Latest / Pod und die Welt – Das außenpolitische Update / Rückblick: das Beste aus über 30 Folgen „Pod und die Welt“
Transcript
- 0:00Und zack, schon ist 2026.
- 0:03Herzlich willkommen zu unserer ersten Folge im neuen Jahr.
- 0:06Wir hoffen, Sie sind gut gestartet und blicken zuversichtlich allem, was da kommt entgegen.
- 0:11Ich bin Martin Bialecki
- 0:12und ich bin Katharina Peetz auf von mir.
- 0:14Happy New Year und herzlich willkommen zu einer ganz besonderen Folge, das ist Pod und die Welt, das außenpolitische Update der Zeitschrift Internationale Politik.
- 0:23Der Januar ist ja ein idealer Monat, um sich ein bisschen zu sortieren und nochmal kurz zurück zu blicken.
- 0:28Was war da so los in den letzten Monaten und Jahren?
- 0:31Wie soll das weitergehen?
- 0:32Und deshalb haben wir uns überlegt, auch wir wollen mal zurückblicken auf die letzten inzwischen mehr als dreißig Folgen, die wir schon aufgenommen haben.
- 0:39Manche Episoden sind uns besonders gut in Erinnerung geblieben, manche Perspektiven haben nachhaltig was verändert und manchmal waren auch einfach Time and Place der Folgen ganz besonders.
- 0:48Und was wir beim Durchhören der alten Folgen natürlich auch ganz stark gemerkt haben, wie viel sich seit dem Start des Podcasts schon verändert und entwickelt hat, aber genauso wie viele Tendenzen in der internationalen Politik sich schon länger abzeichnen und beobachten lassen.
- 1:02In diesem Sinne, hier kommt unser kleines, total subjektives Best-of.
- 1:06Ich fange mal an mit einer Folge, bei der wir den Podcast fast kurzfristig umbenannt hätten statt Port und die Welt, oh Gott, die Welt.
- 1:13Meine Güte, da war eine sehr aufgewühlte Zeit.
- 1:16Trump wurde wieder gewählt und am selben Tag bzw.
- 1:19Abend danach scheiterte er die Ampelkoalition in Berlin.
- 1:22Das war also schon mal ganz besonderes Timing.
- 1:24Diese Folge war aber auch deshalb eine besondere, weil wir beide Martin da ausnahmsweise mal zusammen vor Ort in Berlin aufgezeichnet haben in diesem ganz tollen Lesesaal bei der DGAP.
- 1:35Und das Ganze getoppt hat dann noch eine ganz tolle Gesprächspartnerin, nämlich Constanze Stelzenmüller von Brookings Institute.
- 1:41Und ich muss sagen, dieses Gespräch kam für mich wirklich genau zur richtigen Zeit, weil Constanze Stelzenmüller mit ihrer ruhigen und auch analytischen Art sehr geholfen hat, in dieser aufgewöhten politischen Großwetterlage alles so ein bisschen zu sortieren, die größeren Dimensionen und Linien anzuschauen.
- 1:57Und wir hören jetzt mal einen kleinen Ausstand aus dieser Folge vom 8. November 2024.
- 2:03Wir haben klar über die US-Wahl gesprochen und auch darüber, was sich daraus für Deutschland und Europa ableiten lässt.
- 2:09Constanze Stelzenmüller hat gesagt, Sie sollten uns fragen, ob diese Wahl von Trump auch Europas und Deutschlands Zukunft ist.
- 2:30Und ich glaube, die selbstkritische und sehr ernste Frage, die sich alle Demokraten in Europa und in Deutschland jetzt stellen müssen, ist, was müssen wir tun?
- 2:38Was können wir tun, um aus dieser Wahl zu lernen und um zu verhindern, dass bei uns die Strong-Man und Strong-Woman an die Macht kommen?
- 2:45Weil ihre Wirkung mit Sicherheit sprürisch sein wird und danach Europas Demokratien und unsere Demokratie wieder zu reparieren.
- 2:54Das wird dann eine unermesslich schwere Aufgabe.
- 2:57Das heißt, wenn ich es richtig verstehe, man fährt gerade ne oder muss gerade ne zweiteilige Strategie fahren.
- 3:01Einerseits muss man einen Umgang finden mit Trump als US-Präsident und versuchen da ja auch weiterhin Beziehungen oder Partnerschaften zu behalten und gleichzeitig als abschreckendes Beispiel ihn sehen und daraus lernen ziehen.
- 3:13Ja,
- 3:13aber auf den ersten Teil ihrer Frage bezogen, was wir nicht tun sollten.
- 3:18Das haben wir vielfach gesehen in der ersten Trump-Administration, ist uns darauf irgendwie verlassen, dass wir einen nationalen Sonderkurs fahren können und damit irgendwie Erfolg haben.
- 3:28Dafür gibt es verschiedene Versionen, Angela Merkels, Emmanuel Macrons, Boris Johnsons, die haben alle nicht so gut funktioniert.
- 3:34Aber wir werden jetzt erleben, wie die Autoritären sich mit Trump gemeint machen oder ihn herausformen.
- 3:39Das Erste, haben wir gesehen, bei den Gratulationen von Leuten wie Viktor Orban, das Zweite ist bei der Bemerkung des Kreml-Sprechers Peskos, der Kreml betrachte Amerika weiterhin als Feind, aber man könne reden.
- 3:51Das kann nicht das Modell sein, aber die schon gesagt, ich halte den Schulterschluss verentscheidend.
- 3:55Man kann trotzdem getrennt kommunizieren.
- 3:58Aber wir müssen uns absprechen.
- 4:00Und wir müssen wissen, dass wir geeint stehen müssen.
- 4:04weil wir sonst getrennt geschlagen werden.
- 4:05Und was das Letztere anbetrifft, ja, diesen Punkt möchte ich gerne noch mal machen, weil er mir besonders wichtig ist.
- 4:10Es gibt in der amerikanischen harten Rechten eine Fraktion, die nichts Geringeres will, als die amerikanische Verfassungsordnung auszuwechseln nach ungerischem Vorbild.
- 4:19Es gibt auch welche, die einen protestantischen Franco fordern.
- 4:22Das wäre dann in der Tat eine Art von Klärikalfaschismus.
- 4:25Aber dieses Franco-Vorbild finde ich momentan noch eher folkloristisch, aber die Faszination mit Orbern ist allgegenwärtig.
- 4:32Und das würde bedeuten Abschaffung des politischen Pluralismus, Ende der Trennung von Kirche und Staat.
- 4:37Dahinter steht eine Magerbewegung, die auf einem religiösen Fusionismus basiert.
- 4:41Auch das sollte man sehr ernst nehmen.
- 4:43Und schließlich die weitgehende Beschneidung von Freiheits- und Minderheiten rechnen.
- 4:47Übrigens noch eine Sache sollte man nicht vergessen.
- 4:49Die Vertreter von Kulturkampfbeschreibung auch in Deutschland.
- 4:53Glauben.
- 4:53ja, hier habe ich eine Ideologie gesiegt bei Trump und eine religiös fundierte Ideologie.
- 4:58Die sollten sich nochmal sehr genau anschauen, den Zickzackkurs von Trump beim Thema Abtreibung.
- 5:03Trump hat am Ende verstanden, dass dieses Thema ihn stimmen kosten könnte bei schmalen Mauschen und hat deshalb darauf verzichtet, ein nationales Abtreibungsverbot zu fordern.
- 5:12Und trotzdem haben, glaube ich, zwei Drittel der evangelikalen Wähler hingewählt.
- 5:16Das zeigt, dass hier es geht um Macht und um Regieren und um die Veränderung der Ordnung und nicht um Ideologie.
- 5:25Tja, und mit dieser Analyse larkonstanz der Stelzenmüller im November, natürlich goldrichtig aus heutiger Sicht.
- 5:31Wie sehr es um die Veränderung der Ordnung geht, das haben wir in den letzten Monaten seit Donald Trumps Amtsantritt hier immer wieder gesehen.
- 5:37Ja, vieles ist in der Tat ganz genauso gekommen, wie von Konstanze Stelzenbüller und anderen befürchtet.
- 5:43Manchmal steht man da als Beobachterin oder Beobachter ziemlich hilflos damit seinen frühen Hinweisen, denn man kann das meiste ja trotzdem nicht verhindern.
- 5:50Sehr sehr klug und sehr hellsichtig fand ich in diesem Kontext die Ansichten von Julian Müller-Kahler.
- 5:55Mit dem haben wir über Populismus gesprochen, am einunddreißigsten Juli.
- 5:59Weltweit ist ja die Demokratie auf dem Rückzug, autoritäre Formen und rechte Bewegungen sind dagegen auf dem Vormarsch.
- 6:05Das gilt ganz sicher auch für die USA, aber auch für autoritäre Regime wie China oder Russland und vor allem für eine ganze Reihe europäischer Länder.
- 6:12Wir haben mit Julian in Washington darüber gesprochen, was das alles zu bedeuten hat und was daraus für freie Gesellschaften folgt.
- 6:18Julian Müller-Kaler rät sich nicht zu einfach zu machen mit den Vorwürfen an.
- 6:22Die Populisten, für ihn ist Populismus eher so eine Art Fiebertermometer der Gesellschaften.
- 6:27Die eigentlichen Probleme und damit auch die Lösung, die lägen ganz woanders.
- 6:34Ich
- 6:34argumentiere nicht, dass Populismus kein Risiko ist, sondern ich würde sagen, dass der Populismus ein Symptom für die Performance-Schwäche von Demokratien aktuell ist.
- 6:43Es ist natürlich über diese Henne-Ei-Geschichte, aber dass es vor allen Dingen eben darum geht, dass der Populismus in westlichen Demokratien viel mehr Symptom als Ursache gesellschaftlicher Eskalationsprozesse ist.
- 6:55Nehmen wir die USA als vielleicht Vorreiterbeispiel oder Negativbeispiel.
- 7:00Natürlich kann man argumentieren, dass Donald Trump eine Gefahr für die amerikanische Demokratie ist, aber ich würde argumentieren, dass er vielmehr eine Konsequenz eben undemokratischer und gesellschaftlicher Herausforderung in den Vereinigten Staaten ist.
- 7:13Was ich damit meine, ist, dass in Amerika, in dem reichsten Land der Welt, seit ungefähr einer Dekade die durchschnittliche Lebenserwartung sinkt, dass sich ein Großteil der Menschen von Paycheck zu Paycheck durchhangeln und dass die Wahrscheinlichkeit, den amerikanischen Traum zu leben, definiert, dass es mir besser geht, ökonomisch, als mein Eltern, inzwischen bei unter fünfzig Prozent liegt.
- 7:36Insofern ist es wirklich überraschend, dass eine Figur wie Donald Trump und seine populistische Magerbewegung, die natürlich von der Destruktion des politischen Systems lebt und damit werbt, So erfolgreich ist.
- 7:48Ich würde argumentieren, nein, es ist das nicht, sondern es ist viel mehr Symptom als Ursache.
- 7:52Und ähnliche Tendenzen sehen wir auch in Europa, ob das der Brexit, der Frauenational in Frankreich ist oder eben die AfD in Deutschland.
- 8:01Ich finde, dass Julian Müller-Kahler hier einen Finger in die Wunde legt.
- 8:04Das ist unbequem, aber hilfreich.
- 8:07Es ist ziemlich denkfaul, Ursache und Symptom zu verwechseln.
- 8:10Populisten bekämpft man überall mit besserer Politik, Politik, die das Leben der Menschen wieder verbessert.
- 8:15Mir ist diese Folge ziemlich lang im Kopf rumgegangen.
- 8:18Ja, das ging mir auch so.
- 8:19Wobei ich eben gerade diesen Gedanken von bessere Politikmachern auch nicht so leicht zu greifen finde.
- 8:23Es kommt dabei natürlich immer sehr auf die jeweilige Perspektive an.
- 8:27Und apropos Perspektiven, da finde ich es ja immer besonders hilfreich, auch die historischen Entwicklungen im Hinterkopf zu haben.
- 8:33Deshalb war eine andere Folge, die ich noch sehr gut in Erinnerung habe, die mit dem Historiker Timothy Garten Esch.
- 8:39Ich bin großer Geschichtsfan und finde, wenn man über aktuelle politische Entwicklungen spricht, dann sollte man eben auch immer die größeren historischen Zusammenhänge anschauen.
- 8:47Und Timothy Garten Esch kann das besonders gut.
- 8:50Wir haben für die Folge vom neunten Januar, zw.
- 8:52und zwanzig, mit ihm gesprochen.
- 8:54Mir ist vor allem das Ende des Gesprächs noch sehr in Erinnerung.
- 8:57Da ging es darum, was sich mit dem Rückzug der USA für uns in Europa persönlich und psychologisch ändert.
- 9:22Das bringt meines Erachtens eine zusätzliche Faktor von psychologischer Unsicherheit vor allem.
- 9:35Nicht sofort militärische Unsicherheit, aber psychologische Unsicherheit in unseren schon sehr verunsicherten Gesellschaften.
- 9:46Zum... Abschluss würde ich gerne noch mal fragen.
- 9:48Sie haben es ganz am Anfang gesagt.
- 9:49Wir stehen eigentlich vor einem großen Fragezeichen, dass sich nicht nur aufs Jahr zwanzig, sondern auf das nächste Jahrzehnt bezieht.
- 9:56Als Historiker schauen Sie natürlich viel zurück und Sie haben rückblickend dann festgestellt, dass eigentlich schon seit zwei tausend acht die große Wende abwärts in Europa eingetreten ist.
- 10:06Wenn wir uns einen einen Zeitstrahl vorstellen, wo würden Sie das Jahr zweitausend zwanzig da einsortieren?
- 10:11Sind wir da noch ganz am Anfang?
- 10:13Sind wir schon mittendrin in dieser?
- 10:15Wir haben es vielfach gesagt, neuen Ehre.
- 10:17Letztendem,
- 10:18in den fünf Jahren nach 1945 haben wir in Grunde genommen die Fundamente des europäischen Systems und nicht nur des europäischen Systems eine neue Weltordnung gebaut. Das Jahr 1950 war schon NATO, war schon Vereinten Nationen, die Bretton Woods Institutionen und und und. Die fünf Jahre nach 1989, da haben wir schon die Grundrisse der Nachmauerordnung, die waren schon sichtbar.
- 10:58Es gibt keine neue Versuche, eine neue europäische Sicherheitsordnung.
- 11:03Es geht um die Erweiterung der EU und der NATO.
- 11:06Ja, um eine Erwartung zu sagen des geopolitischen Westens.
- 11:11Wir sind jetzt fast am Ende des dritten Jahres,
- 11:17seit dem 24. Februar 2022. Also ich würde sagen, in den nächsten zwei Jahren entscheidet sich wahrscheinlich vieles darüber, wie diese neue Ehre, diese neue Zeit aussieht.”
- 11:32Ja, ein Jahr von diesen prognostizierten zwei Jahren ist jetzt schon rum.
- 11:38Wir haben dieses Gespräch mit Timothy Garton-Ash vor ziemlich genau einem Jahr geführt.
- 11:42Und wenn man an die Gespräche und Szenarien für ein mögliches Ende des Kriegs in der Ukraine denkt, dann ist auf jeden Fall klar, dass der Ausgang dieses Krieges und die Vereinbarungen über einen Waffenstillstand ganz entscheidend dafür sein werden, wie diese neue Ära in Europa aussehen wird.
- 12:01Wir haben in unserem Podcast auch über einer Ost gesprochen, mehrfach sogar über Diplomatie, über die Vereinten Nationen und vieles mehr.
- 12:07Trotzdem war das Thema Sicherheit, Warnkrieg und Frieden natürlich sehr, sehr stark.
- 12:11Darum ging es auch in unserem Gespräch mit dem Militärhistoriker Sönke Neitzel, das haben wir aufgenommen am elften September.
- 12:18Sönke Neitzel ist mir in der Rückschau besonders wichtig, nicht wegen der Lage in der Ukraine und die Möglichkeit des Landes, das ist sozusagen immer wichtig, sondern da geht es mir vor allem um die Veränderung des Diskurses in Deutschland wegen einer anderen Bewusstseinslage.
- 12:31Deswegen ist es wichtig, was das Thema Sicherheit ganz generell anbelangt und da macht Sönke Neitzel meiner Ansicht nach einen sehr guten Punkt, wenn er auf einen Auseinander klaffend zwischen Bevölkerung und Politik hinweist.
- 12:44Für uns, die jetzt Teil eines öffentlichen Diskurses sind, da kann man glaube ich jetzt wirklich nicht beklagen, dass der im öffentlichen Diskurs über alle möglichen Szenarien gesprochen würde, über auch eine gewisse Dringlichkeit der Situation.
- 12:57Also der Diskurs hat sich doch erheblich verändert und ich würde sagen, wenn irgendwo die Zeitenwände angekommen ist, dann im öffentlichen Diskurs in den öffentlichen Debatten.
- 13:06Diese Zeitenwende und dieses Ankommen dieser Wegruf kann man ja auch verschieden nebenhören.
- 13:10Wir haben die neuste Bevölkerungsumfrage des ZMSBW, des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam, die auch zeigt, dass die Bevölkerung in all diesen Fragen mitgeht, dass eben eine Mehrheit der Deutschen in Russland als Gefahr sieht, dass sie für mehr Soldaten sind, für die Wehrpflicht und so weiter und so weiter.
- 13:29Das Problem ist einfach schlicht und das habe ich schon oft gesagt, die Politik.
- 13:34Und zwar einerseits die Legislative und die Parteien und dann die Exekutive, die Regierung.
- 13:39Wenn wir sehen, was passiert und was eigentlich sachlich geboten wäre, was zumindest vielleicht nicht alle.
- 13:45Aber doch die allermeisten Experten sagen, viele in der Mehrheit der Bevölkerung, wenn wir sehen, was dann erfolgt, da sehen wir ein großes Delta.
- 13:51Und ich glaube, dass im Rahmen der SPD zum Beispiel viele einfach den Schuss nicht gehört haben und irgendwie glauben, aus ihrer eigenen Überzeugung heraus und die Überzeugung sind ja eine Legitim.
- 14:01Ich will das gar nicht dieservoieren.
- 14:03Ja, nee, das wird jetzt bald Frieden geben und dann können wir uns wieder mit den... Themen der sozialen Gerechtigkeit auseinandersetzen.
- 14:09Es ist einfach ein Unernst bei der Sache und es ist nicht die Frage des Kurses, es ist letztlich eine Frage, eine innere Frage der der Politik und der Politik funktioniere.
- 14:19Da
- 14:19würde ich dafür vorsagen, da müsste man nochmal auch nicht in Zorn stoßen, um den Leuten klar zu machen, dass sich schon eine Verantwortung für dieses Land
- 14:27hat.
- 14:29Tja, wenn man auf diese Aussagen vom Herbst, im Jahr zwanzig, zurück schaut, sind wir zwar ein bisschen weiter, aber noch lange nicht da, wo wir sein müssten.
- 14:37Die Spitzenpolitik macht zu wenig klar, wie groß die Bedrohung ist und wie viel sich ändern muss im Land.
- 14:44Mir macht das große Sorgen.
- 14:45Ich
- 14:45finde es auch interessant für den Aussagen von NATO-Generalsekretär Marc Rütte noch im Dezember in Berlin.
- 14:51Der hat ja noch mal ganz deutlich auf diese Bedrohungslage hingewiesen und eben auch gesagt, dass nicht alle Mitgliedstaaten das seiner Ansicht nach ernst genug nehmen würden.
- 14:58Also auch er hat oft mal den Eindruck, so richtig angekommen, ist es noch nicht überall.
- 15:06Auch in meiner letzten Best of Folge ging es um den Ukraine-Krieg, aber vor allem um die russische Perspektive.
- 15:12Und das merke ich immer wieder.
- 15:13Es ist ja aus nachvollziehbaren Gründen inzwischen sehr schwierig, noch Einblicke in die russische Gesellschaft zu erhalten.
- 15:19Es gibt keine freie Presse, Kritiker und Gegner des Systems haben entweder das Land verlassen, sind hinter Gittern oder tot.
- 15:25Deshalb fand ich die Einschätzungen von der Osteuropa-Expertin Sabine Fischer sehr bereichernd, die ja selbst viele Jahre in Russland gelebt hat.
- 15:31Wir haben in der Folge vom siebenundzwanzigsten März, über das Thema Gewalt in der russischen Gesellschaft gesprochen und inwieweit der Krieg in der Ukraine da noch weiter zur Verrohung der Gesellschaft beiträgt.
- 15:46Naja, das Gewaltniveau in der russischen Gesellschaft steigt weiter.
- 15:48Die aus dem Ausland operierenden, aber dennoch immer noch ziemlich nah an den russischen gesellschaftlichen Entwicklungen, sich befinden in unabhängigen russischen Medien, richten da zum Beispiel auch einen Fokus drauf.
- 15:59Die versuchen auf eine ganz systematische Art, diesen Zusammenhang herzustellen zwischen dem Krieg, der von Russland aus gegen die Ukraine geführt wird und dem ansteigenden Gewaltniveau in der russischen Gesellschaft in Form von häuslicher Gewalt, in Form von krimineller Gewalt, was auch immer.
- 16:16Und es gibt sehr, sehr viele Fälle von Morden, von ... eben auch gerade häuslicher Gewalt
- 16:21etc.,
- 16:22in die Veteranen des Krieges verwickelt sind.
- 16:26Und das ist auch ein Phänomen, das unter dem alle in Kriege verwickelte Gesellschaften leiden, also dieser sogenannte Gewalt, Boomerang, der einfach darin besteht, dass Soldaten ... die in diesem Gewaltexzess, den sie erleben, zutiefst traumatisiert werden, auch als Täter traumatisiert werden, in ihre Heimatgesellschaft zurückkehren und vor allen Dingen, wenn das Trauma unverarbeitet bleibt, diese Gewalt fortsetzen.
- 16:53Das ist ein großes Problem und das ist im Übrigen auch einer der vielen Punkte, wo man
- 16:58sieht,
- 16:59wie weit sich die ukrainische Gesellschaft und die russische Gesellschaft in den letzten dreißig Jahren eigentlich auseinander entwickelt haben.
- 17:06Denn auf der ukrainischen Seite gibt es zum einen einen Blick dafür, wie gefährlich dieses Gewalttrauma ist.
- 17:12Und ich meine, auf der ukrainischen Seite haben wir es mit dem Opfertrauma zu tun.
- 17:16Also die ukrainische Seite ist die angegriffene Seite.
- 17:18Dennoch haben sie hier ein ähnliches Problem.
- 17:20Sie haben hunderttausende von Männern und Frauen, die Kampferlebnisse haben, die also in diesen Krieg verwickelt sind.
- 17:28Und über die ein Gewalttrauma und eine Gewaltspirale natürlich sich auch in der ukrainischen Gesellschaft entwickeln kann.
- 17:35Und auf der ukrainischen Seite gibt es tatsächlich sowohl von staatlicher Seite als auch von gesellschaftlicher Seite Initiativen, die genau an diesen Traumata zu arbeiten versuchen.
- 17:43Auf der russischen Seite ist das unterentwickelt.
- 17:46Auf der russischen Seite haben sie einen necrophilen Heldenkult, wenn sie so wollen.
- 17:51Aber ... so gut wie keine Instrumente und auch gar nicht den Willen und die Fähigkeit, mit diesem Trauma umzugehen.
- 17:59Der Begriff Frieden im Zusammenhang mit der Russischen Gesellschaft ist sehr, sehr schwierig.
- 18:03Aber um das momentan deutlich zu machen, für einen Frieden in der Russischen Gesellschaft ist das natürlich eine riesige Gefahr.
- 18:12Ja, also das fand ich wirklich noch mal interessant, dass Sabine Fischer da in dieser Folge vom März, auf den Unterschied von so vielen zwischen der Ukraine und Russland hinweist, nämlich wie unterschiedlich man mit Trauma in der Gesellschaft umgeht.
- 18:24In der Tat, apropos Trauma, in der letzten Folge, die ich mitgebracht habe, geht es nochmal um die USA.
- 18:29Wir haben am siebten November, zwanzigundzwanzig in Washington mit Ines Pol gesprochen.
- 18:35Das ist die Studieleiterin der deutschen Welle und mir hat sehr, sehr gut gefallen, wie ruhig, wie analytisch und gleichzeitig empathisch Ines Pol über das Tempo und über die Brutalität der Veränderungen in den USA gesprochen hat.
- 18:48Veränderungen, die für viele in der Tat richtig traumatisch sind.
- 18:52Ines Pol hat aber auch gesagt, die USA sind nicht gleich Donald Trump.
- 18:56Es ist ein riesiges Land, was dein Kontinent und in diesem Land da gärt ist.
- 18:59Da verändert sich sehr vieles sehr schnell.
- 19:02Nicht nur mit den Nationalgarten in großen Städten oder maskierten Heschern der Regierung, die recht Jagd auf Menschen machen, sondern Ines Pol beobachtet auch noch ganz andere Veränderungen in der Gesellschaft selbst.
- 19:15Und was ich auch ... Ich bemerke, es erinnert mich so ein bisschen an Biedermeier, dass es so einen unglaublichen Rückzug ins Private gibt.
- 19:23Also die Leute engagieren sich viel mehr in ihren lokalen Communities.
- 19:28Community ist hier ein Begriff, der immer wichtiger wird.
- 19:31Natürlich auch deswegen, weil immer mehr Leute in wirklicher Not sind.
- 19:35Community hier helfen muss.
- 19:37Ich bleibe jetzt mal bei den Food Banks.
- 19:39in Deutschland würde es Tafeln heißen, wo die Leute, die jetzt eben, weil es gestoppt wurde durch den Governmental Shutdown, keine Food Stams mehr kriegen, die sind jetzt darauf angewiesen, dass die Nachbarn die Geld haben oder ein bisschen mehr Geld haben, vor die einfach auch mal mit einkaufen gehen.
- 19:52Ist jetzt nur ein kleines Beispiel, aber das trifft zu in ganz vielen Bereichen.
- 19:56Es gibt eine noch größere Distanzierung zu Washington.
- 20:00Washington ist sowieso wahnsinnig weit weg für den größten Teil in den USA.
- 20:04Aber die innere Abscheu, möchte ich schon fast sagen, von einer Hauptstadt, die so wahnsinnig mit sich selber beschäftigt ist.
- 20:13Die nur, um sich selber dreht, das waren auch die letzten beiden Jahre.
- 20:18Soll er noch mal antreten, soll er nicht antreten, die letzten Monate vor der Wahl.
- 20:21Die Leute waren so angenervt, dass so ein ... zwei so alte Männer gegeneinander antreten, dass die Demokraten sich nur damit beschäftigen, ob beiden ersetzt werden muss und nicht für was eigentlich eine mögliche demokratische Regierung steht.
- 20:38Also das verschärft sich sicher, dieser Rückzug ins private, dieser Rückzug ins regionale und diese... Abkehr bis hin zu Abscheu gegenüber Washington, die also verkracht und unpragmatisch sind.
- 20:51Und die amerikanische Seele ist sehr pragmatisch.
- 20:53Die wollen Lösungen finden.
- 20:54Und Washington liefert hier überhaupt
- 20:56nichts.
- 20:59Washington liefert überhaupt nicht.
- 21:00Das merken die Menschen in den USA mehr und mehr.
- 21:03Dass Trump nicht das Umsetzt, was er vollmundig angekündigt hat, Inflation runter, das Leben wird billiger, die Wirtschaft springt an, alles Kohleversprechungen mit dem Preis, dass Trump noch autoritärer agieren und noch mehr in der Welt herumfuhr wirken wird, um sozusagen unter Beweis zu stellen, dass er der größte US-Präsident aller Zeiten ist.
- 21:22Das verbindet ja auch nochmal ganz gut ein paar Gedanken aus den anderen Folgen.
- 21:25Diese Frage, was ist eigentlich gute oder bessere Politik?
- 21:29Für wen wird es dann überhaupt besser?
- 21:30Und geht es darum, eine andere Politik zu machen oder vielmehr um den eigenen Machtausbau und die Veränderung der politischen Ordnung?
- 21:38Das alles sind Fragen, die uns sicher auch noch in diesem Jahr immer wieder begegnen werden.
- 21:47Tja, und das war unser Rückblick auf gut dreißig Folgen Pod und die Welt.
- 21:51Bei dieser Auswahl könnte man fast glauben, wir hätten nur über die USA und den Ukrainekrieg gesprochen, aber wie ja schon eben gesagt, da war natürlich noch viel mehr Nahost-Klima, Deutsche Außenpolitik, Globaler Süden, Vereinten Nationen und und und und.
- 22:05Und es kommt auch noch viel mehr.
- 22:06Am neunzwanzigsten Januar geht es weiter mit einer regulären Folge von Pod und die Welt, mit einer Ausnahme von der Regel.
- 22:13in dieser Folge spreche ich allein mit der Zukunftsforscherin Florence Gaub.
- 22:17Genau, ich bin dann ab Februar wieder dabei.
- 22:19Und wenn Sie mögen, dann schreiben Sie uns doch gerne, welche Folgen Ihnen in den letzten Jahren besonders gut gefallen haben.
- 22:25Oder gibt es vielleicht Themen, die Ihnen noch fehlen und die wir hier im Podcast unbedingt mal besprechen sollten?
- 22:30Dann mailen Sie uns an ip@dgap.org.
- 22:33Ich bin Katharina Peetz.
- 22:34Und ich bin Martin Bialecki.
- 22:36Danke und bis bald.