Latest / Bundestalk - Der Politik-Podcast der taz / Pride Month im Rechtsruck
Transcript
- 0:00Lana Wittig: Die TATZ ist eine Zeitung in den allerbesten Händen, nämlich denen ihrer Leser*innen.
- 0:05Hallo, mein Name ist Lana Wittig und ich leite bei der TATZ die Genossenschaft.
- 0:10Denn die TATZ gehört seit jeher keinem Konzern, sondern mittlerweile über 23.000 Leser*innen
- 0:17und Lesern.
- 0:18Und wenn auch Sie Miteigentümer*innen einer wahrhaft unabhängigen Zeitung werden wollen,
- 0:23besuchen Sie uns für mehr Infos auf www.tats.de/genossenschaft.
- 0:46Bernd Pickert: Hallo, das ist der Bundestort der politische Podcast der TATZ.
- 0:50Wir sind mitten im Pride Month, dem Monat, wo queeres Leben in Deutschland aber weltweit
- 0:56noch sichtbarer auf die Straße drängt als sonst und aber auch in einer Zeit, in der sich
- 1:02dieses queere Leben, die Paraden, die CSDs, starker Angriffe ausgesetzt sehen, zum Teil
- 1:07aber auch dann mit starker Gegenwehr reagieren.
- 1:09Das haben wir gerade in Budapest gesehen, wo der Aufzug sogar verboten war von der Regierung
- 1:13Orbern und mehr Menschen denn je über 200.000 auf die Straße ging.
- 1:18Über all das, über Queerfeindlichkeit, aber auch antifeministischen Backlash als Mobilisierungspunkt
- 1:24der alten und neuen Rechten, über Gegenstrategien, was macht das mit der Gesellschaft, wie gehen
- 1:29wir selber damit um, wollen wir heute sprechen.
- 1:31Mein Name ist Bernd Spickert, ich bin aus der Auslandsredaktion der TATZ und bei mir sind
- 1:35Patricia Hecht: heute Patrizia Hecht, ich bin Redakteurin für Geschlechterpolitik der TATZ und berichte
- 1:40auch immer wieder über den geschlechterpolitischen Roadback und Antifeminismus.
- 1:45Stefan Hunglinger: Stefan Hunglinger, ich arbeite im Politikteam der Wochentatz und habe in den letzten Jahren
- 1:50mich auch immer wieder beteiligt an der Berichterstattung zu den CSDs.
- 1:54Gareth Joswig: Gart Joswig aus dem Parlamentsbruder TATZ, ich kümmer mich dort um die AfD und Rechtsextremismus
- 1:58im Inland auch.
- 1:59Jo, super schön, dass ihr da seid, heute auch mal wieder alle hier in diesem Fensterlosen,
- 2:03aber im Moment ganz angenehm, kühlen Raum hier in der TATZ.
- 2:06Gehen wir mal vom aktuellen aus, ich habe schon erwähnt, den großen CSD in Budapest
- 2:11ja natürlich ein bisschen weltweit Schlagzeilen auch gemacht hat, falls da eine riesen Solidaritätsfälle
- 2:15gerade nach dem Verbot von Orban gab.
- 2:19Gleichzeitig haben wir in der Bundesrepublik und der Podcast ist ja mal als Parlament-Podcast
- 2:23losgestartet vor einigen Jahren, haben wir dieses erstaunliche Erlebnis gehabt, dass sich
- 2:28die neue CDU-Bundestagspräsidentin Müller-Klöckner weigerte zum CSD die Rehmbogen-Pflanze zu
- 2:36hissen, sie hat das gemacht, muss man dazusagen, am Tag Internationalen Tag gegen Homophobie,
- 2:41aber jetzt kamen sie damit zu komischen Argumenten, das sei eine politische Demonstration, wenn
- 2:44man das macht, dann müsste man ja auch wegen religiöse Freiheit auch die Vatikanfahne
- 2:48aufhängen und verbot gleichzeitig auch der Rehmbogengruppe der Bundestagsverwaltung
- 2:52eine Teilnahme am CSD.
- 2:54Patricia, was machst du damit?
- 2:56Naja, man kann sich ja vielleicht diese ganzen Vorkommnisse nochmal so ein bisschen im
- 3:00Einzelnen angucken, also warum, glaube ich, die Budapest Pride auch so viel Aufmerksamkeit
- 3:06bekommen hat, ist unter anderem deswegen, weil Ungarn sich in den letzten 15 Jahren im
- 3:10Prinzip, also seit die Fittes-Party an der Macht ist, zu einem der wichtigsten staatlichen
- 3:15Player im Bereich Anti-Feminismus und Anti-Gender entwickelt hat, also Anti-Gender jetzt mal
- 3:20gedacht als so alles, was sich gegen LGBTIQ richtet, gegen Frauen, Menschenrechte in
- 3:27dem Bereich.
- 3:28Da muss man schon sagen, da fährt einfach eine Regierung eigene Anti-Gender-Programme,
- 3:33nutzt auch öffentliche Gelder dafür, urbanloyal NGOs mittlerweile, Medienplattformen und pumpt
- 3:39da irgendwie auch ordentlich Kohle für rein und urban hat ja dann selber auch versucht,
- 3:44die Pride zu verbieten, anlässlich von so einem Kinderschutzgesetz, was jungst verabschiedet
- 3:48wurde, das besagt, dass zum Beispiel Versammlungen eben mit dem Hinweis auf Kinderschutz auch
- 3:54verboten werden können, also sozusagen LGBTIQ sind eine Gefahr für Kinder und das wurde
- 3:59dann ja nur verhindert, weil der Budapester Bürgermeister gesagt hat, das ist eine städtische
- 4:03Veranstaltung.
- 4:04Da sind jetzt glaube ich auch Leute auf die Straße gegangen einmal, weil sich in den
- 4:08letzten Jahren und Jahrzehnten gesellschaftspolitisch doch was verändert hat, in eine progressive
- 4:13Richtung, weil es irgendwie eine deutliche Gesichtbarkeit gibt, aber eben auch um so
- 4:18ein Zeichen zu setzen gegen urbanen Politik, das sozusagen vielleicht so für diese ganze
- 4:22Budapest-Sache.
- 4:23Und das hängt ja insofern zusammen mit dem, was Julia Klöckner da macht, dass es eben
- 4:28einfach LGBTIQ-Rechte betrifft und interessant ist halt, dass sie das als Bundestagspräsidentin,
- 4:35das was du gerade beschrieben hast, während macht unter so einem Deckmantel von Neutralität.
- 4:39Also sie schiebt sozusagen vor, dass die Gruppe der Bundestagsverwaltung nicht als sichtbare
- 4:44Gruppe auf den Berliner CSD gehen darf, weil die Verwaltung eben der Neutralität verpflichtet
- 4:50sei und das ist halt ein sehr interessantes Verständnis von Neutralität.
- 4:54Also die Argument war dann zum Beispiel auch, dass, sonst müsste ja auch erlaubt werden,
- 4:58dass man auf eine Demo von Fridays for Future geht oder zum Beispiel Achtung auf den Marsch
- 5:02für das Leben und das spricht Bände, was sie da sozusagen auf derselben Ebene anspricht.
- 5:09Also der Marsch für das Leben ist eine fundamental klärikale Veranstaltung, der sich so explizit
- 5:15gegen Menschenrechte richtet und den zu vergleichen mit dem CSD ist schon eine Ansage und dann
- 5:21muss man halt auch sagen, Antidiskriminierung ist halt im Artikel 3 Grundgesetz verankert,
- 5:26also es gibt das allgemeine Gleichbehandlungsverbot und dann als Bundestagspräsidentin zu sagen,
- 5:30man ist der Neutralität verpflichtet, sie ist halt auch dem Grundgesetz verpflichtet.
- 5:34Also die Argumentation läuft ins Leere, würde ich sagen.
- 5:37Das ist schon ganz viele Punkte angesprochen, wo wir noch weiter in die Tiefe gehen wollen.
- 5:40Ich würde noch ganz kurz bei Orban erst mal bleiben nochmal, weil du hast gesagt, Patricia
- 5:45Orban so als einer Dänin, der so als Vorkämpfer ausgehend von der staatlichen Macht, die er
- 5:50ja so seit vielen Jahren hat, als Vorkämpfer für Anti-Gender hast du es genannt oder Anti-LGBTQ-Politik.
- 5:57Warum ist eigentlich dieses Genderthema oder auch LGBTQ Sichtbarkeit und Rechte ein solch
- 6:06dermaßener Mobilisierungsfaktor für rechte Politik, Stefan?
- 6:13Das hat ganz sicher verschiedene Ursachen, aber ein Aspekt davon ist glaube ich diese
- 6:19uralte Geschichte des Sündenbocks, es ist immer recht praktisch, gerade wenn man politisch
- 6:25anderweitig nicht so liefert, ein fiktives Problem ganz groß zu machen und sich über
- 6:30Wochen und Monate damit zu beschäftigen, damit Leute vielleicht auch die eigentliche Probleme
- 6:36eigentlich Problemlagen, was weiß ich, Wohnungspolitik, Ungerechtigkeit und so nicht so scharf in
- 6:43einem Blick nehmen und da eignet sich glaube ich LGBTI oder die queere Szena auch ideal
- 6:51als Sündenbock und dann spielen da verschiedene Aspekte glaube ich mit rein, ich glaube dass
- 6:57zum Beispiel Anti-Feminismus und Queerfeindlichkeit ganz stark verbunden sind, queere Menschen
- 7:03oder schwule Männer, queere Männer sind ja Männer quasi die sich verweiblichen aus der
- 7:11Sicht von Rechten, ich glaube es ist auch wahnsinnig gut anschlussfähig an breitere
- 7:19Schichten in der Bevölkerung, weil Vorurteile sind sehr weit verbreitet, weit über die
- 7:26rechtsextreme oder organisierte Rechte hinaus und dann ist halt die Frage, ob Politik diese
- 7:32Vorurteile bestätigt, verstärkt, zuspitzt noch oder mit Akten der Solidarität oder zumindest
- 7:40eine Entspannungsrhetorik darauf reagiert.
- 7:43Ja, ich finde da hat Stefan Vollkommen recht, also im Grunde Anti-Feminismus ist ein Kern-Element
- 7:48und glaube ich auch unterschätztes Element faschistischer Ideologie, es geht bei rechten
- 7:53Ideologien ja häufig darum den Fortbestand des bedrohten Volkes und da sind Frauenkörper
- 7:58häufig denn die Verfügungmaße für den Fortbestand des Volkes sozusagen zugespitzt
- 8:02gesagt und genau wie Stefan sagt es ist halt ein großer Resonanzraum bis weit in konservative
- 8:08Kreise hinein, also es ist so ein sogenanntes Scharnierthema mit dem man breitere Bevölkerungschichten
- 8:13abholen kann, ich glaube ein Drittel der Bevölkerung hat ja durchaus noch Vorurteile und Stereotype
- 8:18und all das findet halt zusammen in der Person dann wie Julia Klöckner in dem Moment wo
- 8:23sie sagt ne Regenbogenflacke müssen wir jetzt nicht machen.
- 8:26Ich meine Klöckner war es ja passenderweise auch die, die im Bundestagswahlkampf dieses
- 8:31Zitat rausgehauen hat, also für das was ihr wollt müsst ihr nicht die AfD wählen, dafür
- 8:35gibt es eine demokratische Alternative, die CDU, es hat sie danach dann wieder gelöscht
- 8:39aber da kommt im Grunde alles zusammen oder im Grunde erklärt es das warum jetzt Klöckner
- 8:44auch Kulturkampf macht, die will die Wähler in der AfD zurückgewinnen, aber gleichzeitig
- 8:49wird sie das wahrscheinlich auch so ähnlich sehen wie sie es sagt.
- 8:52Darf ich da vielleicht, also Julia Klöckner ich möchte berichten von zwei Begegnungen
- 8:57die ich hatte um diese Nachricht herum, dass es dieses Jahr eben keine Regenbogenfahne
- 9:02zum CSD geben wird auf dem Reichstagsgebäude und das eine ist ich war wenige Tage nach
- 9:08dem in Bad Freien Walde in Brandenburg eine Kundgebung, ein Fest angegriffen wurde von
- 9:14vermummten Nazis dort und habe mit verschiedenen Leuten in der Stadt gesprochen auch mit den
- 9:20Organisator*innen dieses Festes was gar kein CSD war, sondern schlichtweg ein kleines
- 9:25Stadtfest wo queere Menschen willkommen waren, aber auch die Omas gegen rechts präsent waren
- 9:31und eine Schulklasse hat da Kuchen verkauft und ein buntes Stadtfest was angegriffen wurde.
- 9:38Am Tag danach kam diese Nachricht, dass Julia Klöckner nicht mehr die Regenbogenfahne
- 9:43hissen möchte und das war ein ganz verheerendes Zeichen für diese Leute die am Tag zuvor
- 9:50angegriffen wurden, dass jetzt auch quasi an der Spitze des Staates alles was für Vielfalt
- 9:56und Bunteil steht erstmal schon im vorausseilenen Gehorsam irgendwie eingerollt wird so zudem
- 10:02hat da im Unterschied zum Beispiel zu Budapest der Bürgermeister sich noch nicht mal nach
- 10:07dem Angriff auf dem Marktplatz gezeigt, hat sich eben nicht an die Seite der angegriffen
- 10:13Bestellte nicht solidarisch gezahlt und die zweite Begegnung ganz kurz vielleicht war
- 10:18mit einem Bekannten von mir der als schwuler Mann den ersten Teil seines Berufslebens in
- 10:25der Bundeswehr verbracht hat und den zweiten Teil seines Berufslebens jetzt im Staatsdienst
- 10:30verbringt und er also wirklich im Innersten erschüttert war durch dieses Signal der
- 10:36Bundestagspräsidentin, zudem das haben wir glaube ich noch gar nicht erwähnt der auch
- 10:41das Bundestagspräsidium entschieden, dass das Regenbogen Netzwerk also einen Zusammenschluss
- 10:46von queeren Mitarbeitenden der Bundestagsverwaltung nicht mehr zusammen auf den CSD in Berlin
- 10:53gehen darf und diese Signale hat diesen wie gesagt man der immer unter der Spannung
- 10:57liegt zwischen seiner Beschäftigung im Staatsdienst und seiner Queerness wirklich sehr getroffen.
- 11:04Ich würde gerne auf diese Angriffe auf CSDs eingehen aber vorher noch mal eine andere
- 11:09Frage stellen.
- 11:10Wir haben oder ihr habt so ein bisschen angedeutet dass Stefan Duhaß gesagt so Sündenbock Funktionen
- 11:17wenn ein Staat sonst nicht liefert aber da wird was sichtbar was vorher nicht sichtbar
- 11:21war dann ist das vielleicht schuld.
- 11:22Ich kann mich erinnern es gab in den USA auch schon nach der Wahlniederlage von Harry
- 11:27Clinton gegen Donald Trump gab es die Diskussion ob die Demokraten nicht nur sich nicht zu stark
- 11:34von ihrem, na ja ähnlich wie die Sozialdemokratie hier eigentlich in den 90er Jahren im Jahrzehnten
- 11:39des Neoliberalismus von ihrer Kernklientel also der arbeitenden Bevölkerung der lohnarbeitenden
- 11:45Bevölkerung verabschiedet haben staatliche Funktionen aus diesem Bereich soziale Sicherung
- 11:50immer weiter zurückgedrängt haben und gleichzeitig aber die 90er Jahr ein Jahr waren wo in Sachen
- 11:55Gleichstellungs gesetzlicher aber auch Sichtbarkeit nicht nur von Frauen sondern eben auch da schon
- 12:01von früheren Personen von unsexuellen Personen Paaren es gab Gleichstellungsgesetze es gab
- 12:07erste Ehe Gesetze und so weiter weltweit ohne mich viel passiert ist was denn von manchen
- 12:11zusammengebracht wurde ok das eine was mein traditionelles Lebensmodell auch und Arbeitsmodell
- 12:17beeinflusst wird zurückgedrängt und immer weniger gesehen gleichzeitig kommt dieses
- 12:22damals noch sehr städtische Lebensgefühl hoch mit dem ich eigentlich überhaupt nichts
- 12:26anfangen kann da gibt es doch einen Zusammenhang da bin ich dagegen ist das das narrativ was
- 12:31bis heute verfängt und wo das was gar nicht vorhin gesagt hat also diese völkische Ideologie
- 12:38erhalt das Volkskörpers dazu braucht man die frau als Reproduktionsorgan eigentlich
- 12:42nur aufsetzen kann oder ist das wo ist es ist es eine Ideologie die aufsetzt auf dem
- 12:46Gefühl von verdrängt werden oder ist es eine Ideologie die sowieso schon immer da ist und
- 12:51die nur neue neues Puder kriegt also ich glaube was was vielleicht ein punkt daran sein kann
- 12:58an dieser ganze frage von wie sichtbar ist man wie viel raum nimmt man ein ist dass es an vielen
- 13:04stellen auch um verteilungskämpfe geht also wenn man sich die deute debatte anschaut zum
- 13:09beispiel bei dieser schrecklichen debatte darum ob zum beispiel transfrauen in frauenhäuser dürfen
- 13:15oder nicht ist das letzten endes auch eine frage von von raume einfach von platzen und ich würde halt
- 13:20immer sagen die konsequenz daraus ist natürlich nicht zum beispiel transfrauen den platz im
- 13:25frauenhaus zu verweigern sondern es muss halt eine forderung sein nach mehr raum für alle und
- 13:29genügend raum für alle deswegen also ja ich kann mir schon vorstellen dass das sozusagen dieses
- 13:34mehr sichtbarkeit eben auch deutlicher macht dass es da um verteilungskämpfe geht aber letzten
- 13:40endes würde ich sagen dass das eigentliche problem ist halt dass dann eine so in dem fall
- 13:46queere feindlichkeit einfach immer noch ein eminenter teil von gesellschaft ist und wenn man
- 13:50denen leuten die schuld zuschiebt ist es eine täter opfer umkehr und letzten endes aus ein
- 13:55bisschen eine bankrott erklärung für eine freie gesellschaft also da würde ich irgendwie schon
- 13:59sagen dann muss man irgendwie an sozusagen dieses bildraden was da einfach immer noch in offensichtlich
- 14:05großen teilen von gesellschaft verfängt und die frage wo das her kommt als würde ich auch sagen
- 14:09das ist uralt das ist irgendwie wie alt ist rechte politik wie alt ist irgendwie nationalistische
- 14:13und bevölkerungspolitik also mit sicherheit ein paar jahrhunderte da kann man irgendwie historisch
- 14:17einfach zurückgehen und schauen wo das herkommt also da ja glaube ich da gibt es viele verschiedene
- 14:23strenger die man irgendwie an der stelle anschauen kann ja also absolut zustimmen patrizier und es
- 14:30verdreht so dem blick es ist ein ablenkungsmanöver im grunde also was ja wirklich bei jetzt auch
- 14:36im höhenflug der afd auffällig ist dass der zeitpunkt nämlich das war zu dem zeitpunkt als
- 14:41die inflation hochging als abstiegsängste hochging und dass diese ökonomischen gleichheitsfragen
- 14:48eigentlich über Jahrzehnte vernachlässigt wurden oder über viele viele jahre von auch
- 14:53sozialdemokratischen parteien ist glaube ich oder das ergebnis davon sehen wir halt bei
- 14:57abstiegsängsten und aber auch zustimmung der afd also zum teil erklärt sich das sicher auch so
- 15:02und genau und dann kommt zusammen glaube ich zusammen mit so sindenbock geschichten vielleicht
- 15:08können wir wirklich einmal auch historisch gucken also man spricht ja in deutschland irgendwie von
- 15:12drei phasen oder drei bewegungen der homosexuellen oder quieren emancipation so und die erste war
- 15:19ja wirklich in den 19 zehn an 19 20er jahren magnus herrschfeld ganz großer vorbereiter der
- 15:27emancipation natürlich ein lieblings feind der nazis schon damals als jude als homosexueller was
- 15:37er getan hat war ja im grunde dem uralten narrativ wie du sagst patrizia ist ja wirklich
- 15:43das christentum befeuert durch die monotheistischen religon befeuert homosexualität quiernes geschlechter
- 15:49abweichungen die abwertung der frau religiös begründet hat dem gegenüber hat herrschfeld und
- 15:57dann segmund freut auch zu der zeit wenn auch ein bisschen anders versucht das medizinische rüber
- 16:04zu ziehen und zu sagen guck mal das sind erstmal nicht leute die sündig sind oder bestraft gehören
- 16:09sondern denen man empathie entgegen bringen soll und behandlung entgegen bringen soll und die nazis
- 16:16haben seine institut für sexual wissenschaft das hier sehr einflussreich war in berlin da zum
- 16:23beispiel mit der polizei ausgehandelt dass trans menschen damals schon kleinen ausweis
- 16:27bekommen haben und so geschützt waren vor vor dem zukünft der polizei die berliner polizei hat
- 16:34es akzeptiert die nazis haben all das zerstört herrschfeld musste auswandern sich freut musste
- 16:39auswandern all diese progressiven auch der sozialdemokratie verbundenen ärzte mussten emigrieren
- 16:46oder sind ermordet worden und in den usa haben ihre nachfolger nicht diese linie unbedingt weiter
- 16:52geführt in der psychiatrie in der medizin sondern haben auch wiederum aus einem christlichen geist
- 16:58behandlung ganz anders verstanden haben elektrisch auks eingesetzt et cetera und dieses medizinische
- 17:05paradigma im negativen sinne von konversion und so weiter das ist ja bis vor wenigen jahrzehnten
- 17:13präsent gewesen also die idee dass man quasi homosexuell sein als krankheit betrachtet die
- 17:19man auch behandeln könnte und das den Leuten quasi austreiben könnte genauso in deutschland zum
- 17:25beispiel erst 1992 ist man davon abgekommen wirklich als medizinische leitlinie homosexuellität
- 17:33als behandlungsbedürftig zu verstehen so also ich glaube das ist schon das was sich jetzt natürlich
- 17:40was bewusst auch politisch verstärkt wird hat einfach sehr sehr tiefe wurzeln historisch ich
- 17:48glaube was mir auch noch mal wichtig wäre zu erwähnen ist dass dieser rollback in wir global
- 17:52im prinzip wahrnehmen neben vielen was auch jetzt jahrzehntelanger kämpft worden ist darf man auch
- 17:57nicht vergessen ist ja auch geht ja auch immer viel voran jetzt zum beispiel in sachen schwangerschafts
- 18:00abbrühe jungst uk in liberalisierung und so aber dieser rollback passiert auch nicht zufällig
- 18:06also das ist nicht irgendwie das sind nicht einzelne versprengte leute sondern das kann
- 18:09man mittlerweile genau belegen das ist ein international nicht zentral gesteuerte aber
- 18:15schon einfach in form und inhalt konzertierter rollback ist also man kann so ein bisschen
- 18:21glamourös einsteigen zum beispiel es gibt viele artliche die da oder sagen mal leute die aus
- 18:26früheren adelsfamilien stammen die da eine größere rolle spielen also in deutschland ist es zum
- 18:30beispiel gloria von turen und taxis die in vermögen hat das auf rund drei milliarden euro
- 18:34geschätzt wird und wenn man sich jetzt fragt was sie mit der antigender mobilisierung zu tun hat
- 18:39dann muss man sagen sie hat halt politisch auch einschlägige überzeugung also macht zum
- 18:42beispiel mobil gegen schwangerschafts abbrüche hat sich auch schon mal als mort bezeichnet und
- 18:46auch gegen zum beispiel gleichgeschlechtliche ehe und um einmal nachzuzeichnen was das jetzt
- 18:51bedeutet in sachen internationales netzwerk also sie hat auch 2023 ein spendendinner für
- 18:57hans georg maßen gegeben gegen den es damals schon ein partei ausschlussverfahren gelaufen wegen
- 19:02rechtsextremer äußerung in der cdu international hat sie verbindungen zu stief bennon ehemals
- 19:07chefberater von trump und immer noch einer der der einflussreichsten köpfe der maga bewegung
- 19:13und Samuel alito also der ultrakonservative richte am us supreme court die ja wiederum
- 19:19das recht auf schwangerschaftsabbruch gekippt haben und neben gloria von turen und taxis gibt's
- 19:23dutzende internationale deutsche und internationale erzheherzuge gräfin prinsen mit eben sehr
- 19:31guten kontakten in diese antifeministische szene und so ein kleiner europäischer progressiver
- 19:37think tank namens epf das sind so parlamentarierinnen aus europa die haben sich angeschaut werden
- 19:43neben diesen aristokraten dann noch so rum schwimmt in dieser szene das sind religiöse
- 19:48extremistinnen extremrechte populistinnen und oligarchen und die sagen dieser antifeministischen
- 19:54globalen szene geht es momentan darum jahrzehnte von hart erkämpften sexuellen und reproduktiven
- 19:59rechten in ganz europa zu demontieren über gut ausfinanzierte medien eigens gegründet social
- 20:06media stiftung think tanks lobbyismus und strategische prozessführung die zum beispiel
- 20:12letzten endes dazu geführt hat dass eben in usa ist recht auf schwangerschaftsabbruch
- 20:16gekippt wurde und man kann das auch in deutschland sich anschauen also was das bedeutet jetzt
- 20:20gab hier zum beispiel in den letzten jahren immer wieder so genannte mahnwachen vor gynäkologischen
- 20:25praxen wo leute da standen und bilder von zerstückelten fürten hochgehalten haben und das war also
- 20:30war Deutschland zum beispiel münchen fortsheim und es gab es auch einfach in anderen europäischen
- 20:35ländern und die organisation die da maßgeblich dahinterstand war 40 days for life das eine
- 20:40internationale organisation die halt geschaut hat was sie in den jeweiligen ländern machen kann
- 20:4413 europäischen ländern zum beispiel wurden so genannte des informationssysteme aufgebaut also
- 20:51damit frauen in schwangerschaft konfliktsituationen nicht zu staatlichen zum beispiel beratungsstellen
- 20:56gehen und sich den schein holen sondern in so genannte krisenzentren gehen oder hotlines
- 21:00wo sie dann eben davon abgehalten werden die schwangerschaft abzubrechen und die organisation
- 21:05die dahinter steht ist hard beat international und so gibt es eben auch konzertierte aktionen um eben
- 21:10prides oder jetzt wie eine freien walde oder so das muss nicht immer alles die eine organisation
- 21:16sein sowas macht ja dann auch schule aber es gibt eben einfach diese großen organisationen die
- 21:19auch dahinter stehen und das das epf also dieser kleine tank tank schreibt das zwischen 2019 und
- 21:262023 mittel in höhe von fast 1,2 milliarden dollar aufgebracht wurden von 275 organisationen
- 21:34solcher antigender organisationen die in europa an antigender initiativen beteiligt waren also
- 21:40das ist schon echt eine hausnummer das ist nicht irgendwie mal hier und da irgendeine
- 21:44kleine veranstaltung oder so sondern das ist einfach über große organisationen ist strategische
- 21:50prozessführung ordentlich was erreicht nimmt das übrigens gerade alles viel zu schnell ging
- 21:54kann er wieder zurückspunten sich nochmal anhören oder aber nachlesen patriz hat das nämlich alles
- 21:58in der tatsache aufgeschrieben den link zu dem text machen wenn die schon nur zu rein von diesem
- 22:03podcast ich wollte aber noch mal nachhaken weil das ja vieles beschrieben was eigentlich gerade
- 22:08wenn es um dieses sogenannte lebensgeschütze geht also sprich an die klassisches an die abtreibung
- 22:13sorgfers ist schon immer gibt vor allem aus christlichen kreisen oder so genannt christlichen
- 22:18kreisen man deswegen aber das ist nicht unbedingt das gleiche wie diese art von neu propagierte
- 22:25auch durchaus toxischer männlichkeit und diese männlichkeitsbegriff den der der wieder so als
- 22:31waria als also würde petex jetzt sagen der us verteidigungsminister der als die ersten
- 22:37aktionen erst mal die eilprogramme also diversity equity and inclusion programmer im militär
- 22:43gestoppte trans menschen aus dem militär wieder ausschließen will muss man glaube ich noch sagen
- 22:48weil es ist noch in dem rechtlichen prozess und ob er das darf und aber gar einen ganz starken
- 22:53rück wiederum wenn bäckler schmacht rückbeziehung auf klassische männlichkeitsbilder und dann sehe
- 23:00ich halt wie ein donald trump sich mit denna white befreundet dem chef der ufc der ultimate fighting
- 23:05wie heißt das kompetition company also diese mix martial arts kirchlich kämpferorganisation
- 23:11jedenfalls waren er nicht populär donald trump geht dahin er ist mit ihm befreundet drogen der
- 23:16chef kommentator beider ufc und einer der oder der einflussreichste podcaster verkörpert dieses
- 23:22bild von männlichkeit von kämpfer von star von körperlicher starke im grund so ein redneck
- 23:28der gut reden kann in diesem falle wie geht das zusammen sind das neue allianzen das was
- 23:33du beschrieben hast also dieses kirchlich konservative antiabtreibungs religiös motivierte
- 23:39auch meinstwegen antiabtreibungsnetzwerk mit aktören dieser neuen männlichkeit vielleicht
- 23:44dann sogar in eines anderes zehn noch mal rein inzelszene ähnliche netzgehalten guckst
- 23:49dir das wird schon ziemlich lange an also ich würde sagen das spielte auf jeden fall mit
- 23:52rein solche bilder die da reproduziert werden von von so ich meine die podcast ist ja super
- 23:57reichweiten stark auch in den usr und hat trump ja prominent gefeatured und aber auch in deutschland
- 24:03kann man das sehen also dieser tiktok clip von maximilian krah echte Männer sind rechts dann
- 24:08klappt es auch mit der freundin so zugespitzt ging ja auch viral und hat für irgendwie oder
- 24:14die auswirkung davon sehen wir im grunde in einer sehr umtriebigen mobilisierten jungen
- 24:19neonazis szenen die in großen teilen auch männlich ist also sind auch vorhin dabei aber so die
- 24:25letzten es gab ja sogar antiterror einsätze gegen die letzte verteidigungswelle so nannte
- 24:30sich die gruppe die auch schon anschläge begangen haben es gab diese 700 neonazis in bautzen die
- 24:352024 da den cst attackiert haben und die orientieren sich natürlich an männlichkeitsbildern die in
- 24:42diese völkische Ideologie hineinpassen, würde ich sagen, und ich glaube durch Social Media
- 24:47kommt halt vieles zueinander. Und in einer Partei wie der AfD, da findet man halt beides,
- 24:53also da findet man Beatrix von Storch, die in antifeministischen Kreisen gut verknüpft ist
- 24:58und auch adelig ist. Und in katholischen Kreisen auch vernetzt ist. Und dann halt diese Meme-Kultur,
- 25:05die das so ein bisschen für junge Rechte oder für junge Menschen anschlussfähig macht. Ganz
- 25:11berühmt ist ja auch dieses eine Meme mit der klassischen normalen Kleinfamilie, mit dem schwarzen
- 25:16Regenschirm und dann kommt wie von oben bedrohlich so einen Regenbogen runter und dieser Regenschirm,
- 25:21der schwarz war, also die jede runde normative Kleinfamilie, schützt sie vor den...
- 25:26Schützt vom Regenbogen, dass es so selbst entlagte.
- 25:28Ja, genau. Das sieht erst mal komplett absurd aus, aber irgendwie scheint es auch zu verfangen
- 25:33ein bisschen. Und ich meine, es ist in der Rechten immer viel Projektion. Also Höcker zum Beispiel,
- 25:37da zum Beispiel auch vom Regenbogen-Imperium, das vor einigen Jahren noch aus den USA dominiert
- 25:42wurde und dass die Nation durch Massen-Einwanderung schwächen wolle. Da kommen viele Sachen zusammen.
- 25:49Das ist auch so ein Stück weit ein Mosaik aus Ideologie-Versatzstücken, aber am Ende wird
- 25:56eben so eine äußere Bedrohung imaginiert, gegen die es vorzugehen gilt. Und es ist ähnlich
- 26:02auch bei diesem Gender-Thema. Es ist natürlich auch so, dass es einfach von der AfD sehr groß
- 26:08gemacht wird. Also geschlechtergerechte Sprache könnte man sich ja auch gesellschaftlich
- 26:12darauf einigen, die dies verwenden wollen, verwenden es erst mal. Die dies nicht wollen,
- 26:16machen es nicht. So läuft es ja eigentlich auch in der Öffentlichkeit und im normalen
- 26:20Diskurs. Macht man es halt oder macht man es nicht? Aber diese Verbote gab es halt zuerst in Thüringen,
- 26:25wo die CDU von der AfD getrieben wurde, dann behördlich, was dagegen zu unternehmen,
- 26:30als Verbotspartei, muss man sagen. Also das hat ja sogar ein bisschen Schule gemacht und
- 26:35verschiedene CDU-Ländern wird jetzt gender-sensibles Sprache verboten, obwohl das niemandem weh tut.
- 26:40Da wird so ein Popanz auch gebaut, der dann immer weiter demoliert wird und der dann als
- 26:44Folie gilt für Ablehnung. Karin Prien, die neuer Bildungsfrauen und Familienministerium hat
- 26:51innerhalb ihres Ministeriums auch gerade verboten, dass Gender-Sternchen und BNE genutzt werden.
- 26:56Und ich wollte noch kurz ergänzen, Garret. Ein Problem an diesem Männlichkeitsbild ist ja auch,
- 27:01dass das im extremen dann in zum Beispiel solchen Terroranschlägen wie Halle und Christchurch endet.
- 27:06Da verquickt sich dann so dieses antifeministische und rassistische und ademuslimische und extrem
- 27:12toxische Männlichkeitsbild. Also die hatten quasi alle in ihren Erklärungen drin, das Geburtenraten,
- 27:18Schwangerschaftsabbrüche, das große Problem sind und haben diese wehrhafte Männlichkeit über die
- 27:22Höcke ja auch viel gesprochen hat, total verinnerlicht. Wir werden ja gleich noch mehr über
- 27:27Rechte sprechen, aber ich glaube, was Männlichkeit angeht, muss man auch in die Linke gucken und
- 27:32auch in die Quere ins Quere-Spektrum. Weil wir müssen auch solche Leute erklären wie Richard
- 27:39Grinnell, ex US-Botschafter in Deutschland, jetzt wieder in Oberfunktion in der Trump-Regierung.
- 27:46Wir müssen so Leute erklären wie Jen Spahn, der da auch eigenartig agiert, als offenschwuler Mann.
- 27:52Weidel. Wir müssen Alice Weidel erklären, die als Lesber an der Spitze der AfD steht so.
- 27:58Und vielleicht darf ich da noch einmal kurz historisch werden. Es gab 1973 in Berlin den
- 28:05Tundenstreit und ich finde an dem lässt sich viel verstehen. Damals hat nämlich die homosexuelle
- 28:09Aktion Westberlin, also wir sind jetzt nicht mehr in der ersten Phase der Emanzipationsbewegung,
- 28:14sondern in der zweiten. In den 70er Jahren homosexuelle Aktion Westberlin machten
- 28:20internationales Treffen in Berlin und da kommen ganz viele und am Schluss so eine Kundgebung
- 28:26stehen und es kommt zum Tundenstreit. Warum? Weil französische und spanische und italienische
- 28:34Schwule, die angereist waren, in Fummel, also in Frauenkleidern auf diese Demo gegangen sind.
- 28:41Man kennt das von Dragqueens, so wollten die mitlaufen. Und die linken Schwulen in Berlin haben
- 28:48gesagt so nicht. Wir verprällen die Arbeiter, die sich ja uns eigentlich anschließen sollen.
- 28:54Und ich finde, also das erklärt uns einiges über diese Verteilungsfragen versus Quereemanzipation,
- 29:01aber ich finde, das ist auch so ein bisschen der Kurs, den Rechte innerhalb des Queren-Spektrums
- 29:08fahren. Das ist ja alles in Ordnung, solange das irgendwie anständig aussieht und womöglich
- 29:16einfach im Schlafzimmer bleibt oder eben zu Hause eben bleibt. Aber warum muss man denn das so
- 29:22vor sich ertragen und so? Und also das ist ein Phänomen, das sich, das wir, glaube ich, an vielen
- 29:29Fronten sehen, eben nicht nur an der ganz rechtsaußen, sondern auch in Unterleuten, mit denen wir zu
- 29:37tun haben und so, dass das eine ja ist, dass Leute so leben können, wie sie möchten, aber muss das
- 29:44denn so sichtbar sein oder muss das so nackt daherkommen bei den CSDS oder, oder, oder. Da gibt es
- 29:50einfach große Einschränkungen dessen, was irgendwie tolerierbar scheint im öffentlichen Raum.
- 29:56Fütter, kann es ein bisschen später noch mal drauf kommen auf diese Frage? Wie weit, also es
- 30:01gibt ja auch die These des Querebewegungen mit ihrem Wunsch nach Sichtbarkeit, andere so sehr
- 30:06belästigen Anführungszeichen, dass dann irgendwann sagen, also können Sie sich mit Ihren
- 30:10Befindlichkeiten nicht mal zurückhalten, was habe ich damit zu tun, ständig damit belästigt werden,
- 30:14sich ständig brunnen lernen und sonst was, bitte macht was ihr wollt, aber lasst mich damit in
- 30:18Frieden. Kommen wir gerne später zu kommen, weil das auch eine Frage mal für den Umgang auch der
- 30:22Medien mit diesen Fragen war, auch für die Tatsche, kann ich mich erinnern, dass wir lange
- 30:26solche Debatten auch hatten, haben wir zu viel Queres, zu wenig Queres, zu viel, so. Ich würde gerne
- 30:31noch einmal kurz zurück, trotzdem auf diese Männigkeitsfrage, weil das so eine, so eine, so eine,
- 30:35vielleicht auch ja, Kränkung durch ein anderes gelebtes, gezeigtes Männlichkeitsbild. Daher kommen
- 30:42kann, die sich dann vielleicht auch an Akkrisivität ausschlägt, sprichte auch für eine Krise dessen,
- 30:46was vorher da war. Die Krise ist wahrscheinlich in unterschiedlichen Kreisen auch, das stelle ich
- 30:51rein anekdotisch, bin 1965 geboren, als ich so in Pubertät kam und so weiter, das war so eine,
- 30:56die Welle der Allig-Schwarzer Feminismus, Allig-Schwarzer Feminismus, noch sehr stark auch unter
- 31:00jungen Frauen meiner, man ist gleich ein Alter, so in '15, '16, '17, Pornokampagne und all, so etwas.
- 31:06Und das war gar nicht so einfach, da ein Männerbild zu entwickeln in der sich entwickelnden
- 31:11Sexualität auch, was irgendwie da so passt, ja. Und das ist ja auch immer wieder sich ein
- 31:18Widersprücher, verweckerte sowohl die Männer, wie die Frauen, ehrlich gesagt, aber diese Verunsicherung
- 31:22darüber, man wollte oder wusste, man kann nicht mehr so sein, wie es einem der eigene Vater mal
- 31:27vorgelebt hat, aber wie man denn eigentlich sein kann, erfolgreich, war auch nicht so richtig klar.
- 31:31Und mein Eindruck ist, dass heute zwar unter veränderten Umständen, aber eigentlich das Gleiche
- 31:36immer noch ist, nur anders vielleicht, weil vielleicht hat man heute einen Vater, der selber
- 31:41vielleicht Kinderwahn geschoben hat und ganz der neue Mann sein wollte und will aber so auch nicht
- 31:45sein. Aber wie seht ihr das? Vielleicht ein bisschen kühlenpsologisch, das kann sein, aber da habt
- 31:49ihr den Eindruck, da ist was dran, was ich sage, das ist für dir Quatsch, also als Problembeschreibung.
- 31:54Also ich weiß, ich war nicht dabei, aber soweit ich weiß, gab es ja zu der Zeit auch schon
- 31:59explizit Gruppen von Männern, die sich zusammen getan haben, um sich diese Frage zu stellen und so.
- 32:05Also es gibt ja auch in, es gibt ja jetzt auch Wege da, diese Fragen zu warnen und so jenseits dessen,
- 32:11dass ich mich vermumme und irgendwas angreife. Ja. Also meine Gegenfrage wäre so ein bisschen,
- 32:17wann war Männlichkeit je nicht in der Krise irgendwie, also seit der Artikel quasi und von Frauen wird
- 32:23irgendwie erwartet, im Patriarchat klarzukommen oder es zu überwinden oder so und darüber wird so
- 32:27am Rande gesprochen und also jetzt sei mal so ein bisschen populistisch kommt klar. Das ist
- 32:34irgendwie beschäftigt euch mit euch, gründet von mir aus wieder Männergruppen wäre eine super Sache.
- 32:38Ich kenne momentan leider keine, aber finde ich total toll. Es ist nur einfach beschäftigt euch mit
- 32:44euch und mit den Lehrstellen, die es da irgendwie gibt in dem Geschlechterbild und mit der Frage
- 32:49nach toxischer Männlichkeit und Kehrarbeit und Lohnarbeit und Gleichstellung und so. Das ist
- 32:53alles was, womit sich auch wirklich gerne mal Männer auseinandersetzen könnten und nicht irgendwie,
- 32:57also es wäre schön, wenn es da nicht in Anschlägen enden würde, sondern einfach in
- 33:00der Auseinandersetzung damit was irgendwie eine progressive und immer ein sympathorische
- 33:03Männlichkeit sein kann. Ja, ich glaube, das können wir alle unterschreiben, oder? Ja, das war
- 33:11zustimmend gemeint. Also ich würde sagen, das kann man durch Vorleben in großem Teil machen,
- 33:17aber es wäre natürlich auch mal schön, wenn wir eigentlich einen Männertatz hätten,
- 33:19die sich solchen Fragen widmete. Also es gibt ja eine Frau und Tatz schon sehr lange und häufig,
- 33:26aber genau eine Männertatz, die sowas reflektiert wird, schon mal und glaube ich auch. Ja,
- 33:30Männer trauen sich das immer nicht, glaube ich. Darf ich vielleicht noch eins dazu? Ich finde,
- 33:34das ist halt immer, na klar, müssen wir das machen, aber ich finde, man kann halt Leute in
- 33:40politischer Verantwortung da nicht ganz rauslassen, weil was wird befördert? Also knüpft man
- 33:47an an diesen alten Scheiß und zieht man den ganz nach oben mit einem fetten Gehalt. Die haben
- 33:53sich jetzt auch gerade nochmal in der AfD tüchtig, die Vorsitzenden tüchtig das eigene Gehalt. Ich
- 33:58glaube, auf mittlerweile 30.000 Euro kriegen die. 24.000 habe ich gelesen, oder? Ja, und 5.000
- 34:05Euro abgeordneten Pauschale ja auch noch. Die Spesenpauschale? Ja, Spesenpauschale. Ich mein nur,
- 34:13klar, müssen wir alle in der Bevölkerung irgendwie klarkommen mit so, aber man kann diese
- 34:18Leute nicht ganz aus der Verantwortung dessen lassen wir sie mit ihrer Medienmacht, mit ihrer
- 34:23Macht einfach anstellen. Kommen wir nochmal zurück auf den Punkt, wo wir vorhin kurz waren, wo ich
- 34:28dann gesagt habe, machen wir später nochmal. Also diese Frage der Sichtbarkeit, auch das Umgangs
- 34:32mit der Medien auch damit. Ich kann mich erinnern, dass wir in der Tatz immer mal wieder so eine
- 34:37Phasen hatten, wo wir darüber gesprochen haben, welche Themen haben wir zu viel, welche haben wir
- 34:41zu wenig. Und dann gab es immer mal wieder auch von außen, auch von linken Leuten, die Kritik. Keine
- 34:46Ahnung, Behindertatransmann in Kolumbien kriegt eine ganze Seite, aber die normalen Probleme einer
- 34:50Kassiererin im Berlin-Wedding schreiben der keine Zeile, jetzt karikiert. Ist da was dran? Ich kann
- 34:55mir halt nicht vorstellen, dass die Kassiererin im Wedding deswegen die Tatz nicht liest, sondern
- 35:00vielleicht aus vielen anderen Gründen auch. Ach so, aber nicht die Fragestellung ehrlich gesagt,
- 35:06sondern unsere Appel und der Welt eigentlich und wo die Probleme der Welt liegen, richtig
- 35:10gewichtet ist. Innerhalb der Tatzmannsummen? Zum Beispiel, ja. Aber der Vorwurf geht ja an viele
- 35:17Medien, dass sie bestimmte Sachen sichtbar machen, bestimmte Phänomene. Es war auch der
- 35:21Vorwurf, der von rechts ging, dass jeder zweite Tatort beschäftigt sich mit Problemen von irgendwelchen
- 35:25non-binären Menschen etc. PP, was eine Zeit lang hatten. Na ja, man will immer uns so wählen,
- 35:30und und und. Also bestimmte Phänomene werden sehr sichtbar gemacht, aber die anderen sind nicht
- 35:34verschwunden in die anderen Probleme. Die werden sehr sichtbar gemacht und warum kommen die uns
- 35:39jetzt alle mit ihrem Scheiß? Gab's schon immer, wahrscheinlich, keine Ahnung, aber jetzt soll ich
- 35:44mich plötzlich damit beschäftigen, warum? Den Effekt kann ich nachvollziehen, dass wenn die plötzlich
- 35:48da sind, dann fällt das auf. Ja, aber die waren halt über Jahrzehnte im Tatort überhaupt nicht da,
- 35:54deswegen kann ich mir gut vorstellen, dass es zu diesem, erst mal zu einer Irritation kommt. Ob das
- 36:00jetzt nur negativ ist, wenn es die gibt, weiß ich nicht. Also Irritationen sind ja auch meistens
- 36:05ein Ausdruck von Fortschritt, also gehen einher mit einem Fortschritt bzw. erstmals wird dieser
- 36:11Platz auch gesellschaftlich beansprucht und wahrgenommen, und wer damit Probleme hat, meldet
- 36:15sich dann. Aber auch dieses Feld gab's ja, glaube ich, gibt's ganz krass in Videospielen, zum Beispiel,
- 36:21wo weibliche Hauptcharaktere waren. Das hat so bei ganz vielen Gamern, und das hat auch viel
- 36:26verraten über diese Gaming- und Inselkultur. Für erhebliche Irritationen gesorgt einfach nur,
- 36:31weil ein anderes Geschlecht repräsentiert war, und da reden wir noch nicht über Queer,
- 36:35das oder sowas. Auch das ist aber im Laufe der letzten Jahre halt normaler geworden,
- 36:40würde ich sagen. Und das ist auch ein Gradmesser für gesellschaftlichen Fortschritt, genau wie auch
- 36:45Konflikte mit Blick auf Migration. Ja, eine Zeit, als der Soziologe Aladin Al-Mafalani hatte ja gesagt,
- 36:52vor ein paar Jahren schon, dass es auch teilweise ein Gradmesser für Fortschritt ist. Aber na klar,
- 36:57also im Moment erleben wir dann da eher ein Backlash, aber jetzt gilt es halt eben in diesem Moment
- 37:03darum, das, was schon erreicht wurde, zu verteidigen. Also wenn Antifa-Gruppen nach Bautzen fahren,
- 37:10um da sich der CSD anzuschließen, ist natürlich genau die richtige Reaktion. Oder wenn in Falkensee
- 37:15die Stadtverordnung in Versammlung sich gegen den AfD-Antrag entscheidet, keine Ringbunkflagge
- 37:21auf dem Rathaus und sogar die CDU das ablehnt, anders als Julia Klöckner im Bundestag,
- 37:25dann ist es auch schon eine Menge wert, würde ich sagen. Genau, und ich würde vielleicht noch
- 37:30ergänzen, dass es, dass es ja ein Missverständnis wäre, zu denken, es hätte jene neutrale oder
- 37:36Objektive zum Beispiel Berichterstattung gegeben. Also mal vom Computerspielen ganz
- 37:40abgesehen oder so. Also es hatte Berichterstattung, hat immer eine Perspektive und die war halt
- 37:44lange zum Beispiel weiß und männlich. Und wie Stefan und Garit gerade schon gesagt haben,
- 37:49da gibt es jetzt halt andere Gruppen, die auch ihren Platz beanspruchen und natürlich sorgt es
- 37:54für Irritation. Und ich würde auch noch kurz anschließen, also ich finde auch, es muss absolut
- 38:00darum gehen, zu verteidigen, was wir bisher erreicht haben und gleichzeitig, das lösen
- 38:05wir jetzt hier nicht, aber gleichzeitig wäre es natürlich auch toll, an so einer progressiven
- 38:08Gegenerzählung wieder stärker zu arbeiten und nicht nur diese Abwehrkämpfe zu führen die
- 38:12ganze Zeit, sondern einfach zu wissen, wofür man es macht. Was mir jetzt gerade aufgefallen ist,
- 38:18ich bin selbst in die Falle getappt und habe gesagt, die Kaserin im Wedding würde nicht die
- 38:24Tatz lesen, aber wer sagt denn, dass die nicht Lesbis. Also das ist ja so ein komischer Gegensatz,
- 38:29den wir da auch immer wieder sehen und aufmachen und auch in der Tatz länglicher ausgewalzt haben.
- 38:34Aber besteht der denn wirklich? Also wer sagt, dass die Kaserin, die wenig Geld hat, nicht
- 38:40gleichzeitig auch Lesbis und Interesse daran hat, vielleicht mit ihrer Freundin oder Frau auch
- 38:45sicher zu sein in dieser Gesellschaft. Ich habe jetzt in Wittenberg, wo ja auch die Nazis
- 38:49aufmarschiert sind, dem CSD gegenüber, einen 85-Jährigen Leipziger getroffen, Fritz, der da
- 38:57stand mit ganz einem Bündelfähnchen in der Hand und dann habe ich ihn angesprochen. Und der ist
- 39:02halt in so einem Lederfetisch-Club in Leipzig seit Jahrzehnten irgendwie, hat ganz viele seiner
- 39:08Freunde, auch seine schwulen Freundeskreise verloren an AIDS und einfach des Alters wegen,
- 39:13er fährt jetzt mit einem Deutschlandticket von CSD zu CSD, damit er in Wochenenden nicht alleine
- 39:21ist und findet da Gemeinschaft. Und es ist auch ein ganz einfacher Mann, so. Darum, ja,
- 39:27die darf man dann auch nicht vergessen, die einfachen Leute, die vielleicht auch ein Interesse
- 39:33haben an Sicherheit für Quere. Okay, was der Gegensatz, den ich da aufgebaut habe, ist für
- 39:38die Homebook, okay. Ich bin selber reingetappt, aber wir sollten dem vielleicht auch ab und zu
- 39:43widerstehen. Denn vielleicht, wenn wir so langsam auch mal so in die Schlussgeschichte reingommen,
- 39:49was eben mehrmals angesprochen hat, ist ja auch dieses Wort Kulturkampf und die Beobachtung ist ja
- 39:55seit Jahren eigentlich, inzwischen, dass dieser Kulturkampf um Genderthemen, auch um gendergerechte
- 40:00Sprache, um das Gendersternchen, Partizie als erwähnt vorhin auch vor allem von rechts geführt
- 40:05wird. Also irgendeine Linken Abgeordnete hat das in der Bundestagsrede mal gesagt, der Gender waren,
- 40:10der AfD kann das mal aufhören, weil die einen Antrag nach dem nächsten zu diesem Thema immer
- 40:15widerstehend als einzige Fraktion auch. Alle anderen sind da relativ gelassen, machen es ähnlich,
- 40:20wie ihr beschrieben habt, verwenden es oder nicht. Aber ich kann mir nicht sagen, es gab, glaube ich,
- 40:25ein einziges Mal eine Verwaltung, die es wirklich vorgeschrieben hat. Und das war in Berlin unter
- 40:30der ersten rot-grünen Berliner Regierung 1989 oder so lustigerweise vom Innensenator, der dann die
- 40:37Verwendung des damals noch großen, also des Binnenis tatsächlich vorschrieb. Und das hielt aber auch
- 40:42nicht lange dieses, dieses, das gab durchaus Ärger ein bisschen, weil das dauernd hat,
- 40:46weil Verwaltungen können sich eine oder andere damit nicht so anfroren. Und wir machen es ja
- 40:50an der Tat zu übrigens auch so, weil immer wieder Leute fragen doch, jeder Autor, jeder Autor,
- 40:54und wir uns kann selber entscheiden, wie es gehandhabt werden soll. Und wenn ich aus Redakteuren
- 40:59Text kriege, dann will ich das so umsetzen, wie der beschrieben ist. Dann einheitlich bitte und
- 41:04nicht unterschiedlich, aber wir da rein noch raus religieren ansonsten. Manche mischen auch
- 41:08für Irritation, für gewollte Irritation. Ich mische auch manchmal ganz gerne. Also zum Beispiel auch,
- 41:13wenn ich über, sagen wir mal, Funis schreibe, dann verwende ich an der Stelle eigentlich kein
- 41:17Tendersternchen, weil sie es selber nicht verwenden würden, sondern bin ich. Ich finde auch,
- 41:21finde das eigentlich ganz schön, also Sprache auch lebendig zu halten und für Irritation zu
- 41:25sagen. Aber ich diskutiere auch, also so viele Leserbriefe, wie ich zu Gendern bekomme und
- 41:31die Debatten, die ich in der Tat zum Gendern führe, die passen wirklich auch auf keine
- 41:34Kuhhaut. Ja, es ist so komisch, weil eigentlich, also ich habe das immer so verstanden schon des
- 41:38Binnen, die damals einerseits, ja, die Suche nach der Präzision in der Sprache, also das,
- 41:42wenn man Männer und Frauen meint, damals ging es um Männer und Frauen, dann muss man die Frauen
- 41:46finden, das auch zu machen. Und andererseits aber auch als Stolperstein eigentlich, als
- 41:50sprachlichen Stolperstein, um es bewusst zu machen, so. Und das Bewusstsein ist so sehr
- 41:54gestiegen, dass egal, wo du hinkommst, also wenn ich in Brandenburg bin und wenn wir machen,
- 41:57irgendwie ein Plakat von den Gendernsternchen drauf kommen, vorkommen egal, was da anonsten auf
- 42:01dem Plakat steht, aber da sind die Leute sofort genervt worden. Das ist natürlich schon krass,
- 42:05wo ich mich dann auch frage, ist das eine funktionierende Strategie, darauf zu beharren? So auf
- 42:10dieser Sprachdruck, du guckst schon so Patrizia da. Nein, ja, ich weiß aber gar nicht, wie sehr das jetzt
- 42:14noch das Thema ist, aber ich finde dieses Argument zum Beispiel, dass es dann nicht inklusiv ist oder
- 42:17so, immer fast so ein bisschen lustig, also deutsches so eine bürokratische Sprache, die so schwer
- 42:22zu verstehen ist und man kriegt irgendwie Behördenbriefe, bei denen kein Mensch weiß, was
- 42:25drinsteht und dann heißt es aber irgendwie, ich verstehe Text nicht in dem Gendernsternchen vorkommt,
- 42:28also ein bisschen, was kann man den Leuten auch zutrauen? Und klar, beharren weiß ich auch nicht,
- 42:33also letzten Endes wichtiger ist natürlich, dass sozusagen die Menschenrechte umgesetzt werden,
- 42:37aber es steht natürlich symbolisch für was und ich fühle mich nicht mit gemeint im
- 42:40generischen Maskulinum, aber würdest du für ein welcher Genderdippe oder weiß ich nicht, ob das...
- 42:45Nee, nee, ich wollte eigentlich nur aufnehmen, ich habe mich für meine eigene Frage da völlig
- 42:49verhärtet. Nee, weil ich wollte eigentlich auf das hin, wenn ein Kulturkampf von rechts geführt
- 42:53wird, ist es dann eine Strategie, diesen Kulturkampf voll einzugehen, voll dagegen zu setzen und voll
- 42:57zu halten oder kann es auch eine Strategie sein zu sagen, die Teile des Kulturkampfes, wo wir
- 43:01inzwischen wissen, dass wir dabei in der Mehrheit oder in der Masse der Bevölkerung eher verlieren
- 43:06und der Fortschritt eher sehr langsam ist und selbst in Teilen von einer alternativen,
- 43:10ich sag mal alternativen Linken, die das sich vor zehn, zehn Jahren noch zu eigen gemacht hat,
- 43:15es ist inzwischen eine Müdigkeit da, wo ich auf jeden Fall ein Sprach kurz und so weiter und immer
- 43:19genau zu wissen, was jetzt gerade das Neuste ist, was man jetzt sagen darf oder nicht darf oder
- 43:23soll oder nicht soll, keine Lust mehr lassen, das bleiben lassen. Wie seht ihr das? Wenn uns dieser
- 43:28Kampf eigentlich von außen immer reingetragen, würdest du, dass wir gar nicht mehr in die
- 43:30Offensive kommen dabei? Also ich würde schon sagen, man sollte sich auf die wichtigen Linkenthemen
- 43:34fokussieren, soziale Ungleichheit, gleichzeitig aber dabei solche Themen auch nicht aus den Augen
- 43:41verlieren. Also es spielt ja alles zusammen, man muss glaube ich so ein bisschen intersektional
- 43:46denken, also ökonomische Ungleichheit trifft eben alle und das ist ein Thema, was irgendwie über
- 43:53Jahre vernachlässigt wurde. Ich würde sagen, die Linke hat im Bundestagswahlkampf ja irgendwie
- 43:59erstaunlichen Erfolg gehabt bei jungen Menschen und auch irgendwie hatte, war eigentlich ein halbes
- 44:03Jahr vor der Bundestagswahl tot oder tot gesagt. Sie hat irgendwie sich glaube ich fokussiert im
- 44:11Wahlkampf auf Mietenpolitik und hat verschiedene Halbwegs-Kluge-Apps rausgebracht und so ökonomische
- 44:18Sachen auf die Fahnen geschrieben. Es war glaube ich eine Strategie, die funktioniert hat. Ich würde
- 44:23sagen, aber gleichzeitig darf man halt nicht vergessen, dass es eine Politik für alle sein muss.
- 44:28Also das ist auch queerpolitische Themen oder gerade queerness, wenn sie angegriffen wird, wie
- 44:33letztes Jahr, was ja wirklich dann erstmals ein Erscheinungsphänomen war, dass es natürlich auch
- 44:39ein Angriff auf die Mündenmenschwörter bzw. auf die grundsätzlichen Werte unserer Demokratie sind,
- 44:45die es auch zu verteidigen gilt. Also es ist strategisch, es schon schlau sein kann, sich nicht
- 44:49diesen Kulturkampf aufoctrieren zu lassen, also keine Abwehrkämpfe zu machen, sondern eigene
- 44:54Punkte zu setzen. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich die Frage richtig verstanden habe. Aber
- 44:59letzten Endes kommen wir ja bei so einer haupt- und nehmenswiderspruchsfrage raus und also das ist
- 45:03es halt nicht. Also geschlechter Politik ist kein nehmenswiderspruch. Ich würde niemals sagen,
- 45:07es ist irgendwie die einzige große Frage. Also sicher sind zum Beispiel Mieten und soziale Fragen
- 45:11irgendwie mindestens gleichberechtigt wichtig, aber das jetzt als so ein Nehmendricks-Schauplatz
- 45:15abzutun, das finde ich falsch. Gleichzeitig bin ich total bergarrelt, wenn ihr sagt, wir dürfen nicht
- 45:21nur ab der Kämpfe führen, sondern es muss einfach auch wieder eine Gegnerzählung gefüllt werden.
- 45:26Ich finde, also Kulturkampf, ich habe meine Probleme mit dem Wort, weil ich finde, es geht
- 45:31halt an vielen Stellen wirklich auch einfach um Rechte. Also und da ist auch immer noch nicht
- 45:37alles erreicht und erkämpft und das ist ja schön, wenn Alice Weidel und Jens Spahn und die auch alle
- 45:42mit ihren Familien jetzt schwer erkämpfte Rechte genießen können. Aber auch zum Beispiel bei den
- 45:49CSDs. Es geht schlichtweg um die Frage, haben Leute - das muss mir überhaupt nicht gefallen - aber
- 45:54haben Leute das Recht zu demonstrieren, ohne dass sie angegriffen werden oder nicht so? Und alles
- 46:03andere, finde ich, sind so Geschmacksfragen. Das können Leute, wie beim Genderen auch, sind
- 46:08Geschmacksfragen. Aber wo es einfach darum geht, sind die Rechte gewahrt von Frauen, von queeren
- 46:14Menschen. Das ist einfach eine andere Sache und ich finde, das muss definitiv Teil sein von
- 46:20progressiven Überlegungen, ob in der Politik, im Journalismus, in allen Feldern. Zumal die ja
- 46:27wirklich auch in der Praxis einfach oft verbunden sind mit den anderen Fragen. Also wer geht denn dann
- 46:33in Kleinstädten auch sonst für Sachen auf die Straße? Das da gibt es einfach große Überschneidungen,
- 46:38auch zu den Gewerkschaften, auch zu den anderen Bewegungen, die ich hier auf die Straße geben,
- 46:45mobilisieren und was zum Besseren verändern wollen. Das ist nicht getrennt, zu begreifen,
- 46:51glaube ich. Vielleicht ist diese Antwort der einen Politikerin, die gesagt hat, der Genderwarn da,
- 46:56auf die Nerven. Es geht auch mir so, vielleicht kann man dann sowas kurz sagen und dann dazu
- 47:01überleiten, dass Jeff Bezos gerade wenig gesperrt hat, um zu heiraten. Und vielleicht ist das
- 47:07ein guter Kommunikationsstrategie, aber genau, es wird uns weiter beschäftigen, gerade wenn die
- 47:11CDU sowas adaptiert. Also da kommt man jetzt so schnell nicht raus. Also beides braucht es wahrscheinlich.
- 47:18Ja, ich glaube, wir müssen da auch dran bleiben, weil ich bin ja nun mal US-Redakteur und wenn
- 47:24der Backdash nicht nur einer ist, der sich im Internet irgendwie in irgendwelchen Battles und
- 47:30Memes und so weiter auslebt, sondern der an die Macht kommt und sich in die Politik umsetzt,
- 47:34merkt man, wie schnell Leuten Rechte genommen werden, wie schnell Leute sich wirklich verängstigt
- 47:39auch zurückziehen und nicht mehr auf die Straßetrauen oder die Unitrauen oder oder oder mit bestimmten
- 47:43Wesenszügen einfach. Ich habe ehrlich gesagt aber auch die Pride an Budapest auch so ein
- 47:49bisschen so verstanden, weil ich weiß nicht, ob das 200.000 Leute alle aus der queeren Community
- 47:54waren. Ich hoffe eigentlich nicht, ich hoffe, dass es eine große Solidarisierung gab von allen
- 47:58jede Menge nicht queeren Menschen, die sagten, so jetzt reicht es. Und ich glaube dieses, das
- 48:03wären wir bei allem, wo es uns vielleicht auch mal nervt. Und dann sagen wir, man ja, du bist
- 48:08queer, alles gut, aber warum musst du mir das ständig in die Nase rein? Und trotzdem stehe ich
- 48:12für dich ein, wenn es darauf ankommt, als nicht queere Person, die ich jetzt bin oder das müssen
- 48:17wir erreichen und dazu müssen wir wahrscheinlich dann auch in der Zimmerweite schreiben. Es ist
- 48:21vielleicht ein bisschen blöder, pathetischer Schluss auch so, aber ich glaube viel anders
- 48:24wird es nicht gehen, weil dafür hängt dann doch, das ist kein Spiel. Das ist kein Spiel,
- 48:28da sind Jahrzehnte lang sind Leute in Tod getrieben, totgeschlagen worden, selbst mal
- 48:32getrieben worden oder sonst was, weil man in Sichtbarkeit verwehrt hat oder wenn sie
- 48:35sichtbar waren, sie totgeschlagen hat. Und wir sind auf dem Weg, wo wir so viel erreicht haben und
- 48:40da wieder hinkommen könnten, das kann man nicht gebrauchen, glaube ich. Gut, ihr Lieben,
- 48:44das war der Bundesdurchricht. Danke euch sehr herzlich für das Diskutieren. Ich entschuldige
- 48:48mich für meine manchmal sehr wirren und confusen Fragen, weil ich mich da wirklich selber auch
- 48:52der ganze Zeit auch umsortiere bei diesem Thema. Wir danken Jan Spitz-Itschbiener für
- 48:57die Redaktion und dann die Form für die Produktion. Wenn ihr da draußen die Folge gut
- 49:02findet, liked uns gerne. Wenn ihr Anmerkungen, Kritik, Lob habt, dann schreibt uns an
- 49:07bundestalk@tatz.de. Wenn ihr Geld übrig habt, weil wir ja diese Inhalte euch gerne kostenlos
- 49:13Verfügung stellen wollen, aber sie Geld kosten, wenn wir sie machen wollen, dann findet das
- 49:19Programm tatzzahlig auf tatz.de und lasst uns dafür Geld haben. Ja, das war's, bis nächste
- 49:25Woche. Tschüss.
- 49:26Schönes Wochenende, vielen Dank. Noch nicht Moment.
- 49:30So, damit ist das jetzt hoffentlich auch erledigt.