Latest / Amtsallerlei / #14 | Wir verhandeln. Ständig.
Transcript
- 0:03SPEAKER_00: Herzlich willkommen zu Amts allerlei, ein Podcast für Führungskräfte der Verwaltung mit Laila Achemy.
- 0:11SPEAKER_02: In der heutigen Podcast-Folge geht es um das Thema erfolgreiches Verhandeln.
- 0:15SPEAKER_02: Gerade Führungskräfte in der Verwaltung verhandeln täglich, nämlich mit Gemeinderäten oder mitarbeitenden Bürgerinnen und Bürgern.
- 0:24SPEAKER_02: Erfolgreiche Verhandlungen entstehen nicht durch Druck, sondern durch Beziehung.
- 0:28SPEAKER_02: Davon spricht nämlich die Carmen Kaufmann, die diesmal meine Expertin ist, sie hat auch darüber schon ein Buch veröffentlicht.
- 0:34SPEAKER_02: Und sie sagt unter anderem auch, dass Verhandlungen kein Schlagabtausch sind und Gewinn auch nicht dabei das primäre Ziel ist.
- 0:43SPEAKER_02: Wenn nach einer Verhandlung nur eine Seite zufrieden ist, habt ihr vielleicht einen Standpunkt durchgesetzt, aber oft auch Vertrauen damit verspielt.
- 0:52SPEAKER_02: Wie das gelingt und welche Denkfehler viele machen, darüber spreche ich mit Carmen Kaufmann.
- 0:57SPEAKER_02: Und das ist eine Folge, die euren Blick auf Verhandlungen vielleicht grundlegend verändern wird.
- 1:02SPEAKER_02: Ich wünsche euch viel Freude dabei.
- 1:04SPEAKER_02: Toll, dass ihr dabei seid.
- 1:05SPEAKER_02: Eure Laila.
- 1:08SPEAKER_02: Ja, auf den heutigen Tag habe ich mich wieder ganz, ganz besonders gefreut, weil die liebe Carmen Kaufmann ist wieder bei uns.
- 1:15SPEAKER_02: Sie war ja neulich schon mal zum Thema Macht da.
- 1:18SPEAKER_02: Und hi mal liebe Carmen, schön, dass du dabei bist.
- 1:21SPEAKER_02: Hallo Laila, ich freue mich auch.
- 1:23SPEAKER_02: Ja, liebe Carmen, du bist eine Expertin auch zum Thema Weiterbilden, Coachen im Bereich Verhandeln.
- 1:34SPEAKER_02: Ja.
- 1:37SPEAKER_02: Und ja, in dem Podcast geht es ja um Führungskräfte der Verwaltung unterschiedlichster Ebenen.
- 1:44SPEAKER_02: Und letztendlich kann man auch sagen, Verhandlungen gehören zum Führungsalltag in Verwaltungen und auch dann, wenn sie nicht als solche wahrgenommen werden.
- 1:53SPEAKER_02: Und ob mit politischen Gremien, Mitarbeitenden oder externen Akteuren Führung bedeutet ja immer auch Interessen auszubalancieren oder auch Rahmenbedingungen zu klären und tragfähige Lösungen zu finden.
- 2:06SPEAKER_02: Und genau darüber wollen wir uns ja heute gemeinsam unterhalten.
- 2:11SPEAKER_02: Ja, sehr gerne.
- 2:13SPEAKER_02: Ich erlebe vor allen Dingen eben OberbürgermeisterInnen, Bürgermeisterinnen immer wieder in so einem Spannungsfeld.
- 2:23SPEAKER_02: Der Blick geht nach oben, bildlich gesprochen.
- 2:26SPEAKER_02: Das heißt, die da oben, die sollen machen, ständig in einem Ausbalancieren, ständig irgendwo dazwischen zu stehen.
- 2:36SPEAKER_02: Und im Grunde genommen kann man eigentlich das schon auch auf einen gemeinsamen Nenner bringen, nämlich immer wieder zu verhandeln.
- 2:44SPEAKER_02: Das ist doch sehr lustig, wenn ich in Unternehmen unterwegs bin und ich dann die Einkäufe habe, beispielsweise, schon in den Vorbereitungsgesprächen, dann heißt immer, oh, das sind die echt harten Hunde.
- 2:56SPEAKER_02: Echt echte Verhandlungen.
- 2:57SPEAKER_02: Das sind die echten, genau.
- 3:00SPEAKER_02: Und wenn ich den Vergleich dann in Verwaltung mit hineinnehmen würde, würden alle gemeinsam wahrscheinlich sagen, nein, nein, nein, nein, nein, nein.
- 3:08SPEAKER_02: Also so bin ich dann nicht.
- 3:10SPEAKER_02: Aber letztendlich, ja, welche Qualitäten des Verhandelns könnte es denn auch brauchen, deiner Meinung nach in öffentlichen Verwaltungen?
- 3:19SPEAKER_02: Ich weiß, du hast ja auch einen verwalterischen Hintergrund.
- 3:23SPEAKER_02: Magst du es nochmal sagen?
- 3:24SPEAKER_02: Ich weiß es gerade gar nicht mehr genau.
- 3:25SPEAKER_02: Ja, ich bin Diplom-Verwaltungswirtin.
- 3:27SPEAKER_01: Ich habe tatsächlich vier Jahre die Ausbildung gemacht, war zwei Jahre bei der Stadt Stuttgart in Ausbildung und dann zwei Jahre an der Farmhochschule in Ludwigsburg.
- 3:35SPEAKER_01: Toll.
- 3:36SPEAKER_02: Ja, Carmen, dann kennst du dich ja bestens auch in diesem Gefilde aus.
- 3:41SPEAKER_02: Wie würdest du sagen, was bedeutet, Verhandlungen zu führen im verwaltärischen Alltag für Führungskräfte?
- 3:49SPEAKER_01: Also ich finde, genau wie du es gerade gesagt hast, wir verhandeln ja viel mehr, als uns klar ist.
- 3:54SPEAKER_01: Also es steht nicht immer Verhandlungen drauf, aber die meisten Besprechungen, die die Leute haben, sind bei genauem Betrachten Verhandlungen, weil es kommen unterschiedliche Interessen und in dem Moment, wo man eine gemeinsame Lösung sucht, ist es eine Verhandlung.
- 4:09SPEAKER_01: Nur ist es den Menschen leider nicht bewusst.
- 4:11SPEAKER_01: Und ich finde auch, der größte Fehler, der dann oft gemacht wird, ist, dass man denkt, man müsste andere von der eigenen Meinung überzeugen.
- 4:18SPEAKER_01: Ah ja.
- 4:19SPEAKER_01: Und das finde ich so einen Knoten im Kopf, weil wenn man sich selber mal prüft, wie schwer wäre es denn, mich von meiner Meinung abzubringen.
- 4:28SPEAKER_01: Das ist ja fast unmöglich, weil die habt ihr ja echt im Laufe von vielen Jahrzehnten hier so angeeignet.
- 4:35SPEAKER_01: Und da haben die Leute, finde ich, einen unklaren Fokus, weil mir gefällt in der Zwischenzeit viel mehr, was auch unser gemeinsamer Ausbilder, der Gunther Schmidt, immer gesagt hat, eher das darum werben.
- 4:46SPEAKER_01: Oder wo ich gerade meine Kommunikationsausbildung mache, zu sagen, akquirieren.
- 4:50SPEAKER_01: Eigentlich akquiriere ich Menschen dafür, dass die meine Idee mittragen, dass die ihre Kompetenzen, ihre Ideen, ihre Fähigkeiten mit einbringen.
- 5:00SPEAKER_01: Und ich finde, ich meine das immer mit so einer Geste, weil jemanden überzeugen, da gehe ich über den anderen und will den quasi verändern.
- 5:08SPEAKER_01: Und wenn ich sage, akquirieren, dann darf der andere bleiben, wie er ist, und ich versuche den für mich zu gewinnen.
- 5:14SPEAKER_01: And nach meiner Überzeugung sind die Menschen dann viel motivierter.
- 5:18SPEAKER_01: Da hat auch niemand was dagegen, dass man ihn akquiriert, weil ich habe ja immer die freie Wahl.
- 5:23SPEAKER_01: Ich kann ja dann sagen, bin ich dabei oder bin ich nicht dabei.
- 5:27SPEAKER_01: Und dieses Geschmack, wie wir Schwaben so gerne haben, was Verhandel oft hat, man würde Leute ja was überstöben oder man würde die manipulieren, das finde ich so schade, weil ich vollkommen transparent verhandeln.
- 5:40SPEAKER_01: Sagen, du, ich weiß, du hast da erstmal gerade keinen Bock drauf.
- 5:44SPEAKER_01: Ich will unbedingt dieses Projekt oder dieses Ding durch dieses Gremium prägen.
- 5:48SPEAKER_01: Was brauchst du, damit du mit dem Boot bist?
- 5:51SPEAKER_01: Ich will dich an meiner Seite haben, wir können das machen.
- 5:54SPEAKER_01: Und eigentlich ist das eine Verhandlung und gleichzeitig irgendwie will ich jemanden ja viel mehr gewinnen für mich.
- 5:59SPEAKER_01: Und ich glaube, Menschen lassen sich lieber gewinnen als überzeugen.
- 6:04SPEAKER_02: Ja, ich glaube, da steht auch manchmal so die Sorge dahinter, ich verliere mich.
- 6:11SPEAKER_02: Wenn es heißt, man soll Kompromisse machen, es gibt ja Menschen, die sagen, ja, ich mache immer Kompromisse.
- 6:16SPEAKER_02: Oder ich mache halt immer auch wieder um das lieben Friedenswillen.
- 6:20SPEAKER_02: Dann mache ich halt, was der sagt.
- 6:22SPEAKER_02: Und dann erlebe ich in Systemen immer, man trifft sich immer zweimal.
- 6:26SPEAKER_02: Dann hat man halt an der einen Stelle sich selbst übergangen, indem man vielleicht nicht verhandelt hat, aber irgendwann, ja, dann kommt dann die Frau so und so oder der Herr so und so und dann lasse ich den mal schön zappeln, wo dann das quasi dann wieder so ein bisschen vergolten wird.
- 6:45SPEAKER_01: Ja.
- 6:45SPEAKER_01: Und ich finde, dieses Kompromissdenken ist ganz oft die Wurzel von vielen übel.
- 6:51SPEAKER_01: Also weil Kompromiss, das Spannende ist, ja, die Leute sagen, wenn man sich fragt, bist du denn zufrieden mit dem Ergebnis, ja, ja, ein bisschen was habe ich durchgekriegt im Kopf.
- 6:59SPEAKER_01: Und wenn ich frage, und wie fühlt ihr euch?
- 7:02SPEAKER_01: Dann fühlen sich immer alle als Verlierer, weil jeder hat was verloren und aufgekriegt.
- 7:07SPEAKER_01: Und zum Beispiel auch dieses ganze Abstimmungsverhalten kann man ja machen, aber man darf sich ja nicht einbilden, dass nach der Abstimmung, die, die überstimmt sind, sagen, super, jetzt gebe ich alles für eure Idee.
- 7:17SPEAKER_01: Sondern dann fängt ja das Verhandeln danach an, dass ich die Leute wieder mit ins Boot hole und sage, so, und was brauchst du jetzt, damit du es mitträgst?
- 7:25SPEAKER_01: Weil am Ende entscheiden ja die anderen, ob sie es machen oder nicht.
- 7:28SPEAKER_01: Ich fasse denen ja nicht ins Gehirn.
- 7:30SPEAKER_02: Ach, das finde ich gerade sehr inspirierend, was du da sagst, gerade, weil ich jetzt eine Reihe von Gemeinderatsklausuren mit moderiert habe.
- 7:37SPEAKER_02: Und gerade bei den Gemeinderäten ist es ja auch immer wieder so eine Sache.
- 7:41SPEAKER_02: Wir vereinbaren in den Klausuren dann immer, gerade auch wenn es um Leitbilder oder auch Werte geht, wo es um Umgangsdefinitionen geht, wie wollen wir miteinander umgehen.
- 7:50SPEAKER_02: Und dann ist ja auch immer die Frage da, was passiert, wenn quasi im Gremium etwas entschieden wurde, aber nicht alle waren dafür.
- 8:00SPEAKER_02: Wie machen wir das, dass die, die dagegen gestimmt haben oder enthalten haben, dass sie trotzdem dann nicht rausgehen in die Bevölkerung und sagen, ich war dagegen und ich finde es auch blöd, ja.
- 8:10SPEAKER_02: Dass man dann sagt, okay, ich stehe nicht hinter dem, was da verabschiedet wurde, aber ich stehe hinter dem Gremium.
- 8:16SPEAKER_02: Das ist so eine Möglichkeit.
- 8:17SPEAKER_02: Aber ich sehe da jetzt nochmal einen Aspekt, da vielleicht doch auch nochmal im Moment dran zu bleiben.
- 8:23SPEAKER_02: Und genau wie du sagst, die zu versorgen, die da bestimmt wurden.
- 8:29SPEAKER_01: Ja, genau, weil, also ich habe da so eine lustige Geschichte von meinen Neffen, die erzähle ich dann gerne.
- 8:34SPEAKER_01: Da haben die sich mal, ich hatte sechs Neffen und da waren mal alle zusammen in einem Raum.
- 8:42SPEAKER_01: Seiten 14, da ist das irgendwie echt der Gewalskegel groß.
- 8:45SPEAKER_01: Und die Eltern haben gesagt, so jetzt, weil wir wollten uns unterhalten, wir erwachsen, guckte einen Film an und dann waren es zwei zur Verfügung gestanden, weil der kleinste war ja erst zwei und nach kurzer Zeit war ein riesigeschrei.
- 8:58SPEAKER_01: Und dann bin ich hingegangen und gesagt, was ist denn los?
- 9:00SPEAKER_01: Und dann sagt der älteste Set weg, naja, wir haben halt abgestimmt anderes Keno hat Pech gehabt.
- 9:08SPEAKER_01: And then habe ich gesagt, abstimmen ist nicht die beste Lösung.
- 9:11SPEAKER_01: Ich will, dass ihr eine findet, die alle mittragen.
- 9:14SPEAKER_01: Und nach zwei Minuten war Ruhe im Karton.
- 9:16SPEAKER_01: Und dann bin ich hin und habe gesagt, wie habt ihr denn das gemacht?
- 9:20SPEAKER_01: Total spannend, was diese sechs Jungs da für eine Lösung gefunden haben, weil der Kino, der überstimmt war, durfte sich den Platz aussuchen, auf dem man sitzt.
- 9:29SPEAKER_01: Es gab nur einen Chefsessel auf der Couch mit der Zeitenlehne.
- 9:33SPEAKER_01: Und der Keno durfte sich die Chipsschale zuerst füllen.
- 9:37SPEAKER_01: Okay.
- 9:38SPEAKER_01: Also was die dem gegeben haben, war, weil die Leute immer vergessen ist, wenn ich überstimmt werde und man sagt dann prima, wir machen weiter, dann verliere ich ja mein Gesicht.
- 9:48SPEAKER_01: Die Botschaft darunter ist ja, es ist mir scheißegal, wie es dir geht.
- 9:51SPEAKER_01: Und mit gegen diese Botschaft laufen die Leute ja Amok.
- 9:55SPEAKER_01: Weil wir wollen alle gesehen werden, gehört werden und ernst genommen werden.
- 9:59SPEAKER_01: Und das muss ich liefern.
- 10:01SPEAKER_01: Wenn ich abgestimmt habe und wir haben was entschieden, dann braucht es, dass ich sage, okay, wir sehen, wir hören, wir wissen, ihr seid nicht einverstanden, ihr habt eine andere Idee, was braucht ihr, damit ihr es mittragt?
- 10:12SPEAKER_01: Sonst wird es nie funktionieren.
- 10:14SPEAKER_01: Wenn Leute kommen zu mir und sagen, wir haben uns geeinigt und dann wird es nicht umgesetzt, dann frage ich, wie habt ihr euch denn geeinigt?
- 10:21SPEAKER_01: Und dann haben sie sich in 99% abgestimmt.
- 10:24SPEAKER_01: Genau.
- 10:26SPEAKER_01: Ja, das reicht halt nicht.
- 10:27SPEAKER_01: Und ich bin dann ein großer Fan auch, also das kennst du, garantiert das systemische Konsensieren, wo man nicht den Vorschlag sucht, der die größte Zustimmung hat, sondern den, der den geringsten Widerstand erzeugt.
- 10:38SPEAKER_01: Oder von der Consent-Methode, wo nämlich gar nicht so viel diskutiert wird, sondern wo es nur darum geht, dass berechtigte Einwände geltend gemacht werden.
- 10:48SPEAKER_01: Und nicht einfach nur diskutieren um des Diskutierens willens.
- 10:52SPEAKER_02: Kannst du dazu, das ist jetzt recht abstrakt noch benannt, vielleicht so ein kleines greifbares Beispiel für unsere Führungskräfte geben, wo könnte es dann vielleicht machen.
- 11:02SPEAKER_01: Also wenn jemand zum Beispiel sagt, ich würde gerne eine neue Software einführen bei uns, dann ist ja erstmal typischerweise sehr viel Widerstand.
- 11:11SPEAKER_01: Aber jetzt haben wir uns gerade an das alte gewöhnt und jetzt ist ja.
- 11:15SPEAKER_01: Und dann kann man lange darüber diskutieren, ob die neue Software wirklich die bessere ist.
- 11:20SPEAKER_01: Aber dann geht es bei der Consent-Methode nicht darum, dass jeder seine Meinung sagt, sondern dass jemand sagt, ich fürchte, wenn wir die einführen, dann stürzen uns die Prozesse zusammen.
- 11:29SPEAKER_01: Wir sind dann unter Umständen eine Woche lang nicht erreichbar für unsere Bürgerinnen und Bürger, das Risiko ist zu groß.
- 11:35SPEAKER_01: Und dann muss man das integrieren, sagen, okay, wie können wir gewährleisten, die Erreichbarkeit für unsere Bürgerinnen und Bürger.
- 11:41SPEAKER_01: Wenn das aber dann gewährleistet ist, dann gibt es nicht mehr irgendwas, gefällt mir trotzdem nicht, sondern dann gilt good enough to try, lass es uns mal probieren.
- 11:50SPEAKER_02: Ja, das hört sich sehr gut an.
- 11:54SPEAKER_02: Was würdest du sagen für eine Führungskraft der Verwaltung?
- 11:57SPEAKER_02: Welche Skills braucht es?
- 11:59SPEAKER_02: Also, wir hatten einmal schon auch gerade gesagt, dass oftmals eine große Sorge ist, sich selbst zu verlieren oder dass man auch das Gesicht verloren hat nach außen hin.
- 12:09SPEAKER_02: Welche Skills braucht es denn, um gut verhandeln zu können?
- 12:15SPEAKER_01: Also Kommunikation, es braucht die Fähigkeit, Dinge klar auf den Punkt zu bringen.
- 12:20SPEAKER_01: Und vor allem Beziehungsarbeit.
- 12:22SPEAKER_01: Ich habe kürzlich mal auch einen Film dazu gemacht, der heißt Verhandeln ist Beziehungsarbeit.
- 12:28SPEAKER_01: Und das wird sehr vernachlässigt, weil die meisten Menschen, wenn sie verhandeln, dann haben sie nur den Fokus auf den Zahlen, Daten, Fakten.
- 12:34SPEAKER_01: Ich muss aber mitkriegen, was haben die Menschen für Interessen und Bedürfnisse, was haben sie für Befürchtungen.
- 12:39SPEAKER_01: Und ich brauche auch die Fähigkeit, das abzuholen und das nicht abzuwerten und zu sagen, wow, du hast ja bloß wieder Angst vor Veränderung.
- 12:47SPEAKER_01: Sondern zu sagen, ah klar, ist so eine Umstellung immer auch ein Risiko und es ist ein Aufwand, dass wir das ernst nehmen und integrieren, den Menschen eher den Nutzen deutlich machen.
- 12:58SPEAKER_01: Das heißt, ich brauche eine emotionale Kompetenz, ich brauche eine Beziehungskompetenz, ich brauche natürlich die fachliche Kompetenz und ich brauche die Fähigkeit zur Selbststeuerung.
- 13:08SPEAKER_01: Weil das wissen du und ich, wir wissen das, wir sagen heute Selbststeuerung vor Gesprächssteuerung.
- 13:14SPEAKER_01: Wer sich selbst nicht steuern kann und irgendwie im Tunnel ist, plötzlich, weil man wieder denkt, so, oh, der wieder, der will ja hier nur oder die will ja nur wieder alles wie immer, dann können wir kein Gespräch mehr steuern.
- 13:25SPEAKER_01: Wenn ich nicht in einem Zustand bin, in dem ich ruhig und sicher bin, dann werde ich das Gespräch nicht steuern, sondern einfach aus Reflexen raus reagieren.
- 13:33SPEAKER_01: Absolut, ja.
- 13:34SPEAKER_02: Und womöglich auch noch ganz veraltete Reflexe, dass man so affektiv reagiert.
- 13:40SPEAKER_02: Einmal fühlt man sich getriggert und da kommt dann ein Teil zu Tage, der vielleicht schon seit Jahrzehnten nicht mehr hier mitgetobt hat oder blockiert hat, ja, oder verletzt reagiert und, und, und.
- 13:53SPEAKER_02: Ich erlebe häufig auch bei Führungskräften der Verwaltung, dass so eine Angst vor Beziehungsverlust da ist.
- 14:00SPEAKER_02: Wenn ich jetzt in eine Verhandlung gehe und ich will vielleicht oder ich muss auch stellvertretend etwas, das ist so aus deren Perspektive so formuliert, etwas erreichen, ich muss was durchboxen.
- 14:13SPEAKER_02: Da ist natürlich auch immer ein Bürgermeister, der will nach acht Jahren optimalerweise wieder gewählt werden, ist auch immer davon abhängig, dass der Gemeinderat mehr oder weniger gut gesinnt ist, ist schon auch so ein bisschen in der Rolle von Everybody's Darling und da erlebe ich schon auch so eine kleine Mausefalle, die es dann auch so mit sich bringt.
- 14:34SPEAKER_02: Keinen Mut zur Eskalation zu haben.
- 14:36SPEAKER_02: Das finde ich übrigens auch ein wichtiges Thema.
- 14:39SPEAKER_02: Nämlich schon allein, indem man sagt, und das und das ist mein Standpunkt.
- 14:46SPEAKER_02: Und ja, wo können wir da noch vielleicht die ein oder andere Hilfestellung mitgeben?
- 14:52SPEAKER_02: Gerade so darum geht, nehmen wir mal im Fokus, Angst vor Beziehungsverlust, Angst nicht mehr gemocht oder für gut genug empfunden zu werden.
- 15:02SPEAKER_01: Also es gibt ja das Harvard-Konzept und das Harvard-Konzept hat ja als Untertitel Harat in der Sache und Weich zum Menschen.
- 15:10SPEAKER_01: Und das Ding ist ja, die meisten Menschen werden, wenn es um Verhandlungen geht, einfach ins kalte Wasser geworfen.
- 15:16SPEAKER_01: Und dann habe ich als Option nur intuitiv, viele haben eine Vorstellung von Kooperation, aber wenn es eng wird, dann driften die, die es eher beziehungsorientiert sind, ins Nachgeben.
- 15:28SPEAKER_01: Das ist das, was du gerade geschildert hast.
- 15:30SPEAKER_01: Und die, die sehr sachorientiert sind, driften ins Kämpfen.
- 15:34SPEAKER_01: Und quasi wie die frohe Botschaft ist ja zu sagen, du kannst beides haben, wenn du es kannst.
- 15:40SPEAKER_01: Weil es ist ja auch ein komisches Verständnis von Beziehungen, wenn ich glaube, die Beziehung besteht nur weiter, wenn ich nachgebe.
- 15:47SPEAKER_01: Und im Übrigen unterschätzen die Menschen oft auch, was das für ein Charisma und für eine Ausstrahlung erzeugt, wenn ich ein klares Statement mache.
- 15:56SPEAKER_01: Ich meine, ihr in Tübingen, ihr habt das Vorbild schlechthin, den Herrn Palmer.
- 16:02SPEAKER_01: Man hasst oder man liebt ihn, aber man kennt ihn und ich vermute, die allermeisten respektieren ihn, weil man weiß, woran man mit ihm ist, der hat den Arsch in der Hose, der vergreift sich auch mal im Ton.
- 16:14SPEAKER_01: Das ist halt ein Mensch, ja, der steckt dann auch mächtig Prügel ein und das kann der alles.
- 16:19SPEAKER_01: Und das ist, finde ich, immer sozusagen auch die Frage, was ist denn meine Vision von Führung?
- 16:27SPEAKER_01: Was ist denn auch meine ideale Version meiner selbst?
- 16:30SPEAKER_01: Ich finde es zum Beispiel dann auch toll, wenn man sagt, wofür stehst du denn, wenn du Führungskraft besitzt?
- 16:36SPEAKER_01: Und ganz individueller Definitionsprozess.
- 16:40SPEAKER_02: Und für dich als Expertin, wenn man das überhaupt so fragen kann, was könnten denn dazu die größten Fehler sein, wenn es um Verhandlungen geht?
- 16:49SPEAKER_01: Eben in seine archaischen Reflexe zu verfallen.
- 16:53SPEAKER_01: Ja, und dann, wenn jemand, also es gibt ja so eine lustige Idee, ich glaube, die Vera Birkenbiel hat das mal gesagt, es gibt halt zwei Arten von Menschen, es gibt Gehirnbesitzer, die haben halt eins.
- 17:05SPEAKER_02: Ja, die Vera.
- 17:06SPEAKER_01: Die drückt uns auf die Gehirnbenutzer, die nutzen es.
- 17:09SPEAKER_01: Und was wir ja typischerweise machen, wenn wir eine flexartig rangehen oder so ins kalte Wasser geworfen werden, wenn wir jemanden mögen, finden wir die Ideen von der Person gut.
- 17:20SPEAKER_01: Wenn wir jemanden blöd finden, finden wir die Idee von der Person blöd.
- 17:23SPEAKER_01: Wenn jemand eine blöde Idee hat, finden wir den Menschen blöd.
- 17:26SPEAKER_01: Und wenn jemand eine gute Idee hat, finden wir den Menschen gut.
- 17:29SPEAKER_01: Und das ist, finde ich, der größte Fehler, weil es entsteht eine unglaublicht und Kraft, wenn ich sagen kann, ganz egal, wie ich dich als Mensch finde, die Idee ist geil.
- 17:40SPEAKER_01: Oder zu sagen, ganz egal, wie ich dich als Mensch finde, die Idee ist kacke.
- 17:43SPEAKER_01: Und wenn dir das trennen, dann kann ich fast alles machen.
- 17:46SPEAKER_01: Wenn ich das nämlich schaffe, den Menschen in Würde und Anstand zu behandeln, mit Wertschätzung und sehe und höre, dann kann ich auf der Beziehungsebene auch wirklich mich betteln, auf der Sachebene mich auch wirklich betteln, wenn ich im Kontakt bleibe.
- 18:03SPEAKER_02: Finde ich was ganz Wichtiges gerade aktuell im politischen Diskurs.
- 18:07SPEAKER_02: Unbedingt, ja, so dieses die, wie oft höre ich auch immer wieder, mit denen reden wir nicht.
- 18:14SPEAKER_02: Und mir auch vorgeworfen wird im Rahmen von Gemeinderatsklausuren, rede ich natürlich auch mit denen, weil es sein Auftrag ist und ich nehme meinen Auftrag ernst und weil ich das genau auch so sehe.
- 18:28SPEAKER_02: Dass ich das gerne auch vom Menschen trenne.
- 18:31SPEAKER_01: Naja, und es gibt ja auch für Diplomatie so eine wertvolle Metapher, die heißt, Diplomatie heißt, Gesprächsfaden nicht abbrechen zu lassen.
- 18:38SPEAKER_01: Genau, so ist es.
- 18:39SPEAKER_01: Ja, und das ist ja auch wie im Privaten, die katholische Kirche hat für so Ehevorbereitungskurse gehabt, richtig streiten.
- 18:47SPEAKER_01: Weil es gehört dazu, in so einer lebendigen Beziehung, dass man auch mal verschiedene Interessen hat.
- 18:53SPEAKER_01: Ich finde immer, wenn Leute kommen mit Konflikttrainings und sagen, das Ziel ist, hinterher gibt es in unserer Firma keine Konflikte mehr, dann denke ich.
- 18:59SPEAKER_01: Dünnbäsche, weil es liegt in der Natur der Sake und in der Natur der verschiedenen Rollen, dass die Leute unterschiedliche Interessen haben.
- 19:07SPEAKER_01: Wenn ich das aber schaffe, das in Respekt zu machen, dann ist das eher was Inspirierendes und auch was, was wir ehrlich gesagt brauchen, wenn wir uns an die rasant sich verändernden Rahmenbedingungen anpassen wollen.
- 19:21SPEAKER_02: Mega spannend, liebe Carmen.
- 19:24SPEAKER_02: Ich könnte dir da noch ewig weiter zuhören und mir kommen da ganz viele Bilder aus meinem Alltag, aus Unternehmen oder eben auch Verwaltungen hoch.
- 19:33SPEAKER_02: Und ich hoffe, oder ich gehe jetzt sogar sehr davon aus, dass unsere Zuhörerinnen und Zuhörer da mit Sicherheit zu den einen oder anderen Impuls für ihren Alltag mitnehmen können.
- 19:42SPEAKER_02: Unsere gemeinsame Zeit ist leider für heute schon wieder vorbei.
- 19:45SPEAKER_01: Schade.
- 19:46SPEAKER_02: Gerne auf ein andermal wieder kamen mit dir, weiß ich ja, wir können uns da wirklich ewig über unsere Themen unterhalten.
- 19:53SPEAKER_02: Für mich heißt es zumindest auch, Verhandeln in der Verwaltung heißt, zwischen Auftrag, Beziehungen und Rahmenbedingungen zu navigieren.
- 20:01SPEAKER_02: Es geht um konstruktive Verhandlungsskills, die helfen können, Führungskräften handlungsfähig zu bleiben und auch tragfähige Lösungen zu entwickeln.
- 20:13SPEAKER_02: Und auch dann, wenn Spielräume begrenzt sind, dann möglichst genau auch innerhalb dieser Spielräume ins Gestalten zu gehen und eben nicht nur aus dem Kopf heraus, sondern aus dem Herzen und optimalerweise sich selbst und ihren Standpunkt dabei nicht zu vergessen.
- 20:29SPEAKER_02: In diesem Sinne, vielen, vielen lieben Dank, liebe Carmen.
- 20:31SPEAKER_02: Bis auf einen bald und danke euch, Zuhörerinnen und Zuhörer.
- 20:35SPEAKER_02: Bis dann.
- 20:36SPEAKER_02: Tschüss.
- 20:37SPEAKER_02: Danke dir.
- 20:41SPEAKER_00: Vielen Dank fürs Zuhören.
- 20:43SPEAKER_00: Weitere Informationen finden Sie unter amtsalerlei.de.
- 20:47SPEAKER_00: Wenn Ihnen der Podcast gefällt, abonnieren Sie amtsalerlei und empfehlen Sie uns gerne weiter.
- 20:52SPEAKER_00: Und denken Sie daran.
- 20:54SPEAKER_00: Bleiben Sie wirksam für die Menschen, für die Verwaltung, für die Zukunft.
- 20:58SPEAKER_00: Denn gute Führung in der Verwaltung bewegt mehr, als man oft auf den ersten Blick sieht.