Latest / IT ohne Drama – der kjello-Podcast / First-Level-Support: Wer hilft, wenn es klemmt?
Transcript
- 0:04Lena: Bei uns klemmt jeden Tag irgendwas, mal der Drucker, mal das Kennwort, mal Teams.
- 0:08Lena: Und dann ruft jeder den an, der gerade in der Nähe sitzt.
- 0:12Jonas: Genau darum geht es heute: First-Level-Support, also die erste Anlaufstelle, wenn am Arbeitsplatz etwas nicht geht.
- 0:18Jonas: Jede Firma hat so eine Stelle.
- 0:20Jonas: Die Frage ist nur, ob sie geplant ist oder zufällig entstanden.
- 0:24Lena: Und was kostet mich die zufällige Variante?
- 0:26Lena: Geholfen wird ja trotzdem.
- 0:28Jonas: Geholfen wird, aber zu einem hohen Preis.
- 0:30Jonas: Die Zeit fehlt bei dem, der hilft, niemand weiß, was am Rechner verändert wurde.
- 0:34Jonas: Und das Gefährlichste: Wer gewohnt ist, dass irgendwer hilft, lässt sich auch von einem Fremden helfen, der sich als Support ausgibt.
- 0:41Lena: Ist das eine Pflicht, so eine Anlaufstelle zu haben, oder eher Ordnungssinn?
- 0:45Jonas: Gesetzlich vorgeschrieben ist sie für die meisten Firmen nicht.
- 0:48Jonas: Aber das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik beschreibt sie in seinem IT-Grundschutz recht genau.
- 0:53Jonas: Dort steht, dass Mitarbeitende Störungen und Sicherheitsvorfälle über verlässliche Kanäle schnell und einfach melden können sollen.
- 1:00Jonas: Und dass eine zentrale Anlaufstelle allen bekannt gemacht wird.
- 1:03Lena: Was nehme ich aus dieser Folge mit?
- 1:05Jonas: Drei typische Fälle: der Kollege, der sich auskennt, die Meldung im Vorbeigehen und der falsche Support am Telefon.
- 1:12Jonas: Am Ende stehen drei Regeln, die Sie diese Woche festlegen können.
- 1:16Lena: Fangen wir mit unserem Klassiker an.
- 1:18Lena: Bei uns ist das der Kollege aus dem Vertrieb, der sich mit Computern auskennt.
- 1:23Jonas: Ein typischer Fall: Eine Firma mit fünfunddreißig Leuten, keine eigene IT-Abteilung.
- 1:28Jonas: Ein Vertriebler hilft, weil er es kann und weil er nett ist.
- 1:31Jonas: Er setzt Kennwörter zurück, installiert Programme und richtet Drucker ein.
- 1:35Jonas: Dafür hat er irgendwann Administratorrechte bekommen, also volle Rechte über die Rechner.
- 1:40Lena: Das klingt erst mal effizient.
- 1:42Lena: Er ist ja sowieso im Haus.
- 1:44Jonas: Bis man nachrechnet.
- 1:45Jonas: Wenn er am Tag eine Stunde hilft, fehlt Ihnen im Jahr mehr als ein Monat Vertriebszeit.
- 1:50Jonas: Und diese Stunde taucht in keiner Rechnung auf.
- 1:53Jonas: Sie steckt im Umsatz, der nicht gemacht wurde.
- 1:55Lena: Und was passiert, wenn er im Urlaub ist?
- 1:57Jonas: Dann steht alles, oder jemand macht es auf eigene Faust.
- 2:00Jonas: Der IT-Grundschutz sieht für jede Verwaltungsaufgabe eine benannte Vertretung vor.
- 2:05Jonas: Die Vertretung muss so eingewiesen sein, dass sie die Arbeit wirklich übernehmen kann.
- 2:10Jonas: Beim hilfsbereiten Kollegen gibt es die fast nie.
- 2:13Lena: Und was ist mit den Rechten?
- 2:15Lena: Er braucht sie doch, um zu helfen.
- 2:17Jonas: Genau das ist der Haken.
- 2:18Jonas: Er nutzt dasselbe Konto für seine Mails und für die Verwaltung aller Rechner.
- 2:22Jonas: Der Grundschutz empfiehlt, dass sich die Kennungen für die Verwaltung von denen für die normale Arbeit unterscheiden.
- 2:28Jonas: Sonst kann eine einzige falsche Mail die ganze Firma treffen.
- 2:31Lena: Wer ist denn dafür zuständig, das zu ändern?
- 2:33Lena: Ich will ihm ja nicht einfach die Rechte wegnehmen.
- 2:35Jonas: Die Geschäftsführung.
- 2:37Jonas: Der IT-Grundschutz sagt ausdrücklich: Für alle Systeme muss festgelegt sein, wer zuständig ist, und alle Mitarbeitenden müssen das wissen.
- 2:44Jonas: Das ist eine Leitungsentscheidung, keine Frage der Technik.
- 2:47Jonas: Und es ist auch keine Kritik an dem Kollegen.
- 2:50Lena: Was ist dann der bessere Weg?
- 2:52Jonas: Eine feste Anlaufstelle mit Namen, die jeder kennt.
- 2:54Jonas: Das kann eine Person im Haus mit Vertretung sein oder ein Dienstleister.
- 2:58Jonas: Wichtig ist nur: Es gibt genau einen Weg, und jeder im Haus weiß, welcher es ist.
- 3:03Lena: Und was macht der Kollege dann?
- 3:05Jonas: Er verkauft wieder.
- 3:06Jonas: Wenn er sich weiter kümmern will, wird er offiziell Ansprechpartner, mit eigener Verwaltungskennung, einer Vertretung und Zeit dafür im Plan.
- 3:14Lena: Und wenn wir einen Dienstleister nehmen, wer ist dann bei uns noch zuständig?
- 3:18Jonas: Verantwortlich bleibt die Geschäftsführung, auch wenn ein anderer die Arbeit macht.
- 3:22Jonas: Im Haus braucht es trotzdem eine Person, die neue Leute anmeldet und sagt, was die Firma braucht.
- 3:27Jonas: Das ist kein Nebenjob für Technik, sondern eine klare Rolle.
- 3:30Jonas: Wichtig ist, dass alle wissen, wer diese Person ist.
- 3:33Lena: Gibt es Dinge, die gar nicht erst beim Support landen müssten?
- 3:37Jonas: Ja, das vergessene Kennwort.
- 3:38Jonas: Microsoft bietet dafür eine Funktion, mit der Mitarbeitende ihr Kennwort selbst zurücksetzen, ganz ohne Helfer.
- 3:45Jonas: Laut Microsoft ist sie in jedem bezahlten Microsoft 365 für Unternehmen enthalten, ohne Aufpreis.
- 3:50Jonas: Sie muss nur einmal eingeschaltet werden.
- 3:53Lena: Und wie weist sich der Mitarbeiter dann aus?
- 3:55Lena: Sonst könnte das ja jeder.
- 3:57Jonas: Er hinterlegt vorher eine zweite Möglichkeit, etwa die App auf dem Telefon oder eine zweite Mailadresse.
- 4:03Jonas: Ohne diese Bestätigung geht nichts.
- 4:05Lena: Zweiter Fall: Bei uns meldet man Probleme in der Kaffeeküche oder per Nachricht aufs Handy.
- 4:11Lena: Was ist daran falsch?
- 4:12Jonas: Dass die Hälfte verloren geht.
- 4:14Jonas: Ein typischer Fall: Montag früh sagt die Buchhaltung im Flur, dass der Drucker spinnt.
- 4:19Jonas: Mittwoch fragt sie nach, und der Helfer weiß nicht mehr, welcher Drucker es war.
- 4:23Jonas: Oder ob es nicht doch der Scanner war.
- 4:25Lena: Muss ich jetzt ein Ticketsystem kaufen?
- 4:27Lena: Das klingt nach großer Firma.
- 4:29Jonas: Nicht unbedingt.
- 4:30Jonas: Ein Ticket ist erst mal nur eine Meldung, die nicht verloren geht und eine Nummer hat.
- 4:34Jonas: Bei kleinen Firmen reicht oft eine feste Mailadresse oder ein Formular.
- 4:38Jonas: Entscheidend ist, dass es einen Eingang gibt und nicht fünf.
- 4:41Lena: Und was soll in so einer Meldung drinstehen?
- 4:44Lena: Meine Leute schreiben sonst nur: geht nicht.
- 4:46Jonas: Vier Dinge: Was geht nicht, seit wann, wer ist betroffen und was stand auf dem Bildschirm.
- 4:51Jonas: Am besten mit einem Foto der Fehlermeldung.
- 4:54Jonas: Damit spart der Support die erste Rückfrage.
- 4:57Jonas: Und die kostet oft mehr Zeit als die Lösung selbst.
- 5:00Lena: Woher weiß der Support, was zuerst drankommt?
- 5:04Lena: Bei uns ist natürlich alles dringend.
- 5:07Jonas: Darum braucht es eine einfache Regel, die Sie vorher festlegen.
- 5:10Jonas: Kritisch ist, wenn mehrere Leute nicht arbeiten können, ein Server ausfällt oder ein Gerät verloren ging.
- 5:16Jonas: Alles andere wird nach Dringlichkeit abgearbeitet.
- 5:18Jonas: Ein Drucker mit Papierstau ist ärgerlich, aber kein Notfall, wenn es einen zweiten gibt.
- 5:23Lena: Und wie schnell muss sich jemand melden?
- 5:25Lena: Ich will nicht drei Tage auf eine Antwort warten.
- 5:27Jonas: Das legen Sie mit Ihrer Anlaufstelle fest, getrennt für kritisch und für alles andere.
- 5:32Jonas: Achten Sie darauf, was gemeint ist: die erste inhaltliche Rückmeldung oder die Lösung.
- 5:37Jonas: Eine Zusage zur Rückmeldung ist realistisch, eine Zusage zur Lösung meist nicht.
- 5:41Jonas: Kein Support weiß vorher, wie lange ein Fehler dauert.
- 5:44Lena: Und wer entscheidet im Zweifel?
- 5:47Lena: Der Support oder ich?
- 5:49Jonas: Die Regel entscheiden Sie, einmal und schriftlich.
- 5:51Jonas: Im Alltag stuft dann der Support ein, und niemand muss Sie für jeden Drucker fragen.
- 5:56Lena: Was ist mit Dingen, die gar nicht kaputt sind?
- 5:58Lena: Ein neues Programm zum Beispiel.
- 6:00Jonas: Das ist eine Anfrage oder eine Änderung, keine Störung.
- 6:04Jonas: Die Störung heißt: Gestern ging es noch, heute nicht.
- 6:07Jonas: Ein neues Programm braucht dagegen eine Freigabe der Führungskraft.
- 6:10Jonas: Das gehört in denselben Eingang, aber mit dieser Freigabe dabei.
- 6:14Lena: Und wenn jemand eine komische Mail bekommt?
- 6:16Lena: Ist das auch ein Fall für den Support?
- 6:19Jonas: Ja, und zwar sofort.
- 6:20Jonas: Der IT-Grundschutz sagt, die Ansprechpartner für Sicherheitsvorfälle müssen allen bekannt sein, mit aktuellen und leicht zugänglichen Kontaktdaten.
- 6:28Jonas: Und lieber einmal zu viel melden als einmal zu wenig.
- 6:31Jonas: Wer für einen Fehlalarm gerügt wird, meldet beim nächsten Mal nicht.
- 6:35Lena: Das kenne ich.
- 6:36Lena: Da geht es eher um Kultur als um Technik.
- 6:39Jonas: Genau.
- 6:40Jonas: Das Bundesamt nennt sogar ein Beispiel: Aus Angst vor Ärger spielt die IT fehlende Updates heimlich nach, bevor man den Angriff untersuchen kann.
- 6:48Jonas: Es nennt das eine mangelhafte Fehlerkultur.
- 6:51Jonas: Die Geschäftsführung kann das mit einem Satz ändern: Wer meldet, hat richtig gehandelt.
- 6:56Lena: Dritter Fall: der falsche Support, den du vorhin erwähnt hast.
- 7:00Lena: Wie sieht das aus?
- 7:01Jonas: Ein typischer Ablauf, den Microsoft zweitausendvierundzwanzig beschrieben hat: Zuerst wird das Postfach einer Person mit Werbemails geflutet.
- 7:09Jonas: Kurz danach ruft ein angeblicher IT-Support an, auch über Teams mit dem Anzeigenamen Help Desk, und bietet Hilfe gegen die Mailflut an.
- 7:17Lena: Und das wirkt glaubwürdig, weil das Problem ja echt ist.
- 7:21Jonas: Genau.
- 7:21Jonas: Der Anrufer lässt die Person die Windows-Schnellhilfe öffnen, ein eingebautes Programm für Hilfe aus der Ferne, und einen Code eingeben.
- 7:29Jonas: Danach sieht er den Bildschirm und übernimmt die Steuerung.
- 7:32Jonas: In mehreren der beschriebenen Fälle wurden am Ende Daten im ganzen Firmennetz verschlüsselt.
- 7:37Lena: Wie sollen meine Leute einen echten Anruf von einem falschen unterscheiden?
- 7:42Jonas: Mit einer einfachen Regel, die auch Microsoft empfiehlt: Fernzugriff nur, wenn man selbst den Kontakt zur IT begonnen hat.
- 7:49Jonas: Wer ungefragt anruft und dringend auf den Rechner will, bekommt keinen Zugang.
- 7:53Jonas: Bei Teams hilft ein Blick auf den Hinweis Extern neben dem Namen.
- 7:57Jonas: Steht er dort, gilt erst recht: Rückruf nur über die bekannte Nummer.
- 8:01Lena: Und wenn der Anrufer sagt, er ist von Microsoft?
- 8:04Jonas: Dann auflegen.
- 8:05Jonas: Microsoft schreibt selbst, dass es nicht ungefragt anruft, um Support anzubieten.
- 8:10Jonas: Und echte Fehlermeldungen von Microsoft enthalten nie eine Telefonnummer.
- 8:14Jonas: Steht eine Nummer auf dem Bildschirm, ist das ein Betrugsversuch.
- 8:18Lena: Das klingt nach Privatleuten.
- 8:20Lena: Trifft das wirklich Firmen?
- 8:21Jonas: Die Verbraucherzentralen warnen seit Jahren vor den Anrufen bei Privatleuten.
- 8:26Jonas: Der Fall von zweitausendvierundzwanzig zeigt aber, dass dieselbe Masche gezielt gegen Firmen läuft.
- 8:31Jonas: Das Bundesamt nennt ausdrücklich den falschen Systemverwalter, der anruft und das Kennwort braucht.
- 8:36Jonas: Und es rät, Kennwörter niemals am Telefon oder per Mail weiterzugeben.
- 8:40Lena: Was mache ich technisch, damit das nicht so leicht geht?
- 8:43Jonas: Zwei Dinge.
- 8:43Jonas: Programme für Fernzugriff, die niemand braucht, werden gesperrt oder entfernt, auch das empfiehlt Microsoft.
- 8:49Jonas: Und das Werkzeug, das Ihr Support nutzt, verbindet sich nur, wenn der Mitarbeiter zustimmt.
- 8:54Jonas: Das verlangt auch der IT-Grundschutz für die Fernwartung.
- 8:57Lena: Und wenn jemand schon zugestimmt hat?
- 8:59Lena: Was kostet mich das dann?
- 9:00Jonas: Das hängt davon ab, wie schnell es auffällt.
- 9:03Jonas: Darum gilt: Rechner sofort vom Netz trennen, also Kabel ziehen oder Wlan aus, und den Support anrufen.
- 9:09Jonas: Danach werden die Kennwörter geändert, die an diesem Rechner benutzt wurden.
- 9:13Jonas: Und die Geschäftsführung prüft mit Datenschutz und Recht, ob eine Meldung an Behörden nötig ist.
- 9:18Lena: Und woher hat der Mitarbeiter die echte Nummer, wenn er so durcheinander ist?
- 9:22Jonas: Genau deshalb steht sie auf einem Zettel am Monitor oder im Startmenü.
- 9:26Jonas: Rückruf nur über diese Nummer, nie über die, die der Anrufer nennt.
- 9:30Lena: Dann bitte zum Schluss die drei Regeln.
- 9:33Lena: Was lege ich diese Woche fest?
- 9:36Jonas: Erstens: Es gibt genau eine Anlaufstelle mit Namen, Vertretung und einer festen Nummer, und jeder im Haus kennt sie.
- 9:43Jonas: Wer dort hilft, hat eine eigene Verwaltungskennung.
- 9:46Jonas: Zweitens: Jede Meldung geht in einen einzigen Eingang, mit vier Angaben: was, seit wann, wer betroffen, Foto der Fehlermeldung.
- 9:53Jonas: Kritisch ist, wenn mehrere Leute nicht arbeiten können.
- 9:56Jonas: Drittens: Fernzugriff nur, wenn man selbst angerufen hat, Rückruf nur über die bekannte Nummer.
- 10:01Jonas: Wer etwas Verdächtiges meldet, hat immer richtig gehandelt.
- 10:05Lena: Das ist machbar.
- 10:06Lena: Und wenn ich diese Anlaufstelle nicht selbst stellen will?
- 10:10Jonas: Wer mit kjello arbeitet, setzt sein Kennwort im Portal selbst zurück, rund um die Uhr.
- 10:15Jonas: Alles andere meldet er dort, und Störungen wie Anfragen sind ohne Begrenzung nach Zeit oder Anzahl enthalten.