Latest / Fadegrad / Die Kunst des Erzählens - Blut, Bibel und Macht mit Moni Egger (Teil 1)
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- 0:00Ich beeinflusse ja durch das, was ich erzähle, wenn ich
- 0:04erzähle, was in deinem Kopf passiert, und das kann man
- 0:08wirklich auch missbrauchen und viele von den erfolgreichen
- 0:13Anführern, meistens sind es Männer, ja, die können wirklich
- 0:17gut reden, die können gut erzählen, und das ist
- 0:19brandgefährlich. Vatergrad.
- 0:31Der Podcast, der fragt, warum Menschen tun, was sie tun und
- 0:35wie sie geworden sind, wer sie. Sind Sie.
- 0:40Bezeichnet sich als Geschichtenbegeistert und
- 0:43Sprachversessen und liebt es, für andere zu erzählen, denn sie
- 0:48ist Märchenerzählerin, aber auch bibelwissenschaftlerin und
- 0:52ehemalige Radiopredigerin im Esserev Moni Ecker.
- 0:57Heute bin ich bei ihr zu Hause in Talville am Zürichsee
- 0:59herzlich willkommen. Danke.
- 1:02Mein Name ist Ines Scherberger, ich bin Gastgeberin des Fadegrad
- 1:05Podcasts und extra an den Zürich See gereist, um mit Moni Ecker
- 1:10über ihr Leben, die Kunst des Storytellings, also des
- 1:13Geschichtenerzählens, und ihre neueste Erzählperformance
- 1:18Biberader ein Frauenleben im frühen Mittelalter zu sprechen.
- 1:22Ich freue mich drauf. Ich mich auch.
- 1:25Ich darf hier bei dir zu Hause sein.
- 1:27Vielen Dank, dass du dein Märchenhaus für uns und den
- 1:30Podcast geöffnet hast. Hier sehe ich schon ein Skript
- 1:34für deine Erzählperformance, aber auch verschiedene
- 1:37Instrumente, Musikinstrumente und sehr, sehr viele Bücher,
- 1:42Bücher, Geschichten scheinen also eine große Rolle zu spielen
- 1:45in deinem Leben. Du bist 1976 in Toggenburg
- 1:47geboren, erinnerst du dich an das erste Märchen oder die erste
- 1:51Geschichte deiner Kindheit? Also so an die erste.
- 1:56Nicht weil die Geschichten haben einfach dazugehört.
- 2:00Unsere Eltern, meistens der Vater, hat am Abend vorgelesen,
- 2:05jetzt nicht mehrlein, aber Kinderbücher und zum Teil so
- 2:11die, die er aus der eigenen Kindheit noch kennt, hat aus dem
- 2:13Englischen hat das dann übersetzt auf Deutsch, das war
- 2:16immer sehr schön und spannend gewesen und dann natürlich auch
- 2:19die Klassiker, wo man Deutsche Schweiz einfach den Trend.
- 2:22Hat ein Globi zum Beispiel. Oder, Na meso, was gar schön die
- 2:27Überlecke Momo zum Beispiel oder Ronja Räubertochter und so die
- 2:33Sache. Zeitlose Klassiker, mit denen
- 2:36ich auch aufgewachsen bin. Zunächst bist du primarlehrerin
- 2:40geworden und Mitte der 2000 er Jahre, dann Theologin und
- 2:44Märchenerzählerin. Wie verbindest du all das, diese
- 2:48verschiedenen Berufe? Also ich würde sagen, es
- 2:52verbindet sich ganz von selber. Als Theologin habe ich ja viel
- 2:57mit Sprache zu tun und so wirklich gelernt, die
- 3:04theologische Sprache versteht, dass sie für mich Sinn macht,
- 3:08habe ich erst, wenn ich die Ausbildung gemacht habe als
- 3:10Märchenerzählerin, also wo ich mich mit Sprache auf der
- 3:14symbolischen Ebene angefangen habe, explizit zu beschäftigen.
- 3:19Warum habe ich das? Wieso intuitiv gespürt, dass für
- 3:21mich die Bedeutung nicht auf der Oberfläche ist, sondern eher in
- 3:25der Tiefe unten und mit der Beschäftigung mit den Märli und
- 3:29den Symbolwelten der Märli, der bildhaften Sprache sind
- 3:34plötzlich zum Beispiel die biblischen Texte einfach ganz
- 3:37neu, angefangen, angefangen, leben.
- 3:40Heisst das, die Bibel ist ein Märchenbuch?
- 3:43Nein, so will ich es jetzt nicht sagen.
- 3:46Was vor allem damit zusammenhängt, dass Bibler eine
- 3:49ganz spezielle Geschichte hat und über Tausende von Jahren
- 3:52entstanden ist. Und für Millionen von Menschen
- 3:55eine ganz spezifische Bedeutung hat.
- 3:57Oder eine wichtige auch eine Heiligkeit hat.
- 4:02Das heißt, wir viele Menschen auf dieser Welt kennt der Bibler
- 4:07einen Wert, wo sie komplett unvergleichbar macht, mit jedem
- 4:12anderen Buch aber. Die Sprache von der Biblen isch
- 4:18über weite Strecken o di gleich oder verwandt mit der Sprache
- 4:21von der Märli, also in dem, dass da wo dort steht, net will
- 4:26sagen, ESO und ESO isch es passiert irgendwann irgendwo,
- 4:30sondern ESO und ESO isch es immer und überall in der und der
- 4:36Situation, also es geht mehr um existentielle Aussagen und net
- 4:40um historische. Ich bin Journalistin und die
- 4:44Bibel kann man also nicht wie einen Zeitungsbericht zum
- 4:48Beispiel. Lesen bitte nicht.
- 4:51Also man kann schon, aber es wird einfach ein bisschen
- 4:54meistens dann relativ absurd, weil man wie an dem, wo Bibel
- 4:58selber ein Signal gibt für Bibel ist.
- 5:01Soll ich das Beispiel machen? Ja, sehr gerne, wenn man, wenn
- 5:04man ganz vorne anfängt. Dann sind die ersten Sätze, wie
- 5:08die Welt entstanden ist, also wo Gott die Welt macht, heißt s, es
- 5:11hätt noch gar nünd Gha aussert Wasser, Dunkelheit und Wasser
- 5:17und dann noch wird die Welt erschaffen und so, und noch
- 5:20kommt in Genesis 2 im 2. Kapitel von der Bibel Fangt s
- 5:24noch mal an mit der Erschaffung von der Welt, und dann heißt S,
- 5:27es hätt noch gar nünd gha aussert trochenheit Wasser hätt
- 5:30s noch ghaei gha. Ups.
- 5:33Genau, UPS oder entweder ist etwas nicht ganz bei ihnen
- 5:36gewesen, der das aufschreibt, oder es geht um etwas anderes,
- 5:39es geht gar nicht darum, zu mir sagen, wie es wirklich gewesen
- 5:42ist, sondern zum Beispiel zu unter vielen verschiedenen
- 5:47grossen Möglichkeiten, dass Gott da ist, zum an einem Ort, wo
- 5:53Leben nicht möglich ist, leben möglich machen.
- 5:57Und das ist diese tiefere Bedeutung, von der du vorher
- 5:59gesprochen. Hast genau, genau.
- 6:01Wie gehst du aber dann damit um, wenn du merkst, da will jemand
- 6:05die Bibel wortwörtlich verstehen, zum Beispiel
- 6:08Studierende? Du unterrichtest ja an der Uni
- 6:10in Luzern, oder ja, auch andere Personen, mit denen du in
- 6:12Kontakt kommst, die verstehen die Bibel aber als
- 6:15Zeitungsbericht. Genau.
- 6:17Also meistens ist eine Pitzelige mein von mir, aber meistens geht
- 6:23es über die sprach relativ Rinn. Also übers Hebräische, weil die
- 6:29meisten von diesen Leuten können kein Hebräisch und dann kann ich
- 6:33weit zeigen. Aber schauen Sie das Wort auf
- 6:36Hebräisch hat so eine breite Bedeutung, und auf Deutsch
- 6:40wählen wir einfach einen kleinen Teil von dieser Bedeutung aus,
- 6:44und was, was wär's denn wirklich, wenn's wörtlich wär,
- 6:49es kann ja nicht das Deutsche sein.
- 6:51Und Hebräisch ist so breit, dass es wie auch nicht so ganz
- 6:55greifbar ist. Und das ist manchmal schon die
- 6:58erste Stufe vom anfangen verstehe und nachher braucht es
- 7:03aber meistens viel Geduld und auch, also ich meine Menschen
- 7:09sind auch verletzlich in diesem Thema, ich würde auch niemandem
- 7:12so eine Gewissheit einfach kaputt machen, ohne etwas
- 7:15anderes anzubieten, das auch trägt oder vielleicht sogar
- 7:19besser trägt. Und ein Weg ist tatsächlich dann
- 7:23über die Geschichte, welche Geschichte ermöglichen, dass
- 7:26man, wenn ich weiß, auch nicht von der Sarah erzählen.
- 7:30Dann, wenn du mir zulässt, tust du dich automatisch mit der
- 7:34Sarah identifizieren, es geht fast nicht anders und das heisst
- 7:38du schlüpfst wie die Geschichte innen und dann kommt sie
- 7:40plötzlich eine Bedeutung über die überhaupt nicht daran haben
- 7:44wird, ob das jemals so passiert ist oder nicht.
- 7:50Wenn. Bei Geschichten oder auch bei
- 7:53Märchen. Da denke ich eher so an
- 7:55Gutenachtgeschichten oder an Kinder.
- 7:57Warum können Märchen auch für Erwachsene interessant sein?
- 8:01Also ich mache da überhaupt keinen Unterschied zwischen
- 8:03Kinder und Erwachsenen. Genau das Gleiche, das dürfen
- 8:07einfach da sein, Eintauchen in eine Geschichte und komplett
- 8:13Realität vergessen ich. In eine fremde Wirklichkeit
- 8:18eintauchen, Sachen erleben, als wenn man das Märchen nimmt, aber
- 8:21zum Teil auch bei biblischen Geschichten Sachen erleben, die
- 8:24eigentlich nicht möglich sind, realistisch gesehen.
- 8:27Abenteuer. Abenteuer, Wunder, ja alle die
- 8:32Begegnungen mit den Drachen und mit dem Königreich und was auch
- 8:37immer da in den Geschichten steckt, das tut einfach gut und.
- 8:43In der Situation vom Freien erzählen, so wie ich das mache,
- 8:47ist es, ich sage nicht, es ist interaktiv.
- 8:51Also wenn du mir zulos ist, dann sagst du zwar nichts, aber du
- 8:55bist mit deiner Phantasie so fest dabei, dass du wie die
- 9:01Geschichte mitgestalt ist. Also du siehst deine eigenen
- 9:04Bilder und das macht's ganz, ganz befriedigend.
- 9:11Und Drüberos isch es noch wie einen ein Kontakt wo so ich sag
- 9:15a mal von Buch zu Buch stattfindet, wie mer wie auf ein
- 9:17ähnliche Wellenlänge kömmet grad, wenn jetzt noch mehrere
- 9:21Leute zulassen, es gibt ESO ne fast e intime Stimmung, also es
- 9:26isch auch wissenschaftlicher, so hat man das beobachtet, dass der
- 9:29Herzschlag sich anpasst. Einfach bin E gemeinsame
- 9:33Aktivität und das isch beim Gschichteverzählen und lassen au
- 9:37und es isch e urmenschlich ganz schöne Erfahrung.
- 9:41Das heißt, der Herzschlag passt sich an, aber die Bilder im Kopf
- 9:44können teilweise ganz, ganz unterschiedlich.
- 9:46Sein ganz genau also so viele Leute, wie es im Rum hat, so
- 9:50viel Geschichte sind auch im Rum, ich habe.
- 9:52Das einmal erlebt, dass ich mit einer Freundin verglichen habe,
- 9:54wie wir uns die Harry Potter Welt vorstellen.
- 9:57Und wir sind drauf gekommen. Wir haben die Häuser ganz
- 9:59woanders hingesetzt und uns das komplett anders vorgestellt,
- 10:03einfach aufgrund vom Erzählen oder was wir gelesen haben in
- 10:06den Büchern, ja. Genau.
- 10:08Genau. Hören Kinder oder Erwachsene
- 10:11besser zu? Du sagst, du machst beim
- 10:13Erzählen keinen Unterschied, aber als Zuhörerinnen und
- 10:15Zuhörer. Auch nicht.
- 10:17Also heutige Kinder sind sich's zum Teil nicht gewöhnt, also die
- 10:22müssen s zum Teil nicht zuerst lernen, also wenn sie so stark
- 10:26medial aufwachsen, dann wissen sie manchmal gar nicht, dass sie
- 10:31Fantasie haben und sie können selber in die Bildwelt
- 10:35eintauchen. Und bei den Kindern ist es
- 10:38wichtig, dass man mit kurzen, einfachen Geschichten anfängt,
- 10:42die sehr plastisch sind, dass sie wie können ihre eigene
- 10:45Fantasiewelt entdecken. Aber wenn Sie das einmal gemacht
- 10:49haben, dann gibt es eigentlich keinen Unterschied bei den
- 10:53Erwachsenen mag es mehr philosophische Zwischenebene
- 10:57oder auch Gewalt und so, also es ist ein anderer Umgang, bei den
- 11:00Erwachsenen ist von dem Her einfacher und auch für Kinder.
- 11:04Und Jugendliche? Sind die nicht so cool für
- 11:07Märchen? Genau bei den Jugendlichen also.
- 11:11Das ist manchmal eine Herausforderung, weil sie sich
- 11:14selber und voreinander nicht wollen, eingestehen, dass sie es
- 11:17eigentlich gut finden, dass sie sich darauf einlassen und auch
- 11:20wollen, darauf einlassen, aber eigentlich die klassischen
- 11:24Märchen sind. Ganz, ganz viele sind so
- 11:26Entwicklungsgeschichten, die erwachsen werden, also sie
- 11:29erzählen eigentlich viele genau von dem Alter in der Pubertät.
- 11:34Vom sich selber entdecken, das andere Geschlecht entdecken oder
- 11:38überhaupt sexuelle Orientierung? Was sind meine Ziele im Leben,
- 11:41was sind meine Werte, auf was kann ich mich verlassen, sind
- 11:44genau die Themen, die aktuell ist und dort ja Moment, manchmal
- 11:50ein bisschen, also wenn ich von Jugendlichen das erste Mal
- 11:53erzähle, nehme ich eine Geschichte, die am Anfang mega
- 11:55brutal ist, dass sie wie merken, das ist kein Babyzeug und
- 12:00meistens klappt es dann zum sie so abholen.
- 12:04Du. Hast das angesprochen.
- 12:06Märchen sind und biblische Geschichten auch, sind oft sehr,
- 12:09sehr brutal, sehr gewaltverherrlichend und die
- 12:12Moral der Geschichten nicht immer so erkennbar.
- 12:15Wie gehst du damit um? Also Gewaltverherrlichend würde
- 12:20ich jetzt nicht sagen, sondern es ist ein realistischer Blick,
- 12:25dass Gewalt dazu gehört. Also jetzt bei den Biblen so
- 12:29eine Zeit, wie man jetzt drin leben, dass es eine Generation
- 12:33lang Frieden ist und. Das hat es wahrscheinlich in der
- 12:35Menschheitsgeschichte gar nie gegeben vorher.
- 12:38Also Krieg ist etwas, was einfach dazugehört, und das
- 12:43heisst, es ist logisch, dass das in der biblischen Geschichte
- 12:46immer vorkommt, weil Gott das volle, was Biblis davon erzählt,
- 12:50ist immer runter treten von der Grossmacht, und darum finde ich
- 12:56es ganz wichtig, dass Biblis genau das nicht ausblendet, aber
- 13:00eben nicht im verherrlichenden Sinn.
- 13:03Dass sie sagen, ja, Gewalt ist da, wo wo wichtig ist, wo
- 13:06richtig ist, sondern Gewalt ist eigentlich das Monopol von Gott.
- 13:11Und eigentlich ist es genau nicht richtig, als Menschen
- 13:15Gewalt zu brauchen, als politisches Mittel zum Beispiel.
- 13:19Es geht genau darum zu sagen, Nein, eigentlich geht es um
- 13:23Frieden, um Recht und Gerechtigkeit und nicht um
- 13:26Gewalt. Also doch ein sehr
- 13:28gewaltkritischer Umgang oder ein Zugang?
- 13:31Sich in Märchen oder Geschichten findet.
- 13:33Genau also jetzt in der Bibel. Ah, in der sich in der.
- 13:35Bibel genau, genau und bei der Märle ist die Sache wie ein
- 13:38andere. Also da können wir auch Krieg
- 13:40und so von quasi die reale Gewalt, die kommt vor, aber dort
- 13:46auf der symbolischen Ebene ist Gewalt immer auch ein Ausdruck
- 13:51von Auseinandersetzung mit Öppisem, wo einem schwer fällt,
- 13:55wenn man tend abhacket zum Beispiel, dann ist die Figur
- 13:58noch handlungsunfähig. Und es geht dort eigentlich
- 14:03nicht um die Gewalt, dass die Hände abgekackt werden, sondern
- 14:06es geht darum, dass jemand da ist.
- 14:07Wie wenn, wie wenn ich keine Hände hätte und was mache ich
- 14:10jetzt, also die Gewalt ist dort, es ist unsere Perspektive, mit
- 14:16dem Erwachsenen hier nicht zum drauflegen, dass das Gewalt ist.
- 14:19Aber eigentlich geht es wie um etwas ganz anderes, spannend.
- 14:28Dieser Podcast ist ein ökumenisches Projekt und wird
- 14:30präsentiert von den evangelischen und katholischen
- 14:32Kirchen, der Kantone St. Gallen und Appenzell.
- 14:35Danke für Eure Unterstützung kann man vom Beruf
- 14:41Märchenerzählerin leben? Es gibt Leute, die das machen.
- 14:47Es ist ein sehr anstrengendes Leben in dem Sinne, dass man
- 14:50wirklich sehr, sehr viel auftritt braucht und halt
- 14:54ständig was akquirieren. Ich bin froh, dass ich das nicht
- 14:58muss mache, sondern dass ich noch einen schönen Brot Job
- 15:02habe, den ich als Theologin kann.
- 15:04Arbeiten an der Universität und kann unterrichten und tue da
- 15:11wieso viele freier bin ich, was nehme ich an, was nehme ich
- 15:15nicht an und mich einmal kann wie jetzt bei der Biburada ein
- 15:17Jahr lang mit einer Geschichte auseinandersetzen, das wäre ja
- 15:20überhaupt nicht möglich, wenn wir wieder leben müssen davon.
- 15:24Du Unterrichtest Bibel, hebräisch und Bibel Didaktik an
- 15:27der Uni Luzern und kannst dich dann eben freiberuflich noch
- 15:30Projekten widmen, wie das über Viberada, zu dem wir auch noch
- 15:33kommen werden. Zunächst möchte ich mit dir noch
- 15:36über die Kunst des Erzählens sprechen, denn wir leben im
- 15:40digitalen Zeitalter, du hast das schon angesprochen, manche
- 15:43Kinder tun sich schwer damit sich zu konzentrieren, mein
- 15:47Neffe, der erwischt selbst die 7 Sekündigen tik tok Videos noch
- 15:50weiter, ohne dass er sie sich bis zum Ende ansieht.
- 15:54Was kann man tun, um besser und spannender zu erzählen und die
- 15:58Aufmerksamkeit des Gegenübers zu behalten?
- 16:01Im Gegensatz zum Tik tok Video ist es beim Erzählen eine
- 16:06Begegnung mit dem realen Mensch und dort kommt es darauf an, das
- 16:12Kind oder aber Erwachsene, aber das ist wahrscheinlich ein
- 16:15bisschen größer, wie dass sie das schon mal gemerkt haben,
- 16:18dass das schön ist. Eine Begegnung von Mensch zu
- 16:20Mensch. Wo dann auch noch die Fantasie
- 16:23kann ins Spiel kommen und für da gibt es so verschiedene Tipps
- 16:28und Kniffs, wo man relativ einfach kann.
- 16:31Lernen etwas ist zum Beispiel eine Situation gestalten, wo man
- 16:36nicht gestört wird, wo wieso der Begegnungsmoment kann anfangen
- 16:41zu spielen und beim Erzählen selber ist das allerwichtigste,
- 16:46dass ich ganz klare Bilder habe von dem, den ich erzähle ich.
- 16:51Und je klarer, dass ich weiß, wie es dort aussieht, wie es
- 16:55dort ist, wo die Häuser sind von Harry Potter.
- 16:58Ja, desto klarer ist es auch für dich, wenn du zulass ist.
- 17:03Also du siehst es dann nicht gleich wie ich, aber du da das
- 17:06erste so klären kannst du wie anknüpfen und das heißt je
- 17:11abgelenkt das Publikum ist, desto wichtiger ist es, dass ich
- 17:15ganz bei mir bleibe, bei meinen Bildern.
- 17:17Hast du das schon erlebt, dass du.
- 17:19Eingeladen wurdest, wozu erzählen und gemerkt hast, das
- 17:21Publikum ist irgendwo und dann versucht hast, bei dir zu
- 17:26bleiben. Ja, das habe ich auch schon
- 17:29erlebt, dass ich es auch schon erlebt, dass ich es nicht
- 17:31geschafft habe und das Publikum wirklich holen, weil sie ja was
- 17:34komplett anderes erwartet haben oder einmal wo wirklich zu viel
- 17:37ganz kleine Kind da gewesen sind, wo ja die die Kleine habe
- 17:41ich dann verloren, aber manchmal gibt es wirklich auch Säuglinge,
- 17:45wo wenn der Atmosphäre stimmt, denn.
- 17:48Dann lasset die zu. Also die Kömmet Memol Krüchet
- 17:51einfach näher an und und mit großen Augen sind's da und
- 17:55Lasset in ein Alter, wo man's quillet, die verstehen noch kein
- 17:58Wort, also es schoß zum Teil sehr magisch, was da passiert,
- 18:03und so ist ja also ich denke das isch egal mit Erwachsenen und
- 18:07Kind, häufig sind's da und denken so, ja mal gucken was die
- 18:11uns büttet und dannen isch der Moment zum die innerkraft Führer
- 18:15holen und ganz bei mir bleiben. Ich denke, wir alle, ob
- 18:20professionelle Märchenerzählerinnen oder nicht,
- 18:23stehen immer wieder vor Situationen, wo wir anderen
- 18:25etwas erzählen müssen oder wollen, was wir so erlebt haben,
- 18:30aber auch Dinge, an denen wir gearbeitet haben.
- 18:32Eine Präsentation in der Arbeit hast du da noch 2 kurze Tipps,
- 18:38was man tun kann, um da eine bessere Erzählerin zu werden?
- 18:42Wirklich spüre, was man will sagen.
- 18:45Also Bilder, aber auch Emotionen und kurze Sätze.
- 18:51Das wären die 2. Kurz und Knickig super.
- 18:58Wer gut erzählen kann, der hat macht.
- 19:01Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass die Geschichte oft
- 19:04von den Siegern erzählt wird und gedeutet wird selten von den
- 19:08Verlierern oder oftmals haben auch Männer die Geschichte
- 19:12erzählt und Geschichten und Perspektiven von Frauen kamen
- 19:15darin gar nicht vor, hat das Erzählen für dich auch eine
- 19:18feministische Komponente? Auf jeden Fall.
- 19:22Ich finde das ganz wichtig, dass du das mit der Macht erwähnst.
- 19:26Weil das wirklich etwas ist, was ich als Erzählerin auch spüre.
- 19:32Ich beeinflusse ja durch das, was ich erzähle, wen ich
- 19:35erzähle, was in deinem Kopf passiert, und das kann man
- 19:40wirklich auch missbrauchen und viele von den erfolgreichen
- 19:45Anführer, meistens sind es meine, ja, die können wirklich
- 19:49gut reden, die können gut erzählen, und das ist
- 19:52brandgefährlich. Und ich finde, mit dem, wo man
- 19:55wirklich auch kritisch umgeht, auch wenn man jetzt mit Kindern
- 19:57zu tun hat, die vielleicht biblen erst kennenlernt, prägt
- 20:01das natürlich die Geschichten, die ich erzähle, was sie von den
- 20:04Biblen halten. Für einen feministischen Zugang
- 20:07finde ich das erzählen wirklich sehr, sehr, sehr geeignet, ob
- 20:12jetzt Märchen oder biblische Geschichten, man hat so viel
- 20:16Freiheit im Ausgestalten. Also ich habe gar gestern im
- 20:20Gottesdienst die Geschichte von Manna erzählt, im Auszug aus
- 20:25Ägypten, was wo mir der Wüste ist.
- 20:27Und dann kommt das Manna vom Himmel, und wenn ich das
- 20:30erzähle, dann setzt sich Miriam in Fokus, also die Schwester von
- 20:34Moses, und die kommt in der Geschichte nicht explizit vor,
- 20:39aber ich wähle ja als Erzählerin, mit welcher welcher
- 20:43Figur, dass ich durch die Geschichte durchgegangen und du
- 20:46da. Kann ich, wie den Blick von
- 20:49denen, die zulassen, auf etwas lenken, was ich wichtig finde?
- 20:52Und da sind wir auch wieder bei der Macht, oder ich kann, kann
- 20:55steuern, welche Elemente von der Geschichte oder welche Figuren,
- 20:59welche Themen in den Vordergrund kommen und welche nicht und
- 21:04natürlich als Bibelwissenschaftlerin ist es
- 21:05mir wichtig, dass ich das auch verantwortlich mache und dass
- 21:09ich zuerst mich exegetisch wirklich mit so einem Text und
- 21:12so im Zusammenhang auseinandersetzen.
- 21:15Jetzt war ich so gebannt von der Erzählung, dass ich ganz
- 21:17vergessen habe, meinen Teebeutel aus der Teetasse raus zu tun.
- 21:28Es duftet nämlich schon so gut hier, ich habe hier Minze,
- 21:31Süßholz und Lavendel bekommen, ist auch gut für für die Stimme,
- 21:38Tee zum Hüllen. Tee.
- 21:40Du hast selber einen CAS, also eine Weiterbildung in Stimme und
- 21:43sprechen abgeschlossen. Welche Rolle spielt denn der
- 21:47Klang der Stimme fürs Erzählen? Also die Stimme ist das
- 21:51Instrument, das Hauptinstrument. Der Körper ist auch wichtig,
- 21:54aber die Stimme ist da, wo wo einfach treibt, wo der Kontakt
- 21:58schafft von mir zu dir und ganz physisch.
- 22:02Also es sind ja Schallwellen, die von mir herkommen und zu dir
- 22:05kommen, und das ist schon. Ich glaub das allerwichtigste.
- 22:11Einerseits rein von der Lautstärke her, dass man kann
- 22:14ein Rom auffüllen, aber dann auch von der
- 22:18Variationsmöglichkeit her vom Spielen her.
- 22:22Es geht ja nit darum beim Verzähle, dass man die stimm
- 22:24verstellt, also ich dang nit, ich weiß auch net, dass es
- 22:28zwergli es so red und number er so red das wär stimmverstelle,
- 22:32aber dass sich die Stimmweite verschiedene Emotionen wo
- 22:34vorkommet natürlich auch wissen kann anpassen.
- 22:38Und für da braucht es einen rechten Ranger an Möglichkeiten
- 22:43und dann ist Artikulation zum Beispiel also, dass man es gut
- 22:46versteht, was ich sage, auch schnaufen, dass ich auch mag,
- 22:50jetzt gerade bei der Fiborada die 2 Stunden geht, ja, dass ich
- 22:54genug Energie habe, um überhaupt so lange reden und dann auch
- 22:58meine Stimme kaputt machen, also dass ich nicht heiser werde und
- 23:02beim schwätzen. Jetzt gibt es Studien, dass
- 23:05tiefere Stimmen als angenehmer empfunden werden.
- 23:08Im Unterschied zu höheren Stimmen und dass man deswegen
- 23:12auch Männern, die tendenziell tiefere Stimmen haben, lieber
- 23:15zuhört als Frauen, ist das nicht gemein.
- 23:18Doch, doch, die Welt ist nicht gerecht, aber tatsächlich ist es
- 23:25auch, hat es auch etwas damit zu tun, dass entspanntere Stimmen
- 23:29tiefer sind? Und gerade in dem Chs, wo du
- 23:32erwähnt hast, habe ich das sehr, sehr eindrücklich erlebt.
- 23:36Das ist ein Zugang über die Methode, von der Christine
- 23:40Linklater, wo der Ausgangspunkt hat, von der Stimmarbeit im
- 23:46entspannten Körper, und wir haben manchmal eine Stunde lang
- 23:50irgendwie eine Partnermassage oder so gemacht oder Meditation,
- 23:54und nachher ist die Stimme einfach sicher ein Ton tiefer
- 23:58als vorher. Und da zu merken, wie viel
- 24:02Emotion eben in der Tonlage von der Stimme drin ist, ist für
- 24:07mich extrem eindrücklich gewesen.
- 24:08Und ich hab's nie gemessen, aber ich glaube, meine Stimme ist
- 24:11wirklich seither auch ein bisschen tiefer als vor der
- 24:14Tanne. Und wieso wirkt denn eine
- 24:18tiefere Stimme angenehmer, aber weil sie entspannter und auch
- 24:22mehr bei sich selber tönt und die höheren Stimmen sind eh noch
- 24:25so ein bisschen verkrampft. Oder denn auch wenn's noch die
- 24:29höhere in der Kopfresonanz geht, so Li übererregt.
- 24:34Und das hat man natürlich lang den Frauen auch zugeschrieben,
- 24:37also die ganze Hysteriedebatten im letzten oder vorletzten
- 24:40Jahrhundert, so dass sich Frauen das, wie auch Li angewöhnt
- 24:44haben, so hoch zu reden. Also das ist dann wie ein ein
- 24:47Teufelskreis, wo sich wieder in Schwanz beißt.
- 24:51Wenn man also selber seine Stimme ein bisschen tiefer
- 24:54machen möchte oder entspannter machen möchte, lohnt es sich, an
- 24:57der eigenen Entspannung zu arbeiten.
- 24:58Hast du eine Übung, was man tun kann, um kurz vor einer
- 25:01Präsentation oder bevor man jemandem was erzählen möchte,
- 25:04sich selber zu entspannen und runterzufahren?
- 25:08Also jetzt wirklich oft stimmbezogen und alles was man
- 25:11sich auch so macht mit Schnaufen und so unbedingt ist super oft
- 25:14stimmbezogen ist erstens gähnen mit einem groß offenen Witter
- 25:19runden Mul und. Laut und sich vielleicht noch
- 25:22ein bisschen Strecken und Dehnen dazu und zweitens seufzgen, also
- 25:27erleichternd aufseufzgen und das schafft einem den Zugang zu der
- 25:33unteren Ebene vom Körper. Sehr schön an dieser Stelle
- 25:42endet Teil 1 des Gesprächs mit Moni Egger.
- 25:46Wenn du wissen möchtest, worum es in ihrer neuesten
- 25:50Erzählperformance geht und wie sie sich auf eine sehr
- 25:54ungewöhnliche Geschichte eingelassen hat.
- 25:57Die Geschichte der Heiligen Viborada von St.
- 26:00Gallen. Dann hör gleich weiter bei Teil
- 26:032 an, alle anderen vielen Dank fürs Zuhören Teil doch den
- 26:08Podcast gerne oder leite ihn weiter an Menschen, die ihn auch
- 26:12interessieren könnten und mit denen du Tipps für die Kunst des
- 26:15Erzählens teilen möchtest. Wir freuen uns immer über eine
- 26:19gute Sterne Bewertung in der App deiner Wahl und wenn du
- 26:22Beispiele für die Erzählkunst von Moni Ecker sehen möchtest,
- 26:26Schau auf unserem Instagram Kanal vorbei.
- 26:28At Fadegrad unterstrich Podcast Mach's gut, deine Ines.
- 26:42Fadegrad.