Latest / Digital Sense – The Human Side of AI / Folge 13: Leadership im Zeitalter von KI: Menschlich führen, digital handeln
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- Yvonne Faoual: Hallo und herzlich willkommen bei Digital Sense, human side of AI. Unsere zweite Staffel steht komplett unter dem Schwerpunkt Führen, denn je mehr Technologie Tempo macht, desto wichtiger wird die Frage, wie führen wir, ohne in Kontrollillusion zu rutschen. Wir bleiben menschlich, ohne naiv zu werden. Ich bin Yvonne und mit mir ist wieder dabei der Lucien. Dr. Lucien André Reuter: Hallo! Yvonne Faoual: Lucien zum Auftakt, wenn du auf die nächsten 12 Monate schaust, was ist es, was Führungskräfte mit KI am meisten unterschätzen? Dr. Lucien André Reuter: Das ist eine sehr gute Frage. Aber vielleicht, bevor wir überhaupt damit anfangen, wollen wir nicht ein bisschen zur Staffel 2 noch erzählen, bevor es überhaupt losgeht. Ich meine, wir hatten in der letzten Folge Staffel 1 beendet. Seitdem ist ja doch einiges noch passiert. Wir haben den Workshop fertig, wir eine neue Webseite. Wir haben einige Kunden, die wir jetzt schon beraten dürfen. Ja, es hat sich doch innerhalb von kürzester Zeit doch einiges bewegt. Yvonne Faoual: Stimmt! Dr. Lucien André Reuter: Wie ist dir das so vorgekommen in dieser kurzen Zeit? meine, du hast ja parallel deinen Umzug noch bewältigen müssen, aber es doch ja, doch das eine oder andere, ja, in der kurzen Zeit passiert. Yvonne Faoual: Nach anfänglichen Startschwierigkeiten ist es dann doch alles gut gelaufen. Es ist viel passiert tatsächlich. In sehr kurzer Zeit wirklich sehr viel passiert. Dr. Lucien André Reuter: Stell dir vor, du sitzt im Meeting und jemand sagt, die KI hat entschieden. Und niemand merkt, wie sehr dieser Satz gerade die Führung verschiebt. Heute starten wir mit Staffel 2, mit einer Frage, die größer ist als jedes Tool. Was muss menschlich bleiben, egal wie gut KI wird? Der Titel der Folge 13 lautet Leadership im Zeitalter von KI. Menschlich führen und digital handeln. Um deine Frage zu beantworten, also was die nächsten 12 Monate so für uns bringen oder welche Herausforderungen am meisten unterschätzt werden, würde ich sagen, dass ganz viele Leute glauben, schlichtweg, dass KI unsere Art zu arbeiten verändert. Und das tut sie jetzt schon aktiv. Aber viele glauben, damit hat es sich getan. Und das greift so nicht ins Ganze rein, weil die Frage, jetzt immer mehr ins Rennen kommt, und je besser die KI wird, je stärker das Ganze wird, auch wenn wir da an den Chlorbot und ähnliches denken, ist immer die Frage der Verantwortung. Und die Frage ist letztendlich, wer prägt die Verantwortung, wenn ich eine KI habe, die die Entscheidung vorbereitet oder dafür sorgt, dass ich eine Entscheidung viel schneller treffen kann als vorher. Und auch viele Sachen, die ich eigentlich verantworten müsste, einfach nur an die KI wegdelegiere. Es ist immer die Frage, ob das so wirklich gut ist oder ob das nicht ein Riesenproblem oder Fehler sogar sein kann. Und... Ich glaube tatsächlich, dass der Kern von Führung im KI-Zeitalter nicht bedeutet, welche Tools nutzen wir, sondern wer trägt wofür die Verantwortung und zwar nach welchen Kriterien. Yvonne Faoual: Viele Geschäftsführer erleben ja jetzt gerade wirklich ein unfassbar krasses Tempo. Also das Tempo wird ja immer schneller. Es gibt immer mehr Tools, es gibt immer neue Anforderungen. Ist das eigentlich das Problem, die Komplexität oder unser Umgang damit? Dr. Lucien André Reuter: Das Thema Komplexität hat mir in Staffel 1 schon mal eine sehr gute Folge, wo wir das Ganze aufgegriffen haben. Und da, auch in den anderen Folgen, hat mir immer gesagt, fast nie ist Technologie selbst das Problem. Und das glaube ich auch, weil wir nach wie vor auch immer noch sagen können, dass eine digitale Vertranformation oder ein KI-Projekt kein IT-Projekt ist, sondern immer eine Führungsaufgabe ist. Und das eigentliche Problem ist für mich die fehlende Denkstruktur und die fehlende Entscheidungslogik, die hinten dran steht. Warum? Wir haben immer mehr Daten, immer mehr Systeme, immer mehr Automatisierung, immer mehr Optionen und immer mehr Geschwindigkeit. Und das sorgt letztendlich dafür, dass viele Organisationen in diesen Wilds an Daten, Informationen, Strukturen und Tools keine klare Architektur mehr haben. Weder im Kopf noch irgendwie auf Papier oder selbst. Und dann ist eigentlich etwas, was immer passiert, was ganz typisch ist... Yvonne Faoual: Mhm. Dr. Lucien André Reuter: Nämlich je mehr Optionen wir haben, desto mehr fühlt sich auch relevant an und desto schneller werden Entscheidungen reaktiv. Das heißt, ich komme immer wieder in dieses alte Spiel, wo ich agieren muss, weil ich einfach so einen Berg habe von Möglichkeiten, dass ich gar nicht das proaktiv machen kann, sondern immer nur gucke, ⁓ ja, ist was Neues gekommen, da ist was Neues oder ein neues Tool. Okay, Codex von JGPT ist jetzt raus, ⁓ Cloud Code hat ein Update bekommen, wir stellen alles wieder zurück, stellen alles wieder ⁓ weil wir immer ganz vorne mitrennen wollen, was gerade die besten ist, beziehungsweise Hilfe in der Entwicklungsumgebung ist. Und in IT-Projekten, wenn wir das mal runterbrechen, würden wir niemals sagen, lass mal anfangen und schauen, was passiert. Yvonne Faoual: Mhm. Dr. Lucien André Reuter: Das man machen, das machen vielleicht auch etwas kleinere Lädchen, die einfach nicht genügend Zeit rein investieren wollen, damit etwas nachhaltig ist. Aber grundsätzlich würden wir niemals ohne ein Zielbild starten. Wir würden niemals ohne unsere Schnittstellenlogik starten oder diese zu integrieren. Und wir würden niemals ohne eine Governance skalieren. Ich glaube, das habe ich auch schon mal in einem ähnlichen Wortlaut gesagt gehabt. Aber im Denken in unserer Führung machen wir genau das und zwar andauernd. Und dann nennen wir es nicht irgendwie Projekt oder anders, sondern wir nennen es einfach nur Chaos. Yvonne Faoual: Das heißt, das Chaos ist nicht die Menge an Dingen, sondern tatsächlich fehlende Struktur. Dr. Lucien André Reuter: Genau, also für mich ist Chaos, und das ist immer so bisschen meine eigene Definition, wie ich die Welt sehe, ist genau das der Fall. Chaos ist nicht die Menge an Dingen, die wir haben, nicht die verschiedene Auswahlmöglichkeiten, sondern die fehlende Struktur, die hinten dran steht. Und zwar Chaos entsteht nicht, weil es viel gibt, sondern Chaos entsteht, weil die Verantwortung unklar ist. Und weil unsere Kriterien fehlen. Das heißt, man sagt ja immer, im Chaos leben Genies. Man kennt das so ein bisschen, oder die aufraumvollen Leute sagen immer, nee, das ist kein Chaos, das ist eine unstrukturierte Ordnung. Und letztendlich kann man ja auch sagen, Chaos ist genau der... Yvonne Faoual: Genau. Dr. Lucien André Reuter: Mangel oder die Abwesenheit von Klarheit. Und dann stellen wir uns nicht mehr die Frage, was ist Chaos oder welche Kriterien müssen getroffen werden, sondern müssen wir erstmal definieren, was Klarheit ist. Und für mich kann ich Klarheit über drei Sachen definieren oder drei Fragen definieren. Da sind wir wieder bei meinen drei Punkten angekommen. Was ist überhaupt wichtig? Was ist jetzt als nächstes dran? Und wer entscheidet es nach welchen Kriterien? Und wenn ich diese Klarheiten, schon mal vor Augen geführt habe, dann lichtet sich auch automatisch mein Chaos, weil ich kriege automatisch Struktur in das ganze rein. Nämlich mit meinen drei Was- oder Wehtfragen. Naja, in dem Fall ist es Was, was, wer, was, wie, wann oder was, wer, wo. Es sind ja verschiedene Arten, wie man die 3 Ws definieren kann. In dem Fall sind es keine klassischen 3 Ws, muss ich mich korrigieren. Es sind aber drei Fragen, die mit Weh beginnen, nämlich was ist wichtig, was ist jetzt dran und wer entscheidet das? Und wenn ich... Yvonne Faoual: Hahaha Dr. Lucien André Reuter: Diese drei Punkte schon mal habe, wie gesagt, habe ich schon mal bisschen mehr Struktur in dem Ganzen. Yvonne Faoual: Viele sagen ja menschlich führen oder der Begriff menschlich führen ist ja immer so in aller Munde und für mich klingt es dann auch immer wie so ein Wohlfühlbegriff. Was heißt das eigentlich konkret? Dr. Lucien André Reuter: Konkret heißt das für mich oder für uns, liebe Eweren, dass wir uns gesagt haben, das menschliche Führen heißt nicht nett führen, also einfach freundlich sein oder lieb sein oder nicht auf Konflikte gehen, sondern es heißt viel mehr Verantwortung sichtbar machen. Warum? Jetzt befinden wir wieder im KI-Kontext. Was kann KI? Das haben wir schon mehrfach geklärt. KI kann Vorschläge liefern, kann Texte schreiben, kann Analysen erstellen, kann Varianten liefern, kann Vorschläge machen, kann mich in meiner Programmierarbeit beschleunigen, in der Strukturierungsarbeit, in der Datenanalyse beschleunigen. Was aber KI nicht kann, sind Sinn festlegen, Werte gewichten, Verantwortung tragen und Kultur gestalten. Und das ist das, was bei uns Menschen bleibt. Und damit meinen wir auch, menschlich führen heißt, ich tue nicht so, als wäre Technik neutral, sondern wir sagen, Technologie verstärkt Kultur. Und nur wenn ich eine gute Kultur habe, kann meine Technologie diese verstärken, die Konflikte vermeidet, die Entscheidungen nicht hinter Output verstecken. Und das sind so Aspekte, die ich brauche oder die ich persönlich bevorzugen würde, die ich nach vorne heben wollen würde, dass ich sage, ich habe eine Kultur, die liebt Klarheit und KI verstärkt das, weil sie meine Vorarbeit beschleunigen kann. Yvonne Faoual: Das ist super spannend, dass du das so reinbringst, so KI als Kulturverstärker. Woran erkenne ich denn jetzt aber im Alltag, im Arbeitsalltag, ob KI tatsächlich Kultur stärkt oder eher zum Kippen bringt? Dr. Lucien André Reuter: Da habe ich ein gutes Beispiel. Nämlich bei einem meiner Kunden von der EUNA, die ich betreue, fällt in Meetings öfters ein ganz unbewusst Satz und der lautet, die KI hat entschieden. Und das finde ich immer ganz komisch. Oder auch ganz häufig fällt etwas ähnliches wie, das hat uns das Tool so ausgespuckt. Und das sind so Punkte, wo Menschen anfangen, Yvonne Faoual: Hahaha Dr. Lucien André Reuter: nicht zu sagen, das habe ich gemacht im Pair-Programming, in Pair-Entscheidungen, im Vibe-Coding, nennst es du möchtest, mit der KI zusammen, sondern das hat die KI gemacht. Das war ich nicht, das wurde so entschieden, das kam bei raus. Ich habe es mir nicht angeguckt, es interessiert mich nicht, ich habe das einfach mal copy and pasted und bringe euch das mal mit als Vorbereitung. Durch sowas wird halt Verantwortung unsichtbar. Wenn die Verantwortung unsichtbar ist, dann ist das Vertrauen auch brüchig. Also wenn ich zu meinen Kunden gehen würde und sagen würde, hey, du zahlst mir x 100 Euro die Stunde dafür, dass ich nachher eigentlich deine Frage nur in ChatGPT eingebe und sage nachher hier ChatGPT hat das entschieden, das ist das Beste, was du tun kannst, dann werde ich relativ schnell keine Kunden mehr haben. Weil der Kunde erwartet ja von mir, dass ich mit meiner Erfahrung, meinem Wissen vielleicht zusammen mit einer KI etwas erzeugen kann, aber oftmals, weil das auch kritische Daten sind, gar keine KI benutzen soll. Und dann ist es natürlich umso wichtiger, dass das Vertrauen einfach auf beiden Seiten besteht. A. Wie gehe ich mit den Daten um? B. Was mache ich mit den Daten? Welche Systeme durchlaufen diese Daten? Am besten keine, außer die, die sowieso beim Kunden liegen. Und auf der anderen Seite will er ja auch mein Wissen haben. Und da denke ich mir ganz häufig, wenn er mich einkauft oder meine Mitarbeiter einkauft, dann will er auch von uns bedient werden. Dann möchte er nicht, dass ich nachher im Hintergrund noch zehn Subfirmen habe, also zehn KI's oder zehn Freelancer, die dann für mich arbeiten. Also wenn so was mal vorkommt, weil das irgendein Projekt ist, wo ich sage, okay, da gibt es jetzt ein fachspezifisches Wissen, was ich einfach nicht habe, weil wir keine anderen Großbankenwesen drin sind oder so was, dann wird das ganz offen und ehrlich kommuniziert. Und das Gleiche muss halt auch mit der KI passieren, in meinen Augen. Also... Yvonne Faoual: Mhm. Mhm. Dr. Lucien André Reuter: Anstelle das so zu formulieren, ein besserer Satz von den Mitarbeitern gewesen. Die KI hat uns Varianten gegeben. haben uns entschieden deswegen nach Kriterium XY und haben uns für Variante B entschieden, weil ABC. Also man hat natürlich die Entscheidung vorbereiten lassen, hat die durchkauen lassen von der KI, hat von der KI verschiedene Variationen gegeben bekommen und hat gesagt, okay, wir nehmen Variante A, aber vielleicht ändern wir noch BC und D ein bisschen an oder passen bei Variante A noch drei, vier Punkte an. das geworden. Oder man sagt ganz klar wir nutzen KI für eine Analyse, aber die Entscheidung bleibt bei uns und wir dokumentieren warum. Wäre auch eine Variante, wie man das machen könnte, was deutlich besser wäre. Yvonne Faoual: Das ganze Thema, so KI hat entschieden, ist ja zum einen auch Verantwortung abgeben, zum anderen haben wir ja natürlich da auch so paar ethische Aspekte drin. Jetzt ist Ethik natürlich auch so ein absolutes Buzzword. Wie wird Ethik denn eigentlich im Alltag praktisch, also ohne diesen moralischen Zeigefinger? Dr. Lucien André Reuter: Ja. Ja, dieser moralische Zeigefinger ist natürlich immer ein Problem. Die Leute hören Ethik, also entweder hören sie dann gar nicht mehr zu und sagen, Ethik dafür haben wir kein Geld, keine Lust drauf oder ja, Ethik ist ganz toll, wir brauchen das unbedingt und dann ist es halt ein Basswort, was irgendwo auf Papier niedergeschrieben wird und keinen interessiert. Im Kontext zu KI würde ich es eher Leitplanken nennen. dass wir sagen, wir haben eine Leichtplanke, das klingt nicht ganz so schön wie Ethik als Wort, aber es ist eine betriebsfähige Frage. Und beziehungsweise man kann eine betriebsfähige Frage draus machen. Nämlich zum Beispiel, was tun wir und was tun wir bewusst nicht? Oder, und wie machen wir Entscheidungen nachvollziehbar? Das sind so drei mögliche Fragen. die man als Leitplanke sich stellen kann, bzw. die man sich stellen kann, und daraus könnte man dann drei wirksame Leitplanken definieren im Umgang mit der KI. Ja, wieder drei, eine schöne Zahl. Zum Beispiel eine Leitplanke könnte sein, wenn man jetzt so bisschen das abfängt. dass wir sagen, okay, Leitplanke 1, die Digieren, ja, Verantwortung, nein. Die KI kann analysieren, kann strukturieren, kann vorformulieren, aber Mensch bleibt der Owner, der bleibt in der Verantwortung. Also das, wir eben gerade schon mal als Beispiel hatten. Kleines Beispiel oder ähnliches Beispiel hatten wir vorhin mit der Kultur, Leitplanke 2, menschliches Urteil bei Kultur und Wertefragen. Personalentscheidungen, Kultur, Konflikte, Prioritäten, KI darf helfen, aber darf nicht entscheiden. Also du möchtest ja auch nicht, dass dein Vorgesetzter ein KI-Bot nimmt und sagt, hier guck mal, das sind die Metadaten von allen Mitarbeitern, wen soll ich denn jetzt befördern oder warum. Da geht einfach momentan noch viel zu viel verloren, was die KI gar nicht umfassen kann, wo der Kontext fehlt, wobei großen Datenmengen sowieso die KI den Anschluss verliert. und dann halt einfach weder Emotionen noch Gefühlen noch Sonstiges zeigen kann. Da sind wir auch wieder bei dem einen Beispiel, was ich in Folge 7 oder so gebracht hatte, mit dem guten Mann von einem von den Big Fours, der ein Unternehmen optimieren, verbessern aus der Krise rausholen sollte, massiv natürlich mit der Erkündigungshammer gespielt hatte und dabei halt auch die Leute gekündigt haben, die zwar keine guten Performer waren, aber die die ganze Klima, die ganze Kultur, diesen ganzen Laden intern am Laufen gehalten hatten. und nachher hat das komplett viel geschlagen. Kann man gerne noch mal nachhören in einer der alten Folgen. Leitplanke 3, für mich einer der wichtigsten Leitplanken in dem Kontext, ist Transparenz als Standard, nicht als Ausnahme. Wenn KI im Prozess war, muss das ganz klar sein. Wo, wofür, auf welcher Datenbasis und mit welchem Prüfprozess. Und wenn ich diese Fragen schon mal gestellt habe, finde ich auch relativ schnell Fehler an dem Umgang mit der KI oder Fehler im Umgang mit der Datenbasis. Weil wenn ich auf falschen Datenbasen meine KI trainiere oder anwende, dann muss ich mich auch nicht wundern, wenn Unfug bei rauskommt. Yvonne Faoual: Das klingt ja jetzt aber schon hart nach governance und viele denken und hören jetzt wahrscheinlich Dr. Lucien André Reuter: Ja, Governance, Bürokratie, IT-Governance sind Themen, da ziehen sich die Fußnägel bei vielen Kollegen von mir hoch. Ich kann es nachvollziehen. Ich würde es aber einfach refrämen. Und zwar sind Leitplanken keine Bürokratie, sondern Entlastung. Warum? Sie sparen uns Diskussionen, sie verhindern Schuldzuweisungen, also Schuldspiele in der Management-Ebene, in der C-Ebene, nachher wenn irgendwas schief geht. Sie schafft mir Vertrauen und Ohne den Leitplanken haben wir ein ganz anderes Problem. Nämlich Mitarbeiter müssen ständig raten, was ist eigentlich erlaubt. Was darf ich? Was darf ich nicht? Darf ich das so anwenden? Soll ich das so anwenden? Wer ist zuständig? Und dann passiert nämlich eine Sache ganz klar in jeder IT, ganz unabhängig von KI oder nicht von KI, nämlich Schatten-IT. Heimliche Nutzung von Software, von KI-Systemen, Umgehung von Blockaden. Und wenn ich das schon erwische und sehe, dann habe ich ein fehlende... Führungsklarheit. Und da sind wir wieder im Circle unserer heutigen Thematik. Ich habe es geschafft, fehlende Führung, durch fehlende Klarheit Probleme zu verursachen, habe keine Leitplanken definiert und letztendlich habe ich dann mir eine Schatten-IT aufgebaut, die mehr kaputt macht, mehr Aufwand kostet, als wenn ich von vornherein ein paar Leitplanken definiere, bisschen Governance reinhole und das Ganze als Entlastung sehe. nicht als noch eine To-do, noch eine ISO-Zertifizierung, noch ein Regelwerk, was ich mich halten muss, sondern wirklich als Mehrwert betrachte. Yvonne Faoual: Jetzt ist es ja so, dass das ganze Thema Unsicherheit mitbringt, aber die Führungskräfte natürlich Sicherheit ausstrahlen wollen. Was ist denn, also vor allen Dingen gerade jetzt in dem Moment, was ist denn die größte Vertrauensfalle deiner Meinung Dr. Lucien André Reuter: größte Vertrauensfalle, ich würde fast sagen falsche Sicherheit. Wenn unsere Führung oder wenn wir als Führungskräfte so tun, als ob wir alles im Griff haben und das, obwohl wir gerade wissen, System, das ist nicht im Griff, das wandelt sich, alles verändert sich gerade, wir wissen gar nicht, wo die Reise übermorgen hingeht, aber trotzdem die ganze Zeit zu tun, ja, ja, das soll so sein und ist alles gut. Und dann passiert eins, nämlich unsere Mitarbeiter merken das. Die sind ja nicht blöd. Die können zwischen den Zeilen lesen, die merken, wenn Ungereimheiten da sind und das Ganze erzeugt letztendlich einen Tionismus. Und das wollen wir nicht. Vertrauen entsteht nicht durch wir wissen alles. sondern Vertrauen entsteht durch, wir wissen nicht alles, aber wir haben Kriterien, haben Leitplanken, wir entscheiden bewusst. Also je mehr ich meinen Mitarbeitern sagen kann, hey, da gibt es ein Problem, da gibt es eine Veränderung, ich kann euch noch nicht sagen, wo geht morgen die Reise hin, aber wir wollen das, das und das in dem und dem Kontext, in dem und dem Zeitframe und das und das wollen wir erreichen. Dann spielen wir mit offenen Karten, alle wissen Bescheid und wir verlieren unsere Mitarbeiter nicht, weil was passiert, wenn wir es nicht tun? Die Leute kriegen Bauchschmerzen, denken, hier ist alles komisch und fangen langsam an, sich wegzubekommen. bewerben. Und meistens oder eigentlich immer können wir sagen, die guten Leute gehen und die schlecht bleiben, weil die haben keine Chance woanders. Yvonne Faoual: Jetzt hast du ja da ziemlich viele Punkte reingebracht. Meinst du, du kannst das irgendwie in einem Satz zusammen formulieren, den wir Geschäftsführern mitgeben können, den sie tatsächlich sagen können? Dr. Lucien André Reuter: Ja, ähm, gib mir eine Sekunde, lass mich mal kurz drüber nachdenken und bisschen sortieren. Eins Sekunde rum. Okay. Wir werden KI nutzen, um Tempo und Qualität zu steigern. Aber wir werden Entscheidungen nicht aus der Hand geben. Wir definieren klar, wofür wir KI einsetzen und wir dokumentieren, wie Entscheidungen zustande kommen. Wenn etwas unklar ist, sprechen wir es an, statt es zu verstecken. Yvonne Faoual: Eins Dr. Lucien André Reuter: Das ist Führung. Richtig, klar und nicht heroisch. So würde ich das vielleicht formulieren. Also außer den Nebensatz unten drunter. Der war eher als Catcher gedacht. Yvonne Faoual: Wow. Okay. Vielleicht nehmen wir den und posten ihn noch als vollständigen Satz drunter, sodass man Copy-Paste machen kann. Dr. Lucien André Reuter: Das ist eine gute Idee. Das muss natürlich jeder für sich in seinem Würdig anpassen und seinen Gedanken. Das war jetzt auch nur aus dem Stehgreif mal kurz rausgezogen. Aber ich glaube, das wären so die... Du darfst. Yvonne Faoual: Ja, aber die Inhalte waren ja... genau. Aber inhaltlich... Inhaltlich passt es ja. Wollte ich eigentlich nur sagen. Wenn unsere Hörer diese Woche nur eine Sache mitnehmen, was wäre das? Dr. Lucien André Reuter: Nö. Eine Entscheidung, die du nicht delegierst und zwar aus Prinzip, sondern aus Verantwortung. Das solltest du mitnehmen. Nimm dir 15 Minuten Zeit und beantworte eine Frage. Welche Führungsentscheidungen muss menschlich bleiben, egal wie gut KI wird? Und dann fragst dich, welche Leitplanken brauche ich, damit diese Entscheidung auch wirklich bei mir bleiben kann. Yvonne Faoual: Vielen Dank, Lucian. Und wenn euch diese Folge heute weitergebracht hat, dann abonniert einfach Digital Sense, nehmt euch für diese Woche den Mini-Impuls einfach mit. Welche Führungsentscheidungen willst du nicht delegieren und warum? Und in der nächsten Folge sprechen wir über Empathie als Schlüssel im Transformationsprozess. Nicht als Softskill, sondern tatsächlich als Change-Kompetenz. Dr. Lucien André Reuter: Absolut. Change wird auch ein wichtiges Thema für diese Staffel werden. Da werden wir auch schon zwei total spannende Personen dabei haben in nicht allzu ferner Zukunft. Da freue ich mich schon sehr drauf. ja, damit haben wir... Wir verraten auch nichts. Definitiv nicht. Ja, und jetzt haben wir dann als Einstiegsfolge für Staffel 2 eine sehr kurze Folge gemacht. Das ist aber auch okay. Ich kann meine Stimme ein bisschen schonen. Mit der Erkältung ist gar nicht so ohne. Und ja. Yvonne Faoual: Ja. Wir verraten noch nichts. Dr. Lucien André Reuter: würde ich sagen haut rein und bis zum nächsten mal. Ciao Yvonne Faoual: Bis nächste Woche! Macht's gut, tschau tschau!