Latest / heute journal - der Podcast / „Super El Niño“ – Wie groß ist die Gefahr? Mit Anders Levermann und Özden Terli
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- 0:08Ich.
- 0:17Habe davor gewarnt.
- 0:26El Nino steht vor der Haustür. Jetzt ist er im Haus und gießt Öl ins Feuer eines
- 0:31Planeten, der bereits brennt.
- 0:34Das sagt vor ein paar Tagen der UN-Generalsekretär Antonio Guterres.
- 0:39Und er meint damit etwas, das sich in diesem Moment tausende Kilometer entfernt
- 0:43im Pazifik zusammenbraut und enorme Auswirkungen haben kann.
- 0:47Das Wetterphänomen El Niño, das laut Experten so stark werden könnte wie seit
- 0:53Jahrzehnten nicht mehr.
- 0:55Was genau ist dieser super oder mega El Niño? Wie gefährlich ist er und welche
- 1:00Folgen hat er, nicht nur für das Weltklima, sondern auch für die Weltwirtschaft?
- 1:04Und was bedeutet das konkret für uns in Deutschland?
- 1:08Ich bin Helene Reiner und ich kann darüber jetzt sprechen mit Marietta Slomka,
- 1:12Moderatorin des Heute-Journals. Hallo Marietta. Hallo.
- 1:16Und mit einem der bekanntesten Wetter-Moderatoren des Landes,
- 1:20dem Diplom-Meteorologen.
- 1:22Zweimal für den Grimme-Preis nominiert ist er auch. und außerdem ein ZDF-Kollege,
- 1:27der auch mit hier im Studio sitzt, Östin Terli. Hallo Östin.
- 1:32Außerdem ist uns zugeschaltet einer der international profiliertesten Klimaforscher,
- 1:37der unter anderem zu den Berichten des Weltklimarates beiträgt,
- 1:41Professor Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.
- 1:46Hallo Professor Levermann, schön, dass das klappt. Hallo.
- 1:51Ja, wir stecken schon wieder oder eigentlich immer noch, kann man ja sagen,
- 1:55in einer heftigen Hitzewoche und ohne jetzt zu sehr jammern zu wollen,
- 2:00das steht mir nun wirklich nicht zu. Aber mir hat es ganz schön zu schaffen gemacht, körperlich.
- 2:05Ich war auch schlecht gelaunt und dachte mir, nein, ich will das nicht und unsere
- 2:08Körper sind auch einfach nicht dafür gemacht.
- 2:10Marietta, wie hitzeresistent, würdest du sagen, bist du? Auch nicht besonders.
- 2:16Also im Prinzip finde ich frierend eigentlich noch schlimmer,
- 2:18aber dagegen kann man was machen. Und bei dieser Hitze war dann irgendwann mal
- 2:21echt Schluss. Also wenn man dann nicht eine Klimaanlage hat,
- 2:24was du ja in Zweifelsfall nicht hast, wird es wirklich bitter.
- 2:28Die ja auch viele Krankenhäuser und Pflegeheile nicht haben,
- 2:30Schulen nicht haben, da haben wir ganz viel dazu gehört auch.
- 2:33Und auch sonst gab es zum Klima nicht wirklich gute Nachrichten diese Woche.
- 2:37Das RKI hat heute erst neue Zahlen rausgebracht.
- 2:40Fast 12.000 Menschen sind gestorben infolge der hohen Temperaturen.
- 2:46Und zwar bis jetzt. Also das Jahr ist ja noch nicht vorbei. Und die Zahl ist
- 2:50aber trotzdem jetzt schon höher als sonst in jedem Gesamtjahr seit 2016.
- 2:55Und wir haben auch alle noch die Bilder im Kopf von den verheerenden Waldbränden
- 3:00in Europa, in den Niederlanden, Frankreich, Spanien, Griechenland,
- 3:04die wirklich so viel zerstört haben.
- 3:07Und in dieser Lage sagt uns dann der Chef der Vereinten Nationen,
- 3:11diese apokalyptischen Brände seien nur ein Vorgeschmack gewesen und dass das
- 3:16Phänomen El Niño quasi alles noch viel schlimmer machen würde.
- 3:21Östin, ich habe dich unzählige Male im Fernsehen gesehen und du hast auch schon
- 3:26sehr, sehr gut das Phänomen El Niño erklärt. Aber tu es bitte auch nochmal für
- 3:30unsere Podcast-Hörer und Hörerinnen.
- 3:32Was macht El Niño? Kurz und verständlich.
- 3:35Kurz und verständlich. Da haben wir ja zum Beispiel ein Video vorbereitet,
- 3:39wie man ja im Fernsehen immer schon sagt. Und da kann ich ja mal vielleicht
- 3:44das Video erklären. Also in der Regel wehen im Pazifik beständige Winde.
- 3:49Dabei schieben diese östlichen Passatwinde das warme Oberflächenwasser nach Australien.
- 3:56Dort verdunstet es und sorgt für feuchtwarme Witterung. Das wäre der Normalzustand.
- 4:01Auf der anderen Seite des Pazifiks, vor der Küste Südamerikas,
- 4:05quillt kaltes Tiefenwasser nach oben.
- 4:08Sonnig, trocken und kühl ist es deshalb normalerweise dort.
- 4:12In El Niño Jahren schwächen sich die Passatwinde ab und das warme Oberflächenwasser
- 4:16schwappt sozusagen zurück. Man könnte das jetzt so salopp sagen und die Wassertemperatur
- 4:21von Mittel- und Südamerika steigt an.
- 4:24Und das warme Wasser verdunstet nun dort die Folge für Südamerika,
- 4:27schwere Regenfälle und Stürme.
- 4:30Australien dagegen leidet unter starker Hitze, Trockenheit und Dürre.
- 4:34Was wir also hier eigentlich kurz und knapp sagen können, das Wetter dreht sich
- 4:39um. Aber es betrifft nicht nur Südamerika und Australien, auch die anderen Regionen, Afrika.
- 4:46Also im Prinzip ein riesengroßer Bereich des Planeten wird von diesem Wetter-
- 4:52und Klimaphänomen massiv beeinflusst und das mit sehr, sehr negativen Folgen.
- 4:57Also es macht alles noch heißer jetzt? Ja, naja gut, also einerseits wird es
- 5:01heißer, in anderen Regionen wird es wiederum nasser.
- 5:05Es gibt viel mehr Stürme, viel mehr Gewitterstürme und in anderen Regionen bleibt
- 5:10es wiederum deutlich zu trocken und deutlich zu heiß.
- 5:14Aber wir müssen hier, ich sage das jetzt direkt vorneweg schon mal,
- 5:17wir müssen hier wirklich stark differenzieren zwischen dem, was wir jetzt in
- 5:20diesem Sommer hier erleben und dem El Nino, der sich da aufbaut.
- 5:25Das ist zwar in irgendeiner Form verbunden, aber die Wirkung ist noch nicht
- 5:30zu spüren und wenn, dann wird sie nicht so stark sein, dass man sagen kann,
- 5:34das ist klar auf den El Nino zurückzuführen.
- 5:36Viel stärker wirkt hier die globale Erhitzung und dessen Folgen quasi auf das Wetter.
- 5:41Also das, was wir jetzt in Europa haben, ist eine Mischung aus Wetter und den
- 5:46Folgen der globalen Erhitzung. Das überlagert sich und dementsprechend haben
- 5:50wir jetzt so ein extremes Wetter in Europa.
- 5:54Professor Levermann, jetzt hat ja Antonio Guterres am Anfang gesagt,
- 5:58El Niño sei bereits im Haus und würde alles noch schlimmer machen.
- 6:02Wie hängt das denn jetzt genau zusammen, dieses natürliche Wetterphänomen El Niño,
- 6:09das ja, wenn ich das schon richtig verstanden habe, keine Folge des Klimawandels
- 6:13ist, aber sich ja doch irgendwie gegenseitig beeinflussen und zu verstärken scheint?
- 6:19Ja, die Forschung daran an El Nino, die ist schon Jahrzehnte alt und das ist
- 6:24ein sehr komplexes Phänomen mit sehr, sehr starken Auswirkungen.
- 6:28Das ist die größte natürliche Klimaschwankung, die wir haben weltweit.
- 6:31Und der Fakt, dass wir selbst nach Jahrzehnten Forschung immer noch nicht genau
- 6:35wissen, wie sich das unter globaler Erwärmung verändern wird,
- 6:39ob die Frequenz höher wird.
- 6:42Ob die Magnitude höher wird, das zeigt ein bisschen, wie komplex das Ganze ist
- 6:47und dass wir da tatsächlich mit einem Phänomen kämpfen, was zwischen Wetter und Klima ist.
- 6:53Das Entscheidende ist, und das haben wir gerade schon gehört,
- 6:57Man kann es nochmal klarer machen. Während des Ennio-Phänomens wird Wärme aus
- 7:02dem tiefen Ozean im Pazifik nach oben gepumpt.
- 7:05Und deswegen wird die globale Mitteltemperatur in diesen Jahren immer höher.
- 7:09Und das hat eine ganze Reihe von Folgen. Nun passiert das ganz anders,
- 7:12als die Wärme kommt quasi von unten, als das die globale Erwärmung macht,
- 7:17als das das CO2 macht, das Verbrennen von Ölgas und Kohle.
- 7:21Und deswegen hat es auch ein anderes Muster auf der Erde. Das Problem ist,
- 7:24wir sind daran gewöhnt, an bestimmte Phänomene.
- 7:28Wir wissen, was in Südamerika passiert, was in Australien passiert.
- 7:33Normalerweise die Bauern sind daran angestellt, die Infrastruktur ist darauf eingestellt.
- 7:37Und in Europa passiert auch viel während El Niño.
- 7:41Alles kommt durcheinander und das kommt jetzt auf diese Erwärmung,
- 7:44die wir gemacht haben, nach oben drauf.
- 7:46Sie haben gesagt, man forscht schon seit Jahrzehnten an diesem Phänomen.
- 7:51Bekannt ist es, glaube ich, sogar noch länger.
- 7:54Um mal auch jetzt über die aktuellen Folgen zu sprechen und auch die Dimensionen
- 7:58ein bisschen besser zu verstehen, lohnt, glaube ich, der Blick in die Vergangenheit.
- 8:02Gundula Gause hat sich mal angeschaut, wie viele sehr starke El Niños es schon
- 8:07gab und welche Folgen sie damals hatten.
- 8:12Gundula erklärt's.
- 8:16El Niño ist schon seit Jahrhunderten bekannt. Peruanische Fischer stellten fest,
- 8:22dass das Wasser vor ihren Küsten um die Weihnachtszeit manchmal wärmer wurde,
- 8:27sodass sie tropische Fische fangen konnten.
- 8:30Sie nannten das Phänomen El Niño in Anlehnung an das Christkind.
- 8:34Sehr starke El Niños, bei denen sich das Wasser im Zentralpazifik um mehr als
- 8:40zwei Grad erwärmt hat, gab es in den vergangenen 150 Jahren nur viermal.
- 8:451877, 1982, 1997 und 2015.
- 8:54El Niño von 1877 war wohl einer der stärksten und trug zu einer der verheerendsten
- 9:00Klimakatastrophen der Menschheitsgeschichte bei.
- 9:0350 Millionen Menschen starben weltweit.
- 9:08El Niño löste zeitgleich starke Dürren auf verschiedenen Kontinenten aus.
- 9:13Mit großen Hungersnöten etwa in Indien, Brasilien und im Norden Chinas.
- 9:18Starke El Niños bleiben gefährlich. 1997 kamen zehntausende Menschen durch Extremwetter
- 9:27als Folge von El Niño ums Leben.
- 9:292015-16 riefen mehrere afrikanische Staaten aufgrund von El Niño-Ereignissen den Notstand aus.
- 9:37Äthiopien erlebte die schlimmste Dürre seit Langem. 10 Mio. Menschen waren auf
- 9:43Ernährungshilfe angewiesen.
- 9:45Dazu verbreiteten sich Krankheiten wie Cholera und Dengue-Fieber.
- 9:53Also seit Beginn des 19. Jahrhunderts gab es erst vier sehr starke El Ninos
- 9:59und bei einem davon starben in der Folge 50 Millionen Menschen.
- 10:03Professor Levermann, steuern wir aktuell auf den stärksten El Nino zu,
- 10:08den es jemals gab? Ist das ein super El Nino oder halten Sie das für Panikmache?
- 10:15Ich sehe nämlich aktuell sehr, sehr viele Videos auch auf Social Media,
- 10:18bei denen man wirklich Angst kriegen kann.
- 10:20Im Pazifik erwacht gerade ein Monster und Wissenschaftler weltweit schlagen
- 10:24Alarm. Die Welt steht aktuell vor dem größten Problem unserer Zeit und gerade
- 10:28deutet alles darauf hin, dass die schlimmsten Befürchtungen wahr werden können.
- 10:32Ein sogenannter Godzilla-El Niño.
- 10:34Ja, Social Media ist das sicher nicht die gute Quelle, aber wir müssen mit einem
- 10:39sehr starken El Niño rechnen.
- 10:42Was Sie jetzt gerade angedeutet haben, ist sehr, sehr spannend.
- 10:44Schon das Jahr 2003 hat eine Hitzewelle erlebt, die nicht mit El Nino verbunden
- 10:48war und hat 60.000 Tote in Europa verursacht.
- 10:542022, 2023 hatten nochmal in der gleichen Größenordnung sogar ein bisschen mehr, 60.000.
- 10:59Heute haben sie gerade gehört, da haben wir 12.000 nur in Deutschland,
- 11:02da ist Frankreich noch nicht drin, Spanien noch nicht drin, Italien noch nicht drin.
- 11:06Also setzt sich El Nino sozusagen nochmal oben drauf.
- 11:09El Niño ist jetzt nicht Klimawandel, sondern ein natürliches Phänomen,
- 11:12das immer wieder kommt. Aber wenn das dann auch noch obendrauf kommt auf den
- 11:16sowieso schon da bestehenden Klimawandel, wird es noch ungemütlicher,
- 11:19um es mal lakonisch zu sagen.
- 11:22Das ist das Problem, ganz genau. Und auf eine ganz andere Art,
- 11:24weil es ein anderes Muster hat.
- 11:29Wir kennen unsere Umgebung, wir kennen die Landwirte, wissen,
- 11:32was sie zu tun haben, wenn Dinge passieren. Aber El Niño macht immer nochmal alles durcheinander.
- 11:37Ja und dann muss man auch noch sagen, dass ja die Ozeane schon seit Jahren massiv
- 11:42aufgeheizt sind und dann kommt dieses Phänomen noch dazu und,
- 11:47trifft auf eine Situation, wo wir sowieso schon aufgeheizte Ozeane haben und
- 11:52nimmt das natürlich gerne mit auf und verstärkt das Ganze noch weiter.
- 11:56Also wir haben also eine Grund, wie soll ich sagen, eine Grundenergiemenge.
- 12:02Die viel höher ist als normalerweise und dann kommt ein natürliches Phänomen und überlagert das.
- 12:07Das ist ja immer das Problem. Also ich sage auch immer,
- 12:11wir sind ja in der globalen Erhitzung und wenn wir rausschauen,
- 12:16in den Himmel, dieser blaue Himmel ist nicht mehr so wie er früher war,
- 12:19der ist chemisch verändert, die physikalischen Parameter sind anders und das
- 12:24führt zu anderen Wetterereignissen und es ist permanent.
- 12:27Also man kann zum Beispiel auch nicht fragen, ist das jetzt der Klimawandel
- 12:30oder nicht oder die globale Erhitzung, was man auch immer sagt.
- 12:34Das ist permanent vorhanden, aber bricht nicht immer durch.
- 12:37Aber wenn sich verschiedene Parameter überlagern, knallt es eben durch.
- 12:42Und das ist jetzt ein El Nino Event, was sehr krass wirkt und das ist überlagert
- 12:47mit der globalen Erhitzung.
- 12:49Deswegen ist das besonders heftig. Also ich habe von Nelno, glaube ich,
- 12:52das erste Mal als Taucherin vor vielen, vielen Jahren gehört,
- 12:55weil eben die Korallenbleiche darauf zurückgeführt wurde. Es ist schon erheblich, was das auslöst.
- 13:00Aber wenn ich das richtig verstanden habe, diesem Wording von da kommt jetzt
- 13:05der Godzilla El Nino oder das ist jetzt ein Monster, das da im Pazifik irgendwie heranwächst,
- 13:13der würden Sie sich so nicht anschließen, Herr Lebermann?
- 13:18Ich will mich nicht den Social Media Hypes anschließen, aber die Analysen,
- 13:23die wir bisher haben, die deuten schon an. Da kommt ein Riesen-Illigno auf uns zu.
- 13:29Ob das wirklich einer von den Größten wird, einer von den Vieren,
- 13:32also ein Fünfter, das werden wir erst nachher wissen.
- 13:35Tatsächlich gibt es da auch Vorhersagebarrieren, die wir haben,
- 13:39weil es sich über mehrere Jahre zieht, wenn Sie so wollen, also zumindest über ein Jahr.
- 13:45Und deswegen ist das kompliziert. Aber ich will nochmal hervorheben,
- 13:50wir haben verschiedene Komplexitätsstufen, wenn wir über den Einfluss von Klima
- 13:55auf unser Leben sprechen.
- 13:58Und das Erste ist immer das Einfachste. Und das ist die Thermodynamik.
- 14:01Und die sagt einfach, eine wärmere Atmosphäre, die wir dadurch wärmer gemacht
- 14:05haben, dass wir Kohle, Öl und Gas verbrennen, oder eben die auch mal wärmer
- 14:08wird, weil wir El Niño haben, die kann mehr Wasserdampf halten.
- 14:13Und das hat eine ganze Reihe von Einflüssen. Das heißt erstmal,
- 14:17es gibt mehr Starkniederschlagsereignisse.
- 14:20Das heißt aber auch, dass die Luft mehr Wasser aufsaugt. Das heißt,
- 14:24Dürre wird verstärkt, Waldbrände werden verstärkt. Was wir gerade in Europa
- 14:28sehen, sind diese Phänomene.
- 14:31Das ist die Thermodynamik, die ist sozusagen relativ langweilig für einen Forscher,
- 14:35die haben wir schon verstanden.
- 14:36Dann kommt die Dynamik oben drauf und da wird es dann spannend und El Nino ist
- 14:41sozusagen Dynamik und Dynamik zweimal addiert.
- 14:45Wenn wir mal davon ausgehen, diese verschiedenen Komplexitätsstufen kommen da
- 14:50zusammen. Es wird, so wie jetzt gerade vorhergesagt, ein besonders starker Nino,
- 14:54der da El Nino, der dann über mehrere Monate anhält.
- 14:58Was erwartet uns denn dann konkret nächstes Jahr? Wo werden wir diese Auswirkungen
- 15:04am stärksten zu spüren bekommen?
- 15:07Das Tolle ist, das Wettervorhersage geht zehn Tage in die Zukunft.
- 15:11Das weiß Herr Telly viel besser als ich. Aber wenn Sie nächstes Jahr wissen
- 15:16wollen, dann können wir tatsächlich nur sagen, wir bringen Energie ins System
- 15:20wie verrückt. Und das bedeutet, alles wird wilder.
- 15:25Die Schwankungen werden einfach größer. Ich höre das immer wieder.
- 15:28Ich gebe seit 22 Jahren Vorträge vor Industrievertretern zu Klimaphänomenen.
- 15:33Und die sagen, da kommt immer zwischendurch mal so eine kritische Stimme,
- 15:37naja, wenn es warm wird, ist es Klimawandel, wenn es kalt wird,
- 15:41ist es Klimawandel, wenn es trocken wird, ist es Klimawandel,
- 15:43wenn es regnet, ist es Klimawandel.
- 15:45Ja, so ist es. Genau so ist es. Denn wir haben tatsächlich einfach mehr Schwankungen.
- 15:51Und das ist auch kein Widerspruch.
- 15:53Das haben wir gestern erlebt. In Berlin hat es gestern riesig geregnet und vorher war trocken.
- 15:58Aber man kann sich doch vermutlich darauf einrichten, dass im nächsten Jahr,
- 16:02wenn es um Ernten geht, Probleme auftauchen und dass auch die wirtschaftlichen
- 16:07Folgen erheblich sein werden von so einem super El Nino, wenn wir ihn mal so nennen wollen.
- 16:12Ganz genau. Das wissen wir und das ist...
- 16:16Man kann schon immer wahnsinnig viel sagen, wenn man einfach weiß,
- 16:18dass die Schwankungen stark werden.
- 16:20Denn es gibt Dinge, auf die kann man sich anpassen, die sind graduell,
- 16:23wie zum Beispiel Meeresspiegelanstieg.
- 16:2597 Prozent der Energie, die wir zusätzlich auf der Erde einfangen durch die
- 16:28Treibhausgase, geht in den Ozean. Das hat Herr Telly vorhin gesagt,
- 16:32da ist der Meeresspiegelanstieg, die Oberfläche erwärmt sich und so weiter.
- 16:38Aber das ist sozusagen was, da müssen wir einfach die Deiche höher bauen.
- 16:41Das geht irgendwann nicht mehr höher, da müssen Sie Hamburg aufgeben,
- 16:43Shanghai, Calcutta, New York.
- 16:45Aber vorher schützen wir uns noch ein bisschen. Aber das andere,
- 16:48nämlich die Schwankung, da wird es spannend, weil da müssen Sie sich ganz anders darauf anpassen.
- 16:55Da muss man zum Beispiel sagen, okay, wenn ein starkes Niederschlagseignis ist,
- 16:58dann versuche ich diese Feuchtigkeit, die ich da gewonnen habe,
- 17:01die versuche ich rüber zu retten in der Region, um die nächste Dürre damit auszugleichen.
- 17:07Ein Haus baue ich so, dass es Hitze abkann und Kälte abkann.
- 17:11Also starke Dämmung in gewissem Sinne und solche Phänomene. Also man kann sich
- 17:17darauf auch anpassen, was wir für die Versorgungsketten brauchen, ist Resilienz.
- 17:22Wir brauchen Redundanz und das haben wir lange Zeit. Also betriebswirtschaftlich,
- 17:26wird alle Redundanz immer wegoptimiert natürlich.
- 17:29Sie wollen nicht zwei Lieferketten, die parallel mehr oder weniger das Gleiche tun.
- 17:33Aber wenn eine davon ausfällt, dann sind sie froh, dass sie eine zweite haben.
- 17:36Das heißt, wenn wir wissen, die Schwankungen werden stärker und häufiger,
- 17:41dann haben wir auch Methoden, uns daran anzupassen.
- 17:44Und das ist die vernünftige Politik, die vernünftige Managementstrategie,
- 17:47wenn Sie so wollen, die wir jetzt fahren müssen.
- 17:49Was wir nicht tun dürfen, ist zu sagen, gibt es nicht, brauchen wir nicht,
- 17:53machen wir dann, wenn wir wieder Geld haben.
- 17:55Und haben Sie den Eindruck, Sie beraten ja auch Personen aus der Politik und Wirtschaft,
- 18:01bei Klimathemen, haben Sie den Eindruck, wir haben so eine vernünftige Managementstrategie,
- 18:06weil man könnte ja auch sagen, das Gute ist, dass wir da eigentlich schon,
- 18:11wir wissen zwar nicht ganz exakt, aber eben trotzdem, man hat diese wissenschaftlichen
- 18:15Daten, man hat diese Vorhersagen.
- 18:17Dass das ganz schön heftig werden könnte.
- 18:20Also kann man ja auch sagen, gut, dann bereiten wir uns halt gut drauf vor.
- 18:24Wie gut sind wir darauf vorbereitet?
- 18:26Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen, wie gesagt, ich mache das seit 22 Jahren.
- 18:29Ich versuche wirklich mit Wirtschaft, mit allen politischen Parteien,
- 18:33die das Phänomen akzeptieren, auch zu arbeiten.
- 18:37Aber momentan ist es wirklich eine Katastrophe, was wir machen.
- 18:40Ich muss Ihnen das ganz, das sage ich, solche Worte benutze ich,
- 18:43das kann man im Netz sehen, solche Worte benutze ich selten.
- 18:48Aber es ist einfach keine vernünftige Strategie, weiter auf fossile Brennstoffe zu setzen.
- 18:54Es ist auch keine vernünftige Strategie, auf andere thermische Kraftwerke wie
- 18:58Atomkraftwerke zu setzen. Atomkraftwerke sind kein Klimakiller,
- 19:02das ist völlig klar. Aber die müssen gerade abgeschaltet werden.
- 19:05In Ungarn, 40 Prozent der Stromversorgung hängt an einem Atomreaktor,
- 19:09der jetzt abgeschaltet werden muss. Frankreich muss ständig im Sommer sein,
- 19:14weil sie nicht gekühlt werden können.
- 19:16Thermische Kraftwerke brauchen einen Temperaturunterschied.
- 19:18Und wenn es heiß im Inneren ist, das können sie selber schaffen.
- 19:21Wenn es draußen heiß ist, muss es abgeschaltet werden.
- 19:24Also es ist einfach die Zukunftstechnologien, die wir haben,
- 19:28für die physikalisch vorgegebene Zukunft mit der globalen Erwärmung,
- 19:34sind erneuerbare Energien, sind Speicher über Batterien, sind Elektroautos, sind Smartquids.
- 19:40Und daran müssen wir arbeiten. Da brauchen wir unsere ganze Ingenieurskunst
- 19:44in Deutschland, um das tatsächlich voranzukommen. Da ist das Wirtschaftswachstum der Zukunft.
- 19:49Jetzt zu sagen, das Wirtschaftsaktion kommt aus fossilen Brennträgern,
- 19:53wo wir jedes Jahr Geld wegschicken. Das sind ja keine Investitionen.
- 19:58Wenn wir fossile Brennträger kaufen, verbrennen wir die ja.
- 20:01Das heißt, wir schicken die ganze Zeit Geld nach Russland, nach Saudi-Arabien,
- 20:07nach Katar und wir jetzt nicht konkret in den Iran, aber auch in den Iran.
- 20:12Dass das Geld, was weg ist.
- 20:13Wenn Sie eine Windkraftanlage bauen, wenn Sie eine Solaranlage bauen,
- 20:16dann ist das eine Investition, die Arbeitsplätze in Deutschland schafft und
- 20:20auch das Geld in Deutschland lässt.
- 20:22Das ist eine vernünftige Zukunftsstrategie für unsere Wirtschaft.
- 20:27Und dann brauchen wir natürlich eine Anpassungsstrategie.
- 20:29Also das Kranken, dass unsere Autos Aircondition haben, aber die Krankenhäuser
- 20:32und die Altenheime nicht und die Kitas nicht, das ist ein Problem.
- 20:36Und das hat mit Ideologie nichts zu tun. Die Ideologie, die sich dagegen schafft,
- 20:40Entschuldigung, ich bin Professor, ich sage das viel zu viel. Tut mir leid.
- 20:43Das Problem, was die Politik natürlich hat, ist, dass sie gewählt werden will,
- 20:47und dass sie zum Teil eben nicht in diesen langen Linien denkt,
- 20:51weil der nächste Wahltermin näher ist und weil auch die Bevölkerung nicht unbedingt
- 20:55immer in diesen langen Linien denkt.
- 20:58Und wenn Sie jetzt Wähler in einem Gebiet wie Baden-Württemberg haben,
- 21:02wo alles eben an der Autoindustrie hängt und wirklich die Existenzen von Menschen,
- 21:05dann ist das für die Politik natürlich schwer zu sagen,
- 21:08Leute, eure Ingenieurskunst, die ihr hier über Jahrzehnte entwickelt habt,
- 21:11die wird nicht mehr gebraucht und die Chinesen können es übrigens billiger und
- 21:14wir machen den Laden hier zu. Ich übertreibe jetzt ein bisschen.
- 21:16Ich war vor kurzem dort als Reporterin und die überlegen sich auch Dinge.
- 21:20Und an den Universitäten, wo junge Menschen Ingenieurswissenschaften studieren
- 21:24und sich in diesen Kfz-Bereich und Automechanik und so konzentrieren,
- 21:28denen ist auch klar, dass es nicht so weitergehen wird und dass man in andere Bereiche geht.
- 21:33Aber das ist natürlich ein Dilemma für die Politik und wir haben,
- 21:35finde ich, in der aktuellen Bundesregierung das Dilemma, dass sie eben auch
- 21:38einen ausdrücklich anti-grünen Wahlkampf gemacht haben, der in Teilen auch erfolgreich war.
- 21:43Also wir erinnern uns an Habecks Heizungsgesetz und an Bauern,
- 21:47die mit ihren Dieseltraktoren nach Berlin fuhren und was da los war.
- 21:50Und dann, wenn man dann an der Regierung ist, kann man natürlich schlecht sagen,
- 21:54so Leute und jetzt Klima, das ist jetzt unsere höchste Priorität und im Übrigen,
- 21:58der Robert, der hatte eigentlich recht, Gasheizung und Öl ist nicht mehr.
- 22:02Das funktioniert halt in der Politik nicht, die ihre eigene Ökonomie hat, wenn man so will.
- 22:07Und das dann zusammenzubringen wird schwierig und deshalb hören wir glaube ich
- 22:10dauernd auch von Herrn Merz Technologieoffenheit und internationale Wettbewerbsfähigkeit,
- 22:16weil das ist auch der Druck, der dann aus der Wirtschaft kommt.
- 22:19Ja, die Frage ist aber, wie geht Politik mit dieser Gesamtthematik um?
- 22:25Also machen wir den Menschen weiterhin Angst und sagen, das kostet unglaublich
- 22:28viel Geld? Und das ist ja nicht so, das hat der Professor Anders Levermann ja
- 22:31gerade erklärt, das ist eine Investition in Deutschland.
- 22:34Auf der anderen Seite schieben wir 80 Milliarden im Jahr ins Ausland.
- 22:38Und also erzählen wir den Menschen, wir wollen eine lebenswerte Zukunft haben,
- 22:44weil das ist ja nun mal die physikalische Realität.
- 22:48Die können wir ja auch nicht abschalten und es wird immer heißer.
- 22:50Und das ist auch ein Fakt und das wird sich auch über Jahrzehnte nicht ändern,
- 22:54wenn wir nicht mindestens dagegen agieren.
- 22:58Einerseits wäre jetzt wünschenswert, wenn die Politik eben nicht Angst machen
- 23:03würde, sondern sagen würde, kommt Leute, wir gehen jetzt zusammen diesen Weg.
- 23:07Und auch zu der Autoindustrie, die weiß auch seit Jahrzehnten,
- 23:10dass wir aus der Verbrennung raus müssen, weil wir die Atmosphäre aufheizen.
- 23:14Sie hatte Zeit, sehr viel Zeit und wir wissen ja auch, dass es da auch diesen Abgasskandal gab.
- 23:21Anstatt sich darauf einzustellen, wurde also versucht, da auch rumzumanipulieren.
- 23:25Also so ganz grün ist diese ganze Geschichte ja auch nicht vorhanden.
- 23:29Es kommt eben darauf an, wie man damit umgeht. Entweder setzt man sich hin und
- 23:33akzeptiert, dass dieser Weg der Erhitzung sich fortsetzt aufgrund der fossilen
- 23:37Energieträger, die wir verbrennen und versucht das runterzufahren,
- 23:42damit es eben nicht noch schlimmer wird.
- 23:45Oder wir fahren den Weg weiter und es wird eben schlimmer und das ist Physik.
- 23:49Aber es wird natürlich auch darüber diskutiert politisch, welche Instrumente
- 23:53und welche Wege richtig sind.
- 23:55Und die einen gehen dann eher in die Richtung Gehbote und Verbote und eben auch
- 23:59um Geschwindigkeit in die Veränderung zu bringen.
- 24:01Und andere, das ist jetzt so der Ansatz der aktuellen Regierung,
- 24:04wollen marktwirtschaftliche Instrumente.
- 24:08Was ich mich frage und marktwirtschaftliche Instrumente können extrem wirksam
- 24:12sein und wirklich ein Verhalten lenken. Also wir kennen das ja zum Beispiel
- 24:14vom Flaschenpfand. Wenn du nicht willst, dass die Flasche irgendwo hingeknallt
- 24:17wird und dass sie recycelt wird, dann machst du einen Pfand.
- 24:19Und zack, plötzlich haben die Leute einen Anreiz, sie in den Supermarkt zurückzubringen.
- 24:23Also diese Instrumente können gut funktionieren. Nur was ich mich frage,
- 24:28wenn sie dann wirklich schmerzhaft werden, also wenn die CO2-Steuer richtig zu spüren ist.
- 24:34Wird das dann durchgehalten oder wird man dann Rabatte einführen oder in Brüssel
- 24:38nochmal diskutieren, ob man das nicht vielleicht doch die Ziele aufweicht und
- 24:41die SPD wird sagen, Heizen muss bezahlbar bleiben,
- 24:45und die Union wird sagen, wir können hier nicht Industrien im internationalen
- 24:48Wettbewerb in die Knie gehen lassen, weil,
- 24:51die Energiekosten zu teuer sind in Europa.
- 24:53Da müssen wir jetzt was tun und dann sind natürlich marktwirtschaftliche Instrumente
- 24:57auch nicht so erfolgreich. Also erstens ist es so, Herr Merz muss das gar nicht als grüne Politik.
- 25:05Benennen, weil das ist einfach vernünftige Politik. Also seine Bevölkerung,
- 25:10vor Hitzewellen und vor Bränden zu schützen und vor trockenen Flussbetten,
- 25:15wo man keinen Transport mehr machen kann, das ist ja eine sehr,
- 25:18sehr konkrete Schutzpolitik.
- 25:21Und wir haben eine Explosion der erneuerbaren Energien. Wir haben die Solarenergie,
- 25:27wird so viel billiger und effizienter die ganze Zeit, seit 10, 15 Jahren.
- 25:33Das heißt, das sind die vernünftigen Zukunftstechnologien. Da braucht man gar
- 25:36nicht sagen, oh, jetzt muss ich alles machen wie Herr Habeck.
- 25:39Das kann man auch anders machen. Und wir haben in Europa ein exzellentes marktwirtschaftliches
- 25:44Instrument. Sie haben das gerade
- 25:45Klimasteuer genannt. Das ist ein falscher Begriff, so leid es mir tut.
- 25:49Der Emissionshandel ist ein Verbot.
- 25:52Und zwar ein Verbot, was nach und nach eingeführt wird. Ja, aber es ist natürlich
- 25:57im Instrument her kein Verbot, sondern es ist eine Verknappung.
- 26:00Also damit ein marktwirtschaftliches Instrument. Die Menge wird immer kleiner,
- 26:04dadurch wird der Preis steigen.
- 26:05Und irgendwann wird er prohibitiv hoch. Dann ist die Kurve senkrecht.
- 26:09Aber ein Verbot ist ja, dass ich Ihnen im Gesetz sage, ab sofort dürft ihr keine
- 26:12Plastiktüten mehr benutzen. Ab sofort müsst ihr Wärmepumpen einbauen.
- 26:16Und der Emissionshandel gilt ja schon als ein wirklich marktwirtschaftliches Instrument.
- 26:21Das ist ein marktwirtschaftliches Instrument mit einem Verbot,
- 26:24was 2038 kommt, weil jedes Jahr weniger imitiert wird.
- 26:28Das ist nur so entscheidend, weil das ist genau das, was wir in der Chaos-Theorie,
- 26:32was dann passiert, was wir eine Faltung nennen.
- 26:34Nämlich das System sieht eine klare Grenze, nämlich die ist 2038 festgeschrieben
- 26:39und in der Zwischenzeit kann es sich anpassen und kann anfangen,
- 26:43die Struktur zu ändern, die Art und Weise, wie sie Energie macht.
- 26:46Und das muss unsere Wirtschaft machen. Das haben wir auch hier schon in der
- 26:49Runde klar gesagt. Das wissen wir seit Jahrzehnten.
- 26:52Und wir haben dieses Instrument. Was wir nicht dürfen, ist es aufweichen.
- 26:55Und eine Steuer zum Beispiel würde nicht teurer werden über die Zeit.
- 26:59Wir haben vollkommen recht. Der Emissionshandel wird teurer,
- 27:02wenn man sich nicht anpasst. Aber man kann schon jetzt Geld machen,
- 27:05indem man sich rechtzeitig anpasst.
- 27:07Wir haben die Sachen, sie sind marktwirtschaftlich. Mit dem Klimageld werden
- 27:10sie sozial verträglich. Das ist ganz, ganz wichtig, das immer wieder zu sagen.
- 27:14Wir haben alles da. Aber jetzt mit Volldampf zurückzugehen, das dürfen wir nicht tun.
- 27:19Össin, du hast vorhin einen Begriff genannt und zwar, du hast gesagt,
- 27:24wir können jetzt den Weg der Erhitzung weitergehen.
- 27:28Du hast für Aufmerksamkeit gesorgt, weil du von der globalen Erhitzung sprichst,
- 27:34und nicht vom Klimawandel. Warum machst du das?
- 27:39Ja, weil Klimawandel nicht passt. Wir sind ja auch Journalisten und wir müssen
- 27:44auch schauen, wann passen eigentlich Begriffe überhaupt noch.
- 27:48Und das, was wir da erleben, und da wird Professor Anders Levermann mir auch
- 27:51zupflichten, dass das, was wir da erleben, ist kein Wandel, das ist ein epochaler
- 27:57Umbruch in der Menschheitsgeschichte.
- 27:59Das ist wirklich brachial, was da passiert. Wenn man sich anschaut,
- 28:02die letzten 800.000 Jahre haben wir eine CO2-Konzentration, meist unter 300
- 28:09Parts per Million und jetzt sind wir bei über 420.
- 28:13Und wenn man sich die Kurve anguckt, das ist so, die geht ungefähr 800.000 Jahre
- 28:17so und dann kommen wir, bam, und das geht nach oben, digital.
- 28:21Das ist kein Wandel, das ist ein massiver Einbruch, massiver Umbruch in der
- 28:26Menschheitsgeschichte. Und die Temperatur folgt ja diesem CO2-Anstieg hauptsächlich.
- 28:33So, wenn wir uns das insgesamt anschauen, was auch in der Natur passiert,
- 28:38die Veränderungen in der Arktis, das Eis verschwindet, die gesamte Kryosphäre
- 28:42verschwindet, das ist der Bereich, der gefroren ist.
- 28:45Wir verlieren die Gletscher in den Alpen, das Meer heizt sich dermaßen auf,
- 28:51es dehnt sich aus, weil es sich aufheizt und dabei steigt der Meeresspiegel an.
- 28:56All diese Veränderungen passieren in so unfassbar kurzer Zeit.
- 29:00Das ist kein Wandel. Wandel ist gemütlich.
- 29:03Aus der Wissenschaft ist Klimawandel außerdem, wenn man einen natürlichen Vorgang
- 29:08beschreibt, der Klimawandel vor, keine Ahnung.
- 29:121000 Jahren oder 100.000 Jahren, das würde auch beschreiben,
- 29:16dass es nämlich auch kühler werden kann.
- 29:18Das, was wir jetzt erleben, da gibt es keine Chance auf Abkühlung.
- 29:21Im Gegenteil, die Temperatur steigt beschleunigt an.
- 29:25Das sagt auch der Deutsche Wetterdienst. Das ist jetzt nicht die Meinung vom
- 29:28Terli, der das hier einfach so rausposaunt, sondern alles, was ich hier sage,
- 29:33beruht auf Fakten, auf langjähriger Forschung und teilweise auf physikalischen Grundlagen.
- 29:39Also wenn man quasi, also wir müssen nicht globale Erhitzung sagen,
- 29:44aber wir sollten darüber nachdenken, wie wir mit der Thematik auch umgehen.
- 29:48Das ist ja im Prinzip das, was dahinter steckt.
- 29:51Klimawandel ist dermaßen schwach, das ist geradezu gemütlich.
- 29:55Das ist, ja, wir können das gerne an diesen Begriffen aufhängen,
- 30:01aber was dahinter steckt ist die adäquate Auseinandersetzung mit diesem,
- 30:06das ist tatsächlich, weil ich als nächstes sage, epochalem Umbruch und das ist es.
- 30:10Ich glaube nur daran, dadurch, dass du betonst, dass das Fakten sind,
- 30:14zeigst du auch implizit schon, wo das Problem ist, dass diese Fakten eben nicht,
- 30:17unbedingt überall anerkannt werden.
- 30:20Und dass du nach wie vor auch starke Wählerströmungen hast, die das auch glauben
- 30:25wollen, dass das alles nicht menschengemacht ist und dass man da auch nichts gegen tun kann.
- 30:28Also zum Teil wird ja der Klimawandel, ich nenne ihn jetzt nochmal so im eingeführten
- 30:32Begriff, nicht geleugnet. Die gibt es auch.
- 30:36Mit denen kann man, glaube ich, auch gar nicht mehr reden. Aber es gibt ja Leute,
- 30:39die sagen, ja stimmt, aber das hat es immer schon gegeben. Und das müssen wir
- 30:41halt gucken, wie wir uns anpassen. Das funktioniert nicht mit der Anpassung.
- 30:45Aber es gibt, wenn ich es jetzt eben als politische Redakteurin sehe,
- 30:49welches Problem sich damit stellt, sehe ich, dass man damit eben auch auf Stimmenfang gehen kann.
- 30:53Und dieses Leute, ihr braucht euch da nicht so drum zu kümmern.
- 30:56Und ihr müsst euch auch nicht immer ständig Angst machen lassen und wenn dann
- 30:59Greta Thunberg irgendwo auftaucht, dann triggert das auch viele.
- 31:03Ich sehe dieses Problem in der Kommunikation eigentlich, dass ich manchmal auch
- 31:06nicht weiß, wie viele Eisbären auf Eisschollen wollen wir noch zeigen und kommt das überhaupt noch an?
- 31:12Ich kann da, Frau Slomka, ich verstehe das total und deswegen bin ich auch,
- 31:17wir sind mittlerweile irgendwie so sehr in der Mitte der Gesellschaft eigentlich angekommen und,
- 31:22mit diesem Klimaphänomen, weil es tatsächlich genau ein einfaches Problem ist.
- 31:29Mit dem müssen wir umgehen. Wir müssen uns anpassen, wir müssen es vermeiden.
- 31:33Und wenn es keins wäre, was so wahnsinnig politisiert wäre, ideologisiert wäre
- 31:38von beiden Seiten, dann würden wir das auch viel vernünftiger angehen.
- 31:42Es gibt so ein paar Bereiche, da kann man einfach bei Vorträgen,
- 31:45bei Podcasts oder so die Leute richtig auf die Palme bringen.
- 31:48Das ist immer vegetarisch sein, Atomkraft.
- 31:53Und leider ist Klimawandel in diese Region gekommen und da gehört es einfach
- 31:56nicht hin. Also wir müssen uns anpassen. Wir haben schon immer einen Wetterdienst,
- 32:01weil wir einfach immer schon wissen mussten, wie das Wetter sich entwickelt.
- 32:04Und jetzt ändert sich das auf längeren Zeitskalen und müssen wir was machen.
- 32:09Ja, genau. Also die, die tatsächlich leugnen, dass es Klimawandel von Menschen
- 32:13gemacht gibt, die haben, das ist jetzt eine zunehmend größere Gruppe wieder,
- 32:17aber da können wir wirklich nicht viel machen.
- 32:20Da haben sie völlig recht, weil das ist, ich sage immer, Klimaleugner,
- 32:24um die muss man sich nicht kümmern.
- 32:26Die glauben auch nicht an Gravitation, dann fliegen die halt weg.
- 32:28Die Erde ist eine Scheibe. Ist nicht so, leider, weil ja, die Erde ist eine Scheibe.
- 32:34Aber zumindest müssen wir auf der vernünftigen Seite einfach diese Ideologisierung
- 32:38rausnehmen und sagen, hey, das ist ein Problem, das haben wir und das lösen wir jetzt.
- 32:42Jetzt sitzen hier ja der ZDF-Meteorologe und zwei Berichterstatterinnen.
- 32:47Herr Lebermann, Sie forschen schon so lange zum Klima.
- 32:51Halten Sie denn die Berichterstattung zum Klimawandel für adäquat und was würden Sie sich da wünschen?
- 32:59Ich muss sagen, ich finde das immer schwierig. Da ist ja so eine diverse Welt.
- 33:06Aber im Großen und Ganzen ist das schon gut.
- 33:09Also man kann gelegentlich so ein paar, es gibt so ein paar Sachen,
- 33:13die man so ein bisschen aufräumen könnte. Zum Beispiel sind die Kosten des Klimaschutzes,
- 33:18das ist so ein feststehender Begriff.
- 33:21Das sind auch wir Forscher, die das manchmal stellen.
- 33:24Das ist kein guter Ausdruck, Weil das sind eigentlich Investitionen in einen Strukturwandel.
- 33:30Das ist was anderes. Wenn wir investieren in eine Zukunft, dann bedeutet das,
- 33:34wir schaffen Arbeitsplätze.
- 33:36Es gibt was zu tun. Ich habe mal vor Ingenieuren von LKW-Firmen in Stockholm gesprochen.
- 33:44Das waren 400 Ingenieure, die LKWs konzipieren.
- 33:48Und ich habe gedacht, die verprügeln mich da. Und es war überhaupt nicht so,
- 33:52weil die waren völlig aufgeregt. Die haben gesagt, ja, wir verstehen das.
- 33:56Die Physik ist seit 150 Jahren bekannt und jetzt haben wir ein Problem und jetzt
- 34:00gehen wir das an. Das war ganz toll.
- 34:02Wir berichten doch eigentlich recht umfänglich, wäre jetzt die These.
- 34:06Ja, ich finde wirklich, nee, das ist tatsächlich wahr.
- 34:10Wir haben manchmal so ein paar Sachen, wo wir eingeloggt sind.
- 34:13So mit diesen Kosten des Klimaschutzes.
- 34:15Das ist ein bisschen schwierig und ansonsten muss es irgendwie klar sein,
- 34:19das ist ein Problem, das ist lösbar, Es ist aber riesig und wir wollen das als Gesellschaft angehen.
- 34:25Ich denke, das wird aber ganz gut gemacht.
- 34:29Es ist lösbar, sagen Sie. Ich würde gerne noch mal zu El Nino jetzt zum Schluss
- 34:34zurückkommen und da auch die Klammer schließen,
- 34:39weil ich von einem Vorschlag gehört habe, der ist mir irgendwie im Kopf geblieben,
- 34:44das kommt von Forschenden aus den USA.
- 34:47Und die wollen Partikel, zum Beispiel Meersalz, in die Atmosphäre spritzen.
- 34:51Damit dann künstlich mehr Wolken erschaffen werden, die dann die Sonne davon
- 34:56abhalten, den Ozean darunter aufzuheizen und so könne man dann eventuell auch El Niño abschwächen.
- 35:01Was halten Sie von solchen Eingriffen, die ja gemeinhin als Geoengineering bekannt sind?
- 35:08Ja, viel Spaß. Das ist tatsächlich eine Katastrophe, sowas zu machen.
- 35:12Jetzt benutze ich das Wort das zweite Mal.
- 35:14Also wir haben davor eine ganze Reihe von Sachen. Also ich bin auch mal sehr
- 35:18angegriffen worden, weil der Meeresspiegelanstieg, den wir schon verursacht
- 35:21haben, der wird, wenn wir über zwei Grad globale Erwärmung kommen, Hamburg schlucken.
- 35:26Das wird ein paar Jahrhunderte dauern, aber schon die Temperaturerwärmung,
- 35:30die wir jetzt verursacht haben, wird Hamburg schlucken.
- 35:32Shanghai, Kalkutta, New York. Und weil ich das weiß und weil es auch nicht nur
- 35:36ich bin, der das weiß, habe ich irgendwann mal vorgeschlagen.
- 35:39Man könnte mal überlegen, ob wir den Meeresspiegel abpumpen auf die Antarktis.
- 35:45Die ganze Community hasst mich dafür, dass ich da einen Artikel geschrieben habe.
- 35:49Ich will das auch nicht machen. Ich wollte damit nur klar machen,
- 35:53wie schwierig das Meeresspiegelproblem ist.
- 35:56Aber also ins Wetter einzugreifen, auf einer Skala, die El Niño,
- 36:02ein globales Phänomen, mit enormen Energiemengen.
- 36:08Irgendwie angehen kann, dafür müsste man das Wetter wesentlich besser verstehen,
- 36:12als wir das tun. Und das heißt nicht, dass die Wettervorhersagen von Herrn Terli
- 36:16nicht richtig sind. Aber wir sollen nicht so toll eingreifen.
- 36:21Dafür verstehen wir es nicht gut genug.
- 36:23Da können wir doch eigentlich in Österreich fragen, wie das Wetter denn jetzt
- 36:26in den nächsten Tagen wird.
- 36:27Die Frage, die du wahrscheinlich permanent gestellt bekommst,
- 36:29du kommst jeden Tag. Überall im Aufzug, in den Gängen und ja,
- 36:33also ich muss sagen, da haben wir auch noch in der Redaktion einen Kollegen noch diskutiert.
- 36:39Wir haben ja in der Region, im Mittelmeerraum haben wir ja eine enorme Hitze
- 36:44in der Oberfläche des Wassers, aber auch die gesamte Region ist massiv aufgeheizt
- 36:49und was wir derzeit eigentlich immer wieder erleben, sobald quasi die Strömung
- 36:53auf Süd, Süd, West dreht, also irgendwie aus dem Bereich, aus der Mittelmeerregion
- 36:57kommt, schießt bei uns die Temperatur hoch.
- 36:59Das ist auch darauf zurückzuführen, dass dort es so massiv heiß ist.
- 37:05Und das wird wahrscheinlich schon in der nächsten Woche wieder zu einer neuen
- 37:09Hitzewelle führen. Ist noch nicht so ganz raus.
- 37:11Aber vielmehr sehe ich eigentlich, dass das noch bis in den September und auch
- 37:15noch darüber hinaus sich auswirken wird, weil diese Wärme, die verschwindet ja nicht einfach so.
- 37:20Und ich denke, das wird noch zu massiven Unwettern in der Mittelmeerregion führen.
- 37:27Wir Kollegen reden schon von diesen Medicanen, also sprich diese wirbelsturmartigen
- 37:33Tiefs, die sich dort durchaus in den Herbstmonaten entwickeln.
- 37:37Und wir müssen auch schauen, dass dieses feuchte Reservoir dort aufgrund der
- 37:41hohen Energie, wenn das angezapft wird, in unsere Richtung gelenkt wird.
- 37:46Und mit dem richtigen Wettersystem kann das für katastrophale Überschwemmung sorgen.
- 37:50Also das Potenzial, was wir jetzt schon haben, weil so viel Energie vorhanden
- 37:58ist, ist eben für den Herbst nicht positiv.
- 38:00Also das muss nicht passieren, aber es ist einfach vorhanden und wir brauchen
- 38:04nur das entsprechende Wettersystem. Und da hat El Niño noch nichts mit zu tun.
- 38:08Nein. Ja, on that happy note.
- 38:11Ja, es sind keine positiven Aussichten zum Schluss, aber man muss die Dinge
- 38:15auch so benennen, wie sie sind. Und jetzt haben wir tatsächlich noch einen Wetterbericht
- 38:19und eine Prognose hier mitbekommen. Östin, du bist ein Meister und deines Fachs.
- 38:25Ich sage an der Stelle herzlichen Dank. Östin Terli, ZDF-Wettermoderator und
- 38:29Diplommeteorologe, Marietta Slomka, Moderatorin des Heute-Journals.
- 38:33Danke an euch hier ins Studio. Danke Marietta, danke Östin. Herzlichen Dank
- 38:37für die Einladung. Gerne. Und auch vielen Dank an Professor Levermann,
- 38:40Klimaforscher vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.
- 38:45Dankeschön.
- 38:46Sehr, sehr gerne und danke fürs Zuhören.
- 38:49Danke fürs Zuhören, das gebe ich auch direkt weiter an unsere Hörerinnen und Hörer.
- 38:55Wenn ihr Anmerkungen habt, wenn ihr auch Feedback
- 38:59habt, zum Beispiel zur Klimaberichterstattung, was nehmt ihr da so wahr?
- 39:04Was wünscht ihr euch da? Ist das ausreichend? Müsste das konstruktiver sein
- 39:08oder alarmistischer? Was auch immer, ihr könnt uns das sehr,
- 39:10sehr gerne schreiben und auch in die Kommentarspalte oder als Mail an heutejournal-podcast.zdf.de.
- 39:20Vielen Dank und bis nächste Woche.
- 39:27Heute Journal, der Podcast, wird produziert von Pool Artists.