Latest / Im Bett mit Buch / Wirklich dicke Bücher
Transcript
- 0:02Den Fabelhaftesten aller Beginner eines Tages wünsche ich
- 0:06dir auch an diesem Morgen und an diesem Tag, liebe Monique.
- 0:10Mein Kurt. Und hiermit begrüßen wir auch
- 0:16euch, liebe Hörer und Hörerinnen, zu einer neuen Folge
- 0:19unseres Podcasts im Bett mit Buch für alle, die neu dazu
- 0:25gekommen sind. Wir sind Kurt und Monique.
- 0:28Und uns zeichnen mehrere Sachen aus, unter anderem.
- 0:32Unter anderem werde ich hier darauf reduziert, dass ich
- 0:35Bücher kaufe. Und ich werde darauf reduziert,
- 0:40dass ich Bücher verkaufe. Wir machen natürlich auch viel
- 0:44anderes mit Büchern. Aber das, um das noch mal zu
- 0:47sagen, ist natürlich eine der schönsten Reduktionen, die man
- 0:50im Leben erleben kann. Auf eine so stabile,
- 0:52zuverlässige, gewinnbringende Freudebringende.
- 0:57Überaus schöne Verbindungen miteinander reduziert zu werden.
- 1:02Da kann man wirklich gar nichts dagegen sagen.
- 1:05Und damit springen wir direkt rein in unsere neue Folge und
- 1:10ich habe sämtliche Last des Hereinspringens übergeben an
- 1:13Monique und bin jetzt sehr gespannt, wie du uns hier jetzt
- 1:17hereingeleitest. Ja, also wir, wir.
- 1:21Wir sitzen ja zu einer sehr besonderen Zeit zusammen und
- 1:24reden auch über sehr besondere Bücher heute.
- 1:27Und wie sage ich das jetzt am besten, Kurt, was haben denn
- 1:33eigentlich irgendwie so ein sehr großer Glaswasserkasten und ein
- 1:39Kartoffelsack, ein mittelgroßer Hund und eine echt fette Katze
- 1:46gemeinsam? Sie wiegen alle zwischen 20 und
- 1:5250 Kilo. Die sind schwer und unhandlich.
- 2:04Ich muss zugeben, ich kenne wirklich gar keine Katzen, ich
- 2:07hab mich an dem Kartoffelsack festgehalten.
- 2:09Okay gut, dann kennst du größere Kartoffelsäcke als jetzt hier,
- 2:12irgendwie als der Markt oder so. Aber also das sind jetzt alles
- 2:16so Gewichte, so um die 9 bis 10 Kilo.
- 2:20Und das ist das Gesamtgewicht der Bücher, die wir heute
- 2:25besprechen. Fantastisch das Oh Monique.
- 2:29Ich hatte schon vorher gesagt, ob ich erfahren darf, was
- 2:32Monique machen wird, das ist großartig, super, also 9 bis 10
- 2:36Kilo werden wir heute uns um die Ohren schlagen.
- 2:39Ja genau und 9 bis 10 Kilo. Das heißt, wir würden das nicht
- 2:43ins Handgepäck. Reinkriegen.
- 2:45Also wir müssten, wenn wir mit diesen Büchern verreisen und wir
- 2:48nicht mit ihnen im Podcast verreisen, sondern in ihrer
- 2:51physischen Existenz, müssten wir aufgabegepäck dafür aufgeben,
- 2:57was? Man so mit Aufgabegepäck macht.
- 3:00Ich kann dir mitteilen, ich komme ja gerade von einer Reise
- 3:02zurück und tatsächlich, die Hälfte meines großen Koffers im
- 3:06Aufgabegepäck war tatsächlich mit Büchern, die ich
- 3:09sinnfreierweise auch noch eingekauft habe im Ausland.
- 3:14Aber es hat sich gelohnt. Ich finde es großartig, Bücher
- 3:16mit sich herumzuschleppen und jedes Mal am Flughafen zu
- 3:19bangen, kriege ich das noch hin mit diesen Kilo zahlen?
- 3:22Nichts anderes hätte ich von dir erwartet.
- 3:24Ich hatte das aber auch im letzten Urlaub, ich glaube ich
- 3:27hatte 5 oder 6 Bücher dabei, man weiß ja nie ne, also stell dir
- 3:31vor, die lesen sich alle super schnell oder sind furchtbar und
- 3:34dann stehst du da ohne Bücher und.
- 3:36Es gibt keine furchtbare Vorstellung.
- 3:38Es ist furchtbar, aber ich bin. Gerade relativ beeindruckt von
- 3:40der Kilozahl, denn es sind ja nicht viele Bücher, die wir hier
- 3:44besprechen wollen. Es sind nicht viele Bücher und
- 3:46der Stapel wäre auch ordentlich hoch.
- 3:49Also das, und das bringt, es ist jetzt ist es glaube ich auch
- 3:53einfach oder ich würde vielleicht mal noch so sagen,
- 3:55der geneigte Hörer, die geneigte Hörerin würde mit dem Bild, dass
- 3:59man daraus auch ne kleine Mauer bauen könnte, was anfangen
- 4:03können, denn. In allen bisherigen Folgen hat
- 4:08Kurt sehr, sehr gerne das, was ich am liebsten lese, als
- 4:12Ziegelstein verunglimpft. Richtig, die man vor allen
- 4:16Dingen nicht nachts im Bett lesen möchte, weil man die
- 4:19Gefahr läuft, sich die Nase dabei zu brechen.
- 4:21Aber auch ich, trotz aller Unkerei und Lästerei, habe
- 4:26natürlich ab und an ein Herz. Was schlägt für richtig dicke
- 4:33Bücher? Gibt es irgendwas, was schöner
- 4:35klingt? Ich musste tatsächlich in
- 4:38Vorbereitung für die Sendung auch ein wirklich unglaublich
- 4:42dickes Buch auch abends lesen, damit ich einfach gerade nicht
- 4:46so viel andere Zeit war, wie das dann so ist.
- 4:48Aber ich meine Nase hat es überlebt.
- 4:52Hast du es als Taschenbuch oder als Hardcover gehabt?
- 4:54Als Taschenbuch. Und selbst das war schon mit
- 4:57über 1000 Seiten. Also im wahrsten Sinne des
- 5:01Wortes tatsächlich. Aber ich freu mich sehr, weil
- 5:03das es ist ja genau wie wir glaub ich schon des öfteren hier
- 5:07besprochen haben, bin ich im Moment eher so der Freund von
- 5:12den leichteren Sachen, den dünneren Büchern.
- 5:14Ich muss zugeben, es ist natürlich auch für den
- 5:16Buchhändler mir wichtig, viele neue Sachen besprechen zu können
- 5:21und wenn man nur dicke Bücher liest, das klar meine, muss ich
- 5:25jetzt keinem erzählen, brauch mehr Zeit.
- 5:27Und weniger besprechung. Und wenn diese wichtig, richtig
- 5:31dicken Bücher wenigstens auch dreimal so viel kosten würden,
- 5:34dann würde sich das ja sozusagen pikoniär wieder lohnen.
- 5:38Aber es ist nicht immer so, dass ich wirklich nur das knackig
- 5:43kurze mag, sondern die dicken Bücher, sie müssen dann
- 5:46natürlich auch packen, das ist natürlich das wichtige, denn es
- 5:50gibt auch diese dicken Bücher. Die wirklich sich ziehen und
- 5:55kleben. Und ich finde vieles aus dem 19.
- 5:57Jahrhundert tatsächlich ist, und das sind natürlich andere
- 5:59Erzählgewohnheiten oder wir haben mittlerweile andere
- 6:02lesegewohnheiten, wir sind glaub ich schnellere Schnitte gewöhnt,
- 6:06wir sind einfach schnelleres schreiben auch gewöhnt, das
- 6:09siehst du ja auch alleine bei der Entwicklung auch von Filmen
- 6:12in den letzten 50 Jahren, wie schnell plötzlich Schnitte und
- 6:15Erzählweisen sind. Und das muss man natürlich immer
- 6:18in Betracht ziehen, dass sich einfach mehr Zeit genommen wurde
- 6:22und auch meines Erachtens mehr Zeit da war.
- 6:25Also dieses hektische, Vollgepackte leben, wie wir
- 6:28beide es haben. Ich meine, klar, Bismarck wird
- 6:34es auch gehabt haben, aber der ist längst nicht so wichtig wie
- 6:36wir, aber ich glaube der die Otto Normalbürgerin hatte vor
- 6:43150 Jahren tatsächlich noch mehr.
- 6:46Ruhe und Geruhsamkeit um sich mit Themen längerfristig
- 6:50beschäftigen zu. Können.
- 6:52Er hing vermutlich auch von der Schicht ab, in der sie gelehnt
- 6:55hat gelebt hat, aber mir fällt gerade noch was anderes ein.
- 6:57Hast du eigentlich Angst davor oder strebst du es an, dass
- 7:01irgendein Fischgericht nach dir benannt wird?
- 7:07OK, you lost me here. Du bist mal, ich muss da hin.
- 7:11Bist mal Hering. Ich bin beim Archipel, ich
- 7:14möchte den Hammerstein Archipel. OK, das kann ich verstehen.
- 7:19Also ich ja nee fischgerichte, da hätte ich tatsächlich Angst
- 7:22davor, weil es wäre so vollkommen sinnfrei, weil ich ja
- 7:26gar nichts esse, was aus dem Meer kommt, weder Fische noch
- 7:29Schalentiere, wie es so schön heißt.
- 7:32Auch Algen oder dieses Zeug, was Japaner in Sushi Läden selbst um
- 7:38ihre veganen Sushis sind ja immer dieses, wo man denkt.
- 7:41Also ich kann ja auch gleich n schlucken Meerwasser trinken,
- 7:43warum, warum soll ich mir das geben?
- 7:45Nein liebe liebe Köche liebe Biologen, liebe Menschen die
- 7:51Sachen benennen dürfen nach den Namen anderer Menschen, ich
- 7:53freue mich sehr so n Beef Hammerstein bin ich sehr dafür
- 7:58aber bitte keine. Scholle kurterinnen Art.
- 8:06Und du hast, du hast einige Sache eine Sache gesagt, kurz
- 8:09oder wie mit der Zeit, weil ich jetzt sehr unelegant voll
- 8:13abgelenkt habe mit dem Hammerstein Hering, aber es
- 8:19klingt gut, oder? Gut.
- 8:21Ja, dass also, dass man für dicke Bücher auch Zeit braucht
- 8:25und der der Tag, an dem dieser Podcast erscheint, ist ja der.
- 8:30Der erste Weihnachtsfeiertag, der 25.
- 8:32Dezember und für mich läutet das dann immer eine Zeit der Zeit
- 8:38ein, also weil diese diese ja, wenn es gut läuft, 2 Wochen bis
- 8:43die Arbeit wieder losgeht, wenn es nicht so gut läuft, nur
- 8:46anderthalb, je nachdem wie die Feiertage und die Wochenenden
- 8:50sich aufeinander oder nebeneinander legen.
- 8:52Ist eine Zeit, in der ich wirklich sehr gerne sehr
- 8:55exzessiv lese und ich das total genieße, mich schon am Vormittag
- 8:59einfach aufs Sofa zu packen und zu lesen, gerne auch noch so
- 9:03diese aufgerissenen Weihnachtsgeschenke drumherum
- 9:06und alles voll mit dieser, mit dieser fröhlichen bisschen
- 9:12gestressten Atmosphäre, die Kinder, wenn sie zu Besuch sind,
- 9:16pennen dann meistens noch und so und man könnte was Sinnvolles
- 9:19machen, man muss es aber gar nicht.
- 9:21Also dieses aus der Zeit gefallen sein und mitten im Buch
- 9:26aus der Zeit zu fallen, das das Liebe ich sehr, das.
- 9:28Ist n wunderbares Gefühl. Ich hab es ja mit den freien
- 9:31Tagen bei uns auch, also normalerweise, ich glaube das
- 9:35Macht auch sonst jeder Laden, die haben auch zwischen den
- 9:39Jahren auf. Das hatte ich schon seit
- 9:42Anbeginn des Ladens, also seit ungefähr 1583, beschlossen.
- 9:47Dass wir das nicht machen, denn es diese Wochen vor Weihnachten
- 9:51sind für uns natürlich der wahre Terror.
- 9:54Also es bringt riesig viel Spaß, aber bei jedem Tag denkst du
- 9:58dir, oh Gott, wie habe ich das geschafft und wie schaffe ich
- 10:00den nächsten Tag und es ist großartig und furchtbar
- 10:03gleichzeitig und extrem wichtig für den Buchhandel, das ist
- 10:06jetzt ja kein Geheimnis. Und ich habe von Anfang
- 10:09angesagt, dass wir zwischen den Jahren den Laden auch zu machen,
- 10:13dass nicht nur ich, sondern auch alle anderen, die im Laden
- 10:16arbeiten, die Möglichkeit haben, wirklich runterzukommen.
- 10:19Nach diesem Stress und dann zumindest bis Anfang Januar
- 10:24wirklich einfach nichts machen zu müssen.
- 10:26Und genau dann kommt der Moment, den du gerade beschrieben hast.
- 10:29Dieses du wachst am 25 auf, wir arbeiten ja am 24 noch, und dann
- 10:33wachst du am 25 auf und denkst. Ne ganze Woche liegt vor dir.
- 10:39Sie liegt einfach vor dir und die Wohnung ist warm.
- 10:42Draußen kann es kalt und eklig sein, egal, denn du hast dieses
- 10:46Buch und am besten ist es auch noch ein nicht berührtes Buch,
- 10:50sondern du darfst es anfangen. Weißt du gerade bei dicken
- 10:53Büchern dieses Geräusch, wenn du das erste Mal so n bisschen das
- 10:56Hardcover knickst und das macht so n Geräusch und du weißt,
- 11:00jetzt kannst du anfangen und das ist ja gleichzeitig auch immer n
- 11:02bisschen Angst davor, weil das ist ja n Commitment, ne.
- 11:05Und was ist, wenn dieses Commitment jetzt irgendwie nach
- 11:09hinten losgeht? Wenn es einfach n blödes Buch
- 11:11ist? Und gut, man kann das ja
- 11:14mittlerweile nach n paar Seiten entscheiden, ob es einem jetzt
- 11:16wirklich mitreißt oder ob man sagt, Na ich probier es mal oder
- 11:19ob man direkt weiß, ich mach es nicht, aber jedes Mal der Zauber
- 11:23eines neuen Buches und gerade der Zauber eines dicken Buches
- 11:26ist natürlich 1 der schönsten Sachen, die es gibt,
- 11:30tatsächlich. Aber so viel schaffe ich gar
- 11:32nicht, muss ich zugeben in der Weihnachtszeit, ich weiß nicht,
- 11:37hast du, da hast du n richtigen Run, den du da durchziehst.
- 11:40Nee, also da. Also wenn ich nicht noch das
- 11:43Gefühl habe, ich müsste mein Leseziel, das ich mir auf good
- 11:46Weeds gegeben habe, jetzt doch dringend erreichen.
- 11:48Aber in diesem Jahr liege ich weit drüber, dann dann lese ich
- 11:52tatsächlich einfach nur und mach das mal ohne.
- 11:55Auch im Kopf, ohne den Druck, so das Buch, muss ich jetzt bis
- 11:58Sonntag schaffen, weil da noch so viele andere liegen.
- 12:00Das das ist auch sehr angenehm, aber es gibt auch Bücher, die
- 12:03ich immer wieder lese, genau in dieser Zeit zwischen den Jahren.
- 12:06Tatsächlich. 1 davon habe ich auch dabei.
- 12:10Früher habe ich auch zum Beispiel Harry Potter sehr
- 12:12häufig immer noch mal gelesen, zwischen den Jahren, als meine
- 12:15Kinder klein waren. Also ich erinnere mich irgendwie
- 12:17so das Baby auf dem Sofa, meine Hand auf dem Bauch glücklich
- 12:22rumglucksend so mich angucken, ich daneben.
- 12:24Einmal Baby angucken und dann Harry Potter lesen.
- 12:28Ja, das ist n Luxus, den ich mir tatsächlich eigentlich gar nicht
- 12:32leiste, muss ich zugeben. Aber da ist ja wieder der Druck,
- 12:35also der schöne Druck des Buchhändlers halt auch immer
- 12:37wieder mit neuen Sachen irgendwie daher zu kommen und
- 12:41also Sachen wiederholt lesen, das passiert mir äußerst selten,
- 12:47muss ich zugeben. Es gibt so ein 2 Bücher, ich
- 12:50hatten ja schon mal über Meister Margarita zum Beispiel gelesen,
- 12:53das finde ich. Lohnt sich immer wieder alle
- 12:55paar Jahre mal zu lesen, aber ansonsten sollten es wirklich.
- 13:00In meinem Falle müssen es neue sein.
- 13:03Also ich bin immer schon froh wenn es mal auch nicht ne
- 13:06Neuerscheinung ist, sondern wenn ich mal n Klassiker lese das
- 13:10kommt bei mir muss ich zugeben auch n bisschen zu kurz, wobei
- 13:14ich jetzt gerade beim nachschauen nach wirklich
- 13:17richtig dicken Büchern geguckt habe, also so n paar Klassiker.
- 13:23Dachte ich. Oh guck mal.
- 13:24Gerade letztes Jahr hab ich den Flaubert gelesen, das hab ich
- 13:26schon wieder vergessen, aber toll, das hat auch Spaß
- 13:28gebracht. Also es ist lohnenswert finde
- 13:31ich immer wieder auch mal n bisschen um Gottes willen ich
- 13:34seh gerade 1 deiner beiden dicken Bücher, das ist ja
- 13:36wirklich brutal. Entschuldigung, es ist meine.
- 13:43Es ist jetzt bin ich voll. Aus dem Kost.
- 13:46Gekommen. Ich hätte da nicht hingucken
- 13:48sollen. OK, ich, ich schließe, was immer
- 13:51ich sagen wollte, einfach offen ab und bewundere, bewundere
- 13:55Monique für dieses Buch und ganz ehrlich, ich sehe, ich sehe
- 14:00nicht den Rücken, ich sehe nur die geöffnete Front vor mir, ich
- 14:03sehe noch nicht mal um welches Buch es sich handelt.
- 14:07Weiß nicht, bist du down damit, wenn ich dich direkt in dieses
- 14:10Buch reinschmeiße und du mir erzählst?
- 14:11Weil das sieht, es ist unglaublich und ich hab keine
- 14:14Ahnung was es sein wird. George Elliott, Middle March,
- 14:19das heißt, Wir sind direkt bei den von dir schon angesprochenen
- 14:22Klassikern, hatte ich noch nie gelesen, bin ich in der
- 14:24Recherche für den Podcast drauf gestoßen oder eben mal wieder
- 14:27drauf gestoßen, dass es. 1 der bedeutendsten Bücher der
- 14:31englischen Literatur ist und mit Sicherheit das bedeutendste Buch
- 14:36der englischen Literatur, das von einer Frau geschrieben
- 14:39wurde. Der Name lässt es nicht
- 14:42erkennen, denn sie hat sich damals n Pseudonym gegeben, hat
- 14:45angefangen, als unter dem Männernamen, als George Elliott
- 14:48zu veröffentlichen und als dieses Buch rauskam, war das
- 14:52aber schon bekannt, dass sie ne Autorin ist, und es wurde
- 14:54deshalb bekannt, auch wirklich echt so.
- 14:58Bescheuerter wie interessanter Fun Fact, weil niemand wusste,
- 15:03wer ist. George Elliott und ihre ersten
- 15:04Bücher waren wirklich sehr erfolgreich und dann haben 2
- 15:06Männer einfach behauptet, sie werden die Autoren dieser Bücher
- 15:11und der Verlag hat gesagt, Nein, nein, ihr seid es nicht, ja, das
- 15:13kannst du jetzt ja, und dann kam sozusagen raus, dass es eine
- 15:20Autorin ist. Und dann gab es natürlich erst
- 15:22mal die Debatte darüber, können Autorinnen überhaupt so
- 15:24tiefgreifende Sachen schreiben? Also dass sie überhaupt
- 15:27schreiben können, fand ich schon faszinierend, trotz Jane Austin.
- 15:35Middle March also es sind über 1000 Seiten, und das ist jetzt
- 15:39nur, das ist jetzt nur das Softcover, also das das
- 15:42Hardcover hätte ich dann auch nicht mit ins Bett nehmen
- 15:45wollen, muss ich an der Stelle mal sagen.
- 15:48Und Middlemart spielt in einer fiktiven englischen
- 15:51Provinzstadt. Zu Beginn der 1800 30er Jahre
- 15:55und hat eben mehrere Handlungsstränge, die es
- 15:57ineinander verwebt sind glaub ich auch irgendwie erschienen,
- 16:00ist es in 8 verschiedenen Büchern nacheinander, weil man
- 16:03damals gar nicht so dick die Bücher binden konnte und es ist
- 16:08wirklich. Ein Eintauchen komplett in diese
- 16:13Stadt und in das Leben in dieser Stadt.
- 16:15Wir haben ein paar Hauptfiguren, das ist wirklich, also man sieht
- 16:17im Grunde auch vor Augen die Netflix Verfilmung und was damit
- 16:21möglich wäre, ein paar Hauptfiguren, deren Leben man
- 16:27eben ein ganzes Weilchen begleitet und alles drumherum.
- 16:33Und es ist also ich habe ein ganzes vielleicht gebraucht, um
- 16:36reinzukommen, weil ich es einfach nicht mehr gewöhnt bin,
- 16:39die Sprache aus dem 19 Jahrhundert und dieses
- 16:42Erzähltempo, das deutlich langsamer ist.
- 16:45Du hast von drauf angespielt, darin zu lesen, aber wenn man da
- 16:49reingekommen ist, ist es großartig.
- 16:51Es ist so, so, so schön, sie schreibt mit so viel Humor und
- 17:00Ironie. Manche Sätze muss ich wirklich
- 17:04zweimal, dreimal lesen oder auch laut lesen, weil die einfach so,
- 17:07weil die so genial sind, weil die so großartig sind und weil
- 17:11man merkt, wie witzig die sind und manchmal aber trotzdem noch
- 17:16mehr Kontext braucht, um diesen Witz auch noch irgendwie besser
- 17:19verstehen zu können. Also große Liebe und kein ich
- 17:25lese zwar auch manchmal in der S Bahn, also einfach weil ich
- 17:27jetzt wirklich nichts anderes zwischendurch lesen will und.
- 17:29Aber eigentlich ist es gut, wenn man da wirklich mal ein 23
- 17:32Stunden am Stück auch lesen kann, um da voranzukommen.
- 17:34Und in dieser Sprache drin zu bleiben.
- 17:37Im Mittelpunkt steht Dorothea Brook, eine junge Frau, die
- 17:40einen ganz, ganz hohen moralischen Anspruch hat und den
- 17:44Wunsch, was Sinnvolles zu tun, also sie fällt eigentlich aus,
- 17:49aus ihrer aus der ihr zugestandenen Rolle raus.
- 17:55Der für eine für eine junge Frau aus gutem Hause vorgesehen ist,
- 18:00also möglichst auch gut zu heiraten und dann eben ein Haus
- 18:03zu führen, ne Familie zu gründen, weil sie danach strebt,
- 18:09mehr zu wissen. Also sie, sie ist einfach
- 18:12neugierig, sie ist extrem wissensdurstig und sie hat so
- 18:15einen Widerspruch, sie hat überhaupt gar keine Lust, das zu
- 18:19machen, was von ihr erwartet wird, also sie ist jetzt auch
- 18:21nicht wirklich ne Rebellin, aber.
- 18:24Sie sie haut nicht ab, sie schneidet sich die Haare ab und
- 18:27lebt auf dem Land oder sowas. Aber sie möchte schon noch was
- 18:30anderes vom Leben als jetzt, nur einfach irgendwie den den netten
- 18:33Landadeligen von von nebenan heiraten und also sie sie
- 18:38gründet ne Kinderschule mit, setzt sich sehr dafür ein, dass
- 18:42die Pächter in hygienischeren Häusern wohnen und das ist
- 18:46etwas, was sich durch das ganze Buch zieht, dass man sozusagen
- 18:49den Einzug der Moderne merkt. Und auch die, die Konflikte und
- 18:54die Auseinandersetzungen, die das mit sich bringt.
- 18:57Und wir erleben das wirklich immer direkt in den Familien,
- 19:00die von Elliott Here betrachtet werden, also unsere Doro
- 19:06Dorothea Brook lernt einen sehr viel älteren, geistlichen,
- 19:13wissenschaftlich arbeitenden Mann kennen, der ist schon 45,
- 19:16was unfassbar alt zu dieser Zeit ist.
- 19:18Unfassbar. Der ein Buch schreiben möchte,
- 19:22an dem er schon seit Jahren oder Jahrzehnten arbeitet, das
- 19:25sozusagen die komplette Geschichte der Mystik
- 19:28zusammenfasst. Und sie ist Besät von diesem,
- 19:32von diesem Gedanken, und man, das ist wirklich mal ein kluger
- 19:34Mann, und ich möchte dem helfen, also ich kann von dem ja Latein
- 19:39lernen und griechisch lernen und vielleicht sogar hebräisch, und
- 19:42dann kann ich ihm das vorlesen, weil er kann ja auch nicht mehr
- 19:44so gut gucken. In dem Alter.
- 19:45In dem Alter ja. Und und lässt alles andere Links
- 19:51liegen, auch den sehr gut aussehenden, sie sehr
- 19:54verehrenden Nachbars Nachbarn, Nachbars Sohn, also junger Mann
- 20:00ja schon und heiratet eben kasobon, und das dauert nicht
- 20:07lange, also das hält nicht mal über die Flitterwochen hinweg
- 20:10und sie stellt fest, das war wahrscheinlich nicht die beste
- 20:14Idee meines Lebens, weil dieser Mann ist unfassbar.
- 20:18Eigenwillig und langweilig und überhaupt nicht daran
- 20:22interessiert, tatsächlich sein Wissen zu teilen.
- 20:25Und es ist tatsächlich, also alle anderen wissen das und wir
- 20:29als Leser wissen das auch, weil der, der der auktoriale
- 20:32Erzählstil uns ist, ja verrät der allwissende Erzähler, dass
- 20:36Cars Aubon eben auch beileibe nicht so intelligent und klug
- 20:40ist, wie Dorothea ihm das zuschreibt.
- 20:42Und es ist vollkommen klar, dass der dieses Buch nie vollenden
- 20:46wird. Und sie ist aber eben nicht die
- 20:48Einzige, deren deren Geschichte erzählt.
- 20:50Sie hat noch ne jüngere Schwester, die dann
- 20:51praktischerweise den vorherigen Verehrer der Schwester
- 20:54übernimmt, es gibt einen jungen Arzt, der gerade in die Stadt
- 20:58gekommen ist und auch da wieder der Einzug der Moderne, der mit
- 21:00neuen Mitteln arbeiten will und der auf gar keinen Fall heiraten
- 21:04möchte, weil er weiß, er bringt kein kein Geld, kein, kein, kein
- 21:08Anwesen, kein Titel mit, er muss sich also erst was.
- 21:12Arbeiten bevor er ne Familie gründen kann, aber die junge
- 21:17Rosa Mondo Vinci hat sich in ihn verliebt und beschließt ganz
- 21:21einfach, dass das der Mann sein soll, der sie heiratet und
- 21:24fädelt das Ganze dann so ein. Dass im Grunde der Arzt, also
- 21:28Litgate, ihren Antrag machen muss, um sie nicht zu
- 21:31kompromittieren, weil er einfach ein paar Mal mit ihr gesprochen
- 21:33hat und sie dabei gelächelt hat. Ne, das ist.
- 21:36Das reicht ja schon. Das reicht schon.
- 21:37Das wird aber wirklich, das wird sehr, sehr ausführlich erzählt,
- 21:40sie geht total in die Tiefe rein, ich glaube auch einer der
- 21:46ersten wirklich psychologischen Romane, also es macht es macht
- 21:49viel Spaß, wir erfahren so so viel über über diese Figuren und
- 21:53dabei dann eben. Der der allwissende Erzähler,
- 21:56der uns immer oft hört, ja, das denkt sich Rosamund jetzt, aber
- 21:59wir werden noch sehen und ihr wisst es vielleicht auch schon,
- 22:02dass natürlich man sich nicht drauf verlassen kann, wenn einem
- 22:05jemand mal nett. Hat spannend.
- 22:07Ganz kurz. Entschuldige zwischengefragt,
- 22:09weil du hattest es glaube ich vorher im Gespräch von uns
- 22:11beiden erwähnt, dass George Elliott hier als auktoriale
- 22:15Erzählerin auch tatsächlich die vierte Wand durchbricht.
- 22:18Also sie spricht uns Leser und Leserinnen an.
- 22:21Und ich find es sehr süß, wenn sie das macht.
- 22:23Also ich freu mich dann immer und dann denk ich so, oh das
- 22:25also ne das ist ja ne Figur, die es eigentlich gar nicht geben
- 22:27kann, weil die ist ja gottgleich ne weiß alles über diese
- 22:30Figuren, ist auch total wichtig bei diesem Roman, weil wir sonst
- 22:35diese Vielschichtigkeit gar nicht erreichen könnten.
- 22:39Also wenn wenn Dorothea zum Beispiel ne ich Erzählerin wär,
- 22:44um Gottes willen also. Ne, wir würden ja sehr, also es
- 22:47wäre auch ne spannende Perspektive, aber uns würde ja
- 22:49total viel entgehen über das was was das große Interesse des
- 22:53Buches ist, das rüberzubringen. Genau, und davon gibt es noch
- 22:57einige mehr, die aus unterschiedlichen, also jetzt
- 23:01nicht aus wirklich ganz unterschiedlichen, aber aus
- 23:03unterschiedlichen Verhältnissen kommen.
- 23:04Also so richtig arme Menschen, die richtig, richtig viel
- 23:07arbeiten müssen, sind nicht dabei, aber eben ja.
- 23:12Industrielle also, die auch kein Erbe haben.
- 23:14Das heißt, die die aufstrebenden jungen Menschen oder eben auch
- 23:19gerade ein aufstrebender junger Mann, der mit jungen Adligen
- 23:23zusammen zur Schule gegangen ist, aber sich deren Lebensstil
- 23:26gar nicht leisten kann und in einer in einer Zwickmühle
- 23:33steckt, das einerseits zu wollen, aus egoistischen Gründen
- 23:36auch und und auch zu wissen, ich bin ja teilweise besser als die
- 23:39ich bin, ich kann viel besser reiten, ich kann besser
- 23:41schießen, ich bin. Nicht so ein schweigender
- 23:43Sturkopf wie der andere oder sowas und gleichzeitig überhaupt
- 23:46nicht die Möglichkeiten zu haben, die die anderen haben.
- 23:49Ich finde ein sehr aktuelles Thema gerade auch und auf der
- 23:53anderen Seite, aber die Frau, in die er verliebt ist, die aus
- 23:56sehr viel ärmeren Verhältnissen kommt, die ihn deshalb nicht
- 23:59heiraten darf, weil er nicht, weil er nicht wirklich was
- 24:01mitbringt und weil er außerdem faul ist und auch keinen Bock
- 24:05hat, irgendwie ernsthaft anzufangen zu arbeiten, sondern
- 24:07lieber durch die Gegend reitet und.
- 24:09Gedichte schreibt und Romane liest und.
- 24:14Und das klingt so 19. Jahrhundert es ist.
- 24:18Toll an dem und und und und da seinen Weg drin finden muss und
- 24:24das sind also insgesamt 4 Paare, die wir, die wir begleiten, bei
- 24:29denen bei, wobei einigen von vornherein klar ist, die sind,
- 24:34die werden nicht glücklich miteinander, das kann es.
- 24:36Das kann es nicht sein. Und sie beschreibt aber ganz
- 24:39zauberhaft, wie sich dieser Herzenswunsch, dieses verknallt
- 24:43sein über alles hinwegsetzt, ohne dass da größere
- 24:47Überlegungen dabei sind. Ist es denn eine kluge
- 24:50Entscheidung, also aus einmal aus der Rolle der Zeit heraus,
- 24:54wo eine Ehe jetzt ja nicht rein aus romantischen Gründen
- 24:59geschlossen? Wurde und auch das ja ein
- 25:02Umbruch in dieser Zeit ist, als diese Idee der romantischen
- 25:05Liebe noch mal zu einem zu einem ganz anderen oder überhaupt erst
- 25:08mal zu einem ersten Höhepunkt gebracht wird, als
- 25:11gesamtgesellschaftliche Idee, und das ist zauberhaft.
- 25:14Ich bin noch nicht ganz durch, die ist ja jetzt seit 2 Wochen
- 25:18dran, was wirklich echt sehr lang.
- 25:19Für deine Verhältnisse extrem lang verändert.
- 25:22Aber man braucht halt auch einfach länger.
- 25:24Das ist nicht wie 1000 Seiten knausgrad lesen.
- 25:28Toll. Also ich muss zugeben, ich halte
- 25:31ignorant. Ich hatte auch erst vor 34
- 25:33Jahren, glaube ich mitbekommen, dass George Elliott eine Autorin
- 25:37ist. Das war mir vorher überhaupt
- 25:38nicht bewusst. Was aber auch daran liegt, dass
- 25:41ich mich, glaube ich, einfach nie richtig mit ihr beschäftigt
- 25:44habe. Aber es klingt leider so, als ob
- 25:47ich es jetzt auch lesen möchte. Vielen dank Monique, Ich weiß
- 25:50überhaupt nicht, wo ich das jetzt noch reinschieben soll,
- 25:53das ist. Wow, Wunder wunderschön und ich
- 25:57würde, wenn ich darf. Warte mal, ich will noch.
- 26:01Ich will noch eine eine Sache zur zur Rezeption des Buches
- 26:04damals sagen, also auch schon mit dem Bewusstsein, dass dieses
- 26:08Buch von einer Frau geschrieben wurde, gab es dann eben auch.
- 26:13Ne Kritik also so richtig, richtig wichtig ist es erst
- 26:16Jahre später geworden und als es rauskam, galt es als zu lang, zu
- 26:20ernst und zu analytisch, ne und auch zu wissenschaftlich, also
- 26:26weil sie schon wirklich viel wissenschaftliche Erkenntnisse,
- 26:30zu denen Sie Zugang hat, sie hat ja auch echt so n spannendes
- 26:32Leben gehabt, das das was hat es da drin zu suchen, es ist eben
- 26:36nicht wie der populäre englische Roman.
- 26:39Der der damaligen Gegenwart üblicherweise geschrieben war
- 26:43und ihre Figuren und vor allen Dingen auch die Figur der
- 26:46Dorothea, über die ich jetzt auch am meisten gesprochen habe,
- 26:48die wurde als Unweiblich bezeichnet, weil sie eben
- 26:55einfach sich in dieses Frauenbild so nicht reinfügen
- 26:58wollte. Und ich hab auch von einem.
- 27:04Lass mich kurz raten, die Rezeptionisten, also Nein,
- 27:07entschuldige, also die Kritiker waren wahrscheinlich Männer.
- 27:10Das waren Männer, die das, die das gesagt haben oder das, wo
- 27:14ich jetzt quasi auch Zitate gefunden habe, ne, das ist ja
- 27:16noch mal die die andere Sache, worüber erfahren wir eigentlich
- 27:20was? Ich frag mich gerade nur nur für
- 27:24die Zeiteinteilung. Also ich nehme an, George
- 27:26Elliott ist nach Jane Austin, Du sagtest, das Buch spielt in den
- 27:3018 Dreißigern. Kannst du sagen, wann sie es
- 27:34geschrieben hat? Also sie.
- 27:35Hat es 40 Jahre später geschrieben.
- 27:38OK. 70 OK was, was tatsächlich also weil ich ich, ich überleg
- 27:44dir gerade was du meintest, auch mit der Rezeptionsgeschichte und
- 27:47Frauen die Romane schreiben, ich find es n bisschen interessant,
- 27:50denn eigentlich ist ja der der Roman.
- 27:54War ja etwas, was ja eigentlich Männer nicht schrieben, weil es
- 27:57ja einfach sozusagen zu leicht war.
- 28:00Und das war ja so eine der wenigen Domänen, wo Frauen
- 28:02schreiben durften, war ja der Roman, und jetzt plötzlich hast
- 28:06du in den 18 Siebzigern einen Roman, der von einer Frau
- 28:08geschrieben wird, und es wird kritisiert, also was wollt ihr
- 28:12denn wirklich n bisschen? Und gerade gerade im 19.
- 28:17Jahrhundert in England. Denn natürlich haben wir immer
- 28:19diese strahlende Gestalt, Jane Austin, aber wir haben ja auch
- 28:22die Bronte Schwestern, also es ist jetzt ja nicht so, als ob
- 28:26Autorinnen im England des 19. Jahrhunderts irgendwie jetzt n
- 28:30Phänomen gewesen wären. Ja, aber also sie, sie wollte
- 28:33auch wirklich nicht in diese Ecke der Frauenliteratur.
- 28:36Ich hoffe, ich hatte gesagt, in meiner.
- 28:38Meine meine Gänsefüßchen reingesteckt werden.
- 28:41Also sie wollte, sie wollte anders gelesen werden und er hat
- 28:45es deshalb gemacht und das andere ihr privat.
- 28:48Sie wollte, dass ihr Privatleben nicht so sehr betrachtet wird,
- 28:51auch das ist etwas, worüber wir auch gerade bei Autorinnen in
- 28:53der Jetztzeit ja noch ohne Ende reden könnten.
- 28:57Sie hat nämlich in wilder Ehe mit einem verheirateten Mann
- 29:02zusammengebracht, der sich nicht scheiden lassen durfte, weil er
- 29:05das. Kind, das nicht seins war, schon
- 29:08als Seins akzeptiert hat. Und deshalb galt das nicht mehr
- 29:10als Scheidungsgrund. Aber das ist jetzt wirklich nur
- 29:12ganz am Rande. Meine Großmutter nannte sowas
- 29:14immer eine unaussprechbare Beziehung.
- 29:20Wow. Vielleicht noch einmal der der
- 29:22Name von George Elliott. Der bürgerliche Name war Mary
- 29:25Ann Evans. Mary Ann Evans 1000 dank
- 29:30Wahnsinn. Also das ist tatsächlich ne
- 29:33ziemliche Lücke, die ich zugeben muss, dass ich dieses Buch noch
- 29:37nicht gelesen habe. Aber Monique hat ja auch ab und
- 29:40an den Claim, dass es so tolles Angeberwissen to go ist, also
- 29:45nicht nur für uns, sondern auch für alle Menschen, die zufällig
- 29:47hier gerade mithören. Ich danke dir sehr für dieses
- 29:50Angeberwissen to go, ich kann jetzt auch so tun als ob und ich
- 29:56freute mich n bisschen, dass du jetzt mit mit George Elliott und
- 30:00der Beschreibung kamst, denn. Ich habe was dermaßen ähnliches
- 30:05im Gepäck. Es hat nur glaub ich einfach
- 30:06noch mal 1000 Seiten mehr. Und ja ich weiß, da bin ich Mann
- 30:11genug um in den in den Wettbewerb geh ich rein Mädchen
- 30:16das ist aber ein also ein ein ein Literaturhistorisch wirklich
- 30:23sehr sehr sehr spannendes Buch. Das Lesevergnügen ist ein
- 30:27geteiltes Lesevergnügen, das muss ich zugeben.
- 30:30Und zwar bin ich noch mal darauf gestoßen.
- 30:34Ich überlege natürlich auch, welche wirklich dicken Bücher
- 30:36hab ich denn gelesen und als erstes fiel mir ein und bitte
- 30:40liebe Romanisten und Franzosen dieser Welt, verzeiht mir für
- 30:43die totale Verhunzung dieses namens Eugene Su.
- 30:49Ich wollte immer SU sagen, aber es ist wohl su SUE, also
- 30:53Unerwarteterweise spricht ein Franzose plötzlich das UE wie
- 30:56ein deutsches Ü aus. Bitte, wenn ich es hier total
- 31:00verhunzt habe, schickt uns ne Sprachnachricht.
- 31:02Lasst es mich wissen wie ich es wirklich besser machen soll.
- 31:04Auf jeden Fall. Eugene Sue ist ein Autor auch
- 31:08des 19. Jahrhunderts, einer der in der
- 31:11ersten Hälfte insbesondere des 19.
- 31:13Jahrhunderts, einer der wichtigsten französischen
- 31:16Autoren überhaupt war, ist glaube ich in unserer Zeit gar
- 31:19nicht mehr so richtig n Begriff, wie es jetzt andere französische
- 31:24Autoren, ich hatte jetzt gerade Flaubert erwähnt, aber es gibt
- 31:26natürlich noch. Viele, viele andere, die aber
- 31:28auch alle gerne noch mal 1020 30 Jahre später sind.
- 31:32Und gen su ist dahingehend wichtig, dass er insbesondere
- 31:37mit dem Buch was ich besprechen wollte oder kurz andeuten
- 31:41wollte, die Geheimnisse von Paris mehr oder weniger den
- 31:46Fortsetzungsroman oder wie es damals und immer noch heißt, den
- 31:49Feuilleton Roman, Wenn nicht erfunden, aber so doch
- 31:53maßgeblich nach vorne gepeitscht hat.
- 31:55Das Genre. Wir reden hier also
- 31:57Fortsetzungsroman, sagt es schon im Endeffekt jeden Tag in der
- 32:01Zeitung, im Feuilleton der Zeitung.
- 32:04Die Fortsetzung eines Romans relativ klar, und da kann man
- 32:07sich jetzt denken, bei 2000 Seiten, woah, das ging, aber ja,
- 32:11es ging auch tatsächlich über 3 Jahre, glaube ich, dieses Buch,
- 32:14Die Geheimnisse von Paris, der Sue selber finde ich, ist ne
- 32:19relativ spannende Figur. Sein Leben fängt für einen
- 32:23Autoren der Zeit eigentlich relativ normal an.
- 32:26Er wächst Hochprivilegiert auf, sein Vater war glaub ich
- 32:29wichtiger Chirurg oder Arzt, steinreich, er selber lungerte
- 32:34so n bisschen in seinem Leben rum, hat eigentlich die Schule
- 32:36relativ schnell abgebrochen, hat gar nichts richtig Vernünftiges
- 32:41in Anführungsstrichen gelernt, kommt also aus dem Bürgertum,
- 32:43ist mit genug Geld. Bedient zog dann, wie es in der
- 32:50Zeit so üblich war, natürlich auch gerne noch mal in
- 32:52irgendeinen Krieg rein und dort fing er das erste Mal auch an zu
- 32:56schreiben. Kleine journalistische Stücke
- 32:59und hat sich aber nie so richtig damit befasst.
- 33:02In der Zwischenzeit ist sein Vater gestorben, er hat ihm n
- 33:04relativ gutes Erbe hinterlassen. Das hat er in wirklich
- 33:08rekordverdächtiger Zeit unter die Leute gebracht.
- 33:10Dieses Erbe, und das war dann weg.
- 33:12Und anstatt zu jammern, dachte er, nee, OK, jetzt ist es weg,
- 33:15jetzt muss ich halt wieder Geld verdienen und hat sich
- 33:18tatsächlich ernsthaft dem Schreiben zugewandt, zugewandt
- 33:21und vor allen Dingen inhaltlich eine sehr erstaunliche Bewegung
- 33:26gemacht, denn. Durch sein plötzlich kein Geld
- 33:30mehr haben hat er sich befasst mit den Nöten von Menschen, die
- 33:33wirklich kein Geld haben. Und er wurde zu einem der sehr
- 33:36frühen Sozialisten und Sozialpolitiker, der sich
- 33:41wirklich auf die Fahnen geschrieben hat.
- 33:43Ich muss hier schreiben über das Elend des beginnenden
- 33:48Proletariats, das Elend der Stadtbevölkerung, die vom Land
- 33:52in die Stadt kommt und hier im Endeffekt im Beginn der
- 33:55Industrialisierung. Unter die Maschinen geworfen
- 33:59wird, und das macht er sehr, sehr eindrücklich und ich finde
- 34:02es sehr spannend, dass Literaturhistorisch gesagt, wie
- 34:06wie gesagt, gesehen, das macht das lesen n bisschen mühseliger,
- 34:11man kann es auch über Erblättern, denn er mischt seine
- 34:15Romaninhalte mit. Essayistischen Inhalten er
- 34:21schreibt, das fand ich so schön, wie du das über George Elliott
- 34:23sagtest, dass sie auch in ihrem Buch auch wissenschaftliche und
- 34:26theoretische Erkenntnisse sozusagen, also sie möchte halt
- 34:29mitteilen, was sie weiß, und Jen su möchte den Lesern, die
- 34:34natürlich aus einer gehobenere Schicht kommen, mitteilen, wie
- 34:38die Lebensrealität aussieht. Für die 90% der Leute, die nicht
- 34:43das Glück haben. In dem Reichtum oder zumindest
- 34:46in einem geordneten Verhältnis irgendwie groß zu werden.
- 34:49So gibt es also essayistische Abrisse über die Bevölkerungs,
- 34:56also über die Armut, über die Bevölkerungsdichte, über die
- 34:59Wohnverhältnisse, über die hygienischen Verhältnisse, das
- 35:02sind alles tatsächlich interessante Themen, die aber
- 35:06natürlich den Lesefluss ne, klar, einfach n bisschen
- 35:10zerstören. Aber unabhängig davon, sowas
- 35:13kann man ja auch überblättern, wenn es eigentlich interessiert
- 35:15ist es ja zum Glück mittlerweile als Buch oder Bücher zu haben
- 35:18und nicht mehr, muss man jeden Tag auf die Zeitung warten und
- 35:23das ganze Buch zentriert sich im Endeffekt um 2 Personen.
- 35:27Also man kann dieses Buch nicht zusammenfassen, dazu ist es zu
- 35:30vieles ist n episodenroman. Es gibt Hunderte von
- 35:34Protagonisten, aber die beiden wichtigsten Protagonisten, die
- 35:37eigentlich das ganze Buch zusammenhalten, sind ein Mann
- 35:42namens Rhodolph und Rhodolph ist ein Rächer, der zieht also
- 35:49sozusagen durch die Armenviertel von Paris.
- 35:52Und recht, die Armen und Unterdrückten.
- 35:55Ja, das ist ist toll gemacht. Also das hat so n bisschen so ne
- 35:58Robin Hood Nummer er selber, das ist natürlich der Zeit
- 36:02geschuldet, er selber wird erstmal vorgestellt, dass man
- 36:06weiß er kommt irgendwie aus einer besseren Familie,
- 36:08wahrscheinlich adelig. Am Ende stellt sich heraus, er
- 36:12ist der Großherzog eines erfundenen deutschen
- 36:18Kleinstaates namens Gerolstein. Klingt nach selterwasser, er ist
- 36:22also eigentlich Rudolf von Gerolstein und hat irrsinnige
- 36:24Probleme damit, mit seinem, mit seinem Posten, mit seiner
- 36:27Abstammung und so weiter und hat sich sozusagen eigentlich aus
- 36:29seinem eigenen Reich heraus verbannt, um in Paris die Armen
- 36:33zu rächen. Und er ist sozusagen der
- 36:35strahlende Held, sehr romantisiert, auch strahlender
- 36:39Held, der natürlich seine inneren Zwistigkeiten und
- 36:42Probleme hat. Aber er ist eindeutig der gute
- 36:45und auf der anderen Seite haben wir die Blumen Marie, ich glaube
- 36:49Marie de Fleur, ein junges Mädchen, die in bitterster Armut
- 36:54aufgewachsen ist. Die Entsetzliche, also auch
- 36:58wirklich entsetzliche Geschichten hinter sich hat,
- 37:00also von Misshandlung, von Ausbeutung, von also wirklich
- 37:04alles, was man sich denken kann, die hat es wirklich Knüppeldicke
- 37:06abbekommen, und Rudolf nimmt sich ihrer an, und im Verlaufe
- 37:12des Buches möchte jetzt nicht zu viel spoilern, gibt es plötzlich
- 37:15noch wow, ach, die haben noch mehr miteinander zu tun, es geht
- 37:18noch sehr tief in die Geschichte dieser Marie herein, aber sie
- 37:21ist sozusagen das Bild. Der Reinheit es ist ein sehr
- 37:27opferzentriertes Bild, was es natürlich aus unserer Sicht
- 37:32heraus schwierig macht. Aber es gibt, und da Spoiler ich
- 37:35gerne, weil ich das sehr, sehr, sehr spannend finde.
- 37:38Sie ist also immer sauber, sie ist immer gut, sie ist immer
- 37:41voller Liebe, egal was ihr passiert ist.
- 37:43Sie glaubt trotzdem an das gute und das reine Menschen, sie geht
- 37:46ins Kloster, sie wird als Sir Marie oder wie sie dann heißt,
- 37:50sie wird verehrt. Und sie stirbt, und zwar sehr
- 37:54jung. Und das ist sehr, sehr
- 37:56interessant, dass ihr ein glückliches Ende verwirrt wird,
- 37:59denn Eugene Sue, und das finde ich so spannend, sagt im
- 38:02Endeffekt auch aus mit diesem Tod, dieser jungen Heldin, es
- 38:06reicht eben nicht rein und gut und lieb zu sein, du musst dich
- 38:10wehren. Ja, und ich hatte auch gerade
- 38:12den Gedanken, dass also ihr wird ein glückliches Ende verwehrt,
- 38:16weil sie keins haben könnte. Sie hätte aufgrund im Endeffekt
- 38:22der Entwicklung des Romanes, wo es sich Hinentwickelt, wo sie
- 38:25eigentlich herkommt, was ihre Geschichte ist, hätte man ihr
- 38:27ein glückliches Ende geben können.
- 38:30Also es wäre möglich gewesen, ich glaube es war ne sehr, also
- 38:33jetzt nicht die Zwangsläufigkeit in Ihrer in ihrer Figur, sondern
- 38:36ich glaube, das war NN ziemlicher Hammer, den Sue uns
- 38:40dort noch auf den Kopf knallen wollte um einfach darauf
- 38:43hinzuweisen. Es, du musst.
- 38:46Also wir müssen alle was tun, um die Verhältnisse zu verbessern.
- 38:50Wir können uns nicht einfach nur in unserer eigenen
- 38:52Gotteswüchtigkeit und und Liebseligkeit zurückziehen, das
- 38:56ist ziemlich modern, ehrlich gesagt, das zu machen, aber auch
- 39:02seine Entwicklung von einem reichen Bürgersöhnchen zu einem
- 39:06sozial revolutionär möchte ich jetzt nicht sagen, aber zu
- 39:08einem. Sehr sozialistisch
- 39:11interessierten Schreiber ist eh schon moderner, also n
- 39:15tatsächlich äußerst interessanter Autor.
- 39:17Und das ist ja aber auch ne Zeit, in der dieses sozial wie
- 39:24sozial orientierte Schreiben, dieses, dieses Interesse an der
- 39:27Arbeiterschaft, dieses Interesse an an an den Lebensumständen von
- 39:3190% der Bevölkerung in Frankreich.
- 39:33In der Literatur ja auch generell sehr en vogue war.
- 39:36Ne, also ich denke jetzt gerade an Solar, der ja auch in dieser
- 39:38Zeit. Und auch hier früher, also dass
- 39:42er ist n bisschen früher, also er hat es in den 18 Vierzigern
- 39:45geschrieben, ich glaube Solar ist dann eher schon 18
- 39:48siebzigern, das ist schon, also er hat sich schon relativ früh
- 39:53mit der Thematik beschäftigt, also wir sind hier eher noch bei
- 39:56der bei Marx und Engels, also bei einer wirklichen
- 39:59Beeinflussung der frühen. Ideen, und das macht ihn
- 40:02natürlich. Also er ist im Vordenker
- 40:04sozusagen, und das Ganze, das muss ich natürlich sagen, auf
- 40:072000 Seiten gewalzt, also, na, es ist, ich fand es ein wirklich
- 40:14tolles Buch, es hat, denn es passiert genug Abenteuer
- 40:20furchtbarkeiten es gibt böse, es gibt böse, die entwickeln sich
- 40:23zum guten, Es gibt Schicksalsschläge, also es ist
- 40:25wirklich alles drin, was so ne Soap braucht.
- 40:29Und das ganze aber natürlich mit diesem ernsten Hintergrund und
- 40:33insbesondere vermischt mit diesen Essays und diesen, diesen
- 40:37sozial politischen Essay Ausflügen.
- 40:40Ein wirklich extrem spannendes Werk des 19.
- 40:44Jahrhunderts. Und jetzt hab ich viel mehr
- 40:45drüber geredet, als ich eigentlich wollte.
- 40:48Oh Gott, da ist er wieder ins Lager gekommen, bitte verzeih
- 40:51Monika, aber trotzdem n spannendes Buch.
- 40:53Willst du denn gleich mit dem nächsten weitermachen oder soll
- 40:56ich über das nächste Buch? Sprechen mach du bitte ja so ein
- 41:01Buch, über das wir wahrscheinlich beide reden
- 41:02können. Ich kann mir gar nicht
- 41:03vorstellen, dass du es nicht gelesen hast.
- 41:05Das ist undenkbar und es ist 1 der Bücher, die ich wahnsinnig
- 41:08gerne zwischen den Jahren lese, und es kann natürlich nur Herr
- 41:12der Ringe sein von Tolkien. Herr, der Herr der was, Herr,
- 41:15der Mann. Oh, ich meine Herr der Ringe.
- 41:23OK, das ist ist natürlich der Goldstandard des des des
- 41:27Ziegelsteins toll wie schön, und das sind gleich 3 Ziegelsteine
- 41:31auf einmal, wenn man möchte. Also meine 3 Ziegelsteine sind
- 41:33aus den Neunzigern. Sind diese Grüntaschen
- 41:37Fettkotter, in dem Schubert in diesem Schubert.
- 41:40Toll. Es darf nicht anders sein.
- 41:41Ich kann nur sagen, also, dass das wirklich n Buch ist, das
- 41:45meine Welt verändert hat. Also ich, als ich das gelesen
- 41:47habe mit fast nicht 19. 20 vielleicht auch 21, das weiß ich
- 41:51nicht mehr genau. Ich weiß noch genau, wo ich
- 41:53gewohnt habe und also ja, Berlin Mitte 90er Anfang, den Anfang,
- 41:57Mitte 90er Jahre und ich konnte manchmal nicht mehr
- 42:00unterscheiden zwischen der realen Welt und der Tolkien
- 42:04Welt. Also ich war da so drin gewesen,
- 42:06also nicht unterscheiden von im Sinne von, das ist so dicht, so
- 42:12gut, so genau so durchdringend geschrieben als Mythologie.
- 42:17Dass es mir schwer fiel zu glauben, dass es komplett
- 42:21Fantasy ist, also dass dass also ich war da wirklich komplett
- 42:25eingesogen drin und ich hab das sehr genossen da für n paar
- 42:27Wochen vielleicht auch irgendwie so n paar Monate in also so
- 42:32zwischen diesen Welten auch zu wandeln ne und dann auch keine
- 42:35Ahnung irgendwie, wenn das Essen halbwegs aussah wie was Plattes
- 42:38aus Gemüse als Lembers zu nennen oder so, das also das das hat
- 42:44mich. So unglaublich ergriffen dieses
- 42:47Buch, und das habe ich, das lese ich immer noch sehr gerne immer
- 42:50wieder. Es gibt ja ne sehr großartige
- 42:53Verfilmung davon, was aber so schade ist, ist, dass die Bilder
- 42:58so sehr meine Bilder im Kopf überlagern, ich kann mich zum
- 43:01Beispiel nicht mehr erinnern, wie mein Aragorn aussah, ich
- 43:05weiß, der sah vollkommen anders aus als als der aus dem Film,
- 43:07und ich habe auch. Diese Figur, also Aragon, ist ja
- 43:11für mich sehr verknüpft mit dem, der sich offenbart hat, der dann
- 43:14eben König wird. Aber im 1.
- 43:16Band, also der der Streicher eigentlich also diese
- 43:19geheimnisvolle Figur, die so unklar ist und wo vollkommen
- 43:22klar ist, also wie auch immer die sich entwickelt, die wird
- 43:25sozusagen das Schicksal dieser, dieser Runde, dieser Gefährten
- 43:29mit sich reißen und und total beeinflussen, das fand ich.
- 43:34Und der war doch ein Streicher, viel, viel aufregender als dann
- 43:37in seiner Weiterentwicklung, gell?
- 43:39Da hat er viel mehr, viel mehr Möglichkeiten gehabt.
- 43:41Ja, bei der Verfilmung muss ich zugeben, so ein bisschen das
- 43:43Problem gehabt, das ist natürlich fantastisch gemacht,
- 43:47unglaubliche Bilder, aber ich sage jetzt, was sehr, sehr
- 43:50konservatives der Film war ab 12 und ich war drin mit, ich glaube
- 43:57tatsächlich auch Jugendlichen, und ich dachte mir, ey Freunde,
- 44:01ich weiß, ihr wollt Geld machen und ab 12 ist natürlich mehr
- 44:04Publikum, aber. Ich habe selten in einem Film so
- 44:09viele Gedärme durch die Gegend fliegen sehen wie dort.
- 44:12Ich fand es exorbitant gewalttätig und ich bin ein
- 44:15großer Freund von Gewalt in Filmen, je mehr desto besser.
- 44:18Also ich habe da eigentlich Spaß dran, aber ich dachte wir reden
- 44:21hier von einem Reliquium meiner Jugend und also ich habe schon
- 44:26die Brutalität in dem Buch auch mitbekommen, aber so grafisch
- 44:30umgesetzt fand ich, ich fand es zu taff.
- 44:33Das, das verstehe ich. Aber lass uns vom Buch reden.
- 44:36Englischer Film, ja, und auch also für alle, die es jetzt
- 44:39irgendwie noch nicht gelesen haben.
- 44:41Und Sie denken ja, ich hab die Film gesehen, ich kenn ja die
- 44:43Story nie, ihr kennt die Story nicht wirklich und alleine wegen
- 44:49Tom Bomber Deal, der im Film gar nicht vorkommt und das ist so
- 44:52eine wunderschöne Geschichte, die im 1.
- 44:54Band mit mit mit drin steckt, müsst ihr es lesen, dass man nur
- 44:59so vorweg. Und vorweg, wenn ich 1 sagen
- 45:02darf, ich weiß gar nicht, ob du in irgendeiner Weise probieren
- 45:04wirst, das zusammenzufassen, das Buch, aber ich hatte, du hast
- 45:09doch so viel schon erzählt von deinen Internatsleseerlebnissen
- 45:13dieses Buch ist mein internatsleseerlebnis, ich war
- 45:1616 oder 17, und ich hatte das riesige Glück, dass ein
- 45:22Schulkamerad von mir den Atlas von Mittelerde.
- 45:25Oh mein Gott. Monique Es war.
- 45:29So toll, denn diese kleinen Fizzle Karten in dem Buch
- 45:32selber, OK, man weiß ungefähr wo die sind, aber der Atlas, ich
- 45:36glaube das ganze Buch hat mich doppelt so lange, weil ich die
- 45:38ganze Zeit bei diesem Atlas mitverfolgte, wo sie sind, wo
- 45:41sie hingehen. In in den Neunzigern späte 90er
- 45:45ist noch mal einer rausgebracht worden und ich weiß noch, wie
- 45:47ich n Buchladen davor stand. Der hat irgendwie 50 Mark
- 45:49gekostet und ich konnte mir die einfach nicht leisten und die
- 45:52hat das jetzt natürlich nicht mehr ne aber ja ja.
- 45:56Das war toll. Ja.
- 45:59So, und jetzt bin ich gespannt, wirst du in irgendeiner Weise
- 46:02probieren und innerhalb von 3 Minuten diese Geschichte um die
- 46:04Onsen. Also ich wollte jetzt eigentlich
- 46:05ein bisschen darüber reden, wie ist das Buch entstanden, was
- 46:08hängt da dran und warum ist es so wichtig, wie konnte er das
- 46:12Ganze überhaupt machen. Aber ich kann auch mal ganz kurz
- 46:14zusammenfassen, also 3 Bände erster Wand die Gefährten Frodo
- 46:19Beutlin erhält einen Ring von Gandalf, Gandalf ist ein
- 46:21Zauberer, ein sehr besonderer Zauberer, er soll diesen Ring
- 46:24vernichten und soll ihn auf gar keinen Fall tragen er.
- 46:29Er braucht dafür Hilfe und er findet n paar andere Hobbits
- 46:32froh, dass nämlich ein Hobbit die mit ihm rumgehen und sie
- 46:35treffen auf Streicher. Schon gerade erwähnt.
- 46:37Sie treffen auf Elben ganz fantastische engelsgleiche
- 46:41Geschöpfe und auf Zwerge und auf Menschen tatsächlich in all
- 46:48ihrer Zwiespältigkeit und die schließen sich zusammen und
- 46:52sagen ist ein Job, wir machen den Band 2 die 2 Türme.
- 46:57Diese Gefährtengruppe wird getrennt und geht auf
- 46:59unterschiedlichen Wegen auf die Reise.
- 47:02Frodo, unserer Figur mit seinem Getreuen Sam.
- 47:05Auch ein Hobbit, wissen, Sie müssen nach Mordor.
- 47:11Inzwischen weiß Frodo, warum es so gefährlich ist, diesen Ring
- 47:14aufzusetzen, was dann passiert, obwohl es eigentlich so toll
- 47:17klingt und die anderen versuchen ihnen zu helfen, obwohl sie
- 47:20nicht bei ihnen sein können und weitere.
- 47:23Hilfe zu zu suchen und die bösen, bösen Orks, die von einem
- 47:28sehr bösen Zauberer herbeigerufen werden, zu
- 47:31vernichten, in epischen Schlachten, das ist ein bisschen
- 47:35lang beim Lesen, aber aber irgendwie auch gut.
- 47:39Also so endet dann endet mit der Belagerung von Helms Klamm, kann
- 47:46man nicht vergessen, wenn man es einmal gelesen hat und.
- 47:50Der böse Zauberer Saroman steigt auf zu einer wirklichen
- 47:53Bedrohung schnitt Dritter Teil die Rückkehr des Königs Photo
- 47:58und Sam erreichen Mordor, aber fragt nicht wie, also wirklich
- 48:02auf dem Zahnfleisch, um es mal ganz flapsig zu sagen und das
- 48:05ist es wird ihm überhaupt nicht gerecht, zerrissen von inneren
- 48:09Konflikten, also in sich selbst, aber auch zwischen
- 48:12Zwischeneinander. Streicher entpuppt sich als der
- 48:17verloren gegangene König des Königreichs.
- 48:20Gondor wird zu diesem wird, wird wieder dazu gekrönt, weil der
- 48:25König wird, kann da nicht alles, wir wollten ja schnell sein, es
- 48:28gelingt Frodo und Sam diesen Ring zu zerstören mit
- 48:32allerletzter Kraft, ich hoffe ich hab jetzt nicht gespoilert,
- 48:36die Gefährten kehren heim und trotzdem ist nichts in Ordnung.
- 48:40Wow, wow, toll, toll okay okay danke 1.
- 48:48Das war wirklich die kürzeste und präziseste Zusammenfassung.
- 48:52Du hast natürlich vollkommen recht, also wenn man jetzt noch
- 48:54in die Nebengeschichten reingeht, was passiert denn
- 48:56Gondor, was passiert mit den Elfen?
- 48:59Also das das das würde jetzt jeden Rahmen sprengen geil das
- 49:03war echt präzise großartig. So, ich würde ein gern ein
- 49:07bisschen darüber reden. Warum ist denn das eigentlich so
- 49:09fantastisch und ich weiß, ich muss mich beeilen, weil wir
- 49:12bestimmt schon bei 2 Stunden von der Freiwilligkeit ist.
- 49:16Tolkien selber war ja Professor für Altenglisch, wenn ich mich
- 49:20nicht täusche und er hat wirklich sehr, sehr lange an
- 49:23diesem Buch geschrieben, also seine Ursprungsgeschichte war
- 49:26das Buch davor, Der Hobbit habe ich zum Beispiel nie gelesen.
- 49:28Hat mir gut gefallen. Ja, ich habe Herr der Ringe
- 49:32gelesen und ich mochte Bilbo nicht und dann konnte ich.
- 49:35Nicht mehr lesen also, das war diese Ursprungsgeschichte, und
- 49:38er wollte im Grunde die Fortsetzung davon schreiben und
- 49:42hat sehr lange gebraucht. Also er hat sich nicht dafür
- 49:45freigenommen, er hat nach der Arbeit, er hat nachts
- 49:47geschrieben an den Wochenenden, in den Ferien kommt mir
- 49:49irgendwie sehr bekannt vor und hat deshalb mehrere Jahre daran
- 49:53geschrieben und diese Geschichte wurde immer dunkler, immer
- 49:56komplexer und epischer, da hat sehr gründlich und lange dran.
- 50:01Dran gearbeitet und vor allen Dingen hat er erst diese ganze
- 50:04Vorgeschichte entwickelt, also das was, was es auch ausmacht.
- 50:08Also er hat erst diese Welt beschrieben, also was ist das
- 50:12für eine Welt, in der es Sauron gibt, wie war diese
- 50:15Weltbevorsaurung quasi da da aber wo er jetzt ist, wo kommen
- 50:19die Elben her, wie ist diese komplette Welt eigentlich
- 50:23entstanden? Grandioses Buch Das Silmerion,
- 50:26das sozusagen diese. Die Bibel ist im Grunde ne das
- 50:30Alte Testament von von von Herr der Ringe.
- 50:33Es werden diese diese Ring, also wie kamen die Ringe in die Welt,
- 50:36welche Kriege gab es um die Ringe, das das das gab es alles
- 50:40und er hat Sprachen dafür entwickelt, er hat wirklich
- 50:43diese Elbensprache mehrere Elbensprachen weil die sich
- 50:46natürlich auch im Laufe der Jahrhunderte verändert hat,
- 50:48entwickelt, Karten gezeichnet und dann konnte er den Herrn der
- 50:52Ringe schreiben. Weil er alles über diese Welt
- 50:55wusste und der Herr der Ringe dann nur ein kleiner Ausschnitt
- 50:58ist. Im Grunde am Ende des epischen
- 51:01Zeitalters zu Beginn der Moderne.
- 51:04Und ich glaube, das ist genau das, was bei mir damals diesen
- 51:06Effekt ausgelöst hat, ist, kann, das, ist es möglich, dass dieses
- 51:12Ende des epischen Zeitalters wirklich nur ausgedacht ist?
- 51:15Ist das nicht vielleicht auch das Ende unseres epischen
- 51:17Zeitalters, und er hat ja auch Menschen, und die Menschen sind
- 51:19so wie wir, schwierig? Die dann sozusagen die Welt
- 51:23übernehmen, aus der sich die Elben zurückgezogen haben.
- 51:26Und ja, also NN wirklich mythisches Gesamtwerk, das auch
- 51:31entstanden ist unter diesem Gesamteindruck des Zweiten
- 51:35Weltkriegs, und dass, wenn man es weiß, man, man liest es auf
- 51:38auf, nicht auf jeder Seite, aber auf jeden Fall im 2.
- 51:40Band. Ich glaub 45 ist er fertig
- 51:42geworden und das ist natürlich nicht möglich gewesen, davon
- 51:47unbeeinflusst zu sein, wenn man ein episches Werk schreibt, in
- 51:51dem. Es den großen Kampf, die den
- 51:53letzten großen Krieg so Gut und Böse gibt.
- 51:55Die Horden des Bösen sind, glaube ich, vorher und auch
- 51:58selten nachher tatsächlich so eindrücklich und wirklich so bis
- 52:04ins Detail hinein beschrieben, dass es natürlich klar ist, wenn
- 52:09man das vorher weiß, unter welchen Zeitbedingungen er es
- 52:12geschrieben hat, dass das natürlich extreme Bezüge sind,
- 52:15ne die er da verarbeitet. Ich finde gerade das was du
- 52:18meintest auch mit dem Entwicklung des Elbischen, das
- 52:20hatte mich. Als Jugendlichen.
- 52:22Ich hatte schon immer irgendwie wahrscheinlich dann Spaß,
- 52:24Ansprache, das fand ich so fasziniert.
- 52:27Hast du auch versucht, Elbisch zu lernen?
- 52:28Zugegebenermaßen doch tatsächlich 2 Wochen lang und
- 52:33dann, das ist einer meiner größten Vorteile, ist absolute
- 52:36Ungeduld. Ich hab dann keinen Bock mehr,
- 52:40weil man musste ja auch noch andere Sprachen in der Schule
- 52:42lernen, aber die auf die Idee zu kommen.
- 52:47Das finde ich auch zu dieser Maßen.
- 52:49Ich bin gar nicht so n Riesen Star Trek Fan, aber auf die Idee
- 52:52zu kommen diese blöde Klingonisch vollkommen durch zu
- 52:55konjugieren und grammatikalisch und das ist natürlich.
- 52:58Beim Herr der Ringe. Klar, er war nicht nur
- 53:02altliteraturwissen, sondern auch natürlich Sprachwissenschaftler.
- 53:05Also das war glaube ich so sein kleines persönliches Hobby in
- 53:08diesem Buch. Ne, die Entwicklung des
- 53:10Elbischen. Ich gucke mal also er von 1938
- 53:13hat angefangen daran zu arbeiten und veröffentlicht wurde.
- 53:16Ist dann also das also ab 54 so ne und und fertig.
- 53:21Das Manuskript war fertig, war vollständig zumindest 48 also.
- 53:26Monsterarbeit Monsterarbeit und ich weiß nicht, ob du irgendwann
- 53:29noch mal magst. Ich weiß, was du meinst, dass
- 53:32dir der Großonkel Beutlin nicht so gut gefallen hat am Anfang
- 53:37des Herr der Ringe, aber Bilbo ist eine tolle Figur im Hobbit.
- 53:43Ich hatte den Hobbit auch vor dem Herr der Ringe gelesen, also
- 53:46schon als Kind so mit 11 oder wahrscheinlich 1011 12 Jahren.
- 53:51Es ist ja n bisschen harmloser, als es der Herr der Ringe ist.
- 53:55Aber ich fand es ein Tolles aufbauen darauf, aber man kann
- 54:00es auch andersrum machen und ihn im Endeffekt als Prequel lesen.
- 54:04Es ist ne wirklich schöne Geschichte, der kleine Hobbit.
- 54:09Also wenn du irgendwann, und das ist ja das Wort klein, sagt es
- 54:11ja schon, es sind glaub ich dann 300 Seiten oder so, das ist
- 54:14wirklich harmloser, wenn du irgendwann mal die Zeit findest,
- 54:17überwinde vielleicht deine Abneigung gegen diesen
- 54:19alternden. Bilbo und Erfreu dich an dem
- 54:22jungen Bilbo ist ne wunderschöne Geschichte.
- 54:24Sehr schön, aber es ist auch. Also alleine dieses Beispiel ne.
- 54:27Also Bilbo wird natürlich älter und es gibt ja Gründe warum er
- 54:29so ist wie er ist und und was da alles drin steckt in diesem Buch
- 54:33ist es so unglaublich das wirklich fantastisch.
- 54:37Also das ist 1 Monique, da brauchst du mich zum Glück gar
- 54:41nicht mehr überzeugen. Ich kann auch guten Gewissens
- 54:43sagen, fantastisch, ich muss nicht noch mal so wie jetzt bei
- 54:46Mittelmarsch mir die Zeit nehmen. 1 der großartigsten
- 54:51Bücher glaube ich des 20. Jahrhunderts.
- 54:54Und es wird ja oft abgetan als Mirror Fantasy.
- 54:57Es ist so viel mehr als. Fantasy so viel mehr, ja.
- 55:00Und was noch so viel mehr ist als nur Fantasy, ist auch
- 55:05natürlich unser Hinweis darauf, dass es alle Informationen zu
- 55:09diesen Büchern, zu unserem Podcast, wer hat es geschrieben,
- 55:11wo ist es erschien und so weiter findet ihr, liebe Leser und
- 55:16Leserinnen, Hörer und Hörerinnen und sehende Menschen.
- 55:19In unseren Shownotes da findet ihr auch natürlich den Hinweis
- 55:23darauf, wie es denn möglich sei, uns zu unterstützen mit Kohle,
- 55:29so ihr das denn wollt. Wir bedanken uns im Voraus und
- 55:33genau bei allen Fragen einfach ab in die Shownotes, da müsste
- 55:36hoffentlich alles drin stehen, falls ihr vergessen habt, über
- 55:39welche Bücher wir überhaupt gesprochen haben und auch
- 55:42natürlich, welche Bücher in den letzten Folgen so besprochen
- 55:46wurden. Und da wurde unter anderem
- 55:49nämlich ein Buch besprochen. In den letzten Folgen, was
- 55:52eigentlich auch hätte in diese Folge mit rein müssen, denn das
- 55:57ist, es hätte in so viele eigentlich in jeder Folge rein
- 56:00müssen, auch in die Folge Lieblingsbücher, aber es fand
- 56:03seinen Eingang in die Folge Geheimnisse, Bücher mit
- 56:07Geheimnissen, ich Rede von dem Buch 2666 von Roberto Bolagno,
- 56:10das ist nun wirklich auch n Brocken das Ding, es sind
- 56:14eigentlich 5 Romane in einem. Nach wie vor für mich 1 der
- 56:20besten und wichtigsten Bücher, die also zumindest in meiner
- 56:24Leser Karriere stattgefunden haben, gehe ich aber gar nicht
- 56:27näher darauf ein, denn liebe Freunde, hört einfach zurück in
- 56:31die Folge Geheimnisse, wir werden in die Show Nots auch
- 56:34noch mal reinschreiben, welche Nummer die Folge Geheimnisse
- 56:37hat, denn ich habe es jetzt gerade nicht im Kopf, aber das
- 56:40werden wir rausfinden und euch mitteilen.
- 56:45Hast du denn noch n Buch dabei, über das du länger reden
- 56:47möchtest? Ich hab noch ein Buch dabei.
- 56:49Ja, also ich hab wie immer, das ist immer noch nichts Drama
- 56:53immer, ich hab Bücher dabei für die nächsten 4 Stunden, aber ich
- 56:56habe ein Buch dabei, was mir so viel Freude und Spaß gebracht
- 57:00hat und das ist ein deutscher Autor und es ist sogar 21.
- 57:05Jahrhundert, also wir bewegen uns vom 19.
- 57:07Ins 21. Mit dem Herr der Ringe im 20.
- 57:11Dazwischen, und zwar ist es das Buch das kalte Blut.
- 57:15Von Chris Krauss ein deutscher Regisseur, ein mittlerweile
- 57:21nicht minder erfolgreicher Autor, und ich finde, das kalte
- 57:26Blut ist wirklich 1 der tollsten, Erschreckendsten,
- 57:30lustigsten und schockierendsten Bücher, die ich eigentlich
- 57:33kenne. Insbesondere zur deutschen
- 57:35Geschichte. Vorab erwähnt.
- 57:38Chris Krauss kommt wohl aus einer Familie.
- 57:43Die sich in den 12 ewig währenden Jahren des
- 57:49Tausendjährigen Reiches nicht ganz so sauber verhalten hat.
- 57:54Also, um es kurz zu halten, ich meine mich zu erinnern, dass
- 57:57Chris Kraus das auch öffentlich gemacht hat, dass er aus einer
- 57:59Familie von Tätern kommt, und das ist jedem natürlich selbst
- 58:05belassen, wie er das verarbeitet.
- 58:07Kraus hatte natürlich als Kunst und Filmschaffender das Gefühl,
- 58:10er muss es in irgendeiner Weise verarbeiten.
- 58:13Und das hat er in diesem Buch das kalte Blut gemacht.
- 58:15Und er erzählt die Geschichte von 2 Brüdern, deutsch
- 58:19baltischen Brüdern, und es beginnt in ihrer Kindheit, ich
- 58:22denke mal, so 30er Jahre, es ist Riga, es ist auf jeden Fall in
- 58:28den in den baltischen Staaten. Und die beiden beginnen in der
- 58:32damals noch verbotenen Untergrundorganisation der
- 58:36Nazis, in der Jugendorganisation, sich zu
- 58:38beschäftigen, haben da großartig viel Spaß, mögen das
- 58:42Völkerbündlerische und alles. Und im Endeffekt ist es so eine
- 58:45klassische Entwicklung von 2 Brüdern in den Weiterverlauf
- 58:50einer Nazitätigkeit, das bei den beiden sieht es so aus, dass
- 58:54beide meines Erachtens, wenn ich mich nicht falsch erinnere.
- 58:58Langsam über HJSA, dann in den Sicherheitsdienst kommen und im
- 59:04Endeffekt werden sie Spione. Sie werden Agenten und nebenbei
- 59:10erzählt, also Chris Krauss nicht nur eine Familiengeschichte,
- 59:13sondern eigentlich auch eine Geschichte des Spionagewesens
- 59:17und des Agententums von den Dreißigern, Vierzigern bis in
- 59:20die 60er 70er hinein, denn die Erzählperspektive ist eine
- 59:24großartige, der jüngere dieser beiden Brüder.
- 59:27Wir sind in den 70er Jahren liegt im Krankenhaus, der hatte
- 59:29nen Kopfschuss der ihn nicht getötet hat.
- 59:31Jetzt liegt er also da im Krankenhaus in einem
- 59:33Zweibettzimmer und neben ihm liegt so n friedensbewegter
- 59:36Hippie, der Halt sagt, wir müssen alle nur unsere
- 59:40Geschichte erzählen und dann wird alles gut und dann erzählt
- 59:43uns sein Mutter, das ist jetzt eine Geschichte und dazu muss
- 59:48man wissen, dass der erste jüngere, der ältere Bruder.
- 59:53Bei allen Fehlern glaubt wenigstens Vollblutmäßig an all
- 59:57das, was er tut. Er glaubt daran, dass er hier
- 59:59das Richtige tut, und das ist wichtig und gut ist, was
- 1:00:02geschieht. Unser Held in
- 1:00:04Anführungsstrichen, der jüngere Bruder, der ich erzähle, ist ein
- 1:00:07totales Fanlein im Wind, er ist ein totaler Opportunist und die
- 1:00:12Form, wie er erzählt, er macht halt einfach alles immer mit,
- 1:00:15einfach zu seinen eigenen Gunsten und sich
- 1:00:17durchwurschteln, und wer dann halt da links über die Klippe
- 1:00:19springt, Pech sein Pech nicht. Und er ist als Erzähler eine der
- 1:00:24perfidesten Sachen, die ich je gelesen habe, denn er ist
- 1:00:28unfassbar sympathisch. Oh, er ist ein lustiger,
- 1:00:33Wortgewandter, großartiger, auch emotional gar nicht
- 1:00:38fehlbesetzter Mann, der seine Geschichten erzählt, und man
- 1:00:42hört ihn so, und er lutdert einen so ein, und dann macht er
- 1:00:44irgendwas Furchtbares, und dann sagt er.
- 1:00:46Ja, aber was hätte ich denn tun sollen?
- 1:00:48Man hatte ja gar keine Entscheidung und man denkt, so
- 1:00:50Recht hast du was hättest du denn tun sollen, du armer Mann
- 1:00:53und erst 3 Sekunden später denkt man halt, du bist doch ein
- 1:00:57selbstbestimmter Mann, du kannst doch selber entscheiden was du
- 1:00:59willst und das zieht sich durch dieses Buch hindurch und das
- 1:01:02macht es so klug, weil wir fallen diesem Protagonisten,
- 1:01:06wenn wir nicht verdammt aufpassen, andauernd fallen,
- 1:01:10gehen wir ihnen auf dem Leim, und das ist, finde ich, eine der
- 1:01:14großartigsten Errungenschaften dieses Buches, das.
- 1:01:16Ist, denn es spiegelt ja auch wider, wie schnell man
- 1:01:20bösartigen Erzählungen auf den Leim fallen kann, wenn man nicht
- 1:01:23einfach aufpasst. Denn es ist ja alles nur ne
- 1:01:25Verpackung und wenn der einfach so lustig und eloquent und
- 1:01:28sympathisch ist und man fiebert mit ihm mit, und das ist ja auch
- 1:01:31alles spannend, was er erlebt. Also es ist wirklich, wirklich
- 1:01:35unglaublich gut erzählt, weil es uns als Leser fordert und das
- 1:01:39gleiche macht es dann natürlich durch seine so lustige,
- 1:01:41sympathische Art tatsächlich auch zu einem lustigen Buch.
- 1:01:45Was ja auch schon eine Errungenschaft in sich ist,
- 1:01:47diese Geschichte überhaupt so erzählen zu können.
- 1:01:50Ich finde es spannend, dass seine Geschichte eben nicht 45
- 1:01:53ändert, sondern die beiden Brüder gehen dann rüber in die
- 1:01:58neu gegründete Organisation Gelen, das ist von den
- 1:02:02Westmächten die gegründete Vorgängerorganisation zum BND,
- 1:02:07also das das war es hieß, glaube ich, auch nicht Organisation so,
- 1:02:10Operation Gelen. Das war sozusagen der Beginn der
- 1:02:13westdeutschen Spionagetätigkeiten.
- 1:02:17Viele von denen wurden natürlich übernommen aus der Nazi Zeit,
- 1:02:23also ich glaube, der Name Canaris sagt dir wahrscheinlich
- 1:02:25auch noch was aus, aus aus dem Geschichtsunterricht, das war
- 1:02:28sozusagen der Chef Spion. Unter den Nazis und Canaris war
- 1:02:34nie ein Vollblutnazi, das war so n bisschen.
- 1:02:36Man hat ja mit die verschiedenen Fraktionen im Dritten Reich, wer
- 1:02:39gegen wen, dann hast du die SS, die SA, die Reichswehr, das
- 1:02:43Auswärtige Amt und da halt auch diese Canaris Abteilung und
- 1:02:47insbesondere das Auswärtige Amt und Canaris waren.
- 1:02:50Probierten sich immer so n bisschen durchzulavieren.
- 1:02:53Die waren jetzt keine Vollblutnazis und ich glaube die
- 1:02:56Amerikaner und Briten, na ja, wie es halt war nach dem Zweiten
- 1:02:59Weltkriegs haben die Russen im Ostteil Deutschlands auch nicht
- 1:03:03anders gemacht, sie haben viele Leute übernommen, die sich mit
- 1:03:07Schuld beladen haben, weil ihnen klar war, wenn wir die nicht
- 1:03:10übernehmen, dann kriegen wir dieses Land gar nicht mehr am
- 1:03:12laufen, also ein Riesendilemma was glaub ich immer wieder in in
- 1:03:16der Welt stattfindet. Auf jeden Fall kriegen wir so
- 1:03:20auch noch die Geschichte mit der Anfänge des Spionagewesens in
- 1:03:24der Bundesrepublik Deutschland. Es geht, wie gesagt, in die 60er
- 1:03:2770er Jahre hinein, das ganze verliert da natürlich n bisschen
- 1:03:31was an seiner. Hardcore Nazi brisant, aber es
- 1:03:35ist trotzdem immer noch unglaublich spannend.
- 1:03:38Chris Kraus weiß natürlich als Filmschaffender ganz genau,
- 1:03:42welche Fäden er zieht, welche Fäden er fallen lassen kann,
- 1:03:45welche er wieder raufhebt es ist wirklich unfassbar gut
- 1:03:48komponiert und bei sowas fragt man sich ja als Mensch, der sich
- 1:03:51mit Büchern beschäftigt, immer und insbesondere du, du, du, die
- 1:03:54du jetzt ja auch schreibst und auch mit Lektorat zu tun hast.
- 1:03:59Was alleine ist der Autor oder die Autorin?
- 1:04:02Wo kommt die Arbeit einer guten Lektorin mit rein?
- 1:04:05Diese Zusammenarbeit hat er selber schon alle Fäden so
- 1:04:08dermaßen in der Hand gehabt oder hat jemand drüber gelesen und
- 1:04:11gesagt, Macht vielleicht hier noch mal n bisschen da n
- 1:04:13bisschen verfeinert? Es ist auf jeden Fall ein
- 1:04:16brillant komponiertes Buch, bei Diogen ist es erschienen in der
- 1:04:21Buchhandlung hohen Tammerstein, natürlich immer vorrätig und
- 1:04:26eine großartige Empfehlung. Mir hat mal jemand vor Ach vor
- 1:04:31Ewigkeiten gesagt, als ich ich hatte überlegt, ob ich
- 1:04:35vielleicht Lektorin werden möchte in einem Verlag, und der
- 1:04:38sagte dann, ah ja, klar, wie alle Mädchen, die nicht
- 1:04:41Schriftstellerin werden können, wollen sie dann lieber sozusagen
- 1:04:44der Gott werden, der den Leben, ach, es war es war verworren,
- 1:04:51und ich, ich war so. Das wollte ich gar nicht von dir
- 1:04:58wissen. Vor allen Dingen Leck mich.
- 1:05:00Und was heißt hier jedes Mädchen?
- 1:05:02Also ich glaube, es gibt auch Jungs, die gottgleich Lektor
- 1:05:06werden wollen und ich kann, ich kann das voll verstehen, also
- 1:05:08ich finde den Job eines Lektoren finde ich sehr spannend, aber
- 1:05:12unglaublich anspruchsvoll, inhaltlich anspruchsvoll, du
- 1:05:16wirst eigentlich nie genannt, du bist einer von diesen
- 1:05:18verschwindenden Menschen, die also für ihre Arbeit eigentlich
- 1:05:20nie diese öffentliche Anerkennung.
- 1:05:23Ganz selten, das ist mal passiert, ne, also nach einer
- 1:05:25jahrzehntelangen Arbeit oder Zusammenarbeit zwischen Autor
- 1:05:28und Lektor, aber normalerweise gehst du relativ unter und es
- 1:05:32ist ja nicht nur so, dass du die inhaltliche Arbeit hast, als
- 1:05:34Lektorin oder Lektor, du musst dich auch wirklich mit Egos
- 1:05:38rumschlagen, und zwar nicht nur die Egos der Schriftsteller und
- 1:05:42Autorinnen. Sondern du hast ja auch noch die
- 1:05:44Egos der Verleger. Ich nenn sie mal
- 1:05:46Persönlichkeiten. Also es ist glaub ich gar nicht
- 1:05:50so ein fluffiger Job, aber er ist glaub ich inhaltlich total.
- 1:05:54Befriedigt glaub ich auch. Ja das.
- 1:05:56Kann ich mir vorstellen. Ach, nennen sie nicht.
- 1:05:59Ich hätte ja, ich hätte. Ach, du kennst mich.
- 1:06:03Ich hätte noch Bücher, aber. Ich habe noch 1 dabei.
- 1:06:06Ein Überraschungsbuch. Yes, okay cool.
- 1:06:08Das habe ich, das habe ich nicht in in unsere
- 1:06:11Vorbereitungstabelle geschrieben, weil ich dich damit
- 1:06:14überraschen wollte. Und nachdem du mich jetzt gerade
- 1:06:17bei Herr der Ringe so echt, so so hast in die Falle laufen
- 1:06:21lassen mit deinem harmlosen Gesichtsausdruck und der Frage
- 1:06:24Ringe tut es mir auch gar nicht leid, dass ich das nicht.
- 1:06:31Nicht gesagt habe, wir sind jetzt ganz klar im 21.
- 1:06:35Jahrhundert und es ist ein Buch, das hab ich mal bei dir im Laden
- 1:06:37gekauft, weil du es mir quasi aufgedrängelt hast und ich hab
- 1:06:45es auch mal zwischen Weihnachten, Neujahr gelesen,
- 1:06:46wenn ich mich nicht sehr täusche und es ist.
- 1:06:51David Mitchell. Oh, Toby.
- 1:06:53Avenue, Toby Avenue und Monique. Was für ein Glück.
- 1:06:57Ich war kurz davor, es zu nehmen für heute und ich bin so
- 1:07:01dankbar. Ich bin aber auch neidisch, dass
- 1:07:03du jetzt meinen Gott besprichst. Und zwar das allererste Mal in
- 1:07:08unserem Podcast glaube ich, dass ein David Mitchell Buch genau
- 1:07:11jetzt passiert und danke, ich bin mal gespannt, was du zu
- 1:07:15sagen hast. Und wenn da nur ein Prozent
- 1:07:18irgendwo Zweifel oder was Schlechtes ist.
- 1:07:20Gehen wir nachher raus zum duellieren.
- 1:07:24Also ich hab ja wirklich ich, ich weiß ja, dass du David
- 1:07:27Mitchell liebst und ich hab immer gedacht, ich hab gar
- 1:07:28keinen gelesen, weil ich mir das wirklich unter eben Utopia
- 1:07:32Avenue gemerkt hatte und gar nicht unter dem Namen des
- 1:07:34Schriftstellers und ich hatte wirklich viel viel viel Spaß
- 1:07:39beim Lesen. Es ist n ganz tolles Buch und es
- 1:07:42ist super, dass es so lang ist, weil man eigentlich nicht
- 1:07:44möchte, dass es aufhört. Es erzählt die Geschichte, von
- 1:07:46der ist jetzt n bisschen komisch, dir das zu erzählen.
- 1:07:51Es war ne defektive Geschichte, einer einer britischen
- 1:07:55Psychedelic Rockband Indie Band, die eben Utopia Avenue heißt,
- 1:08:02die in London in Stallone 1967 sich gründet mit einer, ich find
- 1:08:07ne ganz fantastischen Sängerin 11 Holloway, die war so
- 1:08:10wunderbar beschrieben, die hab ich von Anfang an geliebt.
- 1:08:14Jasper de Sud de Sud Sud Jasper de Sud, ein sehr mysteriöser
- 1:08:20Lied Gitarrist Man hat sofort Kino im Kopf, man ihn nicht und
- 1:08:24sieht ihn vor sich. Dean Moss, der Bassist, und
- 1:08:28griff Griffin, der Scherzeuger, und die erleben einen rasanten
- 1:08:32Aufstieg, fangen an, in kleinen Clubs zu spielen und dann?
- 1:08:37Wir sind ja auf Tour in Amerika, wir sind beim Tourleben dabei
- 1:08:40und bei allem, was so innerhalb dieser Band passiert mit den
- 1:08:43Bandmitgliedern, passiert, mit den Themen, mit denen sie sich
- 1:08:47auseinandersetzen, und man ahnt ja schon alle Krisen, die dabei
- 1:08:54vorkommen können, ne, das ist super, super angelegt, liebe,
- 1:08:58Drogen, Trauer. Psychophasenverletzlichkeit es
- 1:09:04ist alles dabei und es ist wirklich auch, es ist so echt,
- 1:09:08dass man sich denkt, hey, warum gab es diese Band eigentlich
- 1:09:10nicht, die hätte es eigentlich geben müssen, so, die müsste
- 1:09:14sich rein, weil es dieses Buch gibt und weil es so gut ist,
- 1:09:17müsste sich diese Band im Nachhinein.
- 1:09:19In der Vergangenheit manifestieren.
- 1:09:21Er hat ja die Songtexte geschrieben, er hat ja, er hat
- 1:09:24ja die Playlists geschrieben, ne, die Platten wo du dann weißt
- 1:09:27a Seite b Seite mit allem sogar ich glaube es steht sogar immer
- 1:09:31da drunter werden Song und werden Text komponiert, hat bei
- 1:09:34jedem einzelnen Lied es ist so ne liebevolle aber das freut
- 1:09:40mich ja riesig also ich bin. Es ist immer bei David Mitch n
- 1:09:44bisschen schwierig, weil er baut ja sein eigenes Universum.
- 1:09:48Und wo fängst du nicht an, wenn bei seinem ersten Buch und
- 1:09:51Utopia Avenue ist tatsächlich, obwohl das sein letztes Buch
- 1:09:54ist, bislang tatsächlich auch als Standalone zu lesen.
- 1:09:59Natürlich könnte ich jetzt kommen und sagen, die Clubs, wo
- 1:10:03sie ihre ersten Konzerte machen, das ist unter anderem gehört das
- 1:10:05einem Ehepaar, deren Tochter wird dann die Hauptfigur in dem
- 1:10:08Buch Die Knochen, Ohren. Die Figur dieses Jasper de Sude
- 1:10:13ist eine immens wichtige im im im Universum von David Mitchell,
- 1:10:19denn er wäre nicht David Mitchell, wenn er nicht nur
- 1:10:21Murakami Ebene in sein Buch reinschreiben würde.
- 1:10:24Denn in dem Körper von Jasper de Sude steckt ein böser
- 1:10:28buddhistischer Geist. Ich erinnere mich ja.
- 1:10:31Und der will raus. Und der ist nämlich vor.
- 1:10:35Ungefähr 200 Jahren in den Körper seines Vorfahren Jakob
- 1:10:41Desud gefahren beschrieben in dem nicht minder dicken Buch die
- 1:10:461000 herbste des Jakob Desud, und der kommt halt am Ende des
- 1:10:51Buches in den Körper von Jakob Desud, überlebt über
- 1:10:53Generationen von einem zum nächsten, und bei Jasper will er
- 1:10:55raus, und das endet nicht gut. Jasper Desud wird dann aber
- 1:10:58gerettet von Menschen, die im Endeffekt in diesem gesamten
- 1:11:02Universum von David Mitchell, also alles dann in seinem Opus
- 1:11:07Magnum die Knochenuhren, das bindet sozusagen alles zusammen,
- 1:11:10aber oh Gott, wenn ich da anfange, Monique, ich bin dir so
- 1:11:12dankbar, dass du dieses Buch genommen hast, denn ich finde,
- 1:11:15es ist ein wirklich zugängliches Buch, weil die Hauptgeschichte
- 1:11:19ist wirklich diese. Unglaubliche Geschichte dieser
- 1:11:23Band. Für mich war das immer n
- 1:11:24bisschen Pink floydig, bis plötzlich Pink Floyd selber
- 1:11:26auftaucht, ich so ah OK, es ist nicht Pink Floyd, irgendwann
- 1:11:30gibt es doch den Moment, wo einer von Utopia Avenue bei
- 1:11:33einer Party unterm Tisch auf John Lennon trifft und beide
- 1:11:37sind Vollgedröhnt mit Trip glaub ich.
- 1:11:39Und das ist einer der schönsten Momente Literatur, wie die
- 1:11:42beiden unter dem Tisch hocken. Und diese Unterhaltung ist an so
- 1:11:46dermaßen bizarr. Ich glaube, David Bowie springt
- 1:11:49rum, es ist so, es liest sich wirklich, als ob David Mitchell
- 1:11:54diese Band nicht erfunden hätte, sondern er hat sie so
- 1:11:57eingebettet in die gesamte Popgeschichte dieser Zeit, die
- 1:12:01er sehr wichtig war in England. Brillant.
- 1:12:05Und es zeigt einfach nur wieder. Und auch hier sei darauf
- 1:12:08hingewiesen. Volker Oldenburg der Übersetzer
- 1:12:10David Mitchell ist einer der sprachgewaltigsten Autoren, die
- 1:12:13ich kenne, der hat Wörter drauf, wo man denkt, Huch, wusste ich
- 1:12:16gar nicht. Und wie das ins Deutsch
- 1:12:18übersetzt ist, ist eine Meisterleistung in sich selbst.
- 1:12:22Also das muss man, da kann man gar nicht oft genug darauf
- 1:12:26hinweisen, was für fantastische Arbeit Übersetzer und
- 1:12:28Übersetzerinnen leisten. Und ich finde, David Mitchell
- 1:12:31hat das Glück, dass er einen der besten Übersetzer ins Deutsche
- 1:12:35bekommen hat, der auch von Buch 1 sein immer der gleiche
- 1:12:38Übersetzer, es hat noch kein anderer.
- 1:12:40Durfte David Mitchell bislang übersetzen.
- 1:12:42Darum brauchen die Übersetzung ins Deutsche auch manchmal
- 1:12:45wirklich lange. Also das ist echt, dass man
- 1:12:48denkt, ey, das englische Buch ist aber hier schon ein Jahr
- 1:12:50raus, also kommt mal hier Butter bei die Fische, aber man muss
- 1:12:55halt einfach warten, dann ist die Qualität auch besser, oh wie
- 1:12:58schön, was für eine tolle Überraschung du da.
- 1:13:00Hast ich muss gerade daran denken.
- 1:13:02Ich habe vor vor vor 2 Wochen auf einer Party mich mit
- 1:13:04jemanden über Quantenphysik unterhalten und die.
- 1:13:09Die die, die ja im Grunde müßig in unser Leben zurückbringt, ne,
- 1:13:13also die, die das, das ist ja eigentlich rationalen Verstand,
- 1:13:18nicht nachvollziehbar, was wir, was wir über quantenwissen oder
- 1:13:21wie Teilchen gleichzeitig an mehreren Orten sein müssen, bis
- 1:13:24zu dem Moment, an dem sie sich entscheiden müssen, irgendwo zu
- 1:13:26sein und ganz grob vereinfacht kamen wir dann eben auch in die
- 1:13:31Verbindung Literatur und und Quantenphysik.
- 1:13:34Und dieses das, das sozusagen so n bisschen auch, also etwas
- 1:13:38jetzt bei Utopia Avenue hatten und auch bei irgendwie, bei
- 1:13:41allen Büchern heute, hatten also auch definitiv bei Herr der
- 1:13:43Ringe und auch so n bisschen bei Middle March, dass dadurch, dass
- 1:13:47es gedacht wird und dass es geschrieben wird, dass
- 1:13:49irgendjemand also aus irgendwelchen unerfindlichen
- 1:13:52Gründen heraus aus sich selbst diesen Zugang zu dieser
- 1:13:54Geschichte hat, dass ja auch in in einer Theorie, die es gibt
- 1:13:59zur zur Quantenphysik, zum Quantenuniversum, das sozusagen
- 1:14:02ein Teil eines Quantenuniversums öffnet, in der es eben die
- 1:14:07Realität ist. Und dass es deshalb so dicht ist
- 1:14:09und sich so unglaublich nah und echt anfühlt, weil es in einer
- 1:14:15anderen Realität die Realität ist, das war jetzt sicherlich
- 1:14:19total grob unzulässig zusammengefasst.
- 1:14:22Aber ich. Finde es aber sehr sehr
- 1:14:23begrifflich zusammengefasst und das ist ja eigentlich, dass also
- 1:14:26du hast ja viele Quantenphysiker, die ja auch im
- 1:14:29Endeffekt immer sagen, wie kommt ihr auf die Idee, dass Religion
- 1:14:32und Naturwissenschaft sich ausschließen.
- 1:14:34Also gerade die, die in diesen Grenzbereichen unterwegs sind,
- 1:14:39sind sind glaube ich, sehr nah dran am Wunder oder an Religion.
- 1:14:43Und ich finde die Vorstellung gerade dieser Paralleluniversen
- 1:14:46und Parallelrealitäten, insbesondere in Verbindung was
- 1:14:49du sagtest, hier hat jemand einfach eine Realität erschaffen
- 1:14:53und du, wie du sagst, tatsächlich in all diesen
- 1:14:55Büchern, die wir, glaube ich, diesmal hatten.
- 1:14:58Ich finde es besonders eindrücklich, tatsächlich bei
- 1:15:01David Mitchell, vielleicht, weil es nah genug an uns dran ist,
- 1:15:04dass wir tatsächlich empfinden können, dass es Realität ist.
- 1:15:08Bei den älteren Büchern nimmt man es hin als Realität.
- 1:15:13Wow, you so clever. Dieser Party Gespräch.
- 1:15:19Das ist toll. Ich wollte eigentlich selber dir
- 1:15:22noch von einem Buch erzählen, aber das kann ich, ich erwähne
- 1:15:27es nur noch mal kurz, weil es ein wunderbares Buch ist, was
- 1:15:30man auch über Weihnachten, wenn man kurz nicht bei Hund
- 1:15:32Hammerstein einkauft, sondern zwischen den Jahren in einer
- 1:15:35anderen Buchhandlung, holt euch von Jonas Kemiri das Buch Die
- 1:15:40Schwestern, ein schwedischer Autor, etwas, was ich
- 1:15:44normalerweise eigentlich gar nicht lesen würde, sehr
- 1:15:46autofiktional. N relativ dicker Schinken obwohl
- 1:15:49im Vergleich zu den Büchern, die wir jetzt hier hatten, sind es
- 1:15:52nur ungefähr 7 800 Seiten, also eigentlich n.
- 1:15:55Aber ich werde sicherlich noch mal einen Moment finden, wo ich
- 1:15:58dir über dieses Buch erzählen kann, denn das hat mich wirklich
- 1:16:02nachhaltig und sehr fasziniert. Und wenn das mal jetzt nicht n
- 1:16:07geiler Cliffhanger ist, für irgendwann kommt wieder eine
- 1:16:10neue Folge von dem wunderschönen.
- 1:16:12Tag bevor irgendwann wieder eine neue Folge kommt.
- 1:16:15Kommt noch. Das Buch fürs Bett und heute mal
- 1:16:18wieder mit einer Hörerin. Schön.
- 1:16:21Hallo Monika, Hallo Gott, ich möchte euch heute den Roman der
- 1:16:25Deutsche für Flug 111 vorstellen.
- 1:16:28Geschrieben hat ihnen Wolfgang Martin Roth, er beschäftigt sich
- 1:16:32mit dem Gedanken, wie es wäre, das Leben, das man gerade lebt,
- 1:16:36hinter sich zu lassen und an ein völlig anderes Leben
- 1:16:40einzusteigen, völlig anders unter anderen Bedingungen weiter
- 1:16:44zu leben. Und zwar geht er aus von einem
- 1:16:46Flugzeugabsturz, der in diesem Fall tatsächlich 1998
- 1:16:50stattgefunden hat. Alle Passagiere und
- 1:16:53Besatzungsmitglieder sind dabei umgekommen, die eine Hauptfigur
- 1:16:58des Buches steht auf der Passagierliste, ist auch schon
- 1:17:02eingecheckt, aber aus irgendeinem Grunde ist sie
- 1:17:05abgelenkt und verpasst. Ist das Flugzeug auch
- 1:17:08tatsächlich zu besteigen und nach dem Absturz gilt er dann
- 1:17:12mit als Tod und seine. Leiche wird auch nicht gefunden
- 1:17:18seine Hinterbliebenen sind verzweifelt, trauern und er
- 1:17:23selber aber beginnt ein völlig neues und anderes Leben, das
- 1:17:28sich von dem Leben, was er bisher geführt hat, komplett
- 1:17:32unterscheidet. Er geht in diesem Leben durch
- 1:17:35ganz viele verschiedene Stationen, das nimmt ganz viele
- 1:17:38Wendungen, die er aber immer klag und fraglos.
- 1:17:42Akzeptiert und immer darauf reagiert und sich neue neuen
- 1:17:46Dingen und neuen Abschnitten in seinem Leben zuwendet.
- 1:17:51Ähnlich ist es bei seinen Hinterbliebenen nach der
- 1:17:53Trauerphase, die sie sehr intensiv durchmachen, beginnen
- 1:17:58auch sie andere, leben neue Leben, leben glücklich, wie man
- 1:18:02so sagt weiter und am Ende des Romans ist da noch ein ganz
- 1:18:08spannender Twist drin, den ich nicht verraten möchte.
- 1:18:11Das Buch selber hat 125 Seiten, ist ein sehr kleines Buch, von
- 1:18:17daher ist es sehr gut geeignet, es im Bett zu lesen, ohne
- 1:18:20Gefahr, davon erschlagen zu werden.
- 1:18:22Andererseits besteht die Gefahr, dass man die Nacht durchlesen
- 1:18:27wird, weil es so spannend ist, dass man es nicht aus dir aus
- 1:18:30der Hand legen mag, von daher ist es eher empfehlenswert, es
- 1:18:33nachmittags zu lesen. Ich fand das Buch Super spannend
- 1:18:38und ich lege es euch sehr ans Herz.
- 1:18:41Ja, vielen dank, liebe Leila. 125 Seiten, das atmen wir doch
- 1:18:46mal vorm Schlafengehen ein, oder das ist.
- 1:18:47Voll meine Kragenweite. Ein Buch fürs Nachmittagsbett.
- 1:18:51Toll 1000 dank für dieses für diesen Tipp, fürs Buch, fürs
- 1:18:55Bett, liebe Leila. Hey, jetzt melde ich mich hier
- 1:18:58noch mal aus dem Off, denn wir waren gerade mit der Produktion
- 1:19:01fertig und haben dann einen noch so Zauberhaften.
- 1:19:05Buch fürs Bett Tipp Rein bekommen von Max.
- 1:19:09Ein ganz ganz wunderbares Weihnachtsbuch und außerdem ist
- 1:19:14ja auch Weihnachten und deshalb gibt es quasi als zusätzliches
- 1:19:18Geschenk unterm Baum einen zweiten Buch fürs Bett.
- 1:19:21Tipp von Max vielen vielen Lieben Dank für diesen wirklich
- 1:19:25ganz tollen Tipp. Ihr Lieben, hier ist nochmal
- 1:19:28Max. Bei mir ist noch vor Weihnachten
- 1:19:29und deswegen habe ich ein weihnachtliches Buch fürs Bett.
- 1:19:32Es ist ein bisschen ein Kinderbuch, aber ich lese immer
- 1:19:34noch jedes Jahr wahnsinnig gerne, und zwar von Barbara
- 1:19:36Robinson. Hilfe, die Herdmanns kommen
- 1:19:37beziehungsweise wie es bei uns heißt, Hilfe, die Herdmanns
- 1:19:39kommen. Wir befinden uns in einer
- 1:19:41superspießigen evangelikalischen moralischen amerikanischen
- 1:19:44Kleinstadt, in der eine Familie wohnt mit 6 Kindern, ungefähr
- 1:19:49zwischen 12 und 6. Und diese Kinder sind, die
- 1:19:50Herdmanns die Kinder, die Herdmanns sind das genaue
- 1:19:54Gegenteil der gutbürgerlichen Bevölkerung der Stadt, die das
- 1:19:58sind Kinder an der Grenze zur Verwahrlosung, die sich an
- 1:19:59überhaupt gar keine Regeln halten des gesellschaftlichen
- 1:20:01Miteinanders und die nur damit beschäftigt sind, die Stadt und
- 1:20:05ihre Mitmenschen zu terrorisieren.
- 1:20:08Die Geschichte beginnt damit, dass sie zum Beispiel einen
- 1:20:10Geräteschuppen in die Luft sprengen, weil einer von denen
- 1:20:11einen Chemiebaukasten geklaut hat, und der Plot ist, dass
- 1:20:15diese Kinder das traditionelle Krippenspiel kapern.
- 1:20:20Das seit Jahrzehnten immer nach den gleichen Regeln
- 1:20:22funktioniert, immer mit den gleichen Schauspielern, immer
- 1:20:24wahnsinnig spießig, gutbürgerlich, langweilig.
- 1:20:26Und jetzt kommen die Herdmanns und übernehmen das Krippenspiel,
- 1:20:29übernehmen die Hauptrollen und beginnen damit, diese ganze
- 1:20:33aufgesetzte, moralinsauere Spießigkeit dieser Stadt zu
- 1:20:35entlarven. Und es ist wahnsinnig komisch,
- 1:20:39wie die es schaffen, den Finger in die Wunde zu legen und der
- 1:20:42Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten.
- 1:20:44Worum geht es eigentlich bei Weihnachten und?
- 1:20:47Was ist sozusagen die eigentliche Botschaft, die, die
- 1:20:50Herdmanns am Ende viel besser rausarbeiten mit ihrer eigenen
- 1:20:53Art und Weise als diese Stadt dazu überhaupt in der Lage ist?
- 1:20:56Eines meiner absoluten Lieblingsbücher aus der
- 1:20:58Kindheit, dass ich jetzt anfange, meinen Kindern auch
- 1:21:00vorzulesen. Ich liebe es, und das ist ganz,
- 1:21:02ganz toll, euch beiden herzlichen Dank für alles, ich
- 1:21:05höre jede Folge, ich bin immer begeistert, macht bitte noch
- 1:21:07lange weiter viele Grüße und fröhliche Weihnachten euer Max.
- 1:21:12Und damit glaube ich Monique. Verabschieden wir uns in einem
- 1:21:16wunderschönen ersten Weihnachtstag mit Plätzchen.
- 1:21:20Bratenresten. Kaffee bratenresten, vielleicht
- 1:21:24noch im Kaffee und mindestens 4 Büchern, die wir um uns herum
- 1:21:28drapieren werden. Und nicht mit Fettfingern
- 1:21:31Anfassen. Schöne Weihnachten.
- 1:21:34Schöne Weihnachten. Im Wetten mit Buch ist eine
- 1:21:39Produktion von irgendwas ist immer.
- 1:21:41Konzept und Produktion Götz Gring Modalma Redaktion und
- 1:21:45Hosts Monique, Lukas und Kurt von Hammerstein.