Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 1. Theil - Zarathustra's Vorrede - 4
Transcript
- 0:00Vorrede Unterkapitel 4 der Mensch als Seil und die
- 0:04Liebenden des Untergangs nachdem die Menschenmenge Zarathustra
- 0:09ausgelacht hat, schaut er sie verwundert an.
- 0:12Er beginnt erneut zu sprechen, aber diesmal erklärt er das
- 0:15Wesen des Menschen mit einem sehr bildhaften Vergleich.
- 0:19Zarathustra sagt, dass der Mensch wie ein Seil ist.
- 0:22Dieses Seil ist zwischen dem Tier und dem Übermenschen
- 0:25gespannt. Das bedeutet, der Mensch ist
- 0:29keine fertige Stufe der Entwicklung, sondern eine
- 0:31Verbindung zwischen seiner tierischen Vergangenheit und
- 0:34seiner möglichen großartigen Zukunft, dem Übermenschen.
- 0:38Dieses Seil verläuft über einen tiefen Abgrund, das Überqueren
- 0:42dieses Seils ist gefährlich, der Weg selbst ist gefährlich, es
- 0:47ist gefährlich zurückzublicken, und es ist gefährlich, vor Angst
- 0:50stehen zu bleiben oder zu zögern.
- 0:53Zarathustra erklärt, was am Menschen eigentlich großartig
- 0:56ist. Das großartige ist, dass der
- 0:58Mensch eine Brücke ist und kein Endzweck.
- 1:01Man kann den Menschen dafür lieben, dass er ein Übergang und
- 1:04ein Untergang ist. Mit dem Begriff Übergang meint
- 1:08Nietzsche hier die Entwicklung hinzu, etwas Höherem.
- 1:11Der Begriff Untergang ist an dieser Stelle sehr wichtig und
- 1:14positiv gemeint, er bedeutet nicht einfach nur das Scheitern
- 1:17oder sterben, sondern die Bereitschaft, sich selbst
- 1:20aufzugeben und zu opfern. Damit etwas Neues und Besseres,
- 1:24nämlich der Übermensch, entstehen kann.
- 1:27Wer seinen eigenen Untergang will, macht Platz für die
- 1:29Zukunft nun beginnt Zarathustra eine lange Aufzählung von
- 1:33Menschenarten, die er liebt, er liebt diese Menschen nicht, weil
- 1:37sie perfekt sind, sondern weil sie durch ihre Lebensweise den
- 1:41Weg für den Übermenschen bereiten.
- 1:43Zarathustra sagt, Ich Liebe diejenigen, die sich nicht
- 1:46zurückhalten oder sparen, ich liebe die Menschen, die den
- 1:49mutigen Schritt nach vorn wagen. Denn genau sie sind es, die die
- 1:53Brücke zum anderen Ufer beschreiten.
- 1:55Ich liebe die Menschen, die große Verachtung empfinden, denn
- 1:59werden aktuellen Zustand der Menschheit verachtet, zeigt
- 2:02damit, dass er eine große Sehnsucht nach etwas Besserem
- 2:05hat. Diese Menschen sind wie Pfeile,
- 2:07die sich nach dem anderen Ufer sehnen, ich liebe diejenigen,
- 2:10die keinen Grund hinter den Sternen suchen, um sich zu
- 2:13opfern, das bedeutet, er mag Menschen, die sich nicht für
- 2:17eine Belohnung im Jenseits oder im Himmel opfern.
- 2:21Stattdessen opfern sie sich für die Erde.
- 2:23Sie wollen, dass die Erde eines Tages bereit ist für den
- 2:26Übermenschen. Ich liebe denjenigen, der lebt,
- 2:29um zu erkennen und zu lernen, er will Wissen sammeln, damit der
- 2:33Übermensch in der Zukunft leben kann, indem er nach Wissen
- 2:36strebt, nimmt er seinen eigenen Untergang in Kauf, ich liebe
- 2:40denjenigen, der hart arbeitet und Dinge erfindet.
- 2:44Er tut dies, um dem Übermenschen sozusagen ein Haus zu bauen und
- 2:48die Natur, die Erde, die Tiere und Pflanzen für ihn
- 2:51vorzubereiten. Auch er will damit seinen
- 2:54eigenen Untergang, also das Ende des heutigen Menschen zugunsten
- 2:57des zukünftigen Ich liebe den Menschen, der seine Tugend
- 3:01liebt, Tugend bedeutet bei Nietzsche eine hervorragende
- 3:05Eigenschaft oder eine Leidenschaft, die einen
- 3:07antreibt. Wer seine Tugend liebt, der hat
- 3:10den Willen zum Untergang und ist wie ein Pfeil der Sehnsucht.
- 3:14Ich liebe denjenigen, der nichts von seinem Geist für sich selbst
- 3:17behält. Er will ganz und gar der Geist
- 3:20seiner Tugend sein, er nutzt seinen Verstand also nur für
- 3:24seine höchste Leidenschaft und schreitet so als Geist über die
- 3:27Brücke. Ich liebe den Menschen, der aus
- 3:30seiner Tugend, seinen inneren Antrieb und sein Schicksal
- 3:33macht, er ist bereit, für seine Tugend zu leben oder auch für
- 3:38sie zu sterben. Ich liebe denjenigen, der nicht
- 3:41zu viele Tugenden auf einmal haben will.
- 3:44Eine einzige Tugend ist besser als 2, denn an einer einzigen
- 3:49Tugend hängt das Schicksal fester als an vielen.
- 3:52Es ist wie ein Knoten, an dem sich das Leben festhält.
- 3:55Ich liebe denjenigen, dessen Seele sich verschwendet, das ist
- 3:59jemand, der keinen Dank erwartet und auch selbst nichts
- 4:02zurückgibt, er schenkt immer zu und will sich nicht selbst
- 4:05bewahren oder schützen. Ich liebe den Menschen, der sich
- 4:08schämt, wenn er beim Würfelspiel Glück hat.
- 4:11Wenn er gewinnt, fragt er sich, bin ich ein falscher Spieler.
- 4:16Er schämt sich, weil er eigentlich nicht durch Glück
- 4:18gewinnen, sondern durch Anstrengung und Kampf zugrunde
- 4:21gehen will. Ich liebe denjenigen, der große
- 4:24Taten verspricht und dann noch mehr tut, als er versprochen
- 4:27hat, er wirft goldene Worte voraus und hält sie nicht nur,
- 4:31sondern übertrifft sie auch, er will seinen Untergang.
- 4:36Ich liebe denjenigen, der die zukünftigen Generationen
- 4:38rechtfertigt und die vergangenen Generationen erlöst.
- 4:42Er will dies tun, indem er an der Gegenwart und den heutigen
- 4:45Menschen zugrunde geht. Ich liebe denjenigen, der seinen
- 4:49Gott züchtigt, also kritisiert oder bestraft, weil er seinen
- 4:53Gott liebt, er muss an diesem Zorn seines Gottes zugrunde
- 4:57gehen, das zeigt eine Tiefe, aber schmerzhafte Verbindung zu
- 5:00seinen Idealen. Ich liebe den Menschen, dessen
- 5:03Seele tief verletzt werden kann. Auch ein kleines Erlebnis kann
- 5:07ihn schon zugrunde richten. Ein solcher Mensch geht gerne
- 5:11über die Brücke, weil er empfindsam ist.
- 5:14Ich liebe denjenigen, dessen Seele so übervoll ist, dass er
- 5:17sich selbst vergisst. Alle Dinge sind in ihm
- 5:20enthalten, weil er alles in sich aufnimmt und sich selbst
- 5:23vergisst. Werden diese Dinge zu seinem
- 5:26Untergang? Ich liebe den Menschen, der
- 5:28einen freien Geist und ein freies Herz hat, bei ihm ist der
- 5:32Verstand also der Kopf. Nur das Eingeweide seines
- 5:36Herzens. Das Herz ist das wichtigste und
- 5:39dieses Herz treibt ihn in den Untergang.
- 5:42Zarathustra fasst diese Menschen zusammen, ich liebe alle, die
- 5:45wie schwere Tropfen sind, diese Tropfen fallen einzeln aus der
- 5:49dunklen Wolke, die über den Menschen hängt, sie kündigen an,
- 5:52dass der Blitz kommt und sie gehen als Boten zugrunde.
- 5:57Zum Schluss dieses Unterkapitels sagt Zarathustra über sich
- 5:59selbst, seht her. Ich bin ein Bote des Blitzes und
- 6:03ein schwerer Tropfen aus der Wolke.
- 6:05Dieser Blitz aber, den ich Ankündige, heißt Übermensch.