Latest / Gin And Talk / Stephan Orth über Couchsurfing, Reisen und die Ukraine
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- 0:00Speaker 0: Man kann hundert Artikel lesen und zwanzig TV-Dokus sehen, man versteht nicht wie so viel Alltag existieren kann.
- 0:05Speaker 0: Und gleichzeitig der schrecklichste Krieg der letzten achtzig Jahre in Europa dort tobt!
- 0:11Speaker 0: Also ich habe wirklich ganz tolle gastfreundliche Menschen dann gefunden die mich natürlich auch freiwillig einladen.
- 0:17Speaker 0: von daher zwinge ich ja niemandem.
- 0:19Speaker 0: einer hat auch gesagt Die Deutschen haben eine Million Ukraine aufgenommen da können wir doch mal einen deutschen bei uns aufnehmen.
- 0:26Speaker 0: also das fand ich ganz hübsch ausgedrückt.
- 0:29Speaker 0: Also diese ständige Anspannung, jetzt auch die Angst vor dem nächsten Winter.
- 0:33Speaker 0: Das macht was mit den Menschen und das ist kaum vorstellbar wie trotzdem sie immer weitermachen und oft ist die Einstellung dann einfach jeden Tag aufs Neue erstmal so als kleine Einheit zu begreifen und das wieder zu schaffen und am nächsten Tag einfach durchzukommen.
- 0:53Speaker 1: herzlich willkommen Mein Name ist Daniel Fürg und ich freue mich sehr, euch heute zu einer neuen Episode Gen & Talk begrüßen zu dürfen.
- 1:01Speaker 1: Mein heutiger Gast ist Stefan Ort – er ist Reporter, Autor und leidenschaftlicher Couchsurfer.
- 1:08Speaker 1: Über seine Reisen in Länder wie den Iran-, Russland oder China hat er in mehreren Bestsellern berichtet.
- 1:14Speaker 1: Sein aktuelles Buch Couchsurfing In der Ukraine gibt einen ganz besonderen Einblick im Kriegszustand.
- 1:21Speaker 1: Über Monate war er couchsurfend quer durch die Ukraine unterwegs, hat interessante Menschen getroffen und spannende Gespräche geführt.
- 1:28Speaker 1: Ich wollte von ihm wissen wie es den Menschen in der Ukraine in der aktuellen Situation ergeht, woher sie die Kraft zum Weitermachen nehmen und wie es ist ein Land im Krieg zu bereisen?
- 1:38Speaker 1: Wenn dir diese Episode von Genantalk gefällt folge uns bei Spotify Apple Podcast oder wo auch immer du gerne Podcast hörst und hinterlasse uns eine gute Bewertung!
- 1:48Speaker 1: Jetzt aber viel Spaß beim Zuhören, schön dass ihr alle wieder mit dabei seid.
- 1:56Speaker 0: und tauche ein in die verrucht düstere Atmosphäre unserer Studiobahn.
- 2:26Speaker 1: Lieber Stefan, ich freue mich sehr dass wir uns heute hier treffen können um ein wenig über das Couchsurf zu sprechen, um über die Ukraine zu sprechen um darüber zu sprechen was du auf deinen Reisen erlebt hast und natürlich auch gerade in dieser durchaus konflikt belasteten Region wenn man es sehr verniedlichend fast zu nennen möchte.
- 2:48Speaker 1: Aber wie es da aussieht und was da passiert, reden wir gleich nochmal genauer darüber.
- 2:52Speaker 1: erstmal dir ein herzliches Willkommen!
- 2:55Speaker 0: Ja hallo Daniel freue mich sehr dass ich hier bin.
- 2:58Speaker 1: Wir nehmen heute am siebenundzwanzigsten August auf.
- 3:01Speaker 1: das ist gerade bei solchen tagesaktuellen Themen ja immer durchaus eine wichtige Information.
- 3:07Speaker 1: Wir hatten gerade erst wieder eine Angriffswelle Russlands Auf die Ukraine.
- 3:13Speaker 1: Deine Freundin ist Ukrainerin, lebt in Kiev die meiste Zeit.
- 3:22Speaker 1: Was hörst du denn gerade aus der Region?
- 3:24Speaker 1: Wie geht es den Menschen dort auch in dieser aktuellsten Situation?
- 3:29Speaker 0: Ja dieser Montag war natürlich ein richtig schlimmer Tag für Kiev mal wieder und fürs ganze Land.
- 3:34Speaker 0: Es wurden noch nie so viele Raketen und Drohnen an einem tag auf die Ukraine geschossen.
- 3:40Speaker 0: Es gab heftige Schäden Energieinfrastruktur Stromausfälle also viele, viele Stunden saß man dann da auch im Dunkeln rum oder hatte einfach keinen Strom.
- 3:51Speaker 0: Also von daher ein extrem belastender Tag und man geht dann halt in Sicherheit Man geht in den Raum der am wenigsten Fenster hat also meistens ins Badezimmer Und wartet bis dieser Luftalarm vorbei ist und das ist schon wahnsinnig Heftig dass immer wieder auszuhalten gerade wenn es dann natürlich so ein besonders brutaler Angriff ist.
- 4:11Speaker 1: Du warst im Februar zwei tausend dreiundzwanzig also vergangenes Jahr in der Ukraine unterwegs, um auch dann couchsurf'n dich quasi fort zu bewegen und für das buch auch zu recherchieren könnte mir vorstellen.
- 4:26Speaker 1: Das war ja nicht gerade die ich sage jetzt mal wärmste reise zeit um durch das land zu kommen also mitten im winter kalte temperaturen dazu die kriegssituation.
- 4:39Speaker 1: wie Bist du da in den ersten Tagen überhaupt vorangekommen, also wie kommt man auch überhaupt in das Land momentan?
- 4:47Speaker 1: Warst ja auch vor kurzem erst wieder da.
- 4:50Speaker 1: Wie funktioniert das überhaupt logistisch und wie waren deine ersten Erlebnisse im Land?
- 4:54Speaker 0: Ja, dass ist tatsächlich schwierig logistischer weil eben keine zivilen Flugzeuge fliegen schon seit Februar zweiundzwanzig.
- 5:01Speaker 0: Das heißt man muss immer mit Zügen oder Bussen einreisen immer auf dem Landweg.
- 5:05Speaker 0: also sehr häufig nehme ich den Nachtzug von Przemysil in Polen was so der letzte Ort vor der Grenze ist und dort gibt es einen Zug der direkt nach Kiev geht Und diese Reisen habe ich jetzt schon sehr oft gemacht.
- 5:16Speaker 0: Es geht nie unter vierundzwanzig bis sechsund zwanzig Stunden ab Hamburg, um dorthin zu kommen für eine Richtung also.
- 5:23Speaker 0: das ist immer wieder eine ziemlich weite Strecke natürlich.
- 5:28Speaker 0: und die ersten Eindrücke waren nun es war dann doch schon Frühlinge und da war ich auf einer Bergtour unterwegs mit zwei Gastgebern.
- 5:35Speaker 0: Ich hatte zwei wundervolle Gastgeber in Ivano-Frankivsk.
- 5:38Speaker 0: Die haben mich mitgenommen in die Kapaten wo sie als Wanderführer arbeiten an den Wochenenden, haben mich auf eine dreitägige Tour mitgenommen.
- 5:45Speaker 0: Und ich hatte die Hoffnung dass ich dort mal total dem Krieg entkommen kann was sich aber nicht so erfüllt hat.
- 5:52Speaker 0: es gibt dort nämlich ganz viele Erinnerungen an den ersten Weltkrieg in denen wirklich sehr heftige Schlachten in den Kapaten gefochten wurden.
- 6:00Speaker 0: von daher egal ob man siebenhundert Kilometer von der Front weg ist man kommt nie so ganz weg von diesem Kriegsthema.
- 6:07Speaker 1: Wie präsent ist denn der Krieg bei den Menschen auch in den Ecken, wo du unterwegs warst?
- 6:13Speaker 1: Du bist ja durchaus ein bisschen rumgekommen.
- 6:16Speaker 1: Gibt es da Unterschiede je nachdem wo man ist oder ist der Krieг Generell sehr präsent bei den Menschen, bei den Ukrainern und Ukrainerinnen.
- 6:24Speaker 1: Es
- 6:24Speaker 0: gibt natürlich Unterschiede ob man jetzt in Lviv ist wo ziemlich viel Alltagsleben einfach seinen Gang geht und wo relativ selten Raketenalarm ist im Vergleich zu anderen Städten oder in kleinen ländlichen Orten im Westen des Landes da es auch relativ ruhig.
- 6:41Speaker 0: wenn man dann näher an die front kommt ist das eine ganz andere situation.
- 6:45Speaker 0: da ist es jede minute quasi präsent.
- 6:47Speaker 0: man sieht sehr viel militär.
- 6:49Speaker 0: Man ist erheblich nervöser wenn es luftalarm gibt aber auch in kief selber.
- 6:55Speaker 0: es ist einfach diese unvorhersehbarkeit.
- 6:56Speaker 0: man weiß einfach nicht wie.
- 6:59Speaker 0: wie es in den nächsten Stunden sein wird.
- 7:01Speaker 0: Es kann jederzeit umschlagen, eine Krise und ich glaube das ist ein Thema was sehr viele nicht verstehen.
- 7:08Speaker 0: von Deutschland aus.
- 7:09Speaker 0: man kann hundert Artikel lesen und zwanzig TV-Dokus sehen.
- 7:12Speaker 0: man versteht nicht wieso viel Alltag existieren kann und gleichzeitig der schrecklichste Krieg der letzten achtzig Jahre in Europa dort tobt.
- 7:20Speaker 0: und das zu verstehen war für mich auch Ganz wesentliche Aufgabe für diese Recherche reise und natürlich nach zweieinhalb Jahren.
- 7:29Speaker 0: die Leute sehen sich wahnsinnig nach Alltag, nach Struktur.
- 7:32Speaker 0: Sie wollen Normalität sie wollen mal mit Freunden in die Kneipe gehen.
- 7:37Speaker 0: Und das ist komplett normal und einfach auch eine Art von Coping Strategie für die ganzen psychologischen Schwierigkeiten, die sie da mitnehmen von diesen zwei ein halb Jahre Ausnahmezustand.
- 7:48Speaker 0: es ist total menschlich dass man da diesen Alltag braucht und das ist, glaube ich sehr wichtig zu verstehen.
- 7:54Speaker 0: Und es kann jeden Moment umschlagen und wieder die vollkommene Krisensituation sein.
- 7:59Speaker 0: Es ist eine Art von Ablenkung aber man hat nie den Gedanken der Krieg existiert hier gerade gar nicht.
- 8:08Speaker 1: Die Menschen, die du da getroffen hast auch die Menschen bei denen du untergekommen bist während deiner Reise sind das Geübte Couch, Surfer bzw.
- 8:19Speaker 1: Menschen die geübteren sind Gäste bei sich aufzunehmen.
- 8:22Speaker 1: oder waren das Menschen die sich gesagt haben gerade in der aktuellen Situation möchten wir anderen helfen die vielleicht im Land unterwegs sind die vielleicht eine Unterkunft suchen die vielleicht sogar Ihr Obdach verloren haben durch den Krieg, durch vielleicht Bomben die die Häuser zerstört haben oder ähnliches.
- 8:44Speaker 0: Also viele waren ziemlich erfahrene Couchserfer.
- 8:46Speaker 0: vieler sind selber vorher oft damit gereist und kannten das schon sehr gut und ich muss dazu sagen, ich hatte am Anfang ziemliche Bauchschmerzen ob das okay ist dort rumzureisen.
- 8:58Speaker 0: Und um Gastfreundlichkeit zu bitten wie ich das eben immer mache auf meinen Reisen ist es nicht total daneben in einem Kriegsland und ich habe ein paar Couchsurfing Mitglieder angeschrieben.
- 9:10Speaker 0: Sie gefragt, was sie davon halten und war überrascht wie positiv sie waren.
- 9:15Speaker 0: Und dass sie da wirklich Grund umgesagt haben.
- 9:19Speaker 0: ich soll das machen gerade wenn ich drüber schreibe wie die Realität im Land ist.
- 9:23Speaker 0: Das ist einfach wahnsinnig wichtig!
- 9:26Speaker 0: Ja also ich habe wirklich ganz tolle gastfreundliche Menschen dann gefunden die mich natürlich auch freiwillig einladen.
- 9:33Speaker 0: von daher zwinge ich ja niemandem.
- 9:35Speaker 0: Einer hat auch gesagt, die Deutschen haben eine Million Ukraine aufgenommen.
- 9:38Speaker 0: Da können wir doch mal einen deutschen bei uns aufnehmen.
- 9:41Speaker 0: Also das fand ich ganz hübsch ausgedrückt und im Endeffekt waren es einfach sehr, sehr positive menschliche Erfahrungen auf Augenhöhe.
- 9:51Speaker 0: Ich kam also nicht als Reporter mit dem großen Filmteam da rein sondern dann als normaler Mensch mit Rucksack in einem eher freundschaftlichen Kontext und ich glaube das macht dann auch den Unterschied einer solchen Reise aus.
- 10:06Speaker 1: Jetzt gab es ja durchaus immer mal wieder Kritik an der Unterstützung der Deutschen für die Ukraine blockierte Waffenlieferungen bestimmte Dinge, die man nicht in die Ukraine geben möchte oder mochte bestimmte Waffensysteme und ähnliches.
- 10:23Speaker 1: Wir hatten die Diskussion um Panzer usw.. Gleichzeitig tut Deutschland aber natürlich sehr viel im Allgemeinen.
- 10:32Speaker 1: Wie ist denn die Stimmung im Land gegenüber Deutschland?
- 10:36Speaker 1: Wie hast du das wahrgenommen?
- 10:38Speaker 1: Ich
- 10:38Speaker 0: hab oft... Wildfremde Menschen getroffen im Zug oder selbst auf der Straße, die mir überschwänglich gedankt haben dafür was Deutschland tut für die Ukraine.
- 10:47Speaker 0: Die Leute verstehen sehr wohl dass das mit fünf tausend Helmen angefangen hat und dass das vor zweieinhalb Jahren noch eine ganz andere Stimmung im Land war und dass wirklich fast revolutionäre Veränderung ist Dass Deutschland nun der wichtigste Lieferant von Material in Europa ist und das wird absolut gesehen.
- 11:09Speaker 0: Und wie gesagt, also ich habe ja es ist nicht meine politische Entscheidung gewesen aber mir wurde dafür dann gedankt tatsächlich und gleichzeitig sehen die Leute natürlich auch dass diese Beschränkungen, die ihnen auferlegt werden die Dinge, die nicht geliefert werden, ihnen das Leben einfach verdammt schwer machen.
- 11:27Speaker 0: Natürlich wissen wir die Tauruss-Diskussion war viele Monate ganz präsent und natürlich hätte es wahnsinnig geholfen wenn Deutschland diese Raketen gelieferte genauso wie jeder weiß dass wenn die USA oder generell der Westen zulassen würde dass man militärische Ziele in Russland attackieren darf, dass man eine ganz andere Möglichkeit hätte in diesem Krieg und das eben solche unfassbar heftigen Raketenangriffe wie wir jetzt zuletzt wieder hatten damit eben verhindert werden könnten im Endeffekt.
- 12:03Speaker 0: Also diese Frustration ist wahnsinnig groß dass man mit quasi einer Hand auf den Rücken gebunden sich da verteidigen muss, dass nicht alles bekommt was man will.
- 12:12Speaker 0: und die Ukrainer wissen auch genau dass diese Eskalationsdrohungen bisher immer leere Drohungen waren.
- 12:20Speaker 0: Sie haben es oft erlebt, dass ihnen Nuklearschläge angedroht wurden für Dinge die dann passiert sind und das kam kein Nuklearschlag.
- 12:28Speaker 0: Dementsprechend haben die Ukrainer auch die Erfahrung gemacht, dass... ...die Konsequenz dafür nicht die Angedrote
- 12:36Speaker 0: ist.".
- 12:37Speaker 1: Du warst immer wieder im Land?
- 12:38Speaker 1: Das letzte Mal ist noch gar nicht lange her!
- 12:42Speaker 1: Wie ist denn dein Eindruck von der Motivation im
- 12:45Speaker 1: Land?!
- 12:45Speaker 1: Ich könnte mir vorstellen Nach all der Zeit, nach all den Erfahrungen im Krieg.
- 12:50Speaker 1: Nach all den Schrecken des Krieges wird man vielleicht müde und frustriert.
- 12:57Speaker 1: Hat Mühe sich den Optimismus zu bewahren?
- 13:01Speaker 1: Wie ist denn da dein Eindruck?
- 13:03Speaker 0: Da hat sich definitiv etwas gewandelt.
- 13:06Speaker 0: Also gerade wenn man vielleicht Anfang von dem Jahr für die Situation jetzt vergleicht... Oder eben auch Mitte-Zweißen-Zweiundzwanzig noch, wo es einen erheblich größeren Optimismus gab.
- 13:18Speaker 0: Auch irgendwie diese Perspektive, dass das Ganze vielleicht in ein paar Monaten vorbei sein kann... Das alles hat man jetzt nicht mehr!
- 13:25Speaker 0: Kein Mensch weiß wie sich das in den nächsten Monaten lösen lassen soll.
- 13:33Speaker 0: Vor allem auf eine Art die irgendwie akzeptabel ist für die ukrainische Seite Und dementsprechend ist die Ermüdung und die Frustration schon extrem hoch, jeder hat irgendwie also jeder weiß wie sich posttraumatische Störungen anfühlt.
- 13:50Speaker 0: Jeder einzelne Mensch in diesem Land kennt das durch diese ständige Anspannung auch.
- 13:54Speaker 0: viele haben medizinische Probleme auch andere Art Also Herzprobleme zum Beispiel.
- 14:01Speaker 0: Das wirkt sich natürlich komplett auf den Alltag aus.
- 14:04Speaker 0: und dann eben diese alltäglichen Dinge.
- 14:06Speaker 0: also da ist an einem Tag nur sechs Stunden lang Strom verfügbar.
- 14:09Speaker 0: das heißt man muss seinen ganzen Ablauf darauf ausrichten, dass man da seine.
- 14:15Speaker 0: Die weißes Auflädt und die Waschmaschine benutzt nur in dieser Zeit und also dieses ständige Anspannung jetzt auch die Angst vor dem nächsten Winter macht was mit den Menschen und es ist kaum vorstellbar wie trotzdem sie immer weitermachen.
- 14:32Speaker 0: Und oft ist die Einstellung dann einfach jeden Tag aufs Neue erst mal so als kleine Einheit zu begreifen und das wieder zu schaffen, um am nächsten Tag einfach
- 14:43Speaker 0: durchzukommen.".
- 14:44Speaker 1: Wir haben vorhin schon gesagt du warst in verschiedenen Ecken des Landes unterwegs.
- 14:48Speaker 1: Kannst du uns da vielleicht noch einmal einen kleinen Überblick geben wo Du warst und wie Du Dich auch im Land fortbewegt hast?
- 14:55Speaker 1: Weil das könnte ich mir vorstellen es vielleicht gar nicht mehr so einfach.
- 14:58Speaker 0: Ich bin sehr viel mit Zügen gefahren, das Zugsystem funktioniert extrem effizient und zuverlässig.
- 15:06Speaker 0: Also zurecht wird die ukrainische Bahngesellschaft also werden die Mitarbeiter als absoluter Helden gefeiert weil sie das einfach aufrecht erhalten und man wirklich damit ganz gut durchs Land kommt.
- 15:18Speaker 0: es gibt sehr viele Nachtzugverbindungen auch ich glaube mehr nachtzüge als in irgendeinem anderen europäischen land.
- 15:24Speaker 0: Die Distanzen sind eben auch relativ groß.
- 15:26Speaker 0: teilweise Und ja dementsprechend habe ich sehr viel diese Züge benutzt.
- 15:31Speaker 0: Ich bin im Prinzip in alle Himmelsrichtungen gefahren, also ich war ganz im Norden nördlich von Kiew in Czernijew zum Beispiel.
- 15:50Speaker 0: an der Front in Kharkiv war ich und dann auch ganz im Westen, im Lviv.
- 15:55Speaker 0: In den Karpaten Ivano-Frankivsk.
- 15:57Speaker 0: also ich habe schon versucht geografisch sehr viel abzudecken und so ein komplettes Bild des Landes zu
- 16:04Speaker 0: bekommen.".
- 16:05Speaker 1: Ich könnte mir vorstellen dass die Menschen im Land jetzt nicht unbedingt erpicht darauf sind twenty four seven über Krieg zu sprechen sondern durchaus auch mal froh sind wenn sie diesen Thema entkommen können.
- 16:18Speaker 1: Wie war das denn in deinem Kontakt mit den Menschen vor Ort?
- 16:21Speaker 1: War es so, dass die von sich aus dann auch über dieses große Thema diesen Elefanten im Raum sozusagen direkt sprechen wollten?
- 16:30Speaker 1: oder war man da eher froh, dass man vielleicht auch mal eine ganz andere Perspektive und ganz andere Themen irgendwie diskutieren konnte.
- 16:38Speaker 0: Ich glaube das ist nicht unbedingt so, dass man drüber sprechen will.
- 16:40Speaker 0: Aber man kommt zwangsweise ständig auf dieses Thema zurück weil es so stark jede Stunde des Alltags bestimmt und es einfach eine unfassbare Ausnahmesituation ist.
- 16:54Speaker 0: Also ich hatte im Moment den Rakif zum Beispiel hat mir einen Stadtrundgang mit ein paar Leuten und einer meinte können wir bitte mal... Jetzt über was anderes reden und dann haben wir uns alle irgendwie angeguckt.
- 17:03Speaker 0: Und einer fragte, ja hast du Brüder und Schwestern?
- 17:06Speaker 0: Was sind deine Hobbys?
- 17:09Speaker 0: Nach fünf Minuten waren wir zurück beim Kriegsthema und wieder bei Raketenangriffen und Bomben und Zerstörung.
- 17:16Speaker 0: also man kommt wahnsinnig schwer davon weg.
- 17:19Speaker 0: Gleichzeitig ist es aber so wichtig diese Momente zu haben wo das mal... raus ist aus dem kopf wenigstens für ein paar stunden und das waren oft die aller wertvollsten momente dieser ganzen reise.
- 17:31Speaker 0: ich hatte zum beispiel in chernigiv im norden einen gastgeber das war erst ein bisschen skurril der meinte zu mir ja also heute abend hätte er.
- 17:40Speaker 0: Jubiläum mit seiner Freundin und ob ich nicht Lust hätte, mitzukommen zu seinem Date.
- 17:46Speaker 0: Und ich meinte ja das ist doch vielleicht nett wenn ihr das alleine feiert?
- 17:50Speaker 0: Ich kann mich auch gut allein beschäftigen.
- 17:52Speaker 0: und nein er meint ich soll da bitte mitkommen und es wäre das ein monatige Jubilän um.
- 17:56Speaker 0: und ich habe dann am Abend festgestellt was meine Rolle dabei war nämlich als Paar Fotograf eingeplant und wir sind drei Stunden lang durch die Stadt gelaufen vom Café durch die Parks durch verschiedene Straßen Und ich habe Bilder gemacht von den mit Lichterketten darüber, mit Spiegelungen im Wasser.
- 18:15Speaker 0: Mit roten Blumen im Vordergrund des volle Programmen.
- 18:18Speaker 0: Achthundert Fotos sind entstanden in drei Stunden die ich denen dann gegeben hab.
- 18:23Speaker 0: sie waren wahnsinnig begeistert die dann auf dem Display zu sehen und diese Freude in ihren Gesichtern.
- 18:28Speaker 0: das war so genial!
- 18:30Speaker 0: Erst abends beim Einschlafen ist mir aufgegangen warum dieser Abend eben so besonders war.
- 18:35Speaker 0: wir haben wirklich drei Stunden lang kein Wort über den Krieg geredet.
- 18:39Speaker 0: Das war total speziell für alle
- 18:41Speaker 0: Beteiligten.".
- 18:42Speaker 1: Das heißt, man versucht schon auch den Alltag möglichst normal leben zu können wo und wann es denn möglich ist.
- 18:49Speaker 1: also klar wenn dann der nächste Raketenalarm kommt ist man natürlich schnell wieder eingeholt von dem Schrecken des Krieges.
- 18:58Speaker 1: aber solange der nicht da ist und solange man keine Schreckungsmeldungen gerade ad hoc bekommt versucht man So gut es irgendwie geht, diesen Alltag aufrecht zu halten und den Krieg fernzuhalten.
- 19:11Speaker 1: Absolut!
- 19:11Speaker 0: Also da ist viel eben auch Ablenkung.
- 19:13Speaker 0: und dieser Episode mit meinem Fotografen-Job das hat war drei Tage nach dem schwersten Raketenangriff auf Tscharnigelf wo das Theater im Zentrum angegriffen wurde, wo viele Zivilisten ums Leben kamen Also wo gerade noch dieser Schock über der ganzen Stadt hingen von diesem Angriff, der nur wenige Tage her war.
- 19:37Speaker 0: Und ja jeder Moment der Ablenkung jedes jede Stunde die man nicht an Krieg denkt ist einfach zehnmal so wertvoll wie man das sonst im Alltag hat.
- 19:48Speaker 1: Wir haben ja immer große Diskussionen darüber wie so ein End-Szenario, einen Friedensszenario für diesen Krieg aussehen könnte.
- 19:56Speaker 1: Wie sich Russland das vielleicht vorstellt womit Russland zufrieden wäre?
- 20:01Speaker 1: Womit aber irgendwie auch der Rest der Welt leben kann und womit aber insbesondere vor allem die Ukraine auch klar kommt.
- 20:10Speaker 1: Wie hast du das denn erlebt?
- 20:11Speaker 1: im Land fernab der Politik ist man da Nach wie vor, also ich hatte den Eindruck zu Beginn des Krieges waren die Ukrainer ja wahnsinnig stolz auf ihr Land und hätten kein Quadrat-Milimeter dieses Landes irgendjemandem abgeben wollen.
- 20:29Speaker 1: Ist das nach wie vor so oder hat man da jetzt das Gefühl nach diesem zermürbenden Krieg wird man da vielleicht offener auch für andere Lösungen?
- 20:38Speaker 1: Die von der Politik ja natürlich abgelehnt werden.
- 20:41Speaker 1: aber wie ist da so die Stimmung im Land?
- 20:44Speaker 1: Ändert
- 20:45Speaker 0: sich definitiv was?
- 20:46Speaker 0: natürlich herrscht auch ein gewisser Realismus in den Köpfen, dass es im Moment nicht so aussieht als könnte man leicht das ganze Land zurückbekommen wieder.
- 20:56Speaker 0: Gleichzeitig sagen manche im Osten also in Luhansk und Donetsk ist so viel zerstört inzwischen dass es gar nicht so wertvoll ist, diese Regionen zurückzubekommen.
- 21:07Speaker 0: Gleichzeitig wurden viele Russen dort angesiedelt nun inzwischen.
- 21:11Speaker 0: Es ist ganz schwierig das sich wieder vorzustellen als ukrainisches Land und ich glaube psychologisch gesehen wäre die Krim eben extrem wertvoll wenn man die zurück erhält was mit westlicher Unterstützung durchaus militärisch möglich ist.
- 21:27Speaker 0: Dann hätte man einen ganz klaren psychologischen Sieg den Putin auch nicht gut verkaufen kann zu Hause.
- 21:35Speaker 0: Das wäre schon viel wert.
- 21:36Speaker 0: und die Sache ist auch noch ein weiterer Gedanke mit westlicher Unterstützung, könnte man die jetzige Front auch durchaus verteidigen gegen weitere Angriffe so lange bis Russland nicht mehr kann.
- 21:50Speaker 0: also der Westen hat mehr Geld im Endeffekt und könnte das tun wenn er dazu bereit ist und dementsprechend würde sich Russland da einfach abnutzen.
- 22:00Speaker 0: Und irgendwann nicht mehr weiter kommen, dann würden möglicherweise die Grenzen eben so sein wie sie jetzt sind oder wie auch immer.
- 22:09Speaker 0: also diese maximal Idee ist glaube ich immer weniger in den Köpfen präsent und viele wissen auch es ist klar irgendeine Art von Verhandlung muss es geben.
- 22:20Speaker 0: nur die größte Herausforderung ist einfach Wie macht man einen Einen Vertrag der garantiert das nicht in zwei oder drei jahren russland wieder angreift?
- 22:29Speaker 0: die kainer wissen genau sie haben so oft verhandelt mit russlands sie wissen dass man denen nicht trauen kann.
- 22:35Speaker 0: eine unterschrift von russ land ist quasi nichts wert.
- 22:37Speaker 0: also dieses dieses problem zu lösen wie.
- 22:42Speaker 0: Wie kann das nachhaltig sein dass es eben nicht nur für zwei drei jahre ist?
- 22:46Speaker 0: das ist die allergrößte herausforderung
- 22:48Speaker 1: fern ab der Politik, fernab von Putin und den russischen Politikern.
- 22:53Speaker 1: Wie ist denn eigentlich das Verhältnis der Ukrainer zum Russischen Volk sozusagen also zu den Russen selbst und zum Land selbst ohne jetzt direkt den Konflikt und die tatsächlichen politischen Konflikparteien damit reinzunehmen?
- 23:11Speaker 1: Das
- 23:11Speaker 0: ist schon sehr, sehr negativ behaftet inzwischen.
- 23:15Speaker 0: Weil von Anfang an die Ukrainer das nicht als Putins Krieg gesehen haben wie das hier manche sehen wollten.
- 23:22Speaker 0: sie haben viel mehr gesehen dass sie Bekannte haben in Russland die wegschauen die nichts unternehmen dagegen Die auch kollaborieren, also wie viele Russen arbeiten in den Waffenfabriken jetzt mit und verdienen da besser als vorher.
- 23:38Speaker 0: Wie viele Russes sind an der Front?
- 23:41Speaker 0: Das ist nicht Putin selber!
- 23:45Speaker 0: Also die Folterungen in Gefängnissen entstehen in den okkupierten Gebieten das ist nicht Putin.
- 23:52Speaker 0: Und die Gräueltaten von Butcher und Irpin all das, das sind diese Menschen.
- 23:58Speaker 0: Und entsprechend haben sie so direkt etwas erlebt einen... Eine unfassbare Aggression, einen Angriff auf ihr Land.
- 24:08Speaker 0: Einen Hass den sie dann eben auch wieder im russischen Fernsehen sehen.
- 24:11Speaker 0: also muss ich mal russische Talkshows anschauen wie da über die Ukraine geredet wird.
- 24:16Speaker 0: das ist purer Faschismus.
- 24:18Speaker 0: so sprechen Fascisten und es wird dort geduldet.
- 24:21Speaker 0: man kann wenn man in dem land lebt unter diesen angriffen sehr wenig Positives empfinden für Russen.
- 24:29Speaker 0: Und ich glaube, das muss man sich klar machen wenn man sich vielleicht manchmal wundert wie emotional Ukrainer reagieren auf irgendwelche Ideen dass doch die einfachen Menschen sich wenigstens näher kommen sollten und sich irgendwie versöhnen sollten.
- 24:43Speaker 0: nein das kann nicht gehen!
- 24:44Speaker 0: Wenn es einen Angreifer gibt und ein Land das angegriffen wird oder die Angehörigen des Angreifers landet Landes positionieren sich nicht dagegen.
- 24:55Speaker 0: Also gerade war eine große Enttäuschung zum Beispiel mit den russischen Dissidenten, die bei diesem gefangenen Austausch frei kam.
- 25:01Speaker 0: von denen hatte man mehr Statements erwartet gegen diesen Krieg und gegen den gegen den Angriff Russlands aber da kam relativ wenig und von daher wenn man dort acht Monate in dem Land verbringt wie ich kann man das sehr gut verstehen mit der Zeit, dass da eine solche Abnecken entsteht.
- 25:20Speaker 0: Eine hat mir gesagt, eine Gastgeberin Sapurisch ja meinte was sollen wir denken?
- 25:26Speaker 0: diese Männer kommen in mein Land ohne das sie eingeladen wurden?
- 25:29Speaker 0: Sie würden mich töten wenn sie mich hier sehen.
- 25:32Speaker 0: also sie war an der Front auch aktiv bei militärischen Evakuierungen.
- 25:37Speaker 0: Diese Leute greifen mit Raketen meinen Elternhaus an.
- 25:42Speaker 0: Was soll ich denn gegenüber fühlen?
- 25:45Speaker 0: Und das kann man dann schon nachvollziehen mit der Zeit.
- 25:51Speaker 1: Du hast ja mehrere Bücher zum Thema Couchsurfing geschrieben, unter anderem warst du auch in Russland unterwegs.
- 25:58Speaker 1: War das den Menschen die du besucht hast eigentlich bewusst?
- 26:02Speaker 1: also haben dich Menschen darauf auch angesprochen dass du eben auch in russland unterwegs warst und welche Fragen kamen da?
- 26:09Speaker 1: Ja,
- 26:09Speaker 0: das war manchmal Thema.
- 26:10Speaker 0: Also einmal wurde ich so richtig gegrillt.
- 26:13Speaker 0: So am ersten Abend in Ivano-Frankivsk von meinen Gastgebern, von dem Gastgeberpaar die dann schon genau wissen wollten was dass damit auf sich hatte und vermutlich hätten die mich gleich wieder auf die Straße gesetzt wenn meine Antworten sie nicht halbwegs befriedigt hätten.
- 26:31Speaker 0: also Die Sache ist eben auch die.
- 26:33Speaker 0: Ich habe mir ein Russland-Buch geschrieben, was einen relativ humorvollen Ton hatte.
- 26:37Speaker 0: Die Reise war aus dem Jahr zwei Tausend Sechzehn.
- 26:39Speaker 0: Im Jahr zwei tausend siebzehnt das Buch erschienen.
- 26:41Speaker 0: Ich hatte damals das Gefühl man kann das machen in einem solchen Ton.
- 26:45Speaker 0: Es passieren viele verrückte Dinge es gibt viel Situations komik.
- 26:49Speaker 0: ich habe auch die Menschen sehr positiv beschrieben.
- 26:52Speaker 0: Die Politik kommt extrem schlecht weg, auch die Propaganda im Land.
- 26:56Speaker 0: Da bin ich ganz klar.
- 26:57Speaker 0: aber die menschlichen Ergebnisse auf dieser Russland-Reise waren ganz großartig wie das eben... mit Couchsurfing auch immer der Fall ist.
- 27:05Speaker 0: Da war diesen humorvollen Ton, da haben mich die Ukrainer drauf hingewiesen und da haben sie leider recht.
- 27:11Speaker 0: Der war schon im Jahr zwei Tausendsechzehn nicht angebracht.
- 27:13Speaker 0: Das war nach der Annexion der Krimm nach dem Kriegsbeginn in Donbas.
- 27:19Speaker 0: Das waren nach äußerst brutalen außenpolitischen Taten, Auftragsmorden ... Der Chechenienkrieg war vorher.
- 27:29Speaker 0: also es war eigentlich schon damals nicht angemessen da sowas verniedlichendes zu erzählen oder dazu humoristisch ranzugehen und ich habe manches glaube ich auch nicht richtig eingeschätzt.
- 27:41Speaker 0: Also, ich hab immer wieder z.B.
- 27:42Speaker 0: Leute gehört die mir ihre Weltsicht erklärt haben.
- 27:48Speaker 0: Da kamen Sachen auf also das dass die NATO kurz vor einem Angriff auf Russland steht.
- 27:54Speaker 0: Dass Europa kurz vor seinem Ende ist weil alle entweder Muslime oder Schwul sind so eine Außensicht aus aus Russland.
- 28:02Speaker 0: Dass die Frage aufkam, wann Angela Merkel denn endlich Kaledingrad jetzt mal angreifen wird.
- 28:07Speaker 0: und ich habe das als absoluten absurden Unsinn abgetan weil ja klar war dass das so nicht stimmt.
- 28:14Speaker 0: aber da hätte ich besser hinhören müssen weil genau so denken Menschen dort wenn sie jeden Tag russisches Propaganda Fernsehen sich angucken.
- 28:22Speaker 0: und dementsprechend ist diese Gehirnwäsche so erfolgreich jetzt dass Sie auch den Krieg mittragen.
- 28:29Speaker 0: Wie
- 28:29Speaker 1: ist denn eigentlich innerhalb der Ukraine die Stimmung zur ukrainischen Politik?
- 28:36Speaker 1: Ihr habt ja sicherlich nicht nur über Russland, über Europa gesprochen.
- 28:40Speaker 1: Ihr habt ihr sicher auch über die Politik im Land gesprochen.
- 28:43Speaker 1: Wie war denn da dein Eindruck?
- 28:44Speaker 1: Da
- 28:45Speaker 0: hat sich manches auch gewandelt mit der Zeit also vor dem großen Angriff Russlands.
- 28:55Speaker 0: In den Moment Das angriffs.
- 28:57Speaker 0: dann hat der natürlich alles richtig gemacht was man richtig machen konnte hat perfekt kommuniziert hat sich klar positioniert dass er jetzt nicht aus dem land flieht sondern das er da bleibt und.
- 29:11Speaker 0: Dass sich die ukraine verteidigen wird hat genau die richtigen worte gefunden.
- 29:15Speaker 0: das rechnen ihm die leute natürlich hoch an aber mit der zeit.
- 29:20Speaker 0: hat sich das so ein bisschen gewandelt auch und die frustration ist groß.
- 29:26Speaker 0: natürlich gibt es fehlentscheidungen zum beispiel was die mobilisierung im land angeht.
- 29:32Speaker 0: dass sie nicht in großem stil angegangen wurde ist jetzt ein problem.
- 29:36Speaker 0: gleichzeitig wäre es natürlich wahnsinnig schwierig gewesen auch massiver zu mobilisieren weil das für noch mehr frust sorgt bei den menschen also.
- 29:46Speaker 0: Solche Fehler, die wirken sich schon aus und der ist nicht einfach nur unumstritten als großer Held beliebt in dem Land sondern es gibt durchaus viele Kontroversen.
- 29:59Speaker 0: Viel viel Kritik.
- 30:01Speaker 1: ich habe gerade schon gesagt du hast ja schon öfter Bücher zum Thema Couchsurfing geschrieben was jetzt auch... ...nicht unbedingt in den Ländern unterwegs die man sich sofort als Urlaubstomizil aussuchen würde.
- 30:13Speaker 1: da gab's ja durchaus ein paar kompliziertere Destination würde ich mal sagen wie eben zum Beispiel Russland, Ukraine aber auch z.B Saudi Arabien war dabei und so weiter.
- 30:28Speaker 1: Wie ging das dann bei dir ursprünglich überhaupt mit dem Crouchsurfing los?
- 30:31Speaker 0: Ich mache das tatsächlich seit über zwanzig Jahren Mit verschiedenen Portalen.
- 30:36Speaker 0: ganz am Anfang war es noch ein deutsches Portal namens Hospitality Club was ich genutzt habe seit Jahrzehnten quasi meine normalste Art zu reisen.
- 30:46Speaker 0: Deswegen war das fast zu trivial für mich, da später anzufangen Bücher drüberzuschreiben.
- 30:51Speaker 0: Das war einfach das was ich gemacht habe aber natürlich hab ich gemerkt dass es einem einen sehr guten Einblick gibt in den Alltag, dass man mit Menschen in Kontakt kommt.
- 31:01Speaker 0: aus vielen Bereichen des Lebens ist sicher kein kompletter Querschnitt eines Landes sind schon eher die höher gebildeten eher so die Mittelschicht.
- 31:10Speaker 0: Also ich kann nicht sagen, dass ich da den kompletten Querschnitt und alle und jeden treffe aber es sind sehr interessante Leute und man findet als Journalist eben auch seine Geschichten.
- 31:22Speaker 0: und deswegen war das ideal als ein Mittel um durch verschiedene Länder zu kommen.
- 31:26Speaker 0: und das erste Buch ging über den Iran wo ich zwei Monate so unterwegs war und dort konnte ich halt so extrem gut genau durch diese Reiseart die Unterschiede zwischen öffentlichem und privatem Leben erkunden, die dort eben ganz extrem sind.
- 31:42Speaker 0: Im Privaten passiert alles was verboten ist.
- 31:45Speaker 0: Die Leute brechen die Regeln, trinken Alkohol, haben Partys, lässt dann über die Regierung also alles... ...was in der Öffentlichkeit nicht geht, passiert dort.
- 31:53Speaker 0: Und in der öffentlichkeit spielt man dieses Schauspiel größtenteils mit zumindest damals noch mehr als vielleicht heute.
- 32:01Speaker 0: und da war eben Diese Art des Reisens perfekt, um genau diese Geschichte über das Land zu erzählen und.
- 32:09Speaker 0: Das habe ich aber auch bei weiteren Reisen immer wieder gemerkt wie wertvoll dass es in den Alltag reinzukommen mit normalen Menschen zu tun zu haben die sonst nicht in den Medien sind.
- 32:18Speaker 0: also ist keine Elite.
- 32:19Speaker 0: Es sind nicht irgendwie die Politiker Spitzensportler oder Professoren an der Uni sondern wirklich so ganz normale Menschen die sonst nicht in Büchern auftauchen würden.
- 32:31Speaker 0: Und ich glaube, das macht es so interessant und da kommt man dann sehr nah ran an die Realität eines
- 32:37Speaker 0: Landes.".
- 32:38Speaker 1: Am Ende weiß man ja aber immer nie wirklich was man zu erwarten hat oder?
- 32:43Speaker 1: Also wenn man irgendwo hinkommt... Du weißt ja in der Regel nicht ganz genau wie's da aussieht, wie die Menschen drauf sind, wie sie ticken usw.
- 32:52Speaker 1: Bist du schon mal richtig auf die Nase gefallen oder zumindest mit einem Lächeln den Auge quasi auf die Nase gefallen, wo du dir gedacht hast, ja gut da war ich jetzt auch schon irgendwie.
- 33:03Speaker 1: Da habe ich es schon mal besser erwischt quasi.
- 33:06Speaker 0: Ja klar das ist ein gewisser Überraschungsfaktor.
- 33:09Speaker 0: Ist da immer dabei auch was den Komfort natürlich der Schlafgelegenheit angeht?
- 33:13Speaker 0: Das ist die Bandbreite extrem hoch.
- 33:16Speaker 0: man sieht halt online einen Profil von den Leuten wo meistens schon ein paar Infos drin stehen Was die so für Hobbys haben.
- 33:24Speaker 0: man sieht ein paar Fotos also einen gewissen Eindruck kann man sich schon machen und manchmal merke ich schon okay hier versteckt sich vielleicht eine Geschichte.
- 33:31Speaker 0: Also wenn jetzt in dem Profil steht jemand ist LGBT Aktivist in Moskau dann weiß ich in den Moment das wird interessant der hat was zu erzählen.
- 33:41Speaker 0: gleichzeitig gibt es natürlich diese Unvorhersehbarkeit, die ich teilweise sehr reizvoll finde weil mag mich in Situationen zu stürzen und den ich nicht weiß wie sie ausgehen.
- 33:54Speaker 0: Aber klar, es kann schon mal auch sehr eigenartig werden.
- 33:58Speaker 0: also zum Beispiel in Vladivostok in Russland hatte ich einen Gastgeber der sich als kompletter Rassist antisemid-und Verschwörungsmythengläubiger herausgestellt hat Der von vorne besagt der von morgens bis abends auf seinem iPad irgendwie sich die News zusammen gegoogelt hat, die in sein Weltbild passen und mir gleich am ersten Tag.
- 34:20Speaker 0: Damit kommen wollte das Auschwitz nicht passiert ist und es ging quasi stundenlang so weiter und da wäre ich wahrscheinlich ziemlich schnell abgereist wenn ich nicht gewusst hätte okay Ich bin für ein Buch hier und dass is eigentlich eine Episode ...die Realität ist in diesem Land und die sich zu erzählen lohnt.
- 34:38Speaker 0: Und deswegen bleibe ich jetzt, höre mir das an... ...und schreibe dann nachher darüber.
- 34:44Speaker 0: Das ist manchmal so das Koektiv für mich, dass dadurch,... ...dass ich weiß, ich werde drüber schreiben.
- 34:49Speaker 0: Dadurch lassen sich manche Negativerfahrungen quasi viel besser aushalten.
- 34:53Speaker 0: Weil wenn es richtig irre wird, dann habe ich am Ende ein gutes Kapitel fürs Buch.
- 34:58Speaker 1: Du hast gerade einen Negativ-Beispiel angesprochen.
- 35:01Speaker 1: Gab's denn mal eins wo du komplett... positiv überrascht warst von dem, was dich da erwartet hat und warum?
- 35:08Speaker 0: Das gab es ziemlich oft tatsächlich.
- 35:11Speaker 0: Also viele von diesen Begegnungen waren einfach so positiv, so lehrreich auch also dass sich der Wahnsinn ist das einfach wenn ich wirklich etwas dazu lerne, etwas erfahre, was mir so nicht klar war und das ist halt ganz oft erfallen.
- 35:30Speaker 0: Also ein Beispiel, zum Beispiel einen sechzigjähriger Gastgeber im Norden des Iran.
- 35:36Speaker 0: Namens Mohammed der den Spitznamen Fun-Man hatte was schon bisschen absurd klang da wusste ich schon okay der nennt sich in seinem Profil.
- 35:43Speaker 0: Fun Man ist nicht die normale Altersgruppe die bei Couchsurfing aktiv ist.
- 35:48Speaker 0: das wird irgendwie interessant.
- 35:49Speaker 0: und es war so ein wahnsinnig extrovertierter sehr lauter Typ der einfach eine Lebensphilosophie hat dass das wichtigste Spaß haben.
- 36:00Speaker 0: Und was ich zunächst so ein bisschen flach fand.
- 36:03Speaker 0: Ich mein, hab studiert und habe Intellektuale Eltern da denkt man das ist erstmal so ein bischen trivial wenn jemand durchs Leben geht und einfach sagt Spaß haben ist das Wichtigste.
- 36:14Speaker 0: Und ich hatte aber nach und nach kapiert dass für ihn eine Überlebensstrategie in einem Land in dem extreme Restriktionen gelten indem sehr stark starke Regeln herrschen und dass er sich da irgendwie seine Freiheiten sucht, indem er mit diesem breiten Lächeln und einer solchen Lebensphilosophie durch die Welt geht.
- 36:37Speaker 0: Und es war ein bisschen herausfordernd.
- 36:40Speaker 0: der hat mich als soziologisches Experiment betrachtet und ständig mitgenommen in Situationen wo ich irgendwelche Challenges erfüllen musste.
- 36:46Speaker 0: also hieß es hier in der Bibliothek geht auch mal da zu der Frau fangen Gespräch an oder hier jetzt immer auf ne Hochzeit und du redest mal ein bisschen mit den Leuten.
- 36:55Speaker 0: Er hat das dann immer aus der Ferne beobachtet und fand es wahnsinnig komisch, wie die Leute auf mich reagiert haben.
- 37:02Speaker 0: Für mich war's ziemlich anstrengend aber am Ende entstehen so natürlich interessante Buchkapitel auch wieder.
- 37:09Speaker 0: und ja von dem habe ich wirklich gelernt Spaß haben ist gar nicht so verkehrt
- 37:14Speaker 1: weil du gerade auch dieses Beispiel ansprichst.
- 37:18Speaker 1: Auch die Menschen die du in der Ukraine getroffen hast sind alle in Situationen in denen Teile ihrer Freiheit auf die ein oder andere Art und Weise beschnitten werden, in der sie Angst haben müssen um ihr Leben, vielleicht das Leben der Angehörigen.
- 37:35Speaker 1: Um Wohlstand den Sie vielleicht noch haben.
- 37:39Speaker 1: Der bedroht wird durch und sei es nur der nächste Raketenangriff.
- 37:45Speaker 1: Hast du festgestellt oder verstanden auch für dich warum diese Menschen in diesen Ländern noch sind?
- 37:52Speaker 1: Also warum diese Menschen bleiben und nicht versuchen, zumindest in der Region des Landes zu kommen.
- 38:01Speaker 1: Es muss ja immer nicht gleich die ganz komplette Auswanderung sein aber zumindest in ein Teil des Landes zukommen indem sie halbwegs unbesorgt leben können oder eben dann tatsächlich ganzes Land verlassen.
- 38:14Speaker 0: Das hat sich ja oft ganz individuelle Gründe und natürlich gilt grundsätzlich weiterhin im Kriegsrecht in der Ukraine, dass Männer zwischen achtzehnundsechzig das Land nicht verlassen dürfen.
- 38:24Speaker 0: Es gibt viele Beispiele, dass Leute das versucht haben über die Grenze zu kommen was aber auch zu schlimmen Konsequenzen führen kann, dass man dann quasi Zwangs eingezogen wird.
- 38:35Speaker 0: zum Militär zum Beispiel Ja, ich habe zum Beispiel in Kostjantinivka einen Gastgeber gehabt.
- 38:43Speaker 0: Siebenfünfzig Jahre alt Alexander der da wirklich sehr nah an der Front lebt.
- 38:48Speaker 0: also damals waren das etwa zwanzig Kilometer bis Bachmut von dort bis zur Front.
- 38:53Speaker 0: jetzt sind es nur noch etwa zehn weil Chassif ja direkt davor liegt und der war Immobilien Investor hatte acht oder zehn Immobilie in den besten Lagen in lauter Städten die inzwischen von Russen besetzt sind.
- 39:08Speaker 0: Zwei dieser Häuser wurden auch zerstört in Bachmut.
- 39:12Speaker 0: Er hat quasi alles verloren im Leben, er hat nur noch das Haus, in dem er jetzt lebt und der sagt da will er nicht raus, da bleibt er bis zum Letzten weil das alles ist was ihm geblieben ist.
- 39:22Speaker 0: seine Familie ist in Deutschland also seine Ex-Frau und die zwei Töchter leben in Deutschland.
- 39:29Speaker 0: aber er sagt er wird da bleiben weil das eben alles ist, was er hat.
- 39:37Speaker 0: Ich glaube viele Leute sehen auch nicht so die Perspektive, was besser wird wenn sie fliehen.
- 39:43Speaker 0: Wenn Sie dann diesen Flüchtlingsstatus haben und auf Fürsorge auf Almosen quasi angewiesen sind und sich dort nicht selber über Wasser halten können also das ist schon eine sehr schwierige Entscheidung dann zu gehen.
- 39:58Speaker 0: aber manchmal gerade so in Front näher kann man es kaum glauben dass die leute da weiter ausharren und nicht einfach versuchen wegzugehen.
- 40:07Speaker 1: Du warst schon in einer ganzen Menge Länder unterwegs, was dort couchsurfen.
- 40:12Speaker 1: gibt's denn auf deiner Bucketlist noch Länder wo du sagst da möchtest du es gerne mal ausprobieren.
- 40:17Speaker 1: Oh
- 40:17Speaker 0: ich habe eine lange Liste tatsächlich von Ländern die infrage kommen für weitere Buchprojekte und das hört nicht auf.
- 40:26Speaker 0: und leider hört es auch nicht auf mit Ländern die so eine gewisse politische Problematik haben die also gut in die Serie reinpassen würden.
- 40:38Speaker 0: Wir gehen auf jeden Fall die Ideen noch nicht aus, aber es kann natürlich auch mal ein Land sein was nichts so kontrovers ist in der globalen Politik
- 40:48Speaker 1: Wenn du eins von der Liste wählen müsstest und morgen losfliegen könntest und alles quasi funktionieren würde also du dich darauf verlassen könntest dass alles, alles funktioniert ohne größere Probleme.
- 40:59Speaker 1: Welches wäre das?
- 41:00Speaker 1: Das
- 41:00Speaker 0: finde ich tatsächlich gerade sehr schwer zu sagen weil ich mental derartig bei der Ukraine noch bin.
- 41:07Speaker 0: Das ist jetzt nicht mehr das Gefühl... Ich mache hier so eine Serie von Büchern und alle zwei Jahre das nächste sondern ich bin einfach so komplett emotional und in Gedanken nur bei diesem land weil dort die schlimmste krise europas unserer zeit sich gerade abspielt die so viel.
- 41:28Speaker 0: Bedeutung hat für die Zukunft von uns allen im Prinzip, für geopolitische Strukturen.
- 41:35Speaker 0: Für Machtverhältnisse weltweit.
- 41:37Speaker 0: das wird dort gerade verhandelt und dazu gibt es diese absolut fürchterliche menschliche Tragödie jeden Tag dass da immer mehr Menschen sterben und immer mehr menschen traumatisiert sind.
- 41:48Speaker 0: ich kann grade nicht weg von dem Gedanken also mich noch mit dem Land länger zu beschäftigen.
- 41:56Speaker 0: Von daher fällt es mir nicht schwer, also vielleicht würde ich sagen Indien wäre das nächste Land wenn du mich jetzt so spontan fragst aber ist es einfach wahnsinnig weit weg von meinem Denken im Moment.
- 42:10Speaker 0: Also diese acht Monate haben aus der Bahn geworfen und so bewegt, dass ich da nicht einfach so weitermachen kann mit dem nächsten.
- 42:20Speaker 0: Ich finde es teilweise auch gerade absurd zu diesen üblichen Buch-Medienmarathon zu machen.
- 42:27Speaker 0: Man geht in die Radiosendungen oder ins Fernsehen und berichtet von dem Buch... hofft, dass jemand das Buch in der Kamera kurz zeigt und dass es sich dann ganz gut verkauft.
- 42:37Speaker 0: Aber ... Und dann kommt das nächste Thema, dann kommt was über das Wetter und dann kommt etwas über den Hundezüchterverein.
- 42:45Speaker 0: Und dazwischen diesem ganzen Entertainment versucht man mit seinem Buch da unterzukommen.
- 42:50Speaker 0: Und dann mal im Thema, weil's einfach so unfassbar wichtig und relevant ist wo es um Leben und Tod geht, wo es auch um Leben meiner Familie also der Familie meiner Freundin in kielf geht.
- 43:02Speaker 0: es ist komplett absurd irgendwie das einfach so als weiteres buch zu betrachten.
- 43:09Speaker 0: dieses thema ist einfach zu groß
- 43:11Speaker 1: weil du sie auch gerade ansprichst grade in diesen zeiten indem wir per eilmeldung gefühlt jede frontbewegung irgendwo mit bekomme aber eben auch nur.
- 43:20Speaker 1: diese information mitbekommen.
- 43:22Speaker 1: also wir sehen zerstörung, wir sehen soldaten.
- 43:26Speaker 1: Wir sehen panzer von a nach b fahren irgendwelche lufte an griffe und ähnliches.
- 43:31Speaker 1: Wir bekommen aber eben sehr selten mit wie es den ich sage jetzt mal normalen zivilisten im land ergeht welche folgen ist für diese menschen hat.
- 43:41Speaker 1: Themen die du mit deinem buch ja sehr sichtbar machst, aber die ja eigentlich noch viel mehr in den Fokus gestellt werden müssten damit wir normalen Menschen in Frieden lebenden Menschen in Ländern, die vielleicht auch eine Unterstützungsleistung für die Ukraine erbringen besser verstehen können was dieser Krieg eigentlich mit der Bevölkerung vor Ort macht.
- 44:06Speaker 1: Warum fällt es uns denn gerade wir Medienmenschen Warum fällt es uns denn oft auch so schwer genau diese Seite des Krieges zu zeigen, die ja eigentlich mindestens genauso wichtig ist wie die Diskussion darüber ob die Front jetzt wieder fünf Kilometer in die eine oder in die andere Richtung gewandert ist.
- 44:26Speaker 0: Ja das ist ganz schwer zu sagen woran das liegt weil ich spüre auch in meinen Vorträgen dass da ein wahnsinniges Bedürfnis ist diese menschlichen Geschichten zu hören aus auf Augenhöhe, Begegnungen mit normalen Menschen die dieses Drama durchmachen.
- 44:45Speaker 0: Dann versteht man viel mehr über den Krieg und man ist natürlich wahnsinnig ermüdet von Berichten vom nächsten Raketenangriff.
- 44:53Speaker 0: dann sieht man wie viele Tote da waren.
- 44:55Speaker 0: Viel Zerstörung wieder.
- 44:57Speaker 0: es wiederholt sich halt und das menschliche Gehirn funktioniert einfach so dass wir eine Art von Wiederholung in den News irgendwann mit Abstumpfung... Dass wir auf dieser Art von Wiederholung der News mit Abstumpfung reagieren.
- 45:13Speaker 0: Man kann auch nicht ständig emotional sich da so rein denken, ich hab volles Verständnis dafür.
- 45:19Speaker 0: es ist natürlich... Ich versuch's ja auch aus zu blenden!
- 45:22Speaker 0: Ich würde am liebsten mal drei Tage keine News über Truppenbewegungen in der Ukraine und irgendwelche Zerstörungen und Raketen lesen.
- 45:30Speaker 0: aber es ist halt einfach weiter Realität.
- 45:32Speaker 0: Und das Absurde ist doch dass Zum beispiel jeder in seinen kopf rein denken kann wie er sich gefühlt hat am februar zwanzigsten febrar.
- 45:41Speaker 0: Was man da empfunden hat diese unfassbar ungerechtigkeit dass das große russland einfach sein nachbarland über fällt und, mit panzern rein fährt und anfängt alle zu töten die denen quasi in den weg kommen.
- 45:56Speaker 0: was für ein kompletter dummer hirnloser wahnsinn.
- 46:00Speaker 0: Und dieses Anfangsgefühl ist, wenn man in sich reinhört nicht mehr so stark vorhanden.
- 46:07Speaker 0: Obwohl der Krieg jeden Tag genauso schlimm ist wie am ersten Tag.
- 46:10Speaker 0: Er ist aber jeden Tag schlimmer weil noch mehr Leute inzwischen gestorben sind und ich glaube es ist einfach unfassbar wichtig sich da viel stärker wieder mit Empathie auch reinzudenken und vielmehr an die Menschen zu denken.
- 46:24Speaker 0: Ich glaube ein Faktor ist noch das einfach eine normale nette Geschichte über Alltägliches Leben im Krieg, dass das nicht so gut klickt auf Online-Portalen.
- 46:34Speaker 0: Dass es nicht so viele Leser findet und dementsprechend dann... ...nicht so oft gemacht wird!
- 46:41Speaker 1: Ich dank dir in jedem Fall sehr dafür, dass du mit deiner Arbeit, mit deinen Büchern diese abstrakte Ebene des Krieges oder des Konfliktes oder der gesellschaftlichen Herausforderung je nachdem welches Land wir schauen indem du auch unterwegs warst so ein Stück weit durch Geschichten aus dem normalen Leben erweitert, damit es eben am Ende nicht mehr so abstrakt ist und damit wir uns auch besser in die Menschen vor Ort hineinfühlen können.
- 47:10Speaker 1: Damit wir nachempfinden können wie es diesen Menschen in diesen Regionen geht und dann auch besser verstehen können warum es so wichtig ist uns auf die einen oder andere Art und Weise zu engagieren und zu helfen.
- 47:24Speaker 1: vielen Dank dir für deine Zeit für deine Arbeit und das Gespräch.
- 47:36Speaker 1: Vielen Dank für die Einladung.