Latest / LautFunk / Leise Stille 001 Depression
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- 0:00[Musik]
- 0:23Hallo und willkommen zur ersten Folge der
- 0:28Ein Podcast, der sich um psychische Erkrankungen dreht.
- 0:36Das heutige Thema ist Depression.
- 0:41Das Thema betrifft viele Menschen.
- 0:45Ich kenne wirklich einige Menschen, die unter Depressionen leiden.
- 0:51Mal mehr, mal weniger.
- 0:53Ich habe sogar jemanden mal kennengelernt, der, wie sagte sie, mit ihrer latenten depressiven
- 1:01Phase in ihrem kleinen Türmchen lebt. Vielleicht hast du selber schon mal gespürt,
- 1:08wie das Leben grau werden kann oder du kannst nicht mehr dich an kleine Dinge erfreuen,
- 1:17wie einen schönen Sonnenaufgang, ich weiß, es ist ziemlich klischeehaft, eine gute Tasse Kaffee,
- 1:26ein leckeres Stück Kuchen, deinen Lieblingsfilm gucken im Streamingdienst oder im LinearTV. Du
- 1:38merkst, wie du dich immer mehr so aus dem Umfeld zurückziehst und immer weniger schaffst, irgendwie
- 1:45wie dein Alltag zu bewältigen.
- 1:47Und genau darum soll es heute gehen.
- 1:51Um Depressivität, eine Depression,
- 1:55oder eine depressive Phase,
- 1:59wie man das im Fachjargon nennt.
- 2:04Aber ein kleiner Disclaimer ganz am Anfang.
- 2:08Das ist hier keine Therapie.
- 2:10Das soll auch keine Therapie ersetzen.
- 2:12Wenn du das Gefühl hast, dass deine Depression zu stark ist, um damit alleine fertig zu werden,
- 2:22dann suche dir fachlich qualifizierte Hilfe. Eine gute Anlaufstelle ist an erster Stelle
- 2:28dein Hausarzt. Rede mit ihm darüber, wie es dir geht, dass du eine Vermutung hast,
- 2:36dass es eine Depression sein könnte und zusammen schau dir, wie es weitergeht.
- 2:42Aber jetzt mal so ganz am Anfang. Was ist eine Depression? Eine Depression ist etwas länger und
- 2:52schwieriger. Es dauert einfach länger. Eine Phase im Leben, wo man mehr als schlechte Laune hat oder
- 3:01so ein Durchhänger jetzt in Anführungszeichen. Es ist etwas, was je nach Schwere sich wirklich
- 3:12hindert, deinen Alltag, dein Leben zu leben. Ich habe Menschen kennengelernt, die waren so
- 3:18depressiv, die konnten nicht mehr aufstehen. Die sind quasi nur aufgestanden, um halt das
- 3:24Allernötigste zu machen und das war der Toilettengang. Sie hatten jegliche Freude
- 3:31am Essen, am sich Pflegen oder an Gesprächen mit anderen Menschen verloren. Da ging gar nichts mehr,
- 3:41außer im Bett liegen und schlafen. Also wir sehen, so eine Depression kann schon wirklich
- 3:47eine ernstzunehmende, schwere Erkrankung sein. Sie ist nicht so offensichtlich wie ein gebrochenes
- 3:53Bein oder so klar wahrnehmbar wie eine Lungenentzündung. Es ist eine versteckte Krankheit,
- 4:02die aber genauso schwierig und sogar in Einzelfällen genauso tödlich sein kann. Aber was sind denn so
- 4:10die typischen Symptome? Man spricht von einer tiefen Entschöpfung, also dass man da sogar viel schläft.
- 4:18Es gibt einen Interessenverlust, es macht nichts mehr Spaß. Manche haben auch schwere Schuldgefühle,
- 4:28einen Selbstzweifel oder auch eine tiefe Hoffnungslosigkeit, dass nichts mehr im
- 4:33Leben besser wird oder einen Sinn ergibt. Oft sind auch Konzentrationsprobleme vorhanden,
- 4:41weil so viel im Kopf los ist. Manche haben auch eine große Entscheidungsschwierigkeit,
- 4:48was im Fachjargon Ambivalenz genannt wird. Man kann sich einfach nicht mehr entscheiden,
- 4:56und selbst wenn es nur zwischen zwei Dingen sind, esse ich jetzt einen Donut oder esse
- 5:01ich daneben den Krapfen. Nur als kleines Beispiel. Schlafstörungen oder extreme Schlafbedürfnisse
- 5:10sind auch ein häufiges Symptom. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, ich war eine richtige
- 5:17Nachteule und habe mal hier zwei Stunden, vielleicht da mal eine Stunde oder da mal drei Stunden
- 5:23geschlafen. Ansonsten war ich wach und habe nichts gemacht. Appetitlosigkeit oder das Gegenteil,
- 5:32übermäßiges Essen sind auch ein Symptom. Was auch sehr viele Menschen haben, ein Rückzug aus
- 5:42dem sozialen Leben. Und das beobachte ich sehr oft und das habe ich auch selber gehabt, während
- 5:50meiner vielen depressiven Phasen. Und in manchen schweren Fällen Suizidalität, also eine Art
- 6:01Todessehnsuchts, Gedanken über den Tod, was jetzt nicht unbedingt zu einem Suizidversuch führt,
- 6:07aber es kann dazu führen. Zumindest ist der Wunsch danach, denn wenn ich tot bin,
- 6:14sind alle meine Probleme weg oder das Leiden hat ein Ende. Was mir aus vielen Gesprächen mit
- 6:21Betroffenen oder auch mit Mitpatienten in Erinnerung geblieben ist, sind so Sätze,
- 6:29die so ähnlich waren wie "Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich traurig bin. Ich hatte eher das
- 6:35Gefühl, dass ich nichts bin." Und das trifft es irgendwie ganz gut. Man ist so tief in seiner
- 6:46Depression gefangen, dass man an und für sich nichts mehr fühlt, weil diese Traurigkeit so
- 6:55überwältigend ist, so riesengroß, dass man wie süßer Honig, der irgendwann mal bitter schmeckt,
- 7:05weil es einfach so süß ist. So kann man das vielleicht vergleichen. Also wie fühlt es sich
- 7:13an, eine Depression zu haben? Das ist sehr unterschiedlich und sehr individuell. Manche
- 7:21Menschen sagen, es fühlt sich an, als ob ich in Watte gepackt bin, weil alles sehr dumpf und nichts
- 7:31mehr so wirklich an mir herankommt. Man fühlt nicht mehr viel. Andere beschreiben es, als ob
- 7:38eine schwarze Wolke in ihrem Kopf ist oder sogar um sie herum oder um sie liegt. Andere sagen,
- 7:46Es fühlt an, als ob man unter Wasser leben würde.
- 7:49Man sieht alles da draußen, wie das Leben ist, aber selbst man kommt nicht daran oder man ist kein Teil mehr davon.
- 8:00Diese Gefühle, diese Eindrücke lassen sich auch nicht einfach so wegdenken oder wegreden.
- 8:08Es ist einfach da.
- 8:12Es ist permanent, perma- Entschuldigung, ich kann es gerade nicht aussprechen.
- 8:18Es ist einfach immer da.
- 8:21Und egal wie gut Zureden ist, reiß dich mal zusammen, geh einfach mal raus,
- 8:28du musst mal wieder unter Menschen gehen.
- 8:30Das bringt alles nichts, weil man in diesem Moment das auch einfach nicht so sieht.
- 8:35Oder wenn man es versteht, dass man es eigentlich tun müsste, kann man es nicht,
- 8:40weil man gelähmt ist durch diese Ohmmacht, die man auch selber spürt.
- 8:47Die große Frage ist, woher kommen Depressionen eigentlich?
- 8:52Und da muss man sagen, es gibt eine einzelne Ursache.
- 8:57Es ist meist ein Zusammenspiel aus mehreren Faktoren.
- 9:01Zum einen ist da eine biologische Komponente,
- 9:07Sprich, es ist ein Ungleichgewicht von Botenstoffen im Gehirn, wie Serotonin oder auch Noradrenalin.
- 9:18Mal ist es ein Mangel, mal ist es ein Überschuss.
- 9:23Man muss ja verstehen, unser Stoffwechsel im Gehirn funktioniert quasi mit Spielern
- 9:30und Gegenspielern.
- 9:31Der eine führt eine Aufgabe aus und der andere sorgt dafür, dass dann halt der Botenstoff,
- 9:39der diese Aufgabe ausgeführt hat, wieder zurückgenommen wird. Man spricht außerdem von
- 9:44Spieler und Gegenspieler. Und das ist halt in dem Fall das Seretondomin und das Noradralin,
- 9:52was dann halt der Gegenspieler ist. Um das mal auf eine ganz einfache Art und Weise zu erklären.
- 9:59Ich weiß, Leute die sich auskennen wissen, dass das wesentlich komplexer ist, die Mechanismen,
- 10:06und dass da noch viele andere guten Stoffe eine große Rolle mitspielen, aber das soll ja alles
- 10:12recht einfach und verständlich hier bleiben. Dann gibt es natürlich noch die psychologische
- 10:17Komponente. Traumata, Verlust eines Menschen, ein schwerer Umfall, Zeuge oder auch Opfer
- 10:32einer Gewalttat, Kindheitserfahrungen, die auch traumatisierend sein können, Verlust eines
- 10:38Elternteils, Scheidungen der Eltern, Persönlichkeitsmerkmale wie eine sehr hohe Selbstkritik
- 10:48können auch dazu führen, dass man so eine Depression neigt. Weil wenn ich alles super
- 10:56perfekt machen muss und man kann nichts perfekt machen, weil das Perfekte gibt es nicht, wird
- 11:03man diesen Stand, diesen Anspruch, wird man nie erreichen. Und manche Menschen werden darüber halt,
- 11:09weil sie es nie erreichen, depressiv. Dann gibt es natürlich auch Umweltfaktoren wie soziale,
- 11:17gesellschaftliche Faktoren wie Dauerstress. Derjenige, der auf der Arbeit verheizt wird
- 11:25oder zu Hause bei der Care-Arbeit. Die Hausfrau, die neben ihren, ihrer Halbtagsstelle noch den
- 11:33Haushalt schmeißen muss, dann die Familienplanerin ist, die Managerin, dann noch Frau vom Mann und
- 11:46noch vieles andere. Das kann zu einer Überbelastung führen und dann kann man auch in eine Depression
- 11:52fallen. Isolation. Wir Menschen sind soziale Lebewesen. Wir brauchen die Interaktion mit
- 11:59mit anderen Menschen. Und wenn es nur übers Internet ist. Mir reicht soziale Interaktion
- 12:05übers Internet. Ich beschränke meine realen Kontakte wirklich auf ein Minimum, weil ich
- 12:11finde das sehr anstrengend. Menschen sind für mich wirklich anstrengend. Das ist auch sehr
- 12:17interessant. Vielleicht sollte ich darüber auch mal reden. Mobbing. Jeder, der schon mal
- 12:23selber Mobbing-Erfahrungen gemacht hat, egal ob das jetzt Täter sind oder auch Opfer, die wissen,
- 12:30was das für eine einschneidende Erfahrung ist für das Opfer. Ich habe auch meine Mobbing-Erfahrungen
- 12:37in der Schule erlebt. Es waren zwei Phasen. Einmal quasi so fünfte Klasse herum und dann einmal so
- 12:48in der 8./9. mit Leuten aus einer Parallelklasse. Das war schon wirklich unangenehm. Wirklich. Aber
- 13:02ich denke, diese Erfahrung machen viele. Aber wir wissen einfach aus der Forschung,
- 13:10dass Mobbing tatsächlich zu schweren Depressionen führen kann. Armut ist zum Beispiel auch ein
- 13:18Auslöser. Wer hätte es gedacht? Ich meine, wer solche Probleme hat mit dem Geld,
- 13:25habe ich am Monatsende überhaupt noch genug, um mir was zu essen zu kaufen,
- 13:28habe ich genug Geld, um für meine Kinder was zu essen zu kaufen oder meine Haustiere. Das
- 13:34kann auch dazu führen, dass man Depressionen bekommt. Und zu guter Letzt Arbeitslosigkeit.
- 13:39Langzeitarbeitslose Menschen sind stärker gefährdet, in Depressionen zu verfallen,
- 13:45wie Menschen, die einer Beschäftigung nachgehen oder einer sinnvollen Aufgabe.
- 13:51Ich habe nach meinem Schlaganfall mir halt das Hobby Podcasten und Social Media
- 13:58Bloggen gesucht, um eine Aufgabe zu haben, um mir eine Tätigkeit zu suchen. Ich habe mich halt
- 14:08verwirklicht in Musik, in Malen und in anderen kreativen Hobbys. Man muss halt seinen Platz
- 14:16finden. Ja, also wie kann man sich das im Bild nicht vorstellen? Am besten ist, dass man sich
- 14:24ein Fass vorstellt, wo langsam ein Tropfen für Tropfen drauf fällt. Dieses Fass hat ein gewisses
- 14:32um Fassungsvolumen. Und wenn das Fass irgendeinmal voll ist, dann läuft es über. Jetzt ist das Fass
- 14:40aber halt nicht immer die gleiche Größe. Bei den einen Menschen hat das Fass ein großes
- 14:48Fassungsvermögen, da kann viele Sorgen und Kummer reinkommen, bis es überläuft. Und beim anderen
- 14:54Menschen ist, warum auch immer, dieses Fassungsvermögen viel kleiner und dann passiert das
- 14:59viel schneller. Aber wie werden jetzt
- 15:06Depressionen wirklich diagnostiziert?
- 15:09Da viele Betroffene erst nach Monaten oder
- 15:14Jahren zum Arzt gehen und dann eine
- 15:18Therapie anfangen, aus verschiedensten
- 15:20Gründen. Das kann sein um Sicherheit,
- 15:23Scham,
- 15:24Unerfahrung oder den Glauben, psychische Erkrankungen sind ja nicht wirklich was,
- 15:32was mich betrifft. Gehen Menschen nicht zum Arzt und lassen sich helfen. Wie gesagt,
- 15:41ich kann nur den Tipp geben, wenn du der Meinung bist, dass bei dir was nicht richtig im Leben
- 15:45läuft, geh zu deinem Hausarzt, spreche mit ihm darüber und reg ihn an, dass er dich zu einem
- 15:52Facharzt schickt. Jetzt haben wir ja so die Frage gestellt, wie wird das diagnostiziert? Und da
- 16:04gibt es einen festen Katalog an Kriterien, so wie bei allen anderen Erkrankungen auch. Und wenn man
- 16:16mindestens zwei Wochen mehrere Haupt- und Zusatzsymptome hat, sprich mal von einer
- 16:24Depression. Die gibt es in verschiedenen Ausprägungsarten. Eine leichte, eine mittelschwere
- 16:31und eine schwere Depression. Die Hauptsymptome wären gedrückte Stimmung, Interessenverlust,
- 16:40Antriebsmangel. Jetzt ist die Frage, was hilft? Und da sind die, ja da schreien sich die Geister.
- 16:54Manche sagen, mir haben Tabletten geholfen, andere sagen, mir hat die Psychotherapie geholfen. Ich
- 17:03sage, mir hat beides geholfen. Man muss dazu erstmal sagen, Gott sei Dank, Depressionen sind
- 17:10heilbar. Es dauert zwar seine Zeit, weil es kommt ja auch nicht von jetzt auf gleich wie ein gebrochener
- 17:18Arm, sondern es entwickelt sich ja auch eine längere Zeit und genauso oder noch länger braucht
- 17:25auch eine Depression, bis sie überstanden ist. Es gibt verschiedene Wege. Die Psychotherapie,
- 17:34da wird vor allen Dingen die kognitive Verhaltenstherapie empfohlen. Es ist halt,
- 17:42Gedankenmuster werden erkannt und gegebenenfalls verändert. In ganz groben Zügen. Es ist viel
- 17:52Arbeit. Es gehört viel Gespräch dazu. Man muss seine Probleme und seine Baustellen erkennen und
- 17:59dann durch gezieltes Fragen kennen, wo man ansetzen kann und Veränderungen durchführen. Wie gesagt,
- 18:09es ist wirklich langwierig. Tiefenpsychologische Therapie, wo Kindheitsbeziehungsmuster oder auch
- 18:21Konflikte und wenn es auch innere Konflikte sind, analysiert und versucht werden, gelöst zu werden.
- 18:30Das ist auch eine sehr langwierige Sache. Ja, und dann gibt es ja auch noch Online-Therapie-Programme,
- 18:38aber dazu kann ich wenig sagen, weil das gab es zu meiner Zeit noch nicht, wo ich aktiv in
- 18:45Behandlung war. Ich habe halt für mich
- 18:55eine Mischung aus kognitiver Verhaltenstherapie und
- 18:59tiefenpsychologischer Therapie gemacht.
- 19:02Das hat mir übrigens sehr geholfen. Ich
- 19:05bin mir in dieser Zeit über sehr vieles
- 19:07bewusst geworden, vor allen Dingen über meine
- 19:10Stärken und Schwächen.
- 19:10Dann gibt es natürlich auch die Medikamente. Ich sagte ja, es gibt einmal die Psychotherapie und zum
- 19:18anderen die Medikamentöse-Behandlung. Das Fachwort ist hier Antidepressiva. Im Grunde genommen sind
- 19:28das meisten Teils Serotonmin-Wiederaufnahmehemmer. Sie helfen, den Hirnstoffwechsel zu stabilisieren.
- 19:38Sie brauchen leider aufgrund der Ausgebügeltheit unseres Gehirns und der Blut-Hirn-Barriere
- 19:48oder Schranke genauer gesagt, doch meistenteils vier bis sechs Wochen, bis überhaupt der Wirkstoff
- 19:55im Gehirn ankommt. Da kann man mal sehen, also Schmerztablette wirkt, wenn ich Glück habe,
- 20:0115-20 Minuten später. Das Zeug braucht eine Ewigkeit, bis das im Gehirn angekommen ist.
- 20:07Die Einnahme muss natürlich regelmäßig gemacht werden, haben natürlich auch Nebenwirkungen.
- 20:15Ich kann mich noch an extremer Mundtrockenheit erinnern und ich habe mehr geschwitzt.
- 20:22Das sind ja jetzt Kleinigkeiten.
- 20:26Also nach den, ich würde mal sagen so nach vier Wochen, habe ich schon eine Veränderung
- 20:33gemerkt und nach sechs Wochen eine wesentliche Verbesserung meiner Problematik. Ich war auch
- 20:41wesentlich mehr in der Lage irgendwie am Leben teilzunehmen. Das hat mir schon wirklich geholfen.
- 20:46Dann gibt es noch unterstützende Maßnahmen. Viele schwören darauf auf Bewegung, Spaziergänge bei
- 20:55Tageslicht. Tageslicht wirkt Wunder, vor allem wenn es auf die Haut trifft. Den Alltag mehr Struktur
- 21:06verleihen, kleine Routinen einführen, sich immer wieder mal Kleinigkeiten mit Kleinigkeiten belohnen.
- 21:13In der Therapie wird gerne gesagt, sie dürfen sich belohnen, aber es darf nichts kosten und
- 21:21meisten Teils darf das nichts mit Essen zu tun haben, was dann immer wieder schwierig wird,
- 21:26wie man sich dann belohnen kann, wenn man nicht besonders kreativ ist,
- 21:30Belohnungen zu entwickeln für sich. Was mir besonders geholfen hat und auch einigen Leuten,
- 21:39die ich kennengelernt habe, ist kreativer Ausdruck. Schreiben, Malen, Musizieren und
- 21:48Was es nicht sonst noch alles gibt, das kann wirklich befreiend sein und vielleicht sogar
- 21:56hin und wieder mal Hinweise auf innere Konflikte geben.
- 22:00Was habe ich für abgefahrene Bilder in meiner Therapiezeit in der Ergotherapie gemalt?
- 22:06Das hat mir geholfen.
- 22:09Und zuletzt, wenn man jetzt nicht gerade in einer Klinik ist, Selbsthilfeprogramme, egal ob online
- 22:21oder halt wo man sich wirklich selber trifft, privat oder halt im öffentlichen Raum, können auch helfen,
- 22:29weil man dort sieht, man ist nicht alleine und es ist erstaunlich, wie viele Menschen an Depressionen
- 22:34leiden. Kleiner Insider, wenn man einmal mit sich selbst so intensiv sich beschäftigt hat,
- 22:43wird man, wenn man draußen rumläuft, so viele Menschen sehen, die wirklich Hilfe und Unterstützung
- 22:51gebrauchen könnten, aber es eigentlich wissen und sich wundern, warum sie hier und da im Leben große
- 22:58Probleme haben. Und da kommen wir schon zum nächsten Punkt. Wie lebt man mit Depressionen?
- 23:04Manche Menschen erleben im ganzen Leben nur eine einzige Episode und nach jahrelangem Kampf,
- 23:15will ich nicht sagen, aber nach jahrelanger Genesung leben sie ein Leben ohne irgendwelche
- 23:21Vorfälle mehr. Andere Menschen erleben immer wieder irgendwelche Episoden. Ich habe auch
- 23:32mehrere Episoden in meinem Leben gehabt und ich werde sicherlich noch welche in meinem Leben haben.
- 23:38So ist das halt und da kann ich nichts dran ändern. Wichtig ist nur, dass ich früh genug erkenne,
- 23:45was Sache ist und was dagegen tue. Wichtig sei dabei gesagt, ein Leben mit Depressionen ist kein
- 23:52Versagen. Es ist eine Krankheit. Sie kann jeden treffen und es ist ein Kraftakt, jeden Tag damit
- 24:04zu leben, aber auch ein Prozess, um sich selbst neu kennenzulernen, wenn man an sich arbeitet.
- 24:15Da fällt mir noch ein Zitat ein von einem lieben Mitpatienten, der am Ende kurz vor seiner
- 24:23Entlassung sagte, er habe gelernt, nicht mehr gegen sich selbst zu kämpfen, sondern mit sich zu
- 24:31arbeiten, weil er hatte immer die Angst oder das Gefühl, er würde im Leben nicht genug leisten.
- 24:40Und das ist dann schön, wenn dann halt diese Last einem vom Rücken genommen wird, was er sich selbst
- 24:48erarbeitet hatte. Deine Erfolge wie Aufstehen, Duschen, Einkaufen sind große Schritte und sie
- 24:57verdienen Anerkennung und kein Vergleich. Was ist damit gemeint? Wenn ich in einer depressiven Phase
- 25:07bin und mir fällt es schwer, schon alleine aufzustehen, nur weil ich auf die Toilette muss,
- 25:14dann ist es noch umso schwieriger, um das profane Duschen zu tun. Und wenn ich mich dann aufgerafft
- 25:22habe und habe geduscht, dann habe ich was geleistet und das sollte anerkannt werden,
- 25:30nicht von jemand außerhalb. Ganz wichtig ist auch, dass ich es mir anerkenne, dass ich mich belohne,
- 25:36dass ich stolz auf mich bin, dass ich das geschafft habe. Und es ist wirklich ein großer Schritt,
- 25:43dass man das getan hat. Man hat ja den inneren Schweinehund überwunden und das verdient Anerkennung
- 25:49Und nicht, ja schau dir doch mal an, die anderen können das alle. Das ist doch kein großes Ding,
- 25:54das ist kein Klacks. Nee, die haben ja auch nicht das Problem, was du hast. Die sind ja
- 26:00nicht depressiv. Für die ist das einfach. Die machen das einfach. Wenn du dich erstmal aufraffen musst
- 26:08und dann du 20 Minuten lang auf der Bettkante sitzt und genügend Kraft sammeln musst, dass du
- 26:17ins Badezimmer gehst und dich zu duschen, dann ist das eine tolle Leistung und das verdient Anerkennung.
- 26:23Und dann kommen wir auch schon zu dem Punkt, der auch immer ein bisschen, sagen wir mal,
- 26:29grenzwertig ist. Angehörige. Es gibt Menschen, die haben halt das Talent, immer das Richtige zu
- 26:37sagen, einfühlsam und empathisch zu sein. Und dann gibt es Menschen, wo es genau das Gegenteil ist.
- 26:43Sätze wie "das musst du doch können", "das schaffen andere auch" sind total kontraproduktiv
- 26:55und bringen nichts. Was wirklich hilft, ist da zu sein, zuzuhören und ganz wichtig,
- 27:03nicht zu bewerten, quasi eine offene und bejahende Kommunikation, aktives Zuhören
- 27:11für Leute, die sich auskennen. Ermutigen, etwas zu unternehmen. Auch ermutigen, professionelle Hilfe
- 27:22zu suchen. Ganz wichtig ist es auch, geduldig zu sein und Rückschläge hinzunehmen als jemand,
- 27:34der jemanden mit Depressionen so unterstützt und auch nicht diese Sachen zu bewerten.
- 27:41Also damals, ich konnte das. Das war ja ein Klacks. Nee, lass das. Ich sagte ja vorhin schon,
- 27:51Sprüche wie "Reiß dich zusammen" oder das gut gemeinte "Das wird schon wieder" bringen da
- 27:59überhaupt nichts und ganz schlimm ist entweder Druck zu machen oder Schuldzuweisungen. Ich weiß,
- 28:09dass manche Menschen dazu neigen, aus falsch gemeinter Liebe ein bisschen Druck zu machen,
- 28:18machen zu müssen, aber es kann genau das Gegenteil bewirken, dass sich der Mensch noch immer weiter
- 28:24zurückzieht, weil es eine Überforderung ist. Mir hat immer geholfen, dass ich wusste,
- 28:31dass jemand da ist, auf den ich mich verlassen kann und wenn ich ihn brauche, wenn ich ihn brauche,
- 28:40dass derjenige für mich greifbar ist und dass ich nicht alleine durch solche Situationen muss. Das
- 28:50hat mir wirklich geholfen. Ein Thema, worüber auch man reden muss, ist – und das kann für viele
- 28:56Angehörige wirklich schwierig sein – sind Suizidgedanken. Und ja, ich habe selber Suizidgedanken
- 29:05in meinem Leben gehabt und kann sagen, das ist nicht einfach für ein Selbst oder auch für einen
- 29:13Angehörigen. Ich weiß noch, dass meine Eltern darüber sehr entsetzt waren, wie dann so langsam
- 29:20das Thema auf den Tisch kam. Depression, Krankenhaus, das geht gerade nicht mehr. Ich
- 29:28mache mir Gedanken, mir das Leben zu nehmen. Ja, das war nicht einfach. In einer Depression kann
- 29:36man so verzweifelt sein, dass der Sinn des Lebens nicht mehr da ist und vor allen Dingen auch,
- 29:44dass der Tod sich als einfache Lösung anbietet, um das Leiden zu beenden. Das sagte ich ja schon
- 29:53anfangs. Und dieser Gedanke kann sehr verlockend sein, weil niemand will leiden. Und dann bietet
- 30:02sich das halt an. Die Sache ist nur so, man braucht verdammt viel Mut dazu. Denn alles
- 30:11anein und alles in einen sträubt sich dagegen. Und glaubt mir, als Rettungssanitäter habe ich
- 30:18es oft genug erlebt, wie stark sich der Körper dagegen wehrt. Der menschliche Körper will leben.
- 30:26Es ist so. Wenn du dich in so einer Situation befindest, rede unbedingt mit Angehörigen darüber.
- 30:35Wenn du als Angehöriger das Gefühl hast, da ist jemand in deiner Umgebung, der hat Suizidgedanken,
- 30:44rede mit ihm darüber. Biete ihn Hilfe an. Es gibt Krisentelefone. Du kannst mit ihm zur Notaufnahme,
- 30:53Du kannst mit ihm zum Arzt und derjenige muss nicht alleine bleiben.
- 31:00Du musst nicht alleine bleiben. Such dir schnell adäquate Hilfe.
- 31:05Wenn du es nicht kannst, bitte jemanden darum. Auch du als Angehöriger darfst ruhig nachfragen.
- 31:15Denkst du manchmal daran, dir etwas anzuteilen und anzutun?
- 31:20Das kann tatsächlich Leben retten. Und du kannst, wenn du das Gefühl hast, du weißt nicht weiter,
- 31:31auch mit deinem Hausarzt sprechen, als Angehöriger oder das Sorgentelefon anrufen. Es ist kostenfrei,
- 31:40es ist anonym. Im Internet gibt es auch Angebote wie www.depression.de. Da findet man
- 31:49man schnell Infos und Hilfe. Und zu guter Letzt Hoffnung. Auch das gehört zur Wahrheit.
- 32:00Depression kann einen Teil deines Lebens beeinflussen, aber sie ist nicht dein ganzes
- 32:07Leben, deine ganze Identität. Viele Menschen lernen mit ihr zu leben. Sie entdecken Wege,
- 32:15sich selbst mit mehr Mitgefühl zu bekennen. Es gibt Rückfälle, ja, aber es gibt auch Licht.
- 32:23Und das ist so wichtig, sich einzugestehen, dass man Schwächen hat, dass man Hilfe braucht. Aber
- 32:32es kommt auch ein Licht am Ende des Tunnels und du wirst irgendwann verstehen, dass es dir besser
- 32:43geht, du wirst es auch fühlen. Und wenn du mit dir gearbeitet hast, dann wird es dir besser gehen.
- 32:52Mir ist bis jetzt noch nie jemanden begegnet, der es nicht geschafft hat, außer er hat seinen
- 32:59Suizid verändert. Das habe ich leider auch erlebt und es war für mich als Mitpatient auch ein großer
- 33:05Und zum Schluss möchte ich dir mitgeben ein Zitat von jemandem, den ich halt während
- 33:13einer Therapie kennengelernt habe. "Ich bin nicht geheilt, aber ich bin am Leben. Und das ist mehr,
- 33:19als ich je für mich möglich gehalten habe." Ich bedanke mich dafür, dass ihr diese Folge
- 33:28angehört habt. Vielleicht war es ein bisschen schwer, vielleicht war es auch stellenweise
- 33:34unerträglich mir zuzuhören, warum auch immer. Vielleicht war es auch eine Erleichterung oder es
- 33:42hat dir die Augen geöffnet. Wenn du selbst betroffen bist, du bist nicht alleine. Das
- 33:50möchte ich dir wirklich ans Herz legen. Wenn du jemanden kennst, der depressiv ist,
- 33:57Deine Geduld und dein Mitgefühl kann ein Rettungsring sein. Werf ihn zu, helf denjenigen.
- 34:08Und hiermit möchte ich mich bedanken, dass ihr zusammen die erste Folge von Leise Stille
- 34:18angehört habe und werde dieses Format umregelmäßig bringen. Ich weiß nicht, ob ich dazu die Zeit habe
- 34:32und die muss, aber es kommen ja auch noch andere Formate auf diesem Podcast. Also vielen Dank für
- 34:40eure Aufmerksamkeit und bis zum nächsten Mal. Euer Sascha. Tschüss.
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