Latest / Indiefilmtalk - Der Podcast über das Filmemachen | Produktion | Drehbuch | Regie / #198 - Fassaden: Die Kraft der künstlerischen Abstraktion - Mit Alina Cyranek
Transcript
- 0:00Speaker 0: Es war für einen dokumentarenden, relativ großen Team.
- 0:03Speaker 0: Also mit Tänzern und Koriografen.
- 0:05Speaker 0: Und wir hatten Beleuchter... ...und jemanden fürs Kostüm.
- 0:09Speaker 0: Das ist auch etwas, wo ich davon überzeugt bin.
- 0:13Speaker 0: Gerade wenn man mit kleinen Budgets arbeiten muss,... ...dass die Vorbereitung und Planung wirklich das A und O
- 0:19Speaker 0: sind.".
- 0:35Speaker 1: Mein Name ist Eugene und in unserer heutigen Folge werfen wir einen Blick auf den Dokumentarfilm.
- 0:41Speaker 1: Und reden darüber wie man sich einem sensiblen Thema filmisch nähert, wie wichtig die stilistische Entscheidung für ein Film sein kann und wie Filme den gesellschaftlichen Diskurs entfachen können.
- 0:53Speaker 1: Mein heutiger Gast ist Dokumentarfilmemacherin Alina Ziraneck.
- 0:57Speaker 1: genau sie ist gerade unterwegs mit ihrem neuesten Dokumentarpilm Fassaden.
- 1:02Speaker 1: Für die Leute, die das sehen wir haben nämlich ein bisschen was aufgenommen auch im videoform langsam gucken ob wir ein paar folgen auch mal per video ausstrahlen.
- 1:11Speaker 1: Diese habe ich noch nicht per Video ausgestrahlt.
- 1:12Speaker 1: aber wenn ihr bei instagram seid seht ihr bestimmt ein paar kleinigkeiten aus unserem gespräch und Im hintergrund sieht man nämlich einen preis den ihr gerade frisch gewonnen habt.
- 1:22Speaker 1: sie zeigt gerade dahin Lass uns ja gleich mal erzählen, ich wüsste eh noch einmal darauf eingehend was Fassaden ist.
- 1:29Speaker 1: Wie der Film entstanden ist und gleichzeitig aber auch, dass es für einen Preis ist den du gerade in dir gewonnen habt.
- 1:35Speaker 1: Aber wir haben immer eine Frage die wir ganz am Anfang stellen bevor wir ins Gespräch gehen.
- 1:38Speaker 1: und die würde ich dich natürlich auch gerne fragen nämlich wie bist du denn eigentlich zum Film gekommen?
- 1:43Speaker 0: Also erstmal danke für die Einladung!
- 1:45Speaker 0: Ich bin ein großer Indie-Filmtalk Fan seit vielen Jahren und freue mich wirklich sehr über diese Einladungen.
- 1:53Speaker 0: Wie bin ich zum Film machen gekommen?
- 1:54Speaker 0: Ich glaube, hauptsächlich durch Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen und Fleiß.
- 2:00Speaker 0: Weil das Talent, glaub' ich, reicht nicht aus.
- 2:03Speaker 0: Und diese Hartnälligkeit wirklich sehr lange dabei zu bleiben ... ähm... und Projekte zur Ende zu führen ist seltener als man denkt!
- 2:14Speaker 0: Vielleicht
- 2:14Speaker 1: hattest du da noch mal auf einen gehen auf diesen Fleiß oder diese Hartneckigkeit.
- 2:17Speaker 1: also wo merkst du dass so in der Branche mehr als talent braucht um irgendwie voranzukommen.
- 2:22Speaker 0: Also ich war an keiner Filmhochschule, ich habe eine Bauhaus-Uni in Weimar studiert.
- 2:26Speaker 0: das ist eine Kunsthochsschule mit einer Medienfakultät und da ist es letztendlich das was man selber draus macht.
- 2:33Speaker 0: Und mit so einer quasi so einem Quereinstück ist ein Netzwerk wie man das bei Filmhochschulen so bisschen mit an die Hand bekommt nicht gegeben.
- 2:44Speaker 0: und ich bin eben in Weimer in Leipzig also diese Mitteldeutsche Region die sogenannte Wir haben keinen Filmhochschule, wir haben dieses Netzwerk nicht.
- 2:55Speaker 0: Das muss man sich alles selber aufbauen und das dauert und ist teilweise mühsam.
- 3:02Speaker 0: Und ich habe schon das Gefühl, man muss sich irgendwie auch beweisen.
- 3:07Speaker 0: Das müssen andere sicherlich auch.
- 3:10Speaker 0: aber eben wenn man nicht aus so einem stabilen Netzwerk kommt wo man auch seinen Team eigentlich schon in den anderen Studiengängen, wenn man sich so begleitet in den Projekten Ja, so ein Team aufbaut.
- 3:25Speaker 0: Das muss man erst mal machen über viele Jahre um Leute zu finden, denen man vertraut die auf gleicher Wellenlänge sind, die ähnliche Vision haben und es gibt ihnen dann eben auch nicht so wahnsinnig viele von uns hier.
- 3:42Speaker 1: Du hast ja erstmal was anderes studiert ne?
- 3:43Speaker 1: Du hast dir erstmal Sprachen studiert glaube ich und Geografie werde ich mich recht empfehlen.
- 3:50Speaker 1: Und du hast dann den Bogen zum Film gemacht.
- 3:53Speaker 1: Warst du davor schon auch filmisch gearbeitet?
- 3:56Speaker 1: oder war das wirklich ein Moment, wo du gesagt hast jetzt möchtest du doch mal in diese künstlerische Richtung gehen?
- 4:02Speaker 1: In diese filmische Richtung?
- 4:04Speaker 0: Ja also ich habe Anglistik, Slavistik und Geografie studiert noch auf Magister in Dresden und darin war sie jetzt mal abgesehen von der Geographie so in dem Sprachen, Kulturwissenschaften, Literatur-Wissenschaften hatte ich wirklich so meinen Schwerpunkt auf die Filmtheorie.
- 4:24Speaker 0: Also es gab immer irgendein Seminar das sich filmwissenschaftlich mit irgendetwas befasst hat und die habe ich alle belegt.
- 4:31Speaker 0: Ich hab alle meine Hausarbeiten dazu geschrieben.
- 4:35Speaker 0: Ich habe meine Abschlussarbeit zu Trainspotting geschrieben.
- 4:44Speaker 0: Leuten, Freunden haben wir angefangen Filme zu machen ganz rudimentär und sehr wild.
- 4:53Speaker 0: Und wir haben dann irgendwann auch eine Anerkennung bekommen.
- 4:56Speaker 0: also irgendjemand fand es dann gut und glaubst irgendeinen Festival und das Filmfest Riesen... Also hier der goldenen Reiter vom Filmfest Dresden war auch das allererste Filmfestival auf dem ich war und das hat mir wirklich so eine Welt eröffnet.
- 5:16Speaker 0: Nicht nur was Kurzem alles kann, sondern was Film alles kann grundsätzlich und da ist schon der Wunsch gereift vor dreieinzwanzig Jahren das vielleicht auch irgendwann machen zu dürfen.
- 5:28Speaker 1: Das ist schon
- 5:30Speaker 0: ein Privileg.
- 5:31Speaker 1: Und Dokumentarfilm war das schon gesetzt dort.
- 5:33Speaker 1: oder hat sich das jetzt erst als dein Stil deine Art zu erzählen entwickelt?
- 5:39Speaker 0: Nee, das war nicht von Anfang an so... wollte, glaube ich auch zuerst so ein bisschen in die szenische Richtung gehen.
- 5:46Speaker 0: Weil das ja alle gemacht haben und weil es auch das ist was so was ein und so zuerst anspringt.
- 5:53Speaker 1: Du hast deine Arbeit über Shadespotting geschrieben?
- 5:56Speaker 1: Ja
- 5:58Speaker 0: genau aber Es hat sich dann als ich an der Bauhaus Uni war und da angefangen habe Projekte zu machen wurde dass dann auch ging's mehr in die experimentelle Richtung dann auch relativ schnell dokumentarisch und ich habe dann schon gemerkt, dass es nicht nur das ist was mich interessiert.
- 6:21Speaker 0: Also dieser Weg Menschen zu begegnen, Orten zu begegneten Geschichten, authentischen Geschichten zu begegenen.
- 6:32Speaker 0: also dass mich das interessiert und dass mir das auch liegt.
- 6:36Speaker 0: Also dieses Zuhören und Neugierigsein Äh, auf die Menschen und ihre Geschichten uns sie auch.
- 6:48Speaker 0: Für voll zu nehmen also auch wirklich mit so einer... Also Menschen auf Augenhöhe zu begegnen.
- 6:55Speaker 0: Und das ist geblieben!
- 6:58Speaker 1: Ja, na schön.
- 6:59Speaker 1: Auf jeden Fall.
- 7:00Speaker 1: Ich glaube es merkt man ja auch in dem Film.
- 7:02Speaker 1: vielleicht können wir da erstmal den Bogen zum Film zur Wasaden machen.
- 7:06Speaker 1: Vielleicht kannst du mal ganz kurz zusammenfassen um was der Film geht?
- 7:10Speaker 1: Das hast Du bestimmt das erste Mal jetzt gemacht Natürlich nicht.
- 7:15Speaker 1: Deswegen gerne kurz zusammengefasst, damit die Leute, die noch nicht gesehen haben vielleicht einen kurzen Einblick kriegen und dann gehen wir da so ein bisschen... Wir nehmen das ja als unsere Fallstudie in den Anführungsstrichen um über das Thema zu sprechen.
- 7:28Speaker 0: Fassaden ist ein Film, ein Kinodokumentarfilm, in dem es eine Geschichte einer Frau erzählt, die aus einer langjährigen Gewaltbeziehung entkommt.
- 7:43Speaker 0: System, das gesellschaftliche politische System, dass wegschaut.
- 7:48Speaker 0: Also Strukturen sichtbar macht die eben diesen Frauen ist unglaublich schwer machen nicht nur aus dem Beziehung zu entkommen sondern auch Gerechtigkeit zu finden.
- 8:03Speaker 1: Ist es die Geschichte einer Frau oder ist es mehrere?
- 8:08Speaker 1: Es ist
- 8:09Speaker 0: im Film ist es die geschichte eine frau die aber aus vier Geschichten verwoben wurde.
- 8:16Speaker 0: Also es sind vier reale Berichte von vier verschiedenen Frauen, die ich zu einer Geschichte einer fiktiven Biografie verdichtet habe dabei aber nichts erfunden haben.
- 8:28Speaker 0: Es sind alles Original-Zitate anonymisiert, aber es ist eben eine fiktive Biographie anhand von vier echten authentischen Geschichten und diese ist dann eingesprochen von Sandra Höller.
- 8:42Speaker 0: also dass diese Frauen eben nicht als Individuen weder im Bild noch mit ihrer Stimme auftauchen, sondern das ist wirklich passiert auf einer anderen Ebene.
- 8:54Speaker 1: Wenn wir von über die Entstehung sprechen... Also was war denn da zuerst?
- 8:58Speaker 1: War da das Thema, was du angehen wolltest oder war da zu erst die Personen zum Beispiel, die du getroffen hast und wie bist du am Anfang reingegangen?
- 9:10Speaker 1: Oder wie kamen die Geschichten zu dir?
- 9:12Speaker 0: Ja, es war wirklich das Thema.
- 9:15Speaker 0: Ich habe die Statistiken gelesen, die jedes Jahr vom Bundeskriminalamt in November veröffentlicht werden und ich hab sie im Jahr zwei Tausend neunzehn gelesen.
- 9:25Speaker 0: Und das war das dritte Jahr, wo sie überhaupt veröffentlich wurden.
- 9:30Speaker 0: Also die werden erst ab dem Jahr zweitausend Fünfzehnt erhoben, zum ersten Mal veröffentlichen.
- 9:36Speaker 0: Und ich habe sie zum ersten mal im Jahr zweintausend Neunzehnten.
- 9:38Speaker 0: dann bin ich über sie gestolpert auch das Gefühl hatte, dass plötzlich diese Zahlen präsenter sind.
- 9:48Speaker 0: Auch in der Berichterstattung häufiger genannt werden und darüber berichtet wird.
- 9:53Speaker 0: Ich denke, es hat damit zu tun, dass sich die Istanbul-Konvention ratifiziert hat und sich verpflichtet hat für Schutz und Prävention für Frauen und Mädchen gegen Greit einzusetzen und da ganz konkret etwas zu tun.
- 10:10Speaker 0: Das ist noch ein langer Weg!
- 10:12Speaker 0: Nach wie vor, und ich glaube im Zuge dessen dieser Istanbul-Kondition wurden diese Zahlen auch häufiger in der Berichterstattung genannt.
- 10:23Speaker 0: Und so habe ich sie gelesen und war sehr schockiert dass diese Zahl so hoch ist.
- 10:30Speaker 0: jede vierte Frau mindestens einmal in ihrem Leben erfährt sich Gewalt von ihrem Partner oder Ex-Partner.
- 10:38Speaker 0: Ich hab mich gefragt wie das sein kann in unserer aufgeklärten westlichen modernen Gesellschaft, dass diese Zahl so hoch sein kann.
- 10:48Speaker 0: Und vor allem habe ich mich gefragt... Also es sind ja offenbar keine Einzelfälle, sondern ist ein strukturelles Problem.
- 10:55Speaker 0: und ich hab mich gefragt, woran hängt's?
- 10:58Speaker 0: Was läuft in der Struktur so falsch, dass die Zahlen überhaupt möglich sind?
- 11:06Speaker 0: Ich habe mich gefragt wie es sein kann, dass ich keine Betroffenen kenne Und ich hab's ein bisschen durchgezählt in meinem Familienfreundeskreis, Kolleginnenkreis.
- 11:16Speaker 0: Und rein statistisch kann das natürlich überhaupt nicht sein und es war dann auch so.
- 11:20Speaker 0: Also als ich angefangen habe zu recherchieren und gefragt wurde was woran arbeitest du gerade?
- 11:26Speaker 0: So wenn ich das erzählt habe, dann habe ich dann diese Geschichten davon auch erfahren.
- 11:34Speaker 1: Das heißt die wurden halt auch nicht erzählt wahrscheinlich, also jetzt nicht im normalen Umfeld.
- 11:39Speaker 1: Ja
- 11:40Speaker 0: das ist alles im Verborgenen, im privaten extrem schambehaftet dass man das somit sich selbst ausmacht und immer noch diesen Stempel vermeintlich fühlt.
- 11:56Speaker 0: ich bin ganz alleine und es ist alles meine schuld.
- 11:59Speaker 1: Und dann bist du denn auf.
- 12:00Speaker 1: also das heißt die die geschichten, die du jetzt da verwoben hast die sind am ende... Sind sie über diese Gespräche gekommen oder hast du denn bis zu... zum Beispiel treffen gegangen?
- 12:13Speaker 1: Oder so um weitere Menschen zu treffen?
- 12:17Speaker 1: Wie kamen sie am Ende zu diesen vier Geschichten die du da verwogen hast?
- 12:21Speaker 0: Das war unterschiedlich.
- 12:22Speaker 0: Also ich habe mit sehr vielen Frauen gesprochen, also sehr viele.
- 12:26Speaker 0: Relativ wie ich würde sagen so zwischen zwanzig und dreißig in unterschiedlicher Intensität Und es waren Frauen aus meinem Umfeld.
- 12:35Speaker 0: Es waren aber auch Frauen die Ich über die Beratungsstellen oder die Intenditionen stellen Mit denen ich vernetzt wurde Also auch bundesweit und das war auch wichtig auch für mich zu erfahren, es ist eben kein lokales Problem.
- 12:52Speaker 0: Es ist kein sexisches Leipzig-Problem.
- 12:56Speaker 0: Es ein gesamtgesellschaftliches Problem.
- 12:58Speaker 0: Genau und ich habe dann diese vier Frauen ausgewählt weil sie unterschiedliche Alltagssituationen beschreiben und ich hab sie auch danach ausgewählt welche Worte sie dafür finden was ihnen wiederfahren ist und das erstaunlich krasser ist dass dieser Beziehung alle nach denselben Muster verlaufen.
- 13:19Speaker 0: Also man kann wirklich wie so eine Schablone auf so einer Gewaltbeziehung liegen.
- 13:24Speaker 0: Und die Struktur ist exakt gleich in unterschiedlichen Intensitäten eben und Zeiträumen, aber die Täterstrategien funktionieren alle nach demselben Muster.
- 13:36Speaker 0: Deswegen war es am Ende gar nicht so unfassbar schwer diese Geschichten miteinander zu verweben weil die Dramaturgie wenn man so will bei allen die selbe ist.
- 13:50Speaker 1: Das heißt, du hast diese Gespräche und die Interviews geführt.
- 13:55Speaker 1: Die hast du dann transkribiert wahrscheinlich?
- 13:59Speaker 1: Genau!
- 13:59Speaker 1: Und dann hast du sie in einem Stichband
- 14:01Speaker 0: gebaut?
- 14:01Speaker 0: Bausteinmäßig.
- 14:03Speaker 0: Bausteinsmäßig dann gebaut, auch natürlich geguckt, dass es wie lange die sind.
- 14:08Speaker 0: Ich hätte viel mehr erzählen können.
- 14:10Speaker 0: Auch viel mehr Situationen und Wendungen... Aber ich habe ja nur neunzeig Minuten.
- 14:21Speaker 0: Und genau, ich habe natürlich auch ganz viel rausgelassen.
- 14:23Speaker 0: Aber das war wie so ein Baustein-Prinzip, dass sich dann diese Sätze zusammengefügt haben
- 14:30Speaker 1: und die hast du mehr so auf diese Richtung also wie einem Hörspiel gebaut oder eher weil am Ende wurden sehr gelesen?
- 14:36Speaker 1: Oder hast Du die eher filmisch gebaut?
- 14:39Speaker 1: Weil auch hier wieder Dokumentarfilmen.
- 14:41Speaker 1: In dem Fall hast Du ja einen speziellen Dokumentatfilm, weil wir haben noch nicht über die künstlerische Ebene gesprochen Du hast ja diesen Weg des Tanzes noch dazu gewählt, der vielleicht kannst du gleich darauf eingehen wie du es gestaltet hast.
- 15:00Speaker 1: Aber genau und dann komme ich danach zu meiner Frage so, wie hast du in diese Baustellen angelegt?
- 15:05Speaker 1: Weil du weißt ja schon ein bisschen mehr als wenn im Herkömmlichen Dokumentar filmen, wo du eben nicht weißt, wo dich theoretisch die Reise hinführt.
- 15:14Speaker 1: Es ist ja fast eine sehnische Erzählung und nicht nur eine reine dokumentarische, oder?
- 15:21Speaker 0: Das stimmt.
- 15:22Speaker 0: Der Film ist extrem konstruiert also der ist auch fast mathematisch gebaut.
- 15:27Speaker 0: Also es gibt...der ist ein bisschen in Kapiteln aufgeteilt.
- 15:31Speaker 0: Es gibt fünf Kapitel die eigentlich einen Standbild haben von verschiedenen Häuserfassaden.
- 15:40Speaker 0: Es gibt sechs Expertinnen Die im berufen arbeiten mit betroffenen Frauen an irgendeinem Punkt zu tun haben.
- 15:50Speaker 0: Also so Polizei, eine Ärztin, Sozialarbeiterinnen, psychotherapeut in der Rechtsanwältin also auch in der Chronologie und es gibt sieben Tanzkapiteln.
- 16:02Speaker 0: Das ist wirklich fast mathematisch aufgebaut.
- 16:07Speaker 0: Und diese Häuserfassaden und die Tanzkapitel haben eben diese Erzähl-Ebene dieses Voiceover von Sandra Höller bei dem diese persönliche Geschichte erzählt wird.
- 16:20Speaker 0: Und da ich ja wusste, dass sich die Frauen nicht vor die Kamera setzen werde, brauchte ich eine Bildebene und es war auch relativ früh klar, dass ich das mit zeitgenössischem Tanz machen möchte weil für mich Tanz einer der stärksten künstlerischen Formen ist, weil er extrem direkt ist Und der ganze Film ist auch sehr haptisch und sehr physisch.
- 16:50Speaker 0: Also wir haben auf allen Ebenen die Haptik versucht beizubehalten, also die Animation sind ausgedruckte Papierstils, die wir bearbeitet haben und wieder in den Film eingefügt haben.
- 17:01Speaker 0: Wir haben geknittert, gerissen, gekratzt... Die Musik von Freie Aree ist handgemacht.
- 17:10Speaker 0: Das sind alles Instrumente, die sie oder ihm das Streichkartett gespielt hat Das Sounddesign sind alles frohlich, also da ist nichts irgendwie aus der Dosis wurde.
- 17:24Speaker 0: Alles mit Naturmaterialien hergestellt diese Töne und eben die Tanz an sich als ein sehr physisches haptisches Stilmittel.
- 17:38Speaker 0: Und Tanz ist auch etwas was man sofort begreift.
- 17:41Speaker 0: Also wenn man ein Bild hat von einem Paar Kennt man sofort eine Hierarchie oder eine Dynamik, ein Kräfteverhältnis?
- 17:51Speaker 0: Oder auch diese ganzen Ambivalenzen.
- 17:57Speaker 0: Also damit haben wir auch versucht zu arbeiten.
- 18:00Speaker 0: ist das noch zärtlich oder schon übergriffig?
- 18:04Speaker 0: Wollen wir das nicht so sofort benennen kann oder ist es eine ganz feste Umarmung oder ist das eigentlich weggehen lassen wollen?
- 18:12Speaker 0: also mit diesen Ambivalensen die man im Tanz einfach wirklich wunderbar arbeiten kann, mit dem Choreografen Sebastian Weber haben wir eben auch gearbeitet.
- 18:24Speaker 0: Und man begreift einfach Tanz sofort als Bild ohne es erklären zu müssen.
- 18:29Speaker 0: und ich wollte... weil ich ja ein Kinofilm machen wollte und keine Reportage was ja auch legitim gewesen wäre, wollte ich einen sinnlichen Film, einen schönen ästhetischen Film machen fürs Kino für die große Leinwand, aber mit einem hässlichen Thema.
- 18:51Speaker 0: Und da hat für mich Tanz einfach sehr gut funktioniert.
- 18:55Speaker 1: und vielleicht auch hier nochmal die Frage Du hast genau wie du sagst was ich ja da auch wegen dem ästhetischen dafür entschieden.
- 19:02Speaker 1: Aber auch du hättest ja auch Die Betroffenen mehr versuchen können mehr vor die Kamera zu ziehen.
- 19:09Speaker 1: das ist ja eine klare Entscheidung gewesen.
- 19:10Speaker 1: nicht zu tun gehe ich mal von aus Genau.
- 19:14Speaker 1: Wann stand das fest?
- 19:18Speaker 1: Und dann, weil dieser Bogen zwischen du hast die Idee und der zielische Gestaltung bei die die Gestaltungsmittel, die du gewählt hast.
- 19:27Speaker 1: Da gab es einen bestimmten Moment wo du überlegt hast wie war ich das auf?
- 19:31Speaker 1: Wie baue ich diese Geschichte auf?
- 19:33Speaker 1: Gab's da den Moment wo Du überlegt hattest?
- 19:34Speaker 1: okay Ich hole Protagonisten vor das Mikro oder vor die Kamera.
- 19:39Speaker 1: Oder gab´s das gar nicht?
- 19:40Speaker 1: Weil du wusstest schon von vornherein das machst du nicht
- 19:42Speaker 0: Genau, die gab es gar nicht.
- 19:45Speaker 0: Das war von Anfang an klar, dass sie geschützt werden müssen – bis heute laufen teilweise noch Gerichtsprozesse.
- 19:57Speaker 0: Das würde sicherlich nicht helfen.
- 20:02Speaker 0: Das sind die Täter und die Verteidiger einfach sehr schnell dabei das gegen die Frauen zu verwenden.
- 20:10Speaker 0: Und vor allem aber wollte ich das eben auf einer anderen Ebene erzählen.
- 20:16Speaker 0: Und weg von diesen Einzelfällen und weg von einem Individualfällen, auch weg von diesem Zuschreibung die sehr schnell gemacht werden wenn man eine Person sieht.
- 20:28Speaker 0: Die ist alt oder jung oder blond oder hat eine Migrationsgeschichte oder einen Dialekt oder ein Akzent, der ist so gekleidet wie auch immer.
- 20:40Speaker 0: Man ist einfach sehr schnell dabei Zuschreibung zu machen und zu bewerten.
- 20:46Speaker 0: Und das passiert in der Berichterstattung nach wie vor, dass eben von Einzelfällen berichtet wird aber nicht von strukturellen Problemen, von einem gesamtgesellschaftlichen Problem.
- 21:01Speaker 0: Das stand eigentlich als Überschrift über allem diese Struktur oder dass der Mangel an Schutz in dieser Struktur sichtbar zu machen.
- 21:19Speaker 0: Und natürlich ging es auch um die Geschichten der Frauen, auch um so eine Geschichte von vorne bis zu Ende zu erzählen.
- 21:30Speaker 0: Weil ich glaube da vieles einfach alle meisten von uns wissen nicht wie so eine Gewaltbeziehung was da alles passiert und welcher Mechanismen welche Gewaltspirale da eigentlich dahinter steckt Und wie schwer es ist, aus so einer Beziehung überhaupt herauszukommen.
- 21:48Speaker 0: Also welchen unglaublichen Mut die Frauen haben, wenn sie es dann wirklich tun und dass dieser Satz Warum bist du denn nicht einfach gegangen?
- 21:57Speaker 0: Oder warum verlässt du ihn nicht einfach?
- 22:00Speaker 0: Dass der unglaublich naiv ist und absolut depaziert ist!
- 22:05Speaker 0: Das versteht man aber glaube ich erst, welche Strategien und Strukturen dahinterstecken.
- 22:14Speaker 0: Und das war so mein Anliegen, dass alles so.
- 22:19Speaker 0: eine Zuschauerin hat mal gesagt, der Film ist wie eine Handreichung.
- 22:24Speaker 0: Dass man erfährt, wie diese persönlichen Geschichten welchen Verlauf die haben aber auch welche gesellschaftspolitischen Strukture dahinter stecken, welches Hilfesystem dahinter Steckt und wo es an Grenzen kommt.
- 22:43Speaker 1: Ja, das kann ich auf jeden Fall auch bestätigen.
- 22:46Speaker 1: Also genau ich durfte den Film ja auch schon sehen und hatte ja auch besonders dass für mich hervorgehoben als sehr stark.
- 22:54Speaker 1: Ich glaube auch wo man vielleicht eher relativ schnell die Sorge hat weil du auch davon gesprochen hast dass man also ich habe gefragt ob man die Leute gezeigt oder zumindest man kann sie auch vor der Schattenwand setzen ist egal in dem Fall.
- 23:09Speaker 1: aber ob man ihn noch weiter nach vorne hebt oder sie eben weiter zurück setzt und dafür mir über das gesellschaftliche spricht, was ich besonders stark an dem Film finde.
- 23:17Speaker 1: Weil er dadurch genau die Handreichung ist auch ein schönes Wort dafür, der halt etwas aufmacht im Kopf.
- 23:25Speaker 1: Und ohne zu sagen du musst diese Person kennen bevor du das Thema bearbeiten kannst sondern es ist etwas was viele Leute betrifft und dementsprechend kann man das gar nicht einer Person zuschreiben und sagen dass ist unser Protagonist in gewisser Weise.
- 23:39Speaker 1: Also, und das fand ich super spannend.
- 23:42Speaker 1: Weil dadurch... Und vielleicht ist es ja auch das was da die Stärke ist, dass man alles was außerhalb der Kategierung passiert und außerhalb des Bilders ist manchmal viel stärker als das was wirklich auf der Leinwand zu sehen ist.
- 23:58Speaker 1: Das ist theoretisch was ihr ja auch so ein bisschen genutzt habt weil am Ende entstehen diese Bilder im Kopf.
- 24:03Speaker 1: du kannst dir dann die Personen theoretisch im kopf hinzufügen.
- 24:08Speaker 1: und weißt du okay?
- 24:09Speaker 1: nee das ist etwas was wie du schon gesagt hast jeder vierten frau passieren kann.
- 24:14Speaker 1: in welchen kannst du durch die du durch den kopf durch dein kopf gegangen bist.
- 24:17Speaker 1: Okay wen kenn ich da so?
- 24:19Speaker 1: ne kannst?
- 24:20Speaker 1: kannst du als zuschauer Das Films, das auch tun.
- 24:23Speaker 1: Und da diese Lücken selber füllen und das ist glaube ich auch eine sehr starke...
- 24:28Speaker 0: Ja, das ist auch bei uns im Team passiert dass einige gesagt haben es ah jetzt verstehe ich warum diese Freundin dann nicht mehr da war oder nicht mehr zu treffen.
- 24:40Speaker 0: Also der hatte das so einen komischen Freund.
- 24:42Speaker 0: aber also das war wirklich für einige aus dem Team so ein Augenöffner auch im eigenen Umfeld zu sehen.
- 24:52Speaker 0: Ja, diese Fälle sind auch in meinem Umfeld.
- 24:58Speaker 1: Wie siehst du denn die Rolle des Filmschaffens genau bei so einem Thema?
- 25:02Speaker 1: Aber allgemein vielleicht als Dokumentarfilm schaffende Personen gegenüber deiner Protagonistinnen für ein Filmgestalt ist.
- 25:12Speaker 0: Also ich bin immer komplett transparent.
- 25:18Speaker 0: Also die Frauen, mit denen ich gesprochen habe wussten worum es geht.
- 25:21Speaker 0: Sie wussten nicht möchte einen Film machen zu dem Thema.
- 25:23Speaker 0: sie wussten Ich brauche ihre Geschichten.
- 25:31Speaker 0: Sie wusste dass sie verwoben werden.
- 25:33Speaker 0: Sie wusten das sie anonymisiert werden.
- 25:36Speaker 0: also ich bin da sehr offen damit umgegangen.
- 25:39Speaker 0: und dann diese vier frauen haben auch das Drehbuch gelesen.
- 25:45Speaker 0: wir hatten dann noch Tests gemacht, also es sind dann so zwei Kapitel entstanden wo wir getestet haben wie müssen wir eigentlich diese vielen filmischen Mittel dosieren damit das nicht überfrachtet.
- 25:56Speaker 0: Damit dass irgendwie transportierbar ist weil es ist ja schon sehr viel, also irgendwie das Voice Over was sehr dicht ist und sehr direkt und an dieser Tanz- und das Sound Design und die Musik und die Animationen und das ist einfach wirklich viel.
- 26:16Speaker 0: Also diese Diese Kapitel haben sie gesehen und Sie haben dann am Ende auch den fertigen Film gesehen.
- 26:22Speaker 0: Also wir haben die immer zusammengeschaut, zusammen geweint und uns aber auch sehr gefreut.
- 26:31Speaker 0: also es sind sehr stolz auf sich, auf den filmen vor allem dass sie auch sich ermächtigt haben ihre geschichte zu teilen und das war auch bei allen ein großes anliegen.
- 26:47Speaker 0: dieses finn Also eine Protagonistin hat gesagt, wenn ihre Geschichte dazu beitragen kann dass sich eine Frau früher Hilfe holt dann ist es das einzig positive an ihrer Geschichte.
- 27:01Speaker 0: Und das hat mich so begleitet über die Jahre als dieser Film entstanden ist.
- 27:06Speaker 0: also diese große gesellschaftliche Verantwortung zur Aufklärung Mut machen der war auch immer da und Warte, jetzt habe ich glaube ich deine Ausgangsfrage vergessen.
- 27:22Speaker 0: Ach ja!
- 27:23Speaker 0: Sie wussten alle Bescheid also auch die Expertinnen.
- 27:27Speaker 0: Ich habe ganz viele Vorgespräche geführt und noch mit anderen.
- 27:31Speaker 0: Und sie wussten alles das es ein Film geben soll und was mich in ihrem Arbeitsbereich konkret interessiert.
- 27:43Speaker 0: Das war ... Ich glaube nur so geht.
- 27:47Speaker 0: Es gibt sicherlich andere Filme, wo das vielleicht nicht so geht aber ich arbeite so dass alle immer Bescheid wissen und alle auch den fertigen Film sehen bevor er in die Welt geht Und wir alle Punkte die vielleicht Bauchschmerzen bereiten besprechen.
- 28:05Speaker 0: Und ich glaube, das zahlt sich auch aus.
- 28:07Speaker 0: Weil... Ich musste bisher auch nie etwas ändern!
- 28:10Speaker 1: Ja, es geht ja auch so ein bisschen um Respekt und natürlich auf der einen Seite um ... vielleicht Vertrauen auch von den Protagonistinnen aber auch gleichzeitig von jedem, der dann vor die Kamera oder auch mit der Crew natürlich.
- 28:22Speaker 1: Deswegen frage ich auch über die Rolle des Filmschaffenden und dass schlecht ist was man ja auch den Zuhührenden oder Kolleginnen weitergeben kann.
- 28:32Speaker 1: Das merkt man immer wie wichtig das ist.
- 28:35Speaker 1: Klar, bei so einem Thema würde man denken... Ja das sollte man auch mit bedenken auf jeden Fall.
- 28:41Speaker 1: Aber das gilt ja bei jeder Art von Dokumentarfilm meiner Meinung nach oder auch bei jedem Film aber besonders auch hier in dem Verdokumentarfilmen dass die Protagonisten sich also ein bisschen in eine hilflose Situation dir gegenüber als Filmschaffende und müssen darauf vertrauen, dass du daraus was machst Ja, irgendwie auch gut dastehen lässt auf der einen Seite aber gleichzeitig aber auch natürlich respektvoll mit ihrer Geschichte umzugehen.
- 29:07Speaker 1: Und da ist genau das was so anspricht ganz wichtig diese Offenheit und auf der anderen Seite und dabei auch diese Bereitschaft wie du auch meintest dass man deinen Austausch geht mit dem Protagonist insofern wie es geht umzuschauen.
- 29:23Speaker 0: Ja man kann aber auch nochmal mit anderen Zeichen wirklich mitgeben.
- 29:30Speaker 0: Also ich habe zum Beispiel diese Gespräche, ich hatte nie ein Mikro oder einen Aufnahmegerät, sondern ich hab die mit einem Handy aufgenommen weil es klar war, diese Tonaufnahmen werden niemals verwenden und das ist auch so ein Zeichen.
- 29:44Speaker 0: würde ich damit eine Mikro kommen auch wenn ich die Absicht habe das nicht zu verwenden.
- 29:51Speaker 0: aber dann musst du sehr vielleicht auch nicht sein dass man mit einer Technik ankommt.
- 29:57Speaker 0: also
- 30:00Speaker 1: Ja.
- 30:01Speaker 1: Ja, stimmt und das heißt ihr habt aber theoretisch sind es so verschiedene Blöcke gehabt.
- 30:05Speaker 1: Das heißt die habt einmal klar die Geschirrschufarbeit des einen ein Blog, aber dann habt ihr diesen Tansteil ein paar Tagen abgedreht wahrscheinlich.
- 30:16Speaker 1: Und dann habt Ihr die Interviews an eine Zeit abgedeht.
- 30:20Speaker 1: oder war das über eine längere Zeit die ganze Produktion?
- 30:23Speaker 1: Klar in der längeren Zeit aber wie lang war denn die Produktion am Ende?
- 30:26Speaker 0: Also der gesamte Zeitraum waren so sechs Jahre von der Recherche bis zur Fertigstellung.
- 30:34Speaker 0: Wir hatten zwei größere Drehblöcke für die Tanzsequenzen, also eben so einen ersten Block für die Tests.
- 30:42Speaker 0: Da hatten wir aber... Es war schon auch so gedacht dass wenn wir drehen das das am Ende auch im Film landet?
- 30:49Speaker 0: Dass es nicht nur ein Test ist sondern wirklich schon in der Qualität um das dann auch in den Film zu schaffen.
- 30:58Speaker 0: Das haben wir dann auch geschafft, haben dann noch umgeschnitten aber das Material ist Bestandteil des fertigen Films.
- 31:07Speaker 0: also da hatten wir zwei Drehblöcke jeweils von vier fünf Tagen oder drei und fünf Tage und die Interviews mit den Expertinnen haben wir.
- 31:20Speaker 0: manchmal hatten wir Zwei an einem Tag und haben uns ein Studio gemietet.
- 31:24Speaker 0: Mancher war es nur eine Person an einem Tag, aber die haben wir über den längeren Zeitraum immer wieder mal gedreht.
- 31:33Speaker 0: Weil das alles vielbeschäftigte Leute sind und genau haben wir uns da auch ein bisschen nach dem gerichtet Und die Häuserfassaden kam relativ spät.
- 31:45Speaker 0: Also die haben ja auch versucht so ein bisschen Winter, Frühjahr und zur Frühsommer zu drehen Darin eine Dramaturgie haben, also auch über unterschiedliche Tageszeiten.
- 31:55Speaker 0: Ich weiß nicht ob das irgendjemand gesehen hat aber auch diese Häuserfassaden haben eine Dlamaturgie in sich.
- 32:03Speaker 0: Das ist eben von früh am Morgen dieser erste Passade am See, dass es sehr früh um kurz vor sechs morgens bis dann eben diese Plattenbauten am Abend nach dem Sonnenuntergang Auch da ist quasi so eine Tagestramatur.
- 32:21Speaker 1: Und genau, das wäre auch die Frage wie die Konzeption.
- 32:24Speaker 1: Wir hatten das gerade am Anfang kurz angesprochen gehabt.
- 32:27Speaker 1: Das heißt, wir haben zu konzipiert mit diesen... Du hast ja gesagt so ein bisschen wie so einen Urwerk hast du nicht gesagt.
- 32:31Speaker 1: Mathematisch hast du es genannt.
- 32:34Speaker 1: Das heisst du hattest jetzt eigentlich die Geschichte schon bevor du angefangen hast zu drehen?
- 32:40Speaker 1: Hattest du ja theoretisch schon aufgebaut?
- 32:42Speaker 1: Muss ich nur noch... Ich mache mal Anführungsstriche für die das nicht sehen Die diese Blöcke füllen Mit dem Inhalt.
- 32:51Speaker 1: Wie weit hat sich das von der Konzeption zu dem endgültigen Schritt verändert?
- 32:59Speaker 0: Nicht sehr.
- 33:00Speaker 0: Das war wirklich alles so geplant, also es ist auch etwas wo ich davon überzeugt bin gerade wenn man mit kleinen Budgets arbeiten muss dass die Vorbereitung und Planung wirklich des A und O ist Und wenn alle Bescheid wissen.
- 33:18Speaker 0: Also es ist bei den Dokumentabeln ein relativ großes Team, also mit Tänzern und dem Choreografen.
- 33:23Speaker 0: Und wir hatten Beleuchter... ...und jemandem fürs Kostüm.
- 33:30Speaker 0: Das war für den Dokumentabeln eigentlich relativ ein großes Team.
- 33:36Speaker 0: Aber dass alle Divisionen genau gekannt haben da aus ihren Gewerken das Beste mit reingegeben haben.
- 33:48Speaker 0: Also, es ist auch etwas ... dass ich gerne möchte, dass die Leute im Team sich einbringen und ihre Ideen und ihre ... ja, ihre Gedanken da mit reingeben weil sie einfach Expertinnen sind auf ihrem Gebiet.
- 34:09Speaker 0: Ich bin nicht die Expertin was Kostüm angeht oder was Licht angeht Choreografie angeht, sondern dass die anderen die Möglichkeit haben oder sie auch aufgefordert werden das Beste aus ihrem Gewerk für dieses Projekt und diese Vision reinzugeben.
- 34:37Speaker 0: Und das hat total gut funktioniert weil alle es so verstanden haben.
- 34:46Speaker 0: Also alle haben sich da auch ein bisschen Beinen ausgerissen, um das richtig gut zu machen.
- 34:53Speaker 0: Und es war schon toll!
- 34:56Speaker 0: Aber ja am Ende stand einfach alles auf dem Papier.
- 35:03Speaker 0: Das Voice Over war da, das haben wir relativ früh aufgenommen mit Sandra.
- 35:09Speaker 0: Wir hatten Musikentwürfe von der Komponistin und eben die ersten Tanzproben gehabt, wo wir auch wussten welche Richtung es gehen soll.
- 35:21Speaker 0: Wie wir die einzelnen Kapitel... Wo wir da die Essenzen herausgearbeitet haben worum sie in diesem Kapitel gehen soll und wie man Bilder dafür schaffen kann.
- 35:35Speaker 0: Die Expertinnen, die hatte ich im Vorfeld alle gesprochen Und das ist ja ihre tägliche Arbeit.
- 35:44Speaker 0: Sie hätten jetzt im Interview nichts nicht viel anderes erzählt.
- 35:52Speaker 0: Deswegen war eigentlich alles schon aufgeschrieben und da musste man es einfach nur gut
- 35:56Speaker 0: umsetzen.".
- 35:58Speaker 1: Du hast gerade Sandra Hüller angesprochen, wir hatten ein Vorgespräch kurz darüber gesprochen gehabt.
- 36:03Speaker 1: Muss ich aber fragen?
- 36:10Speaker 1: Ich glaube das ist auch oft die Frage... Auch bei so einem kleineren, auch wieder Anführungsstriche im Projekt.
- 36:17Speaker 1: Da denkt man immer so in Superstars wie Sandra Höller kriegt kann man ja gar nicht anfragen weil die keine Lust auf solche Sachen haben.
- 36:25Speaker 1: oder und dann habt ihr es ja auch irgendwie gemacht?
- 36:28Speaker 1: Oder kanntet ihr sie schon davor?
- 36:30Speaker 1: Wie kam da die Anfrage zustande?
- 36:32Speaker 1: Und das gibt dem Ganzen natürlich auch noch mal einen Wert den man halt sonst nicht anders bekommen kann.
- 36:42Speaker 0: Ja, ich wollte sie aber vor allen Dingen unbedingt für das Projekt gewinnen.
- 36:46Speaker 0: Weil ich davon überzeugt war dass Sie diese Stimme die diese Frauen bekommen sollen unglaublich authentisch sprechen wird.
- 36:58Speaker 0: also Ich wusste dass sie all diese Palette von diesen inneren Gefühlszuständen so abbilden wird und so lesen wird, dass das überzeugend ist.
- 37:11Speaker 1: Das heißt du hattest sie im Kopf schon am Anfang, dass du Sandra Hüller meist war jetzt nicht so... Du hast geschrieben und dann war so mal gucken wer passen könnte sondern du hättest sie schon im Kopf okay?
- 37:22Speaker 0: Ja ich habe es mir also der Wunsch zum Ende von Anfang an da und sehr groß Und das war aber auch alles noch vor dieser Oscarwelle Also das war wirklich noch davor.
- 37:37Speaker 0: Der Anatomie eines Falsks war, glaube ich schon abgedreht von dem Wusse aber noch niemand.
- 37:43Speaker 0: der kam dann auch erst später raus.
- 37:45Speaker 0: also das war wirklich davor.
- 37:47Speaker 0: also ich habe sie schon immer einfach für eine absolut großartige Schauspielerin gehalten nach wie vor die eben diese ja diese Verletzlichkeit und Zaghaftigkeit und Zweifel und aber innere Stärke als all diese Facetten eben sehr authentisch auch in ihren Figuren immer wieder einfach spielen kann.
- 38:15Speaker 0: Und es ist ja eine Rolle, es ist nicht nur ein Text sondern es ist wirklich eine Rolle obwohl man sie nicht sieht und ich wusste dass sie wird das einfach genauso machen wie ich mir das vorstelle also ohne zu überzudramatisieren oder weinerlich... Also einfach diese so eben nicht diese Töne zu treffen, die deplatziert werden.
- 38:41Speaker 0: Und ich hab ihre Abentur das Drehbuch geschickt wirklich ganz offiziell und ganz klassisch mir anders gemacht und habe ein paar Zeilen geschrieben warum ich sie für dieses Projekt gewinnen möchte und ich hatte glaube ich nach drei oder vier Tagen eine Zusage.
- 39:01Speaker 0: Das ging wirklich schnell!
- 39:02Speaker 0: Ich denke es hat bisschen geholfen, dass wir auch in Leipzig im Tonschule aufgenommen haben und sie dann einfach rüber radeln konnte.
- 39:14Speaker 0: Und nicht irgendwo hinfliegen musste.
- 39:18Speaker 0: Sondern das wir auch wirklich so unkompliziert wie möglich das auch versucht haben anzubieten.
- 39:26Speaker 1: Wie lange?
- 39:26Speaker 1: Sie hat einen Tag eingesprochen oder?
- 39:28Speaker 0: Ja, ein halben.
- 39:29Speaker 0: also sie kam super... vorbereitet.
- 39:33Speaker 0: Ja, also sie hat das natürlich auch total erkannt und begriffen und wir haben ein zwei drei verschiedene Tonalitäten ausprobiert.
- 39:44Speaker 0: Sie hat auch was angeboten und es war aber relativ schnell klar so wohin es gehen soll und es ist ganz erstaunlich dass die manche Sätze wirklich so spricht wie die Frauen es gesprochen haben.
- 39:56Speaker 0: Und sie hat die Originalaufnahmen nie gehört.
- 40:05Speaker 1: Es heißt aber, ihr habt auch keinen Rehearsal gemacht oder sowas und ihr seid direkt eigentlich.
- 40:09Speaker 1: also hast es rumgeschickt.
- 40:11Speaker 1: Hast du sie davor noch mal gesprochen vielleicht?
- 40:13Speaker 1: Oder so und dann in die Studie mit ihr oder war da irgendwie... Ja okay.
- 40:19Speaker 1: Na schön.
- 40:20Speaker 1: Bin gut!
- 40:21Speaker 1: Was ist denn hier im Vorgespräch?
- 40:22Speaker 1: Vorgespruch hast du da nicht gesagt, naja es gibt ja gar nicht so viel zu sagen weil ich so einfach gelaufen bin.
- 40:28Speaker 1: Aber ich glaube das ist ja genau der spannende dass man halt ähm.. Also ermutigt, wenn man das Gefühl hat die Geschichte passt zu der Person oder genau was sie auch gesagt hat.
- 40:39Speaker 1: es fand ich spannend.
- 40:39Speaker 1: Dass du ihm nicht gedacht hattest naja ich frags ihn mal weil Sandra Hüller sondern ich frage er so na gut ist stimmt nicht.
- 40:47Speaker 1: Du hast ja gefragt bei Sandra Hühler aber nicht weil sie bekannt ist sondern eher weil du sagst hält das passt einfach aus dem und dem Grund zu der Geschichte und das finde ich glaube ich da als Gedanken gar nicht spannend.
- 40:58Speaker 0: Ja ich meine dass geht ja halt in Hand.
- 41:00Speaker 0: also sie nicht umsonst Sandra Hüller, wie wir sie kennen.
- 41:04Speaker 0: Also einfach weil Sie Ihre Handwerk beherrschen und weil sie all dieses Skills hat und das einfach fühlen kann und diese Authentizität mit sich bringen kann.
- 41:17Speaker 0: Das geht ja inhand, dass sie auch diesen Erfolg hat den sie jetzt hat.
- 41:21Speaker 1: Das kommt
- 41:22Speaker 0: nicht von ungefähr!
- 41:24Speaker 1: Wir hatten ein Gespräch so ein bisschen über die Rezeption gesprochen gehabt, ich meine jetzt ist der Film ja so ein bissel unterwegs schon gewesen.
- 41:30Speaker 1: Deswegen würde ich einmal kurze Rezeptionen rüber wandern und leite sich auch so ein bischen... ...so die Aufgabe ist vielleicht zu großes Wort aber auf das was genau wie du schon vorher gesagt hast filmen so schaffen kann um einen Diskurs in der Gesellschaft irgendwie aufzumachen.
- 41:46Speaker 1: Es ist vielleicht bei dem Thema würde man jetzt denken, ja es ist wahrscheinlich her.
- 41:52Speaker 1: Aber ich glaube das ist egal was für eine Art von Film.
- 41:54Speaker 1: jedes Kurs kann eröffnet werden durch Filme.
- 41:57Speaker 1: und wie kam denn der Film jetzt?
- 42:01Speaker 1: Oder was kam dann als Rezeption für dich zurück so rum vielleicht?
- 42:04Speaker 1: Was kam als Reception aus dem Publikum?
- 42:06Speaker 1: Das würdest du sagen zu dir und hast Du das erwartet oder hast Du eine ganz andere Erwartung gehabt mit den Filmen.
- 42:15Speaker 0: Das ist eine gute Frage, was habe ich erwartet?
- 42:19Speaker 0: Also auf jeden Fall habe ich mir das gewünscht.
- 42:25Speaker 0: Dass der Film gut aufgenommen wird, dass er genau auch das macht, was er mit mir gemacht hat oder meine Recherche-Reise mit mir gemacht hat.
- 42:36Speaker 0: Ich hatte ne sehr steile Lernkurve.
- 42:40Speaker 0: also ich bin keine Betroffene und ich wusste vieles nicht wie das läuft.
- 42:47Speaker 0: Auch ich wusste nicht, was bei einem Polizeieinsatz passiert.
- 42:49Speaker 0: Ich wusste noch nicht, welche Hilfsangebote es gibt.
- 42:56Speaker 0: Ich wüsste ... ich wuste nicht, wie sich ... welche Therapiefasen es gibt und wie sie sich unterscheiden und welchen Einfluss das vielleicht auch auf Gerichtsverfahren hat.
- 43:09Speaker 0: Also all diese Dinge, die rechtliche Lage oder auch, vor Gericht dann auch zugeht.
- 43:18Speaker 0: Das war auf jeden Fall ein Augenöffner und das hatte ich schon auch gehofft, dass die Menschen, die den Film sehen, so eine Antenne entwickeln und so einen Bewusstsein entwickeln für sich aber auch für ihr näheres Umwelt.
- 43:37Speaker 0: Und da einfach aufmerksamer sind.
- 43:43Speaker 0: Die Rückmeldung, die jetzt bisher so kam waren wirklich absolut überwältigend.
- 43:50Speaker 0: Das habe ich nicht erwartet!
- 43:52Speaker 0: Ich meine es zu Zuschauer.
- 43:54Speaker 0: zahlenmäßig ist noch Luft nach oben.
- 43:55Speaker 0: das ist jetzt kein Film.
- 43:58Speaker 0: Es ist jetzt nicht eben die Monsieur Komödie.
- 44:04Speaker 0: Den Film muss man sehen wollen Und ich kann auch jeden verstehen, der oder die sagt du am Ende eines Arbeitsteiges oder in einer Woche möchte ich mich nicht noch damit beschäftigen müssen.
- 44:20Speaker 0: Kann ich verstehen?
- 44:23Speaker 0: Bisher aber jeder und jede, die den Film gesehen hat und das mir zurückgemeldet hat war durch jetzt positiv.
- 44:31Speaker 0: also wir bekommen sehr unterschiedliche Rückmeldungen.
- 44:35Speaker 0: wenn es Betroffene sind ist da eine ganz große Dankbarkeit dar.
- 44:41Speaker 0: Manche sagen, diese ... Eine Frau hat mal zu mir gesagt, dieser Film ist auch meine Geschichte.
- 44:47Speaker 0: Also es wiederholt sich einfach, das sind immer dieselben Geschichten.
- 44:51Speaker 0: Danke dass ich jetzt auch eine Stimme habe.
- 44:56Speaker 0: Es kam auch eine Dankbarheit von den Berufsgruppen.
- 45:01Speaker 0: Auch von der Polizei.
- 45:01Speaker 0: Ich hatte mehrere Vorführungen zusammen mit unterschiedlichem Polizei Direktion, die sagen ja wir tun viel für die Prävention.
- 45:14Speaker 0: Wir haben Opferschutzbeauftragte.
- 45:17Speaker 0: Viele wissen nichts davon.
- 45:19Speaker 0: Wir versuchen... Wir haben ganz wenig Mittel.
- 45:21Speaker 0: Vieles sind absolut unterfinanziert auch bei der Polizei.
- 45:26Speaker 0: was dann auch Projekte, was Öffentlichkeitsarbeit eingeht aber auch personell.
- 45:31Speaker 0: trotzdem versuchen dann einzelne eben wirklich viel zu bewegen auch die Sozialarbeiterinnen, Sozialarbeit, dass unsere Arbeit sichtbar gemacht wird.
- 45:42Speaker 0: Wir brauchen Öffentlichkeitsarbeit und Film ist ein... kann ein Teil einer Öffentlich- keitsarbeit sein.
- 45:51Speaker 0: Also es genau diese große Dankbarkeit uns begeht viel Wut und Empörung.
- 45:59Speaker 1: Echt?
- 46:00Speaker 0: Ja!
- 46:01Speaker 0: Im Sinne von das wusste ich nicht, das macht mich wütend, In unserer Gesellschaft so etwas geben kann, in die dem Ausmaß dann muss man doch etwas tun.
- 46:13Speaker 0: Also wirklich so ein Aktivismusgedanke dann hochkommt und es war doch jetzt schon einige Male so das Angehörige mich angesprochen haben.
- 46:31Speaker 0: oder auch wir versuchen auch die Screenings mit mit Kooperationspartnern zu machen, also zum Beispiel mit Frauenzentren und Beratungsstellen.
- 46:42Speaker 0: Mit Ärztinnen oder RechtsanwältInnen.
- 46:44Speaker 0: Mit der Polizei.
- 46:47Speaker 0: Dass sie sagen, meine Tochter ist in so einer Situation was kann ich tun?
- 46:53Speaker 0: Oder eine Freundin von mir ist gerade in so ner Beziehung.
- 46:57Speaker 0: Was kann ich als Freundin... Ich bin keine Angewöhrige!
- 47:00Speaker 0: Was kann ICH
- 47:01Speaker 0: TUN?!
- 47:03Speaker 0: Also das da wirklich sehr praktisch, sich einfach Tipps geholt werden.
- 47:12Speaker 0: Und ja also es sind wirklich wirklich tolle bewegende Rückmeldungen auch von Männern die sagen ich schäbe mich Es kann nicht sein dass hier im Saal von fünfzig Leuten nur fünf Männer sitzen.
- 47:31Speaker 0: das kann nicht Sein.
- 47:33Speaker 0: wir müssen uns verantwortlich fühlen.
- 47:37Speaker 0: Genau, also wirklich Tonne Rückmeldung offenbar auch mit einer Lernkurve dann auch.
- 47:45Speaker 1: Ja ich frage mich gerade weil du meintest am Anfang auch oder grade eben dass die Zahlen... Also noch besser sein könnten ne?
- 47:54Speaker 1: Also das heißt die Zuschauerzeilen ja und habe mich gefragt besonders bei diesem Film einfach durch diese Verwebung dieser wichtigen Geschichte in einer anderen Art.
- 48:09Speaker 1: Ich hätte gedacht, dass man dadurch ja vielleicht sogar doch mehr Leute ansprechen kann also in dem Sinne, dass die Leute eben nicht mit... Es ist eine sehr harte Geschichte oder ein sehr hartes Thema aber gleichzeitig so wie ihr sie aufbereitet habt.
- 48:26Speaker 1: Dadurch vielleicht Leute ansprechen könntet, die erstmal das Thema erst mal ein bisschen mit Vorsicht genießen würden, aber dann dadurch halt angeführt werden.
- 48:38Speaker 1: Also ich hatte eher gedacht dass man danach denkt ah verdammt das ist doch ein ganz schön harter Film... Aber erstmal vielleicht reinkommt mit okay der ist aber ein Kinofilm den man sich gut anschauen kann.
- 48:50Speaker 1: Weißt du was ich meine?
- 48:51Speaker 1: Ja genau
- 48:53Speaker 0: also so ist er ja auch konzipiert, wir produzieren keine Gewalt.
- 48:59Speaker 0: Wir zeigen keine Gewalte.
- 49:02Speaker 0: Also diese Tanzsequenzen finde ich sind unglaublich ästhetisch.
- 49:05Speaker 0: Es ist wirklich eine sinnliche Erfahrung, auch die Musik.
- 49:13Speaker 0: Da ist schon irgendwie ein künstlerischer Ansatz so da drin.
- 49:21Speaker 0: Aber viele haben Angst vor dem Film.
- 49:23Speaker 0: also das höre ich auch immer wieder und sagen ja ich würde mir gerne angucken aber ich habe Angst davor.
- 49:27Speaker 0: Ich kann nur sagen wie der Film konzipiert ist und was darin vorkommt, was ausgeklammert wird.
- 49:39Speaker 0: Aber die ... ja ich kann nur bedingt irgendwie die Angst vor dem Film nehmen.
- 49:46Speaker 0: Ich hatte auch Zuschauerinnen, die gesagt haben, ich setze mich mal nah an die Tür, falls ich eben gehen muss, dass sich schnell raus bin aber bisher ist niemand ... niemand gegangen.
- 50:03Speaker 1: Okay, ja ich verstehe.
- 50:06Speaker 0: Ja aber klar es ist ein schmaler Grad und das versteh ich total und das wussten wir auch vorher.
- 50:11Speaker 0: also wir wussten dass wir... Dass der Film nicht von alleine durch die Decke gehen wird, dass wir tausende und arbetausende Zuschauer bekommen werden.
- 50:21Speaker 0: Das wussten ... wussten wehr.
- 50:25Speaker 0: Aber ja klar wir hatten natürlich alle gehofft weil wir auch wirklich Der wurde gut besprochen, auch in der Presse zum Kinostart.
- 50:39Speaker 0: Aber so ist es... Also das sind ja alle Ticks, ne?
- 50:41Speaker 0: Es ist Dokumentarfilm, es ist über häusliche Gewalt, es mit zeitgenössischen Tanzen eigentlich alles so ticke.
- 50:50Speaker 0: So man sagt ... Na ja!
- 50:59Speaker 1: Lass uns noch einmal kurz, bevor wir lange zum Schluss kommen über Hürden sprechen.
- 51:03Speaker 1: Was war denn so in dieser Produktion?
- 51:05Speaker 1: vielleicht Hürde die du oder ihr überkommen musstest auf der einen Seite?
- 51:09Speaker 1: Es können finanzielle sein es können produktionelle sein das können auch inhaltliche sein.
- 51:15Speaker 1: und genau wie habt ihr sie gemeistert?
- 51:18Speaker 1: Und genau was?
- 51:19Speaker 1: vielleicht?
- 51:19Speaker 1: aber das kommt danach.
- 51:20Speaker 1: also vielleicht ist mal die Frage Was nimmst du dir mit aus dem Film?
- 51:24Speaker 1: Man nimmt dir immer was für die nächsten Projekte.
- 51:28Speaker 1: Aber erst mal vielleicht gab es irgendwas, wo du dachtest so, das ist jetzt besonders schwierig umzusetzen mit den Mitteln, die wir haben oder mit den Möglichkeiten.
- 51:39Speaker 1: und wie habt ihr das gemeistert?
- 51:44Speaker 0: Also ich empfinde Hörden immer nicht... also ich vergesse sie immer relativ schnell!
- 51:51Speaker 0: oder das, was nicht so gut gelaufen ist.
- 51:57Speaker 0: Wir hatten in diesem Zwischenstadium eine Stoffentwicklung für Recherche und eben Stoff-Entwicklung.
- 52:05Speaker 0: Und dieser Zwischenschritt für die Tests, also so ne Projektentwicklung – das war relativ schwierig zu finanzieren weil sich das niemand so richtig vorstellen konnte dass eben die betroffenen Frauen nicht zu sehen sind, dass man sich ja dann gar nicht identifizieren kann und diese Tanzsequenzen das versteht Das versteht man vielleicht nicht, das trägt es nicht.
- 52:23Speaker 0: Also dieser Satz, dass trägt ist nicht über neunzig Minuten oder das will keiner sehen.
- 52:30Speaker 0: Das haben wir ganz oft gehört.
- 52:33Speaker 0: Wir hatten auch dann in der Produktion eine Finanzierungslücke.
- 52:38Speaker 0: Eine relativ große...
- 52:43Speaker 1: Habe ich noch kurz beim Stoffentwicklung bleiben.
- 52:45Speaker 1: also das ist ganz spannend weil es heißt, das will keine sehen.
- 52:49Speaker 1: oder wie auch immer was du gerade gesagt hast Genau, und wie habt ihr da den Geldgebenden Stellen oder den Förderern die Sorge genommen?
- 52:58Speaker 1: Oder habt ihr das Geld über andere Wege besorgt?
- 53:01Speaker 1: für den Filmland.
- 53:03Speaker 1: Ich habe eine Stoffentwicklungsförderung bekommen meintest du.
- 53:12Speaker 0: Die ging glatt aber auch... Also, es wurde von der Mid-Lodger Medienförderung auch gefördert.
- 53:19Speaker 0: Das ist sozusagen unsere Hausfördering hier in Mitteldeutschland und sie kannten das Projekt.
- 53:24Speaker 0: Es war eigentlich als Kurzfilm erst mal angedacht und ich hatte das mal gepitzt und dann dieses ach vielleicht ist doch ein Langfilm und dann... ...es war auch nicht wahnsinnig viel Geld was dann in die Stoffentwicklung geflossen ist.
- 53:41Speaker 0: Deswegen war das eigentlich nicht das Problem eben dieser.
- 53:44Speaker 0: Diese Tests waren schwierig zu überzeugen.
- 53:52Speaker 0: Einfach, weil einige gedacht haben das erträgt man nicht.
- 54:01Speaker 0: Also dass es nicht wichtig ist, dass es gemacht werden muss sondern es funktioniert als Kinofilm nicht.
- 54:11Speaker 1: Vielleicht haben wir auch dieser Gedanke, dass man diese Figur braucht.
- 54:14Speaker 1: Also das hatten wir am Anfang.
- 54:15Speaker 1: Das kann ich mir schon vorstellen, da hatten wir ja vorher darüber gesprochen gehabt, dass vielleicht auch das Gefühl hat... Man braucht eine Art von Protagonistin, wo man das gesehen irgendwie drauf produzieren kann in gewisser Weise oder?
- 54:34Speaker 1: Ja,
- 54:36Speaker 0: aber wir haben das dann am Ende.
- 54:40Speaker 0: Wir haben diese Tests gemacht und die waren dann auch wirklich so ein Türöffner.
- 54:46Speaker 0: Also das war total wichtig, diese Teste zu machen.
- 54:50Speaker 0: Nicht nur für die Produktionsförderung sondern vor allem auch für uns als kreatives Team um zu entscheiden jedes Gewerk wie müssen wir es dosieren?
- 55:02Speaker 0: Wie müssen wir drehen damit all diese Elemente darin unterbringen wollen, diese gestalterischen Elemente.
- 55:11Speaker 0: Wie müssen die Dossizent damit sie ineinandergreifen?
- 55:13Speaker 0: Also wir hatten so ein Henne-Eye-Problem, dass die Tänzer brauchten Musik, die Komponistinnen brauchte irgendeine Stimmung... also die Animation brauchte die Kamera, die Kamera brauchtte die Choreografie.
- 55:27Speaker 0: Das war wirklich so Henne Eye Problems, sodass wir wirklich sehr viele Gewerke parallel entwickelt haben Und dazu war es total wichtig, diese Projektentwicklung zu haben.
- 55:43Speaker 0: Wir haben eine große Unterstützung von den Kulturförderern bekommen und dann auch von der Filmförderung.
- 55:48Speaker 0: Wir hatten trotzdem die kleine Finanzierungslücke, am Ende waren wir aber schon im Rohschnitt.
- 55:55Speaker 0: Dann kamen MDR Arte mit an Bord Also für alle dann auch ein großes Haar.
- 56:09Speaker 0: So dass wir die Postproduktion wirklich gut stemmen konnten, bis zum Schluss dann.
- 56:18Speaker 1: Spannend!
- 56:18Speaker 1: Und was nimmst du aus dem Film mit für deine nächsten Projekte?
- 56:21Speaker 1: Gibt es da vielleicht vieles, aber gibt es da irgendwas Spezielles, wo du denkst so... Das ist ein Learning, was ich jetzt beim nächsten Mal auf jeden Fall anders besser nochmal anders durchschauen kann oder wie auch immer.
- 56:36Speaker 0: Also sicherlich dieses dass man das Kompromisse machen und sich verbiegen oder dann sagen so na gut dann wird es irgendwie gefälliger oder irgendwie konsumierbarer wie immer man das nennen will.
- 56:54Speaker 0: dass das nicht der Weg ist, sondern den Film funktioniert nur weil keine Kompromisse gemacht wurden.
- 57:05Speaker 0: Weil er eben so streng in seiner Form ist, weil es so reduziert ist.
- 57:12Speaker 0: und ja, das ist etwas wo ich auch überzeugt bin wenn diese Vision da ist begründet ist, dass man dabei bleiben sollte.
- 57:35Speaker 0: Aber das ist auch immer wieder – und das habe ich eigentlich bei all meinen Projekten – wirklich die Recherche und die Entwicklung des A- und O sind.
- 57:46Speaker 0: Und das Entscheidungen am Set oder während der Produktion, man trifft ständig Entscheidungen.
- 57:54Speaker 0: Aber es sind kleine Entscheidungen!
- 57:56Speaker 0: Aber grundsätzliche Entscheidung, wie dieser Film funktioniert.
- 58:00Speaker 0: Wie die Dramaturgie ist.
- 58:04Speaker 0: Welche Elemente spielen eine Rolle?
- 58:07Speaker 0: Dass sie schon vorher getroffen werden müssen und dann ... Und irgendwie ja eben begründet sein müssen.
- 58:13Speaker 0: Das ist glaube ich auch etwas, dass das eben sich richtig anfühlen muss.
- 58:21Speaker 0: Ich glaube, ich habe eine gute Intuition.
- 58:23Speaker 0: Manchmal vertraue ich eher nicht immer.
- 58:25Speaker 0: Ich merke dann, hätte ich doch meine Intuition vertraut.
- 58:30Speaker 0: Das weiß ich doch, dass sie funktioniert!
- 58:34Speaker 0: Aber wir sind ja nicht ohne Zweifel.
- 58:39Speaker 0: Aber das ist schon ein guter Kompass, wenn man ganz ehrlich mit sich ist und in sich hinein hört und sagt so, funktioniert das für dich?
- 58:50Speaker 0: Funktioniert das für Dich?
- 58:53Speaker 0: Dass man da ehrlich mit Sich isst Am Ende weiß man so, ah nee das ist nur so achtzig Prozent gut.
- 59:00Speaker 0: Ich mache es aber trotzdem.
- 59:01Speaker 0: Sonst sagt's vielleicht kann ich da noch mal rangehen auch wenns wie tut
- 59:07Speaker 1: schön gesagt.
- 59:09Speaker 1: Das ist ein schöner Abschluss.
- 59:10Speaker 1: damit würde ich doch den Sack zu machen oder zumindest eine Klammer machen und mich bei dir bedanken für das schöne Gespräch Für den Einblick in deine und eure Arbeit in den Fünffassaden.
- 59:22Speaker 1: wo kann man den Fassaden sehen?
- 59:24Speaker 0: Der läuft immer noch in Kinos auf rotzfrechtscinema.com, sind alle Termine gelistet bis in den Juni und wir haben dann im Herbst auf jeden Fall auch noch.
- 59:36Speaker 0: das ist dann so.
- 59:38Speaker 0: im November oder Oktober-November wird es auch einige Termine geben.
- 59:43Speaker 1: Und dann im Fernsehen wahrscheinlich der Arte?
- 59:45Speaker 0: Und dann am Fernsehen genau also dieser Lückernsendeplatz irgendwann im Winter.
- 59:51Speaker 1: Vielen Dank für die ganze Arbeit,
- 59:53Speaker 0: fürs
- 59:53Speaker 1: dranbleiben und für das umsetzen.
- 59:58Speaker 1: Und genau vielen Dank auch an die Zuhörenden für das Zuhören.
- 1:00:04Speaker 1: Wir hatten gerade über Filmförderung gesprochen.
- 1:00:05Speaker 1: dann kann ich nur noch mal darauf hinweisen dass wir seit November letzten Jahres den Deadliner haben bei uns also ein Tool zur Hilfe der Suche nach der richtigen Filmpörderung.
- 1:00:17Speaker 1: Das sind alle verschiedenen Filmferungen gelistet nach Deadlines und ihr könnt euch da durchsuchen.
- 1:00:22Speaker 1: Deswegen muss ich das einmal noch mal erwähnt haben, ihr bekommt Zugang dazu indem Ihr Unterstützer in die Film Talk werdet über Steady.
- 1:00:31Speaker 1: Mehr Infos findet Ihr natürlich dann unten in den Show Notes.
- 1:00:35Speaker 1: Vielen Dank an alle anderen auch und ich würde sagen wie immer guten Tag, guten Abend oder gute Nacht und wir hören uns in der nächsten Folge wieder!
- 1:00:43Speaker 1: Ciao.