Latest / Holger ruft an / Holger ruft an … wegen der Fußball-WM
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- 0:00Speaker 0: Wir werden jetzt bei der WM wieder sehr lange Sendestrecken haben.
- 0:02Speaker 0: Macht man jetzt vielleicht nur diese eine kritische Insel, macht man diese eine kritische Doku vor dem Turnier?
- 0:08Speaker 0: oder macht man vielleicht mal auch kurz nach einem Spiel?
- 0:11Speaker 0: Oder kurz vor einem Spielmann fünf-sechsminütigen Beitrag über Trump oder über Sportartikelherstellung wo Näherinnen Pakistan zu Schaden kommen?
- 0:20Speaker 0: ja also das ist so ne Frage wo man vielleicht nicht nur kleine kritische Alibi Inseln schafft sondern vielleicht in der Gesamtstrecke auch die kritischen Beiträge aufgehen lässt.
- 0:36Speaker 1: Ich
- 0:51Speaker 0: fahre nicht hin, ich habe eine Akkreditierung aber nehme sie wahrscheinlich nicht wahr.
- 0:54Speaker 0: Das hat unterschiedliche Gründe vor allem auch weil es für einen Freiberufler echt mittlerweile sehr schwer ist diese großen Distanzen.
- 1:00Speaker 0: und ein anderer Grund ist... ...ich hab jetzt gerade sehr viele Vorträge und sehr viele Lesungen Workshops.
- 1:06Speaker 0: also in Deutschland ist das Interesse groß.
- 1:08Speaker 0: deswegen bin ich jetzt auch fast jeden Tag in einer anderen Stadt wo so kleine kritische Buchläden oder Universitäten oder Fußballfanprojekte sich für die WM interessieren.
- 1:17Speaker 0: vielleicht nicht der Mehrheitsgeschmack ausreichend Leute, um nicht alleine in einem Saal zu sitzen.
- 1:22Speaker 1: Inwiefern interessieren sich diese Vereine und diese Bruchläden für diese WM?
- 1:28Speaker 0: Ja ich habe manchmal den Eindruck die kommen so um ein bisschen Absolution von mir zu erhalten also dass sie auch ohne schlechtes Gewissen den Fernseher anschalten dürfen und ich kann ihnen aber das diese Frage nicht so leicht beantworten?
- 1:39Speaker 0: weil diese Frage nach dem Boykott der immer so seit Jahren ja schon vor Weltmeisterschaften durch die Debatten-Warbe, der zwingt uns immer so in die Ja oder Nein Antwort.
- 1:49Speaker 0: Das mag ich eigentlich nicht so gern!
- 1:50Speaker 0: Ich liefere einfach den Kontext – ich habe ein paar Bilder dabei, ich kläre über Seilschaften, über Hintergründe auf Donald Trump, Janine Fantino und der FIFA-Präsident….
- 1:59Speaker 0: Und das sorgt nicht dafür dass die Vorfreude auf die Weltmeisterschaft wächst.
- 2:03Speaker 0: aber ich möchte auch wirklich niemandem den Fußball irgendwie kaputtreden.
- 2:07Speaker 0: also jeder soll da selbst seine Meinung bilden.
- 2:10Speaker 1: Diese Boykott-Fragen haben wir ja im Grunde vor jedem größeren Ereignis aus allen möglichen Richtungen.
- 2:16Speaker 1: Ist das eigentlich noch was anderes als Volklore?
- 2:20Speaker 0: Ja, das ist vielleicht VolklORE.
- 2:22Speaker 0: auf jeden Fall wurde sie in diesem Fall sehr früh abgeräumt.
- 2:26Speaker 0: aber manchmal deutet es auch viel Unwissen hin.
- 2:29Speaker 0: Wir haben das vor allem vor vier Jahren erlebt die Weltmeisterchaft in Qatar.
- 2:33Speaker 0: Da haben wir eigentlich über Jahre diese Boykott-Frage diskutiert, weil der Fußball dieses vermeintlich einfache emotionale schöne Spiel mit dem wir Kindheitserinnerungen verbinden.
- 2:44Speaker 0: Aber der Fußball sorry ist schon lange kein Sport mehr.
- 2:48Speaker 0: Er is'n Sport ja vor Milchhorn aber er ist letztendlich eine Industrie ein Wirtschaftszweig.
- 2:53Speaker 0: und warum sollten wir von den Fußballern mehr erwarten als vom Politiker?
- 2:56Speaker 0: Kurz nach der WM ist Robert Habeck nach Qatar gereist für katarisches Flüssiggas.
- 3:00Speaker 0: Wir waren auf Qatar angewiesen als Vermittler Als es um die Taliban ging, als es um Gaza ging.
- 3:05Speaker 0: Also der Fußball überdeckt manchmal diese komplexen Diskussion.
- 3:08Speaker 0: Da sollte man einfach mehr Zeit nehmen das zu erläutern.
- 3:11Speaker 1: Zurück nach Amerika.
- 3:12Speaker 1: Reporter ohne Grenzen nicht um den Rights Watch haben schon gewarnt.
- 3:15Speaker 1: Journalistinnen, die rund um die WM berichten wollen sind gefährdet einerseits wegen der Sicherheitslage in Mexiko, Bandenkriege viel Schießereien und so was andererseits aber auch wegen der Medienfreiheit in den USA.
- 3:26Speaker 1: Welche Probleme siehst du dort?
- 3:29Speaker 0: Ja, das hätten wir uns vor zwei oder drei Jahren noch nicht träumen lassen.
- 3:31Speaker 0: Das Reporter ohne Grenzen auch das Committee to Protect Journalists für die USA.
- 3:36Speaker 0: Dass sie mal eine Reisewarnung sozusagen für Medienschaffende aussprechen.
- 3:40Speaker 0: Da geht es zum einen um die Einreise also dass es wirklich passieren kann, dass an der Grenze Journalistinnen und Journalisten ihre Laptops, ihre Smartphones herausholen müssen, dass sie vielleicht Passwörter herausgeben müssen fürs Social Media Accounts untersucht wird, dass vielleicht auch die Geschichte der sozialen Medien untersucht werden.
- 4:01Speaker 0: Jetzt schon wenn man einen Visum hätte haben wollen für die USA als Journalist, hätte man wirklich sehr viel offenbaren müssen.
- 4:09Speaker 0: ich habe auch von Kolleginnen und Kollegen gehört das ist am Ende letztendlich gar nicht so krass war aber es ist eben überprüft worden Und wir haben auch Fälle erlebt in den vergangenen Monaten Wenn es rund um Fußballspiele um Sportereignisse vielleicht zu Protestaktionen kommen kann dass dort relativ robust mit auch Medienschaffenden umgegangen wird, mit Tränengas und anderen Sachen.
- 4:33Speaker 0: Dass dort auch Journalisten verletzt worden sind.
- 4:36Speaker 0: Also das kann etwas rustikal vielleicht sogar gefährlich werden für Journalistinnen und Journalisten.
- 4:41Speaker 1: Diese Probleme bei der Einreise also Laptops durchleuchtet, Handys durchleuchten und Social Media Rückwärts durchleüchtet gibt es da... Gute Ratschläge, die du den Kollegen in dem geben könntest?
- 4:50Speaker 0: Ja ich bin da auch kein großer Expert.
- 4:53Speaker 0: Ich hab mir aber diesen Guide geholt, den Reporter ohne Grenzen zum Beispiel herausgegeben hat.
- 4:57Speaker 0: Ich war bei einer Pressekonferenz denen NGOs mehrere NGOs angeboten haben nicht nur Reporter ohne grenz noch Human Rights Watch die Sports & Rights Alliance gibt er etliche die gemeinsam eine lautere Stimme haben wollen und die empfehlen vor allem für alle meine genaue Risiko Abwägung.
- 5:14Speaker 0: Soll man elektronische Geräte womöglich verschlüsseln, soll man vielleicht sogar saubere Leigeräte mitnehmen?
- 5:21Speaker 0: Weil wenn diese Geräten untersucht werden, vielleicht gibt es Informationen über Quellen die man auf keinen Fall preisgeben sollte ganz banalen Notfallkontakte vielleicht zu Medienanwälten auf Papier mitführen.
- 5:32Speaker 0: ja also Es geht um Verschlüsselungen und es geht auch um genaue Recherchen.
- 5:36Speaker 0: aber da kann ich sehr empfehlen Da gibt's unterschiedliche Broschüren unterschiedlicher Hinweise von Reporter ohne Grenzen auch vom Committee to Protect Journalists, das kann man eigentlich online relativ schnell finden.
- 5:48Speaker 1: Diese Sicherheitsbedenken interessiert sich da eigentlich auch die FIFA dafür?
- 5:53Speaker 0: Auf keinen Fall!
- 5:54Speaker 0: Also... Das ist eine rhetorische Frage, die ich trotzdem beantworte.
- 5:57Speaker 0: aber ja es sollte diese Weltmeisterschaft eigentlich die erste sein wo das Thema Menschenrechte von Anfang an diesen ganzen Prozess durchläuft vom Bewerbungsverfahren bis jetzt auch in die Nachbetrachtung.
- 6:08Speaker 0: Letztendlich von diesen sechzehn WM-Standorten haben nur vier Städte überhaupt ein Menschenrechtskonzept vorgelegt.
- 6:16Speaker 0: Das ist wirklich nicht sehr tragfähig, weil die USA diese mit Abstand größte Volkswirtschaft der Welt ist das einzige westliche Industrieland wo der Fußball eben nicht der wichtigste Sport ist.
- 6:28Speaker 0: Das heißt hier kann Fußball noch wachsen.
- 6:32Speaker 0: Neun Milliarden Dollar erwartet die FIFA allein an Umsatz einen Ein Rekord, noch mal drei Milliarden mehr als vor vier Jahren in Qatar.
- 6:40Speaker 0: Alle wollen mitverdienen, Sponsoren ja natürlich teure Tickets aber auch wir Medien bezahlen viel Geld um überhaupt darüber berichten zu dürfen.
- 6:50Speaker 0: deswegen hält sich die Kritik wirklich sehr stark in Grenzen.
- 6:54Speaker 1: Ist das der Grund?
- 6:56Speaker 1: Also dass Fußball in den USA noch sehr viel Wachstumspotenzial hat?
- 6:59Speaker 1: ist das der grund warum Infantino also der FIFA-Chef Präsident Donald Trump diesen ... bizarren Friedenspreis überreicht hat kürzlich?
- 7:09Speaker 0: Ja, Gianni Infantino.
- 7:10Speaker 0: Mit dem würde man ja wirklich gerne mal darüber sprechen warum er das so macht.
- 7:13Speaker 0: also wir können ihm das auch als Unterwürfigkeit auslegen und da hat etwas Klauneskes an sich.
- 7:19Speaker 0: und trotzdem geht es eine bizarre Faszination von ihm aus die zumindest auf mich wirkt denn ist ein Fußball funktionär ohne politisches Mandat der bei einer Flat-Ray zum weißen Haus hat Beim Friedensgipfel für Gaza, der war bei der Amtseinführung von Trump.
- 7:35Speaker 0: Der sitzt im Board of Peace von Trump, der muss ja irgendwas an sich haben um in unterschiedlichen politischen Systemen zu wirken.
- 7:42Speaker 0: Er hat sich vorher mit Putin gut gestellt vor der WM-Karriere in den Jahr- und zwei-Tausend-Achzehn.
- 7:45Speaker 0: Vor vier Jahren ist er vorübergehend mal nach Doha, nach Qatar gezogen Und jetzt hat er eben auch einige Räumlichkeiten im Jump Tower von New York für die FIFA gemietet.
- 7:53Speaker 0: Also es ist ein Personen gewordener Interessenkonflikt aber die wirken so unantastbar dass sie das gar nicht mehr zu überdecken versuchen, na klar es geht um Geld.
- 8:02Speaker 0: Vor allem um Geld und große Gewinne.
- 8:04Speaker 0: vielleicht macht er das einfach nur damit Trump ihm diese WM nicht durch irgendwelche erratischen Kommentare zerschießt?
- 8:10Speaker 0: Vielleicht ist die Nähe zur politischen Macht in Fantino fasziniert.
- 8:14Speaker 0: aber auch unsere Lieblingsvereine ja also die deutschen Clubs wollen natürlich auch den großen Wachstumsmarkt USA erschließen oder zumindest die Distanz zu England verringern weil die englische Premier League Die nimmt schon ungefähr eine halbe Milliarde Dollar in den USA jährlich ein, die Bundesliga weniger als dreißig Millionen.
- 8:32Speaker 0: Also ja da geht noch einiges würde ich sagen und deswegen halten alle vermutlich jetzt erst mal ihren
- 8:37Speaker 0: Mund.".
- 8:38Speaker 1: So eine Fußball-WM der Männer ist ja auch immer so ein Propagandainstrument also im besten Fall positive Werbung für die austragenen Länder.
- 8:47Speaker 1: was denkst du?
- 8:47Speaker 1: Was wenn wir hinterher sehen?
- 8:48Speaker 1: wofür wird diese Männer WM?
- 8:50Speaker 1: zwei tausendzechsundzwanzig Werbung gemacht haben?
- 8:53Speaker 0: Politik und Fußball gehörten immer zusammen.
- 8:55Speaker 0: Und Medien haben das eigentlich zumindest bei uns immer gut ausgeleuchtet, auch Angela Merkel, Joachim Gauck also die Kanzlerin der Bundespräsident waren nach dem WM-Sieg in der deutschen Mannschaft sofort in der Kabine.
- 9:06Speaker 0: Also alle ob demokratienautokratische oder auch diktatorische Staatssysteme nutzen den Sport für sich.
- 9:12Speaker 0: aber ich habe den Eindruck dass Donald Trump das jetzt nochmal so konkret macht wie kaum jemand zuvor.
- 9:17Speaker 0: Ich fand interessant als Christiano Ronaldo im November des vergangenen Jahres im weißen Haus zu Gast war.
- 9:22Speaker 0: Ja, die haben geschätzt.
- 9:23Speaker 0: Die haben gelacht.
- 9:23Speaker 0: Es gab viele KI-Videos.
- 9:25Speaker 0: Das alles wurde ausgeleuchtet, millionenfach verbreitet.
- 9:28Speaker 0: Aber um diesen Besuch von Ronaldo gab es ein großes Staatsbankett.
- 9:31Speaker 0: Ronaldo lebt seit drei Jahren in Saudi Arabien und diese Staatsbankette war der Ehrengast.
- 9:36Speaker 0: Na klar, Mohamed bin Salman, der Kronprinz Saudi Arabiens.
- 9:38Speaker 0: Und da wurden milliardenschwere Rüstungsabkommen und Handelsverträge geschlossen.
- 9:43Speaker 0: Also Trump, der eh unter Druck steht aus unterschiedlichen Gründen, glaub ich könnte den Fußball dieser WM auch jetzt noch mal ... sehr für sich nutzen.
- 9:51Speaker 0: Sportlich sowieso, also eine ehemalige Wrestling-Managerin ist seine Bildungsministerin jetzt seinen achtesten Geburtstag am Weißen Haus wird mit einem großen sogenannten Käfigkampf feiern.
- 10:02Speaker 0: Trump spielt regelmäßig Golf, der weiß den Sport auch schon sehr zu nutzen und die WM wird das Ganze aber noch mal in einer gigantischen Maße steigern.
- 10:09Speaker 0: Fünfzigtausend Medien schaffen, der sind akkreditiert.
- 10:12Speaker 0: aus allen Richtungen wird es kommen und ja als der Fußball wird diesen Sommer sicherlich dominieren.
- 10:16Speaker 0: politisch sportlich und auch ökonomisch.
- 10:19Speaker 0: Ich
- 10:19Speaker 1: gebe zu, insbesondere was Fußball angeht habe ich nur so eine desinteressierte Laienperspektive.
- 10:25Speaker 1: Aus dieser Perspektive heraus könnte das jetzt die politischste WM ever sein?
- 10:31Speaker 1: Ist es auch so wenn man sich damit auskennt mit dem Thema?
- 10:34Speaker 0: Ich würde schon sagen ja.
- 10:35Speaker 0: also wir haben zum einen dieses Wachstum zum ersten mal acht und vierzig statt zweiunddreißig Mannschaften also hundertvier Spiele.
- 10:43Speaker 0: Es sind natürlich auch etliche Länder dabei für dieses konkret politische auch ein interessante Plattform ist.
- 10:48Speaker 0: Denken wir mal an die iranische Mannschaft.
- 10:51Speaker 0: Die Mannschaft eines angegriffenen Landes vom angreifenden Land reist in den USA zu dieser WM, da wird sicherlich viele Proteste geben.
- 11:00Speaker 0: Der Iran spielt zwei Spiele in Los Angeles wo die größte iranischstämmige Diaspora Zuhause ist.
- 11:06Speaker 0: Da werden jetzt schon über Monate die Kundgebungen vorbereitet.
- 11:09Speaker 0: Das wird nur eines von vielen Beispielen sein Aber dann sind vor allem die wirtschaftlichen Verflechtungen.
- 11:16Speaker 0: Schauen wir auf Bernd Neunendorf, dass es der Präsident des Deutschen Fußballbundes, der übrigens mal ein Journalist war, später aber auch ein Staatssekretär im Familienministerium von NRW, auch der wohl er sicherlich weiß wollte relativ wenig sagen zu dieser politischen Debatte weil er eben nicht nur der Präsidenten des deutschen Fußballbunden ist sondern der Repräsentant eines wichtigen Landes.
- 11:37Speaker 0: und wir haben Sponsoren wie Adidas Volkswagen, wir haben die Lufthansa.
- 11:42Speaker 0: Das sind große Konzerne für die Nordamerika dieser Markt jetzt sehr wichtig ist.
- 11:47Speaker 0: und ja man kann ja auch sehen wenn man die USA jetzt mal schroff kritisiert was die Folgen sein könnten.
- 11:54Speaker 0: deswegen ein bisschen im gewissen Grad kann ich nachvollziehen dass die Leute die Spieler die doch die funktionäre sich da zurückhalten.
- 11:59Speaker 0: aber vielleicht sollten umso mehr Wir als Journalistinnen und Journalisten dann da genau hinschauen.
- 12:05Speaker 1: Jetzt is ja Gerade Fußball ist ja eben selber gesagt, das ist eine emotionale Angelegenheit.
- 12:11Speaker 1: Das ist einfach, das is emotional, dass es schön hast du gesagt.
- 12:15Speaker 1: Politik ist im Sportjournalismus und ich sage auch gerne, Sportreporter sind Fans mit Mikrofonen und Reichweite.
- 12:22Speaker 1: Wie viel Politik ist da überhaupt angemessen?
- 12:26Speaker 0: Ja, also das Interessante ist... Mir ging es ja auch so.
- 12:28Speaker 0: Als ich angefangen habe vor, ja in der Schulzeit als Sportreporter zu arbeiten wollte ich kostenfrei ins Stadion meine Slipplings-Clubs.
- 12:36Speaker 0: Ich bin in den Ausdruck aufgewachsen und wollte zu Hansa und hab nicht daran gedacht, aufzudecken, aufzuklären zu hinterfragen was viele Wirtschaftspolitikjournalisten von Anfang an haben.
- 12:46Speaker 0: Das kommt bei vielen Sportreporterinnen und Reportern wenn's überhaupt kommt vielleicht irgendwann später Und wir erinnern uns auch in die Debatten vielleicht die älteren im Publikum.
- 12:55Speaker 0: Haio Seppelt an Thomas Kisten, an das Team Telekom.
- 12:59Speaker 0: Also an die Nullerjahre als es langsam losging mit dem Sportjournalismus der kritische den Sport geweihtet hat auf politischer Debatte.
- 13:07Speaker 1: Haios Seppeld ist den funktionieren jahrelang so sehr auf den Cakes gegangen mit seinen Topingsachen dass gelegentlich sogar die Sendermuffensausen bekommen hatten die seine Sachen veröffentlicht haben.
- 13:17Speaker 0: Genau, und er hat damit eben auch das Feld geweihtet für uns.
- 13:21Speaker 0: Für die Jüngeren, die nachkamen.
- 13:22Speaker 0: Aber ich hätte damals gedacht, dass sich die Branche linear vergrößert.
- 13:27Speaker 0: Wenn ich jetzt schaue, zweieinhalb Jahrzehnte später... Ich gucke hin und wieder mal in die Pressekonferenzen rein des DFB.
- 13:34Speaker 0: Da gibt es immer noch etliche Journalisten Und da muss man gar nicht gendern, etliche journalisten Die spiele einfach so Dutzen.
- 13:40Speaker 0: Das ist nur immer noch diese Nähe, die ist noch nicht ganz verschwunden.
- 13:43Speaker 0: Ja, es gibt kritische Formate.
- 13:45Speaker 0: Gerade hat der Deutschlandfunk eine tolle Podcast-Serie rausgebracht Behind the Games über Gianni Infantino.
- 13:50Speaker 0: Sport in Zeit beim WDR macht etliche gute Sachen.
- 13:53Speaker 0: Die Süddeutsche die FAZ ja das gibt's alles nach wie vor.
- 13:56Speaker 0: aber Der Anteil kritischer klassischer Medien in dieser sportwelt der singt hier ohnehin.
- 14:03Speaker 0: Die Vereins die verband eigenen Kanäle Werden größer.
- 14:07Speaker 0: Gianni infantino selbst hat mehr als vier millionen follower bei instagram und dadurch wirkt sozusagen die PR-Sportöffentlichkeit noch mal wesentlich größer als der klassische Journalismus.
- 14:18Speaker 0: Das konnten wir vor zwanzig Jahren auch nicht voraussehen, ja deswegen wird das alles etwas schwieriger für uns.
- 14:24Speaker 1: Trotzdem sieht es für mich seit ein paar Jahren so aus dass Politik verstärkt im Sportjournalismus stattfindet.
- 14:32Speaker 1: ist das einfach nur weil ich eine woher auch immer neue Perspektive eingenommen habe?
- 14:35Speaker 1: und tatsächlich ist die Baustelle größer geworden?
- 14:39Speaker 0: Also, dein Eindruck ist richtig.
- 14:40Speaker 0: Es gibt immer wieder auch sehr gute kritische politische Dokumentationen.
- 14:46Speaker 0: Wenn wir bei dieser WM aktuell bleiben in den Mediatheken von ARD, Krebsgarten-Spannende-Dokumentation über die WM-Vierundneunzig großen Streit im Nationalteam es gibt eine interessante Dekorreie über die wm-Zweitausendsechs das sogenannte Sommermärchen.
- 15:00Speaker 0: da geht's aber vor allem um den sportlichen Streit ja?
- 15:03Speaker 0: Das ist interessant.
- 15:04Speaker 0: kritisch auf einer sagen wir mal auf einer sportlichen Ebene, aber das politische wo wirklich die Strukturen, die ökonomischen Verhältnisse hinterfragt werden.
- 15:15Speaker 0: Wo übrigens auch ADZF und andere öffentlich-rechtliche Medien eine Rolle spielen weil sie eben selbst sehr viel Geld für rechte Vergaben ausgeben.
- 15:22Speaker 0: Das ist jetzt noch sagen wir mal bleibt immer bis zu einem gewissen Niveau, aber es ist nicht dominant.
- 15:28Speaker 0: Dennoch ist es so dass private Medienhäuser nehmen wir mal die Qualitätszeitung Süddeutsche FAZ Die berichten auch kritisch, aber die wissen auch bei der WM wird der meist gelesene Artikel jetzt nicht der kritische FIFA-Beitrag sein.
- 15:43Speaker 0: Sondern wenn Deutschland das Halbfinale der WMR reicht müssen sie eben auch darüber sportlich, sagen wir mal, poetiert humoristisch berichten.
- 15:50Speaker 0: also sagen wir einmal das Kritische und dass das Sportliche auf eine Balance zu bringen Das ist ja Herausforderung Aber das gelingt.
- 15:57Speaker 0: vielen würde ich sagen auch sehr gut.
- 16:00Speaker 1: Hast du das Gefühl, dass die großen Player also die Sender der öffentlich-rechtlichen privaten Sender die die großen Zeitung?
- 16:06Speaker 1: Dass diese eine kritische Auseinandersetzung mit Sport überhaupt haben wollen.
- 16:10Speaker 0: Ja es kann man vielleicht pauschal nicht sagen die großen öffentlich rechtlichen sport redaktion da gibt das gibt's wahrscheinlich wie in vielen redaktionen auch an der politik und der wirtschaft.
- 16:18Speaker 0: da gibt natürlich auch sagen wir mal richtungsdiskussion.
- 16:22Speaker 0: wollen wir mehr unser produkt für das wir viel geld bezahlt haben wollen wir das ja so schlecht reden Oder wollen wir dann lieber nur kritisch sein?
- 16:30Speaker 0: Ich habe auch schon gehört davon, dass mal von der DFL, also der Deutschen Fußballliga Leute manchmal auch anrufen und sagen muss das immer so kritisch.
- 16:40Speaker 0: Aber es ist ja auch zum Beispiel die Frage wie man es genau anbringt.
- 16:42Speaker 0: Wir werden jetzt bei der WM wieder sehr lange Sendestrecken haben.
- 16:45Speaker 0: ZDF AD werden über Stunden berichten von der Wm.
- 16:49Speaker 0: macht man jetzt vielleicht nur diese eine kritische Insel?
- 16:52Speaker 0: macht man eine diese eine kritische Dokument vor dem Turnier?
- 16:55Speaker 0: oder macht man vielleicht Ja, jetzt nicht in der Halbzeitpause.
- 16:59Speaker 0: Aber vielleicht kurz nach einem Spiel oder kurz vor einem Spiel waren fünf-sechs minütigen Beitrag über Trump oder über Sportartikelherstellung wo Näherinnen Pakistan zu Schaden kommen?
- 17:11Speaker 0: Also das ist so eine Frage, wo man vielleicht nicht nur kleine kritische Alibi Inseln schafft sondern vielleicht in der Gesamtstrecke auch die kritischen Beiträge aufgehen lässt.
- 17:22Speaker 0: Das wäre doch schön.
- 17:23Speaker 0: und was ich erlebt habe es ist immer noch nicht so.
- 17:26Speaker 0: Ich war neulich mal bei einer Hochschule für angehende Sportjournalistinnen und Journalisten.
- 17:32Speaker 0: Da war ich erstaunt, ja niemand von denen hat noch ein Zeitungsabru.
- 17:36Speaker 0: alle konsumieren ihre Nachrichten über Instagram und andere Online-Medien.
- 17:40Speaker 0: aber allein wegen des ökonomischen Drucks im Markt hat kaum noch jemand Hoffnung darauf beider FAZ zu landen oder beim Deutschlandfunk oder beim WDR sondern die wissen sie werden vermutlich wenn es gut läuft Presse Vielleicht gar nicht Pressesprecher, sondern vielleicht verantwortlich sein für Instagram bei ihrem Lieblingsclub und das wäre schon gut.
- 18:00Speaker 0: Also der Markt verändert sich radikal und man kann offenbar niemandem mehr empfehlen.
- 18:04Speaker 0: Konzentrier dich auf kritische Journalismus!
- 18:06Speaker 0: Du kriegst dafür keine große Zuneigung, du kriegest Druck, du hast vielleicht Ärger mit irgendwelchen Anwälten... Der Markt verändert auch im Sport da.
- 18:14Speaker 0: Der Radikal vielleicht noch stärker weil einfach die ökonomischen Interessen, die Sponsoren dann doch vielmehr verquickt sind als den anderen journalistischen Genres.
- 18:23Speaker 1: Wie ist eigentlich das Verhältnis von politischen, von Wirtschaftsjournalistinnen zu Sportjournalisten?
- 18:29Speaker 1: Begegnet ihr euch da auf Augenhöhe oder halt in die Politischen sich für was Besseres.
- 18:34Speaker 0: Ja ich... In schlechteren Phasen meiner Stimmung habe ich so manchmal immer noch diesen... Ich würde sagen nicht Minderwertigkeitskomplex.
- 18:42Speaker 0: also wenn ich zum Beispiel sehe, neulich hab' ich in der Zeit glaube ich gesehen Volker Weidermann ein sehr angesehener Literaturrezent-Literaturschinalist, der hat glaube ich irgendein Fußballartikel geschrieben und ich habe ihn nicht gelesen.
- 18:53Speaker 0: Aber dann schreiben solche Leute einfach mal über Fußball.
- 18:54Speaker 0: Oder Bernd Ulrich, also ein Politikjournalist der Zeit, schreibt über Fußball?
- 18:59Speaker 1: Ja gut aber nicht so.
- 19:00Speaker 1: Schalke darf
- 19:02Speaker 0: das.
- 19:03Speaker 0: Klar darf er das!
- 19:04Speaker 0: Ist es gut wenn ein Sportreporter sagen würde, kann ich mal über Friedrich Merz berichten?
- 19:08Speaker 0: oder wenn bei der Zeit der Sportreporter sagt, darf ich jetzt mal die neueste Rezension von Simon Rushti eines Buches schreiben?
- 19:14Speaker 0: Nee da werden die Sportrepoeter nicht ernst genommen.
- 19:17Speaker 0: Also da ist sozusagen für Politik- und Kulturjournalisten immer noch so eine Spielwiese.
- 19:22Speaker 0: Aber man sollte den Sport als eine Plattform von wirtschaftlichen politischen, ökonomischen auch religiösen Themen teilweise begreifen.
- 19:30Speaker 0: Das ist eine Wirtschaftsindustrie die genauso kritisch und politisch bewertet werden sollte wie andere Themen Und die eben kein Spielfeld sind für Kulturreporter, die vielleicht mal einfach mal ihr Hobby ausleben wollen.
- 19:42Speaker 0: das finde ich.
- 19:42Speaker 0: es ist so mein Da kappele ich ein bisschen miss oder manchmal.
- 19:46Speaker 0: früher war's in Redaktionen Da kommt der Chefredakteur in die Sportedaktion und guckt dann, wie läuft's beim Spiel?
- 19:53Speaker 0: Aber wissen gar nicht so richtig.
- 19:55Speaker 0: Dass das auch Sportjournalisten und Journalisten ... Ja!
- 19:58Speaker 0: Die recherchieren zur Doping, zu sexualisierter Gewalt von Tränen, die Integration im Menschenhandel.
- 20:07Speaker 0: Das sind alle Themen, also alle zeitgenössischen Themen, alle großen Fragen unserer Zeit werden eben auch im Sport verhandelt.
- 20:15Speaker 0: Und das ist eine große Chance für ... für Medienhäuser und die einen verstehen es.
- 20:20Speaker 0: Und die anderen leider noch nicht
- 20:21Speaker 0: ganz.".
- 20:22Speaker 1: Das würde ja dann bedeuten, dass wir – falls das passiert jetzt bei der WM – ein inhaftierten oder maltretierten Sportberichterstatter genauso schlimm finden wie ein inhaftierten oder maltrettiertem Politik-Berichterstattter?
- 20:35Speaker 1: Mag jetzt sein, dass noch kein Sportreporter im Knast ist und ich deshalb noch nichts von sowas gehört habe!
- 20:39Speaker 1: Bestünde diese Gefahr
- 20:40Speaker 1: überhaupt?!
- 20:41Speaker 0: Ja, auch das verkennt man ein bisschen.
- 20:43Speaker 0: Also es gibt zum Beispiel in Algerien einen französischen Sportjournalisten Christophe Glaes.
- 20:48Speaker 0: Der hat in Algerie zu einem Verein, einem Fußballverein recherchiert der sich sehr verbunden fühlt zu einer Minderheit dort die sich loslösen möchte von Algerien und er wurde festgenommen hat jetzt eine siebenjährige Freiheitsstrafe aufgedrückt bekommen weil man ihm das als Terrorismus und Separatismus ausgelegt hat.
- 21:08Speaker 0: Jetzt hat Frankreich und Algerien eine komplizierte Beziehung.
- 21:11Speaker 0: Die einstige Kolonialmacht Frankreich hat über Algerien mehr als einhundertdreißig Jahre geherrscht, aber das ist ein Fall... Ich war in Ägypten zum Beispiel, der wollte ich zu Ultras recherchieren.
- 21:21Speaker 0: Das war sehr gefährlich für mich weniger, vor allem für die Ultras mögliche Quellen, die sich damit in Gefahr gesetzt haben.
- 21:28Speaker 0: In Belarus habe ich mit Journalisten gesumt, ja?
- 21:31Speaker 0: Journalistensportjournalisten, die über Fans recherchiert haben, über Spieler recherchierten die sich auch gegen den Dektator Lukaschenko positioniert haben.
- 21:40Speaker 0: Diese Sportreporte aus Belarus mussten letztendlich ins Exil gehen, also diese Sachen sind nicht nur politische Journalisten es sind mittlerweile auch Sportreporterinnen, die gefährlich leben weil eben der Sport wesentlich mehr ist als diese einzelne Ergebnisberichterstattung.
- 21:58Speaker 1: Aber denkst du das wenn dir in Ägypten so was passiert wäre wie beispielsweise damals Dennis Yücel in der Türkei?
- 22:07Speaker 1: ein ähnlicher, öffentlicher und politischer Aufstand gemacht worden wäre?
- 22:12Speaker 0: Das ist spekulativ.
- 22:13Speaker 0: Ich bin deutscher Staatsbürger und natürlich achte ich genau darauf wenn ich in Länder reise auch wie ich reise mit welchem Visum ich reisse dass sich nicht nur mich in Gefahr bringe das ich vor allem auch die Menschen in Gefahre bringen könnte Mit denen ich spreche, mit denen ich sprechen könnte.
- 22:28Speaker 0: Und klar kann man sagen als deutscher Staatsbürger ist man vielleicht vergleichsweise sicher aber das wäre auch arrogant da schon zu denken.
- 22:37Speaker 0: Jetzt auch in den USA wird natürlich ein weißer blonder europäischer Journalist hat es nicht die gleiche Gefahr wie Medien schaffen, die zum Beispiel aus afrikanischen asiatischen Ländern einreisen.
- 22:49Speaker 0: Da ist eine Klassengesellschaft und das müssen wir immer wieder betonen.
- 22:54Speaker 0: Ich war vor kurzem in Cab Verde.
- 22:55Speaker 0: Die sind zum ersten Mal bei der WM dabei.
- 22:57Speaker 0: da können überhaupt nur vier Journalisten aus Budget gründen In die USA reisen.
- 23:01Speaker 0: Das ist sehr teuer aber die werden vielleicht noch mal anders kontrolliert, deren Fans aus Kabwerde die müssen teilweise zwölftausend Dollar als Sicherheit hinterlegen.
- 23:10Speaker 0: Obwohl sie vielleicht WM-Tickets haben kommen Sie vielleicht gar nicht ins Land.
- 23:14Speaker 0: auch das ist laut FIFA Regeln ein Regelverstoß wozu die FIFA auch nichts sagt.
- 23:20Speaker 0: also der sollten wir vielleicht auch als Medienschaffende.
- 23:23Speaker 0: konkret gibt es auch nicht so viele Foren.
- 23:25Speaker 0: ja es gibt Play the Game das nochmal zu nennen ein tolles Forum wo Wissenschaft Medien und andere Netzwerke sich treffen um kritisch auf den Sport zu blicken.
- 23:34Speaker 0: Aber auch von Sportjournalismus-Vereinigungen, auch von der Politik gibt es relativ wenig konkret Unterstützung jetzt für Medienschaffende vor der WM.
- 23:43Speaker 0: Vielleicht ändert sich das während des Turniers?
- 23:45Speaker 1: Das bedeutet, es könnte sehr interessant sein die Berichterstattung derjenigen Kollegen und Kolleginnen aus den nicht weißen Ländern stärker zu betrachten!
- 23:54Speaker 0: Das sage ich mir vor jedem großen Turnier, das passiert in manchen Fällen schon.
- 23:59Speaker 0: Aber sobald der Ball rollt oder die Wade von Manuel Neuer zwickt oder dem jeweiligen Prendant in den forty-seitig anderen Nationalmannschaften könnte es schwer werden.
- 24:09Speaker 0: also es wäre schön diese politische Debatte über den ersten Spieltag hinauszuführen.
- 24:14Speaker 0: Das machen mehr Leute als früher aber so richtig zufrieden stellt ist es glaube ich noch nicht.
- 24:18Speaker 1: Ronny Blaschke vielen
- 24:20Speaker 0: Dank!
- 24:21Speaker 0: Holger
- 24:21Speaker 1: ruft an es ein Podcast von Übermedien, dem unabhängigen Werbefreien-Magazin für Medienkritik ausschließlich finanziert durch unsere Community.
- 24:29Speaker 1: Ein Abo gibt's ab sechs Euro monatlich und dafür gibts sofort Zugang zu allen Artikeln und obendrauf unseren wöchentlichen Newsletter!
- 24:36Speaker 1: Wer unabhängige Medienkritike ebenfalls unterstützen möchte findet alle Infos auf übermedien.de Und dort gibts auch reichlich Übermedian zu lesen bis wir in der nächsten Folge auch wieder über Medien reden.
- 24:47Speaker 1: Ich bin Holger Klein und danke für die Aufmerksamkeit.