Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 3. Theil - 12 - Von alten und neuen Tafeln
Transcript
- 0:00Also sprach Zarathustra ein Buch für alle und keinen dritter Teil
- 0:04Unterkapitel 12 von alten und neuen Tafeln in diesem 12.
- 0:11Unterkapitel wendet sich Zarathustra direkt an seine
- 0:14Zuhörer und geistigen Brüder, er ruft sie dazu auf, ein völlig
- 0:18neues Verständnis von Adel zu erschaffen, er spricht von einem
- 0:21neuen Adel, aber er meint damit keine Könige, Grafen oder
- 0:25Menschen mit einem bestimmten Nachnamen.
- 0:28Der neue Adel, den Nietzsche hier durch Zarathustra
- 0:30beschreibt, ist ein Adel des Geistes, des Charakters und des
- 0:34starken Willens. Zarathustra gibt seinen
- 0:37Anhängern eine große Aufgabe, sie sollen die Schöpfer, die
- 0:40Erzeuger und die Säemänner der Zukunft werden, das bedeutet,
- 0:45dass ihre ganze Lebensaufgabe darin bestehen soll, den Boden
- 0:48für eine höhere Form des Menschen vorzubereiten.
- 0:51Dieser höhere Mensch ist bei Nietzsche der sogenannte
- 0:53Übermensch. Der Übermensch ist das große
- 0:56Ziel. Ein Mensch, der alle bisherigen
- 0:58Schwächen hinter sich gelassen hat, der das Leben voll und ganz
- 1:01bejaht und seine eigenen starken Werte erschafft.
- 1:05Zarathustra macht sofort klar, dass man sich diesen neuen Adel
- 1:08nicht mit Geld kaufen kann, er verspottet die Händler und
- 1:11Geschäftsleute, die glauben, man könne sich Ehre mit Gold
- 1:14erkaufen. Für Zarathustra hat alles, was
- 1:17nur einen Preis hat und gekauft werden kann, in Wahrheit nur
- 1:20sehr wenig Wert, der wahre Wert eines Menschen liegt in seinem
- 1:23Inneren. Die wichtigste Botschaft dieses
- 1:26Abschnitts ist die radikale Abkehr von der Vergangenheit.
- 1:30Bisher wurde die Ehre eines Menschen danach beurteilt, woher
- 1:33er kam. Es zählte die Familie, die
- 1:35Herkunft und die Tradition. Zarathustra dreht das komplett
- 1:39um, er sagt, dass es ab jetzt keine Rolle mehr spielen darf,
- 1:42woher man kommt, die neue Ehre soll sich allein danach richten,
- 1:46wohin man geht, der eigene Wille und der eigene Weg, der mutig
- 1:50über einen selbst hinaus in die Zukunft führt.
- 1:53Bestimmen von nun an den wahren Wert und die Ehre eines
- 1:56Menschen. Dann beginnt Zarathustra
- 1:58aufzuzählen, worauf seine Anhänger auf keinen Fall stolz
- 2:01sein sollen. Er lehnt die alten Systeme der
- 2:04Macht ab, es ist keine Ehre, Königen oder Fürsten gedient zu
- 2:08haben, es ist auch keine Leistung wie eine Schutzmauer
- 2:11für das Alte zu stehen, nur damit die alten überholten
- 2:14Herrschaftssysteme noch ein bisschen länger erhalten
- 2:16bleiben, ebenso macht er sich über das Leben an den
- 2:19königlichen Höfen lustig. Er beschreibt die Höflinge, die
- 2:23Diener der Könige als oberflächlich, er vergleicht sie
- 2:26mit bunten Flamingos, die stundenlang einfach nur in
- 2:29flachen Teichen herumstehen. Zarathustra spottet, dass für
- 2:33diese Menschen das stundenlange, artige stehen als große Leistung
- 2:37gilt, er macht einen Witz darüber, dass diese Höflinge
- 2:40wahrscheinlich glauben, die größte Belohnung und Seligkeit
- 2:43nach dem Tod sei es, sich endlich einmal hinsetzen zu
- 2:45dürfen. Damit zeigt er, wie leer und
- 2:48sinnlos das Leben derer ist, die nur den Mächtigen gefallen
- 2:51wollen. Nach der Kritik an den Königen
- 2:54wendet sich Zarathustra gegen die Religion, genauer gesagt
- 2:57gegen das Christentum, er spricht von einem Geist, den die
- 3:01Menschen heilig nennen, und meint damit den heiligen Geist
- 3:04der christlichen Lehre, er kritisiert, dass dieser Geist
- 3:08die Vorfahren angeblich in gelobte heilige Länder geführt
- 3:11hat. Zarathustra sagt ganz offen,
- 3:14dass er diese Länder nicht loben kann.
- 3:17Der Grund dafür ist, dass dort seiner Meinung nach der
- 3:20schlimmste aller Bäume gewachsen ist.
- 3:22Das Kreuz. Das Kreuz steht bei Nietzsche
- 3:25als Symbol für das Christentum, welches er als eine Religion
- 3:28ablehnt, die das Leid verherrlicht und das starke,
- 3:31gesunde Leben auf der Erde abwertet.
- 3:34Wenn er über die historischen Züge in diese gelobten Länder
- 3:37spricht, wie zum Beispiel die Kreuzzüge des Mittelalters.
- 3:40So spottet er, dass bei diesen Unternehmungen nur dumme
- 3:43Herdentiere wie Ziegen und Gänse sowie starrsinnige, engstirnige
- 3:47Menschen vorangelaufen sind. Weil die Vergangenheit also von
- 3:50Schwäche, falscher Religion und blinder Unterordnung geprägt
- 3:54ist, ruft Zarathustra dazu auf, nicht mehr zurückzublicken, die
- 3:58neuen, edlen Menschen sollen sich wie Vertriebene aus den
- 4:01Ländern ihrer Väter und Vorväter fühlen, sie sollen die
- 4:04Traditionen hinter sich lassen, ihre ganze Liebe und
- 4:07Aufmerksamkeit soll stattdessen dem Land ihrer Kinder gelten.
- 4:11Das Kinderland ist bei Nietzsche ein starkes Bild für die
- 4:13Zukunft. Es ist wie ein noch unentdecktes
- 4:16Land in einem riesigen Unbekannten Ozean.
- 4:20Zarathustra fordert sie auf, ihre Segel zu setzen und
- 4:22unermüdlich nach diesem neuen Land, also nach einer besseren
- 4:26Zukunft zu suchen. Zum Schluss erklärt er, wie die
- 4:29Menschen mit ihrer eigenen fehlerhaften Vergangenheit
- 4:32umgehen sollen. Man kann nicht ändern, dass man
- 4:35das Kind seiner Vorfahren ist und deren Schwächen in sich
- 4:38trägt. Aber man kann diesen Makel
- 4:40wiedergutmachen. Die Wiedergutmachung besteht
- 4:43darin, dass man sich voll und ganz für die eigenen Kinder und
- 4:46die kommenden Generationen einsetzt, indem man die Zukunft
- 4:49besser, stärker und freier Macht, gibt man der ganzen
- 4:52fehlerhaften Geschichte der Vorfahren nachträglich einen
- 4:55Sinn, man erlöst die Vergangenheit, indem man sie zur
- 4:59bloßen Vorstufe für eine großartige Zukunft macht.
- 5:02Genau diese Forderung, alles für die Zukunft und den Übermenschen
- 5:06zu tun, ist die neue Regel. Die neue Gesetzestafel, die
- 5:10Zarathustra hier aufstellt.