Latest / Frag doch mal PINK! – EXPERTEN-TALK / Mitbetroffen
Transcript
- 0:04Speaker 1: Herzlich willkommen bei der heutigen Podcast-Folge von unserem fragt doch mal Pink
- 0:10Speaker 0: Experten
- 0:10Speaker 1: Talk Podcast.
- 0:12Speaker 1: Heute ist mein Gast Ocker Gundl, Journalistin, Fernsehmoderatorin und glücklicherweise auch Pink Botschafterin.
- 0:20Speaker 0: Und
- 0:21Speaker 1: die, die uns kennen wissen auch dass wir seit fünf Jahren zusammen den jährlichen Pinkkongress Digital, dieses Jahr am zwanzigsten November zusammen moderieren.
- 0:30Speaker 1: Was auch immer ganz viel Spaß macht!
- 0:31Speaker 1: Herzlichen Dank, dass du dabei bist, Ocka.
- 0:33Speaker 1: Ich freue mich schon sehr.
- 0:35Speaker 0: Ja ich freue mich auch schon sehr auf diesen Podcast und natürlich aber auch auf den Kongress.
- 0:40Speaker 0: wichtigste Frage wie immer wer zieht was an?
- 0:44Speaker 1: Das klären wir.
- 0:44Speaker 1: hinterher würde ich sagen.
- 0:46Speaker 1: Jetzt im Podcast geht es um das Thema Familie und Freunde von Brusskrebspatientinnen, Brusskriegsbetroffenen.
- 0:54Speaker 1: Und da bist du quasi ja auch Expertin weil du selbst betroffen gewesen bist.
- 1:00Speaker 0: Genau, so ist es.
- 1:01Speaker 0: Ich habe die betroffenen Kompetenz.
- 1:03Speaker 0: wie man so schön sagt ja als Mutter von drei Kindern Ist das natürlich ein Thema dass man vielleicht gar nicht so als erstes auf dem Schirm hat weil erster fokus sehr auf der Betroffenen also auch mir lag und Natürlich alle immer fragen Wie geht's dir?
- 1:18Speaker 0: Wie gehts weiter was machst du?
- 1:20Speaker 0: und aber das eben ein ganzes System mit in den abgrund gerissen wird So sage ich das immer ganz gerne.
- 1:26Speaker 0: Da kommt man erst so nach einer gewissen Zeit drauf.
- 1:29Speaker 0: Und das ist natürlich auch eine große Aufgabe.
- 1:32Speaker 0: dann.
- 1:34Speaker 1: Wann ist dir das klar geworden?
- 1:35Speaker 1: Weil du sagst, da kommt mal nach einer Zeit drauf!
- 1:37Speaker 1: Ist es nach ein paar Tagen, Wochen oder Monaten so gewesen?
- 1:42Speaker 1: Oder wann hast Du da das erste Mal dran gedacht, dass das auch ein Thema ist?
- 1:48Speaker 0: Also ich habe natürlich schon bevor die finale Diagnose überhaupt feststand dran gedacht.
- 1:54Speaker 0: Oh Mann... Was bedeutet das für meine Kinder dann auch?
- 1:57Speaker 0: Wie soll ich denn denen so was sagen und wie soll man damit
- 2:00Speaker 0: leben?".
- 2:01Speaker 0: Das fand ich wirklich äußerst schwierig.
- 2:04Speaker 0: Und musste mich sehr zusammenreißen, weil ich dachte, ich sage es ihnen aber erst ... Wenn ich die genaue Diagnose weiß und wenn ich ganz vielleicht auch die gute Botschaft mitgeben kann, dass ist lokal auf die Brust konzentriert.
- 2:17Speaker 0: Und wenn die Therapie anschlägt, dann kann ich wieder ganz gesund werden.
- 2:20Speaker 0: Das war mein Wunsch der dann dass ich das so sagen konnte.
- 2:26Speaker 0: Bis dahin musste ich mich zusammenreißen, habe auf gute Miene zum bösen Spiel gemacht und es war wahnsinnig anstrengend muss ich sagen.
- 2:33Speaker 0: Wirklich wahnsinn nicht anstregend!
- 2:35Speaker 0: Und ich weiß auch im Nachhinein, dass die Kinder schon irgendwas geahnt haben, dass irgendetwas komisch ist weil bei aller Mühe geht das natürlich nicht einfach so, dass man so tut.
- 2:44Speaker 0: Es ist alles in Ordnung.
- 2:47Speaker 0: Das ist das eine, dass den Kindern sagen.
- 2:49Speaker 0: Dass es ja wirklich ein großer Bruch in deren Leben ... Bis dahin waren sie unbeschwert und irgendwie unschuldig.
- 2:56Speaker 0: Und dann kommt dieses Jahr die Mama hat Brustkrebs.
- 2:59Speaker 0: Und das weiter zu verfolgen, während man selbst auch in dieser Mascherie drin hängt, in der man nie drinhängen wollte und mit sich selbst wahnsinnig viel zu tun hat.
- 3:09Speaker 0: Ich hab auch wirklich ne Zeit gebraucht um es für mich selbst.
- 3:11Speaker 0: anzunehmen, dass das so ist und mein Leben jetzt anders ist.
- 3:15Speaker 0: Dass es anders weitergeht, dass Ärzte bestimmen, Therapien bestimmen ... Und da eben das Maß zu finden auf sich selbst zu achten und gleichzeitig die anderen mitzuneben und auch die Anderen gesehen werden von mir natürlich aber auch vom Außen.
- 3:31Speaker 0: Da geht's immer, oh, arme Ocker!
- 3:33Speaker 0: Arme Ocker!
- 3:33Speaker 0: Oh Mensch du
- 3:34Speaker 0: arme!".
- 3:35Speaker 0: Das machst du
- 3:35Speaker 0: schon.".
- 3:36Speaker 0: Die armen Kinder kommt natürlich auch Der arme Partner, den gibt's natürlich auch noch.
- 3:41Speaker 0: Also es ist wirklich diffus und komplex.
- 3:44Speaker 0: Und ja ich sage jetzt im Nachhinein wie ich sonst in meinem Leben immer sage Ich mache alles so gut wie ich kann.
- 3:52Speaker 0: Auch gesund in der Kindererziehung.
- 3:54Speaker 0: Ich habe das damals auch so gut gemacht wie ich konnte.
- 3:56Speaker 0: Und ich glaube es war auch ganz gut.
- 3:58Speaker 0: aber... Ich merke natürlich schon, das ist ja jetzt sechs Jahre her.
- 4:03Speaker 0: Dass die Kinder auch immer noch beschäftigt, dass es immer Situationen gibt, wo das wieder aufploppt und so ... ich hab mich für einen sehr offenen Umgang entschieden und hab eben genauer gesagt, ich bin krank, ich habe Brustkrebs.
- 4:15Speaker 0: Aber wenn die Therapie anschlägt, dann kann ich gesund werden aber bis dahin kommt ich jemoterep, werde meine Haare verlieren und all die Sachen.
- 4:21Speaker 0: Da mutet man den Kindern viel zu.
- 4:23Speaker 0: Die können sich ablenken und wollen möglichst ihren Alltag weiterleben Aber natürlich ist das immer präsent.
- 4:32Speaker 1: Und die haben das wahrscheinlicher, weil sie auch unterschiedlich alt waren ganz unterschiedliche auch aufgefasst und verarbeitet.
- 4:39Speaker 1: Würdest du sagen es gibt trotzdem also über die Altersklassen hinweg irgendetwas was irgendwie denen besonders gut geholfen hat?
- 4:47Speaker 1: oder würdest so sagen drei Kinder total individuell.
- 4:51Speaker 1: ich kenne meine Kinder und ich weiß wie ich welches Kind anfassen muss und wie ich auch sowas mit einem kind besprechen muss.
- 4:58Speaker 0: Ja, natürlich sind die alle sehr unterschiedlich und haben auch alles sehr unterschiedliche reagiert.
- 5:04Speaker 0: in dem Moment wo ich das gesagt habe.
- 5:06Speaker 0: Mein Sohn hat als erstes gesagt kann ich denn jetzt mal wieder Fußball spielen?
- 5:10Speaker 0: und ist aufgestanden?
- 5:11Speaker 0: Meine eine Tochter ist dann irgendwie einfach gegangen und die mittlere Tochter hat ganz lange geweint.
- 5:17Speaker 0: also jeder ist seinen eigenen Weg gegangen Und natürlich war es dann im weiteren Verlauf auch so.
- 5:23Speaker 0: Ich glaube was allen Kindern schon geholfen hat, war ... dass sie immer wussten, woran Sie sind.
- 5:30Speaker 0: Wie gesagt, ich hatte gar nicht mehr die Power da irgendwie so zu tun.
- 5:33Speaker 0: Ach, wird schon und so an guten Tagen haben Sie gesehen?
- 5:37Speaker 0: Ah ja, heute geht's der Mama gut!
- 5:39Speaker 0: Und dann machen wir was Schönes, keine Ahnung rausgehen, Eis essen gehen
- 5:43Speaker 0: usw.,
- 5:43Speaker 0: und sofort.
- 5:44Speaker 0: An schlechten Tagen hab' ich aber auch gesagt, mir geht es halt nicht so gut, ich bin auch traurig und so, habe auch mal vor denen geweint, das wollen die natürlich nicht.
- 5:54Speaker 0: Aber sie fühlten sich zumindest dann auch ernst genommen und es war ehrlich.
- 5:59Speaker 0: Und das war nicht so eine komische Unsicherheit, glaube ich.
- 6:01Speaker 0: Ich glaube, das war schon gut dass die einfach merken, dass auch für sich selbst einschätzen konnten wie gerade der Stand der Dinge ist ja.
- 6:10Speaker 1: Ich glaub diese Ehrlichkeit würde ich komplett so bestätigen!
- 6:12Speaker 1: Ich habe das auch in einem Gespräch mit der Frau Prof.
- 6:15Speaker 1: Semfus vor allem um den Umgang auch mit Kindern ging ja auch geteilt.
- 6:19Speaker 1: Ich war neun als meine Mutter eine auch eigentlich fatale Krebsdiagnose erhalten hat Und die haben das erst mal versucht, ziemlich lange.
- 6:26Speaker 1: Weil es auch gar nicht gut aussah uns Kindern zu verheimlichen.
- 6:30Speaker 1: und natürlich haben wir gerochen dass da etwas überhaupt nicht in Ordnung ist und haben gesehen dass meine Mutter mit einer Freundin an der Hecke saß um geweint hat und dann macht man sich noch viel schlimmere Sorgen.
- 6:39Speaker 1: also insofern ist diese Ehrlichkeit und diese Offenheit ist glaube ich super entscheidend und Ich habe aber das weiß ich Ich weiß nicht, ob ich mich nicht getraut habe oder ob ich überhaupt nicht auf die Idee gekommen bin.
- 6:50Speaker 1: Ich hab mich glaube ich nie getraute zu fragen oder ich hab nie gefragt, ob da ein Risiko besteht dass meine Mutter daran verstärben könnte was um das hier einfach klar zu sagen Nicht passiert ist glücklicherweise wie durch einen wunder ehrlicher weise auch.
- 7:05Speaker 1: aber Das habe ich mir glaube ich gar nicht erlaubt das zu denken Oder wollte es nicht so genau wissen?
- 7:11Speaker 1: Ich weiß es nicht mehr genau.
- 7:12Speaker 1: ich war neun.
- 7:14Speaker 0: Ja, also meine mittlere Tochter war auch neun.
- 7:17Speaker 0: Mein Sohn war sieben, mein älteste Tochter zwölf und die hatten nun auch schon das Pech, dass sie drei Jahre vorher das Gleiche mit meiner Mutter erlebt haben, also mit ihrer Oma.
- 7:26Speaker 0: Und da hatten sie aber auch gesehen, dass das gut ausgehen kann und das auch wieder alles ganz okay werden kann.
- 7:31Speaker 0: Das war ehrlicherweise für mich ganz gut.
- 7:33Speaker 0: in dem Moment weil ich so ein positiv Beispiel direkt vor Augen den führen konnte ist dieses Wort sterben und tot.
- 7:43Speaker 0: Natürlich machen die sich da ihre Gedanken drüber, ich hab jetzt gerade eben noch bevor wir hier angefangen haben meine älteste Tochter, die mittlerweile neunzehn ist gefragt ja sag mal wenn du jetzt nochmal so dran zurückdenkst an so wie war das?
- 7:56Speaker 0: Ja also es ist wichtig dass eben alle davon betroffen waren.
- 8:00Speaker 0: hat sie auch nochmal so gesagt nicht nur du warst sondern wir alle da voll darunter gelitten haben.
- 8:05Speaker 0: und vor allem dass ihr gesagt habt ich habe die ganze zeit gedacht du stirbst Und das stand gar nicht im Raum.
- 8:11Speaker 0: Es stand wirklich nicht im Raum, aber es ist dieses Wort Krebs ... Ist ja immer schon ein Angstmacher muss man sagen.
- 8:20Speaker 0: und Angst haben die Kinder natürlich schon und erst recht um ihre Mutter.
- 8:24Speaker 0: und genau das ist auch dann falsch rum ne?
- 8:27Speaker 0: Die Kinder sollen sich nicht Sorgen ihrer Eltern machen sondern die Eltern machen sich wenn schon Sorgen um ihre Kinder und das wird natürlich in so einem Moment wo eine Diagnose ausgesprochen wird kehrt sich das um.
- 8:38Speaker 0: hab mir so leid.
- 8:39Speaker 0: Das hat mir auch echt das Herz gebrochen, dass die da so ihre Unbeschwertheit dann auch verloren
- 8:44Speaker 0: haben.".
- 8:45Speaker 0: Das heißt nicht, dass sie nicht auch frech waren und so... Aber dieses ... das sitzt schon tief!
- 8:50Speaker 0: Und das merke ich jetzt schon auch, dass immer mal wieder so eine Angst aufkommt.
- 8:54Speaker 0: Auch bei ganz anderen Sachen, ne?
- 8:56Speaker 0: Wenn dann jemand einem eines meiner Kinder sagt, ach, ich habe hier einen komischen Leberfleck den hatte ich doch aber neulich noch nicht.
- 9:01Speaker 0: und ist das denn
- 9:01Speaker 0: was?!
- 9:02Speaker 0: Also, die sind schon alarmiert.
- 9:04Speaker 0: Und das ist und so sage ich dann auch mal ... Es gehört jetzt zu eurem Leben!
- 9:08Speaker 0: Das ist so.
- 9:08Speaker 0: es tut mir leid dass es so ist aber es wird aber auch sicherlich dazu führen ihr werdet auch in irgendeiner Form davon profitieren und sei es irgendwie eine Empathie andere Menschlichkeit und so weiter und sofort oder vielleicht auch ne andere Demut vor dem leben würde ich jetzt schon auch sagen dass die das schon haben so ein Gefühl für Endlichkeit und es ist wie es ist
- 9:28Speaker 1: nicht bestätigen habe ich eindeutig mitgenommen und ich würde auch behaupten, ich bin wahrscheinlich Ärztin geworden.
- 9:33Speaker 1: Genau aus der Erfahrung heraus.
- 9:35Speaker 1: Ein Stück weit zumindest ist das bestimmt ein Faktor gewesen.
- 9:38Speaker 1: Und sag mal du hast gesagt Ehrlichkeit und auch Gefühle zulassen hätte geholfen.
- 9:44Speaker 1: Hast du irgendwas in Erinnerung was Außenstehende?
- 9:47Speaker 1: Also vielleicht Großeltern oder gute Freunde der Familie gemacht haben, was den Kindern irgendwie noch geholft hat.
- 9:54Speaker 1: Ist Ablenkung hilfreich gewesen oder ist das alles ... Belanglos in dem Kontext.
- 10:01Speaker 0: Ich glaube, Ablenkung wäre gut gewesen.
- 10:04Speaker 0: Mein Problem war ja oder unser aller Problemen war ja dass es in Corona war.
- 10:08Speaker 0: Ja stimmt!
- 10:09Speaker 0: War das Corona-Jahr?
- 10:11Speaker 0: Also ich glaube eine Woche nach meiner ersten Chemotherapie war der erste Lockdown so ungefähr.
- 10:17Speaker 0: also das war denkbar ungünstig.
- 10:19Speaker 0: deswegen kam das alles zusammen.
- 10:22Speaker 0: Das war schwierig, aber ja, Ablenkung ist immer gut.
- 10:25Speaker 0: Also Momente schaffen oder Normalität schaffen wo es geht ich glaube das hilft ungemein dass man sieht ahja es geht aber auch weiter und wir haben das ja auch gemacht.
- 10:35Speaker 0: wie gesagt an guten Tagen haben wir Ausflüge gemacht oder keine Ahnung war das Filme geguckt ne?
- 10:40Speaker 0: Dass man möglichst auch normalität schafft Es muss gar nicht was besonderes sein sondern einfach sehen ahja da sind doch noch Verlässlichkeiten die es gibt vielleicht nicht jeden Tag mehr, aber da ist noch was, worauf man bauen kann und mit der Perspektive das dann auch wieder Alltag wird.
- 10:56Speaker 0: Aber ich muss sagen, wenn ich jetzt gerade wirklich an diese Corona-Zeit denke ... Die Kinder galten ja als die großen Treiber!
- 11:02Speaker 0: Und meine Ärzte haben auch mal gesagt, sie müssen sich von ihren Kindern fernhalten und wenn sie sich jetzt anstecken, können die Therapie nicht weitergehen oder die Chemotherapie usw.
- 11:11Speaker 0: Das war schon hart weil ich dir auch gar nicht drücken durfte war schon schwierig.
- 11:18Speaker 0: Ja, und das kam halt noch oben drauf ...
- 11:21Speaker 1: Das war so eine Corona-Besonderheit, ne?
- 11:23Speaker 1: Absolut!
- 11:24Speaker 1: Kinder sind natürlich die Infektionsquellen Nummer eins, aber das hab ich lustigerweise auch noch nie in der Patientin gesagt, dass sie ihre Kinder nicht in den Arm nehmen kann.
- 11:31Speaker 1: Also Kita-Kinder ist vielleicht nochmal was anderes, aber ab Grundschule haben wir immer gedacht, nee, das muss ja auch eigentlich, oder?
- 11:39Speaker 1: Muss doch eigentlich dürfen.
- 11:40Speaker 1: Aber gut durch Corona haben wir Masken gelernt zu nur drehen und
- 11:43Speaker 0: Maske getragen.
- 11:43Speaker 0: Ja absolut, immer schön auf Abstand.
- 11:46Speaker 0: Ist schwer am Alltag.
- 11:47Speaker 1: Und sag mal, wenn ihr was Schönes gemacht habt.
- 11:49Speaker 1: Konntest du dich darauf einlassen?
- 11:51Speaker 1: Also konntest Du das genießen an dem moment
- 11:55Speaker 0: ja und ich konnte den total genießen weil ist ja auch für mich ein Stück weit selbst wirksam war und auch mir ein Stück Selbstbewusstsein zurückgegeben hat an den Tagen, wo ich was machen konnte.
- 12:05Speaker 0: Auch wirklich etwas zu machen.
- 12:06Speaker 0: Das geht aber noch spazieren gehen oder wandern gehen oder Tischtennis spielen draußen also solche Sache das hat mir total viel gegeben.
- 12:14Speaker 0: Also einmal weil ich es selbst geschafft habe und das konnte dann an dem Tag und auch einfach alle zusammen zu sein und irgendwie auch fröhlich zu sein.
- 12:23Speaker 0: Und das ist ja auch so eine Diskrepanz jetzt, als unabhängig ob jetzt Mutter oder nicht finde ich es so, dass man schon auch gute Momente hat.
- 12:31Speaker 0: also die gibt's ja durchaus!
- 12:34Speaker 0: Das habe ich immer gesagt Ich nehme die schlechten Tage hin aber ich genieße eben auch die Guten und das ist irgendwie manchmal fühlt sich das ganz komisch an.
- 12:41Speaker 0: oder nach einer gewissen Zeit kennt man ja auch seinen Sein Rhythmus, wie man reagiert vor der Archämo kurz danach ein bisschen später.
- 12:51Speaker 0: Also, man muss sich einfach drauf einlassen.
- 12:54Speaker 0: Man kann eben auch die Kinder gut beobachten, was ihnen gut tut.
- 12:57Speaker 0: Man muss wachsam sein in so einer Phase, wo man eine schwere Therapie bekommt.
- 13:03Speaker 0: Irgendwas geht immer!
- 13:04Speaker 0: Das muss ich schon sagen.
- 13:05Speaker 0: und wie gesagt ... Und auch dann hinnehmen.
- 13:08Speaker 0: Aber heute Morgen wird es mir schlecht gehen.
- 13:10Speaker 0: Auch mental vor allem wird's mir schlechtgehen.
- 13:12Speaker 0: Nach der Chemo war das immer so, wenn diese Cortison zuvor runtergefahren wurde.
- 13:20Speaker 0: Es war immer wieder doof, aber wenn man weiß dass es so kommt ist schon ein bisschen was anderes.
- 13:25Speaker 0: und deswegen sich selbst gut beobachten.
- 13:28Speaker 0: Und das umfeld auch im blick haben das ist irgendwie Ganz gut.
- 13:32Speaker 1: also ich finde das ist ja schon mal das zitat dieses podcast man muss dicken schlechten Tage hinnehmen und die Guten genießen.
- 13:39Speaker 1: Das finde ich da wirklich ein gutes Motto, um mit der Zeit umzugehen und durch die Zeit irgendwie durchzukommen ist sowieso ein gutes Motto fürs Leben in diesen Zeiten erst recht.
- 13:53Speaker 1: Habt ihr Schule-Kindergarten?
- 13:54Speaker 1: Hattet ihr dann nicht mehr von den Altersklassen eingeweiht oder das Umfeld eingeweihe, dass sie Bescheid geben wenn irgendwas auffällt?
- 14:00Speaker 1: Oder wie hast du das gemacht?
- 14:02Speaker 0: Ja Das habe ich auch gemacht bei allen Klassenlehrern.
- 14:05Speaker 0: Den hab' ich in der E-Mail geschrieben, hab gesagt so und so ist es.
- 14:08Speaker 0: Und ich würde sie bitten dass wenn ihnen was auffällt bei den Kindern das sie mir dann Rückmeldungen geben.
- 14:14Speaker 0: und das haben die auch getan.
- 14:16Speaker 0: und ehrlicherweise haben die gesagt Ich meine gut die Schule war ja dann auch bald vorbei weil er dann Homeschooling und so krempel aber hat mich auch gesagt Nee also ich habe den Eindruck haben die meisten beschrieben Die fühlen sich Die kommen ganz gut klar so.
- 14:28Speaker 0: Also die sind ... Thema Ablenkungen dann in der Schule, ne?
- 14:31Speaker 0: Das ist ja auch normales Umfeld und es ist laut und trubelig.
- 14:36Speaker 0: Und dann vergessen die das mal... Natürlich haben sie gesagt, man merkt schon, dass die ein bisschen stiller sind insgesamt aber ganz schlimm leiden tun sie nicht.
- 14:43Speaker 0: Und für mich war das eine wertvolle Rückenmeldung muss ich sagen.
- 14:45Speaker 0: Das ist ja natürlich auch das Learning, was man so hat als Mutter.
- 14:51Speaker 0: Man muss dann einfach loslassen!
- 14:54Speaker 0: Man kann nicht mehr so wie vorher alles regeln und gucken machen und so sagen, muss wirklich sagen... Es ist jetzt so wie es ist ich muss los lassen, ich muss auch Ein Stück weit vertrauen, dass das auch alles ohne mich läuft und interessanterweise läuft es ja auch ganz gut.
- 15:10Speaker 0: Ohne ein.
- 15:10Speaker 0: auch eine Erkenntnis Ja, das ist so ein bisschen ne?
- 15:13Speaker 0: Dass man meine Psycho Onkologen mit der ich ja sehr eng zusammengearbeitet hat dir auch mal gesagt sie müssen sich jetzt in erster Linie um sich selbst kümmern Und jetzt sind Sie krank und sie haben auch nicht nur eine Grippe Das ist wirklich hart und sie brauchen ihre Ressourcen.
- 15:29Speaker 0: und bleiben sie möglichst auch bei sich und das musste Ich wirklich auch lernen.
- 15:35Speaker 1: Ja absolut.
- 15:37Speaker 1: Sag mal von den Kindern weg zum Partner, der muss erstens ja eine Menge auffangen weil man ja nicht so kann und nicht so funktioniert wie sonst.
- 15:49Speaker 1: also ne Menge Aufgaben auch übernehmen je nach Altersklasse komplett einspringen was auch viele fordert würde ich jetzt aus meiner Beobachtung als Ärztin sagen und dann ist ja auch diese die Partnerschaft ordentlich durchgerüttelt, durch so eine Erkrankung weil man einfach ja sehr viele Sorgen hat gemeinsam und alleine jeweils.
- 16:10Speaker 1: Auch unterschiedliche weiß ich ehrlicherweise sogar auch von meinen Eltern dass sie sich ganz unterschiedlich gesorgt haben das zum Teil auch gar nicht geteilt haben weil man den anderen nicht belasten wollte mit den eigenen Sorgen die man sich dann auch gemacht hat.
- 16:24Speaker 1: Hast du da irgendwelche Learnings die du mitgeben würdest?
- 16:29Speaker 0: Ja, also erst mal hast du vollkommen recht für den Partner.
- 16:32Speaker 0: Es ist auch wirklich hart.
- 16:34Speaker 0: Der hat seine kranke Frau, der hat die Kinder, er hat sein normales Leben was er weiterleben muss seinen Job Also das man sagt ja oft die vergessenen Väter, die vergessenen Ehemänner.
- 16:44Speaker 0: und ich glaube es trifft schon auch zu Das meinte ich eben von auch dass der Fokus immer erstmal auf der erkrankten Person liegt dann noch großes Mitgefühl mit den Kindern, weil so aus dem Umfeld und die Partner kommen dann auch irgendwann.
- 16:57Speaker 0: Also das ist schon ein bisschen ungerecht glaube ich Weil es natürlich auch herausfordernd ist Und ich glaube schon dass es ganz wichtig ist im Gespräch zu bleiben und das gelingt natürlich mal besser und mal schlechter weil Es ist ja auch einfach eine fundamental neue Situation für alle Beteiligten Für die Kinder, für die Mutter, für den Vater.
- 17:20Speaker 0: Für alle und da muss jeder erst mal auch für sich klarkommen.
- 17:23Speaker 0: Wie mache ich das denn jetzt?
- 17:24Speaker 0: Und wie geht es denn jetzt ... Man ist ja völlig neu im Business.
- 17:28Speaker 0: Das ist nix, worüber man sich vorher jemals Gedanken gemacht hat oder wo man sich einen Podcast anhört und sagt, jetzt kann ich das auch!
- 17:35Speaker 0: Das ist wahnsinnig individuell.
- 17:37Speaker 0: Und so eine Erkrankung oder gerade so ne Krebserkrankung Sag ich immer sowieso eine Lupe, wie so ein Brennglas.
- 17:43Speaker 0: Da sieht man dann natürlich auch doch vermehrt die Themen, die man immer schon hatte in der Partnerschaft.
- 17:50Speaker 0: Der eine redet viel, der andere redet wenig und da muss man wirklich im Gespräch bleiben und auch da einen offen und ehrlichen Umgang finden.
- 18:01Speaker 0: also es ist auf jeden Fall eine große Herausforderung.
- 18:06Speaker 0: Es ist wirklich so, dass alle gesehen werden müssen.
- 18:08Speaker 0: Mein Mann hatte jetzt auch noch das Problem mit Homeschooling, Homeoffice und dann noch eine kranke Frau ... Das war wirklich ganz schön viel!
- 18:18Speaker 0: Ja.
- 18:19Speaker 1: Ein ordentlicher Last, ne?
- 18:21Speaker 1: Die die die mittragen.
- 18:23Speaker 1: Wenn ich ein bisschen an die Gespräche denke meistens viele Patientinnen bringen ja ihren Partner mit Ist es trotzdem total interessant wie die Rolle auf der anderen Seite des Arztschreibtisch ist oder wie unterschiedlich die Männer zumindest in dieser Situation sich einbringen und sich verhalten.
- 18:40Speaker 1: Und was sie in den Vordergrund rutschen, also meine Zusammenfassung des männlichen Verhaltens wäre, dass sie irgendwie das alles regeln, klären, reparieren wollen.
- 18:56Speaker 1: Ich bin überfordert, und das passt jetzt alles.
- 18:58Speaker 1: Irgendwie soll ich das alle schaffen?
- 18:59Speaker 1: Und wie soll das funktionieren?
- 19:01Speaker 1: Das würde ich sagen hat fast niemand zumindest kommuniziert oder zugelassen, dass man dahinter die Fassade geguckt hat.
- 19:08Speaker 1: Die meisten haben eher so eine Wortwahl gehabt, wie Schatz das schaffen wir?
- 19:12Speaker 1: Jetzt machen wir das so und so und zu also diesen eigentlich Reparaturansatz.
- 19:17Speaker 0: So ein Funktionsmodus auch.
- 19:20Speaker 1: Ganz interessant!
- 19:22Speaker 0: Ja, kann ich auch teilen.
- 19:23Speaker 0: Ich meine mein Mann musste auch in den Funktionsmodus gehen weil er einfach vielen hier zu tun hatte.
- 19:28Speaker 0: wie gesagt Homeschooling Homeoffice In Corona sollte man ja nicht einkaufen gehen.
- 19:33Speaker 0: also tausend Sachen wirklich tausende Sachen.
- 19:36Speaker 0: und ich muss sagen was mir manchmal so gefehlt hat ist einfach sind so ganz kleine Gesten eigentlich wenn ich sage es geht mir heute nicht so gut Und mein Mann dann gesagt hat ja hast du deine Tabletten schon genommen, um irgendwie so sofort irgendwie zu helfen.
- 19:51Speaker 0: Und ich mir vielleicht manchmal einfach nur gewünscht hätte der setzt dich auch da ans Bett und sagt Ja ist halt auch blöd Kommen wir nehmen das an die schlechten Tage man.
- 20:01Speaker 0: Ich glaube die Partner wollen gerne praktisch helfen irgendwie und manchmal wäre es einfacher oder glaube ich sinnvoller gewesen Oder zielführender gemeinsam auszuhalten also einfach gemeinsam auszuhalten, da zu sein.
- 20:15Speaker 0: Ohne viele Worte ohne irgendwas sondern einfach so da sein.
- 20:20Speaker 0: und das ist aber eben genau nicht so einfach weil es hat mein Mann auch mal gesagt er hatte natürlich auch Angst und musste auch lernen das auszushalten und dann kann man sich so oder so entscheiden und da war eher mehr der Praxis orientierte und hier sind Tee, die Tabletten, was auch gut war Und ein bisschen mehr, ja ich weiß gar nicht wie ich sagen soll.
- 20:48Speaker 0: Einmal aushalten, so bleiben und nicht helfen.
- 20:54Speaker 0: So dieses Aktions ist halt immer so.
- 20:56Speaker 0: dies das dass aber dieses... Ich habe immer gesagt es ist irgendwie alles.
- 21:00Speaker 0: ich hab tolle Kinder ich hatte einen vollen Mann viele auch so um mich herum gehabt, aber wenn man zum Beispiel abends am Bett liegt und nicht schlafen kann.
- 21:08Speaker 0: Die Krankheit bleibt ja da!
- 21:09Speaker 0: Und dann rattert das ja so los im Kopf die Gedanken und die Spiralen... Das fand ich wirklich wahnsinnig anstrengend.
- 21:18Speaker 0: Da habe ich für mich selbst oft Angst bekommen.
- 21:21Speaker 0: Und morgens ging es schon wieder besser.
- 21:24Speaker 0: Aber also ist einfach eine Herausforderung auf so unterschiedlichen Ebenen.
- 21:29Speaker 0: Dieses Funktionieren irgendwie in dem Familiensystem weiterhin, zumindest so wie es geht, dass sich selbst auseinandersetzen, sich mit seinem Partner auseinander setzen... Es ist echt schwer!
- 21:41Speaker 1: Ja, Wahnsinn und ehrlicherweise fast nie besprochen und sehr theoretisch in irgendwelchen Ratgeber, Prochüren oder wie auch immer nur aufgegriffen.
- 21:54Speaker 1: Weil es...
- 21:55Speaker 0: Es ist einfach super individuell!
- 21:57Speaker 0: Ich weiß zum Beispiel eine meine Freundin aus der Zeit die ich kennengelernt habe während der Chemo, die auch sehr jungen und Brustkrebs hatte.
- 22:07Speaker 0: Die sagte, ihr Mann, er ist wiederum total anhänglich.
- 22:11Speaker 0: Der hat selbst Wein, der oft und hat Angst und da muss sie sich fast noch um ihn kümmern.
- 22:17Speaker 0: also deswegen das gibt nichts Das richtig oder das falsch, sondern man muss einfach gucken wie man zusammen da durchkommt.
- 22:25Speaker 0: Und das meinte ich auch vorhin mit jeder muss seinen eigenen Weg finden und jeder muss für sich erstmal annehmen die neue Situationen und gucken was macht das jetzt eigentlich mit mir?
- 22:33Speaker 0: Und wie machen wir es zusammen?
- 22:35Speaker 0: Also von der ich gerade sprach, die hätte sich lieber mal gewünscht dass er einfach sagt hier sind deine Tabletten und das machen wir schon und so.
- 22:43Speaker 0: Man muss nicht drauf einlassen und gucken wie's weitergeht.
- 22:47Speaker 1: Ich erinnere auch viele Patientinnen und ich kann das auch so ein bisschen nicht aber nur eine andere blöde Diagnose gehabt in den Ende der Zwanziger.
- 22:56Speaker 1: Aber dass man irgendwie dachte, ihr wisst doch überhaupt nicht wie man sich fühlt und wie also dass man nicht genau weiß wie es weitergeht und wie's endet.
- 23:06Speaker 1: Und diese Unsicherheit hat mich mich persönlich mal kolossal genervt, wenn die gesagt
- 23:11Speaker 0: haben.
- 23:12Speaker 0: Naja
- 23:13Speaker 1: letzten Untersuchungen waren doch jetzt gut und macht ihr doch keine Sorgen wo ich dachte bist du wahnsinnig?
- 23:19Speaker 1: Also natürlich mache ich mir Sorgen weiß Ich weiss genau aus dem Krankenhaus raus im Auto in Himmel geguckt worden.
- 23:25Speaker 1: wir denken wie oft sehe ich den jetzt noch so schön blau.
- 23:27Speaker 1: Und die Sorgen macht man sich ja und ich würde sagen wer noch nie in so einer wirklich kritischen Situation selbst gesteckt hat kann das wahrscheinlich einfach nicht fühlen und kann es mehr oder weniger
- 23:39Speaker 0: gut
- 23:40Speaker 1: in der Kommunikation aufgreifen.
- 23:43Speaker 0: Das klingt ja dann manchmal so ein bisschen vorwurfsvoll, wenn man so sagt das kann ja keiner nachvollziehen.
- 23:47Speaker 0: aber es ist ja so!
- 23:48Speaker 0: Es kann keiner nach vollziehen, der nicht jemals in einer ähnlichen Situation gesteckt hat.
- 23:54Speaker 0: und das finde ich auch glaube ich das Tolle wie bei Pink diese Brustkrebs-Community.
- 24:00Speaker 0: Man begegnet sich auf Augenhöhe.
- 24:02Speaker 0: Jeder weiß oder nicht jeder, weil es ja nicht jeder krank ist.
- 24:05Speaker 0: Auf viele Ärzte.
- 24:06Speaker 0: aber wenn man jetzt diese Userin da trifft das ist so schön dass alle wissen was man meint.
- 24:13Speaker 0: irgendwie auch da erlebt es ja jeder unterschiedlich.
- 24:17Speaker 0: aber so diese Form von Endlichkeit die dann vor allem steht und was das alles in einem auslöst das ist doch relativ ähnlich bei den meisten.
- 24:27Speaker 0: Das ist irgendwie total schön und wie gesagt man kann es niemandem vorwerfen, ich freue mich für jeden der das noch nicht erleben musste und dadurch musste.
- 24:36Speaker 0: und doch trennt es.
- 24:37Speaker 0: Es trennt ein bisschen... Und
- 24:39Speaker 1: manchmal habe ich mich auch geärgert über
- 24:42Speaker 0: irgendwelche
- 24:42Speaker 1: Aussage wo ich dachte das ist fast schon ein bisschen frech
- 24:48Speaker 0: Übergriffig.
- 24:50Speaker 1: Wie sagt jemand, der nicht drin gesteckt hat in so einer Lage zu beurteilen, wann es einem selbst wieder gut gehen müsste jetzt und wenn man sich ja jetzt also nicht mehr solche Gedanken machen sollte?
- 25:01Speaker 1: Das steht irgendwie sowieso niemandem zu.
- 25:04Speaker 0: Nee das stimmt!
- 25:05Speaker 0: Und
- 25:05Speaker 1: ich finde es haben ganz viele im Freundes- und Bekanntenkreis ja dann auch das haben viele Patientinnen ja auch immer berichtet eine Hemmung dann auch oder wissen nicht genau, wie man mit dem Betroffenen umgehen sollte am besten.
- 25:19Speaker 1: Weil kannst du irgendwas teilen was dir geholfen hat?
- 25:21Speaker 1: Einfach wenn jetzt hier Freunde von Betroffenern zuhören... Was fragt man am besten?
- 25:27Speaker 1: Was bietet man am Besten an?
- 25:30Speaker 0: Also ich finde also zum einen genau was du sagst dass die Leute übergriffig sind.
- 25:34Speaker 0: das hat mich auch gestört in der Form als das gerade beim Thema Brustkrebs ja so eine fast schon natürliche Reaktion bei den Menschen ist.
- 25:43Speaker 0: Das ist ja so gut behandelbar und heilbar, das machst du schon.
- 25:48Speaker 0: Und damit wird es ... Es stimmt auch, aber es wird so bagatellisiert.
- 25:52Speaker 0: Dann denkt man ganz ehrlich, ich stecke doch jetzt hier drin!
- 25:55Speaker 0: Ich habe jetzt noch zwölf Chemos vor mir, weiß nicht wie's gehen wird oder schlägt die Therapie an?
- 26:02Speaker 0: Was hab' ich für Nebenwirkungen?
- 26:04Speaker 0: Das fand ich immer blöd und muss sagen, als meine Mutter drei Jahre vor mir erkrankt war.
- 26:10Speaker 0: hab ich das nämlich genau so gesagt.
- 26:11Speaker 0: Man denkt, man macht Mut und sagt doch komm, da schaffst du schon!
- 26:15Speaker 0: Du bist ja starke Frau.
- 26:16Speaker 0: also das ist auch für mich sein ganz schlimmer Satz.
- 26:18Speaker 0: Du bist eine starke Frauen.
- 26:20Speaker 0: In dem Moment isst man ja keine Starke Frau.
- 26:22Speaker 0: vielleicht möchte man vor allem auch in dem Moment gar keine Seine sondern auch mal eine verletztliche, eine ver letztbare Frau.
- 26:28Speaker 0: Und deswegen dass was ich damals zu meiner Mutter auch so gesagt habe Ja machst du schon?
- 26:32Speaker 0: Schaffst es
- 26:32Speaker 0: schon?"
- 26:32Speaker 0: Da hat sie gesagt, ja du hast gut reden ihr steckt ja auch nicht drin.
- 26:37Speaker 0: für das, was ich damals so gesagt, da muss ich sagen schämig mich fast ein bisschen.
- 26:40Speaker 0: Für wo ich dann die eigene Erfahrung gemacht habe und deswegen sage ich sowas eigentlich nicht mehr manchmal doch auch als Reflex wieder so achja wird schon und so aber dieses dem Raum geben dass es wirklich eine Katastrophe ist in der man gerade steckt.
- 26:53Speaker 0: das finde ich ganz wichtig.
- 26:55Speaker 0: und was so Freunde und so angeht hab ich mich immer gefreut a wenn die wirklich gefragt haben Wie geht es dir?
- 27:03Speaker 0: Vielleicht noch mit dem Nachsatz, wenn du nicht drüber reden möchtest.
- 27:06Speaker 0: Musst du nicht!
- 27:07Speaker 0: Aber wenn erzählts mir ruhig... Was ich auch immer gut finde waren konkrete Vorschläge kommen.
- 27:14Speaker 0: übermorgen habe ich Zeit Ich hole dich ab wir gehen spazieren oder ich bring dir was zu essen vorbei.
- 27:20Speaker 0: das fand ich auch so und was ich auch gut finde Wenn man sagt also nicht dieses ja melde ich bin was ist Meld dich, wenn es dir nicht gut geht.
- 27:30Speaker 0: Das ist auch mal so eine Einschränkung!
- 27:32Speaker 0: Ich würde immer sagen, meld dich, man kann sagen, ich melde dich jederzeit im Übrigen vor allem auch, wenn's dir nicht good geht.
- 27:38Speaker 0: Weil das ist eigentlich der Moment, ne?
- 27:40Speaker 0: Ja.
- 27:40Speaker 0: Weil dass genau diese Hemmschwelle als selbst erkrankte, denkst du, oh Gott jetzt kann ich ja da nicht mich melden, jetzt gehts mir auch nicht gut und so... Man will ja auch selbst den Leuten nicht zur Last fallen.
- 27:51Speaker 0: aber ich hatte eben so zwei drei Freundinnen wo ich wusste, da kann ich immer mich meldern und erst recht, wenn es mir schlecht geht.
- 27:58Speaker 0: Und das ist irgendwie total schön oder zu sagen, kommen wir verabreden uns!
- 28:03Speaker 0: Wenn es dir doch nicht gut geht, sag... zwei Minuten vorher ab.
- 28:06Speaker 0: Stört mich nicht, ne?
- 28:07Speaker 0: Also so ein paar Möglichkeiten schaffen und ein bisschen was Konkretes als immer so ja melde ich wenn etwas ist, melde der wenn es nicht gut geht, meld dich wenn du Hilfe brauchst, das sind einfach Luftblasen.
- 28:17Speaker 1: Lieber konkret was machen oder sagen kann ich morgen mal Essen vorkochen für euch auch für die ganze Familie.
- 28:23Speaker 1: Ist ja auch eine Riesenunterstützung.
- 28:24Speaker 1: Genau!
- 28:24Speaker 0: Ich habe was gekocht, ich bring's euch vorbei genau.
- 28:27Speaker 1: Kann ja für Doppelte Personenanzahl kochen oder wirklich mal die Kinder abholen zum Eis essen am Tag nach der Chemo, oder wie auch immer.
- 28:35Speaker 1: Und ich denke immer an Claudia.
- 28:37Speaker 1: Claudia ist kein Känzer-Chelch.
- 28:38Speaker 1: Ich halte meinen Frustriestell.
- 28:40Speaker 1: Die sagte sie fand besonders gut.
- 28:42Speaker 1: immer die Frage darf ich dich heute fragen?
- 28:44Speaker 1: Wie es dir geht?
- 28:46Speaker 1: das habe ich mir immer gemerkt weil ich dachte ja dass das drückt ganz gut aus denn manchmal will man ja auch gar nicht drüber sprechen und will abgelenkt werden und das macht so ein bisschen lässt einem die Wahl Ob man das fast aufmachen will oder nicht.
- 29:01Speaker 1: Total,
- 29:02Speaker 0: das finde ich auch total gut.
- 29:03Speaker 0: Ich hab den Satz auch schon von der Claudia öfter gehört und denke auch jedes Mal ja genau so ist es richtig.
- 29:09Speaker 0: Und ich finde aber auch selbst wenn anders gefragt wird oder wenn...ich finde man kann dann auch Wenn man sich selbst daran gewöhnt hat dass man krank ist und dass man in einer neuen Position Es kann man einfach sagen heute ist mir nicht so danach Oder okay?
- 29:23Speaker 0: Ist schön dass wir über irgendwas reden.
- 29:25Speaker 0: Aber in Wirklichkeit muss ich dir noch mal sagen Das mit den Kindern oder meinem Mann ist schwierig und kannst du mir da, musst du dir jetzt mal anhören.
- 29:33Speaker 0: Aber das dauert.
- 29:35Speaker 0: Das hat selbst bei mir gedauert.
- 29:38Speaker 0: Also es ist wirklich ... Man muss da reinwachsen!
- 29:41Speaker 0: Und eben auch die anderen müssen da rein wachsen.
- 29:43Speaker 0: Auch die Freunde, Familie...
- 29:46Speaker 1: Total, das kann keiner.
- 29:47Speaker 0: Die müssen das auch lernen und auch lernen auszuhalten weil für sie ändert sich ja natürlich auch was.
- 29:55Speaker 1: und sind ganz viele überfordert aus meiner Erinnerung.
- 29:58Speaker 1: Ja, absolut.
- 30:00Speaker 1: Sehr hilfreich!
- 30:01Speaker 1: Sag mal,
- 30:02Speaker 0: hast du
- 30:03Speaker 1: Freunde verloren durch die Erkrankungen?
- 30:05Speaker 1: Weil du so enttäuscht warst von denen ... Und weil du gesagt hast, nee, hab ich mir irgendwie viel mehr oder hatte eine ganz andere Erwartung oder Wahrnehmung und die waren so dämlich oberflächlich oder nicht für mich da oder wie auch immer.
- 30:19Speaker 1: Warum?
- 30:20Speaker 1: Ob du hast Unsicherheit oder was auch immer ist egal.
- 30:23Speaker 1: aber Gibt's das?
- 30:24Speaker 1: Dass sich der Freundeskreis sortiert hat.
- 30:26Speaker 0: Auf jeden Fall, ja.
- 30:28Speaker 0: Das sortiert sich dann schon ein bisschen neuer als ich hab auf jeden mindestens zwei mit denen ich auch so gar nichts mehr zu tun habe und ... Ich mein' es auch gar nicht böser.
- 30:37Speaker 0: aber manchmal merkt man dann einfach, achja, das passt vielleicht auch gar nich und enttäuscht ist man ja wenn man große Erwartungen hat.
- 30:45Speaker 0: Ich glaub', ich hatte gar nix so Erwartung und trotzdem sickert das dann manchmal so durch dass man denkt, ach krass!
- 30:51Speaker 0: Es wundert mich eigentlich,
- 30:52Speaker 0: ne?!
- 30:53Speaker 0: Also dann hat man doch was anderes erwartet, aber das ist mir denn komisch.
- 30:56Speaker 0: Da hätte ich es jetzt nicht gedacht.
- 30:57Speaker 0: und andererseits waren Freundinnen mit denen ich vorher gar nicht so eng befreundet war die jetzt richtig gute Freundin von mir geworden sind.
- 31:05Speaker 0: also es ist ja es sortiert sich neu und da muss ich aber auch sagen es ist mir manchmal auch tatsächlich leichter gefallen mit Menschen mich auszutauschen die mich nicht so gut kennen.
- 31:18Speaker 0: Also irgendwie fand ich es einfacher,
- 31:20Speaker 1: auch
- 31:21Speaker 0: die vielleicht gar nicht so mein ganzes Leben so gut kennen oder all die Themen, die ich in der Familie habe.
- 31:26Speaker 0: Sondern wo man so ein bisschen neutraler, auch ein bisschen mehr aus der Ich- das bin ich und ich spreche jetzt nicht weil vor fünf Jahren war das und vor zehn Jahren war dass und so sondern dieses.
- 31:35Speaker 0: So ist es jetzt!
- 31:36Speaker 0: Und das muss ich sagen was ist mir manchmal leichter gefallen mit Menschen, die mir ja nicht so nahe standen.
- 31:41Speaker 0: Komisch eigentlich, ne?
- 31:43Speaker 1: Interessant auf jeden Fall, aber ich finde dieses sich neu sortieren neue Aufstellen auch ein bisschen aufräumen im Leben und im Freundeskreis.
- 31:52Speaker 1: Das haben schon viele Patienten mir gesagt dass das eine der positiven Erfahrungen war die Idee wenn man das überhaupt als positiv definieren darf.
- 32:03Speaker 1: Aber dass sie gesagt haben, es ist was Positives, was die Erkrankung so mit sich gebracht hat, weil Sie dadurch viel gelernt haben über sich selbst und auch hier oben fällt und mit diesem neuen Kompass auch etwas Gutes mitgenommen haben ein Stück weit?
- 32:16Speaker 0: Das kann ich bestätigen.
- 32:18Speaker 0: also man lernt insbesondere viel über sich selber und lernt sich selbst auch nochmal neu kennen.
- 32:26Speaker 0: Und das finde ich auch gut!
- 32:28Speaker 0: Ich muss sagen, ich habe sehr viel Gutes mit in mein neues Leben genommen.
- 32:34Speaker 0: Ich weiß noch, dass ich damals immer gesagt hab zu meiner psychischen Onkelung ... Ich will das aber nicht!
- 32:38Speaker 0: Ich will mein altes Leben zurück und es war so schön und alles war gut.
- 32:43Speaker 0: Dann haben wir im Laufe der vielen Sitzungen festgestellt, alles nur gut war jetzt auch nicht.
- 32:49Speaker 0: Und was kommt kann eben auch sehr gut sein, auch wenn's anders ist.
- 32:54Speaker 0: Das hat sich ehrlicherweise wirklich ... zu hundert Prozent bestätigt und das ist dann auch schön.
- 33:00Speaker 0: Und man, ich sag mal, es gibt das Leben vor der Krebserkrankung und es gibtes Leben danach.
- 33:06Speaker 0: Vor allem gibt es jetzt und das is ein großes Learning von mir dieses... hab ich ja gar nicht... mein altes Leben will ich zurück.
- 33:12Speaker 0: gerne auch zurückgeguckt, als ich noch gesund war.
- 33:14Speaker 0: Ich hab ganz viel in der Vergangenheit gelebt und auch ganz weit nach vorne geguckt.
- 33:18Speaker 0: Und so habe manchmal ein bisschen das jetzt aus den Augen verloren.
- 33:22Speaker 0: Das jetzt war halt sowieso da, Kinder- und Familie- und Stress- und Job- und alles ... Das war einfach da!
- 33:29Speaker 0: Und ich war eine Meisterin darin, zurückzuschauen, nach vorne zu schauen... Jetzt bin ich doch sehr viel mehr bei mir Und im Moment und in dem jetzt.
- 33:37Speaker 0: Deswegen sage ich auch immer, wenn mich jemand fragt ja... ...und wie ist es denn?
- 33:40Speaker 0: Ach so die fünf Jahre hast du ja schon rum das ist ja toll!
- 33:43Speaker 0: Dann bist du ja durch und dann sag ich mal Ja ja das sagt man ja immer so ist vielleicht medizinisch auch so dass man das so einordnet.
- 33:50Speaker 0: aber wer weiß denn schon was morgen kommt?
- 33:52Speaker 0: Es gibt ja auch noch viele unterschiedliche Krankheiten die auf einen einbrechen können.
- 33:56Speaker 0: meine Antwort ist immer heute geht es mir gut was morgen ist Das weiß ich nicht.
- 34:01Speaker 0: und das ist ehrlicherweise auch erleichtern weil Wenn's mir heute gut geht und ich geh ins Fitnessstudio, gehe mit meinen Kindern irgendwas machen oder koche was Schönes.
- 34:10Speaker 0: Da freu' ich mich
- 34:10Speaker 0: drüber.".
- 34:11Speaker 0: Und das ist der Moment!
- 34:13Speaker 0: Das ist total bereichernd und macht vieles auch sehr viel einfacher.
- 34:17Speaker 1: Ich wollte dich natürlich eigentlich nach irgendeinem Schlusswort fragen
- 34:20Speaker 0: aber
- 34:21Speaker 1: das brauche ich gar nicht mehr.
- 34:22Speaker 0: Wir lassen das so stehen.
- 34:23Speaker 0: Das finde ich gut.
- 34:24Speaker 1: Das war schön und ich glaube
- 34:26Speaker 0: ein
- 34:27Speaker 1: toller Impuls für viele... die vielleicht jetzt in dieser Situation stecken auf der einen oder anderen Seite.
- 34:33Speaker 1: Und vielen Dank, dass du uns so hast teilhaben lassen noch mal rückblickend an der Situation und an deinen Erfahrungen.
- 34:42Speaker 1: Schön, dass Du dabei warst!
- 34:43Speaker 0: Habe ich gern gemacht.
- 34:44Speaker 0: Vielen Dank und ich denke auch an alle, die jetzt da drinstecken.
- 34:49Speaker 0: bleibt tapfer, bleibt mutig und es gibt ein Leben danach.
- 34:52Speaker 1: Dann bleibt mir nur noch Tschüss sozusagen in Richtung Zuhörerin.
- 34:57Speaker 1: Hören Sie sich auch die anderen Folgen an und schauen sie mal nach dem Pink Congress Digital, den gibt es jedes Jahr mit uns!