Latest / Drama, Drinks, Dreissig+ / Wie ist es als Migrakind?
Transcript
- 0:00Die AF D in Deutschland an die Macht kommen sollte, dann werde
- 0:03ich dieses Land verlassen. Das steht für mich fest.
- 0:07Ja, was bin ich eigentlich in Deutschland geboren,
- 0:10kriechischer Vater portugiesische Mutter, was
- 0:12bedeutet das für mich und was bedeutet das vielleicht für euch
- 0:16als migra Kinder? Es macht mich so nachdenklich.
- 0:19Also ihr merkt, ich habe wirklich eine Identitätskrise
- 0:21und das nicht erst seit vorgestern.
- 0:23Also ich bin halt so ein wandelnder, absolut inkorrekter
- 0:27Google Translator. Ich sehe nicht sehr deutsch aus,
- 0:32das ist offensichtlich so, keiner ist jemals zu mir
- 0:34gekommen und gesagt, Boah du bist du bist deutsch oder?
- 0:37Und da hat Giovanni Zarrella gesagt, dass seine Mutter ihn
- 0:43mal gefragt hat, wenn die AF d an die Macht kommt.
- 0:49Ob Sie dann noch Zeit hat, das Haus zu verkaufen, oder ob sie
- 0:53dann direkt gehen müssen. Hey Leute, ich bin Lisa
- 1:08Cappegerido und das ist Drama, Drinks, 30 plus also ich hoffe
- 1:13ihr habt eure Drinks ready ich bringe auf jeden Fall das Drama
- 1:16mit. Daher würde ich sagen, wir legen
- 1:19los mit der Folge Hello und herzlich Willkommen zu einer
- 1:27neuen gemütlichen Folge Drama Drinks 30 plus.
- 1:32Ich sitze heute richtig gemütlich im Hoodie Leggins, ihr
- 1:36könnt sehen, gemütliche Haltung, ich habe das gerade so
- 1:42identifiziert, das bedeutet es wird persönlich.
- 1:47Ich habe eine Identitätskrise und nicht erst seit gestern.
- 1:51Ich glaube, das hat so angefangen, seitdem ich
- 1:54jugendlich bin und ja, die migra Ladies unter euch, also die
- 2:00Ladies mit Migrationshintergrund und auch die Herren mit
- 2:03Migrationshintergrund, die werden das sicherlich fühlen,
- 2:07also wenn ihr meinen Podcast schon von Anfang an mitverfolgt,
- 2:11dann. Dann wisst ihr, dass ich
- 2:12griechisch, portugiesisch bin. Das heißt, mein Papa ist
- 2:15Grieche, meine Mutter ist Portugiesin und ja, was bin ich
- 2:20eigentlich in Deutschland geboren, griechischer Vater,
- 2:22portugiesische Mutter, was bedeutet das für mich und was
- 2:27bedeutet das vielleicht für euch als migra Kinder in einer Welt
- 2:32voller Schubladen, die gefüllt werden wollen?
- 2:36Der Stempel, der euch aufgedrückt werden soll und will
- 2:40und. Die Dinge, an die du dich halten
- 2:43sollst, aber nicht verstehst. Da kommt so viel zusammen und
- 2:47genau darüber möchte ich heute einfach mal quatschen, in der
- 2:52Hoffnung, dass sich hier vielleicht auch ein paar
- 2:55Menschen sammeln, die vielleicht selbe Erinnerung haben wie ich
- 3:00und die Ihre Erinnerungen mit uns teilen können.
- 3:04Und ja, fangen wir mal quasi an. Ich glaube, die Frage, die mir
- 3:10am meisten in meinem Leben gestellt wurde, und die Frage,
- 3:14die, wenn ich dafür immer einen Euro bekommen hätte, dann wäre
- 3:18ich wahrscheinlich auf irgendeiner genialen Insel am
- 3:21Meer, und zwar immer ist die Lisa, wie fühlst du dich?
- 3:27Mehr Portugiesisch oder mehr griechisch, also in meiner, Ich
- 3:31glaube dieser diese Frage hat meine Jugend am meisten geprägt.
- 3:36Lustigerweise hat mich nie jemand gefragt, ob ich mich mehr
- 3:41Deutsch oder mehr griechisch fühle oder mehr Deutsch oder
- 3:43mehr Portugiesisch oder was auch immer.
- 3:46Also die Frage war immer, fühlst du dich mehr griechisch oder
- 3:49mehr portugiesisch und natürlich haben mich das oft Griechen und
- 3:53Portugiesen gefragt, Überraschungen und was sie damit
- 3:56bezwecken wollten ist natürlich, dass ich sage.
- 4:02Dass das dabei rauskommt, quasi wo sie herkommen, also
- 4:05Portugiesen, wollten natürlich immer hören, aber portugiesisch
- 4:07fühle ich mich. Griechen wollten natürlich immer
- 4:08hören, griechisch fühle ich mich, aber wie fühle ich mich
- 4:11eigentlich, ich habe ehrlicherweise gar keine Ahnung,
- 4:15also ich hatte in meiner Jugend überhaupt kein Verständnis
- 4:19dafür, was bedeutet es denn überhaupt, griechisch zu sein,
- 4:22was bedeutet es denn überhaupt, Portugiesisch zu sein, so, ich
- 4:24war einfach ich, ich kannte ja gar nichts anderes und dennoch.
- 4:31War es immer die Überraschung, so Oh wow, was für ein Mix und
- 4:36du sprichst aber gut deutsch und solche Sachen, also immer dieses
- 4:42zwischen Stühlen stehen und nicht wirklich verstehen wo man
- 4:45hingehört und das war für mich immer so absurd, dass Menschen
- 4:51das thematisiert haben, wo es für mich gar kein Thema war und
- 4:55ich. Dadurch, dass Menschen das
- 4:56thematisiert haben, ist es für mich irgendwie mal, also nicht
- 4:59mal aber ist es für mich irgendwie zum Thema geworden,
- 5:01weil es ist doch scheißegal so. Ich bin Lisa und ich definiere
- 5:07mich doch selber, bis ich irgendwann gemerkt habe, das ist
- 5:11ein utopisches denken, das ist irgendwie, es ist zu rosarote
- 5:18Brille auf, weil wo du herkommst, mit wem du dich
- 5:21umgibst. Was dir beigebracht wird, ist
- 5:25sehr wohl Teil Teil deiner Persönlichkeit.
- 5:28Und ja, das hat schon in meiner Jugend angefangen oder als ich
- 5:35Kind war. Und zwar erinnere ich mich sehr,
- 5:38sehr gut daran, dass aufgrund dessen, dass die Buchstaben zum
- 5:43Beispiel im griechischen Alphabet nicht dieselben sind
- 5:48wie die lateinischen, ich glaube, es heißt lateinischen.
- 5:52Oh Mann, da ist wieder der Profi am Werk.
- 5:54Auf jeden Fall hat er andere Buchstaben, nämlich kyrillisch,
- 5:58und deswegen haben meine Eltern sich überlegt und damals haben
- 6:03das gefühlt alle Kinder in in meinem Alter gemacht, dass sie
- 6:08mich im Prinzip in die griechische Schule schicken, das
- 6:12heißt, ich glaube, bei uns war das immer mittwochs und
- 6:14freitags, wenn mich nicht alles täuscht, hatten wir nach der
- 6:17Schule nachmittags. Noch irgendwie 2 Stunden oder
- 6:22sowas griechischunterricht das heißt wir haben das Alphabet
- 6:25gelernt, wir haben keine Ahnung, ich kann mich da nicht mehr so
- 6:28gut dran erinnern, wir haben auf jeden Fall so Diktate
- 6:30geschrieben und die griechische Historie gelernt und da ging es
- 6:37quasi um Gedichte. Oh Gott, man muss dann immer zu
- 6:39gewissen Feiertagen und so Gedichte auswendig sagen, naja,
- 6:44auf jeden Fall haben wir das alles dann gelernt, damals war
- 6:48es natürlich. Ultra nervig, Ultra nervig, weil
- 6:53das für mich bedeutet hat, während irgendwie andere Kinder
- 6:57nachmittags mit den Freunden gespielt haben oder ins
- 6:59Schwimmbad gegangen sind oder was auch immer, sei es ich da
- 7:03quasi mit anderen griechischen. Kollegen und musste dann
- 7:09irgendwie griechisch erkannt. Heute bin ich natürlich
- 7:11unendlich dankbar, weil heute fliege ich nach Griechenland,
- 7:15ich kann die Sprache, ich kann ein Menü lesen, ich kann
- 7:19Straßenschilder lesen, also das hilft mir natürlich schon im
- 7:23Alltag, selbst wenn es nur so ist, dass ich es eigentlich
- 7:26hauptsächlich im Urlaub jetzt quasi einsetze, aber man weiß ja
- 7:30nie, was passiert in Zukunft und von daher bin ich natürlich
- 7:33jetzt. Sehr, sehr dankbar dafür.
- 7:36Aber das war natürlich ein ganz anderes.
- 7:40Es war natürlich eine ganz andere Jugend, als irgendwie von
- 7:47anderen deutschen Kindern, und das war schon etwas, was man
- 7:52bemerkt hat. Ich habe das jetzt gerade in
- 7:54meinen jungen Jahren nie irgendwie so negativ aufgefasst,
- 7:58weil ich muss tatsächlich sagen, ich.
- 8:02Die Tatsache, dass ich griechisch, portugiesisch war,
- 8:04wurde immer mit sehr viel, wie sagt man, wie ist das Wort, also
- 8:10die Leute hatten immer fragen, Ach wirklich griechisch,
- 8:14portugiesisch, das ist ja ne interessante Mischung, wo haben
- 8:19sich denn deine Eltern kennengelernt, also das hat
- 8:21immer eher Neugier geweckt, als dass es irgendwie ja so
- 8:28griechisch, portugiesisch, mäßig war, so ne und.
- 8:31Und deswegen würde ich sagen, sind das aber die Momente, wo
- 8:39ich irgendwie so gemerkt habe. Ah, ich bin ja gar nicht
- 8:42deutsch, obwohl ich total viele, was man so klassisch sagt,
- 8:47deutsche Tugenden habe oder sowas.
- 8:51Ich bin zum Beispiel ein ultrapünktlicher Mensch, ich.
- 8:53Ich versuche immer früh genug loszufahren.
- 8:56Ich halte das für respektlos, wenn ich Leute auf mich warten
- 8:59lasse und deswegen versuche ich immer pünktlich zu sein und es
- 9:04gibt ja so typische Sachen, die man so als typisch deutsch
- 9:08klassifiziert und ich würde sagen, dass ich einige Tugenden
- 9:11davon besitze. Ich bin eine kleine Arbeitsmaus
- 9:16und bin auch immer gewillt, dass oder mir ist es auch wichtig,
- 9:21dass dass man seine Arbeit akkurat macht und so.
- 9:24Ich würde behaupten, das ist jetzt nichts, was man typisch
- 9:27portugiesisch oder Griechisch deklariert, also ich glaube, das
- 9:31sind schon eher sehr deutsche Dinge, aber dadurch, dass man
- 9:35hier und da immer wieder damit konfrontiert wurde, ah, dass man
- 9:38ja gar nicht deutsch ist. Es ist immer wieder etwas, was
- 9:44mich so. Rausgeholt oder aus dem Ach so.
- 9:46Ja nee, ich bin ja auch nicht deutsch so und ich glaube, als
- 9:50Jugendliche ist mir das nicht so bewusst geworden, ich glaube,
- 9:53das kam erst mal so im Alter, wo man sich wirklich anfängt zu
- 9:57fragen, wer bin ich überhaupt und was, ja wann bin ich, was,
- 10:04so wisst ihr was ich meine, also das ist total schwierig das zu
- 10:10erläutern, aber. Wenn du in Griechenland bist,
- 10:17dann machst du halt so typisch griechische Sachen und isst
- 10:19typisch griechische Dinge, die du in Deutschland vielleicht
- 10:23nicht unbedingt essen würdest. Und wenn du in Portugal bist,
- 10:26dann ist das alles sehr familienbezogen.
- 10:28Und wenn du in Deutschland bist, dann ist es halt arbeiten und
- 10:34leben halt das reguläre Leben, irgendwie und überall, je
- 10:38nachdem, wo du hinkommst, bist du irgendwie jemand.
- 10:42Und ich bin nicht per se jemand anders.
- 10:44Aber wir sind so anpassungsfähig, finde ich.
- 10:48Also wenn es irgendwie Crazy laut Griechisch braucht und
- 10:53tanzen, dann bin ich da in 1. Reihe.
- 10:56Wenn es aber irgendwie auch ja wie gesagt Arbeiten, pünktlich
- 11:01sein, machen tun, dann kann ich das auch total gut und irgendwie
- 11:06habe ich das Gefühl wir sind total anpassungsfähig und.
- 11:14Hey kleine Unterbrechung, du hast es bis hierhin geschafft.
- 11:18Vielen vielen Dank. Ich hoffe der Podcast gefällt
- 11:20dir und wenn das der Fall ist, dann würde ich mich mega mega
- 11:23freuen wenn du einfach auf Folgen klickst oder den Kanal
- 11:25abonnierst. Je nachdem wo du das ganze
- 11:27siehst oder hörst das. Dauert für dich ungefähr ne
- 11:30Millisekunde und mir ermöglicht es ganz ganz viel, denn je mehr
- 11:34Reichweite wir hier aufbauen, gemeinsam, desto krassere Gäste
- 11:38kann ich hierhin einladen. Und dann gibt es nicht nur
- 11:40Drama, sondern auch A Lodge of Ramba Zamba und Halli Galli,
- 11:44also sei doch so lieb, Klick auf Folgen, mach die Glöckchen an
- 11:49und sei dabei, wenn wir gemeinsam wachsen, 1000 dank und
- 11:52Happy Day. Es macht mich so nachdenklich.
- 11:55Also ihr merkt, ich habe wirklich eine Identitätskrise
- 11:57und das nicht erst seit vorgestern.
- 11:59Es macht mich so nachdenklich, weil ich mich so ein bisschen da
- 12:01reinversetzen will in das Gefühl, vor allen Dingen, wie es
- 12:04war, als ich noch jünger war, wie gesagt, ich glaube, ich
- 12:10wurde gar nicht so sehr konfrontiert damit, aber wenn
- 12:12ich dann konfrontiert wurde damit, dann musste ich mir das
- 12:16immer so wieder aufs Neue überlegen, weil es kommt ja auch
- 12:18immer auf die Situation an, in der du gerade bist.
- 12:22Und das mit der Sprache ist natürlich next Level.
- 12:25Also eine Sache muss ich sagen, wenn Menschen mir gesagt haben,
- 12:29so, ah voll geil, du kannst griechisch, du kannst
- 12:31portugiesisch, du kannst Deutsch, englisch, spanisch und
- 12:34so weiter aber es ist ja richtig, richtig cool, dann habe
- 12:38ich immer gesagt, so, ja, ich hatte halt Glück, ich bin halt
- 12:41dreisprachig aufgewachsen und hatte Glück, dass meine Eltern
- 12:45einfach Bock hatten, mir alle Sprachen beizubringen
- 12:47beziehungsweise. Dass meine Großeltern und
- 12:53Freunde und so weiter von meinen Eltern da waren.
- 12:55Ja, weil zum Beispiel bin ich ja sehr viel mit meiner
- 12:59portugiesischen Großmutter aufgewachsen, und mit der habe
- 13:02ich natürlich nur Portugiesisch geredet, und wenn ich dann mit
- 13:06meiner griechischen Familie war, haben wir da halt griechisch
- 13:08geredet und mit meinen Eltern muss ich gestehen, ich kann mir,
- 13:11ich kann mich nicht erinnern, ob wir jemals im Haushalt so
- 13:14wirklich typisch griechisch portugiesische Sachen geredet
- 13:16haben. Sondern es war immer ein Mix aus
- 13:18allem. Also ich bin halt so ein
- 13:20wandelnder, absolut inkorrekter Google Translator, so würde ich
- 13:25sagen, weil weil das echt ja das macht schon schon was mit dir
- 13:32und manchmal, gerade wenn man die Sprachen sprechen kann, dann
- 13:35ist es schon irgendwie. Oder schien es schon immer was
- 13:40Besonderes zu sein, weil die Leute dann immer hören wollten,
- 13:42ja, sag mal das und das auf Griechisch oder blablabla, mach
- 13:45mal so und so, oder wie sagt man das oder was soll ich sagen,
- 13:48wenn und das ist halt immer irgendwie so ein Thema, was
- 13:52eigentlich recht positiv behaftet ist.
- 13:55Aber innerlich bist du natürlich trotzdem so.
- 13:57Naja, ich bin eigentlich ja griechisch, portugiesisch und.
- 14:05Meine Hauptsprache ist aber natürlich Deutsch, weil ich in
- 14:07Deutschland aufgewachsen bin, in Deutschland zur Schule gegangen
- 14:10bin. Und trotzdem gab es natürlich
- 14:13diese Hardcore Griechen und Portugiesen, Rede griechisch,
- 14:17warum redest du deutsch mit uns deutsch kannst du immer reden
- 14:20und so und das das Macht schon was mit dir, weil am Ende das
- 14:24zeigst. Ich will reden was ich reden
- 14:26will, also welche Sprache auch immer ich reden möchte und das
- 14:29ist halt so, jeder zieht halt irgendwie an dir.
- 14:34Das ist so finde ich, der Nachteil an dem ganzen.
- 14:36Aber es hat natürlich wie gesagt ganz, ganz viele Vorteile auch
- 14:40und ich meine, wir leben alle auf derselben Welt, aber in
- 14:47meinem kleinen eigenen Universum, in meiner kleinen
- 14:51eigenen Bubble ist es halt so, wie wie ich gesagt habe, also
- 14:55Deutschland und in Deutschland leben steht halt eigentlich,
- 15:00aktuell ist es wirklich. Schwierig, weil es politisch so
- 15:05schwierig ist. Aber ich würde mal sagen,
- 15:07generell steht eigentlich in Deutschland das Leben für gute
- 15:11Lebensqualität, für sichere Arbeitsplätze, für Karriere und
- 15:16so weiter und sofort. Aber im Gegenzug dazu steht es
- 15:20auch irgendwie immer in diesem, du bist migrantentochter und
- 15:27gerade in Zeiten wie jetzt. Und ich würde ja Deutschland
- 15:32mein Zuhause nennen. Aber gerade in Zeiten wie jetzt
- 15:35habe ich immer mehr das Gefühl, ach krass, vielleicht bin ich
- 15:40doch nur hier zu Gast. Wisst ihr also, es ist so
- 15:44schwierig und ich will gar nicht wissen, ehrlicherweise, was
- 15:49Araber denken, was Syrer denken und und so weiter was Afghanen
- 15:54denken und so, die vielleicht hier geboren sind und das, das
- 15:58muss noch mal eine Schippe krasser sein.
- 16:01Aber ich hatte nie dieses Gefühl, nicht als Jugendliche,
- 16:08nicht als als junge Erwachsene. Ich war immer so.
- 16:12Ja, Deutschland ist mein Heimatland und also Deutschland
- 16:16ist meine Heimat, da lebe ich da, da passiert alles für mich
- 16:19und in die anderen Länder gehe ich, weil ich Urlaub machen will
- 16:22und weil ich meine Familie sehen will, aber ich war immer so um
- 16:26Gottes Willen, ich habe immer zu meinen Eltern gesagt, Danke,
- 16:28danke, danke, danke, dass ihr euch entschieden habt, in
- 16:31Deutschland zu bleiben und dass ihr mich hier großgezogen habt,
- 16:34das war meine Mentality durch und durch und.
- 16:40Ich habe das nie so ganz verstanden.
- 16:42Ja, in Griechenland ja kein Wunder, die wundern sich alle,
- 16:44dass die kein Geld haben, ja wenn die nicht arbeiten gehen
- 16:46und so, also den ganzen Tag nur Frappett trinken und Zigarette
- 16:50rauchen wissen das war so mein mein Verständnis davon, weil ich
- 16:54so extrem deutsch geprägt war und ich muss gestehen, dass sich
- 16:59das in den letzten Jahren extrem verändert hat, ich kann das
- 17:04nicht greifen, aber es hat sich für mich extrem verändert.
- 17:08Aber wenn ich jetzt noch mal den Gedanken weiterspinne von meinem
- 17:10kleinen Universum und meiner kleinen Welt, dann bin ich in
- 17:14Griechenland und dann bin ich die Deutsche, die Deutsche, wo
- 17:18die Eltern ja viel arbeiten und die dann selber auch arbeitet
- 17:22und die ja viel Geld hat. Und schick doch mal Geld nach
- 17:24Griechenland und so und du denkst dir halt so, naja, dann
- 17:30geh doch auch arbeiten, dann hast du auch Geld und so also.
- 17:34Das war total so. Du bist, du kommst nach
- 17:37Griechenland und du bist die deutsche, du sprichst die
- 17:39Sprache nicht perfekt, du bist du kennst die neuesten Songs
- 17:45nicht, also du bist nicht so kulturell integriert, weil du
- 17:48halt ja in Deutschland kulturell integriert bist.
- 17:50Da wo du lebst, da wo du 300 Tage im Jahr bist, und da bist
- 17:56du dann auch halt irgendwie fremd in deinem eigenen Land,
- 17:59also in deinem eigenen Land, aber in Griechenland dann zum
- 18:01Beispiel in Portugal und. Bist du und es ist alles so
- 18:06familiär und deine Großeltern sind für dich da und unternehmen
- 18:12Dinge mit dir und zeigen dir die portugiesische Kultur.
- 18:17Und ja, versuchen dir das halt einfach näher zu bringen und da
- 18:24ist sehr viel gemeinsam essen, gemeinsam an einem Tisch sein,
- 18:28gemeinsam in Restaurants gehen. Also Portugal dreht sich sehr
- 18:31viel um Essen. Und ich liebe das und ich.
- 18:35Ich liebe diese Momente und ich liebe dieses Gemeinsamsein aber
- 18:40dann wiederum ist das irgendwie so.
- 18:43Jeder mischt sich ein, jeder steckt im Leben des anderen so
- 18:47tief drin und das kenne ich halt nicht.
- 18:49Also ich bin super eng mit meinen Eltern, aber meine Eltern
- 18:53mischen sich nur dann ein, wenn ich sie frage, so ungefähr, und
- 18:58da merkt man halt, wie anders das ist und.
- 19:01Und wie Überfordernd das sein kann, wenn dann dieses pure und
- 19:05100% nur griechisch, nur portugiesische quasi reinkommt.
- 19:09Und dann denke ich mir auch irgendwie wieder so, mein Papa
- 19:15ist in Griechenland geboren, meine Mama ist in Portugal
- 19:16geboren, ich bin in Deutschland geboren, was bedeutet das für
- 19:19uns, für jeden ist das ein anderer Ausgangspunkt und?
- 19:25Und auch wenn wir jetzt letztendlich meine Eltern leben
- 19:26ja schon seit über 50 Jahren fast, oder ich glaube seit auf
- 19:30jeden Fall seit über 50 Jahren in Deutschland, ich habe noch
- 19:34nie, also ich habe schon auch im Ausland gelebt, aber noch nie,
- 19:38also Deutschland war immer klar, dass das hier so die The Base
- 19:42ist und die Heimat ist, und ich weiß nicht, wie es euch so geht,
- 19:48wenn ihr Migrationshintergrund habt, aber.
- 19:51Ich war in meinen, in meinen jüngeren Jahren davon überzeugt,
- 19:58dass ich niemals in Griechenland oder Portugal leben werde.
- 20:01Um Gottes willen, ich könnte das nie, diese Mentalität und so
- 20:06was. Ich war immer davon überzeugt,
- 20:08dass das das bin nicht ich und turn sout ich bin, ich glaube
- 20:15ich bin 3737 Gott fällt es mir nicht ein.
- 20:20Ich bin 37 und ich mache mir ganz intensive Gedanken, wo ich
- 20:30meine längerfristige Zukunft verbringen werde.
- 20:34Und da sind Griechenland und Portugal nicht weit von
- 20:37entfernt. Also vielleicht muss ich das
- 20:39kurz aufklären, ja, ich sage es, glaube ich einfach ganz simpel,
- 20:47wie es ist und einfach wahrheitsgetreu ich.
- 20:50Wenn die AF d in Deutschland an die Macht kommen sollte, dann
- 20:54werde ich dieses Land verlassen. Das steht für mich fest.
- 21:01Und die Frage ist natürlich wohin, weil ganz Europa ist
- 21:08gerade irgendwie nicht so optimal.
- 21:12Aber nichtsdestotrotz lote ich natürlich aus Portugal,
- 21:17Griechenland etc. Und.
- 21:21Meine Eltern sind baff, also vor 10 Jahren hätte mir das jemand
- 21:27gesagt, hätte ich gesagt, Never ever und wir wissen ja, sag
- 21:31niemals nie, aber ich habe gesagt, niemals, das könnte ich
- 21:34nicht und ich wüsste gar nicht, wo ich hin soll, was ich da
- 21:41anfangen soll, ich würde eher noch in Spanien leben und so
- 21:44auch übrigens eine schöne gute, tolle Alternative.
- 21:49Weil in Spanien habe ich ja auch schon mal gelebt und ich kann
- 21:52tatsächlich besser Spanisch als Griechisch oder Portugiesisch
- 21:57und hätte da, glaube ich, auch in der Arbeitswelt wesentlich
- 21:59bessere Chancen, wenn ich jetzt nicht selbstständig wäre.
- 22:03Aber am Ende des Tages, und das hat nichts damit zu tun, dass
- 22:07ich nicht dankbar bin für Deutschland und was Deutschland
- 22:10mir alles ermöglicht hat, aber das bedeutet ja nicht, dass ich
- 22:14für immer alles. Mitmachen muss in Deutschland,
- 22:18von dem ich einfach nicht überzeugt bin.
- 22:21Und ja, ich bin weiterhin dankbar, dass ich in Deutschland
- 22:27aufgewachsen bin und wir, ich rede ja jetzt von einer von
- 22:32einer Zukunft, die ja noch gar nicht eingetroffen ist und die
- 22:35ja gar nicht wirklich so sicher ist.
- 22:38Aber es ist halt einfach Fakt, dass je älter du wirst.
- 22:43Habe ich das Gefühl, habe ich immer mehr angefangen, mich mit
- 22:45meiner Kultur zu beschäftigen und immer mehr damit zu
- 22:49identifizieren und das vielleicht durch ganz viele
- 22:52unterschiedliche kleine Dinge. Und dass ich vielleicht doch gar
- 23:01nicht überall Ausländer bin. So also ich weiß, dass ich in
- 23:08Deutschland Ausländerin bin, ich habe keinen deutschen Pass und.
- 23:11Eine Sache, die zum Beispiel mir immer wieder passiert, ist, dass
- 23:16ich irgendwie keine Ahnung mit wem rede, den Job wechsle, ins
- 23:21Konsulat muss, weil ich meinen griechischen Pass erneuern muss
- 23:23und so weiter und die Leute und auch Leute, die das eigentlich
- 23:25schon wissen, Chefs und keine Ahnung, was immer wieder aufs
- 23:28Neue verwundert sind, dass ich keinen deutschen Pass habe, okay
- 23:33aber was sagt das denn über mich aus, also ist ist wirklich das,
- 23:38was zählt, was auf dem Papier steht und.
- 23:41Oder dass was in mir ist. Und ich kann mich erinnern, dass
- 23:44als ich jünger war und ich gefragt wurde, ob ich eher mich
- 23:48griechisch oder eher portugiesisch fühle, habe ich
- 23:50dann immer gesagt, ich fühle mich als Europäerin, ich vereine
- 23:53alles in mir, ich bin europäisch, ich bin ein
- 23:55absoluter Mix und das ist auch toll, so habe ich immer gesagt,
- 23:59wenn mir das unheimlich auf den Sack geht, Entschuldigung, dass
- 24:03man von mir wollte, dass ich mit 13 eine Identität habe, die.
- 24:09Nichts über meine hundertprozentigen
- 24:11Charaktereigenschaften aussagt, weil ich bin nun mal ein Mix aus
- 24:15einigen und ich muss sagen, das ist auch in Ordnung so, ich muss
- 24:21nicht in die eine Schublade gehören, aber das ist ein ganz,
- 24:30glaube ich, generell krasses Phänomen von den sozusagen Third
- 24:34Culture Kids. Also wir sind hier in der
- 24:37dritten Generation. Meine Großeltern waren schon
- 24:39hier, meine Eltern haben sich in Deutschland kennengelernt und
- 24:42sind in Deutschland geblieben, und es ist ganz, es ist so ganz
- 24:50spannend, weil unsere Eltern sich und unsere Großeltern, die
- 24:55wieder zurückgegangen sind, in ihre Länder, sich natürlich
- 24:59irgendwie ganz klar identifizieren.
- 25:01Ja, ich bin griechisch, ja, ich bin Portugiesin, oder die sind.
- 25:05Dort geboren und aufgewachsen, für die ist das was ganz anderes
- 25:10und wir haben so dieses Gadget in uns, dass wir uns überall
- 25:14anpassen können. Also selbst wenn man nur
- 25:16irgendwie nur in Anführungszeichen griechisch
- 25:18deutsch ist. Türkisch, Deutsch ist
- 25:20italienisch, Deutsch ist, dann prallen da jetzt vielleicht
- 25:24nicht 3 Welten aufeinander, sondern 2, aber das ist genauso
- 25:27und. Das ist genauso spannend wie
- 25:30anpassungsfähig diese Menschen sind, weil die machen auch mit
- 25:34Sicherheit italienische Tradition, türkische Tradition
- 25:37und sowas. Die können aber auch in
- 25:40Deutschland Traditionen mit Mitmachen und mitgestalten und
- 25:44das ist so, ich finde, das ist so ein Gadget, was man so
- 25:50automatisch mitbekommen hat, dass man so anpassungsfähig ist
- 25:55und. Auch diese Idee von mehr
- 26:11herausfinden zu wollen. Also ich versuche gerade zu
- 26:15überlegen, wie ich das am besten erkläre, ich bin.
- 26:21Wir haben zum Beispiel, wie wir das bei uns machen ist, wir
- 26:25feiern sehr, sehr typisch portugiesisch Weihnachten und
- 26:29wir feiern sehr, sehr typisch griechisch Ostern, und das hat
- 26:36sich einfach irgendwann so eingeschlichen, also das ist gar
- 26:39nichts, was ich so bewusst wahrgenommen habe, ich habe das
- 26:42nie hinterfragt und beziehungsweise ich habe es
- 26:46schon hinterfragt, aber. Ich habe, ich wollte verstehen,
- 26:51warum ausgerechnet griechisch, Ostern zum Beispiel, also warum
- 26:55wir Ostern ausgerechnet sehr typisch griechisch feiern, ja,
- 26:57weil das der wichtigste Feiertag in Griechenland ist.
- 27:00Und in Portugal ist es halt Weihnachten, und irgendwie haben
- 27:03wir uns so einen Mix aus unserer eigenen Kultur geschaffen, die
- 27:07wir halt irgendwie zu Hause leben, und ich bin zum Beispiel
- 27:10in meiner Familie die einzige, die 40 Tage fastet vor Ostern,
- 27:15weil ich. Für mich entdeckt habe, dass mir
- 27:19das wichtig ist und dass mir das Bodenhaltung gibt und dass mich
- 27:22das auf das Wesentliche besinnen lässt.
- 27:25Und meinem Vater könnte es nicht egaler sein.
- 27:28Sorry, aber ja, es sind einfach so so Dinge, die du dann für
- 27:35dich entdeckst. Und ich weiß nicht, ob es daran
- 27:37lag, dass ich zum Beispiel das früher sogar nicht so.
- 27:40Wollte und mich sogar eher davon distanziert habe, weil ich
- 27:46irgendwie nicht in Schubladen gesteckt werden wollte oder so.
- 27:48Und irgendwann habe ich angefangen zu merken, Mensch,
- 27:51ich habe den Luxus, mir einfach das Beste aus den 3 Welten zu
- 27:58picken und und danach zu leben und.
- 28:05Und das finde ich total spannend und da würde es mich wirklich,
- 28:10wirklich interessieren, ob das für euch auch so ist.
- 28:12Ja, also wie gesagt, egal was für ein Mix ihr seid, es gibt ja
- 28:17immer quasi Dinge wo man sagt so Boah, das Liebe ich daran so.
- 28:20Ich bin zum Beispiel Griechenland ist für mich
- 28:29Lebensfreude, pure Lebensfreude, die ich glaube ich auch.
- 28:35Oft basierend auf ja, so ist keiner Schuld dran, aber ich
- 28:40habe das Gefühl, ich habe die oft in mir verloren, weil ich so
- 28:43forciert war, Karriere zu machen, was zu erreichen und
- 28:46sowas. Und immer wenn ich in
- 28:48Griechenland bin, besinnt mich das darauf zurück.
- 28:52So was nimmst du, was nimmst du mit, wenn du irgendwann nicht
- 28:55mehr, also du nimmst gar nichts mit, aber wenn ich irgendwann 90
- 28:58bin, was ist dann wichtig für mich mit was für einem Titel ich
- 29:02abgetreten bin? Oder wieviel Geld ich verdient
- 29:06habe. Das juckt doch am Ende keinen.
- 29:08Am Ende juckt doch, wie viele Leben habe ich vielleicht
- 29:13bereichert oder wie viele, wie viele Erinnerungen an tolle
- 29:19Konzerte, an Familienfeste, an Rylandy.
- 29:23Also an feiern. Wieviel haben wir gelacht,
- 29:27wieviel haben wir gegessen, wieviel haben wir getrunken, das
- 29:29sind doch die Momente, die du irgendwann mit 90 reflektierst
- 29:33und dich gerne daran zurückerinnerst.
- 29:35Also es gibt, wenn wir so von alten Zeiten reden, generell
- 29:40auch mit Freundinnen und so was, dann sagt keiner so Boah, und
- 29:45damals, als ich meinen ersten manager Titel bekommen habe,
- 29:49Boah, das war der Shit, das war der Hammer daran.
- 29:54Das juckt kein Schwein, daran erinnert sich niemand.
- 29:56Also wisst ihr was ich meine, das sind nicht die Erlebnisse,
- 29:59die bleiben, das ist gut, und das ist mit Sicherheit auch
- 30:01wichtig, aber das ist am Ende nicht das Erlebnis, was bleibt,
- 30:04und ich hab irgendwie für mich wieder gelernt, diese
- 30:10griechische Lebensfreude zu haben und dieses mach dich doch
- 30:13mal locker, what's the fucking Problem, so ne also warum warum
- 30:19Stock im Arsch warum? Entspann dich doch mal lächelig
- 30:22geh raus, die Sonne scheint. Warum bist du grummelig?
- 30:26Es gibt keinen Grund so und wenn es einen gibt, dann liegt es in
- 30:31deiner Hand, es zu ändern, im besten falle ja, also wirklich
- 30:36die Zeit, die wir hier haben, sollten wir wirklich diese diese
- 30:39Lebensfreude nutzen und ja, ich habe ja schon gesagt in
- 30:45Portugal, diese. Dieser Familienverbundenheit und
- 30:50so, und das sind alles ja so Dinge, die einfach die ich
- 30:56einfach gelernt habe, und das muss ich sagen, mit dem Alter,
- 30:59die ich mit dem Alter gelernt habe, die wertzuschätzen und die
- 31:03als Klebstoff der Verbundenheit zu meiner Familie einfach, ja,
- 31:10und jetzt? Ich verstehe immer mehr, warum
- 31:14Eltern und aus also. Eltern, die selber
- 31:18Migrationshintergrund haben, warum es ihnen wichtig ist und
- 31:22auch bestimmt Deutschen wichtig ist, ihre Tradition und ihre
- 31:26Kultur weiterzugeben, ob man das dann alles mag oder nicht, mal
- 31:31das ist ja sei jetzt mal erstmal dahingestellt, aber ich bin so
- 31:36dankbar, dass ich diesen Mix an Kulturen leben darf und mich
- 31:40auch gar nicht so kategorisieren muss.
- 31:44Ja, also ich muss niemandem. 100% verbunden sein und darf
- 31:49nichts anderem verbunden sein. Das ist doch Quatsch.
- 31:54Ich habe Loyalität in jegliche Richtung, ich weiß, was
- 31:58Deutschland mir geboten hat und ich weiß, was die griechische
- 32:03Kultur mir bietet, ich weiß, was die portugiesische Kultur mir
- 32:06bietet und ich habe nicht das Gefühl, dass ich mich dafür
- 32:07entscheiden muss, für irgendetwas, weil genau das
- 32:11macht mich aus, dass ich ein Mix bin, und das ist doch völlig in
- 32:14Ordnung. Und mal habe ich das eine mehr,
- 32:17mal habe ich das, andere mehr. Und das ist doch, das ist doch
- 32:21das Schöne, das multikulturelle ich, ich bin so interessiert an
- 32:26anderen Kulturen auch, und das ist doch das, was das Leben
- 32:30irgendwie wertvoll macht, nicht nur in seinem eigenen Ding zu
- 32:35leben und nur seine eigenen Sachen zu sehen und sich
- 32:38kulturell nicht weiterzubilden und deswegen.
- 32:44So viel struggle das auch ist, gefühlt, dass jeder immer an
- 32:49einem zieht, habe ich mir irgendwie so meine kleine eigene
- 32:53Bubble gemacht, geschaffen, in der ich einfach ich sein darf.
- 32:59Also ich habe mir meine eigene kleine Welt geschaffen, die Lisa
- 33:04Welt herzlich willkommen. Nein, ich würde es die Lisa
- 33:08Bubble nennen und in der darf ich einfach sein, wer ich sein
- 33:12will. Und wenn ich heute dramatisch
- 33:14griechisch sein will und wenn mein Puls auf 180 geht und ich
- 33:19das Heraushängen lassen will, dann bin ich das und wenn ich
- 33:22absolut korrekt und detailverliebt sein will, also
- 33:25man könnte sagen typisch deutsch, dann bin ich das und
- 33:28ich darf alles in mir vereinen, so wir sind nicht nur eine
- 33:33Sache, sondern. Wir können ganz viele
- 33:35unterschiedliche Sachen sein und wir können auch in
- 33:37unterschiedlichen Situationen unterschiedliche
- 33:41Charaktereigenschaften haben oder Traditionen haben, oder das
- 33:46können wir alles für uns selber entscheiden.
- 33:48Und ich finde wirklich, das ist so unsere kleine super Power und
- 33:53die würde ich ehrlicherweise nicht missen wollen, aber ich
- 33:56habe ganz lange, gerade in meiner ja.
- 34:01Jugend früher oder junge Erwachsene?
- 34:06Sehr viel daran gezweifelt und versucht, etwas darzustellen, um
- 34:15mich anzupassen und um das nicht, also um die negativen
- 34:20Seiten nicht nach draußen zu tragen.
- 34:26Also ich versuche das mal zu erklären.
- 34:31Sagen wir mal in Deutschland typisch griechisch frape
- 34:36nachmittags schlafen im Sommer kommst du heute nicht, kommst du
- 34:41morgen Party, Party Heart, aber no money on the Bank und solche
- 34:49Sachen, das war halt das, was ich als typisch griechisch
- 34:53verstanden habe damals und ich würde sagen ich.
- 35:02Das sind jetzt keine erstrebenswerten Eigenschaften
- 35:05oder Tugenden, aber und deswegen ja wollte ich mich davon
- 35:13distanzieren, wahrscheinlich weil ich ja für mich
- 35:20erstrebenswerte und gute Tugenden haben wollte, was ich
- 35:24aber nie verstanden habe. Was bedeutet es denn wirklich
- 35:28und was ist hat die Lebensfreude an erste Stelle stellen und
- 35:36nicht die Arbeitsmoral an erste Stelle stellen und das heißt
- 35:41nicht, dass alle Griechen faul sind oder generell Menschen die
- 35:45die das Leben und die Lebensqualität an erster Stelle
- 35:50stellen, heißt nicht, dass es faule Menschen sind, ganz im
- 35:52Gegenteil, aber ich habe das lange nicht.
- 35:58Aufnehmen können und verstehen können.
- 35:59Und ich meine ihr seht, ich muss schon ein bisschen länger
- 36:02nachdenken, um dieses Gefühl zu vermitteln, weil das echt eine
- 36:09Identitätskrise ist. Also wisst ihr, ich sehe nicht
- 36:16sehr deutsch aus, das ist offensichtlich so, keiner ist
- 36:20jemand zu mir gekommen und gesagt hat, boah du bist du bist
- 36:22deutsch oder nein so das heißt. Ich sehe nicht wirklich Deutsch
- 36:28aus, aber warum auch immer waren mir die deutschen guten Tugenden
- 36:34immer sehr wichtig und ich wollte immer sagen, ja, aber ich
- 36:36bin in Deutschland geboren und ich bin auch pünktlich, ich bin
- 36:41nicht wie die anderen Griechen oder wie die anderen Portugiesen
- 36:43oder sowas, die immer zu spät kommen oder so und das Frage ich
- 36:48mich im Nachhinein oft, warum hatte ich das Gefühl, dass ich
- 36:52das eine nach mehr nach außen tragen muss?
- 36:55Weil am Ende des Tages definiert mich ja alles, das verstehe ich
- 36:59heute als erwachsene Frau, aber damals wollte ich mich da
- 37:03irgendwie von distanzieren und ja, ich kann, ich kann das nicht
- 37:09beurteilen, ich könnte mir vorstellen, dass ich vielleicht
- 37:13einfach irgendwann entdeckt habe, so, Moment mal, das ist
- 37:17eine super Power, dass ich von. Von da etwas nehme, von da etwas
- 37:22nehme, von da etwas nehme und das einfach in mir als
- 37:25Charaktereigenschaften vereinige und ich keine Angst habe, das
- 37:30auch so auszusprechen heute und dass ich unendlich dankbar bin,
- 37:34dass ich alle 3 Länder verstehen darf oder alle 3 Kulturen
- 37:38verstehen darf und sagen darf, was ich für mich daraus mitnehme
- 37:44und so meine eigene kleine Kultur forme, sozusagen und.
- 37:50Ja, und deswegen hat sich die Lage verändert.
- 37:53Die Dinge haben sich verändert, wie ich aktuell, wie ich Dinge
- 37:56sehe, und ich glaube, das geht auch einher mit dem erwachsen
- 37:59werden, wahrscheinlich, aber diese Identitätskrise ist real
- 38:03und ich glaube, du wirst immer wieder vor diesen Tatsachen
- 38:07gestellt, vor allen Dingen, wo es jetzt gerade tatsächlich sehr
- 38:10viel in Deutschland diskutiert wird, ob Menschen, die hier
- 38:22geboren sind und keinen deutschen Pass haben, was ja ein
- 38:25paar Millionen schon sind und die ihre Kultur hier hingebracht
- 38:32haben, wie meine Großeltern, meine Eltern, ob das irgendwann
- 38:38nicht mehr tragbar ist. Und das ist für mich einfach
- 38:43komplett absurd. Das ist ja, ich finde das echt
- 38:49gestört, dass wir über sowas reden müssen und das macht mich
- 38:54richtig traurig tatsächlich das, Oh tschuldigung, das habe ich so
- 39:01nicht erwartet, ich muss daran denken, Giovanni Zarrella war
- 39:10mal bei Hotel Matze glaube ich war das hagelt mich nicht drauf
- 39:13fest. Ich bin so mit solchen Sachen
- 39:15echt. Nicht so gut, aber ich glaube
- 39:17das war bei Hotel Matze und da haben die darüber gesprochen.
- 39:28Ich glaube, da ging es so um die AF d Geschichte und was passiert
- 39:31wenn die irgendwann an die Macht kommen und solche Sachen und da
- 39:39hat Giovanni Zarrella gesagt, dass seine Mutter ihn mal
- 39:44gefragt hat und. Wenn die afd an die Macht kommt,
- 39:50ob sie dann noch Zeit hat, das Haus zu verkaufen, oder ob sie
- 39:55dann direkt gehen müssen. Und ich finde das so absurd,
- 40:04weil diese Frau und andere Menschen hier seit über 50
- 40:10Jahren sind, teilweise wie ich hier geboren sind und.
- 40:16Und ich finde es ganz ganz schlimm, dass wir die Menschen
- 40:21jetzt danach klassifizieren. So, du bringst Geld in das Land,
- 40:26du bist ein guter Ausländer, du kannst ruhig bleiben, aber
- 40:29sobald du nicht mehr relevant für dieses Land wirst, kannst du
- 40:33dann auch gleich wieder gehen und das sind so Dinge, die
- 40:36beschäftigen mich total und. Ich habe das Gefühl, dass diese
- 40:42Identitätskrise einfach wieder zu 100% zurückkommt, weil ich
- 40:48mich 0% mit dieser Art von Deutsch sein identifizieren
- 40:53kann. Und das macht mir Angst.
- 40:59Ich bin ehrlich, das macht mir extreme Angst.
- 41:02Das macht mich wütend, das macht mich offensichtlich extrem
- 41:06traurig. Und ich?
- 41:09Ich weiß, wie viele Menschen das betrifft und ich weiß, wie viele
- 41:16Menschen hierher gekommen sind, um Deutschland mit aufzubauen
- 41:22und um ihren Kindern natürlich auch eine bessere Zukunft zu
- 41:25geben. Und dass genau diese Menschen
- 41:30jetzt Angst haben müssen, um oder?
- 41:36Ihnen gesagt wird, es wäre irgendwie ein bisschen toller,
- 41:38wenn du deine Kultur nicht so sehr ausleben würdest.
- 41:40Und wenn wir vielleicht alle ein bisschen weniger Knoblauch
- 41:42essen, dann fühle ich halt das, was meine Eltern fühlen, dass
- 41:47wir wieder irgendwohin zurückversetzt werden.
- 41:49Und als meine Eltern nach Deutschland gekommen sind, haben
- 41:52die auch gesagt, die riechen aber komisch, und hier riecht es
- 41:56ja nur nach Knoblauch und so weiter, die kannten das gar
- 41:58nicht anders, die wussten gar nicht, dass nicht nach Knoblauch
- 42:02riechen angeblich was besseres ist und.
- 42:05Und ich bin so enttäuscht, dass es hier so weit kommt und dass
- 42:23ich abermals in einer in einer Identitätskrise stecke und dass
- 42:32ich das gar nicht möchte. So, ich war immer und in
- 42:38Deutschland und Deutschland ist mein Zuhause, hier habe ich mein
- 42:43Zuhause, aber ich habe mich noch nie so wenig deutsch gefühlt wie
- 42:52aktuell und das macht mir sorgen, weil ich habe ja meine
- 42:57kleine Welt oder meine Kleine. Bubble, gebaut aus griechisch,
- 43:04portugiesisch und Deutsch und ja, also ich realisiere gerade,
- 43:11dass ich voll in der Identitätskrise stecke und ich
- 43:18habe nicht erwartet, dass ich jetzt hier emotional werde, muss
- 43:20ich gestehen. Aber ja, das sind einfach die
- 43:24Fakten und. Wir werden sehen, wo das Ganze
- 43:31hingeht. Aber vielleicht können sich ja
- 43:35Menschen mit Migrationshintergrund auch genau
- 43:40damit identifizieren. Vielleicht spürt ihr dasselbe,
- 43:43wie ich spüre und könnt es auch nicht wirklich in in Worte
- 43:47fassen, weil das oft ja so ein Gefühl ist, dass man nicht
- 43:50unbedingt beschreiben kann und ja, vielleicht seid ihr auch.
- 43:55Menschen, die keinen Migrationshintergrund haben,
- 43:57aber die sich gerade auch in einer Identitätskrise mit ihrem
- 44:00eigenen Land befinden. Also ich glaube, das ist total
- 44:04legitim und ich bin gespannt, wo das Ganze hingeht, und ich
- 44:12glaube, es ist wichtig, dass wir ein paar Dinge mitnehmen, ich
- 44:15glaube, es ist wichtig, dass wir verstehen, dass Multikulturelles
- 44:20ein absoluter Mehrwert ist. Dass wir uns die Dinge ziehen
- 44:25können, die, wo wir das Gefühl haben, das ist richtig für uns
- 44:28und das macht uns aus und wir können das für uns nutzen,
- 44:31sozusagen. Dann ist es wichtig und völlig
- 44:41in Ordnung. Auch in Identitätskrisen zu
- 44:45stecken und sich damit auseinanderzusetzen.
- 44:47Denn mal unabhängig davon, ob wir in einer Identitätskrise
- 44:51stecken hinsichtlich unseres Migrationshintergrundes oder ob
- 44:55wir in einer Identitätskrise stecken in Hinblick auf.
- 45:00Auf andere Dinge. Ich will nicht mehr in einer
- 45:03Großstadt leben, sondern ich möchte jetzt auf einem Bauernhof
- 45:05leben, ist auch eine Identitätskrise, wenn du immer
- 45:07nur Großstadt gewohnt bist und jetzt auf den Bauernhof gehen
- 45:10sollst. Und also es gibt so viele Dinge,
- 45:12in der man quasi. In einer Identitätskrise stecken
- 45:16kann, sei es zum Beispiel du bist von der Karriere Lady auf
- 45:20einmal zur Mutter mit 3 Kindern geworden.
- 45:23Auch sicherlich bist du da in einer Identitätskrise, weil du
- 45:26dich immer mit deinem Job identifiziert hast und darüber
- 45:29profiliert hast. Und jetzt lebst du einfach in
- 45:32einem ganz anderen. In einer ganz anderen Welt
- 45:35sozusagen. Oder in einer ganz anderen
- 45:37Bubble. Und es ist gut und es ist
- 45:39wichtig, dass wir, dass wir diese Dinge durchmachen, und wir
- 45:42müssen auch nicht immer gleich sein wie vor 20 Jahren, und es
- 45:48ist nur richtig, dass wir uns weiterentwickeln in Dingen und
- 45:51im besten Falle ist es eine positive Weiterentwicklung und.
- 45:58Deswegen, dass wir quasi diese Identitätskrise embracen und
- 46:01sozusagen nutzen, um zu schauen, wo wollen wir denn in Zukunft
- 46:05hin und was ist uns wirklich wichtig und dass wir das immer
- 46:08so ein bisschen im Blick behalten und ja, ganz am Ende,
- 46:14dass wir einfach die Menschen sind, die wir sein wollen und
- 46:19die wir. Ja, wir sind so individuell,
- 46:24jeden macht etwas anderes aus und das ist auch genau gut so.
- 46:27Deswegen lasst euch in keine Schubladen stecken und macht die
- 46:31Dinge genau so, wie ihr sie machen möchtet, weil ich weiß
- 46:35auch, dass Tradition und ja, aber das musst du so machen oder
- 46:38was sollen denn die anderen sagen oder du kannst doch nicht
- 46:41so und so machen naja, aber die Tradition sagt du solltest so
- 46:44und so machen und wir müssen doch die haben uns auch
- 46:47eingeladen, deswegen müssen wir die auch einladen.
- 46:49Also für sowas bin ich ja gar nicht zu haben.
- 46:51Aber deswegen lasst euch nicht einreden, dass ihr Dinge tun
- 46:56müsst, sondern tut sie gerne, weil ihr davon überzeugt seid
- 46:59oder tut sie halt auch nicht, weil wenn ihr nicht davon
- 47:01überzeugt seid. Und ja, ich hoffe das hat euch
- 47:06ein bisschen in meine Welt geführt und euch auch vielleicht
- 47:10ein bisschen geholfen, also beziehungsweise ihr konntet mit
- 47:13mir eintauchen, wenn ihr viele ähnliche Gefühle habt.
- 47:18Wie ich. Und ja, hoffen wir auf eine
- 47:25positive Zukunft und darauf, dass die Sonne in unserem Herzen
- 47:35scheint. Das ganz, ganz wichtig und geht
- 47:39auf so viele Glandy wie ihr könnt.
- 47:41It's the Real Shit und lass die Füße brennen tanzt.
- 47:48Tanzt euer Leben, lasst die Sonne in eure Herzen und genießt
- 47:52es.