Latest / SOMMELIER / Christoph Geyler – Exclusive Preview
Transcript
- 0:00Ich trinke jetzt noch einen Schluck Wein und dann sage ich mal was Böses.
- 0:03Herzlich Willkommen zu Somlee, die interessantesten Weinkälner unserer Zeit.
- 0:07Aber was ein Somlee hat, was seine Aufgabe ist,
- 0:10im richtigen Augenblick die richtige Flasche für den richtigen Anlass für die richtigen Leute aufzumachen.
- 0:17Zu wissen, was er im Keller hat, was ist wie kalkuliert, weil wo was hab ich da
- 0:22und dann wenn er Glück hat, wenn er richtig gut ist, schenkt er das noch im richtigen Glas aus und in der richtigen Temperatur.
- 0:28Mein heutiger Gast ist Christoph Geiler, vielen bekannt,
- 0:31aus seinen Tätigkeiten als Zombies in den Berliner Kultrestaurants ruts und ernst.
- 0:35Ich bin jetzt bereit, ich ja jetzt, ich will auch.
- 0:39Ich finde es kein schönes Gefühl, wenn ich oder der Gast betrunken ist.
- 0:46Ich habe immer gesagt, betrunken sein kann jeder, trunken sein ist der Anspruch.
- 0:52Weiß noch, da hatte ich zwei kritische Damen, die so mit verschränkten Armen,
- 0:57obwohl ich gar nicht weiß, ob sie kritisch waren oder verschränkt ist,
- 1:01ist jetzt wieder so deutsch daher gesagt.
- 1:02Zwei Personen, die saßen mitten am Tresen und es ist ja interessant,
- 1:07je nachdem wie du platzierst, es ist ja auch eine eigene Aufgabe.
- 1:10Wo sitzt welcher Gast und wie ist was?
- 1:12Da kann ja auch die Juliane Winkler ehemals Noble Heart sehr viel davon erzählen.
- 1:17Der kann man auch sehr gut zuhören.
- 1:19Aber das ist wirklich so, wie platziere ich meine Gäste in einem Restaurant,
- 1:23so einem Zwölfsitzplatz-Restaurant ist das so unheimlich wichtig.
- 1:26Deswegen, was ich gerade sagen wollte mit der Klammer auf,
- 1:29ja, wir haben unsere Gäste ge-googelt.
- 1:31Welchem Anbaugebiet ich mehr Aufmerksamkeit wünschen würde,
- 1:36was aber doch durch gerade passiert, ist immer noch Thema Württemberg.
- 1:41Im Sommer gab es halt so viele Produkte, wir sind ja sehr, sehr sessional gegangen
- 1:45und mini-sessional, dann gab es halt mal 40 Gänge.
- 1:47Aber sonst haben wir gesagt, mindestens 24 sollten es schon sein, so von der Abfolge her.
- 1:53Es gab es aber eher selten so, 28 war Durchschnitt damals.
- 1:56Äh, oder 30 sage ich jetzt mal, oder, ja, 30 plus.
- 2:00Ich bin total gespannt, was das Wallis in der Schweiz macht.
- 2:05Tatsächlich, weil da ganz viele junge Menschen gerade aus Miura und so darüber gehen
- 2:11und im Jura sind dann doch viele Einsiedler.
- 2:16Und eigentlich war mein Ziel, es gibt nur eine Weinkarte fürs ganze Restaurant.
- 2:20Und ich mag das dann auch, wenn es so abgegriffen ist und ein Patina bekommt,
- 2:23auch gerade mit so Leder oder Leinenumschläge, finde ich total sexy.
- 2:28Ähm, aber dann haben wir doch relativ schnell gemerkt, dass es Wein-Nurz gibt
- 2:32und die brauchen die Weinkarte den ganzen Abend.
- 2:36Solche kennst du ja sicherlich auch.
- 2:38Und dann brauchten wir halt 2, 3 oder 4 sogar, ich weiß es gar nicht immer, wie viele wir gedruckt haben.
- 2:44Früher dachte ich auch, hey, man muss erstmal die ganze traditionelle durchgespielt haben,
- 2:50um überhaupt die lebendigen Weine zu verstehen.
- 2:56Aber ich habe jetzt eben auch einige Erfahrungen gemacht, wo Leute aus gar keinem Background kamen
- 3:02und einfach nur ein Glas Wein trinken wollten und da so dran hängen geblieben sind.
- 3:08Und dann irgendwann war Billy essen, ich glaube mit Marco Müller und, ich glaube,
- 3:15Karsten Schmidt irgendwie so in der Konstellation und irgendwann hat mich Billy bei einem Weintasting,
- 3:20was wir in dem Nebenraum hatten, ich glaube vom Weingut-Künstler oder sowas,
- 3:27zur Seite genommen meinte, hey, sag mal, willst du eigentlich mein Nachfolger werden?
- 3:31Ich bin total geschockt im Positiven.
- 3:37Gerade heutzutage, wo viele Weinkarten online sind, was ich sehr charmant finde,
- 3:42weil das für mich persönlich auch immer ein Kriterium ist, gehe ich da hin, gehe ich da nicht hin
- 3:47und man sich ja vorher entscheidet, gehe ich heute in ein Jazz-Konzert oder gehe ich in ein Rock-Konzert,
- 3:53gehe ich ins Kino oder gehe ich ins Theater und wenn ich, ich nehme ein Beispiel aus meinem alten Betrieb ernst,
- 4:00wenn da jemand reinkommen sagt, boah, ich hätte jetzt aber lieber Lust auf ein Caesar-Sellet und ein Steak,
- 4:06was absolute Rechtfertigung, was absolute das Recht hat und was toll ist,
- 4:12aber dann hat sich leider der Gast in dem Augenblick für das falsche Konzert entschieden,
- 4:17für den falschen Musikstil oder für die falsche Unterhaltung an diesem Abend, das muss man dann ja auch so sehen.
- 4:23Was heißt nicht funktionieren? Wir haben ja schon funktioniert, aber wir mussten halt 12, 16 Stunden funktionieren
- 4:31und das wo war damals in der Gastro irgendwie taktäglich, es war ja nicht eine Ausnahme, es war ja schon drei Jahre durch,
- 4:40ich muss sagen in anderen Betriebe, also ich wünsche es keinem, ich würde es auch keinem empfehlen,
- 4:45ich würde es persönlich wieder so machen, aber ich würde es mir wünschen, wenn es das heutzutage nicht mehr so ist oder nicht mehr passiert
- 4:54und es gibt ja ganz viele tolle Betriebe, wie zum Beispiel Billy mit dem Nobleheart,
- 5:00die das ganz anders machen.
- 5:02Ich muss schon sagen, dass Billy in der Zeit, als ich Aushilfe war und in der Zeit, wie wir
- 5:08eine Übergangsphase hatten, die Prägenste war.
- 5:12Also ich würde sagen, dass er schon da mein Mentor war und bis heute noch großes gastronomisches
- 5:20Vorbild.
- 5:21Und ich glaube auch, dass man immer noch sehen muss, wie ist deine Stimmung?
- 5:26Wie war dein Tag?
- 5:27Wie war denn dein Arbeitstag?
- 5:29Wie bist du gerade emotional drauf?
- 5:31Und ich glaube, dass spiegelt es sich im Geschmack schon wieder.
- 5:36Wie bist du gerade auf Puls?
- 5:39Und wie kommt der Wein bei dir an?
- 5:43Und das ist im traditionellen Bereich, so wie im Natural Bereich, die zwei Begriffe,
- 5:48die wir jetzt geprägt haben über die letzten Minuten in Beidem vorhanden.
- 5:53Tatsächlich ist es eher so, wenn es jetzt 98% sind, ein zugekleisterter oder gemachter
- 6:03Wein mit bis zu 150 Zusatzstoffen.
- 6:06Ob ich was dagegen habe, weiß ich noch nicht mal.
- 6:11Aber im Grunde habe ich irgendwann gemerkt, dass mir die Weine nicht gut tun.
- 6:17Das ist ähnlich wie wenn jemand zehn Jahre lang kein Fast Food gegessen hat bei den
- 6:25einschlägigen Ketten und dann auf einmal so was ist.
- 6:28Und so war es bei mir auch.
- 6:30Ich merke dann auch körperlich, dass es mir nicht gut tut, dass ich, ja, dass ich
- 6:36ob es im Bauch krummeln ist, Kopfwebe kommen oder sonst was.
- 6:39Das ist, ich merke es tatsächlich im Körper und es tut mir nicht gut.
- 6:45Da denke ich, wieso sollte ich das essen oder trinken?
- 6:51Irgendwie war es auch interessant, weil ich kam von der Mosel und ich war da, wurde
- 6:56bietitelt als Banker-Serviceleiter.
- 6:59Also ich habe da irgendwie das Arrschmarr-Restaurant geleitet und die ganzen Hochzeiten und hatte
- 7:05da irgendwie mein kleines Team mit, wie alt war ich da, 24 oder sowas.
- 7:09Und fand es ganz toll.
- 7:10Da war so eine Arroganz ausgestrahlt, so vielleicht auch eine unbewusste, aber auch eine tatsächliche
- 7:17Arroganz als Schutzschild.
- 7:19Ich glaube, das haben viele junge Menschen bis heute noch, ohne jemanden persönlich
- 7:24zu nahe zu treten.
- 7:25Aber das ist auch schon mein kritischer Punkt mit der Szene, dass ich zu viele oder nicht
- 7:32zu viele, aber manche zu wichtig nehmen, so rumgesagt.
- 7:35Aber vielleicht auch, weil es nicht besser wissen, weil diese Arroganz als Schutzschild
- 7:41dient und die habe ich dann ganz klar im Brandenburger Hof abgelegt, weil ich einmal gebrochen
- 7:47wurde.
- 7:48Weil natürlich vieles dann über die Nase geht und so das erste kann ich das riechen
- 7:55oder nicht.
- 7:56Das ist ja bei Personen oft auch so, wenn man sich kennenlernt.
- 7:59Jetzt kommen wir wieder zu dem Punkt Demut.
- 8:02Ich hatte einen zu großen Respekt vor Sake.
- 8:05Ich habe es noch nicht verstanden.
- 8:07Natürlich kann man sich belesen und Proben mitmachen und wie wo was funktioniert, ganz
- 8:14klar geht alles.
- 8:16Aber diese Tradition von Sake, ich wollte das nicht einfach so als Mittel zum Zweck mitten
- 8:24drin.
- 8:25Jetzt haben wir Sashimi Dödödöm und ich mache 10 Sake Dödödöm dazu.
- 8:31Weil es funktioniert.
- 8:32Ich wusste es funktioniert, ich habe es aber nicht gemacht, weil ich nicht einfach nur
- 8:37den Sake benutzen wollte als Produkt, weil es zu diesem einen Augenblick funktioniert.
- 8:41Bei uns zum Beispiel ist es ein riesengroßes Apfelanbaugebiet, wenn die da im Schutzanzug
- 8:47und Gasmaske und gelben Gummihandschuhen nicht übertreibt.
- 8:50Das ist ja auch ein paar unseres Berufes, dass man da so ein bisschen oftmals überspitzt.
- 8:57Ich finde genauso wenig gut, wenn die da mit Krebserregenden Sachen spritzen und so finde
- 9:03ich das auch.
- 9:04Und da ist dann auch eben wieder dieser schöne Beruf, Somellerie im Gange, dass man probiert
- 9:14und merkt dann, gefällt das einem oder gefällt es einem nicht.
- 9:18Diese Ausgabe, Somi, die interessantesten Weinkellner unserer Zeit, wird unterstützt
- 9:23von den Weingütern Isole Eolena aus der Tuscana, dem Weingut Waage Quafmann aus der Falz und
- 9:29Laura aus dem Riviere del Duero sowie unserem Partner, der Schlumbergergruppe.
- 9:35Vielen liebe Dank dafür.
- 9:37Also da finde ich ein Apparativ, ich finde Aporo total geil muss ich sagen.
- 9:41Und das komplette Gespräch findet ihr ab morgen bei Somellerie, die interessantesten Weinkellner
- 9:45unserer Zeit auf dieser Plattform oder überall wo es Podcast gibt.
- 9:50Es war, wie wenn man eben eine Beziehung oder so beendet.
- 9:54Es war schon mit viel Liebe verbunden und schmerzhaft auch.