Latest / SOMMELIER / Tibor Werzl – Die Architektur des Weingeschmacks
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- 0:00Hallo, es grüßt euch, Theresa Bräuer von Wengut Georg Bräuer aus dem Rheingau.
- 0:17Und ich habe heute die große Ehre, das Intro zu dem Interview mit Tivor zu sein.
- 0:23Tivor ist eine Granate, das man vorweggeschickt.
- 0:27Wir haben uns kennengelernt, bestimmt vor 8, 9 Jahren, als er mit einer ganzen Runde an
- 0:32Sommiliers in den Rheingau kam.
- 0:35Zu uns ins Wengut und im Hinterhof, und wir gegrillt haben und einfach einen wahnsinnig schönen
- 0:40Abend miteinander hatten.
- 0:41Und aus diesem einmal in Rödesheim eine gute Zeit haben, ist eine Routine gewachsen, die
- 0:48entweder mit großer Truppe oder aber auch mal ganz alleine immer wieder stattfindet.
- 0:53Und Tivor ist einer, der ist nach 2 Minuten, wenn er da ist, so angekommen und blickt einem
- 1:00immer genau in die Augen und so ein bisschen hinter die Augen.
- 1:03Der weiß genau, wie es einem geht und hat ein wahnsinniges Gespür für Menschen und
- 1:07das Gefühl hinter den Menschen.
- 1:09Und das macht ihn einfach auch zu einem unbeschreiblich tollen Gastgeber in diesem wahnsinnig verrückten
- 1:16kleinen Pfeif in Bochum, das ich jetzt mittlerweile auch schon 3-mal besucht habe, wenn es überhaupt
- 1:22reicht und mit Sicherheit nicht das letzte Mal da war.
- 1:26Das ist ein wahnsinniger Ort.
- 1:28Bochum ist ja irgendwie so was die letzte Stadt Deutschlands, die man sich als Weinhochburg
- 1:35vorstellt.
- 1:36Und dann taucht man in diese Welt ein zwischen Grünem Gaul und Pfeif und Tivor, der ja eigentlich
- 1:42gelernter Koch ist, verzaubert einem mit einfach ja, einem Wohlgefühl auf dem Teller,
- 1:49aber immer auch im Glas, weil er immer Dinge dabei hat, die nicht Mainstream sind, aber
- 1:55in Nerftreffen und ein Gefühl erzählen, was eben auch genau Tivor widerspiegelt.
- 2:02Wahnsinnig ohne aufgeregt, aber einfach herzlich, warm und wohl fühlen.
- 2:09Das ist Tivor, das ist seinen Umgang mit Menschen, mit Weinen und ich hoffe, dass ich in den
- 2:16Genuss von vielen, vielen, vielen Momenten mit ihm mehr komme.
- 2:19Und jetzt wünsche ich euch erstmal ein großartiges Gefühl mit ihm in dem Interview, dass ihr hört.
- 2:27Ganz liebe Grüße, genießt es, ciao!
- 2:30Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von Sommie, die interessantesten Beinkennung
- 2:51unserer Zeit.
- 2:52Unser heutiger Gast, Tivor Werzel aus dem Restaurant 5 im Bochum, ist eine ganz eigene
- 2:57Kategorie von Sommie, weil er zugleich Koch als auch Sommie ist, so mit dieser Verbindung
- 3:01von Wein und Speisen wie kein anderer lebt und was er über diese Tätigkeit hinaus zu
- 3:06berichten versteht.
- 3:07Denn schließlich ist er für das Getränkekonzept drei weitere Restaurants verantwortlich, betreut
- 3:12seit 2023 das Projekt Star Wine List und so habe ich erfahren, hat eine eigene Weinmesse.
- 3:19Ich freue mich sehr auf ihn und bevor wir ins Gespräch einsteigen, möchte ich mich ganz
- 3:23besonders herzlich bei unserem Partner, der Schlungberger Gruppe, mit den Handelshäusern
- 3:26Segnitz, Conzeo Vini, Schlumberger und dem Privatkundenportal Bremer Weincollect für
- 3:30die händische und auch für die wirtschaftliche Unterstützung ganz herzlich bedanken, denn
- 3:34dank ihnen ist er heute hier.
- 3:36Herzlich willkommen lieber Tivor Werzel!
- 3:38Du hast dieses Jahr Pro Wein geschwenzt.
- 3:41Das habe ich, jawohl.
- 3:44Gab es einen schönen Grund, du bist nach Paris gefahren, ne?
- 3:47Ja, Freundin hat Geburtstag gehabt und ich muss auch sagen, dass die mit so die wichtigsten
- 3:54meine Händler mittlerweile oder dieses Jahr zum ersten Mal auch nicht auf der Pro Wein
- 3:58waren und ich habe ja den Luxus doch im eigenen Bett schlafen zu können und bin trotzdem
- 4:04nicht hin und habe mich dann nach Paris verkrümelt.
- 4:07Das war sehr schön, muss ich sagen.
- 4:08Ich habe es nicht so vermisst, die Messe muss ich sagen.
- 4:11Ja, es ist manchmal vielleicht auch ein bisschen fürs Netzwerken, so ein oder ich finde die
- 4:16Messe fast interessanter fürs Netzwerken, wenn man viele Leute trifft, wenn man sich austauschen
- 4:20kann.
- 4:21Diese Proben-Situation hat man da ja ohnehin eher weniger oder wie ist es bei dir, wenn
- 4:27du da bist?
- 4:28Hast du das mehr oder redest du mehr?
- 4:31Nein, ich rede zu 90 Prozent.
- 4:35Also ich probiere kaum noch so ganz speziell, vielleicht mal ein paar Sachen.
- 4:40Jetzt auch so VDP, ja die Messe finde ich auch zeitlich irgendwie nicht so toll gelegen,
- 4:46weil ich will dann auch keine Fassmuster oder so probieren.
- 4:49Ich bin auch mehr zum Netzwerken da und zum Reden und wenn ich dann keinen Booking habe
- 4:55für irgendeine Moderation oder so oder von Catering, dann bin ich eigentlich wirklich
- 5:02nur zum Quatschen da.
- 5:04Was ja eigentlich fatal ist, wenn man ja eigentlich so viele Möglichkeiten hat, ich finde es auch
- 5:07immer traurig, dass die Seele oder die Hallen, in denen teilweise wirklich interessante Sachen
- 5:13stehen wie keine Ahnung, Arminien oder Georgien oder Griechenland, die sind total leer.
- 5:19Also auch in Italien oder in Frankreich, in den Hallen, in denen man hauptsächlich die
- 5:24Aussteller findet, findet man kaum Leute und da konnte man sich eigentlich schräg mal
- 5:28quer probieren.
- 5:29Die meisten sind halt irgendwie in der Halle 1, Halle 17, also Österreich, Deutschland,
- 5:33ist eigentlich eine verrückte Welt irgendwie.
- 5:35Also die Sachen, die man ohnehin vor Ort hat, die probiert man dort auf der Messe und das,
- 5:39was eigentlich zu einem kommt, findet man da nicht.
- 5:41Ja absolut, ich nehme seit Jahren vor, mir wirklich mal einen Tag Probe herauszunehmen,
- 5:48wo ich wirklich nur Sachen probiere, die ich sonst nicht probieren kann und ich musste
- 5:53sagen, es klappt einfach nie.
- 5:55Also es klappt nie.
- 5:56Ich treffe dann immer an sich Leute und dann bleibt man dort dastehen und hier stehen,
- 6:00dann will der dann auch nicht unhöflich sein, finde ich und sagen, ja nee, ich muss jetzt
- 6:06weiter, ich kann jetzt keinen Wort mit dir reden und von solchen Begegnungen hat man dann
- 6:10irgendwie 20, 30 am Tag und dann kommt man einfach nicht mal aus seiner blöden Halle
- 6:15raus am Ende.
- 6:16Ja, der Weg aus den Hallen ist das Schwer, das war total.
- 6:20Aber auf der anderen Seite natürlich auch schön, weil die Weinfamilie kann man ja eigentlich
- 6:23fast sagen, ist ja dann doch irgendwie so eine Blase, wo man sich kennt, wo man auch sehr
- 6:28freundlich miteinander umgeht, wo es wenig Stutenbeißerei gibt.
- 6:31Also ich finde das eigentlich sehr angenehm.
- 6:32Aber ja, das ist schwierig.
- 6:35Was machst du sonst?
- 6:36Gibt es eine Messe, die du irgendwie Wein Paris oder machst du wie in Italie oder gibt
- 6:41es für dich eine andere Messe, die für dich signifikant wichtig ist?
- 6:45Also ich muss sagen, ich mache seit Jahren eigentlich eher sehr kleine, individuelle
- 6:52Vorortmessen, weil ich es einfach deutlich spannender und schöner finde und vor allen
- 6:57Dingen auch vom Ambiente her schöner.
- 6:59Wir sind mit einer kleinen Sommelier-Truppe häufig an die Loire gefahren, zu den Salons
- 7:07im Februar oder in die Champagne oder ins Jura oder waren auf der Barcelona Wine Week
- 7:15oder so.
- 7:16Also wirklich eher so kleinere Veranstaltungen, wobei ich sagen muss, dass Paris Messe technisch
- 7:23schon bei mir auf der Agenda steht.
- 7:25Also ich möchte es mir schon nächstes Jahr mal anschauen, wie das so wächst und wie
- 7:30so die Resonanz ist.
- 7:31Und ich glaube einfach, dass man in Paris natürlich auch deutlich weniger merkt, wenn
- 7:37eine Großveranstaltung, eine Messe in Town ist, dass dann halt nicht die Hotelpreise
- 7:42ins Unermessliche steigen und man kennt das ja leider von der Prue Wein.
- 7:47Das werde ich mir schon anschauen nächstes Jahr.
- 7:50Das könnte schon ganz interessant sein für uns Wine People, glaube ich, in der nächsten
- 7:57Zeit.
- 7:58Ist das nicht verrückt, wie so eine Messe mehr oder weniger ein absolutes Bad-Image bekommt?
- 8:03Also ich rede jetzt gerade von der Prue Wein, weil das Umfeld so negativ ist.
- 8:08Also die Hotelpreise reklamiert ja jeder dann teilweise eben die Infrastruktur in der Stadt
- 8:13und daran zerbricht die Messe fast.
- 8:17Also die Zahlen sind ja teilweise katastrophal.
- 8:19Übrigens auch bei der Wien-Italie, die feiern zwar gerade, dass die, ich glaube, 90.000
- 8:25Besucher hatten, was ja eigentlich enorm ist.
- 8:27Aber man vergisst es, die 2010, da hatten die fast das Doppelte hatten, die 150.000.
- 8:31Da hat sich nicht zuletzt durch Corona natürlich einiges getan.
- 8:35Aber eben zurückgesprungen, fielte ich das eigentlich irgendwie schade für die Prue
- 8:40Wein, dass das aufgrund des Umfeldes die Messe sich mehr oder weniger demontiert.
- 8:47Eigentlich haben sie vielleicht auch selber daran getan, aber schade, wirklich schade.
- 8:52Also für Deutschland, für den Standort, für Düsseldorf.
- 8:54Ja, absolut.
- 8:55Vor allem wie gesagt, es ist bei mir ja vor der Haustür.
- 8:59Also ich habe ja schon den Luxus nicht mal ein Hotel zu brauchen und trotzdem ist es
- 9:05irgendwie total nervig.
- 9:07Und klar, dann kam auch noch Pech dazu mit Streiks, die ja die letzten Jahre wirklich
- 9:13häufiger einfach genau auf den Proveintag gefallen sind und Flugstreich und dann kannst
- 9:18du nicht mit der U-Bahn von der Messe in die Altstadt fahren.
- 9:21Also es ist schon taf.
- 9:23Ich bin ja jetzt auch nicht so nah dran, aber ich habe auch so das Gefühl, dass die Stadt
- 9:28Düsseldorf das irgendwie auch so ein bisschen unterschätzt, dass sie da vielleicht mal
- 9:33gucken sollten, dass Hotelpreise gedeckelt sind und sich so ein bisschen infrastrukturell
- 9:38einfach besser aufstellen.
- 9:39Das ist ja schon auch einfach ein Riesenpublikumsmagnet aus der ganzen Welt, die Gastronomie.
- 9:44Also ich kenne ja auch viele Gastronomen aus Düsseldorf, die sagen ja, wir haben eigentlich
- 9:49die Weinkarte fast nur für diese eine Proveinwoche, was sich der Weinkeller dann einmal komplett
- 9:54dreht und den Rest des Jahres plätschert das irgendwie so hin.
- 9:58Aber das kann man dann halt so, ja, es ist einfach so viel Kaufkraft dann in der Stadt.
- 10:03Und ja, wenn, kennst du das ja, wenn die Weinleute einmal losgelassen sind, da wird
- 10:08ja noch nicht mehr auf den Groschen geguckt und einfach auch alles wild bestellt, egal
- 10:11wie groß, egal wie teuer.
- 10:13Ja, aber Düsseldorf, glaube ich, hält sich auch immer für, also jetzt kein Düsseldorf
- 10:20hält hier, aber hält sich natürlich auch immer für eine sehr große Metropole, aber
- 10:23so groß ist die Stadt dann leider auch nicht.
- 10:24Deswegen merkt man das natürlich dann an allen Ecken und Enden, dass die Stadt das nicht
- 10:30so richtig aufnimmt irgendwie am Ende, finde ich.
- 10:32Also zum Probieren empfiehlst du eher kleinere Messen, wo man jetzt auch scharf ist.
- 10:38Man kann also, wo man auch sich einen Plan machen kann und man hat ja doch ein limitiertes
- 10:44Aufdarmvolumen dann irgendwo sowohl geistig als eben auch vom Probieren oder von den Kommunikationen.
- 10:49Und da gibt es ja einige auch in Deutschland teilweise sehr interessante Messen, also
- 10:55noch nicht mal jetzt Kopenhagen oder eben die Loire, Champagne, Burgund, Südfrankreich,
- 11:01teilweise Italien, aber auch in Deutschland gibt es ja richtig spannende Geschichten,
- 11:06die Spaß machen und wo man dann teilweise auch Winter probieren kann und darf, die man vielleicht
- 11:12auf einer großen Messe gar nicht zu sehen bekommt, weil es für die einfach zu uninteressant
- 11:16ist.
- 11:17Total, also ich glaube der Bedarf nach kleinen individuellen Messen ist sowohl von der Besucher
- 11:23als auch von der Ausstellersite total da.
- 11:25Und ich muss dir auch ganz ehrlich sagen, ich habe auch einfach keinen Bock mehr auf
- 11:30so sterile Messerhallen mit schlechten Essen.
- 11:33Das sind halt auch so Sachen, die mich so abnerven, dass wenn du in Frankreich irgendwie auf
- 11:40einer kleinen Messe bist, da gibt es einfach irgendwie ein bisschen Austern und Käseplatten
- 11:45und irgendwie ein paar Krebs oder so, aber es ist alles irgendwie so handwerklich und
- 11:49ein bisschen ja einfach authentischer und näher dran und auch vom Preis her viele Reeller.
- 11:54Genau und du kannst halt wirklich auch mit den Winzern noch quatschen und viel probieren
- 11:59und auch die sind manchmal natürlich richtig voll, weil es dann ganz kleine Locations sind.
- 12:05Aber trotz allem ist es für mich so das Erlebnis und dann auch natürlich mit der Fahrt dahin
- 12:10ist ja auch immer so ein bisschen wie so eine kleine Klassenfahrt, wenn man da mit guten
- 12:13Kollegen und Freunden sich dann Airbnb mietet und da abends vielleicht noch ein bisschen
- 12:19was kocht, ein paar Flaschen auf den Tisch stellt und so den Tag dann Revue passieren
- 12:24lässt, das ist ja auch irgendwie ein richtiges schönes Erlebnis muss ich sagen.
- 12:28Also auch in Deutschland tut sich da ganz viel.
- 12:29Wir haben ja jetzt auch vor einigen Jahren selber eine kleine Messe ins Leben gerufen
- 12:35und das ist einfach super schön zu sehen, wie der Bedarf auch da ist, gerade bei jungen
- 12:41deutschen kleinen Betrieben, die sich eine Proven überhaupt gar nicht leisten können,
- 12:47also was überhaupt keinen Sinn machen würde für die von den Standgebühren, aber auch
- 12:52von den produzierten Mengen her macht es einfach gar keinen Sinn und die sich aber trotzdem
- 12:57gerne zeigen möchten und vielleicht auch untereinander gerne probieren, was ja auch
- 13:01noch so ein Faktor ist.
- 13:02Also eine Messe kann ja auch für die Aussteller sehr schön sein.
- 13:06Sollte auch für die Aussteller schön sein und die haben ja meistens gar nicht die Chance
- 13:09dann untereinander zu probieren, was ja total schade ist, weil sie halt am Stand irgendwo
- 13:13gebunden sind und ich finde ja die Aussteller gebühren, das ist teilweise enorm und wenn es
- 13:18nicht irgendwie, keine Ahnung, staatlich subventioniert oder von irgendeinem Verband getragen wird
- 13:22eigentlich nicht tragbar, wenn man da einen fünfstelligen Betrag hat, jemand da irgendwo
- 13:26als Aussteller oder als kleines Weingut, was vielleicht irgendwie 20.000, 30.000 Flaschen
- 13:30produziert, das noch bereppen muss, ist das völlig unrealistisch, aber so klein ist
- 13:34eure Messe ja nun mittlerweile auch nicht, oder?
- 13:37Ja gut, also wir sind halt auch durch die Location limitiert, was ich total also total positiv
- 13:44finde.
- 13:45Ja, es ist jetzt im vierten Jahr mit so um die 60 Aussteller.
- 13:50Ist jetzt auch nicht wenig, gar keine Frage, aber wir wollen es auch bei einem Tag belassen,
- 13:58sodass einfach die Kosten und auch der Zeitaufwand für die Aussteller einfach geringer bleibt
- 14:03und dass man das einigermaßen auch als Besucher schaffen kann.
- 14:07Also wir haben jetzt in diesem Jahr auch so ein bisschen die Anzahl der Labels, der Flaschen,
- 14:13die man pro Aussteller zeigen darf, ein bisschen gesenkt.
- 14:16Das kam auch irgendwie im Gespräch mit Kollegen.
- 14:19Die gesagt haben wir würden gerne eigentlich mehr probieren, aber du kennst das selber,
- 14:22ist man am Stand und dann probiert man doch alles, aber eigentlich wäre so eine kleinere
- 14:27Auswahl viel besser, weil man dann schon direkt zum nächsten Kollegen hüpfen kann,
- 14:30um da einfach wieder was Neues zu probieren.
- 14:33Ja und das haben wir uns einfach zu Herzen genommen, um da immer so kleine Adjustments
- 14:40jedes Jahr zu machen.
- 14:41Aber ansonsten ja, es ist einfach ein super schönes Projekt geworden.
- 14:47Ich muss aber auch sagen, es liegt auch daran, dass es bei uns einfach eine Non-profit Nummer
- 14:53sein darf.
- 14:54Also wir sind ja kein Weinhändler, also wir tragen Gastronomie und mit diesem Mindset
- 15:00kein Geld damit verdienen zu müssen.
- 15:03Es ist einfach total schön, also jeden Cent der reinkommt, wieder direkt in die Messe
- 15:08reinzustecken, damit es einfach schön wird.
- 15:09Und ja, ich glaube, so gewisse Sachen haben wir so vielleicht instinktiv einfach auch
- 15:15richtig gemacht und das, damit meine ich auch so, ja, vom ersten Mal, also vor vier
- 15:21Jahren einfach auch mit befreundeten Winzern zu reden und zu sagen, ja, was macht für
- 15:27dich denn eine gute Messe aus?
- 15:28Wo drauf müssen wir achten?
- 15:30Und da kamen so Kleinigkeiten zusammen, die so einfach sind, aber wo sich alles so drüber
- 15:34freuen.
- 15:35Also einer sagte mir dann zum Beispiel, ja, das wäre schon schön, wenn man morgens irgendwie
- 15:40ankommen zu Messe, man kann vielleicht die Weine vorab schicken und die werden von euch
- 15:44angekühlt, dass man auch beim Zug anreisen kann und dann gibt es einfach guten Kaffee.
- 15:49Und wenn der dann vielleicht auch nicht so teuer ist, dann wäre das total schön.
- 15:55Ja, dann wäre das ja also einfach so machen kann.
- 15:59Ja, wenn man Barista organisiert, der da zum, da Siebträgermaschine und guten Kaffee einfach,
- 16:06ja, da seinen Job macht und alle Winzer trinken bei uns umsonst so viel guten Kaffee, wie
- 16:13sie möchten.
- 16:14Das ist ja so einfach und das hat aber so einen tollen Effekt am Ende, so Kleinigkeiten
- 16:20oder dass sich jeder einfach umsonst mit vernünftigen Essen versorgen kann.
- 16:26Und wenn er ein Bier trinken will, dann soll er das auch bitte machen.
- 16:30Also wenn man im Ruhrgebiet, da soll es auch nicht schaltern und ja, das hat so Kleinigkeiten,
- 16:36die am Ende einfach für eine gute Stimmung unter den Ausstellern sorgen.
- 16:41Natürlich geht es am Ende auch darum, dass jeder auch einen finanziellen Mehrwert hat
- 16:45und am besten ein paar Bestellungen reinbekommt und vielleicht sogar ein Importer findet oder
- 16:53so, das wäre natürlich ganz wunderbar für alle.
- 16:56Aber es geht vor allem auch darum, den Winzern eine gute Zeit zu machen und ja, einfach auch
- 17:03so einen Mehrwert zu schaffen und einen Anreiz zu geben, jedes Jahr wiederzukommen.
- 17:06Und ein tolles Kompliment ist natürlich auch immer, wenn ein Winzer zu uns kommt, die
- 17:13ja eigentlich gar nichts zu verkaufen haben.
- 17:15Also wo der Jahrgang ja sowieso zugeteilt wird quasi.
- 17:19Die hätten es ja eigentlich nicht mal nötig auf eine Messe zu gehen und kommen trotzdem,
- 17:25weil es halt einfach schön ist und sie Kollegen treffen und ja, Networken können und probieren
- 17:30können und ja und auch abends dann bei uns in der Weinbar einfach richtig Party machen
- 17:36können, so dass es ja auch, wenn das der Grund ist, dann ist es ja auch wunderschön.
- 17:40Da ist wahrscheinlich der Vorteil, dass du als Gastronom so eine Messe initiierst oder
- 17:45organisierst und dann einfach diesen Schritt weiter denkst.
- 17:48Also wie fühlt sich jemand wohl?
- 17:50Wie fühlt sich auch ein Aussteller wohl?
- 17:51Denn nur wenn ein Aussteller verlieren kann, wie so ein Gastgeber letztlich auch im Restaurant,
- 17:55den man versucht, ein gutes Surrounding oder ein gutes Fundament zu schaffen, ob wie viel
- 18:00Wein habt ihr es limitiert?
- 18:02Jetzt auf fünf.
- 18:05Was ja schon mal enorm ist, was aber ein guter Querschnitt ist, habe ich meistens auch, wenn
- 18:08ich zum Stand gehe, den ich irgendwie kennenlernen möchte, dann sage ich, ich würde gerne die
- 18:13Weine probieren, wenn es in der Auswahl von zehn auf fünf zuend gibt, sage ich meistens,
- 18:17dass ich so zwischen drei und fünf Weine probieren möchte und dann oftmals die Auswahl der
- 18:20Winzer, womit er sich präsentieren möchte.
- 18:22Daher halte ich das für eine relativ smarte Auswahl.
- 18:25Du sagst Non-Profit, das macht total Sinn, aber ist das nicht unfair den anderen Messen
- 18:31gegenüber?
- 18:32Die damit Geld verdienen müssen, weil ihr ja automatisch günstiger seid und attraktiver?
- 18:37Aus der Richtung habe ich das ehrlich gesagt noch gar nicht gesehen.
- 18:43Ich sehe es halt aus unserer Zombie-Seite manchmal auch.
- 18:46Wir schreiben ja oftmals auch oder moderieren oder machen irgendwas und wenn wir so ein
- 18:51Image-Schwert oder ein Mehrwert daraus sehen, dann machen wir es halt auch mal für einen
- 18:55Kleintaler oder machen es umsonst, aber eigentlich kretschen wir ja jeden Journalisten damit
- 18:59in die Beine, der damit Geld verdienen muss oder der moderierten damit Geld verdienen
- 19:04muss und so eben auch in vielen Bereichen unserer Branche.
- 19:07Und ich finde das natürlich super löblich und ich finde das großartig und man sagt,
- 19:12dadurch wird es günstiger, man baut das langsam aus dem Nichts heraus auf, aber letztlich
- 19:17ist es ja die gleiche Situation wie mit dem Weinhändler, die aus Italien irgendwie ihre
- 19:21Kiste Wein mitbringen, die unter Freunden vercheckern und damit natürlich günstiger
- 19:26sind, aber jedem, der ein Gesamtprogramm bietet, den mag damit abgraben.
- 19:30Ich will dich da jetzt nicht kritisieren, es ist nur ein Gedankenansatz.
- 19:33Nee, gebe ich dir den natürlich recht.
- 19:35Also es ist ja so, natürlich müssen wir auch unsere Kosten irgendwie deckeln und stemmen,
- 19:41deswegen ist ja auch bei uns in Wien nichts groß jetzt umsonst.
- 19:44Also wir nehmen natürlich auch eine Standgebühr und wir nehmen auch eine Ticketgebühr für
- 19:49die Besucher, auch wenn die sehr, sehr klein ist, aber es ist auch mehr, sag ich mal eine
- 19:53Schutzgebühr, dass wenn jemand eine Ticket hat, dass er auch wirklich kommt, weil er
- 19:57da vielleicht auch einen kleinen Ogenlust irgendwie für bezahlt hat.
- 19:59Vielleicht ist es ja auch so, dass wir irgendwann mal mit der Messe mein Geld verdienen, aber
- 20:07es ist einfach total schön, dieses Geld einfach direkt wieder irgendwie zu reinvestieren in
- 20:13die Messe und natürlich klar profitieren wir auch von so Seitenfaktoren, das natürlich
- 20:18an denen am Vortag und am Abend natürlich unsere Restaurants und die Weinbahn natürlich
- 20:24aus allen Nähten platzt und alle richtig da den Weinkeller angreifen.
- 20:28Also so gesehen verdienen wir damit natürlich dann schon auch Geld, aber ich muss sagen,
- 20:37es gibt ja auch viele, also das Vorbild war schon immer irgendwie diese kleinen Salonmessen
- 20:43in Ange, in Zubür oder so, an der Loire und mit den Leuten habe ich auch gesprochen und
- 20:49da läuft es eigentlich auch sehr, sehr ähnlich ab und auch mit ähnlichen Standgebühren
- 20:52so und ich glaube, wenn du halt kein Händler bist, der das quasi als Hausmesse machen muss
- 21:00oder macht, sondern einfach da so ein bisschen freier aufspielen kannst, weil wir müssen
- 21:05ja nichts verkaufen.
- 21:06Wir versuchen den Winzern einfach eine Bühne zu geben, ich denke, dass es vielleicht eher
- 21:14ein Anstoß ist für andere.
- 21:16Ja, ich will nicht sagen ähnlich zu machen, aber vielleicht mal zu schauen, was die Aufenthaltsqualität
- 21:24für Aussteller und Besucher einfach ein bisschen erhöht, ohne dass man vielleicht sich komplett
- 21:33nur noch an der Messe bereichern muss.
- 21:36Ja, es ist ein schmaler Grad, gebe ich dir recht, habe ich auch so noch nicht darüber
- 21:39nachgedacht.
- 21:40Was war zuerst da?
- 21:41War zuerst die Idee da, eine ähnliche Messe wie in Frankreich zu erfinden, zu initiieren
- 21:49oder die Location oder waren zuerst die Winzer da oder war zuerst nur lange Weile, welke
- 21:54Runde war?
- 21:56Tatsächlich war zuerst die Location da, also es ist wirklich eine wunderbare Location
- 22:01direkt in Bochum.
- 22:03Es ist eine alte Kirche, die nicht entweit ist, aber dort finden keine Gottesdienste mehr
- 22:09stand schon lange nicht mehr, die wird so ein Teil vermietet, mehr oder weniger, für
- 22:16Körer, für Proben etc.
- 22:19Und in dieser Kirche wurden schon immer Kunstausstellungen veranstaltet und auch wirklich so ganz tolle
- 22:26Sachen und dadurch habe ich die Location auch kennengelernt, weil ich dort selber mal
- 22:29drin war.
- 22:30Und dann sind wir wirklich schon immer da so rumgeschwenzt und haben gesagt, wir müssen
- 22:35hier irgendwann mal was drin machen in dieser Kirche, das ist einfach so einzigartig und
- 22:41das ist auch keine Kirche, die jetzt total schmuckvoll ist, wo du Angst hast, dass du
- 22:46irgendwie was kaputt machst.
- 22:47Und die hat auch schon eine gewisse Patina und ist ein bisschen rudimentärer und ein
- 22:52bisschen abgerockt, was für unsere Nieds natürlich total schön ist.
- 22:58Und wir hätten das glaube ich auch schon einige Jahre eher gemacht und dann ist uns wirklich
- 23:03halt Corona da reingeklatscht.
- 23:04Deswegen ist es dann erst dann nach passiert.
- 23:07Aber ja, es war zuerst die Location und dann haben wir mit den Verantwortlichen vor Ort
- 23:13gesprochen und naja, kurz zu dir vorstellen, bei Weinen ist die Kirche jetzt nicht so abgenannt,
- 23:19da konnten die ganz, da konnten die ganz gut relating, absolut.
- 23:23Also ich glaube, wenn wir da mit einer Waffenmesse gekommen wären, ist er jetzt irgendwie blöd
- 23:28gefunden und auch zu recht natürlich.
- 23:29Aber bei Weinen, da waren die sofort an Bord und ja, finden auch einfach gut, dass das
- 23:34belebt wird, das Ganze.
- 23:35Und wir da quasi ja einen kleinen Obolus für Zahlen verspenden und ja, diese Kirche einfach
- 23:42benutzen können und wirklich benutzen können.
- 23:45Das heißt, Beichtstühle, Kanzel, alles kein Problem.
- 23:49Kannst du auch ein Face-to-Face-Tasting machen?
- 23:52Das ist wirklich cool.
- 23:55Und ja, dadurch ist es dann wirklich eher entstanden und das ist dann irgendwie nahelang
- 24:02für uns das Thema Weinen ja weiter im Rogenbiet irgendwie auszubauen über so eine Messe.
- 24:09Das kam dann relativ schnell.
- 24:11Also wir sind dann eine kleine Crew von fünf Leuten, die auch alle so unterschiedliche Kernkompetenzen
- 24:18eigentlich mitbringen und vor allen Dingen alle Hauptberufe was anderes machen.
- 24:22Also deswegen muss da ja keiner von leben.
- 24:25Also aus dem gastronomischen Bereich, aber auch aus dem Designbereich, aus dem Eventmanagementbereich,
- 24:33was auch total wichtig ist.
- 24:35Also ich habe keine Ahnung von Brandschutzverordnung und Fluchtwegen und so, aber das sollte schon
- 24:41jemand haben, weil wenn du eine Veranstaltung hast, wo eben ein paar mehr Leute hinkommen
- 24:47und ja, dann hat sich das einfach so schön zusammengespielt, dass wir dann vor vier
- 24:54Jahren die Messeweinen dann zum ersten Mal da gestartet haben in der Christkönig-Gierche.
- 25:00Finde die Namen ja auch so genial Messewein.
- 25:02Also findet ihr immer zum gleichen Zeitpunkt statt oder ist das das hier am Anfang des
- 25:06Jahres ein Würfel nehmt und sagt, wann machen wir es dies Jahr?
- 25:10Ne, also es soll schon immer so um Ende Mai, Anfang Juni passieren.
- 25:16Natürlich gucken mit Fingsten immer, wie das dann so liegt.
- 25:19Du hast ja den Zeitpunkt der Provin, hast du ja nicht so optimal empfunden, ist Mai Juni
- 25:23besser?
- 25:24Also die Weine vom Vorjahr haben dann natürlich schon mal ein bisschen mehr Zeit, aber ein
- 25:30ganz anderer Faktor ist natürlich, also wann können die Winzer überhaupt?
- 25:35Wir haben halt so viele auch winzige Aussteller, die also auch unter zwei Hektar bewirtschaften,
- 25:44die können dann auch nicht mal eben weg, wenn es im Weinberg halt wirklich brennt gerade.
- 25:49Da haben wir auch einen Vorfeld mit einigen geschworen, was wäre denn für euch noch irgendwie
- 25:54eine Zeit, wo ihr gut rauskönnt?
- 25:57Und das war so Ende Mai, da geht es noch so, wenn es dann doch deutlich später wird, dann
- 26:04wird es dann im Weinberg schon wieder zu viel Arbeit und dann wollen auch viele nicht länger
- 26:09als ein paar Tage irgendwie raus und müssen dann schauen.
- 26:11Ja und so ist der Termin eigentlich entstanden.
- 26:14Ich finde es relativ krass da einen richtigen Termin zu finden, weil im Sommer, wo es eigentlich
- 26:19fast teilweise noch idealer wäre, sind die meisten im Urlaub, da brauchst du keine Messe machen.
- 26:24Dann Mai ist ja, oder Juni, wenn du in der Situation bist, dann explodiert der Weingarten, wo viele
- 26:31eben durchmüssen.
- 26:32Also da ist es richtig schwer.
- 26:34Also halte ich für relativ smart den Termin und wahrscheinlich auch, weil nicht so viele
- 26:39Messen komprimiert zu dieser Zeit sind, denn das merkt man ja eben teilweise bei der Proveien,
- 26:44wo parallel dazu die in der Nordgäste und keine Weinmesse, aber trotzdem für Gastronomen
- 26:47von der Relevanz, dann ist die Eurovinoe eine Woche vorher, Weimparis ist irgendwie eine
- 26:52Woche vorher, jetzt ist es wie in Italien.
- 26:53Also es ist ja so dermaßen komprimiert, dass da Mai, Juni finde ich extrem smart ausgesucht
- 27:01den Termin.
- 27:02Ja, wir haben uns auch wirklich lange mit beschäftigt, auch was du sagst, also andere
- 27:08Messen, also ich will es jetzt gar nicht Konkurrenzmessen nennen, sondern einfach andere Weinfahren
- 27:12schon, es gibt so viel, du findest eigentlich keinen Termin und zwar das ganze Jahr über
- 27:18wo in Europa, und wir müssen ja europäisch denken.
- 27:21Also wir sind ja alle Ruckzuck in anderen Ländern, Mitteleuropa, das ist super easy, wo nichts
- 27:28ist.
- 27:29Also wir hatten auch letztes Jahr mal eine Überschneidung, da haben mir dann so zwei, drei Aussteller
- 27:32abgesagt, weil die dann nicht glaube ich in Kopenhagen auf einer kleinen Naturweinmesse
- 27:37waren.
- 27:38Du kannst das gar nicht alles auf dem Schirm haben, du kannst dich durch googeln und schauen,
- 27:43was passiert zu den Terminen, du findest aber immer was.
- 27:46Also ein Tod musstest sterben eigentlich und da kam uns der Termin auch ganz smart vor
- 27:50uns um mal.
- 27:51Also auch einfach schön ist, wenn du einfach schönes Wetter hast und danach noch irgendwie
- 27:56draußen sein kannst und das ist ja auch ein ganz anderes Gefühl und da ist auch wieder
- 28:00die Location einfach so ein Glücksfall.
- 28:04Also wir hatten ein Jahr, ich glaube vor letztes Jahr, da hatten wir deutlich über 30 Grad.
- 28:10Und die Kirche ist kalt, also du bist drin und du kannst optimal probieren.
- 28:14Es ist so schön, die Decke sind riesig hoch, die Luft steht auch nie, also du warst bestimmt
- 28:20auch schon mal auf dem Messen, wo dann wirklich irgendwann keine Luft mehr zum Atmen war,
- 28:23weil alles so Alkohol geschwängert und feucht war und das hast du da einfach nicht.
- 28:27Also du hast immer entspannte 20 Grad, ziehst der eh mal nochmal Pulli irgendwie drüber,
- 28:33ist total schön eigentlich zum Verkosten und auch die Akustik, das ist das einzige, was
- 28:40wir am Anfang so ein bisschen so angemacht, dass es einfach zu laut wird durch den Hall,
- 28:44aber dadurch, dass da auch Holzbalken oben in der Kirche sind, dann bricht sich das
- 28:48eigentlich schon wieder ganz schön und auch das war dann am Ende kein Problem.
- 28:52Findest du das wichtig für die Weine, dass die gut performen können, das richtige Setting?
- 28:59Also vielleicht nicht nur bei der Messe, sondern allgemein oder sollte ein guter Wein immer
- 29:05brillant sein?
- 29:06Also ich glaube, dass ein guter Wein immer brillant sein sollte, ist ein bisschen Utopie,
- 29:13glaube ich, also ich finde das Setting schon wichtig.
- 29:15Da hat natürlich jeder seine Eigenarten via auch gerne verkostet, aber ich denke also
- 29:25ein kühlen, gut durchlüfteten Raum ist schon mal das A und O, weil wenn du schon deine
- 29:33Nachbarn schon riechen kannst, das ist immer ein bisschen schwierig, das war kostenanbelangt.
- 29:38Ja, es sollte vielleicht so ein einigermaßen vernünftiges Glas sein, das muss natürlich
- 29:44für eine Messe auch immer praktikabel bleiben, das ist ja auch in der Gastronomie immer ein
- 29:49schmaler Grad zwischen Praktikabilität und Performance und auch Kosten für ein Glas.
- 29:57Solche Dinge, Temperatur ist natürlich auch entscheidend, Umgebungstemperatur auch, dass
- 30:04die Weine vernünftig gekühlt sind, ich finde da ist aber auch jeder Winzer selber so ein
- 30:09bisschen in der Verantwortung, also wir stellen natürlich Kühlmöglichkeiten ganz klar, aber
- 30:14das auch in Winz merkt so, der Wein ist vielleicht ein bisschen zu kalt und nimmt
- 30:18den dann mal raus aus der Kühlung oder tut den wieder rein, wenn er zu warm wird oder
- 30:22so, das halte ich schon für wichtig, weil es ist gerade den Ausstellern ja auch einfach
- 30:28anliegen, dass die Weine sich möglichst optimal präsentieren und wir versuchen da nach unserer
- 30:34Möglichkeit einfach die Bedingungen dafür dann zu schaffen.
- 30:36Den Aufwand kann man sich aber gar nicht vorstellen, den man da hat, also in der Vororganisation
- 30:41und wenn man den Gedanken hat, wahrscheinlich sitzt man irgendwie beim Glas Wein zusammen
- 30:46und sagt dann irgendwie auch, lass mal eine Messe machen und jetzt losgelöst von dem
- 30:51Brandschutzthema oder teilweise, dass du einen Reddungssani da hast oder was auch immer,
- 30:56die einzelne Organisation der Hardware, also dass man Kühlschränke dort hat, die hat
- 31:02mir ja meistens nicht irgendwie auf Tasche im Keller stehen, dass du genügend Leser
- 31:06da hast, dass du Verkostungsnotizen anfertigst, dass du jemanden am Einlass hast und so weiter,
- 31:12das ist ja eine richtige, also es ist ja eigentlich fast ein ganz Jahresjob zu organisieren mit
- 31:1760 Winzer, also ich finde das gar nicht so wenig, weil du sagst, es ist eine kleine Messe
- 31:21und dann kriegst du die Weine geliefert, wenn ihr noch die Organisation der einzelnen Weine
- 31:26übernimmt, dann kriegst du ja von jedem dann irgendwie das 12er Paket oder 18er Paket dann
- 31:32zugeschickt und muss das ja auch entsprechend einsortieren und wer der Wein ist nicht richtig
- 31:37organisiert oder eben sortiert, dass sie nun hertelefonieren, das ist ja bei dir kein Vollzeitjob
- 31:43und wird ja zu einem.
- 31:45Absolut, also manche Sachen haben wir vielleicht auch unterschätzt, ich muss aber auch sagen,
- 31:50manche Sachen werden vielleicht aber auch überschätzt, also wenn man bei nicht bei allen
- 31:56Dingen ja so ein Super-Perfectionismus an den Tag legt und wie gesagt, wir waren halt viel
- 32:02auf kleinen Messen im Ausland, wo halt gewisse Sachen noch einfach ja nicht so wichtig sind,
- 32:07also um dir ein Beispiel zu nennen, wir haben zum Beispiel, also bei uns werden die Weine
- 32:14gekühlt in Eiswannen, also an den Ständen und nicht in super teuren Easy Coolern, weil
- 32:23wenn du die kaufen musst für 60 Aussteller, da bist du schon mal richtig Geld los, ja
- 32:31und wir sind halt im Baumarkt gefahren, haben Speiswannen gekauft, haben die mit unserem
- 32:35Logo besprüht, kriegen von unseren Lieferanten Eis gestellt und dann gibt es halt eine Eiswanne,
- 32:45die sich immer so zwei Stände teilen können, wo sie halt ihre Weine kalt stellen können
- 32:50und dann noch vorne auf ihren kleinen Ausstellertisch parken können und das funktioniert einfach
- 32:55auch ganz wunderbar, ohne dass man dann Riesenaufwand hat und ich kann jetzt aus meiner Erfahrung
- 33:01sagen, wenn du Speiswannen im Baumarkt kaufst und dann kosten die ab 50 Stück, kosten die
- 33:06sie in Euro, so das ist auch ein Learning und das Geld kannst du dann wieder in andere
- 33:13Sachen packen und wir haben tolle Logistikpartner, die uns da wirklich unterstützen, klar es
- 33:18ist viel Aufwand und also mir in dem Team ob liegt vor allem so die Kommunikation mit
- 33:22den Winzern und die Auswahl der Aussteller und ja das ist natürlich ganz viele Bedürfnisse,
- 33:30die müssen da irgendwie unter einen Hut gebracht werden und viele E-Mails und da geht auch immer
- 33:34mal wieder was unter und das ist auch nicht super, aber mega professionell und wir haben
- 33:39da auch keine Agentur oder irgendeinen Partner für das übernimmt, das machen wir halt selber
- 33:45und das ist halt schon viel Arbeit, aber das Learning und auch das Kennenlernen ist unbezahlbar
- 33:54und dafür mache ich es dann total gerne so neben meinem normalen Beruf.
- 33:58Wie baut sich so was auf?
- 34:00Du hast zuerst eine Kirche bekommen und dann überlegst du dir, ich mache mir ein paar
- 34:04Freunde oder Bekannten oder Kollegen eine Messe, wie kommst du an die Winzer oder kommen die
- 34:09Winzer zu dir?
- 34:10Wer so die eine Frage, die andere Frage, wenn du 60 Winzer hast, dann reichen dir 60 Leute
- 34:16als Publikum ja auch nicht, das heißt du musst das ja eben auch ein wenig präsentieren.
- 34:22Du bist jetzt natürlich im Ballungsgebiet mit 5,1 Millionen Einwohnern dort, in fußläufigen
- 34:30Umfällen mehr oder weniger, dann dürfte es vielleicht nicht ganz so schwer sein, aber
- 34:35was waren so die verschiedenen Steps und wie seid ihr auf 60 Winzer gekommen?
- 34:39Ich finde das schon enorm.
- 34:41Also, das ist wirklich eine sehr gute Frage, weil das einfach komplett auseinander geht.
- 34:47Zu den Ausstellern, zu den Winzern, wir haben natürlich befreundete Winzer, mit denen du
- 34:56mit denen man viel arbeitet, mit denen man auch schon irgendwie freundschaftlich über
- 34:59die Jahre verbunden ist und ja haben dann natürlich erstmal die gefragt, ob die irgendwie
- 35:05sich das vorstellen können und da Lust drauf hatten und da war die Resonanz wirklich total
- 35:11positiv und dann ging das viel, viel einfacher und schneller als ich dachte, weil ganz viel
- 35:22über Empfehlungen kamen.
- 35:25Also die Winzer untereinander sind in Deutschland gerade so die, ich sag mal, jüngeren Winzer,
- 35:31die alle so ein bisschen das Gleiche meinst, haben so ein bisschen Natur, naher arbeiten,
- 35:37sind gut vernetzt und dann kam Empfehlung hier und Empfehlung da und probiert das mal und
- 35:42dann ging das ganz schnell.
- 35:44Im ersten Jahr hatten wir dann irgendwie so 45 Aussteller und das war auch für so ein
- 35:52Erstlingswerk ein toller Erfolg.
- 35:54Da waren dann irgendwie so 150 Besucher.
- 35:57Ich hätte mir natürlich mehr gewünscht, aber so fürs erste Mal, aber die Stimmung war
- 36:01halt gut und dann im zweiten Jahr haben wir Anfragen bekommen, wirklich ohne Ende.
- 36:08Also auch und ich würde von mir behaupten, dass ich mich so in der deutschen Wein Szene
- 36:13eigentlich relativ gut auskenne und ich kann dir sagen, da kamen Anfragen vom Weingütern,
- 36:19von denen habe ich bis dato noch nie gehört und zwar einige.
- 36:24Und das war super spannend, also zu sehen, was ist in dieser, ich tue mich immer ein bisschen
- 36:29schwierig mit dem Wort, aber ich sage es jetzt hier mal, so ein Naturweinszene, wobei bei uns
- 36:34die Auswahl der Winzer nichts mit irgendwelchen Schwefelgeheltern oder so zu tun hat.
- 36:40Also was es eine junge, dynamische, tolle Szene an Weingütern gibt, die, sag ich mal,
- 36:48ähnlich arbeiten, das war, es war wirklich im positiven Sinne ein Schock.
- 36:53Also wir haben nie Probleme gehabt, die Messe mit qualitativ guten Ausstellern zu füllen.
- 37:01Besuche allerdings, weil wir wollen das Ganze nach wie vor und haben das Ganze nach wie
- 37:08vor als Fachmesse betrieben.
- 37:10Das heißt, wir möchten, wir suchen mündiges, gutes Fachpublikum.
- 37:16Das ist deutlich schwieriger.
- 37:20Wir sind zwar in einem großen Ballungsraum, trotz allem sind wir jetzt nicht im Herzen
- 37:26der Weinwelt hier, also das Rohgebiet ist natürlich aus der Historie schon eine Bierregion.
- 37:33Und das ist eigentlich jedes Jahr die viel größere Herausforderung, die Besucherzahl
- 37:41zu steigern und zwar mit guten Leuten.
- 37:46Und das auch wirklich, ja, Someliers nicht nur aus dem Rohgebiet und vielleicht aus Düsseldorf
- 37:54und vielleicht auch noch aus Köln kommen, sondern auch aus den Metropolen in Deutschland,
- 38:00aus Berlin, aus Hamburg, aus München, weil das einfach für die, glaube ich, auch ein
- 38:06Mehrwert hat.
- 38:07Und wenn die offen sind, die Kollegen neue Dinge zu probieren, unbekannte Weingüter
- 38:13zu entdecken, die vielleicht noch keiner auf dem Schirm hat, dann sind die bei uns, glaube
- 38:17ich, da goldrichtig.
- 38:19Aber es ist natürlich auch nicht einfach, alle zu erreichen und dann irgendwie nach
- 38:23Bohrum zu locken.
- 38:24So, und das ist für mich eigentlich jedes Jahr die größte Herausforderung, muss ich
- 38:28sagen.
- 38:29Mit kaum einer Landschaft und deren Wein verbinden mir so viel intuitives Gefühl wie mit Italien.
- 38:50Wenn man den Namen hört, wenn man deren Weine genießen kann, erlebt man ein emotional imaginäres
- 38:56Lebensgefühl und neben dem Wein aus dem Süden und aus der Mitte und aus dem Norden gibt
- 39:01es Regionen, die Weine im Porbring, die neben der Geschmacksauthentizität noch ein Quäntchen
- 39:07von etwas nicht beschreibbaren Innerhaben.
- 39:10Dort, wo die italienische Landschaft beginnt, sich in slavische Züge aufzulösen, wo die
- 39:14Kulturgrenzen verschwimmen und sich der Horizont weit öffnet, liegt San Lorenzo, ein unscheinbarer
- 39:20Ort mit tiefen Wurzeln und Heimat eines der außergewöhnlichsten Weingüter Nord-Italiens,
- 39:25Liesnäheres.
- 39:26Seit 1879 wurde hier Wein gemacht.
- 39:28Doch erst in den 1980er Jahren vollzieht sich ein entscheidender Wandel.
- 39:32Als Ayvaro Picarari vierte Generation der Gründerfamilie das Ruder übernimmt, sieht
- 39:36das Weingut vor einer Schwelle.
- 39:38Die Entscheidung entweder regionaler Lieferant zu bleiben oder den Schritt in die qualitative
- 39:44Avantgarde zu wagen.
- 39:45Picarari entscheidet sich für Letzteres.
- 39:47Es ist eine stille, aber tiefgreifende Revolution.
- 39:50Während andere noch über Ertragsmengen debattieren, sinkt er sie regeros.
- 39:54Und ich meine, wir reden hier über die 1980er Jahre.
- 39:57Während viele noch Maschinell lesen, setzt er auf Handlese akribisch Parzellenweise,
- 40:02was heute selbstverständlich scheint, was damals ein absolutes Wagnis.
- 40:05Und genau dieser Mut zur Präzision, gepaart mit einer unvergleichbaren Ruhe im Tun, wurde
- 40:11zum Markenzeichen von Liesnäheres.
- 40:13Die Philosophie des Hauses lässt sich in einem Satz zusammenfassen.
- 40:16Wein ist nicht das Ergebnis von Technik, sondern von Haltung.
- 40:19Alvaro Picarari betrachtete von Anfang an das Teroir nicht als Markenbegriff, sondern
- 40:24als Verpflichtung.
- 40:25Die Entscheidung, biodynamischen Anbau zu leben, wurde bewusst getroffen.
- 40:29Zu Gunsten eines nachhaltigen, maßgeschneiderten Zugangs, der dem Boden mehr zuhört, als
- 40:34ihm vorschreibt.
- 40:35Kallertechnik ist modern, aber nie dominant.
- 40:37Jede Eingrift dient allein dem Ziel, das Wesen der Rebsorte in klar ehrlicher Form ins
- 40:43Glas zu bringen.
- 40:44Und besonders spannend ist das bei einer Rebsorte wie dem Pinucridio.
- 40:47Einer der in den letzten 20 Jahren polarisierendsten Rebsorten dieses Weinplaneten.
- 40:52Und es ist schade, dass diese Rebsorte, die zu 99% für belanglose Weine genein Missbraucht
- 40:57wurde und wird so oft in seinem Qualitätsfotament gar nicht ausgeschöpft wird.
- 41:01Richtig gelesen, vinifiziert, interpretiert und verstanden ist Pinucridio ein sensorisches
- 41:06Prisma, reduktivem Duft, komplex im Aufbau, präzise in der Textur und eine Rebsortencharakter,
- 41:12der sich nicht in Frucht, sondern in Struktur und Balance definiert.
- 41:15Sie ist weniger ein aromatischer Solist als ein Architekt des Mundgefühls, was sie zu
- 41:21einem der spannendsten Weisweinprojekte der Gegenwart macht.
- 41:24Pinucridio, international auch als Pinucrio der Graubegrunder bekannt, ist eine somatische
- 41:29Mutation des Pinonnois und zählt zu den genetisch instabilisten Rebsortenfamilien der Welt.
- 41:34Das sieht man an der Bernhaut.
- 41:36Ein charakteristisches Spektrum zwischen grauroser Kupferfarben und bleulich Grau, was sie
- 41:42morphologisch von typischen Weisweinensorten abhebt.
- 41:44Obwohl sie zu den sogenannten non-aromatischen Rebsorten zählt, bringt sie unter geeigneten
- 41:49Bedingungen komplexe, finanzierte Weine mit hohen Wiedererkennungswert hervor.
- 41:54Die Crux bei der Rebsorte ist, dass Graubugunder eben nicht gleich Graubugunder ist.
- 41:58Klonal existieren erhebliche Unterschiede im Ertrag, Berngewicht, Hautdichte und Aromspektrum,
- 42:03sowie in den daher ausresultierenden Weinen.
- 42:06In Frankreich sind vor allem die Klonen ENTRV 457, in Deutschland der Geisenheimer 110
- 42:11und der Freiburger 52/86, wenn in Italien der Klonen R6 vorherrscht.
- 42:17Klingt furchtbar technisch und ist es auch, aber Klonwahl, Stockdichte und Laubwandmanagement
- 42:23haben einen entscheidenden Einfluss auf Moskewicht, pH Wert, Gesamtdäure und Terpenbildung.
- 42:28Und somit darauf, ob wir eine S-Klasse oder einen Lastenfahrrad im Glas haben.
- 42:32Und es braucht Mut, Pinokritzchen neu zu denken.
- 42:34Doch ließ Neres gelingt genau das, die Dekonstruktion eines Klischees, der Grieß 2021
- 42:41ist kein gefährlicher Peruvain.
- 42:43Es ist ein Charakterdarsteller, ein Statement.
- 42:46Die Komplexität resultiert nicht aus aromatischem Overkill, sondern aus strukturellem Tiefgang.
- 42:51Textur wird hier zum zentralen Ausdrucksmittel, der Wein fließt nicht, ergleitet.
- 42:56Seine kraftlichste Präzision ist nicht laut, aber alles ist präsent.
- 42:59Und es ist wahrscheinlich der Einfluss des Isonsutals, dass sich in der Mineralität
- 43:04im keikigen Rückgrat und im ewigen Nahal bemerkt gemacht.
- 43:07Gleichzeitig bringt das Mikroklima eine erstaunliche Frische selbst in heißen Jahrgängen.
- 43:12Friau, Julisch-Vinitien.
- 43:13Ein Name, der nicht auf der Zunge zergeht, aber dafür umso klarer im Glas spricht.
- 43:17Die Region seht definitiv zu den vielfältigsten Weinbaugebieten Europas.
- 43:23San Lorenzo, der Sitz von Ligeneres, liegt im südlichen Isonsutal kaum 20 Kilometer
- 43:27von der Adrien fern.
- 43:29Die näher zur slowenischen Grenze, die Einfluss der juliischen Alpen im Norden und die Meeresprisen
- 43:34im Süden schaffen ein Mikroklima von seltener Ausgeglichenheit.
- 43:38Der Boden, ein komplexes Gemisch aus Kalk, Kies, Ton und Lehm, stammen aus eiszeitlichen
- 43:43Schwemmlandschichten.
- 43:44Sie speichern Wasser, aber verhindern Stauhnesse.
- 43:46Und sie zwingen die Reben zur Tiefe, wortwörtlich im übertragenen Sinn.
- 43:51Pinugritzsche selbst ist eine Rebsorte mit doppelter Identität.
- 43:55Genetisch, ein Bugunder, ist dialistisch ein Akrobat.
- 43:58Im Freyau und insbesondere bei Ligeneres erfährt sie eine neue Depredation für ein ab aller
- 44:04Modeströmung.
- 44:05Der Grieß spielt nie auf Fruchtigkeit oder Primäraromen, sondern auf Struktur, Spannung
- 44:09und Reife.
- 44:10Man hat das Gefühl, als wolle er sagen, ich bin Pinugritzsche, aber ihr kennt mich noch
- 44:14nicht.
- 44:15Denn er ist kein Pinugri aus dem Elsass.
- 44:16Er ist kein Graubuggen aus Deutschland.
- 44:18Er ist selbst kein Pinugritzsche, wie man ihn kennt.
- 44:21Er ist der Pinugritzsche, den man nie vergessen wird.
- 44:24Vielen Dank dem Weingutlis Neres für die einzigartige Interpretation dieser Rebsorte.
- 44:29Und ein großes Dankeschön dem deutschen Importeur, dem Handelshaus Segnetz.
- 44:34Ich glaube, wobei Menge manchmal gar nicht so elementar ist.
- 44:49Wenn man ein bisschen mehr Zeit hat, kann man ein bisschen mehr reden und einen Austausch
- 44:51mit den Winzern gehen.
- 44:52Qualitative Gespräche sind ja manchmal besser als quantitative.
- 44:56Aber es ist natürlich eine volle Messe.
- 44:58Sieht schöner aus.
- 44:59Die Atmosphäre ist besser, als wenn da 20 Leute durch die Hallen stölbern.
- 45:04Absolut.
- 45:05Also mir hat nach dem ersten Jahr nicht weiss, glaube ich, das schönste Kompliment, was wir
- 45:10irgendwie für diese Messe bisher bekommen haben, hat mir eine Ausstellerin gesagt, dass sie
- 45:16mehr gute Gespräche geführt hat und mehr Aufträge bekommen hat von denen in Anführungszeichen
- 45:25wenigen Leuten an diesem einen Tag in Bochum, wie in drei Tagen Proveilen.
- 45:32Das war ich schon, das hat mich sehr, sehr gefreut, muss ich sagen.
- 45:36Weil dann sind wir damit irgendwie auch auf dem richtigen Weg.
- 45:39Das war schon ein tolles Kompliment.
- 45:42Großartig.
- 45:43Das ist ja wirklich ein Geschenk, wenn man dann eben auch den entsprechend eine gute
- 45:48Plattform bietet, für die das eigentlich auch mit ist.
- 45:51Also es ist ja sowohl für diejenigen, die probieren und entdecken dürfen, aber eben
- 45:56auch für die Aussteller selber.
- 45:59Großartig, toll.
- 46:00Das ist ja aber nicht deine Hauptaufgabe.
- 46:03Also du bist ja mehr oder weniger...
- 46:06Gott sei Dank.
- 46:07Was bist du eigentlich mehr?
- 46:08Bist du mehr Koch oder bist du mehr Somie?
- 46:10Weil eigentlich so von der Kernausbildung bist du ja Koch und hast dich dann in die
- 46:18Weinwelt entwickelt, weil die Küche zu klein war oder weil es da gestunken hat oder weil...
- 46:24Warum bist du Somie geworden?
- 46:26Also ich bin immer noch Koch nach wie vor und ich darf meinen Beruf ja auch nach wie
- 46:31vor auch ausüben.
- 46:32Muss aber sagen, bin jetzt mittlerweile auch schon länger Somie als Koch, wenn ich das
- 46:39mache, mehr oder weniger.
- 46:41Irgendwann speitet sich das dann mit dem Alter, ne?
- 46:45Ja, das...
- 46:46Absolut.
- 46:47Man kann das so aufzurechnen.
- 46:49Ja, ich muss sagen, ich bin ja auch in einer speziellen Situation mit dem Pfeif und
- 46:57unserem Restaurant, weil die Küche ist offen und im Raum.
- 47:01Wir sind nur zu zweit.
- 47:04Ich bin jetzt in meiner Rechte und linke Hand der Niko, der ist auch Koch und auch seit
- 47:09einigen Jahren Somie.
- 47:11Das heißt, bei uns macht sowieso jeder alles.
- 47:15Und deswegen würde ich mich einfach eher als...
- 47:20Also in meiner Position eher als Gastgeber beschreiben.
- 47:26Ich glaube, das trifft es irgendwie am besten.
- 47:29Wenn ich mich jetzt irgendwo vorstelle und die Leute fragen, was ich beruflich mache,
- 47:33dann sage ich schon, ich bin Somie.
- 47:36So, da sehe ich mich auch am meisten.
- 47:38Aber eigentlich trifft es bei uns Gastgeber am besten.
- 47:44Schöner Gedanke.
- 47:45Jetzt seid ihr ja gar nicht unerfolgreich, zumindest was so die Platzvergabe und das
- 47:50Renomee angeht.
- 47:51Gab es da niemals den Wunsch aus diesen, ich glaube, 16 Plätze habt ihr, daraus 160 zu
- 47:57machen und einfach das Konzept, was irgendwie funktioniert, zu multiplizieren?
- 48:01Oh nein, gar nicht.
- 48:02Also im Gegenteil, ich bin jeden Tag froh, wo das nicht passiert.
- 48:06Das ist einfach ein so angenehmes, schönes Arbeiten.
- 48:10Ich muss auch sagen, ich bin ja auch privilegierter und sehr, sehr glücklicher Angestellter.
- 48:16Es ist nicht mein Restaurant, sondern ich betreue ja, ich arbeite für eine Restaurantgruppe,
- 48:23die auch noch mehrere Läden betreibt.
- 48:24Und das Pfeil fahre ich halt allabendlich.
- 48:27Ich kümmer mich dann noch um den Wein-Einkauf für die anderen Outlets und das ist total
- 48:33schön.
- 48:34Also Gäste fragen auch häufiger mal.
- 48:36Jetzt war zum Beispiel wirklich der Nachbarladen, weil jetzt Leerstand kurz.
- 48:42Da haben uns natürlich ganz viele Gäste auf angesprochen, ob wir dann nicht irgendwie
- 48:45einen Durchbruch machen und dass wir uns vergrößern und dass man auch leichter mal
- 48:49ein Tisch bekommen könnte und so.
- 48:51Dann stelle ich aber da ganz schnell die Gegenfrage und sage so, ja, aber das ist
- 48:57doch dann nicht mehr wie vorher.
- 48:58Wollt ihr das wirklich?
- 48:59Und dann überlegen die auch immer und sagen, eigentlich ist das ja so total schön.
- 49:03Dann kann man halt nicht irgendwie jede Woche kommen, aber will man ja eh nicht.
- 49:09Und dann ist es auch irgendwie was Besonderes.
- 49:10Deswegen ist das doch schon ganz schön mit den 16 Plätzen.
- 49:15Also nervt dich manchmal die Tischfrage.
- 49:18Also du wirst wahrscheinlich oft darauf angesprochen bzw. da nicht in die Ecke gedrängt, aber schon
- 49:24man kann sagen penetriert, ob man nicht irgendwie über die eigentliche Reservierungszeiten
- 49:31Tisch bekommen kann, Standardtisch oder irgendwie immer ein Stammtisch oder so.
- 49:34Was gibt es hier bei euch alles nicht?
- 49:36Ihr habt ein Reservierungsfenster von 60 Tagen, wo man im Voraus reservieren kann und da
- 49:41lockt man sich ein und das sind alle gleich oder gibt es ja doch ein paar Buddies, die
- 49:45irgendwie dann unten sich durchsneaken und immer wieder kommen können.
- 49:49Da sprichst du was an.
- 49:50Ja, heikles Thema.
- 49:53Also nee, wir behandeln wirklich alle gleich und es ist genau wie du sagst.
- 49:59Also 62 Tage vorher um 0 Uhr geht unsere Reservierungszeitfenste auf und dann ist es halt manchmal
- 50:06nachts und spätestens morgens ist dann halt voll.
- 50:09Also jeden Tag geht ein neuer Tag auf und jeden Tag kann ich mich nachts um 0 Uhr einlocken
- 50:15und kann sagen, okay, das wird mein Tag.
- 50:17Da hat meine Frau Geburtstag.
- 50:19Genau, also man muss halt vorplanen und das geht natürlich nur, wenn Öffnungstag ist.
- 50:25Wir haben ja nicht sieben Tage die Woche auf, da muss man schon ein bisschen im Vorfeld
- 50:29überlegen und ja, so ist das.
- 50:32Und ich sage dir, wir hören uns jeden Tag, hören wir uns das Gejammah der Gäste an,
- 50:40gerade beim Bezahlen, die sagen, also wie oft ich den Spruch schon gehört habe, ja, wir
- 50:44würden ja auch häufiger kommen, aber ich sage natürlich bei euch, ihr seid doch da.
- 50:49Also ihr seid doch gerade da, ihr habt doch ein Tisch bekommen, ist doch total schön
- 50:52und dann bleibt es doch auch irgendwie was Besonderes und ja, ich entschuldige mich auch
- 50:57kaum noch.
- 50:58Ich weiß, dass das ein totaler Luxus ist und ich möchte mich auch gar nicht darüber beschweren.
- 51:03Ich lache das eigentlich weg so mittlerweile, aber ja, wir bekommen schon eine Menge Anfragen
- 51:08auch per Mail oder dann auch per WhatsApp, wo du denkst, wo haben die Gäste denn deine
- 51:12Nummer her und fragen dich dann, ja, ob hier man da nicht nur irgendwie was machen könnte
- 51:18und dann ja, dann tut es mir aber leid, dass ja, wir machen halt keine Ausnahmen.
- 51:24Es freut und leid, also das ist auf der einen Seite, ist das natürlich ein gewisser Druck,
- 51:27der da auch aufgebaut wird und wo man auch keine Chance hat.
- 51:31Also es ist ja klar, wenn jemand irgendwie mit zehn Personen kommen möchte und da sind
- 51:35noch fünf Plätze frei, man hat keine Chance und man steht dazwischen in den Stühlen im
- 51:40wahrsten Sinne des Wortes und hat keine Chance zu haben.
- 51:44Aber ich finde die Konsequenz gut, die ihr erlebt, dass ihr sagt, okay, dafür gibt's
- 51:47ein Booking System und nutzt es oder auch nicht und die Begehrlichkeit macht es dann
- 51:53vielleicht auch besonders.
- 51:54Aber habt ihr dann dadurch einen anderen Druck, das ihr performen müsst?
- 51:58Also das Leute sagen, jetzt habe ich da jetzt 50 mal versucht, mich irgendwie einzulocken,
- 52:02jetzt bin ich endlich hier, ich träume das seit fünf Jahren von und mal gucken, was
- 52:07jetzt kommt.
- 52:08Oder ist euch das mehr oder weniger egal, weil ihr sagt, wir machen es aus dem Herzen,
- 52:12wie wir es immer machen?
- 52:13Ja, eigentlich ist es genau das.
- 52:15Also wir machen es ja jetzt auch schon, also wir haben zehn Jahre, wir haben letztes Jahr
- 52:19zehnjähriges Jubiläum gefeiert und also den Druck habe ich nicht mehr.
- 52:24Da bin ich wirklich ganz in mir so, ich weiß, dass wir da einfach einen guten Job machen.
- 52:31Wir haben ja auch nicht diesen Sternedruck, den vielleicht manche verspüren.
- 52:39Gott sei Dank.
- 52:40Und das sage ich wirklich aus tiefstem Herzen.
- 52:43Ich bin um jedes Jahr froh, wo wir keine Schirmstern irgendwie, ja wirklich.
- 52:49Also weil das spült ihr auch einfach nochmal im Publikum in einer ganz anderen Erwartungshaltung
- 52:55rein und dann hast du, glaube ich, genau diesen Druck, den du auch gerade benannt hast, dass
- 53:00du halt irgendwie performen musst und du willst ja dann auch den Stern nicht verlieren und
- 53:04dann sind da Erwartungshaltungen, die wir vielleicht gar nicht erfüllen können oder
- 53:08wollen.
- 53:09Also bei uns macht niemand den ganzen Abend Wasserservice.
- 53:13Also du wirst dir auch schon im Laufe des Abends dein Glas Wasser selber vollmachen müssen.
- 53:18Und das ist, glaube ich, auch okay.
- 53:20So weil wir sind halt zu zweit und kochen und servieren und da, ja, das gibt es bei uns
- 53:29einfach nicht und das wird da auch, wenn das jemand erwartet, was eigentlich nie vorkommt,
- 53:34muss ich sagen.
- 53:35Also ich habe auch so ein bisschen das Gefühl, dass die Zeiten vielleicht auch ein bisschen
- 53:38vorbei sind, dass jemand die ganze Zeit hinter dir steht und sobald du ein Drittel deines
- 53:42Wasserglas gelehrt hast, da direkt reinschießt und danach füllt ich finde das eher ein bisschen
- 53:48unangenehm teilweise.
- 53:49Deswegen haben wir, glaube ich, diesen Druck einfach nicht.
- 53:55Wir wissen, was wir können, aber ich glaube es ist auch genauso wichtig, vielleicht noch
- 53:58wichtiger.
- 53:59Wir wissen auch, was wir nicht können und, ja, da können wir eigentlich immer ganz befreit
- 54:04aufspielen, muss ich sagen.
- 54:06Wir haben so eine tolle Stammgästesschaft, die auch wirklich jeden Mist mitmachen.
- 54:11Also wenn wir uns da irgendwelche Spezialminüs überlegen und irgendwelche Winzereinladen
- 54:18und die Leute wissen gar nicht, was es dann an dem Abend zu essen gibt oder kennen den
- 54:22Winzer gar nicht und es ist denen auch einfach egal, weil die freuen sich zu kommen und die
- 54:26denken, wir haben so einen Vertrauensvorschuss, den wir natürlich auch einfach und da ist
- 54:31schon ein bisschen Druck da, den ich auch nicht verspielen möchte.
- 54:34Das ist schon irgendwie, das wird schon gut bei euch denken, die so.
- 54:38Ja, versuchen wir das auch irgendwie möglich zu machen, aber immer eher auf eine lockere
- 54:42Art und klar immer auf Augenhöhe und warmherzig, dass sich da jeder abgeholt fühlt.
- 54:49Man jeden kann man eh nicht abholen, aber ja und wir versuchen da einfach authentisch
- 54:53zu bleiben.
- 54:54So ich glaube, das ist das Wichtigste.
- 54:56Was war mal so eine krass gewagte Veranstaltung, wo du gesagt hast, boah ich weiß nicht, ob
- 54:59die das mitmachen?
- 55:00Ich muss sagen, so in den Anfangszeiten, wo ja auch so ein Naturwein im weitesten Sinne
- 55:11für die Leute noch deutlich neuer war, als es heute ist, da waren wir schon sehr, sehr
- 55:18früh dran, würde ich sagen.
- 55:19Und das hat schon vielleicht den ein oder anderen erstmal schockiert oder wenn man es
- 55:26positiv formulieren möchte aus seiner Weinkomfortzone so ein bisschen rausgeholt.
- 55:31Aber ich finde nach wie vor, wenn das gut korratiert und vor allen Dingen von einem
- 55:38Zommelier gut vorelektiert ist, also auf Deutsch die Scheiße ausselektiert wird, dann ja kann
- 55:48das schon auch mal ein Eiopener sein für den ein oder anderen und dann, da waren schon
- 55:52auch gewagte Sachen mal dabei, aber auch was unsere Küche anbelangt, machen wir eigentlich
- 55:58wo drauf wir Lust haben und wenn da auch schon mal Produkte dabei sind, die vielleicht
- 56:03ein bisschen edgy sind, aber wir sind damit teuter teuer auch nie irgendwie aufs Maul
- 56:09gefallen bisher, sondern die Leute waren da immer sehr offen und positiv, also was auch
- 56:15ein Riesenglück ist.
- 56:16Gab es für dich mal so ein Erlebnis, was entweder total katastrophal oder richtig zutränt rührend
- 56:21schön war?
- 56:22Also total katastrophal muss ich sagen eigentlich nicht.
- 56:27Also es gibt natürlich Sachen, die mir nicht nochmal passieren würden muss ich sagen,
- 56:37wo ich mich wirklich auch irgendwie geschämt habe, aber es trotzdem gibt es ein Beispiel?
- 56:45Also ich habe mich einmal in Brand gesetzt, wir hatten früher noch auf den Tischen so
- 56:54Stabkerzen, heute haben wir Teelichter, da kann das nicht mehr passieren und haben
- 57:00früher auch noch nicht in so, wir haben jetzt so sehr liegere Kochjaggen, die womit wir
- 57:06auch im Service natürlich rumlaufen, also da wäre es so, bald machen, da kann das jetzt
- 57:10nicht mehr passieren, aber früher haben wir einfach so Casual in Hemden gearbeitet und
- 57:14die Tische standen damals, das vor Corona haben wir 20 Plätze gehabt, also es standen
- 57:19noch deutlich enger, das haben wir dann nach Corona beibehalten, das einfach ein bisschen
- 57:24lockerer zu gestalten, haben damals auch noch zu dritt gearbeitet, nicht zu zweit und naja
- 57:31da stand die Tische etwas enger und ich habe Wineservice an dem einen zweitisch gemacht
- 57:35und der andere zweitisch stand halt sehr nah dran und ich gestikuliere auch ganz gerne
- 57:40mal ein bisschen mehr und dann bewege mich ein bisschen mehr und dann, naja, hat mein
- 57:44Hemd dann hinten Feuer gefangen, aber ein netter Stammgast hat mich dann mit seinen sehr großen
- 57:50Händen ausgeschlagen, ausgepründelt und das, also ja solche Sachen, aber das ist ja, das
- 57:57moderiert man dann einmal in diesen sehr kleinen Raum als Eventgasolomie ab und dann gibt es
- 58:02einen Lacher und dann wechselt man das Hemd und dann geht es weiter, also solche Sachen,
- 58:07ja also jetzt wirklich in Schocker hatte ich eigentlich nicht, da muss ich sagen, naja,
- 58:13da bin ich bis jetzt verschont geblieben, ja und positive Momente muss ich sagen, da gibt
- 58:19es jetzt keine großen, aber dafür sehr, sehr viele kleine, also wir hatten auch mal jemanden,
- 58:28der gereglemäßig alleine essen kam, was ich eigentlich sehr schön finde, ich kannte
- 58:35das auch gut, natürlich gehe ich sehr, sehr gerne in Gesellschaft essen, aber ich kann
- 58:39auch alleine essen gehen, weil der Fokus dann auch ein anderer ist und ich finde das immer
- 58:43sehr, ja sehr lehrreich eigentlich, und der hat einfach irgendwann angefangen zu weinen,
- 58:49weil er das einfach, weil er sich so gut aufgehoben gefühlt hat und weil er auch das Parry grad
- 58:54irgendwie so toll fand, ich kann ja gar nicht mehr sagen, was es war, aber das berührt
- 58:57einen natürlich schon extrem, also das, das habe ich auch noch irgendwie, das habe ich
- 59:03auf jeden Fall auch noch mit nach Hause genommen, so, habe ich auch länger drüber nachgedacht,
- 59:06aber es ist einfach natürlich ganz, ganz rührend war und ja und am Ende runtergebrochen macht
- 59:13man es ja auch irgendwie genau dafür, also man sucht natürlich jeder Mensch sucht, glaube
- 59:19ich, nach positiver Bestätigung und in der Gastronomie, ich meine, du kennst es selber,
- 59:25es kann auch schon ein Antrieb und auch eine Droge sein, dieses, naja, dieses Komplimente
- 59:33bekommen und einfach den Leuten eine gute Zeit zu bereiten und auch vor allen Dingen
- 59:37das direkte Feedback, es gibt ja zig Jobs, in denen du vielleicht einen ganz tollen Job
- 59:44machst, aber du gehst ja in den wenigsten Jobs dieses, dieses ganz klare, direkte Feedback,
- 59:51eine ganz, ganz klare Spiegelung von dem, was du tust und zwar ganz direkt und das ist
- 59:56natürlich, ja, das kann, das kann fast abhängig machen, glaube ich.
- 1:00:00Finde ich einen ganz wichtigen Gedanken und finde ich auch mehr oder weniger so eine
- 1:00:04der, der Kernkompetenzen unseres Berufsstandes, dass wir positiv in der Welt sind, also man
- 1:00:13wird meistens positiv besprochen, man schafft schöne Momente, es ist eigentlich alles positiv,
- 1:00:17es sich glaube, das ist auch und bin ich dafür verantwortlich, dass man viele Sachen,
- 1:00:21die sonst vielleicht nicht so optimal wären, wie Stress zum Beispiel oder auch die körperliche
- 1:00:27Belastung, dass man darüber hinweggehen kann.
- 1:00:29Weil man eigentlich Freude schafft, Freude dabei hat, kommuniziert, lacht den ganzen
- 1:00:36Tag mehr oder weniger oder den Service und Freude eigentlich, also Freude finde ich ganz
- 1:00:40wichtig und das kann darüber eben auch hinweghelfen, dass manchmal nicht so gut bezahlt wird
- 1:00:44wie in manchen Jobs, dass man, ja, die eben geschilderten Dinge, dass man einfach Freude
- 1:00:52an dem hat, was man, was man da macht.
- 1:00:54Ja und das ist so essentiell, also das sagt sich ja immer sehr leicht daher, aber das
- 1:01:01ist für mich auch das Allerwichtigste, also wenn ich irgendwann merke und das sage ich
- 1:01:05mir jedes Jahr aufs Neue, wenn ich irgendwann merke, dass ich an meinem Beruf oder nicht
- 1:01:10nur an dem Berufsland und vielleicht auch an der Arbeitsstelle keine Freude mehr habe,
- 1:01:14dann lasse ich es, also dann mache ich was anderes, das ist für mich so wichtig, ich verbringe
- 1:01:20da so viel Zeit auf der Arbeit und klar, ich habe auch mal einen Tag, wo ich keinen Bock
- 1:01:26habe, aber eigentlich muss ich sagen, sobald die Tür aufgeht und wir in den Service starten,
- 1:01:33kriege ich auch, also habe ich Bock, so dann, dann, da gibt es eigentlich keinen Tag, wo
- 1:01:38ich sage so, oh nee, jetzt kommen wir schon wieder, Service, so nee, ich freue mich, dass
- 1:01:44Gäste zu uns kommen wollen und ich mache denen gerne eine gute Zeit und das ist total, ja,
- 1:01:50ich zieh da ganz viele Positives raus, muss ich sagen.
- 1:01:52Klingt utopisch für jeden, der es nicht erleben kann, aber es in der Tat also nie ging es genauso
- 1:01:57und ich hatte keinen Tag, wo ich nicht gerne den Service gemacht habe oder gerne Gäste
- 1:02:01willkommen geheißen habe und selbst wenn man, keine Ahnung, man, man nicht so offen
- 1:02:06dann ist man irgendwie ein Schnupfen hat oder was auch immer, entsteht da heraus so eine
- 1:02:10positive Vibe oder so eine positive Energie, die so mitten, spätestens im mitten des Abends
- 1:02:17ein so durchatmen ist und sagt, oh ist das schön und das finde ich ist eine tolle Sache,
- 1:02:23ich glaube, ein Vorteil für dich vielleicht ist auch, dass du viele verschiedene Ebenen
- 1:02:27hast, also dass du ja auch für das Gesamtunternehmen mit Wein einkaufen kannst, die Weinkarten
- 1:02:32bestückst, das Pfeif hast, nebenher so eine kleine Messe machst, wie viel Prozent macht
- 1:02:38das Pfeif aus?
- 1:02:39Ist das 90 Prozent oder ist das 50 Prozent?
- 1:02:43Oder kann man das so gar nicht sagen und du machst sowieso alles irgendwie nebenher?
- 1:02:46Weil es klingt schon sehr fordernd überfordern schon, also relativ intensiv.
- 1:02:51Ja, es ist schon ein hoher Prozent, sonst also, wir haben Gott sei Dank vier Tage oder können
- 1:02:58es uns Gott sei Dank leisten, so muss ich es eher formulieren, dass wir vier Tage die
- 1:03:02Woche auf haben.
- 1:03:03Ich natürlich, was heißt natürlich, also ich arbeite nicht vier Tage die Woche, ich
- 1:03:07auch natürlich mindestens fünf, weil ich auch mittlerweile einfach diesen Off-Tag brauche
- 1:03:14zum produzieren, Kellerwirtschaft, ja auch Büro tatsächlich, das ist ja was, was ich
- 1:03:23so am ersten Tagen der Somelerie oder der Gastur mir auch nicht kannte, aber ja, ich
- 1:03:30brauche mittlerweile auch einige Stunden im Büro einfach.
- 1:03:33Es ist schon intensiv, aber es ist Gott sei Dank auch in einem kleinen Rahmen, zumindest
- 1:03:39im Pfeif, aber ich glaube dadurch, dass es auch so divers ist, wird es auch nicht langweilig
- 1:03:47und macht mir einfach immer noch großen Spaß.
- 1:03:49Ich muss sagen, bei manchen Sachen bin ich auch einfach schlechter drin, Dinge aus der
- 1:03:54Hand zu geben, muss ich auch ganz klar eingestehen, also bei vielen Sachen denke ich, dann kann
- 1:04:00ich das vielleicht dann auch nicht so gut delegieren und denke so, ach, das mache ich
- 1:04:03dann doch lieber selber.
- 1:04:04Ja, es ist natürlich der Vorteil, dass du einen kleinen Laden hast, wo man es dann auch selber
- 1:04:08machen kann.
- 1:04:09Wenn du Arbeitseite siehst, siehst du die Reine, ich bin im Betrieb Arbeitseite oder siehst
- 1:04:14du die auch mit, wenn du drei Instaposts von unterwegs abschickst oder zu einer Weilmesse
- 1:04:19fährst oder unterwegs bist beim Winzer, was ja eigentlich streng genommen und in anderen
- 1:04:24Berufskattungen so betrachtet auch Arbeitseite ist.
- 1:04:27Ist das für dich auch Arbeitseite oder ist das, wo du sagst, ach, du nehm' wir mit oder
- 1:04:30sind wir sowieso mit den Buddies unterwegs?
- 1:04:32Wie siehst du das?
- 1:04:35Ja, es ist so halb, halb teilweise.
- 1:04:39Ich glaube, ich sehe es zu wenig teilweise als Arbeitszeit, weil ich geb dir schon recht,
- 1:04:47es ist Arbeit und dieses Am Ball bleiben und immer auch up to date sein, was Wein anbelangt,
- 1:04:56ist einfach so unfassbar zeitintensiv und wir sommeliers, sag ich einfach mal, wir investieren
- 1:05:06da einfach so viel rein und wir sind in unserem Gebiet einfach extrem gut ausgebildete Fachkräfte
- 1:05:14und die sich selber von also intrinsisch weiterbilden ständig.
- 1:05:19Wo hast du das denn schon?
- 1:05:21Also das gibt es ja, es gibt es ja eigentlich kaum, aber natürlich weil es auch schön ist
- 1:05:26und Spaß macht und weil natürlich Wein auch an schönen Orten wächst, an denen man gerne
- 1:05:31ist und das ist ja, da vermischt sich natürlich privates Vergnügen und berufliches und das
- 1:05:38ist auch nicht immer zu trennen, muss ich sagen.
- 1:05:41Also klar, Social Media ist so ne Sache, ja, es ist auch Fluch und Segen und es ist auch
- 1:05:48Arbeit und auch da kann auch Spaß machen, aber das zähl ich dann schon mehr in die Arbeit,
- 1:05:54aber so Wein reisen und so, das ist für mich immer noch irgendwie so schön, das ist für
- 1:06:00mich dann doch irgendwie keine Arbeit, muss ich sagen.
- 1:06:02Finde ich aber in durchaus interessanten Gedanken und ich wurde dadurch aufmerksam,
- 1:06:05wenn ich mich mit einem Freund, der in einer ganz anderen Branche tätig ist und zu einer
- 1:06:09Fortbildung, was hier für uns eine Weinreise auch ist, gefahren ist und dann mehr oder weniger
- 1:06:14ganz erstaunt war, als ich sagte, nee, eigentlich ist es bei mir keine, nee, nicht wirklich Arbeit
- 1:06:20Zeit, doch eigentlich ist es Arbeit Zeit und dort ist halt selbst der Weg zum Zug, wird
- 1:06:25als Arbeit Zeit gerechnet, dann das Seminar oder was man auch immer dort belegt, ebenfalls
- 1:06:30natürlich und man rechnet dort in einer anderen Ebene und das bringt mich manchmal zum Nachdenken
- 1:06:37einfach auch für diese eigene Ruhephase, dass man die einhält, denn das ist ja manchmal
- 1:06:43der Punkt, warum man vielleicht auch so ein bisschen jobmütig wird, wenn man das nicht
- 1:06:47macht und das ist für dich eine interessante Sache, die man manchmal hinter Leuchten erfragen
- 1:06:51sollte, aber ich finde viel wichtiger Thema Fortbildung.
- 1:06:54Wie bildest du dich fort, wie bist du zu dem geworden, was du bist, weil ein Phänomen
- 1:07:00des Ruhrpottes ist ja, dass man da nicht rauskommt, zumindest gings dir ja so fast so und Alfred
- 1:07:06Vogt war ja auch in einer Residenz gefangen als zweiter Ruhrportler, der so Jahre in
- 1:07:11einem Laden war.
- 1:07:13Darauf steuerst du ja auch gerade zuhin, oder?
- 1:07:16Ja, stimmt.
- 1:07:18Soll nicht kritisch sein, das ist einfach nur, ich finde es nur amüsant und frag mich
- 1:07:24da manchmal, wie kommt man weiter?
- 1:07:26Also kommt man weiter, wirklich wenn ich in 10 Jahren 20 Betriebe mache und mich jedes
- 1:07:31Mal neu aufstellen muss oder wenn ich in einem Betrieb bin und dann mich sukzessive, ich
- 1:07:36muss natürlich die Konsequenz haben, mich auch aufzubauen, mich sukzessive aufbauen
- 1:07:40und auf das eben auch fundiert zurückgreifen kann, was ich aufgebaut habe und das ist nicht
- 1:07:44nur der eigene Weinkeller, den man halt wenn ich immer wechsel, immer wieder neu anfangen
- 1:07:48muss oder eben übernehmen muss und erstmal abarbeiten muss.
- 1:07:51Ich weiß nicht was besser ist und ich glaube so, also so schrecklich wie man das im Ersten
- 1:07:59empfindet, ist es gar nicht, wie du es machst, lange in einem Betrieb zu bleiben.
- 1:08:03Also ich muss sagen, ich habe da früher auch sehr mit mir gehadert, weil ich natürlich
- 1:08:13Freunde aus der Sommelier-Szene habe, die natürlich viele spannende Läden schon gesehen
- 1:08:23haben, viele Erfahrungen gemacht haben im Innen- und Ausland und da habe ich schon immer
- 1:08:29auch ein bisschen neidisch drauf geschaut, muss aber sagen, dass heutzutage ich das viel
- 1:08:39entspannter sehe und auch sagen muss, dass Kontinuität über so einen langen Zeitraum
- 1:08:45natürlich auch totale Möglichkeiten schafft und das war bei mir ehrlich gesagt auch so.
- 1:08:52Also damals noch meiner Lehre wollte ich eigentlich auch irgendwie direkt weg aus
- 1:08:58Buchen, aber durch Beziehungen und so hat sich das dann irgendwie ja auch irgendwie nicht
- 1:09:02gegeben und ich war auch gerne hier und es war aber auch, gab dann natürlich auch Zeit,
- 1:09:08wo ich gedacht habe, ach so gastronomisch, sei auch immer ein bisschen schwierig und
- 1:09:12wir sind ja auch immer so ein paar Jahre hinterher vergleichen zu anderen Metropolen und ja,
- 1:09:20da habe ich da wirklich so ein bisschen mit mir gehadert, aber es kam dann irgendwann
- 1:09:25auf die Zeit, wo ich die Chance da drin gesehen habe, weil im Ruhrgebiet sind die Leute erst
- 1:09:35mal sehr direkt und ehrlich, womit ich schon mal als Geburtiger Dortmunder hier einfach
- 1:09:40sehr, sehr gut klarkomme und sind aber auch super dankbar für die paar Möglichkeiten
- 1:09:49sich dann kulinarisch irgendwie hier ein bisschen auszutoben, dass es einfach total
- 1:09:56schön ist und ich diesen eher so ein bisschen Pioniersgeist entwickelt habe, weil man ist
- 1:10:04mit vielen Dingen oder wir sind mit vielen Dingen, die wir hier tun, dann schon auch oft
- 1:10:11ja, die Ersten gewesen und das kann auch sehr, sehr befreiend und beflügeln das Ganze,
- 1:10:21also ich habe das jetzt sehr kompliziert ausgedrückt, aber na ja, die Chance einfach,
- 1:10:29was aufzubauen, was vorher vielleicht noch keiner in der Regierung geschafft hat und
- 1:10:35dadurch auch Stammgäste an sich zu binden und sich die Dankbarkeit der Leute einfach
- 1:10:43zu sichern, die das dann alle wirklich mittragen, das sehe ich heute total positiv.
- 1:10:49Also ich bin sehr, sehr happy mit der Situation.
- 1:10:52Ist das so oder drückst du gerade ein bisschen auf die Tränen trüse und versuchst mehr oder
- 1:10:57weniger Mitleid einzuhäumsen, dass eben der Pott so rückschrittlich in Sachen Wein ist,
- 1:11:02dass er gastronomisch so zurückgeblieben ist, weil und damit möchte ich es begründen,
- 1:11:05es gibt ja so viele Regionen letztlich in Deutschland, also nimmt den gesamten Osten
- 1:11:09oder Mitteldeutschland, nimmt den Norden, der wirklich auch nicht gastronomisch irgendwie
- 1:11:13riesig blüht oder wie nur viel, nimmt das keine Ahnung, Sauerland, nimmt was auch immer,
- 1:11:19Teile von Frankenoberfalls oder sonstiges, es gibt ja nur wenige Regionen, die wirklich
- 1:11:24blühen wie die Fals oder wie teilweise das Badische.
- 1:11:27Also daher, ist es so schrecklich, wie du sagst oder empfindest du es nur so?
- 1:11:33Also ne, weil ich halt auch einfach unglaublich viel unterwegs bin, auch in Europa, in anderen
- 1:11:41Städten und da natürlich dann andere Sachen sehe und dann kommst du schon manchmal sehr,
- 1:11:46kommst du zurück in den Pott und bist dann schon sehr, sehr ernüchternd.
- 1:11:50Aber mich hat das auch früher wirklich angekotzt, muss ich echt sagen, aber mittlerweile sehe
- 1:11:57ich einfach die Entwicklung und jetzt sind es ja nicht nur wir, sondern viele andere Kollegen,
- 1:12:02die ja auch Restaurants eröffnet haben, Weinshops eröffnet haben, was auch immer, also wirklich
- 1:12:08auch was machen, Pop-Ups, es tut sich ja richtig was und diese Entwicklung irgendwie mitzugestaltet
- 1:12:14und mitzugehen, das befriede ich mich schon ungemein.
- 1:12:18Und da seid ihr auch Pioniere?
- 1:12:19Also daher habt ihr viel, nicht nur die Weinmesse, sondern im Allgemeinen habt ihr ja schon sehr
- 1:12:24viel bewegt und sehr viele Dinge komplett neu gedacht und initiiert.
- 1:12:29Aber wenn du jetzt noch mal für einen Tag, für eine Woche im Laden arbeiten würdest, was
- 1:12:34wären die Top 3 Leben, wo du sagst, lass mich da mal rein sneaken, in das Dase oder einfach
- 1:12:38nur so hinter die Kulissen schauen.
- 1:12:42Weltweit.
- 1:12:43Also ich muss natürlich sagen, als jemand, der noch nie in der gehobenen Sterne Gastronomie
- 1:12:50gearbeitet hat, womit ich auch früher viel gehardert hat, muss ich sagen, was heute aber
- 1:12:55auch nicht mehr so ist, während es schon, glaube ich, eher solche Läden, also so mit
- 1:13:02so einer, weiß ich nicht, so einer 2000 Position Weinkarte zu arbeiten, das würde mich schon
- 1:13:08mal nicht auf, vielleicht nicht auf Dauer, aber es würde mich schon auch reizen.
- 1:13:12Also so Tantris in Hochzeiten, so vielleicht noch unter Hans Haas, das hätte mich schon
- 1:13:22extrem gereizt.
- 1:13:23Und ich muss da fast sagen, da weiß ich nicht mal, da schlagen ja auch zwei Herzen meiner
- 1:13:27Brust, da müsste ich dann, glaube ich, zwei Wochen Praktikum machen, eine Woche in der
- 1:13:34Küche und eine Woche dann im Service.
- 1:13:36Weil ich mir beides so gerne angucken würde.
- 1:13:39Weil das beides so Legenden waren, also Wein wie Küche.
- 1:13:44Also so ein Land, wie das Tantris hat für mich einfach schon so einen ganz speziellen
- 1:13:50Schab, finde ich wirklich ganz, ganz spannend.
- 1:13:53Genauso in Paris gibt es ein, zwei Läden, die ich einfach von der Küche und vom Wein
- 1:14:01Service und vom Spirit her super, super attraktiv finde, wie zum Beispiel das Parcell, so ein
- 1:14:07sehr, sehr kleiner Laden, hat auch nicht viel mehr Plätze als das Pfeif, aber eine ganz
- 1:14:10fantastisch korratierte Weinkarte, was ich ganz toll finde.
- 1:14:14Ja, das sind zwei so Sachen, die mir jetzt so spontan dazu einfallen würden.
- 1:14:20Weil du sagst im Parcell der Wein Service, nimmst du, wenn du dort bist, Inspirationen
- 1:14:25mit und machst du die Gedanken bei dir um den Wein Service im Pfeif oder ähnlich wie beim
- 1:14:31Wasser, sagst du, wir machen sowieso alles irgendwie auf natürliche Weise und also hast du Grundansprüche
- 1:14:40an den Wein Service bei dir?
- 1:14:42Du sagst, das möchte ich machen oder das muss ich machen oder das kann ich vielleicht nicht
- 1:14:45machen, würde aber gerne machen wegen Platz.
- 1:14:48Ja, ich habe schon Grundanspruch, aber der äußert sich nicht in einer, ich sag mal,
- 1:14:59in einer Performance, was Hardware und Gläser und Platz anbelangt, sondern ich schaue mir
- 1:15:08eher an, wie die Ansprache am Gast ist.
- 1:15:11So das ist mir viel wichtiger, weil das kann jeder und da braucht es auch kein Budget
- 1:15:16für.
- 1:15:17Ich mag, wenn nicht belehrend auf Augenhöhe und vielleicht auch mal mit einem Augenzwinkern
- 1:15:26kommuniziert wird am Gast und trotzdem das Ganze immer mit einer Kompetenz unterlegt
- 1:15:31ist, dass wenn du eine Frage hast, dass da auch eine adäquate Antwort kommt oder auch
- 1:15:38und wenn es nur auch die Situation ist, dass derjenige, die Antwort vielleicht nicht weiß,
- 1:15:44aber jemand anders und das er auch zugeben kann, das weiß ich gerade nicht, aber ich
- 1:15:50frage einfach mal den Kollegen, weil der wird in der Küche vielleicht oder so, der wird
- 1:15:53auf jeden Fall wissen, so da einfach so ein Vertrauen einfach aufzubauen und den Gast
- 1:16:00da irgendwie nicht zu belehren und ich denke, da sind wir einfach wirklich von weg, hoffe
- 1:16:06ich.
- 1:16:07Und das sind eher Sachen, die mich dann faszinieren an einem perfekten Weinservice, wenn jemand
- 1:16:13einfach gut kommuniziert, sich gut bewegt und alles so im Blick hat und da kann es dann
- 1:16:19auch so ein kleines französisches Drecksweinglas sein.
- 1:16:23Das kann dann trotzdem ein schöner, also ein toller Weinservice sein.
- 1:16:27Also für dich ist der Weinservice ein Großteil Kommunikation, hast du da selber einen Anspruch
- 1:16:32an dich, dass du sagst, wenn ich ein Wein serviere, möchte ich das vermitteln, möchte
- 1:16:36ich ihn so erklären, möchte ich es darüber definieren, möchte die Emotionen dem Gast
- 1:16:40auslösen oder gibt es da kein Standard, sondern das ist alles punktuell.
- 1:16:44Also mir ist wichtig, ich erkläre dem Gast nicht, wie der Wein riecht und schmeckt.
- 1:16:52Warum nicht?
- 1:16:53Weil eigentlich ist es ja für den Gast manchmal schön, wenn er das hört, weil er vielleicht
- 1:16:58selber nicht die Kompetenz hat, das zu riechen und schmecken oder vielleicht schon zu riechen
- 1:17:02und schmecken, aber nicht in Worte zu kleiden und das kann ja manchmal so ein Ausflug in
- 1:17:06der Welt werden, die er selber so noch nicht kennt oder greifen kann.
- 1:17:09Gebe ich dir recht, ich finde es aber deutlich spannender und die Gäste reflektieren mir
- 1:17:15das eigentlich auch, dass so ein bisschen Hintergrundinformation und vor allen Dingen
- 1:17:21für die Gäste bei uns immer am spannendsten, warum haben wir denn diesen Wein zu diesem
- 1:17:26Gericht gewählt?
- 1:17:27Also man muss auch sagen, im Five zum Beispiel haben wir einen unglaublich hohen Prozentsatz
- 1:17:32an Wein pairing, also wir verkaufen relativ wenig Flaschen, was ich aber mittlerweile
- 1:17:37auch als totale Chance sehe, weil wir einfach ganz tolle Weine glasweise machen können,
- 1:17:42die wir, die sonst kein Mensch auch von der Weinkarte bestellen würde, weil der Gast
- 1:17:46den Namen nicht aussprechen kann, das Weingut nicht kennt, die Rebsorte nicht kennt, einfach
- 1:17:51Angst davor hat, so was zu bestellen.
- 1:17:53Und dieser pairing Gedanke, den finde ich total schön, also die Gäste auch immer sehr, sehr
- 1:17:59interessiert.
- 1:18:00Wie viel Prozent sind das am Abend, wenn du, wenn du Gäste hast, sind das 90, sind das
- 1:18:04100% und einer im Monat bestellt mal eine Flasche oder wie kann man sich das vorstellen, wenn
- 1:18:09du sagst, ein hoher Anteil?
- 1:18:10Also ich würde sagen 80% Warmegleitung von den Weintrinken, ja, haben wir, glaube ich
- 1:18:14schon.
- 1:18:15Was für dich natürlich auch eine riesen Herausforderung ist, weil wenn du so ein kleines Lokal hast,
- 1:18:2180% haben Weimbegleitung, du kannst ja nicht bei jedem Tisch sagen und hier haben wir
- 1:18:265 Hektar und der Name des Hundes von der Winzerin ist Clara.
- 1:18:30Oh, das geht schon.
- 1:18:32Also man muss vielleicht manchmal ein bisschen schneller reden, aber wir verbringen schon
- 1:18:38relativ, für so ein Kleiner einen relativ viel Zeit am Gast mit Erklärung der Weine.
- 1:18:45Was ich meine, dass du nicht jedes Mal die gleiche Erklärung bei jedem Gast finden kannst,
- 1:18:50sondern mehr oder weniger ja dann immer wieder neu moderieren musst und eine neue Erklärung,
- 1:18:54somit eigentlich auch alle was von deiner weiterführenden Erklärung haben.
- 1:18:57Aber du musst natürlich kreativer sein, deiner Wortfindung und letztlich auch in deiner
- 1:19:00Erklärung.
- 1:19:01Ja, das stimmt.
- 1:19:02Wenn man sich selber irgendwann hört und man erwischt sich dabei, dass man am dritten
- 1:19:07Tisch quasi exakt das Gleiche erzählt, da wird man der total Gagger auf jeden Fall.
- 1:19:11Da muss man selber, finde ich, so seinen Tool finden, wie man das irgendwie schafft, dass
- 1:19:16immer wieder neu und interessant, auch für sich selber, weil man hört sich auch selber
- 1:19:20reden, das irgendwie zu verklausulieren.
- 1:19:24Ja, da gebe ich dir absolut recht.
- 1:19:25Mir ist wichtig, dass ich die Gäste nicht mit Weinbegriffen erschlage, die sie vielleicht
- 1:19:36gar nicht kennen und das passiert mir auch, muss ich ganz ehrlich sagen, weil klar, wenn
- 1:19:40wir beide jetzt reden oder wenn man mit Fachkollegen spricht und man benutzt einfach mal so ein
- 1:19:46Wort wie "Meische Standzeit", weil man da gar nicht mehr drüber nachdenkt, ja, der Gast
- 1:19:51hat immer natürlich, also die meisten, gestern natürlich keine Ahnung, was das bedeutet
- 1:19:55und was das für den Wein bedeutet.
- 1:19:57Und da muss man, finde ich, schon immer sehr darauf achten, dass man da ja nicht in irgendwelchen
- 1:20:03Fachchenesisch untergeht, weil der Gast auf keinen Fall mehr wert von.
- 1:20:08So, das ist einfach Fakt.
- 1:20:10Und da gucke ich lieber, dass ich mit Begriffen, die der Gast versteht und auch Relaten kann,
- 1:20:17Arbeite und ja, einfach Erklären zur Seite stehe und klar muss man auch bei jedem Gast
- 1:20:24schauen, wie viel Wildergäste denn überhaupt.
- 1:20:26Also, wie viel, manche Gäste, die wollen ganz maximal viele Informationen.
- 1:20:32Es gibt natürlich auch Gäste oder Business-Tische, die haben wir jetzt selten, aber kommt auch
- 1:20:37mal vor, die, den reicht eigentlich eine ganz, ganz kurze Ansage und da liegt es dann halt
- 1:20:43am, ja, am Sommelier, am Gastgeber, das zu merken, wie viel da denn jetzt gerade auch
- 1:20:49angebracht ist.
- 1:20:50Das ist, ja.
- 1:20:51Könnte man dich rauslesen, also hast du eine Handschrift und wenn ich jetzt den Text von
- 1:20:55dir in einer beiden Erklärung lese, die du einem Gast entgegenbringst, es gibt ja so
- 1:21:00manchmal Kollegen wie, keine Ahnung, uns beiden bekannt, Tony, den könnte man rauslesen.
- 1:21:04Du drei nebeneinander hast, dann weißt du, okay, das hat Tony gesagt oder Marco Franzelin
- 1:21:08oder wen auch immer.
- 1:21:09Also, es gibt so manches, homie, da kann man anhand deren Wortwahl und deren Art das zu
- 1:21:16erklären sehen.
- 1:21:17Die waren das, würdest du dir selber auch zusprechen, dass du sagst, du bist so unig
- 1:21:21in deiner Weinformulierung, du bist wieder erkennbar?
- 1:21:26Gute Frage.
- 1:21:27Also, ich bin wahrscheinlich irgendwo in der Mitte zwischen Marco und Tony, würde ich sagen,
- 1:21:34in meiner Wortwahl.
- 1:21:35Wollte du sagst, das ist die Can-Com-Tents-Deine-Service, muss es ja irgendwas geben, wo du sagst,
- 1:21:45das macht mich aus.
- 1:21:46Oder ist das zu provokant, die Frage?
- 1:21:49Also, ich glaube schon, dass mich eine sehr, ich muss sagen, also, dass ich versuche, eine
- 1:22:00Beschreibung schon sehr kompakt, aber immer auch sehr locker und auch immer mal vielleicht
- 1:22:07mit einem kleinen Spruch oder Seitenhieb auflockern.
- 1:22:13Also, das ist eher so mein Stil.
- 1:22:15Weil ich mir das auch einfach irgendwie so über die Jahre in unserem Restaurant an
- 1:22:22trainiert habe.
- 1:22:24Das ist einfach so unser Sprech.
- 1:22:26Also, wir versuchen vor allen Dingen, den Gast locker zu machen.
- 1:22:31Also, wir versuchen, eine sehr entspannte Atmosphäre bei uns im Restaurant zu kreieren.
- 1:22:36Und das ist mir einfach sehr, sehr wichtig.
- 1:22:38Und manchmal hast du ja Gäste, die, na ja, so ein bisschen unsicher sind, sind vielleicht
- 1:22:45das erste Mal bei dir und wissen nicht genau, was sie erwartet und ob sie jetzt selber
- 1:22:51so ein bisschen auf irgendwas achten müssen.
- 1:22:52Und wir versuchen sehr, sehr schnell den Gästen das Gefühl zu nehmen, so dass sie sich jetzt
- 1:22:57entspannen können, sich hier hinsetzen können und wir denen jetzt einfach eine gute Zeit
- 1:23:02bereiten werden.
- 1:23:03Und das versuche ich auch mit meinen Ansprachen am Tisch, sei es Abritivempfehlung oder Weinerklärung
- 1:23:11oder was auch immer, oder ein bisschen kurz den Teller zu erklären, den sie jetzt vor
- 1:23:16sich haben.
- 1:23:17Das versuche ich einfach in allem irgendwo zu vermitteln.
- 1:23:21Und locker ist ja manchmal schwerer als steif, weil du ja immer so einen Grenzkang letztlich
- 1:23:26hinlegst.
- 1:23:27Wie weit kann ich gehen, wie weit kann ich den Bogen überspannen, wann ist es noch ein
- 1:23:30Lacher oder wann ist es ein beschämtes Dreimblicken, wann trete ich zu nahe und wenn du jetzt diesen
- 1:23:36Steifenservice machst, dann hast du natürlich deine Regeln, aber es braucht ja sehr viel
- 1:23:40mehr Individualität.
- 1:23:41Wenn du individuell versuchst, den Gast heraus zu fordern, zum Lachen zu bringen, zum Schmunteln
- 1:23:50zu bringen.
- 1:23:51Ja, absolut.
- 1:23:52Also ich denke auch, so ein Roboter Service ist da relativ einfach noch.
- 1:24:00Das ist einfach Fingerspitzengefühl.
- 1:24:04Und ich glaube, manche lernen das auch nie und manche bringen das schon so total natural
- 1:24:10einfach mit.
- 1:24:11Und manche schaffen es das auch so pö-a-pö einfach zu lernen.
- 1:24:17Also ich hatte auch schon ganz tolle Auszubildende oder auch Aushilfen, die als sie in die Gastro
- 1:24:24zum Job gekommen sind, total schüchtern waren und sich auch gar nicht so richtig so artikulieren
- 1:24:31konnten am Gast.
- 1:24:32Das war immer so ein bisschen steif und unsicher und die dann aber auch so nach ein, zwei Jahren
- 1:24:38in der Gastronomie auch so Teilzeit so total aufgegangen sind und dann aber auch später
- 1:24:44dann gesagt haben, das hat mir auch im Leben und auch in meinem Studium so viel gebracht
- 1:24:49am Ende zu lernen, wie man kommuniziert mit den Leuten.
- 1:24:56Ja.
- 1:24:57Und das ist, glaube ich, der unterschätzteste und mit wichtigste Aspekt unseres Berufskommunikation.
- 1:25:06Auch in der Lebensbereicherung, dass man redet, dass man sich austauschen, dass man nicht
- 1:25:11nur den Weg zur Kaffeemaschine hat und da vielleicht so ein, dass man den ganzen Tag Dinge
- 1:25:16von sich preisgeben kann, Informationen verarbeiten kann, sich dadurch eben auch automatisch schon
- 1:25:20ein bisschen weiterbildet.
- 1:25:21Das finde ich ist eine Sache, die unglaublich wichtig ist.
- 1:25:26Aber zurück zum Wein, kannst du Wein auf ein Wort runterbrechen?
- 1:25:31Was ist Wein für dich?
- 1:25:33Nein, auf ein Wort runterbrechen, auf keinen Fall.
- 1:25:39Was ist Wein für mich?
- 1:25:41Immer noch Faszinationen?
- 1:25:43Also, wir probieren alle so viele Weine im Jahr und...
- 1:25:49Wie viel probierst du?
- 1:25:50Kannst du es überblicken?
- 1:25:51Also, ich kann es nicht nominell überblicken, aber es sind auf jeden Fall weit über 1000
- 1:25:56Weine, die man so im Jahr verkostet.
- 1:25:59Was ja nicht wenig ist, wenn du 365 Tage, jeden Tag drei Weine, die man da roundabout,
- 1:26:07zwei bis drei Weine, probiert, ist schon einiges.
- 1:26:09Aber ich wollte dich nicht unterbrechen.
- 1:26:11Wir probieren so viel Weine.
- 1:26:12Ja, also man denkt immer, man kennt sich mal, jemand denkt man vielleicht, man kennt sich
- 1:26:19mal in der Region oder irgendwie im Weingut gut aus und dann kommt das nächste Jahr, der
- 1:26:24nächste Jahrgang und es ist schon wieder irgendwie was Neues.
- 1:26:29Es hat so eine Unendlichkeit, was mich irgendwie immer noch jedes Mal aufs Neue fasziniert,
- 1:26:35weil man immer wieder neue Sachen entdeckt, die man so noch nicht geschmeckt hat oder
- 1:26:41wusste.
- 1:26:42Es ist einfach so komplex, es kann auch manchmal erschreckend komplex sein und ich verstehe
- 1:26:49auch jeden, der neu in die Weinwelt kommt, also professionell und den
- 1:26:55dass er es erstmal wirklich erschlägt, weil er irgendwann denkt, auch aus der Sommel
- 1:26:59ausbüllen, du kommst da raus, du weißt doch nichts. Also nach deiner, also mir ging es
- 1:27:04auf jeden Fall so, als ich dann meine Nadel da bekommen habe und mich rausgegangen, dachte
- 1:27:10ja okay, was jetzt war, deine Sommelprüfung bestanden, aber du weißt ja gar nichts. Und
- 1:27:15dann musst du auch erstmal überlegen, wie geht man damit um überhaupt. Und das macht
- 1:27:20für mich diese Faszination wein einfach nach wie vor aus, dass es so komplex ist, dass
- 1:27:27man eigentlich nie alles wissen kann. Das finde ich super.
- 1:27:46Shiraz hat man das Gefühl, kann alles, kann kräftig voluminös, kann differenziert und
- 1:27:52elegant, kann tiefsinnig mineralisch, kann strukturiert und sehr außergewöhnlich sein.
- 1:27:57Aber heißt es eigentlich Shiraz oder Syrah? Eine ganz einfache Frage, die durchaus kompliziert
- 1:28:02sein kann, also um es auf den Punkt zu bringen. Und was weiß, likes zu skizzieren, nennt man
- 1:28:07die in Übersee vornehmlich Shiraz und in Europa fast ausnahmslos Syrah. Man kann sich das
- 1:28:12eigentlich ganz einfach vorstellen. Also es ist wie zwei einigitze Zwillinge, die direkt
- 1:28:17nach der Geburt getrennt wurden. Der eine wechseln den Slums auf, der andere in einem
- 1:28:20wohlbühteten Elternhaus. Wenn man beide nach 30 Jahren wieder zusammenführt, hat man zwei
- 1:28:24einigitze Zwillinge, die eigentlich recht gleich sind, aber garantiert grundunterschiedlich.
- 1:28:29Und so ist es mit dem Syrah und dem Shiraz. Also der australische Shiraz, genetisch identisch
- 1:28:34mit dem französischen Syrah, gelangt im frühen 19. Jahrhundert durch den schottischen Rebionier
- 1:28:40James Bassbien nach Australien. Der 1832 Rebematerial aus dem Rhonital importierte. Heute steht
- 1:28:47Shiraz für Austrains wie nur viele Identität, wie kaum eine andere Rebsorte. Von vollmundig
- 1:28:52Barock bis kühlillegant, vom massiv fein bis weltklasse. Der Name Shiraz geht ursprünglich
- 1:29:00auf die gleichnamige Stadt Shiraz im heutigen Iran zurück, einen der ältesten Weimitropolen
- 1:29:06der Antike. Allerdings hat diese historische Stadt keinen direkten genetischen Bezug zur
- 1:29:11Rebsorte. Die Rebsorte stammt nachweislich aus dem Rhonital und ist eine natürliche
- 1:29:15Kreuzung der alten Rebsortendurisa und Mondeuse Blanche. Und der Begriff Shiraz wurde vermutlich
- 1:29:22im 19. Jahrhundert durch britische Kolonialoffiziere oder australische Siedler übernommen, die
- 1:29:27in den historischen persischen Weinlegenden einen exotischen und edelklingen Namen sahen.
- 1:29:32Ideal. Und um Shiraz so richtig zu verstehen, hilft exemplarisch die Y-Series aus dem Haus
- 1:29:38Ljallumba in Südaustraeien, eine Hommage an die große australische Rebsortenvierfalt,
- 1:29:44an dem Mut, Charakter mit Klarheit zu verbinden. Und das in einem sagenhaften Preisleistungsverhältnis.
- 1:29:50Benannt nach dem ersten Buchstaben des traditionreichen Familiennamens, steht die Serie zugleich für
- 1:29:55den Aufbruch in eine neue Stilistik, modern präzise unverfälscht. Jeder Wein dieser
- 1:30:01Kollektion wird sorter reinvenifiziert, um die natürliche Signatur der jeweiligen Rebe
- 1:30:06in ihrer reinsten Form zu bewahren. Vom saftig eleganten Vierne, bis hin zum dunkelwürzigen
- 1:30:12Shiraz, die wir gerade im Sinn haben. Die Trauben stammen aus sorgfältig selektierten
- 1:30:16Lagen im Süden aus Treyens, vor allem aus dem Barossa Valley, Riverland, der Limestone
- 1:30:21Coast und dem Eden Valley. Region, der einen geologische Vierfalt sich eindrucksvoll im
- 1:30:26Glas widerspiegeln. Die Venifikation folgt dem Prinzip der Zurückhaltung. Nachhaltigkeiten
- 1:30:31und Achtsamkeit sind integrale Bestandteile der Serie. Viele Parzellen werden ökologisch
- 1:30:35oder biodynamisch bewirtschaftet. Die gesamte Linie ist vegan zertifiziert. Der Stil ist
- 1:30:41stets geprägt von Präzision und Balance. Eine bändige Frucht, fein eingebundene Säure,
- 1:30:46eine klare Textur und ein Finish, das die Herkunft nicht nur zeigt, sondern spürbar
- 1:30:51macht. Jalumba gelingt damit eine Balance, die selten ist. Ein Wein mit lokaler Identität,
- 1:30:57aber internationaler Verständlichkeit. Dafür steht Jalumba. Das älteste, familiegeführte
- 1:31:02Weingut, gegründet 1849 vom britischen Brauers Samuel Smith. Der Name Jalumba stand aus
- 1:31:09der Sprache der Paramank und bedeutet "All das Land umher". Ursprünglich betrieb Smith
- 1:31:14eine kleine Brauerei in Dorset, England, bevor er mit seiner Familie nach Australien auswanderte.
- 1:31:19Nach seiner Ankunft in Adelaide im Dezember 1847 ließ er sich in Angershawn nieder und
- 1:31:24erwarb ein 30 Hektar großes Grundstück, das er mit den ersten Reben bepflanzte. In den
- 1:31:29frühen Jahren konzentrierte sich Jalumba auf die Produktion von verstärkten Wein. Jedoch unter
- 1:31:33der Leitung von Walter Tiger Smith expandierte es Unternehmen im frühen 20. Jahrhundert erheblich
- 1:31:40und gewann nationale sowie internationale Anerkennung. Heute steht Robert Hill Smith als
- 1:31:45fünfte Generation an der Spitze des Unternehmen. Unter seiner Führung hat Jalumba seine internationale
- 1:31:50Präsenz ausgebaut und sich als innovatives Unternehmen positioniert. Ein richtig bemerkenswertes
- 1:31:56Merkmal von Jalumba ist die eigene Küfferei, die seit dem frühen 1900er Jahren im Betrieb ist.
- 1:32:02Und der Jalumba Y-Series 2019 ist ein herausragendes Beispiel für das Engagement des Weingutes,
- 1:32:09Charaktervolle und Charakterstarkeweine zu produzieren. Der Jalumba Y-Series 2019 ist kein
- 1:32:15Klassiker, er ist ein Sensorik-Kamerion. Denn je nach Temperatur zeigt er Noten von reifen
- 1:32:21Brombeeren und dann wieder Anklängen von Weihnachtsgebäck, manchmal ein Hauch von weißem Pfeffer,
- 1:32:25kein Wein für lignale Jahredenker, sondern einer für Neugierige. Er ist wie eine große Oper
- 1:32:31im Glas, harmonisch, aber nicht vorhersehbar. Und das tut ihr auf eine Weise, die man nicht
- 1:32:36vergisst. Aber Jalumba kann nicht nur Shiraz, obgleich deren zu dem besten ist Barossa Vellis
- 1:32:41gehören. Aktuell produziertes Weingut, zumindest laut dem Meininger Verlag, dem besten Riesling
- 1:32:46der neuen Welt. Ausgelobt in der Meininger Best auf Rieslingverkostung 2024, bei welcher
- 1:32:531350 Rieslinge querverkostet wurden. Einen ganz herzlichen Glückwunsch für diesen Erfolg
- 1:32:59und zugleich ein großes Dankeschön für all die facettenreichen Weinerlebnisse an dieses
- 1:33:03Ausnahmeweingut und natürlich an den deutschen Importeur, dem Handelshaus Segnetz.
- 1:33:15Hattest du da jemals ein Vorbild, wo du sagen konntest, an dem kann ich mich orientieren
- 1:33:22oder so wie der es macht, macht man es gut oder so möchte ich ganz gerne sein oder warst
- 1:33:29du immer lost alleine und musst es dich autodidaktisch mehr oder weniger selbst in dieser neuen Weinwelt
- 1:33:35zurechtfinden? Teils teils. Also ich muss sagen, ich war
- 1:33:40schon teilweise ein bisschen lost, weil das was ich so von anderen Kollegen gehört habe
- 1:33:47und kannte so aus Hamburg, also ich habe meine Sommelier ausbilden zum Beispiel in Hamburg
- 1:33:52gemacht und da war natürlich immer viel mehr Szene und da waren jede Woche irgendwo Stammtische
- 1:33:58und Verkostung und naja, das ist jetzt kommt wieder die Ruhgebietstätentränen Drüse.
- 1:34:05Du wollte ja nicht zu nahe treten. Ne, überhaupt nicht, du hast ja vollkommen recht. Also
- 1:34:12ich war lange Zeit in Bochum, jetzt auch nicht so eine kleine Stadt mit 330.000 Einwohnern,
- 1:34:19der einzige Sommelier. Also es gab da niemanden und das war wirklich einige Jahre so und ich
- 1:34:24musste automatisch Platz eins, also bis gleichzeitig der beste Sommelier.
- 1:34:31Ja, so war das und dann musste ich natürlich immer als Jungs-Sommelier, ich weiß nicht
- 1:34:36wie viel Male ich nach Düsseldorf und Köln getingelt bin, um irgendwelche Verkostungen
- 1:34:40von Händlern oder Stammtische oder so irgendwie mitzumachen und mittlerweile machen wir das
- 1:34:48dann in Bochum und das ist natürlich ganz cool. Da war ich schon teilweise ein bisschen
- 1:34:53lost am Anfang, habe ich da aber auch irgendwie durchgebissen und hab dann halt irgendwann
- 1:34:59das Zepter selbst in die Hand genommen und dann die Leute einfach geguckt, dass ich
- 1:35:03die mal nach Bochum hole. Also wir haben einen sehr aktiven, ganz wunderbaren Weinstandtisch
- 1:35:09seit, ich glaube, über acht Jahren mittlerweile, wo dann die Leute jetzt mittlerweile auch
- 1:35:16aus Düsseldorf und Köln dann nach Bochum fahren.
- 1:35:19Wie viel Person umfasst der Weinstandtisch? Also der umfasst ein paar mehr, aber es
- 1:35:25sind dann am Abend immer maximal zwölf, damit wir mit einer Flasche immer sehr, also auskommen.
- 1:35:30First come, first serve oder muss man einmal ein Jahr dabei sein?
- 1:35:35Ne, first come, first serve ist einfach über eine WhatsApp-Gruppe ganz easy und das sind
- 1:35:40aber keine Mitbringproben, also das ist immer kuratiert von mir in dem Fall, immer unter
- 1:35:48einem bestimmten Kernthema, immer blind, weil ich es einfach irgendwie ehrlicher finde,
- 1:35:53man ist dann schon immer so ein bisschen beeinflusst, glaube ich, manchmal von Indikaten.
- 1:35:59Findest du es?
- 1:36:00Ja, finde ich gespalten. Ich finde, wenn man den Winzer sieht, hat man eine andere Ebene
- 1:36:07und kann ihn anders betrachten, sich intensiver auf den Wein einlassen und versteht, manche
- 1:36:12Dinge mehr gerade bei Mehrfachproben, also wo ich mehrere Weine probiere und ohnehin
- 1:36:17ich die Zeit habe, mich im Rahmen einer Flasche auf dem Wein einzulassen und den Wein intuitiv
- 1:36:22dann irgendwie zu greifen, brauche ich manchmal so wie so ein Intro oder wie etwas, was mir
- 1:36:27den Wein so ein bisschen erklärt und das wäre für mich dann die offene Verkostung,
- 1:36:31daher bin ich eigentlich mehr ein Freund von offenen Verkostungen, finde die verdeckte
- 1:36:35Verkostung oftmals unfair dem Winzer und oftmals auch den komplizierteren Wein gegenüber,
- 1:36:41weil du erstmal Attraktivität bewährt bist.
- 1:36:43Ja, bin ich zum Teil bei dir, muss aber sagen, dass Weine von vielleicht befreundeten Winzern,
- 1:36:56teure Weine, große Namen einfach instinktiv anders bewertet werden und kleinere unbekanntere
- 1:37:03Sachen häufiger eher mal durchs Raster fallen.
- 1:37:08Sollten wir da aber nicht profi genug sein, das auch wegstreichen zu können und
- 1:37:12ja, sollten wir aber können wir?
- 1:37:14Ich glaube, also wenn ich für mich sprechen darf, ja, also musste ich lernen und musste
- 1:37:21dann auch Enttäuschungen in Kauf nehmen und mit diesen Enttäuschungen umgehen, wenn
- 1:37:24ich Schatte schlag mich tot oder Domain blabla blabla habe und weiß okay, ich habe da jetzt
- 1:37:29500 Euro für bezahlt und sorry, enttäuscht mich gerade und da das dann eben auch so
- 1:37:35akzeptieren und so abheften oder eben auch die Neugierde für einen unbekannten Winzer,
- 1:37:41den ich vielleicht nicht einordnen kann, den dann objektiv erschmecken und die Information
- 1:37:45dann rein aus der Rebseur, wo ich sage, wow, der hat es aber gut getroffen, er hat es
- 1:37:49anders getroffen und das dann entsprechend einordnen.
- 1:37:52Also daher, ja, würde ich auf professioneller Ebene immer versuchen, ganz, ganz objektiv
- 1:37:58da rein zu gehen und die Informationen einfach als mehr werden, als Erklärung für den Wein
- 1:38:03zu nehmen.
- 1:38:04Ansonsten, wenn ich es blind probiere, muss ich ja auch Profi sein und muss die Textur,
- 1:38:08die Kompensität und so weiter, also muss mit einer anderen aber ähnlich geebneten
- 1:38:14Professionalität an den Wein herangehen.
- 1:38:16Daher ist dann die Frage, was ist besser als eine oder andere.
- 1:38:18Ich möchte auch blind Verkostung nicht negieren.
- 1:38:21Hat alles eine Berechtigung und hat auch alles seine Befürworter.
- 1:38:27Aber ich würde nicht sagen, das eine ist besser als das andere.
- 1:38:31Es gibt nur verschiedene Möglichkeiten.
- 1:38:33Ich würde das eine eben nicht hochloben.
- 1:38:34Ja, okay, da gebe ich dir absolut recht.
- 1:38:38Ich finde, die Blindverkostung ist eher manchmal eine Hilfestellung, Dinge auszublenden, weil
- 1:38:46auch ein Etikett, was du vielleicht kennst, dir manchmal auch viel Interpretationen liefern
- 1:38:54kann.
- 1:38:55Also man meint ja auch manchmal zu wissen, wie dort gearbeitet wird, weil man vielleicht
- 1:39:01auch schon in dem Keller war und sich mit den Wein beschäftigt hat.
- 1:39:05Aber dann gibt es vielleicht auch zu einem neuen Jahrgang einen Wechsel im Keller.
- 1:39:10Es werden Dinge anders gemacht.
- 1:39:12Und manchmal habe ich so das Gefühl, dass man vielleicht instinktiv dann Sachen reininterpretiert
- 1:39:17oder rausinterpretiert, die vielleicht gar nicht mehr so sind.
- 1:39:21Und mir hilft es manchmal, etwas objektiver an die Sache ranzugehen.
- 1:39:25Man muss aber auch sagen bei den Stammtisch, es ist ja auch ein sehr eng gefasstes Kernthema.
- 1:39:32Das heißt, es schließt ja schon vom Thema her schon ganz, ganz viel aus, sodass man,
- 1:39:39also wenn man sich jetzt nur auf einen Village zum Beispiel im Begrund konzentriert, das
- 1:39:45klammert ja schon mal unfassbar viel aus.
- 1:39:48Und da finde ich es dann irgendwie schon ein bisschen vergleichbarer, das Ganze dann blind
- 1:39:52zu machen.
- 1:39:53Da geht es auch überhaupt gar nicht darum, Weine irgendwie zum Nageln zu erkennen oder
- 1:39:59so.
- 1:40:00Es ist einfach darum, das Blind-Testing ein bisschen als Hilfestellung einer vielleicht
- 1:40:06objektiveren Sichtweise zu nehmen, würde ich sagen.
- 1:40:09Ich finde dieses Nageln sollte man ohnehin niemals überbewerten.
- 1:40:13Nee.
- 1:40:14Denn es ist manchmal schön, wenn man ein Wein wiedererkennt und sagt, wow, das könnte der
- 1:40:19sein.
- 1:40:20Aber oftmals eben auch die Quartz, die man macht.
- 1:40:22Also wenn man sagt, keine Ahnung, könnte spätbegründer sein, könnte 98 sein oder
- 1:40:27sonstiges, sollte ja eigentlich auch nur immer in der Kategorisierung und in der Geschmackserklärung
- 1:40:32letztlich beihelfen.
- 1:40:33Und dann, wenn man es nicht so verbissen sieht, dann traut man sich auch das zu sagen.
- 1:40:39Wenn manchmal ist es ja so, wenn man dann irgendwie sagt, hey, ist ein 98er Spätbegründer
- 1:40:44aus dem Badischen und dann ist halt Chianti, dann führt man sich schlecht.
- 1:40:48Und das sollte Wein eigentlich niemals vermitteln, dieses Gefühl, dass man sich schlecht führt
- 1:40:52für eine Sache.
- 1:40:53Man braucht ja nur manchmal einfach auch nur einmal falsch abbiegen.
- 1:40:55Also dass man halt zwar die Kirsche gerochen hat und es ist halt kein Pinos, es ist halt
- 1:41:00Chianti.
- 1:41:01Wir haben beide Kirsche drin.
- 1:41:02Ja.
- 1:41:03Und dann ist uns doch allen schon 100 mal passiert.
- 1:41:05Ja, das reicht nicht 100 mal.
- 1:41:06Ja, ja, 1000 immer alle, richtig, genau.
- 1:41:09Also, nee, mir ist viel wichtiger, auch bei den Standtischen, da sind wir wieder bei
- 1:41:15Kommunikation, ist der Austausch unter den Leuten, die dort sind, dass der Wein einfach
- 1:41:21und bei uns wird auch gestritten und ganz ja wirklich kontrovers diskutiert über Weine
- 1:41:26und das hat einfach für alle irgendwie was Positives.
- 1:41:33Es gibt natürlich auch man den einen oder anderen, der da vielleicht ein bisschen stiller
- 1:41:37ist, wobei bei uns schon eigentlich alle sehr, sehr gut irgendwie mitdiskutieren.
- 1:41:41Und das finde ich wichtig.
- 1:41:44Aber ihr mit Piraten dabei?
- 1:41:46Oder seid ihr Springs?
- 1:41:48Ab und zu gönne ich mir da schon mal den einen oder anderen Pirat, ja.
- 1:41:51Aber der musste natürlich auch im Kontext nehmen, wie schön schön reinpassen.
- 1:41:54Ah, okay.
- 1:41:55Also immer die Frage, ob der dann atypisch ist oder ob der dann wirklich aufs Gladeis
- 1:42:00führen sollte und dann schon dem sehr ähnlich ist.
- 1:42:04Ja, mal so, mal so.
- 1:42:06Also wir hatten jetzt als Beispiel, wir Cherez als letztes Thema.
- 1:42:12Tolles Thema.
- 1:42:13Weil ich mit, ja super.
- 1:42:14Also der Aufhänger war, dass wir mit unserer kleinen Zombie Crew im Cherez unterwegs waren.
- 1:42:23Weil ich einfach die letzten Jahre so viel spannende, auch nicht aufgespürtete Weine
- 1:42:29von dort probiert habe und ich das nicht so richtig greifen konnte.
- 1:42:36Ich habe es nicht richtig verstanden und das gesagt, ja wir müssen dahin fahren.
- 1:42:40Und dann waren wir drei, vier Tage dort und danach ist mir einfach alles klar geworden.
- 1:42:44Und dann versteht man es halt erst mal, wenn man es sieht und wenn man es vom Winsel erklärt
- 1:42:48bekommt.
- 1:42:49Und es gibt so großartige Palomino oder keine Ahnung, Moskatella oder so, die teilweise
- 1:42:54trocken ausgebaut, frisch, lebendig und so authentisch sind, dass man sagt, wow, wo
- 1:42:59kommt das denn her?
- 1:43:00So was habe ich noch nie probiert.
- 1:43:01Ja, und auch wie Hefe Floor, auch bei nicht aufgesprittenen Weinen, das ist nochmal
- 1:43:06eine ganz andere Dimension.
- 1:43:07Dann hat das ganze 12,5% Alkohol.
- 1:43:10Also in Analyse, das ist ja Wahnsinn.
- 1:43:13Ja, die Weine lassen nichts vermissen und da habe ich dann mal einen Version reingespuggelt.
- 1:43:18So.
- 1:43:19Schön, guter Gedanke.
- 1:43:20Ja, und es hat euch immer direkt gemerkt, also ich muss auch sagen.
- 1:43:24Das ist ja ein Enttäuschend-Tier für deine Aussage.
- 1:43:28Ja, gibt es da preisliche Grenzen, also wo du sagst, manchmal hole ich auch einen im
- 1:43:34Discounter oder wie auch immer und nach oben brauche ich mal was ein, wo ich mein Smartphone
- 1:43:41verkaufen müsste?
- 1:43:42Also ich schaue schon immer, dass das natürlich, wo preislich für alle im Rahmen bleibt.
- 1:43:48Das Schöne ist ja, wenn man sich zu zwölf eine Flasche teilt, kann man ja schon auch
- 1:43:52nach oben mal ein bisschen Gas geben.
- 1:43:54Wo sind die Grenzen nach oben?
- 1:43:55Oder was war das vielleicht teuerste, was ihr mal hattet?
- 1:43:58Wenn das jetzt nicht zu Neckästchen ist.
- 1:44:00Doch, kann man Neckästchen rein.
- 1:44:02Also das ist meistens so im Bereich 100 Euro pro Kopf, weil ich schon immer gucke, dass
- 1:44:10man irgendwo auch schon die vermeintliche Benchmark auch irgendwie dabei hat.
- 1:44:16Bei Thema Champagner oder Kalifornien oder so, da kannst du dann schon mal irgendwie
- 1:44:25auch mal nach oben ausreißen, gar keine Frage.
- 1:44:27Das sprechen wir dann aber einfach vorher ab, ob das für alle in Ordnung ist und das
- 1:44:32war bis jetzt auch irgendwie ein Problem, weil das einfach, glaube ich, für alle, da sind
- 1:44:38wir wieder beim Thema Weiterbildung, das ist einfach, das ist ein Seminar quasi.
- 1:44:43Ja, es ist auch immens wichtig, dass man die Weine probiert.
- 1:44:46Also letztlich lädelt man über die Weine, man braucht manchmal die Vergleichbarkeit,
- 1:44:50wenn man auch für die Karte, wenn man mit einem guten Preis-Leichtungsverhältnis finden
- 1:44:53möchte, muss man ja wissen, woran man sich orientieren kann.
- 1:44:57Und das darf man dabei nicht vergessen.
- 1:44:59Und wenn nicht, dort, wo dann?
- 1:45:01Und das Schöne ist, dass bei uns im Stammtisch natürlich auch viele Sommelis und Gastronomen
- 1:45:06dabei sind und es ist immer so, ich such zwar die Weine aus und kuratier das Ganze, wenn
- 1:45:13aber jemand aus der Gruppe zu dem nächsten Thema vielleicht was passendes, gereiftes
- 1:45:17im Keller hat, was vielleicht eben nicht mehr auf dem Markt ist und wenn dann zu völlig
- 1:45:22hohen Renten preisen, dann ist es bei uns eigentlich so, dass jeder das irgendwie zu
- 1:45:27seinem EK dann beisteuert und dann, also wir hatten eine Juraprobe, da waren dann auch
- 1:45:35irgendwie gereifte Flaschen Overnoir dabei, aber weil die halt jemand schon aus unserer
- 1:45:41Gruppe schon seit ewigen Jahren im Keller hat, der einfach ganz günstig mal da angekommen
- 1:45:44ist und das dann aber auch in so eine Runde schmeißt, weil er weiß, das hat jetzt irgendwie
- 1:45:50für alle ein Mehrwert, dass alle das probieren können und das ist so ein total schöner,
- 1:45:54so ein Gemeinschaftsdinge einfach.
- 1:45:55Also dadurch kann rein vom Marktwert auch mal in die vierstellige Richtung gehen.
- 1:45:59Ja genau.
- 1:46:00Fünfstellig?
- 1:46:01Ja.
- 1:46:02Nee, das war noch nicht dabei, glaube ich.
- 1:46:05Nee.
- 1:46:06Nach unten, unter fünf?
- 1:46:07Nee, unter fünf glaube ich auch nicht.
- 1:46:12Unter zehn, das gab es schon, das kommt dann auch auf so, wenn ich mich dann mit dem Thema
- 1:46:18Beschäftige so auch mal aus Empfehlungen oder so oder man hat dann auch mal vor Ort was
- 1:46:24probiert, was wirklich günstig war und das einfach gut war und ich finde es auch immer
- 1:46:27wichtig, das dann im Vergleich auch mal zu probieren.
- 1:46:30Das schon, ja, war sonst da drunter, ich weiß auch nicht ob Wein unter fünf Euro irgendwie,
- 1:46:38das ist für mich auch nicht so ganz unterstützenswert in den meisten Fällen.
- 1:46:42Für die Karte, für das Fife, hast du da Grenzen, wo du sagst?
- 1:46:47In dem Rahmen möchte ich mich bewegen, das ist realistisch, das ist gut.
- 1:46:51Ihr seid ja eigentlich unrealistisch günstig, wenn man das so sagen darf, also im Vergleich
- 1:46:57zu 50 Kilometer weiter, also in einer anderen Stadt, wo wahrscheinlich keine Ahnung, das
- 1:47:03Weinmenü, das doppelte Kosten würde, kann man fast sagen oder, oder das Menü im Allgemeinen
- 1:47:08ja auch.
- 1:47:09Ja.
- 1:47:10Gibt es da dann für dich im Einkauf eine Range, wo du sagst, in dem und dem Rahmen bewege
- 1:47:15ich mich für das Lokal?
- 1:47:18Also für das Fife ist, kann ich das eigentlich sehr, sehr genau sagen, für das Fife ist
- 1:47:25alles im groben Bereich zwischen 10 und 20 Euro netto, EK, da spielt bei uns die Musik
- 1:47:34eigentlich.
- 1:47:35Okay.
- 1:47:36Weil das sind Weine, die ich total gut in der Weimengladung einsetzen kann und es gibt,
- 1:47:41also wir sprechen dann ja teilweise dann schon auch irgendwie von 25 bis 35 Euro Endverbrocherpreise
- 1:47:48und in der Range gibt es ja Sachen, die so fantastisch sind.
- 1:47:52Also jetzt mal als Beispiel, ich meine Weisweinen in Deutschland, das können wir ja, also
- 1:48:02als Weinland, das ist ja Wahnsinn, was wir dafür für Preisleistungskiller haben in
- 1:48:07dem Bereich, da kann man so viel machen, auch international, das ist so meine Range dort
- 1:48:15eigentlich und ja, Kalkulationen, wir versuchen immer auch in der Weinbar, geringer zu, also
- 1:48:24mit weniger Marge zu kalkulieren und setzen da drauf, dass die Leute einfach dafür mehr
- 1:48:30trinken und mittlerweile geht das sehr gut auf, muss ich sagen.
- 1:48:34Weil eben genau.
- 1:48:36Ja, und dafür kommen aber dann auch Leute von außerhalb zu uns in die Weinbar, weil
- 1:48:43sie auch wissen, dass sie in anderen Städten oder bei sich zu Hause da für die Weine einfach
- 1:48:50deutlich, deutlich mehr auf den Tisch legen müssten und auch auf dem Sekundärmarkt,
- 1:48:54wenn sie es privat trinken wollen, auch horrende Preise bezahlen würden und das geht sich
- 1:49:01Gott sei Dank aus, muss ich sagen.
- 1:49:03Das finde ich auch sehr, sehr schön, weil auch aus Gäste Seite, also ich bin ja auch
- 1:49:08gerne Gast irgendwo, ist es natürlich total, total schön.
- 1:49:11Wir suchen ja alle diese Plätze, wo man noch günstig die Flasche so und so trinken kann.
- 1:49:17So, das versuche ich, das ist viel Arbeit, aber das versuche ich irgendwie unseren
- 1:49:24Gästen zu bieten, dass das funktioniert und bei Menüpreis, naja, ist es halt auch oftmals
- 1:49:30ein Verzicht auf Luxusprodukte, was auch vollkommen in Ordnung ist.
- 1:49:36Wenn man sich mit vermeintlich kleineren Produkten einfach ein bisschen mehr beschäftigt, kann
- 1:49:42man oftmals genauso großen Genusswert rausarbeiten.
- 1:49:47Und ja, wir haben halt immer versucht, auch jetzt mit Inflation unser Menü unter 100
- 1:49:54Euro zu halten und das hat eigentlich bis jetzt immer ganz gut funktioniert.
- 1:49:58Und trotz allem kann man sich noch irgendwie, naja, mal so das eine oder andere in der
- 1:50:03Mischkalkulation dann trotzdem gönnen an edlen, vermeintlich edlen Produkten so.
- 1:50:09Dann funktioniert das eigentlich sehr, sehr schön.
- 1:50:11Aber im Wein, Kernkompetenz Deutschland oder also Deutschland Frankreich?
- 1:50:16Deutschland Frankreich, ja.
- 1:50:17Gibt es irgendein Gebiet, was dich reizt und was wo du sagst, dass es unterschätzt?
- 1:50:21Sei es in Deutschland, in Frankreich oder weltweit?
- 1:50:23Ja, gute Frage.
- 1:50:28Ja, aber das ändert sich bei mir auch ständig, wenn ich etwas Neues entdecke und denke,
- 1:50:34dass es irgendwie unterschätzt.
- 1:50:35Also aktuell ist es wirklich viel Spanien, wo ich denke, dass da so, da ist so ein
- 1:50:41Riesen-Weinbauland und dass da immer noch so viel unentdeckte Schätze überall schlummern,
- 1:50:47sei es auf den Kanaren oder in Galizien oder im Cheres, da findest du Sachen oder also
- 1:50:55jetzt, ich war jetzt in Madrid jetzt am Wochenende und auch ein paar Weinbaustort unsicher gemacht
- 1:51:00und was wir da irgendwie probieren konnten, auch für ganz kleines Geld so großartige
- 1:51:05Weine, auch Weißweine, dass man ja auch Spanien dann doch immer häufiger mit Roter in Verbindung
- 1:51:10hat.
- 1:51:11Also großartig.
- 1:51:12Und das, was ich im Moment für sehr unterschätzt halte, immer noch, ja, so Portugal, der ewige
- 1:51:17Geheimtipp in der Sommelgeszene, jeder sagt, das ist halt 15 Jahre in Portugal, also ein
- 1:51:21richtiger Geheimtipp.
- 1:51:22Alle wissen es, aber keiner spielt irgendwie oder wenige Spiels dann so richtig durch und
- 1:51:27man kann sich ja auch nicht in allem perfekt auskennen.
- 1:51:30Das ist ja auch wieder dieses große Thema.
- 1:51:32Ich finde, ich bin ein großer Bougelet-Fan, denk mir immer, dass die Weine immer noch
- 1:51:37viel zu wenig Wertschätzung irgendwie genießen in Deutschland, auch immer noch so aus diesen
- 1:51:43alten Bougelet-Noveaugründen manchmal beim älteren Publikum und so.
- 1:51:48Ja, das sind so Sachen, die mich dann doch sehr, sehr reizen und wo ich dann die Weinbegleitung
- 1:51:55nutze, um den Gast ganz, ganz positiv zu zwingen, ist sowas dann auch mal im Glaster.
- 1:52:00Meistens ist der Effekt dann sehr, sehr gut.
- 1:52:02Wann trinkst du noch Wein?
- 1:52:04Also du probierst ja relativ viel bzw. bist unterwegs und probierst natürlich dort, aber
- 1:52:09so dieses "Wieder ne Gästewein trinken", einfach sitzen, ein Glas in der Hand und ohne
- 1:52:17den Wein zu analysieren, zu Philosophie oder sonstiges und einfach trinken.
- 1:52:20Machst du das noch?
- 1:52:21Kannst du das noch?
- 1:52:23Ja, selten.
- 1:52:25Also ich trink generell, glaube ich, relativ wenig beim Essen, wenn da beim Essen.
- 1:52:32Bist du ein Kombinierer?
- 1:52:35Kein, natürlich durch dein Beruf oder Doppelberuf, ja wahrscheinlich dann umso intensiver, dass
- 1:52:41die Wertschätzung für Wein und Speisen noch mal eine ganz andere ist.
- 1:52:44Ja, das, also weil ich die Kombination dann einfach auch spannend finde, aber es hat auch
- 1:52:50irgendwie so ein bisschen was Kulturelles.
- 1:52:52Also ich mag es einfach, wenn zum Essen auch irgendwie ein Glas Wein auf dem Tisch steht.
- 1:52:55Das muss jetzt auch nicht natürlich jeden Abend sein und auch nicht mittags oder so.
- 1:52:59Aber wenn ich dann an meinem freien Tag irgendwie zu Hause Zeit habe und koche, dann mache
- 1:53:06ich mir mit meiner Freundin auch auf jeden Fall eine Flasche Wein dazu auf.
- 1:53:10Die muss dann auch nicht zwingend leer werden, die kann dann auch am nächsten Tag leer werden
- 1:53:14oder auch nicht.
- 1:53:15Aber ja, doch das und wenn es ein schöner Abend ist und man irgendwie Bock hat, dann
- 1:53:20kann die auch mal ganz schnell leer werden.
- 1:53:21Das ist ja genauso schön.
- 1:53:23Und natürlich klar, bei Restaurants besuchen oder im Urlaub.
- 1:53:27Aber sonst so im Alltag eher tatsächlich eher wenig.
- 1:53:32Wenn die Flasche dann aufmacht, geht es da mehr um den Wein, geht es um die Kombination
- 1:53:37oder geht es um die Atmosphäre?
- 1:53:40Ganz unterschiedlich und ganz situationsbedingt.
- 1:53:43Manchmal ist man so in einem guten Gespräch vertief, dass man den Wein einfach trinkt
- 1:53:48und erst am Ende merkt, wie toll das eigentlich war und dass es einfach irgendwie gerade so
- 1:53:54schön war, das als Beigetränk einfach zu haben.
- 1:53:56Und manchmal geht es dann wirklich mehr um den Wein und man geht immer wieder rein und
- 1:54:02riecht und schmeckt und probiert es mit der Kombination und ja, ist viel mehr fokussiert
- 1:54:07darauf.
- 1:54:08Also es ist ganz unterschiedlich, wie es einem gerade geht und wie man Lust hat, muss ich
- 1:54:13sagen.
- 1:54:14Hast du mal so eine Speisen-Weinkombination, die dich extrem nachhaltig beeindruckend
- 1:54:19geflasht hat?
- 1:54:20Speisen-Weinkombination.
- 1:54:21Also wenn dir als Koch zum einen sehr, also ich glaube du siehst die Dinge nochmal anders,
- 1:54:28dass du die Speisen in ihrem Aufbau anders betrachtest als ich als Nichtkoch, der so
- 1:54:34den reinen Geschmack vielleicht analysiert oder vielleicht auch zu verstehen glaubt,
- 1:54:38was man den einzelnen Geschmackselementen findet, die zuordnen kann und wie man das
- 1:54:44im Wein dann entweder unterstützen oder spiegeln kann.
- 1:54:47Ich glaube, bist du dann noch entweder technischer oder intellektueller bei der Kombinationsbetrachtung
- 1:54:55und das finde ich ganz, ganz, ganz spannend.
- 1:54:57Ja, das kann schon sein, also wir machen uns da schon viele Gedanken.
- 1:55:02Also Kombination, ich arbeite sehr gerne mit Fisch und ja, Butter bin ich jetzt auch nicht
- 1:55:13so abgeneigt.
- 1:55:14Also wir haben so, also wenn man so ein Signature-Disch sagen kann, aber also für unsere Bourblanc
- 1:55:22sind wir schon relativ bekannt, sag ich mal.
- 1:55:25Und da gab es schon wirklich so fantastische Kombinationen.
- 1:55:28Wir haben mal Steinburt gemacht mit einer Bourblanc-Alles-Relativ-Plane und da gab es
- 1:55:37alten weißen Rioja zu von, also Tondonia.
- 1:55:42Das sind schon so Kombinationen, die mir wirklich im Kopf geblieben sind, weil wenn der Wein
- 1:55:50das Gericht besser macht und das Gericht den Wein besser macht und man gar nicht weiß,
- 1:55:54was man zuerst irgendwie in den Mund nehmen soll, dann weiß ich eigentlich, dass es richtig
- 1:56:00gut ist.
- 1:56:01Das sind so Kombinationen, die mir da einfallen oder jetzt auch wieder um das Thema Charest
- 1:56:09noch mal anzusprechen, diese florigen Weine, die einfach auf einmal, wenn so Salz ins Spiel
- 1:56:16kommt, so unfassbar explodieren.
- 1:56:19Also so, es gibt ja diese Hi-Hi-End-Sardinen, nee, Sardellen, also Anchoas, die ja wirklich
- 1:56:29so handselektiert sind, die auch nicht ganz so lange haltbar sind und dafür auch ein bisschen
- 1:56:34weniger salzig.
- 1:56:35Und das dann mit so wirklich gereiften Amontiado-Scherry zum Beispiel, das kann, der explodiert
- 1:56:46ja wirklich fast der Kopf, es ist einfach beides so komplex und schaukelt sich da wirklich
- 1:56:54noch mal so in ganz andere Ebenen.
- 1:56:55Da muss ich sagen, das sind schon wirklich ganz, ganz fantastische Kombinationen.
- 1:57:00Also gerade wenn es um Salz geht eigentlich, glaube ich, also Salzfettkombination mit so
- 1:57:11salzig angehauchten Wein mit hoher Säure, das gefällt mir schon teilweise sehr, sehr
- 1:57:15gut muss ich sagen, da gab es so richtige Eierobner.
- 1:57:17Großartig.
- 1:57:18Kann das nur Wein oder gibt es irgendetwas anderes, was Speisen auch so komplex begleiten
- 1:57:25kann?
- 1:57:26Würde ich nicht sagen.
- 1:57:28Also ich glaube nicht.
- 1:57:29Ich bin noch Cocktails nicht zum Beispiel oder die man ja auch aufbauen kann, die man
- 1:57:33letztlich wie ein Gericht aufbauen kann, wo man, wenn man ein Cocktail zum Beispiel absolut
- 1:57:40auf das Gericht abstimmt, könnte man das?
- 1:57:43Oder hat Wein dann trotzdem noch andere Ebenen, die halt so ein Cocktail nicht kann, weil er
- 1:57:47dann trotzdem eine gewisse Vordergründigkeit hat?
- 1:57:50Also ich glaube ein Cocktail kann das, ich muss aber auch sagen, ich habe das noch nicht
- 1:57:55erlebt.
- 1:57:56Also es gibt mit Sicherheit, ich bin großer Cocktail-Fan, also ich finde auch so klassische
- 1:58:01Barkultur wirklich faszinierend.
- 1:58:03Habt ihr die ein paar Wochen?
- 1:58:06Nein, also es gibt einen guten Cocktail-Laden, aber nein, haben wir jetzt eigentlich nicht,
- 1:58:13aber wenn ich jetzt in anderen Städten bin, suche ich mir schon mal so die eine oder andere
- 1:58:19Bar raus, wo ich einfach weiß, dass da wirklich Cocktailkultur richtig gelebt wird und das
- 1:58:25mag ich aus Gästesicht, finde ich, dass, konsumiere ich das einfach sehr, sehr gerne, so ein Abend
- 1:58:30in einer sehr, sehr schönen Bar mit guter Musik und so, das finde ich schon, das finde
- 1:58:35ich schon echt cool.
- 1:58:36Was ist anspruchsvoll an die Umgebung?
- 1:58:38Ist es Wein oder sind es Cocktails zum Beispiel?
- 1:58:41Weil du gerade Musik sagtest.
- 1:58:42Und wenn man so Cocktail-Bar erwähnt, also ich habe dann Musik im Hintergrund, also ich
- 1:58:47verbinde Cocktail-Bar immer mit Musik und beim Wein eigentlich weniger, also Weinbar und
- 1:58:53Musik, das bastle ich dann irgendwie zusammen, es geht auch, aber es hat nicht so diese intuitive
- 1:58:59Verbindung, geht es dir ja genauso?
- 1:59:00Ja, geht mir ganz ähnlich, also bei Cocktail, also bei Bar ist es viel mehr die Atmosphäre,
- 1:59:06die kann ja aus Musik und auch anderen Geräuschen und Ambiente und Geruch und so, irgendwie so
- 1:59:13Potpourri kann ja so entstehen und beim Wein bin ich da auch eher nicht so bei der Musik,
- 1:59:20ich finde es schon wichtig.
- 1:59:23Passt Wein und Musik?
- 1:59:25Ja, doch passt total.
- 1:59:27Aber ich finde jetzt beim Verkosten oder so, da brauche ich dann eher so die Stille,
- 1:59:35aber ich finde auch im Restaurant eine gut kuratierte Playlist ist schon sehr, sehr wichtig
- 1:59:44für mich.
- 1:59:45Also auf die Weine abgestimmt, also wenn du neues Weimenmenü machst, machst du dann auch
- 1:59:48eine neue Playlist oder habt ihr den Hotel, den Standard, der bei euch die letzten zehn
- 1:59:53Jahre gelaufen ist?
- 1:59:55Also wir haben eine handverlesende Playlist, die sich auch ständig ändert, wo ich ständig
- 2:00:02Sachen rausschmeiße und neue Sachen zufüge, also es ist nichts Autogeneriertes oder irgendwelche
- 2:00:10vorgefertigten Listen, also das soll uns auch schon irgendwie widerspiegeln und wir kriegen
- 2:00:16wirklich immensens Feedback darauf, das ist wirklich toll, also ganz viele Gäste gehen
- 2:00:22raus und sagen, was ich ihnen noch sagen wollte ist, also wirklich eine tolle Musikauswahl,
- 2:00:27finde ich super.
- 2:00:28Gruselig.
- 2:00:29Also auch zum Beispiel, also wenn sich damit doch jemand beschäftigt, manchen bekommt
- 2:00:32es auch gar nicht mit, das ist unterschwellig und manche können dann doch irgendwie ein
- 2:00:36bisschen genauer hin, ich finde es auch immer toll, also Kollegen im Nobelhard und schmutzig
- 2:00:42zum Beispiel, finde ich auch immer musikalisch sehr, sehr gut kuratiert, dann kommt es auch
- 2:00:46noch von Platte und man hört auch mal ein ganzes Album durch, während des Essens, was
- 2:00:52man sonst vielleicht nicht macht, wir sind ja dann doch eher so einzelne Songhörer geworden,
- 2:00:59freut mich immer sehr, also ich nehme das schon immer sehr schnell wahr, was am Ende für
- 2:01:05Musik läuft und wie das kuratiert, wie die Playlist ist oder ob das einfach nur irgendwie
- 2:01:10random, Spotify Algorithmus ist, also das mag ich schon sehr und das ist bei Cocktailbars
- 2:01:19natürlich auch wirklich key.
- 2:01:21Und hast du damals einen Moment gehabt, wo du gesagt hast, keine Ahnung, das Stück der
- 2:01:26Song zu dem Wein, denn ich finde man kann durchaus ein Wein mit Musik zerstören, weil
- 2:01:32beides dich in der Stimmung ringt und manchmal ist das so richtig, wo du sagst, wow, geht
- 2:01:35gar nicht.
- 2:01:36Also das Zerstören, da kann ich jetzt kein Beispiel nennen, weiß ich aber, dass ich das
- 2:01:41auch schon einige Male hatte.
- 2:01:42Wein und Musik, das passt für mich schon sehr, sehr gut zusammen, aber es sind so ganz selten
- 2:01:52Momente.
- 2:01:53Also bei uns so im sommelier Freundeskreis, passt jetzt schon das ein oder andere Mal,
- 2:02:03dass wir uns am Ende nach dem Essen irgendwie mit Wein am Tisch sitzen bleiben oder irgendwo
- 2:02:10hinverziehen und dann geht das Handy rum und dann spielt eigentlich jeder nacheinander
- 2:02:18immer ein Song.
- 2:02:19So, das geht immer so rein, weil eigentlich da auch alle sehr Musik interessiert sind
- 2:02:25und man weiß ja auch nie die Stimmung des Anderen gerade und was da dann kommt und
- 2:02:33ja, da waren schon sehr, sehr schöne Kombinationen dabei von Stimmung, Wein und Musik.
- 2:02:39Bei der Messe habt ihr aber keine Musik laufen, oder?
- 2:02:42In der Kirche kann ich dir super vorstellen, da.
- 2:02:44Nee, nee.
- 2:02:45So unterschwellig so ganz, nee.
- 2:02:47Leise geht da, glaube ich, also da ist ja schon ein bisschen schön.
- 2:02:51Wir machen am Anfang, wir organisieren immer einen Organisten und lassen am Anfang einmal
- 2:02:58ein Orgelspiel erklingen, weil das ist schon wirklich, das hat schon was Tolles, das geht
- 2:03:03eigentlich schon wirklich durch Mark und Bein.
- 2:03:06Er hat ne erste Überlicht, das auch mal zwischendurch zu machen, aber ich sagte eins, wenn der
- 2:03:12Organist da einmal anfängt, ohne Vorwarnung die Tasten zu hauen, dass du so viel Glas
- 2:03:17bruch, das ist, also da vibriert die Luft, das ist schon irre.
- 2:03:24Deswegen gibt es das immer nur so als kleines Intro, aber ja, das ist eine schöne Kombination,
- 2:03:30aber ich bin jetzt keiner der auf einen speziellen Wein, dann einen speziellen Track irgendwie
- 2:03:37aussucht, das ist dann eher so aus der Stimmung heraus, würde ich sagen.
- 2:03:42Was wärst du außer Sommi oder Koch?
- 2:03:46Ich dachte du fragst außer Sommi, da hätte ich natürlich Koch gesagt, das hätte ich
- 2:03:51dann einfach gewesen.
- 2:03:52Dann hätte ich aber jetzt die letzten 1,5 Stunden geschlafen.
- 2:03:56Also ich weiß, dass mich immer eher was erfüllen würde, was ich irgendwie mit den Händen mache,
- 2:04:07also ich bin ein schlechter Theoretiker, glaube ich.
- 2:04:11Was ja dem widerspricht, was du vorhin sagtest, dass du gerne kommunizierst und deinen
- 2:04:16Sommi-Job irgendwo als mehr oder weniger nicht händische Berufung siehst.
- 2:04:23Ja, was aber auch dafür spricht ist, dass ich den Beruf des Kochs auch nie ganz aufgeben
- 2:04:29kann und konnte und will.
- 2:04:31Also ich mache ja auch ganz normal Küchenmies am Platz, also ich mache ja nicht nur Menügestaltung
- 2:04:38und das.
- 2:04:39Und auch ein Sommi, ihr habt ja händische Sachen, also bringt ja auch die Gläser wird
- 2:04:41oder wie auch immer also daher.
- 2:04:43Genau.
- 2:04:44Ja, ich mag auch Kellerwirtschaft.
- 2:04:46Ich mag auch Kissen schleppen, ist auch okay.
- 2:04:48Ja, keine Palette, Bankett, Wein abpacken, das hat jetzt keinen Bock drauf.
- 2:04:52Aber ansonsten ist es ja schon irgendwie, mag ich das eigentlich ganz gerne.
- 2:04:55Es gibt Weine, die entstehen, weil ein Markt dritt ist will.
- 2:05:15Und es gibt Weine, die entstehen, weil sich Geschichte verdichtet.
- 2:05:19Im Menschen, in Orten, in Ideen.
- 2:05:22Der Progetto 62, Torridigiano gehört zur zweiten Kategorie.
- 2:05:27Er ist nicht das Ergebnis eines Marketing Sprints, sondern einer langen, übergenerationengreiften
- 2:05:32Bewegung, deren Ausgangspunkt in einem Jahr liegt.
- 2:05:35Das für Umbrien eine Zäsur markierte.
- 2:05:381962.
- 2:05:39In diesem Jahr trat Giorgio Lungarotti ein agrarischer Visionär aus Torjano an die Öffentlichkeit
- 2:05:47mit dem ersten Torridigano.
- 2:05:49Es war kein lauter Auftritt, sondern ein eleganter Präziser.
- 2:05:52Ein Weißwein trocken, klar seriös und vor allem aus einem Gebiet, das bis dahin nur
- 2:05:56wenigen ein Begriff war.
- 2:05:58Doch was folgte war bemerkenswert.
- 2:06:00Der Wein wurde zum stilistisch Manifest einer Region, die sich neu erfinden wollte.
- 2:06:05Und das mit Substanzstadt-Spektakel.
- 2:06:07Das Lungarotti sich damals nicht für internationale Sorten entschied, sondern für ein autoktones,
- 2:06:13regionales Profil war mehr als nur Terroirbewusstsein.
- 2:06:16Es war ein Statement, einerseits gegen die Uniformierung der globalen Weinstile, andererseits
- 2:06:20für eine neue, Mittel-Italienische Selbstbehauptung, die Umbrien Zweinkultur auf eine Stufe mit
- 2:06:26dem berühmten Nachbarn stellen sollte.
- 2:06:28Der Torridigano wurde in folgenden Jahrzehnten zu einer verlässlichen Größe im Weißwein-Segment
- 2:06:34Mittel-Italians.
- 2:06:35Er war kein Star, aber ein Fels.
- 2:06:38Und genau das machte die Wiederaufnahme dieses Projekts 60 Jahre später so bemerkenswert.
- 2:06:44Projeto 62 ist kein Retrowein, keine Referenz an vergangenen Zeiten.
- 2:06:48Es ist eine aktuelle Relactüre eines klassischen Themas.
- 2:06:53Wie ein Quartett, das ein altes Notenblatt mit neuen Ohren liest.
- 2:06:58Es geht nicht um Reproduktion, es geht um Neuinterpretation und um die Frage.
- 2:07:03Was bleibt von einer Idee, wenn man sich heute noch einmal ernst nimmt?
- 2:07:07Die Antwort liegt in das stilistischen Kleid des Weines.
- 2:07:11Der neue Torridigano verzichtet auf modische Exzesse.
- 2:07:15Kein Holz, keine Ausbauexperimente, stattdessen Konzentration auf das, was ihn damals stark
- 2:07:21gemacht hat und heute relevant bleiben lässt.
- 2:07:24Die Wahl auf den Mostofiore, den freien Saft der ersten Pressung.
- 2:07:29Es in diesem Zusammenhang keine technische Spielerei, sondern eine symbolische Jeste.
- 2:07:35Das Feinste, das Klaste, das ursprünglichste Material dient als Grundlage.
- 2:07:42Hinzu kommt die präzise Selektion zwei Errebsorten.
- 2:07:44Trebianung und Grigetto, keine dekorative Asamplage, sondern ein bewusstes Spannungsfeld.
- 2:07:50Der eine bringt Duft, salzig, keine Leichtigkeit.
- 2:07:54Der andere Struktur, Standfestigkeiten Säure.
- 2:07:56Gemeinsam bilden sie ein Textilgewebe, das nicht glänzt, sondern trägt.
- 2:08:01Und das ist vielleicht die größte Qualität dieses Weines.
- 2:08:04Er will nicht gefallen, er will sein.
- 2:08:07Die Geografie übrigens ist keine reigen spektakulärer Bilderbuchlandschaften.
- 2:08:11Sie ist diskret fast zurückhaltend.
- 2:08:14Und doch ist es genau diese Disziplin, die Weine wie Tori Dijano prägt.
- 2:08:19Torjano, liegt etwa 220 bis 300 Meter über dem Meeresspiegel.
- 2:08:23Der Boden ist tonhaltig, von Kalkadern durchzogen, nicht üppig, sondern streng.
- 2:08:27Perfekt geeignet für Rebsorten, die eher tiefe als Breite suchen.
- 2:08:31Das Mikroklima ist kontinental mit Maritimeinflüssen aus dem Westen.
- 2:08:35Die Nächte können kür werden.
- 2:08:37Und genau dort in diesem Wechselspiel liegt das Geheimnis der langsamen Reife.
- 2:08:43Was das bedeutet?
- 2:08:44Es bedeutet, das Aromzeit haben sich zu bilden.
- 2:08:47Nicht in der Breite, sondern in der Tiefe, dass der Zucker nicht eilt, sondern wächst.
- 2:08:52Dass die Säure nicht verloren geht, sondern trägt.
- 2:08:55Ein Ort für Balance, nicht für Lautstärke.
- 2:08:57Die Technik hinter dem Progetto 62 ist unspektakulär.
- 2:09:01Gerade darin liegt ihre Radikalität.
- 2:09:03Der Wein wird ohne Showeffekte vinifiziert, einfach ohne den Ehrgeiz Eindruck zu schinden.
- 2:09:09Es ist eine Arbeit des Weglassens und des Verstärkens durch Reduktion.
- 2:09:14Keine Maisestandzeit, keine aggressive Extraktion, keine oxidative Öffnung, stattdessen truglose Pressung.
- 2:09:21Klarer Saftkühl gerührt.
- 2:09:23Die alkoholische Gerung erfolgt temperaturkontrollierten Edelstahl zwischen 14 und 16 Grad.
- 2:09:28Was dem Wein seine Spannung und Präzision bewahrt.
- 2:09:30Der Ausbau geschieht auf der Feinhefe, ohne biologischen Säureabbau um Textur zu geben.
- 2:09:37Nicht schwere.
- 2:09:38Die Hefe bleibt präsent, aber unhoffdringlich.
- 2:09:40Keine Toastnoten, keine Brotaromatik, stattdessen salinetiefe, ein Hauch vom weißen Pfeffer.
- 2:09:46Ein leichter Schatten von Camilla.
- 2:09:48Die Stilistik erinnert an die besten interpreten, reduktiver Loa-Weine.
- 2:09:54Allerdings mit mehr mediterraner Offenheit und wärmem Herzen.
- 2:09:58So entsteht ein Stil, ohne Deklaration, nur durch innere Konsequenzen.
- 2:10:02Und genau diese Haltung lebt heute im Projeto 62 weiter.
- 2:10:07Der Gottianus, nachdem Janu benannt ist, war der Hüter der Schwellen, der Türen der Übergänge.
- 2:10:13Er blickt gleichzeitig nach vorne und zurück, und das tut auch dieser Wein.
- 2:10:18Er blickt zurück nach 1962 zu Giorgio, zu den ersten Niedeketten, zu Mut aus Umbrieren herauszuwachsen.
- 2:10:25Und er blickt nach vorne in eine Zeit, in der Weine mehr können müssen, als gefallen.
- 2:10:29Sie müssen verbinden.
- 2:10:31Herkunft mit Gegenwart, Technik mit Haltung, Präzision mit Seele.
- 2:10:35Der Projeto 62 Torrigano ist kein Schlussstein.
- 2:10:39Er ist ein Wegzeichen. Er zeigt, Umbrieren kann weiß, still, tief und modern, ohne laut zu sein.
- 2:10:46Wer ihm verkostet, soll ihn nicht nur schmecken, sondern hinhören.
- 2:10:50Denn manchmal ist der wichtigste Klang des Weines das, was er nicht sagt.
- 2:10:55Vielen Dank dafür.
- 2:10:56Und noch ein großes Dankeschön dem deutschen Importeur, dem Handelshauskonziu Vini.
- 2:11:02Also, alles, was so Handwerk anbelangt, ich finde dem Beruf so das Tischlas super interessant,
- 2:11:21also Dinge zu schaffen, kommt dem Kochen vielleicht auch so ein bisschen nahe, also aus einem Rohprodukt,
- 2:11:30sei es Holz oder Lebensmittel, wie was zu schaffen, finde ich schon sehr, sehr spannend, muss ich sagen.
- 2:11:37Ich habe nach dem Abitur sehr mit einem Kunsthistorikstudium geliebäugelt.
- 2:11:46Ich muss dann aber auch sagen, dass mein Abitur dann doch relativ mies war.
- 2:11:51Und ich mit der gastronomischen Ausbildung glaube ich auch deutlich besser gefahren bin,
- 2:11:57ich glaube ich wäre ein furchtbarer Student gewesen, kurz nach dem Abitur.
- 2:12:03Aber so, ja die Sache so Kunst ist schon was, was mich irgendwie auch immer berührt und immer angefasst hat.
- 2:12:10Also in dem Bereich Kunst und Design, das finde ich schon nach wie vor auch sehr, sehr spannend, muss ich sagen.
- 2:12:16Es hat gar nichts damit zu tun, dass der Evo in dem Bereich begabt wäre, aber ich fand es immer,
- 2:12:22es hat immer eine große Faszination, ähnlich wie Wein auf mich ausgeübt und deswegen sich da auszukennen,
- 2:12:29wäre ich toll, tue ich aber nicht, ich finde ich immer.
- 2:12:32Man braucht auch Ziele im Leben also da.
- 2:12:34Ja, ja, genau.
- 2:12:35Ist er Film oder Buchtyp?
- 2:12:36Oh, beides, beides.
- 2:12:38Ich lehse viel und gerne und ich gucke aber auch super gerne Filme und auch viel, mache ich viel.
- 2:12:45Wie bildest du dich weiter, wenn du liest?
- 2:12:48Hast du da Fachliteratur, ist es rein online?
- 2:12:51Wie weit liest du Bücher?
- 2:12:53Nee, ich gebe leider ziemlich viel Geld für Bücher aus, ich mag das haptische da sehr.
- 2:12:59Sowohl Romane und so die, also Entertainment, die nichts mit Wein zu tun haben,
- 2:13:06als auch aber Fachliteratur, habe ich schon sehr, sehr gerne als, ja, habe ich sehr gerne zur Hand.
- 2:13:14Gut und wichtig, wenn man nicht nur Fachliteratur liest, sondern eben auch noch die andere Welt irgendwie greifen kann.
- 2:13:20Also Lieblingsweinbuch, also eines was dich geprägt oder beeindruckt oder geflasht hat?
- 2:13:26Lieblingsweinbuch, also ich muss sagen, zuletzt, das habe ich auch gerade noch irgendwie auf dem Nachtisch liegen,
- 2:13:36die Jungs von den Noble Rod Weinbars in London, die haben mir auch zwei Bücher rausgebracht
- 2:13:45und das aktuelle, was ich jetzt glaube ich vor ein paar Monaten rausgekommen ist,
- 2:13:49ist heißt Who's Afraid of Romane Conti, das lese ich gerade mit größten Fanglügen,
- 2:13:55weil es einfach fantastisch geschrieben ist und einfach auch sehr nördige Themen behandelt
- 2:14:02und finde ich wirklich sehr, sehr gut.
- 2:14:05Eines der besten Weinbücher, die ich gelesen habe, muss ich sagen, war The New California,
- 2:14:12the New California Winers, glaube ich.
- 2:14:15Also eine wirklich unfassbar umfangreiche Betrachtung der Historie von Wein in Kalifornien,
- 2:14:29früher wie auch heute, ich habe kaum aus einem Weinbuch so viel gelernt wie aus diesem,
- 2:14:37muss ich sagen, das fand ich wirklich sehr, sehr gut, weil ich mag Weinbücher,
- 2:14:43natürlich hat man auch so Nachschlagewerke, so hat glaube ich jeder Sombri irgendwo im Regal stehen,
- 2:14:49um auch mal was nachzugucken, das ist auch alles super, aber ich mag Weinbücher, die man von Seite 1 an durchlesen kann
- 2:14:57und die einen dabei auch nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Spaß machen zu lesen.
- 2:15:06Das finde ich, finde ich, das abholt, finde ich das wirklich richtig gut.
- 2:15:11Gibt es ein Weinfilm, den du empfehlen würdest?
- 2:15:14Gibt es viel zu wenige, weiß ich, aber einer der die...
- 2:15:17Ja, auch die Klassiker, so wie Sideways oder so, natürlich irgendwie schon ganz cool.
- 2:15:23Also ich fand die WeinDocus sehr, sehr gut, so SourGrapes,
- 2:15:30weil diese Fälschungskandale und auch diese Sombrömer, die fand ich schon sehr, sehr unterhaltsam, muss ich sagen.
- 2:15:37Also es hat natürlich auch immer so ein bisschen diesen amerikanischen US-Partors, alles ein bisschen drüber,
- 2:15:44aber ich finde, man kann das ja so ein bisschen filtern und das trägt ja auch wie zum Entertainment Bay.
- 2:15:50Also das war die schon, das hat mich schon sehr, sehr gut unterhalten.
- 2:15:53Man fühlt sich auch irgendwie da trotzdem verbunden, wenn man natürlich eine gewisse Grundverständnis dafür dann irgendwo hat.
- 2:15:59Aber Winzer wolltest du nie werden, oder?
- 2:16:01Oder ist der Wunsch noch irgendwo bei dir vergraben, weil du da was schaffen kannst, weil du etwas...
- 2:16:06im Prinzip hat es ja auch was mit Kochen zu tun.
- 2:16:10Oha, total.
- 2:16:12Nee, also reizt mich total. Ich weiß zwar, dass das irgendwie utopisch ist und dass man irgendwie auch in gewissen Dingen bei seinen Leisten bleiben sollte,
- 2:16:22aber doch das finde ich total spannend.
- 2:16:25Also ich wäre auch gar nicht so daran interessiert, jetzt ein Geisenheim-Studium zu machen,
- 2:16:30sondern wenn dann wirklich eine Lehre, also eine Winzerlehre so bei tollen handwerklichen Betrieben,
- 2:16:35mich hat auch schon immer interessiert, wie der Wein auch entsteht und gemacht wird.
- 2:16:41Also es gibt ja auch so, dass die sind da wirklich eher so aufs Glas und auf die Flasche und natürlich Hintergrundinformationen,
- 2:16:47aber wenn es dann so ein bisschen so in die Tiefe geht, dass Wine Makings, was dann eher uninteressant ist,
- 2:16:53ich fand das immer schon total faszinierend.
- 2:16:55Also dieses riesige, ich nenn's mal, Mischpult mit 1000 Reglern und Knöpfen, was der Winzer zur Verfügung hat.
- 2:17:03Und du drehst nur ein Regler so ein bisschen nach oben, das dann gleich ein ganz anderes Produkt entsteht
- 2:17:10und du hast von diesen Regeln einfach Tausende.
- 2:17:13600 Entscheidungen sind es, die ein Winzer, wenn er mehr als alles komplett durch entscheiden muss.
- 2:17:20Und das fängt an mit Laubmanagement, das fängt an mit Bewässerung, nicht Bewässerung oder eben Filter,
- 2:17:26nicht Filter, also um die ganz einfachen Sachen oder die eben plakativen.
- 2:17:30Aber jemand hat sich mal die Mühe gemacht und hat versucht, das alles so ein bisschen aufzutröseln
- 2:17:35und ist dann bei 600 Stecken geblieben, Roundabout, also mehr, manche weniger.
- 2:17:40Und das finde ich schon enorm, dass du damit deinen Stil irgendwo beeinflusst.
- 2:17:44Aber ich weiß nicht, ob das hilft oder ob das hinderlich ist, wenn man weiß von vorne bis hinten,
- 2:17:50wie das Wine Making funktioniert und ob einem dann selber die Neutralität genommen wird,
- 2:17:56ist wahrscheinlich wie mit dem Offen und Blindverkosten, das beides seine Vor- und Nachteile hat.
- 2:18:00Ja, es ist super schwierig.
- 2:18:02Also da bin ich ja dann auch nur jemand, der nur drauf schaut.
- 2:18:09Ich habe nie selber Wein gemacht, glaube ich, auch mal auf dem Weingut gearbeitet und Praktikum gemacht.
- 2:18:15Das schon fand ich immer sehr faszinierend, aber ich muss ja nie diese Entscheidungen treffen.
- 2:18:20Und das finde ich auch, das ist unfassbar schwierig.
- 2:18:24Und ich glaube auch, dass man bei manchen Dingen auch einfach seinen Trauben dann, so wie ich es zumindest mitbekommen habe,
- 2:18:33auch dann vertrauen kann.
- 2:18:35Also dass guter Wein schon auch zu einem wichtigsten Teil, glaube ich, im Weinberg geschieht und nicht im Keller.
- 2:18:42Da finde ich, ist schon viel Wahrheit dran.
- 2:18:46Ich finde es aber trotzdem faszinierend, was die Winzer heutzutage so auch im Keller an Stellschrauben einfach haben.
- 2:18:54Wo hast du denn den Praktikum gemacht?
- 2:18:56In welchem Weingut?
- 2:18:58Ich habe meinen Praktikum im Weingut Odinstall gemacht, in der Pfalz.
- 2:19:03Im schönsten Weingut Deutschlands natürlich.
- 2:19:08Und wo hättest du denn ein Weingut, wenn du jetzt eines geschenkt bekommen würdest,
- 2:19:13oder könntest ihr so ein näherer Weise jetzt diesem gerade entstandenen Berufsbund folgen?
- 2:19:21In deinem Weingut oft machen wir das.
- 2:19:24Da muss ich schon ganz egoistisch sagen, dass wir auf jeden Fall an einem warmen Ort,
- 2:19:29weil mir das Wetter doch dann...
- 2:19:33Nee, oh Gott, nee, nee, nee, nee, schon.
- 2:19:36Ich glaube, der Pilzdruck würde mich um den Schlaf bringen.
- 2:19:44Toscana ist jetzt natürlich sehr abgedroschen.
- 2:19:47Du ist ja egal.
- 2:19:48Geht ja nicht darum, dass die jetzt in die Ratings kommen, sondern...
- 2:19:52Ja, es muss ja nicht bolgerisch sein, aber irgendwo so...
- 2:19:56San Jovese finde ich eh gut.
- 2:19:58Toscana ist schon ein schöner Lifestyle.
- 2:20:03Ich möchte mir aber auch Spanien sehr, sehr gut vorstellen.
- 2:20:08Alles so, was auch vielleicht so ein bisschen das Meer sieht.
- 2:20:11Russien ist für dich sehr, sehr schön.
- 2:20:13Es ist auch irgendwie schon sehr, sehr warm, aber du hast auch immer so ein bisschen Kühle
- 2:20:18und Berge und Meer und das ist schon...
- 2:20:21Ja, das sind so Russien.
- 2:20:22Das ist eigentlich ein guter Kohl, das finde ich schön.
- 2:20:24Ja, super.
- 2:20:25Welchen Auspostil präferierst du?
- 2:20:27Hast du da irgendwas, wo du sagst, das liegt mir besonders?
- 2:20:30Also Oxidative, reduktiv, Holz, Keinholz, Natural, Conventional?
- 2:20:35Whatever.
- 2:20:37Also eigentlich bin ich da doch sehr breit aufgestellt.
- 2:20:41Ich mag Holz, wenn es natürlich muss...
- 2:20:44Ressent, also schmeckbar und intensiv?
- 2:20:46Oder einfach nur, dass du sagst, es strukturiert dem Wein, gibt ihm ein gewisses Rückgrat?
- 2:20:52Genau, eher Zweiteres.
- 2:20:54Ich finde es aber auch trotzdem faszinierend, wenn ein Wein auch eine klare Holzkartneristik mitbringt,
- 2:21:02die aber einfach dem Wein eher wie ein dezentes, schönes Make-up steht, aber man es halt trotzdem merkt.
- 2:21:10Ich finde aber auch diese Palette zwischen oxidativen Stil bis halt, was wir gerade schon mal hatten,
- 2:21:21wenn man die Zufloren gereift, finde ich auch alles sehr schnell.
- 2:21:24Also was dem Wein nochmal so eine Dimension mehr mitgibt, das fasziniert mich schon.
- 2:21:31Also so Cheres Jura, wo der Hefe-Einfluß einfach nochmal ganz anders ist,
- 2:21:36Champagner, wo der Hefe-Einfluß einfach ganz extrem ist, finde ich faszinierend.
- 2:21:43Gab es mal ein Weinladen, der dich fasziniert hat?
- 2:21:47Sei es ein Weinbar oder ein Weinfachgeschäft, wo du dich entweder gut beraten gefühlt hast
- 2:21:54oder die Auswahl großartig war oder die Atmosphäre, das Design, die Wein-Kartner, die Bedienung.
- 2:22:00Ich war mal in einem Weinladen, ich kann dir den Namen leider nicht sagen, es war aber auf jeden Fall in Florentz.
- 2:22:06Da bin ich mal in einen Weinladen gestäubert durch Zufall, der ist eigentlich aus dieser alten Apotheke.
- 2:22:12Es war faszinierend, die hat so tolle Sachen ganz viel gereift.
- 2:22:18Also ich beherrsche leider kein Italienisch und der Verkäufer hat wirklich nur ganz rudimentär Englisch gesprochen
- 2:22:28und wir haben uns trotzdem total gut verstanden.
- 2:22:31Schön.
- 2:22:32Es war irgendwie total nett und ich habe einfach tolle Flaschen mitgenommen
- 2:22:36und ein paar vor Ort während des Urlaubs dann getrunken und ein paar mit nach Hause genommen.
- 2:22:42Das war wirklich super.
- 2:22:44Dann gibt es noch einen Weinladen, der näher von Niem war auch eine Empfehlung von einem Kumpel,
- 2:22:49wo ich ein paar Mal war, der wirklich ganz toll ist.
- 2:22:53Die haben auch noch einfach eine riesen Käsetheke im Weinladen, was ich schon einfach superst schön und sympathisch finde.
- 2:23:00Wo auch immer eine tolle Beratung, eine tolle Auswahl, wo ich immer wieder Sachen mitgenommen habe, die ich vorher noch nie gesehen habe.
- 2:23:10Das finde ich immer toll.
- 2:23:12Wenn man sich so gut beraten fühlt, dass man einfach sagt, okay, ich muss jetzt nicht die Labels kaufen,
- 2:23:19ja, weil es vielleicht in Deutschland das Ra ist oder so und man das selten bekommt,
- 2:23:23sondern weil dir jemand kompetentes, sympathisches sagt, hey, probier das mal, das hat keiner auf dem Schirm.
- 2:23:30Du kennst das nicht, nehm das mit, das ist cool.
- 2:23:33Das mag ich sehr, da fühle ich mich gut aufgehoben.
- 2:23:36Kompetenz, die Wege, die Herrschung.
- 2:23:38Dann kann man nehmen, man ist sehr schnell, ja, total.
- 2:23:41Gibt es eine Person, die unglaublich viel für die Wein, vielleicht sogar für die Zommerdisszene im Augenblick oder historisch tut oder getan hat?
- 2:23:52Also, eine Person fährt mir da relativ schnell ein.
- 2:23:57Die kennst du auch gut, das weiß ich, weil die ja auch zu Gast war zuletzt, das auf jeden Fall der Sascha-Speicher.
- 2:24:05Ich will jetzt nicht in die große Lobbulei hier abschweifen, aber was ...
- 2:24:10Kannst du auch, macht man viel zu selten, finde ich.
- 2:24:12Also, ich finde es gar nicht verkehrt.
- 2:24:14Das andere Thema finde ich manchmal so ein bisschen doof.
- 2:24:17Nicht jeder, auch nicht jeder unserer Zuhörer.
- 2:24:20Wir haben ja erstaunlich viele auch sehr junge Zuhörer und auch viele nicht aus der Branche, was mich total freut und hier liebe Grüße an alle.
- 2:24:28Aber da ist es vielleicht gar nicht so ein Begriff und oder sind manchmal die Soms auch gar nicht so ein Begriff oder irgendjemand, der ja vielleicht in der dritten Reihe ist und daher den auszuloben, go ahead, lasst laufen.
- 2:24:39Also, ganz klar, so was der Sascha so aktuell oder in den letzten zehn Jahren für die deutsche Zommerdisszene getan hat, ist einfach wirklich unbezahlbar.
- 2:24:49Also, Leute aus mehreren oder aus allen deutschsprachigen Ländern in einem Summit quasi an einen Tisch zu bekommen, dass sich die Szene austauschen kann, denen aber auch die Möglichkeit gibt, ja, Weine einfach auf aller höchsten Niveau perfekt kuratiert zu verkosten, das ist wirklich einzigartig.
- 2:25:11Also, ich weiß auch nicht, ob es das in anderen Ländern so in der Form gibt und da kann man gar nicht dankbar genug sein.
- 2:25:18Zumal es mir auch die Möglichkeit gegeben hat und auch, glaube ich, vielen anderen Kollegen, die vielleicht nicht aus dem Dreisterne Haus kommen und täglich irgendwie die ganz großen Namen öffnen und probieren.
- 2:25:34Darf man Christall probieren zu können, also das ist genau wie Jahrgängen, als Rosé aus einem Marknam, aus einem Eintel oder wie auch immer oder die Burgundaprobe, die letztes Jahr war und so weiter, ja, stimmt.
- 2:25:45Genau, also solche Raketen einfach mal auch nebeneinander probieren zu können, vielleicht sogar mit Jahrgängestief, also das ist doch die pure Weiterbildung, da nimmt man noch so viel von mit.
- 2:25:58Plus dieses untereinander wieder Aufstand bringen, vernetzen, neue Leute kennenlernen, also das finde ich, das hat Sascha, der Meininger im Rücken, da wirklich ganz, ganz viel getan.
- 2:26:11Das finde ich auch, dass man Sascha natürlich erwähnt, was auch mehr als rechtens ist, aber auf der anderen Seite eben auch dieses Haus Meininger im Background, der ja den Raum dann letztlich gibt, sowohl eben für den Summit, den du gerade angesprochen hast,
- 2:26:24als auch, was man nicht vergessen darf, finde ich, für das Sommi-Magazin, was ja mehr oder weniger nicht so grob kommerziell ist, womit wir wieder dabei sind, muss man damit Geld verdienen oder nicht Geld verdienen oder wie auch immer.
- 2:26:35Aber dadurch hat man die Möglichkeit, welts ja auch zu großen Teilen für die Mitglieder der Sommi-Union verteilt wird, mehr oder weniger, und dadurch schon ein Grundumsatz dabei ist, kann man tiefgründiger sein und sind die Berichte teilweise unglaublich komplex, tiefsinnig,
- 2:26:51manchmal auch kritisch und eben nicht nur Lobhutl-Lai, und das finde ich eben auch spannend. Also dieses Gesamtkonstrukt, den eben auch dann Sascha als Initiator das Ganze aus dem Vor steht, finde ich toll.
- 2:27:06Also da hat das Haus Meininger großes Lob, finde ich auch von meiner Seite, wenn ich das noch mit reinbringen darf.
- 2:27:11Ja, finde ich auch absolut. Und wo du das sagst, auch mit den Texten, da würde ich auch nochmal jemanden, den ich auch einfach zu einem Freund zähle, aber vor allen Dingen dessen arbeite ich super schätze und die Texte einfach schon immer, schon lange bevor wir uns kannten, schon immer gerne gelesen haben, ist Basti Borthäuser, finde ich auch, was der so an Recherche betreibt und an Texten raushaut und auch immer mit einer starken Meinung und einer spitzen Zunge,
- 2:27:39also das mag ich auch und das finde ich halt auch immer für alle in der Szene einfach ein Riesenmehrwert, also da muss ich auch mal ein kleines Lob aussprechen, das habe ich auch sehr gut.
- 2:27:49Ganz großartig. Also wenn auch immer man ihn lesen kann, ist das jedes Mal eine Bereicherung und Geschenk und was ich halt toll finde ist, was ich auch, wer was gerade erwähnt haben beim Sascha-Toll finde, ist diese Bodenständigkeit und diese Neugier, die dann nach wie vor auch nach vielen, vielen Jahren,
- 2:28:05ich meine, Sebastian Borthäuser ist ja nur auch nicht mehr der allerjüngste, aber schon so lange in der Szene und ist immer noch so quirlig und neugierig wie am ersten Tag und das finde ich fantastisch und beneidenswert.
- 2:28:19Ja, total, also sich das einfach beizubehalten über so viele Jahre, finde ich auch einfach, finde ich richtig gut.
- 2:28:26Und erst auch jemand, wer wir es vorhin hatten mit dem Stil, wenn jemand sich irgendwie entweder artikuliert oder kommuniziert, Sebastian Borthäuser hat ein Stil, den glaube ich kann man aus Texten herauslesen, was ich wieder toll finde und großartig finde, auch diese Mischung zwischen Unterhaltsamkeit und intellektuellem Anspruch, finde ich toll.
- 2:28:45Ja, finde ich auch absolut. Also der hat auch eine Wiedererkennbarkeit in seinen Texten, mag ich, lehse ich einfach immer wieder gerne und mir fällt noch jemand ein, der jetzt vielleicht gar nicht mehr so gut ist,
- 2:28:55vielleicht gar nicht mehr aktiv ist und auch kein Somelier ist und vielleicht vielen auch gar nichts sagt, aber ich muss sagen, das war für mich früher noch so auch bevor meiner Somelier Ausbildung ein Format, was ich einfach extrem viel konsumiert habe und was ich immer toll fand.
- 2:29:15Ich bin gespannt. Ja, ist Gary Vaynerchuk. Mega, Gary, super.
- 2:29:19Ja, du kennst es auf jeden Fall. Logisch.
- 2:29:23Also ich glaube, ich habe alle tausend Folgen gesehen, glaube ich. Also wirklich, ich habe das so weggesuchtet früher, für mich war das so ein Fenster in die Weinwelt und auch heute noch muss ich sagen, dieses auf Augenhöhe mit einfachen Worten über Wein reden, so dass die Leute es auch verstehen, muss ich sagen.
- 2:29:48Muss ich sagen, hat mich das immer fasziniert. Also, fand ich, war auf jeden Fall irgendwie schon ein Eintritt für mich in die Weinwelt.
- 2:29:59Sollte man sich unbedingt gönnen, wenn man damit noch nicht vertraut ist, auch jetzt in dieser nächsten Ebene, er ist jetzt mehr im Social Media Bereich aktiv und publiziert da sehr, sehr viel, aber die Gedanken, die er teilweise hat, auch diese wahnsinnige Energie, die er verstrümmt, finde ich, wahnsinnig bereichernd.
- 2:30:15Also das ist... Ja, auf jeden Fall. Und er ist auch Vorreiter für ganz viele YouTube oder Video-Formate, die es heute gibt, die heute Standard sind.
- 2:30:25Er ist eher einfach der Vorreiter, da war er einfach der Erste und der hat genau so gesagt, er hat eine Power und Energie.
- 2:30:31Es ist auch ganz groß und dick im Sportmanagementbereich mittlerweile und alles Mögliche hat immer ganz mutig investiert und gemacht.
- 2:30:40Ich glaube, der ist mittlerweile auch multimillionär, glaube ich, was ich so...
- 2:30:44Aber ich finde es eben sehr, sehr gut. Wir sind ja so in unserer Branche immer so ethisch, aber ja, ganz klar, du, ich habe den kleinen Weinladen von meinem Vater mit, keine Ahnung, gut ge-adzt und mit YouTube habe ich von einem, keine Ahnung, 100.000 Dollar-Unternehmen in ein 15-Million-Dollar-Unternehmen gehieft.
- 2:31:03Und das in 10 Jahren oder in 5 Jahren, ich weiß es nicht, kennen die Zahlen jetzt gerade live nicht und steht dazu und sagt, na klar, müssen wir alle Geld verdienen und das ist der Grund meines Lebens, Geld zu verdienen.
- 2:31:13Früher war es halt mit, ich glaube, Food Bowl Karten oder die Base Bowl Karten, die er irgendwie getradet hat und dann war halt Wein einfach nur das Mittel zum Zweck und lebt das dann und steht dazu und publiziert das und versucht das nicht unter diesem Schein des heiligen Weines irgendwie zu transportieren, sondern hat da eine ganz klare Meinung.
- 2:31:32Und wenn man so offen damit umgeht, mega Riesensachen. Ja, und es war für mich auch immer authentisch, weil er auch einfach mal Weine aus seinem Portfolio, die er verkauft, einfach auch mal zerrissen hat.
- 2:31:44Untergemacht. Ja. Ja. Und das ist doch, ich glaube, dass ihm das nie auch nur eine Sekunde geschadet hat, sondern ihm immer genützt hat, weil es ihn einfach authentisch gemacht hat.
- 2:31:55Auch die Leute, glaube ich, dann Vertrauen aufgebaut haben zu ihm und am Ende dann auch zu dem Produkten, die er verkauft hat. Und das fand ich bis heute cool.
- 2:32:06Wenn er ein Wein wäre, welcher Wein wäre er?
- 2:32:08Boah, wenn er ein Wein wäre, das ist eine gute Frage. Also ja, auf jeden Fall irgendwas mit richtig Punch und was auch nicht so.
- 2:32:19Also, wie soll ich das sagen? Er wäre schon auch ein bisschen was Vordergründiges, was aber schon auch komplex ist, aber was auch schon nicht sehr.
- 2:32:28Aber er ist kein Australian Shiras, also er ist nicht fett, 16 Volumenprozent erschlagen, sondern ich hätte eher quirlig, also dann quirlig gesehen und hätte, für mich wäre er jetzt ohne Quatsch schon trocken ausgebauter Palomine aus dem Herres.
- 2:32:45Das wäre mir zu wenig aromatisch fast, aber er ist schon auch ein Hasler. Also, ja, gute Frage. Es könnte aber auch so Napper Cap sein, aber eben nicht super fett und vollgeholzt, sondern halt gut.
- 2:33:07Auch alle sind teuer.
- 2:33:09Ja, genau. Welcher Wein wärst du?
- 2:33:14Welcher Wein wäre ich? Boah, also ich bin ja ein großer, großer Loa-Fan und ich glaube, ich wäre Chanel Blanc, glaube ich.
- 2:33:25Und welcher Appellation?
- 2:33:28Das ist ja, ich glaube, aus mehreren, weil Chanel Blanc so vielseitig ist und ich glaube, wenn ich eins ganz gut kann, dann ist es auch eine gewisse Vielseitigkeit zu haben, also viele Sachen ganz gut irgendwie zu können.
- 2:33:46Ich habe nicht dafür, deine Brust zu schaffen, zeig dir also, dass du ja wirklich die Sachen, die du machst, also zumindest in der Außenvernehmung, schon mehr als anständig hinlegst.
- 2:33:58Ja, und Chanel Blanc kann süß und edelsüß und trocken und schaum und das können wenige Rebsorten. Und ich mag es einfach sehr gerne.
- 2:34:08Und Reif und Jung?
- 2:34:10Und völlig unterschätzt. Also es gibt ja kaum eine Rebsorte, die so krass unterschätzt ist für die Komplexität und für die Großartigkeit wie Chanel Blanc.
- 2:34:19Ja, finde ich auch. Und es kann aber nicht sauer sein, es ist auch gut.
- 2:34:23Ja, das kann aber auch in gewissen Reiz. Hast du noch Wünsche oder Ziele? Gibt es irgendwas, was du ankündigen möchtest, wo bisher doch keiner mit gerechnet hat?
- 2:34:35Wünsche oder Ziele? Also beruflich bin ich...
- 2:34:43Ausgelastet.
- 2:34:44Bin ich ausgelastet und ich sage auch, solange es für mich spannend bleibt und immer wieder neue Sachen irgendwie dazu kommen, die mich einfach reizen, dann bleibe ich dabei.
- 2:34:58Und dann bleibe ich auch der Stadt und meinem Arbeitgebertreu, weil ich das einfach... Ja, das ist mir einfach viel wichtiger, dass es einfach irgendwie nach vorne geht und so Projekte wie Messwahlen dazu kommen oder noch so Restaurants Eröffnung, die wir jetzt auch ja die letzten Jahre noch dazu hatten.
- 2:35:14Dann bin ich da eigentlich sehr, sehr happy.
- 2:35:18Ja, ich möchte einfach viel noch von der Wallenwelt sehen, viel reisen mir die Sachen vor Ort angucken.
- 2:35:26Ich habe mich damals nach der Zombiausbildung irgendwie direkt gedacht, so, okay, ich will auf jeden Fall weitermachen, weiter lernen, vielleicht irgendwie das Diploma machen oder irgendwie so richtig ein Master oder so gehen oder...
- 2:35:43Ich war da aber auch nicht so... war mir da so unsicher und dann habe ich... Ach genau, mit dem Jürgen Hammer habe ich dann damals drüber gesprochen, weil der war auch einer meiner Dozenten und der hat dann relativ in seiner coolen, lockeren Art zu mir gesagt, so, ne, ach, weißt du, ne, doch...
- 2:36:04Du kannst das machen, wenn du das irgendwie als Schein irgendwie an der Wand hängen haben möchtest, aber du kannst das ganze Geld auch nehmen, was das kostet und in die Weinregionen fahren und dir das alles angucken und aufsaugen und mit den Winzern reden und in die Weinberg gehen und dir so deine Weiterbildung holen und das habe ich irgendwie...
- 2:36:27Habe ich das beherzig so in die letzten zehn Jahre und bin da sehr happy mit meiner Entscheidung. Ja, das möchte ich auch weitermachen, ich will noch mehr sehen, noch mehr essen, noch mehr trinken.
- 2:36:39Eigentlich haben wir keine Endzeit festgelegt und eigentlich hätten wir wahrscheinlich hier noch fünf, sechs, sieben, acht Stunden füllen können. Wahnsinn!
- 2:36:51Mit welcher Komplexität und welcher Intensität, mit welcher Leidenschaft, mit welcher Tiefsenigkeit, mit wievielen Aufgaben du deine Profession lebst, lieber Thibault.
- 2:37:00Vielen Dank, dass du uns einen Moment in deinem Täglich schaffen hast schauen lassen. Was für einen Einblick, was für eine Bereicherung.
- 2:37:06Und noch ein ganz großes Dankeschön an euch. Püs bei uns sein, dass ihr dieses Format begleitet, tragt, erfüllt, unterstützt, kommentiert und bitte, bitte, bitte auch bewertet.
- 2:37:17Das hilft uns ungemein bei der Sichtbarkeit auf den einzelnen Portalen, dass wir wahrgenommen und dass wir entdeckt werden.
- 2:37:23Ein herzliches Dankeschön, wenn ihr euch gleich noch die Mühe macht. Und natürlich ein Dankeschön, wenn ihr nicht nur diese, sondern auch andere Folgen hört.
- 2:37:29Wenn ihr uns ein Feedback gebt, was euch gefällt, was euch nicht gefällt, was wir besser machen können. Per E-Mail oder auf den sozialen Medien.
- 2:37:35Ganz lieben Dank dafür. Und noch ein großes Dankeschön an die Schlumbergergruppe.
- 2:37:39Und wenn ich das so erwähne am Anfang und am Schluss, dann klingt es immer wie heruntergelesen.
- 2:37:43Aber ich bin sehr dankbar, dass dieses Unternehmen zusammen mit ihren Weingütern dieses Projekt unterstützt und den Sommeliers ein Gesicht gibt.
- 2:37:50Für euch greifbar, für euch sichtbar macht und ihnen ein Raum zum Reden gibt.
- 2:37:55Daher ein großes Dankeschön noch einmal an die Schlumbergergruppe mit den Handelshäusern Segnetz, Conzio Vini, Schlumberger und dem Privatkundenportal Bremer Weinkollett.
- 2:38:04Und an Ihnen können wir nächste Woche, denn da ist wieder nach dem Podcast vor dem Podcast, nach dem Freitag vor dem Freitag,
- 2:38:12wieder unsere Kategorie "Sommys & Friends" weiterführen. Und das mit keinem geringeren als dem großartigen Maximilian Riedel.
- 2:38:34Ja, man, ich bin Toni, ihr kennt mich von Instagram als #AskToni, wo ich Wein unkompliziert mache. Das war eine coole Folge hier von mein Bro Dibor.
- 2:38:43Er ist einer meiner engsten Sommelierfreunde, den ich sehr schätze. Und was ich an ihm feiere, ist, er ist immer wissbegierig, ruht sich niemals auf seinen Know-how aus.
- 2:38:54Und deswegen ist er auch so deep im Weingamen. Und ich profitiere auch davon, weil ich darf einfach auch viele Weine kennenlernen, bevor der ganze Hype kommt.
- 2:39:04Aber er ist nicht nur auf diesen heißen neuen Shit aus, sondern begeistert sich auch für traditionelle, gute Dinge, die der immer vorstellt, auf Augenniveau niemals von oben herab.
- 2:39:15Und deswegen lieben ihn die Leute.
- 2:39:17Dibor veranstaltet auch regelmäßig Tastings in Bochum mit Konzept, Tiefe, wirklich Liebe zum Detail. Dafür sammelt er extra Weine.
- 2:39:25Und jedes Mal, wenn ich im Bochum ankomme, denke ich mir, der Bro hat es wieder geschafft, uns hier nach Bochum zu ziehen.
- 2:39:30Und auch wenn Bochum nicht ganz oben auf der Weinkarte steht, mit Dibor und dem gesamten Livingroom-Team, wird es doch langsam ein Wein-Hotspot oder ist es bereits auch schon.
- 2:39:42Teebo ist aber auch nicht nur ein Top-Sommelier, sondern auch ein Top-Koch. Er bringt alles mit, was unsere Welt braucht.
- 2:39:48Weinwissen, Foodliebe. Und ich bin mehr Weini als Foodie.
- 2:39:54Das heißt, ich gehe in ein Restaurant, horch in mich rein, guck, was ich trinken möchte und erst dann bestelle ich mir das Essen.
- 2:40:01Und möchte halt diese Kombination von Food & Wine-Pairing erleben.
- 2:40:05Und genau das kann man auch im Five haben. Das ist das Restaurant, was er zusammen mit Nico verantwortet. Beide sind Köche, beide sind Sommeläse.
- 2:40:14Es geht schon fast nicht besser. Die zwei sind sehr stark im Essen und trinken und basteln einfach Menüs mit Weinbegleitung auf, ja, ein Next-Level.
- 2:40:23Also wer noch nicht da war, geht unbedingt hin. Das lohnt sich.
- 2:40:26Ich bin einfach stolz, eben meinen Freund nennen zu dürfen und freue mich jetzt schon auf das nächste Tasting mit Deep Talk. One Love.
- 2:40:34*Musik*
- 2:40:48Ich kriege langsam ein bisschen trockene Käme, wollen wir vielleicht einen der Weine probieren.
- 2:40:54Super gerne. Ich war unsicher, womit ich dich überraschen könnte, womit ich dir eine Freude irgendwie machen könnte.
- 2:41:00Ich dachte, ihr werdet einfach Schäumen das.
- 2:41:04Also ich bin ein großer Schäumenwein-Fan und habe auf jeden Fall diesen Wein, glaube ich, noch nie probiert.
- 2:41:11Ich kenne das Wein gut, aber von der Cacorta tricke ich schon sehr, sehr selten, würde ich sagen. Vielleicht zu selten.
- 2:41:18Komisch eigentlich, ne? Was präferierst du? Champagner oder Sekt oder?
- 2:41:22Ja, Champagner muss ich schon sagen.
- 2:41:25Ich mag schon sehr, sehr gerne Champagner, wobei ich auch sagen muss, würde ich jetzt nicht nur mal ins Thema abdrücken,
- 2:41:30aber was da im deutschen Sektbereich gerade qualitativ abgeht, ist auch Wahnsinn.
- 2:41:35Wir verkauen auch so viel Sekt wie noch nie zuvor. Das ist wirklich toll, muss ich sagen.
- 2:41:40Sind das die Sekt oder sind wir das? Das finde ich immer so die Frage.
- 2:41:43Also ist das letztlich das Produkt, was mit einmal komplett reformiert wurde und sich neu definiert und deswegen besser ist?
- 2:41:50Oder ist es die Aufmerksamkeit, die darauf gelenkt wurde und durch uns, Sommys, mehr oder weniger auch gelenkt wird und die Begeisterung dabei?
- 2:41:59Weil keine Ahnung, in Raubland gibt es ja auch schon seit mehr als 40 Jahren.
- 2:42:04Ja, ich glaube, das eine bedingt so ein bisschen das andere.
- 2:42:07Also wir sind, glaube ich, schon neu aufmerksam drauf geworden aufs Thema Sekt, so geht es mir zumindest.
- 2:42:14Dann habe ich dann die Qualität auch einfach überzeugt und trage das dann auch gerne nach außen.
- 2:42:21Und ich glaube, so geht es vielen Kollegen auch.
- 2:42:23Und Preisleistung muss man ja auch nach wie vor sagen.
- 2:42:27Bei Preisleistungs, wir uns ja immer, sage ich mal, nur an der Champagne orientieren, selbst wenn du in Frankreich bleibst, gibt es im Cremontbereich.
- 2:42:36Teilweise super spannende Geschichten, die günstig sind.
- 2:42:40Also ich versuche das durchaus zu würdigen.
- 2:42:42Auch die Preisleistungsrelationen im Sekt sind wir ja auch im Weimbereich in Deutschland teilweise Ausnahmerscheidung.
- 2:42:48Aber ich finde, wenn man es dann wirklich realistisch vergleicht mit verschiedenen Eskomanter aus dem spanischen, produgiesischen,
- 2:42:56mit Cremonts aus dem Mussel, aus dem Französischen oder eben mit der Francia Corta, was wir gerade im Glas haben,
- 2:43:05hast du teilweise nicht minder interessante Preisleistungsrelationen, die sehr außergewöhnlich sind.
- 2:43:12Also da würde ich den Sekt gar nicht so weit zugehen.
- 2:43:15Ja, aber vielleicht nicht so vor der Tür und jetzt gerade in Restaurants auch über uns, wo wir uns viel mit deutschem Wein auseinandersetzen,
- 2:43:24passt es vielleicht einfach dann auch schön rein gerade, dass man auch irgendwie dann lokale, nachhaltig produzierte, tolle Produkte hat.
- 2:43:34Ich möchte den Patriotismus auch nichts absprechen.
- 2:43:37Es ist toll, dass wir uns dazu bekennen und dazu auch dahin gefunden haben.
- 2:43:41Es hat ja lang genug gedauert, also dass wir die Schätze vor der eigenen Tür dann irgendwo auch gesehen haben und die dann irgendwo ruck jubeln.
- 2:43:49Und nur damit eben dieses stetige "Wir sind die günstigsten Entkräften",
- 2:43:54sondern damit einfach auch ein bisschen demonstrieren, dass es in anderen Bereichen ähnlich attraktive Preisleistungsrelationen gibt.
- 2:44:01Wie eben hier in der Francia Corta.
- 2:44:03Wonach beurteilst du einen Schaumwein?
- 2:44:06Also wenn du jetzt diesen nimmst, ist es für dich die Aromatik, ist es für dich da auch eine Vergleichbarkeit.
- 2:44:13Also hättest du lieber Odoktonen oder andersartige Rebsorten gehabt, als wie hier im Hauptteil Chardonnay,
- 2:44:21dann teilweise Spätburgunder und Weißburgunder, den wir darin integriert haben.
- 2:44:25Oder magst du das, wenn es vergleichbar ist oder ist es für dich das Hefelager,
- 2:44:31ist es die Dosagen, dann wohnach du das Kategorisiert, also wovon wertest du einen Schaumwein?
- 2:44:39Schon eher am Gaumen muss ich sagen, ich bin eher in so einem Gaumenverkost da.
- 2:44:46Ich mag in allen Weinen inklusive Schaumweinen Länge, für mich ist Länge bringt auch immer eine gewisse Spannung.
- 2:44:55Schaumweinen achte ich schon auch auf die Dosage, muss ich schon sagen.
- 2:44:59Also wenn es mir zu süß ist, dann stoppt es einfach meinen Trinkfluss schon sehr, sehr schnell.
- 2:45:07Was nicht heißt, dass ich jetzt nur Brutnatür trinke oder so, überhaupt nicht.
- 2:45:11Ich bin auch reif für Champagner, die ja früher sowieso eine höhere Dosage hatten, heute auch einfach ganz wunderbar.
- 2:45:18Und verteufelt das auch überhaupt gar nicht.
- 2:45:21Ich finde aber, es muss halt immer wie so oft einfach gut eingebunden sein.
- 2:45:27Ich mag eher feine Persistente-Pelage, ich mag es nicht, wenn es zu brausig ist.
- 2:45:37Schwenkt dann auch lieber das eine oder andere Mal mehr, muss ich dann sagen.
- 2:45:42Ich mag so das weniger auch.
- 2:45:45Karaphiest du Schaumweine?
- 2:45:47Ah, nee, gar nicht.
- 2:45:49Gar nicht?
- 2:45:50Nee.
- 2:45:51Ach, nee, ich arbeite lieber mit einem größeren Glas.
- 2:45:55Ich bin kein Fan von Schaumwein-Karaphi.
- 2:45:58Also es ist in den seltensten Fällen, muss ich sagen, gefällt es mir dann besser.
- 2:46:02Ich arbeite dann lieber am Glas ein bisschen mehr als in der Kaffe.
- 2:46:08Wie groß wirst du da, bis hin zum großen Burgundaglas?
- 2:46:12Ja, wenn es passt, ja.
- 2:46:14Hab ich jetzt für den übrigens genommen, also ich hab hier ein bisschen Benners genommen, also diese Burgundaforge.
- 2:46:20Ich finde, es ist der erstaunliche Potenz hat, wobei ich, das merke ich gerade beim Probieren,
- 2:46:25der hat ja, das dürfte eigentlich deinem Geschmack zuträglich sein, 3 Gramm nur als Extrapoliput,
- 2:46:32ist aber für das, also ich hätte ein anderes Glas, um die Säure noch ein bisschen anders zu strukturieren
- 2:46:39und diesen trockenen Charakter noch ein wenig anders koordinieren zu können.
- 2:46:46Da ärgere ich mich gerade ein bisschen über die Form, aber für die Komplexität des Weines ist es, glaube ich, sehr, sehr zuträglich.
- 2:46:51Also ich hab ein Universalgras, Glas gerade, ein vernünftiges, also spiegelaute der finnischen Universalen, was ich hier sehr mag
- 2:47:01und das Stimmenweinefrat ist sehr zuträglich, finde ich, weil es, der hat ja schon auch eine gewisse Kremigkeit
- 2:47:09und die geht mir in dem Glas aber nicht, die wird mir nicht zu ausladend
- 2:47:14und das gefällt mir ganz sehr so gut, was ich sage.
- 2:47:18Großartig.
- 2:47:19Generell auch einfach ein sehr schöner, ausgewohnener Charmewein mit, ja, wirklich Länge und Substanz,
- 2:47:28völlig gut, lange nicht gehabt.
- 2:47:30Also ich weiß gar nicht, wer Franziakorta überhaupt auf der Karte hat, das ist eigentlich so schade,
- 2:47:33weil ich glaube und da sind wir wieder bei dem Punkt, wenn du dem blind probieren müsstest,
- 2:47:41würdest du sagen, das ist Nord-Italien, würdest du sagen, das ist, keine Ahnung, Franziakorta,
- 2:47:46würdest du sagen, der hat irgendeine Charakteristik, woran ich das festmachen kann?
- 2:47:57Und da ist dann die Frage wiederum, kennen wir es, wenn wir es nicht festmachen können, nicht genug oder?
- 2:48:03Also genau das wollte ich gerade sagen, ich glaube, mir geht es so.
- 2:48:07Ich glaube, ich habe zu wenig Franziakorta in meinem Leben getrunken, Schrittstich verkostet, um das so genau zu kategorisieren.
- 2:48:19Ich glaube, es hat seine Eigenheiten, die es auch natürlich von der Champagne und auch anderen Charmeweinregion unterscheidet.
- 2:48:28Klar, die internationalen Rebsorten oder die Champagne-Rebsorten, sag ich jetzt mal, die machen das natürlich schon irgendwie auch ein gewisses,
- 2:48:38ja, ein bisschen ähnlich oder vergleichbar.
- 2:48:41Nee, aber jetzt blind das Ganze so jetzt wirklich ins Nilembandal zu schieben, das wird mir glaube ich auf jeden Fall nicht gelingen,
- 2:48:50das wäre dann eher so ein Lucky-Shot, würde ich sagen.
- 2:48:53Merkst du das Holz darin, dass dir 30% Holzanteil hat?
- 2:48:59Ich finde man merkt schon, aber es ist hier ein gutes Beispiel, weil es stört mich überhaupt nicht.
- 2:49:04Also es bringt halt so eine leichte Röstigkeit mit, die dem Wein aber einfach ganz fantastisch steht, würde ich sagen.
- 2:49:15Wir können jetzt auch wieder dieses leidige Thema aufmachen, das bei uns halt und so ist es einfach auch,
- 2:49:23Schaumweine zu, ich glaube, 85% als operativ getrunken werden, aber das ist ja ein Schaumwein, der auch ganz, ganz hervorragend im Pairing funktionieren würde.
- 2:49:37Also das ist für mich eher schon fast so ein Futscheuma als operativ, würde ich sagen.
- 2:49:45Das wertest du warum?
- 2:49:48Oder beantragt euch Kirstich da in der Potenz des Weines oder an der Aromkomplexität oder an der...
- 2:49:55Nee, weil die Grundweine für mich hier schon so eine gewisse Substanz und Kraft und Kräbigkeit auch mitbringen,
- 2:50:02dass ich mir jetzt schon fast dazu was zu essen wünschen würde und wenn es nur so kleine Umdrehs wären, was man so dreckig wegnibbeln kann,
- 2:50:12das wäre schon super.
- 2:50:15Bei welcher Temperatur, bei Schaumwein, wird man, finde ich, nicht selten von Haus aus zu kalt,
- 2:50:22wenn man das hier immer so mit diesem, ja wie du sagst, Appero erfrischend knackig, kärnig
- 2:50:28und man den Wein da nicht selten kastriert.
- 2:50:33Würde ich auch da, wäre ich eher jemand, der das dann relativ kühl reserviert, aber dann vielleicht ein bisschen früher ins Glas einschenken
- 2:50:44und mal kurz stehen lassen. Also das aus Temperaturgründen, aus Luftgründen, die Perlage, so da,
- 2:50:52das finde ich eigentlich bei Schaumwein dieser Qualität eigentlich sehr, sehr schön, muss ich sagen,
- 2:50:58dass man auch so eine Entwicklung mit Temperatur und Luft auch im Glas dann erleben kann.
- 2:51:03Das finde ich ganz interessant, bei Schaumwein betrachtet man viel zu selten die Entwicklung.
- 2:51:08Also vornehmlich bei Rotwein, wo man so dieses Aha erleben hat, oft auch von Gastseite,
- 2:51:14bei Weißwein manchmal reduzierter, bei Rosewein nahezu gar nicht und bei Schaumwein überhaupt nicht.
- 2:51:20Also die Entwicklung, wenn ich eine Flasche trinke, was mit jedem Glas passiert, was mit der Temperatur passiert,
- 2:51:26was mit der Oxidation innerhalb des Weines passiert und das ist teilweise so spannend.
- 2:51:35Und ich kann mir vorstellen, dass dieser Wein auch eine ganz, ganz interessante Eigenentwicklung letztlich hat.
- 2:51:42Den würde ich auch gar nicht so sehr als Schäumer, sondern mehr als Wein betrachten.
- 2:51:46Ja, genau, ich auch. Und ich sehe das immer ganz extrem.
- 2:51:50Das ist natürlich auch so ein Berufsding, wenn wir was Glasweise ausschenken und die Flasche öffnen
- 2:51:58und dann vielleicht zwei Gäse ausschenken und dann ein Sektverschluss draufmachen
- 2:52:05und das Ganze in den Kühlschrank stellen und am nächsten Tag dann das erste Glas,
- 2:52:11weil es hat ja eigentlich noch gar keinen Kohlensäureverlust, aber es hat so schon mal den ersten Sauerstoff schon mal abgekommen,
- 2:52:19das schmeckt mir eigentlich immer am besten und viel besser als das erste frisch ausgeschimpfte Glas.
- 2:52:24Ja, so, das ist auch die gesetzte Kohlensäure, die dann, die man dann hat, also die gesetzte Perlage,
- 2:52:30die dann so ein bisschen zu ruhig gekommen ist und so sich gefunden hat.
- 2:52:35Hast du mal gehört, wie viele Bubbles in einem Glas sechst sind?
- 2:52:38Eine Million.
- 2:52:41Das klingt so völlig wütend.
- 2:52:44Naja, aber es hat jemand mal versucht, so hochzurechnen und das fand ich total spannend,
- 2:52:49also eine so utopische Zahl von eine Million. Ich weiß auch nicht, wann sie angefangen haben zu zählen
- 2:52:54und bis Bannes ging, also wie tot der sein musste.
- 2:52:57Aber so hoch hätte ich das niemals prognostiziert und ich habe das mal geglaubt.
- 2:53:02Also ich habe auch nie einen Gegenproof gefunden, dass jemand gesagt hat, nächsten 1,5 Millionen,
- 2:53:08aber so als ich dieser Zahl zu händeln, finde ich ganz gut.
- 2:53:12Ich werde das auf jeden Fall in meinen Vokabularköcher jetzt auf jeden Fall drin haben,
- 2:53:17beim nächsten Schaumanzuheuse, da kannst du ja auch sicher sein.
- 2:53:21Genau, zumindest kannst du ja mit beeindrucken, auch in dem Wissen, dass der Gast an dem Abend nicht die Zeit hat, das nachzuziehen.
- 2:53:27Absolut.
- 2:53:30Schön, super. Hattest du da jemals ein Vorbild, wo du sagen konntest, an dem kann ich mich orientieren
- 2:53:35oder so wie der es macht, macht man es gut oder so möchte ich ganz gerne sein
- 2:53:41oder warst du immer lost alleine und musstest dich autodidaktisch da mehr oder weniger
- 2:53:46selbst in dieser neuen Weinwelt zurechtfinden?