Latest / ROCKET SCIENCE | Gesundheit und Leistung – mit Doc Golo / Fairness, Verantwortung - Learnings aus dem Ironman Hamburg
Transcript
- 0:03SPEAKER_01: Willkommen zu Rocket Science, eurem Podcast für Gesundheit, Fitness und Leistung.
- 0:09SPEAKER_01: Mein Name ist Dr.
- 0:10SPEAKER_01: Golo Böcken.
- 0:11SPEAKER_01: Ich bin Arzt und Coach.
- 0:13SPEAKER_00: Und mein Name ist Dr.
- 0:14SPEAKER_00: Leon von Schaller.
- 0:16SPEAKER_00: Ich bin Ärztin und Wissenschaftler.
- 0:18SPEAKER_00: In diesem Podcast wollen wir euch die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse näher bringen und euch zeigen, dass die Verbesserung eurer Gesundheit und Leistung keine Raketenwissenschaft ist.
- 0:29SPEAKER_01: Moin Leute und willkommen zu Rocket Science.
- 0:33SPEAKER_01: Heute sprechen wir über das Thema Fairness, Verantwortung und Leistungsfähigkeit.
- 0:41SPEAKER_01: Es sind im Wesentlichen die Learnings aus dem Iron Man Hamburg, der jetzt vor drei Tagen stattgefunden hat.
- 0:49SPEAKER_01: Die letzten Tage waren nicht ganz so einfach, muss ich ganz ehrlich sagen.
- 0:54SPEAKER_01: Gerade so am Montag war ich ziemlich, ziemlich geplättet und war noch emotional ziemlich stark mit drin.
- 1:03SPEAKER_01: Und es hat sich so ein bisschen alles wieder beruhigt, das ganze Thema, aber es gab sehr viele Dinge, die emotional sehr aufregend waren.
- 1:12SPEAKER_01: Und ich glaube, ich war sehr, sehr selten in meinem Leben so traurig, sauer, stolz, glücklich auf der anderen Seite.
- 1:21SPEAKER_01: Es war eine absolut krasse, paradoxe Situation und ich möchte so ein bisschen meine Learnings einfach aus dem Ganzen vielleicht auch schildern.
- 1:30SPEAKER_01: Der Podcast ist vor allen Dingen für Athleten geeignet, die an Wettkämpfen teilnehmen, die den Sport vielleicht auch lieben und die sich vielleicht auch damit auseinandersetzen, wie man vielleicht aber auch sein persönliches Wachstum durch so einen Wettkampf, was man daraus ziehen kann.
- 1:51SPEAKER_01: Und was auch so ein bisschen der Unterschied ist, ehrlich gesagt, zwischen sehr guten Athleten und Menschen, die vielleicht auch generell in ihrem Leben sehr offen und ehrlich agieren und Athleten, bei denen das vielleicht noch nicht ganz so gut funktioniert.
- 2:07SPEAKER_01: Okay, ich würde ganz gern so ein Einsteigen in das Thema zuerst den Disclaimer zu geben, dass beim Iron Man Hamburg einen Unfall gab, wo ein Motorradfahrer aus noch nicht ganz klaren Gründen eine Art Überholvorgang gemacht hat aus dem Mediatross heraus.
- 2:29SPEAKER_01: Und da frontal in einen Fahrradfahrer gefahren ist, reingefahren ist, es gab einen Unfall.
- 2:34SPEAKER_01: Der Motorradfahrer ist auf dem Kurs verstorben.
- 2:39SPEAKER_01: Und danach musste beim Iron Man Hamburg einen Notfallhelikopter landen auf der Strecke.
- 2:47SPEAKER_01: Und es gab eine unglaublich starke Verzerrung des gesamten Feldes.
- 2:57SPEAKER_01: Und es ist eine absolute Tragödie, die dabei irgendwie natürlich passiert ist.
- 3:04SPEAKER_01: Und es tut mir unglaublich leid, einfach auch für die Familie und für die Angehörigen des Motorradfahrers.
- 3:10SPEAKER_01: Und ich hoffe auch, dass der Fahrradfahrer und auch der Kameramann, der auf dem Motorrad war, dass es ihnen schnell wieder besser geht und sie nicht bleibende Schäden einfach davon tragen.
- 3:20SPEAKER_01: Ich möchte mich aber nicht im Wesentlichen über den Unfall heute äußern und über das Management des Unfalls, weil einerseits sehe ich mich da nicht in der Verantwortung und ich finde, das ist einfach etwas, was ich nicht wirklich so stark ändern kann.
- 3:36SPEAKER_01: Und andererseits, glaube ich, wird darüber schon in sehr, sehr vielen Podcasts einfach gesprochen.
- 3:42SPEAKER_01: Ich möchte aber über eine etwas andere Situation sprechen.
- 3:46SPEAKER_01: Und zwar das, was mich einfach auch persönlich an dem Wochenende mitgenommen hat und was mich auch getriggert hat in gewisser Weise.
- 3:54SPEAKER_01: Und zwar hatten wir mehrere Athleten am Start von Rocket Racing, die beim Iron Man Hamburg so ihren Höhepunkt gefeiert haben.
- 4:03SPEAKER_01: Und einer von diesen Athleten zum Beispiel ist ein sehr, sehr guter Athlet und ein sehr guter Freund von mir, Philipp, der wo wir über einen sehr, sehr langen Zeitraum jetzt schon miteinander zusammenarbeiten, schon über neun Jahre.
- 4:16SPEAKER_01: Und Philipp wollte bei dem Wettkampf seinen Abschluss feiern und wollte ein sehr, sehr schönes Event für sich, für seine neue Familie kreieren.
- 4:29SPEAKER_01: Und wir haben einen sehr dezidierten Plan aufgestellt.
- 4:34SPEAKER_01: Wir haben sehr, sehr stark im Coaching daran gearbeitet, dass wir Leistungswerte optimieren, damit er unter einer magische Marke kommt im Triathlon.
- 4:44SPEAKER_01: Und das waren die acht Stunden.
- 4:46SPEAKER_01: Acht Stunden ist eine Zeit, für die man in einem Solorennen unglaublich viel leisten muss.
- 4:54SPEAKER_01: Wir haben gesagt, okay, schwimmen, so im Bereich von 52, 53 Minuten.
- 4:59SPEAKER_01: Dann auch auf dem Fahrrad müssen wir so 280, 285 Watt ungefähr produzieren.
- 5:05SPEAKER_01: Und dann müssten wir einen Marathon laufen, der so im Bereich von 42 liegt.
- 5:11SPEAKER_01: Philipp war der erste Athlet, der an der Unfallstelle angekommen ist, wo gerade abgesperrt worden ist und musste dann 13 Minuten warten, bis die Unfallsituation gelöst wurde.
- 5:26SPEAKER_01: Hier kommt auch gerade.
- 5:28SPEAKER_01: Ich glaube, das ist aber Polizei.
- 5:32SPEAKER_01: Und es sind mehrere Athleten danach auf ihn aufgefahren, die letztendlich aus hinteren Startgruppen gestartet sind.
- 5:40SPEAKER_01: Iron Man hat sich dazu entschieden, das Event weiterlaufen zu lassen, was ich absolut befürwollte und ich finde es gut, dass das Rennen einfach auch weiter stattgefunden hat und das nicht abgebrochen worden ist in gewisser Weise.
- 5:52SPEAKER_01: Aber der ganze Wettkampf daraufhin ist absolut krass verzerrt worden, weil es nicht gestoppt wurde, natürlich irgendwie in dieser Zeit, wo Athleten warten mussten, wo andere darauf aufgefahren sind und wo letztendlich alles sich komplett verschoben hat.
- 6:11SPEAKER_01: Und Philipp hat letztendlich das Rennen gefinisht mit einer 8 Stunden 12, 31.
- 6:19SPEAKER_01: Und sagen wir mal, wir rechnen diese 13 Minuten raus, was sehr realistisch ist.
- 6:26SPEAKER_01: Wären wir in den Bereich gekommen, den wir auch so geplant hätten und er hätte das Ziel erreicht, was er sich auch so vorgestellt hätte.
- 6:32SPEAKER_01: Und es wäre natürlich ein unglaublich krasser, schöner Abschluss gewesen, so seiner Athletenlaufbahn.
- 6:40SPEAKER_01: Und Sport ist unberechenbar und so ein Unfall kann passieren und man kann solche Dinge manchmal einfach auch nicht beeinflussen und verändern.
- 6:51SPEAKER_01: Und ich habe gestern mit Philipp gesprochen und er ist auch sehr, sehr fein mit allem und meinte, es war auch nicht das größte Problem, dass einfach da zu warten und ich konnte es einfach in dem Moment nicht ändern.
- 7:03SPEAKER_01: Es war einfach so, wie es ist.
- 7:07SPEAKER_01: Ich konnte die Situation nicht verändern.
- 7:09SPEAKER_01: Ich musste einfach warten und ich wusste nicht, was passiert.
- 7:14SPEAKER_01: Ich weiß aber auch von Athleten, die probiert haben, noch dadurch die Unfallstelle durchzukommen.
- 7:18SPEAKER_01: Zum Beispiel, die probiert haben, sich dann noch einen unlauten Vorteil zu verschaffen.
- 7:24SPEAKER_01: Und die auch, nachdem sie durch das Finish gegangen sind, nicht wirklich kenntlich gemacht haben, dass sie vielleicht auch einen deutlich einfacheren und deutlich schnelleren Wettkampf hatten, weil sie halt weniger warten mussten.
- 7:42SPEAKER_01: Und ich muss sagen, dass mich das enttäuscht und dass ich das schade finde, weil ich einfach so ein bisschen die Debatte stellen möchte, worum geht es uns so um Sport?
- 7:57SPEAKER_01: Und worum geht es auch so in solchen Situationen?
- 8:01SPEAKER_01: Und was mich so nach dem Zielleinlauf und was mich die Tage danach so sehr, sehr stark beschäftigt hat, war eben das Gefühl von keiner offenen Kommunikation und dabei vor allen Dingen von keiner offenen Kommunikation von der Organisation, dass einfach nicht darüber gesprochen wurde, dass das Rennen, dass das Amateuren absolut verzögert worden ist.
- 8:25SPEAKER_01: Man muss sich vorstellen, in diesen 13 Minuten auf der Radstrecke in so einer Situation, das ist ein absolut krasses taktisches Ding.
- 8:34SPEAKER_01: Es stellen sich noch große Lücken auf, die halt super schnell wieder zugefahren werden.
- 8:38SPEAKER_01: Und danach wurde unglaublich viel Windschatten gefahren, weil man es einfach auch nicht verhindern konnte auf der engen Strecke.
- 8:43SPEAKER_01: Aber letztendlich wird das ganze Schwimmen und auch die ersten 50, 60 Kilometer von der Radstrecke dadurch komplett planar gezogen.
- 8:51SPEAKER_01: Und es gab eine Art wie eine Art Neustart des Rennens.
- 8:54SPEAKER_01: Das hat eine ganz andere Situation ermöglicht und hat ein ganz anderes Rennen daraufhin beschworen.
- 9:01SPEAKER_01: Und ich finde es sehr, sehr schade, dass da einfach gar nicht kommuniziert wurde über den ganzen Pfeil.
- 9:06SPEAKER_01: Einerseits nicht kommuniziert wurde von den Organisatoren, andererseits aber auch nicht kommuniziert wurde von den Athleten, die halt dadurch einen krassen Vorteil sich eröffnet haben.
- 9:14SPEAKER_01: Einige Athleten sind sogar weniger gefahren, sind so 150, 160 Kilometer gefahren auf der Radstrecke, weil sie halt umgeleitet worden sind und dadurch abgekürzt haben, sodass letztendlich ein unglaublich krasses Kuddel-Muddel gab und keine Splits und keinerlei Dinge einfach mehr klar gewertet worden sind.
- 9:34SPEAKER_01: Und ich weiß von einigen Athleten, die es gesagt haben und die auch zum Beispiel ihre Pokale nicht angenommen haben bei der Awards-Zeremonie nachher.
- 9:43SPEAKER_01: Ich weiß aber auch von einigen Athleten, die trotzdem auch die Pokale angenommen haben, obwohl sie kürzer gefahren sind und obwohl sie deutlich weniger zum Beispiel absolviert haben von der Strecke her und die einfach darüber hinweggegangen sind.
- 9:58SPEAKER_01: Und das muss ich sagen, finde ich traurig und finde ich, entspricht nicht ganz dem Charakter, was ich auch immer so im Sport erlebt habe.
- 10:07SPEAKER_01: Weil uns geht es doch allen auch so in gewisser Weise um das Thema Fairness und um das Thema, dass wir mit unserem Sport etwas darstellen wollen und dass wir irgendwie unser eigenes Potenzial entfalten möchten.
- 10:22SPEAKER_01: Mir geht es im Sport nicht darum, mit allen Mitteln und vor allen Dingen auch mit unerlaubten Mitteln zu gewinnen.
- 10:32SPEAKER_01: Es hat prinzipiell auch etwas zu tun, ich habe den Doping-Podcast zum Beispiel vor zweieinhalb Wochen aufgenommen, wo es auch sehr, sehr stark darum ging, zu sagen, Doping hat immer eine Komponente von einem Abusus, das heißt von einem Substanzmissbrauch, von etwas, was man sich selber antut.
- 10:51SPEAKER_01: Es hat aber auch immer den Faktor von Betrug, von Cheating, von der Sportart nicht gut zu tun.
- 11:02SPEAKER_01: Und danach zum Beispiel hat Jan Frodino auch sowas geschrieben, was ich sehr, sehr gut fand, wo er meinte eben, Cheating und Betrügen macht den Sport kaputt.
- 11:12SPEAKER_01: Und ich finde, auch in so einem Fall erwarte ich von Athleten, muss ich sagen, eben Fairness.
- 11:20SPEAKER_01: Und erwarte ich auch vom Athleten, nicht zu cheaten.
- 11:26SPEAKER_01: Und jetzt möchte ich auch mal noch so ein bisschen auf das Thema eingehen, dass ich glaube, einfach viele Athleten ein schlechtes Selbstbewusstsein haben und viele Athleten Probleme damit haben, auch im Amateurbereich, das auch klar darzustellen, dass sie vielleicht auch sich einen unerlaubten Vorteil erhoffen und einfach ihre Identifikation so krass an Ergebnisse koppeln, dass sie ein Problem damit hätten, zuzugeben, dass vielleicht alles nicht ganz so gut und erlaubt einfach stattgefunden hat.
- 11:59SPEAKER_01: Und da gehört eben Stärke zu.
- 12:01SPEAKER_01: Und da gehört eben auch ein höheres Selbstwert zu, zu sagen, ja, ich bin kürzer gefahren und ich möchte den Pokal zum Beispiel nicht annehmen.
- 12:08SPEAKER_01: Das ist Stärke und das ist schwer und das ist definitiv nicht so einfach.
- 12:13SPEAKER_01: Oder ja, ich bin halt deutlich, ich musste nicht so lange warten.
- 12:18SPEAKER_01: Und bitte, lieber Veranstalter, könntest du bitte der und der Person den Vortritt lassen, weil prinzipiell hätte die Person gewonnen.
- 12:26SPEAKER_01: Das sind alles so Dinge, die, glaube ich, damit zusammenhängen, dass viele Athleten dafür halt nicht einstehen möchten und sich sehr stark auch über ihre Wettkampfergebnisse definieren.
- 12:42SPEAKER_01: Und dadurch, dass sie halt sich sehr, sehr stark darüber definieren, sie auch ihren Selbstwert stark an diese Ergebnisse koppeln.
- 12:51SPEAKER_01: Und Jordan Peterson zum Beispiel schreibt in seinem Buch so 12 Rules for Life, was ich nur jedem so ein bisschen empfehlen kann: Do not lie or cheat, or at least try not to lie.
- 13:06SPEAKER_01: Und Jordan Peterson erklärt es damit so, dass man nicht betrügen und nicht lügen sollte, nicht unbedingt für andere und nicht unbedingt nur gesellschaftlich, sondern er sagt, Do not lie or cheat because of yourself.
- 13:30SPEAKER_01: Was passiert, wenn du betrügst?
- 13:33SPEAKER_01: Du betrügst alle anderen, aber du betrügst vor allen Dingen dich selber.
- 13:39SPEAKER_01: Du betrügst dein fucking Spiegelbild.
- 13:43SPEAKER_01: Wenn du in den Spiegel guckst, dann weißt du, dass du betrogen hast.
- 13:47SPEAKER_01: Und dann weißt du, was du gemacht hast.
- 13:49SPEAKER_01: Und wenn du in den Spiegel guckst und mit dir alleine bist und die Musik aus ist und alleine da sitzt, dann kannst du dem nicht ausweichen.
- 14:00SPEAKER_01: Sondern dann geht einfach das Kopfkino an.
- 14:03SPEAKER_01: Und dann weißt du auch, dass du vielleicht an dem Tag nicht Erster geworden bist.
- 14:09SPEAKER_01: Und auch jemand, der gecheatet hat als Dopingssünder zum Beispiel, weiß, dass er letztendlich betrogen hat.
- 14:18SPEAKER_01: Und sicherlich fühlt es sich nicht so an, dass du sagst, ich habe das Event gewonnen mit meiner eigenen Kapazität, mit meinem eigenen Potenzial.
- 14:30SPEAKER_01: Und das ist vielleicht auch das, was Jan Ulrich damals immer so gesagt hat.
- 14:33SPEAKER_01: Ich habe keinen Betrogen, weil ich habe keinen Betrogen, weil alle einfach gedobt haben, weil alle einfach betrogen haben, so ungefähr, oder weil alle sich einen Leistungsvorteil erhofft haben.
- 14:42SPEAKER_01: Und das war immer sein letztes Fähnchen, das war immer sein letztes Ding zu sagen, ey, ich hab keinen Betrogen, weil es haben einfach alle gemacht.
- 14:50SPEAKER_01: Ich weiß im Fahrerfeld, dass es einfach alle gemacht haben.
- 14:53SPEAKER_01: Und sicherlich war das zu der Zeit valide und nicht ganz so von der Hand zu weisen.
- 14:59SPEAKER_01: Aber jetzt in so einem Wettkampf sich feiern zu lassen, obwohl man die Strecke abgekürzt hat, I don't know.
- 15:11SPEAKER_01: Ich finde, da ist auch ein sehr wichtiger Punkt, so ein bisschen zu definieren, so was passiert mit dir unter Stress.
- 15:24SPEAKER_01: Und ich kann dir sagen, eine der wichtigsten Fähigkeiten, sowohl im Sport als auch in deinem Leben, ist, wie du unter Stress reagierst und wie du unter Herausforderungen agierst.
- 15:42SPEAKER_01: Ich kann dir von Menschen in meinem Leben erzählen, die nicht mit Stress umgehen können.
- 15:48SPEAKER_01: Ich kann keine Namen nennen, weil das sehr persönlich ist.
- 15:52SPEAKER_01: Aber ich habe mehrere Menschen in meinem Umfeld, die sehr schlecht mit Stress umgehen.
- 16:00SPEAKER_01: Die probieren, unter stressigen Situationen jegliche Art von Verantwortung zu externalisieren, nach außen wegzugreben.
- 16:13SPEAKER_01: Es ist nicht meine Schuld, es ist die Schuld vom Veranstalter.
- 16:16SPEAKER_01: Es ist nicht meine Schuld, es ist die Schuld von jemand anderem.
- 16:21SPEAKER_01: Es ist nicht meine Schuld, es ist die Schuld von meinem Partner, es ist nicht meine Schuld, es ist die Schuld von meinem Freund, es ist nicht meine Schuld, es ist die Schuld von meinem Vereinskollegen, es ist nicht meine Schuld, es ist die Schuld von meinem Auto, es ist nicht meine Schuld, es ist die Schuld von meinem Streist, von meinem Chef.
- 16:38SPEAKER_01: Das bringt dich nicht weiter.
- 16:43SPEAKER_01: Das führt dazu, dass du Verantwortung abgibst.
- 16:49SPEAKER_01: Das führt dazu, dass du dein Leben nicht in den Griff kriegst.
- 16:53SPEAKER_01: Das führt dazu, dass du immer externalisierst in kritischen Situationen.
- 17:01SPEAKER_01: Und das führt dazu, dass du dich über Dinge aufregst, die du letztendlich nicht verändern kannst.
- 17:08SPEAKER_01: Du musst es dir so vorstellen im Leben.
- 17:10SPEAKER_01: Du bist letztendlich vielleicht ein kleines Boot auf einem riesigen, riesen, riesengroßen Ozean.
- 17:17SPEAKER_01: Und dieser Ozean und diese Natur um dich herum kann dich jederzeit umbringen.
- 17:23SPEAKER_01: Ohne Probleme.
- 17:25SPEAKER_01: Du bist also auf diesem Ozean und willst ein bestimmtes Ziel erreichen.
- 17:31SPEAKER_01: Du steuerst auf etwas hinzu.
- 17:34SPEAKER_01: Das ist der Weg, auf den du gehen möchtest.
- 17:38SPEAKER_01: Und du bist relativ langsam, aber du steuerst darauf zu.
- 17:43SPEAKER_01: Und in der Zeit kommen diverse Stürme.
- 17:48SPEAKER_01: Und viele davon sind sehr, sehr große Stürme.
- 17:53SPEAKER_01: Es sind Stürme, die dir Angst machen.
- 17:55SPEAKER_01: Es sind Stürme, die dich kentern lassen können.
- 17:59SPEAKER_01: Es sind Stürme, die dich von deinem Kurs abbringen wollen.
- 18:03SPEAKER_01: Es sind Stürme, die dafür sorgen, dass du eventuell auch untergehen kannst.
- 18:08SPEAKER_01: Und wie reagierst du?
- 18:11SPEAKER_01: Wie reagierst du, wenn du dem Sturm begegnest?
- 18:15SPEAKER_01: Bleibst du ruhig?
- 18:16SPEAKER_01: Bleibst du gelassen?
- 18:18SPEAKER_01: Probierst du das zu ändern, was du ändern kannst?
- 18:21SPEAKER_01: Probierst du weiter auf dein Ziel hinzuzusegeln?
- 18:24SPEAKER_01: Probierst du auf Kurs zu bleiben, vielleicht leichte Abweichungen in Kauf zu nehmen, dann dich ein bisschen neu zu sortieren und wieder probieren, Richtung Kurs zu agieren und dich nicht darüber aufzuregen, wenn du ein bisschen vom Kurs abkommst.
- 18:39SPEAKER_01: Oder verzweifelst du?
- 18:41SPEAKER_01: Oder regst du dich tierisch auf?
- 18:44SPEAKER_01: Oder wirst du nur noch wütend, wirst du nur noch traurig und gibst letztendlich der Natur die Schuld an deiner Misere.
- 18:53SPEAKER_01: Ich glaube, das definiert sehr, sehr stark jemanden, wie man einfach in stressigen Situationen reagiert und wie man damit einfach umgehen kann.
- 19:01SPEAKER_01: Und wie flexibel du auch bist, in gewisser Weise dann auch mit dem Sturm umzugehen.
- 19:11SPEAKER_01: Und dich definiert aber als Athlet ganz stark, wie sehr du, wie stark du bist und wie stark du auch dem Sturm ins Auge schauen kannst.
- 19:20SPEAKER_01: Und wie viel Angst du vielleicht auch dieser Sturm machst.
- 19:22SPEAKER_01: Und wie viele Stürme du einfach auch schon erlebt hast du in deinem Leben.
- 19:28SPEAKER_01: Und ich, das ist eine Fähigkeit, die hat nicht nur was mit Athletentum zu tun, die hat nicht nur was mit Leistungsfähigkeit zu tun, sondern die hat auch mit sehr vielen Aspekten in deinem Leben zu tun.
- 19:41SPEAKER_01: Und das hat sehr viel auch damit zu tun, wie viel Verantwortung du auch generell für dich übernimmst und für dein Leben übernimmst.
- 19:47SPEAKER_01: Und ob du mit Stress, mit stressigen Situationen, mit Problemen in deinem Leben umgehen kannst, weil du lernst es im Sport.
- 19:55SPEAKER_01: Du lernst es genau damit umzugehen und du lernst genau das zu handeln.
- 19:59SPEAKER_01: Und du lernst genau auch in dieser Situation zu sagen, ey, übernehme ich dafür Verantwortung oder gebe ich die Verantwortung ab?
- 20:07SPEAKER_01: Geb ich die Verantwortung ab an irgendwelche externen Umstände, gebe ich die Verantwortung an meinen Coach, gebe ich die Verantwortung ab an sonstigen, an meinen Physiotherapeuten oder übernimm ich einfach fucking Verantwortung dafür.
- 20:21SPEAKER_01: Und das ist eine Fähigkeit, die definiert sehr, sehr viel in deinem Leben.
- 20:24SPEAKER_01: Die definiert, wie gesagt, wie erfolgreich du bist im Sport, tausendprozentig.
- 20:29SPEAKER_01: Und die definiert aber auch, wie viel du generell so in deinem Leben erreichst.
- 20:33SPEAKER_01: Und wie du bereit bist, auch gewisserweise dem Sturm ins Auge zu gucken, wie du vielleicht auch bereit bist, manchmal auch Opfer zu nehmen und zu ertragen.
- 20:42SPEAKER_01: Das gehört nämlich auch immer mit ein bisschen dazu.
- 20:44SPEAKER_01: Und wie du einfach bereit bist, dann auch so dein Potenzial zu entfalten.
- 20:52SPEAKER_01: Und da kommen wir dann auch so ein bisschen in das andere Ding, wo ich einfach auch erlebe, dass sehr viele sehr gute Athleten, beispielsweise ist jetzt zum Beispiel auch Philipp, weil der auch ein absolutes Paradebeispiel dafür ist, wie sie einfach Verantwortung übernehmen für ihre Ziele und für ihr Handeln.
- 21:13SPEAKER_01: Es gibt ein sehr, sehr schönes Buch auch da von Jooko Willing.
- 21:16SPEAKER_01: Kann ich auch jedem nur ans Herz legen.
- 21:20SPEAKER_01: Es heißt Complete Ownership.
- 21:23SPEAKER_01: Und Jo Willing ist ein ehemaliger Navy SEALs Operator.
- 21:28SPEAKER_01: Und in dem Buch gibt es sehr, sehr viele sehr schöne Beispiele, auch so aus dem Militär, wo es einfach auch darum geht, auch stets die volle Verantwortung zu bringen, zu probieren, zu übernehmen für Dinge, die man ändern kann.
- 21:41SPEAKER_01: Und da nicht die Augen zuvor zu verschließen und probieren, Verantwortung, Fehler vor allen Dingen abzugeben.
- 21:47SPEAKER_01: Sondern zu gucken, was kann ich in so einer Situation machen und was kann ich jetzt auch akut verändern?
- 21:53SPEAKER_01: Und was kann ich auch in der Situation, sage ich mal, verbessern.
- 21:57SPEAKER_01: Und wenn wir doch uns vielleicht einmal so ganz kurz den Unfall auch angucken, Gucken, dann ist es natürlich auch so, dass man dann die Frage stellen muss, okay, was konnte man im Vorfeld vielleicht auch verändern und wer hätte vielleicht auch mehr Verantwortung vernehmen müssen für gewisse Dinge, weil die Strecke, ich glaube, das wissen sehr viele Athleten, die auch in Hamburg wohnen, und das wusste sicherlich auch der Veranstalter, ist eng und ist auch vielleicht nicht so ganz optimal.
- 22:22SPEAKER_01: Und vielleicht auch vielleicht für einen Tross von noch Medienfahrzeugen, die dabei mit dabei sind, ist es einfach alles ziemlich, ziemlich eng.
- 22:31SPEAKER_01: Und es gab ja auch mehrere Stürze noch auf der Strecke und nicht nur diesen einen fatalen.
- 22:38SPEAKER_01: Aber genauso wie es halt auch vielleicht damit ist, geht es auch für euch als Athleten und für euch als Menschen auch darum, stets auch Verantwortung zu übernehmen.
- 22:46SPEAKER_01: Und diese Verantwortung kann euch auch keiner abnehmen und die kann euch vor allen Dingen auch kein Coach abnehmen.
- 22:52SPEAKER_01: Und ich erlebe auch sehr häufig, dass Athleten in unserem Coaching erfolgreich sind, die Verantwortung für sich übernehmen.
- 23:00SPEAKER_01: Wir sind, wir helfen den Athleten.
- 23:03SPEAKER_01: Wir helfen den Athleten, Verantwortung zu übernehmen.
- 23:06SPEAKER_01: Wir helfen den Athleten mit unserem Plan, mit unserem Konzept, mit unseren Dingen, die halt für den Athleten funktionieren.
- 23:13SPEAKER_01: Aber trainieren und Verantwortung übernehmen und richtig umsetzen und Fragen stellen und proaktiv auf uns zukommen, das müssen die Athleten selber.
- 23:22SPEAKER_01: Und da merkst du einen riesengroßen Unterschied.
- 23:25SPEAKER_01: Und das ist etwas, was du sowohl im Leben merkst, egal womit, oder auch dann auch im Sport.
- 23:37SPEAKER_01: Und du merkst, ob jemand hungrig ist.
- 23:40SPEAKER_01: Du merkst absolut, ob jemand dafür Feuer hat und das einfach ausleben möchte.
- 23:45SPEAKER_01: Und Bock darauf auch hat, diese Verantwortung auch zu übernehmen und auch diese Verantwortung zu tragen.
- 23:51SPEAKER_01: Und zu sagen, ja, ich packe mir an die eigene Nase.
- 23:54SPEAKER_01: Und ja, was kann ich jetzt optimieren?
- 23:57SPEAKER_01: Wie kann ich die Situation verbessern?
- 23:59SPEAKER_01: Wie kann ich auch die Rennsituation jetzt noch optimieren?
- 24:02SPEAKER_01: Und was kann ich jetzt auch wirklich dabei rausholen?
- 24:05SPEAKER_01: Und dann nicht eben, wenn Probleme entstehen, zu sagen, ich bin gefailt, weil das und das oder X entstanden ist.
- 24:13SPEAKER_01: Ich konnte es nicht, weil mein Leben zu stressig ist.
- 24:16SPEAKER_01: Ich konnte es nicht, weil das ein Problem war.
- 24:19SPEAKER_01: Ich konnte es nicht, weil, weil, weil.
- 24:21SPEAKER_01: Sondern, okay, es ist vielleicht nicht ganz die optimale Situation, aber was kann ich jetzt in diesem Moment verändern, um das Bestmögliche herauszuholen?
- 24:33SPEAKER_01: Das Leben besteht nicht nur aus Routinen und Standards.
- 24:37SPEAKER_01: Routinen und Standards sind wichtig.
- 24:39SPEAKER_01: Ja, absolut.
- 24:41SPEAKER_01: Routinen und Standards sind wichtig, um High Performance zu erreichen.
- 24:45SPEAKER_01: Ja, absolut.
- 24:47SPEAKER_01: Trotzdem, bitte das Leben bietet sehr, sehr viele Möglichkeiten.
- 24:50SPEAKER_01: Es gibt sehr viele Möglichkeiten, schöne Dinge zu machen, viel zu experiencen.
- 24:56SPEAKER_01: Und das Leben ist immer auch Chaos.
- 24:58SPEAKER_01: Es ist immer auch Flow.
- 24:59SPEAKER_01: Du wirst niemals alles kontrollieren können.
- 25:02SPEAKER_01: Es ist immer auch ein Zustand, in dem du auch in gewisser Weise auf unerwartete Dinge treffen wirst.
- 25:10SPEAKER_01: Immer.
- 25:12SPEAKER_01: Und es geht dann auch darum, zu gucken, wie kann ich diesen Flow-Zustand, wie kann ich auch die schlechten Momente noch für mich nutzen.
- 25:22SPEAKER_01: Und was kann ich auch aus den schlechten Tagen rausziehen?
- 25:24SPEAKER_01: Und wie kann ich auch da Verantwortung übernehmen für mich, für meine Ziele, für das, was ich halt irgendwie möchte.
- 25:32SPEAKER_01: Und das ist eine sehr wichtige Eigenschaft, die auch, sag ich mal, ja, die gute Athleten, sag ich mal, auch von schlechten Athleten unterscheidet.
- 25:42SPEAKER_01: Kann man so per se auch nicht sagen.
- 25:44SPEAKER_01: Aber es ist schon etwas, was ich häufig erlebe, was einen sehr guten Athleten auszeichnet.
- 25:50SPEAKER_01: Dass er ausgeglichen in seinem Leben ist und dass er auch für viele Dinge Verantwortung übernimmt.
- 25:57SPEAKER_01: Und auch probiert, in schwierigen Situationen noch das Beste daraus zu ziehen und daraus zu machen.
- 26:06SPEAKER_01: Und ich glaube, wenn man sich immer so die besten Athleten auch so des Sports anguckt, egal ob es jetzt Roger Federer ist, egal ob es Jan Fodeno ist, egal ob es Nadal ist oder andere Athleten, dann sieht man, wie sie auch Verantwortung übernehmen für sich selber, für ihre Situation und Dinge probieren zu ändern, aber auch probieren, langfristig Dinge zu ändern und nicht vielleicht auch Verantwortung zu externalisieren und alles halt auch vielleicht zum Beispiel abzugeben.
- 26:44SPEAKER_01: Zum Beispiel ein perfektes Beispiel ist einfach auch die Zusammenarbeit mit Jan Frodeno und Dan Lorang, wo es sehr, sehr viele, man erlebt ja auch immer nur die positiven Seiten und die Gewinnstraße danach von Jan Frodeno.
- 27:03SPEAKER_01: Aber es gab auch Zeiten, wo man sich erstmal vielleicht auch in eine gewisse Synchronisation kommen musste und wo Jan Frodeno vielleicht auch am Anfang nicht so erfolgreich war, wo vielleicht auch nach Beijing es ein gewisses Durchhängen gab und wo dann auch probiert wurde, trotzdem das Beste halt auch noch rauszuholen, aber auch auf die Zusammenarbeit vertraut wurde.
- 27:23SPEAKER_01: Und Jan Vrodeno auch geguckt hat, was kann er selber auch optimieren und wie kann er sein Leben optimieren und wie kann er erstmal auch vielleicht sich selber an die eigene Nase packen, bevor man dann probiert, Verantwortung abzugeben und vielleicht auch da Dinge zu verändern.
- 27:41SPEAKER_01: Und das erlebt man eben dann traurigerweise eben in Social Media.
- 27:48SPEAKER_01: Weil Social Media ist fake, ne?
- 27:50SPEAKER_01: Das ist ganz klar.
- 27:51SPEAKER_01: Es ist nicht die Realität.
- 27:54SPEAKER_01: Aber man kann sich schon auch real darstellen.
- 27:56SPEAKER_01: Es ist definitiv so, dass man sich auch real darstellen kann und auch sagen kann, was los ist und wie man sich fühlt.
- 28:03SPEAKER_01: Und dass das Ganze auch eigentlich eher appreciated wird, wenn man so agiert.
- 28:08SPEAKER_01: Zumindest dass einen die Leute mögen, die man vielleicht auch haben möchte.
- 28:12SPEAKER_01: Und wenn man als Athlet probiert, nur immer eine heile Welt darzustellen und sich im Basar zu stellen, als wäre man immer der Held und alles würde positiv nach vorne gehen, das hilft dir nicht weiter, weil du einfach nur eine Maske von dir erschaffst und du einfach nicht wirklich du selber bist.
- 28:28SPEAKER_01: Und wenn du weißt, dass vielleicht auch dein Rennen durch gewisse Umstände positiv beeinflusst worden ist, dann kannst du das nicht ändern.
- 28:38SPEAKER_01: Ja, und dann gehst du vielleicht auch so durchs Ziel.
- 28:40SPEAKER_01: Vollkommen fein.
- 28:41SPEAKER_01: Aber dann kannst du schon Verantwortung darüber nehmen, was anschließend passiert.
- 28:50SPEAKER_01: Hustenreiz.
- 28:53SPEAKER_01: Ja, heute etwas anderer Podcast, heute eher etwas mehr Deep Talk, ich fand es aber interessant, darüber einfach mal zu sprechen und da mal so ein bisschen meine Sichtweise auf Dinge zu erläutern.
- 29:07SPEAKER_01: Ich finde es eben unglaublich wichtig, dass man generell in seinem Leben fair agiert, dass man Verantwortung übernimmt und dass das einfach auch der Performance langfristig auch weiterhilft.
- 29:18SPEAKER_01: Weil wenn du Verantwortung für dein Leben übernimmst, wenn du Verantwortung für deine Performance übernimmst und wenn du auch fair agierst, dann wirst du auch besser in den Spiegel gucken können.
- 29:27SPEAKER_01: Dann wirst du auch mit dir deutlich zufriedener sein.
- 29:30SPEAKER_01: Und dann hat das einen sehr, sehr positiven Effekt auch auf deinen ganzen Selbstwert und dein ganzes Selbstgefühl.
- 29:36SPEAKER_01: Und dann fühlt sich eben auch ein zweiter, dritter, vierter, fünfter, sechster, zehnter, zehntausendster Platz besser an als ein Gewinn.
- 29:47SPEAKER_01: Weil ein Gewinn, der durch komische Umstände zusammengekommen ist, fühlt sich nicht so geil an.
- 29:57SPEAKER_01: Und zu cheaten, zu lügen, sonst was zu tun, fühlt sich auch nicht so richtig gut an.
- 30:02SPEAKER_01: Ich spreche da auch aus Erfahrung, weil ich, als ich so ein Teenager war, habe ich ziemlich viel gelogen.
- 30:09SPEAKER_01: Als ich so 13, 14, 15 war, habe ich mir immer so eine kleine Welt erschaffen, die vielleicht cooler war als die Welt, die ich so erlebt habe.
- 30:22SPEAKER_01: Und ich wollte halt sehr viel immer so gerne im Mittelpunkt stehen.
- 30:27SPEAKER_01: Und habe dann probiert, Dinge darzustellen, wie sie nicht wirklich sind.
- 30:34SPEAKER_01: Und das hat dann einen super schlechten Effekt auf mein Selbstwertgefühl.
- 30:37SPEAKER_01: Damals schon, als Teenager.
- 30:40SPEAKER_01: Und wenn ich sowas heutzutage machen würde, wäre es absolut, könnte ich nicht mehr ins Spiegel gucken.
- 30:47SPEAKER_01: Hätte ich enorme Probleme mit mir selber.
- 30:49SPEAKER_01: Weil ich einfach wüsste, dass ich mich selber betrügen würde und dass ich selber nicht zufrieden bin mit mir.
- 30:57SPEAKER_01: Und ich glaube, viele Leute unterschätzen das.
- 31:00SPEAKER_01: Das habe ich ja auch schon in der Doping-Thematik gesagt.
- 31:02SPEAKER_01: Das hat sehr viel mit dem Selbstwert zu tun.
- 31:05SPEAKER_01: Und das hat sehr viel auch mit Selbstbewusstsein zu tun und mit aber auch einer gewissen Bewusstsein und zu schauen, wer bin ich, wer möchte ich sein, wen möchte ich darstellen und worum geht es mir auch im Sport?
- 31:21SPEAKER_01: Ich meine, wir betreuen Athleten, die sehr, sehr, sehr gut im Amateurbereich unterwegs sind, die Bock haben zu gewinnen.
- 31:28SPEAKER_01: Klar, wir haben alle Bock zu gewinnen.
- 31:30SPEAKER_01: Wir wollen gewinnen.
- 31:31SPEAKER_01: Ja, definitiv.
- 31:32SPEAKER_01: Ich bin auf diesen Wettkampf Everman Hamburg gefahren, weil ich einfach mit Philipp gewinnen wollte.
- 31:36SPEAKER_01: Ja, klar.
- 31:36SPEAKER_01: Und wir wollten unter acht Stunden gehen.
- 31:38SPEAKER_01: Definitiv.
- 31:38SPEAKER_01: Gar keine Frage.
- 31:40SPEAKER_01: Wir hatten da Bock drauf.
- 31:41SPEAKER_01: Wir wollten da einfach Vollgas geben.
- 31:43SPEAKER_01: Und unsere gesamte Crew war einfach auch so organisiert, dass wir gesagt haben, wenn es passiert, dann passiert es.
- 31:48SPEAKER_01: Und es wird sicherlich passieren, weil Philipp einfach die Performance mitbringt.
- 31:52SPEAKER_01: Und weil wir einfach so geil trainiert haben, weil er einfach sich den Arsch aufgerissen hat, dahin zu kommen.
- 31:57SPEAKER_01: Weil wir zwei Wochen vorher noch ein Lab Day gemacht haben, weil wir so viele viele Sachen gemacht haben, damit das ganze Ding einfach läuft.
- 32:03SPEAKER_01: Und klar, es war super enttäuschend, als es nicht passiert ist.
- 32:07SPEAKER_01: Es hat sich angefühlt wie einfach ein Betrug, weil wir einfach wussten, als die Ziellinie da war, das ist es halt nicht.
- 32:15SPEAKER_01: Das ist nicht der emotionale Zustand, den wir uns eigentlich erhofft haben.
- 32:18SPEAKER_01: Und es fühlt sich einfach gerade an wie ein Betrug, weil einerseits die Organisation nicht darüber spricht, weil andererseits aber auch die ganzen Athleten nicht darüber sprechen, wie, sag ich mal so, das Rennen wirklich gelaufen ist.
- 32:31SPEAKER_01: Und das war ernüchternd.
- 32:33SPEAKER_01: Das war echt traurig.
- 32:34SPEAKER_01: Das hat wirklich irgendwie auch wehgetan.
- 32:36SPEAKER_01: Weil ich selber einfach auch natürlich in dem Sport schon so lange agiert habe.
- 32:40SPEAKER_01: Und dann so eine, so ja, weiß ich nicht, so einen geringen Anspruch zu haben, an sich selber und so zu agieren als Athlet, finde ich schwierig, finde ich traurig.
- 33:00SPEAKER_01: Und das tat weh, ja, das war unangenehm.
- 33:07SPEAKER_01: Und wie bin ich jetzt darauf gekommen?
- 33:09SPEAKER_01: Ich bin darauf gekommen, weil ich gesagt habe, wir wollten gewinnen.
- 33:11SPEAKER_01: Ja, wir wollten gewinnen, definitiv, wir wollten gewinnen.
- 33:13SPEAKER_01: Und alle unsere Athleten wollen auch gewinnen.
- 33:15SPEAKER_01: Ja, oder viele Athleten wollen gewinnen.
- 33:18SPEAKER_01: Aber sie wollen vor allen Dingen auch sie gegen sich selber gewinnen.
- 33:20SPEAKER_01: Sie wollen vor allen Dingen auch ein geiles Event haben.
- 33:25SPEAKER_01: Ihr eigenes, ihr eigenes Ausrufezeichen-Potenzial entfalten.
- 33:29SPEAKER_01: Mit sich selber arbeiten und quasi sich selber besiegen.
- 33:34SPEAKER_01: Und das ist doch auch die Grundidee vom Iron Man.
- 33:37SPEAKER_01: Als 16-Jähriger habe ich mir in Iron Man herbeingeguckt, habe Normenstartler gewinnen gesehen und ich war gehuckt.
- 33:42SPEAKER_01: Ich war gehuckt von den schmerzerfüllten Gesichtern.
- 33:45SPEAKER_01: Klar hat das auch eine gewisse Pathologie und ich will nicht sagen, dass es alles so geil ist für mich.
- 33:49SPEAKER_01: Aber du bist doch davon gehuckt, über deine eigene Kapazität hinauszuwachsen, mit dir selber zu arbeiten, dich selber zu schlagen, dich selber zu besiegen.
- 34:02SPEAKER_01: Und dann ist das Ergebnis doch einfach nur eine Makulatur und der Pokal, den du nachher kriegst, ist doch nur nett.
- 34:09SPEAKER_01: Ja, ist nett, kann man sich hinstellen.
- 34:11SPEAKER_01: Steht da hinten bei mir auch.
- 34:12SPEAKER_01: Ist ganz nett, aber das ist nicht das, was dich wirklich packt.
- 34:17SPEAKER_01: Das kannst du mir einfach nicht erzählen, dass es so ist.
- 34:20SPEAKER_01: Es ist nicht das, was du wirklich geil findest an dem Sport.
- 34:24SPEAKER_01: Das ist es einfach nicht.
- 34:26SPEAKER_01: Es ist doch das, dass du mit dir selber arbeitest und dass du über dich selber hinauswächst.
- 34:31SPEAKER_01: Und dass du selber Bock hast, Gas zu geben.
- 34:35SPEAKER_01: Und dass du selber Lust hast, dich zu schlagen.
- 34:38SPEAKER_01: Und dass du selber in diesen Rausch und den Flow zustand kommen möchtest.
- 34:41SPEAKER_01: Das ist, was dich packt.
- 34:42SPEAKER_01: Und das ist auch die Sucht und das ist genau das, warum das Ganze einfach auch so anziehend ist.
- 34:54SPEAKER_01: Ja.
- 34:57SPEAKER_01: Ich hoffe, euch hat der Podcast gefallen.
- 35:00SPEAKER_01: War ein bisschen emotional heute.
- 35:02SPEAKER_01: Ich hoffe, das ist okay.
- 35:05SPEAKER_01: Ich wünsche euch auf jeden Fall eine schöne Woche.
- 35:08SPEAKER_01: Ich freue mich auf Rot in zwei Wochen.
- 35:11SPEAKER_01: Und ja.
- 35:14SPEAKER_01: Happy Day.
- 35:15SPEAKER_01: Macht's gut, Leute.
- 35:16SPEAKER_01: Bye bye.