Latest / Erstklassisch mit Mischke - Klassik hautnah / Schlagzeugerin Vivi Vassileva
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- Aber beim Schlagzeug war es wirklich so, dass vom ersten Moment diese Anziehungskraft der Instrumente auf mich gewirkt hat und ja, also dieser Magnetismus einfach, ich sehe eine Trommel und ich will dahin, ich will sie anfassen, ich will sie spielen, ich will wissen, welche Rhythmen und welche Klänge man aus diesem Instrument holen kann. Das war schon immer so und das ist immer noch so. und, Erstklassisch mit Mischke, der musikalische Podcast des Hamburger Abendblatts. Music. Schönen guten Tag zu einer neuen Folge. Schlagfertig wird gern über sie geschrieben, obwohl sie bei ihren Auftritten wahrscheinlich wenig spricht, wenn überhaupt. Mit drei älteren Geschwistern, die alle Geige spielen, einem Vater, der Geige spielt, konnte aus ihr nur eins werden, nämlich eine Schlagzeugerin. Vivi Vassileva wurde im oberfränkischen Hof geboren. Ihre Familie stammt aus Bulgarien. Also versuche ich das jetzt mal. Dobrden. Dobrden. Oh ja. Kack's mir. Sehr schön. Und übrigens, falls Sie jetzt schon neugierig geworden sind, wer hier noch so alles zu Gast war und von sich berichtet hat, Sie finden erstklassisch mit Mischke auf allen gängigen Portalen und auf abendblatt.de. Fünf Sterne aufwärts als Bewertung werden schickt, dann machen wir weiter und freuen uns. Gut, aber jetzt erstmal zu den wichtigen Fragen des Lebens. Wann haben Sie eigentlich zuletzt Inventur gemacht bei Ihrem Fuhrpark? Wie viele Instrumente Sie so haben und so sind die alle? Also ich sehe mich als sehr organisiert und aufgeräumten Menschen, aber eine Inventur habe ich noch nicht gemacht von meinen Instrumenten. Sollte ich aber bald vielleicht mal machen. Und langsam bildet sich so ein Task in meiner To-Do-Liste. Aber es wird auch wahrscheinlich mehr sein als ein Keller voll, was Sie so benötigen und zusammengetragen haben. Auf jeden Fall. Also vor allem in den letzten drei, vier Jahren hat sich das exponentiell gesteigert, meine Instrumentensammlung. Und ich bin natürlich auch sehr stolz darauf. Und das Schönste ist, auch die Möglichkeit zu haben, um bei den Konzerten wirklich auf den eigenen Instrumenten zu spielen. Weil am Ende ist es bei uns Schlagzeugern auch nicht anders als bei den restlichen Instrumentalisten. Der Klang ist unsere Visitenkarte. Und wenn wir unsere eigenen Instrumente dabei haben, können wir natürlich genau das im Konzertsaal präsentieren, was wir stundenlang erarbeitet haben, was wir uns in unserem Kopf an Klangvorstellungen eben bilden, um dann im Saal klingen zu lassen. Und wo haben Sie das Ganze? Ich wohne in Ebensee, am Traunsee in Österreich und da habe ich ein 60 Quadratmeter Studio mit noch einem bisschen größeren Lager und da ist es sehr rappelvoll. Ich habe mal hier vor einiger Zeit Ihren Lehrer, auf den kommen wir noch, Martin Grubinger auch mal gehabt. Der wohnt, glaube ich, auch bei Ihnen um die Ecke mehr oder weniger am Attersee oder so in der Gegend da unten im Salzkammergut. Ja, genau, der wohnt ja auch um die Ecke. Ich habe die Folge auch gehört und sehr genossen, damals zu Pandemiezeiten. Dann ahnen Sie ja, worauf ich raus will, dass er sich, ich glaube, zwölfmal die gleiche Kuhglocke gekauft hat, während der Corona-Zeit festgestellt hat, dass er sie zwölfmal hat. Ist Ihnen das auch schon mal passiert? Da musste ich sehr lachen bei der Stelle und war dann dankbar, dass ich doch relativ aufgeräumt bin. Und ich versuche, sowas zu vermeiden. Aber bei der Kuhglocke vielleicht nicht. Aber was Trommelfälle angeht, passiert mir das schon. Also da habe ich auch schon immer wieder dasselbe gekauft, obwohl ich das eigentlich irgendwo hatte. Verleiht man sich eigentlich oder leiht man sich unter Schlagzeugern was, wenn einer sagt, ich brauche dieses oder jenes, ich habe es gerade nicht. Kannst du mir das mal ausleihen oder sind sie da kategorisch und sagen, nee, nee, nee, also da gebe ich nichts her. Ist das gegen die Schlagzeuger oder Schlagzeugerinnen ihre Dinge auch mal wegzugeben? Naja, also wir Schlagzeuger, wir sind, man sagt ja über uns, dass wir sehr gesellige Menschen sind, auch so im Orchester und ich glaube, wir sind so die Musiker, die sich auch am meisten gegenseitig unterstützen, weil wir einfach wissen, wie es ist, wenn man ein LKW voll Instrumente hat und da keine Hilfe bekommt. Deswegen, Ich glaube, es ist in unserer Natur, dass wir uns da gerne gegenseitig unterstützen und uns helfen. Von Martin habe ich unglaublich viel Instrumentarium ausleihen dürfen, als ich noch am Mozerteum studiert habe. Und es ist aber auch ein sehr schönes Gefühl, unabhängig zu sein und seine eigenen Instrumente zu besitzen. Aber für Schlagzeuge ist es überlebensnotwendig, würde ich sagen, dass man sich gegenseitig unterstützt und hilft, weil es einfach so viele Instrumente, manchmal sind es so spezielle Dinge, die man auch nicht gerade mal im Musikladen um die Ecke eben bekommen kann. Das ist dann etwas, wo man vielleicht um die halbe Welt reisen muss, um das zu bekommen. Und wenn man dann einen Kollegen hat, der genau diese, zum Beispiel diese African Bell hat oder diese japanische Temple Bell, dann hofft man schon auf Unterstützung und die bekommt man dann auch. Also da bin ich ganz stolz, dass wir Schlagzeuger solche Menschen sind. Und niemand hat alles. Also so ein Donnerblech in FIS oder so, das hat man nicht mal eben... Ja, genau, ein Donnerblech in Fis oder mal die ganze Oktave von den Thai-Gongs. Also wenn wir in der ganz tiefen, in der Kontraoktave, wenn wir davon sprechen, da ist ja ein Gong mehr als ein Meter Durchmesser breit. Und da ist man dann schon mal schnell bei 6000 Euro pro Ton. Holla, ja gut. Ich habe das ja eben schon erwähnt, Ihre Familie, im Prinzip spielt jeder Geige. Ich weiß gar nicht, ist Ihre Mutter auch Geigerin? Meine Mutter ist Pianistin. Pianistin, okay. Aber Sie sind alle, glaube ich, in Hof im Orchester mehr oder weniger zugange. Einer Ihrer Brüder ist in London, vielleicht auch jetzt noch, Konzertmeister. Die beiden anderen Geschwister spielen Geige. Also Sie sind das schwarze Schaf der Familie. So habe ich mich nie gesehen, aber ja, ich bin die Jüngste von allen und ich habe auch mit der Geige begonnen, aber es war eben so ein Ding, meine älteren Geschwister, meine damaligen Vorbilder, die machen das und dann mache ich das natürlich auch. Aber jeder, der ein Instrument spielt, jeder, der diese Leidenschaft kennt, wenn dieses Feuer nicht von drinnen kommt, dann ergibt das keinen Sinn bei diesem Beruf. Und bei der Geige war das so, ja, ich habe halt meine Geschwister imitiert, aber beim Schlagzeug war es wirklich so, dass vom ersten Moment diese Anziehungskraft der Instrumente auf mich gewirkt hat und ja, also dieser Magnetismus einfach. Ich sehe eine Trommel und ich will dahin, ich will sie anfassen, ich will sie spielen. Ich will wissen, welche Rhythmen und welche Klänge man aus diesem Instrument holen kann. Das war schon immer so und das ist immer noch so. Ich denke, das ist das Allerwichtigste bei einem Musikerberuf, dass man einfach diese ganz, ganz besondere Beziehung zu seinem Instrument hat. Es gibt auch keine Phantomschmerzen mehr, dass Sie sich dann sagen, ach, wäre doch schön, ist ja auch handlicher eine Geige, sie haben eine kleine Kiste, die ist überschaubar schwer und unhandlich, also das ist ja ganz was anderes als mit dem Fuhrpark und mit dem Kleinlaster durch die Gegend zu müssen. Ja, da würde ich tatsächlich lügen, wenn ich sage, dass ich da nicht ab und zu schon neidisch auf meine Familienmitglieder gucke mit ihr, wenn sie einfach die Geige auspacken und wir eben da teilweise sechs, sieben Stunden vor Konzertbeginn am Aufbauen, am Schleppen, am Schrauben sind, drei, vier Stunden nach dem Konzert am Einpacken sind. Aber ich sage immer, dafür haben wir am meisten Spaß. Dafür haben wir die schönsten Spielplätze. Sie haben ja, die Geschichte habe ich jetzt, ich weiß nicht wie oft gelesen, Sie haben als kleines Mädchen am Schwarzmeerstrand in Bulgarien das Trommeln für sich entdeckt. Das ist jetzt nicht direkt der klassische Weg dazu. Aber andererseits ist Schlagzeug auch kein wirklich klassisches Instrument, dem man so über den Weg läuft als kleines Kind. Ja, also das ist das Wunderschöne am Schlagzeug, dass wir in jedem Genre vertreten sind, in jedem Land, in jedem Kultur ist das ein wichtiger Bestandteil der Musik und ein Teil der Musik, den man auch nicht wegdenken kann, egal über welche Musikrichtung wir jetzt reden und natürlich auch in der klassischen Musik. Ich komme aus einem sehr klassisch musikalisch geprägten Milieu durch meine Familie und deswegen war das für mich sowas Besonderes, eben ein Instrument kennenzulernen, das auch in einer anderen Art so floriert. Also wie eben damals am Schwarzen Meer, als ich ein Kind war. Das waren Musiker, die ohne Noten einfach nur miteinander spontan gespielt haben, improvisiert haben, auch auf Instrumenten gespielt, die keine Instrumente waren, sondern sich aus Müll am Strand Setups gebaut haben, die richtig toll klangen. Also die wirklich wie ein richtiges Drumset klangen. Und das hat mich total fasziniert und es war für mich so begeisternd. Also ich war so begeistert zu sehen, dass es auch diese Art von Musik machen gibt, die einfach nur von innen kommt, nur aufs Gefühl. Und das hat sich so organisch damals und natürlich für mich angefühlt und trotzdem bin ich natürlich klassisch aufgewachsen, klassisch aufgewachsen, Klassisch erzogen, also mit klassischer Musik aufgewachsen, schon immer in Konzerte und Opern gegangen. Und das ist einfach eine wunderschöne Ergänzung und beim Schlagzeug auch ganz wichtig, dass wir offen sind für alle Arten des Musikmachens. Bei der Unmenge an Instrumenten, die Sie theoretisch wie praktisch bedienen und beherrschen können sollten, Da wird doch garantiert mehr als eins dabei gewesen sein, was ihnen wirklich Mühe bereitet hat, wo sie sich gedacht haben oder wo man auch merkte, das Ding ist jetzt schwerer zu spielen als, keine Ahnung, also Triangel wird ja immer gern genommen, von wegen man haut dagegen und fertig. Ist ja aber nicht so. Ist ja total kompliziert und komplex und anspruchsvoll. Aber in dieser Riesenauswahl von Instrumenten gab es da eins, was besonders schwer für sie war, um damit warm zu werden und zu sagen, so, ich weiß jetzt, wie das geht? Also ja, natürlich hat man Instrumente, das ist wie bei Menschen, wo man sich auf Anhieb miteinander versteht, wo es sofort Klick macht. Und bei anderen Instrumenten investiert man Zeit und Interesse und Neugier, bis dann eine intensive Beziehung zu diesen Instrumenten entsteht. Aber dass ich jetzt sage, ich musste warm werden, wäre jetzt stark übertrieben. Also das hatte ich bei keinem Schlagzeuginstrument, weil einfach diese Leidenschaft, von der ich gesprochen habe, diese Anziehungskraft, die habe ich wirklich bei jedem Schlagzeuginstrument. Ich finde Trommeln einfach toll. Ich finde die melodischen Schlaginstrumente toll. Lustigerweise kann man vielleicht sagen, dass ich ein bisschen länger gebraucht habe, bis ich wirklich neugierig war auf das bulgarische Volksinstrument, die Tappan. Also das ist eine große Trommel, die man sich umhängt und mit einem Holzlöffel und einem Stab spielt. Und da war ich als Kind ein bisschen eher verschreckt, weil der Klang kann sehr, undefiniert sein und unartikuliert. Aber es hat alles damit zu tun, wie man das Instrument stimmt und wie man das dann spielt. Und mittlerweile bin ich auch leidenschaftliche Dappern-Spielerin. Und generell würde ich sagen, bei diesen ganzen richtig großen Trommeln, auch die, naja, zum Beispiel die Pauken, da hatte ich einen großen Respekt davor als Kind. Aber das war eigentlich auch etwas, was sich sofort gut angefühlt hat. Da könnte ich jetzt auch nicht sagen. Vielleicht Setups auch. Auch Setups war etwas, wo man muss ja erst mal lernen, sich da hinzuschleppen, die aufzubauen. Ich glaube, ich habe, das könnte man sagen, ja. Also ich habe, früher hätte ich vielleicht bei einem Setup eher kleinere Trommeln genommen, weil es einfacher war, aufzubauen. Und heute bin ich da genau das Gegenteil. Ich will die größten Trommeln haben, weil die einfach den besten Sound haben. Ich will die größte Taiko haben. Und da geht es mir dann wirklich nur um den Klang und da habe ich mich innerlich überwunden. Da hatte ich anfangs schon einfach so ein bisschen Angst vor zu großen Instrumenten vielleicht, aber ja, also das sind jetzt kleine Nuancen. Grundsätzlich war ich immer fasziniert und immer sofort war mit allen Schlagzeuginstrumenten. Sie brauchen doch wahrscheinlich für viele Stücke in Ihrem Repertoire eine Art, wie soll ich sagen, choreografisches Gedächtnis, weil Sie mit allen Körperteilen gefordert sind, in alle Richtungen, mit allen möglichen Bewegungsabläufen. Ist das so oder ist es für Sie trotzdem noch so, dass Sie das mit den Noten lernen oder lernen Sie das wie eine Choreografie auswendig und wissen, intakt so und so, muss ich da hinten rechts hin, da hängt eine Trommel, die wartet auf mich. Das stelle ich mir unglaublich schwierig vor, wenn man vor lauter Bewegung gar nicht dazu käme, noch auf ein Notenblatt zu gucken, weil man irgendwo hinten rechts hin muss. Aber trotzdem muss man den Überblick behalten, was, wann, wie passiert. Ist das gar nicht so schwierig, wie ich das denke oder eine total komplexe Angelegenheit? Doch, das ist komplex und das ist ein großer Teil auch von wie ich mich vorbereite auf Konzerte. Also, dass ich wirklich mental diese ganze Literatur immer wieder auswendig wiederhole, auswendig lerne, wenn es neue Stücke zum Einstudieren gibt. Und das ist jedes Mal auch eine große Überwindung, wo der ganze Körper Widerstand hat. Man kennt das ja, wenn man so was Neues, Schweres lernt und der ganze Körper sagt dann, mach doch das, mach doch das. Dann kommt diese Ablenkung und Monkey Mind. Und da muss man immer wieder, nein, ich lerne das jetzt hier. Und und. Es sind auch beim Auswendiglernen und beim Einstudieren, das sind immer verschiedene Wege. Also es ist nie nur ein Weg. Also es ist nicht nur Muskelgedächtnis oder nur fotografisches Gedächtnis. Je mehr Wege im Gehirn man sich baut, um etwas auswendig zu lernen, desto stabiler kann man das dann auch im Konzert und vor dem Orchester abrufen. Und das ist super wichtig. Natürlich habe ich sehr viele verschiedene Positionen, genau wie Sie gerade beschrieben haben. Aber wenn ich dann an der jeweiligen Position bin, dann sehe ich die Noten vor mir. Also vor allem, wenn ich so komplexe Rhythmen einstudiere, dann ist es für mich am einfachsten, wenn ich wirklich den Rhythmus vor mir sehe, wie ein imaginäres Notenblatt Papier von mir. Dann gibt es natürlich die Takte, die man so auswendig weiß, genau wie sie beschrieben haben. Der Körper weiß dann, hier muss ich mich nach links drehen und ich muss meinen Arm ganz ausstrecken, damit ich diesen Stick in die Hand nehme. Und dann muss ich genau diese Trommel treffen oder beim Recycling-Concerto genau diesen Blumentopf. Und dann gibt es aber auch ein anderes fotografisches Gedächtnis bei mir, wo ich nicht die Noten sehe, sondern wo ich wirklich die ganze, also bei uns ist es ja nicht die Klaviatur, sondern die Marimba-Platten oder die Vibraphon-Platten oder Xylophon-Platten. Also ich sehe die weißen und schwarzen Platten, die sind ja bei mir alle einfarbig, aber ich sehe das und ich sehe ganz genau, wo ich wann spiele, in welchem Handsatz. Und wenn ich sehr, sehr komplexe Werke vorbereite, wie zum Beispiel Zercher Schlagzeugkonzert, also dieser legendäre Xylophon-Part, eine siebenminütige Odyssee auf Xylophon in Tempo 130, komplexeste Harmonien. Ganz atonal, super virtuos, riesige Sprünge. Und wirklich wie so ein Perpetuum mobile sieben Minuten durch. Das kann ich dann wirklich die sieben Minuten mir visualisieren. Also ich könnte dann jetzt die Augen zumachen und in genau sieben Minuten, wenn die Musik zu Ende ist, würde ich dann sagen, so jetzt habe ich mir das ganze Ding mental vorgestellt und so übe ich auch tatsächlich. Also. Zu dem echten Spielen. Also es sind viele verschiedene Dinge und dann hat man natürlich Stellen in der Musik, Passagen und Melodien, die man sich emotional merkt. Also da weiß man dann, das ist das Gefühl, was ich dabei habe oder das ist das Gefühl, was ich fürs Publikum haben möchte. Und das ist auch sehr, sehr wichtig, weil wenn man das nicht mitübt und dann im Konzert aber diese Emotionen jetzt transportieren will, aber man das nie so geübt hat, weil man gedacht hat, ich check jetzt nur mal die Töne, dann ist es auf einmal ganz anders. Und das ist dann, wenn so Blackouts oder sowas passieren. Und ja, also ich mache mir sehr viele Gedanken da, wie ich die Dinge auswendig lerne, wie ich die Dinge lerne. Und es gibt für jede, ich würde nicht sagen, dass es da die eine Methode gibt. Also es gibt für alle Passagen die verschiedensten. Und ich suche immer nach neuen Methoden. Und es ist auf jeden Fall sehr spannend. Aber das praktischerweise geradezu handwerklich Schöne an Ihrem Job ist ja bei vielen von diesem Repertoire, die allerwenigsten im Publikum werden merken, wenn sie sich verschlagen, dann ist es nur der eigene Ehrgeiz, der sie dann antreibt und sagt, also ich will das alles genauso spielen, wie es da steht. Wenn ich jetzt hier mal zwischendurch zwei, drei Sachen auslasse, das merkt keiner, das kommt ihnen nicht in Frage, so zu denken, sondern 100 Prozent. Das Ding ist, auch wenn das Publikum jetzt das nicht ganz genau weiß, die spüren das, weil die Energie ist ganz anders, wenn man jetzt sein Publikum anlügt oder wenn man wirklich genau diese Emotion, und genau diese Präzision ja auch vermittelt. Das hat eine ganz andere Energie und ich spüre das immer. Ich spüre mein Publikum immer extrem aufmerksam. Und ein anderes Thema ist bei uns Schlagzeuger. Ich glaube, was bei den Geigern die Intonation ist, egal ob jetzt jemand sich auskennt oder nicht, man hört das, ist bei uns das Timing. Also wenn bei uns mal ein Schlag wackelt und nicht ganz tight ist, also nicht ganz rhythmisch, das hört man bei Schlagzeugern viel schneller als bei Bläsern oder bei Streichern komischerweise. Also das ist viel heikler bei uns und es ist natürlich viel peinlicher, wenn ein Schlagzeuger unrhythmisch klingt. Können Sie sich das vergeben? Wie bitte? Können Sie sich das vergeben oder sind Sie da gegenüber sich selbst nachtragend, denken Sie sich, ach na ja, Gott, Takt 86 war nicht so doll, ist jetzt auch egal oder quält Sie das dann noch tagelang? Ja, also ehrlicherweise, ja, das quält unglaublich und ich glaube, viele Musiker, ich glaube, das ist eine Thematik für viele Musiker und ich freue mich sehr, dass ich sehe, dass offener geredet wird über dieses Thema. Auch an den Hochschulen gibt es mittlerweile Mental Coaches, auch die Orchester bieten für die Akademisten und Akademistinnen Mental Coaches an, damit man darüber spricht, weil früher wurde nicht darüber gesprochen und dann wurden diese zum Beispiel nach dem Konzert, ich muss ganz bewusst an mir arbeiten zum Beispiel, dass ich nach dem Konzert nicht, dass ich an alle schönen Momente denke und nicht, dass mein Gehirn mir nur erzählt, also die Stelle und die Stelle und dann denke ich tagelang nur an das und das ist fatal. Also das ist eine Riesengefahr, die wir Musiker haben. Ich behaupte, dass das bei nahezu allen Musikern so ist. Und es ist überlebenswichtig, weil man Methoden dagegen hat, gegen diese Gedanken und Dämonen. Die einen innerlich fressen möchten, weil am Ende geht es darum, ob man die Menschen erreicht hat, ob man die Magie in der Musik erreicht hat, ob man ein besonderes Konzerterlebnis geschafft hat. Und es ist jedes Mal neu aufregend und genau das macht ein Live-Erlebnis ja so atemberaubend. Gibt es eigentlich noch, oder vielleicht, ich kann auch das noch streichen, gibt es Vorbehalte gegen Schlagzeugerinnen, weil viele Leute denken, nee, also dieses ganze Gerät zu bearbeiten und so, all das, was da so rumsteht, das ist jetzt nichts für eine Frau. Passiert Ihnen das noch, dass jemand schräg guckt, sonderbar reagiert, wenn Sie sagen, übrigens, ich bin Schlagzeugerin? Also nicht in meinem direkten Umfeld, auch nicht im musikalischen Umfeld. Ich glaube, wir sind da schon sehr weit und die Dinge entwickeln sich zum Glück in eine gute Richtung. Aber unabhängig, ob jetzt Schlagzeugerinnen oder Dirigenten oder Posaunisten, Hornisten, das sind auch, und nicht nur in der Musik, Politikerinnen, wird immer noch kritisiert, Chefin in verschiedenen Bereichen in Unternehmen. Und ich glaube, alle Frauen erleben da Ähnliches, wenn sie einfach ambitioniert sind. Und es gibt immer Menschen, die ein anderes Weltbild haben und denen begegnet man. Aber in meinem direkten Umfeld in der Musik erlebe ich das sehr wenig und bin sehr froh darüber. Aber es ist noch ein weiter Weg zur Gleichberechtigung. Es gibt ja immer diese Vorstellung, dass Hunde und ihre Besitzer sich so ein bisschen annähern von der Mentalität, von der Optik und sonst wie. Instrumente und ihre Spielenden haben ja auch ein gewisses Verhältnis zueinander und das intensiviert sich im Laufe der Zeit. Was macht denn eigentlich Schlagzeugspielen mit dem Ego so auf Dauer? Mit dem Ego? Mit dem Ego. Also Sie sind, würde ich mal vermuten, charakterlich grundsätzlich anders angerichtet als, sagen wir mal, so eine dritte Geige oder eine Geige am dritten Pult. Weil Sie stehen vorne. Sie haben wahnsinnig viel Aufmerksamkeitsanziehendes um sich herum. Sie sind die Solistin. Also das könnten Sie auch mit einem Cello oder mit einer Geige oder sonst wie sein. Schlagzeug ist nochmal eine andere Hausnummer. Aber ich glaube, man wird nicht aus Versehen Schlagzeugerin. Und das wird sich doch auch auswirken, womöglich sogar aufs tägliche Leben. Ich bin nicht sicher, ob ich die Frage verstehe, also auf was wollen Sie hinaus, was meinen Sie? Ob man als Schlagzeugerin anders durchs Leben geht als eine zweite Flöte, meinetwegen. Ja. Denn Sie sind sowas von präsenter als ein Orchestermusiker oder als eine Orchestermusikerin, die im Kollektiv sitzt, spielt, arbeitet, lebt. Sie sind vorne, Sie stehen an der Rampe. Alle gucken Sie ganz anders an. Dann ist ja die Frage eher Solist oder Orchester, Tutti-Musiker. Ja, vielleicht auch die. Also Schlagzeug. Also ich glaube, dass je mehr Leidenschaft und je mehr man wirklich jede Note mit Leben und Emotionen füllt, desto mehr lebt die Musik. Und man sieht das auch in Orchestern. Warum sind die Berliner Flammoniker so legendär? Weil da eben auch die zweite Flöte und, wie Sie sagen, die zweite Geige am letzten Pult mit genau wie ein Solist spielt, mit Leidenschaft, mit Pugerenergie. Und das macht die Berliner Flamonika so einzigartig. Und ich glaube, es geht eher darum, dass das, was wir machen, dass wir das lieben und dass wir das mit Bedeutung füllen. Weil das Schlimmste in Kunst und insbesondere Musik ist, wenn es Routine wird und Alltag und wenn man das einfach so hinunterspielt. Und das freut dann auch kein Publikum. Und das immer wieder finden, egal ob man, wenn man viel Konzerte spielt und auch immer wieder Stücke wiederholt, immer wieder dieses Neuentdecken, diese neue Faszination, dieses Stück heute in diesem Saal so mit diesen Musikern, mit diesem Orchester zu hören, dann bleibt das lebendig. Und am meisten Spaß macht es mit... Musikern, egal ob es jetzt Orchester oder Ensemble oder Kammermusiker sind, zu spielen, die genau das auch suchen. Also diese Lebendigkeit und diese Liebe in jedem Ton. Deswegen sehe ich da jetzt keinen so großen Unterschied. Natürlich ist die Verantwortung groß und größer. Und wenn ich jetzt mit dem Orchester ein Schlagzeugkonzert einstudiere, dann muss ich auch alle Parts so gut kennen wie ein Diligent, weil das sind neue Stücke, die das Orchester jetzt nicht so im Repertoire hat. Das ist jetzt nicht, dass ich mit Tchaikovsky-Violin-Konzert komme und alle Streicher haben das gehört und können das perfekt begleiten, sondern im Gegenteil, die haben das nie gehört. Es ist teilweise sehr, sehr schwer auch zu spielen, schwer zu lesen, komplizierte Rhythmen, die nicht so gängig sind für den typischen Orchestermusiker. Und da habe ich dann natürlich eine Riesenverantwortung innerhalb der Proben, die Parts zu kennen, auch von Dirigenten, von der Dirigentin das einzufordern, dass dieses zeitgenössische Stück jetzt mit derselben Leidenschaft wie ein Tchaikovsky geprobt wird und dann auch auf der Bühne gespielt wird. Und da haben wir eine große Verantwortung. Und da dürfen wir uns nicht zu viel darauf verlassen, dass die schon alle ihren Job machen. Also wir müssen von der ersten Probe schaffen, dass wir die Musiker und die Dirigent, so wie wir begeistert sind für dieses moderne Werk jetzt, dass wir die begeistern, damit sie eben dann auch mit Feuer spielen. Deswegen freue ich mich auch riesig, dann mit der Jungen Deutschen Philharmonie zu spielen, weil das sind alles junge Leute, die haben total viel Lust, die sind technisch absolut fit und können alles spielen. Und das wird sicher ein sehr, sehr, sehr schönes Konzerterlebnis. Wenn Sie mit Ihrem Solo-Job durch sind, passiert es Ihnen manchmal, dass Sie sich dann in der zweiten Hälfte ins Orchester begeben und sagen, ich würde da gerne mitspielen? Also Julia Fischer, die Geigerin, hat mir mal erzählt, dass sie das gerne macht, wenn sie mit ihrem Solo-Job durch ist, dann sich mit ins Orchester setzt und mitspielt. Sind Sie darüber hinweg? Fehlt Ihnen das? Oder machen Sie das hin und wieder, dass Sie dann sagen, ah, jetzt eine von drei Pauken bei Belliose Symphonie Fantastique oder keine Ahnung, eine Beethoven-Symphonie, ich tausche mal mit dem Pauker, das wäre doch schön. Oder sind Sie dafür gewissermaßen verdorben, weil Sie durch diese herausgehobene Position als Solistin gar nicht mehr in diesem Aggregatszustand unterwegs sind als Orchestermusiker? Nein, also das würde mir total viel Freude bereiten. Ich habe es bis jetzt noch nicht gemacht, es hat sich noch nicht ergeben, dass ich nach einem Solokonzert im Orchester mitgespielt habe. Aber ich setze mich sehr, sehr gerne in die zweite Hälfte und höre dann der Symphonie zu und lausche und genieße das. Aber für mich ist Musik machen immer Musik machen. Aber jetzt im Orchester spielen, würde ich nicht sagen, dass es mir fehlt. Weil es war für mich immer klar, dass das nicht das ist, was ich will oder dass mir das nicht reicht. Als ich im Orchester Schlagzeug gespielt habe, habe ich immer neidisch zu den Geigern zur Flöte geguckt und gedacht, die spielen die Melodie und wir sind am Takte zählen, manchmal bis 100 Takte. Und das ist schon mühsam. Das vermisse ich nicht. Aber wenn man tolle Parts zu spielen hat, dann macht es total Spaß und dann würde ich auf jeden Fall gerne mitmachen. Ja, jetzt kommt die Abteilung wahrscheinlich richtig blöde Fragen. Ja, muss sein. Geht aber auch vorbei. Ist Ihr Beruf eigentlich noch Musik oder schon auch Hochleistungssport? Beides. Beides, auf jeden Fall. Ich habe das jahrelang ein bisschen unterschätzt und gedacht, ach, das passt schon, aber seit ich mich ein bisschen dem Gedanken geöffnet habe, dass es tatsächlich Hochleistungssport ist und das auch gewisse Dinge so auch angehe. Habe ich eigentlich nur Vorteile mir holen können im Spielen und bin freier geworden und habe mehr Klang rausholen können. Und es ist auf jeden Fall Hochleistungssport. Und ich finde es toll, weil Schlagzeug bietet einfach so viel. Also es ist mental eine riesige Herausforderung, sowieso diese wunderbaren zeitgenössischen Werke, die wir spielen. Und dann gleichzeitig einfach sich so auspowern können bei einem Konzert, bei einer riesigen Trommel, vor allem zum Beispiel Taiko spielen. Also da ist man wirklich richtig außer Puste. Das ist wie ein Marathon laufen. Und wenn man das auch so sieht und dafür trainiert, dann kann man eigentlich nur noch mehr Spaß haben dabei. Also so ein Kurs in enger Management, Wutkontrolle und so, sowas brauchen Sie nicht. Sie sind dann durch damit mit dem Thema, wenn Ihnen was auf die Nerven geht, sobald ein Konzert durch ist oder auch schon nach einer Überrunde? Nee, so würde ich das nicht sehen. Ich glaube eher, dass auch Schlagzeuge haben, Gefühle und Emotionen, die verdient haben, validiert zu werden und wo es uns auch besser geht, wenn wir diese Emotionen aussprechen. Es ist eher ein es ist wirklich eher, also, Wut würde ich nie an meinen Instrumenten auslassen, auch wenn das vielleicht so für den einen oder anderen, so aussehen mag von draußen aber es ist eher die Emotion, die wir aus der Trommel holen wollen, als dass wir jetzt sagen, ich bin jetzt so wütend und diese Trommel ist jetzt schuld, also so habe ich eigentlich nie gespielt und ich hoffe, dass ich auch nie diesen Weg gehen werde. Mhm. Wie ist es mit Ihnen noch, oder nee, eine andere blöde Frage womöglich. Ist es eigentlich egal oder vorteilhaft, ob man Links- oder Rechtshänder ist? Sie müssen ja eh mit beiden Händen arbeiten, im Zweifelsfall auch noch mit den Füßen am Schlagzeug und so. Macht sich das bemerkbar? Ich weiß nicht, sind Sie Links- oder Rechtshänderin? Ist das völlig egal? Es ist nicht egal. Es ist ein Riesenthema bei uns Schlagzeugern. Wirklich? Ja, ich glaube, es ist hilfreich, wenn man Linkshändler ist. Ich bin Rechtshändler. Ich musste immer und ich muss auch immer der linken Hand viel mehr Aufmerksamkeit geben als der rechten. Ich erinnere mich an meine allererste Schlagzeugstunde. Mein Lehrer hat gesagt, ja, du musst immer die linke Hand mehr üben und trotzdem wird sie die rechte nie einholen. Es ist wie die untalentierte und die talentierte Hand. und, ja und ich merke, dass ich ich mache bewusst im Alltag Tätigkeiten mit links, weil ich merke, das hilft der Koordination und, ich weiß, dass viele Schlagzeuger das machen, also ich putze mir extra die Zähne auch mal mit links oder wenn ich mir Pfannkuchen mache, rühre ich auch mal mit links. Wenn ich ganz viel Zeit habe, versuche ich mit Links zu schreiben und das hilft, weil bei uns. Wir Schlagzeuger sind, wir sind fanatisch dass wir die Sechzehntel ganz gerade spielen und zwar in den verschiedenen Techniken also Singles, Abwechseln, Doubles, rechts, rechts, links, links Pagadidels, eine Kombination von Singles und Doubles, rechts, links, rechts, rechts, links, Und je gleicher da die Hände sind, desto gerade rollen die Sechzehntel. Und das verfolgen wir unser Leben lang als Schlagzeuger. Also ich bin Linkshänder, dann habe ich ja womöglich noch eine Karriere im Alter vor mir. Ja, bei Ihnen wäre es dann so, dass Sie die rechte Hand extra hat. Ja gut, mit der kann ich so gut wie nichts. Können Sie jonglieren? Ihr Lehrer Martin Grubinger hat mir damals im Podcast gesagt, das gehörte bei ihm zum Unterricht. Nein, ich kann nicht jonglieren. Ich habe es bis jetzt auch nicht gebraucht. Aber hat er nicht versucht, auf Sie einzudreschen, du musst das lernen, das gehört dazu? Nein, zum Glück nicht. Er hat es nie erwähnt. Ich glaube, das waren bestimmte Methoden von seinem Vater wahrscheinlich. Ich habe irgendwo gelesen, dass Sie eigentlich auch mal in eine Rockband wollten. Haben Sie das ausprobiert? Ja, ich habe bei meinem allerersten Schlagzeugunterricht zu meinem Lager gesagt, ich will nur Drumset spielen. Ich will auf keinen Fall diese melodischen Instrumente spielen. Und ich war dann innerhalb von ein paar Monaten in einer Jazzband zuerst. Mit viel älteren Jugendlichen. Das war richtig toll. Da hatten wir auch super viel Gigs. Und dann später auch in einer Rockband, wo wir unter anderem Jimmy Hendrix und Red Hot Chili Peppers und sowas gespielt haben. Und dann mit zwölf, elf, zwölf, habe ich das Marimba-Phone entdeckt und habe mich total verliebt in diesen Klang. Und fand es dann eigentlich doch ziemlich cool, dass man auch mit Schlagzeugmelodie und Melodien und Harmonien spielen kann. Und es hat mich dann sehr fasziniert, dass man auch mit vier Schlägeln spielen kann, dass man sich begleiten kann, dass man fast wie am Klavier Akkorde spielen kann und Linien. Und ja, das liebe ich nach wie vor. Also kann ja sein, dass da noch was kommt als Nebenschiene dann. Nee, das habe ich abgeschlossen für mich. Das kommt nicht mehr. Haben Sie eigentlich als Schlagzeugerin eine Meinung zu diesen, ich weiß gar nicht, wie viele es davon gibt, die werden, glaube ich, geklont, jeden Winter von diesen, gibt es etliche von diesen Yamato-Trommlern, diese japanischen Show-Trommler mit diesen riesigen japanischen Trommeln, die dann auf Bühnen stehen und zwei Stunden lang darauf einschlagen. Können Sie das ernst nehmen oder ist das was ganz Tolles aus Ihrer Sicht? Ich frage mich immer, wie das ein Profi, der alles Mögliche andere macht, außer vor diesen Weinfässern zu stehen, wie Sie das sehen. Ich finde das total cool. Ich habe als Kind eine Dokumentation geschaut von solchen Trommlern, die aber nicht aus diesem Show-Bereich kommen, sondern die das für sich als Lebensstil haben, die dann auf einer Insel sind und ihr Leben lang trainieren, um diese Taikos zu spielen. Weil, wie ich ja vorhin auch erwähnt habe, das ist körperlich wirklich sehr anstrengend. Und da muss man jeden Muskel seines Körpers, Also diese Körperspannung, da muss man jeden Muskelfaser seines Körpers spüren. Und diese Show-Trommler, ich finde das super toll. Ich finde das cool, die Choreografien, die sie machen. Ich nehme es auch ernst, aber man muss dazu sagen, sie verkaufen sich als super traditionell. Und das ist eine kleine Show, eine kleine Show-Story, würde ich sagen. Also das hat sich in den letzten Jahrzehnten etabliert und natürlich benutzen sie das als Marketing, dass sie sagen, ah, die sind so traditionell. Aber diese Instrumente wurden eigentlich früher nicht als Show-Instrument benutzt. Die waren für Rituale, die waren für den Kaiser gedacht, für ganz, ganz besondere Feiern vom Volk und religiöse Rituale. Und dass das mit dieser Choreografie und diese riesigen Ensembles, das ist etwas, das sich im letzten Jahrhundert etabliert hat. Ich finde es super cool, aber man muss das wissen. Ja, also weil die kommen dann gerne und sagen, wir haben jetzt diese tausend Jahre alte Taiko Tradition und das stimmt nicht so ganz. Okay. Sie arbeiten ja auch viel mit zeitgenössischen Komponisten und Komponistinnen, die ja Stücke für Sie schreiben, die mit Ihnen in Kontakt sind. Was da nun passieren soll, das stelle ich mir manchmal auch anstrengend vor, wenn man vielleicht jemandem sagen muss, der sich extra hingesetzt hat, um was für mich zu schreiben. Wenn man dem dann sagen muss, also die Passage da, entweder die gefällt mir nicht oder die kriege ich so nicht hin. Das ist ja was anderes, als wenn Sie ein Stück wie das ZRH-Konzert haben, das ist halt so, da können Sie nicht mehr sagen, da die Ecke, die passt mir jetzt nicht. Wie ist der Umgang mit Komponistinnen und Komponisten für Sie, wenn man an so einem noch nicht fertigen Werk womöglich gemeinsam herumschraubt? Ich sehe es als riesengroßes Geschenk, diese Möglichkeit haben zu dürfen, die Komponisten und Komponistinnen zu beraten und es ist auf jeden Fall ein Druck da und man ist sich dieser riesigen Verantwortung bewusst, Weil die Dinge, die ich jetzt dem Komponisten oder Komponisten sage und die dann verändert werden, das wird dann so für die nächsten Jahrzehnte so bleiben. Und alle Schlagzeuger und Schlagzeugerinnen, die dieses Werk später spielen, werden diese Änderungen ja übernehmen, weil das ist dann, was in der Partitur steht. Bevor ich einem Komponisten sage, das geht nicht, übe ich das wirklich sehr, sehr ausgiebig, damit ich mir wirklich sicher sein kann, das geht nicht, bevor ich zu einem Komponisten sage und sage, das ist unspielbar. Also, weil man sich dieser großen Verantwortung bewusst ist. Gleichzeitig ist es ja wirklich, also wir sind ja eine Hilfe. Manchmal brauchen Komponisten diese Hilfe, auch weil sie eben die Instrumente nicht spielen. Und so wie bei jedem Instrument, es klingt ja dann am besten, wenn etwas wirklich fürs Instrument gemacht ist, wenn es virtuos ist, aber trotzdem rund läuft vom Instrument her. Oder wenn jetzt, ich hatte, es passiert oft zum Beispiel, dass wenn ein Komponist zu pianistisch denkt. Dass es dann, dass dann nicht alles geht auf dem Makenbafon, weil man muss trotzdem bedenken, ein Pianist sitzt am Klavier und muss die Arme nicht mal ausstrecken und kann schon das ganze Instrument betätigen. Und bei uns müsste man, damit ich mein tiefstes Zeh und mein höchstes Zeh spiele, müsste ich in eine riesige Grätsche gehen, müsste beide Arme ausstrecken und da ist dann einfach nicht mehr möglich, ein riesiges Pforte in schnellen 16. Zu spielen, wenn man in dieser Position spielen muss. Und das ist jetzt ein extremes Beispiel, aber da gibt es viele solche kleinen Nuancen. Und da ist einfach unsere Aufgabe als Uraufführende, die die Uraufführung spielen dürfen, ist unsere Aufgabe, da die Komponisten gut zu beraten. Und es ist super schön, dass wir nicht nur über diese technischen Dinge, sondern auch über die musikalischen Dinge, über die emotionalen Dinge in der Musik mit den Komponisten reden können. Also ein Geiger kann den Sibelius nicht mehr anrufen und wir können das. Und das ist schon sehr toll. Und auch einfach so ein Teil der Geschichte, der Musikgeschichte, die ja gerade geschrieben wird, die Schlagzeugliteratur, die jetzt entsteht. Da ein Teil dabei zu sein und zu spüren, dass die Präsenz etwas ausmacht. Das ist wunderschön. Und welchen Komponisten denn blöderweise schon verstorben ist, hätten Sie denn gern ein Konzert? Igor Stravinsky. Stravinsky, ja gut, ihn haben sie knapp verpasst. Knapp verpasst, ist auch daneben. Ja, also die Art, wie er einfach Rhythmus im Orchester und Rhythmus und Polyrhythmen verwendet hat. Und trotzdem, dass das ganze Orchester wie ein Organ klingt, das habe ich selten bei einem anderen Komponist gehört. Und es ist wirklich eine Tragödie. Also wenn KI mal so weit ist, müsste man auf jeden Fall die KI bitten, ein Schlagzeugkonzert Alastrawinski zu komponieren. Gibt es denn sowas wie ein, wieder eine blöde Frage, gibt es sowas wie einen Lieblingsrhythmus, den Sie haben? Sie haben kurz in Bulgarien, in Osteuropa gibt es wahnsinnig viele unregelmäßige oder nicht gerade getaktete Rhythmen. Fünf Achtel, sieben Achtel, elf Achtel, was weiß ich. All das, was gegen das, was wir hier in dieser Gegend für straight und gerade erachten, ganz selbstverständlich Usus ist. Liegt Ihnen das mehr oder sagen Sie sich auch, ich kann diesen Sechs-Achtel-Takt nicht ausstehen, egal was es ist, das nervt mich einfach. Passiert Ihnen sowas? Also ich habe viele Lieblingsrhythmen und die haben das schon sehr gut beschrieben mit den unregelmäßigen Takten, die natürlich in der bulgarischen Volksmusik sehr präsent sind. Und es ist tatsächlich so, dass die Bevölkerung da diese ganzen komplizierten Takte klatschen kann, auch wenn sie sonst keine musikalische Ausbildung haben. Und so ein Elfachteltakt, der kitzelt mich schon sehr angenehm. Das macht schon etwas mit mir. Das ist auf jeden Fall ein Lieblingsrhythmus von mir und viele andere. Genervt bin ich jetzt eher nicht von einem Rhythmus. Vielleicht, wenn es zu repetitiv ist. Aber das ist eher selten. Weil ich kann eigentlich, wenn ich irgendwie nach einem Konzert stundenlang nach Hause Auto fahre, dann kann ich alle möglichen Beats hören, die sich wiederholen. Und das wird mir nicht langweilig. Das ist für mich wie Meditation, wenn ich einfach in so ein Beat mich reinhöre. Ja, das ist für mich wie Meditation. Okay, dann kommen wir jetzt nochmal zu ein paar Fragen, die relativ kurz abzuhandeln sind womöglich. Wofür, außer wahrscheinlich für Schlagzeugzubehör und Putzmaterial und Transportkisten und so, wofür geben Sie unvernünftig viel Geld aus? Pflanzen. Wie Pflanzen? Ich liebe es, zu Hause Pflanzen zu haben. Und ich habe letztens viel Geld ausgegeben für so Topfpflanzen, weil ich es einfach so schön finde, wenn in jedem Zimmer so zwei, drei riesige Pflanzen und Bäume Blumen sind. Und das ist einfach der ganze Raum und die ganze Atmosphäre ganz anders. Ich habe auch in meinem Probenraum zwei Pflanzen. und es übt sich besser. Okay, na gut. Gibt es gewisse Reiserituale? Also können Sie nicht los auf Tournee, bevor nicht dies, das oder jenes in irgendeinem der vielen Instrumentenkoffer ist? Muss immer, keine Ahnung, das Bügeleisen von zu Hause dabei sein? Was geht nicht oder was brauchen Sie, um auf Tour nicht völlig die Nerven zu verlieren, weil irgendwas fehlt? Mein Practice Pad zum Üben. Ja, gut, das ist jetzt aber schon ja halb beruflich. Ich hatte eher auf andere Dinge gesetzt. Eine Sängerin hat mir mal gesagt, sie nimmt immer ein Messer mit, wenn sie irgendwo untergebracht ist in irgendwelchen Opernwohnungen, dann hat sie ihr vernünftiges Messerset dabei oder so. Aber was macht sie dann damit? Kochen. Ach so, puh, da müsste ich jetzt nachdenken. Ich bin eher minimalistisch, weil ich ja im Beruf einen ganzen LKW immer vollpacken muss. Und wenn das erledigt ist und ich sicher sein kann, dass ich keinen Schlägel vergessen habe oder keine Kaschichi, dann bin ich schon, das ist dann schon mehr als was ich brauche in dem Moment. Okay, aber was ist eine Kaschichi? Da bin ich jetzt doch überfragt. Das ist ein brasilianischer Shaker, ein brasilianischer Rassel. Na gut, das muss ich vielleicht nicht wissen, oder? In Ihrer Welt schon. Ich sehe es schon. Gut. Mal fünf kurze Fragen. Fünf Fragen, fünf Antworten. Kurz und knapp und gar nicht einfach. Die können Sie mit der einen oder anderen Variation beantworten. Piano oder Pforte? War mir irgendwie klar. Das Lieblingsinstrument und das eigene, also ihr ganzer Fuhrpark und die Geige gilt nicht. Aber es darf ein Schlagzeuginstrument sein? Ja, bedingt. Eigentlich ja nicht das eigene. Ach so, okay. Vielleicht schwärmen Sie für das Kontrafagott. Kontrafagott ist schon sehr schön. Bassklarinette mag ich sehr gern. Gut. Wissen Sie, was Sie mit Ihrer ersten professionellen Gage gemacht haben? Wahrscheinlich bei Ihren Eltern abgegeben oder so? Ich weiß es nicht, aber wissen Sie es noch? Ich weiß, ich erinnere mich an meine erste Gage. Habe ich damit gemacht? Ich habe mir sicher irgendwelche Noten und Sticks gekauft. Bier oder Champagner? Weder noch. Okay. Was ist das SchlagzeugerInnen-Typischste an Ihnen? Außer den Muskelpaketen womöglich. Wenn ich einschlafe, singe ich oder habe ich immer einen Rhythmus in mir drin, also so im Bett. Irgendein Rhythmus läuft immer. Sie klöppeln sich in den Schlaf gedanklich? Gedanklich, also ich bewege mich da nicht, aber ja, es gibt immer irgendeinen Rhythmus, der beruhigend wirkt. Gibt es einen Rat, den Sie Ihrem 20-Jährigen selbst geben würden, das ist jetzt noch nicht so lange her, aber vielleicht hat sich in der Zwischenzeit ja was getan, wo Sie sich denken, wenn ich mal das damals gewusst hätte? Hm. Ja, also Sie wissen ja, dass ich relativ spät zu Martin Grubinger zum Studium gewechselt bin und dann meine Technik komplett nochmal neu angefangen habe mit 24. Hätte ich diese Weisheiten mit 20 schon gewusst, hätte ich mich nicht beschwert. Ja gut, Augen auf bei der Berufswahl. Und die letzte Frage, was ist für Sie das Schönste am Schlagzeugspielen und was ist das Schlimmste? Also das Schlimmste ist auf jeden Fall die Logistik dahinter, die Planung, die Instrumente, das Aufbauen. Das Schönste ist diese unglaubliche Vielfalt und dass ich immer noch neues Instrumentarium kennenlernen darf, neue Techniken, neue Sounds und dass das immer auch mit einer neuen Kultur ist, die ich auch auf dem Weg dann mit kennenlerne. Und dass Schlagzeug so ein verbundenes Instrument ist. Musik verbindet sowieso Menschen, also das ist die starke Kraft, aber ich denke, dass Schlagzeug diese verbindende Kraft noch mehr hat, weil wenn Menschen zusammen trommeln oder allein wenn sie zusammen klatschen, schwingen sie gemeinsam. Das ist wie wenn eine Mutter ihr Baby in die Hand nimmt und die Herzklopfen synchronisieren sich und das ist, was passiert. Wenn Menschen gemeinsam trommeln. Es klingt so, als ob man sie nie im Leben von all ihren Instrumenten wegbekommen könnte. Das würde ich auch nicht wollen. Na gut, dann bin ich gespannt. Sie haben ja demnächst dann das Konzert in Hamburg. Ich habe wahnsinnig viel gelernt über das Schlagzeug, auch dass ich jetzt mit meiner Linkshändigkeit womöglich da noch was reißen könnte. Aber Ihr Konzert... Sie können ja heute Abend versuchen, mit links die Zähne zu putzen. Ich werde mal dran arbeiten, okay. Aber auf jeden Fall, 1. Oktober sind Sie hier wieder in Hamburg mit der Jungdeutschen Philharmonie. Es gibt Shostakovich 11, da sind Sie wahrscheinlich nicht mit dabei. Es sei denn hinten im Schlagwerk. Und dann gibt es ein Konzert von Afner Dorman, Frozen in Time. Das ist für Martin Grubinger geschrieben, aber das bleibt dann ja quasi in der Familie. Mal gucken, was da alles so aufgefahren wird. Haben Sie da lauter spezielle Dinge, die Sie dann dafür benötigen oder ist das relativ konventionell, was Sie dann als Fuhrpark dabei haben? Doch, da sind super spannende Instrumente dabei. Da ist zum Beispiel die Dabuka dabei, was für mich ja das allererste Schlagzeuginstrument ist, mit dem ich ja angefangen habe, mit dem ich die Liebe zum Schlagzeug gefunden habe. Das ist so eine arabische Handtrommel, die ganz hohe, brillante, virtuose Klänge hat und mit der Hand gespielt wird. Und dann gibt es noch die zwei Oktaven Sense Ros, also zwei Oktaven gestimmte Kuhglocken in einem super virtuosen Part, wo die Kuhglocken mit dem Marimbafon gemischt werden. Und es klingt sehr, sehr toll. Es ist ein super cooles Konzert. Es ist das meistgespielte Schlagzeug, Schlagzeugkonzert, das es gibt und ich freue mich riesig, dass 18 Jahre nach der Uraufführung, die ja Martin in Hamburg auch gespielt hat, wieder spielen zu dürfen in Hamburg. Na gut. Überredet, dann höre ich mir das wohl mal an und dann sehen wir uns da womöglich und erstmal vielen Dank für alles und ich wünsche alles gut. Ich weiß nicht, ob es was gibt bei Schlagzeugern, was man sich so wünscht, Mast- und Schotbruch, Hals- und Beinbruch, keine Ahnung, aber irgendwas wird es wahrscheinlich bei Ihnen auch geben. Auf jeden Fall alles Gute und wir sehen uns dann im Konzert. Vielen, vielen Dank. Ich freue mich. Bis bald. Dankeschön fürs schöne Gespräch.