Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 1. Theil - 19 - Vom Biss der Natter
Transcript
- 0:00Unterkapitel 19 vom Biss der Natter die Geschichte beginnt an
- 0:06einem heißen Tag. Zarathustra hat sich unter einen
- 0:10Feigenbaum gelegt, um sich auszuruhen, er schläft ein und
- 0:14legt dabei seine Arme schützend über sein Gesicht, während er
- 0:17schläft, kommt eine Natter, also eine Giftschlange, angekrochen,
- 0:21sie beißt ihn in den Hals, Zarathustra schreit vor Schmerz
- 0:25auf und wacht auf, er nimmt den Arm vom Gesicht und schaut die
- 0:28Schlange an. Die Schlange erkennt, wen sie da
- 0:31gebissen hat. Sie erkennt Zarathustra an
- 0:34seinen Augen, da bekommt sie Angst.
- 0:37Sie windet sich ungeschickt hin und her und will schnell
- 0:39fliehen, aber Zarathustra spricht freundlich zu ihr, er
- 0:43sagt, Geh noch nicht weg, du hast meinen Dank noch gar nicht
- 0:47angenommen. Zarathustra bedankt sich bei der
- 0:50Schlange, weil sie ihn rechtzeitig geweckt hat, er
- 0:53sagt, dass sein Weg noch lang ist und er nicht länger hätte
- 0:56schlafen dürfen. Die Schlange ist traurig und
- 0:59antwortet ihm. Dein Weg ist nur noch kurz, mein
- 1:03Gift ist tödlich, du wirst sterben.
- 1:06Zarathustra muss lächeln, er fragt die Schlange, hast du
- 1:10jemals gehört, dass ein Drache an dem Gift einer Schlange
- 1:13gestorben ist? Damit meint Zarathustra, dass er
- 1:17geistig so stark und mächtig ist wie ein Drache ein Drache ist
- 1:21ein riesiges Fabelwesen, das bisschen Gift einer kleinen
- 1:24Schlange kann einem solch großen Wesen nichts anhaben.
- 1:28Zarathustra sieht sich selbst als überlegen an die kleinen
- 1:31Angriffe des Lebens können ihn nicht zerstören.
- 1:34Dann sagt er der Schlange, sie soll ihr Gift wieder
- 1:37zurücknehmen, er sagt, du bist nicht reich genug, um es mir zu
- 1:41schenken, damit meint er, dass die Schlange, die hier für
- 1:45Bosheit und niedrige Instinkte steht, nichts Wertvolles zu
- 1:48geben hat. Wer reich an Geist und Seele
- 1:51ist, kann Dinge verschenken, aber die Schlange hat nur Gift,
- 1:56also Tod. Und Schaden.
- 1:58Das braucht Zarathustra nicht. Daraufhin kommt die Schlange
- 2:02zurück, sie legt sich um seinen Hals und leckt seine Wunde.
- 2:07Später erzählt Zarathustra dieses Erlebnis seinen Schülern,
- 2:10den Jüngern, die jünger fragen ihn, was ist die Moral, also die
- 2:15Lehre aus dieser Geschichte. Zarathustra antwortet Ihnen sehr
- 2:19ausführlich, er sagt zunächst, dass die sogenannten guten und
- 2:22gerechten ihn oft den Vernichter der Moral nennen.
- 2:26Das liegt daran, dass Zarathustra die alten Regeln von
- 2:29gut und böse in Frage stellt und neue Wege des Zusammenlebens
- 2:32sucht. Er sagt, dass seine Geschichte
- 2:34nach den alten Regeln unmoralisch sei, aber er erklärt
- 2:37ihnen nun seine eigene Sichtweise.
- 2:40Zarathustra gibt Ratschläge, wie man mit Feinden umgehen soll,
- 2:43wenn ihr einen Feind habt, sagt Zarathustra, dann sollt ihr
- 2:47Böses nicht mit Gutem vergelten, das ist anders, als es zum
- 2:51Beispiel im Christentum gelehrt wird.
- 2:54Dort heißt es oft, man soll auch seine Feinde lieben.
- 2:57Zarathustra sagt, wenn jemand dir etwas Böses tut und du tust
- 3:01ihm daraufhin etwas Gutes, dann beschämst du ihn, du lässt ihn
- 3:05schlecht dastehen, während du dich als der bessere Mensch
- 3:08zeigst. Das verletzt seinen Stolz,
- 3:11stattdessen sollt ihr beweisen, dass der Feind euch eigentlich
- 3:14etwas Gutes getan hat. Man soll die Tat so Umdeuten
- 3:18oder so reagieren, dass man zeigt, das hat mich nicht
- 3:22zerstört. Das hat mir sogar irgendwie
- 3:24geholfen. Zarathustra sagt weiter, Es ist
- 3:27besser, wütend zu werden als den anderen zu beschämen.
- 3:30Zorn ist ehrlicher und direkter als moralische Überlegenheit und
- 3:34wenn euch jemand verflucht, dann gefällt es Zarathustra nicht,
- 3:37wenn ihr diesen Menschen segnet. Das wäre hochmütig, es wäre so,
- 3:42als würdet ihr sagen, ich bin Heiliger als du.
- 3:46Zarathustra rät Flucht lieber ein kleines bisschen mit.
- 3:50Zeigt, dass ihr auch nur Menschen seid und auf der
- 3:53gleichen Ebene steht. Dann spricht er über
- 3:56Ungerechtigkeit. Er sagt, wenn euch ein großes
- 3:59Unrecht geschieht, dann tut schnell 5 kleine
- 4:02Ungerechtigkeiten dazu. Das klingt seltsam, hat aber
- 4:06einen bestimmten Grund. Zarathustra erklärt, Wer das
- 4:10Unrecht ganz allein trägt, ist grässlich anzusehen, wer nur das
- 4:14Opfer ist und alles still erträgt, wird innerlich davon
- 4:17aufgefressen, er wird verbittert, er sagt.
- 4:20Geteiltes Unrecht ist halbes Recht.
- 4:23Das bedeutet, wenn man ein bisschen zurückschlägt oder
- 4:26selbst kleine Fehler macht, dann ist die Last des Unrechts auf
- 4:29mehrere Schultern verteilt, man ist nicht mehr das reine Heilige
- 4:33Opfer, das auf den Täter herabsieht das macht das
- 4:36Zusammenleben menschlicher, aber Zarathustra schränkt das ein,
- 4:40das gilt nur für den, der stark genug ist, das Unrecht zu
- 4:43tragen, er spricht auch über Rache, eine kleine Rache ist
- 4:48menschlicher als gar keine Rache.
- 4:50Wenn man gar keine Rache übt, dann oft nur, weil man nicht die
- 4:53Macht oder Kraft dazu hat. Das führt zu verdrängtem Hass,
- 4:57auch über Bestrafung denkt er anders, er mag es nicht, wenn
- 5:01eine Strafe nur dazu da ist, jemanden leiden zu lassen.
- 5:05Eine Strafe sollte auch ein Recht und eine Ehre für den
- 5:07Täter sein. Der Täter sollte durch die
- 5:10Strafe die Möglichkeit haben, seine Tat wiedergutzumachen und
- 5:13seine Würde zu behalten, wenn die Strafe das nicht leistet,
- 5:17lehnt Zarathustra sie ab. Er kritisiert die kalte
- 5:20Gerechtigkeit. Er sagt, dass aus den Augen der
- 5:23Richter oft der Henker blickt. Das bedeutet, Sie wollen nicht
- 5:27verstehen oder heilen, sie wollen nur vernichten.
- 5:31Zarathustra sucht nach einer anderen Art von Gerechtigkeit,
- 5:34er fragt, Wo ist die Gerechtigkeit, die aus Liebe
- 5:38besteht und sehende Augen hat, er möchte eine Gerechtigkeit,
- 5:41die nicht stur nach Gesetzen urteilt, sondern den Menschen
- 5:44versteht. Er fordert seine Jünger auf,
- 5:47eine Liebe zu erfinden, die nicht nur die Strafe auf sich
- 5:50nimmt, sondern auch die Schuld. Das ist ein sehr hoher Anspruch,
- 5:55es bedeutet, aus Liebe zu jemandem so zu tun, als wäre man
- 5:59selbst mitverantwortlich, um dem anderen die Last zu nehmen.
- 6:03Zarathustra geht noch weiter, er möchte eine Gerechtigkeit, die
- 6:07jeden Freispricht, außer den Richter selbst.
- 6:10Das heißt, der Richter soll streng mit sich selbst sein,
- 6:13aber milde mit allen anderen. Dann wendet er sich wieder den
- 6:17sogenannten Guten zu. Er sagt, dass diejenigen, die
- 6:21unbedingt gerecht sein wollen, oft lügen, um freundlich zu
- 6:25wirken, sie tun so, als wären sie nett zu allen, aber in
- 6:28Wirklichkeit unterdrücken sie ihre wahren Gefühle.
- 6:32Zarathustra selbst will gar nicht auf diese Weise gerecht
- 6:34sein, er sagt, wie kann ich jedem das seine geben, das ist
- 6:40ein alter Spruch, der Gerechtigkeit jedem das seine.
- 6:44Zarathustra wandelt ihn ab. Ihm reicht es, wenn er jedem das
- 6:48gibt, was ihm Zarathustra gehört.
- 6:51Er teilt von seinem eigenen Reichtum an Gedanken und
- 6:53Weisheit, zum Schluss warnt er seine Jünger vor den
- 6:57Einsiedlern. Ein Einsiedler ist jemand, der
- 6:59wie Zarathustra lange Zeit allein lebt und viel nachdenkt,
- 7:04Zarathustra sagt, hütet euch davor, einem Einsiedler Unrecht
- 7:08zu tun, warum, weil ein Einsiedler wie ein tiefer
- 7:12Brunnen ist. Wenn man einen Stein
- 7:14hineinwirft, dauert es lange, bis er unten ankommt.
- 7:18Aber er kommt an. Ein Einsiedler vergisst nicht,
- 7:22er ist nicht oberflächlich und wie könnte ein Einsiedler
- 7:25vergelten, also zurückschlagen? Zarathustra, meint, ein
- 7:30Einsiedler, schlägt nicht einfach zurück wie ein normaler
- 7:32Mensch, seine Rache ist anders, er ist gefährlich, weil er
- 7:37tiefgründig ist. Deshalb sagt Zarathustra
- 7:41beleidigt niemals einen Einsiedler.
- 7:43Aber wenn ihr es doch tut, dann solltet ihr ihn lieber gleich
- 7:46ganz töten. Das ist eine sehr harte Aussage.
- 7:50Sie bedeutet, wenn man einen tiefgründigen Menschen verletzt,
- 7:54entsteht eine Feindschaft, die so tief und langwierig ist, dass
- 7:57sie das Leben vergiftet. Ein halber Angriff ist
- 8:00gefährlicher als ein ganzer Es ist eine Warnung davor, die
- 8:04Kraft und das Gedächtnis von Menschen zu unterschätzen, die
- 8:07Abseits der Gesellschaft leben und ihre eigenen Gesetze haben.