Latest / Anonym Suchthilfe – KI-gestützte Selbsthilfe / Von -30kg zu +30kg: Meine krasse Body Image Recovery Journey
Transcript
- 0:00Hallo und herzlich Willkommen bei nilex Berlin.
- 0:03Ich freue mich riesig, dass du heute wieder eingeschaltet hast,
- 0:06um dir Zeit für dich und deine Themen zu nehmen.
- 0:09Heute ja, heute tauchen wir ziemlich tief ein in ein sehr
- 0:12persönliches Thema, das eigene Körperbild nach einer
- 0:15überstandenen Sucht. Unsere Grundlage dafür ist ein
- 0:19wirklich bewegender Artikel von Gabriel auf nilex Berlin.
- 0:22De unser Ziel heute ist es, gemeinsam zu verstehen, warum
- 0:27der Blick in den Spiegel nach der Sucht oft so.
- 0:30Ja, so schmerzhaft wird, welche Veränderungen da eigentlich
- 0:33normal sind und wie du vielleicht einen, na ja,
- 0:36friedlicheren weg im Umgang mit deinem Körper finden kannst.
- 0:39Ja, und ganz wichtig, direkt am Anfang der Artikel und auch
- 0:42unser Gespräch hier. Die können natürlich sensible
- 0:45Themen ansprechen, also Körperdysmorphie, das ist eine
- 0:48gestörte Körperwahrnehmung, Essstörungen, negatives
- 0:53Körperbild, das sind schwere Themen, wenn Du merkst, das
- 0:56belastet dich jetzt stark oder du steckst vielleicht gerade in
- 0:59einer Krise, die. Diese dann zögere bitte nicht,
- 1:01dir Unterstützung zu holen. Die Nummer gegen Kummer, die
- 1:04116123, die ist rund um die Uhr da und kostenfrei erreichbar.
- 1:09Wirklich nutz das? Absolut guter Hinweis.
- 1:12Und was diese Auseinandersetzung heute auch besonders macht,
- 1:15finde ich Gabriel, der ja hinter nielix Berlin steht, der teilt
- 1:19auf seiner Webseite extrem offen seine eigenen Erfahrungen, also
- 1:24mit Sucht, mit psychischen Herausforderungen, erkennt
- 1:27diesen Kampf mit dem Körperbild Halt selbst.
- 1:29Er spricht ja von 30 Kilo Abnahme während der Sucht und
- 1:33dann wieder 30 Kilo Zunahme danach.
- 1:35Krass und diese Offenheit, die soll dir einfach zeigen, hey, du
- 1:39bist mit diesen Gefühlen nicht allein.
- 1:41Gabriel will durch seine Erfahrungen eine Stütze sein,
- 1:44Gabriel fängt seinen Artikel mit einem Satz an, der einen echt
- 1:47erstmal schlucken lässt. Er schreibt, der Kampf gegen den
- 1:50Spiegel sei für ihn härter gewesen als der Kampf gegen die
- 1:52Drogen, das muss man sich mal vorstellen, härter als der Kampf
- 1:56gegen Drogen, er beschreibt, wie der Körper während der Sucht.
- 1:59Ja, zu so einem reinen Werkzeug wird ignoriert, misshandelt,
- 2:03betäubt halt. Aber dann in der Recovery, wenn
- 2:06diese Betäubung wegfällt, dann meldet sich dieser Körper
- 2:10plötzlich zurück, und zwar mit voller Wucht, oft fühlt er sich
- 2:14fremd an, schmerzhaft, man muss dann lernen, nicht nur ohne die
- 2:17Substanz klarzukommen. Sondern auch mit diesem Körper,
- 2:20der das ja alles überstanden hat, eine neue Beziehung
- 2:23aufbauen quasi. Genau.
- 2:25Und dieses Gefühl, dass Gabriel da beschreibt, das ist eben
- 2:28keine Seltenheit, gar nicht die Zahlen aus dem Artikel, auch
- 2:32wenn wir uns jetzt nicht in Statistiken verlieren wollen,
- 2:34die sind da schon ziemlich deutlich ein ganz zentraler
- 2:38Punkt ist, sehr viele Menschen, der Artikel nennt da zahlen bis
- 2:41zu 78% entwickeln in der Recovery Symptome einer
- 2:46Körperdystmophie. Also einer wirklich ja
- 2:48verzerrten Wahrnehmung des eigenen Körpers und eine klare
- 2:52Mehrheit erlebt starke Gewichtsveränderungen, oft eben
- 2:55eine Zunahme, so im Schnitt 15 bis 25 Kilo im ersten Jahr.
- 3:00Das ist ja, das ist viel. 15 bis 25 kilo wow, das ist echt ne
- 3:07ganze Menge. Warum passiert das denn
- 3:09eigentlich so häufig? Gibt S da Erklärungen?
- 3:12Ja, da spielen mehrere Faktoren ne Rolle.
- 3:14Das ist ein komplexes Zusammenspiel.
- 3:17Einerseits sucht das Gehirn, genauer gesagt das
- 3:20Dopaminsystem. Das ist ja unser
- 3:22Belohnungszentro, händeringend nach Ersatz für die weggefallene
- 3:26Droge Essen, gerade so Zuckerhaltiges oder Fettiges,
- 3:31das kann da schnell zu so einer neuen ja ersatzbelohnungsquelle
- 3:35werden, das ist n biochemischer Prozess, quasi gleichzeitig
- 3:39kommt die Körperwahrnehmung zurück.
- 3:42Ohne die Betäubung spürt man einfach wieder mehr, auch
- 3:45Hunger, klar, aber vielleicht erstmal auch viele unangenehme
- 3:49Dinge, so eine Art Grundspannung oder Schmerzen, die vorher
- 3:52betäubt waren und was auch ganz wichtig ist, oft wird der Körper
- 3:57zur Projektionsfläche für den Selbstwert, so nach dem Motto,
- 4:01Wenn ich es schaffe, wieder normal auszusehen, also dünn zu
- 4:05sein oder muskulös, dann habe ich die Recovery wirklich
- 4:09geschafft. Ah OK.
- 4:11Und das ist eine ganz gefährliche Verknüpfung.
- 4:14Ja, das leuchtet total ein und das erklärt dann vielleicht
- 4:17auch, warum bestimmte Mythen rund um den Körper in der
- 4:20Recovery so ja so hartnäckig sind.
- 4:24Gabriel nennt er ja auch n Paar in seinem Artikel, der Erste
- 4:28jetzt bist du clean, jetzt siehst du automatisch gesund
- 4:31aus, so die Erwartung. Ja, genau, und das ist ne weit
- 4:35verbreitete und oft auch echt schmerzhafte Fehleinschätzung
- 4:38oder ne falsche Hoffnung. Gabriels eigene Erfahrung diese
- 4:4230 Kilo Zunahme in nur 6 Monaten, dazu Hautprobleme,
- 4:45Haarausfall, das zeigt ja genau das Gegenteil.
- 4:48Der Körper ist nach der Sucht oft erstmal ein, ja, ein
- 4:51Überlebenskörper wie er es nimmt, der hat
- 4:54Mangelerscheinungen, der Stoffwechsel spielt verrückt,
- 4:56die Hormone sind im Chaos und das braucht einfach Zeit, um
- 5:00sich wieder zu normalisieren, das kann wie im Artikel steht,
- 5:03ein bis 3 Jahre dauern. Ein bis 3 Jahre.
- 5:06Ja, das ist keine Frage von Willensstärke, ob man schnell
- 5:10wieder gut aussieht. Das ist ein biologischer
- 5:13Heilungsprozess. OK, das ist wichtig zu
- 5:16verstehen. Und der zweite Mythos, den
- 5:18Gabriel anspricht, Fitness und gesunde Ernährung lösen alle
- 5:21Probleme, das klingt ja erst mal total logisch und gut, oder?
- 5:25Ja, klingt erst mal super, klar, aber es kann eben auch tückisch
- 5:29sein. Die große Gefahr dabei ist der
- 5:31Suchttausch. Also dass man die Abhängigkeit
- 5:34einfach verlagert, wenn die Besessenheit von der Droge zur
- 5:38Besessenheit von Kalorien, von Trainingsplänen oder von diesem
- 5:41Clean Eating wird. Ah ja.
- 5:44Gabriel zieht da diesen krassen Vergleich.
- 5:47Crossfit wird das neue Koks oder der Proteincheck die neue
- 5:51Spiritualität. Er beschreibt ja auch Menschen,
- 5:54die quasi direkt von der Crackpfeife zum Proteinriegel
- 5:57wechseln und dabei die gleiche manische, zwanghafte Energie an
- 6:00den Tag legen. Puh, das ist dann eben keine
- 6:03Heilung, sondern nur eine Verlagerung des Problems auf
- 6:07einen Bereich der gesellschaftlich vielleicht
- 6:08akzeptierter ist. Verstehe.
- 6:11Dazu passt ja auch dieser sarkastische Witz, den er
- 6:14zitiert auf diesen Spruch, Du bist, was du isst, antwortet
- 6:18jemand in Recovery, ich kann mich nicht erinnern, jemals ein
- 6:21Stück Scheiße gegessen zu haben. Ja, der ist hart, aber trifft es
- 6:25irgendwie. Ja, der trifft dieses Gefühl,
- 6:27dass diese gut gemeinten Gesundheitsratschläge oft
- 6:30meilenweit an der erlebten Realität vorbeigehen.
- 6:33Der Körper kämpft ums Überleben, der versucht nicht irgendein
- 6:36Schönheitsideal zu erfüllen oder einen Sixpack zu bekommen.
- 6:39Und dann der Dritte. Aus dein Körper ist dein Tempel
- 6:44klingt ja auch erst mal positiv und spirituell.
- 6:48Ja, das hört man oft, aber für viele fühlt sich der Körper eben
- 6:52überhaupt nicht wie ein Tempel an, sondern eher wie ein
- 6:54Schlachtfeld, wie Gabrieles so treffen formuliert.
- 6:57Schlachtfeld ja, ein Ort voller Narben, voller Erinnerungen,
- 7:02vielleicht auch voller Scham und Ekel.
- 7:05Er schreibt ja auch ganz ehrlich, dass er seinen Körper
- 7:07an manchen Tagen immer noch hasst.
- 7:09An anderen Tagen aber empfindet er eine tiefe Dankbarkeit dafür,
- 7:13dass dieser Körper ihn durch all das getragen hat, dieses
- 7:16Ambivalente, dieses sowohl als auch das ist vielleicht viel
- 7:19näher an der Wahrheit vieler Betroffener als dieses reine,
- 7:22saubere Bild vom Tempel. Du hattest vorhin schon den
- 7:25Begriff Körperdysmophie erwähnt. Kannst du das vielleicht noch
- 7:28mal kurz erklären, was das genau in diesem Kontext der Recovery
- 7:32bedeutet, gerne also Körperdysmophie in der Recovery
- 7:37meint eine wirklich stark verzerrte Wahrnehmung.
- 7:39Nehmung des eigenen Körpers man sieht dann Makel, die andere
- 7:42Leute gar nicht sehen oder empfindet normale körperliche
- 7:46Veränderungen als absolut katastrophal und unerträglich.
- 7:50Das entsteht oft durch die jahrelange Vernachlässigung
- 7:53während der Sucht, durch den Substanzmissbrauch selbst,
- 7:56vielleicht auch durch Traumata, die damit zusammenhängen.
- 8:00Es ist viel mehr, als sich nun mal nicht schön oder zu dick zu
- 8:03finden. Es ist eine ganz fundamentale
- 8:06Entfremdung vom eigenen Körper. OK, der Artikel nennt ja auch
- 8:10alternative Begriffe wie Recovery, Body, Shame, also die
- 8:13Scham über den Recovery Körper oder Somatic disconnection, was
- 8:18so viel wie eine körperliche Abkopplung, eine Trennung von
- 8:20Körper und Geist beschreibt und ein wichtiges Ziel auf dem
- 8:24Heilungsweg, das kommt später sicher noch, ist hier oft die
- 8:27sogenannte Body Neutrality. Also Körperneutralität nicht
- 8:31unbedingt liebe, aber Neutralität.
- 8:33OK verstanden, das ist also eine echte Wahrnehmungsstörung,
- 8:38beeinflussen eigentlich verschiedene Drogen das
- 8:40Körperbild oder die Veränderungen unterschiedlich
- 8:43stark? Ja, die Muster können sich schon
- 8:45unterscheiden, auch wenn die zugrundeliegenden Mechanismen,
- 8:49also stoffwechselchaos, hormonumstellung, psychische
- 8:52Belastung, oft ähnlich sind, nur ganz kurz angerissen bei
- 8:55Stimulantien, also Speed, Koks und so weiter da sieht man auch.
- 8:59Gibt es diesen extremen Gewichtsverlust, diesen
- 9:02Hungerhakeneffekt und dann in der Recovery kommt oft die
- 9:05krasse Zunahme manchmal 1520 30 Kilo.
- 9:09Das kann natürlich Panik auslösen.
- 9:12Ja, klar. Beim Alkohol ist oft erst mal
- 9:15dieses Aufgedunsene, das geschwollene Gesicht, der Bauch
- 9:18typisch während der Sucht und in der Recovery geht das Wasser
- 9:21zwar oft weg, aber dann kommt der Schock über das echte,
- 9:24vielleicht trotzdem veränderte oder älter aussehende Gesicht.
- 9:28Die Angst vor dem Trockenfett werden ist da oft groß.
- 9:32Bei Opiaten steht oft diese Körpertaubheit im Vordergrund
- 9:35dieses Numbody man spürt sich kaum und in der Recovery ist
- 9:40dann die Rückkehr der Empfindungen auch von Schmerz
- 9:43oft total überwältigend. Man muss den Körper quasi neu
- 9:46spüren lernen. Puh, und bei Cannabis können
- 9:50diese Manschis, also die Fressattacken, natürlich zur
- 9:52Gewichtszunahme führen während des Konsums.
- 9:55In der Recovery normalisiert sich das Hungergefühl dann oft,
- 9:58was aber auch erst mal verunsichern kann, weil man
- 10:00seinen Körper vielleicht plötzlich ganz anders wahrnimmt.
- 10:03Realistischer, aber vielleicht auch erst mal schockierend
- 10:06realistischer verstehe. Der gemeinsame Nenner ist aber
- 10:09oft dieser Schock über die körperlichen Veränderungen und
- 10:12die enorme Schwierigkeit, sich in diesem neuen, sich
- 10:15verändernden Körper wieder irgendwie zurechtzufinden und
- 10:18anzunehmen. Das klingt Becht nach einem
- 10:20langen und oft sehr, sehr schwierigen Prozess.
- 10:24Gabriel beschreibt ja in seinem Artikel 4 Phasen der
- 10:28Körperbildheilung oder besser gesagt der Entwicklung hinzu.
- 10:32Mehr Akzeptanz kannst du uns da mal n kurzen Überblick geben,
- 10:36wie dieser Weg aussehen kann. Ja, er skizziert da quasi einen
- 10:39Weg hinzu, mehr Frieden eben. Zu dieser Body Neutralität Phase
- 10:441, so die ersten Monate bis vielleicht 6 Monate ist oft von
- 10:48Schock und Verleugnung geprägt. Die Realität der veränderte
- 10:52Körper trifft auf die Erwartung, schnell wieder normal
- 10:56auszusehen. Das führt oft zu einer
- 10:58Identitätskrise, man vermeidet den Spiegel, versucht vielleicht
- 11:02mit Crash, Diäten oder extremen Fitnessplan gegenzusteuern, was
- 11:07meistens scheitert und frustriert, ja wichtig wäre,
- 11:10hier den Schock anerkennen als normal akzeptieren, ohne gleich
- 11:15in Panik zu verfallen und drastische Maßnahmen zu
- 11:18ergreifen. Fokus erstmal auf Funktionalität
- 11:22legen. Phase 2 so von Monat 6 bis 18
- 11:25ungefähr, ist dann oft ein heftiger Kampf um Kontrolle,
- 11:29extreme Diäten, exzessiver Sport, Kalorien zählen.
- 11:33Die Waage wird zum neuen Dealer, sozusagen Social Media Triggert
- 11:37ungemein. Oh ja.
- 11:39Hier ist die Gefahr des Suchtauschs von Essstörungen wie
- 11:42Exercise, Bulimia oder starker Food Anciety, also Angst vor
- 11:46Essen, wirklich groß. Bodychecking Perfektionismus das
- 11:51Ziel hier wäre, diese Kontrollillusion zu durchschauen
- 11:54und sich Hilfe zu holen. Intuitives Essen lernen,
- 11:58Bewegung als Fürsorge sehen, nicht als Strafe.
- 12:02Therapie ist hier oft entscheidend.
- 12:04Okay das ist die schwierige Phase des Kämpfens.
- 12:07Und wie geht es dann im besten Fall weiter?
- 12:09Im besten Fall kommt dann Phase 3 so im ersten bis dritten Jahr.
- 12:14Das ist die Phase der Akzeptanz und Integration.
- 12:18Langsam schließt man Frieden, man lernt den Körper für seine
- 12:21Funktion wertzuschätzen, nicht nur für sein Aussehen.
- 12:25Dankbarkeit kommt auf, Gesundheit wird wichtiger als
- 12:28die Zahl auf der Waage oder die Kleidergröße, der Selbstwert
- 12:32koppelt sich langsam vom Aussehen ab.
- 12:34Das klingt gut. Und auch Intimität wird wieder
- 12:36möglich. Vielleicht erstmal vorsichtig.
- 12:39Man lernt, mit dem Partner zu kommunizieren, sich auf
- 12:42Empfindungen zu fokussieren und. Und in Phase 4 die Gabriel Body
- 12:46Withdom, also Körperweisheit nennt.
- 12:48Das ist dann so ab 3 Jahren aufwärts kehrt eine Art
- 12:51intuitive Körperwahrnehmung zurück, man spürt Hunger und
- 12:55Sättigung wieder gut, respektiert die Signale des
- 12:58Körpers wie Müdigkeit oder Bedürfnis nach Bewegung, das
- 13:01aussehen wird wirklich nebensächlich, Wow, der Körper
- 13:04wird Teil der eigenen Geschichte, die Narben
- 13:07vielleicht sogar Zeichen der Stärke.
- 13:10Es ist ein Langer-Weg, keine Frage, oft über Jahre, aber er
- 13:13ist möglich. Das klingt wirklich
- 13:15hoffnungsvoll, aber du hast ja auch schon die Risiken
- 13:18angesprochen, wenn dieses Streben nach einem bestimmten
- 13:21Körperbild zur neuen Sucht wird. Orthorexie hattest du genannt,
- 13:25was ist das genau? Genau, Orthorexie ist die
- 13:28zwanghafte, übermäßige Beschäftigung mit gesunder
- 13:32Ernährung. Das klingt ja erst mal positiv,
- 13:34wer will sich nicht gesund ernähren?
- 13:37Aber es wird zur sucht, wenn sich das ganze Leben nur noch
- 13:40darum dreht, wenn man soziale Kontakte meidet, weil das Essen
- 13:43dort nicht clean genug ist. Wenn man Panik vor falschen
- 13:47Lebensmitteln hat und der gesamte Selbstwert davon
- 13:50abhängt, wie gesund man gegessen hat.
- 13:52Verstehe, das ist in der Recovery leider ziemlich
- 13:55verbreitet, weil es eben dieses trügerische Gefühl von Kontrolle
- 13:58und Reinheit gibt. Etwas, das man nach dem Chaos
- 14:02der Sucht sucht. Macht Sinn.
- 14:04Ähnlich ist es ja beim Sportzwang der Exercise
- 14:07Addiction Training trotz Verletzung Entzugserscheinungen,
- 14:11wenn man nicht trainieren kann, sozialer Rückzug, Mhm beides,
- 14:15Orthorexie und sportzwang kann aber gefährlich werden,
- 14:18Mangelernährung, soziale Isolation, Verletzungen und
- 14:23ironischerweise auch ein erhöhtes Rückfallrisiko in die
- 14:26ursprüngliche sucht. Und Social Media mit seinen
- 14:29ganzen Gefilterten Transformation Bildern und
- 14:32fitspiration Accounts gießt da oft noch ordentlich Öl ins Feuer
- 14:36und verstärkt den Druck. OK, da sind also echte Gefahren.
- 14:41Was hilft denn dann konkret um eine gesündere?
- 14:44Vielleicht neutralere Beziehung zum Körper aufzubauen, gibt es
- 14:47da praktische Ansätze, die Gabriel vorschlägt?
- 14:49Ja. Absolut ein ganz zentrales
- 14:52Kernprinzip, dass Gabriel immer wieder betont, ist diese Body
- 14:56Neutrality statt Body Positivität.
- 14:59Es geht nicht darum, seinen Körper plötzlich zwanghaft
- 15:02lieben zu müssen, was oft unrealistisch ist.
- 15:04Nach allem was war, sondern ihn zu akzeptieren und zu
- 15:07respektieren als das was er ist und was er eben leistet.
- 15:11Zu sagen, OK, das ist mein Körper, er funktioniert, er
- 15:14trägt mich durchs Leben, das reicht erst mal.
- 15:17Body Neutrality O. K dazu gehört eben auch, wieder
- 15:20zu lernen, intuitiv zu essen, das heißt, auf die eigenen
- 15:23Hunger und Sättigungssignale zu hören, statt starren Diätregeln
- 15:27oder Kalorienvorgaben zu folgen. Keine Verbote, sondern Erlaubnis
- 15:32und Genuss wiederfinden und bei der Bewegung geht es um Movement
- 15:36for Joy. Also sich so zu bewegen, dass es
- 15:39Freude macht und gut tut, nicht als Strafe für gegessene
- 15:42Kalorien oder zur Optimierung des Aussehens.
- 15:44Hast du da vielleicht ein 2 ganz konkrete Beispiele aus dem
- 15:48Artikel, wie man das im Alltag umsetzen kann?
- 15:51So kleine Schritte. Klar, eine kleine Übung, die er
- 15:54vorschlägt, könnte sein, sich morgens beim Aufwachen kurz auf
- 15:573 Dinge zu konzentrieren, die der Körper gerade für einen tut,
- 16:01die er ermöglicht. Zum Beispiel?
- 16:03Er atmet für mich, ich kann sehen, ich kann mein Kind
- 16:06umarmen, irgendetwas funktionales.
- 16:09Mhm Fokus auf Funktion. Genau, oder?
- 16:12Beim Blick in den Spiegel, wenn er unvermeidlich ist, bewusst
- 16:15versuchen, neutral zu beschreiben, was man sieht, ohne
- 16:18sofort in die Bewertung zu gehen.
- 16:20Ich sehe meine Arme statt, meine Arme sind zu dick.
- 16:23Und sich vielleicht bewusst eine Form der Bewegung zu suchen, die
- 16:26sich einfach nur gut anfühlt, ohne Leistungsdruck, egal, ob
- 16:30das ein Spaziergang im Wald ist, Tanzen zu Lieblingsmusik im
- 16:33Wohnzimmer oder Schwimmen, kleine Schritte eben, aber in
- 16:36Richtung Achtsamkeit und Respekt für den Körper.
- 16:39Das klingt machbar. Ja, ein Thema, das sicher auch
- 16:42viele beschäftigt und das Gabriel auch anspricht, ist
- 16:46Sexualität mit diesem veränderten, vielleicht
- 16:49ungeliebten Recovery Body. Ist das überhaupt möglich,
- 16:53wieder Intimität zuzulassen? Absolut ja.
- 16:56Das betont Gabriel auch sehr stark und das ist ne wichtige
- 16:59Botschaft. Guter Sex und erfüllende
- 17:02Intimität hängen viel, viel mehr von Verbindung, von Vertrauen
- 17:06und von Kommunikation ab als von einem vermeintlich perfekten
- 17:10Körper nach irgendwelchen Magazinstandards.
- 17:14Es kann natürlich total helfen, mit dem Partner oder der
- 17:16Partnerin offen über die eigenen Unsicherheiten zu sprechen.
- 17:20Vielleicht nicht unbedingt direkt währenddessen.
- 17:22Das kann den Moment killen, aber davor oder danach ja sich
- 17:27bewusst auf die Empfindungen zu konzentrieren, auf das spüren
- 17:32statt auf das Aussehen oder darauf, wie man vermeintlich
- 17:35wirkt, Augen schließen, kann helfen, wenn Scham aufkommt.
- 17:40Es ist oft n Lernprozess, keine Frage, aber ja, erfüllende
- 17:45Sexualität ist definitiv auch mit einem Recovery Body möglich
- 17:50und wichtig für die Heilung. Das ist echt ne wichtige und
- 17:53hoffnungsvolle Botschaft. Lass uns zum Schluss vielleicht
- 17:56noch auf n Paar dieser FAQS dieser häufigen Fragen eingeben,
- 18:00die Gabriel in seinem Artikel beantwortet.
- 18:02Die brennen sicher vielen unter den Nägeln die erste, es ist
- 18:06denn wirklich normal, dass ich in Recovery so viel zugenommen
- 18:09habe, ja. Ein ganz klares Ja, wie wir
- 18:13schon besprochen haben. Absolut normal und oft sogar ein
- 18:17Zeichen dafür, dass der Körper heilt und sich holt, was er
- 18:20braucht. Diese durchschnittliche Zunahme
- 18:23von 15 bis 25 Kilo im ersten Jahr ist n.
- 18:26Häufiger Richtwert, manchmal mehr, manchmal weniger.
- 18:29Das Wichtigste ist, wirklich zu verinnerlichen, das ist kein
- 18:33persönliches Versagen, keine Willensschwäche, das ist
- 18:36Biologie. OK, und die nächste Frage, die
- 18:39oft kommt, wann wird mein Stoffwechsel denn endlich wieder
- 18:43normal? Die Ungeduld ist ja riesig, kann
- 18:46ich mir vorstellen. Ja, die Ungeduld ist
- 18:48verständlich, aber der Körper braucht Zeit, wirklich Zeit.
- 18:51Zeit, man rechnet da wie im Artikel steht, mit 12 bis 36
- 18:55Monaten, also ein bis 3 Jahren, bis sich Stoffwechsel und
- 18:58Hormonsystem wieder halbwegs eingependelt haben.
- 19:01Geduld ist hier wirklich wirklich das A und o, auch wenn
- 19:04es schwerfällt, es gibt keine Abkürzung.
- 19:07Kann man denn in Recovery überhaupt versuchen abzunehmen
- 19:10oder ist das einfach zu gefährlich?
- 19:12Gabriel rät da zu großer Vorsicht.
- 19:14Ja, seine Empfehlung ist klar. Mindestens 12 bis 18 Monate
- 19:18warten, bis eine wirklich stabile Recovery erreicht ist.
- 19:22Also emotionale Stabilität, keine akuten Rückfallgedanken
- 19:25mehr. Erst mal stabil werden.
- 19:27Genau vorher ist das Risiko einfach zu hoch.
- 19:30Durch den zusätzlichen Stress einer Diät oder eines strengen
- 19:34Sportprogramms einen Rückfall zu erleiden oder eben in eine
- 19:37Essstörung zu rutschen. Das ist ja oft fließend.
- 19:41Und wenn man es dann nach dieser Zeit angehen möchte, dann bitte
- 19:45unbedingt nur mit professioneller Begleitung.
- 19:48Also jemand der Ahnung hat von sucht und von Essstörungen und
- 19:52auf keinen Fall mit irgendwelchen radikalen Crash
- 19:54Diäten sanft und nachhaltig. OK, eine ganz heikle Situation,
- 19:59die auch angesprochen wird. Mein Partner oder meine
- 20:02Partnerin kritisiert meine Gewichtszunahme, was soll ich
- 20:06tun? Puh, ja, das ist echt schwierig
- 20:09und kann die Genesung massiv gefährden.
- 20:12Ganz klar, Kommunikation ist natürlich der erste Schritt
- 20:16versuchen zu erklären, was im Körper vorgeht, dass das Teil
- 20:20der Heilung ist, den Partner vielleicht auch bitten, den
- 20:22Artikel zu lesen, wenn aber dauerhaft Kritik, Unverständnis
- 20:26oder sogar Abwertung kommt, dann muss man sich, so hart das
- 20:30klingt, ehrlich fragen, ist diese Beziehung gerade
- 20:32unterstützend für meinen Heilungsweg oder zieht sie mich
- 20:36runter? Manchmal ist es dann notwendig,
- 20:38ganz klare Grenzen zu ziehen oder im schlimmsten Fall auch zu
- 20:42erkennen, dass es vielleicht nicht der richtige Partner für
- 20:44diese Phase ist. Der eigene Schutz geht vor.
- 20:47Ja, absolut. Und die letzte Frage aus den
- 20:50FAQS. Ich hasse meinen Recovery Body,
- 20:53bin ich deswegen oberflächlich? Nein, überhaupt nicht.
- 20:56Das ist ne total menschliche und nachvollziehbare Reaktion auf
- 21:02Massive, oft ungewollte körperliche Veränderung.
- 21:05Und wie wir jetzt ja ausführlich besprochen haben, ist das ein
- 21:09sehr häufiges Symptom in der Recovery fast schon normal.
- 21:12Leider. Es geht ja auch nicht darum,
- 21:14sich von heute auf Morgen zum Lieben des Körpers zu zwingen,
- 21:17das wäre unrealistisch. Das Ziel ist eher dieser
- 21:20Respekt, diese Neutralität, die Anerkennung, OK, dieser Körper,
- 21:25so wie er jetzt ist, hat mich durch die Hölle getragen, er hat
- 21:29überlebt. Er verdient meine Anerkennung
- 21:32und Fürsorge, auch wenn ich ihn gerade nicht schön finde.
- 21:35Danke für diese klaren und einfühlsamen Antworten.
- 21:39Das hilft sicher vielen weiter. Gabriels Fazit im Artikel ist ja
- 21:44auch noch mal sehr eindringlich, er schreibt, der Frieden mit dem
- 21:48Körper ist genauso wichtig wie der Frieden mit der Substanz und
- 21:50für ihn persönlich war es oft der schwerere Kampf, seine
- 21:54Erkenntnis nach all den Jahren, der Körper hat ihn nicht
- 21:57verraten, sondern er hat ihn gerettet.
- 21:59Jede Narbe, jedes Kilo ist irgendwie auch ein Beweis des
- 22:02Überlebens. Sein Appell ist daher, bewohne
- 22:06deinen Körper, versuch nicht zwanghaft, ihn nach
- 22:08irgendwelchen Idealen zu optimieren, das Ziel ist diese
- 22:12Bodynutrality, dieser Satz, das ist mein Körper, er
- 22:17funktioniert, das reicht, den finde ich stark und du verdienst
- 22:22Intimität und Nähe genau jetzt so wie du bist.
- 22:25Nicht erst, wenn du irgendein Ziel erreicht hast.
- 22:28So, und wenn dir dieser Beitrag jetzt gefallen hat und du die
- 22:31Arbeit von Nilix Berlin generell wertvoll findest, dann würde
- 22:35sich Gabriel riesig über deine Unterstützung freuen.
- 22:38Du kannst Gabriel helfen, indem du diesen Beitrag vielleicht auf
- 22:41Social Media teilst oder den Podcast hier auf Plattformen wie
- 22:45Spotify oder Apple Podcasts bewertest und Likest das Projekt
- 22:49Nilix Berlin wird komplett allein von Gabriel finanziert
- 22:53und erstellt. Wirklich jede Form der
- 22:55Unterstützung hilft Gabriel dabei, mit diesem Projekt sich
- 22:58selbst, aber gleichzeitig eben auch anderen Betroffenen zu
- 23:01helfen. Sein persönliches Motto, das ihn
- 23:03dabei antreibt, lautet, aus allem schlechten in seinem Leben
- 23:07etwas Gutes zu machen. Ja, ein wichtiges Projekt und
- 23:10vielleicht noch als abschließender Gedanke für dich,
- 23:13liebe Hörerin, lieber Hörer zum Mitnehmen.
- 23:16Wie könnte sich denn dein Verhältnis zu deinem Körper
- 23:19verändern, wenn du ihn vielleicht weniger als ein
- 23:22Projekt siehst, das ständig optimiert werden muss, sondern
- 23:26mehr als einen Zeugen und treuen Begleiter deiner ganz
- 23:30einzigartigen Lebens und Heilungsgeschichte mit all
- 23:34seinen Spuren und Veränderungen, welche eine vielleicht ganz
- 23:38kleine Geste des Respekts oder der Fürsorge, könntest du ihm
- 23:42heute zeigen. Ein schöner Gedanke zum Schluss.
- 23:47Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen und zugehört hast.
- 23:50Pass gut auf dich auf und ja, bis zum nächsten Mal bei nilex
- 23:54Berlin.