiten mit
- 2:57:53Händlern haben, wie ich in Berlin oder dass die Kollegen in Buenos Aires irgendwie genauso die
- 2:58:00gleichen Diskussion mit Gästen haben zum Thema XY und am Ende sitzen wir alle zusammen, trinken
- 2:58:06Wein und reden über Essen und trinken und darüber, wie es auf der Welt gerade aussieht und es ist
- 2:58:11ein unfassbar tolles Gremium und eine unfassbar geile visionäre Idee gewesen, Sommeliers zusammen
- 2:58:19zu führen und da irgendwie was entstehen zu lassen und ja, es ist eine große Ehre, Teil dessen zu sein
- 2:58:25und immer immer alles genauso wie das, was du machst, ein Schritt dahin zu zeigen, dass auch der
- 2:58:31Sommelier irgendwie was auszusagen hat und dass wir irgendwie auch einen Forum brauchen, um das,
- 2:58:36was wir tun, irgendwie in die Welt rauszuschreien. Und das Ganze wurde initiiert von William Reid,
- 2:58:41der auch diese Top 50 Bestliste ins Leben gerufen hat? Exakt, genau, es ist ein britisches Verlagshaus
- 2:58:47und die machen das und die die lancieren diese Liste und du kannst dich als Winzer Betrieb kann
- 2:58:54du eine Flasche einsenden, das kostet natürlich eine gewisse Vieh, die Flasche dahin zu schicken und
- 2:59:00dann füllst du deine Tabelle aus mit allen Details, die da irgendwie wichtig sind über dein Wein und
- 2:59:04kannst da Fotos, Videos und so weiter hochladen, dann probiert diese Gruppe den Wein und wenn der
- 2:59:10und dann entscheiden wir ja oder nein und dann kommt der Wein am Ende auf die Liste ja oder nein
- 2:59:15und dann können eben praktisch User diese Liste, ich glaube im Abo oder irgendwie wie genau das
- 2:59:21funktioniert, auf jeden Fall kann man die auf diese Liste zugreifen und kann dann sehen, was die
- 2:59:26Empfehlungen des Jahres 24 jetzt ergeben haben oder ja so ist die Idee. Schön, spannende Sache,
- 2:59:34spannende Sache und lohnt sich einfach irgendwie transportiert und publiziert zu werden, weil es
- 2:59:38da ja dann es zum ein die Idee ist, die Möglichkeit eben auch die Zombies zu präsentieren, dann eben
- 2:59:44auch besondere Weinen in irgendeiner Form zu präsentieren. Gab es für dich da Umstellung,
- 2:59:49dieser Umstellung von der asiatischen hin zur Berliner Küche, so als Kern oder als Oberthema,
- 2:59:54Umwandlung in der Weinphilosophie, weil so rieslingt wie jetzt dieser, den wir im Glas haben,
- 3:00:01würde ja glaube ich sowohl zum einen als auch zum anderen passen, oder? Ja, auf jeden Fall,
- 3:00:06aber im Zuge dessen, dass wir entschieden haben wir wollen mehr auch unsere Berliner Identität
- 3:00:11rausholen und ich auch mich selber so ein bisschen unter Druck gesetzt habe mit der Großspurigen
- 3:00:15Aussage, ich mache eine rein deutsche Begleitung dazu, habe ich mich auch aus den vorhin genannten
- 3:00:20Gründen so ein bisschen aus meiner Komfortzone rausgebewegt und gesagt, okay ich werde mich
- 3:00:25jetzt mehr auch mit deutschen Produzenten, deutschen Produkten und so weiter auseinandersetzen,
- 3:00:30die jetzt sozusagen von meiner Grundemotion nicht mein erstes Go-to wären und habe seitdem auch die
- 3:00:37deutschen Teil der Weinkarte stärker ausgebaut und mehr auch spannende und super tolle deutsche
- 3:00:44Winzer Persönlichkeiten kennenlernen dürfen, deren Weine ich jetzt serviere und das ist cool und
- 3:00:51ich habe einfach jetzt auch mehr da wieder so in Deutschland Bezug und auch beim Bereich Spirituosen
- 3:00:57und so weiter und sofort auch immer mehr geguckt, dass wir mehr Deutsch haben, dass wir halt nicht
- 3:01:01ein Obstbrand aus dem Elsass ausschenken, sondern dass wir halt sagen wir sind Berliner, dann können
- 3:01:06wir doch auch Produkte von regional machen, dann können wir doch auch ein Saft aus Brandenburg
- 3:01:10servieren und dass wir immer mehr auch darauf gehen, dass wir halt uns auch da besinnen auf das,
- 3:01:15was eigentlich bei uns und um uns herum passiert. Nicht für alles und nicht für immer, aber sozusagen
- 3:01:21dass wir da mehr und mehr auch mal gucken, was bei uns so geht und das ist schon eine Umstellung für
- 3:01:27mich gewesen, weil mein Blick eben wie gesagt eigentlich immer der ist, erstmal sozusagen
- 3:01:32Deutschland verlassen und dann anfangen zu gucken, was es so gibt. Wenn ich dir jetzt in dem Fall
- 3:01:36mitgebracht hätte, wir hätten uns getroffen Raphael und du würdest gesetzt dem Fall, was höchst
- 3:01:41unwahrscheinlich ist, das Haus nicht kennen. Wie würdest du dich so ein Wein nähern? Also wie
- 3:01:44betrachtest du Wein? Ist die Farbe für dich wichtig, ist die Kette für dich wichtig, ist die grüne
- 3:01:48Flasche für dich wichtig, ist es wichtig, ob es ein Schrauber ist? Ne, das hat man schon geklärt,
- 3:01:51Schrauber oder Korken. Gehst du zuerst rein von der Aromatik oder über die Gustatorik an den
- 3:01:59Wein ran, versuchst du die erste Wahrnehmung irgendwie zu charakterisieren oder zählt für dich
- 3:02:05der Aftertaste, die Entwicklung des Weines, der Nachgeschmack. Was ist für dich Wein, wo es
- 3:02:13Wein für dich wichtig, wie schmeckst du Wein? Also das Etikett ist für mich und da muss man
- 3:02:20einfach jetzt auch mal ganz ehrlich sein und da können wir Sommeliers im Halle sagen, wir sind
- 3:02:24Profis und wir trinken aus schwarzen Gläsern und am besten alles blind und so, das ist doch Quatsch.
- 3:02:28Am Ende des Tages serviere ich auch lieber ein Wein mit einem schönen Etikett am Gast als
- 3:02:32ein Wein oder Etikett billig aussieht oder sich bei jedem Mal in Kühler legen, von der Flasche löst
- 3:02:39oder irgendwas und wenn ich in einem Weinladen stehe und ich gucke irgendwas an, was ich nicht
- 3:02:43kenne, greife ich auch eher zur Flasche, die ein schönes Etikett halten in meiner Wahrnehmung als
- 3:02:47zur Flasche, wo das Etikett hässlich ist, da würde ich einfach an der Stelle auch gerne mal ehrlich
- 3:02:52sein, aber unabhängig davon, wenn ich den Wein jetzt, ich bin sehr, ich brieche sehr gerne und
- 3:02:59bin, das ist tatsächlich immer so die erste und wenn das nicht gut riecht oder störend riecht,
- 3:03:04dann habe ich eigentlich schon gar keine Lust weiter zu machen oder es zumindest spannend riecht
- 3:03:07und dann ist es so, dass für mich das Verkosten ist das eine, ich bin immer relativ schnell in
- 3:03:14einem ersten Urteil den Wein einmal zu riechen, im Mund zu nehmen, zu probieren, auszuspucken und
- 3:03:19dann kann ich die relativ schnell sagen, okay, finde ich gut oder tut bei mir gar nichts, aber es
- 3:03:25ist schon so, dass ich dann wie vorhin schon gesagt, dann noch einen Tag später den Rest der Flasche
- 3:03:31nochmal probiere und schon versuche, dem ganz eine zweite Chance zu geben und ich finde, dass der
- 3:03:35Wein, der Wein muss das überleben können, also je nach Stil, aber in den meisten Fällen am nächsten
- 3:03:42Tag nochmal zu performen und sich ein bisschen gewandelt zu haben und da, wenn der Wein das
- 3:03:49nicht kann oder er sich nicht zum Guten hin entwickelt, dann finde ich das Teil meistens
- 3:03:53falsch schwierig, aber ansonsten bin ich da immer eher sehr schnell in der ersten Tendenz und dann
- 3:04:00in der zweiten Tendenz bestätigt sich das hoffentlich oder halt auch nicht. Bei dem jetzt siehst du
- 3:04:05die Rebshorte, siehst du den Winzenau, siehst du das Gebiet, wenn du rein riechst? Auf jeden Fall
- 3:04:11den Schiefer, das war sozusagen die erste, diese, diese, diese, diese Stinkigkeit, das war das erste,
- 3:04:19was mir, was mir aufgefallen ist, aber sobald man es dann trinkt, der grüne Apfel, die frische, die,
- 3:04:24die, die Präzision und auch die Salzigkeit, dann ist es schon auch viel Traube, dann ist es schon
- 3:04:30auch viel Terroir und dann finde ich es auch ehrlich gesagt richtig gut. Ist für dich eher ein Solis und Speisebegleiter?
- 3:04:35Ich glaube, das höchste Kompliment, was ich aussprechen könnte für egal, welchen Wein wäre,
- 3:04:42es ist ein geiler Speisebegleiter, den ich sogar alleine trinken würde und das ist auf jeden Fall
- 3:04:51ein Speisebegleiter, würde mir aber auch als Flasche Spaß machen. Aber es ist auf jeden Fall was,
- 3:04:56was mit Essen super gut funktioniert, weil man, wenn man da mit was arbeitet, was vielleicht Säure hat,
- 3:05:01wenn man damit was arbeitet, was Salz hat, dann, dann und damit so ein bisschen noch die, die Exotik,
- 3:05:06die der Wein hat, rauskitzelt, dann kann das schon richtig geil funktionieren und dann, dann ist das
- 3:05:10super gut, weil dann kriegt es Textur, dann kriegt es Schmelz, dann kriegt es Creme und dann, dann ist
- 3:05:15es auch wirklich, wirklich gut und ich habe ihn vor Beginn unsere Aufnahme aus dem Kühlschrank
- 3:05:20genommen und den meisten Menschen wäre jetzt zu warm, aber ich finde ihn jetzt so beigeschätzt mal so
- 3:05:2516, 17 Grad, ehrlich gesagt, gerade richtig gut. Ich finde, dass eigentlich schön, dass er jetzt
- 3:05:31es schon brillieren kann, aber ich glaube, die eigentliche Kompetenz, die eigentliche Stärke des
- 3:05:36Weines kommt wahrscheinlich erst in 10, 15 Jahren zum Tragen. Also, dass er da die, die Aromen tiefer
- 3:05:42eigentlich erst raus spielen kann. Ja, ja. Das ist ja oft so, aber dann ist halt immer die Frage,
- 3:05:48leider Gottes macht es halt auch jetzt schon Spaß zu trinken. Wenn ich privat, wenn ich privat Wein
- 3:05:53kaufe, dann bin ich ehrlich gesagt dazu übergegangen, immer mindestens zwei Flaschen zu kaufen, dann
- 3:05:59kann ich nämlich eine aus Neugier, ich schon jetzt trinken und bei der anderen weiß ich dann ungefähr,
- 3:06:03wie lange ich noch warten kann, darf oder muss bis der, bis ich die zweite Flasche trinke, weil
- 3:06:09schon zu oft erlebt, man kauft eine Flasche, macht sie dann doch auf und denkt sich, wow, richtig
- 3:06:14geil, aber der wäre in 10 Jahren noch besser gewesen und dann ärgert man sich, wenn man es nicht mehr
- 3:06:19kaufen kann, deswegen immer, immer lieber, immer lieber eine zweite. Dokumentierst du oder kannst
- 3:06:24du das alles memorieren? Also, hast du dein Büchlein, dein schwarzes Büchlein, wo du es reinschreibst,
- 3:06:28hast du dann eine Online-Lösung oder bleibt das ohnehin gerade nicht bei einer Probe, wo du ohnehin
- 3:06:33tausend Weine probierst, sondern zu Hause, wenn du eine Flasche trinkst, kannst du dich an den Wein
- 3:06:37noch drei, vier, fünf Jahre zurückerinnern? Bei einer Probe schreibe ich mit, beziehungsweise mache
- 3:06:45mir ganz schneude Fotos mit dem Handy und arbeite danach, aber bei Sachen, die ich privat getrunken
- 3:06:52habe, die Sachen, die mich begeistern, merke ich mir, da kann ich dir auch genau den, was ich dazu
- 3:06:58gegessen habe, in welcher Situation, welchen Jahrgang und welche Lage und welchen irgendwas,
- 3:07:02das weiß ich ganz genau, das vergesse ich auch nicht, warum auch immer mein Hirn das tut und die
- 3:07:08Sachen, die ich vergesse, die waren es einfach nicht wert, sie zu erinnern, ehrlich gesagt. Und
- 3:07:12das ist, das funktioniert für mich fantastisch. Also, es ist selten so, dass ich auf dem Handy
- 3:07:16Fotos finde von vor neun Jahren und mir denke, oh, stimmt, da waren wir da essen, ah, da hatten wir
- 3:07:20ja den, der war richtig gut, das passiert nicht. Und dann, ich weiß noch, wir waren da und haben
- 3:07:24den und den Wein getrunken, aber ich weiß nicht mehr, was ich dazu gegessen habe, ich gucke
- 3:07:27mein Handy und es geht mir leider eins zu eins genauso. Also wirklich, ja, genau. Ich habe
- 3:07:32mir an die Weine erinnern, egal wo wir waren, aber manchmal verschwimmt es mit dem Essen,
- 3:07:36manchmal auch die Gespräche, hoffentlich selten die Begleitung, aber die Weine, die sind immer
- 3:07:42präsent und auch in der, in der Entwicklung, also über den Abend, darüber hinaus, das finde ich,
- 3:07:47finde ich spannend, also das macht Spaß. Ja, beim ganz genauso. Hast du noch Ziel oder Wünsche,
- 3:07:54irgendwas, was du dir persönlich vorgenommen hast, was du erreichen möchtest, was du machen
- 3:07:59möchtest, konkrete Vorhaben oder alles im Lot? Grundsätzlich alles im Lot, aber irgendwann muss
- 3:08:08man sich ja trotzdem die Frage stellen, will man sozusagen mit Anfang 60 noch am Tisch stehen
- 3:08:14und Wein empfehlen oder was ist sozusagen der nächste Schritt und ich glaube, das Perspektivisch,
- 3:08:19das was ich kann und was ich mir über die letzten Jahre angetrunken, an sozusagen gekellnet und in
- 3:08:27Gesprächen mit Gästen mir angebahnt habe, da irgendwann in eine Funktion zu gehen, wo man
- 3:08:33vielleicht jüngere Kollegen mehr und mehr Schultbetriebe diese Kompetenz vermittelt,
- 3:08:40dass sowas vielleicht perspektivisch was für mich wäre. Ich glaube, ich bin nicht der Typ,
- 3:08:44der für eine dauerhafte Selbstständigkeit gemacht ist, stand heute zumindest würde ich das nicht
- 3:08:49behaupten, aber dann eher zu sagen, man unterstützt Leute, die eine Selbstständigkeit haben und denen
- 3:08:57vielleicht gewisse Dinge fehlen oder einen Blick auf was fehlt und dafür habe ich einfach den Job
- 3:09:01so viele Jahre schon gemacht, dass ich, wenn ich ein Backoffice irgendwo sehe, kann ich dir genau
- 3:09:07sagen, wo, wenn ihr im Stress seid, wo es gleich was runterfällt und die Kompetenz irgendwann weiter
- 3:09:15zu geben und da Leuten zu helfen und zu schulen. Ich glaube, das wäre was, was mir extrem viel
- 3:09:20Spaß machen könnte, weil man dann den Bezug zur Praxis nicht verliert, aber trotzdem irgendwann
- 3:09:25nicht mehr jeden Abend im Abendservice steht. Man hat irgendwie das Gefühl in jedem Wortschreck
- 3:09:36der Charakter. In jedem Wort steckt Rückgrat, in jedem Satz steckt eine Meinung. Das hat richtig
- 3:09:42Spaß gemacht. Danke Raphael. Danke, dass du unser Gast warst. Danke, dass du es begleitet hast. Danke,
- 3:09:47ja auch für diese manchmal polarisierenden Aussagen, die aber ganz viel Sinn machen. Also gerade diese
- 3:09:53Gedanken mit der Weinbegleitung. Ja, warum soll man sie hin und her basteln? Warum soll man sie nicht
- 3:09:58einfach so nehmen und vielleicht sogar gezwungen immer so doof, aber genötigt sein, neue Weine
- 3:10:02zu probieren von seinem eigenen Geschmacksmuster, vielleicht einfach so wie die Abstand zu nehmen.
- 3:10:06Interessant. Und wie gesagt, ich finde es gut, wenn man eine Meinung hat, um diese eben nach
- 3:10:10außen zu trinken. Und das kannst du, das machst du. Ein toller Gast. Hat Spaß gemacht. Vielen Dank
- 3:10:15dafür. Ja, und abschließend vielleicht noch ganz kurz erneut die kleine Erwähnung zu unserem
- 3:10:20neuen Podcast-Format, "Sommelier und Tour". Wir beginnen mit der Schlumberger Säckellerei. Haben
- 3:10:26die großartige Orogedie, also die Kellermeisterin von Schlumberger bei uns zu Gast. Man erfährt
- 3:10:31neben dieser wahnsinnig charmanten Art, die sie hat ganz, ganz viel über Säckellerei und wie ein
- 3:10:36Kellermeister Säckellerei sieht. Ich habe viel gelernt und ich habe ganz viele Gedankenansätze mit
- 3:10:41auf den Weg bekommen. Es hat Spaß gemacht. Also ab Dienstag, den 2. September, jeden Dienstag. In der
- 3:10:49ersten Woche gibt es das "Feet Red", also die Kurzvorstellung, wenn man so möchte. Und in der
- 3:10:53zweiten Woche gibt es das im Prinzip Showcase, also die längere Variante. So haben wir pro Monat
- 3:10:592 Weingüter, die wir präsentieren können. Und ich hoffe, dass ihr richtig Spaß damit hat. Und
- 3:11:04natürlich hoffe ich nicht minder, dass du nicht abwandert, also dass du auch hier bleibst, hier
- 3:11:07bei dem Podcast. "Sommelier, die interessantesten Weinkänder unserer Zeit", dem wir dank der
- 3:11:11Schlumbergergruppe mit den Handelshäusern Konzio Vini, Schlumberger, Segnitz und der Privatkontenportal
- 3:11:16Bremer Weinkollek auch nächste Woche weiterführen können. Und da haben wir einen Gast aus Hamburg,
- 3:11:21aus dem Hegel in Hamburg. Hoch sympathisch, das verspreche ich dir. Es ist der großartige Leonard
- 3:11:26Dink. Mein Name ist Jörn Dreißigerke, von Dreißigerke aus Rhein-Hessen, genau gesagt aus
- 3:11:45Bechtheim. Raphael kenne ich schon unheimlich lang, damals noch als Kommi "Sommelier ohne André
- 3:11:50Massion", gar im Restaurant Tüm Rauhe, die Position hat er ja dann übernommen. Und ich
- 3:11:54finde ganz, ganz großartig ausgebaut. Raphael hat einen ganz eigenen Stil, hat eine geniale
- 3:12:00Karte, setzt sehr viel auf einen eigenständigen Stil, sehr viel auf Zeit und Reife. Was uns
- 3:12:07eben ja sehr verbindet, Raphael war bei uns in seiner Zeit Praktikant beziehungsweise,
- 3:12:13hat seinen "Sommelier-Praktikum" bei uns gemacht, hat, glaube ich, auch einen sehr
- 3:12:17engen Bezug zu uns und zum Weingut, hat gesehen, wie wir arbeiten, hat mitgearbeitet. Wir gehen
- 3:12:22dadurch sehr, sehr gut und schätzen ihn sehr oder ich vor allem auch, einfach weil er ein
- 3:12:26großartiger Mensch ist, ein guter Typ ist und eben jemand, mit dem man sehr, sehr viel
- 3:12:32philosophieren kann, der immer wieder für eine Überraschung gut ist. Wenn ich bei Raphael
- 3:12:36im Restaurant bin, nehme ich immer die Weinbekleidung, weil ich weiß, ich kriege was, was außergewöhnlich
- 3:12:41ist, was ich noch nicht probiert habe oder eben einen Jahrgang, den ich schon lange nicht
- 3:12:45probiert habe, einfach weil er da sehr fokussiert ist. Er macht für mich einen ganz, ganz tollen
- 3:12:52Job als "Sommelier" und hat halt eben vor allem ganz, ganz wichtig, seine eigene Handschrift,
- 3:12:57viel Passion, viel Leidenschaft und genau das macht ihn aus.
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