Latest / ntv Wirtschaft / Glücksspiel-Urteil: Wie Spieler jetzt ihr Geld zurückholen können
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- Die Lufthansa stellt ihre Regionaltochter CityLine ein und setzt stattdessen auf eine neue Airline. Chinas Wirtschaft wächst stärker als erwartet. Doch aus dem Absatzmarkt wird für Europa immer mehr ein ernsthafter Konkurrent. Fitness boomt wie nie. Trotz steigender Preise strömen Millionen ins Studio. Und in Köln zeigt die Branche, wohin der Trend geht. Die Lufthansa treibt ihren Konzernumbau weiter voran und beendet den Flugbetrieb ihrer Regionaltochter CityLine. Die Airline, die bislang vor allem Zubringerflüge für das Drehkreuzsystem übernommen hat, soll schrittweise aus dem Markt genommen werden. Neue Flugzeuge gehen stattdessen an die neu gegründete City Airlines. Damit will der Konzern vor allem Kosten senken und flexibler werden, gerade auf der Kurzstrecke, wo der Wettbewerb besonders hart ist. Für die rund 1000 Beschäftigten bei Cityline beginnt damit eine Phase der Unsicherheit. Lufthansa kündigt an, möglichst viele von ihnen innerhalb des Konzerns weiter zu beschäftigen. Börsenreporter Raimund Brichter über mögliche Hintergründe. Paukenschlag bei der Lufthansa. Mitten in die laufende Streikwelle hinein wird angekündigt, dass die Tochter Cityline mit sofortiger Wirkung eingestellt wird. Das mag überraschen, aber im Endeffekt vielleicht doch nicht, weil der Schritt ohnehin geplant war durch die Streiks, denn auch die Cityline wird bestreikt, wird dieser Schritt jetzt nur vorgezogen. Tatsache ist, dass die Lufthansa die Cityline schon länger einstellen will, dass sie das geplant hat, und dass sie die durch eine neue Fluglinie, die dann City Airlines heißen soll, ersetzen will. Und man kann sich sicher sein, dass die Beschäftigten in dieser neuen Airline dann weniger verdienen werden als die in der alten City Line. Insgesamt ist es aber tatsächlich ein Schritt, der auch konzernintern für Aufsehen sorgen dürfte, zur Befriedung innerhalb der Lufthansa im Zuge dieser laufenden Streikwelle trägt dieser Schritt mit Sicherheit nicht bei. Von der Lufthansa machen wir einen großen thematischen Sprung nach China. Die Wirtschaft ist dort überraschend stark gestiegen. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wächst stärker als erwartet. Im ersten Quartal legt das Bruttoinlandsprodukt um rund 5,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu. Damit übertrifft China die Erwartungen. Trotz globaler Unsicherheiten wie dem Konflikt im Nahen Osten. Das ist auf den ersten Blick eine gute Nachricht. Denn viele deutsche Unternehmen hängen am China-Geschäft. Wenn dort die Nachfrage läuft, profitieren auch wir. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn China ist längst nicht mehr nur Absatzmarkt, sondern zunehmend Konkurrent. In Bereichen wie Elektroautos, Batterien oder Solartechnik tritt das Land immer stärker gegen europäische Unternehmen an. Wie gefährlich ist die Situation für deutsche und europäische Unternehmen? Raimund Brichter im Gespräch mit Gertrud Traut. Sie ist Chef-Volkswirtin der Hilaba. China ist ja wichtig, nicht nur für Deutschland, da kommen wir gleich auch noch drauf zu sprechen, für die ganze Welt. Warum eigentlich? Wegen der Importe oder wegen der Exporte? Also zum einen, China ist ein großes Land, gemessen am Weltbib die USA 26% und dann kommen mit 17% die EU und China sind weitgehend gleich. Also ein wesentlicher Treiber für die Weltwirtschaft. Und aus unserer Sicht ist es das Land, was bislang der wichtigste Importeur ist. Auf der Exportseite sieht es ganz anders aus. Schon seit 2020 gehen unsere Exporte zurück. Und das macht ja der deutschen Industrie ein bisschen zu schaffen, nämlich die Strategie zu akzeptieren, die die Chinesen haben, einen wichtigen Impact auf dem Weltmarkt zu haben, mit Produkten, mit Technologien, aber weitgehend unabhängig zu sein. Und wir müssen uns langsam mal darauf einstellen, dass wir uns breiter aufstellen. Wenn Sie sagen, die Exporte gehen zurück nach China von Deutschland, heißt das, die Chinesen brauchen uns nicht mehr so wie früher? Sie haben vieles, was wir da exportiert haben, dann kopiert und können das inzwischen genauso gut? Also es ist tatsächlich eine festgelegte, langfristige Strategie, unabhängiger zu werden, unabhängiger vom Ausland, auch auf der Wachstumsseite. Und das haben wir seit vielen Jahren schon gesehen. Leistungsbilanzüberschuss ist auch zurückgegangen, obwohl die Exporte jetzt noch dynamisch sind. Das geht in diese Richtung und da sollten wir uns darauf einstellen. Die Chinesen, nehmen wir mal das Beispiel Auto, die Chinesen schaffen es halt auch, die Produkte eher so zu bauen, wie die Chinesen die haben wollen. Unsere Autos sind dann erstens nicht genau passgenau und auch ein bisschen zu teuer. Und sehr viel haben sie auch kopiert. Also, dass sich das Exportieren von Autos nicht mehr so richtig lohnt nach China, das dürfte ja vielen klar sein. Aber jetzt haben ja viele auch Autohersteller die Strategie, dann produzieren wir halt in China. Volkswagen macht das ja eigentlich schon seit Jahrzehnten. Naja, das Problem mit dem wir produzieren in China, da haben wir uns ja selbst ins Knie geschossen, mit der Entscheidung der EU vor, ich glaube, anderthalb Jahren, dann Zölle einzuführen, auf gerade auf E-Autos aus China, wo wir uns dann selber bestrafen mit der Vor-Ort-Produktion. Also das war, da ging der Schuss dann nach hinten los. Was ist Ihr Ausblick auf die chinesische Wirtschaft bzw. Die Bedeutung auch im Verhältnis zu Deutschland? Also wir sollten gucken, dass wir uns breiter aufstellen, ein tatsächliches De-Risking machen und nicht nur auf die USA und China gucken, sondern auch auf andere Länder, weil 75 Prozent des Welthandels sind jenseits dieser Giganten. Also De-Risking ist angesagt. Ganz herzlichen Dank, Frau Traut. Beim nächsten Thema geht es um Online-Glücksspiele. Der Europäische Gerichtshof hat ein weitreichendes Urteil gesprochen. Die Richter haben entschieden, Spieler aus Deutschland können Verluste zurückfordern. Zumindest dann, wenn sie bei Anbietern gespielt haben, die hier gar nicht erlaubt waren. Im konkreten Fall ging es um einen Mann aus Thüringen. Er hatte über Jahre bei Online-Casinos gespielt, mit Lizenz aus Malta. Klingt erstmal legal, war es aber nach deutschem Recht nicht. Denn bis 2021 galt hier ein Verbot für viele Online-Glücksspiele. Und der EuGH sagt, dieses Verbot war zulässig. Für Spieler heißt das, es könnte Geld zurückfließen. Und damit sind wir bei der Frage, was heißt das konkret für Betroffene? Gesa Eberl hat darüber mit Rechtsanwalt Jörg Frederik Ferro gesprochen. Wer ganz konkret kann denn jetzt verlorene Einsätze überhaupt zurückfordern? Und gilt das dann auch für Anbieter mit EU-Lizenz, etwa zum Beispiel aus Malta, wie in unserem Beitrag? Das gilt grundsätzlich für alle Anbieter, die bei illegalen Online-Anbietern gespielt haben. Und das gilt unabhängig davon, ob die ihren Sitz in Deutschland haben oder im EU-Ausland. Sobald diese Anbieter in Deutschland tätig sind, unterliegen sie dem deutschen Glücksspielrecht, was ja jetzt durch dieses Urteil noch mal gestärkt worden ist. Das heißt also, jeder Anbieter, der bei illegalen, oder jeder Spieler, der bei illegalen Anbietern Geld verloren hat, der kann jetzt eben dort sein Geld möglicherweise zurückfordern. Jetzt fragen sich wahrscheinlich viele Zuschauer, woher weiß ich denn überhaupt, ob das Online-Casino oder auch die Sportwettseite, auf der ich jetzt gezockt habe, legal oder illegal war. Gibt es da einfache Prüfkriterien für Verbraucher? Es gibt tatsächlich sehr einfache Möglichkeiten für den Verbraucher nachzuprüfen, ob der Anbieter, bei dem ich spiele, jetzt tatsächlich ein legaler oder illegaler Anbieter ist. Es gibt eine sogenannte White List im Internet. Die wird veröffentlicht auf der Webseite der gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder, kurz GGL. Und dort kann man nachschauen. Jeder Anbieter, der auf dieser Liste draufsteht, der ist ein legaler Anbieter, der hat eine Lizenz, eine deutsche Lizenz. Wer da nicht draufsteht, das ist ein illegaler Anbieter. Da würde ich jedem Spieler raten, Finger weg. Und muss ich als Spieler jetzt aktiv klagen, um mein Geld zurückzubekommen? Mit welchen Hürden müsste ich da jetzt rechnen? Z.B. Verjährung, Beweislast oder womöglich zu hohe Prozesskosten? Es ist tatsächlich erst mal so, dass man selber aktiv klagen muss. Und die Verjährung könnte ja ein Problem sein. Denn der heutige Fall, der betraf nur das alte Glücksspielrecht, was bis 2021 gültig war. Und wer auf dieser Grundlage gespielt hat bei einem illegalen Anbieter und jetzt sein Geld zurückfordert, der könnte möglicherweise jetzt in die Verjährungsproblematik reinkommen. Denn normalerweise verjähren ja Forderungen nach drei Jahren. Das heißt, das könnte manchmal schon ein Problem werden. Aber man muss auf jeden Fall selber aktiv werden, um das Geld einzuklagen. Ich möchte aber vielleicht noch ergänzen, die Aussagen, die der Europäische Gerichtshof heute getroffen hat, die sind relativ weit gefasst. Das heißt, möglicherweise sind auch Anbieter, die nach 2021 illegal waren, jetzt in der Bredouille. Denn möglicherweise könnten Spieler, die auch nach 2021 Geld verloren haben, jetzt auch klagen. Jetzt haben ja, also Online-Glücksspiel ist ja ein Milliardenmarkt. Viele Betroffene holen Schulden. Was raten Sie denn jemandem, der in den letzten Jahren jetzt also viel Geld im Online-Casino verloren hat? Was sind da denn jetzt die ersten drei Schritte, Herr Ferro, die Sie jetzt so raten würden zu gehen? Also ich glaube, der allererste Schritt ist zunächst mal, sich selber zu disziplinieren. Am besten sich selber sperren zu lassen, dass die Verluste nicht höher werden. Der zweite Schritt wäre tatsächlich, erst mal zu prüfen, welche Schulden haben sich da angehäuft. Möglichst alles an Beweisen sichern. Und der letzte Schritt, den muss ich sozusagen sagen, ist natürlich dann die anwaltliche Beratung. Denn bei den Summen, die im Spiel sind, da brauchen sie auch vor Gericht eine anwaltliche Vertretung. Und das heißt, sie müssten alles an Beweisen sichern, alle Unterlagen sichern und sich dann anwaltlich beraten lassen. Wir wechseln jetzt mal ganz sportlich das Thema und schauen auf die Fitnessmesse FIBO nach Köln. Fast 1000 Aussteller aus über 50 Ländern präsentieren auf der FIBO ihre Produkte. Von klassischen Geräten wie Hantelbänken und Rückentrainern bis hin zu digitalen Anwendungen und Nahrungsergänzungsmitteln. Und das Interesse ist groß. Die Veranstalter rechnen mit mehr als 150.000 Besuchern. Mehr als 12 Millionen Menschen trainieren inzwischen regelmäßig. Das sind deutlich mehr als noch vor ein paar Jahren, selbst im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie. Auch wenn die Preise für Fitnessclubs weiter gestiegen sind, wächst der Markt. Das liegt auch an einem strukturellen Trend. Die Gesellschaft wird älter. Und damit steigt der Bedarf an Bewegung, Prävention und gesundheitlicher Betreuung. Das war unser Blick auf die aktuellen Nachrichten aus der Wirtschaft für den Moment. Wir hören und lesen uns wieder bei NTV. In der App, im TV oder hier im Podcast.