Latest / Die Lage international mit Christian Mölling / CIA-Chef in Russland: „Europa läuft auf eine verschärfte Lage diesen Herbst zu“
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- 0:07Es ist Donnerstag, der 27. August. Hallo und herzlich willkommen zum Stern-Podcast
- 0:11Die Lage international mit Christian Mölling, Senior Advisor beim Brüsseler
- 0:15Think Tank European Policy Center. Hallo Herr Mölling. Hallo Herr Gassel.
- 0:19Ich bin Steffen Gassel, diplomatischer Korrespondent des Stern.
- 0:22Herr Mölling, in Europa passieren gerade eine ganze Menge ungewöhnlicher Dinge,
- 0:26die zusammengenommen auch ziemlich beunruhigend wirken können.
- 0:30Am Leipziger Flughafen gab es, wie
- 0:32sich herausgestellt hat, nicht nur eine Sprengstoffdrohne, sondern drei.
- 0:35Die zweite ist am Tag, als die erste von diesem mutigen Busfahrer gestoppt wurde,
- 0:39mit einem Flugzeug im Landeanflug kollidiert. Und die dritte ist jetzt am Sprengladung
- 0:44in einem Feld in unmittelbarer Nähe des Flughafens gefunden worden.
- 0:48Parallel kommen Meldungen, dass in vier europäischen NATO-Staaten Zwischenfälle
- 0:52an Munitionsfabriken vorgekommen sind. In Italien, Bulgarien,
- 0:57Estland und in der Slowakei.
- 0:59Dann gibt es diese ungewöhnlichen Manöver der NATO an der Ostflanke.
- 1:03Vor allen Dingen um Kaliningrad, davon haben wir schon letzte Woche gesprochen,
- 1:06hier im Podcast und das ist seitdem offenbar weitergegangen.
- 1:10Und es gibt Meldungen, dass Russland eine große Mobilemachung vorbereiten könnte,
- 1:14nach den dortigen Parlamentswahlen Mitte September.
- 1:17Herr Mölling, sehen Sie zwischen all dem einen Zusammenhang?
- 1:20Laufen wir in Europa gerade auf eine verschärfte Bedrohungslage jetzt im Herbst zu?
- 1:27Ja, das kann man glaube ich so klar sagen, dass wir auf eine verschärfte Bedrohungslage
- 1:31hinauslaufen. Die ist aber nicht überraschend.
- 1:34Ich glaube, wir haben eher die Situation...
- 1:36Dass wir aus der Arbeitsphase des Sommers im Juni oder so rausgegangen sind
- 1:40und es so eine Stimmung gab, die Ukraine hat das Blatt gedreht.
- 1:44Dann kam die Fußball-Weltmeisterschaft und jetzt kommt man zurück und auf einmal
- 1:48sieht das alles gerade gar nicht so rosig aus.
- 1:50Aber im Grunde genommen gab es mehrere, naja, Indizien ist es vielleicht nicht,
- 1:56aber Gründe, Argumente, warum man sagen musste, Es ist jetzt 2026,
- 2:022027 schon eine gefährliche Phase, weil auf der einen Seite die Amerikaner die
- 2:10Europäer stärker unter Druck setzen.
- 2:14Die Russen auf der anderen Seite fürchten müssen, dass die Europäer es wirklich
- 2:17schaffen, sich aufzurüsten und damit die Erfolge, die Russland haben könnte,
- 2:22wenn es die Europäer angreift, halt im Grunde genommen zunichte machen könnte
- 2:25oder die Chance, dass man erfolgreich sein könnte, schmälern könnte.
- 2:29Und es deswegen so eine Art Torschlusspanik gibt, dass man versucht,
- 2:32was auch immer man erreichen will, nach vorne zu verlegen zeitlich.
- 2:36Und das ist eben nicht nur ein militärischer Angriff, sondern das ist,
- 2:38glaube ich, der andere Teil der Diskussion, die wir gerade in Deutschland auch
- 2:41sehen, dass man verschärft versteht, dass wenn Russland den Konflikt intensiviert,
- 2:46so will ich es mal beschreiben, dann ist das eben nicht nur ein militärischer
- 2:48Konflikt, sondern dann findet er auf allen Ebenen statt.
- 2:50Und da passt eben Leipzig rein, da passen die anderen Sachen mit rein,
- 2:54wobei man auch da sehr vorsichtig sein muss.
- 2:56Es bleibt ja dabei, dass bei vielen dieser Dinge es zwar plausibel sein mag,
- 3:01dass es Russland gewesen ist, man es aber nicht weiß.
- 3:03Und bei anderen Sachen, wie zum Beispiel bei der Munitionsfabrik,
- 3:06man nicht ganz sicher ist, da gab es erst die Hinweise, dass es ein Unfall ist.
- 3:10Dann gab es die Idee, es könnten linksextremistische Gruppen sein,
- 3:13die aber letztendlich dann den Job von Putin erledigen.
- 3:16Der Charakter dieser Situation ist, dass es eine verworrene Lage gibt,
- 3:18Bis auf einige Ausnahmesituationen, wie das, was Sie eben angesprochen haben,
- 3:23die letztendlich militärische Abschreckungsoperationen rund um Kaliningrad,
- 3:27mit sehr weit sichtbarem Einsatz sehr bedeutsamer Flugzeuge,
- 3:32durch die Amerikaner und durch die NATO.
- 3:34In dieser ganzen Gemengelage vor diesem Untergrund ist nun diese Woche noch
- 3:39etwas sehr Ungewöhnliches passiert.
- 3:40John Radcliffe, der Direktor des US-Auslandsgeheimdienstes CIA,
- 3:45ist nach Moskau gereist. Das macht ein CIA-Chef nicht alle Tage.
- 3:49Herr Möhrling, wie deuten Sie das? Was wollte Radcliffe wohl in Moskau?
- 3:52Ich glaube, er hatte einen Auftrag. Also es war jetzt kein, ich fliege mal nach
- 3:55Moskau und spreche mal mit meinem Counterpart beim FSB, sondern ich glaube,
- 3:59man hat hier die Gelegenheit genutzt, die sehr selten genutzt wird.
- 4:04Das letzte Mal war es der CIA-Schiff Burns 2021, um die Russen zu warnen,
- 4:11die Ukraine nicht anzugreifen. Das Gleiche ist hier eben auch der Hintergrund.
- 4:16Redcliffe ist nach Moskau geflogen, um mindestens dem Kreml,
- 4:22wenn nicht sogar Putin, direkt zu sagen, dass die Amerikaner und die NATO die
- 4:27Aktivitäten Russlands sehen.
- 4:29Dass sie bereit sind, die zu stoppen. Das ist, glaube ich, das,
- 4:33was man heute schon mit Sicherheit sagen kann, dass das das ist.
- 4:36Und man muss eben in Verbindung sehen, das ist eben nicht nur eine Reise,
- 4:41wo Radcliffe irgendwas erzählt, sondern man hat eben nahezu parallel dazu die
- 4:46Aktivitäten der Aufklärungsflugzeuge rund um Kaliningrad.
- 4:51Wo man einfach sagen muss, wir erzählen hier nicht nur was, sondern wir wissen,
- 4:55was ihr da gerade macht. Und wahrscheinlich wird Radcliffe auch ein bisschen
- 4:57was erzählt haben, was wir da so gerade sehen.
- 5:00Und auch wahrscheinlich ein paar Sachen gesagt haben, jetzt spekuliere ich,
- 5:02aber wo die Amerikaner davon ausgehen, dass die Russen das noch nicht gewusst
- 5:06haben, dass die Amerikaner das wissen.
- 5:08Einfach um auch ein bisschen Unsicherheit zu sehen.
- 5:11Und von daher ist er auf einer Mission hier gewesen, die den anderen Vorteil hat.
- 5:16Dass man nicht unbedingt über alles sprechen muss oder sehr gezielt auf amerikanischer
- 5:22Seite jetzt darüber sprechen kann oder gezielt Informationen darüber rauslassen
- 5:25kann, was der CIA-Chef da eigentlich gemacht hat.
- 5:28Also man hat eine Steuerungsfähigkeit auch bei der Nachrichtenlage.
- 5:32Und man wollte es nicht, das ist, glaube ich, der andere Aspekt,
- 5:34man wollte es wiederum nicht den Alliierten, Diplomaten oder sonst irgendjemandem
- 5:40oder der Presse überlassen, eine Nachricht zu übermitteln.
- 5:44Auch das gehört mit dazu. Man kann das ja auch sonst mit in der Presse lancieren
- 5:47und dann hat man so einen Diskussionsraum, der aufgeht.
- 5:51Das hat man hier bewusst nicht getan. Und die Amerikaner wussten natürlich,
- 5:55dass alle sehen werden, dass Red Cliff dort gelandet ist.
- 6:00Also das ist insgesamt sozusagen ja nicht nur ein geheimes Signal,
- 6:03sondern es ist ein Signal, das man versucht zu kontrollieren.
- 6:07Es gab ja seit langem Zweifel oder es gibt seit langem diese Zweifel an der
- 6:12Verlässlichkeit der Amerikaner im Bündnis.
- 6:15Sozusagen die Frage, kommen die Amerikaner uns zu Hilfe hier in Europa,
- 6:18wenn wir im Konfliktfall die Unterstützung im Bündnis brauchen,
- 6:21wenn es im Worst Case sozusagen ein Artikel 5 Szenario gibt.
- 6:26Und diese Zweifel sind ja die
- 6:27Hauptmotivation hinter den aktuellen Aufrüstungsanstrengungen in Europa.
- 6:32Und die jüngsten Meldungen über schrumpfende US-Arsenale nach dem Iran-Krieg
- 6:36oder auch über das Chaos in der Führungsspitze des US-Militärs geben ja solchen
- 6:40Zweifeln im Grunde nur zusätzlich Nahrung.
- 6:43Dass nun in so einem Moment dieser wichtige Mann aus der Trump-Administration,
- 6:47CIA-Chef Radcliffe, offensichtlich aus Sorge um die Lage in Europa sich persönlich nach Moskau aufmacht,
- 6:54heißt das den Amerikanern und vielleicht sogar Trump selbst liegt doch mehr
- 6:58an der Sicherheit in Europa, als wir oft befürchtet haben? Ne,
- 7:01so würde ich das glaube ich nicht sagen.
- 7:03Es ist ein sowohl als auch, also der Frust der Amerikaner auf die Europäer bleibt groß.
- 7:11Aber in der rationalen Abwägung ist ein Konflikt in Europa für die Amerikaner
- 7:20kein wünschbares Szenario.
- 7:22Weil damit nicht nur ein wichtiger Wirtschaftspartner und auch ein Markt wegfällt,
- 7:26sondern einfach die Instabilität insgesamt sich erhöht und letztendlich damit
- 7:31auch China noch mehr Einfluss in die ganze Geschichte bekommt.
- 7:34Das muss man ja auch sehen. Also das ist, glaube ich, in der Abstufung ist es
- 7:39sehr doof, dass die Amerikaner die europäische Sicherheit immer noch garantieren müssen.
- 7:44Noch viel schlimmer wäre es, wenn man Europa, ich sage mal, verlieren würde.
- 7:49Es geht nicht um verlieren, das ist sozusagen komplett eingeladen,
- 7:51aber dass man den Einfluss ganz stark verliert.
- 7:54Und das sieht man auch in der Diskussion, die in den letzten Monaten stattgefunden
- 7:59hat, dass die Amerikaner genau hier zwischen zwei Zielen hin und her,
- 8:03ich sage es mal so bewusst, eiern, die eben nicht miteinander verbunden werden können.
- 8:07Also auf der einen Seite wollen sie mit einem möglichen Konflikt in Europa nichts mehr zu tun haben.
- 8:12Sie wollen auf der anderen Seite aber den Konflikt irgendwo einigermaßen kontrollieren
- 8:16können oder die Eskalation einigermaßen kontrollieren können.
- 8:19Diese beiden Sachen passen nicht zusammen. Also die Amerikaner sagen hier,
- 8:21die Europäer, ihr seid jetzt verantwortlich für die konventionelle Abschreckung und auch Verteidigung.
- 8:27Da sind wir nicht mehr mit dabei. Aber bitte fangt jetzt erst gar nicht an,
- 8:30weil am Ende müssen wir dann doch wieder kommen, weil wir die nukleare Abschreckung
- 8:33noch zur Verfügung stellen.
- 8:34Und wenn wir das nicht täten, dann müssten wir als Amerikaner noch mehr die
- 8:38Sorge haben, dass es in Europa zu einem großen Konflikt kommt und wir die Leidtragenden
- 8:42sind, weil wir Einfluss verlieren.
- 8:45Und das ist im Grunde genommen das Dilemma, in das die Amerikaner sich reinbegeben
- 8:48haben, dass sich so langsam aber sicher wie so eine Art Steinschlag,
- 8:53so eine Lawine sich gerade einfach Bahn bricht.
- 8:56Dadurch, dass die Amerikaner die Stabilität des transatlantischen Bündnisses
- 9:00aufgelöst haben, sehen sie quasi an allen Ecken dieses Konstrukts jetzt gerade,
- 9:07ganz viele Sachen in Bewegung.
- 9:08Für die Europäer sind neue Dilemmata da, für die Amerikaner sind neue Dilemmata da.
- 9:12Und natürlich ist das situativ für die Russen eine Situation,
- 9:16wo die sagen, ah, guck mal, Das ist ja jetzt interessant, das läuft ja gerade
- 9:20gar nicht gut. Für die Amerikaner nicht und für die Europäer nicht.
- 9:25Vielleicht ist das eine günstige Gelegenheit, das zu machen.
- 9:28Und die Nachrichten über die fehlende Fähigkeit im Bereich offensiver und defensiver
- 9:33Raketen ist natürlich was, was da zusätzlich hilfreich ist.
- 9:38Muss man allerdings eine Sache immer noch reinwerfen.
- 9:42Sie können nicht, ich habe gestern überlegt, wie man sowas beschreibt,
- 9:46Sie können nicht sagen, heute ist schönes Wetter, jetzt mache ich mal einen
- 9:48Marathonlauf, obwohl Sie noch nie im Marathon gelaufen sind.
- 9:51Das heißt, Sie müssen sich darauf vorbereitet haben, Sie müssen trainiert haben.
- 9:54Also ohne die Vorbereitung kann auch Russland nicht einen Krieg sozusagen vom
- 9:59Zaun brechen. Das geht schief, das wissen die auch.
- 10:02Aber das ist das, was wir eben schon sehen, dass man sich schrittweise darauf
- 10:05vorbereitet hat. Und jetzt ist die Frage, ob die Russen tatsächlich glauben,
- 10:10sie sind in der Lage, eine Spurt hinzulegen und zu sagen, okay, wir kriegen es hin.
- 10:14Wir machen das jetzt, weil es ist eine einmalige Chance.
- 10:17Oder aber ob sie sagen, nee, das machen wir lieber nicht, das könnte richtig schief gehen.
- 10:21Und da geht es aus meiner Sicht wirklich speziell um die persönliche Motivation
- 10:25und die Bereitschaft, Putin ein Risiko einzugehen und die Frage,
- 10:29kann er sein Sicherheitsapparat davon überzeugen, dass das gut ausgeht oder
- 10:36die Leute, die ihn unterstützen, dass er sagt, das ist das.
- 10:39Weil letztendlich lädt er auf einen völlig erfolglosen Konflikt mit der Ukraine,
- 10:44einen weiteren Konflikt mit der NATO obendrauf.
- 10:48Und er weiß nicht, was dabei rumkommt. Und erfolgreich ausgehen aus russischer
- 10:52Sicht in so einem Konflikt wäre sozusagen, die NATO funktioniert nicht mehr.
- 10:57Die Beistandsverpflichtung wird nicht eingelöst, so wie man das früher erwartet hätte.
- 11:01Was meinen Sie? Genau, das wäre sozusagen der Erfolg, den man dabei raushaben
- 11:05wollte. Ob das passiert, das ist glaube ich das Wichtige.
- 11:07Ein Krieg ist halt etwas, wo Sie nicht wissen, wo Sie am Ende rauskommen.
- 11:12Ich meine, der Ukraine-Konflikt ist das beste Beispiel für die Misskalkulation.
- 11:16Iran ist das nächste gute Beispiel, wo die Amerikaner sich völlig verkalkuliert haben.
- 11:20Und das sind immer die Spitzen sozusagen, die Staatschefs und Entourage,
- 11:26die es im Grunde genommen vergeigen. Auch darüber gibt es interessante Studien,
- 11:30wie tatsächlich solche schlechten Entscheidungen getroffen werden und dass sie
- 11:34ganz fatale Folgen haben.
- 11:35Aber sie werden auch getroffen. Auch das gehört mit dazu.
- 11:38Herr Mölling, ich wollte gerne nochmal auf diesen Punkt, den Sie eben schon
- 11:42kurz angesprochen haben, zurückkommen.
- 11:44Das Messaging bei dieser Reise. Und das erinnert ja auch an das,
- 11:47worüber wir letzte Woche gesprochen haben, diese vor allen Dingen Luftmanöver der NATO.
- 11:54Das ist alles nicht vorher angekündigt gewesen. Das kam alles sozusagen für
- 11:57die Beobachter, für die nicht in der Planung eingeweihten, überraschend.
- 12:02Und dafür, dass es unangekündigt sozusagen im Geheimen vorbereitet worden war,
- 12:06die Radcliffe-Reise, diese NATO-Manöver, dafür ist es dann aber erstaunlich,
- 12:11sichtbar alles abgelaufen.
- 12:12Also wenn wir jetzt so mal die Radcliffe-Reise nehmen, der ist sozusagen via
- 12:16Riga nach Moskau geflogen, in einer Maschine, die alle ihre Transponder anhatte,
- 12:21wo klar war, jeder, der da auf die Monitore guckt, Der wird das sehen und genauso kam es ja.
- 12:25Es gibt also Leute in der Bloggerszene, die solche auffälligen Flugbewegungen
- 12:30dann im Auge haben und die haben das sofort gemerkt
- 12:32und so bekam dann der Rest der Welt schnell Wind davon, dass da also eine ungewöhnliche
- 12:37Flugbewegung eines amerikanischen Regierungsstätts nach Moskau stattfindet. Wer ist das?
- 12:41Dann kurz darauf war klar, aha, der CIA-Chef ist in Moskau.
- 12:45Wenn man so will, ist der Radcliffe mit angeschalteter Rotumblaganlage und hupend
- 12:50nach Moskau da eingerückt.
- 12:52Warum so? Was will er damit erreichen?
- 12:58Ich glaube, es war, also meine Schätzung ist, dass es unvermeidbar war,
- 13:01dass man das rausfindet. Also von daher kann man ja eben auch versuchen,
- 13:05das im Grunde noch ein bisschen mit zu kontrollieren, was da passiert.
- 13:09Also es war unvermeidbar, dass man herauskriegt, warum Redcliffe da ist.
- 13:13Ich glaube nicht, dass es eine Sequenz gibt, dass man gesagt hat,
- 13:16wir machen erst das Manöver und dann schicken wir Redcliffe.
- 13:21Sondern Redcliffe ist eine Reaktion darauf, dass man das Manöver machen musste.
- 13:25Und will ich aber ein Ding noch gerade sozusagen, wenn ich das darf, einkassieren.
- 13:30Das ist kein Manöver gewesen. Das ist eine Air Operation gewesen.
- 13:34Das ist nichts, was vorher geplant gewesen ist.
- 13:36Man ist hier ganz offensichtlich mit einem kompletten Besteck angerückt und
- 13:42hat gesagt, so passt mal auf.
- 13:43Das ist im Grunde genommen auch das, was wir auf den Tisch legen würden,
- 13:47wenn wir hier am Anfang einer Air Operation gegen Russland stehen würden.
- 13:50Das hat man da vielleicht nicht in der gesamten Größe, aber in den Einzelbesteckteilen
- 13:56sozusagen, also Electronic Warfare, Early Warning, Fighterjets, Tanker.
- 14:01Also für eine normale Übung war es nicht notwendig, fünf Tanker gleichzeitig
- 14:05über Westpolen zu haben.
- 14:07Aber das ist genau das Szenario, das sie brauchen.
- 14:09Flugzeuge kommen rein, werden über Westpolen noch einmal aufgetankt und können
- 14:12dann weiterfliegen in Richtung Russland.
- 14:14Das ist, glaube ich, einfach das, wo man einfach nochmal gezeigt hat,
- 14:17das ist im Besteckkasten drin.
- 14:19Das könnte passieren. Und die Konsequenz daraus war, dass man dann,
- 14:24ich spekuliere jetzt wieder, in Washington gesagt hat, das ist schon ganz schön
- 14:28ernst, die ganze Geschichte.
- 14:29Und dann gibt es eben Gott sei Dank noch ein paar Erwachsene in Washington,
- 14:32die dann gesagt haben, so jetzt pass mal auf, das sollten wir schon noch mal
- 14:35in die Hand nehmen und es nicht einfach nur geschehen lassen.
- 14:38Weil am Ende, wenn wir es jetzt geschehen lassen und wir gehen ins nächste Kapitel,
- 14:42haben wir schlechtere Ausgangspositionen als vorher. Daran hat keiner ein Interesse.
- 14:46Und ich glaube, da zählt dann, weil Sie eben auch nach der Verlässlichkeit Washingtons gesprochen haben.
- 14:52Es gibt immer noch die Hoffnung, ich bezeichne es bewusst als Hoffnung,
- 14:55ich würde es nicht als Gewissheit sagen, dass es natürlich unter den Leuten
- 14:58in der US-Administration Leute gibt, die schon verstehen, wie wichtig Europa
- 15:04insgesamt für die amerikanische Lage ist.
- 15:07Und das heißt, es gibt unterschiedliche Strömungen in Washington.
- 15:09Das ist in Wirklichkeit ein Allgemeinplatz. Es gibt immer unterschiedliche Strömungen in Washington.
- 15:14Die Frage ist, sind die in der Lage, in der richtigen Situation,
- 15:16diejenigen, die sozusagen für europäischen Schutz sind, die Oberhand zu gewinnen.
- 15:21Und es scheint in dieser Situation, dieses Mal die Situation gewesen zu sein,
- 15:25dass das zumindest gelungen ist,
- 15:27dass man gesagt hat, wir fangen auch den amerikanischen Präsidenten ein.
- 15:30Denn der CIA-Chef kann ja nicht einfach mal sagen, ich bin jetzt mal für zwei Tage nicht da.
- 15:35Ich fliege mal Richtung Osten oder wie auch immer. Und das geht natürlich nicht.
- 15:41Von daher hat man es offensichtlich geschafft, die Administration für diesen
- 15:45Moment zu disziplinieren.
- 15:47Bemerkenswert war ja auch, wie für seine Verhältnisse extrem kontrolliert der
- 15:52US-Präsident rund um diese Entwicklung kommuniziert hat.
- 15:56Es gab, soweit ich weiß, nichts Großes oder gar nichts auf seinen Social-Media-Plattformen.
- 16:00Er wurde gestern in einem Interview nach der Red Cliff-Reise gefragt und hat
- 16:04sich da extrem bedeckt gehalten.
- 16:06Das ist man von Trump sonst gar nicht gewohnt.
- 16:08Und Herr Mölling, es gibt einerseits auf russischer Seite.
- 16:14Diese Hinweise auf eine bevorstehende Mobilmachung, auf andere Dinge.
- 16:17Und es machen jetzt ein ganzer Strauß an Szenarien. Wieder die Runde von Cyberattacken
- 16:22bis zu einer begrenzten Invasion, zum Beispiel im Baltikum.
- 16:25Hierzulande ist viel von den hybriden Bedrohungen die Rede.
- 16:29Aber es kommt ja noch etwas dazu, was mit Russland erstmal gar nichts zu tun
- 16:32hat. Die bevorstehenden Zwischenwahlen in den USA.
- 16:37Wie ist der Faktor? Wie sendet sozusagen der Faktor in diese ganze Lage mit
- 16:42rein, der Umstand, dass womöglich da Instabilität in Amerika zu erwarten ist?
- 16:49Ist das auch etwas, was jetzt zu der Sorge, dass im Herbst die Sache gefährlicher
- 16:53werden könnte, noch als bisher, die dazu beiträgt?
- 16:57Klar ist das ein Faktor, den man mit einkalkulieren muss, weil Trump natürlich
- 17:01insgesamt überhaupt nicht gut dasteht.
- 17:03Also er hat weder auf seine wirtschaftlichen Versprechen einhalten können bis
- 17:08heute und hat sogar die Lage für
- 17:10die Amerikaner, dadurch, dass er den Iran-Krieg vom Zaun gebrochen hat,
- 17:14die Lage wirtschaftlich verschlechtert und unabweislich einen neuen Krieg angefangen,
- 17:20obwohl er ja eigentlich gesagt hat, er wollte keinen anfangen und verliert den
- 17:23gerade auch noch. Das kommt ja auch noch mit dazu.
- 17:26Und das ist kein Krieg wie jeder andere, sondern wenn die Amerikaner ein Trauma
- 17:30haben nach Vietnam, dann ist es sicherlich Iran.
- 17:35Und die Geiselnahme amerikanischer Botschaftsangehöriger in Teheran,
- 17:39was immer noch über allem schwebt, was auch über Trump schwebt.
- 17:42Und das ist, glaube ich, eine Unkalkulierbarkeit, die dadurch kommt.
- 17:46Und natürlich muss Trump damit rechnen, dass die Russen diese Situation,
- 17:50diese Schwäche einfach versuchen zu nutzen für sich.
- 17:54Wobei eben nicht ganz klar ist, was glauben die Russen, was kommt dabei rum
- 17:58für sie? Also wenn sie Trump jetzt schwächen, wird es dann besser oder wird es schlechter?
- 18:03Glauben sie, dass die Amerikaner das amerikanische System.
- 18:08Quasi sich intern zum Stillstand kommt, wenn man den Demokraten quasi verhilft, nach vorne zu kommen.
- 18:15Wenn man ein Wahlergebnis anficht und sich dann in Amerika die Mächtigen drüber
- 18:18streiten, wer eine Wahl gewonnen hat.
- 18:21Ja, klar, genau. Also die Frage ist, ist es das? Erhofft man sich davon mehr,
- 18:24als dass man möglicherweise mit weiteren Telefonanrufen von Putin bei Trump
- 18:29im Grunde genommen erreichen kann.
- 18:31Auch da muss man immer unterstellen, dass die Russen ihre Lektionen gelernt
- 18:34haben. Wir wissen aber noch nicht so genau, ich weiß nicht genau, welche.
- 18:37Also welche Schlüsse sie aus der Entwicklung des letzten Jahres eigentlich gezogen
- 18:41haben, auch die Tatsache, dass die beiden besonderen Emissäre,
- 18:46Witkow und Kushner, seit Jahresanfang nicht mehr in Moskau gewesen sind,
- 18:51ist vielleicht ein Hinweis darauf, dass die Bromance sich so ein bisschen abkühlt.
- 18:56Lassen wir uns zum Schluss nochmal ein bisschen genauer auf Europa und auf Deutschland
- 19:01und die Wahrnehmung hier blicken.
- 19:03Die politische Kommunikation und wenn man so will, auch ein Stück weit die öffentliche
- 19:09Wahrnehmung, hinkt ja der Lage, wenn man so will, ein bisschen hinterher.
- 19:13Der Radcliffe-Trip nach Moskau hat erstaunlicherweise wenig Schlagzeilen gemacht
- 19:17bisher, vielleicht weil man nicht so genau wusste, was der dort getan hat.
- 19:21Aber auch zu den Drohnenvorfällen in Leipzig zum Beispiel, hat ja die Bundesregierung
- 19:26doch ziemlich zurückhaltend bisher kommuniziert.
- 19:29Merz hat sich jetzt zwar mit einigen Tagen Abstand geäußert und hat gesagt,
- 19:33die Täter sollten oder würden dafür bezahlen, aber er hat bisher ja nicht mal
- 19:37sozusagen die Verdächtigen genannt, vielleicht angedeutet, dass er da mehr weiß
- 19:41oder vielleicht demnächst mehr sagen will.
- 19:42Aber bisher ist das ja alles sehr kontrolliert, obwohl ja so vieles auf russische Sabotage dann deutet.
- 19:50Ist das verständlich? Ist das sinnvoll, so zu kommunizieren?
- 19:53Hat man vielleicht auch Angst, die
- 19:55Bevölkerung in gewisser Weise zu verunsichern, wenn man da mehr zu sagt?
- 20:00Ich glaube, es ist gar nicht so sehr die Bevölkerung, die da im Fördergrund steht, sondern die,
- 20:05die Uneinigkeit im Kabinett, also unter den einzelnen Ministern und damit auch,
- 20:09gewisserweise sicherlich auch parteipolitisch, aber das ist nicht die gesamte Erklärung.
- 20:13Also ich glaube, man kann schon sagen, die Bundesregierung eiert seit Leipzig ziemlich rum.
- 20:20Weil, und ich glaube, der Grund ist, dass man schon entweder weiß oder die Indizien
- 20:26sehr klar sind, dass es Russland ist, beziehungsweise ich glaube,
- 20:28mittlerweile ist es sogar klar, dass es Russland ist.
- 20:31Man hat, glaube ich, Angst davor, was ist denn die Konsequenz?
- 20:33Wenn wir das jetzt so offen sagen, Da müssen wir auch sagen,
- 20:35was machen wir denn jetzt?
- 20:36Und da haben wir jetzt, sieht man so indirekte Diskussionen,
- 20:40ob wir deswegen jetzt das russische Haus, also diese Kulturinstitutionen hier in Berlin schließen.
- 20:45Also Kultur muss man hier mit Anführungsstrichen bringen. Es ist sicherlich
- 20:49keine Kulturinstitutionen der normalen Art und Weise, sondern letztendlich eines
- 20:53Verbrecher- und Aggressorstaates, die wir hier mitten in Berlin dulden.
- 20:57Das ist sicherlich ein Vorgang für sich.
- 20:59Aber man sieht, die Bundespolitik ist irgendwie auf der Suche nach der richtigen
- 21:03Maßnahme. in dem Zusammenhang.
- 21:07Ich glaube, dass man sich im Kabinett und im Kanzleramt zurzeit noch nicht hundertprozentig
- 21:11einig ist, was man machen will. Merz will offensichtlich nach vorne preschen.
- 21:16So deute ich seine Aussagen von gestern, dass er sagt, diejenigen müssen dafür bezahlen.
- 21:20Weil dann weiß man eigentlich, dass die Frage ist, okay, wer soll denn jetzt
- 21:24dafür eigentlich bezahlen? Also die Frage wird die Presse jetzt ja stellen.
- 21:27Ich glaube, dass er gleichzeitig andere Minister hat, innerhalb der Koalition,
- 21:33man noch nicht ganz klar ist, wie man eigentlich hier in Zukunft damit umgehen will.
- 21:38Weil jetzt etwas passiert, was man glaube ich auch über den Sommer vergessen hat.
- 21:43Das betrifft uns alle. Ja, wir können, ich glaube, wir haben uns ein bisschen
- 21:47daran gewöhnt, dass dieses Narrativ zurückkommt, wir unterstützen die Ukraine,
- 21:50weil die Ukraine das braucht. Nee, wir tun das, weil wir das brauchen.
- 21:54Das Problem ist, dass hier geht es um unsere Sicherheit.
- 21:57Und das wird natürlich durch Leipzig nochmal sehr klar, dass wir hier betroffen sind.
- 22:02Und alle Versuche, das kleinzureden, sind mittlerweile halt auch zerflossen,
- 22:07weil jetzt auch rausgekommen ist, dass es hochprofessioneller Sprengstoff ist,
- 22:12der hier zum Einsatz hätte kommen sollen oder kommen sollte.
- 22:15Das heißt also, das ist nicht irgendwas, wie einige Experten in Anführungsstrichen
- 22:20gesagt haben, irgendwas, was ein dummer Jungenstreich gewesen ist,
- 22:23sondern das haben Leute gemacht, die das professionell machen und die es jeden Tag machen.
- 22:28Es sind professionelle Terroristen, die hier gerade am Werk sind.
- 22:33Wir behalten das weiter im Blick, auch hier bei Die Lage. Für heute bedanke
- 22:37ich mich für das Gespräch, Herr Mölling.
- 22:39Das war Die Lage International. Liebe Hörerinnen und Hörer, wie immer der Hinweis,
- 22:42wenn Sie Fragen, Hinweise oder Anregungen für uns haben, schreiben Sie uns eine
- 22:47Mail. Mich erreichen Sie unter steffen.gassel.de.
- 22:51Die nächste Folge gibt es, wie gewohnt, am kommenden Donnerstag auf RTL Plus
- 22:55und überall sonst, wo Sie gerne Podcasts hören.
- 22:57Danke für Ihr Interesse und bis dahin. Bis bald.