Latest / Gin And Talk / Sönke Wortmann über Diplomatie, Streitkultur und das Schreiben
Transcript
- 0:00Speaker 0: Und ich habe auch Autoren angerufen, die ich kenne und hab sie gefragt.
- 0:04Speaker 0: Wenn ihr Roman angeht, wisst ihr eigentlich schon wie der ausgeht?
- 0:08Speaker 0: Muss man das wissen, wie der Roman
- 0:11Speaker 0: ausgeht?".
- 0:11Speaker 0: Und dann haben die gesagt ja besser wär's schon!
- 0:14Speaker 0: Ich wusste es aber nicht, ich wusste eigentlich gar nichts.
- 0:17Speaker 0: Der Diplomat, der Ja sagt meint vielleicht, der der vielleicht sagt nein und der der Nein sagt ist kein Diplomat.
- 0:27Speaker 0: Es ist total schön zu sehen, wie man mit Argumenten andere Leute überzeugen kann.
- 0:32Speaker 0: Wie die anderen auch zuhören müssen.
- 0:36Speaker 0: Man lässt sich ausrehen und wenn das geübt werden würde – schon in der Grundschule, da gibt es auch erste Versuche jetzt schon – ich glaube dass, wenn man das so ein bisschen mit der Muttermilch oder schon mitkriegt, das würde auch viel helfen in einer politischen Auseinandersetzung.
- 0:56Speaker 1: Herzlich willkommen, mein Name ist Daniel Fürk und ich bin heute in Berlin um mich hier mit meinem heutigen Genentor Gast zu treffen.
- 1:02Speaker 1: Sönke Wortmann ist Filmregisseur, Filmproduzent und Neuerdings auch Buchautor.
- 1:07Speaker 1: In seinem aktuellen und ersten Roman es gilt das gesprochene Wort taucht er in die Hohekunst der Diplomatie ein und nimmt seine Leser mit auf eine Reise hinter die Kulissen des Auswärtigen Amtes.
- 1:18Speaker 1: Sein aktueller Film Contra mit Nilam Faruk und Christoph Maria Herbst in den Hauptrollen startet am achtundzwanzigsten Oktober in den Kinos.
- 1:24Speaker 1: Und dreht sich nicht zuletzt um die Debattenkultur in unserem Land.
- 1:28Speaker 1: Ich wollte von ihm wissen, wie er gerade auch wenige Wochen nach den ersten Bildern chaotischer Zustände in Afghanistan zur Arbeit des Auswärtigen Amtes steht Wie es dazu kam dass er nun noch Schriftsteller wurde und was wir alle gemeinsam machen müssen Um die Debatting Kultur in unserem land zu verbessern.
- 1:45Speaker 1: Bevor wir aber gleich starten noch eine Bitte, wenn euch den Talk gefällt folgt uns bei Spotify, Apple Podcasts oder wo auch immer ihr gerne Podcasts hört.
- 1:53Speaker 1: So verpasst ihr auch keine der folgenden Episoden!
- 1:56Speaker 1: Jetzt dabei.
- 1:57Speaker 1: viel Spaß beim Zuhören – schön dass ihr alle wieder mit dabei seid!
- 2:10Speaker 0: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge Gin & Talk.
- 2:18Speaker 0: Mach es dir gemütlich,
- 2:20Speaker 1: lehne dich zurück und tauche ein in die verrucht düstere
- 2:25Speaker 0: Atmosphäre unserer Studio-Bar!
- 2:35Speaker 1: Sünke Wortmann ich freue mich sehr dass wir uns heute hier in Berlin treffen können und über ihr tolles neues Buch sprechen können.
- 2:43Speaker 1: Wie kam's denn überhaupt zur Idee einen Buch zu schreiben?
- 2:46Speaker 1: ... Roman Debüt in diesem Sinne dann auch jetzt auf den Markt zu bringen.
- 2:53Speaker 0: Ja, also es ist ja nicht mein neues Buch sondern mein allererstes Buch.
- 2:56Speaker 0: Genau.
- 2:56Speaker 0: Das ist sofern bin ich sehr aufgeregt.
- 3:02Speaker 0: und wie kommt man drauf?
- 3:03Speaker 0: Ich kann's gar nicht so richtig.
- 3:05Speaker 0: das hat sich so ergeben.
- 3:06Speaker 0: Es gab jetzt kein Schlüsselerlebnis dafür, sondern ich hatte irgendwann mal das Gefühl... ...ich würde das gerne mal versuchen.
- 3:13Speaker 0: So ein Mann muss ja mal einen Haus bauen Kind kriegen einen Roman schreiben, dachte ich mir.
- 3:17Speaker 0: Und so kam ich irgendwann auf dieses Milieu also Diplomatenmilieu es geht ja um Sprache und Diplomatie auch hauptsächlich in diesem Roman und saß eines Tages beim Friseur in Prag und dachte das könnte ... Das war eine ganz kurile Situation.
- 3:39Speaker 0: und dann dachte ich, das könnte doch mal ein Roman anfangen sein.
- 3:42Speaker 0: Da habe ich mir das so notiert und aufgeschrieben Und dann fehlten natürlich noch sämtliche Figuren am Anfang.
- 3:49Speaker 0: Da ich schon mal mit auf Staatsbesuch war in der Kulturdelegation von deutschen Politikern, hat mir auch dieses Milieu sehr gut gefallen.
- 4:00Speaker 0: und dann habe ich mir den Redenschreiber ausgesucht als Hauptfigur des deutschen Außenministers.
- 4:06Speaker 0: Dann kam meine zweite Hauptfigure dazu.
- 4:11Speaker 0: Dieser Redenschreiber ist mir sehr sympathisch.
- 4:13Speaker 0: Braute ich einen Antagonisten Ein Diplomat, der irgendwo auf dem Abstiegleis sitzt und frustriert ist.
- 4:19Speaker 0: Von Schröder heißt die Figur... Als drittes dachte ich einen Mann des Wortes, der bestimmt auch im Privatleben und es mit einer Frau zusammen, sie leben zusammen also seine Freundin und die kann nicht sprechen.
- 4:34Speaker 0: Und da gibt's einen speziellen Ausdruck dafür.
- 4:38Speaker 0: selektiver Mutismus heißt das und die können nur dann sprechen, wenn sie wirklich im familiären Rahmen sind.
- 4:45Speaker 0: Sobald dann jemand Fremdes auch nur in der Nähe ist, verstummen die komplett und da habe ich viel darüber recherchiert.
- 4:52Speaker 0: Und diese Konstellation hat mich durch den Roman getragen.
- 4:57Speaker 0: Jetzt hab' ich aber viel... Viel gesagt auf einmal, oder?
- 5:00Speaker 1: Alles gut.
- 5:01Speaker 1: Es gilt das gesprochene Wort heißt das Buch und es ist eben diese Geschichte dieser zwei vor allem dieser beiden Protagonisten von Schröder und Klenke.
- 5:11Speaker 1: Von Schröda ist in Marokko und Klinke in Berlin direkt beim Auswärtigen Amt als Redenschreiber des Ministers.
- 5:18Speaker 1: Und was ich an dem Buch so toll fand Wirklich, es geht eigentlich nonstop um das gesprochene Wort und es sind ganz viele Botschaften zwischendrin auch an diesen beiden Protagonisten.
- 5:32Speaker 1: Weil von Schröder ist ja so die große Familiendynastie der Diplomatie sozusagen seine ganze... ... seine Vorfahren quasi waren schon alle immer in diesem Thema beschäftigt.
- 5:47Speaker 1: Und Klenke, der ich sage jetzt mal junge Wilde aus der Werbung kommt und aber am Ende des Tages eigentlich erfolgreicher ist als von Schröder mit seinen sehr traditionellen Themen war das auch genauso angelegt?
- 6:01Speaker 1: Mit dem Gedanken dass man sagt irgendwie ändert sich in der Welt gerade so viel und auch diese alten Traditionen... ...und diese vorgeschriebenen Karrieren werden irgendwie aufgebrochen.
- 6:11Speaker 0: Ja, ich habe da ziemlich viel zu recherchiert.
- 6:14Speaker 0: Auch im Auswärtigen Amt und es ändert sich tatsächlich auch.
- 6:18Speaker 0: was also vor zwanzig dreißig Jahren waren da sehr viele Juristen die Diplomaten werden wollten und auch geworden sind.
- 6:27Speaker 0: das wurde gibt's natürlich immer noch aber lange nicht mal in der Überzahl wie es einmal war.
- 6:33Speaker 0: Es gab auch erstaunlich viele Adlige die das machen wollten, auch das ist weniger geworden.
- 6:39Speaker 0: Die Behörde ist viel moderner und zeitgemäßer
- 6:43Speaker 0: geworden.".
- 6:44Speaker 1: Also hat sich da auch sehr viel verändert und um Veränderung geht es ja auch in dem Buch immer wieder weil man natürlich auch in Zeiten, in denen sich ständig nicht nur technologisch etwas verändert sondern auch politisch und gesellschaftlich was verändert so große Themen wie auch die Migrationspolitik eine große Rolle spielt Buch ja auch sehr zentral ist.
- 7:04Speaker 1: Und da hat man ja auch wieder diese extreme Sicht von einem von Schröder, die sehr traditionell ist.
- 7:11Speaker 1: Wie geht es ihnen denn mit oder nicht traditionell?
- 7:14Speaker 1: Sehr konservativ und fast schon eher ... Stück weit rechts ist.
- 7:19Speaker 1: Wie geht es Ihnen denn bei diesem Thema gerade generell auch in Deutschland, in der Politik und auch in der Wahrnehmung der Gesellschaft wenn's um Migrationen und das ganze Flüchtlingsthema auch geht dass ja seit zweitausendfünfzehn aller spätestens in unser aller Bewusstsein ist?
- 7:36Speaker 0: Ja, Migration und Klima sind für mich die beiden großen Themen jetzt und auch der auch in Zukunft.
- 7:46Speaker 0: Und wie ist mir so viel?
- 7:49Speaker 0: Senderzeit haben wir gar nicht, wenn das alles sagt man Senderzeiten im Podcast.
- 7:56Speaker 0: Um das wirklich zu analysieren – es ist auch ein schwieriges Thema was man noch nicht so leicht kann und jetzt ist auch noch Wahlkampf im Moment.
- 8:06Speaker 0: Das heißt, wenn wir gehört werden ist der Wahlkampf gerade vorbei dann wird man vielleicht wieder ein bisschen ehrlicher.
- 8:16Speaker 0: Ja, ich kann da gar nicht immer mehr.
- 8:18Speaker 0: Es ist so viel das mir schwerfällt jetzt zitierfähig Dinge dazu auch zu sagen tatsächlich.
- 8:26Speaker 1: Also es ist ja auch eine verrückte Zeit in der wir da leben.
- 8:29Speaker 1: also Wir haben auf einmal und dass es ja auch in dem Buch immer wieder... Gruppierung, die irgendwie immer größer zu werden scheint.
- 8:40Speaker 1: Aber eigentlich ist sie ja gar nicht so groß ehrlicherweise sondern Sie wird nur groß gemacht durch viel Präsenz doch viel Kommunikation am Ende des Tages.
- 8:51Speaker 1: diese Gruppierung die glaubt dass sie in einem Land leben indem die Demokratie nicht mehr zählt in dem Meinungsfreiheit nicht mehr da ist was ja alles gar nicht stimmt.
- 9:02Speaker 1: also es ist ja nur diese von dieser Gruppe gefühlte Einschränkung oder gefühlten falsche Wahrnehmung?
- 9:11Speaker 0: Ja, dass man auch nicht sagen kann was man denkt.
- 9:13Speaker 0: Dass man das ja nicht mehr sagen darf.
- 9:19Speaker 0: Ich bin gar nicht sicher ob die das wirklich so meinen oder ob es nur vorgeschoben ist um so Grenzen auszuloten Und darum geht das Buch eben auch, also im Streitkultur, die ich ja sehr wichtig finde und die aber nicht nur bei uns, aber auch bei uns ganz schön den Bach runtergegangen ist.
- 9:41Speaker 0: Also wenn ich so anonyme Beschimpfungen auf Facebook oder so sehe... Man hört sich nicht mehr zu und sollte auch dringend mal wieder geändert werden.
- 9:53Speaker 1: Ihr gefühlt hat jeder nur noch eine fertige Meinung, von der sowieso nicht mehr abweichen möchte.
- 9:58Speaker 1: Und es gibt auch eigentlich nur noch schwarz und weiß also es gibt nur die extreme irgendwie und alles dazwischen in den ganzen Grautöne, die sind gar nicht mehr wahrnehmbar irgendwie.
- 10:09Speaker 1: Ja
- 10:10Speaker 0: das stimmt!
- 10:10Speaker 1: Jetzt haben Sie vorhin schon gesagt sie haben für ihr Buch viel recherchiert und das ja vermutlich auch mitten in der Pandemie nehme ich an.
- 10:19Speaker 1: wie war das dann?
- 10:22Speaker 1: Es geht ja auch viel um Marokko.
- 10:23Speaker 1: Sie haben auch in ihrer Dankssagung dem Botschafter von Marokco auch gedankt, dass er ihn da geholfen hat bei der Recherche.
- 10:33Speaker 1: Wie muss man sich das vorstellen mitten in einer Corona-Pandemie dann auch sich in andere Länder hineinzudenken sozusagen?
- 10:42Speaker 1: Wo wir alle nicht so wirklich viel reisen konnten!
- 10:45Speaker 0: Ja, ich hole mal ein bisschen aus.
- 10:46Speaker 0: Es ist jetzt nicht so gewesen... ...dass die Pandemie kam und mir langweilig war.
- 10:51Speaker 0: Und ich dachte auch, jetzt schreibe ich mal einen Roman an.
- 10:53Speaker 0: Sondern ich war es schon vorher da.
- 10:55Speaker 0: Ich hatte auch fest vor euch, hat mich das Jahr im Jahr zwanzig komplett freigehalten um diesen Roman zu schreiben.
- 11:02Speaker 0: Im März ging's dann los mit der Pandemie.
- 11:05Speaker 0: Da hatte ich einfach nur noch mehr Zeit als ich eigentlich wollte.
- 11:10Speaker 0: Die Recherche war vorher schon.
- 11:12Speaker 0: Tatsächlich in Marokko, ich war auch in Südafrika.
- 11:15Speaker 0: In Pretoria an der Botschaft bin da netterweise von den Botschaftern und auch den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen sehr freundlich aufgenommen worden.
- 11:25Speaker 0: Ich war bei allen Sitzungen dabei.
- 11:28Speaker 0: Ich habe so rausgekriegt wie eine Botschaft überhaupt funktioniert als Kosmos.
- 11:35Speaker 0: Bis hin zu Kleinigkeiten.
- 11:36Speaker 0: das auf der Toilette in Rabatt dass da auch wirklich Handtücher hängen mit Namensschirrt.
- 11:42Speaker 0: Das hat jeder sein eigenes Handtuch, was ja gar nicht so verkehrt ist aber es war dann schon kam er schon sehr deutsch vor.
- 11:54Speaker 0: Was aber ja auch wie gesagt nichts Schlimmes sagen muss.
- 11:58Speaker 0: ansonsten war ich überrascht wie wenig piefig eigentlich das deutsche Diplomatentum im Ausland.
- 12:09Speaker 0: Ich habe mir das wesentlich verkrampfter oder konservativer Steifer vorgestellt, aber die sind zu großen Teilen wirklich locker drauf und das hat mich positiv überrascht.
- 12:24Speaker 1: Also ist von Schröder so ein bisschen ein aussterbendes Relikt aus einer anderen Zeit?
- 12:29Speaker 0: Ja es wird wie gesagt weniger... Aber es ist natürlich nach wie vor eine Romanfigur.
- 12:35Speaker 0: Also die gibt's in echt jetzt nicht, hoffe ich jedenfalls dass sie die nicht gibt.
- 12:40Speaker 0: Insofern aussterbend nicht aber Sie wird seltener dieser Typus-Diplomat wird selter.
- 12:48Speaker 1: Was mir aufgefallen ist und da können Sie mir gerne widersprechen wenn Sie das anders sehen, aber ich hatte das Gefühl Man merkt bei ihrem Buch, dass sie sehr viele Filme gemacht haben.
- 13:00Speaker 1: Ich hab das Gefühl zumindest.
- 13:01Speaker 0: Interessant!
- 13:02Speaker 0: Weil Sie
- 13:03Speaker 1: auch sehr entbildern ... erzählt haben.
- 13:06Speaker 1: Also ich hatte immer das Gefühl, sie hatten eigentlich schon im Kopf wie diese Szene am besten aussehen müsste und haben die sehr gut beschrieben so dass man sich da wirklich irgendwie rein denken konnte, dass man wirklich ein Gefühl dafür hatte, wie sieht es da jetzt geradeaus?
- 13:21Speaker 1: Ging es Ihnen da ein bisschen so, wenn Sie diese Geschichte aufgeschrieben haben, dass Sie auch immer irgendwie Bilder schon im kopf hatten?
- 13:28Speaker 0: Ehrlich gesagt nein!
- 13:29Speaker 0: Ich hätte ja keine Ahnung was mich erwartet sogar relativ selten Drehbücher geschrieben, wenn dann oft nach Roman vorlagen und Roman zu schreiben war für mich so völlig neu landet.
- 13:41Speaker 0: Ich habe dann auch nur eine Chance, indem ich das einfach mal mache, dass alles mal rausfließt was ich so denke oder was ich mir so vorstelle.
- 13:52Speaker 0: Und ich hab auch Autoren angerufen die ich kenne und habe sie gefragt Wenn ihr Roman angeht wisst ihr eigentlich schon wie der ausgeht muss man das wissen, wie der Roman ausgeht?
- 14:04Speaker 0: und dann haben die gesagt ja besser wäre schon.
- 14:07Speaker 0: Ich wusste es aber nicht.
- 14:08Speaker 0: ich wusste eigentlich gar nichts.
- 14:09Speaker 0: ich hatte nur die erste eine Figur dann die zweite dann die dritte von den Hauptfiguren.
- 14:16Speaker 0: dann hat sich's eigentlich so ergeben und ist zwar nicht so dass ich jetzt filmisch schreiben wollte sondern ich habe einfach beschrieben was ich da was ich gedacht habe Und ich habe auch übrigens nicht vor, den Roman zu verfilmen.
- 14:31Speaker 0: Das finde ich... wie soll ich es sagen?
- 14:36Speaker 0: Ich würde mich sehr freuen wenn er verfilmt würde aber nicht von mir sondern ich hab's ein paar mal jetzt erlebt dass sich die Werke anderer Romanautoren verfilmt durfte und ich bin sehr gespannt wie das andersrum ist was jemand draus macht aus dem was ich da jetzt erfunden habe.
- 14:55Speaker 1: Ja, spannend.
- 14:57Speaker 1: Aber kann ich mir gut vorstellen?
- 14:58Speaker 1: Ich glaube man ist ja selbst ... Glaubt uns nicht!
- 15:02Speaker 1: Man könnte sich da selbst... Also ich hätte das Gefühl, glaub ich wenn ich das selbst geschrieben habe dass man sich da gar nicht gerecht werden kann also wenn man jetzt anfangen würde daraus einen Film selbst zu machen.
- 15:13Speaker 1: Ich glaube ich hatte Probleme damit und mich so gut mit Filmen auskenne wie Sie.
- 15:21Speaker 1: Aber ich hatte glaube ich ein Problem damit, dass sich eine fixe Vorstellung irgendwie schon im Kopf hätte, wie es sein soll oder sein müsste und mir da wahrscheinlich gar nicht gerecht werden
- 15:31Speaker 1: könnte.".
- 15:31Speaker 1: Ja
- 15:31Speaker 0: man ist einfach objektiver wenn man einen Stoff behandelt den man nicht selber erfunden hat.
- 15:36Speaker 0: also man hat mehr Abstand und ich glaube das würde einem Film auch gut tun.
- 15:42Speaker 0: Also als Autor hacken wir ja dann doch an vielen Szenen Und die würde ich mir als Regisseur dann ans Film-Bauscher gar nicht durchgehen lassen.
- 15:50Speaker 0: Das kann raus, das kann raus!
- 15:52Speaker 0: Als Autor denke ich eher, hm... vielleicht kann auch alles drin bleiben?
- 15:56Speaker 0: Weil der Autor findet natürlich das Wichtig was er da beschreibt sonst hätte es ja nicht geschrieben und da muss jemand kommen, der den Zahn zieht.
- 16:08Speaker 1: Jetzt ist das Thema Außenpolitik ja, man muss sagen tragischerweise gerade aktueller denn je aufgrund der Situation in Afghanistan.
- 16:18Speaker 1: Wie geht es Ihnen dann momentan mit der Arbeit des Auswärtigen Amtes wenn es um Afghanistan geht?
- 16:26Speaker 1: wo sie ja auch so viel recherchiert haben rund um dieses Buch und verstehen, wie die Arbeit dort funktioniert.
- 16:31Speaker 1: Können Sie das ein Stück weit nachvollziehen?
- 16:33Speaker 1: Wie es dazu kommen konnte nach der ganzen Recherche?
- 16:37Speaker 1: also dass da Fehler gemacht worden sind?
- 16:39Speaker 0: Nee kann ich nicht wirklich.
- 16:40Speaker 0: Das einzige was mich in Anführung sich Zeichen ein bisschen tröstet aber natürlich nicht wirklich für die armen Leute da ist, dass die anderen es auch nicht besser konnten oder auch nicht mehr gewusst haben.
- 16:51Speaker 0: Also die Geheimdienste Auch von anderen Ländern, Amerika, Frankreich.
- 16:58Speaker 0: Die haben auch nicht gesehen wie schnell das jetzt geht.
- 17:02Speaker 0: und ja es ist eine schwierige Entscheidung.
- 17:06Speaker 0: also wenn man die Leute zu früh... Also wenn man denkt dass die afghanische Regierung Stabil ist, und dann anfängt die Ortskräfte schon auszufliegen.
- 17:20Speaker 0: Dann würde es zu einer destabilisierung natürlich beitragen.
- 17:24Speaker 0: Das ist ein ganz schlechtes Zeichen!
- 17:27Speaker 0: Es war jetzt natürlich zu spät, aber da so den Punkt zu erwischen, wo das genau richtig gewesen wäre, ist bestimmt nicht einfach.
- 17:36Speaker 0: Aber trotzdem ist es blamabel, da kann man gar nicht drum herumreden... ...aber ich bin froh dass solche Entscheidungen nicht treffen.
- 17:44Speaker 0: ... muss in meinem Leben.
- 17:46Speaker 1: Gab ein nettes Zitat in Ihrem Buch, ... ... Diplomatie ist die vornehmste Form der Lüge?
- 17:53Speaker 1: Ist es so?
- 17:54Speaker 1: Also geht Diplomatie ohne Lügen nicht wirklich?
- 17:58Speaker 0: Nee aber das ist nicht so.
- 18:00Speaker 0: mein Liebingszitat also steht wohl drin... ... aber es gibt.
- 18:03Speaker 0: sie kommen ein paar vor zur Diplomatic und Treffender finde ich.
- 18:09Speaker 0: der Diplomaat Der ja sagt, meint vielleicht.
- 18:13Speaker 0: Der der vielleicht sagt, der meint nein und der der nein sagt ist kein Diplomat.
- 18:18Speaker 0: also das trifft es noch besser Und er ist ein anderes Anderspruch geht so Diplomatie ist solange um den heißen Brei herum zu reden bis er kalt ist.
- 18:32Speaker 0: Das macht schon alles Sinn.
- 18:34Speaker 0: Also man hat ja einen Ein Ziel, was man erreichen möchte.
- 18:40Speaker 0: Man möchte einen bestimmten Vertrag unterschreiben können oder bestimmte Bedingungen herstellen können für Menschen irgendwo auf der Welt und das geht oft nur in Gesprächen mit anderen die eventuell gegenseitig ein gegenteiliges Interesse haben.
- 18:57Speaker 0: Und da muss man Kompromisse machen.
- 18:59Speaker 0: und da fängt die Diplomatie an.
- 19:00Speaker 0: natürlich wird er auch mit allen Mitteln.
- 19:08Speaker 0: Ich sehe da auch keinen anderen Weg, als es so zu machen.
- 19:13Speaker 1: Wie gut funktioniert eigentlich Diplomatie eines einzelnen Landes außerhalb der europäischen Grenzen, wenn dieses Land Teil der EU ist?
- 19:22Speaker 1: Das ist mir bei ihrem Buch auch ab und so in den Kopf geschossen.
- 19:25Speaker 1: Weil wenn jetzt Deutschland hier nach Marokko fliegt um da etwas auszuhandeln was ja am Ende des Tages irgendwie auch in dieses ganze europäische Konstrukt passen muss der europäischen Länder untereinander.
- 19:39Speaker 1: Das ist ja eine wahnsinnige Komplexität eigentlich.
- 19:42Speaker 0: Es ist total schwierig, also die EU ich bin natürlich ein großer Anhänger in der Europäischen Union aber manche Sachen werden einfach auch schwieriger dadurch und unter anderem das.
- 19:55Speaker 0: Und natürlich muss man bei Verhandlungen mit anderen Staaten... Also gerade da geht es bei dem Thema Immigration und da ist Marokko nun mal der Das insofern wichtigste Land, weil über Marokko eine der großen Flüchtlingsrouten eben führt.
- 20:13Speaker 0: Und ja deswegen spielt er auch letztendlich da den Roman.
- 20:21Speaker 0: Also man spielt natürlich auch in Berlin und Prag aber letztendig führen die Wege nach Marokco zu diesem Abkommen was da verhandelt werden soll.
- 20:31Speaker 0: Da bin ich auch gerne hingefahren um zu recherchieren, weil ich das zugeben darf!
- 20:36Speaker 1: Jetzt war ja das, was wir in den letzten Jahren an Flüchtlingsströmen gesehen haben und erlebt haben.
- 20:41Speaker 1: Ja eigentlich erst sozusagen der Anfang von dem, was da auf uns zukommen wird.
- 20:46Speaker 1: Weil wenn wir davon ausgehen dass die Klimakrise dazu führt, dass viele Regionen auch gerade in Afrika einfach nicht mehr bewohnbar sein werden weil es dort zu heiß sein wird, weil die Sommer zu heiß aber auch die Winter zu warm sind.
- 21:01Speaker 1: Also ganze Landstriche einfach nicht lebenswert sein werden werden wir ja noch mal ganz andere Flüchtlingsströme sehen vermutlich von Menschen, die einfach kein Lebensraum mehr haben dort wo sie hergekommen sind.
- 21:17Speaker 1: Müssen wir nicht eigentlich jetzt schon anfangen viel stärker in Lösungen zu investieren und es zu überlegen wie kann man diesem Thema herwerden?
- 21:26Speaker 1: Weil ich habe immer so diese zwei Bilder, wenn wir bei dieser schwarzen Weißsache von vorhin noch mal sind.
- 21:32Speaker 1: Ich hab immer diese zwei Bildern im Kopf.
- 21:34Speaker 1: auf der einen Seite irgendwie Europa zieht die Grenzen hoch und wir lassen einfach niemanden mehr rein weil wir nicht mehr klarkommen mit dem was da kommt und weil wir vielleicht auch intern klarkommen oder zu einer Lösung kommen, weil eben diese Komplexität der vielen Interessen der einzelnen Länder so groß ist.
- 21:51Speaker 1: Dass wir einfach vielleicht nicht rechtzeitig zu einer Lösungen kommen oder Wir finden einen sinnvollen gemäßigten Weg, der aber vielleicht auch damit zu tun hat dass wir gerade in Nordafrika uns überlegen wie können wir dort in Lebensräume investieren?
- 22:07Speaker 1: Wie können wir denen Menschen dort helfen, vielleicht doch irgendwie einen Lebensraum erhalten zu können?
- 22:15Speaker 0: Sie stellen so große Fragen jetzt schon zum zweiten Mal, wo ich auch hier natürlich keine Lösungen habe und selbst die Politik hat ja keine.
- 22:23Speaker 0: Richtig ist natürlich jetzt man so früh möglich anfangen muss was teilweise auch getan wird.
- 22:30Speaker 0: es wird ja bemüht sich auch bemühen durch Entwicklungshilfe Lebensbedingung der Leute da besser zu machen.
- 22:40Speaker 0: ob das jetzt reicht kann ich nicht beurteilen.
- 22:44Speaker 0: Ich befürchte nicht, weil ich befürkte auch das was Sie erwähnt haben also Klimakrise und dort wird den der Lebensräumen in Zukunft natürlich wird es immer mehr.
- 22:57Speaker 0: Und natürlich muss man da auch Leute hier reinlassen auf jeden Fall Natürlich können es aber auch wieder nicht alle sein, weil dann wird auch in Europa viel zusammenbrechen.
- 23:16Speaker 0: Auch da wieder so das richtige Maß zu finden, das wird die Aufgabe sein und sie am Rechtes wird nicht weniger jetzt sondern wahrscheinlich sogar deutlich mehr.
- 23:29Speaker 0: Und ich kann mir vorstellen dass irgendwann... Nicht dass ich mir das wünsche Dass Europa irgendwann in, weiß ich nicht, zehn, zwanzig Jahren auch sagt ne jetzt geht's.
- 23:42Speaker 0: Jetzt kommt keiner allein so tragisch das ist.
- 23:47Speaker 0: Ich bin sehr gespannt also was die Zukunft da bringt in dem Punkt
- 23:53Speaker 1: Wenn wir noch mal einen kleinen Sprung zu ihrem Film machen der ja auch jetzt ins Kino kommt.
- 24:00Speaker 1: Contra Mir ist da so eine kleine Parallele aufgefallen zu dem Buch, weil auch dort gibt es ja den ihr konservativen Kopf und die sehr moderne innovative Hauptdarstellerin quasi oder die Protagonistin.
- 24:21Speaker 1: Ist das ein Thema was sie was sie generell sehr reizt dieser dieser quasi Clash of Culture dieses modernen traditionell konservativ treffen aufeinander und finden dann vielleicht, und das ist ja eigentlich auch für eine Gesellschaft der Zukunft die Idealvorstellung.
- 24:37Speaker 1: Dass diese beiden Welten irgendwie ein gemeinsames Verständnis finden wie sie miteinander in die Zukunft schreiten können.
- 24:43Speaker 0: Ja unter anderem mit Hilfe der Diplomatie da werden wir auch über dem Thema.
- 24:47Speaker 0: also ich sehe da auch Parallelen.
- 24:48Speaker 0: es ist aber nicht so dass jetzt genau mein Thema ist was mich am meisten interessiert sondern Der Film sollte eigentlich schon im letzten Herbst kommen und wegen der Pandemie ging da die Kinoswahn zu.
- 25:02Speaker 0: Und jetzt kommen halt zwei Sachen ziemlich zeitgleich auf den Markt, die auch eine gewisse Schnittmenge haben – also auch da geht es um Sprache beim Film eher ums Debattieren und dass man diese Streitkultur, die ich ja wichtig finde und die der Romanie auch einfordert geübt werden kann in Debattier-Wettbewerben von denen ich gar nicht wusste, dass es in Deutschland eigentlich gibt.
- 25:29Speaker 0: Also ich kannte das aus Australien und aus England natürlich Frankreich aber es gibt's auch bei uns und da habe ich mich auch ein bisschen umgesehen und es ist total schön zu sehen also wie man mit Argumenten andere Leute überzeugen kann wie die anderen zuhören ja auch zuhörten müssen.
- 25:47Speaker 0: Man lässt sich ausrehen und wenn das geübt werden würde und schon in der Grundschule Und da gibt es auch erste Versuche jetzt schon.
- 25:55Speaker 0: Ich glaube, dass wenn man das so ein bisschen mit der Mutter im Milch oder schon mitkriegt, würde auch viel helfen in einer politischen Auseinandersetzung.
- 26:06Speaker 1: Jetzt kommen wir aus einer Pandemie-Situation heraus, in der wir ganz viel Unsicherheit hatten, Das Gefühl hatte, dass auch viele Menschen einfach viel gereizter waren als vorher und das mit dem diskutieren und debattieren gleich noch schwieriger war.
- 26:19Speaker 1: Als es davor schon war.
- 26:21Speaker 1: haben sie denn einen Tipp für Hörer die uns jetzt vielleicht auch zuhören?
- 26:25Speaker 1: Die sagen irgendwie ja ich merke das an mir selbst auch Ich bin vielleicht gereizt ... bin schneller auf die Palme zu bringen, wenn jemand nicht meiner Meinung ist.
- 26:33Speaker 1: Aber eigentlich weiß ich auch dass es falsch ist und irgendwie würde ich gerne das mit dem diskutieren wieder ein bisschen gemäßigter besser... ...und konstruktiver hinbekommen.
- 26:43Speaker 1: Haben Sie da eine Idee wie man sich irgendwie in Form bringen kann sozusagen?
- 26:52Speaker 0: Nee habe ich jetzt ehrlich gesagt nicht.
- 26:55Speaker 0: also man muss einfach nur glaube ich ... noch mal schon zurückgehen und nochmal nachdenken, wie möchte ich denn das mit mir umgegangen wird?
- 27:02Speaker 0: Ja.
- 27:03Speaker 0: Und... Ich möchte ja auch, dass mir zugehört wird und so kann man vielleicht über diesen Schritt mal kurz innehalten und dann wieder in eine andere Richtung gehen.
- 27:18Speaker 0: Aber so therapeutische Tipps...
- 27:21Speaker 1: Aber vielleicht soll ich den Debatierwettbewerb tatsächlich mal suchen und dann auch daran teilnehmen?
- 27:27Speaker 0: Ja, es ist natürlich schwierig jetzt für Leute überfährt sich.
- 27:32Speaker 0: Für die wird das ja eigentlich angeboten.
- 27:34Speaker 0: Das ist meistens schulisch oder universitär.
- 27:37Speaker 0: Und man kann aber rauskriegen wo der stattfindet – und das sind ganz Deutschland – und sich das mal angucken.
- 27:44Speaker 0: Also das kann man auf jeden Fall machen.
- 27:46Speaker 0: Ist hochinteressant.
- 27:47Speaker 0: Mitdebatieren glaube ich ist dann schwierig!
- 27:50Speaker 1: Ja es ist ganz lustig, weil das ist tatsächlich thematisch so ein bisschen eine Parallele zu mir.
- 27:56Speaker 1: Weil wir sind gerade im überlegen was man nächstes Jahr rund um dieses Forty Eight Forward Festival, was wir eigentlich einmal im Jahr gemacht haben, was man machen kann jetzt aus der Pandemie heraus.
- 28:06Speaker 1: und was uns die ganze Zeit im Kopf herumschwirt ist so ne Art Debattenfestival.
- 28:11Speaker 1: Weil wir so viele große Themen haben und ich glaube, man kann die Menschen nur dann mitnehmen.
- 28:16Speaker 1: Wenn man sie irgendwie auch mitgestalten und mit diskutieren lässt, mit an den Lösungen für die Zukunft arbeiten lassen damit die auch das Gefühl haben Sie können irgendwie mitmachen und sind nicht irgendwie außen vor?
- 28:28Speaker 1: Und ich glaub dass es gerade bei der Komplexität der Themen wieder auf uns zukommt wahnsinnig wichtig, dass man die Leute mitnimmt, dass Man ihnen auch einen Raum gibt diskutieren und und mit gestalten.
- 28:39Speaker 1: Absolut weil sonst glaube ich, verlieren wir da ganz viele.
- 28:42Speaker 1: Viele auf dem
- 28:44Speaker 1: Weg.".
- 28:45Speaker 1: Das
- 28:45Speaker 0: ist so.
- 28:45Speaker 0: und dann in Formilende sich falsch und schotten sie sich noch mehr ab...
- 28:49Speaker 1: Und kreieren ihre eigenen Wahrheiten wieder ein Stück weit beim Buch.
- 28:56Speaker 1: Ist eigentlich dieses Bücherschreiben etwas wo Sie jetzt ein bisschen Blut geleckt haben?
- 29:00Speaker 1: Also ist das was, was Sie reizt, wo Sie sagen würden, das könnte ich mir schon nochmal vorstellen oder sagen Sie eher Eher doch nicht.
- 29:09Speaker 1: Ich
- 29:09Speaker 0: sage eher, mmh.
- 29:11Speaker 0: Das sind mehrere Gründe.
- 29:13Speaker 0: Erst mal bin ich eigentlich Teamplayer.
- 29:17Speaker 0: also mir macht wahnsinnig Spaß mit kreativen Leuten zusammen ein Film herzustellen Mit Kameraleuten-Kostümbildnerinnen Schauspieler natürlich auch und einen Roman zu schreiben ist schon eher einsam.
- 29:34Speaker 0: Also man geht da morgens hin in sein Raum.
- 29:37Speaker 0: Meistens fällt einem nichts ein, wenn einem was einfällt dann habe ich das gewöhnt ist es zu wenig oder nicht gut genug?
- 29:45Speaker 0: Es ist also schon mühsam Ja diese Disziplin auch zu haben hat doch relativ wenig Austausch.
- 29:53Speaker 0: Wenn wir bei Film nix einfällt Dann kann ich irgendwie mein Kameramann fragen wie würdest du denn machen?
- 29:57Speaker 0: Hat der eine Idee?
- 29:57Speaker 0: Irgendeiner hat immer eine Idee Und hier muss sie dann von mir kommen.
- 30:03Speaker 0: Das klingt jetzt alles ein bisschen frustriert, ist es aber gar nicht weil wenn man das mal dann hinter sich hat und die letzte Seite geschrieben ist – und man weiß jetzt hier ist der letzte Satz – und wenn man einen Roman beendet hat, wiegt das dann alles wieder auf?
- 30:22Speaker 0: Dann sind alles wieder vergessen!
- 30:24Speaker 0: Und in meinem Fall war ich einfach stolz, dass ich überhaupt hingekriegt habe... ... bei Qualität müssen alle andere dann mal gucken.
- 30:33Speaker 0: Aber dieses, das ist wirklich ein Glücksgefühl... ... was ich beim Film nicht mehr habe weil ich das schon zu lange mache.
- 30:43Speaker 0: also ich mach's auch immer noch sehr gerne aber es überrascht mich nicht mehr.
- 30:47Speaker 0: Also ein überraschendes Glücks-Gefühl ist vielleicht was den Unterschied macht und da dachte ich wow wirklich jetzt mal einen Rummer geschrieben Und ob ich es noch mal mache, weiß ich eben nicht.
- 31:02Speaker 0: Weil ... weil ist das schon mühsam?
- 31:05Speaker 0: Es kommt natürlich darauf an, ob mein Thema einfällt was mich genügend interessiert und es kommt auch ein bisschen drauf an ob das was ich da jetzt geschrieben habe auch gemocht wird.
- 31:15Speaker 0: wenn alle sagen, der war aber nix langweilig doof.
- 31:18Speaker 0: wie auch immer Ich glaube dann würde ich's kein zweites Mal versuchen.
- 31:24Speaker 1: Doris Dürrje hat in einer unserer Episoden mal ganz viel über das Schreiben gesprochen und sie ist da ja eine echte Lehrmeisterin sozusagen, was dieses Thema angeht.
- 31:35Speaker 1: Und sie hatte irgendwann auch gesagt diese romantische Vorstellung des Romandschreibers der irgendwo mit seinem Notizbüchlein in der Sonne sitzt und zwischen Kaffee und einer Flasche Wein dann so gemütlich sein Text schreibt.
- 31:49Speaker 1: Das ist irgendwie nicht so sondern Zum Schreiben gehört eben auch ganz viel Routine, die man da irgendwie finden muss und sich teilweise einfach dazu zwingen muss dann zu schreiben.
- 32:00Speaker 1: Und auch wenn dann vielleicht gar nichts bei rauskommt an dem Tag trotzdem diese Routine beizubehalten ging es Ihnen da auch so?
- 32:06Speaker 1: Also haben Sie so eine Routine für sich dann auch gefunden?
- 32:09Speaker 0: Ja nämlich genau die, die Doris offenbar auch beschrieben hat.
- 32:14Speaker 0: also man muss sich hinsetzen und ich bin ja noch so alte Schule Ich schreibe beim Bleistift Zumindest mal fange ich so an und dann schreibe ich eine Szene oder versuche, eine Szine zu schreiben.
- 32:31Speaker 0: Manche Tage fällt am Gar nix ein, da muss man aber trotzdem da sitzen weil es könnte einem ja was einfallen.
- 32:36Speaker 0: also diese Disziplin muss man wohl haben.
- 32:40Speaker 0: Und manchmal fällt einem etwas ein und dann Schreibe das Mittelweischift auf und am nächsten Tag übertrage ich das dann in den Computer und sehe, es waren nur zwei Seiten.
- 32:54Speaker 0: Ich dachte das wäre viel mehr gewesen ja?
- 32:55Speaker 0: Und da habe ich also zwei Seiten, zwei Tage mit dem Bleistift und einem Computer und das ist so eine magere Ausbeute aber viele magere ausbeuten am Tag sind irgendwie.
- 33:08Speaker 0: nach ein paar Monaten stehen auf einmal schon hundert dreißig Seiten und dann denkt man hey das kann doch was werden.
- 33:19Speaker 0: Irgendwann kommt auch der Punkt.
- 33:20Speaker 0: Ich hatte ja vorhin schon gesagt, ich wusste, als ich anfing, wusste ich nicht wie es ausgeht.
- 33:24Speaker 0: Irgendwand so auf Seite zweihundert wusste sich aber auch wieder, wieder Film wollte ich schon sagen, wieder Roman enden wird und dann gibt's schon so eine Vorfreude.
- 33:34Speaker 0: wenn das dann wirklich fertig ist und wenn die Szene dann gelungen ist finde ich... Ja also das macht dann schon Spaß.
- 33:47Speaker 0: bei aller Mühe
- 33:48Speaker 1: Wird man eigentlich schneller, wenn man dann weiß wie es ausgeht.
- 33:51Speaker 1: Also wenn man quasi die fertige Geschichte nicht die fertigen aber zumindest die Dramaturgie der Geschichte...
- 33:58Speaker 0: Da wird man dann schneller weil da weiß man bis es dazu kommt muss noch das, dass und das passieren.
- 34:03Speaker 0: Dann weiß ich genau ah, die vierzehn muss ich noch machen und dann passiert das und dann brauche ich noch so eine Art.
- 34:11Speaker 0: Ich finde ja mal wichtig.
- 34:13Speaker 0: letzte Sätze finde ich immer.
- 34:15Speaker 0: also wie hört ein Roman auf?
- 34:17Speaker 0: Aber wenn ich selber lese, bin ich immer ganz gespannt wie es aufhat.
- 34:23Speaker 0: Gar nicht so sehr von dem was passiert sondern von der Sprache.
- 34:28Speaker 1: Aber Sie gehören nicht zu denen die zuerst das Ende lesen oder?
- 34:32Speaker 0: Nein, nein, auf keinen Fall.
- 34:32Speaker 0: Da gibt's
- 34:33Speaker 1: nämlich auch ganz viele inzwischen.
- 34:34Speaker 0: Tatsächlich?
- 34:35Speaker 0: Warum?
- 34:36Speaker 1: Ich weiß es gar nicht!
- 34:37Speaker 1: Also hat mir vor kurzem jemand erzählt dass er immer zuerst ... das letzte Kapitel oder die letzten zehn Seiten liest und dann fängt davon vorne an.
- 34:45Speaker 1: Das bin
- 34:45Speaker 0: völlig unbegreiflich, aber wie begründet er das?
- 34:49Speaker 1: Weil er irgendwie wissen will, wie es ausgeht... weil er irgendwie ein Gefühl dafür haben möchte, wo die Geschichte hinläuft.
- 34:56Speaker 1: Ich konnte's auch nicht nachvollziehen!
- 34:59Speaker 0: Ganz wichtig finde ich ja auch mal.
- 35:01Speaker 0: erste Sätze.
- 35:05Speaker 0: Der erste Satz ist mir nicht so gut gelungen, finde ich.
- 35:07Speaker 0: Der Letzte schon eher.
- 35:11Speaker 1: Danke Ihnen sehr für die Zeit.
- 35:12Speaker 0: Schon fertig?
- 35:13Speaker 1: Ja, wir sind schon über der Zeit.
- 35:16Speaker 0: Aber
- 35:16Speaker 1: ich danke Ihnen sehr viel für die Einblicke und ich bin gespannt wie das Buch ankommt.
- 35:23Speaker 1: Also ich hatte viel Spaß beim Lesen.
- 35:26Speaker 0: Das freut mich!
- 35:27Speaker 0: Und es war mein erster Podcast.
- 35:29Speaker 0: Guck!
- 35:29Speaker 0: Und das bei Gin entnicht Tonic sondern Talk
- 35:35Speaker 1: ohne Gin mit Wasser
- 35:36Speaker 0: und
- 35:38Speaker 1: Babaschorne.
- 35:39Speaker 1: Genau, aber das ist tatsächlich meistens so.
- 35:41Speaker 1: Weil alle meisten kommen immer vormittags zu uns und dann gibt's kein Gin.
- 35:46Speaker 1: Okay.
- 35:47Speaker 1: Aber vielen Dank fürs Kommen!
- 35:48Speaker 1: Danke schön!
- 35:49Speaker 0: Das war es leider schon... Die letzte Runde ist ausgetrunken, das Gespräch zu Ende.
- 35:55Speaker 0: Vielen Dank für's Zuhören.
- 35:57Speaker 0: Bitten im Rücksicht auf die Nachbarn und sei leise
- 36:01Speaker 1: wenn du die
- 36:01Speaker 0: Bar verlässt.
- 36:02Speaker 0: Aber vergiss auf keinen Fall den abonnieren Button zu klicken.
- 36:11Speaker 1: Gin & Talk ist ein Podcast von Forty-Eight
- 36:14Speaker 0: Forward,
- 36:15Speaker 1: produziert
- 36:16Speaker 0: in den Forty Eight Forward
- 36:17Speaker 1: Studios
- 36:18Speaker 0: in München.