Latest / heute journal - der Podcast / Wut auf den Straßen: Europas Jugend protestiert. Mit Nina-Kathrin Wienkoop und Lilli Berthold
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- 0:08In etlichen Ländern Europas tragen junge Menschen gerade ihre Wut auf die Straße.
- 0:13Ob in Frankreich, Italien oder Griechenland, vor allem Schüler und Studierende
- 0:17führen die Proteste an für bessere Bildung oder gegen hohe Lebenshaltungskosten.
- 0:22Und während die Demos in den meisten Fällen friedlich verlaufen,
- 0:25kommt es mancherorts zu Gewalt und Chaos. Jetzt ist auch in Deutschland ein
- 0:30Protesttag angekündigt.
- 0:32Was steckt hinter der Wut der jungen Generation? Was verbindet die Proteste
- 0:36und wie groß könnten sie bei uns in Deutschland werden?
- 0:39Darüber sprechen wir diese Woche mit Nina-Kathrin Wienkob vom Institut für Protest-
- 0:44und Bewegungsforschung Berlin.
- 0:46Sie lehrt und forscht unter anderem zu den Themen Demokratie,
- 0:49Jugend und gesellschaftlicher Zusammenhalt und hat ihren ersten Schulabschluss
- 0:53in Frankreich gemacht. Hallo Frau Wienkob. Hallo.
- 0:57Außerdem dabei Lilli Berthold, stellvertretende Generalsekretärin der Bundesschüler-Innenkonferenz
- 1:01und seit kurzem Studentin in Leipzig. Grüße auch an Sie. Hi.
- 1:06Und hier im Studio ist wieder Christian Sievers, Moderator des Heute-Journals.
- 1:09Hi Christian. Grüß dich.
- 1:11Und ich bin Christoph Wiesel-Lancé, Vertreterin dieser Woche Helene.
- 1:14Es ist Donnerstag, der 22. Oktober, kurz vor 14 Uhr. Schön, dass ihr alle dabei seid.
- 1:21Die Szenen aus Frankreich gingen am Wochenende um die Welt.
- 1:25Mehr als eine halbe Million Menschen demonstrieren landesweit.
- 1:28Schüler und Studierende, die mehr Geld für das Bildungssystem fordern,
- 1:32aber auch viele andere, bei denen sich Frust angestaut hat über die Politik der Regierung.
- 1:37Dann kapern Krawallmacher zum Beispiel in Paris, den Protest zünden Autos und
- 1:41Geschäfte an. Tausende werden festgenommen.
- 1:45Christian, du warst am Wochenende selbst in Paris. Was ein Zufall.
- 1:48Privat hast die Proteste miterlebt. Da wollen wir heute beginnen. Wie hast du das erlebt?
- 1:54Ja, das ist so, wie wenn man als Touri plötzlich in eine ganz neue Situation
- 1:59reingeschmissen wird und natürlich auch so ein bisschen naiv durch die Stadt
- 2:02stolpert und spürt, was da gerade los ist.
- 2:05Und es waren ganz viele Welten, die ich bis heute ehrlich gesagt noch nicht
- 2:08so richtig in meinem Kopf unter ein Dach gekriegt habe.
- 2:12Ich sage erstmal, die Übergeordnete war natürlich, ist Paris eine riesige Stadt
- 2:15und es gab immer noch Gegenden, in denen ganz normal die Leute im Straßencafé
- 2:18saßen Und manche haben auch irgendwie ihren Champagner geschlürft und zwei Straßen
- 2:22weiter brannten aber bereits die Barrikaden.
- 2:25Das war so dieser eine Gegensatz. Und der andere war, und das hat man quasi
- 2:29den gesamten Tag über erlebt, erst eine unglaublich große Menge von friedlichen
- 2:34Demonstrierenden, also da war wirklich alles dabei, vom Kleinkind bis zum,
- 2:39Opi und der Omi, mit Plakaten, mit Forderungen, mit ganz konkreten Anliegen.
- 2:44Aber ich muss sagen, schon da merkte man zwei Dinge. Erstens, ähm,
- 2:50Es mischten sich schon, ganz zum Anfang waren immer auch Leute dabei,
- 2:53da hat man gespürt und ich bin jetzt kein Protestforscher, das hören wir ja
- 2:57gleich noch aus berufenem Munde, aber man hat schon als einfach nur,
- 3:01dabei sein, da drauf gucken, da gespürt, dass da Leute auch drunter gemischt
- 3:05waren, denen es ganz klar nicht um die Zukunft des französischen Bildungssystems
- 3:08ging, die also vermummt waren, die Werkzeuge dabei hatten.
- 3:13Die sie wohl aus anderen Gründen dabei hatten, als um zu protestieren.
- 3:17Das war die eine Geschichte, wo man echt gedacht hat, was passiert da noch?
- 3:20Und die zweite Sache, die mir total auffiel, weil ich es aus Deutschland total
- 3:24anders kenne, das ist die Tatsache, dass man ganz wenig Polizei am Anfang gesehen
- 3:28hat. Also bei manchen Demonstrationszügen gar keine Polizei.
- 3:31Die Demonstrierenden mussten teilweise den Verkehr selbst absperren.
- 3:35Also es war nicht mal jemand da, der gesagt hätte, Entschuldigung,
- 3:38hier sind gerade ein paar tausend Leute auf der Straße, könnt ihr bitte aufhören
- 3:42Auto zu fahren, sondern das haben die dann selbst gemacht.
- 3:44Also da habe ich mich total gewundert, weil ich kenne Demonstrationszüge in
- 3:48Deutschland so, dass die zumindest von einem Polizeiaufgebot am Anfang gleich
- 3:52gesichert werden und die waren überhaupt nicht zu sehen.
- 3:55Und dann ging es relativ schnell los, dass das umschlug und dass diese,
- 3:59du hast es vorhin, glaube ich, ganz schön gesagt, nämlich gekapert wurden,
- 4:02die friedlichen Demonstranten, diese Züge, durch Menschen, die als erstes diese
- 4:08E-Scooter angesteckt haben.
- 4:09Überall in Paris brannten E-Scooter. Das sind ja diese Elektro-Scooter,
- 4:13die man mieten kann, die auch diese Batterien haben, die gehen los wie Zonder,
- 4:17und die brannten so krass, dass sie sich mit dem Asphalt vermischt haben und,
- 4:21es war alles voller Glas auf den Straßen, weil die Bushaltestellen eingeschmissen
- 4:24wurden, die Schaufensterscheiben eingeschmissen wurden und dann je länger der
- 4:28Abend und die Nacht wurde, desto häufiger.
- 4:31Begab man sich in diese Gefahr, dass man einmal falsch abgebogen ist und plötzlich
- 4:34kam einem so eine Horde Schwarzgekleideter entgegen, die die Dinge unterm Arm
- 4:38hatten, die sie ganz offensichtlich gerade geklaut hatten und,
- 4:42Und was einem auch entgegenkam, war eine Horde schwarz gekleideter Motorradfahrer,
- 4:46wo ich erst totale Angst bekommen hatte, weil ich dachte, was ist denn das jetzt?
- 4:50Und dann stellte sich heraus, dass die Polizei, die war nur als solche nicht zu erkennen.
- 4:54Also es war ein, ja, ich muss echt sagen, total aufwühlender Tag und aufwühlende
- 5:02Nacht in Paris, wie ich sie so noch nie erlebt habe. Als Tourist vielleicht
- 5:05nicht unbedingt erwartet. Richtig.
- 5:06Frau Winkopf, wir wollen das nochmal ein bisschen sortieren.
- 5:08Begonnen hat das ja alles in Frankreich vor einigen Wochen als Protestbewegung
- 5:11von Schülern für bessere Lernbedingungen. Inzwischen beteiligen sich ja tatsächlich
- 5:15ganz unterschiedliche Gruppen. Wer kommt denn da überhaupt zusammen?
- 5:19Ja genau, also wie gerade schon angesprochen, ursprünglich waren es ja inhäret
- 5:22wirklich Bildungsfragen. Also auch finde ich erstmal auch vielleicht schön anzuerkennen,
- 5:27junge Menschen, die sagen, hier wir möchten, dass ihr in unsere Bildung investiert.
- 5:31Hier fehlt etwas. Wir möchten andere gute Lernräume.
- 5:34Wir möchten andere Arten von Bildung.
- 5:36Also ich finde, da wurde erstmal deutlich, es ging ja vor allem von SchülerInnen
- 5:39und Studierenden aus, die natürlich sich auch gut organisieren können,
- 5:42weil sie räumlich immer zusammenkommen. Das finde ich nochmal ganz spannend,
- 5:45sich das auch klar zu machen.
- 5:46Die kommen in Schulen und Universitäten
- 5:47zusammen, die können sich dadurch auch gut eben mobilisieren.
- 5:51Sehr früh tatsächlich sind LehrerInnen ja auch dazugekommen,
- 5:55haben sich ja auch teilweise schützend vor Protestierenden gestellt,
- 5:58auch zum Schutz von Wasserwerfern zum Beispiel. Da gab es einiges sehen.
- 6:03Dann aber auch tatsächlich die Gewerkschaften. Und das ist in Frankreich gar nicht unüblich.
- 6:07Frankreich hat auch ein generell anderes Streikrecht und sich auch selbst anders
- 6:12verstehende Gewerkschaften, die sich deutlich stärker als politische Akteure verstehen.
- 6:16Und es gibt eben das Individualstreikrecht in Frankreich. Das ist ein großer
- 6:19Unterschied zu Deutschland.
- 6:21Wo wir sicher noch darauf zu sprechen kommen werden. Aber da ganz klar,
- 6:24diese Akteure waren sehr schnell dabei, würde ich sagen.
- 6:27Und was wir jetzt aber sehen, was Sie eben schon angesprochen haben,
- 6:31sind jetzt noch mal andere Personengruppen, die ich auch noch mal unterscheiden
- 6:34würde. Also einmal organisiertere Gruppen, die bewusst auch ...
- 6:39Hier auch ein Unmut gegenüber dem Staat äußern, in dem sie staatliche Gebäude angreifen.
- 6:44Und auf der anderen Seite eben diese Plünderung, die sie eben auch beschrieben
- 6:47haben. Und da wirklich auch jetzt eine Gelegenheit entstanden ist,
- 6:51die auch auf Social Media immer weiter verbreitet wird. Das sieht man ja auch.
- 6:55Und dadurch auch das Gefühl entsteht, ich möchte da vielleicht auch dabei sein.
- 6:58Und da aber auch hinzugucken, wer wurde da eigentlich festgenommen und was sind
- 7:00das für Personengruppen?
- 7:02Und da hören wir ja aktuell, das sind vor allem viele Erwachsene,
- 7:05über 70 Prozent wohl der Festgenommenen, was Plünderung angeht,
- 7:09Erwachsene und tatsächlich in der Dominanz auch Männer.
- 7:12Und da vielleicht auch eine Frage, was sind da eigentlich noch für gesellschaftspolitische
- 7:15Fragen hinter, dass Menschen dann so auch in diesem Moment zur Plünderung greifen
- 7:21und da vielleicht auch drauf aufspringen.
- 7:23Auf diese Eskalation werden wir später auch nochmal zu sprechen kommen.
- 7:27Vielleicht vorher Frau Berthold, für dieses Wochenende sind ja wieder Proteste
- 7:30in Frankreich angekündigt.
- 7:31Sie haben sich ja auch als BundesschülerInnenkonferenz mit den Demos dieser
- 7:35jungen Franzosen, der Schüler, der Studierenden solidarisiert.
- 7:39Warum bewegt Sie das denn überhaupt, was da bei uns im Nachbarland in Frankreich passiert?
- 7:43Ja genau, also SchülerInnenproteste beschäftigen uns ja auch als sozusagen Gewerkschaft
- 7:49der SchülerInnen, die wir als BundesschülerInnenkonferenz letztendlich ja irgendwo
- 7:52sind, schon seit Jahren.
- 7:54Und gerade in Frankreich ist es nun mal so, dass die Situation unter den jungen
- 7:59Leuten einfach viel prekärer ist als die in Deutschland.
- 8:02Es ist so, dass gerade soziale Spaltung und soziale Herkunft eine viel größere
- 8:06Rolle spielen als unter deutschen SchülerInnen teilweise.
- 8:09Die Zustände aber auch in den Schulen deutlich schlechter sind,
- 8:11gerade was den Schulbau oder aber auch die Fachkräfteorganisation angeht.
- 8:16Da sind die Ressourcen deutlich schlechter verteilt und auch ganz anders organisiert
- 8:20als bei uns in Deutschland beispielsweise.
- 8:21Und zu sehen, dass junge Menschen irgendwie diese Initiative ergreifen und sagen,
- 8:25wir wollen dafür laut werden, dass wir hier gerade unter super schlechter Bildungsqualität
- 8:30irgendwo leiden, dass unsere Zukunft ja auf dem Spiel steht,
- 8:33hat uns auch hier in Deutschland bewegt.
- 8:35Denn wir versuchen genau das, was in Frankreich jetzt für so viel Aufmerksamkeit
- 8:38sorgt und was in Frankreich ja auch irgendwo Hebel bewegt, versuchen wir in
- 8:42Deutschland ja schon seit Jahren, aber bei uns hat es einfach einen total anderen Wirkungsgrad.
- 8:46Das bedeutet nicht, dass wir gerne davon profitieren würden,
- 8:50wie gewaltvoll Proteste in Frankreich stattfinden.
- 8:52Das bedeutet aber trotzdem, dass es so zu sein scheint, dass in Frankreich,
- 8:57irgendwie die Lobby der jungen Leute viel, viel breiter aufgestellt ist,
- 9:01dass sie sehr, sehr viel schneller Mehrheiten organisiert werden können für
- 9:04teilweise auch einen guten Zweck letztendlich.
- 9:07Und wir uns deswegen dafür aussprechen wollen, dass sowas auch in Deutschland
- 9:10möglich ist, dass auch die Lobby der jungen Leute in Deutschland irgendwie eine
- 9:14Rolle spielen kann und dass wir da auch genauso viele politische Hebel letztendlich bewegen könnten
- 9:19und wollen deswegen so diese Solidaritätsbekundung auch nach Frankreich aussprechen.
- 9:24Ganz kurz, wenn ich da reinhaken darf, Sie haben von Wirkungsgrad gerade gesprochen,
- 9:28der in Frankreich höher sei als in Deutschland. Wie meinen Sie das?
- 9:30Also was konkret fehlt Ihnen am deutschen Wirkungsgrad?
- 9:34Genau, also was ich mit Wirkungsgrad meine, ist eindeutig, dass ja auch das
- 9:38französische Bildungssystem nicht so föderal organisiert ist wie in Deutschland,
- 9:42sodass man dort auch die Möglichkeit hat, mit einem bundesweiten Protest tatsächlich auch.
- 9:47Sozusagen direkt Forderungen umsetzen zu lassen, dass man da sich an eine zentrale
- 9:51Stelle auch wenden kann.
- 9:53Wenn wir in Deutschland, sage ich mal, in Berlin noch mal eine große Schülerorganisation
- 9:57oder irgendwie noch mal einen Protest organisieren, dann interessiert das die
- 10:00Leute in München einfach überhaupt nicht, weil da funktioniert es einfach komplett anders.
- 10:04Und da kann man überhaupt nicht so sich gemeinsam für eine Sache irgendwie einstellen,
- 10:08weil man kommt dann in die politische Debatte einfach so nicht rein.
- 10:12Aber ist das gut oder schlecht jetzt? Weil ich meine, vielleicht ist es ja auch
- 10:15gut, dass es verschiedene Arten von Bildungssystemen gibt und in manchen Ländern
- 10:19es einfach besser läuft als in anderen.
- 10:21Genau, also föderalistische Strukturen sind an sich nicht das Problem dahinter.
- 10:25Ich glaube, das hat auch sehr viele Vorteile, was unsere Organisation an Schulen betrifft.
- 10:29Aber direkte Maßnahmen umzusetzen wird schwerer, wenn man die Gemeinschaft der
- 10:34jungen Leute nochmal auf verschiedene Regionen aufteilt, weil so einfach die
- 10:38Mehrheiten viel, viel geringer werden.
- 10:40Also wenn ich jetzt zum Beispiel in Berlin es schaffe, irgendwie die jungen
- 10:44Leute auf den Straßen zu organisieren, dann habe ich diese Bewegung in Bayern
- 10:48einfach überhaupt nicht. Also dann habe ich da nicht diesen Wumms,
- 10:51der dahinter steckt und da komme ich dann auch als...
- 10:54Als junge Menschen viel, viel schwerer in dem politischen Diskurs.
- 10:57Und das ist das, was in Frankreich sozusagen.
- 11:01Demokratische Beteiligung, sag ich mal, was natürlich jetzt unter gewaltsamen
- 11:05Protesten man nicht auf eine Ebene stellen kann, aber wo zumindest der Anknüpfungspunkt
- 11:10einfach viel eher da ist, wo man einfach den Kontakt viel schneller herstellt,
- 11:13wo man sehr viel schneller auch in die Debatte reinschaut,
- 11:16das funktioniert dort viel besser.
- 11:19Jetzt haben wir schon ein bisschen über Frankreich gesprochen,
- 11:21ist ja auch aktuell so der Brennpunkt, das Epizentrum quasi dieser Protestwelle,
- 11:25aber auch anderswo in Europa, das ist ja auch interessant, gehen junge Menschen
- 11:28auf die Straße, teils aus ähnlichen, manchmal auch aus anderen Beweggründen.
- 11:32Und da wollen wir uns mal einen Überblick verschaffen mit Gundula Gause.
- 11:38Gundula erklärt's.
- 11:42In Italien haben am Wochenende nach Angaben der Veranstalter mehr als 400.000
- 11:47junge Menschen protestiert.
- 11:49Ihre Themen marode Schulen, hohe Rüstungsausgaben, steigende Preise und dazu
- 11:55noch ein Dekret der Regierung Meloni, mit dem sie den Anteil von Migranten in
- 12:00Schulklassen begrenzen will.
- 12:01In Belgien haben Anfang Oktober zwischen 30.000 und 50.000 Menschen in Brüssel
- 12:07für bessere Schulen und gegen steigende Ausbildungskosten protestiert.
- 12:11In Österreich, vor allem in Wien, gehen in den vergangenen Tagen immer wieder
- 12:15tausende Menschen gegen drohende Kürzungen bei Universitäten auf die Straße.
- 12:20In Portugal haben am Wochenende in Lissabon tausende für höhere Löhne und Renten
- 12:26sowie bezahlbare Wohnungen demonstriert.
- 12:28Und im Nachbarland Spanien geht es auch ums Wohnen und explodierende Mieten.
- 12:33Die Proteste entbrannten, nachdem eine 87-jährige Frau ihre Wohnung verloren hatte.
- 12:39In Griechenland kämpfen seit vergangener Woche Studierende vor dem Parlament in Athen.
- 12:45Sie protestieren gegen hohe Mieten und fehlende Wohnheimplätze.
- 12:49Außerdem geht es um mehr Geld für Bildung.
- 12:52In Albanien haben Studierende zunächst gegen teure Unis und fehlende Berufsaussichten protestiert.
- 12:58Inzwischen haben sie sich einer Bewegung gegen Korruption angeschlossen und
- 13:03fordern den Rücktritt von Regierungschef Rama.
- 13:11Frau Wienkob, gerade kommen also viele Proteste zusammen in Europa.
- 13:15Was verbindet die denn überhaupt miteinander? Ist das schon so eine Art europäische
- 13:19Jugendbewegung, die wir da sehen?
- 13:21Das ist vielleicht ein bisschen früh zu urteilen, ob das jetzt eine gemeinsame
- 13:25Bewegung ist. Ich finde aber, was wir ganz klar sehen, auch eben in der Zusammenfassung
- 13:29gehört haben, das sind ja inhärent soziale Fragen, die wir hier als Gesellschaft
- 13:33uns jetzt auch stellen sollten.
- 13:36Fragen nach Wohlfahrtsstaatlichkeit, Fragen aber auch ganz klar nach Generationsgerechtigkeit,
- 13:41nach Zukunftsperspektiven und tatsächlich auch nach fehlenden hoffnungsvollen Zukunftsaussichten.
- 13:46Also ich finde da vielleicht uns auch das nochmal sehr bewusst klarzumachen,
- 13:51Wir haben ja junge Menschen, die einen demokratischen Staat erlebt haben in
- 13:55der Pandemie, in der sehr autoritär dort gehandelt hat.
- 14:00Wurde ja auch viel diskutiert, wie legitim war, was.
- 14:02Und wo es ganz klar immer darum ging, die älteren Menschen zu schützen.
- 14:06Und jetzt geht es bei diesen Sparmaßnahmen wieder ja darum zu sagen,
- 14:08okay, die Rentenkassen und so weiter, wir brauchen das wieder als Gesellschaft.
- 14:12Das heißt, immer wieder hören junge Menschen, okay, es muss ganz viel gekürzt
- 14:15werden. Ihr müsst hier solidarisch sein, anderen Generationen gegenüber.
- 14:19Aber zeitgleich bieten wir ihnen keine hoffnungsvollen Zukunftsaussichten,
- 14:22sondern ganz im Gegenteil die Perspektive auf weitere sozioökonomische Kürzungen, Schwierigkeiten.
- 14:29Wir haben es eben gehört, gerade wirklich mit dem essentiellsten,
- 14:31also Lebensunterhaltungskosten und Wohnen als die großen Themen und auch Themen
- 14:36wie Folgen des Klimawandels oder eben auch Aussichten in Bezug auf Kriegsdienste.
- 14:42Ja, also insofern würde ich sagen, gibt es hier ganz viele gemeinsame Nenner
- 14:47und ich finde aber auch für uns wirklich als Gesellschaft inhärent soziale und
- 14:51sozialstaatliche Fragen, die wir uns demokratisch unbedingt stellen müssen.
- 14:55Ganz kurz das Wort Kriegsdienst haben Sie jetzt verwendet. Ich würde vielleicht
- 14:58Wehrdienst sagen wollen. Ich weiß, was Sie meinen, aber wir haben ja in Deutschland
- 15:03keinen Kriegsdienst aktuell.
- 15:05Genau, aber ich habe das vielleicht auch genauso gesagt, weil die Wahrnehmung
- 15:08natürlich ist, dass es eben auch, das ist ein großer Unterschied,
- 15:11glaube ich, dass es eben diese Zeiten sind, wo es eben auch in Kriegssituationen kommt.
- 15:16Also ich erlebe das auch selbst an der Hochschule hier ganz viel und wir erleben
- 15:20das ja bei vielen Protesten in Bezug auf Wehrpflicht, eben wirklich eine Angst
- 15:24davor, selber davon betroffen zu sein.
- 15:26Und diese Zukunftsaussicht, dass diese Sicherheit vielleicht auch,
- 15:30mit der einige noch mehr aufgewachsen sind oder dem Gefühl von,
- 15:34dass es eben möglich ist, wirklich das Leben auch in friedlichen Zeiten zu verbringen,
- 15:39das hat sich deutlich verändert.
- 15:41Und wie gesagt auch das Aufstiegsversprechen, was immer inhärent auch in unseren
- 15:45Gesellschaften war, was sich jetzt so auch nicht mehr erfüllt.
- 15:48Also das zeigt sich ja auch statistisch, das ist nicht nur ein Gefühl,
- 15:51sondern das sehen wir ganz klar.
- 15:53Und da hat sich ganz doll etwas verändert und das ist glaube ich wichtig auch klar wahrzunehmen.
- 15:56Und dann vielleicht noch ein Satz dazu, auch eben zu dem Punkt,
- 16:00wie wir Gehör finden oder wie junge Menschen Gehör finden in unserer Gesellschaft.
- 16:05Wir sind ja auch Gesellschaften, die immer älter werden. Das ist auch einfach
- 16:09statistisch, sind junge Menschen in der Minderheit.
- 16:13Das fühlen Menschen auch durchgängig. Ich glaube, das kann man sich manchmal
- 16:16vielleicht selbst gar nicht so vorstellen, was das heißt.
- 16:19Und da zu sehen, dass das auch eine zunehmende Herausforderung ist,
- 16:24sich dennoch repräsentiert zu fühlen und die Interessen eben zu artikulieren,
- 16:27wie das eben auch Frau Berthold gesagt hat.
- 16:30Also wo kommen junge Menschen wie vor bei uns und welche Zukunft bieten wir ihnen auch politisch?
- 16:37Jetzt ist das eine natürlich der Blick in die Zukunft, das andere ist das ganz
- 16:40Konkrete, das haben Sie auch schon angesprochen.
- 16:41Also Wirtschaftslage, Inflation, steigende Mieten, das trifft natürlich auch
- 16:44gerade junge Menschen besonders hart, die zum Beispiel noch keine Gelegenheit
- 16:48hatten, jetzt einen finanziellen Puffer aufzubauen.
- 16:50Frau Berthold, wie ist Ihr Gefühl denn? Geht es der Jugend heute tatsächlich schlechter als früher?
- 16:58Also dazu brauche ich gar kein Gefühl haben. Das kann man eindeutig in Zahlen ablesen.
- 17:05Beispielsweise das Deutsche Schulbarometer der Robert-Bosch-Stiftung oder auch
- 17:08die Strandstudie Jugend, die alle zwei Jahre beziehungsweise jedes Jahr veröffentlicht
- 17:12werden, zeigen eindeutig, dass
- 17:15die mentale und die psychische Gesundheit junger Menschen einfach radikal verschlechtert ist seit Corona.
- 17:21Es gibt 21 Prozent junge Leute, die sagen, dass sie tatsächlich psychische Auffälligkeiten
- 17:26haben, die also wirklich pathologische Krankheiten auch mit sich konsequent haben könnten.
- 17:31Es gibt 37 Prozent der jungen Menschen, die jeden Tag Angst vor möglichen Krisen
- 17:37oder globalen Kriegen haben.
- 17:40Es sind 40 Prozent der jungen Menschen, die inzwischen sagen,
- 17:42dass sie einsam sind. Und es sind einfach Zahlen, die...
- 17:47Die sprechen für sich. Da brauche ich nicht irgendwie noch schauen,
- 17:51wie nehme ich das in meinem Umfeld wahr, sondern das ist einfach,
- 17:54das ist ein europaweiter Trend
- 17:56und der zeigt sich in Deutschland eben auch besonders in den Schulen.
- 17:59Genau wie Frau Wienkopf schon gesagt hat, das ist einfach ein Vorteil,
- 18:02dass sich junge Menschen jeden Tag in der Schule versammeln.
- 18:04So haben wir nämlich da auch einfach ein ganz klares Meinungsbild.
- 18:07Wenn ich sehe, wie viele junge Menschen inzwischen regelmäßig dem Unterricht
- 18:11fernbleiben, wenn ich sehe, auch gerade in Pisa, wie sich irgendwie der Lernerfolg
- 18:15jedes Jahr wieder verschlechtert.
- 18:17Das hängt auch konsequent mit der verschlechternden mentalen Gesundheit,
- 18:22psychischen Gesundheit, aber auch einfach dieser Zukunftsvision,
- 18:25Zukunftseinstellung, diesem Optimismus, den junge Menschen nicht mehr haben
- 18:28können, letztendlich zusammen.
- 18:29Und deswegen glaube ich, es sind viele Faktoren, die da auch irgendwie eine
- 18:34Rolle spielen. Das sind wahrscheinlich nicht nur schlechte Bildungskonditionen,
- 18:38es ist bestimmt viel mehr, was diese Gesellschaft auch gerade noch bewegt.
- 18:41Aber man sieht eben, es findet nicht nur zu Lasten alter Menschen statt.
- 18:47Sondern wir haben hier eben, anders als in Corona, dass irgendwie die Auffassung
- 18:51war oder im Rentensystem oder bei der Einsamkeit war ja auch lange immer nur
- 18:55die Rede von alten Menschen, dann sehen wir einfach, dass es trotzdem auf den
- 18:59Schultern junger Menschen ausgetragen wird.
- 19:02Wenn ich da vielleicht ergänzen darf zu dem Punkt nochmal in Bezug auf Bildungspolitik.
- 19:07Junge Menschen können sich ja auch nicht mehr sicher sein, dass die Bildung,
- 19:10die sie jetzt bekommen, sich auf dem Arbeitsmarkt tragen wird.
- 19:14Weil mit der Einführung KI-Programm, es verändert sich gerade ja aktuell sehr stark.
- 19:20Es gibt eine starke Verunsicherung, eine starke Transformation auch.
- 19:24Und wo unklar auch ist, welche Art von Bildung braucht es eigentlich und welche
- 19:29Berufe werden Bestand haben und welche nicht und wie werden die sich verändern.
- 19:33Also das kommt, finde ich, noch zu dem, was eben schon gesagt wurde, noch hinzu.
- 19:36Und das finde ich auch hier besonders und deswegen auch sehr passend,
- 19:38dass es hier auch um diese Bildungsfragen geht.
- 19:41Jetzt sieht man zugleich, dass sich, und das haben wir auch schon angesprochen,
- 19:44sozusagen auf diese spezifischen Anliegen der Jungen ganz andere Anliegen noch mit draufsetzen.
- 19:50Und Christian, du hast dich für Ampuls, für die Reihe ja gerade erst mit den
- 19:54Dauerkrisen sozusagen in der Welt beschäftigt.
- 19:58Und damit, was uns in Zeiten von Inflation, Kriegen und Klimakrise sozusagen
- 20:02noch Sicherheit gibt. Das betrifft ja eben nicht nur die Jungen,
- 20:04sondern auch Ältere. Was hast du denn herausgefunden? Und kann da vielleicht
- 20:08den Protesten gemeinsam auch helfen, irgendwie ins Handeln zu kommen?
- 20:12Also ich glaube, was auf jeden Fall hilft, ist Gemeinsamkeit.
- 20:17Frau Berthold hat es ja gerade gesagt, es gibt sehr, sehr viele Menschen,
- 20:19die sich total bedrückt fühlen durch die Dauerkrisen dieser Welt,
- 20:23durch Kriege, Krisen, aber durch alle möglichen anderen Faktoren eben auch.
- 20:27Da spielt wahnsinnig viel rein.
- 20:29Das sind vor allem viele junge Leute. Es sind aber auch ältere Menschen.
- 20:33Es geht auch quer durch die Bank. Das war zum Beispiel der Ausgangspunkt für
- 20:37diesen Film, den wir machen wollten, dass wir auch als Journalisten ja merken.
- 20:43Diese Welt ist in so einem Overdrive die ganze Zeit. Eine Krise jagt die nächste.
- 20:49Man muss wirklich schon wahnsinnig aufpassen, dass man immer das wieder genau
- 20:52richtig eingeschätzt bekommt.
- 20:54Man hat das Gefühl, es gibt überhaupt keine Möglichkeit mehr, kurz mal durchzuatmen.
- 20:59Und ich wollte einfach rausfinden, wie beschäftigt das die Menschen.
- 21:03Und das Erstaunliche war, wir haben wirklich gedreht wie die Verrückten vom
- 21:08Bundesverteidigungsminister, der für die Sicherheit Deutschlands verantwortlich
- 21:11ist, bis zur Kleinfamilie im Rheinhaus.
- 21:13Und ich habe überall eigentlich dieselbe Herausforderung festgestellt.
- 21:16Alle sagen, das ist etwas, was uns unglaublich umtreibt.
- 21:21Und das reicht von, wir...
- 21:24Versuchen irgendwie Lösungen zu finden, bis zu ich kann nachts nicht mehr schlafen.
- 21:28Und das hat mich wirklich total beeindruckt, weil ich das von mir selber auch kenne.
- 21:32Es ist in der Tat etwas, was wir mit uns rumtragen. Und jetzt haben wir in diesem
- 21:35Film, der, übrigens ich muss kurz Werbung machen. Werbeblock,
- 21:39bitte. Ich muss kurz sagen, dass man ihn natürlich gucken kann.
- 21:41Und zwar im ZDF Streaming jederzeit und wir auch in den Shownotes zu diesem Podcast.
- 21:46Ampuls.zdf.de sage ich jetzt dir auch. Den Link verlinken. Vielen Dank,
- 21:50Christoph. Sehr lieb von dir. Sehr gerne. Aber mir ist das deswegen so ein Anliegen,
- 21:53Weil wir eben nicht nur gesagt haben, wir machen jetzt einen weiteren Film,
- 21:56der die Probleme alle nochmal aufzählt, sondern wir haben auch versucht zu gucken,
- 21:59wie kommen wir denn da raus.
- 22:00Und wir werden jetzt nicht durch einen Film im ZDF am Ende die Welt verbessern
- 22:04können. Aber was wir wirklich gefunden haben, sind auch ganz viele Ansätze,
- 22:08was wir für uns tun können, um mit der Situation besser umzugehen.
- 22:12Um die Situation für uns besser in den Griff zu bekommen.
- 22:16Und nur eine Sache, wenn ich kurz darf, die mich total erreicht hat und an die
- 22:21ich ganz oft im Alltag mittlerweile denke, also das ist so ein Punkt,
- 22:25wo man sagt, man arbeitet an etwas und man dreht und man hat dann aber trotzdem
- 22:28etwas, was einem selbst was bringt im Alltag.
- 22:31Das ist der Tipp einer Psychologin, die sagte, man muss in schwierige Situationen leben.
- 22:37Wirklich mit aktiv reingehen, selbst sich denen auch aussetzen und sie sagte,
- 22:42Zitat, mit Genuss, versuchen daraus einen Genuss zu ziehen. Da habe ich erst
- 22:46gedacht, worüber redet die?
- 22:47Aber das fand ich total faszinierend, weil sie sagt, danach bekommst du eine
- 22:51neue Widerstandskraft für dich selbst, weil du sagst, guck mal,
- 22:55ich habe etwas geschafft, ich habe etwas erreicht, ich kann das.
- 22:59Und das gibt dir für weitere Situationen ein Level, das dich einfach stärkt,
- 23:05um mit so etwas umzugehen.
- 23:06Und ich habe jetzt im Alltag bei mir gemerkt, das hilft in der Tat.
- 23:10Das klingt so einfach, aber es ist etwas, was dich wirklich,
- 23:13wenn du mal wieder verzweifeln möchtest an den Umständen, tatsächlich einen Schritt weiter bringt.
- 23:18Und das versucht dieser Film sozusagen das Problem zu zeigen,
- 23:21aber eben auch zu gucken, wie können wir damit besser umgehen als in der Vergangenheit.
- 23:24Was schaffen, was bewirken, das führt uns auch wieder zu den Protesten sozusagen
- 23:28zurück, weil die Frage ist natürlich, können die tatsächlich irgendwie was bewirken?
- 23:31Gerade wenn man sich jetzt zum Beispiel Frankreich anguckt, Staatsverschuldung
- 23:34auf dem höchsten Stand seit 1946, wo soll das Geld für die Schulen herkommen, fragt man sich.
- 23:39Frau Wienkopf, also auch gerade wenn man sich jetzt anguckt und da müssen wir
- 23:42auch nochmal drauf zu sprechen kommen, die Gewalt, die Eskalation,
- 23:44die da jetzt auch mit dazu kommt.
- 23:47Was können diese Proteste bewirken und geraten die Anliegen der Jungen nicht
- 23:51eigentlich dann durch die Gewalt völlig in den Hintergrund? Exakt, super Frage.
- 23:55Das würde ich sagen, ist jetzt die aktuell größte Herausforderung.
- 23:58Das sehen wir ganz klar, wir sehen es auch schon im Diskurs.
- 24:00Also jetzt gibt es erstmal eine Diskursverschiebung natürlich darüber,
- 24:04und verständlicherweise, wir sehen diese Bilder, die bewegen uns.
- 24:07Menschen sind jetzt auch in Frankreich natürlich davon betroffen und dennoch,
- 24:12ist da jetzt auch eine inhärente Gefahr.
- 24:14Weil jetzt natürlich, jetzt geht es mehr um die Protestform,
- 24:16um die Eskalation und weniger um die Forderungen.
- 24:19Die kommen jetzt gerade in den Hintergrund und ganz im Gegenteil,
- 24:21wir erleben durch die Ausgangssperre.
- 24:24Und auch Beschränkungen der Versammlungsfreiheit letztlich jetzt auch wieder
- 24:28ein Momentum, wo es darum geht, wie können wir damit rechtsstaatlich,
- 24:32demokratisch gut reagieren und dennoch eben auch innere Sicherheit herstellen.
- 24:37Also das ist ja jetzt dieser Zwiespalt und immer die Herausforderung,
- 24:41wenn erstmal so eine Eskalationsdynamik, wie wir das in der Forschung auch nennen,
- 24:44also wirklich eine Dynamik, die dann kaum noch aufzuhalten ist,
- 24:48losgetreten ist, ist das eine große Herausforderung.
- 24:50Und jetzt ist natürlich ganz wichtig und da würde ich sagen,
- 24:53das ist auch ein Appell an die Politik vor allem, dass es verschiedene Reaktionen
- 24:58auf diese verschiedenen Gruppen gibt.
- 25:00Also dass auch diese Ansprache bitte verschieden ist. Das eine sind die Plünderungen,
- 25:04dass da ganz klar auch eben mit sicherheitspolitischen Maßnahmen reagiert wird,
- 25:10um wieder auch eine Ordnung herzustellen.
- 25:12Das andere sind vielleicht auch die organisierteren Gruppen,
- 25:14die aber auch politisch sich anders zeigen, die vielleicht gegen staatliche Gebäude,
- 25:19Gewalt ausüben, da auch zu überlegen, wie gehen wir damit eigentlich um,
- 25:21aber das auch zu trennen und dann eben nicht die friedlichen Protestierenden,
- 25:26die jetzt ja davon am stärksten auch betroffen sind. Das muss man sich ja auch nochmal klar machen.
- 25:30Die mussten sich auch schützen, die werden jetzt gerade sehr viel weniger interviewt,
- 25:33die haben gerade auch weniger Gehör wieder.
- 25:36Da auch zu gucken, wie sprechen wir die eigentlich an und was bieten wir da
- 25:39an Angebote, an Gesprächsangebote und eben auch an Möglichkeiten.
- 25:45Mit politischen Reformmöglichkeiten. Und da ist natürlich, apropos,
- 25:49Sie haben es gerade angesprochen, Handlungsspielräume ist immer ganz wichtig,
- 25:52dass Menschen das Gefühl haben von Handlungsspielräumen.
- 25:54Und teilweise wird ja aber leider aus der Politik auch so gesprochen,
- 25:57als sei alles alternativlos.
- 25:59Und das ist ja gar nicht demokratisch, weil demokratisch heißt,
- 26:02wir verhandeln, was möglich ist und bieten verschiedene Angebote.
- 26:06Und da auch immer wieder zu schauen, wo sparen wir, wo holen wir als Staat uns
- 26:11Geld und da wirklich auch diese Debatten zu führen und sich dem auch mutig parallel zu stellen.
- 26:17Also wenn jetzt zu sehr nur der Blick auf diese Eskalationen kommt,
- 26:21dann ist das auch problematisch, weil der ursprüngliche Protest und diese Forderung,
- 26:27nicht gehört werden, aber die ja bleiben.
- 26:28Also diese Missstände bleiben. Aber Frau Wiko, ganz kurz, können wir das noch
- 26:32einen Tick konkreter einfach machen?
- 26:33Sie sagen, man muss die verschiedenen Gruppen jetzt differenziert ansprechen.
- 26:37Das klingt alles total schlau und wichtig und gut, aber ich habe im Moment den
- 26:42Eindruck, es passiert das Gegenteil.
- 26:44Denn es ist natürlich jetzt gerade eine super aufgeheizte Stimmung,
- 26:48kann man ja auch verstehen. Die Leute sind gespalten, polarisiert.
- 26:52In Frankreich stehen auch noch Präsidentschaftswahlen vor der Tür.
- 26:55Das darf man auch nicht vergessen. Das heißt, die politischen Gegner versuchen
- 26:58das jeweils für ihr Lager auszuschlachten. Zu instrumentalisieren ja auch.
- 27:02Zu instrumentalisieren auch. Und jetzt ist die große Frage, wie kommen wir denn
- 27:05dahin, was sie vorschlagen? Das klingt total schlau, aber ich habe den Eindruck,
- 27:09wir sind davon weiter entfernt denn je.
- 27:12Ich finde das ehrlich gesagt gar nicht so schwierig. Mich wundert es manchmal,
- 27:15dass es politisch-strategisch nicht mehr gemacht wird, um ehrlich zu sein.
- 27:19Es gibt doch verschiedene Möglichkeiten. Man kann doch parallel Protestierende,
- 27:22die friedlich protestiert haben, da ist doch auch klar, da gibt es ja einige
- 27:25organisierte AkteurInnen, da gibt es Gewerkschaften, da gibt es SchülerInnenvertretungen
- 27:29und so weiter, die kann man doch parallel zum Dialog einladen
- 27:32und zeitgleich ganz klar sicherheitspolitische Maßnahmen kommunizieren,
- 27:37aber eben nicht alle in einen Topf schmeißen.
- 27:39Also ich finde das, ehrlich gesagt, also ich finde es gar nicht so schwierig
- 27:42zu kommunizieren und frage mich manchmal, warum so polarisiert auch kommuniziert wird.
- 27:47Und ja, Sie sagen das schon, es ist vor den Präsidentschaftswahlen.
- 27:52Genau, es ist vor den Präsidentschaftswahlen, da wird der Diskurs eh immer nochmal anders.
- 27:56Aber wenn Sie mich fragen, ist das in Bezug auf Protest nicht schlau.
- 28:01Und was ich nochmal wichtig finde zu sagen ist, wenn wir uns Effekte und Erfolge
- 28:05von Protest angucken und auch historisch übrigens, dann sehen wir immer wieder,
- 28:09es ist auch oft der lange Atem.
- 28:11Und dieser lange Atem ist jetzt ja für diese Protestbewegung auch gar nicht
- 28:14so einfach aufzubauen, weil er jetzt ja erstmal quasi durch diesen disruptiven
- 28:18Protest und dann durch die Eskalation unterbrochen wird.
- 28:21Das heißt, umso wichtiger, dass das eben jetzt nicht verschwindet,
- 28:24sondern eben vielleicht an Dialogtische geholt wird und Möglichkeiten auch wirklich
- 28:29geboten werden, darüber zu diskutieren und diese Themen trotzdem zu platzieren.
- 28:33Und dafür sind doch auch Pressekonferenzen, dafür sind Interviews,
- 28:36da gibt es doch viele Möglichkeiten. Also da muss ich sagen.
- 28:39Da sehe ich ehrlich gesagt nicht so das Problem.
- 28:41Ja und interessant auch, wie es eben sich auch international ausbreitet.
- 28:46Das würde ich jetzt gerne nochmal ein bisschen näher zu uns wieder nach Deutschland holen.
- 28:49Bisher hat uns ja quasi die Protestwelle nur gestreift, wenn man sagen will,
- 28:53jetzt hat ein Bündnis namens Gen Z regelt für den 31.
- 28:56Oktober zur Demonstration aufgerufen in 21 Städten, unter anderem für Bildung,
- 29:01Klimaschutz, bezahlbares Leben, gegen eine mögliche Wehrpflicht.
- 29:05Und einer der Mitorganisatoren ist Gianni Mattea, Student, Podcast-Host und
- 29:10hat auch eine Zeit lang bei uns in den Kindernachrichten von Logo gearbeitet.
- 29:14Und wir haben ihn mal gefragt, was er jetzt von den Protesten erwartet.
- 29:19Wir haben uns vor zwei Wochen anlässlich der damals noch friedlichen Proteste
- 29:22in Frankreich und anderen Ländern als kleine Gruppe von jungen Menschen formiert
- 29:25und angefangen von The Ground Up sozusagen Demonstrationen zu planen,
- 29:28die am 31.10. in den größten deutschen Städten, also Hamburg,
- 29:31Berlin, Köln, München und Frankfurt stattfinden sollen.
- 29:34Und dabei stehen wir für friedliche Proteste, weil wir wissen,
- 29:36dass es halt für viele in der Generation Z die erste Demo-Erfahrung ist.
- 29:39Und wir wollen, dass alle sich prinzipiell sicher dabei fühlen können.
- 29:42Und unsere Positionen sind alle in einem Positionspapier festgehalten und umfassen
- 29:45zentrale Punkte, wie die Investitionsrückstände im Bildungssystem auszugleichen,
- 29:49für mehr Klimaschutz zu sorgen und sozialverträgliche Lebenshaltungskosten für alle Menschen.
- 29:53Dafür gehen wir am 31.10. in den deutschen Großstädten auf die Straße.
- 29:57Frau Berthold, was halten Sie davon? Unterstützen Sie die Proteste hier in Deutschland?
- 30:01Also ganz unabhängig davon, ob wir exakt diese Proteste unterstützen.
- 30:07Ich glaube, das werden wir dann auch sehen, wenn sie stattgefunden haben.
- 30:09Ich gehe nicht davon aus, dass es in Deutschland ein ähnliches Gewaltpotenzial
- 30:12wie in Frankreich geben wird. Ich glaube, das ist tatsächlich eine ganz andere
- 30:15Dimension, in der diese Proteste stattfinden.
- 30:19Finden wir, also natürlich sind politische Forderungen, auch die jetzt aufgestellt
- 30:24werden, erstmal sehr progressiv.
- 30:26Wir können vieles davon unterstützen, vieles davon gerade aus dem Bildungsspektrum
- 30:29unterschreiben, wenn es darum geht, junge Menschen irgendwie zu befähigen,
- 30:33ihnen nochmal, gerade was ihre Bildungsaussichten, gerade was ihre irgendwie
- 30:36auch letztendlich Berufschancen angeht, ihnen da irgendwie den Weg zu ebnen.
- 30:41Trotzdem finden wir, dass es unfassbar wichtig ist, auch Forderungen zu differenzieren,
- 30:45auch Forderungen an der richtigen Stelle zu stellen.
- 30:47Gerade wie auch jetzt schon irgendwie gesagt wurde, man muss auch bei den einzelnen
- 30:51Personengruppen, die irgendwie an den Demonstrationen teilnehmen,
- 30:54muss man differenzieren, wer da welche Interessen vertritt.
- 30:57Muss man unserer Meinung nach auch innerhalb der inhaltlichen Interessen nochmal differenzieren.
- 31:01Also es ist nicht einfach, sich als Gen Z irgendwie als eine Mehrheit quasi darzustellen.
- 31:08Es ist nicht einfach zu sagen, wir vertreten alle diese Position und wir können
- 31:13uns hier als ein Gesamtbild irgendwie porträtieren.
- 31:18Für uns als Bundesschüler in Konferenz ist es immer sehr einfach,
- 31:20dass wir uns beispielsweise im Bereich Bildung bewegen, dass wir sagen können,
- 31:23wir können aus den Schulen heraus, können wir Forderungen zu Schulen stellen,
- 31:27wie Ressourcen in Schule verteilt werden.
- 31:31Wie wir uns Schulqualität wünschen, wie wir uns Unterricht wünschen.
- 31:34Aber natürlich jetzt als Generation politische Forderungen auf dem gesamten
- 31:38politischen Spektrum zu stellen, ist nochmal eine ganz neue Herausforderung.
- 31:42Wir sehen auch gerade unter jungen Menschen, es gibt keine einheitliche politische Meinung.
- 31:48Wir haben die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern in Sachsen-Anhalt gesehen und
- 31:50gerade was besonders rechte Wahltendenzen angeht, standen die jungen Leute den,
- 31:55anderen Generationen in nichts nach.
- 31:57Und ich glaube nicht, dass wir es schaffen, so eine große Mehrheit hinter genau einer,
- 32:04sage ich mal, hinter genau einer Forderungsfront irgendwie zu mobilisieren.
- 32:09Ich glaube, das wird irgendwann noch zu inneren Konflikten führen,
- 32:14einfach weil man sich bei so einer breiten Masse an Inhalten,
- 32:18an Personengruppen, an Menschen, an Positionen, bei so viel Vielfalt glaube
- 32:22ich nicht, dass man da tatsächlich gemeinsam irgendwie,
- 32:28letztendlich in die Debatte reinrutscht, sondern ich glaube,
- 32:30das wird massiv noch zu inneren Konflikten führen am Ende.
- 32:34Und zugleich sehen wir auch schon wieder, es gibt Äußerungen aus der Politik,
- 32:38was jetzt konkret den 31. Oktober angeht. Frau Wienkopf, Hessens Innenminister
- 32:42hat gesagt, die Sicherheitsbehörden stellen sich auf einen größeren Einsatz
- 32:44ein. Er warnt vor einer Instrumentalisierung aus dem linken Spektrum.
- 32:49Wie schätzen Sie das ein? Wie groß ist die Gefahr, dass dieser Protest eskaliert?
- 32:55Tatsächlich würde ich die Eskalation erstmal grundsätzlich nicht als sehr groß einschätzen.
- 33:01Wir haben eine andere Protestkultur, wir haben eine andere politische Kultur tatsächlich.
- 33:04Eben, Sie haben es schon angesprochen auch, was den Schutz von Demonstrationen
- 33:08und Versammlungen angeht, haben wir eben auch erlebt, dass in Frankreich da
- 33:12ja auch teilweise wirklich unterschätzt wurde. Also das muss man auch einfach mal ganz klar sagen.
- 33:16Den Schutz an sich gibt es da auch für Demonstrationen, ebenso wie in Deutschland.
- 33:20Aber ich würde sagen, da gab es auch ein Momentum, wo das unterschätzt wurde
- 33:23und dann ja teilweise auch eine sehr repräsentative Polizeigewalt als Reaktion
- 33:28und auch in bestimmten Vierteln stärker als in anderen. Also da gab es ja auch
- 33:32eine wirklich sehr ungleiche Reaktion.
- 33:36Ich glaube, was jetzt gerade ganz relevant ist, eine Eskalation beginnt ja auch
- 33:40dadurch, wie wir jetzt den Diskurs auch führen und auch dadurch,
- 33:44wie sich jetzt auch eben politische Akteure melden, PolitikerInnen melden,
- 33:50wie jetzt auch Polizeieinsätze geplant werden.
- 33:52Und da gibt es sehr, sehr viele Möglichkeiten und diese Strategien gibt es auch,
- 33:55bei der Polizei zu schauen, wie das eben gut geschützt wird.
- 33:59Ganz wichtig finde ich nochmal klar zu sagen, dass nicht präventiv das Versammlungsrecht
- 34:04in irgendeiner Weise eingeschränkt werden soll, das ist ganz wichtig und aber
- 34:07solche Diskurse könnten natürlich wieder zu einer Eskalation auch beitragen.
- 34:11Und da ist, glaube ich, ganz wichtig an den verschiedenen Stellen,
- 34:13polizeilich und staatlich, ganz klar zu sagen, das ist Teil einer demokratischen Aushandlung.
- 34:18Übrigens auch das, was Frau Berthold gerade beschrieben hat,
- 34:21auch vielleicht nochmal klarzumachen, was ist die Rolle von Protest.
- 34:23Tatsächlich ist es gar nicht, die Mehrheiten zu organisieren.
- 34:26Der Protest muss sich auch gar nicht einig sein. Auch die Generation soll und
- 34:30darf sich bitte nicht einig sein. Das ist inhärent demokratisch,
- 34:34dass ganz viel gestritten wird und das auch unterschiedlich ist.
- 34:37Das ist was ganz anderes noch als das Thema dieser Gewalteskalationsdynamiken.
- 34:42Aber da würde ich tatsächlich für Deutschland keine Sorge haben.
- 34:46Aber ich übernehme jetzt mal ein bisschen die Gegenposition.
- 34:50Sie haben keine Sorge, dass Menschen sagen könnten, auch Gewalttäter sagen könnten,
- 34:53hey, das ist jetzt für mich der gerufene Anlass. Ich habe gesehen,
- 34:57was wir in Paris alles erreichen konnten.
- 34:59Erreichen in Anführungsstrichen an Aufruhr, an Plünderungen,
- 35:06an Gefahr für Leib und Leben der Menschen.
- 35:09Das versuchen wir jetzt in Deutschland auch?
- 35:12Also wir wissen es natürlich nicht, ich möchte jetzt nicht so tun, als,
- 35:15könnte ich das sicher sagen in der Prognose, aber zum einen erleben wir,
- 35:19wir sind zeitlich in einem anderen Momentum in Deutschland, ja das habe ich
- 35:23eben auch bei Frau Berthold rausgehört, das höre ich auch bei anderen,
- 35:25jungen Stimmen raus, tatsächlich, es ist ja so, dass viele Sparmaßnahmen im
- 35:29Bildungsbereich zum Beispiel oder auch was Rennepolitik angeht und so weiter,
- 35:33erst noch die jüngere Generation stärker treffen wird, in aller Ehrlichkeit,
- 35:36also da wird eher in den nächsten Jahren noch einiges kommen.
- 35:39Und auch andersrum, wir haben das föderale System eben schon gehört nochmal.
- 35:45Also da habe ich vielleicht ein bisschen eine andere Perspektive.
- 35:47Tatsächlich bietet es auch mehr Beteiligung, aber vor allem auch institutionalisiertere Beteiligung.
- 35:52Und das haben wir auch. Wir haben eine sehr organisierte Jugendverbandskultur
- 35:57mit Bundesjugendringen, Landesjugendringen und so weiter.
- 36:00Das heißt, es gibt auch ehrlich gesagt sehr viel mehr Dialogformate.
- 36:04Das heißt, unser System, wir haben ein parlamentarisches System.
- 36:07In Frankreich ist ein präsidentielles System. Wir haben ein föderales.
- 36:10In Frankreich ist ein zentralstaatliches und wirklich eine ganz andere politische
- 36:14Kultur und auch ein anderes Narrativ.
- 36:16Also wir haben es jetzt auch gesehen bei den Protesten in Frankreich,
- 36:19wie immer wieder auch die Bastille und den Sturm auf der Bastille erzählt wird.
- 36:23Das ist ja historische, nochmal eine ganz andere Geschichte und Einordnung.
- 36:28Dass es eine ganz andere Rolle hatte. Aber das Narrativ in Frankreich,
- 36:32dieses revolutionär-demokratische Narrativ, die Erzählung, die ist sehr viel
- 36:36stärker als in Deutschland.
- 36:37In Deutschland gibt es eine ganz große Angst vor Unruhe und Chaos und das haben
- 36:41tatsächlich sehr viele sehr verinnerlicht und das höre ich tatsächlich auch,
- 36:45aus den verschiedenen Reihen, auch von den OrganisatorInnen.
- 36:48Wir haben eben das kurze Statement gehört. Allein schon, dass es so ein organisiertes
- 36:52Positionspapier gibt, sage ich mal, ist jetzt aus einer Protestforschungsperspektive
- 36:57auch schon relativ institutionalisiert und tatsächlich wenig eskaliert.
- 37:01Also auch für Sie ein interessantes Forschungsfeld. Ganz vielen Dank Ihnen beiden.
- 37:06Frau Berthold erstmal, vielen Dank für Ihre Zeit.
- 37:09Es war sehr spannend. Danke auch für das Einbringen der jungen Perspektive.
- 37:13Ja, sehr gerne. Hat mich gefreut. Danke, dass ich dabei sein durfte.
- 37:16Dankeschön. Und auch Frau Wienkopf, ganz herzlichen Dank, dass Sie bei unserem
- 37:21Podcast dabei waren. Ja, herzlichen Dank für die Einladung. Danke.
- 37:25Christian, jetzt kommen wir nochmal auf den Anfang zurück.
- 37:29Wir haben ja schon gehört, du warst in Paris auf den Straßen unterwegs.
- 37:33Hast du da zufällig auch Flaggen oder Poster gesehen mit einem grinsenden Totenkopf mit Strohhut drauf?
- 37:40Nee, hätte ich. Hast nicht gut genug hingeschaut. Hätte ich.
- 37:43Waren die da präsent? Ich habe gelesen, dass es die gab. Sagt dir das irgendwie
- 37:48was? Nee. Nee, okay. Ich muss zugeben, ich kannte das vorher auch nicht. Aber...
- 37:53Und ich dachte, die Zeit nutzen wir jetzt am Schluss nochmal.
- 37:55Das ist offenbar ein bekanntes Erkennungszeichen für Gen-Z-Proteste weltweit.
- 38:00Und das Ganze kommt aus einem Manga. Bist du Manga-Fan? Nee, ich hasse Manga.
- 38:06Vielleicht ist das die Erklärung. Tut mir leid. Also wie gesagt,
- 38:09ich kann da auch nicht viel mit anfangen, aber ich dachte, damit wir mitreden
- 38:12können, trage ich es hier nochmal rein. Also One Piece ist das Manga,
- 38:14eine Serie, die schon fast 30 Jahre alt ist.
- 38:17Und als die erfolgreichste Manga-Serie, deshalb sollten wir es eigentlich kennen,
- 38:20überhaupt gilt, mittlerweile auch verschiedentlich verfilmt.
- 38:23Und es geht da um eine Piratenbande, die nach einem großen Schatz sucht und
- 38:26dabei immer wieder gegen verschiedene Bösewichte kämpfen muss.
- 38:29Und viele Leute der Gen Z sind damit aufgewachsen und so hat sich die Flagge
- 38:34von Indonesien über Nepal zum Beispiel bis nach Europa international als Symbol
- 38:39für Freiheit und Rebellion gegen Unterdrückung etabliert.
- 38:43Ein Beispiel dafür, wie so Popkultur sich in Protest widerspiegelt.
- 38:48Und da habe ich mich natürlich gefragt, wenn jetzt ein Christian Sievers auf
- 38:51die Straße gehen würde. Dann wäre die Flagge wahrscheinlich verfehlt.
- 38:54Aber wir können zum Beispiel, wir fragen doch einfach kurz noch Frau Berthold,
- 38:57haben Sie so eine Flagge zu Hause?
- 38:59Nee, also ich bin auch gar nicht in dem Game drin, leider.
- 39:05Nee, ich habe sowas nicht. Okay, also wir sind nicht ganz die Einzigen,
- 39:08aber interessant zu wissen.
- 39:09Aber du könntest doch mit so einer Heute-Journal-Flagge vielleicht.
- 39:11Das ist richtig. Oder mit einem Horst Lichter, Bares für Rares oder irgendwie sowas.
- 39:15Okay, gut, wir schauen mal, was sich Christian noch einfallen lässt.
- 39:18Vielleicht habt ihr auch irgendwelche Ideen, schreibt sie uns gerne in die Kommentare.
- 39:21Ansonsten. Wenn euch diese Folge gefallen hat, dann freuen wir uns über eine
- 39:24positive Bewertung und ein Abo.
- 39:26Auch gerne Feedback, Wünsche, Ideen als Kommentar oder per Mail an heutejournal-podcast
- 39:31at zdf.de Euch allen vielen Dank fürs Zuhören. Christian, dir vielen Dank fürs
- 39:36Mitmachen. Schönes Wochenende und tschüss.