Latest / ntv Wirtschaft / Ein Jahr Tiktok-Shop: Der neue Einkaufsbummel findet auf dem Sofa statt
Transcript
- Produkte suchen war gestern. Heute findet der Algorithmus, was wir kaufen. Der TikTok-Shop wächst rasant und verändert gerade den Online-Handel. Gleichzeitig zeigt der Arbeitsmarkt, die wirtschaftliche Erholung in Deutschland kommt nur schleppend voran. Und dann ist da noch der Iran-Krieg. Der trifft die Industrie ins Mark und schürt neue Konjunktursorgen. Hallo und herzlich willkommen. In diesem Podcast verwandeln moderne KI-Systeme journalistische Inhalte, die auf unseren NTV-Plattformen publiziert wurden, in ein neues Hörformat. Text und meine Stimme wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt. Vor der Veröffentlichung werden alle Folgen nach strengen journalistischen Standards geprüft. Viel Spaß beim Zuhören. Wir müssen kurz über den TikTok-Shop sprechen. Die Idee ist einfach. Man sucht nicht, Produkte tauchen im Feed auf. Video, Klick und Kauf. Und das funktioniert. Über 15% der deutschen Online-Shopper haben dort im März bestellt. Vor 6 Monaten waren es noch etwa 10. Und viele kommen zurück, im Schnitt alle 8 Tage. Wer kauft? Nicht nur Jüngere. Auch die 40- bis 60-Jährigen sind stark dabei und geben am meisten aus. Im Sortiment führt Mode, dann kommen Elektronik und Haushalt. Beauty ist weiter dabei, aber nicht mehr allein. Die Zahlen sind deutlich. Die Umsätze der Händler haben sich in sechs Monaten fast verdoppelt. Aber es gibt Fragen. Die EU prüft das Modell. Es geht um Suchtmechaniken, Jugendschutz und Transparenz. Und genau hier merkt man, da verschiebt sich gerade etwas im Online-Handel. Darüber hat Verena Fels mit Caroline Juncker de Neu gesprochen. Sie ist Handelsexpertin bei der Digitalberatung eTribes. Lassen Sie uns erst mal Bilanz ziehen. Wie gut funktioniert die Verschmelzung von Unterhaltung und Handel im TikTok-Shop? Ist das eine Erfolgsgeschichte? Tatsächlich, wenn man sich jetzt die aktuellen Zahlen anschaut, spricht das für mich absolut dafür, dass es eine extreme Erfolgsgeschichte ist. Innerhalb von zwölf Monaten hat sich TikTok-Shop ja eigentlich in die Liga der Top 15 deutschen Online-Shops, hochentwickelt. Und das hat in der Geschwindigkeit noch keine Plattform geschafft. Wie hat sich denn durch das TikTok-Modell der Online-Handel insgesamt verändert? Ja, tatsächlich erfüllt TikTok-Shop ein Element, was wir so im deutschen E-Commerce bislang nicht konnten und auch als Nutzerinnen und Nutzer nicht hatten. Nämlich das Element des Entdeckens, des Setzen von Kaufimpulsen. E-Commerce hat in der Vergangenheit so funktioniert, dass Käuferinnen und Käufer einen konkreten Bedarf haben, diesen in die Plattform eingeben, Produkte vergleichen und den Kaufabschluss tätigen, inspiriert werden, unterhalten werden und dadurch Kaufimpulse überhaupt zu bekommen. Das gab es so nicht und das ist auch aus meiner Sicht ein wesentlicher Treiber des Erfolgs von TikTok-Shop. Welche Auswirkungen hat all das auch auf den stationären Handel und was prognostizieren Sie für die Zukunft? Wird es immer schwieriger für den Einzelhandel in unseren Innenstädten eben durch solche Modelle? Das ist eine spannende Frage, weil ich tatsächlich das Kaufen auf TikTok-Shop noch am ehesten einem Bummel im analogen stationären Einzelhandel gleichsetzen würde. Man geht los, ohne dass man vielleicht einen konkreten Bedarf hat und stößt auf Angebote, die einen interessieren und ich komme damit zum Kauf. Trotz alledem ist aber natürlich der stationäre Einzelhandel kein Wachstumsmarkt mehr. Und das Wachstum wird hauptsächlich den Online-Kanälen zugeführt, wenngleich natürlich auch in Deutschland mit niedrigen Wachstumsraten. Und natürlich wird auch ein neuer Kanal wie TikTok Shop nicht dazu führen, dass der stationäre Handel wieder in einen Wachstumsmodus kommt. Im Beitrag ist es schon angeklungen. Durch Shopping-Funktionen auf Social-Media-Plattformen steigen aber auch die Risiken. Auch wenn Sie sagen, das gleicht vielleicht einem Erlebnis-Einkauf in der Innenstadt. Aber die Risiken steigen mit Blick auf mögliche Suchtmechanismen. Welche Gefahren sehen Sie denn hier in dem Bereich? Ja, zum einen steigen natürlich die Gefahren von Suchtrisiken. Das betrifft vor allen Dingen die jüngeren Zielgruppen. Die würde ich jetzt sozusagen aus dem kommerziellen Bereich erstmal ausklammern. Ich sehe aber darüber hinaus noch das Risiko der steigenden Nutzung von KI. Die Plattformen wie TikTok Shop sind nicht dafür bekannt, dass sie besonders echte oder wahre Inhalte fokussieren, sondern dass sie sich im Wesentlichen auf Unterhaltung fokussieren. Und es werden natürlich auch Inhalte verstärkt, die auf eine Art und Weise extrem sind. Und die müssen nicht immer unbedingt wahr sein. Und da brauchen wir natürlich auch auf Konsumentenseite Aufklärung. Wie kann ich mich davor schützen, gegebenenfalls von künstlichen Inhalten oder künstlich erzeugten Inhalten zu schützen? Soweit die Handelsexpertin Carolin Juncker-De Neu. TikTok-Shop ist nach ihrer Meinung vielleicht das neue Bummeln in der Einkaufsstraße. Eben nur auf dem heimischen Sofa. Während sich der Handel also neu erfindet und neue Wachstumsfelder entstehen, zeigt der Arbeitsmarkt ein Bild, das keine richtige Freude macht. Der deutsche Arbeitsmarkt kommt nur schwer in Schwung. Eigentlich wäre jetzt die Zeit der Frühjahrsbelebung. Also die Phase, in der die Arbeitslosigkeit spürbar zurückgeht. Doch genau das bleibt in diesem Jahr weitgehend aus. Die Zahl der Arbeitslosen ist zwar im März um 49.000 gesunken, aber eben nur leicht. Sie bleibt mit 3,02 Millionen, aber oberhalb der 3-Millionen-Marke, teilte die Bundesagentur für Arbeit mit. Die wirtschaftliche Dynamik fehlt. Viele Unternehmen halten sich zurück. Neueinstellungen? Eher vorsichtig. Investitionen oft aufgeschoben. Der Arbeitsmarkt reagiert damit ziemlich direkt auf die schwache Konjunktur. Industrie und Bau kämpfen weiterhin mit hohen Kosten, unsicherer Nachfrage und geopolitischen Risiken. Wie geht's weiter auf dem Arbeitsmarkt? Nancy Lanzendörfer im Gespräch mit dem Chefvolkswirt der Bank Sarrazin, Carsten Junius. Ist das jetzt so eine Art Frühjahrsbelebung, kann man das sagen? Ja, absolut. Jedes Jahr im Frühjahr, wenn das Wetter besser wird, dann belebt sich der Arbeitsmarkt. Dann ist auf dem Bau wieder mehr Aktivität zu beobachten. Das heißt, wir haben ein ganz normales saisonales Muster und das zeigt sich jetzt in Niederringen ab. Vielleicht können wir das auch mal im Vergleich setzen. Also wie hat sich die Arbeitslosenquote in der Vergangenheit entwickelt? Also sehen wir jetzt gute, bessere Zahlen oder wie kann man das im Vergleich vielleicht sehen? Also insgesamt haben wir jetzt mit einer Arbeitslosenquote von 6,4 Prozent ein relativ niedriges Niveau erreicht. Das haben wir schon seit einigen Quartalen. Und im langfristigen Vergleich ist das tatsächlich eine gute Botschaft. Denn wir hatten ja lange Massenarbeitslosigkeit in Deutschland mit Arbeitslosenquoten um die 10 Prozent. Ganz schwierige Situation. Und davon sind wir weit entfernt. Denn inzwischen sind wir in einer Phase seit einigen Jahren fast, wo wir eher mit Arbeitskräfteknappheit zu kämpfen haben. Das heißt, die Probleme haben sich etwas verschoben. Stichwort Probleme. Wo sehen Sie den größten und vielleicht auch noch zum Thema Iran? Wir haben nämlich heute vom IFO-Institut gehört, dass 9 von 10 Industrieunternehmen in Deutschland sagen, der Iran-Krieg beeinträchtigt ihr Geschäft. Was bedeutet das wiederum dann für den deutschen Arbeitsmarkt? Ja, fangen wir damit an. Es ist vollkommen klar, je länger dieser Iran-Krieg geht, desto mehr Unsicherheit belastet die Wirtschaft. Und desto höher werden auch die Ölpreise bleiben mit einer ganz klaren Auswirkung. Für die privaten Verbraucher wird alles teurer, sie werden ihre Nachfrage reduzieren. Und für die Unternehmen ist auch klar, dass Produzieren teurer wird. Das heißt, das sind eher aus zyklischer Sicht Belastungsfaktoren, die in den nächsten Monaten den Arbeitsmarkt betreffen werden. Wo ich mittelfristig die größten Probleme sehe beim deutschen Arbeitsmarkt, ist, dass er so inflexibel ist, dass er, glaube ich, nicht gut für diesen Strukturwandel vorbereitet ist, den wir aufgrund der künstlichen Intelligenz haben. Das heißt, wenn wir höhere Einkommen erwirtschaften wollten, dann brauchen wir mehr Produktivitätswachstum. Um mehr Produktivitätswachstum zu bekommen, brauchen wir mehr Flexibilität hin zu den neuen Jobs, die produktiver sind. Das heißt, was denken Sie, wie geht es jetzt auf dem deutschen Arbeitsmarkt weiter? Nun, zunächst mal lassen Sie uns diese Frühjahrserholung auch im April noch etwas genießen. Ich denke, da wird sie noch anhalten. Ansonsten sind die Sommermonate wahrscheinlich nicht mit großen Arbeitskräfteaufbau verbunden, sondern eher mit Belastungsfaktoren in der kurzen Frist. Die Frühjahrsprognose der Wirtschaftsforschungsinstitute morgen wird wohl keine positiven Botschaften bringen. Der Konflikt rund um den Iran entwickelt sich zunehmend zu einem echten Risiko für die deutsche Wirtschaft. Der Grund? Steigende Energiepreise, unterbrochene Lieferketten und eine wachsende Unsicherheit in den Märkten. Besonders betroffen ist die Industrie. Laut Umfragen des IFO-Instituts sehen sich rund 90 Prozent der Unternehmen direkt oder indirekt von den Folgen des Konflikts getroffen. Das ist enorm. Bisher waren die Experten für 2026 noch ganz optimistisch. Doch das scheint inzwischen kalter Kaffee zu sein. Denn nach Insider-Informationen wollen die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Prognose halbieren. Morgen steht die Gemeinschaftsdiagnose der Institute an und offenbar gibt es keine positiven Signale. Im Herbst hatten die Experten für 2026 noch 1,3 Prozent erwartet. Nun sind es nur noch 0,6 Prozent. Die Frühjahrsprognose dient der Bundesregierung als Basis für ihre neuen Projektionen, die wiederum die Grundlage für die Steuerschätzung bilden. Erstellt wird sie vom Essener RWI, vom IFO-Institut in München, vom IFW in Kiel, vom IWH in Halle und vom Berliner DIW. Das war unser Blick auf die aktuellen Nachrichten aus der Wirtschaft für den Moment. Wir hören und lesen uns wieder. bei NTV. In der App, im TV oder hier im Podcast.