Latest / SOMMELIER / Christina Fischer - Die Leitfigur für das Sommelier-Handwerk
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- 0:00Hallo, ich bin Ulrike von der Grüben und ich grüße alle Weinkenner, Weinliebhaber und
- 0:18solche, die es noch werden wollen.
- 0:19Ich bin Sportmoderatorin, moderiere seit mehr als 35 Jahren den Sportteil in den Hauptnachrichten
- 0:26von RTL.
- 0:27Und genau dieser Job hat mich auch 1989 nach Köln geführt und da habe ich dann sehr schnell
- 0:34den Gast des heutigen Podcasts kennengelernt, Christina Fischer, die große Sommelier.
- 0:40Ich glaube jeder, der diesen Podcast hört, hat auch schon von ihr gehört.
- 0:45Dass wir beide bis heute eng befreundet sind, ist schon ein bisschen verwunderlich, wenn
- 0:50man weiß, dass ich als gebürtige Gladbacherin, zumindest in einer Beziehung ein echtes kölisches
- 0:56Mädchen bin, mein Lieblingsgedrängt, ist nämlich nicht der Wein, sondern das Kölsch.
- 1:03Und das konnte Christina mir auch bis heute nicht austreiben.
- 1:07Dabei liebe ich es, ihr zuzuhören, wenn sie mit großer Leidenschaft über Wein spricht,
- 1:14ich bewundere ihr unfassbares Wissen über Trauben, Herstellungsverfahren, Anbaugebiete,
- 1:19was es da nicht alles gibt.
- 1:21Sie merken schon, ich habe wirklich keine Ahnung.
- 1:24Und dann erzählt sie so anschaulich über große Weingüter und die dazugehörigen Familiengeschichten,
- 1:30dass ich darüber fast mein Kölsch vergessen.
- 1:33Was uns aber eint, was wir beide lieben, ist das mit Familie und Freunden zusammenzusitzen,
- 1:41bei gutem Essen, guten Gesprächen, zu lachen, zu feiern, dummes Zeug zu machen, aber auch
- 1:46mal ernst zu sein.
- 1:48Hauptsache, wir sind füreinander da.
- 1:50Und das sind wir.
- 1:52Christina hat unsere Kinder aufwachsen, sie in ihr Ferienhaus auf Panrot war und ist für
- 1:57uns immer ein ganz besonderer Ort.
- 1:59Sie ist in jeder Hinsicht die beste und großzügigste Gastgeberin, die ich kenne.
- 2:05Ach und wir haben noch eins gemeinsam.
- 2:07Wir haben uns nämlich beide am selben Abend in unserer heutigen Ehemänner verliebt.
- 2:14Aber die Geschichte kann sie Ihnen ja vielleicht gleich selber erzählen.
- 2:19Viel Spaß dabei.
- 2:20Ein herzliches Willkommen zu einer neuen Ausgabe von Somelier, die interessantesten
- 2:48Mundschenke unserer Zeit.
- 2:49Meine heutige Gästin ist für mich eine der spannendsten Weinpersönlichkeiten, an die
- 2:54eine ganz eigene Leidenschaft nicht nur in sich trägt, sondern niemals verloren hat.
- 2:59Und mit ihrer Lebendigkeit, mit ihrer ganz besonderen Arzt, verstehen Menschen zu begeistern,
- 3:03Kollegen zu begeistern, ja auch Winzer zu begeistern.
- 3:06Sie selber wurde legendär durch ihr Restaurant Fischers Weingenussentafelfreuten in Köln,
- 3:12in welchem sie Wein-Service, Wein angeboten vor allen Dingen Wein- und Speisenkombination
- 3:16auf einer ganz eigenen Ebene gelebt hat.
- 3:19In der Öffentlichkeit bekannt wurde Christina Fischer durch ihre über fünfjährige Präsenz
- 3:24beim Vox-Koch-Duell.
- 3:26Weitere TV-Auftritte hatte sie bei der Arte Weinprobe und doch ist sie nachhaltig präsent
- 3:32durch ihre Standardwerke, ihre Bücher Weinwissen, Riesling, Weingenussentafelfreuten und nicht
- 3:38zuletzt eines der Bücher, die sich auf intensivste Weise mit Wein und Speisen, der Kombinatorik
- 3:44und der Großartigkeit auseinandergesetzt haben, dem Buch Wein und Speisen jedem zu empfehlen.
- 3:49Ausgezeichnet wurde sie vom Decanter, vom Wine-Spectator, als Zommliere des Jahres vom
- 3:54Gomio, erhielt die Auszeichnung der Weinschule des Jahres vom Gomio und hat vom VDP die
- 3:58silberne Ehrennadel.
- 4:00Und heute, und darüber freue ich mich, ist sie hier, ist sie unser Gast.
- 4:03Herzlich willkommen, liebe Christina Fischer.
- 4:06Wie bei diesem Podcast ist es auch bei Weingütern.
- 4:13Hinter diesem Podcast stehen Menschen, da stehe ich auf der einen Seite und heute in der aktuellen
- 4:17Episode ist dort Christina Fischer.
- 4:19Aber auch bei den Weingütern.
- 4:20Hinter guten, hinter hervorragend, hinter außergewöhnlichem Weingütern stehen auch Menschen.
- 4:26Und beim Weingut Selman, mitten im Burgenland ansässig, steht die mittelburgenländische
- 4:32Winzer-Legende Albert Selman, zusammen mit seiner Frau Sylvia und den Kindern Francesca
- 4:37und Konstantin, auf über 2000 Tektor.
- 4:41Von den Südausläufern des Oedenburger Gebirges bis hin zum Günter Bergland erstreckt sich
- 4:46das Mittelburgenland.
- 4:472,3% davon, nämlich 50 Hektar, nennt das Weingutgeselman rund um Deutschkreuz sein Eigen und lässt
- 4:54dort Weine entstehen, die Burgenländischer, die Österreichischer nicht sein können,
- 5:00aber durchaus auf Augengehöhe mit außergewöhnlichsten europäischen Spitzenweinen agiert.
- 5:06Warum?
- 5:07Natürlich ist es auf der einen Seite das Klima, es sind die sonnereichen Tagessen, die
- 5:11kühlen Nächte, in denen die Temperaturkurve bis in den Herbst hinein ideale Bedingungen
- 5:16für Kraftvolle und trotzdem viel nestsreiche Weine bietet.
- 5:20Der sehr nahe Neusiedler See und das Mikroklima mit starken panonischen Einflüssen, welche
- 5:26durch relativ warme, trocken gemäßigte Jahresverläufe dazu beitragen, dass diese Region einzigartig
- 5:33ist.
- 5:34100 Punkte Höchstbewertung erhielt Geselmann vom Falschabwein geht.
- 5:38Die 90er Schallmauer lassen sie jedes Jahr spielend hinter sich.
- 5:42Es sind Weine, die dort erzeugt werden, die legendär sind, sowohl im Rotwein als auch
- 5:47im Weißweinbereich.
- 5:49Weine, die eigenständig, Weine, die außergewöhnlich sind.
- 5:5119,5 Punkte beim Gomio und weit über 90 bei Robert Parker sprechen für sich.
- 5:57Seit 1719 gibt es das Weingut doch, was Albert Geselmann zusammen mit seiner Familie hier
- 6:02auf die Beine gestellt hat, ist legendär.
- 6:04Albert Geselmann weiß zu Recht, wir haben mit unseren Rotweinen schon früh neue Maßstäbe
- 6:09in Österreich gesetzt und Recht hatte.
- 6:11Doch es sind nicht nur die Rotweine, außergewöhnliches Sauvignon blanc, großartige Chardonnets und
- 6:16sehr beeindruckende Graubugunder haben, mich persönlich von diesem Weingut mehr als überzeugt.
- 6:22Und von so einem Weingut begleitet, unterstützt und supportet zu werden, er hat uns auf ganz
- 6:26besondere Weise daher vielen Dank für die Unterstützung dieser aktuellen Podcastfolge
- 6:31und vielen Dank für die ganz besonderen Weine.
- 6:34Und ein großes Dankeschön auch dem hiesigen Vertriebspartner, dem Handelshaus Schlumberger.
- 6:38Ich muss dir was gestehen.
- 6:40Ja.
- 6:41Und zwar, dass ich dich, obwohl wir uns ja, ich bin 2000 nach Kölnberg-Schglattbach gekommen,
- 6:49du warst allgegenwärtig, aber ich hab dich eigentlich erst letztes Jahr kennengelernt.
- 6:54Das weiß ich auf dem Schiff.
- 6:56Das war ja eine ganz andere Situation, als wir beide realisiert haben, dass wir Sekt
- 7:01nicht aus Piccoloflaschen trinken wollen.
- 7:03Ja.
- 7:04Das war ja auch eine Erfahrung, die wir vorher noch nicht hatten.
- 7:06Nee, es war in der Veranstaltung für die Weingesion.
- 7:10Da hab ich realisiert, was du eigentlich für ein unfassbar tiefsinniger Mensch bist.
- 7:17Also bei all dem, der Erfolg sprach ja immer für dich, das fand ich schon immer sehr
- 7:22bemerkenswert.
- 7:23Aber wie, also viele machen das ja so Ustela Mengen oder machen dann eben so mal, jetzt
- 7:29machen wir mal die Veranstaltung, aber du bist so für mich sehr bewundernswert, durchdacht
- 7:35organisiert, sehr akribisch, wie du mit deiner Gesamtmaterie umgehst.
- 7:41Das hat mich dermaßen bewundert und da hab ich gemerkt, ich kannte dich gar nicht.
- 7:45Sylvia, das finde ich ein wunderbares Kompliment, aber es beweist eindeutig, dass du mich
- 7:52nicht so ganz häufig siehst.
- 7:53Also ich bin sicherlich eins gar nicht und das ist strukturiert und koordiniert.
- 7:58Sobald ich ein Partner habe, mit dem ich zusammen arbeite, der das hat, dann funktioniert das
- 8:04wie am Schnürchen.
- 8:05Ich bin einfach, ich glaube, dass ich erzogen worden bin, um zu arbeiten, klassische Ausbildungen
- 8:13im Hotel, als Hotelfachfrau und dass ich vieles aus dem Bauch herausmache, dass ich glaube
- 8:20ich auch einen ganz guten Sinn für Situationen habe.
- 8:24Aber Struktur und mich zu organisieren, habe ich in der Tat viel später gelernt und ich
- 8:30habe feststellen müssen und es ist eigentlich auch heute noch so, dass ich wirklich gerne
- 8:34Partner habe, mit denen ich zusammen arbeite, die einfach diese Struktur mitbringen.
- 8:39Also insofern nehme ich das Kompliment, aber es ist wunderbar, aber es spricht nicht so
- 8:48ganz der Wahrheit.
- 8:49Dann kann ich es vielleicht über die Akribie definieren, dass du Sachen sehr tiefsinnig
- 8:55betrachtest oder angehst oder auch, ich habe dich ja mit den Gläsern seiner Zeit betrauen
- 9:01dürfen, wie intensiv du diese Gläser durchgespielt hast.
- 9:05Wie du gesagt hast, dem Wein würde ich da herausprobieren und dort, aber dort ist er
- 9:09ganz anders.
- 9:10Es sind so Feinsinnigkeiten, die man sich bei vielen Zommeläges oder Zommeläern wünscht,
- 9:17aber die weniger an den Tag legen.
- 9:19Also kennengelernt habe ich dich ja damals über dein Restaurant, über Fischers Weingenussentafel
- 9:25freuten.
- 9:26Wie kam es eigentlich zu dem Namen?
- 9:27Gibt es da eine Geschichte zu oder einfach Weingenussentafel freuten?
- 9:30Es gibt überall Geschichten dazu.
- 9:33Also das war die Zeit, als man die Namen nahm und einfach einen Apostoph drangesetzt hat,
- 9:39Müller, Meyers, Müllers, Fischers und so weiter.
- 9:43Fischer ist ja jetzt nicht ein Name, der so ganz besonders ist und hat sehr wenig mit
- 9:49Wein und Speisen zu tun.
- 9:50Und wir haben hierin, ich erinnere das noch sehr gut, mit meinen damaligen besten Freunden
- 9:56und meinen Schwiegereltern.
- 9:58Ein wunderbaren Abend gehabt im November und haben, ich glaube, es war eine 6,5 Kilo ganz
- 10:04gebraten, die ausgesprochen viel Fett verloren hat, aber ganz bestlich war und haben uns
- 10:11den Namen überlegt und da kam eine ganze Menge raus.
- 10:14Aber de facto ging es damals schon los mit Riesling oder Weinstein, also diesen Begriffen,
- 10:23die irgendwie Wein impliziert haben, was mir aber nicht gereicht hat.
- 10:27Also ich wollte die Tafelfreuden einfach mit in den Namen bringen.
- 10:32Und das ist im Grunde ein Wortspiel, was im Laufe der Wochenmonate zusammengekommen ist
- 10:39und entstanden ist.
- 10:41Aber und zwar nach diesem Abend ganz klar, dass der Wein noch alle spielen musste, aber
- 10:47genauso auch das Essen da noch alle spielen musste.
- 10:49Wo stand zu diesem Zeitpunkt Köln im Verhältnis zu Wein?
- 10:56Ich glaube, das waren nicht so unbedingt die besten Freunde, oder?
- 10:59Köln ist bekannt als Bierstadt.
- 11:02Und das ist es heute noch, eine wunderbare Bierstadt mit wunderbaren Menschen, die alle
- 11:09ziemlich genussfreudig sind und sowohl Bier als auch Wein können.
- 11:13Aber damals war es gab Gastronomie, natürlich gab es Gastronomie, es gab besternte Gastronomie.
- 11:20Also wir waren sogar in Sachen zwei Sterne unterwegs, der goldene Flug damals.
- 11:25Ja, drei Sterne sogar, ne?
- 11:27Ich war das erste drei Sterne Restaurant.
- 11:29Ich bin mir nicht mehr so ganz sicher, ich möchte nichts Falsches sagen, aber mag sein.
- 11:33Ich glaube, dass du es vielleicht besser weißt, wie auch immer.
- 11:35Man servierte dort ein Konsumee, also eine richtig gute doppelte Rinderbrühe mit Blattgold
- 11:41und Trüffeln und sowas.
- 11:43Also und das kostete damals unsagbar viele hundert Mark oder sowas oder 95 Mark.
- 11:49Es gab Rino Cassati, verinnerst dich vielleicht auch noch und es gab Racke Silberstein, also
- 11:54es gab Sterne Restaurants in Köln.
- 11:57Aber es gab überhaupt keine mittelständige Gastronomie, die in Sachen Wein und gutem
- 12:04Essen, also ich sag mal so unter einem Sterne Niveau unterwegs war, so 15, 16 Punkte.
- 12:09Das war selten.
- 12:11Es war in der Mitte eigentlich gar nichts zu finden.
- 12:14Es gab dann erst wieder die Brauerei Kultur.
- 12:16Und insofern ist es einfach so gewesen, dass ich durch meinen Aufenthalt in England, in
- 12:24London ganz viele Möglichkeiten kennenlernen durfte, die mit Weintrinken zu tun hatten,
- 12:30und das war ein unkompliziertem Weingenuss damals, also aus unserer damaligen Sicht,
- 12:34das ist jetzt auch schon ein paar Tage her.
- 12:36Und mich entschlossen hat, dass man Wein einfach auch anders servieren können müsste
- 12:41als in einem Sterne Restaurant mit diesem ganzen Zirkus, der einfach in dieser wunderbaren
- 12:48Sterne Gastronomie mit dabei ist.
- 12:50Also mit Lachen und mit Freude und mit Austausch und das war eigentlich das Ziel und das bin
- 12:58ich damals angegangen.
- 12:59Und wir hatten eine offene Küche.
- 13:01Das war ganz großartig, weil man als Service-Mensch zuschauen konnte, wie unsere Kollegen die
- 13:09Köche arbeiten.
- 13:10Man merkte, wenn die Stress haben, umgekehrt konnten, aber auch die Köche uns beobachten
- 13:15und sahen das umgekehrt genauso.
- 13:17Und was für noch viel besser war, sie waren nicht hinter irgendeiner Tür verschankt,
- 13:22sondern sie konnten die Gäste sehen.
- 13:24Und wenn sich dann ein Tisch einfach umgedreht hat oder die Anwesenden, die am Tisch saßen
- 13:28und haben dann mal den Finger gehoben und haben die Küche gegrinst, dann ist das ein
- 13:33Lob, was so mancher Küchenchef selten direkt vom Gast bekommt oder bekommen hatte zu der
- 13:39Zeit.
- 13:40Und das hat unserem Konzept ganz, ganz, ganz arg geholfen, dass wir vom Service her und
- 13:47von der Küche her untereinander mehr Respekt voreinander bekommen haben vor unserer Tätigkeit.
- 13:52Es hat mir geholfen, in die Töpfe zu gucken, im wahrsten Sinne des Wortes, also mir das
- 13:58Kochwissen anzueignen, die ganzen Lebensmittelkenntnisse.
- 14:01Und wir haben unsere Köche vom Wein überzeugen können, die vorher ganz Klavieraffin waren.
- 14:07Das ist ja auch eher in der Tat selten, dass ein Koch eine gewisse Weinaffinität hat.
- 14:12Also jeder, der außenstehende denkt, es gehöre zusammen.
- 14:15Aber ich kenne vielleicht eine Handvoll Köche, die Verständnis um Wein haben.
- 14:20Das soll nicht despektierlich gegen Köchengemeins sein oder Köchen gegenüber gemeins sein, sondern
- 14:25es ist manchmal so bedauerlich, dass wir natürlich ganz viel Freude am Essen, am Genießen
- 14:30haben.
- 14:31Aber umgedreht finden wir unsere Leidenschaft ganz selten in der Weisenshumpf gespiegelt.
- 14:37Daher hast du da, glaube ich, auch ganz viele Türen geöffnet oder eben auch dieses Bewusstsein
- 14:42bei auch vielen Köchen geöffnet, dass das sehr gut zueinander gehört.
- 14:47Darf ich fragen, wo das bei dir anfing?
- 14:49Bist du ein Gastruckkind?
- 14:50Also bist du in einer Gastronomie groß geworden?
- 14:52Ja, also ich bin, sagen wir so, also Wein und Speisen hat bei uns zu Hause eine Rolle gespielt.
- 15:00Aber es war nicht so, dass meine Eltern sich genau überlegt haben, was sie zu welchem
- 15:04Wein jetzt unbedingt essen wollen.
- 15:06Kenngelernt habe ich das eigentlich erst in England und in meinem Werdegang.
- 15:15Also ich musste zeitlebens irgendwie immer jobben, weil ich mit dem Azubi-Gehalt nicht
- 15:20so ganz zufrieden war und gerne essen ging.
- 15:23Da muss man einfach ein bisschen Kleingeld haben.
- 15:25Man muss sich das erwirtschaften und es hat mir nicht geschadet, also viele kleine Restaurants
- 15:29von innen kennenzulernen und auch die Art und Weise, wie die arbeiten.
- 15:33Und das kam und auf das Thema Wein und Speisen, das war mir dann schon klar, weil man zum Beispiel
- 15:41Roger Souverain hatte damals ein Restaurant in Belgien, in Scholzeshof, die hatten auch
- 15:45nur offene Küche.
- 15:46Es war so ein bisschen unser Vorbild.
- 15:47Da gab es ein Weinmenü zu dem Menü, das habe ich das erste Mal dort kennenlernen dürfen.
- 15:55Und das passte dann zum Essen.
- 15:57Das heißt, ich wusste schon, dass es Situationen gab, dass Wein und Speisen sich perfekt ergänzen
- 16:03können.
- 16:04Ich wusste aber nicht, warum.
- 16:05Das braucht da einfach ein paar Jahre, weil für einen jungen Menschen ist das, ich sage
- 16:12mal, ein großes Wollknall, was vor einem liegt und man weiß nicht genau, wo der Anfang
- 16:16ist und wo das Ende ist und wie kommt man da jetzt dran und wie kommt man an das Wissen
- 16:20dran.
- 16:21Und es gab zu der Zeit auch einfach noch nicht so viel sommelierschulen, um genau zu sein.
- 16:25Es gab gar keine.
- 16:27All das fing später an.
- 16:30Und so eines meiner Lieblingsbeispiele ist, als ich hier in Köln war und auf irgendeiner
- 16:36Rejocha-Probe, wie damals zwischen den Teildienst oder in der Teildienstpause stattfanden, also
- 16:43zwischen dem Mittagsservice und dem Abendservice, dann weiß man, dass man dann zwei Stunden
- 16:49Zeit hat und dann wurden, ich glaube, 20 Rejocha-Weine serviert und man musste die probieren
- 16:56und dann saß ich schon mal Pan gegenüber und der roch an den Wein, der probierte die
- 17:02Weine und spuckte sie wieder aus.
- 17:05Und dann habe ich gedacht, okay, da muss was dran sein, weil ich habe die Weine nicht
- 17:11ausgespuckt.
- 17:12Ich habe mich damals ehrlich gesagt nicht getraut.
- 17:14Und das hatte dann zur Folge, dass ich zum Abendservice so ein bisschen mit einem leichten
- 17:19Schwips gekommen bin.
- 17:20Und da wusste ich, dass ich Spucken lernen muss, um in dieser Branche weiter vorwärts
- 17:26zu kommen.
- 17:27Also das sind so ganz essentielle Dinge, die man heute natürlich sofort beibereckt bekommt
- 17:32als junger Mensch.
- 17:33Und das Wein lernen hatte immer ganz essentiell mit Spucken auch zu tun.
- 17:38Das war damals nicht ganz so üblich.
- 17:40Das zeigt vielleicht auch so ein wenig, wie rudimentär du letztlich dann auch begonnen
- 17:49hast oder wie weit unten man damals anfangen musste.
- 17:53Also Sachen, die man heute entweder aus dem Fernsehen, aus dem Medien oder von Kollegen
- 17:58vermittelt bekommt, gab es damals ja noch nicht.
- 18:00Also das war ja ein ganz, ganz neues Feld, was du dann bespielt hast.
- 18:04Oder dass es eben auch nur eine Person in einem Lokal gibt, die den Wein aussucht, den empfiehlt,
- 18:13darüber kommuniziert.
- 18:14Die Gäste berät, das war in Deutschland ja fast undenkbar, außer jetzt bei den Riesenrestaurants,
- 18:21wie eben den benackten goldenen Flug oder später Aubergine etc. in der normalen Gastronomie
- 18:27und denkbar.
- 18:28Und somit hat man ja auch gar nicht die Möglichkeit gehabt, dass man eine eigene Idee oder eine
- 18:34eigene Philosophie darum aufbaut.
- 18:36Wann hat das bei dir angefangen, dass du dich dann richtig intensiv mit Wein beschäftigst?
- 18:41War das in England?
- 18:42Warst du für die Gastronomie in England oder wie hat es dich nach England getragen?
- 18:46Ja, ich habe Sprache lernen, Sylvium, ich musste die Sprache lernen.
- 18:50Und in der Schule war ich immer ein bisschen faul und mir war schon klar, dass ich Englisch
- 18:56lernen müsste, um überhaupt weiterzukommen.
- 18:58Und Französisch stand auch auf meinem Speckzettel.
- 19:01Aber lange Rede, kurzer Sinn.
- 19:02Die springen jetzt gerade nochmal die Zeit zurück.
- 19:04Das war, als wir Fischers Weinges und Tafelfreuden eröffnet haben, es war Mitteende der 80er
- 19:10Jahre.
- 19:11Das ist der 80er Jahre, so früh.
- 19:14Das hatte ich ja auch in Schirm.
- 19:15Der 90er Jahr.
- 19:16Als ich nach Köln kam aus England, das war Mitteende der 80er Jahre und dort fing das
- 19:22an, dass ich die erste Weinkarte machen musste.
- 19:24Dort war ich angestellt.
- 19:25Und da war es wirklich, wie du sagst, dass nur die Sternerestaurants einfach auf die
- 19:31Sternerestaurants, einfach Sommeljes hatten, die gearbeitet haben.
- 19:35Und bei uns war es dann so, dass wir langsam anfingen, um uns um den Wein zu kümmern.
- 19:41Also das war im Grunde die Geschichte.
- 19:43Und dann zehn Jahre weiter Mitte der 90er Jahre, Mitteende der 90er Jahre war es eben
- 19:51so, dass man versucht hat, das ganze Team für den Wein zu interessieren.
- 19:56Das war zum Beispiel etwas, was ich auch in der Sterne Gastronomie kennengelernt hatte,
- 20:01dass man eine Servicebesprechung macht und dass man vorher darüber redet, welche Weine
- 20:05empfohlen werden sollen und welche Weine auf der Karte sind.
- 20:09Also dass man einfach dieses Thema Produktkenntnis weiterspielt.
- 20:13Und der Küchenchef hat immer erzählt, was es halt zu kochen gibt, zu essen gibt.
- 20:17Und das, denke ich, sind ganz wichtige Faktoren, die junge Leute, Serviceleute wissen müssen,
- 20:23wenn sie auf den Kunden zugehen.
- 20:25Wichtig ist das Ziel ist eigentlich die Augenhöhe mit dem Gast.
- 20:29Also mit dem Gast unterhalten zu können und auf einer gewissen Augenhöhe und einfach
- 20:35etwas vermitteln zu können.
- 20:36Und dazu muss man wissen, worum es geht.
- 20:39Hattest du in dem Zeitpunkt Vorbilder?
- 20:44Also du bist da ja schon sehr oder wirkst sehr zielstrebig oder als hättest du ein Ziel,
- 20:51eine Vorstellung, eine Vision, bist du jemanden nachgeeifert?
- 20:56Also hatte ich jemand geprägt oder ist das Eigeninitiativ entstanden?
- 21:01So, es gab natürlich Menschen, die mich geprägt haben.
- 21:05Auf der einen Seite waren das die Winzer, die damals unterwegs waren.
- 21:09Da fällt mir sofort Bernhard Breuer ein, der einer meiner echten Protégés war, der
- 21:14mir total geholfen hat und mich unterstützt hat.
- 21:18Der überhaupt die Gastronomie in Deutschland zu der Zeit extremst unterstützt hat.
- 21:22Der immer auch im Ausland war, das heißt der wusste wie in anderen Ländern der Wein
- 21:28serviert wird.
- 21:29Der in allen möglichen Arten von Gastronomie unterwegs war und auch genau wusste was
- 21:35gut war.
- 21:36Und das war eine große Hilfe.
- 21:37Ich erinnere mich an ein schönes Anekdötchen von Stotten, der gesagt hat.
- 21:41Eigentlich haben die Winzer von den Gastronomen gelernt, dass sie andere Weine machen müssen.
- 21:47Und das war super interessant.
- 21:49Ja genau, weil damals wurden ja in Deutschland französische Weine vornehmlich in den Gastronomien
- 21:56serviert, auch in der Sternekastronomie, die ja meist im Süden lag, also angrenzend
- 22:01zur französischen Grenze.
- 22:03Und wenn man ein bestimmtes Gericht hatte, wie zum Beispiel irgendetwas mit einer Beur
- 22:09Blanc, also ein gebratenes Fischfilet mit einer Beur Blanc, da ging man in den Keller und
- 22:13holte Schassanemonrasche, Pönimonrasche und man konnte damals keine riesigen großen
- 22:19Gewächse servieren, weil die gab es noch nicht und keine Burgunder, die man auschecken
- 22:23konnte.
- 22:24Also Riesling war zu der Zeit süß oder sauer und das hat sich verändert.
- 22:28Also insofern war das auf Winzer Seite ganz wichtig, dass die Winzer, die heute schon lange
- 22:34dabei sind wie Paul Füst zum Beispiel, wie Werner Knipser, die einfach großen Erfahrungsschatz
- 22:40aufweisen konnten, dass die uns junge Leute geprägt haben.
- 22:43Und auf der anderen Seite waren es natürlich die Sommelier, die in anderen Betrieben gearbeitet
- 22:48haben und zu denen man dann ja wirklich so ein bisschen aufgeschaut hat.
- 22:53Ein Beispiel natürlich, Paula Bosch, ganz klar, die erste Sommelier, die sich wirklich in
- 22:58unserem Beruf so breit gemacht hat auf eine positive Art und Weise und sich einen Namen
- 23:03erarbeitet hat, aber dann auch Jungs wie Bern Kreis zum Beispiel in Stuttgart oder Hans
- 23:10Henning-Burgelsch fällt mir ein, Hamburg ist in der Handel tätig, aber das sind echte
- 23:15Korrifhen, was das Weinwissen angeht und die sind null aufgeblasen oder wichtig tourisch,
- 23:23sondern die haben einfach das Handwerkszeug und haben das Stück für Stück erlernt und
- 23:28das waren immer Herrschaften, von denen man ja immer noch was mitnehmen konnte.
- 23:33Und das hat mich geprägt.
- 23:35Und die Organisations, das Wissen um die Organisation habe ich im Hotel gelernt.
- 23:41Wenn man weiß, wie Veranstaltungen organisiert werden und die bis ins kleinste Detail schon
- 23:47mal organisieren musste, dann weiß man, was alles schiefgehen kann.
- 23:52Und das versucht man einfach zu umgehen.
- 23:55Das ist ganz, ganz simpel die ganze Geschichte.
- 23:57Braucht einfach nur ein bisschen Zeit.
- 23:59Was ich bei dir sehr bewundernswert fand und was für mich auch mal ein ganz großes Vorbild
- 24:05war, was ich Anfang der 2000er kennenlernen durfte und sich aber über die Jahre getragen
- 24:13hat, dass du auf der einen Seite und das vergessen viele in einer sehr treue Seele bist, Winzern
- 24:19gegenüber, also jetzt um im Bezug auf Winzern zu sprechen.
- 24:24Also bei dir stehen viele Winzer ganz, ganz weit oben auf der Hitlist und das aber nicht
- 24:28nur für ein Monat oder ein halbes Jahr bis eben der nächste High End Winzer kommt.
- 24:34Du hast gerade Breuer und Knips genannt, aber eben auch, du liebst auch eine sehr enge
- 24:39Freundschaft zu Rebhölzern und so weiter.
- 24:45Also es sind immer ganz viele mehr über das eigentliche Geschäftsverhältnis hinausgehende
- 24:51Verbindung zu dem Winzern.
- 24:53Liebst du da auch dieses Geben und Nehmen?
- 24:55Bist du aber trotzdem offen für neue Winzer und hast da ganz viele gefördert und gefordert.
- 25:01Aber was ich eben toll fand war, du hast deine Winzer niemals außer Acht gelassen oder
- 25:07fallen lassen und diesen Brückenschlag, den kriegen wenige hin.
- 25:10Das finde ich ganz toll.
- 25:13Was ich bei dir auch noch toll fand, du hast weit über deine eigene, oder deine eigene
- 25:19Tätigkeit hinaus gedacht und hast ja großartige, das sind ja schon Standardwerke verfasst, sei
- 25:27es dein Riesling Buch, sei es dein Wein und Speisen Buch und den Sprung geschafft, was
- 25:33viele versuchen, aber kaum jemand geschafft hat, du bist ins Fernsehen gekommen.
- 25:38Koch du, Elva, glaube ich, ein ganz prägener Punkt bei dir, oder?
- 25:42Ja, hohes Glück würde ich jetzt mal sagen.
- 25:45Glück?
- 25:46Ja, ich glaube schon, es war einfach eine gute Situation, es war eine gute Zeit und
- 25:50fällt mir ein Satz von Bernhard Breuer dazu ein, den ich bei solchen Sachen noch immer
- 25:56konsultiert habe und gesagt habe, soll man das machen?
- 26:00Macht das überhaupt Sinn?
- 26:01Koch-Duell, also die haben mich da gefragt, oder der Markus hat mich, Markus Delmonego
- 26:07fragte mich, ob ich mit zum Casting gehen wollte und habe ich mir natürlich Gedanken
- 26:12gemacht, ob das Sinn machen würde.
- 26:14Und der Bernhard Breuer hat gesagt, doch, du musst alles ausprobieren und wenn du das
- 26:18gerne machst und es gut machst, dann kannst du es weitermachen, dann wird es in deinen
- 26:22Reporter einfließen und du lernst immer nur dazu.
- 26:26Recht hat er gehabt, ich denke, dass man auch in den Jahren zwischen 25 und 40 so viel
- 26:33Kraft hat, dass man einfach viel mehr angeht, sich viel weniger Gedanken macht und das
- 26:39Fernsehen war natürlich damals, das haben wir schon alle sofort gemerkt an den Köchelsendungen,
- 26:44das war Multiplikator hochziehen und das war mir auch sofort klar.
- 26:48Aber ich habe nicht damit gerechnet, weil wie gesagt, Markus Delmonego fragte mich,
- 26:52ob ich zum Casting inbegleiten würde, was ich gerne gemacht habe und auch da habe ich
- 27:00gedacht, was passiert da heute, dass ich irgendwie was sagen musste, war mir klar, mir war klar,
- 27:07dass ich irgendwie meine Handwerk mit einbringen wollte, weil nur reden können viele, aber
- 27:15das Handwerk gehört eben dazu.
- 27:17Und dann habe ich mich entschlossen, voller Sorge und voller Erfurcht einfach ein paar
- 27:21Flaschen Wein mitzunehmen, ein paar Gläser mitzunehmen und die gleiche Situation, die
- 27:27im Restaurant herrscht am Tisch, damals in unserem Fischersweinen genussene Tafel freut
- 27:31und das habe ich einfach nachgespielt.
- 27:33Und ich glaube, es waren damals alle oder fast alle Someliers Deutschlands am Start
- 27:39und haben einen Casting absolviert und es machte peng und ich hatte den Job.
- 27:44Ich war die einzige, die erst war wirklich Wahnsinn und ich habe überhaupt nicht erfassen
- 27:49können, was da passiert.
- 27:51Meine erste Sendung war mit Frank Buchholz und Alexander Herrmann, da ist mir das Herz
- 27:56dann noch mehr in die Hose gerutscht und die Sendung spielte sich folgendermaßen ab,
- 28:01das einfach 20 Minuten man Zeit hatte, einen Wein auszusuchen und die Köche in dieser
- 28:07Zeit diese Gerichte kochten und wenn man gut zugehört hatte zu Beginn, dann wusste man,
- 28:13dass sie kochen und wir hatten hinten einen Weinsweinschrank, wir hatten einen Rotweinschrank
- 28:17und ein kleines Buchegal, in welchem zum Beispiel das Oxford Weinlexikon stand, weil
- 28:22Handys gab es damals noch nicht.
- 28:24Und wenn du irgendeine Geschichte über ein bestimmtes Fass erzählen wolltest, wie
- 28:31viel Liter das faste und wie es getoastet wird und wie es hergestellt wird, dann ist
- 28:36man in diesen 20 Minuten nach hinten gelaufen, hat sich überlegt, welchen Wein man präsentieren
- 28:42möchte und hat das dann nachgelesen im Oxford Weinlexikon oder zum Beispiel die Begebenheiten
- 28:49über die Anbaugebiete wie viel Hektar und so weiter und so weiter.
- 28:53Also das war schon ernsthafte Arbeit, also ich habe so relativ spielerisch in meiner Arbeitszeit
- 28:59den Anführungszeichen sehr viel gelernt und es hat mir einfach geholfen, sehr flexibel
- 29:06zu werden, was Moderation angeht, auf Situationen sehr schnell reagieren zu können und das
- 29:13ist glaube ich fast fünf Jahre, fünf oder sechs Jahre gelaufen, also mit den Köchen
- 29:17noch viel länger, weil die haben eher angefangen, wir sommerliess kamen später dazu und es
- 29:22war natürlich, es wäre einfach großartig, weil wir dann ab sofort auch jeden Tag ein
- 29:27volles Restaurant hatten, mittags wir haben es und das wiederum, halb uns sehr viel
- 29:34Wein verkaufen zu können, weil Wein wurde damals noch ein bisschen anders als heute
- 29:38verkauft, wir waren eines der ersten Restaurants, welches Glasweißer ausgeschenkt hat, also
- 29:45auch das habe ich bei Roger Souvera im Scholteshof das erste Mal erlebt und wir haben 0,15
- 29:51ausgeschenkt, zu meiner Zeit eigentlich erlaubt das Maß, was kein Eichmaß ist, das glaube
- 29:58ich auch heute noch so und ich habe auch mal eine Strafe, deswegen bekommen musste mal
- 30:03eine ganze Weinkarte umschreiben, doch ernsthaft und habe das auch getan und habe ein paar
- 30:10Monate gewartet und habe es dann wieder gemacht, warum?
- 30:150,1 ist ein kleiner Schluck, das Glas ist wirklich so seicht bedeckt und 0,2 ist ein
- 30:23Glas, was einfach viel zu gut gefüllt ist und 0,15 liegt genau in der Mitte, es reicht,
- 30:30wenn man davon zwei, drei Gläser am Abend trinkt oder vielleicht auch nur zwei, wenn
- 30:35man Auto fahren muss und wenn man eine Flasche 0,75 durch 5 teilt, dann ist es so, dass man
- 30:41genau fünf Gläser aus dieser Flasche herausbekommt und das ist natürlich auch rein rechnerisch,
- 30:48super interessant für den Gastronom, einfach um das nachvollziehen zu können und so haben
- 30:53wir dieses Maß genutzt und haben unglaublich viele Weine Glasweißer ausgeschenkt und
- 30:58durch die vielen Gäste, durch die Quantität der Gäste, war uns möglich auch Qualität
- 31:04im Restaurant zu servieren, weil wir uns jetzt sicher waren, dass wir die Weine auch verkaufen
- 31:08würden.
- 31:09Plus ein weiterer Zusatzeffekt, all die Mitarbeiter, die bei uns gearbeitet haben und die jungen
- 31:15Sommeliers, die auf den Sommelierschulen in Koblenz unterwegs waren zum Beispiel,
- 31:20die konnten in ihrer Arbeitszeit extrem viele Weine verkosten und konnten so relativ spielerisch
- 31:27trainieren.
- 31:28Das war ein Effekt, der sowohl auf die Gäste ausgestrahlt hat als auch rückwärts in
- 31:34die Mitarbeiter.
- 31:35Also, nebendessen, dass es bestimmt eine positive wirtschaftliche Nebenerscheinung dabei gibt,
- 31:44war es natürlich auch wahnsinnig anstrengend.
- 31:46Das war ja eine Sendung für alle, die ein bisschen jünger sind, das nicht mehr kennen,
- 31:50das lief zu dem Sendeplatz, wo heute, glaube ich, oh Gott, wie ist das, wenn ein perfektes
- 31:54Dinner läuft, also auf Wox um 19 Uhr, 18.00 Uhr und 19.00 Uhr.
- 31:59Und das war ja über eine lange Zeit, über fünf, sechs, sieben Jahre die Kochsendung,
- 32:04fast auch die einzige Kochsendung.
- 32:06Und ihr wart damit so mit die prominentesten kulinarischen Menschen im deutschen Fernsehen,
- 32:13die neben Biolack dann irgendwie wahrgenommen wurden.
- 32:16Was hat das mit dir gemacht?
- 32:18Also, ist sowas eher Freude oder Leid?
- 32:20Das wäre ich denke, wenn du in Köln auf der Straße umhergeschlendert bist, dann gab es
- 32:27nicht wenige, die dir ein leichtes Halluzug geworfen haben, oder?
- 32:31Das ist ja nicht immer ein Geschenk, oder?
- 32:33Das stimmt.
- 32:34Aber so stimmt was.
- 32:36Also, ich würde jetzt nicht behaupten, dass ich ein echter Promi war.
- 32:39Ich habe zeitweise auch Autogrammkarten gehabt.
- 32:42Das war ein ganz komisches Gefühl, Silvio, Autogrammkarten zu haben.
- 32:46Das ist schon ein bisschen verrückt, aber die wurden in der Tat auch angefordert.
- 32:52Und da wir immer Publikum hatten, auch verteilt.
- 32:55Man hat sie dann gebraucht und hat sie als Visitenkarte abgegeben.
- 32:59Und das war in Ordnung.
- 33:00Aber manchmal passiert es mir heute noch.
- 33:03Jetzt bei der Mainzer Weinbörse hat mich jemand angesprochen.
- 33:06Und das ist dann ganz witzig, weil das wirklich jetzt schon so lange her ist, dass man immer
- 33:11noch erkannt wird, weil diese Leute, die waren damals, die müssen relativ jung gewesen
- 33:15sein, als sie das geschaut haben.
- 33:18Und es hat mit mir Folgendes gemacht, dass ich wirklich erkannt habe, man muss relativ
- 33:27zügig an dem, was die Köche kochen, erkennen können, welchen Wein man serviert.
- 33:32Das heißt, mir war schlagartig klar, dass ich mein Weinwissen insofern erweitern musste
- 33:38auf die Produktkenntnis in der Küche, um dem Küchenchef oder den Jungs in der Küche
- 33:45sagen zu können, was ich denn jetzt genau von ihnen brauche, um den Wein zu dem Food
- 33:51parenten zu können.
- 33:53Wenn man das Thema bei Licht betrachtet, ist es so, dass die Weinflasche abgefüllt
- 33:57ist.
- 33:58Der Wein ist so, wie er ist.
- 33:59Den kann man nicht mehr verändern.
- 34:01Aber der Koch oder der Küchenchef oder das Küchenteam hat immer die Möglichkeit,
- 34:06die Speise auf den Wein zu zu kochen.
- 34:09Also eigentlich, ja, es ist eigentlich der perfekte Ansatz.
- 34:13Im Grunde müsste es so funktionieren, dass man sich den Wein aussucht und dass man dann
- 34:18im Grunde dazu das Essen bestellt.
- 34:21Und das ist natürlich genau der umgekehrte Weg, der heute stattfindet.
- 34:25Meistens bestellt man das Essen und sucht dann den Wein aus.
- 34:27Und das bringt dann so manch einen Gast an den Rande des Wahns, speziell in der heutigen
- 34:33Zeit.
- 34:34Also bei uns war es einfach so, dass man wirklich die Komponenten, Soße, Beilagen,
- 34:40Gemüse, Kartoffeln, Pasta, was es sonst so gab und einfach Proteine, sprich Fleisch oder
- 34:47Fisch, dass das auf einem Teller war und dass die Soße eigentlich die einzelnen Bestandteile
- 34:51verbunden hat.
- 34:52Die Soße ist ja die Seele eines Gerichtes.
- 34:56Und wenn man heute manche Speisen anschaut oder probiert, die wirklich köstlich sind,
- 35:02dann hat man ganze Landschaften auf dem Teller liegen.
- 35:04Und das ist dann manchmal extrem schwierig, einen Wein zu einer Speise zu kombinieren,
- 35:11weil ich sage jetzt mal, das fängt auf der einen Seite an und hört relativ kräftig
- 35:16auf der anderen Seite auf.
- 35:17Und dann werden physikalische Aspekte genutzt.
- 35:21Also man denke nur an die ganze Molekulaküche.
- 35:23Ich denke, dass wir es damals mit dem Einstieg deutlich einfacher hatten, als das heute der
- 35:28Fall ist.
- 35:29Einfach schon, aber dadurch, dass ihr ja Wegbereiter wart, hattet ihr es auch nicht einfach, weil
- 35:36ihr natürlich Dinge komplett neu definieren und vieles, was heute vorgegeben ist, ja komplett
- 35:42neu fundieren musstet.
- 35:43Also ihr wusstet ja nicht, was richtig und was falsch ist und was gefragt ist oder
- 35:47ob die Gäste auch, die ja heute viel bewandert da sind, ob die so weit mitgehen und muss
- 35:51viel Überzeugungsarbeit.
- 35:52Ich will da jetzt gar nicht mit dem deutschen Rotwein anfangen, der damals ein absolutes
- 36:00Neben-Schauschplatz war oder jetzt Riesling-Kabinett, also Riesling mit Fruchtzüßes, das war ja
- 36:05gerade in der Zeit immens verpönt, obwohl das so geniale Speisebegleiter seid.
- 36:09Also ihr wart ja ständig am Kämpfen und am Renovieren und am Überzeugen und auch
- 36:14manchmal gegen die Vorstellung der Gäste reden.
- 36:16Ihr braucht trotzdem diese höfliche Überzeugungskraft, jemanden in seinem Geschmack zu bestätigen,
- 36:23aber trotzdem neu zu definieren, was ja auch nicht so einfach ist.
- 36:27Ja, ja, ich glaube zum ersten Teil der Frage würde ich sagen, das wechselt ständig, weil
- 36:33du kannst nie auf deinem Wein wissen und dann Food-Pairing-Wissen stehen bleiben, weil
- 36:37auf einmal gibt es Natural-Wines und Orange-Wines und was passiert denn dann?
- 36:42Wie werden die denn einsortiert in das ganze Thema und sind auch Weintypen?
- 36:47Also man muss immer dazulernen und wenn ich heute Wein- und Speisenseminare gebe, zum
- 36:55Beispiel an den Hochschulen, da habe ich Winzer vor mir sitzen, dann ist es eigentlich immer
- 37:00so, dass ich versuche auch die Nettrolls und die Orange-Wine einzubinden und auch süße
- 37:05Wein, restsüße Weine oder auch Schaumweine einzubinden, weil das immer so ein bisschen
- 37:09die Stiefkinder sind, die so am Rande liegen bleiben.
- 37:13Also natürlich mussten wir damals anfangen, aber ich glaube, wenn sich jemand mit Wein-
- 37:19und Speisen abgibt, dann muss er eigentlich ständig irgendwo unterwegs sein und er muss
- 37:25auch ein Febel fürs Kochen haben und er muss, es tut mir leid, aber er muss auch ein paar
- 37:29Lebensmitteltechnische, also chemische Hintergründe haben und ohne die geht es nicht, hat man
- 37:35keine Chance.
- 37:36Man muss schon wissen, was wie reagiert und warum es so reagiert.
- 37:41Darf ich darauf vielleicht nochmal nachher ganz intensiv eingehen, weil da gibt es ja
- 37:46glaube ich kaum so kompetente Ansprechpartner wie dich, die sich so intensiv damit auseinander
- 37:52gesetzt haben.
- 37:53Was mich noch interessieren würde, du hast ja den damaligen Gruben vom Kochtuell durchaus
- 37:58verstehen und greifen können.
- 38:00Das heißt, wahrscheinlich wurdest du am Anfang davon überwältigt oder überrollt, aber
- 38:05du hast dir dann diese Not zu Tugend gemacht und hast verstanden, dass die Leute interessiert
- 38:09sind, dass Wein mehr als eine Restaurantbegleitung, sondern auch Entertainment sein kann und
- 38:14hast ja damals eine Agentur ins Leben gerufen oder hast angefangen zu moderieren, hast
- 38:21angefangen Wein zu präsentieren und wurdest dort schon auch so ein kleiner Weinstar oder
- 38:29so ein Weinpopstar ähnlich mit Zommi-Konsult oder mit Markus zusammen.
- 38:36Das war ja glaube ich auch ein ganz großer Meilenstein deiner persönlichen Karriere.
- 38:39Ja, es war eigentlich das zu der Zeit, Markus Delmoniego übrigens auch eins meiner Vorbilder,
- 38:45der in seinem Kopf eine wahre Weinbibliothek trägt.
- 38:51Damals natürlich noch die eher die francophile Weinwelt in und auswendig kennt und wirklich
- 38:57überall Bescheid wusste, seinen Master of Wine dann auch gemacht hat, dass der natürlich
- 39:02sehr viele Anfragen hatte für Moderationen, aber eher so der ernsthaften Art und Weise.
- 39:09Der war gefragt als Bordeaux, Fachmann und konnte Auskunft geben und wusste wirklich
- 39:14alles über die Weine dieser Welt.
- 39:16Und auf der anderen Seite bei mir war es genau wie du es gesagt hast, ein bisschen mehr auf
- 39:22dem Thema Entertainment fundiert, was natürlich auch mit der Sendung kochtduell zu tun hatte,
- 39:29weil ich relativ schnell lernen musste, zügig zu reagieren und die Weine auszusuchen zu
- 39:37der Speise und sich die Köche hinterher in Spaß gemacht haben, zum Beispiel Frank Buchholz.
- 39:42Der hat dann einfach irgendwann Mitte der Sendung eine kleine Chili-Schote in die Luft
- 39:46gehalten, in die Kamera und hat gesagt, Christina, guck mal hier, was ich in der Hand habe,
- 39:50da musste ich dich jetzt mal ganz schnell darum kümmern und dann saß ich hinten, ich hatte
- 39:54ein Monitor, das heißt ich konnte mit einem Augen mit einem Ohr die Sendung verfolgen
- 39:58und da ist mir das Herz in die Hose gerutscht, weil ich jetzt sage ich mal irgendwas Trockenes
- 40:03ausgesucht hatte, was überhaupt keine Schärfe vertragen konnte und dann musste ich mich nochmal
- 40:08umorganisieren und die Jungs haben sich riesen Spaß daraus gemacht, weil sie auch wussten,
- 40:13wie genau und fundiert ich das Versuche auszusuchen und das war dann für mich, dass ich das
- 40:20schon manchmal schwierig war, aber wir haben dann immer herzlich gelacht und ich konnte
- 40:25natürlich auch wieder ein Thema in meinem Take auf diese Sache einzugehen und zu sagen,
- 40:30ich habe jetzt blitzschnell gewechselt, weil ABCDE und das war dann ganz lustig.
- 40:35Also insofern habe ich schon gelernt, dass dieses Entertainment gut zu nutzen ist und
- 40:43ich verrate jetzt mal ein Geheimnis Silvio, ich habe mal eine Stelle oder sagen wir so,
- 40:50ich hatte, konnte eine Stellung in einem Sternerestaurant, an einem sehr bekannten Sternerestaurant
- 40:54nicht weiterführen, weil mir von Chefseite beschieden wurde, dass ich zu laut lache im
- 41:00Restaurant und doch und als junger Mensch habe ich, da habe ich mir schwer Vorwürfe gemacht
- 41:07und irgendwann habe ich gedacht Mensch, ich bin jetzt so erzogen und ich finde, dass Gastronomie
- 41:12mit Spaß zu tun haben muss, mit Lachen zu tun haben muss und das muss anders werden
- 41:17und wir müssen das einfach anders gestalten und das war einer der Bausteine für Fischers,
- 41:23Weingenuss und Tafelfreuden, einfach das ganze Thema zu öffnen, die Gäste teilhaben
- 41:27zu lassen, den Wein am Tisch Glasweise zu servieren, mit den Gästen ins Gespräch zu
- 41:33kommen, zu lernen, was die damaligen Gäste gerne trinken wollten und daraus ist dann
- 41:41auch so ein bisschen diese Art Entertainment entwachsen, dass man, dass man die Leuten in
- 41:46die Augen geschaut hat, mit denen ein Gespräch geführt hat und das wirst du auch erlebt
- 41:51haben in der Weinkultur bar und den Leuten so ein bisschen aufs Pferd geholfen hat und
- 41:56ihnen sehr mutigt hat über Wein zu sprechen, auch wenn sie es vielleicht noch gar nicht
- 41:59konnten vorher, weil Wein ist schlicht und ergreifend ein Gefühl und Gefühle haben wir
- 42:05alle, also insofern ist das völlig normal, nur das war zu meiner Zeit und sicherlich
- 42:11auch im Anfang zu deiner Zeit eigentlich gar nicht so Usus, dass man das so geäußert
- 42:19hat oder so gesehen hat.
- 42:20Es hat sich immer schon jeder getraut über Essen zu sprechen, ja stimmt, das schmeckt,
- 42:26das schmeckt nicht, aber beim Wein wurden die Leute oder die Gäste vorsichtig.
- 42:30Jeder von uns merkt, dass alkoholfreie Alternativen oder alkoholfreie Getränke oder eben auch
- 42:51alkoholfreie Wein immer mehr am Präsenz gewinnt.
- 42:53Eines der Produkte, die ich in letzter Zeit probieren durfte und die mich wahnsinnig
- 42:56überzeugt haben, ist It's Not a Sin.
- 42:59Es ist keine Sünde.
- 43:00Ich finde dieses Produkt gerade zum heutigen Thema in der Kombination von der Getränke
- 43:05und der Speisenwelt unfassbar spannend und denke, dass It's Not a Sin die ein oder andere
- 43:11sehr herausfordernde Speise begleiten kann.
- 43:14Verantwortlich für dieses außergewöhnliche Produkt zeichnet sich das Haus Falkenberg
- 43:18und um die Informationen dazu aus allererster Hand zu bekommen, dachte ich mir, kontaktiere
- 43:23ich doch einen der beiden geschäftsführenden Gesellschaften, Herrn Peter Bohnen.
- 43:27Also lieber Peter Bohnen, was ist denn nur keine Sünde?
- 43:30Also, was ist denn It's Not a Sin?
- 43:32Und vor allem und mehr dessen, was begeistert euch an dieser doch sehr eigen und sehr besonderen
- 43:37Szene der alkoholfreien Getränke oder der alkoholfreien Weine?
- 43:40Die alkoholfreie, ich nenn's mal Szene, ist eine Pionierszene.
- 43:46Also da tut sich sehr viel Neues.
- 43:48Es ist sehr spannend.
- 43:49Es gibt viele Richtungen und Tendenzen.
- 43:51Wir verfolgen die ganze Thematik schon sehr, sehr lange.
- 43:56Der Tilmann, Geschäftspartner und Önologe in unserem Unternehmen ist mit Sicherheit schon
- 44:02seit 15 Jahren intensiv dabei, auch hier und da zu verkosten und hat die ganze Entwicklung
- 44:09beim alkoholfreien Wein auch verfolgt.
- 44:12Ich finde, es gibt generell drei Stufen, über die man sprechen kann.
- 44:18Es gibt den reinen entalkoholisierten Wein.
- 44:21Da hat sich sehr viel in den letzten Jahren ja technisch getan.
- 44:27Wir haben Aroma-Rückgewinnungsmethoden verbessert, das heißt über verschiedene Böden, wird
- 44:34bei der Destillation, werden bestimmte Aromen rückgewonnen, die dem Wein wieder zugeführt
- 44:39werden.
- 44:40Wir haben auch bei der Art der Lese, vor allem beim Lese Zeitpunkt, dazu gelernt.
- 44:46Das heißt, es wird eher gelesen, wenn es um alkoholfreien Wein geht, um danach ja nicht
- 44:53so viel Zucker, so viel Alkohol zu haben, sodass man gar nicht so viel Alkohol entziehen
- 44:59muss.
- 45:00Also, hier ist eine ganze Menge Wissen und Verständnis, Prozesskenntnis dazugekommen.
- 45:05Dennoch gibt es momentan Limits, sensorisch, geschmacklich.
- 45:10Ich würde auch nie sagen, dass man alkoholfreie Weine primär für Weintrinker macht.
- 45:20Das kann nicht die Zielgruppe sein, weil Weintrinker wissen, wie Wein schmeckt.
- 45:26Und das wird man mit dem alkoholfreien Wein nie erreichen.
- 45:29Wir müssen, wenn wir es mit Bier vergleichen, ja auch sehen, dass wir beim Bier vielleicht
- 45:344,5 Prozent Alkohol entziehen müssen, wenn wir ein alkoholfreies Bier haben wollen.
- 45:39Beim Alkohol reden wir dann über 11, 12, 13 Prozent.
- 45:42Das ist schon nochmal ein Unterschied.
- 45:44Und deswegen ist also die Sensorik, der Geschmack, das Erlebnis, was sich bei alkoholfreiem Wein
- 45:50habe, immer in gewisser Form limitiert.
- 45:53Jetzt gibt es die zweite Stufe und das heißt, ich kann CO2 zufügen.
- 46:00Ich weiß, ich kann den Wein ein bisschen lebendiger machen.
- 46:05Ich kann also bis zur Grenze des Perrweins, glaube ich, 2,5 Prozent bar zugeben.
- 46:12Das bringt ein bisschen mehr Lebendigkeit.
- 46:16Das nimmt diesen Ton, der beim Endalkoholisieren entsteht.
- 46:20Im Nimmter ist die Schärfe und macht das ganze Produkt lebendiger, spannender.
- 46:25Die dritte Stufe für uns beim Endalkoholisierten Wein ist dann die dosierte gekonnte Zugabe
- 46:32von Aromen, in unserem Fall von natürlichen Aromen.
- 46:36Das heißt, wie kann ich mit natürlichen Aromen von vielleicht bitterer Röschenschale, Ingwer,
- 46:45wie kann ich aber auch mit Estragon, Rosmarin, Himbeer, wie kann ich diesen endalkoholisierten
- 46:51Wein?
- 46:52Wie kann ich den spannender gestalten?
- 46:55Wie kann ich den mehr Charakter geben?
- 46:57Tiefe, Fülle?
- 46:58Und wie kann ich den auch beim zweiten und dritten Schluck oder Glas noch lebendig halten?
- 47:03Das ist eine Wissenschaft für sich, da die richtige Balance zu finden, die Aromen nicht
- 47:09so zu dosieren, dass sie das ganze Produkt überlagern.
- 47:12Und ja, das haben wir gemacht.
- 47:14Das haben wir genannt "Itsnot-des-Sinn".
- 47:17Das heißt, wir haben so ein bisschen die Verhältnisse umgedreht.
- 47:20Wir haben den Spruch "Es ist keine Sünde", Alkohol zu trinken, umgedreht, dass wenn man
- 47:26heute mit sechs, sieben, acht Leuten am Tisch sitzt und alle sind weinselig drauf und bestellen,
- 47:33bestellen die zweite und dritte Flasche und man sagt dann, ich trink aber keinen Alkohol,
- 47:38ich würde aber gern mitfeiern, dass man ein bisschen provokant sagt, das ist doch keine
- 47:42Sünde, oder?
- 47:43So, und dann die Balance hinzukriegen, zu sagen, ich habe einen sehr guten Grundwein,
- 47:49einen Riesling, ich habe die richtige Menge CO2 zugegeben und habe dann die Aromen nicht
- 47:55überdosiert.
- 47:56Dann kann man Getränke schaffen, die echt Spaß machen, die Lust machen, die auch von
- 48:02den Kalorien natürlich deutlich unter dem Wein liegen, weil Alkohol ja auch hochkaliorisch
- 48:06ist.
- 48:07Und da hat man ein ausgewogenes Produkt, was für sich ein Erlebnis ist.
- 48:10Die Flasche für sich muss ein Erlebnis sein, das Label "Storytelling" muss ein Erlebnis
- 48:13sein und das Produkt vor allen Dingen.
- 48:15Und das geht unserer Meinung nach nur, wenn man mit natürlichen Aromen arbeitet.
- 48:20Und ja, dabei wünsche ich mir viel Spaß, jetzt nur das Sinn, ist mit Sicherheit für
- 48:25das eine oder andere Menü und für den einen oder anderen Gang eine sinnvolle Begleitung
- 48:30und Bereicherung und bereitet euch hoffentlich viel Freude und Spaß.
- 48:34Ich erinnere mich an die Zeit, als dem Zommi, der an den Tisch kam mit einer gewissen Erfurcht
- 48:49entgegentrat, seine Heiligkeit ist erschienen und es haben natürlich auch manche, manche
- 48:56Zommi sind reflektiert, dass sie mit ganz, ganz viel Wein wissen sich entweder sehr,
- 49:01sehr leerhaft oder sehr dominant präsentiert haben, weit aus dem Fenster gelehnt haben.
- 49:08Die wirst du alle erlebt haben.
- 49:11Toll, dass du dann ein Restaurant hattest, wo man auch lachen durfte.
- 49:14Also das Lachen, der zum Programm gehört, das kann ich auch bestätigen.
- 49:17Also es gab wenige Locker und trotzdem eben fundierte Restaurants wie das Deine.
- 49:24Wenn du jetzt diese unterschiedlichen Gäste, Typen in deinem Restaurant nimmst, also die
- 49:30auf der einen Seite sehr fordern, auf der anderen Seite einfach nur Spaß haben wollen,
- 49:35welche waren dir persönlich während dieser Zeit am liebsten oder welche sind dir heute
- 49:39noch am liebsten?
- 49:40Also eigentlich sind mehrere Gruppen von Gästen, eigentlich sind es die Gäste, die Spaß haben
- 49:50wollen und ich glaube es ist schon so, dass man als Somelier oder als Service Mitarbeiter
- 49:55in erster Linie mal die Gäste betrachten muss, denn der Kunde ist König und es geht
- 50:01einfach um den Kunden.
- 50:03Es geht nicht darum, dass ich jetzt meine Idee von Riesling dem Kunden erklären muss.
- 50:08Also wir haben auch schon junge Sommer, die es bei uns gehabt haben, dann haben die Gäste
- 50:12zu mir gesagt, Frau Fischer, tun sie mir einen Gefallen, da hinten den Herrn, mit dem möchte
- 50:16ich nichts zu tun haben, der verkauft mir immer Riesling, auch wenn ich ihn gar nicht will.
- 50:19Ich kann mir jetzt nicht vorstellen, wer gemeint ist.
- 50:24Ich glaube schon.
- 50:25Aber ganz klar ist es natürlich, dass es darum geht, was der Gast möchte und ich muss rausfinden,
- 50:33hat er jetzt lieber Spaß an einem schmelzigen Burgunder oder wenn er Rotwein trinkt, hat
- 50:39er liebter Frucht, liebter Säure oder hat er mehr Freude an Tanninen, mag er lieber ein
- 50:44Maul voll Wein, also was Fülliges, Kräftiges und ich kann das schlecht verbal rausfinden
- 50:52alleine, weil der Gast dann ein bisschen überfordert ist oder manche Gäste überfordert sind.
- 50:59Es gibt Gäste, die können das ganz klar äußern, was sie gerne trinken, welche Weintüpen
- 51:02sie trinken, aber andere Gäste können das nicht und dann fanden wir das damals total cool,
- 51:08mit zwei Flaschen an den Tisch zu gehen und die Gäste ausseuchen zu lassen.
- 51:11Und das war am Anfang auch möglich, weil wir natürlich nicht vom ersten Tag an überrannt
- 51:16worden sind, Gott sei Dank, hat uns Zeit gegeben zu lernen.
- 51:20Aber man merkt dann schon relativ schnell, dass viele gestern ähnlichen Geschmack haben,
- 51:27gerade die Unerfahrenen, die suchen eigentlich immer etwas, was sie fassen können, also
- 51:33was sie mögen, was samtig ist, was schmelz hat, das kann man sicherlich als Schablone
- 51:38auf viele Weintrinker, die gerne Weintrinken legen und in meiner Zeit war es ja auch so,
- 51:44dass Saurépsorten wie Sauvignon Blanc zum Beispiel einmal Mode wurden.
- 51:49Und dann kam es aus Neuseeland, gab es plötzlich Cloudy Bay, also ein wunderbarer,
- 51:55herzerfrischender Sauvignon Blanc.
- 51:57Das kannten wir damals in Deutschland gar nicht.
- 52:00Der Wein war im Stahltank ausgebaut, der hatte nie ein Holzfass von innen gesehen, geschweige
- 52:05denn ein altes, vielleicht nicht ganz so sauber geputztes Weinfass, sondern der war strahlend
- 52:11blank und hatte diese grünen, frischen, grasigen, wie man heute sagt, wirklich Tabilen herum
- 52:18und hat richtig trinklos bereitet.
- 52:21Und das trinken Leute gerne, also Weine, die sie so wiedererkennen, die frischer haben,
- 52:27die Spaß machen, die man gut trinken kann, also Frucht, ja, aber es darf nicht alles
- 52:32zu kompliziert werden und so anstrengend und es darf nicht zu viel Säure haben.
- 52:36Also das ist jetzt mal so eine Schablone, die funktioniert und so kann man dann im Laufe
- 52:41des Abends rausfinden, gerade wenn man Glasweise ausschenkt, finde ich jetzt den nächsten Vorteil,
- 52:47dass man dem Gast mehrere Erlebnisse servieren kann und das wiederum hat mit Service Qualität
- 52:52zu tun und hat mit dem Miteinander zu tun, was man im Restaurant leisten kann, was eigentlich
- 52:57immer für mich die Idee war, also eine Mischung zwischen Weinbar und Essen, also Gastronomie
- 53:05zu haben.
- 53:06Und wenn die Leute Flaschenweise bestellen müssen und zu zweit sind, dann geht das nicht.
- 53:11Hast du keine Chance, da musst du den Menschen helfen, verbal eine Flasche auszusuchen, das
- 53:16heißt du hast immer so ein bisschen den Pfad, dass sie Leute nicht so ganz genau darstellen
- 53:22können, was sie eigentlich trinken wollen und dann auch Sorge haben, was zu bestellen,
- 53:26was sie nicht kennen und das führt dann vielleicht dazu, dass sie die Dinge trinken,
- 53:30die sie kennen und dann aus dem Kreislauf nicht rauskommen, ich sage jetzt mal aus dem
- 53:34Pinogridio-Kreislauf nicht rauskommen.
- 53:36Den gibt es leider heute noch, diesen unsäglichen Pinogridio, den die ganze Welt trinkt, dass
- 53:43es eine Mode, die Jahrzehnte angehalten hat und auch heute noch so ist und wir fanden
- 53:50es damals richtig avant-garde-istisch und total cool den Gästen möglichst viele Weine
- 53:56präsentieren zu können und sie Teile haben zu lassen.
- 53:59Das heißt, wenn ein Tisch hinten links was Tolles probiert hat und der kannte vorne
- 54:03rechts seinen Tisch und dann haben wir das hin und her geschoben und die Leute haben das
- 54:06verkostet und diese Weinlust ist einfach gewachsen.
- 54:10Und das hast du mich ja ganz am Anfang gefragt, wie war das damals in Köln?
- 54:13Ich glaube schon, dass wir mit unserem Restaurant Weingenuss und Tafelfreuden einfach großen
- 54:19Anteil hatten, dass in Deutschland diese Lust an Wein, an unkompliziertem Weingenuss erwacht
- 54:26ist und das zieht sich durch.
- 54:28Aber das Wort unkompliziert muss nicht bedeuten, dass es einfach ist, sondern das kann schon
- 54:34auch auf hohem Niveau sein.
- 54:35Das heißt, dass man schon weiß, worüber man spricht.
- 54:38Es geht nur darum, dass man so serviert, dass viele Leute Spaß daran haben.
- 54:44So wie wenn du nach Italien gehst, dann ist irgendwie Essen und Trinken viel einfacher
- 54:48oder wenn man heute nach Spanien geht, ist alles irgendwie unkomplizierter und die Qualität
- 54:53ist entsprechend höher und die Weinpreise sind entsprechend niedriger.
- 54:57Vielleicht mal ein Modell über was man nachdenken sollte.
- 55:02Durchaus.
- 55:03Also ich finde es grundsätzlich, als auch bewundernswert, euch gegenüber eine Flasche zu empfehlen
- 55:08mag vielleicht am Anfang ein bisschen mehr Räderaufwand oder ein bisschen mehr Dominanz
- 55:12oder was auch immer bedeuten.
- 55:14Aber es ist im Laufe des Abends einfacher, wenn du sagst, ich empfehle vier, fünf oder
- 55:19zwei, drei verschiedene Weine beim Glas.
- 55:21Fängt man ja immer wieder mit dieser gleichen Schleife an und hat letztlich den gleichen
- 55:26Zeitaufwand.
- 55:27Also ich muss viel mehr Service und viel mehr Gästekontakt, viel mehr Gästeüberzeugung,
- 55:31viel mehr auch Wortkraft letztlich aufwenden, aber eben auch Zeitkraft, das ja auch irgendwo
- 55:36durchkalkuliert werden müsste.
- 55:38Ich glaube, Servier hat dir dabei geholfen, dass du diese eigene Ausdrucksweise hast,
- 55:46also ein Maul voll Wein oder ein Mund voll Wein habe ich bisher nur von dir gehört.
- 55:50Es passt aber auch zu dir.
- 55:51Es macht dich eben so besonders, dass du die Dinge beim Namen nennen kannst und damit
- 55:57eine gewisse Stimmigkeit erzeugst, wie lange brauchst du ungefähr, um einen Weintyp am
- 56:03Tisch zu erkennen.
- 56:04Also was sind so typische Fragen, die du dem Gast stellst oder wie hast du es du dich
- 56:09ran oder was ist für dich so ein Erfolgskonzept dabei, um den Geschmack des Gastes, um ihn
- 56:14auch so vom typischen Pinokritzchen Charakter wegzubringen?
- 56:17Ja, es ist eigentlich, sagt man ja, also eigentlich müssen wir zwei Perspektiven betrachten.
- 56:25Einmal der Staat als junge Frau, da war ich ganz froh, wenn ich es mit Burgund auf
- 56:31Pfexen zu tun hatte oder jemand, der sich an der Loa auskannte, dann habe ich nicht besser
- 56:36wässerisch getan, sondern ich habe die Öhrchen gespitzt und habe die Leute reden lassen und
- 56:41habe was dazu gelernt.
- 56:43Also das heißt, ich habe versucht, sobald ich erkannt habe, dass ein Gast mehr über
- 56:47Wein wusste, als ich habe, ich einfach zugehört und habe Fragen gestellt, um weiterzukommen
- 56:52und solche Gäste tun das natürlich eher kund als die, die nicht so gut Bescheid wissen.
- 56:57So und jetzt betrachtet man den Berufsgastronom.
- 57:00Man hat eine Ausbildungszeit von zwei bis drei Jahren, je nachdem man macht vielleicht
- 57:05noch ein bisschen Sommelier-Schule oder lernt noch was dazu.
- 57:09Also man braucht gar nicht so ganz lange, aber was man letztendlich alles können muss,
- 57:14um den Glas zu erkennen.
- 57:16Also ich habe es mal so ein bisschen verglichen mit Fremdsprachen-Korrespondent.
- 57:20Also du musst möglichst viele Fremdsprachen sprechen.
- 57:23Du solltest ein abgeschlossenes Psychologie-Studium haben, du solltest eine Kochausbildung haben
- 57:30und man sollte auch eine Sommelier-Ausbildung haben und noch die Sommelier-Schule und noch
- 57:33mehr besucht haben.
- 57:34Und das bedeutet eigentlich eine wesentlich längere Lehrzeit und so wächst das natürlich
- 57:41zum zweiten Parameter meines Lebens zusammen, dass ich heute mit wesentlich mehr Erfahrung
- 57:45an die Sache rangehen kann und ja heute auch viel gezielter die Gäste frage und eher zum
- 57:53Ziel komme.
- 57:54Weil ich natürlich meine eigene Sprache benutze, also ich versuche eigentlich immer eine Tür
- 58:01zum Herzen des Gastes zu öffnen, das Vertrauen zu bekommen.
- 58:05Und das finde ich bei unserem Beruf extrem wichtig und das ist leider etwas, was nicht
- 58:10immer so funktioniert.
- 58:11Einfach glaube ich oft, weil die Servicemitarbeiter unsicher sind und weil sie nicht so genau
- 58:17Bescheid wissen und sich vielleicht gar nicht so viel trauen und vielleicht auch nicht so
- 58:21viel Produktkenntnis haben.
- 58:22Das wächst im Laufe der Zeit und wenn man diesen Zugang hat, dann vertrauen einem die
- 58:28Gäste und dann passiert was ganz Entscheidendes.
- 58:30Dann läuft Service auch wesentlich runder und dann darf man sich auch trauen, bestimmte
- 58:36Fragen zu stellen.
- 58:37Und man muss schon ein Gefühl haben für den Gast und wenn man dann merkt, dass er sagt,
- 58:42auch Riesling ist jetzt nicht so unbedingt meins, dann sollte man an dem Tag verzichten,
- 58:47Riesling zu servieren.
- 58:48Ich muss diesen Gast jetzt nicht vom Umgegen teil überzeugen und es geht viel einfacher,
- 58:55wenn ich irgendwann am Ende des Abends von einem Reparatur Riesling spreche und dann
- 58:58werden die Gäste neugierig und dann fragst du mich schon von ganz alleine, was es denn
- 59:03mit diesem Reparatur Riesling auf sich hat.
- 59:05Das finde ich ist insofern auch eine relativ spannende Geschichte, weil Riesling zu verkaufen
- 59:10macht.
- 59:11Natürlich macht es sich viel Spaß, weil es viele Facetten gibt.
- 59:13Auf der anderen Seite gibt es ja auch ganz, ganz viele andere, nicht nur Rebsorten, sondern
- 59:17eben auch Weinländer aus Baustile.
- 59:19Wie groß war eure Karte im Fischers?
- 59:22Ihr wart ja, ihr hattet ja nicht die kleinste Karte in der Stadt.
- 59:25Nee, hatten wir nicht.
- 59:26Also wir hatten aufgrund des offenen Ausschanks, also wir hatten eigentlich fast immer 50 offene
- 59:30Weine im Ausschank, also rot und weiß.
- 59:34Und wir haben Positionen zwischen 800 und 1000 gehabt.
- 59:38Also da ist viel zusammengewachsen und mein Steuerberater hat mich ab und zu gefragt,
- 59:47ob ich dann noch alle Tassen im Schrank hätte.
- 59:49Aber das muss man dann auch haben.
- 59:53Und ich glaube, alle Restaurants oder alle Weinbars, die sich heute mit Wein beschäftigen,
- 59:58haben, ich glaube, eine größere Auswahl und können das auch sehr gut verkaufen.
- 1:00:04Und ich war neulich mal in der Heimat in Frankfurt, dass es eine große Freude, diese Tiefe der
- 1:00:09Weinkarte erleben zu dürfen und die vielfältige Weinauswahl aus den unterschiedlichen Ländern
- 1:00:15und aus den unterschiedlichsten Gebieten.
- 1:00:17Und das ist dann natürlich eine Weinkarte, bei der jeder von uns, der sie in die Hände
- 1:00:22bekommt, sich erst mal von seinen Mitgästen verabschiedet für 20 Minuten und diese Weinkarte
- 1:00:29studiert.
- 1:00:30Aber es ist eine große Freude, solch wohl gepflegte Weinkarten zu treffen oder zu finden und
- 1:00:37die Weine dort aussuchen zu dürfen.
- 1:00:39Man darf aber auch nicht vergessen, dass damals war eine andere Zeit.
- 1:00:42So als du dein Restaurant hattest ein 50-offene Wein, hier war der keine Weinbar, wo die
- 1:00:47Leute zum Wein erleben, Wein trinken hingegen, sondern noch vornehmlich zum Essen ausging
- 1:00:51und Wein eine angenehmes Begleitmittel oder eine angenehme Begleiterscheinung dabei waren.
- 1:00:57Und da habt ihr dann schon revolutionär, wo oder was ihr revolutionär unterwegs, ich
- 1:01:02glaube ganz revolutionär und ganz neu war, dass du auch damals in deinem Team, also dass
- 1:01:07du nicht nur der Sommie warst und ihr hattet viele Foodrunners, sondern ihr wart ja noch
- 1:01:14richtiges Sommietheam und ganz, ganz viele deiner Ziehkinder sind heute selber unfassbar
- 1:01:18erfolgreich.
- 1:01:19Das hat aber auch ganz viel mit Vertrauen zu tun, denn so eine Weinkarte ist natürlich
- 1:01:24auch ganz, ganz viel Kapital und dass das ordentlich betreut und begleitet wird, dass
- 1:01:28die Weine nicht veraltern.
- 1:01:29Es hat ja auch mit ganz viel mit Mitarbeiterkoordination oder eben auch mit Arbeiterprägung
- 1:01:36oder mit der Schulung zu tun, weil ja viele von denen völlig unbelegt zu dir kamen und
- 1:01:42du sie zu dem gemacht hast, was sie eigentlich sind.
- 1:01:45Wie kann man das Vertrauen aufbauen oder lag die Weinkarte immer in deiner Hand?
- 1:01:49Nein, auf keinen Fall, weil das habe ich blitzschnell erkannt, wenn das alles in meinen Händen liegen
- 1:01:56würde, dass ich dann für andere Dinge keine Zeit mehr haben würde.
- 1:02:00Und das war eigentlich so, dass wir auch durch die Geschichte, dass wir jeden Abend ein Service-Meeting
- 1:02:07hatten mit den Köchen und den Serviceleuten, dass wir besprochen haben, wie die Gerichte
- 1:02:13zubereitet werden und die Küche uns gesagt hat, was sie noch extra hat, was verkauft
- 1:02:17werden könnte und umgekehrt, wie die Weine verkostet haben.
- 1:02:21Also wenn diese offenen Weine müssen jeden Tag vor Service beginnen, neu verkostet werden,
- 1:02:26das haben wir immer im Team gemacht und alle konnten binnen kürzester Zeit einen oxidativen
- 1:02:33Wein von einem frisch geöffneten Wein unterscheiden, also ein Wein der Luft gezogen hat, zu einem
- 1:02:40Wein der Frisch-Encorktes zu unterscheiden und Fehltöne wurden einfach so auch wesentlich
- 1:02:46eher erkannt, weil man das Training hatte.
- 1:02:48Wir haben jeden Mittag zusammen im Team gegessen, Köche wie Serviceleute und das
- 1:02:56ist dann zu einer Art Familie herangewachsen.
- 1:02:58Das heißt, die Leute haben gerne bei uns gearbeitet und ich habe gerne mit diesen Leuten gearbeitet.
- 1:03:04Und das geht nur, wenn man den Leuten Freiheit gibt.
- 1:03:07Und dadurch, dass ich mal erlebt habe, dass man mir gesagt hat, dass ich zu laut gelacht
- 1:03:11hätte im Restaurant, habe ich das Thema auch einfach ganz anders angefasst.
- 1:03:17Und die zweite Antwort ist einfach, dass man natürlich, wenn man mittags 60 Gäste hat
- 1:03:24und abends 60 Gäste hat, schon da, also um die 100 Gäste pro Tag, also da kommt eine
- 1:03:30ganze Menge zusammen plus Bankettveranstaltungen, bei denen auch noch Wein getrunken wird.
- 1:03:36Das heißt, wir haben über Quantität auch eine ganze Menge verkaufen können und die
- 1:03:41Leute haben bei uns mehr als nur ein Glas getrunken.
- 1:03:45Pro Kopfumsatz war relativ hoch.
- 1:03:47Wir waren mitten in der Innenstadt.
- 1:03:49Man konnte Straßenbahn fahren, Taxi fahren.
- 1:03:52Viele Büros waren rund um uns herum.
- 1:03:55Und dadurch, dass zum Beispiel Mineralwasser es kostenlos gab für Weintrinker.
- 1:04:00Das haben die so großartig.
- 1:04:02Ja, da haben die Leute einfach Spaß gehabt und haben gesagt, okay, das ist jetzt hier
- 1:04:06ein Restaurant, wo die Weinpreise vernünftig sind, wo ich engagierten persönlichen liebevollen
- 1:04:12Service bekomme.
- 1:04:13Und ich werde auch nicht mit 10 Euro pro Flasche für eine Wasser über den Tisch gezogen.
- 1:04:19Bei uns gab es halt immer Gerolsteiner Mineralwasser kostenlos dazu.
- 1:04:24Und das war großes Kino.
- 1:04:26Auch da habe ich übrigens mal eine Anzeige bekommen von neidischen Gastronomenkollegen
- 1:04:32via Hotelengaststättenverband.
- 1:04:34Aber das hat nicht gefruchtet und ist dann auch Gott sei Dank nicht durchgekommen.
- 1:04:37Also, es ist insofern die Welt ist ein bisschen verrückt.
- 1:04:42Aber ich will sagen, es hat mit dem Team zu tun.
- 1:04:46Und das ist auch etwas, das man merkt, wenn man ein Restaurant betritt, was für eine
- 1:04:52Stimmung herrscht.
- 1:04:53Und wenn die Stimmung im Service-Team gut ist, dann legt sich das auf die Gäste.
- 1:04:58Also, ich kann heute, wenn ich ein Restaurant betrete, höre ich am Murmeln der Gästesscha,
- 1:05:04wie die Stimmung ist.
- 1:05:05Das habe ich sofort.
- 1:05:07Also, das auch zu dem Gefühl für die Gäste.
- 1:05:09Aber an dem Murmeln kann ich dir sagen, ob das eine gute Stimmung oder eine schlechte
- 1:05:12Stimmung ist.
- 1:05:13Das habe ich gelernt im Laufe der Jahre.
- 1:05:17Das ist wie so ein Summen an Bienenstock.
- 1:05:21Also, zwei ganz wichtige Punkte zum einen mit dem Wasser.
- 1:05:26Das fand ich damals unfassbar.
- 1:05:29Ich finde es heute im Nachhinein noch unfassbarer.
- 1:05:32Auf einen so großen Umsatzfaktor, also wo man ja ohne Frage auch ein Großteil seines
- 1:05:39Inkampens hat, darauf zu verzichten, zum Wohle des Weines.
- 1:05:42Aber trotzdem fair zu kalkulieren, dass man nicht denkt, man müsste es einem mit dem anderen
- 1:05:46zu faszinieren.
- 1:05:47Und das alles dann letztlich zum Wohl der Gäste wäre.
- 1:05:50Jeder von uns weiß, dass man ja zumindest in gleichem Maße, wenn ich doppelt so viel
- 1:05:55Wasser zum Feind trinken sollte, um den Tag und auch den Folgetag einigermaßen entspannt
- 1:06:00zu verleben oder eben den noch zu überleben.
- 1:06:02Daher fand ich das sehr weitsichtig und habe das, wie gesagt, sehr bewundert.
- 1:06:08Und auch bei anderen, diese Feinsinnigkeit, das hattest du mir damals auch gesagt, dass
- 1:06:14du, wenn du aus einem Seminar kommst oder in den Arm-Service, du erstmal in den Raum
- 1:06:21reinhörst, wie ist die Grundstimmung.
- 1:06:23Und wahrnehmen konntest du also, wie auch die Leute bei dir im Restaurant drauf waren.
- 1:06:27Dazu gehört ja sehr viel Sensibilität, dass man den anderen erstmal aufnimmt, bevor
- 1:06:32man sich selber einbringt.
- 1:06:33Nicht so wie so ein Dampf, weil sie da drüber rüber rollt.
- 1:06:38Fand ich sehr interessant.
- 1:06:40Bei der Kartengestaltung, bei der Weinkartengestaltung warst du da konzeptreu.
- 1:06:45Also hattest du eine Vision oder hast du einfach gekauft, was bunt ist und das irgendwie dann
- 1:06:51zusammengeschuss hat und das war deine Weinkarte?
- 1:06:53Also zum einen hatten wir es damals deutlich einfacher, weil die Weinwelt, du hast es
- 1:06:59vorhin schon mal erwähnt, deutlich kleiner war.
- 1:07:01Das heißt, es gab gar nicht so ganz viele Gebiete, wie es heute gibt.
- 1:07:04Also wenn du heute eine umfassende Weinkarte hast, dann musst du wesentlich mehr Gebiete
- 1:07:09bedienen.
- 1:07:10Das Zweite war, dass ich groß geworden bin mit den ganzen deutschen Winzern und den
- 1:07:14großen Gewechseln, dass ich diese Entwicklung hautnah miterlebt habe.
- 1:07:20Also beispielsweise haben wir, das ist der Bergg Schlossberg von Bernhard Breuer, 1998 haben
- 1:07:28wir, glaube ich, 180 Flaschen Glasweise ausgeschenkt.
- 1:07:30Das ist heute überhaupt nicht mehr möglich, weil der Wein unbezahlbar geworden ist und
- 1:07:36das war damals großartig, weil wir beweisen konnten, dass diese Weine einfach zukünftig
- 1:07:44Bestand im Restaurant haben würden und wir eben nicht mehr in den besagten Keller gehen
- 1:07:48mussten und französische Weißweine zu holen.
- 1:07:50Und so hat sich die Karte natürlich gefüllt.
- 1:07:56Und ich war immer stets bemüht, einfach auch Weinbaugebiete, die nicht so bekannt waren
- 1:08:01zu erkunden, wie zum Beispiel damals die Loire, die ja aufgrund des Global Warming noch viel
- 1:08:07kühler war und die Rotweine, speziell die Cabernet-Front, deutlich mehr Gerbststoff hatten,
- 1:08:13deutlich grüner waren, als sie das heute sind.
- 1:08:15Die werden heute reifert, die sind heute viel angenehmer zu verkosten und die Shannon
- 1:08:21Blancs einfach von der Säure her wirklich kräftig waren.
- 1:08:25Und ich habe so viel gelernt, ich bin an diese Loire oder zu dieser Loire-Messe gefahren,
- 1:08:31wo ich übrigens auch Bernd Kreis wieder getroffen hatte, der als einzigster Deutscher
- 1:08:35sommelier an der Loire unterwegs war.
- 1:08:38Und das waren dann Gebiete, die mich extrem interessiert haben, also wo ich eingestiegen
- 1:08:45bin und das ist genauso wie heute die Leute, die das Jura erkunden und das Jura total
- 1:08:50aufholt ist.
- 1:08:51Und so gab es natürlich auch bei uns Weinanbaugebiete, wie es Napa Valley zum Beispiel, was gerade
- 1:08:59bekannt wurde, damals auch noch bezahlbar war.
- 1:09:02Also das waren Anbaugebiete, die hoch interessant waren, überhaupt Kalifornien war hoch interessant
- 1:09:08für uns.
- 1:09:09Und eben Neuseeland hatte ich auch bereits vorhin erwähnt, weil dort Weinstylistiken
- 1:09:12entstanden, die wir hier in Deutschland noch gar nicht hatten.
- 1:09:15Und insofern hat man natürlich als sommelier genau diesen Jagdinstinkt entwickelt, den
- 1:09:22alle sommeliers heute haben.
- 1:09:24Also jeder versucht einfach seine Karte mit tollen, mit innen Sachen zu füllen, die
- 1:09:31die Insider kennen, die den Insidern bewusst sind.
- 1:09:34Bestimmte Weine waren damals schon rar, aber auch Bordelezer, Tropfen und Burgundawahne
- 1:09:42gab es noch zu günstigeren, wesentlich günstigeren Preisen, als das heute der Fall ist.
- 1:09:46Und dann haben wir natürlich die Weine auch gekauft und haben sie auf der Karte gehabt.
- 1:09:50Aber das alles war wesentlich einfacher abzudecken und wesentlich einfacher zu verwalten.
- 1:09:56Und ich muss jetzt schon gestehen, wenn du mich nach dem, nach dem, nach der Balance dieser
- 1:10:03Karte fragst, bekamen sie halt im Laufe der Jahre deutlich mehr deutsches Gewicht bedingt
- 1:10:09durch die großen Gewächse.
- 1:10:10Und natürlich waren dann manche Gebiete etwas stärker vertreten und andere Gebiete waren
- 1:10:18dann vielleicht nur mit einem oder zwei Weingütern vertreten.
- 1:10:21Und das war so, ja, wenn es aus war, war es aus, sondern hat man irgendwann was Neues
- 1:10:26gekauft und wir haben auf der Karte die Weine, von denen nur noch ein bis drei Flaschen da
- 1:10:31war, mit einem kleinen Sternchen erkennt, zeichnet.
- 1:10:34Damit jeder wusste erkennbar, was das bedeutet, auf was er sich einlässt, wenn man noch ein
- 1:10:39halb mit zehn Leuten eine Flasche mit einem Sternchen bestellte, als Gast, dann konnte
- 1:10:44das auch in die Hose gehen, dass dann vielleicht nur noch eine Flasche da war und dann konnte
- 1:10:47man darüber reden und der Gast wusste Bescheid.
- 1:10:50Schöner und fairer Gedanke, weil es bringt kaum etwas so bedauerlich, wenn man in der
- 1:10:54Runde ist und sagt, jetzt wollen wir den XY-Wein trinken und dann bei der zweiten Flasche
- 1:10:59hört es bereits auf und meistens ist dann der Folgewein, auch wenn er besser ist, dann
- 1:11:02nicht so passend oder so folgen, wenn man so in dieser Stimmung drin ist.
- 1:11:07Also zu solchen Gedanken oder zu solchen Ansätzen muss man ja mehr oder weniger erst finden.
- 1:11:15War das die einzige Weinkarte, die du je geschrieben hast oder wie viele Weinkarten hast du in deinem
- 1:11:21Leben schon erstellt oder überarbeitet oder begleitet?
- 1:11:25Also dadurch, dass ich beim Deutschen Weinhinzitut in der Jury bin für die ausgezeichnete Weingastronomie
- 1:11:33sehe ich jedes Jahr uns ganz, ganz viele Weinkarten.
- 1:11:36Und es ist großartig zu sehen, wenn man sich dann da reinkniet.
- 1:11:41Man schaut diese Karte an, man geht ins Internet, da sind plötzlich Orte, Gebiete, die ich
- 1:11:48in meinem Leben noch nicht gehört habe, wo diese Restaurants liegen und es sind Betriebe
- 1:11:53mit komischen Namen und wenn man dann entdeckt, welche Tiefgründigkeit diese Karten haben
- 1:11:57und welchen Trinkenspaß die bieten und wie sie sortiert sind, dann muss man der Sache
- 1:12:03auf den Grund gehen.
- 1:12:04Man muss von da hin fahren, finde ich.
- 1:12:06Und muss, ja, muss ich einfach ein bisschen schlau machen und muss verstehen, was es
- 1:12:12für ein Konzept ist und wie es funktioniert und insofern sehe ich eine ganze Menge Weinkarten.
- 1:12:17Und ich sehe leider immer noch die Weinkarten, die schon zu unserer Zeit gab und die ein
- 1:12:21bisschen antiquiert sind.
- 1:12:22Das ist einfach so, wenn man als Gastronom so viel arbeiten muss, dass man nicht vor
- 1:12:27die Tür kommt und keine Vergleichsmöglichkeiten hat.
- 1:12:31Wenn man keine Möglichkeit hat, sich weiterzubilden, dann bleibt man in seinem Trott und das ist,
- 1:12:38finde ich, der Tod eines jeden Berufes.
- 1:12:41Städte Weiterbildung ist, glaube ich, das A und O und auch heute noch bemühe ich mich
- 1:12:47sehr darum, weil dieses Karussell der Weinwelt sich immer schneller dreht und die Stile,
- 1:12:54die Trends wechseln, auch wenn das bei Wein immer etwas länger dauert, weil gute Weine
- 1:13:00erst zeigen müssen aufgrund ihrer Lagerfähigkeit, ihres Potentials, ob sie wirklich zu guten
- 1:13:07Weinen und zu fantastischen Weinen taugen.
- 1:13:09Aber es ist schon so, dass sich verschiedene Trends festsetzen.
- 1:13:15Das hat einfach auch mit der technischen Entwicklung zu tun.
- 1:13:18Das hat mit dem Global Warming zu tun.
- 1:13:21Das hat damit zu tun, wie junge Leute Wein trinken heutzutage.
- 1:13:25Also mit ganz vielen Facetten unserer Gesellschaft hat es einfach zu tun.
- 1:13:29Wenn man da ein bisschen dranbleiben möchte, muss man einfach was tun.
- 1:13:34Also dann muss man dranbleiben und muss sich informieren, wie die Weinwelt tickt.
- 1:13:39Wenn du so eine Weinkarte siehst, wonach kannst du beurteilen, ob das eine gute Weinkarte
- 1:13:44ist oder keine gute Weinkarte?
- 1:13:46Gibt es dafür dich bestimmte Parameter?
- 1:13:47Ja, es gibt natürlich die klassischen Parameter, die wir alle in der Berufsschule schon gelernt
- 1:13:52haben oder die man wissen sollte, wenn man eine Weinkarte erstellt, beispielsweise ein
- 1:13:57Inhaltsangabe sollte vorhanden sein.
- 1:14:00Die Weinbaugebiete sollten nachher aufgelistet sein, dass man weiß, wo man sich befindet.
- 1:14:05Also es gibt ganz klassische Parameter und danach kann man natürlich eine Weinkarte ausrichten.
- 1:14:12Es ist auch völlig in Ordnung, dieses zu tun.
- 1:14:14Aber ganz interessant ist vielleicht auch, wenn man ein bisschen mehr auf den Gast fokussiert
- 1:14:22ist und auch auf die Art und Weise, wie die Gastronomie aufgebaut ist.
- 1:14:25Also ist es etwas für junge Leute oder ist es etwas für ein Sternerestaurant für Freaks,
- 1:14:32die in dreistelligen Summen Weine trinken?
- 1:14:36Das ist ein großer Unterschiede.
- 1:14:38Und ich glaube, dass manche moderne Weinkarte in frischen, jungen Restaurants, wo man vielleicht
- 1:14:45dafür Glasweise trinkt, die nach Rebsorten beispielsweise sortiert sind, also Riesling,
- 1:14:50Weißburgunde, Pinot Blanc, Pinot Noir, Cuisse, beispielsweise.
- 1:14:57Das macht dann einfach Freude und der Gast kann sich da ganz gut zurechtfinden, weil
- 1:15:02er hat dann innerhalb des Sauvignon Blancs beispielsweise die Vergleichsmöglichkeiten.
- 1:15:07Was ich auch ein tolles Konzept finde, was die Henne Weinbar hier in Köln bei uns fährt,
- 1:15:14mit dem sommelier Fabriestum, den ich sehr schätze und der eine hochinteressante Weinkarte
- 1:15:20hat, der unterteilt das Ganze in drei Gruppen und er schreibt von Classic, also klassisch.
- 1:15:28Er schreibt von Funky, Freak und er schreibt von Ikenwinen und jeder weiß, was Ikenwine
- 1:15:34sind und insofern ist er natürlich mit dieser Einteilung bei den Gästen schon drei Schritte
- 1:15:41weiter, weil jeder Gast sieht an der Preisgestaltung und an der Auswahl der Weine, in welcher Abteilung
- 1:15:48er sich befindet und nicht immer ist ein sommelier pünktlicher am Tisch, gerade wenn
- 1:15:53die Restaurants und die Weinbars voll sind.
- 1:15:56Also dann ist es ganz gut, wenn der Gast vorher schon mal ein bisschen in die Nase, die Weinkarte
- 1:15:59stecken konnte.
- 1:16:00Ich freue mich an das.
- 1:16:02Ja, finde ich ganz wichtig und auch eine offene Weinkarte zählt dazu und vielleicht auch
- 1:16:07dann die eine oder andere Weinbeschreibung, aber das jetzt eben bitte nicht mit 20 Aromen,
- 1:16:13weil die sagen nichts aus, sondern eher mit Qualitätsbezeichnungen.
- 1:16:16Also es ist ein leichter frischer Wein, ist sehr ausdrucksvoll im Duft, ist sehr im Holz
- 1:16:24ausgebaut, ist alkoholreich, ist körperreich, hat ja Potenzial.
- 1:16:29Also das sind alles Begriffe, die mir persönlich jetzt mehr helfen, als wenn ich die Aromen
- 1:16:36vor mir habe.
- 1:16:37Will du sagst persönlich, hast du da auch nur eine persönliche Betrachtungsweise?
- 1:16:41Weil das sind ja jetzt so eine hochprofessionelle Ansicht auf eine Weinkarte, wenn du die bewerten
- 1:16:46sollst, gibst du persönliche Vorlieben auch, dass du sagst, wenn die Karten besonders kreativ
- 1:16:51sind, besonders fundamentiert, Jahrgangstief in der Breite, welche Karten gefallen dir
- 1:16:56als persönliche Weinfachfrau am besten?
- 1:17:01Also das sind die Pluspunkte, das ist die Kühe, die da noch dazukommt.
- 1:17:06Man sollte natürlich, wenn man Weinkarten bewertet, also wie bei der ausgezeichneten
- 1:17:13Jury, bei der ausgezeichneten Weinkarte in der Juryarbeit, dann sollte man ja schon
- 1:17:21versuchen, dieses Thema relativ objektiv anzugehen und dann kommen natürlich Dinge wie Jahrgangstiefe
- 1:17:28dazu, das finde ich ganz großartig.
- 1:17:30Also wenn man sieht, dass der sommelier bewusst gesammelt hat und die Weine eben nicht so
- 1:17:35ganz jung auf die Karte gesetzt hat, sondern die Jahrgänge ist nach und nach rausrückt
- 1:17:39und da sieht man einfach was ein Zommelier auch zu verleisten, vermarkt indem er im Hintergrund
- 1:17:45die Weinauswahl dirigiert und also wirklich ein Konzertauftritt aus dieser Weinkarte bastelt.
- 1:17:52Das heißt, er muss die Weine so und so lange zurückhalten und darf sie erst dann präsentieren,
- 1:17:57wenn sie wirklich auch trinkreif sind, gerade wenn es bei großen Weinen der Fall ist.
- 1:18:01Das sind für mich enorme Pluspunkte und Pluspunkte sind auch, wenn es Weine sind, die
- 1:18:07aus speziellen Gebieten kommen, die jetzt gerade absolut interessant für Freaks sind, wie
- 1:18:14zum Beispiel Cool Climate Gebiete oder vulkanische Böden wie die Azoren, also einfach Inseln,
- 1:18:23die noch gar nicht so bekannt sind, von denen wir relativ wenig Wein bekommen, weil die
- 1:18:28meist einem eigenen Land getrunken werden.
- 1:18:30Aber das sind interessante Dinge, so wie wir damals der Loire hinterher gelaufen sind,
- 1:18:36so wird es heute das Jura, was das Paradies ist für viele andere und Rebsorten oder Weine,
- 1:18:44von denen wir nie gehört haben, wo plötzlich auch ein Qualitätsspektrum einsetzt und das
- 1:18:49finde ich dann schon großartig alte Reben zum Beispiel.
- 1:18:53Es ist ein ganz schützenswerte Weine, von denen man immer mehr Tiefgründigkeit dann auch bekommt
- 1:19:01und sind Weine, die es nicht ganz so häufig gibt auf dieser Welt.
- 1:19:05Die meisten es auch mehr Aufwand erfordern oder eben auch mehr Erklärungsbedarf haben,
- 1:19:10weil sie eben nicht den Mainstream dann entsprechen und manchmal einfach auch ganz anders schmecken
- 1:19:17als so dieser normale Weingeschmack.
- 1:19:19Hast du eine Empfehlung für einen Gast, der sich vielleicht nicht traut, mit dem Zommi
- 1:19:24zu reden oder wo gar kein Zommi ist, wenn der jetzt eine Weinkarte bekommt, sich zurecht
- 1:19:28zu finden?
- 1:19:29Das ist schwierig und das ist auch nicht mit drei Worten zu beschreiben.
- 1:19:35Also so ein bisschen Grundkenntnis schadet dann nicht, dass man nicht eben bei den besagten
- 1:19:41Pinot Grigio wieder landet.
- 1:19:42Und wenn, dann sollte man versuchen den Wein erst versuchen zu können, wenn man sich nicht
- 1:19:50sicher ist, dass es eigentlich auch ein ganz gutes Argument und dann kann man ja sehen,
- 1:19:54dass die Weine die Glasweise ausgeschenkt werden, dass es die auch als Flasche gibt
- 1:19:58und insofern kann man dann einfach freundlich bitten, ob man den Wein vielleicht den und
- 1:20:02den vorher noch mal verkosten darf, wenn das nicht zu viel Aufwand bedeutet und dann ist
- 1:20:07man sich sicher oder lieber einen offenen Wein trinken und dann auf die nächste Seite
- 1:20:14zugreifen.
- 1:20:15Aber das ist schon schwierig aus einer Weinkarte etwas auszusuchen, die völlig ohne Beschreibung
- 1:20:20dort steht.
- 1:20:21Also das fällt mir schwer.
- 1:20:22Das kann man schwierig machen.
- 1:20:27Also wenn man jetzt bei den deutschen Weinen bleibt, dann könnte man sagen, dass vielleicht
- 1:20:33im Moment ein Trend herrsch, der ganz interessant ist, dass die Mitte, die Mitte der Weinkwalität
- 1:20:41eigentlich im Moment immer besser wird.
- 1:20:44Und das ist ja auch die interessante Qualität im Restaurant.
- 1:20:46Und dann muss man allerdings wissen, dass wir eine Klassifikation haben in Deutschland,
- 1:20:51wie in anderen Ländern auch.
- 1:20:53Und das ist einfach in der Pyramide, mit einer Pyramide zu vergleichen ist, die halt unten
- 1:20:58als Basis die Gutsweine hat.
- 1:21:00Dann gibt es die Ortsweine.
- 1:21:01Das sind die Weine, die rund um die Orte liegen.
- 1:21:04Und dann gibt es die Lagenweine.
- 1:21:06Und wenn ich jetzt zum Essen ausgehe Silvio, dann mag ich jetzt nicht unbedingt einen
- 1:21:10Ortswein trinken, weil, Entschuldigung, dann mag ich nicht unbedingt einen Gutswein trinken,
- 1:21:15weil das ist doch relativ einfach.
- 1:21:17Und das hat man vielleicht auch zu Hause im Kühlschrank, wo man abends nach Hause kommt,
- 1:21:23sondern man möchte ein bisschen was Besseres haben.
- 1:21:25Vielleicht jetzt nicht unbedingt gleich ein großes Gewächs gerade, wenn es noch Jugendlich
- 1:21:29ist, sondern Lagenwein.
- 1:21:31Man möchte in die Mitte.
- 1:21:33Und die Mitte sind das Herzstück.
- 1:21:35Und damit landet man bei den Ortsweinen.
- 1:21:38Und da, glaube ich, gibt es eigentlich wenig falsch zu machen im Moment in Deutschland.
- 1:21:43Da kann man sich dann schon mal trauen, eine Flasche zu bestellen.
- 1:21:46Und dann muss man halt wissen, welche Rebsorte man am liebsten hat.
- 1:21:50Und dann geht da nicht mehr ganz so viel schief.
- 1:21:52Könnte funktionieren.
- 1:21:53Kann man das so sehen, dass der Ortswein mehr oder weniger die große Herausforderung für
- 1:22:01dem Winzer ist, weil der Lagenwein, da versucht der Winzer ja, die Lage sprechen zu lassen.
- 1:22:05Beim Gutswein geht es ja oft um die Rebsortentypizität, die herausgearbeitet wird.
- 1:22:11Aber dem Ortswein eine ganz eigene Identität zu geben, er fordert ja vielleicht sogar
- 1:22:15noch ein bisschen mehr Aufwand, als das andere arbeiten zu lassen.
- 1:22:18Welcher mit Weingutzphilosophie zu tun hat, oder?
- 1:22:22Ja, das sehe ich auch so.
- 1:22:24Es hat mit Weingutzphilosophie zu tun.
- 1:22:26Und man muss natürlich diesen Ortswein etwas mehr Leben einhauchen und ihn etwas mehr Platz
- 1:22:32geben, ihn etwas mehr Qualität geben, als sie das vielleicht vormals hatten.
- 1:22:37Und wenn man sich diese Pyramide vorstellt, muss die für jeden, ich sage jetzt bewusst,
- 1:22:43für jeden Kunden nachvollziehbar sein.
- 1:22:45Nicht jeder kommt unbedingt bis an die Spitze der großen Gewächs- oder der Lagenweine,
- 1:22:51weil ihm das einfach zu teuer ist.
- 1:22:53Aber die Ortsweine sollte man schon eckrunden.
- 1:22:56Und das ist in anderen Gebieten ganz genau so, das kann das per Grund sein.
- 1:22:59Und dann wird man fündig, also man kann sich da schon ein bisschen orientieren und das sind
- 1:23:06die Weine, die schon ein bisschen besser sind als die Gebietzweine und schon ein bisschen
- 1:23:11feiner sind.
- 1:23:12Und in Deutschland ist es gerade in der Qualität halt sehr besonders, weil die Winzer an diesem
- 1:23:21Fakt gerade intensiv arbeiten, das merkt man.
- 1:23:24Also das macht mir Freude.
- 1:23:26Und für mich sind das deswegen gastronomisch sehr gut geeignete Weine, weil sie bezahlbar
- 1:23:30sind und sie haben eigentlich eine relativ hohe Qualität.
- 1:23:33Und das hat man vielleicht nicht in anderen Ländern so parallel, dass man sagen kann,
- 1:23:38der und der Weintyp, damit könnt ihr nichts falsch machen.
- 1:23:40Kannst du selber noch Wein trinken?
- 1:23:43Also nicht degustieren oder nicht irgendwie ich arbeite mich daran ab, sondern einfach
- 1:23:48so ein richtig appetitliches Glas Wein?
- 1:23:50Das ist eine komische Frage natürlich.
- 1:23:54Ja, dass man so dem Thema drin ist und dann so die ganze Zeit und immer wieder eine Herausforderung
- 1:24:00und dem Wein runterdeclinieren, aber einfach so hoch appetitlich, wie du so schön sagst,
- 1:24:06ein Maulvoll Wein, geht es noch?
- 1:24:07Ja, aber es ist ja auch eine Frage der Situation und der Laune sind.
- 1:24:12Also ich glaube, es gibt einer der wenigen Köche, die extrem Weinaffin waren, war Ingo
- 1:24:18Holland, also unser großer Gewürzpapst und der hat mal zu mir gesagt, Christine, es gibt
- 1:24:24nichts Besseres als in der Provence anzukommen, ein frisches Baguette zu essen mit etwas gesalzener
- 1:24:30Butter und dazu ein eiskalten Rose zu trinken.
- 1:24:33Ja, war herrlich.
- 1:24:34Recht hat er.
- 1:24:35Siehst du den Zommel je mehr als Lexikon, also als Weinempfehler, der aus seiner eigenen
- 1:24:43Bibliothek heraus arbeitet oder als Speisenbegleiter.
- 1:24:49Also siehst du deine primäre Aufgabe zwischen dem bei, also kann man das separieren oder
- 1:24:53ist das, geht es sowieso Hand in Hand?
- 1:24:57Also der Zommel je ist für mich das Bindeglied zwischen der Küche und dem Gast mithilfe
- 1:25:04des Weinkellers und ein guter Zommel je weiß um die Möglichkeiten der Weinpaarung, also
- 1:25:12der Weinpartnerschaft zu dem Essen und er macht eigentlich in erster Linie dem guten
- 1:25:19Gast einen tollen Abend und das ist seine wesentliche Aufgabe und dazu gehört es auch,
- 1:25:24dass der Teller rechtzeitig entfernt wird, dass das Glas sauber ist, ordentlich ist,
- 1:25:30dass der Wein temperiert ist, dass er aufpasst ob dem Gast der Wein schmeckt und das I-Tüpfelchen,
- 1:25:38das Zünglein an der Waage wäre dann, wenn er den Wein trifft, den der Gast gerne haben
- 1:25:44möchte oder zumindest wenn der Gast einfach sitzt und wohlig sein Essen genießt und den
- 1:25:49Wein trinkt und das sieht man, man sieht einem zufriedenen Gast an, wenn es ihm schmeckt,
- 1:25:54wie wohl als auch und das hat also unsere Crew kann ich wohl so sagen und auch mich immer
- 1:26:00glücklich gemacht, wir haben viel Freude daran gehabt solche Menschen bewerten zu dürfen
- 1:26:06ja und die lassen sich dann einfach auch auf solche Situationen ein und vertrauen.
- 1:26:09Das ist ein Riesenunterschied, wenn man Leute in der Tat in einem Weinaffin oder Genussaffin
- 1:26:16Ort trifft, sie sich betrachtet beim Essen und wenn du Leute beim Döner oder beim McDonald's
- 1:26:22liest, also es ist ein total unterschiedliches Essverhalten, ich habe noch nie jemanden
- 1:26:26beim Döner oder beim McDonald's irgendwie genießen sehen, also dieses leichte Lächeln,
- 1:26:30diese Augen die dann dabei leuchten, wenn man so den ersten Hubs auf der Zunge hat und
- 1:26:36das ist dann für mich so eine ganz andere Art von Lebensfreude eigentlich, wenn man das
- 1:26:41so wahrnimmt und ich glaube so Lebensfreude.
- 1:26:44Ja, glaube ich bin ich bei dir, aber vielleicht auch mit unserer Generation zu tun, also ein
- 1:26:50lieber Freund von mir, Toni Asks, der verkauft Pommes und Wein und da sehe ich eher, dass
- 1:26:56die Pommes Spaß machen und Satt machen und dass eigentlich der Wein und die Musik und
- 1:27:01das Umfeld, der Barhabitus und das Beinandensein die große Öffnung sind für den Wein und
- 1:27:09dass der Wein eine große Rolle spielt, aber eben nicht die Beziehung zwischen Pompfritt
- 1:27:14und Wein, gibt es garantierte Beine die das Ex tremen gut für 100%, bin ich völlig davon
- 1:27:22überzeugt, wir fallen auch schon ein paar ein, aber es passt nicht jeder zarte riesigen Kabinett
- 1:27:27zu Pommes und insofern ist es natürlich, ja, ist es einfach eine Brücke und die hilft
- 1:27:35dieser Gastronomie viel Freude zu machen, aber das was du gerade geschildert hast ist
- 1:27:40ja, ist was anderes, ist vielleicht ein bisschen tiefgründiger und vielleicht auch ein bisschen
- 1:27:44fundierter und es hat also wieder damit zu tun wozu der Gast Lust hat.
- 1:27:50Was du noch nicht weißt, was ich schon weiß, da ich ja ein bisschen im Vorfeld aufzeigte,
- 1:27:55Toni war letzte Woche unser Gast, also mit dem habe ich das jetzt schon aufgezeichnet und
- 1:28:01er hat in der Tat von einem unfassbar legendären Erlebnis mit dir zusammengesprochen von der
- 1:28:09Kombination von Wein und Speise, dass er dich angesprochen hat und dich als mehr oder
- 1:28:13weniger die Königin der Wein-Speisen-Kombinatorik in Deutschland gebeten ihm eine Lehrstunde
- 1:28:22zu geben, hat danach haltig von geschwärmt, also von den Instastories und so weiter, was
- 1:28:26ja bei Toni immer mit dazu gehört, mal abgesehen, wo wir es ja alle so ein bisschen miterleben
- 1:28:30durften gehabt haben, sie gibt ganz ganz viel Lachen auf der einen Seite, was dich auch
- 1:28:34auszeichnet, aber eben auch sehr viel Lehrreiches und nicht erst seitdem kochtuell ist das
- 1:28:40ja so deine Königsdisziplin, du hast ja auch so eines der Standhaltwerke geschrieben
- 1:28:45mit Wein und Speisen, was ich von einigen gehört habe, die nicht nur einmal gelesen
- 1:28:50haben.
- 1:28:51Wie kommst du zu dem Wissen, wie erklärst du das, gibt es da Regeln, kannst du mir einen
- 1:28:58Kurzabriss geben, kann ich kurz mal Toni sein oder hilf mir weiter?
- 1:29:19Ich habe keine Ahnung, wie Christina zu italienischem Wein steht, aber wenn ich ihr einem präsentieren
- 1:29:25durfte, dann sehr gerne, einem von dem aus dem 1971 von Giovanni Neri, Jacomos Vater,
- 1:29:32gegründeten Weingut, also sprich eines der innovativsten Brunello-Weingüter, welches
- 1:29:38seit Jahren zu den absoluten Lieblingsweingütern von Robert Parkas Monika Larner zählt, gelistet
- 1:29:45wird, gefeiert wird, 200 Hektar Landgehören zum Weingut und 75 Hektar davon sind mit
- 1:29:51Reben gepflanzt, verteilt auf sieben Lagen.
- 1:29:54Der Rest erstreckt sich über toskanische Wälder, Olivenhaine und Getreidefelder.
- 1:29:58Inzwischen ist mit Jacomos Sohn, der nach seinem Großvater, ebenfalls Giovanni heißt,
- 1:30:03bereits die dritte Generation in Zweingut eingestiegen, also die Zukunft ist gesichert.
- 1:30:08Im Jahre 2001 wurde der topmoderne geräumige Keller in den Hang gebaut, bei welchem man
- 1:30:14ein sehr geschicktes Verhältnis zwischen Barrics und großen Fässern gewählt hat.
- 1:30:18Den Wein, den ich heute für Christina aufmachen würde, wäre der Tnutanuva aus dem Jahre
- 1:30:232019.
- 1:30:24Natürlich sind Punkte nicht das Elementare, aber wenn so ein Wein beim Fallstaff 100
- 1:30:29Punkte bekommt, beim Wien um 99 bekommt, beim Wein wisse 98 bekommt, bei Robert Parker
- 1:30:3597 ist das mehr als erwähnenswert.
- 1:30:38Dieser Wein ist eine Blende aus den Lagen Zetine und Pietradonice, welches früher
- 1:30:42ein Marmor Steinbruch war.
- 1:30:44Aus dem jemals dort abgebauten Stück wurde die Theke im Verkostungsraum von Casanova
- 1:30:50Di Neri gemacht.
- 1:30:51Aus 32 bis 35 Monaten im gebrauchten französischen 500 Liter Tounot, verliehen dem Songjuwese
- 1:30:57diese intensiv dunkelwürzige, monumentalen, beeindruckende, saftige, schwarzkirsch-brombeer
- 1:31:03Aromatik mit leichtrauchigen, kräutrigen, mentholigen, minzigen Untertönen.
- 1:31:09Aus diesem großen Jahrgang ein Wein, der zum Megaerlebnis wird.
- 1:31:13Am Gaumen ein Feuerwerk.
- 1:31:15Wow!
- 1:31:16Die Tannine feinstrukturiert griffig und so hat man das Gefühl, dass dieses Topweingut
- 1:31:19im Jahr 2019 über sich selber hinausgewachsen ist.
- 1:31:23Und aufs Neue demonstriert, wo die Benchmark-Ebene für ein Brunello di Montalcino zu suchen
- 1:31:29ist.
- 1:31:30Was für ein Wein.
- 1:31:31Was für ein Wein für jetzt, für die Zukunft.
- 1:31:33Was für ein Weinerlebnis.
- 1:31:34Also, das finde ich jetzt richtig schön, weil ich habe den Tag mit Toni auch sehr genossen
- 1:31:47und habe mir halt Gedanken gemacht, warum der das so will.
- 1:31:49Aber weißt du was, ich fand es auch total cool, dass der Toni gesagt hat, Christina,
- 1:31:55ich brauche eine Lehrstunde in Sachen Wein und Speisen.
- 1:31:58Dann habe ich gesagt, okay, dann gibst du mir eine Lehrstunde in Sachen Social Media.
- 1:32:01Hat er gesagt, mach da.
- 1:32:03Kann er.
- 1:32:04Dann kann er sehr gut und besser als wir wahrscheinlich.
- 1:32:08Aber es ist total schön und ich habe viel Freude gehabt und das ist jetzt wirklich eine Art
- 1:32:13von Gastronomie, die sehr besonders ist.
- 1:32:17Dann freue ich mich, dass so jemand, der sowieso erfolgreich ist in seinem Beruf, also auch
- 1:32:22in der Somerilie, der sich immer weitergebildet hat, dass der sich nochmal hinsetzt und versucht,
- 1:32:29der Sache ein bisschen tiefer auf den Grund zu gehen und ein bisschen mehr Input zu bekommen
- 1:32:33und dann auch nachfragt.
- 1:32:35Und da merkt man eben, dass man nie auslernt und so sehe ich das auch.
- 1:32:41Also so versuche ich zum Beispiel jetzt mehr über Natural Wine und Orange Wine mehr Informationen
- 1:32:48zu bekommen.
- 1:32:49Und damit ich diese Argumente, die man dann in den Seminaren mit den Studenten bekommt,
- 1:32:54Frau Fischer, ist das nicht eine Generationenfrage, damit ich die entkräften kann.
- 1:32:58Und deswegen habe ich bei den Parings immer natürlich auch Natural and Orange dabei,
- 1:33:04um zu zeigen, was funktioniert und was geht.
- 1:33:06Und da glaube ich, ist es echt extrem wichtig, so ein bisschen auf der Höhe der Zeit zu
- 1:33:12bleiben.
- 1:33:13Und da sind wir dann eine große Familie und jeder kann von jedem lernen und jeder hat
- 1:33:18irgendwie eine Facette, wo er sich besonders dafür interessiert.
- 1:33:23Und bei mir ist durch diese offene Küche einfach auch das Kochen gekommen und dass
- 1:33:27ich gerne koche.
- 1:33:28Und so habe ich angefangen, einfach auf die Weine zu zu kochen.
- 1:33:32Also ich bin jetzt bei Weibend kein Sterne, koch und ich kann auch nicht für ein ganzes
- 1:33:36Restaurant kochen.
- 1:33:37Aber ich habe mir schon erarbeitet, was zusammen passt.
- 1:33:42Und ja, wir könnten das vielleicht mal ausprobieren mit so ein paar Basics, wenn du Lust hast.
- 1:33:49Also es gibt ja so Weine und Speisen Kombinationen, die man als Faustregeln bezeichnen kann.
- 1:33:54Und ich glaube, die wichtigsten Faustregeln, die wir alle kennen, sind die historisch gewachsenen
- 1:34:00Faustregeln.
- 1:34:01Also denkst du an die Loire, denkst du an Ziegenkäse und Sancer.
- 1:34:05Ja.
- 1:34:06Passt.
- 1:34:07Denkst du an das Elsass fällt mir Munster ein und Gewürztraminer ein Pering, was immer
- 1:34:16passt.
- 1:34:17Denke ich an England, denke ich an Portwein und Stilton.
- 1:34:23Also ist ein wunderbares Paar, denkt ihr an Cocovins fällt mir Pinot Noir dazu ein.
- 1:34:30Denke ich an Stakes, fallen mir Bordelezer Cueves dazu ein.
- 1:34:37Also so gibt es einfach Faustregeln, die Maultaschen.
- 1:34:41Das hört gar nicht auf bei mir, dann fällt mir der Trolli rein.
- 1:34:45Also es sind einfach gewachsene, historisch gewachsene Kombinationen, die funktionieren
- 1:34:52und die meist in den Anbaugebieten entstanden sind, weil natürlich die Winzerfrauen irgendwann
- 1:34:58kapiert haben, was am besten passt und weil natürlich Espresshühner im Begrund gibt
- 1:35:03und irgendwann an einem Sonntag das Hundrandlauben musst du in den Topf wanderte und dann natürlich
- 1:35:10mit Pinot Noir abgelöscht wurde.
- 1:35:13Und so sind solche Gerichte entstanden und haben natürlich auch immer einen großen
- 1:35:18Bestand auf unserem Weinwissen.
- 1:35:20So kann man anfangen, das ist relativ einfach.
- 1:35:22Aber die Küche hat sich verändert, wir haben uns verändert, die Welt dreht sich weiter
- 1:35:27und deswegen rede ich von Faustregeln.
- 1:35:29Und ich fände es schön, wenn wir jetzt mal versuchen, wir haben ja heute nur den Sinn
- 1:35:37des Hörens, den wir nutzen können.
- 1:35:40Wir können weder unsere Nase den Geruch nutzen, noch haben wir das Augenlicht.
- 1:35:44Also ich glaube, mit den Augen gehen 90 Prozent aller menschlichen Entscheidungen in 10.
- 1:35:50Sekunden schnelle, in 100.
- 1:35:52100.
- 1:35:53Sekunden schnelle von Statten, die sind jetzt ausgeschaltet.
- 1:35:56Sie können uns nur hören und wir müssen jetzt einfach versuchen, unsere Eindrücke,
- 1:36:02auch die Haptik ist nicht spürbar, also der Tastzinn.
- 1:36:08Wir müssen versuchen, das, was wir jetzt schmecken, irgendwie ins Hören zu packen.
- 1:36:12Das wird bestimmt ganz interessant werden.
- 1:36:14Ich glaube, es ist aber durchaus möglich, also gerade weil du das ja wunderbar beschreiben
- 1:36:17kannst.
- 1:36:18Wir werden sehen.
- 1:36:19Und der eine oder andere kannst du ja auch nachempfinden.
- 1:36:22Du hast ja vor, das relativ handfest auch zu vermitteln.
- 1:36:26Und die ein oder anderen Elemente sind ja nicht unbedingt markfremd daher.
- 1:36:32Was dürfen wir tun, um Wein und Speis mal so richtig intensiv zu erleben?
- 1:36:37Ja, vielleicht einfach nochmal auf die Aromen und den Geschmack zurückkommt.
- 1:36:45Im Englischen heißt es Flavor, ist ganz interessant.
- 1:36:48Da wird nicht unterschieden zwischen Aromen und Geschmack.
- 1:36:51Und wir haben auf der einen Seite die Aromen und auf der anderen Seite den Geschmack.
- 1:36:56Das heißt, wir haben die Grundgeschmack-Saten, Salz, Säure, Süße, Bitterkeit, Umami und
- 1:37:02Fett.
- 1:37:03Die beiden Letzt genannten sind dazu gekommen.
- 1:37:06Sicherlich für manche einen heute etwas Unbekanntes hat er nicht so ganz gewusst und hatte gedacht,
- 1:37:11das gäbe nur vier, aber es gibt halt ein bisschen mehr.
- 1:37:14Und das Fett ist so, dass was als Letztes dazu gekommen ist, ganz einfach die Erklärung
- 1:37:20lautet, dass es ein auskleidendes Mundgefühl ist.
- 1:37:24Und das kann auch jeder nachvollziehen, wenn man ja, wenn man Mayonnaise am Gaumen hat
- 1:37:29und das am Gaumen verteilt, entsteht eine Art Film, für den man einfach ein bisschen
- 1:37:35braucht, bis der sich wieder löst.
- 1:37:37Das heißt, das Ganze merkt man ohne, dass man Aromen dazu braucht.
- 1:37:42Und jetzt komme ich schnell nochmal zwischendrin auf die Aromen zurück.
- 1:37:46Die Aromen zerlegen die Dinge in Einzelheiten, sprechen wir beispielsweise über Zitronen,
- 1:37:53über Zitrusfrüchte.
- 1:37:55Dann kann man sich vorstellen, dass man Amalfizitronen riecht oder dass man normale Zitronen riecht,
- 1:38:03dass man Mandarine riecht, dass man Orange oder sogar Pampelmuse riechen kann.
- 1:38:08Und das alles passiert in unserem Kopf.
- 1:38:10Das geht über die sogenannte retronaselle Passage.
- 1:38:13Das ist die Passage, die hinten am Rachen entlang läuft.
- 1:38:19Und das passiert parallel zum Kaun.
- 1:38:21Und wenn man sich die Dase zuhält und versucht einfach mal jetzt weit zu probieren, stellt
- 1:38:27man fest, dass man nur noch die Geschmackssinn hat.
- 1:38:31Das ist genauso, als wenn man erkältet ist und einfach nicht mehr schmecken kann.
- 1:38:36Und dann wäre man auch nicht in der Lage, die Unterschiede der Zitrusdrücke zu schmecken.
- 1:38:40Und so sammelt der Mensch in seinem Leben so eine Art Aromenbibliothek in seinem Kopf.
- 1:38:45Und das wird beim Kaufvorgang automatisch, wird das ans Hirn geleitet und das Hirn übersetzt
- 1:38:52das dann und zerlegt es dann.
- 1:38:54Und dann ist es so, dass der Essende dann das Aroma auch benennen kann.
- 1:38:59So kommt das zustande.
- 1:39:00Und die Grundgeschmacksarten, diese sechs, über die wir jetzt sprechen, die werden gelegt,
- 1:39:07auch wenn man eine verstopfte Nase hat.
- 1:39:09Also jeder kann salzig spüren, jeder kann sauerspüren, Bitterkeit, Süße und auch umarmisch
- 1:39:16spürt man und auch diesen auskleidenden Fettfilmen kann sich jeder vorstellen.
- 1:39:20Und wer mir das nicht glaubt, kann sich die Nase zuhalten und dann einen Schluck Wein
- 1:39:25im Mund verteilen und dann wird er feststellen, dass er die Fruchtigkeit erst wahrnehmen kann,
- 1:39:29wenn er die Nase loslässt.
- 1:39:31Also wieder atmen kann.
- 1:39:33Ich habe das gerade mal gemacht und ich finde, ich mache das immer wieder gerne.
- 1:39:37Wenn man so stark von den Aromen geprägt ist, dass man sich gar nicht auf Schmecken konzentrieren
- 1:39:42kann.
- 1:39:43Also dadurch, dass wir ja auch so eine automatische Abfolge haben in der Wertigkeit unserer Sinnesvahrnehmung,
- 1:39:48kommt der Schmecken oftmals weit aus nach dem Riechen oder nach dem Sehen und man vernahlt
- 1:39:54sich das manchmal.
- 1:39:55Aber wenn man sich eben die Nase zuhält, dann spekt man ganz intensiv, konzentriert sich
- 1:39:59darauf und es ist ein solches Sinnesvergnügen.
- 1:40:01Also süße Säure oder eben auch Fertigkeit bewusst wahrzunehmen.
- 1:40:05Also bin ich ganz wohl bei dir.
- 1:40:06Ja, stimmt.
- 1:40:07Und das Fett ist natürlich dann auch klar, dass es dazugekommen ist durch dieses Auskleiden.
- 1:40:13Und der nächste Punkt ist Umami.
- 1:40:15Also das ist was, was wir, ich glaube, in der heutigen Zeit sehr oft hören.
- 1:40:19Es gibt sogar Umami-Pasten und alles Mögliche.
- 1:40:23Und Umami ist ein uraltes Küchengeheimnis, das fermentierte Soßen.
- 1:40:28Das ist das Salz eines Puffs.
- 1:40:29Hoteins, eine Aminosäure.
- 1:40:31Das wird durch freie Glutaminsäure erzeugt.
- 1:40:35So, so hört sich alles unheimlich schlau an.
- 1:40:37Also, bekannte ist das Salz, was als Glutamat auch
- 1:40:41als Geschmacksverstärker genannt wird.
- 1:40:43Und ich glaube, viele können sich noch erinnern, dass es mal Maggi gab.
- 1:40:47Das ist jetzt künstliches Umami.
- 1:40:49Und heute benutzt man Sojasauce dazu und das ist einfach Umami, was ja, was da ist.
- 1:40:57Und ich habe jetzt Folgendes überlegt.
- 1:40:59Ich glaube, Silvio, ich hatte dir eine kleine Liste geschickt,
- 1:41:04damit du das jetzt auch alles hast, dass es nicht vom Himmel fallen muss.
- 1:41:07Also, ich habe jetzt hier so ein kleines Stück Norialge.
- 1:41:11Das sind diese Algen, die man benutzt, um Sushi einzuholen.
- 1:41:17Und ich würde so ein kleines Stückchen Wassermal empfehlen.
- 1:41:21Ja.
- 1:41:22Damit die Zunge so etwas feucht wird.
- 1:41:25Und dann legst du dieses Algenstück auf deine Zunge.
- 1:41:28Es klebt sofort am Gaumenfest, wie du merkst.
- 1:41:32Vielleicht noch ein Stück Wasser.
- 1:41:37Und was passiert?
- 1:41:39Was kann das spürt?
- 1:41:42Es ist eine richtig intensive Fettigkeit.
- 1:41:45Was Totes, ja.
- 1:41:50Und es entwickelt sich vor allem viel Geschmack.
- 1:41:54Die ich vorhin das Vasignum hätte.
- 1:41:56Der bleibt und bleibt und geht gar nicht weg.
- 1:42:00Und Umami ist geschmacksverstärkend.
- 1:42:04Also, es verstärkt den Geschmack aller Lebensmittel,
- 1:42:08ohne einen echten Eigengeschmack zu haben.
- 1:42:10Und wenn man jetzt bei den europäischen Lebensmitteln bleiben würde,
- 1:42:14dann denkt ihr vielleicht an Parmesan.
- 1:42:17Das sind so die Salzkristalle, die im Käse sind.
- 1:42:20Wenn man Parmesan ist, ist es ein Geschmack, der sehr lange bleibt.
- 1:42:24Konzentration, natürliche Konzentration.
- 1:42:27Das heißt, Fett verdunstet durch die Reifung.
- 1:42:30Entschuldigung, Flüssigkeit verdunstet durch die Reifung.
- 1:42:33Fett konzentriert sich und Salz konzentriert sich.
- 1:42:36Und es wäre konzentriertes Tomatenmark.
- 1:42:39Auch das ist ein hoher Umami-Träger.
- 1:42:41Und wir haben uns gerade in die asiatischen Küchen gegeben.
- 1:42:45Wir hatten jetzt einfach ein Stück Alge.
- 1:42:48Und wenn man das mit Zahlen hinterlegt,
- 1:42:50dann sind die beiden genannten Dinge die Lebensmittel,
- 1:42:54die ich gerade gesagt habe, der europäischen Küche sind die höchsten.
- 1:42:58Also auch mit hundtausend 200 Milligramm pro 100 Gramm.
- 1:43:05Und das ist eine ganze Menge.
- 1:43:07Wenn man in die asiatischen Küchen schaut
- 1:43:10und man über fermentierte Sojaprodukte spricht oder Algen,
- 1:43:14die haben dann bis zu 1700 Milligramm pro 100 Gramm.
- 1:43:18Und gerade die Komboalgen, mit denen man daschie zubereitet.
- 1:43:22Das ist extrem hoch und ufuschwatze Bodenpaste.
- 1:43:27Sadellen sind großartig, getrocknete Pilze wie Chitake zum Beispiel.
- 1:43:32Das alles sind extreme Geschmacksbringer in der asiatischen Küche.
- 1:43:38Also in den asiatischen Küchen muss man eher sagen.
- 1:43:42Und so kann man das auch mit natürlichem Gutamat nachvollziehen
- 1:43:47und kann sich daran orientieren und an der Stelle vielleicht sagen,
- 1:43:51dass umami immer sehr förderlich für alle Weine ist.
- 1:43:55Das nächste wäre halt Salz.
- 1:43:58Welts? Auch wenn ich kurz fragen darf, welts den Geschmack der Weine noch mal
- 1:44:02intensiviert und trägt.
- 1:44:04Also ich schmecke das jetzt immer noch witzigerweise.
- 1:44:06Und kann das auch, wenn mich das sehr begeistert,
- 1:44:09kann das auch der Grund sein, warum ich zum Beispiel Parmesan übernudeln
- 1:44:13beziehungsweise ich mag total gerne Nigri machen.
- 1:44:17Also sprich jetzt die Sushi, was in diesen Algen,
- 1:44:21in den Nori-Algen eingewickelt ist mit Avocado oder mit Gurke.
- 1:44:26Dass ich eigentlich nur diese Algen mehr oder weniger zum Zusammenhalten nehme,
- 1:44:30aber als Geschmacksträger für den Reis und für so neutrale Sachen wie Gurke oder Avocado.
- 1:44:35Dass die deswegen.
- 1:44:37Natürlich.
- 1:44:38Jetzt wird das für mich schlüssig.
- 1:44:40Jetzt ja.
- 1:44:41Ja und Sojasauce, die man meistens auch noch dazu ist.
- 1:44:45Und in dem Moment bist du dann natürlich ganz klar auf einer extremen Umami-Bombe,
- 1:44:50also positiv gesehen und also Reis alleine.
- 1:44:55Der gesäuerte Reis hat wenig Geschmack.
- 1:44:58Und ich glaube Gurken sind jetzt kein typisch asiatisches Ingredient für Sushi.
- 1:45:04Das ist so ein bisschen mehr Deutsch.
- 1:45:06Und also die Avocados kommen von den California Rolls.
- 1:45:09Also das ist mehr so aus Kalifornien dazugekommen.
- 1:45:13Es gibt ja unterschiedliche Sushi mittlerweile.
- 1:45:15Aber diese Umamitik von der Alge, die jetzt in dem Fall beim Noriblatt
- 1:45:23auch noch geröstet ist und getrocknet ist, also noch ein bisschen mehr Umami aufweist
- 1:45:28und dann zusätzlich die Sojasauce.
- 1:45:30Das gibt Umami und es gibt eine gewisse Salzigkeit.
- 1:45:34Die kommt auch dazu, die total positiv ist zum manchen Weintypen.
- 1:45:38Und das hilft extrem, um dem Wein ein Gerüst zu verpassen.
- 1:45:44Und der Wein kann dann einfach noch besser auf die Sushi eingehen.
- 1:45:48Also so kann man das dann übersetzen beispielsweise.
- 1:45:51Super interessant.
- 1:45:52Oder wenn ein Gericht mit Daschi gekocht ist,
- 1:45:55dann hat man eigentlich auch schon ziemlich gewonnen,
- 1:45:58weil Daschi sind Tunfischflocken und die Algen, die Komboalgen gemeinsam.
- 1:46:04Erhitzt und daraus entsteht ein Sud.
- 1:46:07Wenn man mit dem Würst braucht man kein Salz mehr, man braucht kein Gewürz mehr.
- 1:46:12Das ist einfach extrem feinfuchtig und sehr hilfreich für die Beziehung zum Wein.
- 1:46:20Was man vielleicht auch noch sagen kann in der europäischen Küche.
- 1:46:23Fleischbrün, Hühnerbrün sind auch extreme Umamiträger.
- 1:46:28Also auch die helfen immer wieder bei der Kombination von Wein und Speisen.
- 1:46:33Mhm.
- 1:46:34Du hattest mit Salz angefangen, da hat ich hier unterbrochen.
- 1:46:38Ja, das macht nichts.
- 1:46:39Das kommt ja wieder mit Salz und so.
- 1:46:42Also ich glaube, wenn du jetzt irgendwie hast du einen kleinen Bugunder zufällig zuhand.
- 1:46:49Also so ein Brot und Butter Bugunder für jeden Tag.
- 1:46:54Graubugunder, dein Litterchen Fritsch oder ein Graubugunder?
- 1:46:58Ja, würde gehen. Mach mal, wenn du hast.
- 1:47:00Hab ich gerne.
- 1:47:02Ich mach das gleiche.
- 1:47:05Die Glasform ist dabei egal, oder?
- 1:47:08Jetzt ist so rein vom Parry.
- 1:47:10Oder ist da etwas Schmäleres Glas nehmen, um das so live zu erleben oder so ein Bugunderglas?
- 1:47:15Oder was soll ich da?
- 1:47:17Also ich würde für diese, um die Pairings zu lernen, um die Faustregeln zu verstehen, würde ich das so genannte Allrounderglas nehmen.
- 1:47:26Also ein Glas, was ungefähr in der Mitte steht, ein etwas ausgeprächten Bauch hat, ein etwas höheren Kamin hat sich wieder schließt.
- 1:47:36Also im Grunde das Glas, was bei allen Glas-Serien mittlerweile, Gott sei Dank ist das ja heute so, eigentlich das Einstiegsglas ist.
- 1:47:44Ich habe diesen Graubugunder vom Fritsch Salm von der Nahl.
- 1:47:50Ah, super.
- 1:47:51Du durftest passen.
- 1:47:54Das ist jetzt total witzig.
- 1:47:55Ich bin auch an der Nahl.
- 1:47:57Das gibt Frische.
- 1:48:01Das Graubugunder ist wirklich ganz anders und man hat so ein leicht frischen Duft, so was Nussiges.
- 1:48:05Also ich habe das zumindest.
- 1:48:06Und man probiert immer zuerst den Wein, weil der Wein sich durch jegliche Zugabe von Speisen verändert.
- 1:48:15Und das, was man jetzt gerade gehört hat, was der Silvia gemacht hat, ist ganz wichtig, dass man den Wein so ein bisschen durch den Gaumen zieht,
- 1:48:23dass das, wo junge Leute mal frucht belachen müssen, wenn sie uns alte Sobbel probieren hören und die denken, das ist unfein,
- 1:48:30ist es aber gar nicht.
- 1:48:30Es gibt dem Wein mehr Sauerstoff und man hat die Möglichkeit, einfach mehr über den Wein zu verstehen.
- 1:48:36Ich mache das gleiche.
- 1:48:42Also mein Wein ist relativ balanciert, hat eine moderate Tiefe, hat moderate Länge,
- 1:48:50ist also wirklich dieser viel gerühmte Brot und Butter, Graubugunder,
- 1:48:54den man so abends aus dem Kühlschrank holt und denkt, wunderbar, das ist jetzt ein guter Apparat.
- 1:49:00Und dazu kann man, ja.
- 1:49:02Ist die Temperatur dabei für dich wichtig, wenn du gerade Kühlschrank sagst?
- 1:49:06Ich habe sie jetzt ein bisschen temperiert.
- 1:49:08Ich habe sie so 10 bis 12 Grad, also nicht ganz bei Kühlschrank Temperatur, weil ich finde, dass der Wein dann so bestmöglich seine Potenz, seine Kraft
- 1:49:16und trotzdem auch seine Eleganz und seine Frische im Balance bringen kann.
- 1:49:21Das ist 100 Prozent richtig, dem würde ich zustimmen, Silvio.
- 1:49:24Aber es gibt dann auch wieder persönliche Präferenzen, und es gibt Leute, die gerne etwas kühler trinken.
- 1:49:30Das schadet jetzt der Sache, die wir vorhaben, schadet das nicht, der Faustregel.
- 1:49:34Also das kann man sowohl gekühlt als auch etwas wärmer wahrnehmen.
- 1:49:38Denn so ein Brot und Butterwein ist eher rebsortenorientiert.
- 1:49:43Der soll die Rebsorte zeigen, das ist in der Regel das Aushängeschild eines Weingutes.
- 1:49:48Und er hat Frucht, Frische.
- 1:49:51Und wir machen jetzt was, was er an ein anderes Getränke erinnert, an Tequila.
- 1:49:56Wir nehmen etwas Salz.
- 1:49:57Ich glaube, das kennen alle, dass man etwas Salz auf die Handkuhle streut.
- 1:50:03Und wenn man jetzt ein Salz hat, was so ein bisschen geblättert ist, wie die Köche das gerne benutzen, damit die Haptik angerät wird,
- 1:50:10da muss man es ein bisschen sehr bröseln.
- 1:50:14Und dann drückt man etwas Zitronensaft aus dem Schnitz, was du hoffentlich vor dir liegen hast, auf das Salz.
- 1:50:21Da werden die Erinnerungen wahr.
- 1:50:23Ja, da werden die Erinnerungen wahr.
- 1:50:25Aber du bekommst nicht den dicken Kopf, der sonst auf Tequila folgt.
- 1:50:29Nein, aber es ist jetzt a) ganz interessant, ich sage das jetzt schon, weil gleich habe ich was im Mund und kann nicht so gut sprechen.
- 1:50:37Der Geschmack von Salz und Zitrone ist ein extrem positiver, wenn man gutes Salz benutzt.
- 1:50:43Und wenn man das ablegt und gleich danach den Wein folgen lässt, dann bekommt der Wein sozusagen etwas Unterstützung,
- 1:50:52geschmacksverstärkende Unterstützung.
- 1:50:54Das versuchen wir jetzt.
- 1:50:55Okay.
- 1:50:56Also die Verbindung von Salz und Zitrone macht schon Lust.
- 1:51:01Das merkt man.
- 1:51:12Mein grauber Gunder war etwas leichter und er hat jetzt etwas mehr Intensität bekommen.
- 1:51:18Das heißt, dass Salz, die Kombination von Salz und Zitrone, geschmacksverstärkend und hilft,
- 1:51:27diesem kleinen Wein einfach etwas mehr Volumen zu bekommen.
- 1:51:30Und das gleiche könnte man mit einem großen Gewächs machen.
- 1:51:34Das gleiche könnte man auch mit einem Rotwein machen.
- 1:51:37Also die Kombination von Salz und Säure wird in den Sommelierkreisen "Tekila"-Effekt genannt.
- 1:51:44Das habe ich in Koblenz so gelernt bei Herrn Dating.
- 1:51:47Und als ich das das erste Mal hörte, habe ich mir einen Kopf gefassten und habe gedacht, der spinnt.
- 1:51:52Aber es ist was dran.
- 1:51:54Und ich kann das auch belegen, stellt euch vor, ihr hättet eine beur blanc.
- 1:51:58Die besteht hauptsächlich aus Butter und ist sehr gehaltvoll.
- 1:52:05Wenn in dieser beur blanc kein Salz wäre und kein Zitronensaft, könnte man die nicht essen,
- 1:52:12weil sie einfach zu gehaltvoll wäre und sie würde gar nicht die Kehle hin approachen, so ungefähr.
- 1:52:17Und erst Salz und Zitrone machen diese Soße zu dem großen luftigen Gedicht, was sie eigentlich darstellt,
- 1:52:23zu der Besonderheit.
- 1:52:24Dass man nicht aufhören möchte, diese Soße zu löffeln und zu essen,
- 1:52:29das ist dieser Kombination von Salz und Zitrone zu verdanken.
- 1:52:34Und ich habe ziemlich lange als Sommerjäger gebraucht, das zu verstehen.
- 1:52:38Die Köche wissen das eigentlich von Anfang an.
- 1:52:42Und deswegen ist es eigentlich wichtig, dass Köche auch ein bisschen mehr über Wein wissen,
- 1:52:46dass man sich mit denen darüber unterhält.
- 1:52:48Also ein Effekt, der extrem wichtig ist und Süße, Bitterkeit, auch für die zwei Grundgeschmacksarten.
- 1:52:57Süße findet man natürlich in Süßweinen.
- 1:53:02Mit Süße muss man vorsichtig umgehen.
- 1:53:04Und Bitterkeit ist etwas, was kleine Kinder in sich tragen.
- 1:53:09Jedes kleine Kind spuckt alles, was bitter ist, sofort wieder aus.
- 1:53:12Und wir Menschen haben uns daran gewöhnt, wir erwachsenen Menschen.
- 1:53:16Wir trinken Kaffee, wir trinken Campari, trinken Amaros.
- 1:53:22Warum Amaros? Amaros sind so genannte Bitter, die eigentlich sehr bitter sind.
- 1:53:26Aber durch die hohe Süße, die sie haben, schmecken sie dann wieder.
- 1:53:30Und so merkt man, dass Süße und Bitterkeit eigentlich ganz gut miteinander funktionieren.
- 1:53:34Und es gibt viele Hausfrauen und auch Köche leider, die Zucker ins Spargelwasser tun.
- 1:53:40Und das ist etwas, was die Weine dann später ziemlich übel nehmen können in der Kombination.
- 1:53:46Aber das war so ein kleiner Ausflug einfach
- 1:53:50jetzt in die in die Welt der Aromen und
- 1:53:55in die Welt der Grundgeschmacksarten.
- 1:53:59Also, dass man den Geschmack praktisch süß, sauer, salzig, bitter, umami und fett als Geschmack bezeichnet.
- 1:54:06Die physikalische Variable, wenn man so will, Strukturen, Texturen, also was knusprig ist, hart, ist weich, ist oder wässrig, ist Temperaturen.
- 1:54:15Also ob etwas kühl serviert wird oder ob etwas warm serviert wird.
- 1:54:20Beispielsweise ein Vanille-Eis, schmeckt, wenn es gekühlt ist, total ausgebogen.
- 1:54:25Wenn es warm wird und flüssig wird, merkt man den hohen Anteil an Zucker.
- 1:54:30Die Süße wird durch die Kühle halt gebremst.
- 1:54:33Das ist die physikalische Variable.
- 1:54:35Und dann gibt es den sogenannten Trigeminus-Nerv, der einfach Schärfe und Kühle transportiert.
- 1:54:42Also in Englisch sagt man cool und hot.
- 1:54:45Also Minze ist cool, nicht cool im Sinne von angesagt, aber und Schärfe.
- 1:54:52Also wie in einem guten indischen Restaurant.
- 1:54:54Es ist hot, es ist pieksend, es macht etwas mit dem Nerv.
- 1:54:57Und es gibt die sogenannte Arztringenz, das was man bei Rotweinen spürt oder generell Weinen, die im Holz ausgebaut sind.
- 1:55:05Die sehr viele Gerbstoffe haben, die weisen eine gewisse Arztringenz auf.
- 1:55:09Und das ist das, was den Mund so etwas pälzig gestaltet.
- 1:55:12Also das sind auch eher Dinge, die man spürt, die aber nicht durch die Zunge zu spüren sind, sondern durch diesen Trigeminus-Nerv.
- 1:55:21Und das ist eigentlich hochinteressant, sich mit diesen Dingen zu beschäftigen.
- 1:55:26Und das sind jetzt, sage ich mal, das kleine einmal, eins, was man wissen muss.
- 1:55:30Wenn man dann weitergeht in den Weintüken und beispielsweise überlegt, was passt zu welchem Wein.
- 1:55:40Ich hatte vorhin etwas über Souvenir Blanc erzählt und als die ersten Souiries auf den Markt kamen,
- 1:55:46haben wir die Weine geliebt und fanden die ganz großartig.
- 1:55:50Und gleichzeitig haben wir uns als Soumiers gefragt, was kann man denn zu diesen Weinen in Gottes Namen kombinieren?
- 1:55:58Also zu diesem extrem ausdrucksvollen, grünen Vegetabilen.
- 1:56:06Übrigens auch ein Begriff, den ich von den Soumiers, die aus Koblenz kam, genannt habe,
- 1:56:12die irgendwann die Weine beschrieben als Vegetabil. Und ich habe gesagt, was? Wie bitte?
- 1:56:17Aber Vegetabil bedeutet einfach, dass die Weine grün sind, sehr grünlich ausgeprägt, ohne im Sinne Unreif zu sein,
- 1:56:24sondern dass sie einfach das gewisse, frische Grüne haben, auch vielleicht ein bisschen mehr in die Reife gehen können,
- 1:56:31nach Stackelbären schmecken, nach reifen Stackelbären.
- 1:56:35Und dazu probieren wir jetzt mal einen Souvenir Blanc. Ich hoffe, du hast einen.
- 1:56:39Ja.
- 1:56:40Wenn ich zu meiner Empfindung von eben noch Kurzstellung beziehen kann, ich fand das total spannend.
- 1:56:51Die Zitrusfrische mit dieser leichten Salzigkeit in Kombination mit dem Grauburgunder,
- 1:56:58weil die auf einer Augenhöhe miteinander kommunizierten.
- 1:57:02Und einer hat dem anderen den Staffelstab so in den Mund gelegt.
- 1:57:08Sie gingen ineinander über und waren trotzdem ein Ganzes. Also man hat ein unfassbares Harmoniegefühl gehabt.
- 1:57:13Es gab nichts, was das andere dominiert hat. Man hat trotzdem jedes Element in sich separat oder separiert geschmeckt und wahrgenommen.
- 1:57:20Und das fand ich sowohl vom Nachgeschmacks- und Richtigaufregenden.
- 1:57:23Es hinterließ eben diese animierende Appetitlichkeit, dass ich es immer wieder haben möchte und immer wieder probieren möchte.
- 1:57:29Also es war ein sehr, sehr schönes, sehr einfaches und positives Sinne, weil verständliches Experiment.
- 1:57:35Aber es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht. Es hätte mir eigentlich gereicht.
- 1:57:38Also ich hätte immer nur wieder das probieren können, weil es so animierend war.
- 1:57:42Du hast das wunderbar auf ganz, ganz, ganz hohem Niveau gesagt.
- 1:57:47Und wichtig finde ich jetzt wieder, dass diese Empfindung von jedem nachempfunden werden kann.
- 1:57:56Sowohl von Sommeljäs, die ausgebildet sind, als auch von normalen Weingenisern,
- 1:58:01die sich auf diese Art und Weise etwas fortbilden wollen.
- 1:58:04Und das Thema Salz und Zitrone, dass die Wein unterstützend sind und dem Wein was Gutes tun,
- 1:58:11das ist eigentlich die Aussage. Und man kann das dann noch so feinfühlig, wie du es gerade gesagt hast, ausdrücken völlig richtig.
- 1:58:20Und das macht es aus. Und wenn man es dann probiert hat, denkt man, es hätte ich eigentlich schon eher drauf kommen können.
- 1:58:26Das ist so wie mit vielen Dingen im Leben. Man spürt es dann und denkt, klack, natürlich, begegnet mir ja ständig in meinem Leben.
- 1:58:34Und jetzt das nächste Beispiel, Sauvignon Blanc. Was hast du im Glas?
- 1:58:40Ich habe aus der Tourin, Chateau de Pestle, in Sauvignon Blanc, aus dem Jahr 2022, also mit einer gewissen Frische, aber auch schon im Jahr Reife,
- 1:58:50sehr mineralisch, aber nicht so überanstrengend wie jetzt ein so Sausage, wie für Mezettere.
- 1:58:56Und ich wollte auch keinen zu duftigen nehmen, aber eben einen ganz klaren puristischen, sehr rebsorten, echten Sauvignon Blanc aus dem Loa-Altal.
- 1:59:02Ja, ich bin auch bei Sauvignon, witzigerweise. Ich habe 2022 auch ein etwas reiferen Jahrgang vom Weingut Völker aus Moosbach in der Falz.
- 1:59:13Und das macht viel Freude, auch die leichte Reife, wunderbar.
- 1:59:20Wenn man das jetzt gleich nochmal so ein bisschen auslaufen hört, dann merkt man, dass wir die Wein auch ausspucken, weil wir wollen noch ein bisschen miteinander reden.
- 1:59:39Wir haben noch acht Stunden vor uns. Ja, da sind neun.
- 1:59:45Da haben wir schon hinter uns.
- 1:59:47Und das ist jetzt die Frage, wie kommt man mit solch einem Wein so recht, was verträgt der?
- 1:59:54Und da gibt es eine wunderbare Faustregel, das Sauvignon Blanc, Muscatella und auch Scheurebe.
- 2:00:01Also all diese drei unterschiedlichen Weintypen sich bestens vertragen mit allen grünen Gemüsesorten.
- 2:00:08Und mit Kräutern. Ich muss jetzt grad mal schlocken, mir ist das Wasser im Mund zusammengelaufen.
- 2:00:15Also das bedeutet, dass man beispielsweise zu Kini grillen könnte, dass man Fäntchen dünn reiben kann, Roh als Salat anrichten kann.
- 2:00:27Auch das würde funktionieren. Also alles, was grün ist, grüner Spargel zum Beispiel, super zu diesen drei genannten Weintypen,
- 2:00:35die nicht zu tiefkundig sein sollten, vielleicht nicht im Holz ausgebaut sein sollten, eher im Stahltank.
- 2:00:41Und ich glaube, das sind jetzt unsere beiden Weine. Davon gehe ich mal aus, auch bei deinem.
- 2:00:46Und diese Weine können halt ebenso die gerade genannten Gemüse als auch Kräuter.
- 2:00:53Und ich habe so eine grüne Soße gemacht, das ist eigentlich keine Größe.
- 2:00:57Im Grunde ist es so eine Art Tapinade aus frisch geschnittener Petersilie, ein bisschen Basilikum, ein bisschen Koriander.
- 2:01:03Das Grün von den Frühlingszwiebeln, Salz, Zitrone, oh Wunder.
- 2:01:09Hört euch jetzt klar, warum das schon wieder auftaucht.
- 2:01:12Also ich habe ein bisschen Olivenöl, damit es eine Bindung gibt.
- 2:01:15Ich habe Kapern klein geschnitten und ich habe Tagiaske-Oliven, das sind ligurische Oliven.
- 2:01:21Übrigens die einzigen Ohne Stein, die wirklich die einzigen schwarzen Oliven ohne Stein, die wirklich schmecken.
- 2:01:27Die Köche nehmen die oft zum Kochen, machen viel Freude, um damit auch was zu smogen und das hinterher dazu zu geben.
- 2:01:35Und dann noch ein kleines Sardellenfilet rein, alles klein gehäckselt, mit der Hand geschnitten, nicht kuttern, damit keine ätherischen Noten frei werden.
- 2:01:45Und das vermengen, und das habe ich jetzt vor mir und ich probiere das jetzt mal und versuche mein Sauvignon dazu.
- 2:01:55Zuerst den Wein oder zuerst die Paste in den Mund nehmen.
- 2:01:59Ich hatte meinen Wein gerade schon probiert.
- 2:02:01Ich weiß nicht, wenn du den Wein musstest, du zuerst verkostest Silvio.
- 2:02:05Okay.
- 2:02:07Nochmal, der Wein verändert sich sofort, sobald er eine Speise spürt.
- 2:02:24Das ist jetzt so eine Tappinade, die aus rohen Kräutern zusammengestellt ist, die eine leichte Bindung durch etwas Fett hat.
- 2:02:33Olivenöl, auch noch Kapern, die in einer Lake gelegen haben.
- 2:02:40Die Oliven, die schwarzen Oliven, was haben wir vorhin gesagt?
- 2:02:43Schwarze Oliven haben, umami, Sardellen, was haben Sardellen?
- 2:02:47Unmengen von umami.
- 2:02:49Also alles hilfreiche Dinge, die kommen.
- 2:02:52Und wenn man das jetzt gemeinsam mit dem Wein verkostet,
- 2:02:55ist da eine unglaubliche Bindung bei mir zumindest.
- 2:03:07Ich hoffe, dass es bei dir auch so funktioniert.
- 2:03:09Geh ich völlig konformt, es ist für mich wie ein absolut perfekter Dialog.
- 2:03:15Also wie ein Gespräch zwischen Wein und Speise.
- 2:03:18Und man hat beim guten Gespräch niemals jemanden, der den anderen irgendwie dominiert,
- 2:03:24sondern sie sind beide auf Augenhöhe, aber man hat trotzdem ein Gesprächsführer dabei.
- 2:03:28Also einer, der die Fragen stellt oder einer, der das Thema aufwirft und so ist dabei auch.
- 2:03:33Also die Speise ist für mich schon etwas intensivere,
- 2:03:38weil es halt das, was du mir, ich hoffe, ich habe es im richtigen Verhältnis zusammengestüppelt und zusammengemischt,
- 2:03:45aber unglaublich aromatisch und mit einmal kommt der Wein dort mit aufs Tablett,
- 2:03:50so als würde er eben zu diesem Thema noch was dazusagen, blüht auf
- 2:03:54und dann kommt die Speise und sie wird noch intensiver, noch aromatischer
- 2:03:57und dann kommt der Wein wieder und diese Wechselkommunikation macht wahnsinnig viel Spaß.
- 2:04:02Ja und das muss man jetzt mal nochmal ganz klar sagen.
- 2:04:07Ich habe dem Silvio nur die Weintypen genannt
- 2:04:10und ich habe ihm nur gesagt, was er wie mischen soll oder haben soll heute.
- 2:04:16Er hat es möglicherweise völlig anders angerichtet oder zusammengestellt als ich,
- 2:04:20möglicherweise weniger Salz oder mehr Salz oder Zitrone oder was auch immer
- 2:04:25und dennoch funktioniert es und das ist eben das Wichtige jetzt bei den Faustregeln,
- 2:04:31dass es eher auf den Weintypen ankommt als auf den Wein, den man jetzt besonders benennt
- 2:04:39und dass es wiederholbar ist und egal für welche Leute.
- 2:04:43Also das finde ich jetzt ganz wichtig und die Faustregeln lautet für mich jetzt
- 2:04:47in dem Moment gleich und gleich ergänzt sich, also grünes und grünes,
- 2:04:51ergänzt sich in dem Moment extrem gut.
- 2:04:54Wir würden die Tappinade ja auch nicht einfach alleine essen,
- 2:04:58sondern wir würden dazu einen gebratenen Fisch servieren
- 2:05:02oder vielleicht einen Poladenbrust zum Beispiel.
- 2:05:05Man könnte auch einen Kalbsrücken dazu oder ein simples Kotlet
- 2:05:09kann man verfeinern mit dieser frischen Tappinade
- 2:05:13und es funktioniert trotzdem zu Sauvignon Blanc, Scheurebe und Muscatella
- 2:05:19und das ist das Interessante an der ganzen Geschichte
- 2:05:22und es funktioniert immer wieder und deswegen ist es eine Faustregel.
- 2:05:26Also Faustregeln, gleich und gleich, gesellt sich gerne,
- 2:05:30in dem Fall ist es mit diesen Rebsorten,
- 2:05:32mit Sauvignon Blanc, Muscatella und Scheurebe so,
- 2:05:36dass sie sich total gut ergänzen mit grüben Gemüse und grüben Geräutern.
- 2:05:40Funktioniert immer, kann man unterschreiben.
- 2:05:43Tolles Erlebnis, also vielen vielen Dank dafür
- 2:05:48und es ist vorallem die Nachvollziehbar.
- 2:05:50Also man kann das in dieser Art der Kombination,
- 2:05:55in dieser Art auch der Wechselwirkung der beiden Elemente
- 2:05:59aber eben auch in der geschmacklichen Auflösung
- 2:06:03richtig herrlich nachvollziehen.
- 2:06:05Ich finde, es geht einem manchmal mit Wein,
- 2:06:07es geht einem manchmal mit Musik so, wenn man so was hört,
- 2:06:11was einen sehr berührt hat, dann sucht man danach
- 2:06:14und dann versucht man es danach abzugleichen
- 2:06:16und das wäre zum Beispiel so eine Geschmackskombination,
- 2:06:18wo ich sage, wenn ich das nochmal habe,
- 2:06:20dann habe ich so dieses Wow-Gefühl und dann suche ich danach
- 2:06:23und dann genieße ich das.
- 2:06:25Ja und die Köche können das je nach Stand einfach umsetzen.
- 2:06:28Es gibt auch tolle Gerichte mit Rohr, Gurke und mit Tunfisch
- 2:06:31beispielsweise fällt mir ein
- 2:06:33und auch das würde dazu funktionieren.
- 2:06:35Also die Proteine des Fisches oder des Fleisches
- 2:06:38tun den Sauvignon Blanc überhaupt nichts an
- 2:06:41und ergänzt kann man vielleicht sagen,
- 2:06:43das ist jetzt die Kühe, wenn der Wein im Holz ausgebaut wäre,
- 2:06:46dann müssten wir einfach ein bisschen mehr Reichhaltigkeit
- 2:06:49in Form von Fett haben.
- 2:06:51Also das wäre dann die Pufferzone, die man bräuchte.
- 2:06:54Aber wir bleiben jetzt einfach mal bei den Basic Faustregeln
- 2:06:57und wenn man die Faustregeln begriffen hat,
- 2:06:59dann hat man von dem Wolknol, was ich anfangs erwähnte,
- 2:07:02den Anfang gefunden, weil dann kann man selber weiterarbeiten.
- 2:07:06Und ich habe einen wundervollen Brie-Demo auf dem Tisch
- 2:07:12oder auf dem Teller und ich habe einen reifen Parmesan
- 2:07:16mit 24 Monate Reife auf dem Teller, also zwei ganz verschiedene Käse-Typen
- 2:07:22und meine Damen und Herren, ich wage mich jetzt aufs glatte Eis.
- 2:07:25Warum? Weil Silvio in der Weinkultur war,
- 2:07:29mit so viel Käse zu tun hatte und mit so viel Wein zu tun hatte,
- 2:07:32dass ich hier eigentlich nur auf die Nase fallen kann.
- 2:07:35Inwiefern?
- 2:07:37Weil ich glaube, du weißt es viel besser als ich.
- 2:07:39Ja, das schon, aber du kannst es glaube ich besser erklären.
- 2:07:43Das ist das Interessante dabei, dass du es in Worte kleiden kannst
- 2:07:46und ich es einfach mache.
- 2:07:48Ich glaube, ich habe kein Wort, lieber Silvio.
- 2:07:52So, jetzt würde ich dich bitten, zwei Gläser zu nehmen
- 2:07:55und in das linke Glas ein bisschen Spätburgunder einzugießen,
- 2:07:59den ich hier zumindest habe.
- 2:08:03Da habe ich einen hiesigen Spätburgunder aus dem Hause Karl Friedrich aus.
- 2:08:08Das sieht nicht sehr wertschätzel.
- 2:08:10Super, ja.
- 2:08:13Ich bin an der A genanntet, das ist jetzt auch ein bisschen hiesig.
- 2:08:17Ich wollte gerade sagen auch hiesig.
- 2:08:19Ich habe es schon mal an der A genanntet, genau.
- 2:08:22Beim Weingut Stark Linden habe ich gerade kennengelernt
- 2:08:26und fand es ganz interessant.
- 2:08:30Und das ist ein Spätburgunder, der in gebrauchten Holzfässern ausgebaut ist,
- 2:08:38der auf einem schiefer Grund gewachsen ist,
- 2:08:42der aber auch noch mit einem großen Verwitterungsanteil daherkommt.
- 2:08:46Das heißt, er im Osten der A, wo die A sich so ein bisschen öffnet
- 2:08:50und etwas breiter wird und die Böden etwas tiefer werden.
- 2:08:56Und ins rechte Glas würde ich dich bitten, ich weiß nicht, was du hast.
- 2:09:01Die Frage war Bordeaux-Cueve, also sprich Cabernet Sauvignon, Merlot,
- 2:09:06Cabernet Franc, empfehlerein sortig oder als Cuevé.
- 2:09:13Ich bin in das Bordeaux gegangen, weil ich dachte,
- 2:09:19ich hätte die Aufgabe bekommen, dann sollte ich das auch,
- 2:09:22ich habe es dann wahrscheinlich zu zu Wort, treu genommen
- 2:09:27und habe von einem relativ jung, sehr engagierten Weingut
- 2:09:35eine gedrittelte Cuevé von Cabernet Sauvignon, Pétis, Verdot und Merlot.
- 2:09:41Kommt aus dem Midoc.
- 2:09:45Schade, ist handelbar.
- 2:09:52Und die Gerbschlauchstruktur, wie würde ich sie beschreiben?
- 2:09:57Sie ist präsent, trotzdem mit einer angenehmen Seidigkeit,
- 2:10:00aber du hast präsente, keine grüne Gerbschlauch,
- 2:10:03sondern so ein bisschen diesen letrigen Typ dabei.
- 2:10:06Also diese schon sehr würzige, geschmackvolle, strukturierte,
- 2:10:11ein bisschen kernig, aber eben nicht krass grün.
- 2:10:15Ja, super.
- 2:10:17Also finde ich toll ausgewählt, weil wir Grundverschieden sind.
- 2:10:21Ich bin in Rheinhessen gelandet.
- 2:10:23Ich habe eine Cuevé aus Cabernet Sauvignon, Merlot,
- 2:10:26vom Weingut Kuppenbacher, es ist ein relativ junges Weingut.
- 2:10:30Und ja, man hat auch natürlich eine ganz andere Gerbschlauchstruktur
- 2:10:35und andere Zanine, als wir das beim Spätburgunder spüren
- 2:10:40oder beim Pinot Noir.
- 2:10:43Wir sind deutlich kräftiger, die Farbe ist wesentlich intensiver
- 2:10:48und der Wein kommt mit etwas mehr Kraft daher
- 2:10:53und ist auch wärmer gewachsen als der Pinot Noir sicherlich
- 2:10:57und ein ganz anderer Weintyp von seinem Wesen.
- 2:11:01Wenn wir jetzt auf den Käse kommen, Bride Mo,
- 2:11:05ist ein Brie, wie der Name schon sagt,
- 2:11:08ein Weißschimmelkäse mit einem erhitzten Teig,
- 2:11:11der ein bisschen Reife hat, also wo der Kern jetzt nicht mehr
- 2:11:14so ganz kalkig ist in der Mitte, sondern der schon ein bisschen läuft,
- 2:11:20wenn ich gleich Schwierigkeiten habe, den von meinem Teller loszukriegen.
- 2:11:23Aber er hat eine leichte Würze, eignet sich deshalb sehr gut
- 2:11:27für dieses Experiment.
- 2:11:29Und der Parmesan Bumami beladen, ja, natürlich konzentriert,
- 2:11:35weil die Flüssigkeit im Laufe der zwei Jahre etwas entwichen ist
- 2:11:39und er hat eine Fett- und Salzkonzentration, also ein ganz anderer
- 2:11:43Gaumeneindruck, auch ein gepresster Erhitzterteig,
- 2:11:47der einfach länger gereift wird, also eine ganz andere Ausprägung
- 2:11:52und da weißt du wahrscheinlich auch viel besser Bescheid als ich,
- 2:11:56aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass zum Käse eigentlich
- 2:12:00viel besser Weißweine passen als Rotweine, aber man verbindet
- 2:12:05oftmals Rotwein mit Käse, weil es am Ende eines Menüs stattfindet.
- 2:12:11Und ich habe zwei Käse ausgesucht, die mit bestimmten Rotweintypen
- 2:12:16eigentlich ganz gut funktionieren.
- 2:12:19Da habe ich mich auch immer gefragt, woher das eigentlich rührt,
- 2:12:22dass man diese Faustregel hat.
- 2:12:25Also das kann natürlich eine Erklärung sein, dass es am Ende des Menüs ist,
- 2:12:28dass der Käsegang serviert wird, da meistens der Rotwein entweder noch offen ist
- 2:12:32oder man gerade in der Rotweinlaune ist, aber das kann ja so nicht,
- 2:12:38also für eine so fundamentale Regel nicht der Grund sein.
- 2:12:43Also es hat mich in der Tat, ich hatte auch mal die Erkenntnis,
- 2:12:46gerade wenn du in Richtung Ziegenkäse gehst, wenn du in Richtung Schafskäse gehst,
- 2:12:50ist eigentlich ein Weißwein der absolut perfekte Partner
- 2:12:53und eben selten sind Rotweine wirkt eher kontraproduktiv,
- 2:12:56hat dann in Erklärung für gesehen, gelesen oder gefunden.
- 2:12:59Daher bin ich jetzt bei Parmesan, bei dem Pri, sehr gespannt,
- 2:13:03wie die beiden sich damit kombinieren lassen.
- 2:13:06[Musik]
- 2:13:22Oh ja, der ist jugendlich.
- 2:13:24Die Nummer 33 der 2020er Gesellmann Opus Eximium
- 2:13:28zeigt in dieser jetzigen Phasen eine unfassbare Fruchtpräsenz.
- 2:13:33Kraftvolle Kirsche, Kraftvolle Prombeer, eine ganz zarte Kräuternote.
- 2:13:37Doch so richtig finde ich überzeugt dieser Stoffige Gaum
- 2:13:40und man braucht fast Stunden, um zu deklinieren diese Waldbeeraromen.
- 2:13:44Die Lakritze, die Vanille, den Nougat,
- 2:13:46das geschmeidiges, ausgewogenen Spier von Frucht und Holz,
- 2:13:49auf sich wirken zu lassen.
- 2:13:51Diese seidigen, feinen Tannine, diese bereichernde, geschmackserhebende Wirkung,
- 2:13:56den ewig langen Abgang wahrzunehmen.
- 2:13:58Ja, schon in der Jugend ein absoluter Hochgenoss,
- 2:14:01und ich bin gespannt, wie er sich mit einigen Jahren der Reife präsentiert.
- 2:14:052011 begann er mit der Umstellung auf Bio,
- 2:14:08und seit 2015 ist Gesellmann komplett zertifiziert.
- 2:14:121988 kreierte der Rotwein-Pionier und Seniorchef Engelbert Gesellmann
- 2:14:17den Opus Eximium Nr. 1,
- 2:14:20um einen außergewöhnlichen, herausragenden Rotwein aus Österreich
- 2:14:24mit Weltmarschstab zu vinifizieren.
- 2:14:26In den ersten Jahren waren Cabernet, Sauvignon, Pinot Noir
- 2:14:29noch ein ganz fester Bestandteil in dieser Küwe,
- 2:14:31und seit dem Jahre 2000 gibt es nur noch die Audokton-Rebsorten Blaufränkisch,
- 2:14:35St. Laurent und Zweigeld, aus welcher sich diese Küwe zusammensetzt.
- 2:14:39Seit über 30 Jahren gibt es die Küwe,
- 2:14:42und seit über 30 Jahren ist es eine Bestätigung für das Schaffen
- 2:14:45und diese Verbindung von Tradition und Fortschritt der Jahrgang 2020.
- 2:14:51Die Küwe Nr. 33 besteht zu 60% aus Blaufränkisch,
- 2:14:54zu 30% aus Zweigeld und zu 10% aus St. Laurent.
- 2:14:58Die Trauben kommen aus Weingärten, die 30 und 70 Jahre alt sind.
- 2:15:02Natürlich von Hand gelesen beginnt die Ernte Mitte September
- 2:15:06beim St. Laurent, gefolgt vom Zweigeld
- 2:15:08und den Abschluss bildet der Blaufränkisch Anfang Oktober.
- 2:15:11Die Lesen in diesem Jahr dauerte 21 Tage bis zum 19. Oktober.
- 2:15:15Jede Rebsorte wird separat vinifiziert,
- 2:15:18die traditionelle Maischeggärung erfolgt im separaten Stahltang
- 2:15:21mit täglichen 2- bis 4-maligen Untertauchen des Maischuhuttes.
- 2:15:25Natürlich spontan.
- 2:15:26Die BSA erfolgt in Holzfässern
- 2:15:28und dann verbringt der Wein 24 Monate in kleinen Eichenfässern,
- 2:15:33bis er letztlich küritiert und im großen Holz fast zueinander finden kann.
- 2:15:38Erstaunlicherweise wird dieser Wein auch in Halbenflaschen, also 0,375,
- 2:15:43und dann in verschiedenen Größen bis zu 18 Liter Milch abgefüllt.
- 2:15:48Wäre doch was für ein Schönarm zu zweit oder ein Schönarm mit Kristine.
- 2:15:51Ich glaube schon, dass es daher ruht, Silvi.
- 2:15:57Ich bin eigentlich deiner Meinung, weil es zum Ende des Menüs stattfindet
- 2:16:02und man meist nach dem Käse noch ein Dessert bekommt
- 2:16:07und unsere deutsche Regelkäse schließt,
- 2:16:10der den Magen ja eigentlich nicht so ganz stimmig ist.
- 2:16:13Aber anyway, das ist zwei Käse, von denen ich das Gefühl habe, sie passen.
- 2:16:18Und ich würde jetzt beginnen mit dem Spätbegründer, zuerst den Brieferkosten
- 2:16:23und dann den Parmesanverkosten und umgekehrt würde ich es machen,
- 2:16:27dann hinterher mit dem Bordur-Küvé und erst den Brieferkosten.
- 2:16:31Oder wenn wir den Parmesan im Gaumen haben, dann erst den Brieferkosten
- 2:16:36und dann den Parmesan hinterher.
- 2:16:38Bis gleich.
- 2:16:42Bis gleich.
- 2:16:43Dazu müssen wir aber erstmal die Weineschelle verkosten,
- 2:16:46nebeneinander um die Unterschiede nochmal festzustellen.
- 2:16:50Also der fruchtbetonte, also bei mir fruchtbetonte Spätbegründer
- 2:17:04mit nur leichter Holznurse,
- 2:17:08versus dem etwas kraftvolleren Bordur-Küvé,
- 2:17:14ich habe an die Sauvignon Merlot bei mir.
- 2:17:17Ins andere Reife, viel mehr Gerbststoff am Gaumen.
- 2:17:32Jetzt nehme ich mir etwas von dem Brie-Demo.
- 2:17:39Der sich sofort im Gaumen festklebt,
- 2:17:49wunderbar den Gaumen ausfüllt, die leichte Nussigkeit zeigt.
- 2:17:55Und es entsteht so eine Kremigkeit, so eine milchige,
- 2:17:59gesanfte Kremigkeit, so was schmeicheln das.
- 2:18:02Das ist ganz herrlich, also so dieses Pilzige,
- 2:18:05was den Käse durchaus auszeichnet, auch attraktiv macht,
- 2:18:10aber es geht so fast ganz nicht verloren und es bleibt
- 2:18:12so ein richtiger Gaumenstreichler über.
- 2:18:15Ja, das ist der Reife geschuldet, die der Käse jetzt hat
- 2:18:21und an der Qualität eines guten Brie-Demo.
- 2:18:25Und wenn jetzt der Spätbegründer oder der Pinot Noir hinterherläuft,
- 2:18:29merkt man, dass die Tannine sich extrem zurücknehmen
- 2:18:34und der Wein sich total öffnet und es wird viel mehr Frucht,
- 2:18:39die sich plötzlich öffnet und die in den Vordergrund drängt.
- 2:18:46Also richtig herrlich, eine Saftigkeit, die mit dem Käse sich verbindet
- 2:18:52und noch dazu finde ich, was schön ist, den Gaumen sauber macht.
- 2:18:56Der Fettfilm ist wie weggeblasen.
- 2:18:59Es bleibt genussvolles Erlebnis.
- 2:19:04Aber nicht zu überfordern, zu über anstrengend,
- 2:19:08es gibt ja so manchmal Kombinationen, die sind so überstrapazierend,
- 2:19:14dass man zwar in dem Thema drin ist, damit beschäftigt wird,
- 2:19:17aber es fehlt so dieses eigentliche, sich drin fallen lassen
- 2:19:20und die Harmonie spüren.
- 2:19:22Ja, absolut.
- 2:19:28Und jetzt versuchen wir nochmal den Parmesan,
- 2:19:32der auch wunderbar duftet,
- 2:19:44mit dem Pinot noir, mit dem Spätsbegründer.
- 2:19:55Hab ich bei Weitem nicht so das Harmoniegefühl,
- 2:19:57sondern der Parmesan, finde ich, pusht den Pinot ganz extrem.
- 2:20:03Er spielt mit einmal viel intensiver,
- 2:20:05die Frucht kommt viel intensiver heraus,
- 2:20:08die Säure ist vom Käse gefressen,
- 2:20:12hat aber trotzdem so eine gewisse Frische mit dabei
- 2:20:15und schmeckt eigentlich so die Kopfnote des Weines,
- 2:20:19ganz, ganz intensiv.
- 2:20:21Ja, und ich finde, dass die Bitterkeit der Gapstoffe
- 2:20:24viel mehr zu Tage tritt als bei dem Pairing davor.
- 2:20:29Also, als wenn der Wein sich so ein bisschen
- 2:20:31gegen den Käse wehren würde, oder der Käse gegen den Wein.
- 2:20:34Das vermag ich jetzt gar nicht zu sagen,
- 2:20:36aber es ist kein Pairing, was mir genussvoll am Gaumen bleibt.
- 2:20:41Also, da habe ich den Geschmacklichen
- 2:20:44mehr Wert nicht so dabei, wo ich sage,
- 2:20:46ach, das muss ich wieder probieren.
- 2:20:50Ja, ist so.
- 2:20:52Das war beim ersten war das viel angenehmer.
- 2:20:55Das lassen wir jetzt gerade mal eine Sekunde so stehen
- 2:20:58und wippen uns den Bordeaux-Cuevé.
- 2:21:02Wir fangen jetzt wieder mit dem Briede-Morocke.
- 2:21:05Das ist der Bordeaux-Cuevé.
- 2:21:07Wir fangen jetzt wieder mit dem Briede-Morocke an.
- 2:21:12Wir haben wieder diese auskleidende Trämigkeit am Gaumen.
- 2:21:29Diese wunderschöne Würze des Käses.
- 2:21:33Was passiert erst mit dem Wein?
- 2:21:43Interessanterweise kommen die grünen Aromen richtig heraus.
- 2:21:46Also, dieses Paprika, dieses bisschen minzige.
- 2:21:50Die eigentliche Struktur geht komplett verloren
- 2:21:53und der Wein wirkt fast ein bisschen gesichtslos.
- 2:21:56Ja, absolut.
- 2:21:59Und dazu, der Fettfilm bleibt am Gaumen.
- 2:22:03Also, es gibt eigentlich keinerlei Vereinigung.
- 2:22:07Es gibt eigentlich nur eine Kombi, die noch schlimmer ist.
- 2:22:10Ziegenkäse und ein Bordeaux-Cuevé.
- 2:22:12Das ist krass.
- 2:22:13Frischer Ziegenkäse.
- 2:22:15Das will man nie wieder.
- 2:22:18Nein, wirklich nicht.
- 2:22:20Also, es ist fast ins Unappetitlichgehende.
- 2:22:23Ja.
- 2:22:25Das kann sich aber auch jeder vorstellen.
- 2:22:27Der sich jetzt vorstellt wie ein Joghurt-Schmeck-Donner,
- 2:22:29ein Magakwag.
- 2:22:31Und das dann beispielsweise zu einem Wein mit Gerbstoffen
- 2:22:34kann man genau sich vorstellen, was dann am Gaumen passiert.
- 2:22:37Und in eine ähnliche Empfindung hatten wir jetzt gerade
- 2:22:40mit dem Briede-Morocke und dem Bordeaux-Cuevé.
- 2:22:44Ganz schnell auf zum Parmesan.
- 2:22:54Was tust du in der Empfehlung, wie groß die Einzelnelemente sein sollen?
- 2:22:59Sollte es immer die möglichst gleiche Menge sein?
- 2:23:02Oder sollte ich das eine ein wenig kleiner portionieren?
- 2:23:06Also, ein bisschen größer Stückchen Wein
- 2:23:09oder ein kleineren Stückchen Parmesan?
- 2:23:12Oder wie wäre es ideal, um das so richtig intensiv zu greifen?
- 2:23:16Wenn schon, dass beides die gleiche Gewichtung haben sollte.
- 2:23:20Also, wenn man jetzt den Mund voll Käse hat
- 2:23:22und dann ein mini-Schluckchen Wein dazu gibt,
- 2:23:24dann wird der Käse oder könnte die Gefahr bestehen,
- 2:23:27dass der Wein gar nicht zum Zuge kommt.
- 2:23:30Und umgekehrt, wenn man zu viel Wein trinkt
- 2:23:32und zu wenig Lebensmittel am Gaumen hat,
- 2:23:35könnte vielleicht das Lebensmittel gar nicht sich durchsetzen
- 2:23:38und gar nicht das zeigen, was es eigentlich kann.
- 2:23:50Toll, wie der Bordeaux getragen wird.
- 2:23:53Wahnsinn.
- 2:23:55Also, wie die Tannine geschliffen werden.
- 2:23:58Trotzdem, die Säure noch da ist, wie der so im Nachgeschmack
- 2:24:02sich mit dem Parmesan so richtig die Hände zu reichen vermag.
- 2:24:06Und beide sich so ganz doll in die Länge ziehen.
- 2:24:12Und manchmal hat man ja so ein Käse auf der Zunge,
- 2:24:17wo man denkt, jetzt schmeckt doch, schmeckt doch, schmeckt doch.
- 2:24:20Aber der Wein macht den Käse in seinem Nachgeschmack
- 2:24:24noch mal appetitlicher
- 2:24:27und lässt einen selber noch mal so richtig nachschmatzen und nachschmecken.
- 2:24:31Also, öffnet es euch, die Spatiappele?
- 2:24:34Ja, und da gibt es einen Wein, ich meine,
- 2:24:37mir braucht eigentlich immer ein paar Jahre, bis es sich öffnet in der Regel.
- 2:24:40Es ist immer ein bisschen kantiger
- 2:24:42und hat ein bisschen sperrigere Gerbstoffe und Tannine,
- 2:24:45aber es gibt ja auch einen Schwergang, ob sie reifer sind oder weniger reif.
- 2:24:48Und dieser Käse ermöglicht dem Wein,
- 2:24:53sich viel charmanter und eleganter zu zeigen.
- 2:24:56Das heißt, dass man einfach total die Fruchtnoten spürt,
- 2:25:00dass man diesen Wein gerne trinkt
- 2:25:03und dass die beiden sich parallel bewegen, also Käse und Wein.
- 2:25:06Und es macht große Freude, das miteinander zu verkosten.
- 2:25:10Und das müsste jetzt auch kein Parmesan sein,
- 2:25:13es könnte auch ein Sprint sein oder ein Mittel,
- 2:25:17also ein Mittel, ein alter Gouda, der genau diese gleiche Konzentration aufweist
- 2:25:22oder ein Mimolett, also diese orange Kugel aus Belgien.
- 2:25:25Also, alle Käsesorten, die eigentlich auf die gleiche Art und Weise hergestellt sind,
- 2:25:30funktionieren mit diesem Weintyp.
- 2:25:33Und das ist das Interessante,
- 2:25:35ebenso verhält es sich auch mit dem Weißschimmelkäse.
- 2:25:38Was man vielleicht sagen kann, die Qualität ist entscheidend.
- 2:25:42Also, wenn wir einen industriell hergestellten Kammenbär haben,
- 2:25:46ich sage es mal, wo ist Kammenbär, so deutsch,
- 2:25:49dann geht das Experiment sicherlich nicht so gut wie mit einem hochwertigen O-Milchkäse.
- 2:25:54Und das Gleiche gilt auch für die gereiften trockenen Käse.
- 2:26:00Also auch da sind natürlich hochwertige Käse einfach die besseren Paten,
- 2:26:04wie wir das gerade auch schon gesagt haben bei den Thaliasco-Liven und so weiter und so weiter.
- 2:26:08Also, das sind auch wieder Faustregeln, die immer funktionieren.
- 2:26:12Und sie könnten jetzt nehmen, was sie wollten.
- 2:26:15Der Bordeaux-Typ würde nie funktionieren mit dem Bride-Maud.
- 2:26:19Und der Pinot Noir würde nie funktionieren mit diesen gereiften salzigen umamihaltigen Käsen.
- 2:26:31Und was funktionieren würde,
- 2:26:33es gibt jetzt viele, die den Finger erheben und sagen,
- 2:26:35natürlich funktioniert ein wunderbar gereifter großer Bordeaux-Läser Wein,
- 2:26:40eine Trovaille mit einem Bride-Maud, natürlich tut er das,
- 2:26:43aber das ist dann ein Bordeaux, der mindestens 20 Jahre auf dem Buckelheit oder 25,
- 2:26:48der einfach schon viel geschliffener und reifere und andere Aromen hat.
- 2:26:55Also die, die mehr ins Herbst glaubt gehen, die diese Lederaromatik haben.
- 2:26:59Und das funktioniert dann schon.
- 2:27:01Aber dann ist die Reife das, was die Gerbstoffe abgeschliffen hat im Laufe der Jahre,
- 2:27:07sensorisch zumindest und was den Weg öffnet zu dem Bride-Maud.
- 2:27:12Der eben auch eine guntsche Eleganz dann langsam bekommt.
- 2:27:15Also diese Tiefe, was viele an Beginn der mögen oder eben auch das entdeckungswürdige, die Vielschichtigkeit.
- 2:27:20Ich finde, weil du das gerade angesprochen hast,
- 2:27:22einen Punkt, mit dem wir ganz, ganz oft konfrontiert werden,
- 2:27:26inwieweit man einem Durchschnittlichen von einem hochwertigen oder einem minderwertigen, von einem hochwertigen Wein
- 2:27:33unterscheiden kann, also sprich, keine Ahnung, das Kauter Supermarktwein mit einem, der handwerklich produziert würde.
- 2:27:39Ich finde die Parallele zum Käse da auch ganz, ganz spannend, ganz interessant.
- 2:27:43Und das sind so Beispiele, wo man das richtig greifen kann.
- 2:27:47Also wo man dann eben auch so diese limitierte Geschmackstiefe eines etwas einfacheren Weines
- 2:27:51durchaus greifen kann, weil genau das dabei nicht passiert.
- 2:27:54Also wenn ich jetzt einen hochwertigen Käse nehme und ich in zwei verschiedene Klassen von Wein
- 2:27:58und versuche die miteinander zu kombinieren, dann wirkt auf der einen Seite der Wein
- 2:28:02vielleicht mit seinem Alkohol, mit seiner Säure oder sonstiges, aber diese Entwicklung
- 2:28:06oder diese Kommunikation mit der Speise kommt überhaupt nicht zum Tragen.
- 2:28:10Und das passiert, wenn der Wein die Komplexitäten, die Tiefe, eben seinen Mehrwert dadurch ausspieren kann.
- 2:28:15Und bei dem Käse genauso, wenn ich ein Römischkäse habe, dann habe ich eine andere Geschmackstiefe,
- 2:28:21die ich anders mit Wein kombinieren kann, was ich auch durchaus nachvollziehen kann,
- 2:28:25auch wenn ich noch nicht mal irgendwie der große Weinexperte oder große Käseexperte bin,
- 2:28:30weil ich es einfach schmecken kann aus der Forderung des einen mit dem anderen.
- 2:28:36Ja, da ist was dran. Wobei ein hochwertiges Lebensmittel meiner Meinung nach
- 2:28:41einem moderaten Weintyp immer auf die Sprung hilft.
- 2:28:46Also das ist so meine Erfahrung, aber ich finde das völlig richtig
- 2:28:50und es ist schon so, dass hochwertige Weine oder bestimmte Weintypen,
- 2:28:55die erfordern auch eine besondere Lebensmittelauswahl.
- 2:29:00Das funktioniert oft mit ganz einfachen Sachen nicht.
- 2:29:04Aber das ist jetzt schon wieder die Kühe. Lass uns da nicht zu sehr vertiefen,
- 2:29:07weil sonst verwischen wir wieder das, was wir gerade aufgebaut haben, nämlich die Basics,
- 2:29:12die sogenannten Faustregeln. Und ich finde ich eigentlich ganz wichtig,
- 2:29:16dass man die erstmal inne hat, auf die weiteren Dinge, die da kommen können,
- 2:29:24kommen die Leute selber. Und ich versuche immer, die Leute zu bremsen,
- 2:29:28wenn sie sagen, aber Frau Fischer, kann man nicht auch X und Y oder Z und F und B und C,
- 2:29:33kann man alles, aber versuchen sie erstmal die Basics zu begreifen.
- 2:29:39Wenn die da sind, dann kann man daran weiter basteln.
- 2:29:42Und ganz ehrlich, wer einmal infiziert ist, der bastelt immer.
- 2:29:45Also bei allen Dingen, die ich esse, die ich trinke, gucke ich oder schaue ich,
- 2:29:49überprüfe ich den Geschmack des Weines.
- 2:29:51Das ist jetzt nicht so, dass man abends zu Ende wäre.
- 2:29:54Wenn das mal nicht 100%ig passt, dann stelle ich das Weinglas weg,
- 2:29:57esse mein Essen und trinke den Wein hinterher.
- 2:30:00Aber ich überprüfe das immer. Das ist einfach so.
- 2:30:04Und manchmal klappt es besser und manchmal klappt es schlechter.
- 2:30:07Und so ist mein Wissenschatz auch gewachsen im Laufe der Jahre.
- 2:30:11Das ist ja wahrscheinlich die Berufs- und Lebenskrankheit, die wir dann irgendwann innehaben.
- 2:30:15Ich glaube auch, Silvio.
- 2:30:19Ich würde jetzt gerne wechseln zu einem ganz interessanten Experiment,
- 2:30:24wo ich mir wünschte, wir hätten jetzt noch eine Bratwurst vom Grill dazu.
- 2:30:27Aber die haben wir nicht.
- 2:30:30Was ist das größte Problem beim Grillen?
- 2:30:33Das ist wahrscheinlich die Raucharomatik.
- 2:30:38Was machen die meisten Leute beim Grillen auf ihr Fleisch oder auf ihre Bratwürste?
- 2:30:47Ketchup.
- 2:30:49Was sind die Hauptbestandteile von Ketchup und Barbecue-Sauce?
- 2:30:54Nein, wenn man hinten auf die...
- 2:30:58Es gibt ja ganze Regale voll.
- 2:31:00Also im besten Fall ist es Tomate, völlig richtig.
- 2:31:03Entschuldige, bitte.
- 2:31:08Aber wenn man auf diese regalweise Barbecue-Sauce und Ketchup-Sorten sich anschaut
- 2:31:11und die Flasche einfach mal umdreht, dann findet man eigentlich in 99 Prozent hinten
- 2:31:16auf den Flaschen als ersten Bestandteil nicht das Tomatenpüree,
- 2:31:21sondern man findet Zucker und Brandweines sich.
- 2:31:26Und für mich gehört das oder gehören diese beiden Intrigenzien zu den größten Feinden der Weine.
- 2:31:32Also mit Zucker umzugehen ist relativ schwer für trockene Weine
- 2:31:36und mit Brandweines sich umzugehen.
- 2:31:38Das hat mit dem Zitronensaft, den wir vorhin hatten, mit dem wunderbaren Salz nichts mehr zu tun,
- 2:31:44sondern es ist einfach eine ganz gastige Säure.
- 2:31:48Und das tut vielen Weinen weh.
- 2:31:50Und insofern würde ich sagen, dass beim Grillen die Raucharomen eigentlich für manchen Rotweinen ganz hilfreich sind
- 2:31:57und für manches gut gekühlte Bier noch viel hilfreicher.
- 2:32:00Aber dass diese Soßen, die einfach oftmals serviert werden, ohne sich kundig zu machen,
- 2:32:08dass das schon wirklich treffen kann.
- 2:32:12Und ich habe dich gebeten dafür, ein etwas kräftigeren Wein mit einem etwas höheren Alkoholgehalt auszusuchen,
- 2:32:17den man ruhig kühlen könnte ein bisschen, den man jetzt nicht unbedingt bei 18 Grad salmieren sollte,
- 2:32:22weil er dann im Sommer beim Grillvergnügen Ruckzuck 30 hat und dann ist es Glühwein.
- 2:32:28Den muss man also etwas kühler auf den Tisch bringen, damit er auch noch ein bisschen seine Kühle hält
- 2:32:35in dem warmen Sommerwetter, bei dem man ja da eigentlich grillt.
- 2:32:39Was hast du, Sylvie?
- 2:32:43Die leicht gereiften Chirase aus dem McLaren-Wheel, aus dem südostralischen von Hasegroove.
- 2:32:48Zarte 14,9 Volumenprozent, also daher, der Sommer kann kommen.
- 2:32:52Ich bin bei The Walls Stanley Groovy.
- 2:32:58Das ist ein superinteressanter Wein, der eigentlich aus Kalifornien kommt.
- 2:33:04Aber ich glaube, wir haben den gleichen Importeur, weil mich nicht alles täuscht.
- 2:33:08Kann doch durchaus sein, ja.
- 2:33:10Also, hier sind wir in Walla Walla, Washington.
- 2:33:12Und das ist ein Wein, der portugiesische Rebsorten hat
- 2:33:18und aus Turiga Nacional zu einem Drittel besteht, aus Ciorra,
- 2:33:22aus, ja, nicht nur portugiesisch, also aus Rebsorten, die ich nicht mal aussprechen kann.
- 2:33:26Sau, also Sau, würde ich es aussprechen, aber schreib sie nicht wie Sau.
- 2:33:31Tintacau, der rote Hund, es hat 8% Mellow, etwas Mouveldre, etwas Connoise,
- 2:33:37etwas Cabernet Sauvignon, etwas Cabernet Franc, und Tempranillo, 1%.
- 2:33:41Also, das geht so abwärts runter.
- 2:33:44Und der Wein, ja, ist, wenn man an ihm riecht, hat man schon einen ganz anderen Duft,
- 2:33:53als wir das bei den Weinvorherrten, das ist viel mehr an Pflaume orientiert,
- 2:33:58an einem wunderbaren, konzentrierten Fruchtmarkt.
- 2:34:05Also, man merkt, dass es ein etwas wärmeres Gebiet ist.
- 2:34:10Und dennoch habe ich Konzentration im Duft.
- 2:34:19Extrem gut eingebundenes Holz, wunderbare Reife, Fäffrigkeit, Würze,
- 2:34:26also ich habe jetzt ein etwas hochwertiger Wein, weil ich Lust hatte auf den.
- 2:34:32Und freue mich, dass ich den aufgemacht habe, und ich spüre, die 15 Volumen-Pozente hier hat
- 2:34:38nicht so ganz, also sehr gut eingebunden, muss ich sagen.
- 2:34:41Wie sieht es denn bei dir aus?
- 2:34:43Finde ich auch, also ich glaube, das ist das Kunststück auch dabei,
- 2:34:45dass man diesen Aromträger oder eben auch dieses Füllwerkzeug, den Alkohol ganz gut einbinden kann,
- 2:34:53dass man das als geschmackliche Opulenz wahrnimmt, aber nicht brandig oder eben dominant oder erschlagen wirkt.
- 2:35:00Ja, und das ist die Kunst dieser Weine.
- 2:35:04Und wenn immer ich solche Weine treffe, ist das ganz großartig.
- 2:35:09Man könnte auch vielleicht den Wein aus dem Priorat ausgesucht haben, auf Schiefer gewachsen.
- 2:35:15Auch das wäre möglich, die gehen auch in die ähnliche prozentuale Höhe.
- 2:35:20Die Balance ist dann schön, und mir macht es Spaß, wenn die Weine dann diese frische haben.
- 2:35:25Und wir haben jetzt eine ganz interessante, ich weiß nicht, ob es dir möglich war, diese Soße zu bekommen.
- 2:35:31Es gibt so eine Barbecue-Soße, da ist ein Krokodil vorne drauf.
- 2:35:36Die habe ich leider nicht gesparen.
- 2:35:38Das war leider das Problem in der...
- 2:35:42Gabs nicht, macht ja nichts, ist kein Problem.
- 2:35:45Aber ich sage dir, warum das gut ist, weil diese Soße natürlich hergestellt ist und keine Verstärker hat.
- 2:35:52Also da stehen erstmal als allererste 57% Tomatenmark hinten drauf.
- 2:35:58Also Honig als Süßer und verschiedene andere Dinge, Raucharoma, Melasse natürlich.
- 2:36:03Also alles natürliche Zusatzstoffe, Knoblauch.
- 2:36:07Und das macht mir die Freude an dieser Soße, die ich in der Tat sehr gerne für solche Experimente benutze.
- 2:36:14Und also alle, die das jetzt nachmachen, die sollten vielleicht eine Bratwurst dazu haben.
- 2:36:20Das haben wir jetzt nicht, weil unsere wäre schrumpflich geworden im Laufe des Gespräches.
- 2:36:25Also wir probieren die Soße lieber Silvio.
- 2:36:28Ich habe auch einen sehr hohen Tomatenmark-Anteil, oder Tomatenanteil in der Soße.
- 2:36:33Das war mir dann dabei recht wichtig, deswegen vorhin auch meine Aussage,
- 2:36:36dass Tomaten und Raucharoma hat das Dominante dabei wären.
- 2:36:40Ja.
- 2:36:41Wenn die Soße jetzt gut ist, dann habt ihr eben keinen Zuckergeschmack im Vordergrund
- 2:36:46und keinen Säuregeschmack im Vordergrund, sondern ihr spürt die Tomate
- 2:36:49und ihr spürt dieses tolle Raucharoma.
- 2:36:52Und eine dezente Schärfe.
- 2:36:55Also eine Dezent ist eigentlich mehr Picanze als Schärfe.
- 2:36:59Und dazu dann diesen Wein.
- 2:37:02Ich finde, der mit einmal recht frisch wirkt.
- 2:37:06recht frisch, recht lebendig wird.
- 2:37:09Der Alkohol findet, die fast noch wenig verloren.
- 2:37:14Also er wirkt fast verspielt.
- 2:37:17Und es ist aber trotzdem präsent, also kann sich zeigen.
- 2:37:22Und diese magische Fruchtaromatik kann sich wunderbar mit dem Tomaten verbinden.
- 2:37:28Das finde ich sehr, sehr interessant.
- 2:37:30Ja.
- 2:37:31Es ist bei mir so abwechselnd.
- 2:37:32Also ich habe die Frucht, dann habe ich wieder die zarten Gerbstoffe.
- 2:37:36Also das wechselt ab.
- 2:37:38Und das an solcher Wein, also ich glaube auch der, den du hast, extrem gut mit Fett funktioniert,
- 2:37:43kann man sich aufgrund des hohen Alkoholgehaltes und des Gehaltes der Weine,
- 2:37:48diesen Körperreichtum auch gut vorstellen.
- 2:37:52Also das sind ergänzt sich gegenseitig.
- 2:37:55Und dazu diese Soße bedeutet einfach im Umkehrschluss,
- 2:37:59dass es funktioniert.
- 2:38:01Also mit anderen Worten, ihr habt einfach vielleicht nicht den richtigen Wein zum Grillen.
- 2:38:07Also ein leichter Rosee oder der Ristinkabi tut es dann leider nicht so ganz dazu.
- 2:38:12Ich denke, dass ein etwas körperreicherer Wein, der eben vielleicht daraus im Priorat kommen könnte,
- 2:38:20aus der neuen Welt, Sylvia Wanne, in neuen Welt, ich war in einer neuen Welt.
- 2:38:23Also die neue Welt, bezeichnet man halt sowohl USA als auch Australien.
- 2:38:28Und es könnte auch was sein, aus dem Ossillon zum Beispiel oder aus den Zilien,
- 2:38:33also Weine, die ja die ein bisschen höher am Alkoholgehalt sind, die etwas saftiger sind
- 2:38:39und etwas runder sind, wenn sie Struktur besitzen, umso besser.
- 2:38:44Und ich würde sie, also ich, Christina würde sie ein bisschen kühlen,
- 2:38:48damit sie einfach auch Spaß bringen beim Grillen, weil was zeichnet natürlich das Bier aus.
- 2:38:53Es ist eiskalt in der Sommerhitze und es ist leicht süßlich,
- 2:38:58was sich wunderbar verbindet mit diesen kräftigen, würzigen Aromen der Barbitursauße.
- 2:39:03Das ist das Geheimnis, warum das Bier einfach so gut passt.
- 2:39:07Soll es ja weiterhin...
- 2:39:09Außerdem zuträglich für den Grillarm, weil die Gespräche viel offener werden,
- 2:39:12als wenn man da irgendwie zu leicht...
- 2:39:15Sie werden aber mit deinem Bein auch offener, mit meinem glaube ich auch offener.
- 2:39:20Also finde ich jetzt ganz interessant, dass diese etwas kraftvolleren Rotweine
- 2:39:25sehr gut zu kräftig gewürzten Gerichten passen und gut funktionieren,
- 2:39:29weil sie die Vikanz einfach schlucken, das machen die ganz locker.
- 2:39:33Und das Fett der Bratwurst, das schlucken sie auch,
- 2:39:36ihr könnt jetzt auch Lammkortletz nehmen, die auf dem Feuer gebraten worden sind.
- 2:39:40Also lauter solche Dinge passen wunderbar zu solchen Barbikusurusen und zu solchen Aromen.
- 2:39:48Und super interessant, wenn der Wein eine gewisse Struktur und Textur hat,
- 2:39:52dann hat man nicht das Gefühl, man hat so ein fülliges Gericht und noch ein fülliges Wein.
- 2:39:56Uns würde alles irgendwie Marmelade oder zu viel werden,
- 2:39:59sondern sie sind auf Augenhöhe und ebenbürtige Partner
- 2:40:03und können sich dadurch wunderbar ergänzen und austauschen.
- 2:40:06Ja, total. Also es geht mir ganz genau so.
- 2:40:09Das ist sehr förderlich und das Problem, was man eigentlich immer hatte
- 2:40:13oder was ich früher hatte, war, dass ich dachte,
- 2:40:15man kann keine hochfertigen Weine zum Grillen trinken.
- 2:40:18Weil irgendwann immer wieder pikante Aromen auf deinem Teller landen,
- 2:40:23sei es durch eine Beize oder durch irgendeine Soße,
- 2:40:26das passiert eigentlich, da kann man machen, was man will,
- 2:40:29das kickt man immer wieder irgendwie auf den Grillteller.
- 2:40:32Das ist so... also große Freude finde ich das, macht viel Spaß.
- 2:40:36Und eröffnet einem Parallelen, dass man vielleicht mit Montree
- 2:40:41mit einem eiskalten Bier, aber dann vielleicht nochmal wechselt zwischendurch.
- 2:40:44Auch das darf man ja.
- 2:40:46Das ist gar kein Problem, da sind wir ganz offen.
- 2:40:49So, und jetzt habe ich noch einen Abschluss mitgebracht
- 2:40:53und habe dich gebeten dir das auch zu besorgen.
- 2:40:56Um genau zu sein, wir sind wieder bei Bitterkeit.
- 2:41:02Wir haben die ligerischen Tagiaske-Oliven.
- 2:41:05Wir haben ein bisschen Baguette als Pufferzone,
- 2:41:09falls das notwendig sein sollte.
- 2:41:11Also im Grunde kannst du ein paar Oliven auf das Baguette legen.
- 2:41:15Die sind ja schon auch mit Olivenöl getränkt.
- 2:41:18Und dir parallel dein... ich weiß nicht, was hast du?
- 2:41:23Ich habe ein Rieslingkabbie und du?
- 2:41:25Ich habe die Kernvorgabe bekommen.
- 2:41:27Also genau den du mir befohlen hast.
- 2:41:30Was hast du in Russland?
- 2:41:33Leider ein... ich bin großer Fan von Klüsserat Wein, von Eva Klüsserat.
- 2:41:38Und wir hatten den Schiefer eigentlich mehr oder weniger,
- 2:41:43nicht als Brot- und Butterwein.
- 2:41:45Oder vom Schiefer heißt der ja richtig, in der trockenen Variante.
- 2:41:48Und ich mag aber auch den fruchtigen Kabi.
- 2:41:51Ich mag diese lebendigkeit, diese perfekte Struktur.
- 2:41:54Und Weine muss man auch sagen, mit einem unfassbaren Preisleistungsfelden.
- 2:41:58Also daher... gerne ausgeschenkt, verkauft und selber getrunken.
- 2:42:03Ja, ich bin auch bei Eva Klüsserat beim 20er-Riesling-Kabinett
- 2:42:07aus der 3. Heimer-Apotheke.
- 2:42:09Und ja, der Wein ist jetzt vier Jahre alt.
- 2:42:13Und Kabi ist, wenn die dann fünf Jahre alt sind,
- 2:42:19sind sie perfekt zu Wein und Speisen.
- 2:42:21Aber selbst dieser 2020er zeigt jetzt schon eigentlich,
- 2:42:25was er hat, Größe und Vielschichtigkeit.
- 2:42:29Er klärt der Tanz über die Zunge und so ein richtiger Sonntag-Nahmittagswahl.
- 2:42:34Ich weiß nicht, ob die Schwarzen Oliven zum Sonntag-Nahmittag passen.
- 2:42:37Aber das ist auch nicht, was wir jetzt zeigen wollen.
- 2:42:39Wir wollen eigentlich zeigen, dass Bitterkeit durchaus zu verbinden ist.
- 2:42:46Dass es eben nicht das Gefühl ist, was kleine Kinder haben.
- 2:42:49Dass es irgendwas hat mit Gift, dass man es wieder ausspucken muss.
- 2:42:54Sondern, dass man sich traut, solche Dinge in sein Essen einzubauen.
- 2:43:00Und nichts anderes sind ja diese Faustregeln, die wir heute hier präsentieren.
- 2:43:04Ich beise jetzt mal ein Stück ab, dann dauert es einen kleinen Moment,
- 2:43:07bis ich das gekaut habe.
- 2:43:10Ich mag das sehr gerne, weil ich bin dir einen Schritt voraus,
- 2:43:20weil du ihm noch erzählen durftest.
- 2:43:22Ich mag das sehr gerne, weil die Oliven unglaublich reinwirkt.
- 2:43:28Sie wirkt sehr oliwig.
- 2:43:30Das klingt sehr banal, das klingt sehr einfach.
- 2:43:32Aber es ist wie ein Katalysator für die Oliven selber.
- 2:43:39Man hat ihr dieses bittere Kleid geraubt.
- 2:43:42Und sie wirkt dann so richtig nackig.
- 2:43:44Das finde ich zumindest in meiner Wahrnehmung sehr schön.
- 2:43:47Ich hoffe, ich habe es richtig geschmeckt.
- 2:43:49Sie verliert total diese Bitterkeit, die auch so ein bisschen kommt.
- 2:43:57Das ist so lange im Glas verschlossen.
- 2:44:00Das hier einfach nicht natürlich ist.
- 2:44:02In dem Moment ist es natürlich, aber nicht natürlich,
- 2:44:04gerade wenn sie eingelegt wurde, sondern sie ist jetzt geöffnet.
- 2:44:07Das Glas ist geöffnet.
- 2:44:09Und wenn dann dazu dieser Kabinett kommt, mit der zarten Süße.
- 2:44:13Ich denke, wir sind da ungefähr bei 40 Gramm Restzucker.
- 2:44:16Und ich finde es fast noch besser ohne Boot.
- 2:44:25Ich habe jetzt beide Varianten probiert.
- 2:44:27Das Boot hat Stärke.
- 2:44:30Stärke ist, wenn man das kaut, wird das zu süße.
- 2:44:34Wandelt sich um am Gaumen.
- 2:44:36Und die Oliven ganz rein.
- 2:44:39Einfach eine Sparzeitagierske-Olibe.
- 2:44:43Oder ihr könnt auch eine Calamata nehmen aus Griechenland.
- 2:44:45Auch das würde funktionieren.
- 2:44:47Das ist ein auch toller Oliven.
- 2:44:49Dazu ein etwas reifernden Rest in den Kabinett.
- 2:44:52Und dann merkt man wunderbar, wie die Süße des Weines,
- 2:44:56die Bitterkeit, die Würzigkeit der Oliven nivelliert.
- 2:45:00Und in dem Fall sogar noch etwas Gutes,
- 2:45:03wie das Lebensmittel tut, genauso wie du es gerade beschrieben hast.
- 2:45:06Also das bedeutet, dass man Weine mit einer leichten Restsüße,
- 2:45:10mit einer fruchtigen Restsüße, also mit einer Fruchtsüße,
- 2:45:15extrem gut zu speisen einsetzen kann, die mit etwas Bitterkissen
- 2:45:20gesegnet sind.
- 2:45:22Und da gibt es viele Dinge.
- 2:45:24Da gibt es Artischocken.
- 2:45:26Das Beispiel etwas, was wir früher noch als Feind des Weines
- 2:45:29gepriesen haben, ist aber lange nicht mehr so.
- 2:45:31Wenn das damit gekocht wird, funktioniert das wunderbar.
- 2:45:34Und es gibt viele Gerichte, die mit Bitterkeit zu tun haben.
- 2:45:38Und Bitterkeit wirkt eigentlich sehr förderlich.
- 2:45:41Und wirkt genauso, wie es eure eigentlich Speichel erzeugen.
- 2:45:46Also man bekommt Lust auf mehr.
- 2:45:49Und das genau passiert hier in dieser Kombination.
- 2:45:53Und man muss sich einfach diesen Grundsatz merken,
- 2:45:56dieser Verbindung, dass solche restsüßen Weine sehr gut mit bitteren
- 2:46:00Lebensmitteln funktionieren oder bitter angehauchten Gerichten.
- 2:46:04Und das kann einen dazu bringen, dass man wirklich mal
- 2:46:07ein Kabinett, ein Riesling-Kabinett öffnet, der ein bisschen älter ist.
- 2:46:10Z.B. auch gastronomisch gesehen ein super Wein,
- 2:46:13weil der kann ruhig mal im Keller vergessen werden.
- 2:46:16Und man muss sich unbedingt schlechter, sondern mit mehr Reife
- 2:46:19entwickelt er sich auch und zeigt dann einfach noch mehr Facetten.
- 2:46:22Manche große Freude.
- 2:46:24Also das sind jetzt, glaube ich, die, ich glaube, die basic Dinge,
- 2:46:28die man verbinden kann, die einfach total viel Spaß machen.
- 2:46:31Und wenn man die Faustregeln-Intos hat, wie gesagt,
- 2:46:34dann kann es eigentlich nur weitergehen.
- 2:46:36Und dann die nächste Eben.
- 2:46:38Also was man damit allein mit dieser Kombination jetzt so alles machen könnte,
- 2:46:41finde ich so reizvoll.
- 2:46:42Auch jetzt wird man schon kreativ, das keine Ahnung,
- 2:46:44Umer Liesel mag keine Oliven.
- 2:46:46Wahrscheinlich ist der Bitterton den Sie nicht mag, aber wenn man
- 2:46:48dieses Erlebnis mal die Oliven mit dem Riesling probieren lassen würde,
- 2:46:52ich glaube, da würde Umer Liesel zum Oliven-Fan werden.
- 2:46:55Und dann kommt es so in die nächste Ebene, wo man einfach nochmal
- 2:46:58anders versucht zu schmecken.
- 2:47:00Und so, dass das sind jetzt so absolute Wow-Elemente.
- 2:47:03Gibt es auch so No-Gos, wo du sagst, macht das bitte nicht.
- 2:47:07Man hat ja früher immer gesagt, keine Ahnung,
- 2:47:09Blatt Spinat und Rotwein oder Austern und Rotwein oder sonstiges.
- 2:47:13Hast du da irgendwas, wo du sagst, daran kann ich das festmachen.
- 2:47:16Kombiniert bitte diese Dinge niemals?
- 2:47:19Ja, das ist ja das Thema.
- 2:47:22Es gibt immer irgendeinen Rotwein, der zu irgendeiner Auster passt.
- 2:47:25Das wird es garantiert geben.
- 2:47:27Es gibt im Bordeaux-Lay, gibt es eine sehr bekannte Ausstandfirma,
- 2:47:30die sehr nachhaltig Austern erzeugen, auf sehr...
- 2:47:33Kaviar erzeugen, schuldige Kaviar erzeugen, auf sehr hohem Niveau.
- 2:47:37Und da geht es eben um die Kombination von Kaviar und
- 2:47:41Bordeaux, auch das funktioniert.
- 2:47:45Ja, aber wir wollen ja jetzt irgendwo die Faustregeln wieder hervorkramen.
- 2:47:49Und wir haben gesagt, wir wollen eine Regel schaffen,
- 2:47:51an der man sich orientieren kann.
- 2:47:53Natürlich kann man... es gibt unzählige Bücher,
- 2:47:56die tolle Sommelier geschrieben haben,
- 2:47:58oder Restaurantleiter und beschrieben haben,
- 2:48:01oder Journalisten, wie toll Bordeaux so der und der Auster passt.
- 2:48:07Aber was nutzt das denn dem normalen Weinfreak,
- 2:48:12dem normalen Weinfex, dem normalen Weintrinker?
- 2:48:15Gar nichts.
- 2:48:16Weil an dieser Auster kommt am Zweifelsfall gar nicht ran.
- 2:48:19Und es müsste dann auch wirklich ganz genau der exakt selbe Bordeaux sein.
- 2:48:24Kein anderer Jahrgang, nein, sondern der gleiche Jahrgang,
- 2:48:27der Silbijahrgang.
- 2:48:29Und das ist dann ganz schwer nachzuvollziehen.
- 2:48:32Also ich glaube, dass wir mehr gut tun,
- 2:48:35wenn wir als Sommeliers Dinge weitergeben,
- 2:48:39die nachvollziehbar sind für unsere Kunden.
- 2:48:42Zurück kommt auf den ersten Teil deiner Frage.
- 2:48:48Würde ich sagen, was funktioniert überhaupt nicht?
- 2:48:50Es ist Essig und Zucker.
- 2:48:52Das sind wirklich Feinde des Weines.
- 2:48:54Was glaube ich auch noch schwierig ist,
- 2:48:57sind so ganz scharfe, ätherisch schmeckende Zwiebeln,
- 2:49:01was wirklich lange auf der Zunge bleibt.
- 2:49:04Also wenn die ätherische in Schärfe umschlägt,
- 2:49:08der Zwiebeln und extreme Chili-Scherfe.
- 2:49:11Also es gibt einen Level von Schärfe.
- 2:49:14Wenn der überschritten wird, dann gibt es auch keinen Wein,
- 2:49:17mehr der zu passt.
- 2:49:19Dann ist es feierabend.
- 2:49:21Dann geht eigentlich nur noch ein Joghurt-Drink.
- 2:49:23Also der irgendwo versucht das zu löschen,
- 2:49:25was man im Gaumen angerichtet hat.
- 2:49:27Schmerzmindernd sozusagen.
- 2:49:29Oder schmerzlindernd.
- 2:49:31Genau.
- 2:49:33Das sehe ich auch so.
- 2:49:35Das wären jetzt so meine Hauptfeinde.
- 2:49:38Ansonsten sehe ich, dass nicht mehr so drastisch wie das früher war.
- 2:49:42Es gibt auch tolle Kombinationen zu Mattjes-Herring.
- 2:49:48Selbst da hat man früher das als Feind bezeichnet.
- 2:49:51Wer dazu schon mal einen tollen Montillardo getrunken hat,
- 2:49:56der sagt auch, das passt wunderbar.
- 2:49:58Also es gibt eigentlich immer gute Kombinationen.
- 2:50:01Aber das, was ich gerade genannt habe, sind für mich so die ...
- 2:50:04Da ist Hopfen und ...
- 2:50:06Das hätte ich fast gesagt, Hopfen und Mattjes.
- 2:50:08Da ist jeder Traum gern verloren.
- 2:50:11Stimmt in der Tat nicht.
- 2:50:16Wenn man es einmal für sich selber implantiert hat,
- 2:50:18dann kann man es fühlen.
- 2:50:20Und das ist vielleicht so eine Herangehensweise,
- 2:50:23dass man sich trauen sollte oder trauen muss, zu fühlen.
- 2:50:25Wein zu fühlen, Geschmack zu fühlen.
- 2:50:27Sich darauf einzulassen, das imaginär miteinander zu kombinieren.
- 2:50:31Und dann das einfach zu erleben.
- 2:50:35Was hält sich von Schokolade und Wein?
- 2:50:37Bist du da ein Fan von oder eher weniger?
- 2:50:40Oder macht das ein, das andere noch komplizierter?
- 2:50:45Ich würde die Frage mit Jein beantworten.
- 2:50:49Also für mich ist Schokolade süß.
- 2:50:51Und man ist sie in der Regel am Ende eines Menüs.
- 2:50:55Oder man ist sie zu einer Zeit, wo man keinen Wein trinkt.
- 2:50:58Insofern sind mir jetzt eher die Kombination
- 2:51:02zwischen trockenen Rotwein oder trockenen Wein und Schokolade.
- 2:51:06Die brauche ich nicht so.
- 2:51:08Weil am Ende eines Menüs möchte ich jetzt nicht unbedingt
- 2:51:11noch trockenen Rotwein trinken.
- 2:51:14Sondern dann geht es eigentlich mehr um Banules oder Portwein.
- 2:51:19Das sind dann so die Kombis, die ich schätze.
- 2:51:22Und da gibt es natürlich Dinge, die total gut passen.
- 2:51:25Aber auch da habe ich versucht, das mal auf Faustregeln runterzubrechen.
- 2:51:30Und da ist jemand in Deutschland unterwegs,
- 2:51:34der Herr Schell, der sitzt in Württemberg.
- 2:51:36Und ein Schokoladier, der macht tolle Schokoladensorten.
- 2:51:40Und da habe ich gemeinsam mit Helena Mariskall,
- 2:51:44die mit mir das Diploma WC gemacht hat,
- 2:51:48den Weinakademiker, mit der habe ich tolle Kombinationen gefunden,
- 2:51:53die ein bisschen mehr Allgemeingültigkeit haben.
- 2:51:56Die Helena ist von Hause aus Lebensmittelchemikerin.
- 2:51:59Und die hat immer zu mir gesagt,
- 2:52:01Christina, so wie du das erzählt,
- 2:52:03hört sich das ganz toll an, aber funktioniert,
- 2:52:05tut das ganz anders.
- 2:52:07Und das hat mich dazu gebracht,
- 2:52:09dass ich ein bisschen mehr nachlesen musste und mehr lernen musste.
- 2:52:12Und es war auch gut so.
- 2:52:14Und eine Faustregel lautet,
- 2:52:16dass man vielleicht auch die Schokoladen,
- 2:52:18genau wie die Käsesorten, in Gruppen unterteilt.
- 2:52:21Und da geht es eigentlich immer wieder
- 2:52:23um den unterschiedlichen Kakao-Gerhalt.
- 2:52:26Und wenn man Milchschokolade,
- 2:52:29ich weiß nicht, warst du schon mal im Museum,
- 2:52:32im Schokoladenmuseum in Köln?
- 2:52:34Natürlich.
- 2:52:36Ja, und dann kennst du auch diese wunderbaren Schaukästen
- 2:52:40mit den Häufchen der Indrigenzen.
- 2:52:43Und dann ist es auch so,
- 2:52:45dass man sich auch immer wieder
- 2:52:47über die Schokolade, was in welcher Schokolade drin ist.
- 2:52:50Also so eine 30-prozentige Milchschokolade
- 2:52:53mit dem Kakao-Gerhalt von angeblich 30 Prozent.
- 2:52:56Die besteht zum großen Teil als Kakaobutter.
- 2:52:59Und was es heute gibt,
- 2:53:02ist halt gut,
- 2:53:04dass die Schokoladen ein bisschen Salz enthalten.
- 2:53:07Also so wie die Oma gesagt hat an den Pfannkuchen-Teig,
- 2:53:10was dran, das hilft.
- 2:53:12Und wenn ihr die Schokolade mal ganz genau probiert,
- 2:53:14dann merkt ihr zum Ende des Kauens,
- 2:53:17merkt ihr, dass noch mal so ein Schubgeschmack kommt.
- 2:53:20Und das ist nicht der Geschmack,
- 2:53:22sondern das ist, dass wieder die Geschmacksgebung,
- 2:53:26die Geschmacksverstärkung des Salzes.
- 2:53:29Und in dem Fall, also alle Milchschokoladen
- 2:53:32mit 30 Prozent Kakao-Gerhalt
- 2:53:34passen unglaublich gut zu Riesling mit leichter Fruchtzüße.
- 2:53:37Also kann auch ein trockener Riesling sein,
- 2:53:39der so, ich sag mal, 8 Gramm oder sowas hat.
- 2:53:42Breszsocker, das passt wunderbar.
- 2:53:45Und interessant ist auch das weiße Schokoladen mit Nüssen.
- 2:53:50Also so diese, die heißen die denn,
- 2:53:53die mit den goldenen Haselnüssen,
- 2:53:55die gibt es ja auch in weiß.
- 2:53:58Und dass man dazu extrem gut trockene Bugunder-Sorten,
- 2:54:02die im Holz ausgebaut sind,
- 2:54:04also wo die Weine einen BSA,
- 2:54:06einen biologischen Säureabbau gemacht haben
- 2:54:09und im Holz ausgebaut worden sind,
- 2:54:11also eher so ein bisschen Burgundescheinen,
- 2:54:13dass die wunderbar trockene Weine zu solchen Schokoladen passen.
- 2:54:17Ja, passt, aber will man das,
- 2:54:19wenn man solche Schokolade, ist das frag ich mich.
- 2:54:22Aber es funktioniert, es ist eine Faustregel.
- 2:54:25Hab ich noch nie probiert,
- 2:54:27würde ich gerne mal einfach um das Erlebnis willens.
- 2:54:30Teils spannend, also das ist das Tolle.
- 2:54:33Man kann sich eindecken mit ganz vielen weißen Schokoladen mit Nüssen,
- 2:54:38also wer da wirklich ganz weit vorne ist, kann ich nur sagen,
- 2:54:41sind die Leute, die sich damit beschäftigen
- 2:54:44und die Schokolade auch für Wein herstellen.
- 2:54:46Dann kann man sich viel Geld sparen
- 2:54:48und viel Schokolade, viel Kalorien.
- 2:54:51Gibt es bei dir was, wo du sagst,
- 2:54:57das ist so ein absolut perfektes Setting für Wein,
- 2:55:00also so von der Umgebung her,
- 2:55:03das braucht der Wein, um den Wein in seiner absoluten, idealen Performance zu erleben.
- 2:55:10Also sagst du keine Ahnung, die Luftfeuchtigkeit,
- 2:55:13lila Räume morgens um 11.30 Uhr
- 2:55:17und dann mit Bach und die Symphonie.
- 2:55:26Bei mir kommt es eher auf die Stimmung an
- 2:55:29und auf die Menschen, die bei mir sind.
- 2:55:32Das hat mit dem Erlebnis zu tun, mit dem Umfeld
- 2:55:38und vor allem mit den Menschen.
- 2:55:41Wein lieber alleine oder in Gesellschaft?
- 2:55:44Du hast ja eigentlich gesagt, in Gesellschaft,
- 2:55:47aber um ihnen so in der Tiefsinnigkeit zu entdecken,
- 2:55:50lieber auch in Gesellschaft oder das dann lieber alleine?
- 2:55:54Ich finde auch in Gesellschaft, das macht extrem viel Freude
- 2:55:59und es bringt einen weiter,
- 2:56:02Weine mit Menschen zu verkosten, die ähnlich gesinnt sind,
- 2:56:06weil auch da wir alle unterschiedlich gepolt sind
- 2:56:09und jeder was von sich geben kann, was der andere vielleicht nicht gerade so mitbekommt
- 2:56:13und man hat eigentlich ein umfassenderes Bild
- 2:56:16und wenn Menschen auf dem gleichen Level verkosten,
- 2:56:18ist das eigentlich ein großes Geschenk,
- 2:56:20wenn man Weine miteinander verkosten kann
- 2:56:22und darüber sprechen kann, ohne Rechthaberei usw.
- 2:56:27Gehe ich völlig konformativ.
- 2:56:29Ich finde es aber manchmal auch interessant mit Menschen zu verkosten,
- 2:56:32die nicht auf dem gleichen Level sind,
- 2:56:34weil man selber sehr verkopft ist und sehr freaky unterwegs ist,
- 2:56:38oder ich zumindest,
- 2:56:40und wenn dann jemand so ganz unbedarft,
- 2:56:42seine Meinung und seine Empfindung zum Besten gibt,
- 2:56:45dann gibt es sich für mich manchmal eine Abbiegung,
- 2:56:47die ich vorher gar nicht genommen hätte.
- 2:56:49Das ist für mich total spannend.
- 2:56:51Also gar nicht so, dass man probiert mit welchen,
- 2:56:53die noch weiter sind, weil das manchmal auch interessant,
- 2:56:55aber auch manchmal dieser Schritt zurück,
- 2:56:57den man selber überspringt, macht unglaubliche Freude.
- 2:57:00Also ich bin da auch im Teamgesellschaft
- 2:57:03und lieber zusammenweinen probieren und sich austauschen.
- 2:57:06Gibt es für dich irgendwas, was du mit Weine niemals tun würdest,
- 2:57:09also wo du sagst, oder eine Situation, wo Weine nicht passt?
- 2:57:13Weine und Autofahren heißt es,
- 2:57:15und ich denke, alles, was mit Konzentration zu tun hat,
- 2:57:21also wenn man ein Vorträger hält,
- 2:57:23oder wenn man was schreibt, also wenn man ein Text zusammenschreibt,
- 2:57:28dann funktioniert Alkohol gar nicht.
- 2:57:32Mir ist wohl bewusst,
- 2:57:33dass einige der wichtigsten Schriftsteller
- 2:57:36unter Alkoholeinfos geschrieben haben,
- 2:57:40das sind dann Genies, auch das sind wieder die Ausnahmen,
- 2:57:42die nicht die Regel sind.
- 2:57:44Also man muss dann auch seine Sinne so zusammenhalten können,
- 2:57:49dass man, gerade wenn man schreibt,
- 2:57:51das ist ja was ganz anderes, als wenn man formuliert.
- 2:57:57Also in Sommerli am Tisch, das ist das größte, was es gibt,
- 2:58:00man kann jedes Mal was Neues erzählen,
- 2:58:02man kann die Welt jeden Tag neu erfinden,
- 2:58:04aber wenn man was aufschreibt,
- 2:58:06dann steht eigentlich immer die Frage dahinter,
- 2:58:08was ist die Aussage.
- 2:58:10Und die muss dann auch da sein.
- 2:58:14Also ich weiß nicht, wie es anderen geht,
- 2:58:16aber ich brauche dazu Konzentration.
- 2:58:18Das funktioniert ja nicht mit Alkohol bei mir.
- 2:58:21Ich kann das auch nicht vortragen
- 2:58:24und vorher irgendwie eineinhalb Flaschen Wein trinken
- 2:58:26und dann noch einen großen Vortrag halten.
- 2:58:28Ich bin dann auch raus aus dem Thema,
- 2:58:30weil mich dann auch andere Emotionen begleiten
- 2:58:32und ich in diesem Vortrag eigentlich
- 2:58:34so meine authentischen Emotionen sein möchte.
- 2:58:36Daher bin ich da, oder beim Schreiben oder sonst.
- 2:58:39Also gehe ich völlig konform.
- 2:58:41Was wärst du geworden? Wärst du kein Astronomen
- 2:58:43oder kein Gastronomen?
- 2:58:45Also du bist ja eigentlich weit mehr als ein Astronomer.
- 2:58:48Du bist ja Journalistin, du bist Referentin,
- 2:58:50du bist Gastronomen, aber all das mal weggewischt.
- 2:58:54Was wärst du dann?
- 2:58:57Kann ich nicht sagen,
- 2:58:58weil damit habe ich mich nie beschäftigt.
- 2:59:00Ich war immer zufrieden und ich habe in meinem Beruf
- 2:59:03ganz viel erlebt.
- 2:59:05Ich habe viele Abbiegungen genommen
- 2:59:08und die Chance gehabt, vieler Leben zu dürfen.
- 2:59:11Insofern hat mir mein Beruf sehr viele Facetten gegeben
- 2:59:15und die sind eigentlich immer noch da.
- 2:59:18Ich habe immer noch viel Freude dran.
- 2:59:21Insofern stellt sich die Frage bei mir nicht.
- 2:59:24Was ja auch so ein lebendiges Beispiel ist,
- 2:59:26dass du zwar immer mit Wein zu tun hattest,
- 2:59:28aber den in jeglicher Art von Klavier-Tour
- 2:59:31bespielt hast und so richtig ausgerollt,
- 2:59:33ausgereizt und trotzdem dir selber treu geblieben bist.
- 2:59:37Findest du Ausgleich?
- 2:59:39Hast du ein Hobby oder ein Sport?
- 2:59:43Bist du heimlichem Marathonläuferin?
- 2:59:46So sehe ich aber nicht aus.
- 2:59:49Um nochmal auf die fehlende Schokolade zurückzukommen.
- 2:59:55Köttnäppchen.
- 2:59:57Da sind wir nicht mehr zugekommen,
- 3:00:01aber wenn wir den Kakao-Gehalt erhöhen auf 70%,
- 3:00:05dann muss man einfach Banjuls her,
- 3:00:08und es muss ein Portwein her, ein Vintage am besten.
- 3:00:11Da verstecken sich ganz viele Kalorien, lieber Silvio,
- 3:00:14nicht nur da.
- 3:00:16Ich esse gerne, ich trinke gerne Wein,
- 3:00:19ich beschäftige mich gerne mit dem Thema
- 3:00:22und ich müsste mich sicherlich wesentlich mehr bewegen
- 3:00:25und mehr Gymnastik machen, als ich tue.
- 3:00:28Ich träume im Moment noch von der Zeit,
- 3:00:31die irgendwann kommen wird, die irgendwann kommen muss,
- 3:00:34aber die leider noch nicht da ist.
- 3:00:36Das kenne ich, also jetzt ist es,
- 3:00:38seitdem ich gerade ganz frisch aus der Gastronomie heraus bin
- 3:00:42und eigentlich mehr sitze bzw. mit dem Kopf arbeite,
- 3:00:45merke ich, wie wenig man sich bewegt
- 3:00:47und was eigentlich das für ein Segen ist,
- 3:00:49was man früher, wenn die Füße geschmerzt haben,
- 3:00:51aber man bewegt sich
- 3:00:53und mit einmal fehlt einem das regelrecht.
- 3:00:56Darf ich fragen, es klingt ein bisschen provokant,
- 3:00:59so was gar nicht gemeint, was du eigentlich machst.
- 3:01:02Du hattest ja, und damit warst du legendär,
- 3:01:04dein Restaurant, du bist überall mal zugegen
- 3:01:08in der Jury bei dem Projekt, bei dem Vortrag
- 3:01:11und ich frage euch immer, was du alles machst,
- 3:01:14also was du alles weißt und welchen Tiefs sind,
- 3:01:16auch unterwegs bist.
- 3:01:18Aber gibt es irgendwie so ein Projekt,
- 3:01:20was so dein Kernprojekt ist, was man benennen könnte
- 3:01:22oder gibt es eine Vision, woran du arbeitest,
- 3:01:24was wir künftig von dir erwarten können dürfen?
- 3:01:30Ich glaube, dass ich durch meine unterschiedlichen Tätigkeiten
- 3:01:35Expertise erreicht habe, die sicherlich gastronomischer Art ist.
- 3:01:39Also ich weiß ziemlich genau, wie Köchenticken,
- 3:01:42ich weiß ziemlich genau, wie ein Restaurant aufgebaut ist,
- 3:01:45welche Stellschrauben man bewegen muss,
- 3:01:48um das Team zusammenzubringen.
- 3:01:50Also vieles meiner Tätigkeit findet im B2B-Bereich statt,
- 3:01:54also Aus- und Weiterbildung,
- 3:01:56Off- und Online-Seminare.
- 3:01:59Da sind Kooperationen mit großen Hotels,
- 3:02:02also beispielsweise haben wir mit dem Hyatt in Mainz jahrelangen
- 3:02:05jedes Jahr sehr erfolgreich eine riesengroße Veranstaltung gemacht
- 3:02:09mit Wein und Speisen, wo 250 Leute zu Gast waren
- 3:02:13und das war eins, aber die Gäste wirklich egal,
- 3:02:18welchen Wissenstand sie hatten,
- 3:02:20auf funktionierende Pairings getroffen sind,
- 3:02:23was eben entsprechend Vorarbeit auch bedeutet hat.
- 3:02:26Ja, ich schreibe, ich mache Texte,
- 3:02:30ich bin ein bisschen journalistisch tätig,
- 3:02:33ich bin ehrenamtlich tätig,
- 3:02:35weil ich denke, dass gerade wir, die ein bisschen älter sind
- 3:02:39und sich jetzt noch für das Thema interessieren,
- 3:02:42irgendwo den Leuten, die was hören wollen,
- 3:02:46einfach auf was weitergeben können.
- 3:02:48Das war bei mir auch so, ich habe auch von solchen Menschen profitiert
- 3:02:51und ein Restaurant habe ich nicht mehr.
- 3:02:55Ich bin da ganz froh, wenn ich jemand brauche,
- 3:02:57dann arbeite ich mit gastronomischen Betrieben zusammen
- 3:03:00und wenn die anfangen aufzuräumen, dann gehe ich nach Hause.
- 3:03:03Ich habe ein Fach in der Weinbank Köln,
- 3:03:07das ist auch sehr schön, das ist eine Wine-Community
- 3:03:10und dort haben wir viele Seminare.
- 3:03:12Also ich mache schon noch eine ganze Menge Dinge,
- 3:03:15aber eigentlich auf einem ganz anderen Niveau
- 3:03:17und ich mache es gerne auch mit Leuten,
- 3:03:20mit denen ich gerne zu tun habe
- 3:03:22und ich habe einfach Spaß, mich weiterzuentwickeln,
- 3:03:25noch was dazu zu lernen
- 3:03:27und es wird sicherlich im Laufe der Jahre weniger werden,
- 3:03:30aber es ist eigentlich überhaupt kein Problem.
- 3:03:33Ich vermisse nichts, ich möchte gerne noch ein bisschen reisen,
- 3:03:37ich möchte meinen Garten erleben und, und, und.
- 3:03:39Also ich habe keine lange Walle Silvio.
- 3:03:42Gemüsegarten oder Blumengarten?
- 3:03:45Ne, bei Gemüse bin ich leider noch nicht, das habe ich noch nicht geschafft.
- 3:03:48Das hat einfach damit zu tun,
- 3:03:50dass ich noch viel zu oft unterwegs bin
- 3:03:53und für Gemüse muss man zu bestimmten Zeiten
- 3:03:56im Garten sein, da geht es.
- 3:03:58Genau, die richtige Jantezeitpunkt ist fatal.
- 3:04:00Wenn du jetzt nochmal die Chance hättest,
- 3:04:03einen Tag, eine Woche in irgendeinem Restaurant
- 3:04:06als richtig als Zommeljähre tätig zu sein,
- 3:04:09welches wäre das?
- 3:04:11Völlig unverbindlich, kannst du durch die Reihen tanzen.
- 3:04:15Was ich nicht sagen, das ist, also ich muss,
- 3:04:20was ich sagen kann, ist, dass es mich manchmal juckt in den Fingern,
- 3:04:23wenn ich so erfolgreiche Restaurantkonzepte sehe,
- 3:04:26so wie zum Beispiel jetzt auch das von Toni oder, also,
- 3:04:29so ganz andere Konzepte, weißte, die funktionieren,
- 3:04:32da mache ich mir Gedanken, was kann man da machen,
- 3:04:34wie kann man da was umsetzen, oder auch die Hände weinbar,
- 3:04:37finde ich, wie die zusammenarbeiten,
- 3:04:39auf welchem Niveau und wie die miteinander umgehen,
- 3:04:42wie sortiert sie sind, und es einfach ganz, ganz große Freude dazu zu schauen,
- 3:04:46aber da ich weiß, was dahinter steckt,
- 3:04:50und da ich bei mir selber merke, das kennst du ja auch,
- 3:04:53hast du ja auch gerade selber gesagt, du hattest es nur auf die Füße bezogen,
- 3:04:56aber es ist ja auch so, dass man die alteinstudierten Abläufe
- 3:05:00einer Gastronomie, die notwendig sind,
- 3:05:02um solcher einen Abend am Laufen zu halten,
- 3:05:06die vergisst man auch nach und nach.
- 3:05:09Es ist schon, es gehört eine ganze Menge Geist auch dazu,
- 3:05:12und Beweglichkeit solche Abende durchzuziehen,
- 3:05:15wenn das Restaurant voll ist.
- 3:05:17Und wenn ich überlege, dass nach manchen Abenden,
- 3:05:23nach Proben oder so, dass ich dann einfach wirklich jetzt nach den letzten Tagen
- 3:05:27Mainzer Weinbörse, Landweinmarkt in Effringen-Kirchen,
- 3:05:31da bin ich einfach durch, da bin ich froh,
- 3:05:33wenn ich dann einen Tag für mich habe und einfach mal ausatmen kann.
- 3:05:37Insofern brauche ich kein eigenes Restaurant mehr
- 3:05:41und ich beseh nämlich jetzt auch nicht irgendwo mitzuarbeiten.
- 3:05:45Okay, könnte sein, dass man sagt,
- 3:05:47irgendwie einen Tag im, keine Ahnung, noch mal im alten Ebuli
- 3:05:50oder bei Escoffee jedermals oder,
- 3:05:53aber will ich dir auch gar nicht in den Mund legen.
- 3:05:55Vielleicht darf ich aber noch abschließend,
- 3:05:57wenn du bei dir selber zusammen,
- 3:06:00oder wenn du bei dir selber zu Hause aufräumst,
- 3:06:04welches deiner Weinutensilien würdest du als allererstes wegschmeißen
- 3:06:08oder wenn du die finden würdest,
- 3:06:10als ehemaliges Geschenk würdest du sofort weiterverschenken
- 3:06:13und was bräuchtest du unbedingt in deinem persönlichen,
- 3:06:17ja, revertor an Weinutensilien?
- 3:06:21Also, die Dinge, die ich nicht brauche,
- 3:06:23habe ich alles schon weggeschmissen, Silvio.
- 3:06:26Was war das? Also, mich interessiert,
- 3:06:29was braucht man nicht, wenn man das irgendwie zum Zimmern?
- 3:06:32Es gibt so, es gibt zum Beispiel, ah, was fällt gerade was ein?
- 3:06:35Es gibt so eine Stange, eine Metallstange,
- 3:06:38die kannst du Wasser reinfüllen
- 3:06:40und kannst es frieren im Tiefgrüffach.
- 3:06:42Das kannst du dann in die Flasche hängen,
- 3:06:44völliger Blödsinn.
- 3:06:46Zum Kühlen.
- 3:06:47Da gibt es viel bessere Möglichkeiten, um den Wein zu kühlen,
- 3:06:49also sowas braucht man nicht.
- 3:06:51Und ja, also was ich jetzt ganz wichtig finde,
- 3:06:54ist dieser Öffner, von dem ich nicht mal weiß, wie er heißt, der.
- 3:06:58Im Grunde sieht es aus wie eine Klammer, hat rechts und links
- 3:07:01zwei Hebel, die man jeweils zwischen fast...
- 3:07:04Spangenkorkenzieher.
- 3:07:06Danke, ich wusste bis heute nicht, wie das heißt.
- 3:07:09Also, sowas braucht man für reife Weine mit älteren Korken,
- 3:07:13weil die kann man so am Stück rausholen.
- 3:07:16Und ganz hilfreich ist auch eine sogenannte Hebamme.
- 3:07:19Also, das ist ein Gerät, welches man hat,
- 3:07:24vier Greifer, Metallgreifer, die unten nach innen gebogen sind.
- 3:07:30Und über diesen Greifarmen ist ein kleiner Metallring.
- 3:07:33Das heißt, man kann diese Greifarme ein bisschen locker machen,
- 3:07:36kann dieses Gerät in die Flasche einführen
- 3:07:39und kann den Kork, das Korkstück, was unten drin ist,
- 3:07:42einkreisen mit den Greifern
- 3:07:46und kann dann den metallen Ring runterziehen
- 3:07:49und so das Ganze festigen.
- 3:07:51Und diese Hebarme fastern dieses Stück Kork
- 3:07:54und man kann es unbeschadet aus der Flasche holen.
- 3:07:56Und das ist schon eine tolle Erfindung.
- 3:07:58Das ist zwar ein uraltes Gerät, aber es ist genial.
- 3:08:01Total Vergessenheit, ja.
- 3:08:04Und dropst, finde ich, auch ganz hilfreich.
- 3:08:07Wenn man hat die Situation, dass ein Korken abricht,
- 3:08:10das passiert, wenn noch so ein Scheibchen übrig ist,
- 3:08:13man kriegt ja nicht raus.
- 3:08:15Man kann nur noch irgendwie reindrücken
- 3:08:17und dann ist eine Hebarme eigentlich so ein Himmelsgeschenk,
- 3:08:20was ein S-Wort ist.
- 3:08:22Und wenn dann der Flaschenhals von innen verklebt ist
- 3:08:25mit Korkresten, mit Dingen, die aus dem Korken stammen,
- 3:08:29Leim oder was auch immer, dann ist eben ein Dropstop wichtig,
- 3:08:33weil man den reinschieben kann
- 3:08:35und kann damit den Wein an diesen Klebstoffresten
- 3:08:38vorbeileiten durch den Metall.
- 3:08:40Und das ist für den Wein viel besser.
- 3:08:43Er verliert dann keinen Geschmack oder verändert sich nicht.
- 3:08:46Ist auch total verkannt oder unterschätzt,
- 3:08:49eine Rated, finde ich.
- 3:08:51Wenn man ein Wein mal ohne Dropstop probiert
- 3:08:53und einmal mit Dropstop,
- 3:08:55dann kann man so richtig spüren,
- 3:08:57dass eben auch diese Klebereste
- 3:08:59teilweise geschmackseinschüchternd,
- 3:09:02die für den Wein sind.
- 3:09:04Und das finde ich mal kannt.
- 3:09:07Toll.
- 3:09:09Und das hat schon Wolf Salwei gemacht.
- 3:09:13Er ist vor ganz, ganz, ganz vielen Jahren
- 3:09:15mit zwei Flaschen Beinen über die Mainzer Weinbörse gelaufen.
- 3:09:18Hat jeden, der wollte oder nicht wollte,
- 3:09:20verkosten lassen.
- 3:09:22Und der war einer schwierig und einer war gut.
- 3:09:25Und das Geheimnis war,
- 3:09:27dass der Wein, der besser schmeckte mit einem Dropstop,
- 3:09:30konnte man nicht sehen,
- 3:09:32weil der ganz im Flaschenholz drinsteckte.
- 3:09:34Und der andere war ausgeschenkt ohne Dropstop.
- 3:09:37Und der hatte diese Klebereste im Hals.
- 3:09:40Und insofern war ich da geheilt
- 3:09:43und habe verstanden, dass es so ist.
- 3:09:45Und seitdem mache ich das auch so.
- 3:09:48Das sind so Erlebnisse.
- 3:09:50Und das ist so losgelöst davon,
- 3:09:52dass man mehr Wert hat,
- 3:09:54wo man immer wieder auch nach 5 oder 10 oder 20 oder 30 Jahren
- 3:09:57in diesem Business immer wieder überrascht ist.
- 3:09:59Selbst wenn ich mal zwei verschiedene Gläser nehme,
- 3:10:02bin ich trotzdem überrascht,
- 3:10:04obwohl man das ja rein vom Kognitiven durchaus durchspielen kann.
- 3:10:07Aber das Live zu erleben,
- 3:10:10und da hört Wein niemals auf, Spaß zu machen.
- 3:10:13Ja, stimmt.
- 3:10:15Das ist richtig.
- 3:10:17Es gibt so viele Dinge im Hintergrund,
- 3:10:19wenn man die weiß,
- 3:10:21dass das einfach extrem hilfreich ist,
- 3:10:24den Wien-Service besser zu bewältigen
- 3:10:27und dem Wein was Gutes zu tun.
- 3:10:30Und das ist ja unser Ziel.
- 3:10:32Und wir wollen den Wein so feinfühlig,
- 3:10:35wie möglich ins Glas bringen,
- 3:10:37damit er auch so facettenreich,
- 3:10:39wie möglich wieder rauskommt.
- 3:10:41[Musik]
- 3:10:46Eine ganz tolle Folge.
- 3:10:49Eine sehr inspirierende Folge.
- 3:10:51Eine sehr euphorische Folge.
- 3:10:53Jede unserer Episoden,
- 3:10:55jede unserer Sonneyes und Sonneern
- 3:10:57haben eine ganz eigene Identität,
- 3:10:59haben eine eigene Geschichte.
- 3:11:01Und ich finde, und das mochte ich an dieser Folge,
- 3:11:03ist großartig, wenn man diesen Beruf,
- 3:11:05wenn man die Leidenschaft, wenn man die Energie,
- 3:11:07wenn man die Grundlagen für sich selber
- 3:11:09einmal wieder neu definieren und erleben kann.
- 3:11:12Das geht mir manchmal so,
- 3:11:14dass ich mich immer wieder mit einem Wien probiere.
- 3:11:16Ich entdecke es, obwohl ich es weiß, immer wieder neu.
- 3:11:18Und es ging mir so bei dieser Wein- und Speisenkombination
- 3:11:21jetzt mit der Großmeisterin, mit Christina,
- 3:11:23wie Wein und Speisen so ineinandergreifen können.
- 3:11:26Das, was wir täglich im Restaurant,
- 3:11:28das, was wir täglich in Weinfachgeschäften
- 3:11:30oder in Weinbaas leben,
- 3:11:32das wieder einmal zu erleben, nicht nur aus der Theorie,
- 3:11:34nein, rein aus der Praxis heraus, ist so großartig.
- 3:11:37Vielen lieben Dank, liebe Christina,
- 3:11:39für den Input, für deinen Geist,
- 3:11:41für deine Energie, für deine Euphorie,
- 3:11:43für deine Realität, für deinen Humor einfach für dich.
- 3:11:45Und auch ein ganz großes Dankeschön euch für's Zuhören.
- 3:11:48Vielleicht sogar fürs Mitmachen, fürs Nachmachen, fürs Selbsterleben.
- 3:11:51Aber eben auch für die Begleitung, fürs Teilen, fürs Kommentieren,
- 3:11:54fürs, und da würde ich mich ganz besonders darüber freuen, fürs Bewerten.
- 3:11:58Egal wo ihr diesen Podcast hört, ob auf Spotify,
- 3:12:00ob auf Apple Music, ein kleines Like,
- 3:12:03eine kleine Bewertung, würde uns natürlich in der Präsenz in der Reichweite
- 3:12:06sehr, sehr helfen.
- 3:12:08Danke fürs Kommentieren, danke fürs Fragen stellen,
- 3:12:11danke einfach für euch fürs dabei sein und fürs Begleiten.
- 3:12:14Und abrubbbegleiten, ein großes Dankeschön auch der Schlumbergergruppe
- 3:12:18mit den Handelshäusern Segnet Schlumberger,
- 3:12:21Konziowini und dem Privatkundenportal Bremer Weinkollekt.
- 3:12:24Dank euch, dank eurer Unterstützung, sowohl wirtschaftlich als auch händisch,
- 3:12:28können wir dieses Projekt realisieren.
- 3:12:30Vielen, vielen Dank.
- 3:12:32Ein ganz großes Dankeschön unserem zweiten heutigen supporter,
- 3:12:39unserem Begleiter und unserem Unterstützer, der Firma Feigenberg.
- 3:12:42Die Firma Feigenberg ist in der Weinzene allgegenwärtig und nahezu jedem bekannt,
- 3:12:47aber, und das macht das Ganze besonders, nicht nur in der deutschen Weinzene,
- 3:12:51denn sie sind Visionäre, sie sind Pioniere, sie sind Wegbereiter
- 3:12:54und sie sind darüber hinaus mehr als einfach nur Weinhändler.
- 3:12:57Doch wie es dazu kam, was sie auszeichnet und was ihr Motor ist,
- 3:13:00dafür habe ich noch einmal Peter Bohnen,
- 3:13:02einen der beiden geschäftsführenden Gesellschaften,
- 3:13:04gebeten, uns etwas über Feigenberg zu erzählen.
- 3:13:07Feigenberg ist mit Sicherheit Teil der deutschen und internationalen Weingeschichte,
- 3:13:11wofür man sich natürlich nichts kaufen kann.
- 3:13:14Klar, aber es ist immer ganz spannend, die Wuchzeln, die Herkunft eines Unternehmens zu kennen.
- 3:13:19Und Feigenberg ist ein schon relativ eiles Unternehmen,
- 3:13:23drei Jahre vor der französischen Revolution,
- 3:13:251786 vom Peter Josef Feigenberg gegründet worden,
- 3:13:30die ursprünglich aus den Niederlanden kam,
- 3:13:33der sich sehr geschickt beim Weinhandel angestellt hat,
- 3:13:36unter Napoleon im Rahmen der Sikularisierung des Liebfrauenstift erworben hat.
- 3:13:41Napoleon hat zur Finanzierung seiner Armee die eroberten geistlichen Güter
- 3:13:48dann häufig verkauft, um Geld in die Kassen zu bekommen.
- 3:13:52Und Peter Josef Feigenberg hat zugeschlagen und hat damit damals ein Wein geschaffen,
- 3:13:59der recht exklusiv war, der nur in Worms auf den Weinbergen rund um die Liebfrauenkirche gewachsen ist
- 3:14:08und geerntet wurde.
- 3:14:10Das ist die Original-Liebfrauenmilch, bevor sie dann zu einem mehr oder weniger Massenphänomen wurde.
- 3:14:19Das war ein recht exklusiver Wein.
- 3:14:21Über den Feigenberg dann damals sehr bekannt wurde, der Wein war allerdings rechtlich nicht geschützt,
- 3:14:28oder sehr dann häufig auch nachgearmt wurde.
- 3:14:32Feigenberg ist heute Verstärker für deutsche Weine in Übersee,
- 3:14:37vor allen Dingen in den USA, wo Feigenberg International eine eigene Firma,
- 3:14:42nach amerikanischem Recht, dafür sorgt, dass in über 40 US-Staaten die Weine vertrieben werden,
- 3:14:48über Distributeure.
- 3:14:50Das sind sowohl namhafte Weingüter wie J.J. Primm, Johannes Hof, Huber,
- 3:14:57Weingüter wie Alex Flüger aus der Falz, zum Beispiel, Schloss Saarstein.
- 3:15:03Auf der anderen Seite dann auch eigene Marken, die Feigenberg immer schon als Negation abgefüllt hat,
- 3:15:11Feigenbergweine, eigene Moselweine.
- 3:15:15Wir machen das nicht nur in Amerika, wir machen das auch seit über 50 Jahren in Japan,
- 3:15:21wo unser Kooperationspartner Santori die Weine vertreibt.
- 3:15:26Wir machen das im Baltikum, wir machen das in Skandinavien, in China.
- 3:15:32Wir sind quasi eine Plattform für deutschen Wein der Versuch,
- 3:15:38deutschen Wein als Nische, aber vielleicht als beste Nische, die es zu entdecken gibt,
- 3:15:45zu kommunizieren und auch zu entwickeln.
- 3:15:48Es geht nicht nur ums Verkaufen, es geht darum auch den Wein zu positionieren,
- 3:15:51darzustellen zu erklären und das ist unsere Aufgabe und das machen wir mit großer Freude weltweit.
- 3:15:57Das Winzergeschäft ist eine Kunst für sich, Wein zu machen, ist eine Kunst für sich,
- 3:16:02Wein herzustellen, ist eine Kunst für sich, aber Wein zu vermarkten ist wieder eine ganz eigene Kategorie
- 3:16:09und das ist unsere Aufgabe und wenn wir dazu etwas beitragen können, dann machen wir das sehr gerne.
- 3:16:15Es ist sehr aufwendig, es ist ein sehr komplexes Gebiet, weil man auf die unterschiedlichsten Regionen eingehen muss.
- 3:16:20Selbst in Amerika kann man nicht sagen, es gibt den amerikanischen Markt, die Küstenregionen,
- 3:16:25sei es New York oder die Metropole Los Angeles, San Francisco, trinken zum Beispiel
- 3:16:32und kaufen damit auch ganz anders Wein ein als der Mittelwesten zum Beispiel.
- 3:16:36In Japan gibt es unterschiedlichste regionale Befindlichkeiten zu bedenken,
- 3:16:41in China trinkt man auch nicht überall das Gleiche.
- 3:16:45Also man muss nicht nur auf das Land, sondern auch auf die Regionen eingehen,
- 3:16:48man braucht die richtigen Partner, die richtigen Distributeure, die richtigen Beeinflusser.
- 3:16:53Das ist ein sehr komplexer kommunikativer Prozess und das ist unsere Aufgabe
- 3:16:58und das macht uns sehr viel Freude den deutschen Wein entsprechend zu kommunizieren und auch zu entwickeln natürlich.
- 3:17:06[Musik]
- 3:17:26Hier ist Christine Ballet.
- 3:17:28Als Französin habe ich zuerst die deutsche Gastronomie live und intensiv erlebt.
- 3:17:33Dann kam die Selbstständigkeit als freiberufliches Summeliere.
- 3:17:38Es begann vor 25 Jahren in Köln, wo ich heute noch lebe,
- 3:17:44so wie meine Freundin Christine Fischer, über die ich heute gerne sprechen möchte.
- 3:17:49Unsere erste Begegnung war Mitte den 90er Jahren, das ist fast 30 Jahre her.
- 3:17:56Ich hatte gerade meine IAC geprüftes Summeliereausbildung absolviert
- 3:18:01und wurde zu einer Frauen-Wahlenprobe im Rheingau angeladen.
- 3:18:06Sie wurde von Rudi Knöll organisiert.
- 3:18:11Es war eine spannende Probe.
- 3:18:14Christine Fischer war für mich so beeindruckend.
- 3:18:19Sie war so kritisch und Herausforderung.
- 3:18:22Es war wirklich Power pur.
- 3:18:26So war Köln für mich angesagt, nicht nur privat, sondern auch beruflich.
- 3:18:32Viele Weinproben von in Kristinas Restaurant statt.
- 3:18:37Fischers Restaurant war cool.
- 3:18:39Es war eine aufregende Zeit.
- 3:18:42Kristina begeisterte mich immer wieder, nicht nur durch ihre Vox auftritt,
- 3:18:48sondern durch ihre Aktivität.
- 3:18:52Neben dem Restaurant war sie auch für die Summeliere Union engagiert.
- 3:18:58Sie hatte so viele Ideen, so viele Projekte, dass ich irgendwann folgt dabei war.
- 3:19:05Weinseminare im Fischers Restaurant.
- 3:19:09Weinreise für die Summeliere Union.
- 3:19:12Pro Weinparty.
- 3:19:14Wir sprechen von mehr als 1000 Gäste.
- 3:19:17Kristina war für die Gesamtorganisation verantwortlich.
- 3:19:22Ich habe mich immer wieder gefreut, mit ihr zusammenzuarbeitet.
- 3:19:26Nabwuchsförderung, das war eine Idee von ihr.
- 3:19:31Sie hat jahrelang sich dafür engagiert, junge Summiliers mit ins Boot zu nehmen.
- 3:19:39Es war ein Projekt der Summeliere Union, den ich auch mit begleiten durfte.
- 3:19:45Und ich habe auch noch das Projekt "Dank Kristina" erlebt.
- 3:19:49Diese jahrelangen Zusammenarbeit ist großartig.
- 3:19:53Kristina ist für mich ein Vorbild, treibende Kraft, eine Lokomotive.
- 3:20:01So entsteht eine Freundschaft, die wir bis heute pflegen.
- 3:20:04Du stellst etwas Arbeit, nach wie vor, aber auch viel Freizeit, die wir miteinander verbringen.
- 3:20:10Wolken, plaudern, latte Macchiato trinken, aber auch gemeinsam kochen.
- 3:20:17Natürlich dabei. Essen, trinken, die Herausforderung bleibt, nach wie vor Wein genutzt.
- 3:20:26Passt der Wein zum Essen. Warum?
- 3:20:29Ich liebe diese Diskussionen.
- 3:20:33Kristina ist für mich eine Geniesserin, durch und durch, wie schön daran teilzuhaben.
- 3:20:42[Musik]