Latest / Anonym Suchthilfe – KI-gestützte Selbsthilfe / #6 Folge 12: Das kaputte Radio im Kopf: Meine Hölle mit Zwangsstörung & Sucht
Transcript
- 0:00Herzlich Willkommen zu unserer heutigen Auseinandersetzung.
- 0:03Schön, dass du dabei bist. Hallo, auch von meiner Seite.
- 0:05Wir tauchen heute in ein ja wirklich forderndes Thema ein.
- 0:09Es geht um die Verstrickung von Zwangsstörungen, also OCD und
- 0:14sucht. Mhm.
- 0:15Ein sehr wichtiges Thema. Unsere Grundlage dafür ist ein
- 0:18ziemlich persönlicher Artikel von Gabriel Metz.
- 0:20Du kennst ihn vielleicht online als Neelix Berlin.
- 0:24Ah ja, von seiner Website Clean mit Neelix Berlin stimmt es.
- 0:27Genau die. Und wir wollen heute mal
- 0:29versuchen zu. Verstehen, wie dieser
- 0:30Teufelskreis, den er da beschreibt, eigentlich
- 0:33funktioniert. Und natürlich auch, welche Wege
- 0:35da wieder rausführen können, so wie er es darstellt.
- 0:38Was das Ganze eben so besonders macht.
- 0:40Gabriel Metz spricht da aus eigener Erfahrung, er ist selbst
- 0:43betroffen von sucht und psychischen Herausforderungen,
- 0:46das gibt ihm ne ganz andere Tiefe, finde ich.
- 0:49Absolut. Das ist keine reine Theorie, man
- 0:52spürt das Ringen dahinter, wenn er zum Beispiel dieses Gefühl
- 0:55beschreibt, dieses ständige innere Radio, das nicht
- 0:58abschaltet. Ja, genau das.
- 1:01Und der Artikel macht ja auch klar ne Zwangsstörung, das ist
- 1:05halt viel mehr als nur so ne kleine Macke oder ne
- 1:08Angewohnheit. Definitiv.
- 1:10Das ist ne ernst zu nehmende psychische Erkrankung.
- 1:13Vielleicht ganz kurz noch mal zu den 2 Hauptaspekten.
- 1:16Gerne. Ja, was gehört dazu?
- 1:18Also da sind erst mal die Zwangsgebanken, die Obsessionen,
- 1:21das sind so Gedanken oder Bilder, die sich aufdrängen, oft
- 1:24total quälend. So was wie die Angst vor Keimen
- 1:27oder oder. Dieser Zweifel habe ich die Tür
- 1:30wirklich zu gemacht. Genau, oder auch die
- 1:32Befürchtung, jemandem unabsichtlich zu schaden.
- 1:35Das löst dann massive Angst, Ekel oder Unruhe aus.
- 1:39Und als Reaktion darauf? Kommen dann die
- 1:41Zwangshandlungen, die Kompulsionen?
- 1:43Richtig, das sind dann wiederholte Rituale.
- 1:47Also Händewaschen, kontrollieren, zählen, ordnen,
- 1:51alles Mögliche, die sollen kurzfristig diese Angst
- 1:54neutralisieren. Aber das ist ja das tückische,
- 1:57oder die Erleichterung hält nicht lange an.
- 2:00Überhaupt nicht. Sie ist minimal und flüchtig
- 2:03und, schlimmer noch, das Ritual verstärkt den Zwang auf lange
- 2:06Sicht er. Der Zwang frisst sich dann
- 2:09richtig ins Leben rein, beherrscht alles.
- 2:11Puh, und diese ständige Anspannung, diese Angst ist das
- 2:16dann der Punkt, wo die Selbstmedikation ins Spiel
- 2:18kommt, wie Gabriel Metz das beschreibt, so als
- 2:21Fluchtversuch? Das ist ganz oft die Dynamik, ja
- 2:24ein verzweifelter Versuch, diese quälenden Gedanken, diese innere
- 2:28Daueranspannung irgendwie zu dämpfen.
- 2:30Vielleicht auch mal abzuschalten, einfach mal Ruhe
- 2:32im Kopf. Was nimmt man dann
- 2:34typischerweise? Der Artikel nennt ja n paar
- 2:36Beispiele. Ja, also häufig sind das Alkohol
- 2:39und Benzodiazepine, also Beruhigungsmittel, Substanzen,
- 2:43die eben dämpfen, die Angst kurzfristig lösen, OK, aber auch
- 2:47Cannabis wird genannt, vielleicht zur Entspannung oder
- 2:49Ablenkung und bei sehr hohem Leidensdruck können es auch
- 2:53Opioide sein, um sich emotional quasi taub zu machen.
- 2:57Und das Aronische ist dann, dass die Substanz, die helfen soll,
- 3:00selbst zum Problem wird. Genau das ist die Falle.
- 3:04Die Substanz wird dann praktisch zur neuen Zwangshandlung, der
- 3:07Griff zur Bierflasche ersetzt dann vielleicht das stundenlange
- 3:09Kontrollieren der Herdplatte. Ein fataler Tausch, wirklich?
- 3:13Das ist ja, als würde man versuchen, Öl ins Feuer zu
- 3:16gießen. Exakt.
- 3:18Wie beschreibt der Artikel diesen Teufelskreis?
- 3:20Genau diese Doppeldiagnose wie schaukelt sich das gegenseitig
- 3:24hoch? Also das ist so ne
- 3:25Abwärtsspirale muss man sich vorstellen.
- 3:27Der Zwang an sich erzeugt ja schon enormen Stress und Angst.
- 3:31Dann kommt die Substanz. Die dämpft das kurz.
- 3:35Das fühlt sich erst mal wie Erleichterung an, logisch, klar,
- 3:38aber wenn die Wirkung nachlässt, dann kommt oft der Kater oder
- 3:42sogar richtige Entzugserscheinungen dazu und
- 3:44die erzeugen noch mehr Angst, Unruhe, vielleicht auch
- 3:47depressive Gefühle, oh je, und auf diese zusätzlich erhöhte
- 3:51Anspannung reagiert das Gehirn dann oft.
- 3:54Mit noch stärkeren Zwangsimpulsen also.
- 3:56Die Zwangssymptome verschlimmern sich wieder.
- 3:58Und dann braucht man mehr von der Substanz.
- 4:00Genau, dann braucht man mehr Substanz, um die jetzt stärkeren
- 4:03Zwangssymptome und die Entzugserscheinungen irgendwie
- 4:06zu bewältigen. Und so füttern sich sucht und
- 4:09Zwangsstörung gegenseitig, ein ganz gefährlicher Kreislauf.
- 4:12Puh, das klingt wirklich extrem belastend.
- 4:16Aber, und das ist ja die gute Nachricht, es gibt Hoffnung.
- 4:20Der Artikel spricht von integrierter Therapie.
- 4:22Was kann man sich darunter vorstellen, geht das überhaupt,
- 4:26beides gleichzeitig anzugehen? Das ist sogar der entscheidende
- 4:29Punkt. Man muss beide Erkrankungen
- 4:32gemeinsam und koordiniert behandeln, nicht erst das eine,
- 4:35dann das andere. OK, und wie.
- 4:37Also für die Zwangsstörung gilt die kognitive
- 4:39Verhaltenstherapie, kurz KFT, als Goldstandard, speziell mit
- 4:43einem Baustein, der nennt sich Exposition und
- 4:46Reaktionsmanagement. ERP abgekürzt.
- 4:49Exposition und Reaktionsmanagement kannst du
- 4:52das kurz erklären? Klar.
- 4:55Bei der Exposition stellt man sich unter therapeutischer
- 4:57Anleitung ganz bewusst den Situationen, Gedanken oder
- 5:01Objekten, die die Angst auslösen.
- 5:03Also wenn ich Angst vor Schmutz habe, fasse ich die Türklinke
- 5:07an. Zum Beispiel zum Beispiel genau
- 5:09das ist die Exposition, und dann kommt das Reaktionsmanagement
- 5:14man lernt die darauf folgende Zwangshandlung, in dem Fall
- 5:17vielleicht das. Sofortige Hände waschen, bewusst
- 5:20nicht auszuführen, zu unterlassen.
- 5:22Man hält die Angst also aus. Man hält die Angst und die
- 5:26Anspannung aus und macht die Erfahrung OK, das ist
- 5:30unangenehm, aber die Angst kommt und sie geht auch wieder.
- 5:33Sie ebbt von allein ab, auch ohne das Ritual.
- 5:37Das ist ne ganz wichtige Lernerfahrung, die den
- 5:40Teufelskreis durchbricht. Und parallel dazu läuft dann die
- 5:43Suchtbehandlung. Genau.
- 5:45Parallel dazu muss der Substanzkonsum gestoppt werden
- 5:48und man lernt Strategien, um mit dem Suchtdruck, dem Craving
- 5:51umzugehen. Das muss Hand in Hand gehen.
- 5:54Das klingt nach einem harten Weg, aber einem, der Sinn macht.
- 5:57Absolut. Wichtig ist halt, spezialisierte
- 6:00Kliniken oder Therapeuten zu finden.
- 6:03Die Erfahrung mit solchen Doppeldiagnosen haben.
- 6:05Der Artikel beantwortet ja auch ein paar häufige Fragen, die
- 6:09sich da aufdrängen. Eine war ja, wo ist die Grenze
- 6:13zwischen einfach nur sehr ordentlich sein und einer echten
- 6:16Zwangsstörung? Ja, die Frage kommt oft.
- 6:19Der entscheidende Unterschied ist wirklich der Leidensdruck
- 6:21und der Kontrollverlust. Also verursacht es massive Angst
- 6:26oder Unruhe, wenn die Ordnung mal nicht perfekt ist.
- 6:28Nehmen die Rituale Stunden in Anspruch, schränkt es mein Leben
- 6:31ein, sozial, beruflich? Wenn ja, dann ist es
- 6:35wahrscheinlich mehr als nur ne Eigenschaft.
- 6:37Und bei den Substanzen zur Selbstmedikation.
- 6:41Da bestätigt der Artikel im Grunde, was wir schon sagten.
- 6:43Dämpfende Mittel wie Alkohol, Beruhigungsmittel sind sehr
- 6:46häufig, eben weil sie schnell die Anspannung lindern.
- 6:49Und die wirksamste Therapie gegen den Zwang selbst bleibt.
- 6:53Bleibt die ERP, also die Exposition mit
- 6:56Reaktionsmanagement. Konfrontation mit der Ast und
- 7:00das Unterlassen des Rituals, das ist der Weg, um diesen
- 7:03spezifischen Kreislauf zu durchbrechen.
- 7:05Was ich noch mal hervorheben möchte, ist eben dieser
- 7:08persönliche Hintergrund von Gabriel Metz, also nielix
- 7:12Berlin. Er teilt seine eigenen, ja
- 7:15sicher sehr schmerzhaften Erfahrungen mit Sucht und Psyche
- 7:19ja ganz offen auf seiner Webseite, nicht nur um anderen
- 7:22zu helfen. Sondern er schreibt ja auch,
- 7:24dass es ihm selbst hilft. Das ist unglaublich mutig und
- 7:28wichtig, diese Authentizität. Absolut.
- 7:31Und sein Motto, Das finde ich stark aus all dem schlechten,
- 7:35was ihm im Leben passiert ist, versucht er jetzt etwas Gutes.
- 7:38Zu machen eine tolle Einstellung.
- 7:40Das kann anderen Betroffenen sicher viel Hoffnung geben zu
- 7:43sehen, hey, da ist jemand, der versteht das, der war da auch.
- 7:47Und er kämpft sich dadurch. Genau und deshalb auch dieser
- 7:50Hinweis von unserer Seite. Wenn dir der Artikel von Gabriel
- 7:55auf Clean mit Neelix Berlin gefallen hat, wenn dir sein
- 7:58Projekt was gibt, dann überleg doch mal, ob du es nicht auf
- 8:01Social Media teilst oder auf den Podcast Plattformen likest.
- 8:05Bestimmt, das ist ein wichtiger Punkt.
- 8:06Er macht das nämlich alles komplett allein, finanziert das
- 8:10selbst und steckt da unglaublich viel Arbeit rein.
- 8:12Jede Unterstützung, jedes Teilen, jedes Like hilft ihm
- 8:16weiter zu. Zu machen und damit eben sich
- 8:18selbst und anderen ne Stütze zu sein.
- 8:20Ein unterstützenswertes Projekt? Auf jeden Fall.
- 8:23So fassen wir vielleicht noch mal kurz zusammen
- 8:26Zwangsstörungen und sucht die Hängen oft ganz eng zusammen.
- 8:30Ja, ein Teufelskreis, der das Leiden auf beiden Seiten
- 8:32verstärken kann. Aber, und das ist die wichtige
- 8:35Botschaft, es gibt wirksame Behandlungsansätze, die beides
- 8:39integriert angehen. Der Weg ist sicher nicht leicht,
- 8:42aber er ist machbar. Genau, nicht aussichtslos.
- 8:46Und vielleicht für dich als Zuhörer noch dieser Gedanke zum
- 8:48Mitnehmen, wenn wir verstehen, dass sucht oft nicht immer, aber
- 8:52oft ein, Na ja, ein fehlgeleiteter Versuch ist, mit
- 8:55einer anderen schweren psychischen Belastung wie eben
- 8:58einer Zwangsstörung irgendwie klarzukommen.
- 9:00Wie verändert das unseren Blick auf die Betroffenen?
- 9:04Gute Frage. Und wie sehr unterstreicht das
- 9:06die Notwendigkeit, dass wir Hilfsangebote brauchen, die eben
- 9:09nicht nur ein Symptom sehen, sondern den ganzen Menschen mit
- 9:12all seinen Verstrickungen wahrnehmen und behandeln.
- 9:15Ja, das regt definitiv zum Nachdenken an.
- 9:18Weg von der Stigmatisierung, hinzu einem umfassenderen
- 9:21Verständnis. Genau damit sind wir für heute
- 9:24am Ende. Danke für deine Zeit, danke für
- 9:26dein Interesse an diesem ja doch komplexen, aber wichtigen Thema.
- 9:31Danke auch dir. Mach's gut und bis zum nächsten
- 9:33Mal.