Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 2. Theil - 6 - Vom Gesindel
Transcript
- 0:00Unter Kapitel 6 vom Gesindel in diesem Teil des Buches spricht
- 0:05Zarathustra über ein Thema, das ihm tiefe innere Schmerzen
- 0:08bereitet. Es geht um das, was er das
- 0:11Gusgesindel nennt, wenn Nietzsche oder Zarathustra das
- 0:14Wort Gesindel verwendet, meint er damit nicht Menschen, die
- 0:17wenig Geld haben oder einer unteren sozialen Schicht
- 0:20angehören, er meint damit eine bestimmte geistige Haltung, das
- 0:25Gesindel steht für die breite Masse der Menschen, die
- 0:28oberflächlich bequem. Und unreflektiert ist es sind
- 0:32Menschen, die keine höheren Ziele haben, die nur nach
- 0:34schnellem Vergnügen suchen und die wahren, tiefen Werte des
- 0:37Lebens nicht verstehen. Zarathustra beginnt mit einem
- 0:41starken Bild das Leben ist eigentlich wie ein reiner
- 0:44Brunnen, der voller Freude und Lebenslust ist.
- 0:48Aber dort, wo das Gesindel Mittrinkt, werden alle Brunnen
- 0:51vergiftet, Zarathustra liebt alles, was rein und klar ist.
- 0:55Er erträgt es nicht, die grinsenden Münder der
- 0:57oberflächlichen Masse zu sehen. Die gierig nach diesem Wasser
- 1:00lechzt, wenn das Gesindel in den reinen Brunnen des Lebens
- 1:04blickt, spiegelt sich ihr widerliches Lächeln darin und
- 1:07das Wasser verliert seine Klarheit.
- 1:09Er erklärt genauer, wie diese Menschen die Welt vergiften, sie
- 1:13verwechseln echte tiefe, Leidenschaft und Lebensfreude,
- 1:16die Zarathustra Lust nennt, mit billiger, schmutziger Gier, die
- 1:20er Lüsternheit nennt, indem sie ihre niederen Triebe als höchste
- 1:25Freude bezeichnen, vergiften sie sogar die Sprache und die Worte.
- 1:29Zarathustra nutzt weitere Bilder aus der Natur.
- 1:32Er sagt, Wenn das Gesindel an ein Feuer tritt, fängt die
- 1:35Flamme an zu rauchen und zu stottern, weil die Herzen dieser
- 1:39Menschen feucht und modrig sind und nicht hell brennen, wenn sie
- 1:44eine Frucht berühren, wird sie in ihren Händen sofort über
- 1:46reif, weich und ungenießbar, ihr bloßer Blick reicht aus, um
- 1:51einen starken Fruchtbaum verdorren zu lassen, das
- 1:54bedeutet? Alles, was groß, schön und edel
- 1:57ist, wird vom Gesindel in den Schmutz gezogen und ruiniert.
- 2:00Sobald es damit in Berührung kommt.
- 2:03Zarathustra beschreibt dann, wie verschiedene Menschen in der
- 2:06Vergangenheit auf dieses Problem reagiert haben, einige haben
- 2:10sich aus Ekel vor der Masse komplett vom Leben abgewandt,
- 2:13weil sie die Welt nicht mit dem Gesindel teilen wollten, andere
- 2:17sind in die Einsamkeit der Wüste geflohen und haben lieber dort
- 2:20gelitten als mit den unreinen Menschen am selben Wasserloch zu
- 2:24sitzen. Wieder andere wurden aus Wut zu
- 2:27Zerstörern, die der Gesellschaft Schaden zufügen wollten, nur um
- 2:30dem Gesindel endlich den Mund zu stopfen.
- 2:33Dann kommt Zarathustra zu seinem eigenen tiefsten Schmerz, er
- 2:38sagt, dass er nicht daran fast erstickt wäre, dass das Leben
- 2:41hart ist. Er kann akzeptieren, dass es
- 2:43Feindschaft, leiden und den Tod gibt, das, was ihm fast die Luft
- 2:48zum Atmen nahm, war eine ganz bestimmte Frage, braucht das
- 2:52Leben wirklich das Gesindel? Sind diese vergifteten Brunnen,
- 2:56diese stinkenden Feuer und diese Maden im Brot des Lebens
- 3:00wirklich eine Notwendigkeit für die Existenz?
- 3:03Es war nicht der Hass, der Zarathustra auffraß, sondern ein
- 3:06unerträglicher Ekel, Ekel ist hier das Gefühl der absoluten
- 3:10inneren Abstoßung vor der Mittelmäßigkeit, besonders
- 3:14schlimm fand er es, wenn dieses oberflächliche Gesindel auch
- 3:17noch gebildet tat und schlaue Worte benutzte, dieser Ekel
- 3:21trieb Zarathustra dazu, sich von der Gesellschaft abzuwenden.
- 3:25Er kehrte den Herrschenden den Rücken zu, weil das, was sie
- 3:27Politik nannten, für ihn nur noch ein billiges Handeln und
- 3:30Feilschen um die Macht war, bei dem sie sich dem Gesindel
- 3:33anpassten, um das alles nicht ertragen zu müssen, lebte er
- 3:37unter den Menschen wie ein Tauber, blinder und stummer, er
- 3:41hielt sich buchstäblich die Nase zu, weil für ihn die
- 3:43Gesellschaft und ganz besonders die Zeitungsschreiber und
- 3:46Journalisten, die er das schreibende Gesindel nennt,
- 3:49einfach nur stanken. Sein Geist bewegte sich in
- 3:53dieser Zeit nur sehr mühsam und vorsichtig vorwärts, wie ein
- 3:57Blinder am Stock. Doch dann fragt sich
- 3:59Zarathustra, wie er sich aus diesem Ekel retten konnte.
- 4:03Die Antwort ist der Ekel selbst, gab ihm die Kraft, die Abstoßung
- 4:08vor dem niedrigen war so stark, dass sie ihm Flügel wachsen
- 4:11ließ, er musste in die höchsten Höhen fliegen, auf die Gipfel
- 4:15der Berge, wo das Gesindel niemals hinkommt, nur dort oben
- 4:19konnte er den reinen Brunnen der Lebensfreude wiederfinden.
- 4:22Dort oben ruft Zarathustra seinen wahren Freunden zu, dass
- 4:26er die Quelle der Freude gefunden hat.
- 4:28Hier oben trinkt kein Gesindel mit, das Wasser der Freude
- 4:32sprudelt hier so stark und rein, dass es das Gefäß fast
- 4:35überlaufen lässt. Zarathustra muss selbst erst
- 4:38wieder lernen, mit dieser gewaltigen, reinen Lebensenergie
- 4:41umzugehen, sein Herz brennt nun wie in einem intensiven, heißen
- 4:46Sommer, er hat die Traurigkeit und den Ekel hinter sich
- 4:49gelassen. Erwartet nun auf seinen Bergen
- 4:52in Stiller, glücklicher Klarheit.
- 4:55Das ist der Ort für ihn und seinesgleichen.
- 4:58Sie wohnen dort zu hoch und zu steil, als dass die unreinen
- 5:02ihnen folgen könnten. Zarathustra lädt seine Freunde
- 5:05ein, in diesen reinen Brunnen zu blicken, der durch ihre Blicke
- 5:09nicht trübe wird, er beschreibt, wie sie ihr Leben auf dem Baum
- 5:13der Zukunft aufbauen, wie Adler sollen sie hoch oben leben und
- 5:17sich von reiner geistiger Nahrung ernähren.
- 5:20Diese Nahrung ist so stark und rein, dass das Gesindel denken
- 5:23würde, es müsse Feuer fressen. Oben auf den Gipfeln gibt es
- 5:27keinen Platz für das niedrige zum Abschluss vergleicht
- 5:31Zarathustra sich und seine Freunde mit starken Winden, sie
- 5:34leben hoch oben als Nachbarn der Adler, des Schnees und der
- 5:38Sonne, als ein solcher Befreiender starker Wind will
- 5:42Zarathustra eines Tages wieder hinab zu den Menschen wehen, er
- 5:46wird dem Geist der Mittelmäßigkeit den Atem nehmen.
- 5:49Und ergibt seinen Feinden, dem Gesindel, eine letzte Warnung
- 5:52mit auf den Weg. Hütet euch davor, gegen den Wind
- 5:56zu spucken, denn das wird unweigerlich auf sie selbst
- 5:58zurückfallen.