Latest / Gin And Talk / Doc Caro über die Pandemie und den täglichen Ausnahmezustand
Transcript
- 0:00Speaker 0: Ich kann auch verstehen, dass vor allem Pflegekräfte gesagt haben, naja also vom Applaus und von Schokolade können wir uns nichts kaufen.
- 0:07Speaker 0: Und nicht im Sinne von jetzt rein monetär gesehen sondern tatsächlich das ändert nichts an der Gesamtsituation es verbessert nicht das System.
- 0:15Speaker 0: Wir müssen eben aufhören diese Intensivstationen als ja sagen wir mal Endziel bei der Pandemiebekämpfung zu sehen Im Sinne von naja wir haben noch ein paar Intensifbetten oder wir haben eben keine mehr Und deswegen sitzen wir die Inzidenz auf Hundert und Sechzig hoch oder runter, weil wir haben ja noch ein paar Intensivbetten frei.
- 0:33Speaker 0: Nee darum geht es nicht!
- 0:35Speaker 0: Weil alle Patienten, die mit Covid infiziert auf einer Intensifstation liegen und Verhandlungen brauchen, die blockieren ja – und ich meine jetzt nicht blockieren, weil sie ist ihnen nicht zusteht das Bett sondern weil sie ohne Pandemie da gar nicht regen – einen Bett was jemand der nicht mit Covid-infiziert ist sehr dringend braucht.
- 0:53Speaker 1: Herzlich willkommen Mein Name ist Daniel Vög und bevor wir gleich rüber an den coronabedingt virtuellen Badresen gehen, möchte ich kurz unseren heutigen Gast vorstellen.
- 1:03Speaker 1: Dr.
- 1:04Speaker 1: Karola Holzner besser bekannt als Dr.
- 1:06Speaker 1: Caro ist Fachärztin für Anästhesie-, Intensivmedizin- und Notfallmedizin.
- 1:12Speaker 1: Dabei hat sie insbesondere die Akutmedizin schon immer sehr interessiert.
- 1:16Speaker 1: Schon vor dem Ausbruch der Pandemie hat sie damit begonnen auf Facebook, Instagram und YouTube medizinische Themen einfach verständlich zu erklären.
- 1:24Speaker 1: Weit über hunderttausend Follower schauen inzwischen ihre Videos und bekommen damit Einblicke an den medizinischen Alltag.
- 1:31Speaker 1: Ich freue mich auf ein Gespräch über die Pandemie, die Lage in den Krankenhäusern.
- 1:56Speaker 1: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge Gin & Talk.
- 2:01Speaker 1: Mach es dir gemütlich,
- 2:03Speaker 0: lehne dich zurück und tauche
- 2:05Speaker 1: ein in die verrucht düstere Atmosphäre unserer Studiobahn!
- 2:18Speaker 1: Liebe Caro ich freue mich sehr dass du dir heute die Zeit nimmst in diesen wahrscheinlich für dich wahnsinnig stressigen Zeiten.
- 2:25Speaker 1: wie geht's dir denn überhaupt momentan?
- 2:27Speaker 0: Ja, erst mal vielen Dank für die Einladung und mein Tag hat ja bekanntermaßen zwanzig Stunden.
- 2:32Speaker 0: Von da schaff ich auch Blocker noch im Podcast.
- 2:34Speaker 0: Nee mir geht's gut.
- 2:35Speaker 0: soweit also klar.
- 2:36Speaker 0: Ich glaube wir sind alle ein bisschen genervt von der Situation aber so geht es mir gut.
- 2:39Speaker 0: Ich bin ein positiver Mensch.
- 2:41Speaker 1: wie gehst du?
- 2:42Speaker 1: Also vielleicht damit wer damit wer alle die eher allein sind das ein bisschen verstehen.
- 2:47Speaker 1: dein Job war ja auch vor Corona schon durchaus stressig und sicherlich auch belastend.
- 2:53Speaker 1: Aber durch diese Pandemie Wie viel ist da on top gekommen?
- 2:59Speaker 1: Also was belastet dich und Top tatsächlich durch diese Situationen, in der wir da gerade alle leben müssen.
- 3:06Speaker 0: Ja es ist tatsächlich vorher genau oder auch schon stressig gewesen.
- 3:10Speaker 0: das ist richtig weil ich glaube das kann auch jeder nachvollziehen wenn er zum Rettungsdienst unterwegs ist oder in der Notaufnahme da ist immer Action in irgendeiner Form.
- 3:18Speaker 0: von da an bin ich, ich sag's mal sowieso Scherz auf Kummer gewohnt.
- 3:21Speaker 0: das ist aber ein positiver Kummer.
- 3:22Speaker 0: Ich habe natürlich mit den Job ausgesucht und den werde ich auch immer wieder nehmen.
- 3:27Speaker 0: Natürlich hat sich jetzt durch die Pandemie insofern etwas verändert, dass wir natürlich ganz andere Arbeitsbedingungen haben.
- 3:34Speaker 0: Also wir sind natürlich vorher schon mit Mundschutz und Handschuhen mal rumgelaufen oder so.
- 3:37Speaker 0: aber das man jetzt permanent aussieht als wollte man irgendwie auf dem Mars landen also mit Face Shield und taucherbrille und ja FFP Maske durchgehend mindestens ne?
- 3:49Speaker 0: Und Kittel die sind auch enorm warme Das ist im Winter nicht ganz so schlimm Im Sommer trotz Klimalage manchmal sehr anstrengend.
- 3:56Speaker 0: Und auch diese ganze Hygienemaßnahmen, das alleine ist schon körperlich echten Herausforderungen.
- 4:01Speaker 0: Das hätte ich nicht gedacht.
- 4:03Speaker 0: Vor allem wenn man das durchgehend an hat.
- 4:05Speaker 0: und dazu kommt natürlich noch die medizinischen Herausforderung vor denen wir stehen.
- 4:09Speaker 1: Jetzt kennen dich ja ganz viele vor allem als Doc Caro weil du schon vor Corona muss man ja dazusagen.
- 4:16Speaker 1: Schon vor Corona damit angefangen hast auf deinen Social Media Kanälen Medizinthemen auch verständlicher zu machen, den Leuten einfach zu gewisse Dinge zu erklären.
- 4:29Speaker 1: Was ist überhaupt ein Herzinfarkt?
- 4:31Speaker 1: Was passiert da eigentlich?
- 4:32Speaker 1: und natürlich durch Corona kamen ganz viele Themen dazu die die Leute interessieren.
- 4:38Speaker 1: was war denn der ausschlaggebende Punkt dass du damals gesagt hast Du möchtest das machen und du möchtes dich diesen Themen auch quasi öffentlich widmen unter Aufklärung betreiben?
- 4:49Speaker 0: Ich habe immer schon gemerkt, dass ich offensichtlich eine ganz gute Gabe habe auch Patienten zu erklären was sie eigentlich für ein Problem haben.
- 4:55Speaker 0: Also zumindest kam es relativ selten danach vor das ich wenn ich in Raum verlassen hab dann nach die Schwester gefragt wurde Was hat Frau Doktor denn gesagt?
- 5:02Speaker 0: Sondern ich bin ja ein Freund der klaren offenen Worte und habe mir immer angewöhnt auf Augenhöhe mit den Patienten zu sprechen.
- 5:07Speaker 0: Und die meisten verstehen nun mal keinen Arztleteil weil sie nicht Medizin studiert haben.
- 5:11Speaker 0: Das müssen sich viele meiner Kollegen abgewöhnen dann in Hyroglyph mit den Leuten zu sprechen.
- 5:16Speaker 0: Und daher kam so ein bisschen die Idee, weil wir eine Spiegel-TV-Reportage gedreht hatten damals in der Notaufnahme ich ganz viele E-Mails bekommen habe, die gesagt haben Mensch irgendwie sind so cool und sie erklären das so den Menschen und dem Patienten.
- 5:29Speaker 0: wollen Sie das nicht mal ein bisschen breiter machen?
- 5:32Speaker 0: Dann hab' ich auch noch das eigentliche ganz gute Idee dieses Internet.
- 5:34Speaker 0: Das ist ja irgendwie doch ganz interessant!
- 5:36Speaker 0: Ich hatte bis dato nur einen Facebook-Privatprofil.
- 5:41Speaker 0: Machst du mal irgendwie, nenn's dich mal Dockaro weil ich nun mal Karo heiße und viele Ärzte heißen im Internet irgendwas mit Dock.
- 5:46Speaker 0: Und das war jetzt also auch nicht von langehand geplant, sondern ich hab mir einfach angemeldet und habe mir Instagram-Kanal gemacht.
- 5:50Speaker 0: Ich wusste gar nicht wie das funktioniert, ich wusste gleich wie man die Story macht.
- 5:53Speaker 0: Also ich hatte überhaupt keine Ahnung von gar nichts und habe irgendwie angefangen, total schlechter Qualität Handyvideos zu posten.
- 5:59Speaker 0: Und relativ schnell, obwohl das Ganze total unprofessionell war, sondern einfach nur mit Liebe gemacht und Enthusiasmus hat es offensichtlich durchgezündet... ...und dann kam natürlich so eine Vorlage wie Felix Peter Notfallsanitäter und da hab ich dann ein bisschen gesungen.
- 6:15Speaker 0: und frupsig rupst ist man bekannter als man irgendwie am Anfang erwartet hat.
- 6:18Speaker 1: Inzwischen hast du ja eine wahnsinnige Reichweite mit deinen ganzen Videos, die du machst.
- 6:25Speaker 1: Welche Themen sind dir denn da momentan besonders wichtiger?
- 6:28Speaker 1: Wie wählst du aus was du machen möchtest?
- 6:31Speaker 1: Sind das vor allem wirklich Fragen, die auf dich zugetragen werden von den Zuschauern deiner Community?
- 6:37Speaker 1: oder hast du so ne Art Themenplan wo du sagst die Sachen möchtes du gerne mal machen?
- 6:43Speaker 0: Ja, auch wenn vielen mir das nicht glauben.
- 6:44Speaker 0: also ich mache alles maximal intuitiv und ungeplant.
- 6:48Speaker 0: Also das einzige was ich natürlich planen muss ist wenn ich irgendwie ein paar Videos für YouTube drehe dann brauche ich natürlich hier einen Kameramann und dann kommt der und dann sagt er na was hast du denn heute ausgedacht?
- 6:57Speaker 0: Sollte ich auch.
- 6:57Speaker 0: heute reden wir mal über Asma und COPD.
- 7:00Speaker 0: Das heißt also, ich plane das nicht.
- 7:02Speaker 0: Das kommt intuitiv und ich versuche mich da wirklich dann auch wenn ich dann irgendwie sehe es kommen ganz viele Fragen zu einem gewissen Thema darauf Dann zu fokussieren und das so beantworten muss ein bisschen unterscheiden.
- 7:12Speaker 0: weil auf YouTube mache Ich ja eher so medizin videos wo ich zu allgemein medizinischen Themen Aufkläre dass ist oft auch sagen wir mal notaufnahmen oder rettungsdienst getriggert Weil ich vielleicht irgendwie einen gewissen fall in der notaufnahme Oder im rettungstins gerade hatte.
- 7:25Speaker 0: Ja und auf facebook da blogge ich er tatsächlich eher Inhaltsmäßig zu aktuellen Themen, die mich jetzt gerade beschäftigen.
- 7:35Speaker 0: Und das sind dann mehr halt Texte, die geschrieben sind.
- 7:38Speaker 0: Das ist immer so mein Blog auf Facebook und Instagram.
- 7:41Speaker 0: Und YouTube ist ja mehr der Medizin-Videoinhalt.
- 7:45Speaker 0: Und es macht mir Riesen Spaß!
- 7:47Speaker 0: Ich habe auch gemerkt, dass offensichtlich dein Interesse besteht an Medizin.
- 7:51Speaker 0: Es ist meine Aufgabe als Ärztin, den Leuten so da zu bieten, dass sie's verstehen können.
- 7:58Speaker 1: Facebook ist ja auch ein gutes Stichwort.
- 8:00Speaker 1: Du hast vor ein paar Wochen dort diesen Post abgesetzt, in dem du beschrieben hast warum du quasi mütend bist und dieses Wort ist ja inzwischen wirklich zu einem Kultwort geworden das durch alle möglichen Medien gegeistert ist.
- 8:15Speaker 1: Seitdem hat sich nicht wahnsinnig viel verändert.
- 8:17Speaker 1: die Zahlen gehen weiter nach oben Die politischen Diskussionen sind weiter da wir Hangen uns von einer Maßnahme zur nächsten und es geht immer vor und zurück.
- 8:29Speaker 1: Ist das nicht für dich auch wahnsinnig zermürbend?
- 8:32Speaker 0: Ja, das ist ja genau der Grund gewesen warum ich überhaupt diese Post abgesetzt habe.
- 8:36Speaker 0: Das Ganze war vor dem sogenannten... Oster-Lockdown light, ich weiß nicht wie man es nennen soll.
- 8:43Speaker 0: Also wo die Politik ja noch diskutiert hat was man jetzt wie macht und die Querdenker auf den Straßen demonstriert haben in Kassel und Ich weiß nicht was alles da muss ich ganz ehrlich zu sagen das war der Grund warum ich gesagt habe Es kann doch jetzt nicht wahr sein.
- 8:57Speaker 0: wir halten uns hier seit über einem Jahr also zumindest ein Großteil der Menschen an die Maßnahmen ist passiert nichts weil immer wieder gelockert wird, man das Gefühl hat dass die politik so ein bisschen wie ein fehlendein im winde vielleicht auch nach wer da grundstrebt und So kann man keine pandemie bekämpfen.
- 9:16Speaker 0: Und dann kam halt so diese mischung aus.
- 9:18Speaker 0: ich bin stinke sauer Das war diese wütend nummer und dann eben müde weil er einfach nicht mehr kann.
- 9:24Speaker 0: und dann fragte mich mein sohn bei so einem Sonntagsfrühstück.
- 9:28Speaker 0: dann morgens mama ist eigentlich corona vorbei.
- 9:31Speaker 0: Und diese Frage hat mich dann so auf die zwölf getroffen, dass ich dann spontan das Wort was ich irgendwo mal gelesen hatte.
- 9:39Speaker 0: Ich weiß es gar nicht ist irgendwie mehr oder weniger untergegangen inhaltlich aber dann mit Leben gefüllt habe den Post abgesetzt habe und da nicht gedacht hab das der glaube ich mittlerweile sechs Millionen Menschen erreicht hat.
- 9:49Speaker 0: auf Facebook alleine scheint also nervgetroffen zu haben.
- 9:53Speaker 1: Ja, definitiv.
- 9:55Speaker 1: Ich glaube man merkt ja auch an der aktuellen Diskussion rund um die Bundesnotbremse kommt sie wie kommt sie?
- 10:03Speaker 1: kommt sie ab zwanzig Uhr ab Mitternacht darf ich noch joggen gehen.
- 10:08Speaker 1: wir verlieren uns da gerade in so vielen Detail Themen die wahnsinnig emotional diskutiert werden was sicherlich auch daran liegt dass jetzt seit einem Jahr über einem Jahr in dieser Situation leben.
- 10:20Speaker 1: Aber wenn du dir die Situation aus deinem Arbeitsalltag anschaust, dann... Also ein Kollege von dir aus einer großen Klinik hat vor ein paar Tagen gesagt es ist eigentlich schon fünf nach zwölf.
- 10:37Speaker 1: Wie kannst du denn oder wie würdest du diese Situation momentan quasi deiner professionellen Sicht beschreiben, wie ernst ist die Lage denn gerade und warum tun wir uns so schwer das zu verstehen?
- 10:48Speaker 0: Ja da habe ich ja auch schon wieder irgendwie zu gepostet im Sinne von es geht hier grad nicht um die K-Frage sondern um die P-Frage nämlich wie krieg' ich die Pandemie im Griff.
- 10:56Speaker 0: Und das ist nämlich genau der Grund gewesen das zu tun weil ich auch wieder gesehen habe dass ja die Zahlen in den Kliniken steigen dass wir nicht mehr auf dem Status quo sind wie vor einem Jahr, wo wir die Betten aufgerüstet haben.
- 11:10Speaker 0: Wir haben eine massive Abwanderung der Pflege.
- 11:12Speaker 0: Es gibt viele Kollegen auch im ärztlichen Bereich, die Burnout-Haben, die sich krank melden und die Intensivstationen laufen immer weiter voll.
- 11:19Speaker 0: Und ich weiß nicht ob man nicht versteht das die Zahlen, die jetzt aktuell zum Beispiel heute gemeldet sind eigentlich nachhängen Und die Krankenhauseinweisung und die Zahlen in Krankenhäusern immer so zwei bis vier Wochen später ansteigen.
- 11:33Speaker 0: Wir sind ja schon die ganze Zeit dabei, dass die Intensivstationen voll laufen.
- 11:37Speaker 0: Was ich nicht verstehen kann ist das sowohl Virologen als auch Epidemiologen-Wissenschaftler an sich immer schon genau diese Zahlen vorausgesagt haben oder auch gesagt haben was passiert?
- 11:49Speaker 0: Wir stehen dann immer mit großen Augen schauen uns das an.
- 11:52Speaker 0: Ich denke mir dann naja gut also ich sehe das jetzt hier in der Klinik live Und ich verstehe nicht, wie man sehen dann Aug ist.
- 11:59Speaker 0: Obwohl man eigentlich wissen müsste was kommt weil es sehr gut prognostiziert worden ist Dann einfach nichts unternimmt und Ich weiß nicht, ob es dahingehend erstmal enden muss.
- 12:11Speaker 0: Dass irgendwie alle Pfleger und Ärzte krank werden und im Burnout landen und irgendwie sowieso wie viel zu wenig Krankenhausbetten.
- 12:17Speaker 0: Und ich meine jetzt nicht nur die Intensivbetten sondern generell Krankenhaus Betten.
- 12:20Speaker 0: haben der Rettungsdienst sich mal mehr weiß welche Krankenhäuser anfahren kann um Patienten abzugeben weil alle Krankenhäusern abgemeldet sind.
- 12:27Speaker 0: das ist ja ein Zustand den wollte ich eigentlich nicht haben.
- 12:32Speaker 1: Du sprichst gerade auch die psychische Gesundheit von dir und deinen Kollegen an in dieser konstanten Stresssituation.
- 12:40Speaker 1: Wie geht man denn damit um?
- 12:42Speaker 1: Also gibt es da irgendwas, was dir hilft oder was auch dein Kollegen hilft?
- 12:47Speaker 1: oder ist das einfach wirklich dieses konstante Adrenalin-Level diese konstante Anstrengung die einen irgendwie über diese Zeit trägt?
- 12:56Speaker 1: aber irgendwann kommt halt dann der Punkt wo man irgendwie egal ob psychisch oder physisch ein Stück weit zusammen bricht.
- 13:05Speaker 0: Also ich kann ja nur sagen, was ich in meinem direkten Umfeld erlebe und ich weiß dass ganz viele Kollegen vor allem aus der Pflege eingesprungen sind.
- 13:13Speaker 0: Schichten übernommen haben durchgezogen haben auch immer mit dem Hintergedanken wenn ich krank werde oder wenn ich nicht da bin müssen andere meine Arbeit machen.
- 13:21Speaker 0: und so funktioniert nun mal unser Gesundheitssystem.
- 13:23Speaker 0: wir sind alle oder wir haben uns dafür entschieden weil wir sehr sozial eingestellt sind und man kann diesen Job nicht machen wenn man damit nicht hundertprozentig hinter steht.
- 13:30Speaker 0: Aber so langsam merkt man eben auch, dass das wegbricht und die Leute eben sagen nein ich fühle mich nicht gut.
- 13:35Speaker 0: Ich bin krank.
- 13:36Speaker 0: Ich kann nicht mehr.
- 13:36Speaker 0: Ich habe zwölf Schichten am Stück durchgearbeitet.
- 13:38Speaker 0: Ich brauche jetzt mal einen Tag Pause.
- 13:40Speaker 0: Ich Bin dann doch krank sich natürlich ungeachtet der Tatsache rein statistisch mit Corona infizieren Denn Corona macht ja nicht halt vor Intensivpflegern oder generell Pflegekräften Ärzten und sonst wem.
- 13:51Speaker 0: Die sind ja genauso infiziert wie manch anderer auch.
- 13:56Speaker 0: Ich sehe jetzt, dass diese Motivationen, die wir ganz lange aufrechterhalten konnten länger als ich eigentlich dachte.
- 14:04Speaker 0: Nämlich über einem Jahr jetzt.
- 14:05Speaker 0: Dass sie jetzt wirklich beginnt abzuäppen das viele hingeschmissen haben, hinschmeißen oder viele, die vielleicht auch in der ersten oder zweiten Welle gesagt haben na gut, ich komme zurück!
- 14:15Speaker 0: Ich bin vielleicht irgendwie aus der Pflege raus und mache etwas anderes.
- 14:17Speaker 0: aber ich möchte meine Kollegen unterstützen.
- 14:19Speaker 0: Jetzt ganz klar sagen Das tue ich mir nicht mehr an Und ich muss ganz ehrlich sagen, ich kann es verstehen.
- 14:25Speaker 1: Ja, das Thema Nachwuchs ist ja ohnehin so ein großer Punkt der ja schon vor Corona auch sehr schwierig war.
- 14:34Speaker 1: Natürlich hat diese ganze Pandemie und diese ganze Krise auch noch mal gezeigt wie groß die Probleme da sind und wie schwerwiegend auch gewisse Versäumnisse der letzten Jahre gerade rund um Pflegeberufe zum Beispiel waren.
- 14:51Speaker 1: Warum ist es eigentlich Ja, so untergegangen die letzten Jahre.
- 14:57Speaker 1: Da gab es ja eigentlich nur sehr selten einen echten Aufschrei.
- 15:01Speaker 1: also es gab immer mal wieder.
- 15:03Speaker 1: dieses Thema ist natürlich immer wieder mal hoch gekocht aber so richtig ernst genommen hat das zumindest auch politisch gefühlt irgendwie gar keiner
- 15:11Speaker 0: Ja, und das ist extrem schade.
- 15:13Speaker 0: Und es äußert sich dann eben in so Situationen wie jetzt.
- 15:17Speaker 0: Ich weiß auch nicht wo der Moment gewesen ist, wo man irgendwie gesagt hat naja wir müssen jetzt andere Prioritäten setzen.
- 15:23Speaker 0: ich glaube dass tatsächlich die Politik oft situativ handelt.
- 15:29Speaker 0: Prioritäten in dem moment darlegt wo gerade na ja die meisten...ich will noch nicht mal sagen Wähler stimmen warten aber vielleicht die meisten Leute sich grad drüber aufregen und die Themen die am präsentesten sind Und das Gesundheitssystem ist halt etwas, ja so ein bisschen das gefühlte Sorgenkind.
- 15:45Speaker 0: Also der Dauer-Nörgler zumindest von den Leuten aus dem Gesundheitssystem selber.
- 15:50Speaker 0: Wir haben immer wieder gesagt es funktioniert das nicht, es funktioniert so nicht und ich weiß nicht... Ich glaube das ist wenn so ein bißchen so wie wenn ich meinen Kindern in twenty fünf mal sage räumen das Zimmer auf!
- 16:00Speaker 0: Ich glaube ab dem dreizehnten Mal hören die nicht mehr zu.
- 16:03Speaker 0: Da muss erst was passieren damit man wach wird und denkt achso da war doch noch was Ja und dann kam Corona Und dann war auf einmal klar, so dieses Dauernörgeln was wir ja irgendwie im Hinterkopf haben das hat doch einen Grund.
- 16:16Speaker 0: Da müssen wir jetzt mal etwas machen.
- 16:17Speaker 0: Was haben wir eigentlich die letzten Jahre verschlafen?
- 16:20Speaker 0: und genauso gewinnt man ja keinen Nachwuchs.
- 16:22Speaker 0: also ich meine man kann ja jetzt in so einer Situation wie kein nachwuchs gewinnen wenn schon die alten Hasen hinschmeißen und sagen dass ist nichts mehr das ist mir viel zu anstrengend das motiviert nicht gerade junge Leute.
- 16:34Speaker 0: Und es gab ja einen Vorstoß auch von unserem Gesundheitsminister, das ganze war ja vor der Pandemie.
- 16:40Speaker 0: Wo man gesagt hat naja wir müssen Pflegeuntergrenzen setzen, wir müssen eine bessere Patientenversorgung gewährleisten Auch im Hinblick auf was da droht und das wurde ja in Sinne von von Pandemiebekämpfungen dann wieder außer Kraft gesetzt Was natürlich so ein bisschen ein Teufelskreis ist, dass man zum einen sagt die eigentlich besseren Arbeitsbedingungen setzen wir jetzt zu Lasten der Pandemie oder zu Lastend der Menschen, die in der Pandemie arbeiten aus.
- 17:07Speaker 0: Und das wird auf deren Rücken ausgetragen und dass das dann nicht nachhaltig ist, ist ja auch klar.
- 17:13Speaker 0: aber dass man mit zu wenig Personal eine Pandemie nicht gestemmt bekommt ohne dass man da ein paar Kompromisse macht wie z.B.
- 17:22Speaker 0: Pflegeuntergrenze aussetzen – ist ein Problem!
- 17:25Speaker 0: Und wir müssen von Grund auf dieses System, glaube ich, reformieren.
- 17:30Speaker 0: Das heißt die Leute müssen besser bezahlt werden sie müssen entlastet werden von Dokumentationen Sie müssen wieder Zeit haben für ihre Patienten Sie müssen Zeit haben Für ihren eigentlichen Job und Ich glaube Wir werden alle mal krank und vor allen Dingen werden wir auch alle alt und ich weiß nicht wie das gehen soll wenn keiner mehr da ist er sich dann um uns kümmert.
- 17:50Speaker 0: das finde ich ein bisschen kurzfristig gedacht.
- 17:51Speaker 0: Da müssten wir doch längerfristig dran.
- 17:54Speaker 1: Zu Beginn der Pandemie, so ungefähr genau vor einem Jahr wo wir dann alle irgendwie gemerkt haben das Thema ist ernst war die Solidarität in der Gesellschaft gerade mit den also alle Berufe die irgendwie mit Medizin zu tun hatten.
- 18:09Speaker 1: War die Solidarity in der gesellschaft wahnsinnig groß weil man gemerkt hat dass was ihr macht es Wahnsinnig wichtig um durch diese Pandemie zu kommen, logischerweise.
- 18:21Speaker 1: Auf einmal waren auch Menschen die klatschend auf ihren Balkonen und an ihren Fenstern standen aber irgendwie ist das wieder so ein bisschen veräppt.
- 18:31Speaker 1: also obwohl wir ja danach noch schwerere Wellen hatten was was die Infektionszahlen angeht gerade mitten in einer solchen Welle sind Aber diese gefühlte Solidarität mit euch in der Gesellschaft irgendwie so ein bisschen aus dem Fokus gerückt.
- 18:48Speaker 1: Wie geht es euch damit?
- 18:50Speaker 1: Ist das was, was du auch bemerkst oder hast du schon irgendwie gemerkt dass sich da seit letztem Jahr positiv vielleicht auf etwas verändert hat?
- 18:59Speaker 0: Naja ich kann ja sogar noch einen draufsetzen.
- 19:01Speaker 0: also wir haben ja immer mehr Schwurble auch an den sozialen Netzwerken und anstatt das jetzt nicht nur nicht mehr geklatscht wird wird hier jetzt geschimpft von wegen naja stellt euch mal nicht so an ihr habt euch das ja selber ausgesucht hört man ständig auf zum meckern uns geht es auch nicht gut.
- 19:17Speaker 0: also in dem sinne und mir fällt da eigentlich nichts mehr zu allen muss ich ganz ehrlich sagen also ich fand natürlich damals klatschen und schokolade schicken von privatleuten ein tolles zeichen mein statement zu setzen und wertschätzung auszudrücken.
- 19:34Speaker 0: Nur ich kann auch verstehen, dass vor allem Pflegekräfte gesagt haben.
- 19:37Speaker 0: Naja also vom Applaus und von Schokolade können wir uns nichts kaufen und nicht im Sinne von jetzt rein monetär gesehen sondern tatsächlich das ändert nichts an der Gesamtsituation es verbessert nicht das System.
- 19:51Speaker 0: Und dann war ja die Forderung das ganze zu verbessern.
- 19:53Speaker 0: und Dann passiert natürlich folgendes Wenn so ein Zustand So einen Pandemiezustand natürlich dann nicht mehr neu ist, so wie er vor einem Jahr war oder fast vor anderthalb Jahren muss man ja schon was sagen.
- 20:10Speaker 0: Sondern dann sich ein bisschen chronifiziert.
- 20:13Speaker 0: Dann sehe ich das so ein bisschen wie eine chronische Krankheit.
- 20:16Speaker 0: also die Menschen wissen zwar dass sie krank sind aber sie haben sich so ein bischen damit arrangiert und jetzt haben sich die Leute halt aus meiner Sicht so ein bißchen damit arrangiert.
- 20:28Speaker 0: Ja die Pflegekräfte immer meckern und sagen es ist viel zu tun, dass die Ärzte mal sagen ich kann nicht mehr.
- 20:33Speaker 0: Dass das Gesundheitssystem irgendwie schlecht aufgestellt ist oder schlechter als man's eigentlich hätte aufstellen können aufgestellt ist naja dann wird das halt so ein bisschen runtergekocht.
- 20:44Speaker 0: das ist dann ebenso und dann wird er so akzeptiert und hingenommen und dann fehlt eben auch der Support Dann fehlt eben auch der Applaus.
- 20:52Speaker 0: Und wenn das Thema dann nicht immer wieder präsent ist, rückt es auch nicht mehr in den Fokus und rückt so ein bisschen im Hintergrund.
- 20:59Speaker 0: Und es ist eben extrem wichtig dass man jetzt an dieser Stelle nicht nachlässt Auch wenn jetzt hoffentlich irgendwann die Pandemie vorbei ist Sondern genau da wieder angreift und sagt So wir haben hier ein chronisches Problem und das müssen wir jetzt wirklich mal lösen und zwar akut und zwar so Dass es gar nicht erst wieder auftritt Und das ist dann eine Aufgabe tatsächlich der Politik, das so hinzubiegen und in den Griff zu bekommen.
- 21:27Speaker 0: Dass da wieder Motivation herrscht, dass man nach Wuchs gewinnt und dass wir gar nicht mehr in so eine Situation kommen.
- 21:35Speaker 0: Wobei ich sagen muss... Ich will jetzt auch gar nie alles nur negativ sagen.
- 21:38Speaker 0: also ich kriege ja auch ganz viel Zuspruch Und auch Danksagungen im Sinne von stellvertretend fürs Gesundheitssystem.
- 21:45Speaker 0: Also es gibt tatsächlich auch weiterhin Leute, die uns danken und... Es geht ja gar nicht darum dass man jetzt jeden Tag uns wundert mal Danke sagt also wir machen den Job ja mitte oder ohne danke aber das ist einfach schön!
- 21:56Speaker 0: Ich weiß auch gar nicht was irgendjemand mit Zacken aus der Krone bricht.
- 22:00Speaker 0: ich sag mal wenn mir jemand das Leben retten würde das erste was ich machen würde wäre natürlich Danke sagen
- 22:05Speaker 1: Richtig vielleicht um diesen Schwurbland auch, falls uns einer davon zuhören sollte.
- 22:14Speaker 1: Da auch noch mal ein bisschen Aufklärung zu geben.
- 22:18Speaker 1: Im vergangenen Jahr war es ja vermeintlich recht einfach also zu sagen naja der schwere Verlauf gerade bei Corona wahrscheinlich eher bei den älteren.
- 22:30Speaker 1: jetzt sind wir aber jetzt auch in einer Situation, in der immer deutlicher wird naja.
- 22:34Speaker 1: Wir haben sehr viele ältere Leute geimpft längst noch nicht alle was ja auch mal viele gerne glauben würden aber davon sind wir ja auch noch weit entfernt.
- 22:43Speaker 1: Aber wir haben viele Ältere geimpfte und die Infektionszahlen, die die Masse der Infektionen verschiebt sich jetzt natürlich auch von der Altersstruktur so ein bisschen.
- 22:52Speaker 1: Und jetzt seid ihr auch in einer Lage wo auf einmal auch mal dreißigjährige, fünfundreißigjährige ich habe gerade kürzlich vor einem Fall gelesen von einem neunundzwanzigjährigen Fußball Trainer, der jetzt auch einen wirklich schweren Intensivverlauf hat das heißt Eigentlich zu sagen nur die Alten trifft es ist ja schon längst überholt oder?
- 23:17Speaker 0: Das ist schon längs überhohlt.
- 23:18Speaker 0: das hatten wir damals schon gesehen bevor sich die gerade britische Mutante hier bei uns auch ausgebreitet hat mit den Daten aus England, aus UK als die das Problem hatten und für uns.
- 23:31Speaker 0: wieder so ganz weit weg war, obwohl wir eigentlich alle wussten das es uns auch trifft.
- 23:35Speaker 0: Wir haben's dann irgendwie wieder negiert und nicht frühzeitig eingegriffen und auf die Wissenschaftler gehört an dieser Stelle noch mal kleiner Seiten gibt sei mir gestattet Und da haben wir das schon gesehen dass eben die Patienten viel jünger sind und auch schwere Verläufe haben.
- 23:49Speaker 0: und das hat ja so ein bisschen auch alle Mediziner hier umgetrieben und beunruhigt.
- 23:54Speaker 0: und dann kam irgendwie zeitnah und relativ zügig Die Übernahme durch die Mutante, das heißt also wir hatten erstmal bei den ersten Corona-Positiven dann sagen wir mal so zehn Prozent Mutation.
- 24:07Speaker 0: mittlerweile sind wir glaube ich irgendwo bei achtzig, neunzig Prozent.
- 24:10Speaker 0: Also man kann eigentlich davon ausgehen dass wenn jemand ins Krankenhaus kommt mit der mit Corona infiziert ist tatsächlich wie die Mutantien nachweisen können oder unsere Virologen Und da sieht man eben auch, dass das Altersgefüge der Menschen die sich dann vorstellen und die erkrankt sind tatsächlich jünger wird.
- 24:28Speaker 0: Also während es vorher, die ich sage mal klassische Omi aus dem alten Heim war, die er jetzt geimpft ist und hoffentlich tatsächlich auch sich nicht mit der Mutation ansteckt... Das war, was uns in den Notaufnahmen besucht hat.
- 24:42Speaker 0: Sind es jetzt halt vorrangig sehr so mid-aged people also irgendwie so Ja, sagen wir mal so zwischen vierzig und sechzig.
- 24:49Speaker 0: Du hast ja gerade den Fall des neunzwanzigjährigen gesagt.
- 24:51Speaker 0: das ist sicherlich nicht charakteristisch aber es kann eben auch sein.
- 24:55Speaker 0: also hauptsächlich sind zu die fünfzigjährigen betroffen.
- 24:57Speaker 0: vierzig-fünfzig Und das finde ich sehr jung weil man schiebt es immer so vor sich weg.
- 25:02Speaker 0: Also ich bin achtunddreißig in zwei Jahren bin ich vierzig und das interessiert Corona auch nicht wirklich.
- 25:07Speaker 0: Ich bin jetzt geimpft Das ist gut!
- 25:09Speaker 0: Ich hoffe dass meine ich bin bei Yontec geimpften Meine Impfung auch gegen die britische Mutationen wirkt.
- 25:14Speaker 0: Aber du hast völlig recht.
- 25:15Speaker 0: Dieses Denken, dass es nur die Alten trifft ist schlichtweg falsch.
- 25:20Speaker 0: und gerade hinter diesem Hintergrund und auch wissenderweise, dass wir mittlerweile durch Seucht sind von der Mutation kann ich's umso weniger verstehen, dass sich grade junge Leute auf der Straße ohne Maske treffen, Plakate in die Luft halten und sich gegen unser System wenden?
- 25:33Speaker 1: Die Menschen haben ja nicht nur Corona sondern es gibt immer noch die ganze Breite Palette an anderen Erkrankungen, die ja auch behandelt werden müssen.
- 25:43Speaker 1: jetzt du als Notfallmedizinerin ja auch.
- 25:47Speaker 1: Wie erlebst Du das, dass auch Patienten von sich aus teilweise Erkrankungen eher auf die leichte Schulter nehmen?
- 25:54Speaker 1: Andere Erkran- kungen weil sie sich mit einer Behandlung in der aktuellen Situation gar nicht konfrontieren wollen Weil Sie sagen naja dieses Herz stechen vielleicht Ja es wird schon nicht so ernst sein weil jetzt ins Krankenhaus gehen in der aktuellen Situation mitten, in einer Pandemie.
- 26:11Speaker 1: Das will ich gar nicht.
- 26:12Speaker 1: und dann ein paar Tage später vielleicht wird es dann einen sehr schlimmer Fall, der hätte vermieden werden können?
- 26:20Speaker 1: Ist das was, was du auch erlebst im Alltag?
- 26:22Speaker 0: Ja, das haben wir ja auch schon tatsächlich während der ersten und zweiten, die dann Gott sei Dank ausblieb, Welle gesehen ... Dass tatsächlich auch Menschen gedacht haben, na ja gehst du besser mal nicht ins Krankenhaus.
- 26:35Speaker 0: Ich muss sagen in der aktuellen Situation das kann ich aber jetzt nur subjektiv beurteilen sehe ich dass eher nicht so.
- 26:40Speaker 0: ich sehe eher so... ...dass der Normalbetrieb tatsächlich weitergeht also... Das runterfahren der Kapazitäten wie wir es zum Beispiel in der ersten Welle gemacht haben.
- 26:50Speaker 0: das ist ja jetzt hat er jetzt gar nicht stattgefunden und die Leute sind... so ein bisschen entspannter, was das angeht und sollen ja auch wenn sie andere Erkrankungen haben auf jeden Fall das Krankenhaus aussuchen und auch den Rettungsdienst alarmieren.
- 27:05Speaker 0: Auf jeden Fall also keiner soll ja nur weil Pandemie ist jetzt mit Brustschmerzen zu Hause bleiben.
- 27:10Speaker 0: Nur genau um diese Patienten geht es Und das sind genau die Patienten, die ja unter gerade der Situation der massiven Infektionszahlenerhöhung, die wir jetzt haben und auch Krankenhaus einmal so mit Corona leiden nämlich die die nicht mit Corona infiziert sind und die genauso dringend ein Intensivbett bräuchten oder eine Krankenhausbehandlung bräuchen.
- 27:29Speaker 0: Und vielleicht aufgrund von Kapazitätsmangel eben der Pandemie geschuldet, dann keine Behandlungen bekommen können oder kein Bett bekommen können?
- 27:38Speaker 0: Wir müssen eben aufhören diese Intensifstationen als Endziel bei der Pandemiebekämpfung zu sehen.
- 27:45Speaker 0: im Sinne von wir haben ja noch ein paar Intensivebetten Und deswegen sitzen wir die Inzidenz auf hundertfünfundsechzig hoch oder runter, weil wir haben ja noch ein paar Intensivbetten frei.
- 27:56Speaker 0: Nee darum geht es nicht!
- 27:57Speaker 0: Weil alle Patienten, die mit Covid infiziert auf einer Intensifstation liegen und Behandlung brauchen, die blockieren ja – und ich meine jetzt nicht blockieren, weil sie ist ihnen nicht zusteht das Bett sondern weil sie ohne Pandemie da gar nicht regen – einen Bett was jemand der nicht mit Covid-infiziert ist sehr dringend braucht.
- 28:15Speaker 0: Das heißt... Ich habe das auch in meinem Post mal gesagt.
- 28:18Speaker 0: also Die Gesamtzahl der Krankenhaus oder Intensivbetten ist eben endlich.
- 28:24Speaker 0: Und etwas, das endlich ist kann man ja aufteilen.
- 28:26Speaker 0: also das sind dann Covid-Betten plus Non-Covid Betten und wenn das eine zunimmt es weniger fürs andere da.
- 28:32Speaker 0: Das muss man sich auch mal überlegen dass wenn man leichtfertig Infektionen in Kauf nimmt das natürlich zu Lasten aller geht.
- 28:39Speaker 0: ob man jetzt an Covid glaubt oder nicht ein Herz infarkt kann man trotzdem bekommen.
- 28:44Speaker 1: Wir in Deutschland sind ja immer ganz groß darin, Dinge perfekt machen zu wollen.
- 28:48Speaker 1: Also diese Perfektion die sich durch ganz viele Lebens und vor allem auf Wirtschaftsbereiche zieht.
- 28:54Speaker 1: Die steht uns zumindest würde ich als Leie das gerade mal so einschätzen und deshalb interessiert mich deine Meinung dazu.
- 29:03Speaker 1: Gefühlt meiner Meinung nach, so ein Stück weit im Weg.
- 29:06Speaker 1: Weil wir diskutieren wochenlang darüber ob jetzt wirklich Schnelltests hundert Prozent aller Fälle erkennen können oder doch nur siebzig oder doch noch sechzig.
- 29:16Speaker 1: Wir reden darüber ob man sich vielleicht nicht doch auch Outdoor anstecken kann zu weit über neunzig Prozent nur Indoor.
- 29:25Speaker 1: Also wie auch immer, wir versuchen immer alles perfekt zumachen statt einfach mal Dinge zu machen die zumindest ein bisschen helfen können.
- 29:36Speaker 1: Wir reden sie aber so lange schlecht manchmal das dass Sie dann am Ende gar keinen kein Wert und auch tatsächlich keine Zustimmung mehr in der Bevölkerung haben.
- 29:45Speaker 1: Wie siehst du?
- 29:45Speaker 1: Das sollten wir da manchmal vielleicht uns auch mal trauen Dinge einfach auch zu machen und umzusetzen, auch wenn es vielleicht keine hundert Prozent sind.
- 29:54Speaker 1: Sondern vielleicht am Ende nur siebzig, achtzig oder neunzig aber helfen können, Infektionen schneller zu erkennen oder auch zu vermeiden?
- 30:01Speaker 0: Ja also ich werde ja nicht müde da so einen Vergleich mit meinem Schockraum zu machen.
- 30:05Speaker 0: Also die Pandemie oder auch die Fallentwicklung kann man uns ein bisschen vergleichen wie im Schockraum.
- 30:12Speaker 0: Da sind viele Leute, die haben ihre Daseinsberechtigung.
- 30:15Speaker 0: Die müssen auch im Schockraum sein und zusammenarbeiten.
- 30:17Speaker 0: Wenn der Patient reinkommt, dann gibt es einen.
- 30:19Speaker 0: Das ist wenn ich bei mich zum Beispiel den Hut auffahre und die Entscheidung trifft.
- 30:24Speaker 0: Und da hat man nicht die Zeit, wenn ein Patient schwer atmend kurz bevor er den Löffel abgibt in den Schockraum reinkommen noch irgendwie politisch und demokratisch zu diskutieren was jetzt die beste Behandlungsmethode wäre oder im besten Fall sogar noch darüber zu diskutieren, in welche Rehaklinik der Patient im Anschluss an die Behandlung geht.
- 30:47Speaker 0: Damit man nicht zum Beispiel wann man weh wieder öffnet und wann man wie in Urlaub fahren kann sondern dann muss man akut das Problem erstmal behandeln.
- 30:56Speaker 0: Und das ist genauso wie du das gerade gesagt hast wenn ich jetzt anfange alles Tod zu diskutieren.
- 31:03Speaker 0: Und das kann man wirklich sagen, wenn ich da anfange, Tod zu discutieren ist der Patient tot oder es in dem Fall auch die Pandemie an einem Punkt wo jegliche Diskussion vielleicht dann gar nicht mehr nötig ist weil wir den Punkt schon längst überschritten haben.
- 31:17Speaker 0: Den hätten wir nämlich vor drei Wochen machen sollen und wir neigen ja wirklich hier in Deutschland dazu alles zu diskutiert.
- 31:24Speaker 0: jeder darf seine Meinung sagen was auch gut ist.
- 31:28Speaker 0: aber es gibt Situationen da ist nun mal die eigene Meinung Nicht das, was jetzt federführend umgesetzt werden sollte.
- 31:35Speaker 0: Sondern dass, was der Gesellschaft und die Gesamtsituation dienlich ist.
- 31:40Speaker 0: Und wenn es eben dienlig ist,
- 31:42Speaker 0: d.h.,
- 31:43Speaker 0: bevor eine Impfung im Müll landet wird die Halt von mir aus auch in den Verimpfer verimpft oder in den Taxifahrer, der gerade vor der Tür steht oder sonstwas.
- 31:54Speaker 0: Da werden riesige Diskussionen über Wer wann, wie geimpft wird?
- 31:58Speaker 0: Telefon-Hotline und sonst was.
- 32:00Speaker 0: Wohingegen irgendwie in Amerika jeder der durch den McDrive fährt, der bei Walmart einkaufen geht, der an einer Tankstelle irgendwie Benzintankt mal kurz to go eine Impfung sich einfängt Und hier wird erstmal alles tot diskutiert.
- 32:14Speaker 0: Und ich glaube, wir haben uns da mit ein eigenes Bein gestellt.
- 32:17Speaker 0: Dass in so einer Situation wir gelernt haben das die deutsche Gründlichkeit, die ich übrigens sehr schätze und auch sehr schatze.
- 32:23Speaker 0: dass wir in einem Land sind wo jeder nun mal auch eine Meinung hat sie sagen darf und sie auch gehört wird Das ist ja wichtig!
- 32:30Speaker 0: Das gibt es ja auch in vielen Ländern nicht finde ich gut.
- 32:33Speaker 0: aber da sind unsere Grenzen gekommen und daher hätte ich mir ein bisschen mehr oder weniger Bürokratie gewünscht und bisschen mehr Aktionismus und das ist glaube ich das Problem weswegen das hier nicht so gut funktioniert.
- 32:44Speaker 1: Wie ist denn deine Prognose, wenn man sich jetzt auch mal diese diese Maßnahmen anschaut die da kommen sollen.
- 32:51Speaker 1: Ist das was war sonst irgendwie helfen wird?
- 32:53Speaker 1: weil irgendwie also ich habe mir das jetzt gestern nochmal angeschaut auch diese abgeschwächte Not diese ab geschwächten Ausgangssperre die da kommt soll Man hat es gewillt sind ja eigentlich die Maßnahmen.
- 33:06Speaker 1: Ich bin hier in Bayern, wir sind ja sowieso bei vielen Dingen immer so ein bisschen strenger.
- 33:10Speaker 1: Wir haben all diese Maßnahmen teilweise in strengerer Form heute schon und selbst wenn das jetzt kommt also zumindest in Bayern habe ich das Gefühl wird es keine Infektionszahlen zusätzlich vermeiden.
- 33:23Speaker 1: Also wir brauchen doch mal irgendwie Maßnahmen die auch wirklich einen Unterschied machen können oder?
- 33:32Speaker 0: Also ich habe bei eins gelernt in dieser Pandemie macht bloß keine Prognose, weil die sind grundsätzlich irgendwie alle falsch oder relativ schwer zu stellen.
- 33:41Speaker 0: Aber was schon stimmt ist und da gibt es ja auch ganz viele Studienuntersuchungen zu das bis jetzt kein Land gerade welches von der Mutante ja heimgesucht worden ist vermutlich mal so es geschafft hat ohne harten Lockdown die Zahlen runterzubekommen.
- 33:57Speaker 0: Und ich glaube, dass dieses Geschachere um Inzidenzenausgang sperren.
- 34:02Speaker 0: Ob sie um einundzwanzig oder zwanzig Uhr anfangen?
- 34:05Speaker 0: Ob man noch joggen darf oder nicht?
- 34:07Speaker 0: Wann wie der Hund irgendwie sein Geschäft auf dem Rühnstreifen verrichten darf mit Wie viele Leuten?
- 34:13Speaker 0: ob mit zwei Familien acht Angehörigen also?
- 34:16Speaker 0: es weiß ja auch keiner mehr was jetzt gilt oder Nicht.
- 34:18Speaker 0: die sind einfach nicht zielführend.
- 34:20Speaker 0: das ist irgendwie so ein bisschen Ja Man versucht sich zu einigen Und ich glaube, dass in so einer Situation man versucht sich zu einigen nicht das ist worauf es ankommt.
- 34:30Speaker 0: Sondern es kann nur sein, dass wir möglichst hart und schnell Infektionszahlen drücken.
- 34:37Speaker 0: Das können wir eben nur durch die ganzen Maßnahmen, die wir bis jetzt schon eingeführt haben aber bitte in Kombination und bitte gleichzeitig.
- 34:46Speaker 0: Ich glaube eine Ausgangssperre ob sie jetzt um einen zwanzig oder zwanziger Uhr anfängt bringt unisono nichts Wenn ich nicht auch irgendwie als Arbeitgeber, meine Mitarbeiter zwangweise testen muss oder zumindest Tests zur Verfügung stellen muss.
- 35:00Speaker 0: Wenn ich die Schulen teste wenn ich nicht oder komplett zumache.
- 35:05Speaker 0: Wenn Ich nicht generell auch die Kontakte innerhalb der geschlossenen Räume sprich zu Hause minimiere.
- 35:12Speaker 0: also wir müssen alle diese Maßnahmen gemeinsam durchführen und sich nicht auf eine Sache versteifende Ausgangssperre alleine wird nichts bringen.
- 35:20Speaker 0: Wenn so lange Menschen in Großraumbüros ohne Maske und ohne Test sitzen, macht es glaube ich gar nicht, ob du bis ein zwanzig oder zwanziger auf die Straße gehen darf.
- 35:29Speaker 1: Du sagst grad schon, Prognosen sind schwierig.
- 35:33Speaker 1: Es sei denn man heißt Karl Lauterbachter hat man irgendwie meistens das tragische muss man ja sagen.
- 35:39Speaker 1: Glück richtig zu legen.
- 35:41Speaker 1: aber um vielleicht zum Abschluss eine kleine optimistische Note reinzubringen.
- 35:48Speaker 1: fällt
- 35:50Speaker 0: mir nicht schwer.
- 35:53Speaker 1: Gibt es denn etwas, wo du schon selber sagst in dem Moment, wo dieser ganze Mist vorbei ist?
- 35:59Speaker 1: Worauf freust du dich eigentlich am allermeisten?
- 36:02Speaker 0: Also erstmal vorab für eine positive Prognose bin ich immer zu haben.
- 36:05Speaker 0: und dass der ganze Mist irgendwann mal vorbei ist sehen wir ja auch schon!
- 36:09Speaker 0: in anderen Ländern.
- 36:11Speaker 0: Bei uns, wir hängen so ein bisschen nach aber es ist möglich mit Impfung und den Maßnahmen dass wir das in den Griff bekommen.
- 36:16Speaker 0: da bleibe ich auch weiter bei.
- 36:18Speaker 0: Das wird doch so passieren.
- 36:19Speaker 0: jetzt kommt der Sommer Leute sind mehr draußen.
- 36:21Speaker 0: Ich glaube dass wir dies im Griff bekommen.
- 36:24Speaker 0: Das schon mal als positive Prognose Wann weiß ich nicht?
- 36:27Speaker 0: Vielleicht nicht vielleicht nicht sofort Aber zeitnah.
- 36:30Speaker 0: hoffen wir's Mal!
- 36:32Speaker 0: Ich freue mich am allermeisten.
- 36:33Speaker 0: Es wurde gestern auch gefragt Und da habe ich auch das Gleiche geantwortet.
- 36:38Speaker 0: Ich freue mich tatsächlich am allermeisten auf eine Garten-Grillparty bei mir, mit meinen allerliebsten Freunden und Familie und wem auch immer.
- 36:51Speaker 0: Mit draußen sein, grillen Musik hören gemeinsam sich umarmen wenn man sich sieht freudig sein und einfach gemeinsame Zeit verbringen ohne ein Meter Fünfzig dazwischen ohne eine Maske an anstoßen und ja, einfach happy sein in Gesellschaft.
- 37:11Speaker 0: Das ist das was ich mir wünsche und dass es auch das erste was ich machen werde.
- 37:14Speaker 1: Klingt doch nach einem großartigen Plan!
- 37:17Speaker 1: Ich danke dir sehr für deine Zeit in diesen stressigen Tagen und die vielen Einblicke, die wirklich sehr interessant waren.
- 37:24Speaker 0: Ja, sehr gerne und denkt dran, ich komme auf die Einladung zum Gin trinken zurück wenn der ganze müsst ihr fahren.
- 37:29Speaker 1: Auf jeden Fall.
- 37:30Speaker 1: Sehr gerne.
- 37:33Speaker 1: Die letzte Runde ist ausgetrunken, das Gespräch zu Ende.
- 37:38Speaker 1: Vielen Dank fürs Zuhören!